Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gotha (Kreisstadt, Thüringen) 
mit umliegenden Orten 
Jüdische Geschichte / Synagoge  
   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Mittelalter   
19./20. Jahrhundert   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Sonstiges     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
   
Mittelalter 
    
In Gotha bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Erstmals wird um 1250 Jud Jakob aus Gotha mit seiner Frau Jutta in Köln genannt. Am 14. März 1303, als kurz vor dem Passafest im Zusammenhang mit einem angeblichen Ritualmord in Weissensee eine Judenverfolgung ausbrach, wurden auch in Gotha acht Juden ermordet. Im Februar 1349 wurden im Zusammenhang mit der Verfolgung während der Pestzeit Juden in der Stadt ermordet. Danach hört man wieder 1379 von jüdischen Einwohnern der Stadt. 
  
Die jüdischen Familien lebten im Mittelalter nahe am Markt in der Judengasse (heute "Jüdenstraße"). Im 16. und 17. Jahrhundert wird im Bereich der "Judengasse" ein "Judenbad" genannt. Haupterwerbszweig war der Geldhandel. 
    
1418 werden 10 Juden (mit Familien) genannt, insgesamt etwa 55 Personen. Damals war auch ein Rabbiner in der Stadt, der eine Schule (Jeschiwa) hatte, die auch von auswärtigen Studenten besucht wurde. 1417 wurde dieser Rabbiner zum "Judenmeister" ernannt. Um 1465 wurden die Juden aus der Stadt vertrieben. 
      
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 2005) 

Gotha JuedG 100.jpg (52210 Byte) Gotha JuedG 102.jpg (53558 Byte) Gotha JuedG 101.jpg (62499 Byte)
Die mittelalterliche jüdische Ansiedlung lag nahe beim Markt in der heutigen "Jüdenstraße"

     
   
19./20. Jahrhundert     
  
Zu einer Wiederansiedlung einiger jüdischer Kaufleute mit ihren Familien kam es 1768. Ihnen wurde erlaubt, in einem ihrer Häuser Gottesdienste abzuhalten und einen Friedhof vor dem Siebleber Tor anzulegen.  
  
In größerer Zahl war es jedoch erst nach 1848/1855 jüdischen Personen wieder möglich, sich in Gotha niederzulassen und das Bürgerrecht zu erlangen. 1866 konnten sechs jüdischen Familien eine jüdische Gemeinde in der Stadt gründen, die 1870 den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes erhielt. Nicht alle jüdischen Einwohner schlossen sich der Gemeinde an, da es im Herzogtum Coburg-Gotha damals keinen Gemeindezwang gegeben hat.   
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich - vor allem durch Zuzug jüdischer Familien aus der weiteren Umgebung - wie folgt: 1864 27 jüdische Einwohner, 1875 119, 1879 30 bis 40 Familien, 1885 244 jüdische Einwohner, 1896 297, 1900 296 und 1910/13 372.    
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle von 1876 unten). Seit 1. Januar 1877 war Lehrer in Gotha D. Röthler. Er blieb der Gemeinde über mehrere Jahrzehnte treu, konnte 1902 sein 25-jähriges Dienstjubiläum begehen (siehe Bericht unten) und war Liturg bei der Einweihung der Synagoge im Mai 1904 (sprach u.a. bei der Beisetzung von Landrabbiner Dr. Salzer in Stadtlengsfeld 1902, siehe Text).         
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Edwin Berent (geb. 24.12.1890 in Gotha, gef. 21.10.1914), Leutnant Walter Berent (geb. 30.3.1894 in Gotha, gef. 11.10.1918), Max Heilbrunn (geb. 29.1.1894 in Gotha, gef. 20.10.1914), Leutnant Hermann Meyer (geb. 9.10.1892 in Gotha, gef. 13.11.1918), Kurt Meyerstein (geb. 12.3.1895 in Gotha, gef. 8.6.1918)  und Felix Röthler (geb. 26.7.1896 in Gotha, gef. 23.10.1914). Außerdem sind gefallen: Unteroffizier Willi Meyer (geb. 2.2.1879 in Gotha, vor 1914 in Danzig wohnhaft, gef. 6.10.1914), Siegfried Müller (geb. 27.2.1892 in Gotha, vor 1914 in Leipzig wohnhaft, gef. 26.9.1914) und Alfred Ruppel (geb. 18.6.1883 in Gotha, vor 1914 in Coburg wohnhaft, gef. 16.7.1918).        
  
In den 1920er-Jahren zählte die Gemeinde etwa 350 bis 400 Mitglieder. 
    
Jüdische Gewerbetreibende hatten bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Stellung im wirtschaftlichen Leben der Stadt. Ihnen gehörten zahlreiche Geschäfte (Textilgeschäfte, Kaufhäuser, Schuhgeschäfte), Fabriken (Lederfabrik, Metallwarenfabrik, Porzellanfabrik) und Handlungen (Getreide- und Landesproduktenhandlungen, Viehhandlungen, Fellhandlung, Altwarenhandlungen). 1933 gab es sieben jüdische Ärzte und einen Rechtsanwalt. 
  
Um 1925 gehörten dem Synagogenvorstand an: Willi Herrmann (Hohe Straße. 11), Dr. jur. Otto Goldschmidt (zugleich Kassier), M. Grünstein, M. Ledermann, Rechtsanwalt Dr. Oppenheim, Fabrikbesitzer J. Simson. An jüdischen Vereinen gab es den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1878, 1932 unter Leitung von Minna Schäler, Hersdorfstr. 15 und 63 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker), einen Gemeindeverein (1932 unter Leitung von Louis Neuhaus, Waltershausenstraße), einen Jugendverein, die Gotha-Loga des Unabhängigen Ordens Bnei Berith (1932 unter Präsidentschaft von Kurt Simson, Friedrichstraße 19), eine Schwesternloge (1932 unter Vorsitz von Frau Lebram, Wilhelmstraße 1) und (nach 1930) eine Zionistische Ortsgruppe (1932 unter Vorsitz von Dr. Schramm, Herderstraße 8). Diese unterhielt auch eine private hebräische Sprachschule (1932 Leitung: Lehrer Posenmann, Krämpferufer 5, 9 Teilnehmer). Lehrer und Kantor war nach 1930 Joseph Liberles. Er unterrichtete im Schuljahr 1932/33 28 Kinder im Religionsunterricht. Zur Gothaer Gemeinde gehörten auch die in Waltershausen, Friedrichroda, Ohrdruf, Georgenthal und Bad Tennstedt lebenden jüdischen Personen (1932/33 zusammen 47 Personen). 1932 bildeten den Gemeindevorstand: Willi Herrmann (1. Vors.), S. Israelski (2. Vors., Gartenstraße). Es gab einen Schulausschuss unter Vorsitz von R. Schäler sowie einen Synagogenausschuss unter Vorsitz von Hugo Lewin. Für die Aufgaben der Wohlfahrtspflege gab es inzwischen eine "Örtliche Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege - Wohlfahrtsausschuss der Israelitischen Kultusgemeinde" (Vorsitzender Willi Herrmann, Hohe Straße 11).   
    
