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Laudenbach (Stadt Karlstadt, Landkreis
Main-Spessart)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Hinweis: es gab jüdische Gemeinden auch in Laudenbach
(Ortsteil von Weikersheim, Main-Tauber-Kreis) und in Laudenbach
(VG Kleinheubach, Kreis Miltenberg).
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Laudenbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942, deren Entstehung in
das 16. Jahrhundert zurückgeht. Damals war Juden durch ein Gesetz des
Würzburger Fürstbischofes untersagt, ihren Wohnsitz im benachbarten Karlstadt
zu nehmen. In mehreren Orten der Umgebung wurden sie dagegen aufgenommen. 1623
wurden acht jüdische Einwohner (oder Familien?) in Laudenbach gezählt.
Im 19.
Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816
179 jüdische Einwohner (29,1 % von insgesamt 892), 1867 129 (14,3 % von
903), 1890 141 (14,9 % von 944), 1910 117 (11,5 % von 991). Die Gemeinde
gehörte zum Bezirksrabbinat
Würzburg, zuletzt ab 1937 zum Bezirksrabbinat Aschaffenburg.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) mit einem Schulraum, ein
rituelles Bad, ein Friedhof und eine
Mazzenbäckerei. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern waren
insbesondere in der Gemeinde tätig: Lazarus Blumenthal (1872 - 1905), Hirsch
Oppenheimer (1905-1932), Theodor Rosenfelder (1933-?).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Hirsch (geb.
29.8.1887 in Laudenbach, gef. 14.8.1915), Rudolf Berney (geb. 14.6.1893 in
Laudenbach, gef. 5.10.1914), Siegfried Rothschild (geb. 15.4.1894 in Laudenbach,
gef. 26.2.1915), Amson Birk (geb. 29.7.1893 in Laudenbach, gef. 25.9.1916) sowie Isidor
Berney (geb. 18.9.1890 in Laudenbach, gef. 30.1.1915). Ihre Namen stehen
auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Weltkriege an der Kreuzung
Brunngrabenweg/Rathausstraße (siehe Bericht zur Einweihung des
Gefallenendenkmals von 1928 unten).
Um 1924, als 90 jüdische Einwohner gezählt wurden (9,0 % von insgesamt
etwa 1.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Nathan Adler und Aron
Siegel. Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte der bereits genannte Hirsch Oppenheimer. Er erteilte
drei schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen
Vereinen bestanden eine Chevre Gemilut Chassodim (spätestens 1781
gegründet, 1932 unter Leitung von Jakob Hirschenberger; Zwecke und
Arbeitsgebiete: Wohltätigkeit, Krankenfürsorge, Bestattung) sowie ein Israelitischer
Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Moses
Hecht mit 20 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Jakob Hirschberger, Ziel:
Wohltätigkeit). 1932 werden als Vorsteher genannt: Nathan Adler (1.
Vors.), Aron Siegel (2. Vors.) und Leopold Hirsch (3. Vors.). Im Schuljahr
1931/32 war die Lehrerstelle - nach der Zurruhesetzung von Lehrer Hirsch
Oppenheimer - zeitweise vakant. Zu unterrichten waren damals neun
jüdische Kinder in Religion. Inzwischen gab es unter den Vereinen auch eine
Zweigstelle der Zionistischen Organisation. 1933 wurde als Lehrer Theodor
Rosenfelder in sein Amt eingesetzt (siehe Bericht unten).
1933 wurden noch 79 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden Jahren
konnte ein Teil der Gemeindeglieder auswandern,
die Mehrzahl verzog in andere deutsche Orte. Bis 1939 ging die Zahl der
jüdischen Einwohner auf 24 zurück.
Im September 1938 brachen ortsansässige Jugendliche, ermuntert durch die
während der Sudetenkrise entfachte Propaganda, in zehn jüdische Häuser ein
und zerschlugen die Fenster. Auch die Fenster der Synagoge wurden
zertrümmert. Am frühen Morgen des 10. November 1938 kamen einige Dutzend
uniformierter SA-Leute aus Karlstadt und Wiesenfeld nach Laudenbach. Unter
Beteiligung zahlreicher Ortsbewohner drangen sie in Gruppen von drei bis vier
Personen in die jüdischen Häuser ein und richteten hier und in der Synagoge
(s.u.) schlimmste Verwüstungen an.
Von den in Laudenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Isaak Adler (1867),
Manfred Adler (1894), Frieda Berney (1879), Hannchen Berney geb. Adler (1885),
Julius Berney (1881), Else Bernheimer geb. Kaufmann (1889), Anna (Nanni)
Blumenthal (1883), Moses Blumenthal (1885), Emma Dessauer geb. Hirsch (1883),
Hannchen Fleischmann geb. Hirsch (1876), Karl Frank (1937), Lothar Frank (1906),
Moses Frank (1876), Wolf Löb Frank (1935), Ettel Ida Freudenberger geb. Höbel
(1881), Berta Friedmann geb. Kaufmann (1890), Jakob Hirschberger (1879), Lina
Hirschberger geb. Blumenthal (1884), Hedwig Höbel (1884), Hirsch Höbel (1886),
Julius Höbel (1933), Helene Kaufmann (1859), Hilda (Hilde) Landauer geb. Adler
(1893), Nanni Rothschild (1895), Aron Siegel (1884), Hedwig Siegel geb. Adler
(1881), Elise (Esther) Süsser geb. Süsser (1857).
Hinweis: Es kann zu Verwechslungen in den Listen der Umgekommenen mit Personen
kommen, die aus der jüdischen Gemeinde in Laudenbach
(Stadt Weikersheim)
stammen.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
25jähriges Amtsjubiläums des Lehrers Lazarus Blumenthal (1897)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1897: "Laudenbach.
