Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Friedrichroda (Kreis Gotha, Thüringen)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur jüdischen Geschichte in Friedrichroda  
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Friedrichroda   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Friedrichroda             
    
In Friedrichroda lebten seit Mitte des 19. Jahrhunderts wenige jüdische Familien, ohne dass es zur Gründung einer jüdischen Gemeinde gekommen ist. Mit der Entwicklung Friedrichrodas zu einem viel besuchten Luftkurort siedelten sich in der Stadt zeitweise auch mehrere jüdische Pensionen und Kureinrichtungen an. Unter den jüdischen Restaurants ist besonders das streng rituell geführte Restaurant von J. Weil's Witwe zu nennen (seit 1891 in Friedrichroda), das einige Jahre später von S. Charig übernommen wurde (siehe Anzeigen unten zwischen 1891 und 1904). 
   
Die in Friedrichroda lebenden jüdischen Personen gehörten zur jüdischen Gemeinde in Gotha.           
   
Nach Ende der 1920er-Jahre handelte es sich um sechs jüdische Familien/Haushaltungen mit etwa 20 Personen: 
    
Bettina Brenner (geb. 1877), seit 1931 Inhaberin eines jüdischen Fremdenheimes im Schreiberweg 3; zum Haushalt gehörte die Mutter von Frau Brenner, Rosa Brenner. Die beiden konnten gemeinsam mit ihrer Hausdame Helene Misch nach der Enteignung und "Arisierung" ihres Hauses in der NS-Zeit nach Chile emigrieren. Seit März 2017 erinnern "Stolpersteine" vor dem Haus an die drei Personen.  
Margarete Schubert geb. Zweig (geb. 1881), Inhaberin des Hotels Schauenburg in der Wilhelmstraße 7; der Ehemann von ihr war nichtjüdisch. Nach seinem Tod musste Frau Schubert das Hotel verkaufen; in der Zeit des Zweiten Weltkrieges musste sie Zwangsarbeit leisten; im Januar 1944 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, das sie zwar überlebte, doch starb sie an den Folgen der Haftzeit im Oktober 1946 in Friedrichroda. 
Dr. Leonie Cohn geb. Kawalek (geb. 1892), Leiterin einer Privatklinik Am Gottlob 7.  
Ernst Kahn mit Frau Maria Kahn geb. Wolf und ihren drei Söhnen Werner, Richard und Walter in der Rosenau 8. 
Heinrich Brandes mit Frau Gertrud Brandes geb. Cerf und ihren Kindern Herbert, Edwin und Margarete im Haus Alexandrinenstraße 31.   
Emmy Levy (1874) im Haus Alexandrinenstraße 31     
     
In den Jahren nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Frau Dr. Cohn wurde als erste zur Aufgabe ihrer Privatklinik gezwungen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Fremdenheim von Bettina Brenner von Nationalsozialisten überfallen. Im Zusammenhang mit dem Pogrom wurden Ernst und Werner Kahn verhaftet: Sohn Werner Kahn wurde in das KZ Buchenwald verschleppt; Vater Ernst Kahn wurde zwar freigelassen, doch starb er bereits am 17. November 1938. 1939 konnte Frau Brenner mit ihrer Mutter und ihrer Hausdame Helen Misch nach Chile emigrieren. Frau Dr. Cohn zog 1939 - inzwischen schwer erkrankt - in ein "Judenhaus" nach Erfurt, nachdem das Krankenhaus in Waltershausen ihre Behandlung verweigert hatte (gest. am 7. Februar 1942 im Alter von 50 Jahren). Werner Kahn konnte mit seiner Mutter Maria Kahn geb. Wolf über die Niederlande in die USA emigrieren, wo bereits die Sohne Richard und Walter lebten. 1942 wurden aus dem zum "Judenhaus" bestimmten Haus der Familie Brandes Alexandrinenstraße 31 das Ehepaar Heinrich und Gertrud Brandes sowie Emmy Levy in das KZ Theresienstadt deportiert. Sie sind - wie auch die Kinder Edwin und Margarete - ermodert worden. Nur der Sohn Herbert Brandes (geb. 1908) überlebte die Lagerzeit.      
  
Von den in Friedrichroda geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Edwin Brandes (1912), Gertrud Brandes geb. Cerf (1884), Heinrich Brandes (1875), Margartete Brandes (1909), Rosa Callmann (1894), Rita Fichtmann geb. Gottfeld (1909), Werner Wolf Gottfeld (1905), Günther Max Lamm (1922), Emmy (Emilie) Levy (1874).  
   
Im Stadtpark erinnert seit 1949 ein Mahnmal an die "Opfer des Faschismus".       
   
   
   
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Friedrichroda      
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   

J. Weil's Witwe führt ein streng koscheres Restaurant in Bad Liebenstein, dann in Friedrichroda (1891) 

Barchfeld Israelit 11051891.jpg (29427 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Bad Liebenstein. Eröffnung meines streng koscheren Restaurants, den 15. Juni dieses Jahres. J. Weil's Witwe, Barchfeld a.d. Werra." 
   
