Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mellrichstadt (Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
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Zur Geschichte der Synagoge  
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Mellrichstadt lebten Juden bereits im Mittelalter. Ob es zur Bildung einer Gemeinde mit eigenen Einrichtungen kam, ist nicht bekannt. Eine erste Verfolgung traf die Gemeinde 1283, als am 31. März Nechemia b. Jechiel, Elieser Sohn des Märtyrers Joez, Samuel b. Jechiel und Isaak b. Gerschom aus unbekannten Gründen in Mellrichstadt verbrannt wurden. Auch von der Verfolgung 1298 ("Rintfleisch"-Verfolgung) waren die Mellrichstädter Juden betroffen. 1367 wird in Fulda ein aus Mellrichstadt zugezogener Jude genannt. Ansonsten hört man erst 1412 wieder von zwei in der Stadt lebenden jüdischen Familien, die ihren Lebensunterhalt vom Geldverleih bestritten. In diesem Jahr wurde ihr Schutzbrief durch den Würzburger Bischof um drei Jahre verlängert.
  
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. Seit 1655 werden Juden wieder in Mellrichstadt genannt. Im Laufe der folgenden zweieinhalb Jahrhunderte entwickelte sich ein reges jüdisches Gemeindeleben in der Stadt. Jüdische Gewerbetreibende hatten großen Anteil am wirtschaftlichen Leben der Stadt. Ihre Wohnungen und Läden konzentrierten sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Hauptstraße. 
   
Bei der Anlegung der Matrikellisten 1817 werden in Mellrichstadt auf insgesamt acht Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorsteher genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Moses Mandel (Handel mit Schnitt- und Spezereiwaren, 64 Jahre, fünf Kinder), Löw Herz Heinemann (Schmuserei und kleiner Handel mit Spezereiwaren, 57 Jahre, fünf Kinder), Hirsch Herz Heinemann (Schmuserei, 53 Jahre, drei Kinder), Michael Mandel Friedmann (Viehschlachten, 53 Jahre drei Kinder), Gerson David Sackie (Handel mit Vieh und Schnittwaren (42 Jahre, sechs Kinder), Henne Heinemann, Witwe des Feist Hirsch (Handel mit Schnitt- und Spezereiwaren, 60 Jahre, zwei Kinder), Samuel Moses Rimpert (Handel mit Schnitt- und Spezereiwaren und mit Wolle (36 Jahre, zwei Kinder), Emanuel (zunächst: Mendel Moses) Mandel (Handel mit Schnitt- und Spezereiwaren, 27 Jahre, ein Kind).   
   
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 45 jüdische Einwohner (3,1 % von insgesamt 1.443 Einwohnern), 1837 50 (2,8 % von 1.810), 1867 81 (4,2 % von 1.921), 1880 109 (4,9 % von 2.247), 1900 156 (7,7 % von 2.014), 1910 165 (7,6 % von 2.176). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts (vor allem nach Wegfall des "Matrikelparagraphen" 1861) waren in Mellrichstadt viele Familien aus der Umgebung zugezogen, u.a. aus Mühlfeld, Oberstreu und Mittelstreu.   

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten die Ausschreibung der Stelle 1892). Von 1899 bis 1924 war als Lehrer, Kantor und Schochet der in der Stadt hoch angesehene Viktor Gottlieb tätig (vgl. unten den Bericht zu seiner Beisetzung im Dezember 1924). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Bad Kissingen.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Leopold Adler (), Ludwig Blum (geb. 23.12.1886 in Mellrichstadt, gef. 21.2.1917), Gefreiter Julius Hellmann geb. 23.5.1884 in Burghaslach, gef. 13.11.1914), Siegfried Mantel (geb. 1.5.1888 in Mellrichstadt, gef. 13.11.1914), Albin Meyer (), Unteroffizier Max Neuberger geb. 18.4.1890 in Mellrichstadt, gef. 22.8.1915), Siegmund Neuberger (geb. 18.7.1896 in Mellrichstadt, gef. 7.10.1916), Moritz Neuberger (), Sally Nussbaum (geb. 6.5.1883 in Kaltennordheim, gef. 16.6.1916), Moritz Sacki (geb. 1.6.1882 in Mellrichstadt, gef. 7.10.1916), Siegfried Sacki (geb. 14.3.1889 in Mellrichstadt, gef. 18.8.1918). Ihre Namen stehen auf einer Metallplatte des Gefallenendenkmales am Großenberg beim Bahnhof.   
  
Um 1924,
als 151 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (6,9 % von 2.178), gehörten dem Synagogenvorstand an: Guido Prager, D. Nußbaum, Max Lindau, Max Stern, Moses Neuberger, Lazarus Ottensoser, T. Weinberg. Lehrer und Kantor war bis zu seinem Tod im Dezember 1924 der bereits genannte Viktor Gottlieb. 1932 waren die beiden Synagogenvorstände Guido Prager und Oskar Rosenthal; Lehrer und Kantor war inzwischen Jacob Schloß. An jüdischen Vereinen (Wohltätigkeitsvereine) gab es einen Israelitischen Männerverein (Chevro Kadischo) und einen Israelitischer Frauenverein. Im Schuljahr 1932/33 besuchten den jüdischen Religionsunterricht noch 12 Kinder.
  