Am Schabbat Paraschat Chukat (Schabbat mit der Toralesung Chukat
= 4. Mose 19,1 - 22,1, das war am 10. August 1897) wurde von der Gemeinde
Laudenbach bei Karlstadt am Main das 25-jährige Amtsjubiläum des Lehrers
Lazarus Blumenthal feierlich begangen. Am Schabbat morgens vor
sieben Uhr begab sich die ganze israelitische Gemeinde in die dekorierte
Wohnung des Jubilars, um denselben zum Gottesdienste abzuholen. Zuvor
wurde ihm jedoch von dem Kultusvorstande Sandel Frank namens der Gemeinde
Glückwünsche entgegengebracht, sowie auch zwei schöne und wertvolle
Geschenke überreicht, in Formen eines silbernen Pokals und eines
hübschen Regulators. Nachdem noch der Jubilar von zwei Schülern namens
der Schuljugend zwei Blumensträuße nebst Beglückwünschungen in
poetischer Form entgegengenommen hatte, begab sich der Festzug in die
schmuckvoll dekorierte Synagoge, woselbst nach Absingen des Mah towu
der Vorstand Sandel Frank warme und zu Herzen gehende Worte an den Jubilar
richtete, indem er ihm für seine 25-jährige segensreiche Amtstätigkeit
namens der Gemeinde den tief gefühlten Dank aussprach und unter Anwendung
der Bibelstelle der betreffende Sidre 'Auf gebahnter Straße
wollen wir gehen' (4. Mose 20,19) besonders hervorhob, wie der Jubilar
stets bestrebt war, durch Wandeln auf der geraden Straße und durch
freundliches Zuvorkommen gegen jedermann, den Frieden aufrecht zu
erhalten.
Der zweite Redner Seligmann Bach, Mitglied der neu gegründeten Chewra
Gemillut Chassodim (Wohltätigkeitsverein) bekundete in seinen Worten
nicht nur seine Gesinnungen gegen den Jubilar selbst, seine Achtung vor
ihm und seine Liebe und Anhänglichkeit zu ihm, sondern zeigte an der Hand
der Mischna-Stelle (Pirkei Awot 6 Mischna 3), wie man dem
gesamten jüdischen Lehrerberufe achtungs- und ehrfurchtsvoll
entgegenkommen müsse.
Sichtlich gerührt von den Worten seiner Vorredner dankte der Jubilar der
zu Tränen gerührten Gemeinde für ihre aufrichtige Liebe und
Anhänglichkeit zu ihm, sowie für ihr freundliches
Entgegenkommen.
Einen gemütlichen Abschluss fand die Feier durch ein Gartenfest, zu
welchem sich auch die benachbarte israelitische Gemeinde Karlstadt
eingestellt hatte. Hierselbst wechselten Gesänge und Toaste miteinander
ab, unter welch letzteren auch seiner Königlichen Hoheit des
Prinzregenten Luitpold ehrfurchtsvoll gedacht wurde.
Seitens Privatleuten wurde der Jubilar ebenfalls mit schönen Geschenken
bedacht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange - bis
100 Jahre - in seiner Gemeinde segensreich zu
wirken." |
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Anmerkung: außer der Tochter Ricka geb.
Blumenthal, die 1905 sich mit Lehrer Hirsch Oppenheimer verlobte, nennt
Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden Bd. I S. 99-100
folgende Kinder von Lehrer Blumenthal aus seiner Ehe mit Zerline geb.
Guttmann (möglicherweise noch weitere Kinder):
Maier Blumenthal (geb. 1876 in Laudenbach), war nach Ausbildung an
der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg Religions- und
Volksschullehrer in Unsleben. Lebte
von 1935 bis 1939 in Würzburg, emigrierte im Dezember 1939 mit seiner
Frau Selma geb. Lehmann in die USA (New York).
Anna (Nanni) Blumenthal (geb. 1883 in Laudenbach, umgekommen nach
der Deportation 1942 in Riga).
Kinder waren vermutlich auch die in der Liste der aus Laudenbach
umgekommenen Personen Lina Hirschberger geb. Blumenthal (geb. 1884 in
Laudenbach) und Moses Blumenthal (geb. 1885 in Laudenbach). |
Anzeige zur Verlobung von Ricka Blumenthal und Lehrer Hirsch Oppenheimer (1905)
Die Verlobung wird kurz vor Lehrer Oppenheimers Dienstantritt
in Laudenbach stattgefunden haben, da er Mitte Mai 1930 sein 25-jähriges
Amtsjubiläum feiern konnte. Zum Zeitpunkt der Verlobung war er noch als
Präzeptor (Seminarhilfslehrer) an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in
Würzburg tätig. Ricka geb. Blumenthal war die Tochter des o.g. Lehrers Lazarus
Blumenthal und seiner Frau Zerline geb. Gutmann.
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. März
1905: "Statt jeder besonderen Mitteilung
Ricka Blumenthal - Hirsch Oppenheimer, Präzeptor
Verlobte.
Laudenbach am Main bei Karlstadt - Würzburg, Bibrastraße
6." |
Lehrer Hirsch Oppenheimer war 10 Jahre an der Israelitischen
Lehrer-Bildungs-Anstalt in Würzburg tätig (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Januar
1906: "Würzburg. Wir nehmen von Ihrer Mitteilung, dass auch
Herr Lehrer Oppenheimer in Laudenbach, der mehr wie 10 Jahre als
Präzeptor an der dortigen Israelitischen Lehrer-Bildungs-Anstalt tätig
war, in dem Berichte derselben nicht erwähnt worden ist, Notiz.
