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in Bad Kissingen
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Bad Kissingen (Kreisstadt)
Texte/Berichte über jüdische Einrichtungen:
Die israelitische Kinderheilstätte und das Israelitische Kurhospiz
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Bad Kissingen wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am
10.2.2012.
Übersicht:
Plan
zur Gründung eines Spitals in Bad Kissingen
Bericht eines Komitees zur Gründung eines Spitals in Bad
Kissingen (1868)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1868:
"Bericht des provisorischen Comité für Gründung eines
jüdischen Spitalfonds zu Kissingen.
Das unterfertigte Comité beehrt sich hiermit - unter Bezugnahme auf den
im Mai dieses Jahres erlassenen Aufruf - den folgenden Bericht zu
veröffentlichen:
Die Sammlungen während der verflossenen Kursaison lieferten ein ziemlich
befriedigendes Resultat. Überdies wurden von vielen Seiten bedeutende
Beiträge in Aussicht gestellt, sobald die Realisierung unseres Projektes
gesichert. Ebvenso sind auch von hiesigen Israeliten Beiträge zugesagt
und mit Gewissheit zu erwarten.
Die Einnahmen betragen im Ganzen 583 fl. 26 Kr.
Ausgaben für Einrichtung und Betrieb 75 fl., 33 Kr. Bleibt
Aktivrest 507 fl., 63 Kr.
wovon 500 fk. bei der Königlichen Bank zu Schweinfurt als ein zu 3 %
verzinsliches Kapital angelegt wurden.
Hinsichtlich ihrer Größe rangieren sich die einzelnen Beiträge in
folgender Weise. Ein Beitrag unter 1 fl., 82 Beiträge von 1 fl. und
darüber, 39 Beiträge von 5 fl. und darüber, 14 Beiträge von 10 fl. und
darüber, 2 Beiträge von 20 fl. und darüber.
Mit gebührendem Danke für die bisherige Beteiligung und der
angelegentlichsten Bitte, um weitere Förderung des menschenfreundlichen Werkes,
zeichnet Hochachtungsvoll Kissingen, im Oktober 1868.
Das provisorische Comité:
Moses Löb Bamberger, Distrikts-Rabbiner. Samuel Ehrlich. Joseph Goldstein.
Moses Morck, als Kassier. Simon Rosenau, als
Kontrolleur." |
Berichte
über die Israelitische Kinderheilstätte
Aufruf
zum Bau einer Israelitischen Kinderheilstätte (August/September 1899)
Anmerkung: Teil I der "Plaudereien aus der Sommerfrische" wurde aus
Norderney geschrieben. Der Verfasser des Beitrages zu Bad Kissingen war Dr.
Philipp (Pinchas) Münz. Er hatte seinen festen Wohnsitz in Nürnberg, war
aber auch als Kurarzt in Bad Kissingen tätig (Angaben von der Großnichte Judit
Brom geb. Münz und von Meir Brom in Jerusalem am 29.12.2011). Dr. Münz ist am
9. Januar 1864 in Tarnow (Galizien) geboren. Er wurde im Januar 1943 von Berlin
aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 15. August 1944 umgekommen
ist. Sein Sohn Dr. Alfred Münz (geb. 1897 in Nürnberg) war gleichfalls
Arzt. Er wurde mit dem Vater aus Berlin nach Theresienstadt deportiert. Von hier
aus wurde er Ende September 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ein
Sohn von Alfred Münz war Dr. Heinrich Münz, der in die USA emigrieren
konnte und dort als Zahnarzt tätig war. Er verfasste ein Buch über
Magenkrankheiten.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 4. September 1899: "Plaudereien aus der Sommerfrische.
Badegedanken und Anregungen. II. Kissingen, 31. August (1899). In
einem Bade wie Kissingen, wo Tausende und abermals Tausende von Fremden
aus allen Weltteilen zusammenströmen, ist zur Zeit der Hochsaison, wenn
der Menschenzufluss am stärksten, dem Beobachter reichlich Gelegenheit
geboten, an 'Land und Leuten' die interessanten Betrachtungen anzustellen.
Auf der Kurpromenade, dort, wo der Strom der Menschenmassen während der
Kurzeit sich mächtig staut und das Bild von Tag zu Tag, von Stunde zu
Stunde wechselt, ist das bequemst 'Rekognoszierungsterrain.' Es ist früh
Morgens, ein schöner, herrlicher Morgen, Ich sitze auf einer der Promenadenbänke
und lasse das bundschäckige, vielbewegte Bild der wogenden Menge, welche
bei den Klängen der Musik auf- und abwandelt, an mir vorzuziehen.
Unwillkürlich wird der Geist von den sich darbietenden Erscheinungen
gefangen gehalten und zu Betrachtungen angeregt. Drei Gestalten, wir wohl
bekannt, gewissermaßen die Typen der Kissinger Badebesucher darstellend,
erregen mein besonderes Interesse. Dort wankt langsamen Schrittes, ein
Glas Rakoczy in wohlberechneten Zügen schlürfend, ein in mittleren
Jahren stehender Kurgast daher; er ist sehr reich; doch was nützt es
ihm,? - schwere Krankheit ist von seinem Gesichte schon abzulesen. Doch
seht! Nicht weit von diesem stolziert mit wohlvergnügtem Schmunzeln, in
der Hand einen Blumenstrauß, der seiner Bestimmung eben entgegengeführt
wird, ein gesunder, blühend aussehender Mann. Er weilt zu seinem und zum
Vergnügen anderer in Kissingen, er ist zur 'Kur' da. Und dort in jenem
Winkel steht still bescheiden ein Männchen, dem man an der Kleidung die
Armut, an der Haltung die Krankheit ansieht, der zu jenen doppelt Armen
gehört, die krank am Herzen und krank am Beutel sind. Dass er in
Kissingen weilen kann, verdankt er nur der Milde edler Menschen. So
wechseln die Eindrücke und Bilder; man glaubt, durch ein Kaleidoskop zu
schauen. Wie grundverschieden sind doch die Gefühle, welche durch diese
Eindrücke in der Brust der einzelnen Menschen erweckt werden. Der Eine
sieht's und amüsiert sich dabei, der Andere bleibt kalt und
gleichgültig, der Dritte wird tief ergriffen, und zu Reflexionen
angeregt, zu Betrachtungen über die Erscheinungen, un den Endzweck des
menschlichen Lebens. Was wir hier auf der Kurpromenade sehen, ist eine Welt
im Kleinen, denn auch draußen, da draußen in der weiten, großen Welt
geht es ebenso zu. Hier Fröhlichkeit und dort Trauer, hier Reichtum und
dort Armut, hier Gesundheit und dort Siechtum. Immer derselbe krasse
Gegensatz in der Verteilung irdischer Glückskinder, die doch schließlich
alle aus Gottes Hand stammen. Da fragen wir uns doch: Warum hat Gott den
Einen so reich begnadigt und dem Anderen alles versagt? Warum ist das
Füllhorn der Gnade auf den Einen mit vollen Händen gestreut? - was er
beginnt, ist vom Glücke begleitet, und warum weichen von der Schwelle des
Anderen nicht Not und Elend? - was dieser unternimmt, darauf ruht
gewissermaßen 'ein böser Stern'. Warum? Da Alles auf Erden, weil von
Gott kommend, einen Zweck zu erfüllen hat, welchem Zwecke dient
eigentlich all' das Ungemacht, von dem die Menschen, und gar oft nicht die
schlechtesten, heimgesucht werden? Diese Reflexionen stürmten auf mich
mit geradezu elementarer Gewalt sein, als ich letzthin die in Kissingen
bestehende Heilanstalt für skrophulöse Kinder besuchte.
Auf der Hälfte des Weges zur Saline - dort oben an der Landstraße -
steht ein schönes Bau, dessen Äußeres schon eine andere Bestimmung als
die eines Privathauses verrät. Es ist dies die Kinderheilstätte, welche,
im Jahre 1887 mit einem nicht allzu großen Kostenaufwande erbaut und
durch die Milde edler Menschen sich immer mehr und mehr entfaltend, jetzt
etwa 150 Kindern während des Sommers Aufnahme gewahrt. Unter diesen
rekrutiert sich nur ein verschwindend kleiner Bruchteil aus jüdischen
Kreisen. Die Statistik zeigt, dass auf mehr als 100 christliche Kinder,
welche in der Anstalt weilen, kaum ein jüdisches entfällt, ein
Verhältnis, das bei der großen Anzahl von skrophulösen Kindern gerade
unter der ärmeren jüdischen Bevölkerung auffallen muss. Die Gründe
hierfür liegen aber in dem ganzen Charakter der Anstalt, die unter
evangelischer Leitung steht. In erster Linie scheuen sich die jüdischen
Eltern, die noch irgendwie religiös denken, ihre Kinder einer Anstalt
anzuvertrauen, in welcher die Verpflegung eine unrituelle ist. Augenblicklich
weilen in der Anstalt 45 Kinder, unter ihnen kein jüdisches. Wir treten
in das Innere der Anstalt ein und besichtigen, von der Oberin des Hauses
geleitet, die einzelnen Räume. Überall entdeckt
man |
die
Spuren wohltätigen Sinnes und große Fürsorge; es ist alles recht
praktisch und komfortabel eingerichtet, viel neu hinzugebaut und
verbessert. Unser meistes Interesse erregen die beiden großen Schlafsäle,
welche je achtzehn Bettchen enthalten, manche von ihnen mit einer Votivtafel
versehen, die den Namen des edlen Spenders rühmend erwähnt; freilich
entspricht dieses System nicht ganz den Ansprüchen der Hygiene; es
erscheint nicht tunlich, eine so große Anzahl kranker Kinder in einem
Raum zusammenzulagern. Es macht einen eigenartigen Eindruck, diese vielen
kleinen Bettchen, eines neben dem anderen, stehen zu sehen; man glaubt
sich in das Reich der Zwerge versetzt. In Wirklichkeit aber sind diese
Bettchen für arme, kranke Menschenkinder bestimmt, für Kinder, die den
Keim schwerer Erkrankung oft in sich tragend, gleich den Blumen des Feldes
in zartem Alter verwelken. Wenn man all' den Jammer und all' das Elend so
vieler kranker Kinder zusammen an einem Platze sieht, dann lehrt mit den
alten Eindrücken auch die alte Frage wieder; Warum ist diesen armen
Kindern, welche den Unterschied des Guten und Bösen nicht kennen, jede
Lebensfreude versagt? Da alles auf Erden, wie erwähnt, einen Zweck zu
erfüllen hat, da nichts zwecklos ist, welchem Zwecke kann das Leid
kranker, unschuldiger Kinder dienen? Vielleicht dass diese Kinder mit
ihrem Elend die Bestimmung haben, jene höchste und vorzüglichste
Eigenschaft des Menschen, welche Gott in seine Brust gesenkt und die ihn
erst zum Menschen, zum Ebenbilde Gottes erhebt, das Mitleidsgefühl und
das Erbarmen zu erhalten und neu zu beleben. Wenn den Menschen nichts mehr
auf Erden mitleidig stimmt, wenn sein Sinn noch so sehr verstockt und
gefühllos ist, das Weh kranker Kinder wird sicherlich sein Herz bewegen
und einen sanften Strahl des Mitleids in dasselbe lenken. Wo in aller Welt
gibt es einen Juden zumal, der nicht Mitleid empfindet und werktätige
Liebe übt, wenn das Stöhnen unschuldiger, kranker Kinder an sein Ohr
dringt?