1933 wurden noch 126 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden Jahren ist ein Großteil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (im November 1936 noch 85, im Mai 1937 noch 75, am 1. Oktober 1938 69 jüdische Einwohner). Am 30. September 1938 kam es in Mellrichstadt zu schweren Übergriffen gegen die ortsansässigen Juden. Die Initiative ging von deutsche Flüchtlingen aus dem Sudetenland aus, die die Bürger der Stadt gegen die Juden aufhetzten und nach der Verwüstung der Synagoge (s.u.) auch gegen jüdische Häuser vorgingen. Bis 1942 haben 82 jüdische Einwohner Mellrichstadt verlassen, 36 von ihnen sind emigriert. Von den letzten jüdischen Einwohnern wurden 1942 24 nach Izbica bei Lublin/Polen deportiert und ermordet, neun wurden im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt verbracht.     
   
Von den in Mellrichstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Flora Adler (1884), Fromma (Frumet) Adler (1880), Martha Benedick geb. Kahn (1894), Ida Blum geb. Gutmann (1861), Martha Blum geb. Kahn (1894), Michael Blum (1855), Regina Brandus geb. Grünstein (1873), Rosa Doege geb. Meyer (1881), Adelheid (Adele) Edelmuth geb. Ottensoser (1884), Hugo Edelmuith (1884), Hugo Edelmuth (1900), Ilse Edelmuth (1923), Siegfried Edelmuth (1912), Paula Eisemann geb. Ottensoser (1883), Frieda Friedmann geb. Frank (1898), Ida Friedmann geb. Katzenstein (1875), Maier (Meier) Friedmann (1872), Max Friedmann (1869), Jakob Goldbach (1862), Max Goldschmidt (1870), Paula Gutmann geb. Adler (geb. ?), Regina Gutmann geb. Goldschmidt (1852), Babette Hopfenmaier geb. Friedmann (1878), Beatrice Kahn geb. Freudenthal (1890), Jette Kahn geb. Freudenberger (1872), Max Katz (1883), Philipp Katz (1879), Selma Katz geb. Frühauf (1883), Paula Keller geb. Adler (1882), Hedwig Kirschner geb. Sacki (), Klara Klemmann geb. Baumblatt (1869), Cywie Kleiner (1916), Sara Löb geb. Neumark (1877), Helene Lonnerstädter (1896), Paul Lonnerstädter (1900), Lucie (Luzi) Manne geb. Adler (1891), Alfred Mantel (1925), Bianca Mantel (1893), Elise Mantel geb. Palm (1865), Grete(l) (Margarete) Mantel geb. Wolf (1894), Hanna (Hannchen) Mantel (1860), Max Mantel (1883), Thekla Meininger geb. Sacki (1890), Ludwig (Leo) Meyer (1879), Manfred Neuberger (1895), David Nussbaum (1880), Luise Nussbaum geb. Wahlhaus (1879), Mathilde Ochs geb. Gutmann (1867), Rosel Oppenheimer geb. Adler (geb. ?), Adolf Ottensoser (1890), Berta Ottensoser geb. Mayer (1899), Betty Ottensoser geb. Rothstein (1852), Hannchen Ottensoser (1858), Lazarus Ottensoser (1855), Lazarus Ottensoser (1930), Nathanael (Nathaniel) Ottensoser (1888), Recha Ottensoser geb. Mayer (1899), Suse Ottensoser (1930), Julius Arnold Prager (1875), Adolf Reich (1889), Max Reich (1931), Rosi Reich (1925), Selma Reich geb. Goldbach (1898), Gisela Rosenthal geb. Gottlieb (1892), Hannchen Rosenthal (geb. ?), Malwine Rosenthal geb. Rose (1885), Oscar Rosenthal (1883), Theodor Rosenthal (1884), David Rothschild (1876), Jenni Rothschild geb. Ottensoser (1880), Jacob Schloss (1880), Selma Sitzmann geb. Sachs (1895), Fanny Stein geb. Samfeld (1878), Ida Stein geb. Punfud (1878), Moses Stein (1861), Seline Stein geb. Blum (1884), Siegfried Stein (1906), Siegfried Stein (1922), Julie Stern geb. Mantel (1857), Rosa Stern geb. Rosenthal (1877), Rosa Stern geb. Sichel (1878), Else (Elisabeth) Strauß (1914), Henriette Symchowicz (1919), Julie Wainberg geb. Heinemann (1878).
     
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      
        
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Ausschreibung der Lehrerstelle (1892)

Mellrichstadt Israelit 04021892.jpg (41682 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1892: "Offene Lehrerstelle. 
Die Stelle eines israelitischen Religionslehrers der hiesigen Gemeinde ist alsbald zu besetzen. Tüchtige, seminaristisch gebildete Bewerber, welche den Vorbeter- und Schächterdienst mit versehen können, wollen sich baldgefälligst melden. Fester Gehalt 850 Mark, Nebenverdienst als Kantor ca. 200 Mark, Schächtergebühren ca. 300 Mark, freier Wohnung und Heizung. Außerdem ist Gelegenheit zu Nebenverdiensten gegeben. 
Mit Zeugnissen und Angabe des Familienstandes belegte Gesuche sind bis zum 15. Februar dieses Jahres bei der unterzeichneten Stelle einzureichen. 
Mellrichstadt, 1. Februar 1891. Der Kultus-Vorstand  Emil Stern."