Hoffentlich holt der nächstjährige Bericht sein Versäumnis zwei so
verdienten Männern gegenüber, wie die Herren Dr. Bamberger und Lehrer
Oppenheimer, nach. Hat doch Herr Lehrer Oppenheimer sogar längere Zeit
unentgeltlich Unterricht an der Anstalt erteilt, und hätte ihm schon
deswegen anlässlich seines Scheidens öffentlicher Dank
gebührt." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Hirsch Oppenheimer und Ernennung zum
Ehrenbürger von Laudenbach (1930)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni
1930: "Laudenbach bei Karlstadt. Am Lag B'aumer (16. Mai)
feierte unser Lehrer Herr Hirsch Oppenheimer sein 25-jähriges
Amtsjubiläum als Kantor, Schochet und Verwalter des Israelitischen
Distriktsfriedhofs und gleichzeitig das Fest der Silbernen Hochzeit mit
seiner Gattin Ricka geb. Blumenthal.
Vor Eingang des Freudentages ehrten die Schulkinder den Jubilar in seiner
Wohnung durch einen Prolog. Nach dem Abendgebet in der dicht besetzten,
festlich geschmückten Synagoge fand ein Festgottesdienst statt. Seine
Ehrwürden, Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover (Würzburg) und von der
Ortsgemeinde der Gemeinderat mit den Herren Bürgermeister Pfrenzinger und
Schmitt nahmen an der Feier teil. Auch die Einwohnerschaft beteiligt sich
zahlreich. Kultusvorstand Nathan Adler schilderte in kurzen Worten die
Amtstätigkeit des Jubilars und wünschte seinem weiteren Wirken Glück
und Segen.
Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover gab seine Freude darüber zum Ausdruck,
dass er heute seinem pflichtgetreuen und frommen Beamten und Kollegen für
die arbeitsfreudige Hingabe danken dürfe. Denn 25 Jahre als Lehrer in
einer Kultusgemeinde zu sein und die Wertschätzung aller zu gewinnen, sei
eine besondere Leistung. Auch Frau Oppenheimer als der braven, frommen,
echt jüdischen Frau galten seine Wünsche.
Als Vertreter der Israelitischen Filialkultusgemeinde Karlstadt
gratulierte Herr Willi Süsser. Auch der Israelitische
Wohltätigkeitsverein Laudenbach gedachte seines Jubilars in den beredten
Worten seines Vorstands, des Herrn Jakob Hirschenberger.
Der Vertreter der Israelitischen Distriktsfriedhofverwaltung, Herr Aron
Siegel (Laudenbach) beglückwünschte mit Dankesworten den Gefeierten für
die langjährige schwere mühevolle Arbeit als Friedhof-Verwalter. Die
Ortsgemeinde Laudenbach überbrachte mit den vortrefflichen Worten des
Herrn Bürgermeisters Pfrenzinger Dank und Glückwunsch. Dem Jubilar wurde
als treuem Religionslehrer das Ehrenbürgerrecht unter
Überreichung einer prachtvollen Urkunde verliehen. Herr Oberlehrer
Weigand und Herr Lehrer Schmitt brachten mit Dankesworten die Freundschaft
der bisherigen Lehrerschaft zum Ausdruck. Inzwischen hatte sich auch der
Herr Pfarrer Scheurich in die Lehrerwohnung eingefunden und
beglückwünschte das Jubelpaar aufs herzlichste. Mit besonderer Freude
gereiche es ihm, das gute Einvernehmen der beiden Konfessionen zu
bekunden. Reichen Anteil daran gebühre in erster Linie dem Jubilar. Die
verschiedenen Vereine Laudenbachs trugen ihr Bestes zur Verschönerung des
Festes bei. Mit gerührten Worten dankte der Jubilar für alle Ehrungen.
Die Feier wird der Gesamteinwohnerschaft stets in Erinnerung bleiben. Aron
Siegel, Laudenbach." |
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| Anmerkung zu Hirsch Oppenheimer nach
Angaben von Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden Bd. 2 S.
427: Hirsch Oppenheimer ist am 30. Dezember 1867 in Miltenberg
geboren. Er ließ sich an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in
Würzburg zum Lehrer ausbilden (Examen 1887). Seine erste Stelle war im
mittelfränkischen Leutershausen, bis er Ende 1896 als Seminarhilfslehrer
(Präzeptor) an die Israelitische Lehrerbildungsanstalt berufen wurde.
Daneben war er als Schächter für die Israelitische Kultusgemeinde in
Würzburg tätig. Von 1905 bis 1932 in Laudenbach tätig. 1932 kehrte er
nach Würzburg zurück. Er ist im September 1936 mit seiner Frau Ricka
geb. Blumenthal nach Palästina emigriert (Sde Jaakow). Kinder des
Ehepaares (alle in Laudenbach geboren): Lazarus (geb. 1906), Zerline verh.
