Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wolfratshausen (Kreis Bad Tölz - Wolfratshausen)
Jüdische Einrichtungen bis nach 1933 
Jüdisches Landheim / Kinder-Erholungsheim / Wirtschaftliche Frauenschule 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Einrichtungen in Wolfratshausen 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Einrichtungen 
Berichte zur Geschichte des "Jüdischen Landheimes Wolfratshausen" / Kinder-Erholungsheim  
Über die Einrichtung des Landheimes in Wolfratshausen (1919/20)  
Ein geeignetes Anwesen für ein jüdisches Landheim konnte in Wolfratshausen gefunden werden (1920)  
Anzeige zur Eröffnung des Jüdischen Landheimes (1921)     
Generalversammlung des "Vereins Jüdisches Landheim Wolfratshausen" (1922)    
Bericht über das Jüdische Landheim (1923) 
Hinweise zur Aufnahme in das Landheim (1925) 
Anzeigen des Landheimes (1925 / 1926)   
Zum Tod von Geheimrat Dr. Karl Oppenheimer - des Initiators und ärztlichen Leiters des jüdischen Landheimes (1926)  
Hinweise zur Unterbringung von Kindern im Landheim (1927 / 1929)   
Überlegungen zur Neukonzeption des Landheimes (1930)  
Nach der Umgestaltung des Landheimes in ein Erholungsheim der Israelitischen Frauenschule für Erwachsene (1931)  
Im Erholungsheim wird eine orthodoxe Wirtschafterin gesucht (1933)    
Berichte zur Geschichte der "Wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Land" / Haushaltungsschule    
Anzeigen der Frauenschule (1927 / 1929)  
Abschlussprüfung in der Schule (April 1929)    
Beamtin für die Frauenschule gesucht (1929) 
Bericht über die Arbeit der Frauenschule von Hannah Bodenheimer (1930)  
Berichte über die Frauenschule von Elise Neumeyer und Hannah Bodenheimer (1931) 
Berichte über die Ausstellung über die jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen (2008 / 2009)                
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Einrichtungen in Wolfratshausen  
     
Die Idee, ein jüdisches Land- und Erholungsheim für Kinder in gut erreichbarer Nähe zu München einzurichten, ging von mehreren engagierten Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde in München aus, unter ihnen Rabbiner Baerwald und der Arzt Dr. Karl Oppenheimer. Jüdische Erholungsheime für kranke Kinder - vor allem aus Großstadtgemeinden - gab es auch schon andernorts in Deutschland. So waren im süddeutschen Raum unter anderem 1892 die Israelitische Kinderheilstätte in Bad Nauheim, 1905 die Israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen oder 1912 in Bad Dürrheim das Friedrich-Luisen-Hospiz eröffnet worden, die eine hervorragende Arbeit im Blick auf die Gesundung jüdischer Kinder einer jeweils weiten Region leisteten. Die Notwendigkeit speziell jüdischer Erholungsheime war schon aus dem Grund gegeben, dass die nichtjüdischen Erholungsheime meist unter christlicher Leitung standen und keine - von vielen jüdischen Familien gewünschte - jüdisch-rituelle Verpflegung  leisten konnten. Eine weitere Rolle spielt der seit den 1880er-Jahren immer stärker werdende Antisemitismus in breiten Bevölkerungsschichten. So sollte das jüdische Erholungsheim "eine Insel des Friedens inmitten des Meeres von Hass, das um uns brandet" sein (Bericht aus dem "Israelit" vom 7.1.1921).     
   
Das Heim wurde getragen von einem "Verein Jüdisches Landheim Wolfratshausen", der sich um die für den Betrieb notwendigen Mittel bemühte. Die ärztliche Leitung des Heimes wurde von Dr. Karl Oppenheimer (München) übernommen; er kam mindestens einmal in der Woche nach Wolfratshausen (gestorben 1926, nachdem er die letzten Monate seines Lebens im Heim zugebracht hatte, siehe Bericht unten). Im Heim selbst sorgte für die dauernde Überwachung der Gesundheit der Kinder eine Ärztin, die zugleich als Lehrerin tätig war. Die rituelle Aufsicht über das Heim übernahmen beide Rabbiner der jüdischen Gemeinde in München. Zum Tagesablauf gehörte auch die Einhaltung von Gebeten wie dem Tisch- und Nachtgebet; auch nichtreligiöse Kinder sollten hiervon geprägt werden. Selbstverständlich wurde auch auf die Feier eines traditionellen Schabbat Wert gelegt.    
  
Zur Einrichtung des "Jüdischen Landheimes" konnte das bisherige "Hotel zur Kronmühle" in Wolfratshausen erworben und umgebaut werden. Das Heim wurde 1921 erstmals belegt (Eröffnung am 15. Mai 1921): im Sommer und Herbst 1921 fanden 184 Kinder mit durchschnittlich 20 Verpflegungstagen im Heim Aufnahme. Bis zu 60 Kinder konnten gleichzeitig im Hause sein. Auch Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien sollten aufgenommen werden können. Der Trägerverein bemühte sich um Mittel zur Finanzierung des Aufenthaltes solcher Kinder, die zumindest teilweise auch durch das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden sowie andere Wohlfahrtseinrichtungen oder die für ein Kind zuständige jüdische Gemeinde übernommen wurden.             
  
Mehrere Jahre wurde das Jüdische Landheim mit Erfolg betrieben. Gegen Ende der 1920er-Jahre ging das Interesse am Landheim zurück, möglicherweise auf Grund der Schwierigkeiten der Finanzierung der Erholungsaufenthalte. 1930 wurden Überlegungen zu einer Neukonzeption des Hauses angestellt. Sie endeten mit einer Neueröffnung des Landheimes 1931 als eines allgemeinen jüdischen Erholungsheimes, das nun für alle jüdischen Kreise, nicht mehr nur für Kinder und Jugendliche geöffnet sein sollte. Das Heim wurde nun betrieben durch den Jüdischen Frauenbund München.          
  
Der Jüdische Frauenbund München hat seit 1926 in Wolfratshausen - in Verbindung mit dem Landheim beziehungsweise Erholungsheim - eine staatlich genehmigte "Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Land" betrieben. Hier konnten Mädchen nach Abschluss der Schulzeit in einem Lehrjahr eine hauswirtschaftliche Ausbildung bekommen. Die Schule stand bis 1931 unter Leitung von Frau Hannah Bodenheimer, von 1931 bis 1934 unter Leitung von Elisabeth Mirabeau, von 1934 bis 1938 unter Leitung von Caroline K. Meier. Die Schule bestand bis 1938. Seit 1934 war die landwirtschaftliche Ausbildung in Wolfratshausen als "Hachscharah" anerkannt. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 musste sie geschlossen und das Haus 1939 von der Israelitischen Kultusgemeinde München verkauft werden.   
    
Mehrere der ehemaligen Schülerinnen der Wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Land sind nach den Deportationen in der NS-Zeit ermordet worden. Im Buch von Kirsten Jörgensen und Sybille Kraftt wird erinnert an die folgenden ermordeten Schülerinnen S. 37): Frieda Bergmann, Marianne Bing, Margot Eichhorn, Minna Fischl. Irene Frank, Anita Frank, Ruth Gittler, Ruth Lilli Goldmann, Eva Hamburger, Lore Hanf, Bella Hess. Ilse Hohenberg, Rosa Joskowitz, Ingeborg Kaufmann, Hanna Königsfeld, Ruth Ladenburger, Lotte Mainzer, Käthe Östreicher, Elfriede Schuld, Susanne Schwab, Frieda Seligmann, Martha Seligmann, Sofie Sommer, Hertha Spatz, Lore Speier, Lilo Stern, Lore Trolowitz, Adeline Wainschel, Ilse Wartelski.    
 
