In Bad Kissingen lebten Juden vermutlich bereits im Mittelalter. Der Name der Stadt
(Nennung als oppidum - Stadt erstmals 1279) wird
in den Gedenkbüchern für die Opfer der Judenverfolgung durch
"Ritter" Rintfleisch 1298 aufgeführt. Die Erwähnung
Kissingens ist jedoch nicht unumstritten, da es sonst keinerlei Hinweis für
Juden in der mittelalterlichen Stadt gibt und eine (allerdings weniger
wahrscheinliche) Verwechslung mit Kitzingen vorliegen könnte.
Im Zeitraum zwischen 1500 und 1750 ließen sich jüdische Personen wieder
in der Stadt nieder. So konnten sich unter dem Schutz der Herren von Erthal im
ehemaligen "Judenhof" in der heutigen Bachstraße (Gebäude Nr. 3-9)
einige "Schutzjuden"-Familien niederlassen. Sie waren nicht von der
Vertreibung durch den Würzburger Bischof Ende des 16. Jahrhunderts betroffen. 1644
waren 163 "Schutzjuden" in der Stadt. Ein Teil von ihnen lebte wohl in
der heutigen Grabengasse, der ehemaligen "Alten
Judengasse". Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gab es auch die ersten
jüdischen Kurgäste in der Stadt (1603/04 wird als Kurgast des "Juden Gump
Frau aus Oberthulba"
genannt.
1817 wurden für Bad Kissingen 45 Judenmatrikeln festgesetzt. Es
handelte sich (nach Annahme der festen Familiennamen) um die folgenden
jüdischen Haushaltungen beziehungsweise Familien (mit jeweiligem Gewerbe):
Simon Löwenthal (Viehhandel und Schlachten), Witwe Judith Wohnberg
(Viehhandel), Koppel Schwed (Judentraiteur), Benedict Rosenbaum (Privatlehrer),
Witwe Jendle Rosenau (Viehhandel), Jaidel Heilner (Schmusen), Jacob Bergfeld
(Schmusen), Laemlein Hofmann (Viehhandel), Itzig Straus (Viehschlachten), Löw
Leuthold (Schnitthandel), Haium Oberzimmer (Viehhandel), Witwe Sara Rosenstock
(Handarbeiten), Schloma Mainzer (Viehhandel), Schloma Eisenburg (Viehhandel),
Isaac Kraus (Schmusen) Moses Poppermann (Handel mit Vieh und kurzen Waren), Aron
Wittekind (Handel mit Schnittwaren) Salomon Hamburger (Viehschlachten), Koppel
Freytag (Schmusen) Oscher Sternfeld (Viehhandlung und Schacher), Joseph Gutmann
(Viehhandel), Hess Ullmann (Viehhandel), Laemlein Ehrlich (Viehhandel), Itzig
Losmann (Viehhandel), Michael Goldstein (Vieh- und Schnittwarenhandel), Maier
Willig (Tuch- und Schnittwarenhandel), Maier Schönburger (Vieh- und
Wangenhandel, später Vorgänger), Faibel Kugelmann (Vieh- und Warenhandel),
Löser Mann (Viehschlachten und Kramhandel), David Stahl (Viehhandel) Löw
Friedländer (ohne Erwerb), Israel Hartmann (Viehschlachten), Joseph Löwenau
(Schmusen), Joseph Löwenthal (Haut- und Viehhandel), Kaufmann Eisenburg
(Wollen- und Viehhandel).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1816 181 jüdische Einwohner (17,0 % von insgesamt 1.064 Einwohnern,
siehe die obigen 45 Familien),
1837 210 (13,1 % von 1.600), 1867 314 (12,1 % von 2.591), 1880 356 (9,2 % von
3.873), 1900 333 (7,0 % von 4.757), 1910 307 (5,3 % von
5.831).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge, eine
Schule,
ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der teilweise zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. Zeitweise gab es für diese Aufgaben auch mehrere
Angestellte der Gemeinde. 1817 wird (in der Matrikelliste ohne Nr.) als Lehrer
Moses Berg aus Thalmässing genannt, der
seit 1800 Lehrer der jüdischen Gemeinde war. Besonders zu nennen ist unter den
jüdischen Lehrern Ludwig Steinberger (aus Schonungen), der von 1896 an Kantor
und Lehrer in Bad Kissingen war.
1839 wurde Bad Kissingen Sitz eines Bezirksrabbinates,
zu dem etwa 2.500 jüdische Gemeindeglieder in zahlreichen umliegenden Gemeinden
gehörten (1933 noch 28 Gemeinden). Die Rabbiner waren Lazarus Adler
(1839-1852), Gabriel Lippmann (1853-64) und Moshe Aryeh Leib Bamberger
(1865-1902).
Unter den zahlreichen
Kurgästen der Stadt gehörten auch viele jüdische Personen, die teilweise
aus dem Ausland (England, Frankreich, Russland, Ungarn, USA) in die Stadt kamen.
Manche starben während ihrer Kurzeit in Bad Kissingen (vgl. Textseite - wird
derzeit erstellt).
Verschiedene Hotels
Pensionen und Sanatorien waren im Besitz jüdischer Familien. Mehrere jüdische
Ärzte waren in der Stadt und den Kureinrichtungen tätig.
Die bekanntesten Hotels waren:
- Hotel Ehrenreich in der Kurhausstraße/Ecke Lindesmühlpromenade, später
in der Theresienstraße; die Geschichte des Hotels begann in den 1870er-Jahren
mit einem "Privatkosttisch" des Lehrers Eliezer Lazarus Ehrenreich;
seine Tochter Rifka führte mit ihrem Mann Emil Jeidel das Hotel weiter.
Unter den Sanatorien ist das Diätkurhaus von Dr. Edgar Apolant zu nennen
(Menzelstraße 8/9) sowie die Kurhäuser von Nathan Bretzfelder ("Villa
Holländer", Bismarckstraße 12), Dr. Philipp Münz (Theresienstaße 7),
Ida Neuburger (Hartmannstraße 5), Bella Regensburger, Klara Rosenau
(Bismarckstraße 15);
- Hotel Herzfeld; Hotel Schwed; Hotel Geschwister Seelig.
1905 wurde auf Grund der Initiative von Isaak Seckel
Bamberger (Bezirksrabbiner von 1902-32) die "Israelitische
Kinderheilstätte" eröffnet (Salinenstraße 34). Sie bot kranken Kindern minderbemittelter
Familien aus allen Teilen Deutschlands nahezu unentgeltliche ärztliche Hilfe
(68 Plätze). Es bestand seit 1927 auch das "Israelitische Kurhospiz".
Ein Verein hierzu war bereits 1905 gegründet worden, doch konnte das "Ziel
der Errichtung eines Hospizes für Kurbedürftige des Armen- und
Mittelstandes" auf Grund des Ersten Weltkrieges und der Inflationszeit erst
1927 verwirklicht werden ("Villa Bavaria", Altenberg 2; mit 39
Plätzen; zu den
Einrichtungen siehe besondere Textseite - wird derzeit erstellt).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Benzion Bamberger
(geb. 30.5.1874 in Kissingen, gef. 29.5.1918),
Arthur Baumblatt (geb. 12.6.1896 in Kissingen, gef. 15.1.1917), Paul Ehrlich
(geb. 26.7.1886 in Kissingen, gef. 9.1.1917), Martin Frank (geb. 25.1.1898 in
Kissingen, gef. 16.12.1916), Gustav Heilner (geb. 13.5.1889 in Kissingen, gef.
16.10.1914), Gefreiter Curt (Kurt) Hofmann (geb. 17.3.1895 in Barchfeld, gef.
3.10.1918),
Erich Loewynsky (geb. 15.2.1885 in Berlin, gef. 30.3.1918) und Jakob Seelig
(geb. 1.6.1882 in Kissingen, gef. 27.9.1915). Ihre Namen stehen auf einer vor einigen Jahren
in der rechten Seite der Vorhalle des Tahara-Hauses auf dem jüdischen Friedhof
angebrachten Gedenktafel. Sechs der genannten Namen stehen auch auf den Tafeln
der kommunalen Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der
Westmauer des Kapellenfriedhofes am
Kapellenpfad.
Mitte der 1920er-Jahre, als der Gemeinde die Höchstzahl von 504 Personen
angehörten (1925), gehörten dem Synagogenvorstand der
jüdischen Gemeinde die Herren S. Hofmann, Nathan Bretzfelder, Louis Liebmann,
Albert Kissinger, Leuthold, Lazarus Frank und Louis Hofmann an. Als Lehrer und
Kantor wirkte Ludwig Steinberger, als Kultusbeamter Gustav Neustädter. An
jüdischen Vereinen gab es unter anderem einen Israelitischen
Wohltätigkeitsverein (Chevra, gegr. 1860, 1924/32 unter Leitung von
Nathan Bretzfelder; 1932 70 Mitglieder; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege,
Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen) und einen IsraelitischenFrauenverein (gegründet 1860, 1924/32 unter Leitung von Sara Hofmann,
1932 88 Mitglieder; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger)
und eine Wanderarmenkasse(1924 unter Leitung von Rabbiner Dr. Bamberger)
und weitere Vereine.
1933 lebten 344 jüdische Einwohner in Bad Kissingen. Bis um 1935 konnten sich
noch 15 jüdische Einrichtungen (Hotels, Kureinrichtungen und Gaststätten) mit
Plätzen für 600 Kurgäste halten.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die meisten
von ihnen einschließlich jüdischer Häuser und Gewerbebetriebe beschädigt und
zerstört. Viele der jüdischen Einwohner verließen nun die Stadt. Von den 1942
noch verbliebenen 43 jüdischen Einwohnern wurden die meisten deportiert und
ermordet. Am 29. Mai 1942 konnte die Saale-Zeitung die makabre Mitteilung
bringen: "Bad Kissingen judenfrei. Wie vom Bürgermeister der Stadt
mitgeteilt wird, hat am 20. Mai 1942 der letzte Jude Bad Kissingen
verlassen."