1933 wurde eine Höchstzahl jüdischer Einwohner mit 494 Personen erreicht. Mit dem Beginn der NS-Zeit und dem Boykott der jüdischen Geschäfte begann jedoch eine starke Abwanderung der hier noch lebenden jüdischen Einwohnern. Die Repressalien gegen die jüdischen Gemeindeglieder und ihre Einrichtungen hatten schon Jahre zuvor, u.a. mit dem vom Stadtrat 1931 ausgesprochenen Schächtverbot eingesetzt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. 1939 lebten noch 80 jüdische Personen in der Stadt.  
    
Von den in Gotha (dazu Friedrichroda) geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Eitel Max Adler (1903), Frieda Andacht (1903), Anna Baum geb. Baumann (1898), Max Baumann (1891), Selma Bergwerk (1905), David Blau (1883), Ernst Blau (), Max Blau (), Helene Blumenfeld (1896), Anna Brock geb. Grünbaum (1889), Rosalie Dominski geb. Wolff (1886), Fanny Ellendmann (1913), Hermann Ellendmann (1914), Ruth Ellendmann (1925), Charlotte Feibelmann geb. Gümpel (1880), Robert Feibelmann (1874), Erich Feige (1903), Günther Feige (1901), Lina Fibach (1906), Rita Fichtmann geb. Gottfeld (geb. 1909 in Friedrichsroda), Ludwig Freudenthal (1885), Jenny Szeindil Friedmann (1914), Pinkas Friedmann (), Regina Ryfka Friedmann (1875), Margarethe Friedrich geb. Bechhöfer (1898), Taube Geller (), Elias Gideon (), Aron Ginsberg (1902), Alfred Gottfeld (geb. in Friedrichsroda), Werner Wolf Gottfeld (geb. 1905 in Friedrichsroda), Marie Luise Gottschalk geb. Kunreuther (1895), Selma Grünebaum geb. Grünstein (1884), Julius Gründstein (1877), Irma Gurdaze (1869), Jenny Gutstein (1909), Bruno Ludwig Hartmann (geb. 1902 in Waltershausen), Lotte Heftler geb. Suss (1908), Kurt Heilbrunn (1938(, Carl Herrmann (1878), Carola Hirschberg geb. Popper (1887), Ida Katzenstein (1872), Thekla Kehr geb. David (1868), Anna Marie Kunreuther geb. Michaelis (1871), Toni (Sidonie) Kuznitzky geb. Worms (1874), Paula Lang geb. Strupp (1862), Ada Ledermann geb. Freudenthal (1890), Gertrud Ledermann (1887), Anna Lewin (1882), Else Lewin geb. Bach (1890), Heinrich Lewin (1876), Hugo Lewin (1875), Clara Liebermann geb. Treidler (), Hermann Herscz Liebermann (), Abraham Loew (), Sophie Loew (), Eugen Lorch (1885), Helene Lutzky (1893), Siegbert Lutzky (1897), Gertrude (Trude) Mayer geb. Blumenfeld (1906), Wilhelmine Muskat geb. Pollak (1897), Margarete Namm geb. Saberski (1887), Louis Neuhaus (1880), Martha Neuhaus geb. Wachtel (1890), Thekla Neuhaus geb. Neumann (1879), Gertrud Popper (1888), Jenny Prinz (1896), Marx Prinz (1899), Sophie Prinz (1926), Lina Rosenthal geb. Michlewitsch (1895), Louis Ruppel (1876), Walter Ruppel (1896), Siegbert Saberski (1886), Gertrud Salomon geb. Stern (1875), Max Schächter (), Sofie Schächter geb. Liebermann (), Elly Schattmann geb. Singer (1871), Erna Theresa Schenker geb. Sachs (1881), Bernhard Schleyen (), Bertha Schleyen (), Oswald Schleyen (),  Martha Schmelzer geb. Blumenfeld (1895), Erna Selig geb. Meyerstein (1890), Anna Serok geb. Rudkowksy (), Arnold Serok (1925), David Serok (1891), Moses Leisa Max Serok (1922), Rudolf Silbermann (191), Alice Singer (1878), Erich Singer (1875), Walli Singer (1886), Gretchen Stein (1895), Lina Stein geb. Weinstock (1864), Anna Sophie Süß (1906), Moses Tauber (), Bernhard Trauring (), Minna Trauring geb. Westreich (), Alex Siegfried Wachtel (1881), Judith Weissenberg (1931), Ruth Weissenberg geb. Stern (1904), Regina Weksler geb. Liebermann (1905), Emmy Will geb. Cohn (1884), Moses Wirth (1890), Bella Wochenmark geb. Freudenthal (1887).                
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Kantors und Schochet (1868 / 1876 / 1924)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1868: "Die israelitische Gemeinde in Gotha sucht einen noch jüngeren Mann, welcher das Amt eines Lehrers, Vorbeters und Schächters gleichzeitig ausfüllen kann. Gehalt ca. 200 Thaler mit entsprechenden Nebeneinkünften. Der Eintritt kann sofort stattfinden. Briefe bittet man der Expedition dieses Blattes sub H.H. Nr. 278 einzusenden."    
 
Gotha Israelit 26071876.jpg (58740 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1876: "Am 1. November dieses Jahres soll die Stelle eines Religionslehrers und Kantors, der zugleich Schochet sein muss, hierselbst neu besetzt werden. 
Gehalt beträgt 1.650 Mark (und zwar 1.350 Mark Fixum, sowie Mark 300 garantiert für Schechita) mit nicht unbeträchtlichen Nebeneinkünften. Bewerber, welche musikalisch gebildet oder in fremden Sprachen bewandert sind, finden bei der ihnen zu Gebote stehenden freien Zeit Gelegenheit zur Erteilung von Privatunterricht.   
Die gestellten Bedingungen sind sittlich religiöses Vorleben, angenehme geübte Stimme und Nachweis über perfekte seminarische Vorbildung. 
Offerten beliebe man baldigst zu richten an Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Gotha, Gustav Ledermann."  
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 14. August 1924
"Israelitische Kultusgemeinde Gotha 
sucht baldmöglichst einen Vorbeter, Religionslehrer und Schochet. 
Zeitgemäße Besoldung. Offerten mit Lebenslauf, Zeugnissen und Bild erbittet Willi Herrmann, Vorsteher. 
Gleichzeitig wird ein Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage gesucht."     