In die Gebäude der ehemaligen "Wirtschaftlichen Frauenschule" und des früheren Erholungsheimes zogen 1940 Angestellte der Wolfratshauser Munitionsfabriken ein. Nach 1945 worden vorübergehend jüdische "Displaced Persons" untergebracht. Nach 1955 richtete das Bayerische Rote Kreuz u.a. eine Katastrophenschutz-Schule ein. 1979 kaufte eine Wolfratshauser Baufirma das Gelände. Alle Gebäude wurden in den folgenden Jahren abgerissen und neue Wohnblöcke erstellt. Seit 2003 erinnert eine Hinweistafel des Historischen Vereins Wolfratshausen an die Geschichte des Ortes.   
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Erholungsheime      
        
Berichte zur Geschichte des "Jüdischen Landheimes Wolfratshausen" / Kinder-Erholungsheim              
Über die Einrichtung des Landheimes in Wolfratshausen (1919 / 1920)   

Wolfratshausen FfIsrFambl 31121920.jpg (157450 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Dezember 1920: "Ein jüdisches Landheim bei München. Dem Ausschuss, der im vergangenen Jahr (sc. 1919) unter dem Vorsitz des Münchener Rabbiners Baerwald gegründet wurde, ist es nach langen Bemühungen gelungen, ein geeignetes Anwesen für das jüdische Landheim zu erwerben: Das Hotel zur Kronenmühle in Wolfratshausen. Das Landheim soll vor allem Kindern aus dem Mittelstand einen Ferienaufenthalt, und schwächlichen oder erkrankten Kindern einen langausgedehnten Genesungsurlaub mit der Möglichkeit eines geordneten Schulunterrichtes bieten. Neben diesem Hauptzweck soll das Landheim gleichzeitig der Ausbildung junger jüdischer Mädchen in Kinderpflege, Küche, Haus- und Gartenarbeit dienen. Das Heim, das eine den kindlichen Verhältnissen angepasste, d.h. einfache, aber gute und reichliche Verpflegung bieten soll, wird auf streng ritueller Basis geführt werden.  
Das altbekannte Hotel zur Kronenmühle ist ein gut und solid gebautes, geräumiges Haus, dessen prächtige Veranda zu einem parkähnlichen, weitläufigen Gasten mit Obstbäumen, Fischweiher und Hühnerhof hinunterleitet. An den Garten grenzen weite, sonnige Wiesen, die einen herrlichen Tummelplatz bilden.  
Dass das mit der Bahn in einer Stunde aus zu erreichende Wolfratshausen als einer der reizvollsten Punkte im wunderschönen Isartal gilt, begreift jeder, der einmal den Blick über das hügelige Vorlande zur nahen Alpenkette hat schweifen lassen. Der bewaldete Berghang, der das Tal nach Norden hin abschließt, hält alle rauen Winde fern. Die nahe Loisach mit ihrem weichen Moorwasser gibt im Sommer Gelegenheit zu kräftigenden Flussbädern, und im Winter lädt die Dicht hinter der Kronenmühle ansteigende Rodelbahn zu fröhlichem Sport ein.   
Das stille Wolfratshausen mit seiner köstlichen, kräftigen Luft, mit seinen herrlichen Wäldern bietet in der Tat den denkbar besten Aufenthalt für erholungsbedürftige Stadtkinder. Für manche Gruppen rekonvaleszenter Kinder können im Winter die starke Besonnung und die günstigen Schneeverhältnisse noch als besonders heilkräftige Faktoren gelten. Die äußeren Bedingungen sind gegeben: Hoffen wir, dass es gelingen möge, in der idealen Rahmen ein ideales Bild einzufügen - das jüdische Landheim, wie es der Gruppe vor Augen steht, die unter recht erheblichen finanziellen Opfern das Haus erworben hat. Eine Insel des Friedens soll dieses Haus für unsere Kinder werden inmitten des Meeres von Hass, das um uns brandet. Wenn die Wünsche der Gründer sich erfüllen, dann soll auf dieser friedlichen Insel eine Pflanzstätte echten Judentums entstehen."       
   
Wolfratshausen Israelit 07011921.jpg (193056 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1921:  
weitgehend derselbe Text wie oben - zwei über den Bericht des "Frankfurter Israelitischen Familienblattes" hinausgehende Sätze wurden oben ergänzt.     

    
Anzeige zur Eröffnung des Jüdischen Landheimes (1921)  

Wolfratshausen Israelit 12051921.jpg (44726 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1921: "Jüdisches Landheim Wolfratshausen (Isarthal)
Das unter pädagogischer Leitung stehende und streng rituell geführte Heim für Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren wird am 15. Mai eröffnet. 
Bedingungen und Anmeldeformulare erhältlich beim Jüdischen Landheim München, Richard-Wagner-Straße 16."  

          
Generalversammlung des "Vereins Jüdisches Landheim Wolfrathausen" (1922)   

Wolfratshausen Israelit 04051922.jpg (131319 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1922: "München, 21. April (1922). Der 'Verein Jüdisches Landheim Wolfratshausen' hat in seiner kürzlich stattgefundenen Generalversammlung mit Befriedigung konstatieren können, dass das nunmehr abgelaufene erste Geschäftsjahr eine erfreuliche Entwicklung des jungen Unternehmens gebracht hat. Es haben im Sommer und Herbst 1921 184 Kinder mit durchschnittlich 20 Verpflegungstagen im Heim Aufnahme gefunden. Von diesen Kindern haben über ein Drittel halbe oder ganze Freiplätze innegehabt. Der Verein hofft nun, seinem Ziel, gerade Kindern des Mittelstandes die Wohltat einer Erholung zuteil werden zu lassen, immer näher kommen zu können und hat zu diesem Zweck einen eigenen, besonders verwalteten 'Fonds für Freiplätze' geschaffen. Aus diesem Fonds sollen auch für solche, die einen Teil des Pensionspreises zahlen können, ein entsprechender Zuschuss geleistet werden. Der Verein hofft, dass die Gönner und Freunde, die er sich bisher erworben hat, gerade für diesen menschenfreundlichen Zweck gerne und reichlich spenden werden. Jeder Kinderfreund sollte es als eine besonders schöne Tat der Nächstenliebe verzeichnen, einem schwächlichen und erholungsbedürftigem Kind einen Aufenthalt im Landheim Wolfratshausen ermöglicht zu haben."           


 Bericht über das Jüdische Landheim (1923)   

