Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rimpar (Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Weitere Persönlichkeiten (Lehmann Brothers aus Rimpar)     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
   
In Rimpar bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. 1577 wird der Jude Schmul genannt, der mit Frau, Kindern und seiner Mutter in Rimpar wohnte und jährlich 40 Gulden Schutzgeld zu zahlen hatte. 
  
Eine jüdische Gemeinde bestand seit dem 18. Jahrhundert. 1742 stiftete Jehuda b. Isaak Mosche aus Rimpar ein Memorbuch. 1792 gab es 14 jüdische Haushaltungen am Ort. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 114 jüdische Einwohner (9,2 % von insgesamt 1.236), 1837 130 (8,0 % von insgesamt 1.620), 1867 142 (6,6 % von 2.152), 1880 (83 (3,6 % von 2.304), 1900 67 (3,0 % von 2.225). 
 
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden auf 23 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände in Rimpar genannt (mit bereits neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Jakob Amschel Schloßfelder (Warenhandel), Moses Hirsch Hermann (Viehhandel), Juda Joseph Frank (Viehhandel), Lob Joseph Schwab (Viehhandel), Salomon Joseph Schwab (Warenhandel), Samuel Isak Gondersheim (Warenhandel), Moses Löb Lebold (Viehhandel), Moses Löb Lebold (Viehhandel), Moyses Löb Schwab (Unterhändler), Samson Löser Oppenheimer (Viehhandel), Jüdlein Meyer Lehmann (Warenhandel), Abraham Löb Lehmann (Warenhandel), Meyer Moses Grünebaum (Viehhandel), Jüdlein Moses Wohlmann (Schacherhandel), Abraham Nathan Frohmann (Viehhandel), Jakob Nathan Frohmann (Warenhandel), Säcklein Nathan Bestmann (Viehhandel), Abraham Säcklein Volkmann (Unterhändler), Abraham Seligmann Hofmann(Unterhändler), Isak Samuel Kleinmann (Warenhandel), Mendel Simon Goldschmitt (Warenhandel), Abraham Joseph Frank (Viehhandel), Heya, Witwe von Samuel Isak Gondersheim (Schacherhandel), Moses Joseph Schwab (Viehhandel), Mayer Wolf Löb Adler (Viehhandel).  
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein Gemeindehaus mit einem Schulraum und eine Mikwe. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet tätig war. Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wird als damaliger Vorsänger (ohne Matrikelstelle) Gerson Löb Stockheimer genannt. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Schwanfeld beigesetzt.  
   
In den Kriegen 1866 und 1870/71 waren als Kriegsteilnehmer aus der jüdischen Gemeinde an den Fronten Bor. Schwab (1866) und Abraham Adler (1870/71). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal auf dem Ortsfriedhof neben der Pfarrkirche von Rimpar. Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Joseph Adler (geb. 17.2.1889 in Rimpar, gef. 15.4.1916), Adolf Schwab (geb. 3.10.1884 in Rimpar, gef. 1.11.1918), Alfred Schwab (geb. 29.6.1891 in Rimpar, gef. 15.9.1915) und Gefreiter Sali Schwab (geb. 28.12.1886 in Rimpar, gef. 15.9.1915). Ihre Namen stehen auf einem weiteren Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im Friedhof Rimpar. Die Namen standen auch auf einem Denkmal in der ehemaligen Synagoge, das jedoch weitgehend zerstört ist (Namen nicht mehr lesbar).    
     
Um 1924, als noch 50 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,82 % von insgesamt etwa 3.300) waren die Vorsteher der Gemeinde Sally Schwab und Karl Tannenwald. Die Lehrerstelle war im Schuljahr 1924/25 unbesetzt. Die Gemeinde war dem Distriktsrabbinat in Würzburg zugeteilt. 1932 war erster Gemeindevorsteher Josef Frank, zweiter Vorsteher Bruno Bayer. Als Lehrer und Kantor war Meier Laßmann tätig (Vater der Lehrerin Julie Laßmann, siehe Texte unten). Im Schuljahr 1931/32 waren von ihm elf jüdische Kinder zu unterrichten. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Frauenverein (1932 unter Leitung von Ernestine Schwabe, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung, Kranken- und Totenwache, Bestattung) sowie die Männer-Chewra (Leitung Josef Frank: Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung, Kranken- und Totenwache, Bestattung).
   
1933 wurden noch 54 jüdische Einwohner gezählt (1,7 % von insgesamt 3.228). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts und der zunehmenden Repressalien sind zunächst nur wenige von ihnen von Rimpar verzogen bzw. ausgewandert. Im Mai 1937 lebten noch 46 jüdische Personen in Rimpar, darunter eine fünfköpfige, unterstützungsbedürftige Familie. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die zahlreiche jüdische Einwohner tätlich angegriffen. Im Dezember 1938 brach ein Parteifunktionär in die Wohnung eines Juden ein und stahl verschiedene Wertsachen. 1939 lebten nur noch 15 jüdische Personen in Rimpar. 22 konnten bis dahin in die USA emigrieren, einer nach Dänemark. Sieben waren nach Frankfurt am Main verzogen, sieben in vier andere deutsche Orte. Im Februar 1942 lebten noch neun jüdische Personen in Rimpar. Sechs wurden am 24. April 1942 über Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert. Die drei letzten jüdischen Einwohner wurden am 14. Juli 1942 in das Altersheim in Würzburg gebracht, von hier aus am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.    
     
Von den in Rimpar geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lenchen Dillenberger geb. Frank (1892), Benzion Frank (1861), Edith Frank (1921), Elsa Frank geb. Dillenberger (1890), Fränzi (Frenzie Edith M.) Frank (1921), Inge Frank (1925), Josef Frank (1885; später in Königshofen), Joseph Frank (1885; später in Rimpar), Margot Frank (1923), Senta Frank (1923), Samuel Gundersheim (1879), Thekla Gutmann geb. Schwab (1908), Rosa Hamburger geb. Schwab (1875), Babette Kaufmann geb. Schwab (1881), Amalie Kohn geb. Schwab (1873, Stolperstein in Gerolzhofen), Julie Lassmann (1905), Leopold Lebermann (1868), Therese (Theresia) Lindner geb. Schwab (1885), Pauline Machol geb. Schwab (1855), Ernst Mayer (1904), Bertha Schloss geb. Schwab (1885), Richa Schuster geb. Gundersheim (1857), Abraham Schwab (1869), Ernestine Schwab geb. Lindner (1878), Klara Schwab geb. Schwab (1884), Pauline (Paula) Schwab (1889), Sofie Schwab 1889). Manfred Sturm (1927), Hannchen Tannenwald geb. Kleinmann (1860), Isidor Tannenwald (1885). 
    
   
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
  
In Rimpar besteht eine Vorbereitungsschule für die Lehrer- und Rabbinerausbildung (1859)  
Anmerkung: es handelt sich um die in dem nachfolgenden Artikel über Lehrer Nathan Freund im Rimpar bestehende kleine Schule. Der Berichterstatter in der liberal geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" äußert sich sehr kritisch über die diese orthodoxe Kleinschule (unterer Abschnitt "Institut der Finsternis")        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1859: "Teils reicht die Würzburger Jeschibo nicht mehr aus, teils kann man doch nicht alles und jedes dort so passend unterbringen; man hat deshalb in Höchberg, Gerolzhofen, Rimpar und vielen andern Orten Schulen nach dem Muster der alten Chedorim gegründet und als Zweck sich die Aufgabe gestellt, die Zöglinge ihrem Berufe als Rabbiner und Lehrer zuzuführen, wie dies in einem Rundschreiben dargelegt wird. Da aber nur solche Eltern ihre Kinder dieser Musterschule anvertrauen, deren Vermögensverhältnisse nicht gestattet, anderweitig für dieselben zu sorgen, so brauchte man vor allem Geld. Neue Rundschreiben wurden erlassen und unter dem verführerischen Namen 'Fürs Toralernen' aller Orten freiwillige Gaben gesammelt. Reichlich flossen und fließen die Gaben von allen Seiten und die Leute machen brillante Geschäfte. Sie klopfen nirgends vergebens an. Alt wie Neu öffnet ihnen willig den Säckel und so mancher glaubt Wunder was zu tun, wenn er Leute dafür honoriert, das zu tun, was er nicht mehr für zeitgemäß hält, aber nur für sich. Was soll aber daraus werden Schon jetzt macht sich ein sehr bedeutender Lehrermangel fühlbar. Der Seminarbesuch ist für Israeliten nicht mehr notwendig und denjenigen, die es ja noch besuchen wollen - im Würzburger Seminar sind gegenwärtig vier jüdische Zöglinge - erschweren die sogenannten Schwarzen ihre Lage nach Kräften, und wer nicht Alles aus eigenen Mitteln bestreiten kann, kann sich dort nicht mehr halten. Wie leicht aber die Befähigungsnote als Rabbiner und Lehrer erlangt wird, davon könnten wir so manches hübsche Beispiel erzählen, wollen aber nur erwähnen, dass Rabbiner Bamberger die Hauptperson bei der Prüfungskommission bildet. Bedenkt man nun, dass die Vorsteher dieser  Pflanzstätten jüdischer Lehrer und Rabbiner auch des geringsten weltlichen Wissens bar, kaum der Mehrzahl nach im Stande sind, Deutsch zu schreiben und jedenfalls nicht korrekt, so können auch nur geistig verkümmerte Subjekte aus dieser Schule hervorgehen. Freue dich aber dann, bayerisches Judentum, wenn erst deine geistlichen Angelegenheiten und die Erziehung deiner Jugend in solche Hände übergegangen. Traurig ist die Zukunft, der wir auf solche Weise entgegengehen, und es tut wahrhaftig Not, diesen Leuten entgegenzuarbeiten. Niemand unterschätze die Gefahr, die unsern heiligsten Interessen droht. Soll jedoch etwas geschehen, so muss dies rasch geschehen, ehe es zu spät ist. Darum kann es nicht laut genug gesagt werden: Ihr Freunde des Judentums, scharet Euch zusammen, entziehet Eure Spenden diesen Spekulanten auf Eure Gutmütigkeit, wendet sie solchen jungen Leuten zu, denen es jetzt doppelt schwer wird, sich für ihren Beruf gehörig vorzubilden. Doppelt wünschenswert erscheint es aber unter den gegebenen Verhältnissen, dass man, sobald die Zeitumstände sich wieder freundlicher gestalten, Hand an die Gründung eines jüdischen Schullehrer-Seminars für Süddeutschland lege. Wohl lässt sich nicht leugnen, dass für das Studium des Religiösen mehr geschehen muss, als in der letzten Zeit geschehen ist; aber ein Extrem ist so verwerflich als das andere, und sehr treffen lehren unsere Weisen: 'ohne Tora gibt es kein profanes Wissen' und 'ohne profanes Wissen gibt es kein (Wissen um die) Tora'.   
Erfreulich ist es, zu sehen, wie neben diesen Instituten der Finsternis auch recht gute Elementarschulen, und so sich seminaristisch gebildete Lehrer befinden. Außerdem sind zwei in höchster Blüte stehende Handelsinstitute fast nebeneinander, in Marktbreit und Segnitz, von denen jedes 70-80 Schüler, worunter viele christliche zählt. Bisher wurde in diesen Instituten, vielleicht aus letzterem Grunde, der israelitische Religionsunterricht etwas stiefmütterlich behandelt, doch ist in Segnitz letzter Zeit ein Vorstandswechsel eingetreten, und wird jetzt jedenfalls dort das religiöse Element die gehörige Würdigung finden, ohne dass deshalb weltliches Wissen vernachlässigt wird, und so soll es sein. Um den Bericht nicht allzu sehr auszudehnen, will ich Spezielles aus einzelnen Gemeinden für nächstens sparen und nur bemerken, dass auch in Unterfranken Herr Rabbiner Lebrecht für die Bibelanstalt tätig ist. Derselbe ist unermüdlich für alles wahrhaft Gute und lässt sich durch keine Hindernisse, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in seinem anerkennenswerten Eifer beirren".            