    
Zum Tod des Lehrers Viktor Gottlieb (1924)  

Mellrichstadt Israelit 25121924.jpg (193596 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1924: "Bad Kissingen, 18. Dezember (1924). Nach kurzem Krankenlager verstarb im 62. Lebensjahr Lehrer Viktor Gottlieb in Mellrichstadt. Sein Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust; nicht nur für seine engere und weitere Familie, sondern auch für das gesamte Judentum, und wie die zahlreichen Nachrufe bei seiner Beerdigung, sowie die überaus große Beteiligung an derselben bewiesen haben, auch einen Verlust für seine Stadt, 25 Jahre, ein halbes Menschenalter wirkte Gottlieb als Lehrer, Vorbeter und Schochet in Mellrichstadt, und darum ließ es sich die dortige Kultusgemeinde nicht nehmen, dem treuen Führer ein würdiges, imposantes Leichenbegängnis zu feiern. 
Die Synagoge, in deren Vorraum die Leiche aufgestellt wurde, und der Toraschrein waren weit geöffnet und standen im Schmucke der ehrfurchtgebietenden Tage, als wollten auch sie dem Diener Gottes die letzte Ehre bezeugen. Eine unübersehbare Menschenmenge, darunter die Schulen mit den Lehrkörpern, sowie die Beamten, Krieger- und Sängervereine - letztere mit Fahnen - Mellrichstadts sammelten sich lange vor der festgesetzten Stunde, damit bezeugend, dass sie alle einen guten Freund betrauern. 
Mit tief empfundenen Worten zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger, Bad Kissingen, das herrliche Lebensbild seines jederzeit pflichtbewussten Beamten, der nicht nur lehrte, sondern auch lernte und bestrebt war, sch immer mehr und mehr zu vervollkommnen und als Familienvater, wie auch als Jehudi und Mensch sich die Hochachtung aller, die ihn kannten, zu erwerben verstand. 
Herr Hauptlehrer Blumenthal - Unsleben sprach als Nachbarkollege und im Auftrage des Israelitischen Lehrervereins dem allgemein beliebten Kollegen ehrende Worte; sodann dankte Herr Guido Prager als Vorstand und im eigenen Namen für die hingebungsvolle unermüdliche Arbeit im Dienste der Gemeinde. Sängerverein und Lehrerschaft Mellrichstadt brachten mit markanten Worten zum Ausdruck, welch großer Beliebtheit sich der Verstorbene erfreut erfreute und bewiesen, dass auch die politischen Strömungen der heutigen Tage anerkennen müssen: Ehre, dem Ehre gebührt. 
Neustädter- Bad Kissingen sprach im Namen der Lernkonferenz Bad Kissingen, deren eifriges und förderndes Mitglied Lehrer Gottlieb gewesen. Zum Schlusse dankte Lehrer Neuberger, Maßbach, im Namen aller ehemaligen Schüler und gelobten dem toten Lehrer ein dauerndes Andenken. Manche der übrigen anwesenden Kollegen und Freunde mussten sich der vorgerückten Abendstunde wegen eines Nachrufes enthalten. Möge uns sein Verdienst beistehen und Gott den Hinterbliebenen Trost senden."

   
  
Das Israelitische Handelsinstitut in Mellrichstadt
Die Verlegung des Handelsinstitutes von Büdingen nach Mellrichstadt (1877)

Mellrichstadt Israelit 31011877.JPG (47093 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1877: "Aus Oberhessen wird uns berichtet, dass in dieser Provinz weder kleinere noch größere jüdische Anstalten bestehen. Mit Aufhebung des Ottensoser'schen Instituts zu Büdingen hat die letzte israelitische Schule zu existieren aufgehört. Herr Ottensoser ist mit seinem Institute nach Mellrichstadt (Bayern) übergesiedelt, wo er dasselbe ganz nach den Intentionen seines seligen Brüders unser Leher, der Herr Elieser Dow seligen Angedenkens, ein Lehrer der Gerechtigkeit (d.h. Beisitzer im Rabbinatsgericht) aus der Heiligen Gemeinde Höchberg". Außer den profanen Wissenschaften in Sprachen und Handelsdisziplinen wird daselbst Tora gelehrt und Unterricht außer in Pasuk etc. auch in Erziehung und Lebenskunde fleißig und täglich erteilt."

   
Anzeigen zur Werbung für das Handelsinstitut 1877/79

Mellrichstadt Israelit 01081877.jpg (67290 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1877: "Obrigkeitlich konzessioniertes israelitisches Handels-Lehr-Institut zu Mellrichstadt mit Pensionat
Zweck der Anstalt ist, deren Zöglinge auszubilden: 1) für den Kaufmannsstand oder 2) zum Eintritte in eine obere Klasse der Realschule, oder 3) in eine Lehrerbildungsanstalt, endlich 4) durch Einschiebung des Lateinunterrichts zum Eintritte in eine obere Lateinschule. Neben den Sprachwissenschaften, den Realien und sämtlichen Kaufmännischen Disziplinen werden die bisherigen beigehalten. Gute Lehrkräfte. Honorar mäßig. Alles Übrige besagt der Prospektus, welcher auf Verlangen gratis verabfolgt wird. 
Mellrichstadt, im Juli 1877. Ottensoser, Direktor". 
 
Mellrichstadt Israelit 19091877.jpg (24694 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1877: 
"Israelitisches Handels-Lehr-Institut zu Mellrichstadt mit Pensionat. 
Bezugnehmend auf bisherige Annonce in diesem geschätzten Blatte zeige ich ergebenst an, dass nächstfolgendes Wintersemester Montag, den 8. Oktober beginnt. Ottensoser, Direktor". 
  
Mellrichstadt Israelit 17091879.jpg (43233 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1879: 
"Handels-Lehr-Institut Mellrichstadt mit Pensionat.
Beginn des Wintersemesters: Montag, 13. Oktober dieses Jahr. Tendenz: Ausbildung für den Kaufmannsstand, sowie zum Eintritt in Latein- und Realschulen, Schulseminarien, laut Prospektus, welcher auf Verlangen gratis verabreicht wird. 
Die Direktion: Naphtali Ottensosser."  