Wolfratshausen Israelit 18101923.jpg (106789 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1923: "Im Jüdischen Kinderheim, Wolfratshausen. 
Haus und Garten liegen in tiefem Morgenfrieden. Wie still ist's in den luftigen Sälen, in denen die Kinder bei offenen Fenstern schlafen. da ertönt ein Glockenzeichen; rasch sind die Buben und Mädchen aus den Betten, die Großen, d.h. die Buben und Mädchen über 11 Jahre, stürmen bald in ihren Schwimmkleidern unter Lachen und Scherzen die Treppen hinunter durch den Garten in das Nebengebäude, die 'Kronmühle'. Hier erwartet punkt 7 Uhr die Gymnastiklehrerin ihre Schüler. Ein kurzes Kommando, die Kinder beginnen ihre Turnübungen. So eilig wie sie gekommen, verschwinden sie wieder nach einer halben Stunde und suchen nun, die für Buben und Mädchen getrennten Waschräume auf. Die Mittleren und Kleinen haben indessen ihre Toilette beendet, alle haben ihre Morgenandacht verrichtet, da läutet die Glocke zum Frühstück. An einer langen Tafel auf der glasbedeckten Veranda nehmen die Leiterinnen und die Kinder Platz. Es gibt Milchkakao mit Semmeln und Hausbrot mit Marmelade oder Butter in beliebiger Menge.  Nach dem Frühstück schließen sich die größeren Kinder nur allzu gerne der Gärtnerin an, um ihr bei der Gartenarbeit zu helfen. Barfuss, im Schwimmkleid verrichten die Kinder mit großem Vergnügen die Arbeit, die ihnen in der Großstadt so fremd ist. Andere Kinder gehen unter Führung zum Beerensuchen in den nahen Wald, wieder andere belustigen         
Wolfratshausen Israelit 18101923b.jpg (263957 Byte)sich durch eine Floßfahrt auf dem kleinen Teich im Garten, einem leidenschaftlich betriebenen, völlig gefahrlosen Sport. Wer lesen oder spielen will, zieht sich auf eine der schattigen Bänke im Garten zurück. In einer traulichen Laube lauschen besonders die kleineren Kinder mit Andacht den Geschichten, die eine der Aufsichtsdamen erzählt. Wiederum ein Glockenzeichen unterbricht das Spiel der Kinder, und in nach Alter und Geschlecht eingeteilten Gruppen eilen sie zum Baderaum, wo jedes Kind mit Seife gewaschen, kräftig gebürstet und zuerst warm, dann kalt geduscht wird. An dieser gründlichen, kräftigenden und abhärtenden Hautpflege haben die meisten Kinder das größte Vergnügen. Ist das Wetter sehr heiß, dann fällt das Duschen aus und die Kinder gehen, Buben und Mädchen getrennt, ins Schwimmbad, das auf schattigem Wege in fünf Minuten erreicht ist und an allen Vormittagen nur den Kindern des jüdischen Landheims zur Verfügung steht. An das Baden schließen sich ausgiebige Luftbäder an. Punkt 12 Uhr läutet's zum Mittagessen. Alle Kinder müssen ihre Hände waschen, dann geht's in den großen Speisesaal. Das Essen, das in Anwesenheit des Aufsichtspersonals eingenommen wird, wird von der Küche in Kesseln von vertrauenerweckendem Umfang hereingebracht, die Helferinnen versorgen rasch die ganze Tafelrunde und es ist für Jeden, der ein Herz für Kinder hat, eine Freude zu sehen, wie und was da gegessen wird. Die Kinder liefern täglich erneut den Beweis dafür, dass die Zubereitung vortrefflich ist. Dass die rituellen Vorschriften strengstens eingehalten werden, dafür bürgt die Aufsicht der beiden Münchener Rabbiner.   
Nach Tisch benscht einer der großen Jungen vor, dann trott eine zweistündige Ruhepause ein. Um 3 Uhr ruft die Glocke die Gruppe der Mittleren zum Turnen. Die anderen Kinder erscheinen auch bald ausgeruht auf der Bildfläche, um ihre selbstgewählte Beschäftigung wieder aufzunehmen. Um 1/4 4 Uhr turnen die Kleinen. Um 4 Uhr gibt's Vesper für alle, bestehend aus Milchkakao mit Butterbrot in beliebiger Menge. Dann werden, je nach Witterung, unter Aufsicht Spaziergänge in die nahen Wälder oder in die weitere herrliche Umgebung unternommen. Um 7 Uhr trifft sich alles wieder beim Abendessen.    
Nach dem Tischgebet gehen die Kleinen schlafen und um 8 Uhr folgen ihnen auch die Großen, die bis dahin allerhand Gesellschaftsspiele gespielt haben.   
Wenn alle Kinder glücklich in ihren Betten liegen, erscheint in jedem Zimmer eine Aufsichtsdame, verrichtet mit den Kindern das Nachtgebet und später darf nicht mehr gesprochen werden. In Frieden ruht nun das weite Haus und der herrliche Garten. Die reine Nachtluft zieht durch die offenen Fenster, die Kinder träumen einem neuen glücklichen Ferientag entgegen, die Leiterinnen ruhen aus von ihrer mühevollen und anstrengenden Arbeit.   
In einem Hause, in dem bis 60 Kinder leben, gibt es naturgemäß auch hin und wieder gesundheitliche Störungen, die Sorgen und Aufregung bringen. Eine Ärztin, die zugleich das Amt der Lehrerin versieht, wohnt um Hause und zwei bis dreimal wöchentlich, wenn nicht öfter nötig, erscheint der leitende Arzt. Jedes Kind wird sofort nach Ankunft genau untersucht und beim Kommen und Gehen gewogen und gemessen.    
Der Sabbat bildet im Kinderheim einen weihevollen Ruhetag und gerade auf Kinder, die nicht aus religiösen Häusern stammen, macht der Freitagabend mit seiner festlichen Tafel, seinen ergreifenden Gesängen einen tiefen Eindruck, der sicher bei vielen Kindern für das ganze Leben nachwirkt.   
Fast noch schöner als ein leuchtender Sommertag ist ein glanzvoller Wintertag in Wolfratshausen. Die Luft ist im Winter in dem schneebedeckten, durch die nahen Alpen vor rauen Nordwinden geschützten Tal, ganz unvergleichlich rein und mild, die Sonnenstrahlung ist sehr intensiv und den Kindern ist reiche Gelegenheit zum Rodel- und Skisport gegeben: So erklärt es sich, dass gerade während der Wintermonate die Heilerfolge bei schwächlichen oder rekonvaleszenten Kindern besonders günstig sind. An sonnenlosen Tagen wird, wo das nötig erscheint, die Bestrahlung mit Höhensonne angewandt.   
Für ausgezeichneten Unterricht in den Elementar- und Gymnasialfächern ist im Heim Sorge getragen. 
Anfragen bitten wir zu richten an Herrn Benno Lewin, München, Kaufingerstraße 34."        

  
Hinweise zur Aufnahme in das Landheim (1925)    

Wolfratshausen BayrGZ 06061925.jpg (114846 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 6. Juni 1925: "Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden.   Bekanntmachung über Unterbringung von Kindern in der Israelitischen Kinderheilstätte Bad Kissingen und dem Israelitischen Landheim Wolfratshausen.   
Der Verband hat Mittel bereitgestellt , um kurbedürftigen, unbemittelten Kindern aus Verbandsgemeinden verbilligten oder, falls nötig, unentgeltlichen Aufenthalt in der Israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen zu ermöglichen.  
Aufnahme in die Heilstätte finden Knaben und Mädchen, die schwächlich oder kränklich sind und zu ihrer Gesundung einer Kur in Bad Kissingen bedürfen. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind Kinder mit ansteckenden Krankheiten oder solche mit psychischen Leiden.  
Die Unterbringung erfolgt nur in der Zeit vom 21. September dieses Jahres ab für die Dauer von etwa 4 Wochen.  
Wir stellen demgemäss den Gemeinden anheim, die Einreichung von Gesuchen um Aufnahme von Kindern, bei denen die obigen Voraussetzungen zutreffen, beim Wohlfahrtsamt des Verbandes, München, Herzog Maxstraße 7/0 zu veranlassen.  
Dem Gesuch ist eine ärztliche Begutachtung der Kurbedürftigkeit in Bad Kissingen, sowie eine Beglaubigung der Mittellosigkeit der Gesuchsteller durch den Gemeindevorstand beizufügen. 
Für die Kosten des Erholungsaufenthaltes tritt der Verband im Genehmigungsfall ein, insoweit die Gesuchsteller, beziehungsweise deren Eltern oder sonstige unterhaltspflichtige Personen oder die Wohnsitzgemeinde beziehungsweise in ihre bestehende Wohlfahrtseinrichtungen oder Vereine die Mittel nicht aufzubringen vermögen.  
Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass auch noch Gesuche für die Aufnahme in das Israelitische Landheim Wolfratshausen (siehe Bekanntmachung in Nr. 3 der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung) Berücksichtigung finden können.   
München, den 25. Mai 1925.  Das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden."           