Lob des jüdischen Lehrers Nathan Freund in Rimpar (1866)   

Rimpar Israelit 27061866.jpg (187018 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1866: "Dahn (bei Pirmasens), am 14. Juni (1866). (Dem Verdienste seine Krone.) Die trefflichen Abhandlungen des Herrn Dr. Hildesheimer über die 'Jeschiba-Angelegenheit' haben gewiss alle Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift mit Interesse gelesen, dieselben zollen aber auch Ihnen, geehrter Herr Redakteur, die tiefste Achtung dafür, dass Sie auch denjenigen Nachträgen die Spalten Ihrer werten Zeitung öffnen, welche jene Abhandlungen vervollständigen. 
Daher erlauben Sie mir, geehrter Herr, den Namen eines Mannes zu erwähnen, der im Gebiete von der 'Verbreitung der Tora in Israel' Außerordentliches leistet und ein wahrhafter rechtschaffener Gottesmann ist. 
In einer kleinen, aber wohlhabenden Gemeinde des Würzburger Rabbinats (sc. Rimpar) wirkt dieser ehrwürdige Gärtner im Weinberge des Herrn, dessen ganzes Leben der Tora und der Gottesfurcht geweiht ist.
Nicht nur, dass er selbst das Nachsinnen über die Tora bei Tag und Nacht wörtlich betätigt, sondern er erfüllt auch noch die schwierige Aufgabe, 4-5 junge Männer aus Nah und Fern zu größeren Jeschiwot vorbereitend, in Mischna und Gemara zu unterrichten und derart Gottesliebe und Gottesfurcht in deren Herzen zu verpflanzen, dass bei ihnen nicht bloß das Hören, sondern auch das Tun in Erfüllung geht.  
Auch in seiner Gemeinde erweckt er solche Gottesfurcht, dass sich auch viele der Familienvorsteher dem Torastudium bei ihm unterziehen und es sind deren nicht wenige, die er so weit gebracht hat, dass sie die Bibel, Mischna und Chaj Adam recht gut verstehen. Möge Israel den Namen dieses Frommen, des ...Lehrers, Herr und Meisters Nathan Freund - sein Licht leuchte -, Religionslehrer in Rimpar, kennen...."  R.G.     

       
Lehrer Lermann (Lehmann?) wechselt von Rimpar nach Berlin (1929)  

Rimpar BayrGZ 15011929.jpg (9632 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1929: "Lehrer Lermann (Rimpar) wurde an eine Schule in Berlin berufen". 

  
Lehrer Maier Laßmann kommt nach Rimpar (1929,
Lehrer von 1920 bis 1925 in Harburg, 1925 bis 1929 in Westheim)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1929: "Westheim bei Hammelburg. Herr Meier Laßmann, der hier seit vier Jahren als Lehrer, Schochet und Chasen amtiert hat und gleichzeitig in der Nachbargemeinde Völkersleier diese Ämter verwaltete, verlässt die hiesige Gemeinde, um sein Amt in der Gemeinde Rimpar anzutreten. Wir sehen mit aufrichtigem Bedauern diesen tüchtigen Mann von hier scheiden. Er besitzt ein überaus großes jüdisches Wissen, ist ein tüchtiger Schochet und hat auch beim Religionsunterricht große Erfolge erzielt. Mit allen Gemeindemitgliedern lebte er in bestem Einvernehmen. Auch der zuständige Rabbiner, Herr Dr. Bamberger (Kissingen) hat sich jederzeit lobend über die Wirksamkeit unseres Lehrers ausgesprochen, dies insbesondere bei der kürzlich stattgehabten Religionsprüfung. Die besten Wünsche unserer Gemeinde begleiten Herrn Lehrer Laßmann in seinen neuen Wirkungskreis, woselbst er auch die verdiente Anerkennung finden möge." 

   
   
Berichte zu Personen aus der Gemeinde  
Über den Lebenslauf von Caroline Schwerin geb. Frank (geb. in Rimpar 1808, gest. 1884 in Ramsgate)

