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Wonfurt (Kreis
Haßberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Wonfurt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1920. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Im Bereich des
"Judenhofes" wurden zwischen 1550 und 1600 von der
Ortsherrschaft der Freiherren von Fuchs Reihenwohnhäuser mit vier Eingängen
für insgesamt 12 jüdische Familien erstellt.
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Familien zu. 1817
wurden 24 Familien in die Matrikelliste aufgenommen, die allesamt Schutzbriefe des
Freiherren von Seckendorf innehatten. Die Familien legten sich damals neue
Familiennahmen zu: Adler, Fischer, Frank, Friedmann, Grapf, Grünewald, Haas,
Handelsmann, Haßlacher, Herrmann, Kaufmann, Klein, Krapf, Mahler, Neuburger,
Rau, Rauh, Reich, Rosenbaum, Rosenfelder, Rosenthal, Schloß, Schüller, Straus.
Die Haushaltsvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Viehhändler,
Schlächter, Schmuser, Schnitthändler, Kleiderhändler, sonstiger Waren- und
Kleinhandel.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1813 90 jüdiscche Einwohner, 1825 104, 1867 104, 1875
109, 1890 89 (in 26 Haushalten), 1900 62, 1905 43, 1910 9.
Im Bereich des Judenhofes
lagen auch die Einrichtungen der Gemeinde wie Synagoge, Schule, koschere
Metzgerei und rituelles Bad. Die Toten er Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Kleinsteinach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde
war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet
tätig war. Um 1856/62 war als Lehrer Moses Schloss tätig, über den
einige Beschwerden wegen Vernachlässigung des Religionsunterrichtes in den
Quellen vorliegen. In den Jahren vor 1895 war Lippmann Stein als Lehrer
tätig (s.u.). Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsdistrikt Niederwerrn
/ Schweinfurt.
Auf Grund des starken Rückgangs der jüdischen Einwohner seit Ende des 19.
Jahrhunderts wurde die Gemeinde 1920 aufgelöst.
Von den in Wonfurt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jeanette Dillenberger geb. Schloss (1853), Hermann Frank
(1893), Moritz Frank (1895), Rina Gottlieb (1886(, Heinrich Grausmann (1870),
Lina Hamburger geb. Reich (1865), Ida Heimann geb. Frank (1890), Laura Heinemann
geb. Neuburger (1875), Jenny Jean geb. Reich (1883), Olga Jean geb. Reich
(1880), Klara Krapf (1869), Albert
Nussbaum (1890), Doreth Nussbaum geb. Klein (1860), Ludwig (Louis) Nussbaum (1887), Rosa
Rosenthal geb. Reich (1874), Julius Schloss (1884), Emma Stein geb. Reich
(1870), Arthur Strauß (1886),
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrer- und Vorbeterstelle 1882 / 1892 / 1899 / 1901
Aus den Ausschreibungstexten gehen auch die damaligen
Vorsteher der Gemeinde - S. Reich (1882) und Michael Mahler (1892 / 1901) - hervor.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1882:
"In hiesiger Gemeinde wird am 1. Januar (1883) die Religionslehrer-,
Kantor- und Schochetstelle vakant und soll baldigst wieder besetzt werden.
Das jährliche Einkommen beträgt 1.400 Mark. Seminaristisch gebildete
Bewerber wollen ihre Zeugnisse an den Unterzeichneten einsenden.
Wonfurt bei Haßfurt, 10. Dezember 1882. S. Reich, Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1892:
"Ausschreiben. Nachdem die hiesige Lehrer-, Kantor- und
Schechita-Stelle vakant geworden, soll solche womöglich bis 1. Juni
laufenden Jahres wieder besetzt werden.
Fixer Gehalt 600 Mark, Entschädigung für Holz 120 Mark,
Schechita-Erträgnis mindestens 250 Mark, Nebenakzidenzien 400 Mark.