Von den in Bad Kissingen geborenen und / oder längere Zeit in der Stadt
lebenden jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Liste nach
der Zusammenstellung von C. Binder / M. Mence s.Lit. S. 169-174): Feiga Abkin
(1900), Edith Adler (1899), Israel Adler (1875), Jeanette Adler (1873), Suse
Adler (1920), Therese Adler geb. Rosenthal (1887), Ella Apolant (1871), Irene
Appel geb. Löwenthal (1904), Kehla Bamberger (1893), Nanette Bamberger geb.
Bamberger (1870), Babette Bauer geb. Schloss (1884), Hermann Baumblatt (1864),
Sara Baumblatt geb. Neuburger (1867), Heinrich Benedick (1885), Fanny Bloemendal
geb. Neustadt (1879), Josef Bloemendal (1912), Manfred Bloemendal (1907),
Siegfried Bloemendal (1880), Hermann Blum (1892), Selma Blum (1892), Sara
Blumberg (1864), Berta Dispecker geb. Freitag (1858), Klara Dreifuss geb.
Schloss (1868), Wolff Ehrenreich (1880), Berta Elias geb. Frank (1871), Jetty
Felsberg geb. Zarnowietzky (1903), Betty Frank (1901), Julius Frank (1873),
Salomon Frank (1903). Margarete Friedmann geb. Dammann (1886), Hermine
Goldschmidt geb. Weil (1890), Otto Goldstein (1933), Siegmund Grünebaum (1872),
Erna Gutmann geb. Haas (1890), Felix Gutmann (1876), Hedwig Haas geb. Löwenthal
(1887), Louis Hahn (1901), Lina Hamburger geb. Reich (1865), Theo David Hartmann
(1843), Selma Hartmann geb. Stern (1876), Irma Heilner (1894), Herta Herz geb.
Lustig (1896), Adele Heymann geb. Baum (1866), Solms Heymann (1858), Nanni
Holländer geb. Stern (1873), Selma Horwitz geb. Heilner (1885), Leopold Jakob
(1883), Fritz Jordan (1903), Paula Jordan geb. Frank (1889), Albert Kahnlein
(1908), Siegfried Kahnlein (1912), Daniel Kissinger (1877), Else Kissinger geb.
Kissinger (1879), Emma Kissinger (1875), Ludwig Kissinger (1887), Siegfried
Kissinger (1876), Olga Legat geb. Mork (1878), Salomon Leuthold (1862), Anna
(Gustl) Liebmann geb. Kaufmann (1885), Daniel Liebmann (1876), Suse Lind (1920),
Hedwig Löbenthal geb. Rosenau (1869), Isidor Löwenstein (1896), Flora
Löwenthal geb. Grünebaum (1905), Hannchen Löwenthal geb. Lion (1885),
Hannchen Löwenthal geb. Oberzimmer (1855), Ludwig Löwenthal (1898), Max
Löwenthal (1872), Max Löwenthal (1896), Max Löwenthal (1900), Selma
Löwenthal (1889), Willi Löwenthal (1928), Else Löwinsky (1883), Hertha
Losmann (1893), Josef Losmann (1891), Irma Lustig geb. Löwenthal (1891), Amalie
Mann (1867), Lucie Mann (1907), Sabine Mann (1870), Sofie Mann (1869), Irmgard
Mantheim (1908), Helene Mayer geb. Lisberg (1875), Irma Mayer geb. Bretzfelder
(1895), Julia Mayer geb. Mainzer (1862), Dr. Sally Mayer (1889), Camilla Michels
geb. Löwenthal (1890), Franz Mosesmann (1893), Irene Müller geb. Hofmann
(1898), Leopold F. Müller (1889), Dr. Alfred Münz (1897), Pinkus Münz (1865),
Ida Neuburger geb. Löwenthal (1889), Carl Neumann (1860), Julius Neumann
(1894), Ernst David Neustädter (1926), Gustav Neustädter (1892), Paula
Neustädter geb. Bacharach (1896), Nathan Oberzimmer (1884), Flora Pappenheimer
geb. Kugelmann (1880), Karl Pappenheimer (1875), Selma Regensteiner (1897),
Brigitte Rheinstein geb. Frank (1883), Hermann S. Rosenau (1894), Paula Rosenau
geb. Feuchtwanger (1878), Simon H. Rosenau (1861), Alfred Rosenfeld (1903),
Blanka Rosenfeld geb. Strauss (1908), Karoline Rosenfelder geb. Löwenthal
(1867), Hugo Rosenthal (1885), Martha Rossner geb. Dannheimer (1873), Dr. Paula
Sally geb. Born(1888), Klara Scher (1894), Benedikt Schloss (1875), Thekla
Schloss (1902), Adolf Schönwiesner (1883), Hedwig Seelig (1878), Rosa Seelig
(1880), Martha Spier geb. Löwenthal (1891), Amanda Steinam geb. Hamburger
(1881), Anna Stern (1924), Thekla Stern geb. Heymann (1891), Berta Sterzitz
(1906), Julius Strauss (1896), Dr. Siegfried Wahle (1869), Therese Wittekind
(1864), Selma Wolff geb. Kissinger (1877).
Nach
1945 zogen wiederum einige jüdische Personen zu, nachdem direkt nach
Kriegsende ein Lager mit Displaced Persons in Bad Kissingen eingerichtet wurden
war ("Jewish Committee AJDC Bad Kissingen", vgl. die
"Essen-Karte" links). Die meisten Bewohner dieses Lagers wanderten
jedoch 1948/50 nach Israel aus. Zur Gründung einer selbstständigen jüdischen
Gemeinde kam es jedoch auf Grund der zu geringen Zahl ständig am Ort lebender
jüdischer Personen nicht (1961: 9 jüdische Einwohner). Immerhin besteht in Bad Kissingen mit dem Kurheim
Eden-Park die einzige jüdische Kureinrichtung in Deutschland mit koscherer
Küche.
Links:
Dokument aus der Zeit von 1945/48: Essenkarte des "Jewish Committee
AJDC Bad Kissingen" für die damals in der Stadt untergebrachten
Displaced Persons.
1705 wurde eine erste Synagoge unweit des
"Judenhofes" der Erthaler Schutzjuden erstellt. An Stelle dieser
ersten Synagoge wurde 1851/52 ein Neubau erstellt, der jedoch auf Grund
der schnell wachsenden Zahl der jüdischen Gemeindeglieder alsbald zu klein war.
In den 1880er-Jahren bemühte man sich um den Erwerb eines geeigneten
Grundstücks
Eine neue Synagoge
wurde 1900/02 an der Max-Straße (früher Promenadenstraße 1) erbaut und am 14.
Juni 1902 eingeweiht. Architekt Carl Krampf hatte in seinen Plänen von 1894
eine Synagoge in neoromanischem Stil vorgeschlagen. Es entstand nach diesen
Plänen ein (siehe nachfolgender Abschnitt) "dem Badeorte würdiger
Tempel". Der Bau hatte eine Länge von 33 Meter, eine Breite von 18 Meter
und mit der Kuppel eine stattliche Höhe vom 33 Metern. Der Männerraum hatte
200 Sitzplätze, für die Frauen gab es 120 Plätze auf der
Empore.
Ein Grundstück für den Synagogenneubau wurde
erworben (1889)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 12. September 1889: "Bad Kissingen. Der israelitischen
Kultusverwaltung dahier ist es nach reichlichen Bemühungen gelungen,
heute einen Platz für den projektierten Synagogenneubau zu erwerben; es
ist dies das hiesige Theresienspital mit anstoßenden Gärten und dürfte
infolge seiner günstigen Lage Gelegenheit geben, einem dem Badeorte
würdigen Tempel erbauen zu können. Die notarielle Beurkundung hat heute
in Gegenwart des Herrn Stadtpfarrer Krug als Vorstand der
Theresienhospitalstiftung und der Herren Kultusvorstand Holländer, Stiftungskassier
Rosenau und Gemeindekassier A. Löwenthal jun., als Vertreter der Gemeinde
stattgefunden.
Vergabe der Bauarbeiten für den Synagogenneubau
(1899)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 12. Oktober 1899: "Bad Kissingen, 8. Oktober 1899. Der
lange Zeit verbreitete (vorbereitete?) und von den
Gemeindemitgliedern und vielen Kurgästen ersehnte Projekt-Neubau einer
Synagoge dahier ist nunmehr der Ausführung nahe. In der Sitzung der
Verwaltung und des Bau-Ausschusses vom 5. dieses Monats wurde der Bau an
den hiesigen Baumeister Renninger vergeben, indes die Bauleitung dem
Architekten Krampf übertragen wurde; mit den Arbeiten wird sofort
begonnen. - Am Schluss der Sitzung beglückwünschte der Kassier der
Gemeinde - Herr Bankier Löwenthal die Verwaltung zur Erreichung dieses
Zieles und zur Tatsache, dass die insbesondere durch Herrn
Distriktsrabbiner Bamberger - verfochtene Bestimmung, dass an
israelitischen Feiertagen jede Bautätigkeit untersagt sein soll, - im
Deckungsabschluss berücksichtigt
wurde."
Anmerkung: Bei dem genannten
"Architekten Krampf" handelte es sich um den Kissinger
Architekten Carl Krampf.