Rimpar Israelit 11121884.jpg (281380 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1884: "Rödelsee in Bayern. Im Nachtrage zu Ihrer Korrespondenz in Nr. 96 d.d. Ramsgate, 27. November, erlaube ich mir, den geehrten Lesern Ihres geschätzten Blattes Näheres über meine selige Tante, Ms. Schwerin zu berichten; hat sie es doch verdient, dass ihr auch in dieser weit verbreiteten Zeitschrift ein Denkstein gesetzt wird. Meine Tante - sie ruhe in Frieden - Caroline Schwerin, eine geb. Frank, war in Rimpar bei Würzburg 1808 von frommen Eltern geboren. Nachdem sie eine gute Erziehung genossen hatte, kam sie frühzeitig in die Fremde, nach Frankfurt am Main, und siedelte 1839 mit einer Familie Königswarter nach London über. Hier heiratete sie 1844, genoss jedoch das Glück der Ehe nicht lange; gar zu bald musste sie Witwe werden. Sie ward an Lady Montefiore rekommandiert und übernahm schon anno 1845 im Hause der großen Philanthropen - Gott mehre seine Tage und seine Jahre - die Küche, welche sie treu und zur vollkommensten Zufriedenheit ihrer Herrschaft bis zu ihrem Ende verwaltete. Sie war zugleich die Beschließerin des Hauses und schon bei der seligen Lady Montefiore und nach deren Ableben auch bei Sir Moses, vertrat sie oft die Stelle eines Gesellschaftsdame. Sehr oft in den letzteren Jahren, besonders am Freitagabend, machte sie die Vorleserin. Dass sie in dem hohen Hause eine sehr angenehme Stelle bekleidete, beweisen ihre Reisen mit Sir Moses nach Jerusalem und anderwärts. 
Am 2. Tag Rosch haschanah dieses Jahres, nachdem sie mit Sir Moses die Schofartöne gehört hatte, überfiel sie die hartnäckige Krankheit, deren Keim schon lange in ihr verborgen lag, und welcher keine Genesung mehr folgen sollte. Am 12. vorigen Monats wurde ich telegraphisch an ihr Krankenbett gerufen. Ich reiste mit meinem Bruder sogleich nach Ramsgate, kam am 14. dort an und traf sie leider nicht mehr am Leben. Am 13. vorigen Monats stieg ihre reine Seele zum Throne des Allmächtigen empor. Ich erhielt sogleich Audienz bei Sir Moses, er bewillkommnete mich und drückte mir sein Beileid mit den herzinnigsten Worten aus. Er sagte mir, der Tod meiner Tante habe ihn um Vieles zurückgeworfen; sie wäre ihm eine so treue streng religiöse Dienerin gewesen. Er bewirtete mich in seinem Hause, woselbst mir alle Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Am 16. mittags war die Beisetzung. Diese gestaltete sich zu einer großartigen. Ein Verwandter des Sir Moses, ferner der Vertraute meiner seligen Tante, Herr Dr. Löwe, die sämtlichen Rabbonim des Ohel Mosche WeJehudit, die 2 Vorbeter, sämtliche Juden Ramsgates, sowie eine unabsehbare Menge Leidtragender aus allen Klassen der Bevölkerung folgten dem Leichenkondukte. Nachmittags 2 Uhr wurde durch einen Neffen des Sir Moses der letzte Willen meiner seligen Tante bekannt gegeben. Ihr echt religiöser Sinn, ihre Liebe und Anhänglichkeit an das heilige Land, welches sie mit eigenen Augen geschaut, das Elend unserer Brüder dortselbst lag ihr so am Herzen, dass sie seiner nicht nur im Leben oft durch reiche Gaben gedachte - sie hatte sich schon vor 4 Jahren dort eingekauft für immer - sie hat das Land unserer Ahnen auch in ihrem letzten Willen bedacht. So vermachte sie der portugiesischen Gemeinde 1.000 Mark und der aschkenasischen ebenfalls 1.000 Mark. Außerdem bestimmt sie für zwei Synagogen je 1.000 Mark, für welche die in Rimpar im Trauerjahr das übliche Kaddischgebet zu verrichten hat. Auch das Ohel Mosche WeJehudit, die Rabbonim, den Chasan, den Schochet und das Dienstpersonal Sir Moses bedachte sie mit größeren, respektive kleineren Legaten. So hat sich denn meine selige Tante - sie ruhe in Frieden - verewigt für alle Zeiten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
Aus dem Nachlasse meiner seligen Tante erhielt ich eine Menge Bücher, welche Abhandlungen von den Reisen des Baronets ins heilige Land und nach   
Rimpar Israelit 11121884a2.jpg (131887 Byte)Marokko enthalten und eine prachtvolle Bibel Tanach, in hoch elegantem Goldschnitt gebunden, welch Bücher alle Sir Moses meiner seligen Tante als Präsente verehrte und denen seine Unterschrift in Autographie beigegeben ist. Vor meiner Abreise in Ramsgate verabschiedete ich mich bei meinem hoch geehrten Gastgeber. Ich dankte ihm für die große Aufmerksamkeit und aufopfernde Liebe, welche meiner, nun in Gott ruhenden Tante - sie ruhe in Frieden, während ihrer langen Krankheit im Hause des edlen Baronets erwiesen wurden, sowie für die gute und aufmerksame Aufnahme, die ich während meines fünftägigen Aufenthaltes daselbst gefunden hatte. Der greise, hoch betagte Sir nahm meine beiden Hände und sprach mit lauter Stimme, welche noch die Frische des Geistes vernehmen ließ: 'Ich danke für Ihre gütigen Worte. Ihre selige Tante war mir stets eine treue Dienerin, eine werte Gesellschafterin. ich werde ihrer nie vergessen, sie wird stets in meinem Gedächtnisse fortleben. Treten Sie in religiöser Beziehung in die Fußstapfen Ihrer seligen Frau Tante ein und halten Sie die Lehre Moses hoch für alle Zeiten.' 
Ich musste weinen, solche Worte, solche gutmeinenden Worte aus dem Munde dieses Besten der Menschen vernehmen gekonnt zu haben, welche zugleich die Versicherung enthielten, welch hohe Achtung und Ehre meiner seligen Tante in diesem Hausee zuteil geworden waren. Nach einem nochmaligen, herzlichen Händedruck entließ mich der hochedle Greis. Seine Worten werden nie meinem Gedächtnisse entfallen. - Nach einer Nachricht, die ich soeben aus Ramsgate erhielt, kann ich Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, versichern, dass Sir Moses nach Umständen wieder ganz wohl ist. A. Frank."   

     
Zum Tod von Jehuda Hofmann (gest. 1892) und seiner Frau Minna (gest. 1895)  

Rimpar Israelit 19121892.jpg (128974 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1892: "Rimpar. Es war ein schmerzlicher Gang, von dem ich soeben zurückkehre. Einen braven, frommen Jehudi haben sie heute ins kühle Grab gesehnt. Das Gemeindeglied Herr Jehuda Hofmann ist nicht mehr, Gott hat ihn zu sich genommen. Wahrlich, er hat es verdient, dass ihm in Ihrem geschätzten Blatte ein Denkstein gesetzt werde, denn von den Grundsäulen unserer heiligen Religion, von der Tora, dem Gottesdienst und der Wohltätigkeit war sein ganzes Leben gefüllt. Ein aufmerksamer Schüler des Herrn Nathan Freund - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - lernte er frühzeitig Mischna und Gemara mit einer Geistesschärfe, dass damals der Lehrer behauptete, dass er der Zweite nach dem Rav würde, wenn ihn seine Mutter, eine von Nahrungssorgen bedrängte Witwe hätte weiter lernen lassen. Was aber die Mutter unterließ, das sichte er freiwillig wieder gut zu machen. Sobald er geschäftlich frei war, lernte er und so führte er den Spruch unserer Weisen gut ist die Verbundenheit von Tora und profanem Leben am schönsten aus. Er lernte, lehrte und lebte nach den Vorschriften der heiligen Tora. Nie fehlte er im Gotteshause. Und mit welcher Andacht verrichtete er die Gebete! Wer ihn beobachtete, merkte die Gottesfurcht, die ihn beseelte. Jeden Sabbat trug er vor versammelter Gemeinde das Chai Adam oder aus dem Kizzur Schulchan Aruch vor und war bestrebt, seine Zuhörer zu echten Jehudim heranzubilden. Im Stillen übte er Wohltaten, damit sein Name nicht in der Öffentlichkeit genannt werde. Er war ein seltener Mensch, ein Chassid im wahren Sinne des Wortes, ein Mann des biedersten Charakters und der ehrlichsten Sinnesart, er war genau im Beobachten der Gebote und erzog seine Kinder zu strenggläubigen Jehudim. Seine liebste Unterhaltung war die in der Tora. Wie oft äußerte er mir den Wunsch, wenn es ihm einst vergönnt sein werde, den Rest seiner Lebenstage in Frankfurt a.M. bei seinem Sohne verleben zu können, so würde er den ganzen Tag bei dem Rav weilen, um sich an seinem Schiur zu ergötzen. So groß war seine Liebe zur Tora und zu ihren Lehrern. Doch der Allgütige hatte es anders beschlossen. Bis hierher! Jetzt weilt er in den Gefilden der ewigen Seligkeit, uns als Muster der wahren Frömmigkeit und alles Edlen leuchtend. Das Gedenken an den Gerichten ist zum Segen."

    
Zum Tod von Minna Hofmann (1895)  

Rimpar Israelit 06051895.jpg (246341 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1895: "Aus Unterfranken. Eine edle Frau in Israel hat Dienstag, 6. Ijar (30. April 1895) ihr tatenreiches Erdenleben vollendet. Frau Minna Hofmann aus Rimpar bei Würzburg wurde durch den Tod aus dem Kreise ihrer Kinder und Enkel hinweggenommen. Weit über ihren Verwandtenkreis hinaus wird dieser Verlust mit großem Schwere empfunden. Einfach und bescheiden in ihrem Wesen, vereinigte sie mit altjüdischer Frömmigkeit so viel Edles und Vornehmes, dass sie stets mit vollem Rechte als tüchtige Frau bezeichnet werden konnte. In einer langen, glücklichen Ehe war sie stets treue Gefährtin ihres Gatten, des Gemeindegliedes Herrn Jehuda Hofmann, der ihr vor kaum 2 Jahren in den Tod vorangeeilt ist. Im Vereine mit demselben wusste sie ihr Haus zu einem echt jüdischen zu gestalten und für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit in edler Weise zu wirken. Als Tochter eine Torakundigen Vaters und Gattin eines stets Torabeflissenen Mannes, war ihr Herz von wahrer Ehrfurcht von der Tora erfüllt, die sie durch große Verehrung der Träger der Tora und durch so vielfache Förderung des Tora-Studiums bekundete. Ihr gottesdienstliches Leben als jüdische Frau konnte als mustergültiges betrachtet werden. Da blieb nicht die kleines Vorschrift unbeachtet, da wurde nicht das geringste Verbot übersehen und über alles Zweifelhafte, erholte sie sich stets bei Torakundigen Rat. Außergewöhnlich anspruchslos in ihren eigenen Bedürfnissen, spendete sie aber stets mit vollen Händen, wenn es galt, Not und Leid zu lindern. Die Gäste wurden stets in liebevollster Weise in ihrem Hause gastlich aufgenommen und es war wohl selten am Schabbat und Jom Tow (Versöhnungstag), dass nicht ein Gast zu Tische geladen war. Sie übte aber nicht nur Gerechtigkeit, sondern auch in der vollkommensten Weise Wohltätigkeit. In hingebenster Weise suchte sie Franke nicht nur zu besuchen, sondern auf alle mögliche Weise ihnen hilfreich zur Seite zu stehen. Wenn es galt, Wohltätigkeit zu üben, war sie gewiss zu jeder Tages oder Nachtzeit eine der Ersten zur Stelle. Jahreslang versah sie auch in der treuen Weise das Amt einer Vorsitzenden der Frauen-Chewra (Verein für Wohltätigkeits- und Bestattungswesen der Frauen) in Rimpar. So wie sie das Leid der Traurigen zu mildern suchte, so wusste sie durch sorgliches Mitgefühl die Freude der Freudigen zu vergrößern und ihren zahlreichen Freunden und Freundinnen war sie eine selten treue Freundin, denen sie so gerne mit Rat und Tat zur Seite stand. Sie hatte auch die Freude, ihren einzigen Sohn Herrn A. J. Hofmann in Frankfurt a.M., ihre Töchter und Schwiegersöhne als echte Jehudim in ihrem Geiste und dem Geistes ihres Gatten - seligen Angedenkens - weiterleben zu sehen. 
Möge ihr edles Beispiel vielfach Nachahmung finden und dadurch das Gedenken an sie zum Segen werden. Dieses gereiche auch der trauernden Familie in ihrem Schmerze zum Troste.  J.A.B."