      
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer D. Röthler (1902)
    

Gotha Israelit 23011902.JPG (111102 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1902: "Gotha, im Januar (1902). Mit großem Vergnügen greife ich heute zur Feder, um Ihnen von einem schönen Feste zu berichten, welches unsere Gemeinde am 31. Dezember abends und am 1. Januar gefeiert. Es galt, das 25-jährige Dienstjubiläum unseres in allen Kreisen beliebten und hoch geehrten Lehrers, Herrn D. Röthler, festlich zu begehen. Der Jubilar hat in hiesiger Gemeinde eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltet und durch diese und seine Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue die Hochachtung aller Gemeindeangehörigen sich erworben. Dies bezeugte auch die Festesfeier, welche die Gemeinde zu seinen Ehren am Vorabend veranstaltete und zu welcher fast alle Mitglieder erschienen waren. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Kommerzienrat Goldschmidt, sowie die Herren Rosenblatt und Ruppel, schilderten in längerer Rede die vielen und hohen Verdienste, die Herr Röthler um die Gemeinde und Schule sich erworben, worauf der Gefeierte einen Rückblick warf auf seine Tätigkeit während seiner Amtszeit.   
Am Jubiläumstage selbst erschienen in großer Anzahl Gratulanten, wie der Gemeindevorstand, der Vorstand des Frauenvereins, die jetzige Schuljugend und ehemalige Schüler, die namhafte und wertvolle Geschenke überreichten. Glückwunschschreiben gingen von den städtischen und Regierungsbehörden, von der Geistlichkeit und dem Lehrerverein ein. Ein Delegierter des 'Israelitischen Lehrervereins Mitteldeutschlands' überbrachte die Glückwünsche dieses Vereins.  
Möge es Herrn Röthler vergönnt sein, in ungeschwächter Gesundheit zum Segen seiner Gemeinde weiter segensreich zu wirken!"  

      
Zum Tod von Lehrer Jakob Freudenberger (1911) 
  

Gotha Israelit 05101911.jpg (81107 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911: "Gotha, 18. September (1911). Im Greisenalter von 84 Jahren wurde uns unser Lehrer Jakob Freudenberger entrissen und unausfüllbar ist die Lücke, die sein Fortgang in unserer Mitte hinterlassen. Was wir an ihm verloren haben, das empfanden wir mit tiefem Schmerze bei seiner Beerdigung am Freitag, bei der sich noch einmal alle seine Freunde und Verehrer zusammenfanden, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die Herren Rabbiner Nathan Bamberger und Lehrer Goldstein ließen es sich nicht nehmen, dem teuren Freunde innige Worte des Gedenkens zu widmen und den Kindern Trost an seiner Bahre zu spenden. War doch der Verstorbene ein für die heilige Tora begeisterter Jude und ein hervorragender Gelehrter, geliebt und verehrt von allen, die ihn kannten, und ein liebevolles Gedenken wird ihm denn auch in den kreisen seiner Mitbürger bewahrt bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

    
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Die Stadtverordneten sprechen sich für eine weitere Aufnahme jüdischer Familien und den Erwerb des Bürgerrechtes aus (1855)
  

Gotha AZJ 05111855.jpg (83481 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. November 1855: "Gotha, 19. Oktober (1855). Die hiesigen Stadtverordneten haben in ihrer gestrigen Sitzung eine prinzipielle Frage entschieden. Seither hat nämlich in unserer Stadtgemeinde der Grundsatz Geltung gehabt, dass nur einigen Judenfamilien der Wohnsitz in hiesiger Stadt nachgelassen sein solle. In der gestrigen Versammlung kam nun bei Gelegenheit der Beratung des Status über den Erwerb oder Verlust des hiesigen Bürgerrechts auch die Frage zur Besprechung, ob die Verschiedenheit der Religion der Erwerbung dieses Rechtes hindernd entgegen treten dürfe. Die Versammlung verneinte gegen nur eine Stimme diese Frage und genehmigte als einzige Ausnahme, dass den fremden Israeliten die Erwerbung des Bürgerrechts versagt werden solle, welche einem Staate angehörten, in welchem eine Gleichberechtigung der Christen und Juden entweder überhaupt oder wenigstens in Bezug auf die Juden des Herzogtums Gotha nicht bestehe."      

   
Beschreibung des jüdischen Gemeindelebens in Gotha (1879)
  

Gotha Israelit 30041879.jpg (206656 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Aus Thüringen. Ich habe bei meiner Thüringer Rundschau bis jetzt Gotha's noch keiner Erwähnung getan. Diese inmitten einer fruchtbaren Umgebung gelegene, gewerbereiche, park- und schlössergeschmückte Stadt, der schönsten Perlen Thüringens Eine, welche seit Jahrhunderten den Juden ihre Tore verschlossen hatte, birgt jetzt ebenfalls eine jüdische Gemeinde in ihren Mauern. Von jüdischen Handelsleuten, namentlich Pferdehändlern, seit langen Zeiten schon viel gesucht und genannt, boten ihre Lage sowohl, als auch die humanen Regierungsgrundsätze des jetzt regierenden Herzogs gewerbe- und handelsbeflissenen Israeliten einen nicht geringen Anziehungspunkt zur Niederlassung, sodass schon 1866 sich dort eine Gemeinde konstituieren konnte, welcher 1870 von der Regierung die Rechte eine juristischen Person erteilt wurde. Die Gemeinde zählt gegenwärtig 30-40 Mitglieder. Sie unterhält eine Religionsschule, hat eben noch keine eigene Synagoge, wohl aber bereits einen kleinen, durch freiwillige Spenden entstandenen und durch solche immer mehr anwachsenden Fond zum dereinstigen Bau einer solchen. Außer den zur Gemeinde gehörigen Israeliten wohnen auch mehrere Israeliten daselbst, welche sich dem Gemeindeverbande nicht angeschlossen haben. Im Herzogtume Coburg-Gotha herrscht nämlich seitens des Staates kein Gemeindezwang. Es hat daher auch bei der Bildung der betreffenden Gemeinden keine äußere Nötigung, sondern nur das innere Religionsbedürfnis, der, dem religiösen Bewusstsein innewohnende Kristallisationstrieb die Gemeindegestaltung herbeigeführt, ein in unserer Zeit sicher recht erfreuliches Zeichen der unvertilgbaren Opferfreudigkeit des größten Teils unserer Glaubensangehörigen für die angestammte Religion! Es ist zu wünschen und zu hoffen, dass diese Energie des jüdisch-religiösen Bewusststeins, welche diese Gemeindeinstitutionen geschaffen hat, auch dem weiten Ausbau, der Förderung und Erhaltung derselben zugute komme! Das Laien-Selfgouvernement in den Religionsangelegenheiten einer Gemeinde, ohne geistliche Mithilfe, ohne fortgesetzte geistliche Mitarbeit hat indessen auch seine bedenkliche Seite. Es werden da oft die religiösen Institutionen nur bis zu einer gewissen Stufe entwickelt, (ja, es ist anders gar nicht möglich!), dann aber tritt Stillstand und in Folge dessen allmählicher Verfall ein. Es lässt solches Verhältnis einen Vergleich mit den klimatischen Verhältnissen eine hoch gelegenen Berggegend zu. Die Bewohner einer solchen sehen in ihrer, durch die Ortslage bedingten zwangloseren und freieren Bewegung mit einem gewissen stolzen Selbstbewusststein auf die Talbewohner herab. Aber während da unten die Aussaat schon zur reiferen Frucht gediehen ist und die Segensernte eingeheimst wird, ist man da oben in der Höhe noch weit von diese, Ziele entfernt. Die um soviel späteren und um soviel schwächeren Sonnenstrahlen vermögen hier nur ein dürftiges Wachstum, ein verspätetes Reifen zu bewirken oder es fahren auch die Winterstürme schon über die Hochfläche,    
Gotha Israelit 30041879a.jpg (207950 Byte)bevor es hier überhaupt zur vollständigen Entwicklung und zur vollen Reife zu kommen vermochte. So fehlt auch solcher in bloßen Laienhänden befindlichen Leitung der religiösen Gemeindeangelegenheiten das täglich sich erneuernde intensive Sonnenlicht, die rechte Sonnenwärme: das lebendige Wort der religiösen Belehrung in- und außerhalb des Gottesdienstes! Wie erwärmend und belebend dasselbe auf Geist und Gemüt zu wirken imstande ist, ist der Gemeinde in Gotha wohl unlängst wieder recht lebhaft zum Bewusststein gekommen. Vor einigen Wochen war nämlich der Großherzogliche Sächsische Landrabbiner, Herr Dr. Kroner, über Samstag in Gotha, bei einer dort wohnenden, ihm befreundeten Familie, zu Besuch. Bei dieser Gelegenheit aufgefordert, dort zu predigen, kam er dieser Aufforderung bereitwillig nach und zwar in der ihm eigenen meisterhaften Weise. Der Eindruck war ein mächtiger, was nicht zu verwundern ist, da dem vortrefflichen Manne die Macht der Rede in seltener Meisterschaft zu Gebote steht. Es wurde daher in der Gemeinde der Wunsch rege, denselben noch einmal zu hören. Herr Dr. Kroner entschloss sich deshalb Samstagabend einen öffentlichen Vortrag in irgendeinem Saale zu halten. Obgleich nun in öffentlichen Blättern dieses Vorhaben nicht angezeigt werden konnte, so füllte sich doch das in Aussicht genommene Lokal so sehr mit israelitischen und christlichen Hörlustigen, dass nach einem anderen größeren Lokale ausgewandert werden musste. Hier sprach Herr Dr. Kroner in 1 1/2-stündigem Vortrage über die Pflichten der Nächstenliebe, wie solche im schriftlichen und mündlichen Gesetze des Judentums zum Ausdrucke kommen, in so zündender Weise, dass die Zuhörer seinen Worten mit lautloser Spannung und Begeisterung folgten und nach Beendigung des Vortrags viele christliche Zuhörer dem Redner ihre Anerkennung unter Händedruck zu erkennen gaben. Es war ein wahrer Kiddusch Haschem (Heiligung des Gottesnamens) und ein Hochgenuss, welche den Gothaern sicher noch lange im Gedächtnisse bleiben werden.  
Das oben über das Laien-Selfgouvernement Gesagte ist übrigens nur eine allgemeine Bemerkung und soll auf die israelitische Gemeinde in Gotha durchaus keinen speziellen Bezug haben. Wir können vielmehr mit Vergnügen konstatieren, dass deren Leitung sich in sehr guten Händen befindet und bei dem religiösen Sinne des Vorstandes sowohl, als auch des größten Teiles der so viele hoch achtbare Mitglieder in sich schließenden Gemeinde eine Weiterentwicklung der Institutionen derselben im Geiste und im Sinne echtjüdischer Frömmigkeit zu hoffen ist. Gefördert würden solche allerdings noch mehr werden, wenn solche religiöse Genüsse und Anregungen, wie Herr Dr. Kroner sie der Gemeinde bereitet hat, sich oft wiederholten. Ein Anschluss an das Großherzoglich Sächsische Landrabbinat oder an das Rabbinat in Erfurt dürfte sich daher der Gemeinde Gotha sehr empfehlen."   