    
Anzeigen des Landheimes (1925 / 1926)    

Wolfratshausen BayrGZ 10031925.jpg (39113 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 10. März 1925
"Jüdisches Landheim Wolfratshausen (Kinder-Erholungsheim) 
auch während der ganzen Oster-Ferien 
geöffnet. (Pensionspreis pro tag Mark 5.-, Pessachtage Mark 6.-). 
Anmeldungen baldigst erbeten an B. Lewin, München, Kaufingerstraße 34."          
   
Wolfratshausen BayrGZ 06061925b.jpg (36876 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 6. Juni 1925:  
"Jüdisches Landheim (Kinder-Erholungsheim) 
Wolfratshausen (Isartal) streng rituell. 
Das ganze Jahr geöffnet. Für die Monate Juli und August sind nur noch wenige Plätze frei. Prospekt durch B. Lewin, München, Kaufingerstraße 34."           
   
Wolfratshausen BayrGZ 07081926.jpg (38309 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. August 1926: "Kinder-Erholungsheim 
Jüdisches Landheim Wolfratshausen im Isartal bei München, 570 Meter über dem Meer. Sonniges, staub- und nebelfreier, alpines Klima. Besonders günstige Erfolge im Herbst und Winter. Auf Wunsch Unterricht in allen Fächern der Volks- und Mittelschulen. Tagessatz Mark 4.-  
Prospekte kostenfrei."          

           
Zum Tod von Geheimrat Dr. Karl Oppenheimer - des Initiators und ärztlichen Leiters des jüdischen Landheimes  (1926)         

Bruchsal BayrGZ 07081926.jpg (327213 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. August 1926: "Geheimrat Dr. Karl Oppenheimer. Am 10. Juli ist Dr. Karl Oppenheimer im Jüdischen Landheim in Wolfratshausen verstorben. Die Stadt München und die jüdische Gemeinde im besonderen haben in Dr. Oppenheimer einen ihrer besten Männer verloren. Karl Oppenheimer, geb. 29. August 1864 als Sohn eines angesehenen Kaufmanns in Bruchsal (Baden), besuchte nach Beendigung seiner Gymnasialzeit die Universitäten in Heidelberg und München, war dann als Assistent im Hauner'schen Kinderspital in München tätig und ließ sich hier im Jahre 1890 als Kinderarzt nieder und zwar als erster Vertreter dieser Spezialität in München, der ausschließlich dieses Fach vertrat und keinerlei andere Praxis ausübte. Sofort bei seiner Niederlassung richtete er eine unentgeltliche Sprechstunde für arme Kinder ein, die sich schon bald dank der Persönlichkeit ihres Leiters unter dem Namen Ambulatorium für Kinderkrankheiten einer großen Popularität in weiten Kreisen erfreute. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten gingen aus diesem Ambulatorium hervor. Im ständigen Verkehr mit dem Proletariat erkannte Oppenheimer immer mehr, dass die hohe Säuglingssterblichkeit bei den unteren Volksklassen in erster Linie eine Folge der großen Unwissenheit auf dem Gebiete der Säuglingspflege war. Er begann daher in Wort und Schrift an der Aufklärung der Mütter über richtige Säuglingsernährung zu arbeiten. Über 30 Vorträge und Abhandlungen Oppenheimers sind in den medizinischen Fachzeitschriften erschienen und haben Oppenheimers Namen weit über den Kreis seiner ärztlichen Klientel hinaus bekannt gemacht. Im Jahre 1905 gliederte Oppenheimer seinem Ambulatorium eine Mutterberatungsstelle an (die erste in Deutschland). Schon nach Jahresfrist zählt München 19 solcher nach Oppenheimers Vorbild geschaffener Stellen. Oppenheimer erwirkte für diese Stellen von der Stadt die Berechtigung Stillprämien auszuzahlen. Auf seine Veranlassung wurde das Institut der Fürsorgeschwestern geschaffen. Im Jahre 1912 unternahm Oppenheimer auf Grund zahlreicher von ihm in Münchener Schulen durchgeführten Körpermessungen einen Kampf für die Speisung armer Schulkinder aus städtischen Mitteln. Er wurde im Lauf der Verhandlungen zwar auf alle mögliche Weise angefeindet, setzte aber schließlich die von ihm als notwendig erkannte und energisch geforderte Einrichtung der Schülerspeisung durch.   Bei Kriegsbeginn richtete er an der Auerfeldstraße im Gebäude der ehemaligen Irrenanstalt eine Krippe für Kinder arbeitender Frauen ein, die sich zu einer kleinen Musteranstalt entwickelte und auswärtigen Besuchern, die das Münchner Krippenwesen kennen lernen wollten, stets vom Magistrat aus gezeigt wurde. Später übernahm er die ärztliche Leitung der Kinderherberge an der Khidlerstraße, in der arme verlassene Kinder Aufnahme fanden. Im Jahre 1925 wurde ihm die Leitung der städtischen Beratungsstelle im Westend übertragen. 
Oppenheimer war ein guter, treuer Jude. So war es für ihn selbstverständlich, dass er - gemeinsam mit seiner gleichstrebenden Gattin, die in beruflicher, wissenschaftlicher und sozialer Tätigkeit bis zu seinem Lebensende ihm die beste Helferin und Genossin gewesen ist - den sozialen Problemen und Nöten des Judentums sein warmherziges Interesse in besonderem Maße zugewendet hat.   
Als im Jahre 1918 Nachrichten aus dem Osten von dem furchtbaren Elend in der jüdischen Bevölkerung in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten zu uns drangen, wandte sich Oppenheimer an das Kommando von Oberost, um die Erlaubnis zu erwirken zur Errichtung von Säuglingsfürsorgen in Lemberg und Wilna, mit der er der furchtbaren Kindersterblichkeit zu steuern gedachte. Leider wurde sein Plan nciht verwirklicht, da das bayerische Sozialministerium Oppenheimer aus seiner Tätigkeit als Fürsorgearzt nicht entlassen wollte, und das Kommando Oberost die nachgesuchte Genehmigung verweigerte.   
Einem anderen Gebiete jüdischer Fürsorgetätigkeit hat Dr. Oppenheimer aber die letzten 5 Jahre seines Lebens den größten Teil seiner Kraft gewidmet. Das jüdische Landheim in Wolfratshausen, dessen ärztliche Leitung er seit der Gründung im Jahre 1921 in Händen hatte, kann mit Fug und Recht als seine Schöpfung bezeichnet werden. Die Einrichtung des Heims, seiner Verwaltung, der Pflege und ärztlichen Betreuung der vielen Hundert von Kindern, die dort Erholung und Genesung fanden, hat Oppenheimer in den letzten Jahren einen großen Teil seiner Zeit und Arbeitstätigkeit gewidmet. Was dort geschaffen und erreicht wurde, ist mit seinem Namen verknüpft. Dort im Landheim hat er auch die letzten Monate seines Lebens verbracht; dort wurde er durch einen plötzlichen Krankheitsanfall mitten herausgerissen aus seiner Arbeit. An der Schwelle seines Kinderheims ist er einem Herzschlage erlegen. 
Wer Dr. Oppenheimer persönlich gekannt hatte, musste ihn, den gütigen Menschen lieben. So hat Oppenheimer einen großen Kreis von Verehrern und Freunden in unserer Gemeinde, in der ganzen Stadt und weit über deren Grenzen hinaus hinterlassen. Bei der Trauerfeier im alten jüdischen Friedhof gaben Rabbiner Dr. Baerwald, ferner die Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Jesaias-Loge, des Landheims Wolfratshausen, sowie einer Reihe von ärztlichen Berufsorganisationen dem Schmerze Ausdruck, den Oppenheimers Hinscheiden bei allen verursacht hat, die ihn im Leben gekannt hatten.    
Ein Mensch, erfüllt von wahrer sozialer Gesinnung, hat Dr. Oppenheimer seinen ärztlichen Beruf stets aufgefasst, als den eines Helfers der Schwachen und Armen, als den eines Beraters und Volkserziehers. Tausende verdanken Dr. Oppenheimer persönlich Rettung in Krankheit und Not, unzählige aber von Müttern und Säuglingen haben durch die Einrichtungen, die Oppenheimers Gedanken und Tatwillen entsprungen sind, Hilfe empfangen und werden sie weiterhin empfangen, ohne den bescheidenen Mann auch nur dem Namen nach zu kennen, auf dessen Pläne und Anregungen diese Einrichtungen zurückzuführen sind.   
So bewährt  sich bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes der alte jüdische Spruch: 
Sein Andenken wirkt fort zum Segen!"      