   
Zeichen des aufkommenden Antisemitismus - Verleumdung gegen den jüdischen Arzt Dr. Mayer (1903)  

Rimpar AZJ 16101903.jpg (45205 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1903: "Würzburg, 9. Oktober (1903). Die antisemitisch-bauernbündlerische "Neue Bayerische Landeszeitung" schrieb im Januar in einem Artikel, der jüdische Arzt Dr. Mayer in Rimpar sage beim Besuch von christlichen Kranken den christlichen Gruß und besprenge sich mit Weihwasser. Dr. Mayer stellte Beleidigungsklage, über welche nach mehrmaligen Vertagungen nunmehr das Schöffengericht zu urteilen hatte. von einer großen Anzahl Zeugen konnte kein einziger die Behauptungen des Bündlerorgans bestätigen. Das Urteil lautete für den zeichnenden Redakteur, der vorgab, den Artikel nicht selbst geschrieben zu haben, auf 300 Mark Geldstrafe". 

         
85. Geburtstag von Babette Schwab (1927)  

Rimpar Israelit 09061927.jpg (24303 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1927: "Rimpar bei Würzburg, 31. Mai (1927). Die in weiten Kreisen bekannte und beliebte Frau Babette Schwab feierte am 3. Juni ihren 85. Geburtstag. Möge ihr noch ein froher Lebensabend beschieden sein."  

   
Text von Rabbiner Kuno Lehrmann (1928)   
Anmerkung: Rabbiner Kuno (Cuno, Chanan, Charles) Lehrmann ist als Sohn des Tora-Schreiber Chaim Lehrmann 1905 in Stryzow / Galizien geboren. Er ließ sich an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg ausbilden (1921 bis zum Examen 1924). Von 1924 bis 1929 war er als Religionslehrer, Prediger und Kantor in Tübingen, Crailsheim und Rimpar tätig. 1928 bis 1932 Studium in Würzburg und Berlin (1932 Promotion in Würzburg; 1933 Examen am Rabbiner-Seminar Berlin). Von 1929 bis 1933 war er als Erzieher an einem jüdischen Waisenhaus in Berlin tätig. 1933 ist er in die Schweiz emigriert, wo er von 1934 bis 1948 Privatdozent für jüdische und französische Literatur an der Universität Lausanne war; 1936 bis 1948 zugleich Rabbiner in Freiburg (Fribourg)/Schweiz. 1949 bis 1958 war er Landesrabbiner von Luxemburg, 1958 bis 1960 Gastdozent in Ramat Gan/Israel, 1960 bis 1971 Gemeinderabbiner in Berlin (West), daneben ab 1967 Honorarprofessor für Romanistik an der Universität Würzburg. Lehrmann war seit 1937 verheiratet mit Graziella geb. Gandoli (geb. 1913 in Oberhofen/Schweiz, Schriftstellerin); Tochter: Myriam Mali Beer (geb. 1938 in Paris, war später Schauspielerin in Israel). Lehrmann war Verfasser zahlreicher Publikationen (Übersicht bei Zapf S. 145).    
Quelle: u.a. Lilli Zapf: Die Tübinger Juden S. 143-146).   

Rimpar Israelit 26071928.jpg (72723 Byte)Veröffentlicht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1928: "Dem auserwählten Volke!  
Ich rang die Hände nachts in meiner Kammer  Und aus mir wild schrie meines Volkes Stimme:   '
Wie lang noch, Herr, willst Du in Deinem Grimme   Mit anseh'n, Deines Volkes blut'gen Jammer?    
Sind wir zum einz'gen Volke auserkoren, Daß wir als Opferlamm der Menschheit dienen, 
Allzeit des Volkes Wahnwitz schweigend sühnen? Wir lösen Dich vom Schwur, den Du geschworen!'  
'Nicht wert ist, wem in fruchtlos lauten Klagen   Sein Gottvertrau'n in Zeit der Not zerschellt, Den stolzen Namen 'Israel' zu tragen.   Leicht ist's im  Glück; im Leid sollst Du beweisen, Welch Gottesgeist Dich groß, unsterblich hält! 
So wirst Du wert, mich einst im Glück zu preisen.   Kuno Lehrmann, Rimpar."   

    
Beitrag von Julie Laßmann (geb. 1905 in Hainsfahrt, lebte in Rimpar, ermordet 1945 in Auschwitz) 
Anmerkung: Julie Laßmann war eine alleinstehende Musik- und Sprachlehrerin, die bis um 1935 mit ihren Eltern in Rimpar lebte, wo ihr Vater Maier Laßmann (s.o.) seit 1929 Kultusbeamter, das heißt vor allem Vorbeter, Religionslehrer und Schochet war. Ihre Mutter starb 1933. 1935 verzog sie nach Würzburg, wo sie im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Fremdsprachkurze zur Vorbereitung der Emigration hielt. Zuletzt war sie als Hilfsnäherin in einer Uniformfabrik in Würzburg zur Zwangsarbeit verpflichtet. Am 17. Juni 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Den nachfolgenden Text schrieb Julie Laßmann 1934 in Rimpar:  

Rimpar Israelit 23081934.jpg (293286 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1934: "So bin ich zu jüdischem Bewusstsein erwacht! Ein Tischoh-beaw-Erlebnis (9. Aw = Gedenktag der mehrfachen Zerstörungen des Tempels in Jerusalem). Von Julie Laßmann in Rimpar. 
Wenn ich heute mit geöffneten Augen zurückschaue auf mein früheres  Leben, auf jenen Dämmerzustand in der Atmosphäre eines wohligen Geborgenseins, der vor dem jüdischen Erlebnis liegt, bin ich zu einer Feststellung gezwungen, die beschämend genug ist für einen jüdischen Menschen: Aus gesetzestreuer Familie stammend, Abkömmling eines Geschlechtes, das dem Judentum Männer von Namen schenkte - eine Abkunft, die verpflichtet -, habe ich bin dahin doch mein Judesein mehr als private religiöse Angelegenheit empfunden. Wie locker war aber doch im ganzen die Bindung an Volk und Gemeinschaft! Beschämend, ja. Erst des Geschehens der letzten Zeit hat es bedurft, der Wucht dieses Erlebten, um hineinzufinden zum jüdischen Volksbewusstsein. - Eine Stunde aber ist, die mir die Verbundenheit mit meinem Volke erst ganz und voll ins Bewusstsein gerufen hat, nicht nur die Verbundenheit durch das Gemeinsame des äußeren Erlebens, sondern durch das Teilhaben an einer göttlichen Gnade: Eine Stunde, in der ich erschauernd das Glück des Judeseins empfand. 
Es war am Morgen des neunten Aw. Vater war sehr früh zur Synagoge gegangen und noch nicht daraus zurückgekehrt; so war ich allein im Hause. Ich wanderte umher in den Räumen, die noch erfüllt sind von ihr, von der Seele des Hauses, von der teuren Mutter, die erst vor kurzem uns abgefordert wurde nach des Himmels unerforschbarem Ratschluss. Es war ein Gefühl in mir, ganz eigen und sonderbar zerschlagen, ein unklares Gefühl, dass ich etwas suchen müsste, was mir fehlt, und dass ich es doch nicht würde finden könnten. Früh hatte ich in den Geschichtswerken gelesen, hatte mich in Bücher vertieft, die von den Ereignissen der schicksalsschweren Tage erzählen, an die der heutige erinnern soll, von der Belagerung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels, von Gefangenschaft und Flucht, von erneuter Belagerung der wiedererstandenen Stadt mehrere Jahrhunderte später, von heldenmütiger Verteidigung eines durch Hunger und Pest geschwächten Volkes, von der Einäscherung seines Heiligtums und dem gänzlichen Verlust der politischen Selbständigkeit. Drückend lastete auf mir die Schwermut des Tages. Da auf einmal, als ich wieder die Reihen der Bücher durchsah, wurde mir klar, was ich hier eigentlich wollte: Das 'Chumisch' (sc. eigentlich Pentateuch, hier aber Bibelausgabe bzw. Andachtsbuch gemeint) der Mutter suchte ich, ihr Andachtsbuch, um mich mit ihm auf die Erde zu setzen und das Klagelied des Propheten zu lesen, wie sie es vordem alljährlich getan. Ich nahm es heraus aus dem Schranke, dieses Buch mit dem Lederrücken und den abgegriffenen Deckeln, das ich so oft ihr zugereicht hatte. Eine Fromme ist sie gewesen, die Mutter. Von jener echten tiefsinnigen Frömmigkeit war sie, die unentwegt auf Gottes Hilfe vertraut, die unbeirrbar festhält an dem Zukunftsglauben, den kein auch noch so schweres Geschickt erschüttern kann. Und aus diesem Vertrauen wuchs inneres Frohsein, blühte ihr eine Freudigkeit des Seele, die ein Dauerndes geworden war und die sich jedem mitteilte, der in rechter Bereitschaft zu ihr kam, Dies Andachtsbuch, wie oft hat sie es in den arbeitsmüden Händen gehalten, wie oft sich an seinen frommen Erzählungen und Gleichnissen erbaut und uns Kindern daraus vorgelesen. So am Vorabend des neunten Aw. Da mussten wir uns, ob klein, ob erwachsen, zu ihr auf die Erde setzen und hörten dann in wehmutsvoller Ergriffenheit des Propheten Klage um die Stadt, die eine Krone war unter den Städten, um das zerstörte Heiligtum, um die verlorene Heimat. Mit Tränen in der Stimme las sie. Wir Kinder sahen verlegen vor uns hin; wir konnten diesen Schmerz im letzten nicht verstehen. Warum immer noch einem verlorenen Lande nachweinen, wenn man doch in einem so schönen anderen leben darf, in dem es uns gut ergeht und das wir von ganzem Herzen lieben! O Mutter, Deine Tränen verstehe ich jetzt. Wie würden sie heute fließen! Mutter, liebe fromme Mutter, Dir ist dies erspart geblieben, diesen bitteren Schmerz hast Du nicht erleben müssen. 
Das Buch Eicho (= Klagelieder Jeremias) liegt aufgeschlagen vor mir. Ich lese darin, meine Augen sehen die Linien, und meine Hand wendet die Blätter um. Doch was ich sehe, sind nicht Zeilen und Blätter, ist nicht Papier. Tränen verdunkeln mir den Blick, denn ich schaue die Geschichte meines Volkes. Eine Geschichte von Leiden Jahrtausende hindurch, eine Kette von Bedrückungen und Verfolgungen. Jede Zeit, jedes Jahrhundert brachte anderes Leid, ewig wiederkehrend, ewig sich ablösend und erneuernd. Ewig gleichbleibend aber, einziges lichtes Wunder, ist Beharren. Geschlechter kamen, litten, vergingen, Zehntausende ereilte der Opfertod: Das Judentum blieb. Keine Macht, kein Zeitgeschehen, kein noch so unerbitterlicher Zerstörungswille hat es auszurotten vermocht. Nicht 'zufällig' ist das Geschehen von heute; die Geschichte offenbart uns den Zusammenhang, zeigt uns das Walten eines höheren Sinnes in den Vorgängen, in der Entwicklung. - So lese ich in dem Buche vor mir, das so mächtig zu mir spricht: 'Darum gebe 
Rimpar Israelit 23081934a.jpg (71382 Byte) ich die Hoffnung nicht auf: Dass Deine Gnade nie endet, Dein Erbarmen nie aufhört. Deine Gnade erneuert sich jeden Tag, groß ist Deine Treue.' Spricht nicht unerschütterlicher Zukunftsglaube aus diesen Worten des Propheten, schimmert nicht tröstende Verheißung durch? O hohe Stunde, was lehrst Du mich! Glaubensstärke und Gottvertrauen, Wille zum Leben, freudiges Bejahen, Zukunftsvollen: Das ist's was auch diese Zeit von uns fordert. Und erstarken müssen wir in dem Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, im jüdischen Bewusstsein. - Mutter, wie sprichst Du zu mir, wir höre ich mit der Stimme des Propheten machtvoll Deine Stimme! Dein Geist ist es, der in diesem Worten lebt, in diesen Worten des Trostes, der Stärkung, des Zukunftswillen! - Und so gelobte ich ihr, die mir das Leben gab: Dass in diesem Geiste ich dies Leben führen will Vertrauen haben auf den Höchsten; Vertrauen auch darauf, dass der, der uns solche Leiden schickt, auch die Kraft gibt, sie zu ertragen; unerschütterliche Festigkeit und Treue bewahren, Treue der Gemeinschaft, zu der ich freudig mich bekenne: Das gelobte ich in dieser verpflichtenden Stunde. Und mit tiefer Beglückung wurde ich es gewahr: In dieser Stunde habe ich heimgefunden, heimgefunden zu meinem Volke."    