   
Die Kremation jüdischer Verstorbener hat einen relativ hohen Anteil (1883)
   

Gotha AZJ 13021883.jpg (40619 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Februar 1883: "Gotha, im Januar (1883). Dass es keinerlei Erscheinung gegenwärtig gibt, zu der die Juden nicht ihr Kontingent stellen, kann man auch aus Folgendem ersehen. Der hiesige Leichen-Verbrennungs-Apparat, der einzige, der bis jetzt besteht, hat vom 10. Dezember 1878 bis zum 10. Dezember 1882, also in 4 Jahren, 100 Leichen verbrannt, davon waren 70 evangelisch, 12 katholisch, 5 israelitisch, und bei 13 fehlte die Angabe der Konfession. Verhältnismäßig stellen also die Juden das stärkste Kontingent!"  

      
Gemeindebeschreibung in "The Jewish Encyclopedia" (um 1904) 

Gotha Synagoge 042.jpg (64559 Byte)Englischer Artikel über das jüdische "Gotha" in "The Jewish Encyclopedia" um 1904: "GOTHA: Capital of the duchy of Saxe-Coburg-Gotha, Hermany. A Jew named Jacob who lived at Cologne in the middle of the thirteenth century is designated as a native of Gotha (Höniger, 'Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarrer in Köln', p. 8 Nos. 39,40). In 1303 the Jews of Gotha, were persecuted in consequence of an accusation, which originated in the province, of having murdered the son of a miner for ritual purposes. The Nuremberg 'Memorbuch' gives the names of the victims of this persecution. The community was annihilated at the time of the Black Death, and a new community must have sprung up, which appears to have disappeared again in 1459-60, a period of renewed persecution. The exegete Solomon is designated as a native of Gotha. 
In the nineteenth century, prior to 1848, no Jews were permitted to live in the duchy of Gotha, although they could trade there under restrictions; after 1848 they were free to enter. They began to settle there in the sixth and seventh decades and founded a community in the capital which at first numbered only from ten to twelve families. The first communal officals were appointed in the eighth decade. There is no rabbi, affairs being managed hy three teachers. The community has a lterary society and a B'nai N'rith lodge. The synagogue was built in 1903. The first cemetery was situated on the Erfurter Landstrasse; when this was closed by the local authorities in the eighth decade, a new cemetery was acquired in the Eisenacher Landstrasse. In 1903 Gotha had a population of 29.134, of whom about 350 were Jews."   

   
Der Antisemit Philipp Stauff aus Berlin steht in Gotha vor dem Gericht (1914)   
Hinweis: über Philipp Stauff (1876-1923) informiert ein englischer Wikipedia-Artikel   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1914: "Gotha, 2. Januar (1914). Vor der Strafkammer des Landgerichts Gotha hatte sich wegen Beschimpfung der jüdischen Religion auf Grund des $ 166 des Strafgesetzbuches der Schriftsteller Philipp Stauff aus Berlin zu verantworten. Ein grob ausfälliger Artikel in der antisemitischen 'Thüringer Landeszeitung' mit der Überschrift 'Evangelische Führer' gab den Anlass zu der Anklage. Es heißt in dem Artikel u.a., dass die Juden die Christen 'nicht als Menschen, sondern als Vieh' betrachten, dass die Juden 'das Volk bewuchern und übervorteilen' und dass 'die jüdische Religion tief unter der katholischen steht in sittlicher Beziehung'. Der Angeklagte, der ohne jeden Beweis arbeitet, erklärte hierzu, dass er sämtliche Behauptungen mit voller Absicht aufgestellt habe. Er beruft sich des weiteren auf Talmud und Tora. Der Verteidiger machte lange Ausführungen über frühere Prozesse in Leipzig; er benennt schließlich Zeugen für die Richtigkeit der Angaben des Angeklagten und betont, dass dieser nicht das Bewusstsein gehabt habe, etwas Rechtswidriges zu begehen. Infolge dieser Anträge kam es zu einer Vertagung. Im nächsten Termin sollen neue Aktenstücke verlesen und Zeugenaussagen gehört werden."      