  
Danksagung und Empfehlung des Isak Jakobi aus Salmünster (1877)  

Salmuenster Israelit 24011877.jpg (69360 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1877: "Danksagung und Empfehlung. 
Ich finde mich aus Dankgefühl verpflichtet, das Handels-Lehr-Institut des Herrn Direktor Ottensoser zu Mellrichstadt allen jüdischen Eltern aufs Beste zu empfehlen. Mein Sohn, ein Zögling des genannten Instituts, wurde vorigen Sabbat Bar Mizwa, und hat durch seine religiösen Vorträge in Chinuch Lenaarim und Chaje Adam bewiesen, wie emsig dort neben den profanen Disziplinen auch das Jüdische betrieben wird. 
Salmünster
(Hessen), 16. Januar 1877. Isak Jakobi."  

  
      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Der Antisemitismus macht sich bemerkbar (1879)      

Mellrichstadt AZJ 12081879.jpg (22138 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. August 1879: "Aus Mellrichstadt berichtet das ultramontane 'Fränkische Volksblatt' vom 26. Juli: 'Gestern früh waren am hiesigen Rathause zwei große Plakate angeheftet mit der Inschrift: 'Tod den Juden und Halsabschneidern!' Dieselben wurden erst gegen Mittag beseitigt."  

   
Kriegsveteranenfeier (1899)   

Mellrichstadt Israelit 19011899.JPG (218416 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1899: "Mellrichstadt (Unterfranken). Am Sonntag, den 8. dieses Monats, wurden hier die Kaiser-Wilhelm-Erinnerungsmedaillen an die Kreisveteranen des ganzen Bezirksamtes durch den Königlichen Bezirksamtmann, Herrn Gößmann, zur Verteilung gebracht. Eine stattliche Anzahl wackerer Männer war es, die der Ehrung teilhaftig wurden, auch unsere Glaubensgenossen waren in achtunggebietender Zahl unter den Dekorierten, einzelne sogar die Auszeichnungen für zwei Feldzüge auf treuer Männerbrust. Die Stadt hatte Festschmuck angelegt. In einem Lokale hatten sich die ehemaligen Kämpfer versammelt, ohne Unterschied des Glaubens und der Lebensstellung, als Brüder sich fühlend durch die umschließenden Banden eines geliebten Regenten, eines teueren Vaterlandes, gemeinsam bestandener Gefahren und Kämpfe. Gottesdienste in den Gotteshäusern der drei Konfessionen eröffnete die Feierlichkeiten und hierbei, sowie im ganzen Verlauf des Festes, zeigte sich der schönste Geist religiöser Toleranz, bürgerlicher Einigkeit und Friedensliebe, die unserem Bayernlande und besonders unserer rauen Rhön als schönste Zierde eigen sind, und die von unserem erhabenen Herrscherhause wie von den Beamten des Staates gehegt, gepflegt und als Prinzip hochgehalten werden. Um 9 Uhr Vormittags begannen in der Synagoge, wie in der katholischen und protestantischen Kirche die Gottesdienste. Die Veteranen jeder Konfession wurden mit Musik zu ihren Gotteshäusern geleitet und jedem Gottesdienste wohnten offizielle Vertreter der Behörden bei, dem katholischen der Königliche Bezirksamtmann selbst, dem jüdischen in der Synagoge der Königliche Bezirksamtmann-Assessor, Herr Schreyer und dem protestantischen die Reserve-Offiziere des Amtsbezirkes, Beamte und Offiziere sämtlich in großer Uniform. Den Gottesdienst in der Synagoge, bestehend aus Solo-, Chorgesang und Rezitation von Psalmen, Predigt, Ausheben der heiligen Tora und Einheben zum Königsgebet und Jigdal zelebrierte Herr Lehrer Gottlieb, Kantor und Prediger zu Mellrichstadt und fand die geschmackvolle Dekoration der Synagoge, sowie die feierliche Art eine orthodoxen, jüdischen Gottesdienstes und nicht zum wenigsten die hervorragende Leistungsfähigkeit des Herrn Gottlieb allseitige Anerkennung, speziell des Vertreters der hohen Behörde. Besonders die ergreifende Rezitation der Psalmen machte tiefen Eindruck. Unter Zugrundlegung des Haftorahwortes: 'Nicht Neumond heute, nicht Schabbos, und sie sprach Friede', ging der Redner auf die Bedeutung des Gottesdienstes zu ungewohnter Stunde und der ganzen Feier näher ein, deren Bedeutung speziell für den Israeliten, der als treuer Sohn seines Glaubens gar nichts anderes sein kann, als ein treuer Sohn seines Vaterlandes, als ein treuer Untertan seines Fürsten. Zündende Worte waren es, die ihren Eindruck und ihre Wirkung nicht verfehlten. Nach den Gottesdiensten wurden die Medaillen verteilt. Manch schönes, von wahrer Kameradschaft und Einigkeit zeugende Wort wurde noch gesprochen, die Festesfeier wird unverlöschliche Erinnerungen hinerlassen. Möge der Geist der Toleranz und Liebe wie er hier sich zeugte, auch allerorten wachsen und gedeihen."

  
Die jüdische Gemeinde Mellrichstadt wächst - unter anderem durch Zuzug jüdischer Familien aus dem benachbarten Mühlfeld (1913)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1913: "Die jüdische Gemeinde Mühlfeld in Bayern besteht nur noch aus einer Familie. Das Gotteshaus wurde seiner Bestimmung entzogen und wird dem Verkauf unterstellt. Dagegen ist die benachbarte Gemeinde Mellrichstadt auf 300 Seelen angewachsen."     

 
       
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Robert Neuberger erhält das Eiserne Kreuz und wird zum Leutnant vorgeschlagen (1918) 

Mellrichstadt AZJ 24051918.jpg (33604 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1918: "Vizefeldwebel Robert Neuberger, Sohn des Herrn Moses Neuberger in Mellrichstadt, erhielt für Erbeutung zweier schwerer Geschütze das Eiserne Kreuz erster Klasse und wurde zum Leutnant vorgeschlagen."    