     
Weiterer Beitrag von Julie Laßmann: "Das Berchestragen - Eine Idylle" (1934)         

Rimpar Israelit 21091934.jpg (393321 Byte)Beitrag in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1934: 
zum Lesen bitte die Textabbildung anklicken  

       
       
Persönlichkeiten  
Vertreter der jüdischen Familie Lehman aus Rimpar   

Rimpar Lehmann 010.jpg (5219 Byte)Zwischen 1844 und 1840 wanderten die Brüder Emmanuel, Mayer und Henry Lehman aus Rimpar in die USA aus. Henry war der älteste der Brüder (geb. 1821 im Rimpar). Er gründete in Montgomery/Alabama zunächst einen Hausierhandel mit Pferdewagen. Zusammen mit seinem Brüdern Emanuel und Mayer begründete er ein Handelsgeschäft. Als Henry Lehman an Gelbfieber starb, übernahm der Bruder Emanuel Lehman das Familiengeschäft (auf dem Foto links vermutlich Emanuel und Mayer Lehman). Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg wurde der Firmensitz nach New York verlagert. Hier entstand nach einigen Jahrzehnten wechselvoller Firmengeschichte die Investmentbank Lehmann Brothers. Die Firma mit Hauptsitzen in New York City, London und Tokio (Büros in Frankfurt am Main [Lehmann Brothers Bankhaus] und in München) hatte im Jahr 2007 weltweit 28.600 Angestellte. Am 15. September 2008 musste sie im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 Insolvenz anmelden. 

Zum Tod von Emanuel Lehmann (1907)         

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Februar 1907: "New York. Die hiesige Judenheit hat einen schweren Verlust erlitten. Emanuel Lehmann, der seit vielen Jahren an der Spitze aller Wohltätigkeitsbestrebungen stand, ist nicht mehr! - Lehmann, 1827 in Bayern als Sohn von Abraham Lehmann und Frau Hanna geb. Rosenheim geboren, kam bereits im Alter von 20 Jahren nach Amerika und hatte geschäftlich bald großen Erfolg. Er war Direktor verschiedener Banken und industrieller Unternehmungen und genoss geschäftlich wie privat das größte Ansehen."      

   

Rimpar Aufbau 09021951.jpg (205470 Byte)  Artikel in der Zeitschrift "Aufbau" vom 9. Februar 1951: "100 Jahre Lehman Brothers. Geschichte eines von deutschen Juden gegründeten amerikanischen Bankhauses. Von Richard Dyck. In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte in Rimpar, einem Marktflecken von 1200 Einwohnern in der Nähe von Würzburg, der Viehhändler Abraham Lehmann und seine Frau Harriet und seinen Kindern. Wenn man Abraham vorausgesagt hätte, dass seine Söhne einst die Gründer eines berühmten und hochangesehenen amerikanischen Bankhauses werden würden, hätte er wohl ungläubig die Achseln gezuckt...."   Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken.     


Website der Lehmann Brothers Holdings Inc.
                
Englischer Wikipedia-Artikel "Lehman Brothers"
   
Deutscher Wikipedia-Artikel "Lehman Brothers"  
  
Zwei Abbildungen zu Familie Lehmann   

Rimpar Lehman 02.jpg (41220 Byte)Sohn des oben genannten Mayer Lehmann war Herbert Henry Lehmann (geb. 1878 in New York City, gest. 1963). Er war Gouverneur in New York von 1933 bis 1942 (list of Governors of New York bei Wikipedia) und vertrat den Staat New York im US-Senat von 1949 bis 1957. 
Links: Informationsseite der Columbia University Libraries zu Herbert H. Lehman;  
Wikipedia-Artikel (englisch) zu Herbert H. Lehman
Wikipedia-Artikel (deutsch) zu Herbert H. Lehman   
Biographical Directory of the United States Congress
  
  
Rimpar Stammhaus Lehmann 010.jpg (57389 Byte)Links: Stammhaus der Familie Lehmann in der Niederhoferstraße in Rimpar.  

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge            
    
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. Eine Synagoge wurde auf Antrag der jüdischen Gemeinde von 1791 im folgenden Jahr 1792 errichtet, nachdem auch der Rimparer Pfarrer seine Zustimmung gegeben hatte. Das Grundstück lag am ehemals sogenannten "Judenplatz" und war umgeben von Häusern jüdischer Familien. An der Außenwand wurde über dem Haupteingang ein Chuppastein ("Hochzeitsstein", s.u. bei den Fotos) angebracht. Bei den sogenannten Hep-Hep-Unruhen 1819 wurde die Synagoge beschädigt. Das Gebäude wurde aufgebrochen, die Fenster zerschlagen. Ein Militärkommando - zwei Offiziere und 50 Soldaten - kam nach Rimpar, um weitere Ausschreitungen zu verhindern.

Auf Grund der gestiegenen Zahl der Gemeindeglieder beschloss die jüdische Gemeinde 1850 die Erweiterung der Synagoge, die 1851/52 durchgeführt wurde. Dabei ist ein Turm mit einem Stiegenhaus angebaut worden; eine Galerie im ersten Stock für die Frauen wurde eingebaut. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das gesamte Inventar der Synagoge einschließlich der Ritualien zerstört, das Gebäude blieb jedoch erhalten. 
  
Das Synagogengebäude blieb nach 1945 erhalten. Es wird bis zur Gegenwart als Lagerhalle verwendet; das Gebäude das im Original noch vollständig erhalten (auch Originalfenster- und Türen). Im Inneren befindet sich eine zerstörte Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Auch die schön bemalte Decke ist noch teilweise erhalten. 1994 wurde das Gebäude in die Denkmalliste aufgenommen.  Vorübergehend war das Gebäude damals auf Grund einer Neubaumaßnahme in der Günterslebener Straße gut von der Straße aus sichtbar. Seit Abschluss des Neubaus ist ein Blick auf die ehemalige Synagoge nicht mehr möglich, da das Gebäude vollkommen von anderen Bauten umschlossen ist. 
   