Berney (geb. 1907), Isaak (geb. 1910), Abraham Löb (geb. 1912). Auch die
Kinder sind nach Palästina/Erez Israel emigriert. |
Zurruhesetzung des Lehrers Hirsch Oppenheimer (1932)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. April
1932: "Laudenbach bei Karlstadt. Am 15. März trat Herr Lehrer
Hirsch Oppenheimer nach 27-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Am
Sabbat, dem 12. März, dankte in der Synagoge der 1. Vorstand der
Kultusgemeinde, Herr Nathan Adler, dem aus dem Lehrerdienst Scheidenden
für seine aufopferungsvolle, segensreiche Wirksamkeit. Der 2. Vorstand,
Herr Aron Siegel, dankte Herrn Lehrer Oppenheimer namens der
Distrikts-Friedhofsverwaltung für seine selbstlose Hingabe in seinem
Aufgabenkreis. Herr Lehrer Oppenheimer war Gründungsmitglied der Tagung
des Verbands bayerischer Israelitischer Gemeinden. Der 1. Bürgermeister
von Laudenbach, Herr Pfrenzinger (statt Frenzinger), Herr Pfarrer Scheurig,
Herr Oberlehrer Weigand und Herr Lehrer Schmitt nahmen gleichzeitig unter
herzlichen Dankesworten Abschied von dem treuen und beliebten Beamten. Der
Gesangverein unter Leitung von Herrn Lehrer Schmitt brachte dem
Scheidenden ein Ständchen mit Heimatliedern dar." |
Lehrer Theodor Rosenfelder tritt sein Amt am (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1933: "Laudenbach
am Main, 8. Januar (1933). Am Sonntag, den 1. Januar, nahm der neu
gewählte Lehrer, Herr Theodor Rosenfelder (seither Lehrer an der
Israelitischen Handels- und Bürgerschule in Burgpreppach) sein Amt als
Kantor und Religionslehrer der Gemeinden Laudenbach, Karlstadt und
Wiesenfeld auf. Zu seinem Empfang hatten sich Gemeinde und Schulkinder in
der Lehrerwohnung eingefunden. Das Haus war mit Grün und
Begrüßungsplakaten geschmackvoll geschmückt, desgleichen die Synagoge.
Für den Vorstand begrüßte Herr Nathan Adler, Laudenbach, den neuen
Lehrer mit herzlichen Worten. Alsdann überreicht mit Spruch im Auftrage
der Schüler ein Mädchen dem Lehrer einen Blumenstrauß. Lehrer
Rosenfelder dankte der Gemeinde und den Schülern für ihr Erscheinen und
für die Begrüßung. Seine Antrittsrede hielt Herr Rosenfelder am
vergangenen |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Judenpogrom in Laudenbach (1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1866: "Regensburg,
1. Juni (1866). Das schändliche Treiben der Judenverfolgung, wie es vor
Kurzem in Böhmen stattgefunden, scheint sich leider jetzt auch in Bayern
einstellen zu wollen. In Laudenbach, Wiesenfeld
und Thüngen (Bezirksamt Karlstadt)
ist der Krawall bereits losgegangen. Schon seit 14 Tagen werden den Juden
die Fenster eingeworfen, die Läden gesprengt, die Hausdächer demoliert,
und wird verdorben, was verdorben werden kann. Trotzdem, dass der
Bezirksamtmann eine Mahnung an die betreffenden Gemeinden ergehen ließ,
wiederholten sich die Exzesse; mitten in der Nacht, halb angekleidet,
flüchteten sich die Juden, namentlich das weibliche Geschlecht, auf
Schiffen nach Karlstadt. Es ist sogar Militär nach Laudenbach requiriert
worden." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1866:
"Würzburg, 12. Juni (1866). Wegen Teilnahme an den
Ruhestörungen wurden in der Nacht von Sonntag auf Montag 17 Individuen
verhaftet: von diesen wurden sieben gestern in öffentlicher Sitzung des Stadtgerichts
abgeurteilt und zu Arreststrafen von 10-20 Tagen verurteilt; bezüglich
der übrigen, welche heute in die Fronfeste abgeliefert wurden, ist
strafrechtliche Untersuchung beim königlichen Bezirksgericht im Gange. Im
Laufe des gestrigen Tages und in der Nacht von gestern auch heute wurden
weitere 17 Personen in Haft gebracht (N.W.Z.).
Aus unseren Privatmitteilungen fügen wir noch hinzu, dass in dem Dorfe Laudenbach,
wo die Exzesse am ärgsten waren, eine Abteilung Militär von 150 Mann
stationiert ist, die von der Gemeinde erhalten
wird." |
Vorstandswahlen (1907)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April
1907: "Laudenbach in Bayern. Am 24. März fand hier
Vorstandswahl statt. Die alte Verwaltung wurde wiedergewählt. Herr Sandel
Frank, der nunmehr schon 22 Jahres Kultusvorstand ist, lud die Gemeinde zu
einem Bankett im Gasthaus zum Stern. Unter ernsten und launigen Reden, in
welchen der Kultusvorstand, die anwesenden Frauen, der Herr
Bürgermeister, der selber auch die Verdienste des Herrn Frank innerhalb
der politischen Gemeinde-Verwaltung feierte, entsprechend gewürdigt
wurden, verlief in stimmungsvoller Weihe der Abend, der ein schönes Beispiel
von dem Gemeindefrieden als auch von dem Zusammenstreben der verschiedenen
religiösen Bekenner innerhalb der politischen Gemeinde lieferte. Wir
wünschen der Gemeinde und seinem Vorstande auch fernerhin eine
segensreiche Zukunft." |
Einweihung der Kriegerdenkmales in Laudenbach (1928)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Dezember 1928: "Laudenbach am Main. Bei der am Landestrauertag
vollzogenen Kriegerdenkmalsweihe dahier fand der hochwürdige Redner, Herr
Stadtpfarrer und ehemaliger Divisionsgeistlicher Borst aus Karlstadt am
Main, wohltuende Worte höchster Anerkennung auch für die
Kriegsteilnehmer jüdischen Glaubens. Aus eigener Erfahrung wisse er,
dessen Seelsorge ihn in die vorderste Linie der Ost- und Westfront
brachte, dass neben ihren christlichen Kameraden auch jüdische Kämpfer
mutig und entschlossen für das Vaterland in den Tod gingen. Die
gefallenen Mitkämpfer verlangten, dass wir den gehässigen Angriffen
gegenüber jüdischen Mitbürgern, wo auch immer es sei,
entgegentreten.