 
Schächtverbot in Gotha (1931) 
 

Gotha Israelit 19021931.jpg (90349 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1931: "Schächtverbot in Gotha. 
Berlin, 12. Februar (1931). Der Gothaer Stadtrat hat einen nationalsozialistischen Antrag auf Erlass eines Schächtverbotes für Gotha mit 17 gegen 14 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen angenommen. Für das Verbot stimmten die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und die Wirtschaftspartei, dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Deutsche Demokratische Partei und die Kommunisten. Die Deutsche Volkspartei enthielt sich der Stimme.   
Die 'C.V.-Zeitung bemerkt dazu u.a.: Die Stellungnahme der Wirtschaftspartei überrascht deswegen, weil sich die in Betracht kommenden Wirtschaftsorganisationen, die der Partei nahe stehen, aufs entschiedenste gegen das Verbot ausgesprochen haben, durch das sie schwere Schädigungen voraussahen... Die Gothaer Vorgänge beleuchten in dankenswerter Weise die Grundsatztreue gewisser Parteien und gestatten einen Vorausblick auf die Geschehnisse im thüringischen Landtag, wo bekanntlich in Kürze ein Betäubungszwangsgesetz für ganz Thüringen, in klarem Deutsch: ein Schächtverbot zur Abstimmung gelangen wird."       

  
Aus der NS-Zeit - "Deutscher Gruß" von Juden unerwünscht (1933)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Deutscher Gruß von Juden unerwünscht. 
Gotha
, 23. Oktober (1933). Die Gothaer Stadt- und Kreisleitung der NSDAP erließ folgende Bekanntmachung: 'Es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob Juden auch den deutschen Gruß zu leisten haben. Um alle Missverständnisse in Zukunft zu unterbinden, geben wir hiermit bekannt, dass der deutsche Gruß ein Gruß der Deutschen ist, der von Juden nicht nur nicht verlangt wird, sondern der von ihnen nicht einmal erwünscht ist. Die Bevölkerung wird daher ersucht, Juden, die den deutschen Gruß nicht anwenden, unbehelligt zu lassen.'" 

   
"Parteigenossen" dürfen sich nicht mehr von jüdischen Ärzten behandeln lassen (1933)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1933: "Gotha. Die Stadtkreisleitung der NSDAP bringt folgende Anweisung der Gauleitung zur Kenntnis: 'Jüdische Ärzte: Ebenso wie es den Parteigenossen untersagt ist, bei Juden zu kaufen, ist es auch nicht gestattet, dass sie sich in Behandlung jüdischer Ärzte begeben, da dies parteischädigend ist.'   

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
 
Dr. jur. Kunreuther aus Gelnhausen wird in Gotha als Rechtsanwalt zugelassen (1862)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November 1862: "Gotha, im Oktober (1862). Wie bereits in diesem Blatte angedeutet worden, hat die herzogliche sächsische Staatsregierung den aus seinem Vaterlande Kurhessen durch die ihm als Juden trotz glänzend bestandener Examina geschehene Verweigerung der Anstellung vertriebene Dr. jur. utr. Kunreuther (sc. aus Gelnhausen) zum Rechtsanwalt und Notar mit dem Wohnsitze Gotha ernannt und ist derselbe bereits in Geschäftstätigkeit getreten."      


Leutnant Dr. Alfred Wachtel wird mit dem Eisernen Kreuz I ausgezeichnet (1917) 

Gotha FrfIsrFambl 23021917.jpg (10458 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1917: 
"Gotha. Leutnant Dr. Alfred Wachtel erhielt das Eiserne Kreuz 1.Kl."   

  
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Werbung für das Israelitisch-Internationale Erziehungsanstalt für Knaben von M. Lichtenauer in Gotha (1870)
   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Januar 1870: "Israelitisch-Internationale Erziehungsanstalt für Knaben vom 10. Jahre an 
von M. Lichtenauer, Sprachlehrer in Gotha. Deutsch, französische, englische und italienische Sprache. Handelswissenschaften. Vorbereitung für das Militärexamen. Mäßiges Honorar." 

      
Anzeige des Eisenwarengeschäftes Gebr. Ruppel (1887)
    

Gotha AZJ 17031887.jpg (30875 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1887: 
"In unser Eisenwaren-Geschäft en gros & detail kann zu Ostern diesen Jahres ein junger Mann als 
Lehrling
eintreten. 
Gebrüder Ruppel, Gotha."   

   
Anzeigen der Fa. Gebr. Alsberg (1903 / 1904) 
 

Gotha Israelit 26111903.jpg (33674 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: 
"Wir suchen zum baldigen Eintritt ein Lehrmädchen 
aus guter Familie, mit guter Figur. Station (koscher), im Hause.  
Gebrüder Alsberg
, Gotha."  
  
Gotha Israelit 30051904.jpg (41791 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1904: "Wir suchen für unser Manufaktur-, Konfektions- und Kurzwaren-Geschäft einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen. Kost und Logis im Hause. 
Gebrüder Alsberg
, Inhaber G. Marcks, Gotha."    

   
J. Grünstein sucht eine Lehrstelle für seinen Sohn (1904)  
  

Gotha Israelit 08021904.jpg (33461 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1904: 
"Für meinen Sohn, der Ostern die Berechtigung zum Einjährigen erhält, suche in Frankfurt eine Lehrstelle
wo Samstags und Feiertage geschlossen. 
J. Grünstein
, Gotha."    

    
Anzeige von Dr. Sichel in Gotha (1907)   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom  15. März 1907: "Jüdisches Mädchen
das auch selbstständig zu kochen versteht, bei hohem Gehalt zu Arzt nach Tambach (Thüringen) zum 1. April oder nach Pessach gesucht. Offerten an 
Dr. Sichel, Gotha, Gartenstraße 32b."         

 
Verlobungsanzeige von Bertel Kaiser und Emil Ferchheimer (1922)
  

Gotha CV-Ztg 02119222.jpg (33695 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 2. November 1922: "Statt Karten. 
Bertel Kaiser - Emil Ferchheimer. Verlobte. 
Gotha, Lutherstrasse - Coburg."

        
       
Sonstiges    

Firmenkarte der Thüringer Woll- 
und Vliesfabrik
 Katzenstein & Hess (1911)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim / Ries) 
Gotha Dok 13020.jpg (211993 Byte) Gotha Dok 13021.jpg (218271 Byte)
  Die Firmenkarte der Thüringer Woll- und Vliesfabrik Katzenstein & Hess wurde von Gotha
 nach Colmar am 12. Januar 1911 verschickt. Die Woll- und Vliesfabrik ging 1912 in Konkurs. Am 1. August 1912 nahm in der Fabrik im Heutal (Heutalsweg 4) eine Matratzenfabrik von Carl Bollmann den Betrieb auf, die bis in die 1990er-Jahre bestand.  