Eine Gedenktafel wurde 1989 im Innenhof des früheren Schlosses und heutigen Rathauses angebracht. Sie enthält den Text: "In Rimpar bestand bis 1942 eine Jüdische Kultusgemeinde, Synagoge Marktplatz 8, die in der Pogromnacht außen beschädigt und innen verwüstet wurde. Zur Erinnerung an unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger".   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeHinterhof des Anwesens Marktplatz 8 beziehungsweise Storchstraße 4 (alte Anschrift 1932: Güntersleberstraße)   
    
    
Fotos
(Quelle: Fotos obere Zeile links und Mitte: Sporck-Pfitzer s.Lit. S. 72-73; Foto rechts von Theodor Harburger, veröffentlicht in: ders.: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth & Schnaittach Bd. 3 S. 673).

Rimpar Synagoge 101.jpg (52090 Byte) Rimpar Synagoge 100.jpg (118689 Byte) Rimpar Synagoge 010.jpg (97617 Byte)
Die ehemalige Synagoge mit dem 
1851/52 angebauten Treppenhaus
Der Hochzeitsstein   Tora-Schild (Tass) aus der Synagoge
(1938 vermutlich zerstört)
  
     
Rimpar Gedenktafel 01.jpg (42947 Byte)  
Gedenktafel im Schloss/Rathaus Inschrift: "In Rimpar bestand bis 1942 eine Jüdische
 Kultusgemeinde, Synagoge Marktplatz, die in der Pogromnacht außen beschädigt und innen
 verwüstet wurde. Zur Erinnerung an unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger". 
 

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

September 2008: Verlegung von "Stolpersteinen" in Rimpar   

Rimpar PA 17092008.jpg (97109 Byte) Rimpar PA 17092008a.jpg (202612 Byte) Artikel von Nadja Hoffmann in der "Mainpost" vom 17. September 2008 (zugeschickt von Joachim Braun, Würzburg)  
RIMPAR. Stolpersteine gegen das Vergessen. Besondere Aktion will in Rimpar an ermordete jüdische Mitbürger erinnern. 
Nach Würzburg und Estenfeld werden nun auch in Rimpar sogenannte "Stolpersteine" zur Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger verlegt. Am Samstag, 20. September, wird der Künstler Gunter Demnig in der Gemeinde Rimpar 13 Steine verlegen. Sie erinnern an Pauline Schwab und ihren Sohn Theodor, das Ehepaar Josef und Elsa Frank und ihre Kinder Fränzi, Margot und Inge, das Ehepaar Abraham und Ernestine Schwab und ihre Verwandte aus Würzburg, Klara Schwab, Hannchen und Karoline Tannenwald sowie Julie Lassmann. 
Es geht nicht darum, "Kollektivschuld zu suggerieren, sondern kollektive Verantwortung zu tragen", sagt Bürgermeister Burkard Losert. Bei einem Besuch auf dem Obersalzberg sei er erschüttert über die akribische Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten gewesen. Dies dürfe sich nicht wiederholen und müsse im Bewusstsein der Bevölkerung bleiben. Gemeinsam mit Schülern der Hauptschule werden am Samstag während der Einlassung der Steine Texte vorgetragen, die Christian Will (MdL a.D.) erarbeitet hat. Dabei werden die Rimparer interessante Dinge über die ehemaligen jüdischen Mitbürger erfahren. In der Hofstraße 2 das Kurzwarengeschäft der Familie Tannenwald. Von Schulheften über Betten und Schuhe gab es hier alles zu kaufen. Das Problem war, dass ab 1935 tagsüber nicht mehr dort eingekauft werden durfte. Doch trotz großer Achtsamkeit durch die Wächter, machten die Menschen dort nachts ihre Besorgungen. Inhaber waren Karl und Hannchen Tannenwald, die das Geschäft mit Sohn Leopold betrieben. Im Frühjahr 1937 beschloss Sohn Leopold Tannenwald wegen des steigenden staatlichen Druckes mit seiner Frau Selda und den Söhnen Kurt und Fritz nach Amerika auszuwandern und dort eine neue Existenz zu gründen. Seine Eltern blieben in Deutschland. Vater Karl Tannenwald starb 1940. Mutter Hannchen sowie eine Verwandte aus Würzburg (Karolina) wurden 1942 nach Theresienstadt gebracht und dort ermordet. In der Kirchenstraße 1 war das Manufakturgeschäft der Witwe Meta Schwab und ihrer Tochter Sophie. Beide starben noch vor Beginn der Deportationen eines natürlichen Todes. Pauline Schwab und ihr 16-jähriger Sohn Theodor waren unter den ersten unterfränkischen Juden, die nach Riga deportiert wurden. 
"Es geht nicht darum, Kollektivschuld zu suggerieren, sondern kollektive Verantwortung zu tragen" Burkart Losert, Bürgermeister.
In der Kirchenstraße 7 wohnten Abraham und Ernestine Schwab, sowie Klara Schwab. Abraham und Ernestine wurden 1942 von Würzburg aus nach Theresienstadt gebracht, Klara von Rimpar aus nach Isbica bei Lublin im östlichen Polen. Sie waren einfache Leute, die nie sonderlich aufgefallen waren. Eine weitere Station für die Verlegung der Steine ist in der Lömmelsgasse 20, wo die Familie Frank wohnte. In der Pogromnacht wurde ihre Hauseinrichtung zerstört, die Kinder barfüßig auf die Straße getrieben. 1942 wurde die Familie, wie Klara Schwab, nach Isbica gebracht. Die letzten Steine werden am Marktplatz 5 verlegt. Hier wohnte der israelische Kultusbeamte Mayer Lassmann mit seiner Frau und der Tochter Julie. Die Mutter von Julie starb bereits 1939, der Vater 1941. Christian Will war häufig Gast bei den Lassmanns und erinnert sich, dass Julie oft mit ihm und anderen Kindern musizierte. Etwa 1935 zog Julie nach Würzburg und wurde 1943 als Hilfsnäherin zur Zwangsarbeit in der Würzburger Uniformfabrik Kreisel verpflichtet. 1943 wurde sie zusammen mit den 56 letzten unterfränkischen Juden ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und in der Gaskammer ermordet. Der damalige Gauleiter meldete stolz nach Berlin: "Mainfranken ist Judenfrei!" 
      
September 2008:  Zahlreiche Presseartikel zu Rimpar nach dem Zusammenbruch der Investbank der Lehman Brothers, z.B. in der "Süddeutschen": 
Rimpar Haus Lehmann 010.jpg (27380 Byte)Links: Das Geburtshaus der drei Lehmann-Brüder im unterfränkischen Rimpar. Hier lebten die Drei, bis sie nach Amerika auswanderten und die Bank Lehman Brothers aufbauten. Auch Marcus Goldmann, Gründer der Investmentbank Goldman Sachs, stammt aus Unterfranken - aus der Gemeinde Trappstadt.   Banker aus Franken
Bericht von Hannah Wilhelm in der "Süddeutschen" vom 20. September 2008:   Herr Lehmann, Herr Goldmann, Herr Sachs
Drei Franken gründeten in Amerika Geldhäuser von Weltruhm. Jetzt kratzt der Bankenkrach an ihrem Erbe. Eine Spurensuche