Wohlan, Ihr reichen, Ihr edlen Wohltäter des Judentums! Es dringt dieses Stöhnen
an Euer Ohr! Viele kranke Kinder flehen Euch an mit tränenden Augen, sie
flehen: 'Erbauet uns eine jüdische Kinderheilstätte in Kissingen, damit
wir daselbst Linderung und Heilung unserer Leiden finden! Sollen wir, weil
wir arm sind, dahinsiechen in kindlichem Alter? Helfet eine Heilanstalt
erbauen, die uns in unserer Krankheit Aufnahme gewährt!' Dieser Appell
wird sich gewiss nicht vergebens an die nie versiegende Mildtätigkeit
jüdischer Kreis, welcher Parteirichtung sie auch angehören, richten.
Gibt es denn ein größeres Verdienst, als diesen armen, kranken Kindern
zu helfen, als sie durch passende Behandlung dem Leben und den
bekümmerten Eltern wiederzugeben?
Die Errichtung einer jüdischen Kinderheilstätte in Kissingen - diese
soll Kindern aus allen Landesteilen in gleicher Weise zu Gute kommen - es
ist nicht nur wünschenswert, sondern geradezu ein Erfordernis. In ganz
Bayern, ja in ganz Süddeutschland existiert keine solche
Wohlfahrtseinrichtung. Wie wohltuend und segensreich solche Anstalten
wirken, geht am besten aus den erzielten Heilerfolgen hervor, dass
überall dort, wo gesonderte israelitische Kinderheilstätten, wie z.B. in
Königsdorf bei Gleiwitz bestehen, diese sich eines lebhaften Zuspruches
seitens jüdischer Kinder erfreuen und von Jahr zu Jahr sich immer mehr
entfalten. Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass unter den ärmeren
jüdischen Schichten der Bevölkerung sich zahlreiche kranke Kinder
befinden, die an Skrophulose, Rachitis, sowie anderen
Stoffwechselkrankheiten leiden. Ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in einer
passenden Anstalt ist dazu angetan, den Kindern gar oft Lebensfrische und
Gesundheit zu schenken. Welcher Platz ist zur Heilung dieser Leid
geeigneter als Kissingen mit seiner schönen, gesunden Lage und seinen
heilkräftigen Quellen! Edle Wohltäter stiften darum eins der besten und
humansten Werke, wenn sie durch Tat und Beistand die Begründung einer
jüdischen Kinderheilanstalt in Kissingen fördern. Ein Comité ist in
Bildung begriffen. Es kommt jetzt vor allem darauf an, einen größeren
Geldfonds zu erlangen, bevor weitere Dispositionen getroffen werden
können.
Mitteilungen bittet man zu richten an die Herren A. Grünbaum,
Fabrikstraße, Bankier Martin Hirschmann, beide in Nürnberg, an die
löbliche Redaktion des Israelit in Mainz oder an untenstehende
Adresse.
Und nun zur Tat! Möge ein Jeder nach Maßgabe seines Vermögens und
seines Edelmutes zur Vollendung dieses gro0ßen gemeinnützigen Werkes
beisteuern, dieses Monumentes, dauerndes als Erz! Gottes reicher Lohn und
der Segen aus Kindermund ist sein Teil. Mögen diese Zeilen das Samenkorn
sein, das von dem sanften Hauch jüdischer Milde gereift, die edelsten
Saaten erzeugt! Dr. med. Münz - Nürnberg."
|
Auf
dem Weg zur Eröffnung einer Kinderheilstätte in Bad Kissingen (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1901: "Kissingen,
im Mai (1901). Zu den segensreichsten Wohlfahrtseinrichtungen, welche die
moderne Zeit innerhalb des Judentums geschaffen hat, gehören sicherlich
die israelitischen Kinderheilstätten, welche siechen Kindern - den armen
unentgeltlich, den bemittelten gegen mäßige Bezahlung - ihre Pforten
öffnen.
Dass die bereist bestehenden derartigen Anstalten einem fühlbaren
Bedürfnisse entsprechen, ist durch die Tatsachen bewiesen. Die Zahl der
Bittsteller wächst von Jahr zu Jahr und ist oft so groß, dass allen
Aufnahmegesuchen gar nicht entsprochen werden kann. Es werden bisher
jährlich etwa 500 Kinder in den jüdischen Kinderheilstätten verpflegt
und behandelt. Da mit den erschwerten Erwerbsverhältnissen und den verschlechterten
Lebensbedingungen die Zahl dieser Kinder stetig zunimmt, ist es mit
doppelter Freude zu begrüßen, wenn die bereits bestehenden Anstalten
durch die Begründung einer neuen Kinderheilstätte entlastet werden. Eine
solche neue Anstalt wird auf seine seinerzeit gegebene Anregung des Herrn
Dr. med. Münz in Nürnberg in dem durch seine schöne Lage und seine
vorzüglichen Quellen gleich ausgezeichneten Bade Kissingen mit Gottes
Hilfe ins Leben gerufen. Die Kinderheilstätte in Kissingen ist bestimmt
zur Aufnahme von kranken, schwächlichen oder sonst in der Entwicklung
zurückgebliebenen Kindern beiderlei Geschlechts im Alter von 4-16
Jahren.
Das edle, humanitäre Werk rückt, Dank des einmütigen Zusammenwirkens
der Kreise aus allen religiösen Parteirichtungen, seiner Vollendung
näher. Es sind bereits größere einmalige Beiträge, worunter allein die
hochherzige Spende von 10.000 Mark seitens des als Wohltäter bekannten
Herrn S. Bergmann - Fürth und seiner edlen Frau Gemahlin, dem Unternehmen
zugewandt worden. Dadurch war man in die Lage versetzt, einen geeigneten
Bauplatz für die Kinderheilstätte in Kissingen käuflich zu erwerben. Es
fehlen freilich noch bedeutende Summen, um nur den Bau, ein kleines
Wahrzeichen jüdischen Wohltätigkeitssinnes, in Angriff zu nehmen. Das
Komitee, welches sich aus angesehenen Männern aller Landesteile
zusammensetzt und die Begründung der israelitischen Kinderheilstätte in
Kissingen anstrebt, wendet sich darum an den oft bewährten jüdischen
Wohltätigkeitssinn edler Menschenfreunde mit der Bitte, das hochherzige Werk
durch Gewährung eines einmaligen Beitrags zu unterstützen und
mitbegründen zu helfen. Eine jede Zuwendung stiftet reichen Segen und
darf des wärmsten Dankes sich sein; auf jeder Gab ruht der Segen aus
Kindermund, ruht der Segen Gottes.
Die gute Sache spricht für sich selbst und auch wirr wünschen ihr viele
Freunde und Gönner. Beiträge bittet man zu richtigen an die Adresse des
Herrn Bankier Wilhelm Ottensooser - Nürnberg, oder an Herrn Bankier
A. Löwenthal - Kissingen, sonstige Anfragen und Mitteilungen an
Herrn Dr. med. Münz in Nürnberg.
B." |
Neue
Mitglieder im Komitee zur Begründung einer israelitischen Kinderheilstätte in
Bad Kissingen (1901)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober
1901: "Nürnberg, 29. Oktober (1901). Dem Komitee zur
Begründung einer israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen sind
ferner beigetreten die Herren: prakt. Arzt Dr. H. Auerbacher, Köln am
Rhein, Geheimer Sanitätsrat Dr. J. Boas, Berlin, praktischer Arzt
Dr. med. Danheißer, Landau, Bezirksrabbiner Dr. Einstein, Landau,
Redakteur Dr. H. Hildesheimer, Berlin, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg,
Kaiserslautern, Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein, Mosbach, Baden,
Rechtsanwalt Dr. G. Kaufmann, Mannheim, Kirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart,
Bezirksrabbiner Dr. Mayer, Zweibrücken, Gustav Rosenthal, Mellrichstadt,
Samuel Strauß, Karlsruhe, Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Senator,
Berlin, Moses Stern, Erlangen, Nathan Ullmann, Kempen, Hermann Lehmann,
Frankfurt a.M." |
Stand der Planungen für den Bau der Kinderheilstätte
(1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 4. August 1902: "Bad Kissingen, 30. Juli (1902). Der
'Israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen', welche armen und
siechen Kindern aus Familien aller Landesteile und aller religiösen
Parteirichtungen ihre gastlichen Pforten öffnen soll, ist Dank des
Wohlwollens des hohen königlichen Ministeriums die durch Herrn
Badpächter Hessing gütigst bewilligte Anlage einer eigenen Soleleitung
in die neue Anstalt zugestanden worden. Die 'Israelitische
Kindheilstätte' hierselbst ist demnach die einzige, derartige
israelitische Anstalt in Deutschland, welche die großen Vorteile einer
eigenen Solezufuhr besitzt. Ebenso ist nunmehr, nachdem die sich
entgegenstellenden Schwierigkeiten beseitigt wurden, die Genehmigung der
Baupläne seitens des königlichen Bezirksamtes Kissingen erfolgt. Ein
geeigneter Bauplatz an der Salinenstraße, halbwegs zur Saline, ist
bereits käuflich erworben worden. Die Errichtung der Anstalt soll aber,
wie verlautet, erst dann in Angriff genommen werden, wenn der für den Bau
und die innere Ausstattung des Instituts bestimmte Betrag vorhanden ist.
Es stehen dem Verein der israelitischen Kinderheilstätte etwa 55.000 Mark
bisher zur Verfügung; man hofft aber, den Rest in kurzer Zeit durch den
Wohltätigkeitssinn edler Menschenfreunde aufzubringen, um das gute,
gemeinnützige Werk sobald als möglich vollenden zu können. Möge darum
die Zahl der großmütigen Freunde und Gönner der segensreichen Anstalt
sich mehren! Zur Empfangnahme von Beiträgen sind bereit die Herren
Bankier A. Löwenthal jun. in Bad Kissingen, Bankier Wilhelm Ottensoser in
Nürnberg, sowie alle anderen Mitglieder des Komitees, dem Männer aus
ganz Deutschland angehören: alle sonstigen Mitteilungen sind an Herrn Dr.