  
Hinweise zur Unterbringung von Kindern im Landheim (1927 / 1929)     

Wolfratshausen BayrGZ 15071927.jpg (118602 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927: "Bekanntmachung über die Unterbringung von Kindern im Jüdischen Landheim Wolfratshausen (Wiederholung der Bekanntmachung in Nr. 4/1927 der Zeitung). 
Der Verband hat Mittel bereitgestellt, um bedürftigen, unbemittelten Kindern aus Verbandsgemeinden verbilligten oder, falls nötig, unentgeltlicher Aufenthalt im Landheim Wolfratshausen zu ermöglichen. 
Aufnahme in der Anstalt finden Knaben und Mädchen, die schwächlich oder kränklich sind und zu ihrer Gesundung eines Erholungsaufenthaltes in Wolfratshausen bedürfen. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind Kinder mit ansteckenden Krankheiten oder solche mit psychischen Leiden. Altersgrenze: 4-14 Jahre.  
Die Aufnahme kann ab 1. September erfolgen. 
Wir stellen den Gemeinden anheim, die Einreichung von Gesuchen um Aufnahme von Kindern, bei denen die obigen Voraussetzungen zutreffen, beim Wohlfahrtsamt des Verbandes, München, Herzog-Max-Straße 7/0, zu veranlassen. 
Dem Gesuch ist eine ärztliche Begutachtung über die Erholungsbedürftigkeit in Wolfratshausen sowie eine Beglaubigung der Mittellosigkeit der Gesuchsteller durch den Gemeindevorstand beizufügen. 
München, den 7. Juli 1927. Das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Elias Strauss."           
  
Bad Kissingen BayrGZ 01031929.jpg (139356 Byte) Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März 1929: "Bekanntmachung über Unterbringung von Kindern in der israelitischen Kinderheilstätte Bad Kissingen und im jüdischen Landheim Wolfratshausen. 
Der Verband wird auch in diesem Jahr Mittel bereitstellen, um unbemittelten Kindern aus Verbandsgemeinden verbilligten oder unentgeltlichen Aufenthalt in Bad Kissingen oder Wolfratshausen zu ermöglichen. 
Aufnahme finden in beiden Anstalten Knaben und Mädchen, die schwächlich oder kränklich sind und zu ihrer Gesundung einer Kur in einer der Anstalten bedürfen. Ausgeschlossen sind Kinder mit ansteckenden Krankheiten oder psychischen Leiden. 
Während der großen Ferien kann unentgeltliche Aufnahme in Bad Kissingen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen, in Wolfratshausen gar nicht erfolgen. 
Den Aufnahmegesuchen ist ein ärztliches Attest über die Notwendigkeit eines Kurgebrauchs in einer der Anstalten sowie eine Bescheinigung der Mittellosigkeit der Gesuchsteller durch den Gemeindevorstand beizufügen. F
ür die Kosten des Erholungsaufenthalts tritt der Verband im Genehmigungsfalle ein, soweit weder der Gesuchsteller, ihre Eltern oder sonstige unterhaltspflichtige Verwandten noch die Wohnsitzgemeinde und ihre Wohlfahrtseinrichtungen und Vereine die Mittel hierfür aufbringen können. 
Gesuche um Aufnahme von Kindern bitten wir bis spätestens 15. März 1929 an das Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, München, Herzog-Max-Straße 5/1 zu richten. München, den 24. Februar 1929. 
Wohlfahrtsamt des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Straus."    

     
Überlegungen zur Neukonzeption des Landheimes (1930)     

Wolfratshausen BayrGZ 01101930.jpg (56688 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1930: "Landheim Wolfratshausen
Es wird erwogen, das Landheim Wolfratshausen so umzugestalten, dass in ihm nunmehr vorschul- und schulpflichtige Kinder für kürzere oder längere Dauer Aufnahme finden können. Es kommen besonders erholungsbedürftige und schwächliche Kinder in Betracht, für die ein längerer Aufenthalt in dem besonders gesunden Klima Wolfratshausens (auch für den Winteraufenthalt, wegen reicher Besonnung und Höhenluft sehr geeignet) wünschenswert ist oder Kinder, die aus irgendwelchen Gründen längere Zeit aus dem häuslichen Milieu entfernt und unter gute pädagogische Leitung gebracht werden sollen. Für Unterrichtsgelegenheit wird gesorgt werden. Als Pensionspreis ist ein Betrag von RM 120.- in Aussicht genommen. 
Um einen Überblick zu erhalten, in welchem Umfang hier ein Bedürfnis besteht, bitten wir Anfragen und Meldungen bis spätestens 15. Oktober an das Jugendamt der Israelitischen Kultusgemeinde, München, Herzog-Max-Straße 5/1, zu richten."           

 
Nach der Umgestaltung des Landheimes in ein Erholungsheim der Israelitischen Frauenschule für Erwachsene (1931)    

Wolfratshausen BayrGZ 15011931.jpg (52020 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931: "Neueröffnetes jüdisches Erholungsheim in Wolfratshausen. An die Stelle des bisherigen Landheimes für Kinder tritt von jetzt ab ein jüdisches Erholungsheim, das allen jüdischen Kreisen gegen mäßigen Preis volle Pension und ausgezeichnete Verpflegung bietet. Zentralheizung, fließendes Wasser, Balkon, Liegehalle, die besonders bekannt schöne Lage im Isartal werden das neue Heim in Wolfratshausen zu einem begehrten Aufenthalt bei allen Erholungsbedürftigen machen. Anfragen an Frau Carola Neu, München, Hohenzollernplatz 1. Tel. 33934."           
  
Wolfratshausen BayrGZ 15011931a.jpg (42913 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1931:        
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juni 1931:  
   
Wolfratshausen BayrGZ 15081931.jpg (114214 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1931: "Wolfratshausen
Ständig wächst die Zahl der alleinstehenden Frauen, wie auch der Ehepaare, die sich außer Stande sehen, die Kosten für einen selbstständigen Haushalt weiterhin aufzubringen und die daher in einer Familie oder in einem Heim Wohnung und Verpflegung suchen, um auf diese Weise die gebotene Verbilligung ihrer Lebensführung zu erreichen. Allerorts entstehen Mittelstandsheime, meist natürlich in großen Städten. Die Münchner Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes hat vor Kurzem auf dem Lande, freilich nur eine Bahnstunde von München entfernt, in reizvollster Umgebung ein behagliches, streng rituell geführtes Mittelstandsheim eröffnet. Im Landheim Wolfratshausen stehen schöne, luftige, sonnendurchflutete Räume, leer oder hübsch möbliert für Damen oder Ehepaare zum vorübergehenden oder dauernden Aufenthalt, bei mäßigen Preisen zur Verfügung. Zentralheizung, schöne Bade- und Duschräume sind vorhanden, Balkons sowie eine große gedeckte Glasveranda und eine prächtige Liegehalle dienen dem Behagen der Gäste; der parkähnliche Garten lädt zu beschaulicher Ruhe ein, während die nähere und weitere Umgebung von Wolfratshausen eine ungewöhnliche Abwechslung in herrlichen Spaziergängen bietet. Bei 570 Meter Seehöhe ist das Klima kräftig und doch mild. Wichtiger noch als die Schönheit und der Komfort des Hauses und die Reize der Umgebung mag für Menschen, die eine Heimat suchen, die Tatsache sein, dass ein guter Geist im Hause waltet, dass die Dame, die mit der Leitung betraut ist, nicht nur eine vortreffliche Hausfrau, sondern auch eine besonders gütige und verständnisvolle Persönlichkeit ist, die Behagen um sich zu verbreiten weiß."         
 