         
         
         
Zur Geschichte der Synagogen      
   
Im Mittelalter dürfte ein Betsaal oder eine Synagoge vorhanden gewesen sein, von der nichts näheres bekannt ist.  
  
Nachdem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Familien zunahm, wurden zunächst Beträume in jüdischen Wohnhäusern benutzt. Zuerst im Eichelschen Haus (Hauptmarkt 36), danach im Liebensteinschen Haus (Schwabhäuser Straße 6) und ab 1877 im Rudolphschen Haus (Siebleber Straße 8). Ein jüdischer Reisender, der 1887 durch Gotha kam, hat auf Grund des vermutlich unscheinbaren Charakters des damaligen Bethauses ein anderes Gebäude als Synagoge "identifiziert" und in der Zeitschrift "Der Israelit" beschrieben, was jedoch alsbald durch einen Ortskundigen zurechtgerückt werden konnte: 
   
Fälschliche Beschreibung der Gothaer Synagoge durch einen jüdischen Reisenden (Verwechslung mit dem Haus der Freimaurerloge) und Richtigstellung (1887)   

Gotha Israelit 17101887.jpg (137528 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1887: "In Gotha, wo ich am Montag war und des Wochentages wegen die Synagoge nur von außen sehen konnte, macht dieselbe einen vornehmen Eindruck. Es ist ein regelmäßiger Quadratbau in grauem Sandstein, kleiner als der in Erfurt, und die Vorderfassade lässt nur durch einige architektonische Schnitzereien eine Synagoge vermuten. An der rechten Seitenwand von der Straße aus ist eine Steintafel eingelassen, auf der das Errichtungsjahr (ich glaube mich zu erinnern 1875-1877) angegeben ist, unter Bezugnahme auf den regierenden Herzig. Das Wort Synagoge aber und was sonst dem entsprechend, ist darauf nicht zu lesen, auch kein anderes 'jüdisch' Wort', das heißt kein hebräischer Buchstabe oder Spruch, z.B. 'Beth Jakob, l'chu, we-nelchu bedar Adonai' usw., wie man an anderen Synagogen liest. Ob dies der Furcht zuzuschreiben ist, offen aufzutreten, kann ich nicht wissen, doch ist die Synagoge in der vornehmsten Straße Gothas gelegen, nämlich in der Friedrichstraße (oder Allee), dicht beim Lustschloss Friedrichsthal, gegenüber der großartigen herzlichen Orangerie und ganz nahe vom jetzigen Wohnpalais des Herzogs. ich weiß nur nicht für wen die Synagoge hergestellt ist, denn in der Stadt - und es ist bei jedem Aufenthalt mein Vorsatz 'überall' gewesen zu sein und 'Alles' gesehen zu haben - habe ich nur 2-3 jüdische Namen gelesen, während man z.B. in Erfurt, namentliche am 'Anger' (Handelsstraße) viele jüdische Namen lesen kann."  
   
Gotha Israelit 17111887.jpg (58916 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1887: "...Der betreffende Referent schildert die Synagogen von Gotha, Meiningen und Coburg und behauptet, alles Diesbezüglich gründlich gesehen und berichtet zu haben. Wie gründlich der Referent zu Werke gegangen ist, wollen wir aus Nachstehendem ersehen: In Gotha stempelt er das Gebäude der dortigen Freimaurerloge zur Synagoge und hat keine Ahnung davon, dass die Gothaer Synagoge in einem ganz andern, als in dem beschriebenen Stadtteile liegt, und kein Gebäude aus grauem Sandstein, sondern vorläufig noch ein einfacher, provisorischer Holzbau ist."     

           
1903/04 baute die Israelitische Kultusgemeinde in der damaligen Hohenlohestr. 1 (heute Moßlerstraße) in neuromanischem Stil eine neue Synagoge. Architekt war Richard Klepzig aus Gotha. Die Synagoge wurde am 11. Mai 1904 in Anwesenheit von Landrabbiner Dr. Prager aus Kassel feierlich eingeweiht. Es war ein Zentralbau mit eine türmchenbekrönten Kuppel.   
 
Die Einweihung der Synagoge (1904)      

Gotha Synagoge 041.jpg (112781 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Mai 1904: "Gotha. Am 11. dieses Monats wurde unsere neue Synagoge in wahrhaft feierlicher Weise eingeweiht. Anwesend waren der Oberbürgermeister Liebetreu mit mehreren Vertretern des Stadtrats und der Stadtverordneten, Oberhofprediger Scholz, der Pfarrer der katholischen Kirche, Unkraut, der Geistliche der englischen Gemeinde, Hubbard, ferner Vertreter der Nachbar-Gemeinden. Im Namen der Regierung war Staatsminister Hentig erschienen, der folgende Ansprache hielt: "Im Namen Sr. Durchlaucht des Regenten und der Herzoglichen Staatsregierung danke ich zuvörderst für die freundliche Einladung zur heutigen Feier. Jede neue Stätte, die dem Gottesdienst errichtet wird, ist ein ragendes Zeichen für die Unvergänglichkeit des religiösen Sinnes in der menschlichen Natur, ein Denkmal des fortlebenden Idealismus, der nicht aufhört, nach dem Höchsten zu suchen und den irdischen Menschen im tiefsten und innersten Zusammenhang mit dem Ewigen zu denken. Solcher Sinn kann nur im Frieden der Religionsgemeinschaften untereinander gehütet und gepflegt werden. In unserem Lande ist uns dieser Frieden bisher beschieden gewesen; er wird, so hoffe und wünsche ich, auch für ferne, unabsehbare Zeit gewahrt bleiben. Indem ich im Höchsten Auftrage die Wünsche Seiner Durchlaucht des Regenten zur Vollendung ihres Werkes der kleinen, aber opferfreudigen Festgemeinde, die treu den Glauben ihrer Väter bewahrt, überbringe, schließe ich mich diesen Wünschen von Herzen an." Mit einer poetischen Widmung überbrachte sodann ein junges Mädchen auf seidenem Kissen den Schlüssel des Gebäudes dem leitenden Architekten, Herrn Klepzig, der ihn dem Herrn Staatsminister überreichte mit der Bitte, das Gotteshaus in den Schutz des Staates und der Stadt zu übernehmen und den Befehl zur Eröffnung zu geben. Der Minister gab den Schlüssel an den Herrn Oberbürgermeister Liebetreu weiter, der ihn mit Worten des Dankes für die Einladung und mit dem Versprechen, stets die Interessen der Gemeinde zu wahren, in Empfang nahm. Hierauf wurden die Pforten des Gotteshauses geöffnet und die Ehrengäste traten ein, von der versammelten Gemeinde mit dem Gesange des Boruch habo begrüßt. Nachdem Lehrer Roethler den Psalm 30 und dann im Wechselgesang mit dem Chor weitere Psalmen wirkungsvoll vorgetragen, sprach er ein warm empfundenes Gebet für den Kaiser, Herzog und Regenten, worauf die von dem Ältesten der Gemeinde getragenen Thorarollen unter den religiösen Gesängen in die heilige Lade gestellt worden. Die Festpredigt hielt Landrabbiner Dr. Prager - Kassel. Der Regent Erbprinz zu Hohenlohe hat auf ein Huldigungstelegramm der Gemeinde folgende Drahtantwort geschickt: "Ich freue mich mit Ihrer Kultusgemeinde der Vollendung Ihres Gotteshauses und danke bestens für den freundlichen und mir übersandten Gruß. Erbprinz Hohenlohe". Das neue Gotteshaus gewährt einen erhebenden, stimmungsvollen Eindruck. Möge es dazu beitragen, den religiösen Sinn in unserer Gemeinde wach zu halten.  
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1904:
ähnlicher, etwas kürzerer Bericht wie in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" (siehe oben)      

           
In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge zerstört. Am frühen Morgen des 10. November stand das Gebäude in Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Ruine stand noch einige Zeit. Die Abbrucharbeiten begannen am 10. März 1939. Die Kosten des Abbruchs hatte die Jüdische Gemeinde zu bezahlen.
   