Die Einweihung der Synagoge (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1902: "Bad
Kissingen, 17. Juni (1902) (Einweihung der neuen Synagoge). Die
Feierlichkeiten der Einweihung nahmen einen würdigen, alle Festteilnehmer
hoch befriedigenden Verlauf. Am Freitag, 13. Juni, nachmittags um 4 1/2
Uhr, nach dem Gottesdienste, wurden unter feierlichen Gesängen die vier
Torarollen mit ihren mehrfach prachtvollen Paramenten (eine derselben war
von Frauen der Gemeinde zu diesem Feste in opferwilliger Weise gestiftet),
aus dem heiligen Schrein in der alten Synagoge entnommen und in ruhigem
Zuge in den Betsaal im neuen Schulhause verbracht, woselbst sie
provisorisch niedergelegt wurden. Samstag, 14. Juni, Morgens 7 Uhr, fand
im Anschluss an den Morgengottesdienst die Abschiedspredigt in der alten
Synagoge statt und vormittags 9 1/2 Uhr begann sodann die Einweihung des
neuen Gotteshauses. Auf der Terrasse der Synagoge, deren weiter Vorplatz
mit deutschen und bayerischen Fahnen geschmückt war, hatte ein
Sängerchor Aufstellung genommen, welcher im Augenblick, wo die Torarollen
das Schulhaus verließen, den Chor 'Gott, Du Allmächtiger' anstimmte.
Während der Absingung desselben bewegte sich der Zug unter Vorantritt
dreier Ehrenjungfrauen (Frl. Ehrlich, Frl. Mainzer, Frl. Rosenau) um das
mittlere Bosquet nach der Terrasse, woselbst Herr Regierungsrat Baron
Bechtolsheim, sowie die Herren Offiziere und sämtliche Staatsbehörden,
Vertreter der Geistlichkeit beider christlicher Konfessionen, sowie
zahlreiche Mitglieder beider städtischer Kollegien Aufstellung genommen hatten.
Nachdem der Chor verklungen, sprach Fr. Irma Rosenau folgenden Prolog
(Anmerkung: Der Prolog ist verfasst von Leopold Anfänger, Lehrer in Memmelsdorf): Drei Jahrtausende sind nun vorüber, Da stieg der Herr, wie uns die
Bibel kündet, Auf Horeb's Höh', und mit Posaunentönen und
Donnerdröhnen, letztem Blitzeszucken, Erscholl Sein Wort, gab Er dem
Sterblichen Gesetz und Recht, es treulich auszuüben.
Das Gotteswort, es soll ja einigen Die Menschen all' in heil'gem
Gottesdienste! Nicht trennen soll's, in Liebe soll's verbinden! Die Herzen
Aller wie ein Schlüssel öffnen, Auf dass darin die Liebe Einzug
halte Zu Gott, zur Menschheit, wie der Herr
geboten.
Und dieses Haus, geweiht dem Ewigen, Der Andacht Stätte durch Gebet
und Lehre, Das ehrfurchtsvoll, die Gottesnähe fühlend. Voll
heil'gen Schauers wir betreten werden, Es mög' uns stets
vergegenwärtigen: Lieb' deinen Gott, lieb' deinen
Nebenmenschen!
Die Pforten auf; den Schluss reich ich dar; So mögen auch sich alle
Herzen öffnen Dem Glaubenswort, dem Wort der ew'gen Wahrheit, Das
fortan hier zum Gottesthron sich schwinget Und mächtig wirkt,
einpflanzend Tugenden, Zur Menschenlieb' und Menschlichkeit die Menschen
einend.
Damit überreichte das Fräulein den auf seidenen Kissen getragenen,
kunstvoll gearbeiteten Schlüssel Herrn Bezirksamtmann, Regierungsrat
Baron Bechtolsheim, welcher denselben in Empfang nahm und folgende
herzliche Ansprache an die Festversammlung hielt: 'Mit Freude und Dank
nahm ich soeben aus so liebenswürdiger Hand den Schlüssel in Empfang,
mit welchem nach Eröffnung der Pforten der neu gebauten Synagoge der
Einzug der israelitischen Kultusgemeinde dahier in dieselbe ermöglicht
werden soll. Die israelitische Kultus-
gemeinde
Bad Kissingen steht hiermit am Ende eines großen, für sie hochwichtigen
Unternehmens, welches in den letzten Jahren viel Zeit, viel Mühe und
beträchtliche Geldsummen gekostet hat. Dass aber die hiesige
israelitische Kultusgemeinde keine Mühe und keine Opfer gescheut hat, das
schon seit Jahren gesetzte Ziel zu erreichen, das gereicht derselben zur
besonderen Ehre und verdient hier und in diesem Momente lobend
hervorgehoben zu werden, und dies umso mehr, als sie auch in
uneigennütziger Weise bei anerkennenswertester Opferwilligkeit sich das
Ziel gesetzt hat, welches nunmehr in schönster Weise erreicht dasteht.
Denn die neu gebaute Synagoge fasst nun auch den nötigen Raum in ihrem
Innern, um den jährlich zur Saisonzeit zur Stärkung und Befestigung
ihrer Gesundheit das hiesige Weltbad aufsuchenden auswärtigen
israelitischen Glaubensgenossen Gelegenheit zu bieten, in mehr
entsprechender und bequemerer Weise ihren religiösen Pflichten Genüge
leisten zu können. Insofern hat denn auch die israelitische
Kultusgemeinde dahier, insbesondere deren Verwaltungsmitglieder, zur
Hebung des hiesigen Weltbades und zur Förderung der Badeinteressen
wesentlich beigetragen, was gleichfalls lobend hervorgehoben zu werden
verdient und wofür alle Anerkennung hiermit ausgesprochen wird. Ich
beglückwünsche hiermit die hiesige israelitische Kultusgemeinde für ihr
in jeder Hinsicht gelungenes Unternehmen, für welches derselben
unzweifelhaft der Dank auch künftiger israelitischer Generationen gezollt
werden wird. Sicherlich werden von nun an in diesem neuen Synagogentempel
fromme und heiße Gebete der denselben besuchenden Israeliten zu Gott dem
Allmächtigen emporsteigen und wird es sich bei ergebender Gelegenheit
auch an frommen Wünschen nicht fehlen, für das Wohlergehen unseres
angestammten, allerhöchsten bayerischen Herrscherhauses, welcher Gedanke
mich hiermit bestimmt, die verehrte Festversammlung vor dem Einzug der
israelitischen Kultusgemeinde in ihre neue Synagoge aufzufordern, ihre
Blicke hinauf zu richten zum derzeitigen Träger des bayerischen
Regentenhauses, unserem allverehrten Prinzregenten, von welchem wir ja
alle wissen, wie treubesorgt Allerhöchstderselbe sich stets zeigt für
das Wohl und zum Nutzen aller bayerischen Untertanen und bitte ich deshalb
die hier anwesende Festversammlung, mit mir einzustimmen in den Ruf: Seine
Königliche Hoheit unser allergnädigster Prinzregent Luitpold, des
Königsreichs Bayern Verweser, er lebe hoch! hoch!
hoch!'
Hierauf erschloss Redner das eiserne Tor und lud die Gemeinde ein, das
Gotteshaus zu betreten. An der Spitze die Träger der Torarollen, bewegte
sich die zahlreiche Menschenmenge in das Innere der Synagoge. Die
Torarollen wurden bis zum Beginne der Feier in einen Vorraum gebracht.
Nachdem Behörden, Gemeinde und alle Gäste den für sie bestimmten Platz
eingenommen hatten, wurden vier Torarollen in Begleitung des
Festausschusses hereingetragen und vom Synagogenchor mit dem Chor 'Boruch
habboh' (Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn) begrüßt. Im
Wechselgesang zwischen Kantor und Chor bewegte sich der Zug auf die
Vorbeter-Estrade. Hier stimme der Kantor 'Ma towu' an (Wie schön sind
deine Zelte Jakob). Das Allerheiligste wurde geöffnet, die Torarollen
eingesetzt.
Hieran schloss sich die fast einstündige Festpredigt, welche, wie alle
Funktionen des Rabbiners für die Tage der Einweihung, in liebenswürdiger
Weise von Herrn Distriktsrabbiner Dr. Adolph Eckstein - Bamberg
übernommen wurde.
Der Ehrwürdige Herr verbreitete sich nach einem einleitenden Gebet über
die Entstehung der neuen Synagoge, gedachte dabei des verstorbenen
Rabbiners M. L. Bamberger, der das Werk gefördert und beginnen sah, dem
es aber nicht vergönnt sein sollte, seine Vollendung zu schauen. Der
dritte Teil der Predigt verbreitete sich über die Bedeutung der Synagoge
und über die Wirkung, welche von derselben ausgehen solle. Er führte
aus, dass neben dem positiv Mosaischen die wahre Menschenliebe gelehrt,
Vaterlandsliebe gepflegt wird, sodass uns nur die Mauern des Gotteshauses
von der Mitwelt trennen.
Nach der Festpredigt wurden unter Wechselgesang zwischen Kantor und Chor 'Vaihi
binsoa hooron' (Und als die Lade sich erhob), die Torarollen aus der
heiligen Lade genommen, daran schloss sich ein dreimaliger Umzug um die
obere Estrade, ein Gebet für alle in der Synagoge Anwesenden, für alle
Gläubigen und Menschen und für das königliche Haus und die königliche
Familie.
Unter dem Schlussgesang zwischen Vorbeter und Chor Uvnucho (Und da sie
ruhte) wurden drei Thorarollen in die heilige Lade gebracht, eine blieb
zurück für
den
folgenden Gottesdienst, welche auf den Vorbetertisch gelegt wurde. Damit
schloss der Weihegottesdienst.