Wolfratshausen BayrGZ 15091931.jpg (53695 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1931:         
 
Wolfratshausen BayrGZ 01121931.jpg (91386 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1931:          
  
Wolfratshausen Israelit 03121931.jpg (74390 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1931: "München, 26. November (1931). Alle, die dauernd oder vorübergehend Erholung suchen, seien auf die Gründung des Jüdischen Frauenbundes München, das Israelitische Erholungsheim Wolfratshausen im Isartal bei München hingewiesen. Zu kurzem oder ganzjährigem Aufenthalt bietet es durch seine luftigen Schlafzimmer, Zentralheizung, Warmwasser, Bad, reichliche Nebenräume mit Radio, Telefon Nr. 18, Terrassen, Liegehalle, parkartigen Garten, schöne freie gesunde Lage, Bergnähe, alle Annehmlichkeiten. Dazu reichliche, gute, streng rituelle Verpflegung unter Leitung einer vielseitigen Hausdame. Im Winter Gelegenheit zum Skisport, im Sommer Schwimmbad. Mäßige Preise für 5 Mahlzeiten von 4-6 Mark. Prospekt durch Frau Carola Neu, München, Hohenzollernplatz 1,1."         

     
Im Erholungsheim wird eine orthodoxe Wirtschafterin gesucht (1933)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1933: 
"Erholungsheim Wolfratshausen 
sucht eine orthodoxe Wirtschafterin
die gut kochen kann. Briefe mit Zeugnissen und Referenzen an 
Frau Lotte Stern. München.
Sendlingertorplatz 6a".  

   
   
   
Berichte zur Geschichte der "Wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Land" / Haushaltungsschule    
Anzeigen der Frauenschule (1927 / 1929)     

Anzeige in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. März 1927:   
 
Wolfratshausen BayrGZ 13121927.jpg (69119 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13. Dezember 1927: "Staatlich genehmigte 
Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande
 
Wolfratshausen im Isartal
/ 580 Meter über dem Meere (Gründung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München) bildet junge Mädchen aus zu tüchtigen Hausfrauen 
und schafft die Grundlage zum Wirtschaftsberuf, zum Sozialberuf und zum Lehrberuf
Die Schule wird streng rituell geführt. Prospekte und Auskünfte durch die Leitung der Schule: Hanna Bodenheimer, Wolfratshausen; Frau Recha Stark, München, Rauchstraße 12/I. Anmeldungen für das kommende Schuljahr schon jetzt erbeten."               
   
Wolfratshausen israelit 07021929.jpg (68377 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1929:       
  
Wolfratshausen BayrGZ 01041929.jpg (72886 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1929:          
 
Wolfratshausen CVZtg 27091929.jpg (78127 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 27. September 1929:        

   
Abschlussprüfung in der Schule (April 1929)   

Wolfratshausen BayrGZ 01061929.jpg (46761 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1929:           
  
Wolfratshausen Israelit 27061929.jpg (59644 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27.Juni 1929:        

 
Beamtin für die Frauenschule gesucht (1929)     

Wolfratshausen CV 20091929.jpg (64495 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 20. September 1929:         

       
Bericht über die Arbeit der Frauenschule von Hannah Bodenheimer (1930)    

Wolfratshausen Israelit 13031930.jpg (417756 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1930: "Wolfratshausen. 'Doch ist die Führung des jüdischen Haushalts der Beruf unserer Töchter von je die unentbehrlichste Kraft jüdischen Lebens gewesen'. 
Dieser Satz fiel mir auf, als ich in einem Buche über jüdische Gebräuche blätterte und brachte mich zum Nachdenken. Es konnte sich in der Tat jüdische Religion nur dort erhalten, wo jüdische Frauen selbst im Aufgabenkreis ihrer Wirtschaft standen und diese selbst ausfüllten. Die peinliche Ausübung verschiedener religiöser Pflichten im Haushalt wurde wohl von vielen Frauen oft auch als schwierig empfunden. Für das Judentum war die Bindung der Frau an das Haus von unschätzbarem Wert. So wurde der Hauptsinn des Frauenlebens nur auf das Wohl und das Glück der Familie gerichtet. Es ist sicher für unsere jahrtausendalte Geschichte von wesentlichster Bedeutung, dass der Kern unserer Gemeinschaft, das Familienleben, gesund blieb.   
In den letzten Jahrzehnten hat sich hier manches verschoben und geändert. Neue Interessen der immer schneller lebenden Welt kamen auch in das jüdische Haus und führten beinahe zur Geringschätzung alter, bisher ein Leben glücklich ausfüllender Tätigkeiten. Wir beobachten nun die bekannte Unsicherheit, die immer vorhanden ist, wenn Menschen in eine ganz neue Lebensatmosphäre hineingestellte werden. Sie finden sich nicht zurecht, finden den Mittelweg nicht mehr und gelangen immer in die mit Gefahr verbundene Übertreibung.   
Das Haus wurde vernachlässigt, damit andere Interessen zu ihrem Rechte kamen. Die Folgen blieben nicht aus. Die Familie wurde immer mehr auseinandergerissen, und die Töchter bekamen selbstverständlich mit dem Verschwinden der Kenntnisse auf diesem Gebiet immer weniger Freude an den häuslichen Pflichten.    
Dieser Vorgang spielte sich ja in unserer christlichen Umgebung in viel größerem Maßstabe, in den großen Städten auch ab. Auch hier wird  die Zerrissenheit des Familienlebens als gefährlich erkannt, sie ist aber immerhin nicht so unheilvoll wie bei uns. Bekanntlich bekommt die Großstadt immer noch den größten und den besten Teil ihrer Menschen vom Lande, und so gesundet sie wieder durch ihre ländliche Umgebung. Für uns Juden trifft dieses in dem Maße wohl kaum zu und daher ist die Einstellung jüdischer Frauen für Interessen, die wesentlich außerhalb des Hauses und der Familie liegen, viel unheilvoller.   
Man erkannte, dass die Volksgesundung durch Ertüchtigung der Frauen zu beeinflussen sei. Um die Frauen für die Dinge zu interessieren, wie man sie im eigensten und im sozialen Interesse für sie für notwendig erachtete, schuf man neue Schulen. Führender Gedanke bei diesen Schulgründungen war, die jungen Mädchen zu tüchtigen Hausfrauen heranzubilden. Wenn jede Frau das wäre, wäre das ganze Elend bedeutend geringer. Andererseits wollte man aber auch die brachliegenden Frauenkräfte, die in vielen Familien und für die Allgemeinheit vollständig nutzlos waren, sammeln und sie der großen Gemeinschaft wieder nutzbar machen. Wurde doch aus irriger Lebensauffassung so manches Leben mit schönen Künsten und rein Geistigem ausgefällt, ohne dass es je für die Umwelt beachtenswerte Leistungen brachte. Allen diesen wollte man die Freude an der Arbeit wieder eröffnen und ihnen ein gediegenes handwerkliches Können neben wissenschaftlicher Begründung verschaffen.   
Die Zeiten haben sich heute so entwickelt, dass dieses Können Gott sei Dank für jedes junge Mädchen wieder eine unerlässliche Notwendigkeit geworden ist. Das ist auch in der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck gekommen durch die Gründung verschiedener Schulen, auf denen wir unsere jungen Mädchen je nach ihrer Vorbildung wirtschaftlich weiter ausbilden können.  
Die Unsicherheit der materiellen Existenz zwingt die Mädchen heute wieder dazu, sich nur auf eigenes Können und eigene Tüchtigkeit zu verlassen, und bringt die Eltern dazu, ihren Töchtern mehr denn je das für das Leben mitzugeben, wozu sie allein imstande sind, das sind Erziehung und Ausbildung. Die wirtschaftliche Ausbildung ist ein Gebiet, das für die allermeisten Mädchen von Bedeutung ist, da sie die hier erworbenen Kenntnisse in ihrer eigenen Familie gebrauchen können. Diese Kenntnisse sind ja heute umso notwendiger, je enger und unsicherer die materiellen Lebensverhältnisse werden. Abgesehen von dem Beruf der Hausfrau, bringt die wirtschaftliche Ausbildung viele junge Mädchen in andere sich darauf aufbauende Berufswege. Neigung und Eignung dazu kann aber erst in einem grundlegenden Ausbildungsjahr festgestellt werden. Die Ausbildung in dem Frauenlehrjahr einer wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande ist so vielseitig, dass sie einem jungen Mädchen eine Vorstellung von den verschiedensten praktischen und wissenschaftlichen Berufen gibt, die        
Wolfratshausen Israelit 13031930a.jpg (156637 Byte)sich darauf aufbauen können. Diese Vorstellungen fehlen meistens noch beim Verlassen des Lyzeums mit Obersekundareife.  Es liegt daher wohl in dem Interesse vieler Eltern von jungen Mädchen, die die Schule Ostern verlassen, ihren Töchtern ein wirtschaftliches Frauenlehrjahr am besten auf dem Lande zu ermöglichen. Es dient zur allgemeinen weiteren Entwicklung, zur körperlichen Kräftigung, seelischen Auffrischung und geistigen Anregung, zur Klärung der Berufsziele und zur besten Vorbereitung des Berufes der jüdischen Hausfrau. Hannah Bodenheimer."      
   