Die Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938 - nach der Bericht in der NS-Tagespresse  

Gotha Synagoge 040.jpg (91611 Byte)Bericht vom "Brand in der Hohenlohestraße" im "Gothaer Beobachter" vom 11.11.1938: "Der Brand in der Hohenlohestraße. Wie wir gestern schon kurz berichteten, wurde auch in Gotha der feige hinterhältige Judenüberfall auf den deutschen Diplomaten in Paris mit einer Demonstration der Empörung gegen das Gothaer Judentum beantwortet. Schon kurz nach dem Bekannt werden des Hinscheidens des Botschaftsrats 1. Klasse vom Rath hatten sich im Stadtinnern zahlreiche Volksgenossen zusammengefunden, um ihrer Empörung Luft zu machen. In der Mitternachtsstunde erreichten diese Demonstrationen ihren Höhepunkt. Jedoch vollzog sich alles reibungslos und in geordneter Disziplin. Keinem Juden wurde auch nur ein Haar gekrümmt. Aber ihre Synagoge musste dran glauben. die Demonstranten zogen nach der Hohenlohestraße und in kurzer Zeit stand das jüdische Bethaus in Flammen. Vor Anlegung des Brandes wurde die Hausmeisterin benachrichtigt, sodass für Menschenleben keine Gefahr bestand. Dann ging das Judenhaus in Flammen auf. Im Nu stand die Kuppel in hellen Flammen, die Feuerwehr rückte heran und sorgte dafür, dass der Brand auf das Gebäude beschränkt blieb. Nach einigen Stunden, gegen 5 Uhr morgens, ging das Feuer zurück. Die Synagoge ist mit allem Inventar vollständig ausgebrannt. Es stehen lediglich noch die Außenmauern. 
Gestern Vormittag hatte sich der Brand der Synagoge in der Stadt schnell herumgesprochen, die Brandstätte wurde im Laufe des gestrigen Tages von zahlreichen Schaulustigen besucht. 
Dieser Ausbruch der Empörung war unvermeidlich und die Juden haben sch die Folgen selbst zuzuschreiben. Die Juden drinnen und die Juden draußen, das ist ja alles eine Judenschaft. Nun Schluss mit den Einzelaktionen, das Weitere werden Gesetz und Verordnungen besorgen."     

   
Seit 1988 befindet sich beim einstigen Synagogenstandort eine Gedenkstätte. Der Künstler Hans Klein aus Gotha gestaltete eine Plastik in Form von zwei abgewinkelten Stahlprofilen, die KZ-Zaunpfähle oder das zerbrochene Fenster eines Gotteshauses symbolisieren sollen.  
  
Aktuell in 2013: 2013 bestehen Pläne in der Stadt, die Gedenkstätte am früheren Synagogenstandort im Zuge des Baus des Einkaufscenters Residenzstadtgalerie zu überbauen. Im Bereich der Gedenkstätte ist eine Laderampe vorgesehen. Als Ersatz soll eine Gedenktafel am Zugang Gartenstraße angebracht werden.  
Seit November 2013 wurden von einer Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt an jedem Mittwochs Gedenkstunden veranstaltet. Ziel der Gruppe ist es, die Gedenkstätte zu erhalten. 
Vgl. Artikel in der "Thüringischen Landeszeitung" vom 3. Dezember 2013: "Gotha: Gedenkstätte in der Moßlerstraße lädt mittwochs zum Erinnern ein..."    
  
  
 
Adresse/Standort der Synagoge
  
Die Häuser mit den Beträumen nach 1866
-  Eichelsches Haus: Hauptmarkt 36 (Gebäude besteht noch)  
-  Liebensteinsches Haus: Schwabhäuser Straße 6 (1994 abgebrochen)  
-  Rudolphsches Haus: Siebleber Straße 8 (heute Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde)  
  
Synagoge von 1904: Hohenlohestraße 1, heute Moßlerstraße beziehungsweise Straße "An der Synagoge" (Gedenkstätte)  
    
    

Fotos
(Historische Fotos aus verschiedenen Publikationen; Fotos untere Zeile: Hahn, Aufnahmedatum 12.8.2005) 

Gotha Synagoge 004.jpg (71652 Byte) Gotha Synagoge 003.jpg (66866 Byte) Gotha Synagoge 002.jpg (69620 Byte)
Historische Ansichtskarte von Gotha 
mit Synagoge (links unten)   
Außenaufnahme 
der Synagoge 
Innenaufnahme 
    
        
  Gotha1.jpg (41154 Byte) Gotha2.jpg (73138 Byte)
  Obige Karte wurde mit freundlicher Genehmigung von Frantisek Bányai aus der 
Website www.judaica.cz übernommen.   
      
Die Gedenkstätte für die Synagoge    
Gotha Synagoge 102.jpg (52635 Byte) Gotha Synagoge 101.jpg (78512 Byte) Gotha Synagoge 100.jpg (62593 Byte)
Straße "An der Synagoge" - im Hintergrund 
ein inzwischen unbewohnter Plattenbau 
Gedenkstätte am Synagogenplatz, 
1988 von Hans Klein errichtet 
Inschrift und Abbildung der 
Synagoge am Denkmal 

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

August 2009: Vierte "Stolpersteine"-Verlegung in Gotha  
Artikel in der "Thüringischen Landeszeitung" vom 11. August 2009 (Artikel):  "Gothaer stolpern über vierte Steinverlegung
Gotha
. (tlz/bau) Vier weitere Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig erinnern seit gestern an das Schicksal jüdischer Mitbürger und Holocaust-Opfer aus Gotha. Erstmals verlegte Demnig in Gotha einen Stein für einen Angehörigen der Sinti und Roma.
Den Stolperstein für Monika Mettbach stiftete die Schulgemeinde der Herzog-Ernst-Schule. Sechs ihrer Schüler hatten bei dessen Aufenthalt in Gotha 2008 die Aktion unterstützt und unter anderem auf das Schicksal mehrerer Kinder aufmerksam gemacht, die zu den Opfern nationalsozialistischen Terrors gehörten. Für eines dieser Kinder sollte eigentlich ein Stolperstein gesetzt werden, da aber das einstige Wohnhaus im Bereich des Mohren-Busbahnhofs stand, verständigten sich Aktionsbündnis und Schule darauf, den Stein für die im Alter von zwei Jahren ermordete Monika Mettbach zu setzen. Der hat seinen Platz im Ulmenweg, wo vor mehr als 60 Jahren offenbar eine Barackensiedlung stand, in der Monika Mettbachs Familie untergebracht war.  
Albrecht Loth vom Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt ist mit dem Fortgang der Stolperstein-Aktion in Gotha mehr als zufrieden. Seit 2006 gab es jedes Jahr eine Verlegung von Stolpersteinen. Dieses Jahr zwar nur vier an der Zahl, aber es gibt immer noch Interessenten, die die Aktion unterstützen, sagt Albrecht Loth. 
Stolpersteine gibt es im Kreis außer in Gotha noch in Waltershausen und Friedrichroda. Bundesweit erinnern 471 Kommunen auf diese Weise an jüdische Mitbürger, Homosexuelle, Sinti und Roma oder Zeugen Jehovas, die Opfer nationalsozialistischen Terrors wurden. Bundesweit wird so inzwischen mehr als 20 000 ermordeten Menschen gedacht."
  