Am selben Abend fand im Hotel Herzfeld zur Feier der Synagogeneinweihung
ein Bankett statt, welchem außer den hiesigen Gemeindemitgliedern sehr
viele israelitische Kurgäste beiwohnten und welches höchst
'unkurgemäß' sich bis 2 Uhr morgens erstreckte, ein Zeichen dafür, wie
gemütlich und fidel das Zusammensein war.
Das gestrige Festdiner im Hotel Ehrenreich, zu dem sich eine große Zahl
Teilnehmer, darunter auch viele Kurgäste eingefunden hatten, verlief in
animiertester Stimmung. Aus der großen Anzahl der Reden, welche während
des Mahles gehalten wurden und die alle die herzliche Freude und
Genugtuung über den schönen Verlauf des Festes am vorhergehenden Tage
und die Zufriedenheit, dass das Bauwerk nunmehr als vollendetes Ganzes
dasteht, widerspiegelten, möchten wir besonders die Rede des Herrn
Bankier A. Löwenthal junior erwähnen, welcher zunächst einen Rückblick
über die Geschichte der hiesigen Gemeinde gab, welch letztere während
der langen Zeit ihres Bestehens sich stets des fürsorglichen Schutzes
unseres Herrscherhauses in reichstem Maße zu erfreuen hatte. Das Hoch
galt daher dem Prinz-Regenten. Ferner stattete Redner den Dank der israelitischen
Gemeinde ab an alle diejenigen, welche den Bau fördern halfen, sowie
selbst zu dem Gelingen des Baues beitrugen, sei es durch wohlwollendes
Entgegenkommen, so bei Erwerbung des Bauplatzes, oder durch direkte
Unterstützung.
Es toastete noch Herr Felix Ehrlich auf die anwesenden Kurgäste und auf
Herrn Lehrer und Kantor Steinberger, Herr Lehrer Steinberger auf Herrn
Rabbiner Dr. Eckstein, Herr Dr. Eckstein auf die hiesige Kultusverwaltung,
Herr F.A. Bömmel brachte den Dank der Geschäftsleute, welche an dem Bau
mitwirkten, zum Ausdruck und ließ die Kultusverwaltung hochleben, ebenso
Herr Hofkonditor Messerschmitt, welcher seine Landsmannschaft mit Herrn
Rabbiner Dr. Eckstein entdeckte. Ein fremder Herr brachte den Dank der
Kurgäste zum Ausdruck. Auch der übliche Toast auf das schöne
Geschlecht, insbesondere die drei Ehrenjungfrauen, fehlte nicht. Bei dem
Festmahle wurde auch ein am Samstag eingelaufenes Glückwunschschreiben
des Bürgermeisters Herrn Hofrat Fuchs verlesen, in welchem derselbe
bedauerte, den Festlichkeiten nicht anwohnen zu können, da ihn die
wichtigen Landtagsverhandlungen in München zurückhielten; er bedauere
es, dass es dem früheren Rabbiner, Herrn M.L. Bamberger, nicht vergönnt
sei, diesen Ehrentag mitzufreiern, er wünsche der Gemeinde Glücke.
Küche und Keller der Geschwister Ehrenreich waren
vorzüglich."
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Juni 1902:
"Endlich ist nach langen Vorbereitungen und Verhandlungen unsere
neue Synagoge eingeweiht worden. Am 14. d.M. begann in der üblichen Weise die
Weihe des neuen Gotteshauses mit dem Gesang des Liedes "Gott du
Allmächtiger". Der Zug mit den Torarollen wurde von drei Ehrenjungfrauen
nach der Terrasse geführt, wo der Bezirksamtmann Regierungsrat Baron
Bechtolsheim, sowie Offiziere und sämtliche Staatsbehörden, Vertreter der
Geistlichkeit beider christlicher Konfessionen und zahlreiche Mitglieder beider
städtischer Kollegien Aufstellung genommen hatten. Nachdem der Chor verklungen,
sprach Frau Irma Rosenau einen hübschen Prolog, den Lehrer Anfänger -
Memelsdorf verfasst hatte. Dann überreichte die junge Dame den auf seidenen
Kissen getragenen, kunstvoll gearbeiteten Schlüssel dem Bezirksamtmann, welcher
denselben in Empfang nahm und eine wahrhaft herzliche Ansprache an die
Festversammlung hielt. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Eckstein - Bamberg;
dieselbe machte auf die gesamte Festversammlung einen tiefen und nachhaltigen
Eindruck. An die Feier der Synagogeneinweihung schloss sich ein Bankett im Hotel
Herzfeld und gestern ein Festessen im Hotel Ehrenreich, bei dem es an ernsten
und heiteren Trinksprüchen nicht fehlte. Im Namen der fremden Kurgäste sprach
Herr Willibald Löwenthal - Berlin. Möchte mit der neuen Synagoge auch endlich
der Friede in unserer Gemeinde einkehren, dessen sie so sehr bedarf. Für
Kissingen ist die neue Synagoge ein großes Bedürfnis, schon um der vielen
jüdischen Kurgäste willen, die alljährlich zu den heilkräftigen Quellen hierher pilgern."
1904 wurde die alte Synagoge der Gemeinde an die
Stadtverwaltung verkauft, die das Gebäude 1927/28 abbrechen ließ.
Verkauf der alten Synagoge (1904)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
30. Dezember 1904: "Kissingen. Verkauf der Synagoge.
Die alte Synagoge ist aus dem Besitze der israelitischen Kultusgemeinde um
16.000 Mark an die Stadtgemeinde übergegangen."
Die neue Synagoge blieb nur 36 Jahre Zentrum des jüdischen
Gemeindelebens der jüdischen Gemeinde. Über einzelne besondere Höhepunkte im
jüdischen Gemeindeleben liegen Berichte vor wie beispielsweise die Einweihung
einer neuen Torarolle 1909 oder die Feier des 25-jährigen Bestehens der
Synagoge 1927:
Einweihung einer Torarolle (1909)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 9. September 1909: "Bad Kissingen, 1. September (1909). Eine
erhebende Feier war es, die am vorletzten Schabbat uns Kurgästen einen
geistigen Genuss verschaffte. Eine neue Torarolle wurde ihrer heiligen
Bestimmung übergeben und zur Würdigung derselben ein schöner,
stimmungsvoller Gottesdienst abgehalten. Die Torarolle wurde von den Herrn
M. und Is. Löwenthal - Kissingen zum Andenken an ihren seligen Vater,
früheren Vorsteher dem Gemeinde, gestiftet. Nachdem die Torarolle von den
Spendern in die Synagoge gebracht worden war und mit allen Torarollen ein
feierlicher Umzug gehalten wurde, sprach Herr Rabbiner Dr. Bamberger den
edlen Spendern seinen Dank namens der Gemeinde aus. Mit dem Rezitieren
einiger Psalmen endigte die würdige Feier."
25-jähriges Bestehen der Synagoge (1927)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
24. August 1927: "Bad Kissingen. Die Kultusgemeinde Bad
Kissingen beging am 1. Schebuoth das 25-jährige Bestehen ihrer
Synagoge durch einen feierlichen Festgottesdienst. Das Gotteshaus, das
würdig mit Blattpflanzen geschmückt war und zum ersten Male im Glanze
des neu eingerichteten elektrischen Lichtes erstrahlte, war von einer
zahlreichen Schar hiesiger und zur Kur hier weilender Glaubensgenossen
gefüllt. Eingeleitet wurde der Festgottesdienst durch Chorgesang und
Vortrag eines Psalms durch den Kantor, Herrn Lehrer Steinberger. Herr
Rabbiner Dr. Bamberger hielt die Festpredigt und gedachte in
eindrucksvollen Worten der Bedeutung des Tages. Die Grüße und Wünsche
des Präsidiums des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden
überbrachte Herr Justizrat Dr. Haas (Würzburg). Für die Verwaltung
sprach Herr Stadtrat Bretzfelder, er dankte den Rednern für ihre guten
Wünsche und den Beamten und der Verwaltung für ihre treuen Dienste,
besonders lobend die Tätigkeit des ersten Vorstandes, des Herrn Samuel
Hofmann, und das langjährige Wirken des Herrn Lehrer Steinberger
hervorhebend. Der erste Bürgermeister der Stadt, Herr Dr. Pollwein, hatte
ein warm gehaltenes Glückwunschschreiben übersandt.
Am 25. Juni dieses Jahres wurde die Gemeinde durch den Besuch des
Präsidenten des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, des
Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. A. Neumeyer beehrt. Der Herr Präsident
wohnte dem Gottesdienst in der Synagoge bei, besichtigte die hiesigen
jüdischen Wohlfahrtsanstalten, das israelitische Kurhospiz und die
Kinderheilstätte und äußerte sich sehr lobenswert über beide
mustergültigen Einrichtungen. Abends folgte er der Einladung des Herrn
Bretzfelder zu einem zwanglosen Beisammensein im Kreise der Mitglieder der
Kultusverwaltung und der Beamten der
Gemeinde."
Ausstellung eines Tora-Vorhanges aus Bad Kissingen in
München (1935)
Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung"
vom 15. September 1935: "Ausstellung eines Tora-Vorhanges. Ein
besonders schöner, der Kultusgemeinde Bad Kissingen gehöriger
Tora-Vorhang ist, nachdem er infolge seines Alters schwere Beschädigungen
aufwies, von Künstlerhand in trefflicher Weise repariert worden. Die
Wiederherstellungskosten wurden von der Israelitischen Kultusgemeinde
Kissingen und dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, welcher
der Betreuung des jüdischen Kunstgutes seine besondere Sorge zuwendet,
gemeinsam getragen. Bevor der interessante Kultgegenstand wieder nach
Kissinger verbacht wird, kann er in der Zeit vom 25. September bis 10.