P. Münz, Badearzt in Bad Kissingen, im Winter in Nürnberg, zu
richten." |
Grundsteinlegung
für die israelitische Kinderheilstätte (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1904: "Bad
Kissingen, 7. März (1904). Kaum drei Jahre sind verflossen, seitdem
durch Dr. med. Münz - Bad Kissingen (Nürnberg) der Gedanke angeregt
wurde, in dem durch seine heilkräftigen Quellen (Rahoczy-Brunnen,
kohlensäurehaltigen Solbäder) berühmten Bade Kissingen eine
israelitische Kinderheilstätte zu errichten, und jetzt ist Danke der
Energie und der Wohltätigkeit einer Reihe edler Menschenfreunde das Werk
so weit gediehen, dass heute der Grundstein zum Bau der Anstalt gelegt
werden konnte. Die Bauleitung liegt, wie wir hören, in den Händen
des bewährten Architekten Krampf. Die Anstalt, in idyllisch schöner Lage
errichtet, stellt sich als ein einfacher, solider Bau im Renaissancestil
dar, der in seiner inneren Gestaltung allen Bedingungen moderner Hygiene
Rechnung trägt. Im Souterrain befinden sich zwei getrennte Küchen, die
Wohnung des Inspektors sowie einzelne Badekabinen. Das Parterre enthält
die Schwesternzimmer, das Ordinations- und Operationszimmer des Arztes,
geräumige Speisezimmer und Veranden für die Kinder; im ersten Stock
befinden sich die vier großen und luftigen Schlafsäle für je 5-8
gleichaltrige Pfleglinde desselben Geschlechts, sowie einige Extrazimmer
für Kinder. Dementsprechend sind die anderen Räume in geeigneter Weise
verteilt. es verdient besonders hervorgehoben zu werden, dass die
israelitische Landesheilstätte in Bad Kissingen die einzige derartige
Anstalt in Deutschland ist, welche eigene Solzuleitung besitzt, sodass die
Kinder in der Anstalt selbst ihre Bäder gebrauchen können. Der Bau wird
so gefördert, dass die Anstalt bereits Mitte Mai 1905 eröffnet wird. Es
finden kranke, schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder
aus allen Teilen Deutschlands - die armen unentgeltlich Aufnahme; in
erster Linie finden aber Kinder aus solchen Gemeinden Berücksichtigung,
welch das Unternehmen entsprechend gefördert haben. Wiewohl auch jetzt,
wie es in einem diesbezüglichen Aufrufe heißt, einmalige Spenden
willkommen sind, so wird doch das Hauptgewicht auf die Sammlung
jährlicher Beiträge für den Unterhalt der Anstalt gelegt. Das gute Werk
spricht für sich selbst; möge es von Neuem viele edle Gönner und
Freunde finden. Alle Beiträge sind an Herrn Bankier Wilhelm Ottensooser
in Nürnberg, alle anderen Mitteilungen an Herrn prakt. Arzt Dr. med.
Münz (Nürnberg), Sommer in Bad Kissingen zu richten. J.R." |
Wohltätigkeitsbasar zugunsten der Kinderheilstätte
(1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli
1904: "Bad Kissingen, 19. Juli (1904). Heute Nachmittag
wurde hier im englischen Garten ein Wohltätigkeitsbazar abgehalten von
den hier zur Kur weilenden Brüdern und Schwester der 'Bne Bris'-Logen,
sowie anderen Kurgästen. Der Reinertrag von ca. 500 wird für jüdische,
arme Kurgäste, sowie für das bereits im Bau begriffene israelitische
Kinderhospital hier verwendet. Der schöne Erfolg der Veranstaltung,
welche infolge der 'Neun Tage' natürlich ohne Musik stattfand, ist in
erster Linie der durch ihnen Wohltätigkeitssinn bekannten Frau Gottlieb
Rosenfeld aus Frankfurt am Main zu verdanken, welche den Bazar ins Leben
gerufen und geleitet hat. Herr Rabbiner Dr. Kopfstein aus Beuthen und Herr
Kirchenrat Dr. Kroner aus Stuttgart, gaben zum Schlusse im Namen aller
Teilnehmer ihrem besonderen Danke für Frau Rosenfeld Ausdruck, welche
sich so sehr verdient gemacht hat." |
Einweihung der Israelitischen Kinderheilstätte
(1905)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom
30. Juni 1905: "Brief aus Kissingen.
Bad Kissingen, 14. Juni (1905). Kaum vier Jahre sind
verflossen, seitdem durch den Badearzt Herrn Dr. Münz in Bad Kissingen
der glückliche Gedanke angeregt wurde, in unserem durch seine
heilkräftigen Quellen weltberühmten Bade eine israelitische
Kinderheilstätte zu errichten, und heute ist dank seinen eifrigen
Bemühungen und der Unterstützung edler Menschenfreunde unter denen Herr
S. Bergmann - Fürth und Herr A, Schwarz - Nürnberg besonders
hervorragen, der Gedanke zur Tat geworden. Die Anstalt wurde vorgestern in
feierlicher Weise in Gegenwart der Behörden und zahlreich erschienener
Gäste ihrer Bestimmung übergeben. Unter den Erschienenen erblickte man
die Herren Königlicher Regierungsrat Baron von Bechtolsheim, regierender
Bürgermeister Hofrat Huchs, M.R. Louis Vay, Major und Bezirkskommandeur
Endres, Major und Bezirksoffizier Dietz, Adjutant Leutnant Zentgraf,
Assessor Dr. Karl, Medizinalrat Dr. Vanselow, Königlicher Bezirksarzt, Geheimer
Rat Dr. Oskar Diruf, Vertreter des ärztlichen Bezirksvereins der
Kinderheilanstalt (e.V.), Hofrat Dr. Kaim und verschiedene andere. Der Akt
der Eröffnung verlief in sehr würdiger und weihevoller Weise. Nachdem
ein durch Herrn Lehrer Steinberger arrangiertes Doppelquartett den Psalm
8: 'Wie lieblich sind Deine Wohnungen' in eindrucksvoller Weise gesungen,
sprach in inniger effektvoller Betonung der 8-jährige Alfred Münz
folgenden von seinem Vater Herrn Dr. Münz verfassten
Prolog:
Wie klingt so hell das Dankeslied im Sängerchore, Da gastlich sich
geöffnet dieses Hauses Tore,
und durch die Fenster flutet mild und warm hinein Des Himmels
heller Strahl und sanfter Sonnenschein.
Doch sagt! ist Menschenliebe und Erbarmen nicht Des Himmels
schönster Strahl, der Sonne wärmstes Licht,
Das Gott in jedes Menschen Brust so tief gesenkt, Dass er des Elends
and'rer liebevoll gedenkt? |
Denn
Milde und Erbarmen leuchtet in die Welt, Die dunkle Nacht des Leids
mit lichtem Strahl erhellt.
Wie leuchtet dieses Haus so klar, so hell und traut, Das Edelsinn
und Menschenliebe hat erbaut!
Der Jugend, die da krank und siech, ist es geweiht. Zu lindern
ihres Daseins Jammer und ihr Leid.
Die abgehärmt und bleib in dieses Haus hier einzieh'n, Zu neuer
Kraft und frischem Leben bald erblüh'n.
Drum nehmt im Namen jener Kinder Dank entgegen, Stets möge
ruh'n auf diesem Hause Gottes Segen,
Dass allzeit Freud' und Fried' in diesen Hallen walte Und nie
der Menschenliebe warmer Strahl erkalte!'
Hierauf hielt Herr Wilhelm Ottensooser - Nürnberg eine formvollendete
Festrede, in welcher er die hohe hygienische Bedeutung der
Kinderheilstätten im allgemeinen, sowie die Geschichte und die Bedeutung
der neugegründeten Anstalt in Bad Kissingen in klarer und anschaulicher
Weise darstellte. Bei der in heutiger Zeit sich leider vollziehenden
Zentralisation des Großkapitals, der sich deshalb immer mehr
verbreiternden Kluft zwischen Arm und Reich, sowie der sich immer mehr
vervollkommnenden Technik und den damit in Verbindung stehenden erhöhten
Anforderungen an Geist und Körper des Einzelnen sei es unbedingt
vonnöten, dass dem Minderbemittelten Gelegenheit geboten werde, seine
sowie auch hauptsächlich seiner Nachkommen Gesundheit zu fördern. Wohl
sei man mit der Invaliditäts- und Altersversicherung auf sozialem Gebiete
schon ein gut Stück vorwärts gekommen, aber noch lange nicht zum Ziel;
auch könne man dem Staate schließlich nicht alles aufbürden, hier
müssen vielmehr die Nächstenliebe und die praktische Religion
einspringen. Einem wie großen Bedürfnis die Anstalt entsprengen sei,
gehe schon daraus hervor, dass bereits 70 Anmeldungen und 60 Zusagen
eingelaufen seien. In den Kinderheilstätten findet eine Reihe chronischer
Erkrankungen die wirksamste Behandlung, sie wirken aber auch
prophylaktisch gegen den Ausbruch der Volkskrankheit Tuberkulose. Auf die
historische Entwicklung des Heilstättenwesens, das in Deutschland in den
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufblühte und bald einen
ungeahnt hohen Aufschwung nahm, eingehend, feierte der Redner Herrn Dr.
Münz als eigentlichen Vater der Anstalt, der vor einigen Jahren von einer
benachbarten evangelischen Heilstätte derart eingenommen war, dass in ihm
der Plan reifte, auch in Kissingen eine solche Heilstätte zu gründen.
Herr Dr. Münz fand hier bald Gleichgesinnte und nach vielen Mühen und
Opfern gelang endlich das Werk, das ein solches weitgehendster Toleranz
und edelster Nächstenliebe sein soll. Herr Ottensooser übergab nunmehr
die Anstalt, die erste ihrer Art in Bayern, ihrer Bestimmung. Auch die
neue Kinderheilstätte ist entsprechend den Heilindikationen Kissingens
berufen, sich den anderen in Deutschland bereits bestehenden 60 Anstalten
würdig an die Seite zu stellen. Herr Ottensooser hob die Verdienste, die
sich die schon genannten und die auf den Votivtafeln verzeichneten Damen
und Herren: S. Bergmann - Fürth, Adolf Schwarz - Nürnberg, Max von
Goldschmidt - Frankfurt am Main, Frau Jennie H. Nothmann - Würzburg durch
die Stiftung je eines Freibetts im Betrage von 3.000 Mark erworben haben,
hervor und dankte nicht nur diesen, sondern auch allen denjenigen, welche
an dem Gelingen des Werkes mitgearbeitet. Auch den öffentlichen
Behörden, die ihr Wohlwollen stets dem gemeinnützigen Werke gezeigt,
zollte er Anerkennung und Dank. Ein tiefergreifendes, vom Doppelquartett
gesungenes Gebet von Otto schloss die eigentliche Feier. An diese reihte
sich unter Führung des Herrn Dr. Münz ein Rundgang durch die Anstalt und
eine Besichtigung derselben. Nachher vereinigte ein Festmahl die
Mitglieder des Kuratoriums und |
des
Komitee zu einem gemütlichen Beisammensein. Schöne und innige Reden
würzten das Mahl. Herr Bergmann begrüßte die Anwesenden und widmete
sein erstes Glas dem Protektor aller edlen Werke, dem Prinzregenten; alle
Anwesenden stimmten begeistert in das von ihm auf Bayerns geliebten
Fürsten ausgebrachte Hoch ein. Herr Dr. Münz wies auf die Verdienste der
Gönner der Anstalt hin und schilderte die Entstehungsgeschichte der
Anstalt. In bunter Reihe sprachen sodann die Herren Adolf Schwarz -
Nürnberg, Wilhelm Ottensooser, Regierungsbaumeister Wallersteiner,
Abraham Löwenthal und Felix Ehrlich - Bad Kissingen, Willibald Löwenthal
- Berlin. Die Kissinger Herren sprachen ihren Dank und ihre Anerkennung
für das Gelingen des Werkes aus. Es kamen sodann die zahlreichen aus
allen Gegenden Deutschlands eingelaufenen Glückwunschtelegramme und
Schreiben zur Verlesung. Der Königliche Oberregierungsrat Krug -
Würzburg sandte ein Schreiben, in welchem er bedauerte, wegen
Verhinderung an der Feier nicht teilnehmen zu können und dem wohltätigen
Unternehmen den besten Erfolg wünscht. Auf ein Huldigungstelegramm an
Seine Königliche Hoheit den Prinzregenten kam zu Händen des Dr. Münz
folgendes Antworttelegramm:
Seine Königliche Hoheit der Prinzregent lassen dem Vorstande der
israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen für die anlässlich der
Eröffnung dieser gemeinnützigen Anstalt Allerhöchstdemselben in treu
ergebener Gesinnung dargebrachte Huldigung Ihren besten Dank entsenden. Im
Allerhöchsten Auftrage: Freiherr von Wiedemann, Generalleutnant,
Generaladjutant.