September 2011: Sechste "Stolpersteine"-Verlegung in Gotha    
Artikel von Klaus-Dieter Simmen in der "Thüringischen Landeszeitung" vom 29. September 2011: "Zum sechsten Mal verlegt Gunter Demnig Stolpersteine in Gotha
Link zum Artikel; auch eingestellt als pdf-Datei.    
 
September 2013: Weitere "Stolpersteine"-Verlegung in Gotha   
Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" vom 26. September 2013 (Link zum Artikel): "Aktion Stolpersteine gegen das Vergessen wird fortgesetzt
Gotha. Heute sollen in Gotha erneut Stolpersteine verlegt werden, um an Opfer des Nazi-Regimes zu erinnern. Darüber informierte Albrecht Loth im Auftrag des Aktionsbündnisses gegen rechte Gewalt, der Initiative gegen das Vergessen und von Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Gotha.
Die ersten drei Stolpersteine werden um 11 Uhr in der Gartenstraße 32 b verlegt. Sie erinnern an die Familie von Leo Heilbrunn (geb. 1905), seine Mutter Betty (geb. 1875) und seine Frau Margot (geb. 1910), die 1938 nach Palästina emigrierten. Drei weitere Stolpersteine gespendet vom Ehepaar Dr. Volkmar und Dr. Regina Fritzsche und der Gothaer Stadtratsfraktion SPD-Bündnis 90/Die Grünen - erinnern in der Goldbacher Straße 1 an die Familie des Kaufmanns David Blau (geb. 1883), seine Frau Anna und ihren Sohn Ernst, die man 1938 nach Polen abschob.
Mit einem Stolperstein erinnert in der Lucas-Cranach-Str. 1 der Altstadtverein Gotha an Lina Rosenthal (geb. 1895), die 1942 im Ghetto Belzyce (Polen) ermordet wurde. "    
 
November 2013: Gedenkstunden am früheren Synagogenplatz  
Artikel in der Thüringischen Landeszeitung" vom 2. Dezember 2013: 
"Gotha: Gedenkstätte in der Moßlerstraße lädt mittwochs zum Erinnern ein..." 
Link zum Artikel     
 
Mai 2014: Die "Initiative Gothaer Bürger zur Erhaltung des Gedenkortes Jüdische Synagoge" trifft sich regelmäßig 
Artikel in der "Thüringischen Allgemeinen" vom 14. Mai 2014: "Ziel: Erinnerungsort für die Synagoge
Gotha. In Gotha gründet sich eine Initiative. Einmal im Monat Treffpunkt in der Moßlerstraße.
Am vergangenen Sonntag trafen sich in der Moßlerstraße 22 Personen am Denkmal der ehemaligen Synagoge. Anlass war der Jahrestag der Einweihung dieses Hauses vor genau 110 Jahren. Es gab in Gotha damals eine große jüdische Gemeinde; die Synagoge war ihr Zentrum.
'Die jüdischen Mitbürger waren hier zu Hause und haben unsere Stadt bereichert', heißt es in einer Pressemitteilung von Bärbel Benkert, die zur in Gründung befindlichen 'Initiative Gothaer Bürger zur Erhaltung des Gedenkortes Jüdische Synagoge'..."  
Link zum Artikel    
 
August 2014: Weitere "Stolpersteine"-Verlegung in Gotha   
Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" vom 5. August 2014: "Fünf neue Stolpersteine in Gotha verlegt
Gotha.
Vereine und Bürger der Stadt unterstützen die Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus. 58 solcher Gedenkorte gibt es jetzt in Gotha.
Erst kreischt eine Betonsäge, dann rattert ein Presslufthammer: Vor dem Haus in der Schützenallee 26 in Gotha wird gestern Nachmittag ein kleines quadratisches Loch in den Gehweg getrieben. Es nimmt wenige Minuten später einen Stolperstein auf. Er wird fachmännisch vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, jenem Mann, der die Stolperstein-Aktion 1993 angestoßen hat. Seitdem wurden über 47.000 dieser Erinnerungsstücke in Deutschland und Europa verlegt. In Gotha kamen gestern fünf neue hinzu - 58 gibt es jetzt in der Stadt..."  
Link zum Artikel     

         
          

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Gotha   
Informationen zum jüdischen Friedhof in Gotha (interner Link)
Gedenken an die Ereignisse in der Pogromnacht 1938 in Gotha: hier anklicken  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 295f; III,1 S. 457-460.   
Jüdische Landesgemeinde Thüringens (Hg.): Die Novemberpogrome. Gegen das Vergessen. Eisenach - Gotha - Schmalkalden. Spuren jüdischen Lebens. 1988. 
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 272-274. 
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link).     

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gotha Thuringia. Jews lived there at the turn of the 12th and 13th centuries and possibly earlier. Until the 16th century the history of the local Jewish community was marked by successive expulsions and returns. Following the last expulsion in 1543, Jews were not allowed to return to Gotha until 8 June 1768. The Jewish population began to increase following emancipation of the Jews of Saxony-Coburg-Gotha in 1852. They numbered 27 in 1864; 119 in 1875; 296 in 1900; and 372 in 1910 (total 39,553). Antisemitism and Nazi incitement were widespread in Gotha even before 1933. In Februar 1931, the majority of the city council voted to prohibit ritual kosher slaughter. The Nazi takeover in 1933 accelerated emigration, reducing the size of the community from 350 in 1932 to 264 according to the June 1933 census. The local Nazi newspaper conducted a vicious antisemitic campaign, publishing in September 1935 a list of 147 adult Jews "with whom we may no longer associate". Jews wishing to emigrate were assisted by a counseling center at the Confessor's church headed by the evangelical priests Gerhard Bauer and Werner Sylten (the latter recognized posthumously as one of the Righteous among the Nations). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned down; Jewish shops were vandalized and pillaged; and 38 Jews were deported to the Buchenwald concentration camp. In 1939, only 80 Jews were left in Gotha and 39 in 1940-41. Probably in September 1942, 28 Jews were deported. To escape deportation at least seven Jews in Gotha committed suicide.   
   
       

                   
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Stand: 11. August 2014