Herr Lehrer Berendt aus Veitshöchheim,
der in Vertretung unseres in Rekonvaleszenz befindlichen verehrten Herrn
Lehrers Oppenheimer namens der Israelitischen Kultusgemeinde tief
empfundene Worte treuen Gedenkens und des Dankes den gefallenen Helden
weihte, legte seinen Ausführungen den 6. Vers des 8. Kapitels im
'Hohelied' zugrunde: 'Stärker als der Tod ist die Liebe.' Überaus
wirkungsvoll unterstrich der Redner die Mahnung des Geistlichen zu
einträchtigem Wirken für des Vaterlandes Wohl, hinweisend auf das
gemeinsame Schicksal der Opfer des Krieges im allgemeinen und der
Gefallenen unseres Ortes im besonderen, deren Namen ja auch ohne
Unterschied des Bekenntnisses auf den Tafeln des Denkmals eingegraben
stehen. Wir handelten im Sinne der Toten, wenn wir frei von Bruderhass und
Parteizwist an dem Wiederaufbau unseres schwer geprüften Vaterlandes
arbeiteten.
Im Auftrage des Bayerischen Kriegerbundes sprach Herr Bezirksobmann
Scheurig, der das Moment der Eintracht unter den Konfessionen gleichfalls
betonte.
Die kleine Kultusgemeinde Laudenbach am Main beklagt den Verlust von fünf
Kriegsopfern." |
Antijüdische Vorkommnisse und entsprechender Pressebericht (1934)
Offenbar gab es in Laudenbach Anfang September 1934
Ausschreitungen gegen jüdische Viehhändler, bei denen mindestens Viehhändler
Josef Hirsch verletzt wurde.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1934: "Zwischenfall
in Mainfranken. Würzburg, 6. September (1934). Die in Würzburg
erscheinende 'Mainfränkische Zeitung' meldet aus Laudenbach bei
Karlstadt:
'...Zu unerlaubter Selbsthilfe gegriffen haben in den frühen
Morgenstunden hiesige Einwohner, die, wie uns berichtet wurde, durch
übermäßiges Geschrei jüdischer Viehhändler aus dem Schlafe geweckt
wurden. Es wird weiterhin erzählt, die Juden hätten sich auch schwere
Tierquälereien zuschulden kommen lassen. Der Viehhändler Josef Hirsch
musste seine Rücksichtslosigkeit und seine Tierquälereien büßen. Er
begab sich in die Behandlung eines Naturheilkundigen. Über dieses
Vorkommnis kursieren die tollsten Gerüchte, und man muss sich nur
wundern, dass die Juden noch so viele mitfühlende Freunde ihr eigen
nennen können. Wenn wir auch die Gemütsaufwallung der aus dem besten
Schlafe geweckten und durch Tierquälereien empörten Volksgenossen nur zu
gut verstehen können, so können wir jedoch die Ausschreitungen im
Interesse der öffentlichen Ruhe und Sicherheit nicht für gut heißen.
Die Gendarmerie Karlstadt hat sich des Vorfalles bereits angenommen und
wird in objektiver Weise dazu Stellung nehmen.'
Man wird über die Vorkommnisse in Mainfranken über die das Blatt nur
dunkle Andeutungen macht, vielleicht aus den Berichten der Polizei, die
sich erfreulicherweise der Sache angenommen hat, etwas Näheres
erfahren." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Lisette Oppenheimer (1890)
Anmerkung: Lisette Oppenheimer wie auch ihr Mann Simon H. Oppenheimer
wurden auf dem Friedhof in Laudenbach beigesetzt. Aus dem Artikel geht nicht
hervor, dass sie auch in Laudenbach selbst gelebt haben.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1890: "Mainz,
17. Juni (1890), Gestern früh starb dahier Frau Lisette Oppenheimer, die
Gattin des im Jahre 1870 in Würzburg verstorbenen Simon H. Oppenheimer,
nach mehrmonatlichem, schmerzlichen Krankenlager im Alter von 72 Jahren.
Wenn irgendeine Frau es verdient, dass ihr im 'Israelit' ein Nachruf
gewidmet werde, so ist es bei der Dahingeschiedenen der Fall. Sie war der
Besten und Edelsten eine, sie vereinigte in sich alle Tugenden einer
wackeren Frau. Wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit gepaart mit innigem
Gottvertrauen, das sie in allen Lagen des Lebens aufrecht erhielt,
bildeten die Grundzüge ihres Charakters; sie verstand es, ihr Haus zu
einem wahren Tempel ehelichen Glücks zu gestalten. Ihrem Gatten war sie
in dem 34-jährigen Zusammenleben eine treue und liebevolle Gefährtin,
ihren Kindern eine zärtliche Mutter, deren Erziehung und Wohl die Ziele
ihres unausgesetzten Denkens und Strebens waren. dahier lebte sie seit
1884 und zählte zu den treuesten Anhängern der israelitischen
Religionsgesellschaft. In ihrem, in an ihre Kinder gerichteten Briefen
niederlegten letzten Willen drückte sie die dringende Bitte aus, dass
dieselben immer religiös leben und auch ihre Kinder in diesem Sinne zu
treuen Anhängern der jüdischen Religion und zu guten, braven Menschen
erziehen möchten.
Die Krone ihrer Tugenden aber war ihr mitfühlendes Herz, ihr
wohltätiger, von wahrer Menschenliebe erfüllter Sinn, der sich durch
reichliche Unterstützung der Armen und Wohltätigkeitsanstalten,
namentlich auch der in der heiligen Stadt betätigte. Was Wunder daher,
dass sie sich bei allen, die sie näher kannten, einer ungeteilten Liebe
und voller Achtung erfreute.