    
Zum Tod von Rieke Wahlhaus (1920)   

Mellrichstadt Israelit 07101920.jpg (57562 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1920: "Mellrichstadt, 10. September. Eine treu bewährte, echt jüdische Frau, Frau Rieke Wahlhause, ist im Alter von 82 Jahren zu Grabe getragen worden. Ihr ganzes arbeitsreiches Leben setzte sich aus Taten der Gottesverehrung und Verwirkung von Menschenliebe und Menschenpflichten zusammen. Wirken und Schaffen in Gott und zum Wohle der Menschen war Losungswort, Weggedanke und Strebensziel dieser frommen Frau. Wo Not rief, wo Gefahren drohten, war sie als erste zur Stelle, um ohne Unterlass Gottes Gebote zu erfüllen und uneigennützig Menschenliebe zu betätigen. Begeisterung für Gott und seine Lehre, für Tora und die Gebote durchglühte das Wirken dieser Gerechten. Herr Lehrer Gottlieb entwarf ein Bild der Verstorbenen und schilderte den Verlust für Familie und Gemeinde. Im Namen der Familie nahm Herr Arthur Rathhaus, Nürnberg, ergreifend Abschied von seiner Großmutter."   

  
Zum Tod von Friedrich Mantel (1927)   

Mellrichstadt CV 23091927.jpg (18935 Byte)Meldung in der Zeitschrift des Central-Vereins ("CV-Zeitung"): "Am 30. August starb der Führer unserer Ortsgruppe Mellrichstadt in Bayern, Friedrich Mantel. Wir betrauern in ihm einen verständnisvollen Mitarbeiter."   

  
Zum Tod von Sophie Schloß geb. Wechsler (1929) 

Mellrichstadt Israelit 20061929.jpg (155509 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1929: "Mellrichstadt, 26. Mai (1929). Vergangenen Mittwoch, den 22. dieses Monats hat man die Gattin unseres Gemeindebeamten, Frau Sophie Schloß geb. Wechsler, zu Grabe getragen. Nach einem langen Leiden, mit bewundernswerter Geduld ertragen, ist sie im 51. Lebensjahr aus dem leben geschieden, betrauert von ihrem Gatten und ihrer Tochter, aber auch von der Gemeinde, überhaupt von allen, die sie kannten. Das zahlreiche Trauergefolge, unter dem sich auch unser Distriktsrabbiner Herr Dr. Bamberger, viele Freunde von Nah und Fern, alle Teile der hiesigen Bevölkerung, befanden, gaben ein beredtes Zeugnis von der allgemeinen Beliebtheit und Ehrerbietung, deren sich die Verblichene erfreute. Ging doch mit ihre eine selten brave, eine kaum wiederzufindende fromme, echt jüdische Frau aus dieser Welt, eine Frau, die nur Liebe kannte, nicht nur zu ihren Lieben, sondern zu allen Menschen, eine Frau, die nur ihrer Familie und unserer heiligen Religion lebte. Erfüllt von strengster Gottesfurcht, von seltenem vielseitigen Wissen in unserer Religion, war sie bemüht, nur gute Werke zu tun, in jedem Menschen nur gute Seiten zu finden. Den Armen zu helfen, war ihr höchstes Ziel. Von ihrer seltenen Bescheidenheit gab ihr letzter Wille Zeugnis, dass an ihrer Bahre keinerlei Rede gehalten werden soll. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

      
Goldene Hochzeit von Benedikt Guttmann und Regine geb. Goldschmidt (1930)   

Mellrichstadt BayrGZ 01031930.jpg (53763 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. März 1930: "Mellrichstadt. - Israelitische Kultusgemeinde. Montag, den 17. Februar, feierten in körperlicher und geistiger Frische Herr Benedikt Guttmann und seine Frau Regine geb. Goldschmidt, ihre goldene Hochzeit. In der festlich geschmückten und festliche beleuchteten Synagoge hielt in herzlichen und schön durchdachten Worten Herr Bezirksrabbiner Dr. Bamberger die Festrede. Unter den zahlreich eingelaufenen Glückwunschtelegrammen und Glückwunschadressen befanden sich auch die Glückwünsche der Herrn Reichspräsidenten Hindenburg, der Herrn Ministerpräsidenten Dr. Held, der Regierung von Unterfranken, sowie vom Präsidium des Bayerischen Gemeindeverbandes."   

    
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Lehrlingssuche der Kurzwarenhandlung von Michael Blum (1892)   

Mellrichstadt Israelit 18021892.jpg (25457 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1892: "Für meine Kurzwarenhandlung en gros & en detail suche ich einen körperlich, geistig gut entwickelten, 13-15jährigen jungen Menschen anständiger Eltern als Lehrling. Kost und Logis im Hause. Samstags geschlossen. Michael Blum, Mellrichstadt in Bayern".   

   
Anzeige der Bäckerei J. Lonnerstädter (1904)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1904: "Für Pesach empfehle: Makonen, Bisquit, Zimtsterne, Torten etc. unter bester Ausführung zu billigen Preisen. 
Gefällige Bestellungen werden sowohl hier, als auch bei Seligmann Lonnerstädter Witwe, Haßfurt, gerne entgegengenommen. 
J. Lonnerstädter, Mellrichstadt.  
Daselbst kann ein kräftiger Junge Brot und Feinbäckerei unter günstigen Bedingungen gründlich erlernen."    