Die betreffenden Reflektanten wollen ihre Zeugnisse sowohl vom
königlichen als auch vom israelitischen Seminar längstens bis 15. Mai
anher gelangen lassen. Wonfurt, 20. April 1892. Die Kultusverwaltung:
Schloß. M. Mahler." |
| Auf diese Ausschreibung hin wurde vermutlich
der unten genannte Lehrer Lippmann Stein als Lehrer, Kantor und
Schochet angestellt. da er 1895 nach Fürth wechselte. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1899:
"Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle
ist in Erledigung gekommen. Fixer Gehalt 500 Mark, nebst 50 Mark für
Holz; schöner Wohnung. Schächterfunktion und Nebenverdienste circa 400
Mark. Ledige Bewerber werden nur berücksichtiget. Reflektanten wollen
ihre Zeugnisse bis 10. November anher einsenden.
Wonfurt, den 16. Oktober 1899. Michael Mahler,
Kultusvorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901:
"Die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterfunktion ist
in Erledigung gekommen. Der fixe Gehalt inklusive Vergütung von Holz,
beträgt Mark 550 nebst freier Wohnung. Die Schächtfunktion und Nebenverdienste
ca. Mark 400. Ledige Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften
bis 20. Februar (1901) einsenden.
Wonfurt in Bayern, 14. Februar. Michael
Mahler, Kultusvorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1901:
"Die hiesige Religionslehrer-, verbunden mit Vorbeter- und
Schächterfunktion ist in Erledigung gekommen und soll demnächst
wieder besetzt werden. Der fixe Gehalt beträgt inklusive Vergütung für
Holz Mark 550. Die Schechita und Nebenverdienste ca. Mark 400, nebst
schöner freier Wohnung. Ledige Bewerber wollen ihre Gesuche nebst
Zeugnisse an den Unterfertigten einsenden.
Wonfurt bei Haßfurt, 15. Juli.
Michael Mahler, Kultusvorstand." |
Zum Lebenslauf des aus Wonfurt stammenden Lehrers Wolf Strauß (Lehrer in Kleinheubach)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1865:
"Nekrolog. Tauberbischofsheim, im November (1865). Am 26. Oktober
wurden die irdischen Reste des, auch in weiteren Kreisen bekannten,
Lehrers Strauß aus Kleinheubach bei Aschaffenburg zu Grabe bestattet.
Gestatten Sie mir, geehrtester Herr Redakteur, als ehemaliger Schüler des
nun Verstorbenen, in Ihrem geschätzten Blatte einige Mitteilungen über dessen
Lebensverhältnisse zu geben. Lehrer Strauß war im Jahre 1800 in Wonfurt
bei Bamberg geboren. In der frühesten Jugend schon wurde er von seinem
Vater zum Studium der Tora angehalten.
Noch als junger Knabe übergab ihn zu diesem Ende sein Vater der Jeschiwa
zu Burgpreppach, wo er seine Zeit nur dem Studium des Talmuds widmete.
Hier verweilte er einige Jahre. Um jedoch auch in den pädagogischen
Fächern einige Kenntnisse zu erlangen, verließ er die dortige Anstalt
und siedelte nach Würzburg über. Bei dem weitberühmten Rabbi Abraham
Bing seligen Angedenkens setzte er sein Torastudium fort, besuchte jedoch
zugleich das dortige christliche Schullehrer-Seminar. Seine gediegenen
Kenntnisse im Talmud erleichterten ihm das Studium der
Profanwissenschaften, sodass er sich bald im Seminar vor allen Andern
auszeichnete. Seine erste Stelle nach dem Austritte aus dem Seminar, an
der er auch bis an sein Ende verblieb, war Kleinheubach. Seine Kenntnisse,
aber vorzüglich sein religiöses Leben, erwarben ihm bald in der ganzen
Umgegend einen guten Ruf, sodass man ihm die Erziehung vieler Zöglinge
aus Bayern, Baden und Hessen anvertraute.
Wenn auch seine Stelle zu den besser dotierten zählte, so blieb er
dennoch von Nahrungssorgen nicht verschont. Eine schwere Krankheit, zu
deren Heilung er ein Bad in Hessen gebrauchen musste, verschlimmerte seine
materielle Lage, ein Umstand, der ihm seiner Familie wegen unsägliche
Kümmernisse bereitete. Wurde er aber auch von des Lebens Schicksalen noch
so sehr heimgesucht, so nahm er dennoch Alles ohne Murren an. Stets
tröstete er sich mit den Worten Hiobs: 'Der Name des Herrn sei
gepriesen'.