Die Anstalt selbst repräsentiert sich als ein äußerst geschmackvoller,
gediegener Bau im Renaissancestil, welcher seinem Erbauer, dem Herren
Architekten Carl Krampf alle Ehre macht. Das Haus ist von Gartenanlagen
und Spielplätzen umgeben. Das Innere der Anstalt ist sehr praktisch und
gefällig eingerichtet, mit allem Komfort ausgestattet und entspricht in
allen Teilen den modernen hygienischen Ansprüchen. Die Anstalt besitzt
eine eigene Solezuleitung. Im Souterrain befinden sich zwei Küchen, die
Waschräume, das Kesselhaus, zwei Badekabinen und die Wohnung des
Hausmeisters. Das Hochparterre wird durch den schönen, luftigen
Speisesaal, die Zimmer des Arztes, die Wohnung der Oberschwester, eine
stattliche Veranda, in der die vier Votivtafeln sich befinden, zwei
Badekabinen und andere Räume eingenommen. Im ersten Stock befinden sich
zwei Separatschlafzimmer für Kinder, außerdem viert große Schlafzimmer
und ein Schwesternzimmer, sowie drei Veranden. Garderobezimmer,
Mädchenzimmer, Bodenräume befinden sich im zweiten Stockwerk. Die
Anstalt kann gleichzeitig 26 Kinder beherbergen; die armen Kinder werden
unentgeltlich, die bemittelten gegen Zahlung der Selbstkosten aufgenommen.
Schon in dieser Saison werden über 60 Kinder aus allen Teilen
Deutschlands, die meisten von ihnen ohne jegliche Bezahlung, Aufnahme
finden. Es finden in der Anstalt Behandlung: Skrofulose, Rachitis,
Blutarmut, Magen-Darm-Leiden, Rheumatismus, Herzleiden, allgemeine Schwäche,
erschwerte Rekonvaleszenz. Die Kurdauer beträgt durchschnittlich vier
Wochen; in Ausnahmefällen wird diese verlängert. Behandelnder Arzt ist
Herr Dr. Münz, der die Behandlung unentgeltlich leitet; als beratender
Arzt funktioniert Herr Medizinalrat Dr. Vanselow. Dem Kuratorium gehören
an als: 1. Vorsitzender Herr S. Bergmann - Fürth, 2. Vorsitzender Herr A.
Schwarz - Nürnberg, Schriftführer Herr Dr. Münz - Bad Kissingen, 1.
Kassierer Herr Wilhelm Ottensooser Nürnberg, 2. Kassierer Herr A.
Löwenthal jun. - Bad Kissingen, Herr Regierungsbaumeister Wallersteiner -
Nürnberg, Herr Bankdirektor H. Ullmer - Nürnberg, in Berlin die Herren
Geheimer |
Medizinalrat
Professor Dr. Senator, Justizrat Rechtsanwalt Timendorfer, Adolf Salomon,
In Stuttgart Herr Kirchenrat Dr. Kroner, in Augsburg Herr Hugo Landauer,
in Frankfurt am Main Herr Rabbiner Dr. Horowitz. Die Anstalt
repräsentiert sich als eine Musteranstalt ersten Ranges. Der Bau und die
Einrichtungen haben 110.000 Mark gekostet; der jährliche Unterhalt, der
sich auf etwa 9.000 Mark beläuft, soll durch Jahresbeiträge der Gönner
der Anstalt aufgebracht werden. Folgende Geschäftsleite waren bei dem Bau
beteiligt: Baumeister Bernhard Kiesel, Spenglermeister Vah, Schlossermeister
Vogler, Schreinermeister Mergenthal, Tünchermeister Galland,
Glasermeister Krebs, sämtlich in Bade Kissingen. Auch der größte Teil
der inneren Einrichtung, an deren Lieferung an 50 Firmen beteiligt waren,
wurde in Bad Kissingen von den verschiedenen Geschäftshäusern geliefert.
Alle Menschenfreunde begleiten dieses edle Werk der Liebe und des
Erbarmens mit den besten Segnungen und wünschen ihm ein günstiges
Gedeihen." |
Besuch der Kinderheilstätte durch Minister Freiherr
von Brettreich (1908)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. September 1908: "Kissingen, 30. August (1908). Der
Minister Freiherr von Brettreich mit seiner Gemahlin in Begleitung des
Herrn Hofrats Fuchs besichtigten heute unter Führung von Herrn und Frau
Dr. Münz die israelitische Kinderheilstätte. Sie wurden durch einen
Gesang der Kinder begrüßt, worauf der Frau Minister von einem Mädchen
ein Blumenbukett überreicht wurde. Der Minister sprach seine vollste
Anerkennung über die ebenso modernen wie praktischen Einrichtungen der
Anstalt aus." |
Bericht der Israelitischen Kinderheilstätte
(1909)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 9. Dezember 1909: "Bad Kissingen, 1. Dezember (1909). Die Israelitische
Kinderheilstätte in Bad Kissingen hat mit dem nunmehr zu Ende
gehenden 5. Jahre ihres Bestehens ca. 600 Kinder aus allen Teilen
Deutschlands aufgenommen. Die erzielten Resultate sind glänzende. Die
Anstalt wird hauptsächlich durch jährliche Beiträge erhalten, die aus
allen Teilen Deutschlands fließen. Im Jahre 1910 soll der Wirkungskreis
der Anstalt wesentlich erweitert und statt bisher ca. 140 sollen nunmehr
160 Kinder aufgenommen werden. Möge die Anstalt Gönner und Spender
finden, die ihr die Erreichung dieses Ziel ermöglichen
helfen.
Schatzmeister des Vereins ist Herr Wilhelm Ottensooser,
Adlerstraße in Nürnberg. Anmeldungen von Kindern nimmt Herr
Dr. P. Münz, Arzt in Kissingen entgegen." |
Mitteilung aus der Israelitischen Kinderheilstätte
(1910)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8.
Juli 1910: "Kissingen. Die 1905 begründet Israelitische
Kinderheilstätte (e.V.) hat in den 5 Jahren ihres Bestehens 578 Kinder
unentgeltlich oder zu ermäßigten Preisen verpflegt. Die Zahl der
ordentlichen Mitglieder betrug am Schluss des letzten Vereinsjahres ca.
1.700." |
Bericht aus der Israelitischen Kinderheilstätte
(1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März
1911: "Die israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen,
die 1905 eröffnet wurde, hat bereits 746 kranken, schwächlichen Kindern
aus allen Teilen Deutschlands Aufnahme gewährt. Sie ist in herrlicher
Lage am Wege zur Saline gelegen und auf das modernste eingerichtet. Im
Jahre 1910 hat sie ihren Wirkungskreis wesentlich erweitert und statt wie
bisher 140, 169 Kinder aufgenommen. Der Unterhalt der Anstalt wird
lediglich aus jährlichen Beiträgen bestritten." |
Jahresbericht des Vereins der Israelitischen Kinderheilstätte
(1911)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni
1911: "Bad Kissingen, 25. Juni (1911). Der 'Verein der
Israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen' blickt wiederum auf
ein Jahr emsigen Schaffens zurück, und wiederum wendet er sich an seine
Freunde und Gönner, um ihnen einen Einblick in seine Tätigkeit während
der abgelaufenen Saison 1910 zu gewähren.
Wie der Bericht mit Genugtuung hervorhebt, ist es gelungen, in dem
verflossenen Jahre den Wirkungskreis der Anstalt wesentlich zu erweitern.
Indem man nämlich einen neuen Schlafsaal mit einem Nebengelass für eine
wachhabende Hilfsschwester schuf, wurde es ermöglicht, dass 29 Kindern
mehr als bisher Aufnahme gewährt werden konnte. Im Laufe der verflossenen
Saison haben bei viermaligem Schichtwechsel und bei einer Aufenthaltsdauer
von durchschnittlich 30 Tagen insgesamt 169 Kinder - 77 Knaben und 92
Mädchen - darunter 9 christlicher Konfession, Aufnahme und Verpflegung
gefunden. Die Aufnahme erfolgte bei 81 Kindern völlig unentgeltlich, bei
den übrigen zu bedeutend ermäßigten Preisen, nur einzelne Kinder
zahlten die Selbstkosten. von den aufgenommenen Pfleglingen stammen aus
Bayern 102, aus Preußen 41, aus Baden 14, aus Württemberg 2, aus Sachsen
2, den thüringischen Staaten 7, aus Russland 1.
Am 17. März fand in Nürnberg die ordentliche Generalversammlung statt.
In derselben wurde durch Herrn Dr. Münz in Worten treuen Gedenkens
auf den schweren Verlust hingewiesen, den die Anstalt in dem abgelaufenen
Jahre durch den Heimgang edler, um den Verein verdienten
Vorstandsmitglieder zu beklagen hat. Neugewählt wurden durch Akklamation
die Herren Fritz Sondheimer - Frankfurt am Main, Bernhard
Liebmann - Wiesbaden und Oskar Lesser - Dresden. Die
statutengemäß ausscheidenden fünf Mitglieder des Vorstandes wurden
wiedergewählt. Als Revisor trat an die Stelle des ausscheidenden Herrn A.
Grünbaum Herr Isak Burger - Nürnberg. In Anerkennung
seiner hervorragenden Leistungen für den Verein wurde Herr Adolf
Schwarz zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt."
|
Spende an die Israelitische Kinderheilstätte durch Baronin
von Rothschild (1911)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8.
September 1911: "Kissingen. Die Israelitische
Kinderheilstätte erhielt von Baronin Edmund von Rothschild - Paris eine
Spende von 4.000 Frcs." |
|
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 14. September 1911: "Kissingen, 29. August (1911).
Frau Baronin Edmund von Rothschild - Paris hat der Israelitischen
Kinderheilstätte in Bad Kissingen den Betrag von 3.600 Mark behufs
Errichtung eines Freibettes überwiesen." |
| |
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15.
September 1911: "Die Baronin Edmund von Rothschild - Paris überwies
der israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen den Betrag von 3.600
Mark." |
Die Israelitische Kinderheilstätte wird als Reservespital
der Militärbehörde zur Verfügung gestellt (1914)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28.