  
Doppel - Verlobungsanzeige Adler / Oppenheimer (1924) 

Mellrichstadt Israelit 06111924.jpg (49411 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November (1924): "Als Verlobte empfehlen sich   
Rosl Adler - Moritz Oppenheimer 
-  Mellrichstadt - Mannheim F 3,13a   - 
Martha Oppenheimer - Lois Adler  -  Mannheim F 3,13a  - Mellrichstadt."

       
Verlobungsanzeige von Lea Weissmann und Max Lonnerstädter (1929)

Melrichstadt Israelit 11041929.jpg (34301 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1929: "Statt Karten 
Lea Weissmann - Max Lonnerstädter
. Verlobte. 
Köln am Rhein, Dasselstraße 81 - New York - Mellrichstadt/Unterfranken".

  
Verlobungsanzeige von Recha Mayer und Nathaniel Ottensoser (1929)  

Rimbach Israelit 10011929.jpg (30383 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1929: "Statt Karten: 
Recha Mayer - Nathaniel Ottensoser
. Verlobte. 
Rimbach/Odenwald
/ Frankfurt am Main - Wiesenau 51 f. - Januar 1929 - Tewet 5689 - Mellrichstadt in Bayern."  

     
   
Sonstige Dokumente 
(alle aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  
   
Bestellungen von (jüdischen) Personen / Gewerbebetrieben aus Mellrichstadt an die (gleichfalls jüdische) Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt   

    Mellrichstadt Dok 371a.jpg (61227 Byte)  
Mellrichstadt Dok 370.jpg (107995 Byte) Mellrichstadt Dok 370a.jpg (132383 Byte) Mellrichstadt Dok 371.jpg (102328 Byte) Mellrichstadt Dok 371b.jpg (114028 Byte)
Bestellung von Gustav Rosenthal vom 12. August 1880 Bestellung der Gebrüder Rosenthal vom 20. April 1888
       
Mellrichstadt Dok 372.jpg (105887 Byte) Mellrichstadt Dok 372a.jpg (112834 Byte) Mellrichstadt Dok 373.jpg (95582 Byte) Mellrichstadt Dok 373a.jpg (133929 Byte)
Bestellung von Abraham Neuberger vom 6. Juli 1894 Bestellung von H. Neumark vom 17. Oktober 1882

    
Historische Ansichtskarte mit dem Prinzregent Luitpold Jubiläums-Brunnen und jüdischem Geschäft    

Ansicht des Marktplatzes in Mellrichstadt
mit der Metzgerei L. Katz (1911)
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     Die Ansichtskarte erschien 1911, als Prinzregent Luitpold seinen 90. Geburtstag feierte. Aus diesem Anlass wurde in Mellrichstadt auf dem Marktplatz ein "Prinzregent Luitpold Jubiläums-Brunnen" eingeweiht. Dahinter ist auf der Karte die Metzgerei von L. Katz zu sehen. Auf der Rückseite der Karte (ohne Bezug zur jüdischen Geschichte) findet sich die Sondermarkte zum Jubiläum des Prinzregenten Luitpold. 
   

Zur Geschichte des "Prinzregent Luitpold Jubiläums-Brunnen" - Stiftung des jüdischen Bankiers Nathan Stern   
Aus einem Artikel von Georg Stock in der "Main-Post" vom 1. März 2011 (Artikel): "Aufbau-Zerstörung-Wiederaufbau-Standortwechsel: Der Mellrichstädter Marktplatz-Brunnen hat einiges erlebt. Seine Existenz verdankt der Prinzregent Luitpold Brunnen dem jüdischen Bankier Nathan Stern. Der hatte in Mellrichstadt ein Bankhaus und alten Büchern zufolge eine großzügig geöffnete Hand für die Belange seiner Mitbürger. Stern stiftete 1911 den größten Teil des Geldes für die Errichtung eines Brunnens. Anlass war der 90. Geburtstag von Prinzregent Luitpold. Der Brunnen bestand aus einer Rundsäule mit zwei seitlichen Brunnenbecken, auf der ein bayerischer Löwe das kleine bayerische Staatswappen in den Pranken hält. Für seine Großzügigkeit als Spender wurde Nathan Stern bei der Segnung des Brunnens am 7. März 1912 mit der Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt belohnt. Nathan Stern verließ Mellrichstadt in der Zeit der Inflation um 1923. So musste er nicht miterleben, wie 'sein' Brunnen 1938/39 von den Nationalsozialisten zerstört wurde."  

Mellrichstadt PA 01032011a.jpg (40091 Byte)Aktueller Anlass des obigen Artikels war der Umzug des bayerischen Löwen vom Marktplatz zum Platz vor der Verwaltungsgemeinschaft Mellrichstadt, dazu zwei der einleitende Abschnitt aus dem Artikel von Georg Stock 
(mit Foto: Quelle: Main-Post): 

"Der Löwe wechselt sein Revier 
Dem steinernen Löwen geht es nicht anders wie manchem seiner Artgenossen in freier Wildbahn: Er wechselt sein Revier. Es hat sich ausgethront für den steinernen König der Tiere, der fast 20 Jahre mitten auf dem Marktplatz, majestätisch auf dem Prinzregent-Luitpold-Brunnen, thronte. Dorthin war er erst Mitte Mai 1992 zurückgekehrt, doch nun muss das bayerische Wappentier 'umziehen'. Im Zuge des Stadtumbaus wird der steinerne Löwe sein neues Revier am Platz vor der Verwaltungsgemeinschaft Mellrichstadt finden..."