Kaum wieder genesen, traf ihn ein anderer Schlage; seine ihm teure Gattin
starb und hinterließ ihm 7 unmündige Kinder. Schwer lasteten auf ihm die
Nahrungssorgen, noch viel schwerer die Sorge, seine 6 Söhne einem
ordentlichen Berufe zu widmen; es gelang ihm jedoch mit Gottes Hilfe, 5
Söhne in angemessenen Ämtern fungieren zu sehen.
Später vermählte er sich zum zweiten Male, es wurden ihm aus dieser Ehe
noch 2 Kinder geboren. Wenn er auch während dieser Ehe seine pekuniären
Verhältnisse sehr erbesserte, so war doch seine Freude mit Leid gemischt.
Mehrere Male erkrankte seine Frau, wodurch seine Kräfte nicht wenig in
Anspruch genommen wurden. Kaum war aber durch ärztliche Mittel auch
diesem Übel abgeholfen, als er oft geprüfte Mann schwer erkrankte. Groß
waren seine Leiden und lange lag er auf dem Schmerzenslager, bis er am 26.
Oktober seinen Geist aushauchte. Allgemein bedauert und betrauert von
seiner Gemeinde, wie von Allen, die ihn kannten, insbesondere von seinen
Zöglingen, die einen so teuren Lehrer an ihm verloren haben. Er
hinterlässt eine Frau und vier noch unversorgte Kinder. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens. Rothschild." |
Zum Tod des Lehrers Lippmann Stein, Lehrer in Wonfurt vor 1895
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1928:
"Fürth. Schon wieder haben wir den Verlust eines Kollegen zu
beklagen. Unser Vereinsmitglied, Studienrat Lippmann Stein, ist am
Donnerstag, dem 1. Dezember 1927, im 57. Lebensjahre durch einen
Schlaganfall jäh aus dem Leben gerissen worden. Stein wirkte mehrere
Jahre als Religionslehrer in Wonfurt bei Haßfurt, übernahm 1895 das
Häberleinsche Mädcheninstitut und wurde, als dasselbe an die Stadt
überging, als Lehrer dieser Schule mit übernommen. Seit einigen Jahren
befand er sich wegen eines Kehlkopfleidens im Ruhestand. Bei der
Beerdigung sprachen nach dem Rabbiner Dr. Behrens der Oberstudiendirektor
des Lyzeums, Dr. Frank, Rechtsanwalt Dr. Stahl für die Loge und Lehrer
Gutmann für den Lehrerverein. Dem Heimgegangenen soll in unseren Reihen
ein treues Gedenken bewahrt bleiben." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die Geschichte der Synagoge der jüdischen Gemeinde im
Judenhof dürfte in die Zeit um 1600 zurückgehen. Wie oft das Gebäude
umgestaltet, neu gebaut oder renoviert wurde, ist nicht bekannt. Bis 1920 war
das Gebäude Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Wonfurt.
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1920 kamen die Ritualien aus der
Synagoge kamen nach Haßfurt, wo in der
Synagoge u.a. ein oder mehrere Torawimpel aus Wonfurt sowie das Totengedenkbuch
dieser Gemeinde von 1774 aufgewahrt wurden. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die
Ritualien zerstört, das Totengedenkbuch war im August 1934 dem Verband der
Bayerischen Israelitischen Gemeinden in München übergeben worden.
Adresse/Standort der Synagoge: Fuchshof -
Hauptstraße 28f
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007)
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| Der ehemalige
"Judenhof", später "Fuchshof" mit den heute schön
renovierten Häusern |
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Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge (Hauptstraße 28f) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 313 (unter Haßfurt) |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 129. |
 | Cordula Kappner: Aus der jüdischen Geschichte des
heutigen Landkreises Hassberge. Kg. Landratsamt Hassberge. Haßfurt 1998. |
 | dies. '...die sind dann einfach fortgekommen...'. -
Jüdische Bürger im Landkreis Haßberge. Haßfurt 1995 (Manuskript). |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Würzburg 2008. S. 147.
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