Rimpar/Trappstadt - Das kleine unterfränkische Örtchen Rimpar bangt. "Es ist traurig, wirklich traurig", sagt der Apotheker der 7500-Seelen-Gemeinde im Vorbeigehen, er zuckt resigniert mit den Schultern und verschwindet in seinem Laden. Ja, die Bankenkrise ist traurig und nun sie ist auch in Rimpar bei Würzburg angekommen.     
Rimpar ist der Geburtsort von Heinrich Lehmann, dem Gründer der US-Investmentbank Lehman Brothers. Hier, im Haus, in dem nun die Apotheke ist, wuchs er auf, bevor er 1844 im Alter von 23 Jahren auswanderte, ins ferne Amerika, wo er zunächst einen Gemischtwarenladen in Alabama aufmachte. Darauf war man so stolz hier - und jetzt? 
Hühner in der ehemaligen Synagoge. Ganz in der Nähe der Apotheke wohnt Ludwig Heldwein und er hat es auch schon gehört: Lehman ist pleite, im Radio kam es, sagt er. Der kräftige Mann kratzt sich am Kopf, fährt mit der Hand durch die weißen Haarborsten und schließt eben schnell sein Hoftor auf, denn dahinter verbirgt sich ein besonderer Schatz, die Synagoge, die Heinrich Lehmann als Kind besucht hat. Der Putz bröselt von der Decke, die rostroten Wandbemalungen sind nur noch schwach zu erkennen. Staub kitzelt in der Nase. Aufgeschreckt flattern und gackern 30 Hühner durch die ehemalige Synagoge. Sie leben hier. "Ich bin Geflügelzüchter", sagt Heldwein und schält die blaue Plastikplane von einem Denkmal für die vier jüdischen Rimparer, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. "Ich muss es mit der Plane schützen, damit die Hühner nichts kaputt machen", erklärt er. 
Träume vom Geld aus New York. In guten Zeiten, da hat Bürgermeister Burkard Losert mal davon geträumt, dass die große Investmentbank aus New York vielleicht ein bisschen Geld rausrückt, damit die alte Synagoge renoviert werden kann. Aber aus, vorbei, das wird wohl nichts. Das weiß auch Bürgermeister Losert. Ein paar Millionen hätte die Gemeinde für das Projekt schon gebraucht. Aber Lehman Brothers hat Konkurs angemeldet, die Bank wird abgewickelt, am Schluss hatte sie viele Milliarden Dollar Schulden. Da bleibt auch für die Träume eines unterfränkischen Bürgermeisters kein Geld mehr. Die 300 Millionen, die die staatliche Förderbank KfW noch am Tag der Pleite an Lehman überwiesen hat - aus Versehen, wie die Radionachrichten gerade vermelden - die hätten locker gereicht für die Renovierung der Synagoge. "Also, wie so etwas passieren kann", ärgerlich schüttelt Losert den Kopf, "unser Stadtkämmerer, der schaut jeden Tag in die Zeitung, und wenn da über eine Insolvenz von einem Unternehmen berichtet wird, da überweisen wir von der Gemeinde keinen Cent mehr. Das ist doch klar." Nein, sagt Losert, dem Stadtkämmerer von Rimpar wäre so ein Missgeschick nicht passiert. 
"Man kann nur hoffen, dass es Goldman Sachs besser ergeht", sagt die Bibliothekarin Cordula Kappner und lässt ihre Augen über den märchenhaft-idyllischen jüdischen Friedhof in Kleinbardorf schweifen. Um die Investmentbank Goldman Sachs geht es der 67-Jährigen nicht wirklich, die ist ihr ziemlich egal. Es geht ihr um Marcus Goldmann, den Gründer von Goldman Sachs. Sie hat ihn kürzlich entdeckt - genauer gesagt hat sie entdeckt, dass auch er aus einem kleinen fränkischen Ort kommt. Aus Trappstadt, das ist etwa eine Autostunde von Rimpar entfernt. "Ich habe mich so gefreut, dass es ihm so gut ergangen ist, einem von hier, der so viel erreicht hat", sagt Kappner. Das soll doch nun bitte nicht den Bach runtergehen. Bankenkrise hin, Finanzkrise her.
Keine Perspektive mehr in Unterfranken. Drei der ganz großen amerikanischen Bankengründer vergangener Zeiten kommen aus Unterfranken: Heinrich Lehmann, Gründer von Lehman Brothers, aus Rimpar. Marcus Goldmann, Gründer von Goldman Sachs, aus Trappstadt. Und auch sein Kompagnon Joseph Sachs kommt aus Unterfranken. Woher genau, weiß man nicht, "aber ich bin dran", verspricht Bibliothekarin Kappner. Bald wird sie wieder in Würzburg ins Archiv gehen; den Joseph Sachs, den treibt sie auch noch auf. 
Drei Banker von Weltruhm - alle drei waren sie Juden, die keine Perspektive mehr sahen in Unterfranken, Mitte des 19. Jahrhundert. Keine Zukunft, kaum Spielraum - die Gesetze für Juden waren hier sehr streng. Jüdische Bürger konnten sich nicht einfach niederlassen oder heiraten, wenn sie wollten. Sie durften keinen Beruf erlernen. Zahlen mussten sie aber - Steuern und Sonderabgaben für alles und nichts. Heinrich Lehmann, Marcus Goldmann, beide Söhne von Viehhändler, wollten so nicht leben. 
Die letzte Lehmann-Erbin starb im KZ. Also nahmen sie das Schiff nach Amerika; Lehmann 1844, Goldmann 1848. Die, die in Franken blieben, blieben meist kleine Händler und zahlten weiter. Im 20. Jahrhundert leiteten die Nachkommen von Lehmann und Goldmann die mittlerweile riesigen Banken in New York, waren Politiker oder Richter. Die Nachkommen der Zurückgebliebenen wurden im nationalsozialistischen Deutschland verfolgt, einigen gelang die Flucht, die anderen wurden ermordet. Die letzte Lehmann-Erbin, die noch in Unterfranken lebte, starb 1942 in Treblinka, im KZ. Cordula Kappner stapft über den Kleinbardorfer Friedhof und sucht nach einem Grabstein. Da ist er: "Sannel Goldmann" steht kaum noch lesbar auf einem der vielen Grabsteine, die von grünem, gelben und braunen Moosflechten bewachsen sind. Sannel war ein kleiner Bruder von Marcus Goldmann. 1848 haben sie sich wohl das letzte Mal in ihrem Leben gesehen - als Marcus seine Sachen packte und ging. Für immer. Der kleine Sannel blieb und wurde hier in Unterfranken begraben. 
Der verwitterte Grabstein ist eine der wenigen Spuren, die noch vom Leben des Marcus Goldmann erzählen. Es gibt noch ein paar weitere Gräber von Verwandten. Auf dem alten jüdischen Friedhof in Würzburg zum Beispiel, liegen eine Schwester von Marcus Goldmann und ein Neffe von Heinrich Lehmann begraben. Goldmann und Lehmann - in Deutschland kannten sie sich wohl nicht, aber sie kamen aus dem gleichen Milieu. Und es war das gleiche Leben, das sie nicht mehr leben wollten." 
 
November 2008: Bemühungen um den Erhalt der ehemaligen Synagoge  
Rechts (Foto von Norbert Schwarzott): Die ehemalige Synagoge wird als Hühnerstall verwendet  Rimpar Synagoge 370.JPG (50214 Byte) Rimpar Synagoge 371.JPG (38830 Byte) Links: Der Treppenturm - Anbau zum Betsaal und Zugang der Frauen zur Frauenempore
Artikel von Kurt Mintzel in der "Mainpost" vom 12. November 2008: 
"RIMPAR. Förderverein soll die ehemalige Synagoge retten. Nicht alles verfallen lassen. 
Werden nun auch die Rimparer einen Förderverein ins Leben rufen, der sich um den Erhalt der ehemaligen Synagoge kümmert? Das Gebäude ist im Privatbesitz und wird als Hühnerstall genutzt. Bei der Gedenkstunde an die Pogromnacht im Rittersaal des Grumbach-Schlosses fehlte es nicht an Appellen, den unhaltbaren Zustand zu ändern.

Standort der ehemaligen Synagoge ist der Hinterhof Marktplatz 9 oder Storchstraße 4. 1932 lautete die Anschrift noch Günterslebener Straße. Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1791 stellte die damalige jüdische Gemeinde einen Antrag auf Errichtung einer Schule. Als der katholische Pfarrer in Rimpar seine Zustimmung gegeben hatte, wurde sie 1792 erbaut. Das Grundstück war umgeben von Häusern jüdischer Familien. An der Außenwand wurde über dem Haupteingang ein Hochzeitsstein angebracht. Weil die Zahl der Gemeindemitglieder wuchs, beschlossen die Verantwortlichen die Erweiterung um eine Frauenempore mit Zugang über einen angebauten Treppenturm. Dieser Anbau ist das Charakteristikum der Rimparer Synagoge und einmalig in ganz Franken. Heute wird die Synagoge, die in Privatbesitz ist, als Hühnerstall genutzt. 
In einer Reportage hat unser Redaktionsmitglied Angelika Becker am 27. September 2008 den Zustand der ehemaligen Synagoge so beschrieben: In der Storchstraße klingelt Bürgermeister Burkard Losert bei Ludwig Heldwein. Der ist gleich bereit, uns über den Hof und durch die Scheune zu führen, vorbei an Strohballen, unter spinnwebenverhangenen Balken hindurch. Dann öffnet Heldwein eine Tür, und wir stehen in der alten Synagoge von 1792. Von Osten dringen Sonnenstrahlen durch den Staub, den das Federvieh aufwirbelt. In mannshohen Ställen, die den Raum vollständig füllen, gackern Zwergseidenhühner und Kraienköppe. "Ludwig ist ein engagierter Geflügelzüchter", sagt Losert. Engagiert kümmert sich Heldwein auch um den brüchigen Synagogenbau. Einiges Geld habe er schon in das Haus gesteckt. Das Türmchen, das einst zur Galerie der Frauen führte, hat er renoviert, weil es ihm gefiel. "Man kann ja nicht alles einfach verfallen lassen." Der Hausherr zieht von einem Gedenkstein zu Ehren der vier jüdischen Rimparer Gefallen des Ersten Weltkriegs die Plastikplane. "Die schützt ihn vor den Hühnern." Soweit der Auszug aus der Reportage. Zur Synagoge gehörte auch eine Mikwe, ein Ritualbad mit fließendem Quell- oder Grundwasser. In Rimpar lag das Bad beim Haus des Rabbiners hinter der ehemaligen Bäckerei Wild. Losert erinnerte daran, das erst kürzlich durch den Zusammenbruch der Lehmann Bank, deren Gründer aus Rimpar stammten, das Schicksal der Rimparer Synagoge wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Mehrere Fernsehteams aus dem In- und Ausland filmten im Inneren. Losert meinte, es sei verwunderlich, dass sich niemand über den Zustand des Gebäudes aufregt. Er erinnerte daran, dass Berichte über Kirchen, die die Sowjets als Kuhstall und Lagerhallen nutzten, für große Aufregung in der Öffentlichkeit gesorgt haben. "Auch wenn eine Synagoge nach der Schändung nicht mehr als Gebetsraum genutzt werden darf, ist es ein unhaltbarer Zustand", so der Bürgermeister. Man müsse sich an vielen fränkischen Gemeinden ein Beispiel nehmen, die ihre ehemaligen Synagogen renoviert haben und jetzt kulturell nutzen. Losert nannte als Beispiele Gaukönigshofen, Urspringen, Kitzingen und Veitshöchheim. "Unsere Synagoge mit ihren besonderen Turm und den jetzt noch restaurierbaren inneren Malereien wäre es wert, dass sich unsere Bürger für eine Renovierung dieses denkmalgeschützten Gebäudes engagieren", so Losert weiter. Das Hauptproblem dabei: Die ehemalige Synagoge hat keinen direkten Zugang mehr zur Straße. Losert forderte die Rimparer Bürger auf: "Machen wir es wie unsere Nachbarn, packen wir an und versuchen den Kraftakt der Sanierung gemeinsam anzugehen."
 