Ihrem Wunsche zufolge wurde sie auch dem Friedhof zu Laudenbach
bei Karlstadt am Main begraben, wo auch ihr Gatte und ihre im Tode ihr
vorangegangenen Kinder ruhen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens.
Im Trauerhause schilderte Herr Rabbiner Dr. Bondi in beredten Worten die
vielen guten Eigenschaften der Verstorbenen und gab dem großen Schmerz
und der tiefen Trauer der Verwandten und Freunde um dieselbe gebührenden
Ausdruck." |
Zum Tod von Lehrer Samuel Adler
(1927)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9.
Februar 1927: "Samuel Adler seligen Andenkens.
Am 8. Tag Chanukka (8.
Dezember 1926) wurde Lehrer Samuel Adler von Laudenbach zur letzten Ruhe
gebettet. Lehrer Adler war der Welt, auch der Lehrerwelt, eine unbekannte
Größe; er war indes wirklich eine Größe, eine überragende Größe an
Wissen, an Einfachheit, an Demut. Miltenberg
und Lendershausen waren seine
ersten Schulstellen. Es war in der Zeit des Deutsch-französischen
Krieges. Der Dienst als Religionslehrer befriedigte ihn nicht. Seine
Befähigung, die leichte Fassungskraft, das wunderbare Gedächtnis, das
ihm bis zum Grabe treu blieb, drängten ihn zu weiteren Studien. Musik,
Literatur und Sprachen waren seine Lieblingsfächer. Er bezog die
Universitäten München und Berlin, studierte dann in Paris und London und
übernahm nach einem vorzüglichen Examen ein Lehramt für Deutsch,
Englisch und Französisch an einer staatlichen Mittelschule. Das war die
erste Stufe seines äußeren Aufstiegs - und leider auch seine letzte.
Sein Leben wurde zur Tragödie. Bei einem Festgelage unterhielt er sich
wohlgemut und freundschaftliche mit Bekannten. An einem entfernten Tisch
entsteht ein lauter Diskurs. Von dort her wurde ein Bierkrug als Waffe
geschleudert und traf den ahnungslos, ganz unbeteiligten Samuel Adler. Ein
Auge verlor er ganz, das andere war schwer beschädigt und der Sehkraft
fast ganz beraubt. Adler zog sich buchstäblich ins Dunkle zurück. Aber
niemals kam eine Klage über seine Lippen. Im Gegenteil. Er wurde ein
Verehrer und Verkünder der Armut. Im Jahre 1901 erschien von ihm ein
Bändchen Gedichte: 'Denken und Dichten'. Er singt darin:
Viele gibt es in dem Land, Die über Armut klagen, Ich hab als Wohltat sie
erkannt, Muss offen das hier sagen.
War ihm so die Außenwelt verschlossen, so leuchtete das Licht seines
Geistes um so heller. Neben dem Studium der heimatlichen Pflanzenwelt,
trieb er besonders Sprachstudien, namentlich vergleichende
Sprachwissenschaft, wobei er in tiefem Forschergeist auf Grund eigens
konstruierter Gesetze dem Zusammenhang der europäischen Sprachen mit dem
Hebräischen, das er als Ursprache ansah, nachging. In den hebräischen
Gebetsdichtungen fand er sprachliche Schönheiten von wunderbaren
Zusammenhängen v0on Seele und Körper, Mensch und Gott. Es war wie eine
Offenbarung, wenn ihm ein Wort davon über die Lippen floss.
Adler kam täglich, nicht Alter, Kälter oder schlechtes Wetter
vorschützend, zum gemeinsamen Gottesdienst. Er erlebte sein Gebet
täglich aufs neue. Bei besonderen Anlässen versah er den Vorbeterdienst.
Wie lauscht die Gemeinde tief andächtig seinem Gebet, seinem geschulten
lyrischen Tenor. Er betete ohne Buch. Gebet oder Psalm, Bibel- oder
Mischnawort, alles floss ihm auswendig vom Mund.
Sein Leichenbegängnis legte Zeugnis ab von seiner hohen Verehrung bei
Juden und Nichtjuden. Mit seinem Tode wurde viel Wissenschaft begraben.
Wird sie den Erdhügel durchbrechen und aufblühen? (Vom Schriftleiter
gekürzt.)." |
Silberne Hochzeit von Aron Siegel und Hedwig geb.
Adler (1933)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1933:
"Laudenbach am Main, 14. Juni (1933). Am Samstag, den 10.
Juni, begingen hier die Eheleute Aron Siegel und Frau Hedwig geb. Adler
das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Die hiesige israelitische
Kultusgemeinde ließ es sich nicht nehmen, das Fest ihres langjährigen
Vorstehers in gebührender Weise zu feiern, nachdem sich das Paar um
unsere Gemeinde schon seit Jahren sehr verdient gemacht hat. (Alles
Gute) bis 120 Jahre." |
Hohe Auszeichnung für den Kriegsteilnehmer Manfred Adler (1933)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1933: "Laudenbach
am Main, 13. November (1933). Eine hohe Auszeichnung wurde dieser Tage
unserem Gemeindemitglied, Herrn Manfred Adler, zuteil. Er, der von
1912-1914 aktiv diente, und von 1914-1919 als Soldat mit kurzen
Unterbrechungen an der Front kämpfte, und zwar sowohl in Frankreich als
auch in Polen und Rumänien (bei der 10. bayerischen Division, 9.