Oktober 1935 im Vorstandszimmer der Israelitischen Kultusgemeinde München
besichtigt werden."
Die Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 durch
Brandstiftung beschädigt und bis Ende April 1939 abgebrochen.
Am
Synagogenstandort findet sich seit 1967 eine Gedenktafel mit der Darstellung der
ehemaligen Synagoge. Eine neues Denkmal wurde 2002 (100 Jahre nach
Einweihung der Synagoge) am Synagogengrundstück aufgestellt.
Nach 1945: 1956 wurde im früheren jüdischen Gemeindehaus wieder ein Betsaal
eingerichtet (Promenadestraße 2). In ihm finden wieder regelmäßige
Gottesdienste - gewöhnlich für jüdische Kurgäste während der Sommermonate -
statt. 1996 wurde dieser Betsaal als "Josef-Weissler-Betsaal"
umfassend renoviert und wiederum eingeweiht. Das Bethaus ist nach dem Kantor Josef Weissler
benannt, der von 1947 bis 1989 in Bad Kissingen lebte. Er richtete den Betsaal
in den 50er Jahren ein und beschaffte hierfür auch zwei Torarollen.
Gesamtansicht von Bad
Kissingen
mit Kirchen und Synagoge (aus der Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Es handelt sich um
eine Wiro-Künstler-Karte (vermutlich zwischen 1902 und 1910 hergestellt),
auf der rechts neben der "Herz-Jesu-Kirche" die Kuppel der
Synagoge zu sehen ist (rechts Ausschnittvergrößerung)
Denkmal am
Synagogenplatz (Fotos: Elisabeth Böhrer, September 2008)
Grundstück der
ehemaligen Synagoge mit Gedenktafel (von 2002) und Inschrift: "Hier
stand die 'Neue Synagoge'. Sie wurde am 14. Juni 1902 eingeweiht. In der
Reichspogromnacht - 9./10. November 1938 - wurde von SA- und SS-Leuten
verwüstet und in Brand gesteckt. Ihr Abriss erfolgte im April 1939 auf
Beschluss des Stadtrates. Die Synagoge war Ausdruck der gelungenen
Integration, der Heimatverbundenheit und des Glaubens der Kissinger Juden.
Ihre Zerstörung markiert den Untergang einer jahrhundertealten jüdischen
Gemeinde. Die Stadt Bad Kissingen gedenkt ihrer jüdischen Bürger, die
Opfer von Verfolgung und Deportation wurden. 14. Juni 2002."
Eingangstür zum früheren
jüdischen
Gemeindehaus (hier jetzt Betsaal und
die Dauerausstellung
"Jüdisches Leben in
Bad Kissingen")
1996: Neue Einweihung des
Betsaales.
Rechts Rabbiner Abraham Hochwald
aus Antwerpen (Zeitungsfoto
aus der
Saale-Zeitung vom 22.8.1996)
Gedenktafel für die aus Bad
Kissingen
in der NS-Zeit deportierten Juden
(Foto: Klaus Kurre, Mainberg)
Blick in den "Josef-Weissler-Betsaal"
Museum/Führungen: Die Dauerausstellung "Jüdisches
Leben in Bad Kissingen", eine Dauerausstellung
über Anfänge, Integration, Ausgrenzung und systematische Vernichtung, ist
geöffnet an jedem Mittwoch von 15 bis 17 Uhr: Jüdisches
Gemeindehaus, Promenadestraße 2, 97688 Bad Kissingen. Information
bei www.rhoenline.de.
Ein Prospekt "Jüdisches Leben in Bad Kissingen"
(kostenlos) und ein Buch zur Ausstellung Jüdisches Leben in
Bad Kissingen (11 €) kann beim Stadtarchiv Bad Kissingen E-Mail
bestellt werden. Führungen (auch Sonderführungen) können über Frau Walter
unter Tel. 0971-64752 vereinbart werden.
Juni
2009 - ErsteVerlegung
von "Stolpersteinen" in Bad Kissingen
Artikel vom 19. Juni 2009 in der
"Mainpost": BAD KISSINGEN - Verbeugung vor Opfern des Terrors - Gunter Demnig verlegt erste Stolpersteine in Bad Kissingen
Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten zu verlegen, findet Peter Jordan, sei ein guter Gedanke. Über die Steine zu stolpern, erinnere daran,
"was damals passiert ist". Jetzt gibt es diesen Ansatz, Erinnerung wach zu halten, auch im Trottoir der Maxstraße und am Marktplatz, in der Erhardstraße und am Rathausplatz. Jordans Großeltern Clara und Lazarus Frank gehören zu den ersten Kissinger Opfern der Nazis, derer mit Stolpersteinen gedacht wird.
Peter Jordan lebt in Manchester. Früher, erzählt er, sei es für ihn schwer gewesen, nach Deutschland zurückzukehren. Dass es ihm nun leichter fällt, schreibt er auch Gunter Demnig und den Initiatoren der Aktion Bad Kissinger Stolpersteine zu.
Demnig ist der Ursprung und die Gegenwart der Aktion. Der Kölner Künstler kam am Freitag in die Kurstadt, um hier seine ersten sieben Kissinger Stolpersteine zu setzen.
Trotz der großen Verbreitung in Deutschland und Europa sind Demnigs Stolpersteine nicht unumstritten. Peter Jordan und die weiteren Mitglieder seiner Familie, die nach Kissingen kamen, bieten dafür das beste Beispiel. Seine Eltern, seien jene Nazi-Opfer gewesen, berichtet Jordan, denen man vor fünf Jahren in München zwei Stolpersteine setzte,
"die sechs Wochen später wieder entfernt wurden, weil sie dort nicht erlaubt
sind". Dass er jetzt beim Gedenken an seine Großeltern dabei sein konnte, freue ihn deshalb sehr.
Erinnert wird seit Freitag an den früheren Stadtrat Otto Goldstein, den Kaufmann Hermann Holländer, den Händler Lazarus Frank und seine Frau Clara sowie deren Hausangestellte Betti Bauer und an den Kaufmann Solms Heymann mit seiner Frau Adele. Ihre Stolpersteine, das sind Pflastersteine mit Inschriften auf vorgesetzten Messingplatten, setzte Demnig am Rathausplatz 1, vor der Maxstraße 24, in der Erhardstraße 21 und am Marktplatz 2.
Die Bad Kissinger Stolpersteine, das unterstrich OB Kay Blankenburg, sind kein Projekt des Stadtrats. Der Rat der Stadt identifiziere sich zwar damit, doch die Verlegungsaktion sei Ergebnis eines Konzepts, das die Bürgerinitiative Bad Kissinger Stolpersteine um Sigismund von Dobschütz und Peter Weidisch erarbeitet habe.
Dennoch erläuterte Blankenburg, wozu die Kissinger Stolpersteine gut sind.
"Es geht um Entmassung eines gigantischen Verbrechens", sagte er, "der Verfolgung und Entrechtung von Menschen, die nicht in die rassischen, religiösen, politischen, sozialen und gesellschaftlichen Vorstellungen der nationalsozialistischen Machthaber
passten". Außerdem gehe es um Personalisierung: "Die Stolpersteine wollen namenlosen Opfern ihre Identität zurückgeben."
Demnig würdigte die "überraschend große Beteiligung" an der ersten Kissinger Verlegungsaktion. Die Zahl von sechs Millionen oder mehr Opfern der Verfolgung durch den Nationalsozialismus, sagte er, bleibe immer etwas Abstraktes. Ein Stolperstein dagegen ruft einen Menschen ins Gedächtnis,
"so bleibt's eher sitzen". Die Aussage von Kritikern, durch die Stolpersteine werde erneut auf den Opfern herumgetrampelt, wies er zurück. Es sei eher so:
"Wenn du lesen willst, musst du automatisch eine Verbeugung machen."
Fotos von der Verlegung der
"Stolpersteine"
(Fotos: Elisabeth Böhrer)
Musikalische
Umrahmung durch Schülerinnen und Schüler des Jack-Steinberger Gymnasiums
Gunther Demnig
beim Verlegen der Steine
Steine für Lazarus und Clara
Frank sowie Betti Bauer
"Stolperstein" für
den früheren Stadtrat Otto Goldstein
Film zur
"Stolperstein"-Verlegung im Juni 2009 bei YouTube:
Januar
2010: Zweite Verlegung von
"Stolpersteinen"
Bericht in
tvtouring.de vom 22. Januar 2010 (Bericht):
"Stolpersteine verlegt
Zum zweiten Mal wurden jetzt in Bad Kissingen Stolpersteine verlegt. Mit ihnen soll an ehemalige Bürger der Stadt erinnert werden, die einst Opfer des Nazi-Terrors wurden.
Insgesamt wurden in Bad Kissingen jetzt schon 20 Stolpersteine verlegt. Sie sollen dafür sorgen, dass frühere jüdische Einwohner der Stadt, die von den
Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden, nicht in Vergessenheit geraten.
Initiator der Stolpersteine ist der Kölner Künstler Gunter Demnig. Er hat in über 530 europäischen Städten und Gemeinden schon 22.000 Steine verlegt. Seine Erfahrungen damit sind größtenteils positiv. Immer wieder kommt er mit Schulklassen, Angehörigen und Zeitzeugen in Kontakt. Er spricht von seinem Werk deshalb von einer "sozialen Skulptur", an der er weiter arbeiten will.