Barchfeld Israelit 28051891.jpg (40259 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1891: "Bad Friedrichroda (Thüringen). Mein streng koscheres Restaurant befindet sich nicht mehr in Bad Liebenstein, sondern in Bad Friedrichroda, Villa Merkur, Marktstraße neben der Hofapotheke, Eröffnung 15. Juni dieses Jahres. J. Weil's Witwe, Barchfeld a.d. Werra." 

  
Anzeigen von S. Charig (1901 / 1904)
 
S. Charig suchte 1904 einen Aufseher (Schaumer) für die Kaschrut, zugleich einen Schochet für sein Restaurants, das er ein paar Jahre zuvor von J. Weil's Witwe übernommen hatte.     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1901: 
"Hochzeiten, streng rituell, werden in sachgemäßer Weise ausgeführt. Allerbeste Referenzen. 
S. Charig, vorm. J. Weil Witwe, Friedrichroda
in Thüringen".      
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904: "Schaumer und Schochet 
von streng orthodoxen Rabbinern empfohlen, suche ich für die Sommersaison unter günstigen Bedingungen. Gefällige Offerten an 
S. Charig, Bad Friedrichroda in Thüringen".          

    
Konditormeister Heß (Friedrichroda) eröffnet in Kassel eine Konditorei mit Café (1929)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 10. Mai 1929: "Ein neues Café. Der vielen Kasselanern aus seiner Tätigkeit in Friedrichroda rühmlich bekannte Konditormeister Heß hat in der Hohenzollernstraße, Ecke Kronprinzenstraße, eine moderne grußstädtische Konditorei nebst Café eröffnet. Das Lokal wurde von dem Architekten Schmidtmann geschmackvoll umgebaut. Der von der Spezialfirma Christ und Cwark in Gotha entworfene und ausgeführte Innenraum wird von großen Fenstern in helles Licht getaucht und zeigt in der hellen Untertäfelung mit einheimischen und fremden Hölzern und dem blassen Zinober der Wandbekleidung ruhige, vornehme Linien. Modernste Möbel und geschmackvolle Kronleuchter geben dem 'Café eine aparte Note."         

   
   
   
Fotos 

Es sind keine Fotos zur jüdischen Geschichte in Friedrichroda vorhanden  
     
Andernorts entdeckt  Sinsheim Friedhof 20120308.jpg (101158 Byte)  
   Grabstein für Simon Ehrmann aus
 Friedrichroda (gest. 1927 ?) im 
jüdischen Friedhof in Sinsheim
 
     

       
       
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

März 2017: Elfte "Stolpersteine"-Verlegung im Kreis Gotha 
Anmerkung: "Stolpersteine" wurden verlegt: u.a. in Friedrichroda im Schreibersweg 3 vor dem ehemaligen Fremdenheim Brenner für Bettina Brenner, Rosa Brenner und Helene Misch .   
Artikel von Julia Löffler in der "Thüringer Allgemeinen" vom 18. März 2017: "Gedenken an Opfer der Nazizeit. Stolperstein erinnert an Gothaer Fotografen
Kreis Gotha. Zum elften Mal wurden am Freitag Stolpersteine im Landkreis Gotha verlegt. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, also an ermordete und vertriebene Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte und Opfer der Euthanasie.
Die hinzu gekommenen Gedenksteine am Neumarkt 9 in Gotha erinnern an den Fotografen Isidor Neuwirth und seinen Sohn Harry Neuwirth. Der Vater wurde im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert und überlebte den Holocaust. Sein Sohn Harry flüchtete 1939 ins Ausland. Wohin, ist unbekannt. Seine Spur verlor sich. Spender der zwei Gedenksteine ist unter anderem der Verein für Stadtgeschichte Gotha...   
In Friedrichroda verlegte man drei Stolpersteine. Diese sind im Schreibersweg 3 vor dem ehemaligen Fremdenheim Brenner zu sehen. Mit ihnen soll der ehemaligen Inhaberin, Bettina Brenner, ihrer Mutter, Rosa Brenner, und deren Hausdame, Helene Misch, gedacht werden. Alle drei emigrierten nach der Enteignung und Arisierung des Heims durch die Nazis nach Chile. Abiturienten des Perthes-Gymnasiums forschten in einer Seminarfacharbeit über die jüdische Geschichte Friedrichrodas von 1933 bis 1945. Sie sind die Paten der Messingsteine. Auch der Lions-Club Ohrdruf beteiligte sich mit einer Spende.
Weitere Stolpersteine sollen folgen, beispielsweise in Waltershausen. Hier wird in der Bremerstraße 1 ein Stein verlegt, zu Ehren Wolfgang Levys, der 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde. Mike Raimann aus Waltershausen spendete diesen Stein." 
Link zum Artikel     
Weiterer Artikel in der "Thüringer Allgemeinen" vom 21. März 2017: "Lions Club lobt zwei Jungen..."  
Link zum Artikel       

  


      
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Friedrichroda  

Literatur:  

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 84.  

  
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. März 2017