Infanterie-Regiment), der wiederholt verwundet wurde und während des
Krieges sowohl das EK II und das Verwundetenabzeichen erhielt, bekam am
11. November dieses Jahres mit feierlicher Urkunde vom Ungarischen
Konsulat in Berlin die 'Ungarische Kriegsverdienstmedaille mit Schwert und
Helm' zugestellt. - Es dient dies wiederum als Beweis, dass deutsche Juden
im Weltkrieg 1914-1918 ihre Pflicht als wahre Deutsche in vorbildlicher
Weise erfüllten." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen von Frau B. Mannheimer (1900 / 1901 / 1904)
Anmerkung: Frau Mannheimer betrieb offenbar eine
Stellenvermittlung für Mädchen und Frauen.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1900: "Für
ein 15-jähriges, intelligentes Mädchen, welches der Stenographie,
einfacher und doppelter Buchführung mächtig mit schöner Handschrift und
ganz vorzüglichen Zeugnissen wird Stellung als Lehrmädchen
gesucht. Verlangt wird, dass das Geschäft an Feiertagen geschlossen und
volle Pension im Hause. Reflektanten, wollen ihre Bedingungen richten an
Frau B. Mannheimer, Laudenbach bei Karlstadt am Main." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1900:
"Eine erfahrene Hausfrau, Witwe sucht Stellung als Haushälterin,
eventuell auch Wärterin. Offerten an
Frau B. Mannheimer, Laudenbach bei Karlstadt am
Main." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "Eine
in der Hausarbeit erfahrene Hausfrau sucht Stellung als Haushälterin.
Ein Mädchen, 14 Jahre alt, wünscht als Lehrmädchen in ein
Manufakturwarengeschäft einzutreten, woselbst es Buchhaltung und
Korrespondenz erlernen kann. Ia Schulzeugnisse stehen zu Diensten in
beiden Fällen.
Offerten an Frau B. Mannheimer Witwe, Laudenbach bei Karlstadt am
Main, Bayern". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Märzm1904:
"Tüchtige Hausfrau, Witwe, sucht Stellung als Haushälterin
oder Wärterin, sofort anzunehmen.
Adresse: Frau B. Mannheimer in Laudenbach bei Karlstadt am
Main." |
Anzeige von J. Mannheimer (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1901:
"Junger Mann, 19 Jahre alt, mit der Manufaktur-, Kolonial-, Holz- und
Getreidebranche, sowie Buchführung vertraut, sucht Stellung per
15. Mai. Offerten an J. Mannheimer, Laudenbach bei Karlstadt am
Main." |
Anzeige von Sophie Mannheimer
(1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1902: "Ein
16-jähriges, intelligentes Mädchen, Waise, sucht Stellung als
Lehrmädchen in ein Putzgeschäft. Bedingung Samstags und Feiertage
geschlossen. Offerten an Frl. Sophie Mannheimer, Laudenbach bei
Karlstadt am Main." |
S. Bach bietet koscheren Landhonig an (1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1903: "Landhonig
garantiert reinen auf Pesach à Pfund, 73 Pfennige, weniger als 25 Pfr.
werden nicht angegeben, gegen Nachnahme.
S. Bach, Laudenbach bei Karlstadt.
Referenz: Herr Lehrer Blumenthal in Laudenbach." |
Anzeige zur Verlobung von Sofie Korn und Selli Nussbaum (1934)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1935:
"Statt Karten
Sofie Korn - Selli Nussbaum. Verlobte.
Laudenbach bei Karlstadt am Main - Kassel, Bismarckstraße 10.
20. Tebet 5695 / 26. Dezember 1934." |
Zur Geschichte der Synagoge
1736 bzw. 1794 wurde eine
Synagoge erbaut, 1836 wurde sie erneuert. Das Jahr 1736 (beziehungsweise
hebräisch "496 nach der kleinen Zählung") ist auf dem Chuppastein
(Hochzeitsstein) an der Außenmauer der ehemaligen Synagoge zu lesen. Fast 200
Jahre war das Gebäude Zentrum des jüdischen Gemeindelebens am Ort.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge und die Ritualien zerschlagen beziehungsweise auf
einen Haufen geworfen und in Brand gesteckt. Das Gebäude kam wenig später
in Privatbesitz und wird seitdem als Werkstatt und Lagerraum verwendet. Die Portalinschrift wurde vom
neuen Besitzer teilweise ausgemeißelt und ist nur noch schwer erkennbar
(hebräische Inschrift: "Gebaut habe ich ein Haus zur
Wohnung dir" aus 1. Könige 8,13). Der
Chuppastein ist nicht von außen erkennbar (unter Vorbau unterhalb der
Mühlbacher Straße). Das Gebäude befindet sich inzwischen
Standort der Synagoge: oberhalb Bandwörthstraße,
angebaut an das Gebäude Mühlbacher Straße 6, Karlstadt-Laudenbach
Fotos der Synagoge
(Historische Fotos: Central Archives Jerusalem, abgebildet
in: Th. Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in
Bayern, hg. vom Jüdischen Museum Franken usw. Bd. 2 S. 374-378; neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.10.2006; weitere Fotos bei www.laudenbach-main.de
übernommen: Seite zur Synagoge: hier
anklicken)
| Historische Fotos aus den
1920er-Jahren |
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Eingang zur Synagoge
(Nordseite)
mit Pfosteninschriften |
Eingang zur Synagoge (Westseite)
mit noch
nicht ausgemeißelter
Portalinschrift (s.u.) |
Mauerinschrift an der
Südseite: Jahreszahl 1794 und
entsprechende hebräische Jahreszahl (5)"554 nach der kleinen
Zählung" |
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Blick von der Mühlbacher