Dass auch Bad Kissingen dazu seinen Beitrag leistet, ist Stadtrat Sigismund von Dobschütz zu verdanken. Der ehemalige Kurdirektor war bei einem Besuch in Nürnberg erstmals auf die kleinen Quader "gestolpert" und wollte das Projekt daraufhin auch in Bad Kissingen umsetzen. Die Stadt hatte früher eine der größten jüdischen Gemeinden in ganz Bayern. Heute kommen vor allem in den Sommermonaten wieder Juden hierher - auch um im jüdischen Gemeindehaus, dass die Zeiten überdauert hat, zu beten."
Bericht in der "Main-Post" vom 22. Januar 2010 (Artikel):
"BAD KISSINGEN. Die Opfer in die Stadt zurückholen. Gunter Demnig verlegte am Freitag 13 weitere Stolpersteine in Bad Kissingen.
'Sie waren hier zuhause, gerade so, wie wir es heute sind.' Bad Kissingen hat am Freitag einen weiteren Schritt im Gedenken an ehemalige Mitbürger getan, die durch die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten ihr Leben verloren. 13 neue Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig. Insgesamt fordern in Bad Kissingen nun bereits 20 dieser kleinen, in den Boden vor dem letzten freiwilligen Wohnsitz von Nazi-Opfern eingelassenen Gedenktafeln, zum Nachdenken über die deutsche Geschichte auf.
Oberbürgermeister Kay Blankenburg, von dem der eingangs zitierte Satz stammt, schlug zum Auftakt von Demnigs zweiter Verlegeaktion die Brücke zum sicheren und bequemen bürgerlichen Leben der Kissinger unserer Tage. Menschen wie Gustav, Paula und Ernst David Neustädter, wie Irene und Leopold Müller, Karl und Julius Neumann, Thekla und Anni Stern, Josef und Herta Losmann, Martha Rosner oder Ella Apolant hätten
'hier in Bad Kissingen' ihren Lebensmittelpunkt gehabt. Sie hätten sich gesellschaftlich und politisch ins städtische Leben eingebracht. Und doch war ihnen schließlich durch die Nationalsozialisten hier ein Leben nicht mehr möglich:
'Sie wurden in den Tod getrieben, mussten aus unserer Stadt fliehen oder wurden deportiert und
ermordet.'
Das Bürgerprojekt der Kissinger Stolpersteine hole die Opfer des Nationalsozialismus symbolisch
'in unsere Stadt zurück', sagte Blankenburg. Ein Stolperstein lasse diese Menschen
'wieder ein wenig unter uns sein'. Diese Form des Gedenkens gebe ihnen 'wieder Namen und
Gesicht'.
Demnig berichtete von inzwischen mehr als 22 000 Stolpersteinen in vielen Ländern Europas. Für alle gelte:
'Wer sie lesen will, muss automatisch eine Verbeugung machen.' Zudem – das habe ihm ein Schüler mal gesagt – falle man mit seinen kleinen Denkmalen ja nicht hin. Vielmehr stolpere man
'mit dem Kopf und mit dem Herzen'. Weil es bei den Stolpersteinen unter anderem darum geht, wie die Gräueltaten der Nazis im Land der Dichter und Denker passieren konnte und, weil so etwas nie wieder geschehen dürfe, zeigte Demnig sich sehr zufrieden damit, dass auch zur Kissinger Verlegeaktion am Freitag Schüler beitrugen.
Dass die Aktion nicht überall auf ungeteilte Zustimmung stoßen würde, sei ihm von Anfang an klar gewesen, ergänzte
Demnig. 'Aber nur drei Morddrohungen in zehn Jahren', scherzte er, 'damit kann man
leben'. Biografien der Opfer. Die Initiative Bad Kissinger Stolpersteine mit ihren Sprechern Sigismund von Dobschütz und Peter Weidisch führte die Gruppe am Freitag nicht nur von Verlegeort zu Verlegeort. Sie hielt auch ein Heftchen mit Informationen und Bildern zu den diesmal gewürdigten Kissinger Naziopfern bereit. An jeder der insgesamt sieben Stationen verlas die Kissinger Initiative zudem, was sie an Informationen über die Biografien der Opfer herausgefunden hat.
Neue Stolpersteine liegen seit Freitag vor den Anwesen Promenadestraße 2, das ist das Jüdische Gemeindehaus, Untere Marktstraße 3, Ludwigstraße 9, Hemmerichstraße 4 und 12, Erhardstraße 18 und Menzelstraße 8."
Mai
2010: Weitere Verlegungen von
"Stolpersteinen" im September 2010 sowie im Mai und November
2011 geplant
Artikel in der
"Main-Post" vom Mai 2010 (Artikel):
"BAD KISSINGEN - Zwölf neue Stolpersteine in Bad Kissingen
Dritte Verlegungsaktion mit Gunter Demnig am 22. September.
(svd) Zwölf neue Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes werden am 22. September vom Kölner Künstler Gunter Demnig vor deren letztem frei gewählten Wohnsitz an sechs Standorten ins Straßenpflaster eingelassen. Dies hat die Bürger-Initiative
'Bad Kissinger Stolpersteine' am Donnerstag in ihrer öffentlichen Plenumssitzung beschlossen.
Vor 20 Teilnehmern berichteten die für die Gesamtorganisation verantwortlichen Sprecher – Stadtrat Sigismund von Dobschütz und der städtische Kulturreferent Peter Weidisch – über die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft und kommende Aktionen.
Mit der Ehrung für Sanitätsrat Sally Mayer (1889-1944), der von 1927 bis zu seinem Arbeitsverbot im Jahr 1938 in Bad Kissingen als praktischer Arzt wirkte und 1944 in Auschwitz zu Tode kam, wird die dritte Stolperstein-Verlegung in der Kurhausstraße beginnen. Nach vier weiteren Stationen in der Innenstadt wird der zwölfte Stolperstein zum Gedenken an Nanette Bamberger (1870-??), die Witwe des vorletzten Distriktrabbiners Seckel Bamberger, in der Promenadestraße verlegt.
Initiator von Dobschütz bedauerte, dass auf ein Rundschreiben an 35 Schulleiter im Landkreis keine Rückmeldung erfolgt sei. Darin hatten die Organisatoren die Einbeziehung der Stolpersteine in den Unterricht vorgeschlagen und eigene Vorträge zur Vorstellung Aktion angeboten.
Realschullehrer Andreas Reuter versicherte, dass man Jugendliche durchaus für dieses Thema begeistern könne, und berichtete über seinen neuen Geschichtsarbeitskreis mit 20 Sechst- bis Zehntklässlern. Diese würden einmal wöchentlich außerhalb des Regelunterrichts sehr engagiert und fachübergreifend das jüdische Leben in Bad Kissingens Geschichte erforschen. Auch bei der kommenden Stolperstein-Verlegung werde sich sein Arbeitskreis wieder einbringen. Über ähnlich positive Erfahrungen an der Berufsschule berichtete Klaus Werner.
Der aktuelle Kassenbestand wurde mit 2350 Euro angegeben. Nach Abzug von 1750 Euro für die kommende Verlegungsaktion bleibt ein Restbestand von 600 Euro.
Kassenprüfer Hjalmar Franke beurteilte die Kassenführung als vorbildlich und plant, die bereits verlegten Gedenksteine in das Stadtsuchspiel der Sommerferienaktion einzubeziehen.
Termine für zwei weitere Stolpersteinverlegungen sind für Mai und November 2011 vorgemerkt.
Kontakt: Sigismund von Dobschütz, Tel. (09 71) 785 25 30. Infos unter www.badkissinger-stolpersteine.de
und www.badkissingen.mainpost.de."
Juni
2010: Viertklässler reinigen
die Bad Kissinger "Stolpersteine"
Artikel
von Angelika Luga-Braun in der "Main-Post" vom 9. Juni 2010 (Artikel)
: "Lebendiges Erinnern durch aktives Tun. Warum Viertklässler mit
großem Engagement die Stolpersteine in Bad Kissingen geputzt haben. Bad
Kissingen. Da sage einer den Schülern heutiger Zeit nach, kein
Geschichtsinteresse- oder -bewusststein zu entwickeln. In Bad Kissingen
jedenfalls konnte man gestern Viertklässler der Sinnberg-Grundschule
erleben, die sich mit viel Engagement und erstaunlichem Wissen auf die
Spuren der Geschichte begaben - und dabei noch etwas sehr Verdienstvolles
getan haben. Sie haben fast alle 20 in Bad Kissingen verlegten
Stolpersteine blitzblank geputzt..." Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken.
Juni
2010: Nobelpreisträger und
Ehrenbürger der Stadt Bad Kissingen Jack
Steinberger besucht seine Geburtsstadt
Artikel in der "Main-Post" vom 17. Juni 2010 (Artikel):
"BAD KISSINGEN. Nobelpreisträger Jack Steinberger ist da - Nobelpreisträger ganz privat in der Stadt.
(rp) Jack Steinberger, Nobelpreisträger und Namensgeber des hiesigen Gymnasiums, weilt derzeit in seiner Geburtsstadt Bad Kissingen. Am Montag reiste der 89-jährige Physiker an und quartierte sich bei einer befreundeten Familie in Bad Kissingen ein – begleitet von seinem Sohn Ned und dessen Frau sowie seiner Tochter Julia und zwei Enkeln.
Steinberger, der am 25. Mai 1921 als des jüdischen Kantors und Religionslehrers in Bad Kissingen geboren wurde, flüchtete als 13-Jähriger vor den Nationalsozialisten in die USA. Den Nobelpreis erhielt er 1988.