Wolfratshausen BayrGZ 01041930.jpg (306640 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April 1930:   
Der Bericht ist identisch mit dem oben zitierten aus der Zeitschrift "Der Israelit".             

      
Berichte über die Frauenschule von Elise Neumayer und Hannah Bodenheimer (1931)    

Wolfratshausen BayrGZ 01051931.jpg (77987 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1931: "Wolfratshausen.  
1. Zur Ausbildung unserer Töchter. Wenn man mit der Bahn von München aus sich Wolfratshausen nähert, so eröffnet sich dem Blick ein wunderbares Landschaftsbild, mit dem sich wenig Gegenden in deutschen Landen an Schönheit vergleichen können. Es ist das großartig erweiterte Isarbett, im Hintergrund sind die nahen Berge, und die nächste Umgebung bilden große Wiesenflächen, ausgedehnte Waldungen.  
Es muss eine Freude sein für junge Menschen, hier eine Arbeitsstätte zu finden, und es wirkt besonders für jüdische Mädchen in hohem Maße erzieherisch, wenn sie auf so schöne Weise zurück zur Natur geführt werden. Denn es ist wohl kein Zweifel, dass in dem starken geistigen Streben, das die Juden vielfach auszeichnet, ein wenig die Verbundenheit mit der Natur verloren gegangen ist. Und gerade die Natur ist und soll sein ein Trost in unserer schweren Zeit. Sie erstrahlt in ewig gleicher Ruhe und Schönheit, auch wenn Leidenschaften und Hass die Menschen quält; sie verjüngt sich alljährlich in ewig gleicher Üppigkeit und Fülle und soll. uns hinleiten zur Bewunderung und zum Staunen vor der Größe der Schöpfung und des Werdens. 
Es ist ein Grundgedanke unserer Schule gewesen, dass eben gerade die Haushaltungsschule auf dem Lande ein besonderes Bedürfnis für jüdische Mädchen sein müsste, und darum hat die Orts-       
Wolfratshausen BayrGZ 01051931a.jpg (198910 Byte)gruppe München des Jüdischen Frauenbundes sie hinausverlegt in diese schöne Gegend. Und in unserem Hause und im Garten herrschen Freude und Fröhlichkeit, aber es ist keine Frage, dass auch tüchtig gearbeitet wird. Und es ist wohl nötig in dem schweren wirtschaftlichen Kampf, den wir alle zu bestehen haben, dass unsere Töchter lernen, wie sie den Haushalt praktisch zu führen haben nach theoretischen und wirtschaftlichen Grundsätzen. Mir ist es am Schluss des Jahres immer eine Freude, den Prüfungen beizuwohnen und Zeuge zu sein, was die jungen Mädchen alles können. Sie wären imstande, das Festmahl zu ihrer eigenen Hochzeit zu kochen, aber sie lernen auch Dinge für den einfachsten Haushalt, und sie wissen einzuteilen und zu berechnen. Und sie können den Garten umgraben, einen kleinen Geflügelhof versorgen, ihre Wäsche waschen und wenn später die Umstände es ergeben, dass sie die Arbeit nciht selbst zu leisten haben, so können sie die Hausangestellte anleiten und sich in allen Verhältnissen zurechtfinden. 
Die Arbeit in der wirtschaftlichen Frauenschule ist beste Grundlage für jede weibliche Berufsausbildung, denn das Wissen und die Erfahrung in den verschiedenen Gebieten der Hauswirtschaft werden stets das unentbehrlich Rüstzeug einer tüchtigen Frau sein. 
Erziehung zur Arbeit und innigste Verbindung mit der Natur sind die Vorzüge unserer wirtschaftlichen Frauenschule in Wolfratshausen. Elise Neumeyer.     
2. Schlussfeier der Schülerinnen der wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande in Wolfratshausen.  
Am Sonntag, dem 29. März, fand in der wirtschaftlichen Frauenschule die diesjährige Abschiedsfeier der Schülerinnen statt. Aus diesem Anlass hatten sich zahlreiche Gäste bei uns eingefunden. An langen, festlich gedeckten Tischen saßen die Gäste, die von der ersten Vorsitzenden des Schulkuratoriums, Frau Recha Stark, begrüßt wurden. Frau Stark dankte allen für ihr Erscheinen, insbesondere den Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, den Vertretern des Rabbinats und den Angehörigen der Logen. es sei fast schon ein kleines Jubiläum, das wir an diesem Tage feiern könnten, nämlich das erste Jahrfünft des Bestehens unserer Schule sei nun verflossen. Für die Schülerinnen allerdings sei heute kein Anlass zu einem Jubiläum, denn unseren jungen Mädchen bedeutet der Besuch der Schule etwas Einmaliges in ihrem Leben, etwas Einmaliges, aus dem sie für ihr ganzes Leben reichen Nutzen nehmen möchten.  
Dann sprach Herr Oberstlandesgerichtsrat Neumeyer in warmen Worten zur Jugend.  
Frau Erna Feuchtwanger-Kronenberger erfreute durch frische, reizende gesangliche Darbietungen; ganz besonders freuten sich die jungen Mädchen wieder über die netten Verse, die Frau Clem. Krämer über das Tätigkeitsfeld der Schülerinnen gedichtet hatte und die von Frau Feuchtwanger nach der lustigen Melodie des Max- und Moritz-Liedes vorgetragen wurden.  
Nun fühlten sich auch die jungen Mädchen ihrerseits berechtigt, ihren Gästen neben Kaffee und Kuchen kleine Darbietungen zu geben, und so klang der Nachmittag mit Musik, Tanz und Geplauder gemütlich aus.   
Trotz aller Lustigkeit haben die Schülerinnen durch die warmen Worte und rege Anteilnahme der Münchener Gäste doch den ernsten Moment empfunden, den der Abschied nach einer abgeschlossenen Tätigkeit mit sich bringt. Wir hoffen, dass alle unsere Schülerinnen, die uns nun verlassen haben, das schöne in der Natur, in jugendlicher Fröhlichkeit und in tüchtiger Arbeit verbrachte Lehrjahr noch lange und immer mehr im Herzen tagen.  Hanna Bodenheimer."     

