Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wonfurt (Kreis Haßberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen     
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
In Wonfurt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Im Bereich des "Judenhofes" wurden zwischen 1550 und 1600 von der Ortsherrschaft der Freiherren von Fuchs Reihenwohnhäuser mit vier Eingängen für insgesamt 12 jüdische Familien erstellt. 
   
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Familien zu. 1817 wurden 24 Familien in die Matrikelliste aufgenommen, die allesamt Schutzbriefe des Freiherren von Seckendorf innehatten. Die Familien legten sich damals neue Familiennahmen zu: Adler, Fischer, Frank, Friedmann, Grapf, Grünewald, Haas, Handelsmann, Haßlacher, Herrmann, Kaufmann, Klein, Krapf, Mahler, Neuburger, Rau, Rauh, Reich, Rosenbaum, Rosenfelder, Rosenthal, Schloß, Schüller, Straus. Die Haushaltsvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Viehhändler, Schlächter, Schmuser, Schnitthändler, Kleiderhändler, sonstiger Waren- und Kleinhandel.  
 
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1813 90 jüdiscche Einwohner, 1825 104, 1867 104, 1875 109, 1890 89 (in 26 Haushalten), 1900 62, 1905 43, 1910 9. 
  
Im Bereich des Judenhofes lagen auch die Einrichtungen der Gemeinde wie Synagoge, Schule, koschere Metzgerei und rituelles Bad. Die Toten er Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kleinsteinach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet tätig war. Um 1856/62 war als Lehrer Moses Schloss tätig, über den einige Beschwerden wegen Vernachlässigung des Religionsunterrichtes in den Quellen vorliegen. In den Jahren vor 1895 war Lippmann Stein als Lehrer tätig (s.u.). Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsdistrikt Niederwerrn / Schweinfurt.
 
Auf Grund des starken Rückgangs der jüdischen Einwohner seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Gemeinde 1920 aufgelöst. 
 
Von den in Wonfurt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jeanette Dillenberger geb. Schloss (1853), Hermann Frank (1893), Moritz Frank (1895), Rina Gottlieb (1886(, Heinrich Grausmann (1870), Lina Hamburger geb. Reich (1865), Ida Heimann geb. Frank (1890), Laura Heinemann geb. Neuburger (1875), Jenny Jean geb. Reich (1883), Olga Jean geb. Reich (1880), Klara Krapf (1869), Albert Nussbaum (1890), Doreth Nussbaum geb. Klein (1860), Ludwig (Louis) Nussbaum (1887), Rosa Rosenthal geb. Reich (1874), Julius Schloss (1884), Emma Stein geb. Reich (1870), Arthur Strauß (1886), 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Lehrer- und Vorbeterstelle 1882 / 1892 / 1899 / 1901
Aus den Ausschreibungstexten gehen auch die damaligen Vorsteher der Gemeinde - S. Reich (1882) und Michael Mahler (1892 / 1901) - hervor. 

Wonfurt Israelit 20121882.jpg (32278 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1882: "In hiesiger Gemeinde wird am 1. Januar (1883) die Religionslehrer-, Kantor- und Schochetstelle vakant und soll baldigst wieder besetzt werden. Das jährliche Einkommen beträgt 1.400 Mark. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Zeugnisse an den Unterzeichneten einsenden. 
Wonfurt bei Haßfurt, 10. Dezember 1882. S. Reich, Vorstand."
   
Wonfurt Israelit 05051892.jpg (48492 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1892: "Ausschreiben. Nachdem die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schechita-Stelle vakant geworden, soll solche womöglich bis 1. Juni laufenden Jahres wieder besetzt werden. 
Fixer Gehalt 600 Mark, Entschädigung für Holz 120 Mark, Schechita-Erträgnis mindestens 250 Mark, Nebenakzidenzien 400 Mark. 
Die betreffenden Reflektanten wollen ihre Zeugnisse sowohl vom königlichen als auch vom israelitischen Seminar längstens bis 15. Mai anher gelangen lassen. Wonfurt, 20. April 1892. Die Kultusverwaltung: Schloß. M. Mahler."
Auf diese Ausschreibung hin wurde vermutlich der unten genannte Lehrer Lippmann Stein als Lehrer, Kantor und Schochet angestellt. da er 1895 nach Fürth wechselte.
Wonfurt Israelit 19101899.jpg (54668 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1899: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist in Erledigung gekommen. Fixer Gehalt 500 Mark, nebst 50 Mark für Holz; schöner Wohnung. Schächterfunktion und Nebenverdienste circa 400 Mark. Ledige Bewerber werden nur berücksichtiget. Reflektanten wollen ihre Zeugnisse bis 10. November anher einsenden. 
Wonfurt, den 16. Oktober 1899. Michael Mahler, Kultusvorstand."     
  