Der Besuch in seiner Heimat ist rein privat. Am Mittwoch weilte die Familie in Schonungen, wo sein Vater Ludwig als Sohn eines kleinen Viehhändlers geboren worden war. Als sich Jack Steinberger dort ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug, wiederholte er in der von ihm bekannten bescheidenen Art auch, was er in Bad Kissingen schon einmal gesagt hatte: Sein Sohn, Ned Steinberger, sei doch viel berühmter als er.
Ned Steinberger gründete 1979 in den USA eine Firma, die E-Bässe und E-Gitarren herstellte. Er erfand das Design eines E-Bass-Modells, das keine Kopfplatte aufwies, an dem unter anderem John Entwistle
('The Who') und Mike Rutherford (Genesis) Gefallen fanden.
Von einem offiziellen Termin Steinbergers in der Kurstadt, deren Ehrenbürger er seit 2006 ist, ist bislang nichts bekannt."
Hinweis: ein
weiterer Bericht zu diesem Besuch findet sich bei den Texten unter
"Erinnerungsarbeit vor Ort" auf der Seite zu Schonungen
Sommer
2010: Der Geschichtskreis der
Realschule erforscht das Schicksal der Bankiersfamilie Loewenthal
Artikel in der "Main-Post" vom 4. August 2010 (Artikel):
" BAD KISSINGEN. Ein Schicksal wie das der Anne Frank.
Realschul-Geschichtskreis erforschte das Schicksal der Bankiersfamilie Loewenthal.
(rp) Zwei von insgesamt 13 Stolpersteinen wird der Kölner Künstler Gunter Demnig am 22. September vor dem Boxberger-Haus (Ludwigstraße 5), dem früheren Bankhaus Loewenthal, in den Bürgersteig setzen. Damit will die Bürger-Initiative
'Bad Kissinger Stolpersteine' im Rahmen ihrer dritten Verlegungsaktion an die jüdische Bankiersfamilie erinnern.
Die Schüler des neuen Arbeitskreises Geschichte an der Staatlichen Realschule erforschten deshalb in den letzten Wochen des vergangenen Schuljahres unter Anleitung ihres Lehrers Andreas Reuter das Leben und tragische Schicksal der Loewenthals. Vater Ludwig (45) und sein 15-jähriger Sohn Willy kamen beide im Konzentrationslager zu Tode.
Seit 1922 hatte Ludwig Loewenthal im Wohn- und Geschäftshaus Ludwigstraße 5 sein florierendes Bankhaus betrieben. Bereits während der Weimarer Republik hatte sich der Bankier in der Deutschen Demokratischen Partei und im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gegen den aufkommenden Nationalsozialismus engagiert, weshalb er unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von diesen verfolgt wurde.
Laut Reuter war die Erforschung des weiteren Schicksals der Familie Loewenthal für seine Schüler deshalb besonders interessant, weil es Parallelen zum Leidensweg der Familie von Anne Frank gab. Auch die Loewenthals verließen ihre deutsche Heimat nach Hitlers Machtübernahme, um sich wie die Familie Frank in Amsterdam eine scheinbar sichere Existenz aufzubauen. Willy Loewenthal war genauso alt wie Anne Frank.
Es sei durchaus möglich gewesen, vermuten die jungen Forscher der Realschule, dass sich beide gekannt haben. Denn alle jüdischen Schüler in Amsterdam mussten nach der Einnahme Hollands durch die deutsche Wehrmacht das jüdische Lyzeum besuchen. Und beide, Willy Loewenthal und Anne Frank, starben im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Zu Beginn ihrer Arbeit besuchten die 20 Sechst- bis Neuntklässler des Arbeitskreises die Dauerausstellung
'Jüdisches Leben in Bad Kissingen'. Schon hier fanden sie erste Informationen: eine Anzeige des Bankhauses und den Auszug einer Ansprache Ludwig Loewenthals aus dem Jahr 1924 anlässlich der Gründung der Kissinger Sektion des Reichsbanners.
Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich dann mit den Forschungsergebnissen des Kissinger Gymnasiallehrers Hans-Jürgen Beck, der seine Untersuchungen zur Verfügung gestellt hatte. Andere Schüler durchforsteten das Internet nach Informationen. Gestapo-Akten studiert. Die älteren Schüler beschäftigten sich mit den Gestapo-Akten Ludwig Loewenthals aus dem Staatsarchiv Würzburg.
'Eine spannende Informationsquelle waren auch holländische Archive, die einen großen Teil ihres Aktenbestandes im Internet digitalisiert verfügbar
halten', heißt es in der Pressemitteilung. Schließlich präsentierten die Gruppen sich gegenseitig ihre Ergebnisse und verfassten daraus gemeinsam die Biografien von Ludwig und Willy Loewenthal. Die Texte werden sie bei der Stolperstein-Verlegung am 22. September selbst vortragen und in einer Begleitbroschüre veröffentlichen.
Reuter zieht ein positives Fazit: 'Die geschichtsinteressierten Schüler erhielten einen ausgezeichneten Einblick in wissenschaftliches
Arbeiten.' Die Schüler hätten konkret Kontakt mit unterschiedlichstem Aktenmaterial gehabt, was im Geschichtsunterricht der Realschule unüblich sei. Positiv sei auch die Förderung der Empathiefähigkeit gewesen. Durch die intensive Beschäftigung mit der Biografie des etwa gleichaltrigen Willy Loewenthal hätten sie sich gut in dessen Lebenssituation
hineinversetzen können. Außerdem sei ein nachhaltiges Interesse für lokalgeschichtliche Themen geweckt worden. Reuter:
'Geschichte wird mit der Stolperstein-Aktion wieder lebendig. Sie wird durch die individuellen Lebensgeschichten konkret
erfahrbar.'"
September
2010: Weitere Verlegung von
"Stolpersteinen" in Bad Kissingen
Artikel von in der "Main-Post" vom September 2010 (Artikel):
"BAD KISSINGEN: Gunter Demnig setzt 13 weitere Stolpersteine gegen das Vergessen
Gunter Demnigs Stolpersteine sind kleine Denkmale mit großer Kraft. Ins Trottoir eingelassen gemahnen sie zur Erinnerung an das Schicksal jener Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden.
Am Montag setzte der Kölner Künstler in Zusammenarbeit mit der Initiative Bad Kissinger Stolpersteine um ihren Sprecher Sigismund von Dobschütz 13 neue Stolpersteine in der Stadt. Insgesamt liegen nun in Straßen und Gehsteigen 33 solcher kleiner Mahnmale.
Für Oberbürgermeister Kay Blankenburg ist die Verlegung der Stolpersteine zunächst der Versuch,
'den Opfern des Nationalsozialismus ihre Identität zurückzugeben'.
Die Aufgabe dieser Boden-Denkmäler erschöpft sich für ihn aber nicht nur darin, ergreifende Schicksale in Erinnerung zu rufen, die jedes für sich immer wieder aufs Neue sprachlos machen. Dass an der inzwischen dritten Kissinger Verlegeaktion mit Demnig wieder Schüler teilnahmen, führte er als Beleg für die Eignung der Stolpersteine an, Jugendliche für die Auseinandersetzung mit den Schrecken der deutschen Geschichte zu interessieren.
Aus den Lebens- und Leidensgeschichten der Verfolgten des Nationalsozialismus zieht Blankenburg zudem Lehren für die Gegenwart: Die Stolpersteine seien
'eine Erinnerung daran, was passieren kann, wenn man zu lange wegsieht.' Die Main-Post dokumentiert die Biografien der Bad Kissinger Opfer in der Zeitung und im Internet mit einer
Serie."
November
2010: Über den Sinn der
"Stolpersteine"-
vierte Verlegung für Ende Juni 2011 geplant
Artikel in der
"Main-Post" vom 8. November 2010 (Artikel): "BAD KISSINGEN.
Brite kam wegen Stolperstein
(tk) Vor knapp 20 Zuschauern führte die Projektgruppe 'Stolpersteine' den gleichnamigen Film von Dörte Franke im Bad Kissinger Rathaussaal vor. Die Veranstaltung fand im Rahmen der jüdischen Kulturtage statt. In dem Film wird der Kölner Konzeptkünstler Gunter Demnig porträtiert, der seit 1992 europaweit die Mahnmale für die Opfer des Holocaust verlegt.
Für die Kissinger Zuschauer besonders interessant ist die Tatsache, dass der Film mehr über den Briten Peter Jordan verrät, der in Konflikt mit dem Münchner Oberbürgermeister Ude geriet. Denn die bayerische Landeshauptstadt ließ den Stolperstein für Peter Jordans Vater wieder abbauen.
Doch Jordan hat sogar einen direkten Bezug zur Kurstadt, da seine Vorfahren aus der Region kommen. Seine Mutter war die Tochter des Viehhändlers Lazarus Frank aus
Steinach. Die Franks lebten später in Kissingen. Zur Verlegung der Stolpersteine für die Familie war Jordan in Kissingen persönlich anwesend. Bezugspunkt für Trauer. Nach der Vorführung des Filmes thematisierte Sigismund von Dobschütz, Sprecher der Kissinger Bürgerinitiative, noch einmal die Pro und Kontras zum Projekt Stolpersteine. Gerade das Beispiel Jordan zeige den Sinn des Unterfangens, so von Dobschütz. Denn Jordan habe nun einen Bezugspunkt für seine Trauer und für das Andenken an seine Eltern.
Diese Sichtweise unterstützt auch im Film eine Roma-Familie, deren Großvater aus Österreich deportiert wurde. Auch sie hatten bisher weder Halt- noch Erinnerungspunkte an den Vorfahren. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie diese Menschen mit
'ihren' Stolpersteinen umgehen. Immer wieder umrunden sie nach der Verlegung den Stein und betrachten ihn aus verschiedenen Blickwinkeln.