August 1914: "Die Israelitische Kinderheilstätte in Bad
Kissingen hat ihren Betrieb eingestellt und die Anstalt als Reservespital,
das mit 40 Betten belegt wird, der Militärbehörde zur Verfügung
gestellt." |
Jahresbericht der Israelitischen Kinderheilstätte
(1918)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Juli
1918: "Kissingen, 5. Juli (1918). Die Israelitische
Kinderheilstätte in Bad Kissingen teilt in ihrem Jahresbericht für
das Jahr 1917 unter anderem mit, dass im Laufe des verflossenen
Betriebsjahres 200 Kinder aus allen Teilen Deutschlands (109 Knaben, 91
Mädchen), darunter in erster Linie wiederum eine große Anzahl von
Kriegerkindern, auch solche anderer Konfessionen, zumeist unentgeltliche
Aufnahme in der Anstalt fanden. Weiter teilt der Bericht mit: 'Wir haben
es stets als unsere Aufgabe betrachtet, dem sozialen Elend der
heranwachsenden Jugend nach besten Kräften zu steuern. Um nun in
ausgiebigerem Maße als bisher in diesem Sinne zu wirken, ist der Gedanke
angeregt worden, im Anschluss an die Kinderheilstätte eine
Genesungsstätte für dem Kindesalter entwachsene Mädchen, die einer Kur
in Bad Kissingen bedürfen, anzugliedern. Insbesondere wird diese
Genesungsstätte der großen Schar jener israelitischen Mädchen zugute
kommen, die, im Berufe stehend und auf den Erwerb angewiesen, in der
Blüte ihres Lebens verkümmern, weil ihnen die Gelegenheit fehlt, ihre
durch den Kampf um das Dasein angegriffene Gesundheit zu stärken. Nach
Aufbringung der erforderlichen Mittel soll der Anstalt eine Heilstätte
für kurbedürftige junge Mädchen, insbesondere solche, die im Berufe
stehen, angegliedert werden.'" |
Mitteilung aus der Israelitischen Kinderheilstätte
(1918)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25.
Oktober 1918: "Bad Kissingen. Die Israelitische
Kinderheilstätte hat in der diesjährigen Saison 210 Kinder, fast
alle unentgeltlich, verpflegt." |
Hinweise zur Aufnahme in
die Kinderheilstätte (1925)
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 6. Juni
1925: "Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer
Gemeinden. Bekanntmachung über Unterbringung von
Kindern in der Israelitischen Kinderheilstätte Bad Kissingen und dem
Israelitischen Landheim Wolfratshausen.
Der Verband hat Mittel bereitgestellt, um kurbedürftigen, unbemittelten
Kindern aus Verbandsgemeinden verbilligten oder, falls nötig,
unentgeltlichen Aufenthalt in der Israelitischen Kinderheilstätte in Bad
Kissingen zu ermöglichen.
Aufnahme in die Heilstätte finden Knaben und Mädchen, die schwächlich
oder kränklich sind und zu ihrer Gesundung einer Kur in Bad Kissingen
bedürfen. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind Kinder mit ansteckenden
Krankheiten oder solche mit psychischen Leiden.
Die Unterbringung erfolgt nur in der Zeit vom 21. September dieses
Jahres ab für die Dauer von etwa 4 Wochen.
Wir stellen demgemäss den Gemeinden anheim, die Einreichung von Gesuchen
um Aufnahme von Kindern, bei denen die obigen Voraussetzungen zutreffen,
beim Wohlfahrtsamt des Verbandes, München, Herzog Maxstraße 7/0 zu
veranlassen.
Dem Gesuch ist eine ärztliche Begutachtung der Kurbedürftigkeit in Bad
Kissingen, sowie eine Beglaubigung der Mittellosigkeit der Gesuchsteller
durch den Gemeindevorstand beizufügen.
Für die Kosten des Erholungsaufenthaltes tritt der Verband im
Genehmigungsfall ein, insoweit die Gesuchsteller, beziehungsweise deren
Eltern oder sonstige unterhaltspflichtige Personen oder die
Wohnsitzgemeinde beziehungsweise in ihre bestehende Wohlfahrtseinrichtungen
oder Vereine die Mittel nicht aufzubringen vermögen.
Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass auch noch Gesuche für die
Aufnahme in das Israelitische Landheim Wolfratshausen (siehe Bekanntmachung
in Nr. 3 der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung) Berücksichtigung
finden können.
München, den 25. Mai 1925. Das Wohlfahrtsamt des Verbandes
Bayerischer Israelitischer Gemeinden." |
25-jähriges Bestehen des Vereins der Kinderheilstätte
(1926)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni
1926: "Bad Kissingen, 1. Juni (1926). Am 30. Mai fand in der
festlich geschmückten Kinderheilstätte die Stiftungsfeier des
25-jährigen Bestehens des Vereins statt. Außer zahlreichen Gästen aus
der Nähe und der Ferne hatten sich zu derselben alle Vertreter der
Behörden von Bad Kissingen eingefunden, ebenso Vertreter der Großloge
U.O.B.B., Vertreter des Landesverbandes bayerischer israelitischer
Gemeinden, der israelitischen Kultusgemeinde Bad Kissingen, die
Zentral-Wohlfahrtsstelle deutschen Juden in Berlin u.v.m. Die Feier nahm
einen überaus würdigen und weihevollen Verlauf. Nach einem Gesang der
Kinder der Anstalt, einem Dankgebet, verfasst von Herrn Lehrer
Steinberger, hielt Herr Badearzt und Sanitätsrat Dr. P. Münz,
seit Bestehen der Anstalt leitender Arzt im Nebenamt, die Festrede, welche
im Drucke erschienen ist. In derselben gab er zunächst eine klare
übersichtliche Darstellung über die Entstehung und Bedeutung des
Kinderheilstättenwesens in Deutschland und die Entstehungsgeschichte der
Kinderheilstätte zu Bad Kissingen, die 1901 gegründet, seitdem
unermesslichen Segen gestiftet hat. In diesem Jahre wurde unter bewährter
Leitung von Herrn Architekt Meyer - Nürnberg und Herrn Baumeister Wedler
- Bad Kissingen ein größerer, wohlgelungener Neubau errichtet, durch den
es jetzt möglich ist, im Laufe der Saison 400 Kindern Aufnahme zu
gewähren. Insgesamt wurden seit Bestehen der Anstalt 4.300 Kinder aus
ganz Deutschland aufgenommen. Am Schlusse der Festrede sprach er allen
Gönnern und Freunden den herzlichen Dank aus. Darauf berichtete Herr
Adolf Schwarz über die jetzige, den Vorjahren gegenüber wesentlich
ungünstigere finanzielle Lage des Vereins, die befürchten lasse, dass
durch die Erweiterungsbauten und den Betrieb in dieser Saison die
disponiblen Barmittel aufgezehrt würden. Reiche Zuwendungen seien nötig,
wenn die Anstalt auch in den kommenden Jahren ihren Betrieb aufrecht
erhalten wolle. Die Begrüßungen eröffnete der um die humanitären
Institutionen der Stadt sehr verdiente Bürgermeister Herr Dr. Pollwein.
Ihm folgte im Namen des Badkommissariats Herr Bezirksamtmann Dr.
Conrath. Herr Bezirksarzt Obermedizinalrat Dr. Maar
übermittelte Glückwünsche als Vertreter der evangelischen
Kinderheilanstalt und des ärztlichen Bezirksvereins. Es sprachen ferner Herr
Generaldirektor Binder im Auftrage der Großloge U.O.B.B. für
Deutschland, Herr Oberregierungsrat Schulhöfer - Würzburg, Herr
Rabbiner Dr. Schüftan - Erfurt im Namen der Erfurt-Loge und der
dortigen Organisationen, für den Landesverband bayerischer israelitischer
Gemeinden Herr Rechtsanwalt Dr. Silberschmidt - Bad Kissingen, Herr
Rabbiner Dr. Löwenthal - Berlin im Auftrage des 'Zentral-Wohlfahrtsausschusses
deutscher Juden'. Herr Schwabacher übermittelte hierauf die
Wünsche der Franken-Loge und der jüdischen Gemeinde in Würzburg, Herr
Architekt Albert Meyer die Wünsche der Maimonides- und Jakob Herz-Loge in
Nürnberg. Herr Sanitätsrat Dr. Münz sprach im Namen der Vorstandschaft
den Rednern den innigsten Dank aus. Außerdem liefen zahlreiche
Glückwunschdepeschen aus allen Teilen des Landes ein. Möge nun das gemeinnützige,
edle Werk, das vielen Tausenden armer und kranker Kinder eine Quelle des
Heils und Segens ist, in aller Zukunft wachsen und
blühen!" |
Bericht über die Israelitische Kinderheilstätte
(1926)
Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung"
vom 8. September 1926: "Israelitische Kinderheilstätte Bad
Kissingen. Die Kinderheilstätte ist die Hoffnung der Kinder. Sie ist
ein Kinderparadies. Schattenspendende Spielplätze bei warmem Wetter,
sonnige Spielplätze bei kühlem Wetter, eine stets kühle Schlucht mit
anstoßendem Freilufttheater, ein Wäldchen mit uralten Bäumen, ein
großer, wohlgepflegter Garten ist da und die Kinder fühlen sich dort so
unendlich wohl. Aber auch das Innere der Anstalt ist schön. Wer je die
Kinderheilstätte besichtigt, wird nie den von ihr gewonnenen Eindruck
vergessen. Die Kinderheilstätte ist ein Werk edelster und reinster
Menschen- und Kinderliebe, ein Werk echt jüdischer Barmherzigkeit. Die
Initiative zur Begründung des Vereins, der vor wenigen Monaten das
25-jährige Stiftungsfest feierte, gab Sanitätsrat Dr. Münz in Bad
Kissingen. Der Verein wurde 1901 begründet. Die errichtete
Geschäftsstelle steht seit Gründung unter der Leitung des 1. Vorstandes
Herrn Adolf Schwarz (Nürnberg), Jakobstraße 12, der sich
außerordentliche Verdienste um dieses karitative Werk erworben hat. Es
gelang durch eifrige Sammelarbeit von Spendern und Stiftern, von denen in
erster Linie Herr Salomon Bergmann sel., Aug. Fauth, Herr Adolf Schwarz in
Nürnberg, Herr Jacob Ullmann vormals in Schweinfurt, jetzt in Frankfurt
am Main, Herr Isak Burger und seine Kinder in Nürnberg, erwähnt seien,
die Mittel zur Errichtung einer Anstalt zu erlangen und deren Betrieb
durch jährliche Beiträge zu sichern. Reiche Beihilfen wurden dem Verein
durch die jüdischen Institutionen, insbesondere durch den Verband
Bayerischer Israelitischer Gemeinden, die Zentralwohlfahrtsstelle der
deutschen Juden, die Großloge und die Logen U.O.B.B. usw., sowie in der Inflationsperiode
durch den Joint, die Quäkerspeisung und die Spenden des Bayerischen
Sozialministeriums, der Deutschen Auslandshilfe usw. zuteil. Seit 1905
fanden zumeist unentgeltlich annähernd 4.500 Kinder aus allen Teilen
Deutschlands Aufnahme, wovon die meisten aus Bayern. In diesem Jahre wurde
die Zahl der Kinderbetten durch vorgenommene Erweiterungsbauten von 58 auf
82 erhöht, sodass die Anstalt für 5 Monatsfeien von Main bis Oktober
eine Aufnahmefähigkeit von mehr als 400 Kinder hat. Ferner wurde dem
Verein eine Abteilung: Mädchengenesungsstätte für Erwachsene
angegliedert, die seit ihrem Bestehen Hunderten von Mädchen eine Kur in
Bad Kissingen ermöglichte. Die Erweiterungsbauten und der Betrieb des
Jahres 1926 haben die vorhandenen Mittel sehr geschwächt. Soll die
Anstalt in gleicher Weise wie bisher segenbringend weiterwirken, so
müssen ihr von allen Seiten reiche Zuwendungen zuteil werden, die in Form
von Kurbettstiftungen (Mindestbetrag 1.000 Mark), von jährlichen
Beiträgen (möglichst nicht unter 10 Mark) und von Spenden erfolgen
können. Möge Gottes Hilfe und der Menschen Wohlwollen der
Kinderheilstätte eine glückliche Zukunft sichern. Die Geschäftsstelle
in Nürnberg, Jakobstraße 12, ist gerne zu allen weiteren Auskünften
bereit." |
Zum Tod des Wohltäters und Förderers der Israelitischen
Kinderheilstätte Adolf Schwarz (1927)
Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung"
vom 7. Januar 1927: "Nürnberg. Ein ganz hervorragender
Wohltäter und Wohlfahrtsorganisator, Herr Adolf Schwarz, wurde am
29. November 1926 von einer großen Menge von Trauergästen aus allen
Konfessionen zur letzten Ruhe geleitet. Der Verlebte hatte nicht nur hier
in Nürnberg, sondern in ganz Deutschland sich einen großartigen Namen
gemacht durch seine Gebefreudigkeit und durch seine nimmermüde Schaffenskraft.