  

  
Firmenofferte von Simon Sacki 
in Mellrichstadt (1914)
  
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   Das Schreiben von Simon Sacki (Mellrichstadt) ist datiert auf den 28. März 1914 und an 
Herrn E. Eichmeyer in Duderstadt adressiert. Die Ware der Offerte waren nordamerikanische
 Maultiere (vgl. das seitlich angebrachte Bild eines Herrn mit einem Maultier staatlicher Größe
 sowie die dazu abgedruckte französische Auszeichnung eines 1. Preises vom 
französischen Ministerium für Agriculture)  
   
Brief an Theo Weinberg 
in Mellrichstadt (1914)  
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   Der Brief wurde an Theo Weinberg in Mellrichstadt am 30. März 1914 geschickt; 
vermutlich ist er identisch mit dem oben für 1924 genannten Synagogenvorstand T. Weinberg. 
     
Briefumschlag von 
Siegfried Blum in Mellrichstadt (1919)
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   Der Brief von Simon Blum aus Mellrichstadt wurde am 16. Dezember 1919 
an W. Frankfelder in Westheim bei Hassfurt geschickt
     

  
      
      

Zur Geschichte der Synagoge    
       
Eine ältere Synagoge unbekannten Einweihungsjahres vor schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorhanden. Angesichts der Einweihung der neuen Synagoge im benachbarten Mühlfeld im August 1877 durch den Direktor des Israelitischen Lehr- und Handelsinstitutes in Mellrichstadt, Naphtali Ottensoser, berichtet dieser, dass auch in Mellrichstadt demnächst der Neubau einer Synagoge beabsichtigt sei, "da die bisherige viel zu klein ist".    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1877: "Mellrichstadt, 26. August (1877). Vorigen Freitag Abend vollzog ich in Auftrag des Herrn Distrikts-Rabbiners zu Gersfeld die Einweihung einer neuen Synagoge zu Mühlfeld, hiesigen Bezirks. Diese Kultusgemeinde, auch wenn sie nur klein ist, denn sie zählt nur 9 Mitglieder, gibt das Muster ab für größere Gemeinden, was frommer Sinn und Gottbegeisterung vermag, denn sie bestritt die Baukosten fast ganz aus eigenen Mitteln. Meine Weiherede, ausgehend von dem Verse Und sie machten mir ein Heiligtum erstreckte sich unter Anderem auf den leitenden Gedanken, dass dieser dem Gottesdienst gewidmete Gebäude erst dann seinen Zweck erfülle, wenn damit Wohltätigkeit und Tora verbunden, wenn diese drei Säulen in gleichem Maße gehegt und gepflegt werden, damit sie, wie jetzt erhalten, auch fort und fort in der Gemeinde erhalten bleiben, unverändert und unverfälscht bis auf die spätesten Geschlechter, keine Neuerungen im Gottesdienste, kein Abweichen von der heiligen Thora, unablässig in der Wohltätigkeit, dann können wir auf diesen Festtag anwenden usw. dies ist der Tag, den Er gemacht hat usf.  
Was nun die Festlichkeit selbst anlangt, wurde sie wie üblich begangen, und beteiligten sich hierbei der Vorstand des königlichen Bezirksamts dahier als Vertreter der königlichen Regierung, und sonstige Notabeln, auch christliche Geistliche. 
Auch die hiesige israelitische Gemeinde (sc. Mellrichstadt) beabsichtigt demnächst den Neubau einer Synagoge, welcher nicht mehr lange auf sich warten lassen kann, da die bisherige viel zu klein ist. 
Es wird Sie angenehm berührten, wenn ich sage, dass im Rabbinatssprengel Gersfeld Neuerungen in keiner Beziehung sich eingestellt haben, dass Schechina und Mikwe insbesondere das Hauptaugenmerk unseres verehrten Herrn Distrikts-Rabbiners Wormser zu Gersfeld bilden und dass soweit seine Amtsgewalt reicht, der an unserer Grenze drohende Abfall keinen Einlass findet.  Ottensoser, Direktor."  

Die neue Synagoge wurde 1881 erbaut. Ein Bericht zu ihrer Einweihung wurde in jüdischen Periodika noch nicht gefunden. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde Oberstreu kam der Toraschrein dieser Gemeinde nach Mellrichstadt. Auch aus Mühlfeld kamen nach Auflösung der dortigen Gemeinde das Memorbuch und die Familienregister der Gemeinde in die Synagoge nach Mellrichstadt.    
    
Am Abend des 30. September 1938 (s.o.) wurde die Synagoge verwüstet. Etwa 400 Menschen hatten sich vor dem Gebäude versammelt. Das Tor wurde aufgebrochen und etwa 40 bis 50 Leute drangen ein. Sie zerschlugen die gesamte Inneneinrichtung und die Ritualien. Ein Haufen wurde angezündet Zwei Torarollen wurden gestohlen. Beim Novemberpogrom 1938 war in der Synagoge nichts  Nur die Grundmauern blieben einige Zeit erhalten, auf denen später teilweise die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank erbaut wurde. Durch die Neubebauung des Grundstückes vor einigen Jahren sind auch die Grundmauern nicht mehr erhalten. Eine Gedenktafel ist vorhanden. Am 19. Mai 2004 wurde auf Initiative von Al Gruen (Chicago) ein Mahnmal zur Erinnerung an die jüdischen Einwohner der Stadt und ihr Schicksal aufgestellt. 
      