Dezember 2010: Weitere Bemühungen um den Erhalt der ehemaligen Synagoge und einen öffentlichen Zugang zum Gebäude   
Artikel von Irene Konrad in der "Main-Post" vom 14. Dezember 2010 (Artikel): "RIMPAR - Unterschriften für die Synagoge 
Engagierte Rimparer wollen einen öffentlichen Zugang zum ehemaligen Gebetshaus 

Engagierte Rimparer Bürger haben einen erneuten Rettungsversuch für die ehemalige Synagoge gestartet. Am Montag überreichten Hannelore Mintzel, die evangelische Pfarrerin Bettina Lezuo und Guido Bausenwein im Rathaus Bürgermeister Burkard Losert eine Unterschriftenliste. 137 Rimparer hatten binnen weniger Tage mit ihrem Namen bezeugt, dass sie sich für die denkmalgeschützte ehemalige Synagoge in Rimpar einsetzen. Um einen öffentlichen Zugang zur einstigen Synagoge zu schaffen, bitten sie den Marktgemeinderat, ein Grundstück neben der einstigen Synagoge zu kaufen. Dessen Besitzer signalisieren Gesprächsbereitschaft.
Marktgemeinderat berät.  Am Donnerstag, 16. Dezember, steht der Zugang zur Rimparer Synagoge auf der Tagesordnung der Sitzung des Marktgemeinderats, und zwar im nichtöffentlichen Teil, weil es um Grundstücksangelegenheiten geht. 'Im Raum steht eine sechsstellige Summe im niedrigen Bereich', äußert sich Bürgermeister Losert noch etwas bedeckt über die Möglichkeit, ein der einstigen Synagoge benachbartes Grundstück mit 435 Quadratmeter kaufen zu können. Für Hannelore Mintzel und ihre Mitstreiter ist dieser Grundstückankauf 'eine einmalige, nicht wiederkehrende Chance'. Die Sprecherin des Arbeitskreises Pogromgedenken sieht in der ehemaligen Synagoge ein Kulturgut, 'für das sich aller Einsatz lohnt".
Synagoge entstand 1792. Spätestens seit November 2008 bei einer Gedenkstunde an die Pogromnacht in Rimpar vor 70 Jahren ist sich ein Kreis engagierter Bürger einig, dass sich die Synagoge aus dem Jahr 1792 in einem unhaltbaren Zustand befindet. Dabei gilt sie mit ihren noch vorhandenen Wandmalereien im Innenraum und dem angebauten Treppenturm mit eckiger Turmhaube als einmalig in ganz Franken. Der Turm wurde 1838 aufgrund der wachsenden jüdischen Gemeinde als Aufgang zu einer neuen Frauenempore gebaut.
Heute ist der ehemalige Gebetsraum in Privatbesitz. Seit der Zerstörung 1938 wurde die Synagoge als Lagerraum und Stall genutzt. Aktuell dient sie einem Kleintierzüchter als Hühnerstall. Beim Novemberpogrom 1938 war die Synagoge besonders im Innenraum schwer beschädigt worden. Aber sie wurde damals von den SA-Schergen nicht abgebrannt. 'Das lag wohl an der engen Bebauung rund um die Synagoge', mutmaßt Bürgermeister Losert. Die umliegenden Gebäude sollten wohl nicht gefährdet werden.
Die einstige Synagoge ist nicht mehr im Bewusstsein vieler Rimparer. Mit dem Ankauf des benachbarten Grundstücks könnte sich das ändern. 'Irgendwann einmal', wenn die Finanzen der Marktgemeinde einmal besser sind, wird es im Einvernehmen mit dem Besitzer vielleicht einmal möglich sein, die ehemalige Synagoge vor dem Verfall zu retten.
Keine leichte Entscheidung. Dass die Gemeinde aufgrund ihrer derzeitigen Finanzlage ein Grundstück in der Ortsmitte kaufen sollte, wird im Ratsgremium umstritten sein. Die Marktgemeinde befindet sich angesichts ihrer Schuldenlast auf einem 'rigorosen Sparkurs' und ist froh, dass sie in den letzten drei Jahren die Pro-Kopf-Verschuldung senken und den Haushalt einigermaßen sanieren konnte.
Mit Herzblut. Es gibt laut Bürgermeister Losert aber 'einen Sanierungsstau, allein bei Straßen und Kanälen' und 'einen gewaltigen Einbruch bei der Gewerbesteuer'. Dabei stehen der Gemeinde mit dem Bau der Umgehungsstraße gewaltige Ausgaben in zweistelliger Millionenhöhe ins Haus. Die Unterzeichner für den Ankauf des Grundstücks hoffen dennoch mit Herzblut, dass die Abstimmung im Marktgemeinderat zugunsten der ehemaligen Synagoge ausgeht. 'Damit wäre ein erster Schritt gemacht, der Türen offen hält', erklärt Mintzel."    
  
Dezember 2010: Weiteres Engagement für den Erhalt der ehemaligen Synagoge   
Rimpar Syn 122010f.jpg (57322 Byte)Foto links: Kunstgeschichtlich bedeutsam. Im Innern der ehemaligen Synagoge sind noch Wandmalereien erhalten.    
Artikel von "hon" in der "Main-Post" vom 22. Dezember 2010 (Artikel): "Freundeskreis für die Synagoge
Mittlerweile haben 157 Bürger dafür unterschrieben, dass die ehemalige Synagoge in Rimpar saniert werden sollen. Dies ist laut Bürgermeister Burkard Losert ein Meinungsbild mit dem man sich nun intensiv auseinandersetzen soll. Einigkeit herrschte im Gemeinderat darüber, dass die Sanierung der Synagoge wichtig ist. Das Foto zeigt Wandmalereien in der ehemaligen Rimparer Synagoge.
Angesichts der schlechten Finanzlage des Marktes sieht man aber keinen vorrangigen Handlungsbedarf. Eine optimale Voraussetzung zur Sanierung der Synagoge wäre dann gegeben, wenn neben dem in Rede stehenden Grundstück Marktplatz 8, eine Teilfläche des benachbarten Grundstückes als unmittelbarer Zugang zum Hauptportal der Synagoge und der Erwerb der Synagoge selbst gelinge.
Diese drei Schritte müssten parallel erfolgen, damit nicht das eine Geschäft gemacht würde und das andere nicht zustande komme und die Sache im Ansatz am Grundsätzlichen scheitere, so Losert. Die Synagoge sei als wichtiges Kulturgut der Gemeinde alle Anstrengungen wert, erhalten zu werden.
Der Weg könne aber nur einer sein, nämlich ein Förderverein, der das Projekt voranbringe, meint Losert. Ein Beispiel wäre das Schloss Grumbach mit seinem Freundeskreis oder auch das Walderlebniszentrum, das mit europäischer Förderung gestemmt wurde.
Weitere Zuschusstöpfe wären die Städtebauförderung, das Denkmalamt und der Kulturfonds des Bezirks Unterfranken. Der Gemeinderat nahm dies zur Kenntnis und empfiehlt den Verantwortlichen mit dem Initiativkreis auf die Beteiligten zuzugehen und Gespräche zu führen."   
 
September 2011: Die ehemalige Synagoge wird weiterhin als Hühnerstall verwendet   
Artikel in der "Main-Post" vom 23. September 2011: "Ehemalige Synagoge (k)ein Ort des Erinnerns
Die ehemalige Synagoge in Rimpar wird als Hühnerstatt genutzt. Das ist eine Tatsache. Warum man das aber ausgerechnet den israelitischen Gästen aus dem Partnerlandkreis Mate Yehuda zeigen musste, sorgte nicht nur bei den Israelis für Kopfschütteln. Eine Reihe von Missverständnissen seitens des Landratsamtes führte zu dem umstrittenen Programmpunkt..." 
Link zum Artikel; auch eingestellt als pdf-Datei.        
 
Oktober 2014: Nichts Neues zur ehemaligen Rimparer Synagoge  
Artikel in der "Main-Post" vom 7. Oktober 2014: "Rimparer Synagoge rottet weiter vor sich hin...."   
Link zum Artikel     

    
     

Links und Literatur

Links:  

Website der Marktgemeinde Rimpar  
Informationen zur jüdischen Geschichte Rimpars auf der Website des Landkreises Würzburg 
Namen der Gefallenen der Kriege in den Listen des Hauses der Bayerischen Geschichte 

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 392-393.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 106-107.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 565-567.
Roland Flade: The Lehmans - From Rimpar to the New World. A Family History. Wuerzburg 1996.
Ders.: Die Lehmanns und die Rimparer Juden - Zur Dauerausstellung im Rathaus Rimpar. Würzburg 1996. 
Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988. S. 72-74. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 274-275.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.            

Rimpar  Lower Franconia. The Jewish settlement dates from no later than the first half of the 18th century. The Jewish population grew to 142 in 1867 (total 2.152). Rimpar war the birthplace (1878) of Herbert Lehman, governor of New York in 1932-42 and U.S. senator in 1949-57. In 1933, 54 Jews remained; 37 left in 1936-40, 22 emigrating to the United States. On Kristallnacht (8-10 November) the synagogue was vandalized and Jews were beaten. Of the nine Jews remaining in 1942, six were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) on 24 April and three to the Theresienstadt ghetto on 23 September 1942. 
  
    

                   
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Stand: 27. September 2015