Er war Mitbegründer und langjähriger Vorstand der Kinderheilstätte
in Kissingen, deren Aufblühen zum großen Teil seiner Rührigkeit zu
verdanken ist. Er hat ferner in Forth bei
Nürnberg ein Kindererholungsheim geschaffen und hat in dem Lazarus und
Berta Schwarz'schen Altersheim als Kurator eine segensreiche Tätigkeit
entfaltet. Adolf Schwarz hat in Verbindung mit der Kinderheilstätte am
gleichen Platze für im Erwerb stehende Mädchen und Frauen Gelegenheit zu
einer Erholungs- und Badereise geschaffen. Auch im Dienste der Stadt, wie
in außerjüdischen Organisationen war Adolf Schwarz lange Jahre tätig
und als städtischer Waisenrat, wie als Vorstandsmitglied des
kaufmännischen Vereins 'Merkur' viel geleistet und großes Ansehen
genossen. Sein Hauptlebenswerk galt der israelitischen
Kinderheilstätte Kissingen, für welche Anstalt er tatsächlich bis
zu seinem Lebensende von früh bis spät arbeitete, und für welche er
stets neue Freunde zu gewinnen verstand. Er konnte auch die hohe
Befriedigung ernten, dass in dieser Anstalt mehr als 1000 Kindern Erholung,
Gesundheit und neue Kraft gespendet wurde. Bei der Einsegnungsfeier
gedachte Herr Rabbiner Dr. Freudenthal in beredter Weise der großen
Verdienste, die sich der Verstorbene um die Nürnberger Gemeinde und um
die vielen fürsorgebedürftigen Menschen erworben hat, denen er sein
gutes Herz und seine allzeit offene Hand widmete. Für die Maimonides-Loge
bracht Herr Expräsident Dr. med. Sommer, für die Kinderheilstätte Bad
Kissingen Herr Bankier Ottensoosser, für den kaufmännischen Verein
'Merkur' Herr Amtsrichter Lipper die letzten Abschiedsgrüße. Das
Andenken eines so edlen Menschen und großzügigen Wohltäters wie es
Adolf Schwarz war, wird dauernd in der Nürnberger Gemeinde und darüber
hinaus fortleben." |
Bekanntmachung zur Aufnahme in die Israelitische
Kinderheilstätte (1929)
Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 1. März 1929: "Bekanntmachung über Unterbringung von
Kindern in der israelitischen Kinderheilstätte Bad Kissingen und im jüdischen
Landheim Wolfratshausen.
Der Verband wird auch in diesem Jahr Mittel bereitstellen, um
unbemittelten Kindern aus Verbandsgemeinden verbilligten oder
unentgeltlichen Aufenthalt in Bad Kissingen oder Wolfratshausen zu
ermöglichen.
Aufnahme finden in beiden Anstalten Knaben und Mädchen, die schwächlich
oder kränklich sind und zu ihrer Gesundung einer Kur in einer der
Anstalten bedürfen. Ausgeschlossen sind Kinder mit ansteckenden
Krankheiten oder psychischen Leiden.
Während der großen Ferien kann unentgeltliche Aufnahme in Bad Kissingen
nur in ganz wenigen Ausnahmefällen, in Wolfratshausen gar nicht
erfolgen.
Den Aufnahmegesuchen ist ein ärztliches Attest über die Notwendigkeit
eines Kurgebrauchs in einer der Anstalten sowie eine Bescheinigung der
Mittellosigkeit der Gesuchsteller durch den Gemeindevorstand beizufügen.
F
ür die Kosten des Erholungsaufenthalts tritt der Verband im
Genehmigungsfalle ein, soweit weder der Gesuchsteller, ihre Eltern oder
sonstige unterhaltspflichtige Verwandten noch die Wohnsitzgemeinde und
ihre Wohlfahrtseinrichtungen und Vereine die Mittel hierfür aufbringen
können.
Gesuche um Aufnahme von Kindern bitten wir bis spätestens 15. März 1929
an das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden,
München, Herzog-Max-Straße 5/1 zu richten. München, den 24. Februar
1929.
Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden.
Dr. Straus." |
Generalversammlung des Vereins Israelitische Kinderheilstätte
(1929)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. Mai 1929: "Nürnberg, 29. April (1929). Die
Generalversammlung des Vereins 'Israelitische Kinderheilstätte Bad
Kissingen', (Sitz Nürnberg), fand am 7. April in Nürnberg
(Gemeindehaus) statt. Den Vorsitz führte der 1. Vorstand, Herr
Sanitätsrat Dr. Münz in Bad Kissingen. Vor Eintritt in die Tagesordnung
gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des unersetzlichen Verlustes,
den der Verein durch den Heimgang des langjährigen Schatzmeisters, Herrn
Wilhelm Ottensooser seligen Andenkens erlitten hat, der in selbstlosester
und hervorragender Weise für den Verein gewirkt hat.
Nach dem Jahresbericht, verfasst von Herrn Sanitätsrat Dr. Münz, wurden
seit Bestehen der Anstalt im ganzen 5.300 Kinder aufgenommen. Im Jahre
1928 fanden 400 arme, kranke Kinder Aufnahme.
Der weitaus größte Teil der Kinder wurde vollkommen unentgeltlich
aufgenommen. Außerdem wurde 24 im Beruf stehenden jüdischen Mädchen
eine 3-4-wöchentliche Kur in Bad Kissingen ermöglicht. Die Erfolge waren
auch in diesem Jahre glänzende. Den Kassenbericht erstattete der
Schatzmeister, Herr Kurt Ottensoser. Die Anforderungen an den Verein
werden infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage immer größer und
die eingegangenen Mitgliedsbeiträge und Verpflegungszuschüsse deckten
bei weitem nicht die Ausgaben im Gesamtbetrag von ca. Mark
42.000.-.
Über die Aussichten für das Jahr 1929 berichtete Herr Julius Baumann
für den geschäftsführenden Ausschuss. Es liegen bereits für dieses
Jahr wiederum zahlreiche Anmeldungen vor, und die Kinderheilstätte,
dieses Werk reinster Menschenliebe, kann ihren Betrieb im gleichen Umfange
nur dann aufrecht erhalten, wenn der Verein mehr denn je von allen
Gönnern und Freunden unterstützt wird. Es gilt im Interesse der Zukunft
des Vereins immer neue Freunde für dieses humanitäre Werk zu begeistern,
um so der großen Not dieser Ärmsten der Armen zu steuern.
Es wurde auch besonders darauf hingewiesen, dass es der Verein als seine
schönste und vornehmste Aufgabe betrachtet, kranken Mittelstandskindern,
von Eltern, die durch die Inflation ihr Vermögen verloren haben, eine Kur
in der Kinderheilstätte zu ermöglichen. Der Verein hofft, dass die
Anstalt auch im kommenden Jahre eine Stätte der Freude und der Genesung
für arme und kranke Kinder sein wird, und er vertraut auf das nie
versagende jüdische Herz, dass ihm auch für dieses Jahr die nötigen
Spenden zufließen, um seine großen Aufgaben zu erfüllen und
insbesondere auch die Gründung eines eigenen Heimes für die im Beruf
stehenden Mädchen zu ermöglichen." |
Bekanntmachungen zur Aufnahme in die Israelitische
Kinderheilstätte und das Kurhospiz (1930)
Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 1. März 1930: |
Generalversammlung des Vereins Israelitische Kinderheilstätte
(1931)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. April 1931: |
Generalversammlung
des Vereins Israelitische Kinderheilstätte (1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. Januar 1935: |
Berichte
über das "Israelitische Kurhospiz"
Mitteilung des Vereins "Kurhospiz für arme Israeliten"
(1910)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20.
Mai 1910: "Kissingen. Der Verein 'Kurhospiz für
arme Israeliten' verausgabte 1909 an 75 Personen in Summa 2.823 Mark.
Er vereinnahmte an Mitgliedsbeiträgen und Spenden 7.872 Mark und an
Zinsen 1.119 Mark. Das Vermögen beträgt 26.000 Mark. Es ist die
Erwerbung eines Bauplatzes, um auf diesem später das Hospiz zu errichten,
in Aussicht genommen." |
Jahresbericht
1910 des Vereins "Kurhospiz für arme Israeliten Bad Kissingen" (1911)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 14. April 1911: "Kissingen, 6. April (1911). Zu
denjenigen Einrichtungen, die von dem milderen und menschenfreundlicheren
Geist unserer Zeit Zeugnis ablegen, gehören vor allem jene Vereine und
milden Stiftungen, die es auch dem Ärmeren und weniger Bemittelten
ermöglichen wollen, die im harten Erwerbs- und Daseinskampf verloren
gegangene geistige Spannkraft und eingebüßte Frische und Gesundheit an
unseren Bade- und Kurorten wieder zu erlangen. Der eingetragene Verein 'Kurhospiz
für arme Israeliten Bad Kissingen', erstrebt dieses edle und schöne
Ziel durch Errichtung eines eigenen Hospizes in dem durch seine
heilkräftigen Quellen und Bäder, klimatischen Vorzüge, einzigartige
geschützte Lage und seine landschaftlichen Reize gleichmäßig
bevorzugten Kissingen. Der Jahresbericht für 1910, den der Verein soeben
erstattet, gibt von dem erfreulichen Wachstum, seinem rüstigen
Vorwärtsschreiten, einen wirksamen Beleg. Das Vereinsvermögen hat sich
in diesem Jahre um 13.771,39 Mark vermehrt. Bei den Ausgaben durfte die
statutenmäßig festgelegte Summe von 3.000 Mark infolge der Ersparnisse
der letzten Jahre um zirka 800 Mark überschritten werden. So konnten im
Verwaltungsjahr 1910 103 Personen vom Verein unterstützt und diesen ein
längerer Kurgebrauch ermöglicht werden. Diese erfreuliche Steigerung der
Einnahmen verdankt der Verein vor allem dem hochherzigen Sinn edler
Gönner, wie Herrn Louis Stern in New York, der ihm durch Vermittlung des Herrn
Max Mayer dortselbst 7.894,75 Mark zuwandte, sowie Herr Salli
Mainzer - Frankfurt am Main, der die Bestrebungen des Vereins mit
1.000 Mark unterstützte. Die Verwaltung betrauert den Heimgang ihres
rührigen Mitglieds Herrn Stadtrat Fred Pringsheim in Breslau.