Wonfurt Israelit 14021901.jpg (43862 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterfunktion ist in Erledigung gekommen. Der fixe Gehalt inklusive Vergütung von Holz, beträgt Mark 550 nebst freier Wohnung. Die Schächtfunktion und Nebenverdienste ca. Mark 400. Ledige Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften bis 20. Februar (1901) einsenden. 
Wonfurt in Bayern, 14. Februar. Michael Mahler, Kultusvorstand."
  
Wonfurt Israelit 18071901.jpg (59841 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1901: "Die hiesige Religionslehrer-, verbunden mit Vorbeter- und Schächterfunktion ist in Erledigung gekommen und soll demnächst wieder besetzt werden. Der fixe Gehalt beträgt inklusive Vergütung für Holz Mark 550. Die Schechita und Nebenverdienste ca. Mark 400, nebst schöner freier Wohnung. Ledige Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisse an den Unterfertigten einsenden. 
Wonfurt bei Haßfurt, 15. Juli. 
Michael Mahler, Kultusvorstand."    

        
Zum Lebenslauf des aus Wonfurt stammenden Lehrers Wolf Strauß (Lehrer in Kleinheubach)

Wonfurt Israelit 06121865.JPG (173473 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1865: "Nekrolog. Tauberbischofsheim, im November (1865). Am 26. Oktober wurden die irdischen Reste des, auch in weiteren Kreisen bekannten, Lehrers Strauß aus Kleinheubach bei Aschaffenburg zu Grabe bestattet. Gestatten Sie mir, geehrtester Herr Redakteur, als ehemaliger Schüler des nun Verstorbenen, in Ihrem geschätzten Blatte einige Mitteilungen über dessen Lebensverhältnisse zu geben. Lehrer Strauß war im Jahre 1800 in Wonfurt bei Bamberg geboren. In der frühesten Jugend schon wurde er von seinem Vater zum Studium der Tora angehalten. 
Noch als junger Knabe übergab ihn zu diesem Ende sein Vater der Jeschiwa zu Burgpreppach, wo er seine Zeit nur dem Studium des Talmuds widmete. Hier verweilte er einige Jahre. Um jedoch auch in den pädagogischen Fächern einige Kenntnisse zu erlangen, verließ er die dortige Anstalt und siedelte nach Würzburg über. Bei dem weitberühmten Rabbi Abraham Bing seligen Angedenkens setzte er sein Torastudium fort, besuchte jedoch zugleich das dortige christliche Schullehrer-Seminar. Seine gediegenen Kenntnisse im Talmud erleichterten ihm das Studium der Profanwissenschaften, sodass er sich bald im Seminar vor allen Andern auszeichnete. Seine erste Stelle nach dem Austritte aus dem Seminar, an der er auch bis an sein Ende verblieb, war Kleinheubach. Seine Kenntnisse, aber vorzüglich sein religiöses Leben, erwarben ihm bald in der ganzen Umgegend einen guten Ruf, sodass man ihm die Erziehung vieler Zöglinge aus Bayern, Baden und Hessen anvertraute.
Wenn auch seine Stelle zu den besser dotierten zählte, so blieb er dennoch von Nahrungssorgen nicht verschont. Eine schwere Krankheit, zu deren Heilung er ein Bad in Hessen gebrauchen musste, verschlimmerte seine materielle Lage, ein Umstand, der ihm seiner Familie wegen unsägliche Kümmernisse bereitete. Wurde er aber auch von des Lebens Schicksalen noch so sehr heimgesucht, so nahm er dennoch Alles ohne Murren an. Stets tröstete er sich mit den Worten Hiobs: 'Der Name des Herrn sei gepriesen'.
Kaum wieder genesen, traf ihn ein anderer Schlage; seine ihm teure Gattin starb und hinterließ ihm 7 unmündige Kinder. Schwer lasteten auf ihm die Nahrungssorgen, noch viel schwerer die Sorge, seine 6 Söhne einem ordentlichen Berufe zu widmen; es gelang ihm jedoch mit Gottes Hilfe, 5 Söhne in angemessenen Ämtern fungieren zu sehen. 
Später vermählte er sich zum zweiten Male, es wurden ihm aus dieser Ehe noch 2 Kinder geboren. Wenn er auch während dieser Ehe seine pekuniären Verhältnisse sehr erbesserte, so war doch seine Freude mit Leid gemischt. Mehrere Male erkrankte seine Frau, wodurch seine Kräfte nicht wenig in Anspruch genommen wurden. Kaum war aber durch ärztliche Mittel auch diesem Übel abgeholfen, als er oft geprüfte Mann schwer erkrankte. Groß waren seine Leiden und lange lag er auf dem Schmerzenslager, bis er am 26. Oktober seinen Geist aushauchte. Allgemein bedauert und betrauert von seiner Gemeinde, wie von Allen, die ihn kannten, insbesondere von seinen Zöglingen, die einen so teuren Lehrer an ihm verloren haben. Er hinterlässt eine Frau und vier noch unversorgte Kinder. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.   Rothschild."