Adresse/Standort der Synagoge: Hauptstraße 50 

Fotos

Die Synagoge um 1930 Mellrichstadt Synagoge 121.jpg (58262 Byte) Mellrichstadt Synagoge 120.jpg (77802 Byte)
  Historische Ansichtskarte von Mellrichstadt - rechts Ausschnittsvergrößerung
    
Synagogengrundstück und Gedenktafel  2005
Fotos Hahn, Aufnahmedatum 15.8.2005) 
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Standort der Synagoge 
an der Hauptstraße
Die Gedenktafel 
für die ehemalige Synagoge
     
        
Andernorts entdeckt: Grabstein 
für Moses Goldschmidt im 
jüdischen Friedhof in Heidingsfeld
Heidingsfeld Friedhof 195.jpg (74384 Byte)   
   Grabstein für Moses Goldschmidt von Mellrichstadt (geb. 7.2.1838, gest. im Julius-Hospital zu Würzburg den 29.12.1875)    

      
           

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Juni 2010: Der Gemeinderat stimmt der Verlegung von "Stolpersteinen" zu 
Artikel in der "Main-Post" vom 11. Juni 2010 (Artikel): 
"MELLRICHSTADT - Stolpersteine in Mellrichstadt  - Stadtrat stimmt privat finanziertem Vorhaben zu. 
(sto) Im Bewusstsein seiner moralisch-ethischen Verantwortung gegenüber den ermordeten Opfern des Dritten Reiches hat der Stadtrat dem Antrag von Alfred Grün (Al Green), vor dem ehemaligen Wohnhaus seiner Großeltern sogenannte Stolpersteine legen zu dürfen, 'grundsätzlich und vorbehaltlos stattgegeben'. Unter diesem Kontext hat Bürgermeister Eberhard Streit das Ergebnis aus der nichtöffentlichen Sitzung – 'um offen und unvoreingenommen ein sensibles Thema diskutieren zu können', so die Begründung – in einer Pressemitteilung zusammengefasst. Der aus Mellrichstadt stammende Amerikaner Al Green hatte im Mai 2004 bereits das Mahnmal zur Erinnerung an die jüdische Bevölkerung Mellrichstadts in der Grünanlage an der Straße 'Am See' gestiftet.
Der Stadtrat hat weiter festgelegt, dass alle späteren gleichlautenden Anträge in gleicher Weise behandelt werden. Laut einer der Stadt vorliegenden Liste sind 37 ehemalige jüdische Mitbürger bekannt, deren selbst gewählter Wohnsitz vor der Deportation Mellrichstadt war. Es haben aber wegen Repressalien des NS-Regimes etliche jüdische Bürger Mellrichstadt verlassen und wurden später von den neuen Wohnorten aus deportiert. Jene Bürger sind auf dieser Liste nicht erfasst.
Die Stadt ist sich ihrer moralischen Verpflichtung zur Vergangenheitsbewältigung bewusst, so macht der Bürgermeister deutlich, was sich in vielfacher Form zeigt: • bei der Pflege des jüdischen Friedhofs und des Denkmals an der Straße am See; • am Hinweis auf die Synagoge in Mellrichstadt durch ein Erinnerungsschild am ehemaligen Standort des Gebäudes; • an den Schulen wird die Jugend zum Thema 'Jüdische Mitbürger in Mellrichstadt' durch relevante Arbeitsthemen aufgefordert, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und wird so aktiv einbezogen.
All diese Zeichen einer aktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Stadt dienen der Erinnerung, der Ehrung und der Mahnung, schließt Streit die Pressemitteilung ab.
'Stolpersteine' ist ein Kunstprojekt für Europa von Günter Demnig. Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. Auf den Steinen steht 'Hier wohnte . . .' geschrieben. 'Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist', sagt Günter Demnig.
Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen." 
  
  

 

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Mellrichstadt  
Informationen zum jüdischen Friedhof Mellrichstadt (interner Link)
Artikel in "Chicago Jewish Community Online" zum Denkmal 2004  
Die Namen der jüdischen Gefallenen in Mellrichstadt auf einer Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte  

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 534; III,2 S. 857-858.

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 362-364.  

Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 522-524.  

Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 202.         
   

Sonstiges:

Pressemitteilung vom Mai 2004 (Chicago): After more than 16 years of trying Chicagoan and Holocaust survivor Al Gruen has succeeded in building a monument to Jewish Holocaust victims in his hometown of Mellrichstadt, Germany. The 6-foot-tall sandstone sculpture, designed by German artist Peter-Lorenz Emmert, rises from a base shaped like the Star of David and its inscription in German reads: "What once happened is impossible to change, but for that which is to come, be vigilant and handle with care. Cast aside--Banished--Murdered." All of Mellrichstadt's Jews fled or were killed during the Holocaust. 

Pressemitteilung Ende Februar 2005: Mellrichstadt (Bayern): Jüdisches Denkmal beschädigt
Unbekannte haben in Mellrichstadt im bayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld in Unterfranken ein jüdisches Denkmal beschädigt. Die Täter hätten vermutlich in der Nacht auf den 26.02. die Gedenksäule in einer Grünanlage umgeworfen und einen Schaden von rund 2500 Euro verursacht, berichtete die Landespolizei am Sonntag. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Das Denkmal war 2003 von einem US-Amerikaner deutscher Abstammung gestiftet worden.  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Mellrichstadt  Lower Franconia. Jews are known from the late 13th century. Four were burned in 1283 and others fell victim to the Rindfleisch massacres of 1298. Jews lived under letters of protection in the subsequent centuries. A cemetery was consecrated in 1869 and a synagogue in 1881, with the population growing to 165 in 1910 (total 2,176) and Jews owning most of the business establishments in the town. In 1922, 126 remained. The Jewish school remained open until 1938. On 30 September 1938, in wild anti-Jewish riots provoked by German refugees from the Sudetenland, the synagogue as well as Jewish homes and stores were wrecked and Jews were forced to sell their houses. In 1933-1942, 82 left, of whom 36 emigrated, 24 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April and nine to the Theresienstadt ghetto on 23 September.
  

                   
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Stand: 21. September 2011