Freiwillig schied Herr Justizrat Ofner - München aus dem Vorstand.
In diese Lücken traten die Herren S. Bergmann - Fürth und Dr.
med. Schild - Dortmund. Der Verein weist ein Gesamtvermögen von 40.000
Mark auf. Trotz dieses günstigen Standes der finanziellen Verhältnisse
kann das erstrebte Ziel, die Errichtung des so nötigen Hospizes für arme
Kurbedürftige nur dann in den nächsten Jahren erreicht werden, wenn der
Kreis der Freunde und Gönner des für so viele unserer leidenden
Glaubensgenossen segensreich wirkenden Vereins sich immer mehr erweitert
und Gaben und Spenden immer reichlicher dafür
fließen." |
Der Verein "Israelitisches Kurhospiz" konnte einen
Bauplatz erwerben (1912)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9.
Februar 1912: |
Jahresbericht des Vereins "Israelitisches
Kurhospiz" (1912)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26.
April 1912: "Kissingen. Dem Jahresberichte des Vereins
'Israelitisches Kurhospiz Bad Kissingen' entnehmen wir, dass die
Einnahmen in Zinsen und Mitgliedsbeiträgen Mark 10.328 betrugen, wohingegen
3.476 Mark an Unterstützungen und 2.020 Mark an Drucksachen, Portis usw.
verausgabt wurden.
Was das 'usw.' bedeutet, wissen wir nicht. Sicherlich handelt es sich bei
dem 'usw.' um Nebenausgaben à la Drucksachen und Portis. Es muss daher
beanstandet werden, dass die Nebenausgaben fast 40 % der Gesamtausgaben
beanspruchen. Das ist # kaufmännisch betrachtet - ein viel zu hoher
Prozentsatz, auch wenn er auf das Konto Reklame zu setzen ist und
die Reklame einen Teil der Einnahmen schafft.
Dem Jahresberichte entnehmen wir noch, dass der Verein im neuen
Geschäftsjahre ein Grundstück erworben hat, und dass, wenn die Spenden
entsprechend fließen, die Eröffnung eines neuen Heimes bald seine
Verwirklichung finden wird." |
Jahresbericht
des Vereins "Israelitisches Kurhospiz" (1914)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 20. März 1914: "Kissingen, 13. März (1914). Das israelitische
Kurhospiz für arme Israeliten in Bad Kissingen hat im vorigen Jahre
67 Personen aus Deutschland und 46 aus anderen Ländern unterstützt. Der
Verein hoffte durch die ihm durch die Konitz-Stiftung in Aussicht stehende
bedeutende Beihilfe im Jahre 1914 das Hospiz eröffnen zu können. Das
muss jedoch wieder verschoben werden. Die betreffende Stiftung ist
nämlich durch den Mangel einer bis jetzt unauffindbaren
Zustimmungserklärung des im Jahre 1900 verstorbenen Herrn Friedrich
Konitz aus Hamburg zur letztwilligen Verfügung seiner Ehefrau Marie
Konitz zurzeit für wirkungslos erklärt worden. Diese Zustimmung muss
erst ersetzt werden." |
Bericht von Rabbiner Dr. Bamberger zur Errichtung eines
Kurhospizes in Bad Kissingen bei der 3. Tagung des Verbandes Bayerischer
Israelitischer Gemeinden in Würzburg (März 1925)
Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung"
vom 18. August 1925: |
Eröffnung des Israelitischen Kurhospizes
(1926)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 11. März 1926: "Bad Kissingen, 9. März (1926). Der
unter Leitung des Distriktsrabbiners Dr. Bamberger stehende Verein
'Israelitisches Kurhospiz' eröffnet am 3. Mai dieses Jahres einstweilen
in kleinem Maßstabe in gemieteten Räumen des Hotel Adler hierselbst ein
Hospiz für Kurbedürftige. Die Insassen erhalten gegen einen geringen Ersatz
der Verpflegungskosten, Logis und volle Verpflegung. Die vom Vereine
geleisteten Barunterstützungen kommen von jetzt an in Wegfall. Ein
Hauskauf oder Neubau soll erst nach vollständiger Bereitstellung der
erforderlichen Mittel erfolgen, die Eröffnung des so notwendigen Hospizes
sollte jedoch nicht länger verschoben werden. Die Mittel zum Hauskauf
bzw. Neubau sollen durch Ausgabe von zinslosen Darlehensscheinen zu 25
Mark erlangt werden. Gemeinden, Vereine und Privatleute haben bereits
durch Abnahme von Scheinen zur Begründung des Baufonds beigetragen, und
es ist zu hoffen, dass die übrigen Gemeinden und Wohltäter ebenfalls das
edle Werk, das ganz Deutschland interessieren dürfte,
fördern." |
Über das "Israelitische Kurhospiz"
(1926)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. September 1926: "Das Israelitische Kurhospiz in Bad
Kissingen.
Wohl jeder jüdische Besucher unseres Weltbades wird sich schon einmal die
an der Salinenstraße gelegene israelitische Kinderheilstätte betrachtet
haben. Neben dieser, der allgemeinen Wohlfahrt dienenden Anstalt steht ein
sehr schönes Gebäude mit großem Garten, die Neinburg. Am Eingang des
Anwesens leuchtet uns eine große Tafel mit der Inschrift: 'Eigentum des
Israelitischen Kurhospizes, vorerst untergebracht Hartmannstraße 5'
entgegen.
Die von Rabbiner Dr. Bamberger ausgehende Idee, ein Kurhospiz für den
Mittelstand zu gründen, hat sich realisiert, nur kann das Gebäude nicht
bezogen werden, weil die Mietsleute noch nicht anderweitig unterzubringen
sind.
Es sind deshalb in der Hartmannstraße 5 einige Zimmer gemietet und der
Betrieb provisorisch dortselbst eröffnet. Ein Insasse des Hospizes gibt
uns eine gediegene Schilderung seines Aufenthaltes dortselbst, und wollen
wir nicht verfehlen, solchen der Öffentlichkeit zu übergeben. Er
erzählt, dass dorten alles in größer Akkuratesse zu finden sei. Die
Anstaltsverwaltung ist bemüht, den Aufenthalt dortselbst so angenehm als
möglich zu gestalten, sodass er seine Kur mit aller Bequemlichkeit
befolgen kann. Die Speisen sind kurgemäß zugbereitet, werden in
peinlichster Sauberkeit serviert und in vollständig genügenden Mengen
verabreicht. Dass bezüglich Kaschars alles mit peinlichster Genauigkeit
durchgeführt wird, dafür bürgt der Name des Rabbiners. Jede Verwechslung
des Geschirres oder sonstiger Gerätschaft ist vollkommen ausgeschlossen.
Fleischlige, milchlige und minnige Geräte sind von verschiedener Farben
und Grüße, alles genau gekennzeichnet. Es ist sicher, dass zur
Durchführung des Wirtschaftsplanes viel Geld nötig ist, wenn auch der
Insasse einen kleinen Teil der Verpflegung selbst trägt.
Der Verein wird voraussichtlich im Laufe dieses Jahres ein geeignetes Haus
erwerben, um die Wohltaten des Hospizes einem größeren Kreise zugängig
zu machen. Die Anstaltsverwaltung gibt deshalb unverzinsliche
Anteilscheine zu 25 Mark aus, die nach bestimmtem Plane jährlich zur
Rückzahlung ausgelost werden. Es wäre deshalb Pflicht aller jüdischen
Gemeinden von Nord und Süd, solche Anteilscheine sich zu verschaffen,
denn alle Gemeinden verlangen nach der Wohltat, so ist es auch heilige
Pflicht, für den Unterhalb mitzusorgen. Auf Wunsch ist die Anstaltsverwaltung
(Dr. Bamberger) bereit, jede Zahl von Anteilscheinen zu versenden." |
Der
Verein Israelitisches Kurhospiz eröffnet ein eigenes Heim (1926/27)
Artikel
im "Nachrichtendienst", hrsg. von der Zentralwohlfahrtsstelle
der deutschen Juden. November 1926: "Bad Kissingen. Der Verein
Israelitisches Kurhospiz hat jetzt ein eigenes Heim in der Villa Bavaria.
Am Altenberg Nr. 2 erworben, das im Jahre 1927 eröffnet wird. Im Heim
sind 30 Plätze vorhanden. Die Behandlung der Patienten wird von den
Badeärzten übernommen. Die Kurperiode dauert 3-4
Wochen."
|
Geschichte und Eröffnung des "Israelitischen
Kurhospizes" (1927)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 4. August 1927: "Bad Kissingen, 20. Juli (1926). Vor
etwa 50 Jahren wurde hier durch Rabbiner Moses Löb Bamberger - das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen - im Vereine mit mehreren
Gemeindemitgliedern eine Bäderkasse gegründet, um durch entsprechende
Zuschüsse bedürftigen Kurgästen den Kuraufenthalt in Kissingen zu
ermöglichen. In immer steigendem Maße hat diese Einrichtung segensreich
gewirkt und Ungezählten dazu verholfen, die verlorene Gesundheit
wiederzugewinnen.
Sein Amtsnachfolger, Herr Rabbiner Dr. Seckel Bamberger, hat auch dieses
Werk seines Vorgängers fortgeführt und in unermüdlicher Arbeit
ausgebaut. Die Bäderkasse verwandelte sich in den E.V. Israelitisches
Kurhospiz mit dem Ziele eines eigenen Heimes. 1911 schien das Ziel
erreich: ein Anwesen wurde erworben. Aber bevor das Haus für seinen Zweck
umgeändert werden könnte, brach der Krieg aus. Durch ihn und seine
Folgen, besonders auch die Wohnungszwangswirtschaft, wurde die Einrichtung
des Heims vereitelt, wie es schien, auf unabsehbare Zeit. Aber den
rastlosen Bemühungen unseres Rabbiners gelang es 1926, die Villa Bavaria
zu erwerben und sie zweckentsprechend instand setzen zu lassen. - Mit
Beginn der Saison öffnete das 'Israelitische Kurhospiz' seine gastlichen
Pforten, um den Kurbedürftigen des schwer ringenden Mittelstandes,
besonders auch Lehrern und Gemeindebeamten, zu erschwinglichen Preisen den
Gebrauch der weltbekannten Kissinger Heilquellen zugänglich zu machen.
Das Hospiz, in schöner Lage und würdig ausgestattet, kann zunächst 30
Personen aufnehmen. Leitung und Personal der in jeder Beziehung musterhaft
geführten Anstalt sind mit voller Hingebung und erfolgreich bemüht, den
Insassen den Aufenthalt im heim angenehm zu gestalten, sodass sie sich
behaglich fühlen. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der
Kur.
Die feierliche Einweihung fand am 10. Tammus mit einer schlichen,
eindrucksvollen Feier vor einem geladenen Kreise statt. Erschienen waren
u.a. Vertreter des Ministeriums, der Kreisregierung und der Stadtverwaltung,
des Badekommissariats, der Bäderverwaltung, der katholisch Stadtpfarrer,
der protestantische, dienstlich verhindert, hatte schriftlich seine
herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck gebracht, Vertreter des Verbandes
Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der Kultusgemeinde Kissingen, der
Bayerischen und der Schlesischen Logen usw.