  
   
    
   
Berichte über eine Ausstellung über die jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen (2008/09)      

Juni - August 2008: Ausstellung im bayerischen Schulmuseum in Ichenhausen   
Wolfratshausen PA 2008010.jpg (334949 Byte)Artikel von Wolfgang Risch in der "Südwestpresse" vom 3. Juni 2008 (beim Anklicken den Datenumfang des relativ großen Artikels beachten - längere Downloadzeit) über die Ausstellung im bayerischen Schulmuseum. 
   
Juni 2009: Ausstellung im Gabelsberger-Gymnasium in Mainburg  
Artikel in der "Moosburger Zeitung" (bzw. Hallertauer Zeitung", Artikel) vom 19.6.2009:  
"Ausstellung über jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen am Gymnasium. 
Mainburg.
Es sind gerade die persönlichen Schicksale, die Zeitgeschichte häufig so lebendig machen. Ein außergewöhnliches historisches Projekt ist die Ausstellung "Wir lebten in einer Oase des Friedens...", die die Geschichte einer jüdischen Mädchenschule in den Jahren 1926 bis 1938 in dem oberbayerischen Provinzstädtchen Wolfratshausen nachzeichnet. Die Präsentation ist zurzeit am Gabelsberger-Gymnasium zu sehen.  
Die "Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande" war im Jahre 1926 eine Gründung des Jüdischen Frauenbundes. Die Mädchen sollten im beschaulichen bayerischen Oberland mit einem "Frauenlehrjahr" auf ihre späteren Aufgaben und Pflichten als Hausfrau und Mutter vorbereitet werden. Mit der Machtergreifung der Nazis im Jahre 1933 geriet das Internat zusehends in die politischen Wirren der Zeit. Der Druck vor allem von Seiten der örtlichen Parteifunktionäre wuchs, ehe die Schule nach der Reichspogromnacht im November 1938 schließen musste. 
Zusammen mit fünf Schülern des Gabelsberger-Gymnasiums, die die Besucher als "Scouts" durch die Ausstellung führen werden, steht Sybille Krafft vor einem der zahlreichen Bilder auf den Stellwänden. Die vergilbte Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine Gruppe ausgelassener Mädchen vor dem Hintergrund einer malerischen Berglandschaft. Das Wissen um die Tatsache, dass drei der abgebildeten jungen Frauen später im KZ umgekommen sind, erweckt beim Betrachter tiefe Betroffenheit. 
Doch gerade solche Gefühle wollen die Ausstellungsmacher um Sybille Krafft bei den Besuchern hervorrufen. Betroffenheit im Sinne einer persönlichen Erkenntnis, wie sie diese Einzelschicksale vermitteln. So treten die jungen Frauen von damals in einem Videomitschnitt ganz nah an den Betrachter heran. Die in Ehren ergrauten Damen - alle heute in den Achtzigern und Neunzigern - erzählen mehr als 50 Jahre danach über ihre Erlebnisse und Gefühle von damals. 
Zur Sprache kommt Alltäglich-Banales genauso wie das Wissen um die Gnade, anders als viele der Mitschülerinnen von damals mit dem Leben davongekommen zu sein. Aufgezeichnet wurden die Interviews in Kanada, England und Israel, wohin es die Jüdinnen nach ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland verschlagen hatte. 
Das Bemerkenswerte der Ausstellung: Auch die Opfer haben Gesicht und Stimme. So etwa Sofie Sommer, 1923 als einziges Kind des Getreidehändlers Isaak Sommer und seiner Frau Babette in München geboren. Zusammen mit ihrer Mutter wurde sie im November 1941 nach Kaunas in Litauen deportiert und dort wenige Tage später ermordet. 
Die Schüler der Klasse 10d des Gabelsberger-Gymnasiums nahmen die Ausstellung als Ausgangspunkt für eigene Forschungen über jüdisches Leben in Mainburg. Viel fanden sie bei ihren Recherchen in den Archiven nicht, dafür waren die gewonnenen Erkenntnisse um so interessanter. 
Bei damals 18 300 Einwohnern lebte 1939 nur eine Jüdin im Altlandkreis Mainburg. Paula Göring wurde von offizieller Seite lange gedeckt. Sogar der NS-Bürgermeister Josef Hien versuchte noch, ihre Identität als Jüdin zu verschleiern. Anfang 1944, drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, des evangelischen Spenglermeisters August Göring, wurde Paula Göring verhaftet und am 11. Januar ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo sie am 20. Oktober 1944 umgekommen ist. 
Und noch ein anderes interessantes Detail konnten die Schüler zu Tage fördern, das selbst die Ausstellungsmacher überraschte: Die im Anhang des Ausstellungskatalogs genannte Anna Leidig, Jahrgang 1908, aus Mainburg, die zwischen 1926 und 1930 als Hausmädchen in Wolfratshausen angestellt war, war nicht wie lange Zeit angenommen Jüdin, sondern katholischen Glaubens." 
  
September 2011: Die Ausstellung über das Mädchenheim in Wolfratshausen ist in Bad Homburg zu sehen    
Artikel im "Usinger Anzeiger" vom 23. September 2011: "Begehbares Denkmal für 29 ermordete Schülerinnen". 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.     
 

  
  
Fotos   

Die Frauenschule Wolfratshausen
(Foto aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  
Wolfratshausen Frauenschule Dok 410.jpg (165773 Byte)  
    Das Foto zeigt das Hauptgebäude des ehemaligen 
"Hotels zur Kronmühle", in dem sich das Erholungsheim befand; 
die Frauenschule war in einem Nebengebäude
 
     

   
    

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Wolfratshausen    
Archivportal des Landkreises Bad Tölz - Wolfratshausen mit einer Seite über die jüdische Frauenschule in Wolfratshausen    

Literatur:  

Wolfratshausen Lit 010.jpg (113462 Byte)Kirsten Jörgensen / Sybille Krafft: "Wir lebten in einer Oase des Friedens..." Die Geschichte einer jüdischen Mädchenschule 1926-1938. Mit zwei Beiträgen von Dagmar Bäuml-Stosiek. Ein Projekt der Gruppe "Jüdische Spuren in Wolfratshausen". Historischer Verein Wolfratshausen in Kooperation mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Wolfratshausen. Dölling und Galitz Verlag GmbH München Hamburg 2009. 144 S.   ISBN 978-3-937904-52-8.  
Informationen zu diesem Buch auf einer Seite der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.    
Hinweis: eine ganz hervorragende Darstellung dieser jüdischen Mädchenschule, basierend auf zahlreichen Interviews mit ehemaligen Schülerinnen der Schule - mit zahlreichen Illustrationen.    

    
 
     

      

      

 

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Stand: 28. Dezember 2015