  
Zum Tod des Lehrers Lippmann Stein, Lehrer in Wonfurt vor 1895 

Wonfurt BayrGZ 15011928.jpg (46622 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1928: "Fürth. Schon wieder haben wir den Verlust eines Kollegen zu beklagen. Unser Vereinsmitglied, Studienrat Lippmann Stein, ist am Donnerstag, dem 1. Dezember 1927, im 57. Lebensjahre durch einen Schlaganfall jäh aus dem Leben gerissen worden. Stein wirkte mehrere Jahre als Religionslehrer in Wonfurt bei Haßfurt, übernahm 1895 das Häberleinsche Mädcheninstitut und wurde, als dasselbe an die Stadt überging, als Lehrer dieser Schule mit übernommen. Seit einigen Jahren befand er sich wegen eines Kehlkopfleidens im Ruhestand. Bei der Beerdigung sprachen nach dem Rabbiner Dr. Behrens der Oberstudiendirektor des Lyzeums, Dr. Frank, Rechtsanwalt Dr. Stahl für die Loge und Lehrer Gutmann für den Lehrerverein. Dem Heimgegangenen soll in unseren Reihen ein treues Gedenken bewahrt bleiben."

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge          
    
Die Geschichte der Synagoge der jüdischen Gemeinde im Judenhof dürfte in die Zeit um 1600 zurückgehen. Wie oft das Gebäude umgestaltet, neu gebaut oder renoviert wurde, ist nicht bekannt. Bis 1920 war das Gebäude Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Wonfurt.
     
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1920 kamen die Ritualien aus der Synagoge kamen nach Haßfurt, wo in der Synagoge u.a. ein oder mehrere Torawimpel aus Wonfurt sowie das Totengedenkbuch dieser Gemeinde von 1774 aufgewahrt wurden. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Ritualien zerstört, das Totengedenkbuch war im August 1934 dem Verband der Bayerischen Israelitischen Gemeinden in München übergeben worden.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeFuchshof - Hauptstraße 28f    
    
    
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007)  

Wonfurt Judenhof 100.jpg (87078 Byte) Wonfurt Judenhof 101.jpg (91901 Byte) Wonfurt Judenhof 102.jpg (90740 Byte)
Der ehemalige "Judenhof", später "Fuchshof" mit den heute schön renovierten Häusern
  
   Wonfurt Synagoge 100.jpg (72220 Byte)    
   Das Gebäude der ehemaligen Synagoge (Hauptstraße 28f)    

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Wonfurt  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 313 (unter Haßfurt)
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 129. 
Cordula Kappner: Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge. Kg. Landratsamt Hassberge. Haßfurt 1998.
dies. '...die sind dann einfach fortgekommen...'. - Jüdische Bürger im Landkreis Haßberge. Haßfurt 1995 (Manuskript). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Würzburg 2008. S. 147.  

      
       

                   
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Stand: 09. Dezember 2013