Nach musikalischer Einleitung (Herr Kantor Steinberger) und einem Prolog
(Frl. Bamberger) gab Herr Rabbiner Dr. Bamberger einen Überblick über
Werden und bisheriges Wirken des aus der jüdischen Nächstenliebe
geborenen Werkes und schloss mit einem Gebet für die Spender, für das
Heim und für alle seine Heilung suchenden Gäste." |
Einweihungsfeier des israelitischen Kurhospizes
(1927)
Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung"
vom 19. September 1927: "Bad Kissingen, 30. Juli (1929).
Kürzlich fand hier, wie gemeldet, unter Beteiligung von staatlichen,
städtischen und kirchlichen Behörden sowie einer stattlichen Anzahl
geladener Gäste die Einweihungsfeier des israelitischen Kurhospizes
statt. Den Höhepunkt der von musikalischen Darbietungen würdig umrahmten
Feier bildete die eindrucksvolle und inhaltsreiche Weiherede des
Distriktsrabbiners Dr. Bamberger, der zunächst mit herzlichen
Dankesworten all derer gedachte, die zum Gelingen des edlen Werkes
beigetragen hatten, dann einen interessanten Rückblick über Werden und
Entwicklung des israelitischen Kurhospizes gab und seine gehaltvolle Rede
schließlich in ein frommes Weihegebet für das neue Haus ausklingen
ließ. Aus den Worten Dr. Bambergers war zu entnehmen, mit welch großen
Schwierigkeiten und Anstrengungen die Schöpfung dieser prächtigen Erholungsstätte
verbunden war, mit welch unermüdlichem Eifer aber auch - unter Aufwand
vieler Mühen und Opfer - alle diese Schwierigkeiten bis zur Erreichung
des großen Zieles überwunden wurden. Das neue Heim, das über etwa 30
Betten verfügt und in jeder Hinsicht auf vorzüglichste ausgestattet ist,
bildet ein unvergängliches Ruhmesblatt für die israelitische Gemeinde
Kissingens und für ihren unermüdlichen geistlichen Führer. Möge es
recht vielen Erholungsbedürftigen Wiederherstellung ihrer Gesundheit
gewährend und möglichst weiten Kreisen Segen bringen!" |
Bekanntmachung zur Aufnahme in das Kurhospiz (1929)
Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 1. März 1929:
"Bekanntmachung über Unterbringung von Kurbedürftigen des
Mittelstandes im Kurhospiz Bad Kissingen.
Der Verband wird wiederum Mittel bereitstellen, um Kurbedürftigen des
Mittelstandes aus Verbandsgemeinden verbilligten oder unentgeltlichen
Kuraufenthalt in Bad Kissingen zu ermöglichen.
Den Aufnahmegesuchen ist ein ärztliches Gutachten über die Notwendigkeit
einer Kur in Bad Kissingen sowie die Bestätigung der Mittellosigkeit der
Gesuchsteller durch den Gemeindevorstand beizufügen.
Gesuche um Aufnahme bitten wir bis spätestens 15. März 1929 an das
Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden,
München, Herzog-Max-Straße 5/1, zu richten.
München, den 24. Februar 1929. Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer
Israelitischer Gemeinden. Dr. Straus." |
Jahresbericht des Vereins Israelitisches Kurhospiz
(1929)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni
1929: "Bad Kissingen, 15. Juni (1929). Der Jahresbericht des
Vereins Israelitisches Kurhospiz Bad Kissingen e.V. für das Jahr 1928
besagt u.a.: Veranlasst durch die große Anzahl von Gesuchen um Aufnahme,
die wir im Sommer 1927 nicht berücksichtigen konnten, haben wir in diesem
Jahre 10 neue Belegstellen eingerichtet. Dadurch war es uns möglich,
während der Saison statt 140 Personen 190 Kranken die Wohltaten unseres
Hospizes zuteil werden zu lassen. Von den Insassen stammten 63 Personen
aus Bayern, 124 Personen aus dem übrigen deutschen Reich und 3 Personen
aus dem Auslande. Die Einzahlung für einen vierwöchentlichen Aufenthalt
betrug 140 Mark, doch gewährten wir in ganz besonders dringenden Fällen
auch freie Aufnahme oder Ermäßigung des Satzes. Dank dem Entgegenkommen
des staatlichen Badkommissariats haben wir für fast alle unsere Patienten
die zweitgrößte Ermäßigung der Kurtaxe erwirkt. Durch die wohlwollende
Förderung unseres Vereins seitens des Verbands Bayerischer Israelitischer
Gemeinden in München, verschiedener Gemeinden, Logen und Privatpersonen,
war es uns möglich, den Einzahlungssatz nicht zu erhöhen, obwohl wir zu
den Kosten des Betriebs 2.678 Mark zulegen mussten, für Zinsen 6,396 Mark
und für Neuanschaffungen 4.861 Mark aufzubringen hatten. Es verblieb noch
eine Bankschuld von 7,869 Mark, doch konnten wir andererseits das
Vereinsvermögen durch die für den Fonds bestimmten Summen einer
Bettstiftung und 3 immerwährenden Mitgliedschaften um 3.600 Mark
erhöhen. Wir hoffen auf weitere wohlwollende Unterstützung, damit im
Interesse der im Haus Aufnahme Suchenden der Einzahlungssatz auch
fernerhin nicht erhöht werden muss." |
Jahresbericht des Israelitischen Kurhospizes
(1930)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. Mai 1930: "Bad Kissingen, 30. April (1930). Der
Jahresbericht des Vereins Israelitisches Kurhospiz e.V. für das Jahr 1929
ist im Drucke erschienen. In der verflossenen Saison, dem 3. Jahre seit
Bestehen der Anstalt, konnten 190 Personen im Heim Aufnahme finden. Alle
Patienten verließen zufrieden und gekräftigt unsere Anstalt. Von den
Insassen stammten aus Bayern 45, aus dem übrigen deutschen Reich 140, aus
dem Ausland fünf Personen.
Die allgemein schwierige Wirtschaftslage machte sich auch bei uns durch
geringen Eingang von Spenden bemerkbar. Dank der Zuwendung des Verbandes
bayerischer israelitischer Gemeinden, verschiedener
Gemeinde-Institutionen, Logen und Privatwohltätern war es möglich, die
Einzahlungsquote für die Insassen unseres Heims nicht zu erhöhen, obwohl
wir zu den Kosten des Wirtschaftsbetriebs Mark 1.958,75 zulegen und
außerdem für Steuern und Hypothekenzinsen die Summe von Mark 7.709,59
aufbringen mussten. Für Unterstützung von Kurbedürftigen, die in
unserem Heim keine Aufnahme finden konnten, haben wir Mark 1.023,30
verausgabt. Der Bericht gedenkt in Liebe zweier verdienstvoller
Verwaltungsmitglieder, des Geheimrat Dr. Julius Rosenthal, Kissingen, und
Liebmann Bärs in Frankfurt am Main. Herr Justizrat Dr. Hommel in Schweinfurt,
der schon früher dem Vereine mit Rat und Tat zur Seite stand, ist als
Verwaltungsmitglied in den Verein eingetreten.
Der Bericht schließt mit der innigen Bitte an die bisherigen Gönner, dem
Heime ihr Wohlwollen auch ferner zu erhalten." |
Über das Israelitische Kurhospiz (1932)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 14. Juli 1932: "Bad Kissingen, 8. Juli (1932). Das von Herrn
Bezirksrabbiner Dr. S. Bamberger ins Leben gerufene Kurhospiz für die
weniger begüterten jüdischen Kreise verdient weiteste Beachtung. Schon
die Lage dieses der leidenden Menschheit gewidmeten Heimes ist eine derart
romantische, dass sie schon aus diesem Grunde zum Besuche einlädt. Erbaut
am Abhange einer leicht ansteigenden Halde zur rechten Seite des
Saaleflusses, schweift der Blick vom Hospiz auf über das ganze Tal und
die Stadt. Ein größerer parkähnlicher Garten mit entsprechend
verteilten Ruhebänken bietet Gelegenheit zur Erholung im Freien, wenn die
Insassen nicht gewillt oder geeignet sind, größere Ausflüge in die
nähere und weitere Umgebung mit ihren herrlichen Wäldern und sonstigen anmutigen
Punkten zu machen. Und das Heim selbst bietet sich als ein recht
imposanter dreistöckiger Bau dar. Im unteren Stockwerke befinden sich
neben einem vornehm gehaltenen Empfangssalon eine kleine, aber andächtige
stimmende Haussynagoge und die aufs zweckmäßigste eingerichtete Küche,
getrennt in eine milchdinge und fleischdinge Abteilung, während die
beiden anderen Stockwerke gut ausgestattete Wohn- und Schlafräume für
ca. 40 Gäste darbieten. Wie eine wahrhaft 'leibliche Schwester' waltet
die derzeitige Oberin des Heimes über ihren Schutzbefohlenen, um deren
individuellsten Wünschen, seien sie ritueller oder diätetischer Art,
soweit es sich im Rahmen des Ganzen ermöglicht, nachzukommen. Es bedarf
wohl keiner besonderen Hervorhebung, dass das Heim in streng
gesetzestreuer Weise geführt wird, wofür schon der Name des Gründers
und Leiters bürgt. Zu all diesem gesellt sich noch ein den jetzigen
Zeitverhältnissen entsprechend ermäßigter Pensionspreis, der noch
manchen Zaudernden ermuntern dürfte, zur Wiederherstellung seiner
Gesundheit seine Schritte nach Kissingen zu
lenken." |
Sitzung
des Kuratoriums des Kurhospizes (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
6. Dezember 1934: "Bad Kissingen, 3. Dezember (1934). In den
früheren Amtsräumen des heimgegangenen Vorsitzenden der Anstalt, Rabbiner
Dr. S. Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen
- fand eine Sitzung des Kuratoriums statt, auf deren Tagesordnung die
Neuwahl der Vorstandschaft, Ergänzungswahlen zum Kuratorium und Regelung
finanzieller Fragen stand. Der durch Zuruf gewählte Vorsitzende der
Versammlung, Kurator Buxbaum, Würzburg gedachte vor Eintritt in
die Tagesordnung in verehrungsvoller Dankbarkeit des dahingeschiedenen
Vorsitzenden der Stiftung. Rabbiner Dr. Bamberger - das Andenken an den
Gerechte ist zum Segen - und gelobte unter Zustimmung der Anwesenden
Fortführung der Anstalt im Sinne des heimgegangenen Gründers. Zum ersten
Vorsitzenden wurde Rabbiner Dr. Simon Bamberger, Stuttgart, ein
Sohn des verewigten Vorstandes, gewählt, nachdem Distriktsrabbiner Dr.
Ephraim sich infolge anderweitiger starker Inanspruchnahme
außerstande erklärt hatte, dieses arbeitsreiche Amt noch mit zu
übernehmen. Herr Dr. Ephraim wurde daraufhin zum stellvertretenden
Vorsitzenden gewählt, außerdem als weiterer Kurator Herr Dr. S.
Bamberger in Hamburg. Es folgte die Regelung einiger finanzieller
Angelegenheiten, zu denen Kurator Neumann, Bad Kissingen wertvolle
Anregungen gab. Mit dem Wunsche, dass das Werk der Wohltätigkeit und
Menschenliebe durch edle Spenden auch weiterhin erhalten bleiben möge,
schloss der Vorsitzende die Versammlung." |
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