Das sind die Geschichten, die von Dobschütz an die Bedeutung des Projektes glauben lassen. Für die Stolpersteine in Kissingen werden immer wieder neue Paten und Sponsoren gesucht. Die nächste, vierte Verlegung von Stolpersteinen in Bad Kissingen ist für Ende Juni 2011
geplant."
Dezember
2010: Weitere Steinpaten für die im Juni
2011 zu verlegenden "Stolpersteine" gesucht
Artikel in der
"Main-Post" vom Dezember 2010 (Artikel):
"BAD KISSINGEN, Weitere Stolpersteine geplant
Initiative sucht Paten - Fortsetzung folgt: Auch 2011 werden in Bad Kissingen Stolpersteine verlegt werden.
Bereits 33 Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus wurden seit Gründung der Initiative im Februar 2009 im Stadtgebiet verlegt. Finanziert wurde dies ausschließlich mit privatem Geld durch Spenden und Übernahme von Patenschaften. Auch künftige Spendengelder werden vollständig und ausschließlich zur Verlegung neuer Stolpersteine in Bad Kissingen verwendet, heißt es in einer Mitteilung der Verantwortlichen. Die zur Stolperstein-Verlegung notwendige Vorarbeit wird von den Arbeitsgruppen-Mitgliedern ehrenamtlich erbracht.
Die nächste Verlegungsaktion mit dem Ideengeber, dem Kölner Künstler Gunter Demnig, ist schon jetzt für Juni 2011 fest eingeplant. Für einige Stolpersteine hofft die Initiative auf Paten zur Deckung der Kosten. Nach Überweisung von mindestens 95 Euro pro Stolperstein wird der Spender zunächst in die Liste der Patenschaftsanwärter aufgenommen. Nach Entscheidung der Initiative, welcher Nazi-Opfer man im Juni 2011 durch neue Stolpersteine gedenken will, wird dann mit jedem Spender abgestimmt, für welches Opfer er die Patenschaft übernehmen will. Hierzu kann der Spender Vorschläge der Arbeitsgruppe akzeptieren, aber gern auch selbst eine Person vorschlagen.
Auch zur Mitarbeit in der Recherche-Arbeitsgruppe, die für die Erforschung der einzelnen Opfer-Biografien verantwortlich ist, werden historisch interessierte Helfer gesucht. Spendenkonto: Konto 91 der Stadt Bad Kissingen, Sparkasse Bad Kissingen (BLZ 793 510 10), Verwendungszweck:
'Stolpersteine'. Weitere Informationen: Stadtrat Sigismund von Dobschütz, Tel. (09 71) 785 25 30,
E-Mail".
Februar
2011: Im Juni 2011 werden weitere
"Stolpersteine" verlegt.
Artikel in der
"Main-Post" vom 11. Februar 2010 (Artikel):
"Bad Kissingen. Zehn neue Stolpersteine im Juni - Vierte Auflage der Aktion von Künstler Gunter Demnig und Kissinger Initiative
Im Juni wird der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig in einer vierten Verlegungsaktion zehn neue Stolpersteine an fünf Standorten vor Bad Kissinger Wohnhäusern in den Gehsteig einsetzen. Dies beschloss die Bürger-Initiative
'Bad Kissinger Stolpersteine' nach eigenen Angaben auf ihrer Sitzung am Donnerstag. Der genaue Verlegungstermin sei allerdings noch nicht bekannt, teilte die Initiative mit.
Die Patenschaften für die neuen Stolpersteine wurden von Spendern aus Hamburg, Frankfurt, Nürnberg, Berlin, Mellrichstadt, Nüdlingen und Bad Kissingen übernommen.
Die 20 Sitzungsteilnehmer diskutierten auch über die notwendige Pflege der bereits verlegten 33 Stolpersteine, deren Messingplatte inzwischen Patina angesetzt hat. Realschullehrer Andreas Reuter erklärte sich spontan bereit, mit Schülern seiner Geschichts-AG diese Aufgabe teilweise zu übernehmen. Schulen helfen. Auch Christine Steigmeier will mit ihrer vierten Klasse der Sinnberg-Grundschule wieder eine Putzaktion im Rahmen ihres Unterrichts durchführen. Außerdem wurde angeregt, das Jugendkulturzentrum (JuKuz) und die Mitglieder des Kommunalen Integrationsprojekts (KIP) um Hilfe zu bitten. Unabhängig davon appellierte das Plenum an alle Paten oder Hausbewohner,
'aus freiem Antrieb' gelegentlich 'ihre' Stolpersteine zu putzen.
Ziel der 'Stolpersteine' sei nicht die Vergangenheitsbewältigung im herkömmlichen Sinn, betonte Stadtrat Sigismund von Dobschütz als Initiator dieser Bad Kissinger Aktion ein weiteres Mal. Sinn sei es vielmehr,
'in die Zukunft schauend' besonders Kindern und Jugendlichen mit diesen Gedenksteinen ein Kapitel deutscher Geschichte
'greifbar' verständlich zu machen. Deshalb sei die bisherige Mitarbeit der Kissinger Schulen besonders erfreulich.
Nicht nur in der Realschule, in der bald ein Lageplan bereits verlegter Stolpersteine ausgearbeitet werden soll, sowie in der Sinnberg-Grundschule seien die Stolpersteine regelmäßig ein Unterrichtsthema. So habe die ehemalige Pädagogin Liselotte Paul die Stolpersteine zum Anlass genommen, mehrmals in Grundschulklassen über ihre Kindheit in Berlin zur Zeit des Nazi-Regimes zu berichten. Jetzt plane sie ähnliche Vorträge in der Kliegl-Mittelschule. Außerdem wurde berichtet, dass Referendar Tobias Schlör im Jack-Steinberger-Gymnasium von seiner zehnten Klasse einen Stadtrundgang
'Jüdisches Leben in Bad Kissingen' erarbeiten lasse. Spende gleicht Minus aus
In seinem Kassenbericht stellte Peter Weidisch ein Guthaben von knapp 1200 Euro fest. Dies sei
'aber nur die halbe Wahrheit', ergänzte von Dobschütz, da bereits 15 Stolpersteine für die beiden kommenden Verlegungsaktionen im Juni und November von privaten Spendern bezahlt seien. Die jeweils 95 Euro pro Stein seien zweckgebunden. So ergebe sich tatsächlich ein Minus von 238 Euro. Zusätzliche Spenden seien deshalb dringend erwünscht, machten Weidisch und von Dobschütz deutlich. Stadtrat Otto Funck, Mitglied in der Bürger-Initiative, erklärte sich spontan bereit, mit einer Spende wenigstens das aktuelle Minus auszugleichen.
Mit den Stolpersteinen im Juni soll an folgende jüdische Mitbürger erinnert werden, die Opfer der Nazi-Diktatur wurden: Sanitätsrat Dr. Siegfried Wahle (Ludwigstraße 9), Kaufmann Hirsch Adler mit Ehefrau Therese und Schwester Jeanette (Hartmannstraße 5), Kaufmann Benedikt Schloß mit Ehefrau Emilie und Tochter Thekla (Maxstraße 31), Nanette Holländer, Ehefrau des Kaufmanns Hermann Holländer (Maxstraße 24), sowie Bäckermeister Hermann Baumblatt und Ehefrau Sara (Badgasse 4). Emilie Schloß überlebte als Einzige das Konzentrationslager und emigrierte nach einem Zwischenstopp in der Schweiz im Jahr 1947 nach Israel. Die
'Bad Kissinger Stolpersteine' sind auch beim sozialen Netzwerk Facebook vertreten."
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern.
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dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von
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1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the administrative district of Bad Kissingen focusing on the period
1800-1945. Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792. Zu beziehen bei den
Autoren/obtainable from: E-Mail.
Info-Blatt
zu dieser Publikation (pdf-Datei).
Bad Kissingen
Lower Franconia. Jews were victims of the Rindfleisch massacres of 1298. In 1705
a synagogue was dedicated and in 1801 a cemetery. Bad Kissingen served as the
seat of the regional rabbinate from 1839, embracing 2,500 Jews in numerous
communities. Among the chief rabbis were Lazarus Adler (1839-52), Gabriel
Lippmann (1853-64), and Moshe Aryed Leib Bamberger (1865-1902). A new synagogue
was built in 1902 as the Jewish population grew from 210 in 1827 to a peak of
504 in 1925 (total 9,517). Bad Kissingen was famous for its mineral baths,
attracting thousands of visitors each year, including many Jews, and providing
employment for 90 % of the Jewish community. Jews owned hotels and restaurants
and worked as doctors at the health facilities. A Jewish children's clinic
founded in 1905 on the initiative of the chief rabbi, Yitzhak Seckel Bamberger (serving
38 communities in 1902-32), accomodated as many as 400 children.
In 1933, 344 Jews remained in Bad Kissingen. The economic boycott under the Nazi
regime struck hard at their tourist-based livelihoods as severe persecution
ensued. Nonetheless, 15 Jewish boarding houses were still open in 1935 with 600
guests. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish homes and stores
were destroyed along with a Jewish hotel and Jewish health facilities. All
Jewish men under 70 were sent to the Dachau concentration camp. Emigration,
which had commenced in 1933 with an exodus of younger Jews, reached a total of
121 through 1939, including 64 to the U.S. Another 143 left for other German
cities, including 31 to Frankfurt and 29 to Berlin. Of the 43 Jews remaining in
1842, 23 were deported to Izbica in the Lublin district of Poland via Wuerzburg
on 24 April and others were later sent to the Theresienstadt ghettos.
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