Straße
auf den Hochzeitsstein (heute
durch Anbau nicht mehr sichtbar) |
Inschriften unter Fenster
rechts vom Hochzeitsstein |
Ausschnittvergrößerung des
Fotos
links: der Hochzeitsstein |
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Blick auf den Aron Ha-Kodesch;
die
beiden Fotos rechts sind
Ausschnittsvergrößerungen |
Gebotstafeln über Aron
HaKodesch mit
Ner Tamid (ewigem Licht) und
Inschrift: "Wisse vor dem
du stehst" |
Parochet (Toravorhang) mit
Widmungsinschrift von 1849/50
(hebräische Jahreszahl 5610) |
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Besuch eines
ehemaligen jüdischen Laudenbachers (1985)
(Foto: Hans L. Müller, Karlstadt) |
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Vor der
Eingangstür der ehemaligen Synagoge: von links: Rudolf Adler, der hier
1915 Bar Mizwa feierte, Israel Schwierz (Würzburg), David Schüster
(Würzburg) |
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Das ehemalige
Synagogengebäude
im Herbst 2006 |
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| Die ehemalige Synagoge
zwischen Bandwörthstraße (lins) und Mühlbacher Straße |
Blick auf die
ehemalige
Synagoge |
Eingang mit Inschrift
(siehe
unten) |
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| Links: Gedenktafel für die jüdische
Gemeinde mit der Inschrift: "In Laudenbach bestand eine jüdische
Kultusgemeinde, Synagoge Bandwörthstraße. Sie wurde in der Pogromnacht
im November 1938 verwüstet. Die Gemeinde gedenkt ihrer jüdischen
Mitbürger. Zur Erinnerung und Mahnung"; rechts Verzierung unter
Verputz |
Teilweise ausgemeißelte
Portalinschrift
aus 1. Könige 8.13: "Gebaut habe ich
ein Haus zur
Wohnung dir". |
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Die ehemalige Synagoge
von der Bandwörthstraße |
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Drei Fotos von
Hans L. Müller, Karlstadt
(eingestellt bei www.synagogen.info
am 17./19.3.2009) |
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| Der Hochzeitsstein |
Im früheren Betraum -
erkennbar
ist das Tonnengewölbe |
Hinter der Eingangstür:
die
Fußbodenplatten sind noch erhalten |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
November 2008:
Gedenken zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms
(Bericht erhalten von Fred G.
Rausch) |
Artikel
im "Lohrer Echo" vom 5. November 2008 (nur die erste Hälfte
des Artikels ist links abgebildet, da sich die zweite Hälfte nicht auf
Laudenbach und Karlstadt bezieht): "Zeitzeugen, Führungen und
Gedenken. Reichspogromnacht: Zwei Veranstaltungen in Karlstadt -
Jugendliche beteiligen sich an Programm in Aschaffenburg.
Karlstadt. Mit zwei Veranstaltungen wird in Karlstadt der Pogromnacht
am 9. November vor 70 Jahren gedacht. Georg Schnabel führt am Sonntag, 9.
November, um 13030 Uhr von der ehemaligen Synagoge in Laudenbach zum
'Guten Ort' der Juden, der Matzebäckerei Jakob Hirschenberger..."
Zum weiteren Lesen der Artikel bitte Textabbildung anklicken.
Untertext zum Foto von Sylvia Schubart-Arand: 'Im Karlstadt wird am
Sonntag, 9. November, der Pogromnacht vor 70 Jahren gedacht. Georg
Schnabel führt um 13.30 Uhr von der ehemaligen Synagoge in Laudenbach zum
'Guten Ort' der Juden. Im Mittelpunkt steht die Matzebäckerei Jakob
Hirschenberger (Bild)...". |
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| März 2009: "Stolpersteine"-Verlegung
in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld |
Foto
links: Georg Schnabel (links) und Anna Elisabeth Hennrichs freuen sich
für den 'Arbeitskreis Stolpersteine' über die positive Resonanz, auf die
die Aktion bislang gestoßen ist. Foto: Michaela Moldenhauer.
Bericht aus der "Mainpost" vom 10. März 2009 (Artikel):
"KARLSTADT. Stolpersteine: Zeichen für eine offene Stadt
Gunter Demnig verlegt die ersten 17 Stolpersteine in Karlstadt und Laudenbach
17 Stolpersteine wird der Künstler Gunter Demnig an je vier Standorten in Karlstadt und in Laudenbach am Mittwoch, 18. März, ab 14.30 Uhr verlegen. Insgesamt sollen 51 Steine in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld an die ehemaligen jüdischen Bürger erinnern.
Wie berichtet, wird mit der Aktion der Menschen gedacht, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet oder in den Freitod getrieben wurden. Die ersten vier Steine werden in
Karlstadt in der Hauptstraße 26 zum Gedenken an Moses Strauss, Bertha Strauss, Siegfried Bamberger und Meta Bamberger verlegt. An diesem ersten Standort wird die Musikschule Karlstadt die Verlegung musikalisch begleiten.
Wie an allen weiteren Stellen auch wird der jeweilige Pate des Opfers die biografischen Daten vortragen. Am Kirchplatz 7 wird ein Stein an Israel Rosenbaum erinnern, in der Ringstraße 18 an Jda Freudenberger, im Laudenbacher Weg 22 an Paula Bermann.
In Laudenbach im Brunngrabenweg 8 werden Steine für Isaak Adler und Jeanette Adler liegen. Im Brunngrabenweg 4 wohnten Lothar Frank, Rosa Frank, Wolf Frank und Karl Frank. Die Steine an der Mühlecke 5 erinnern an Julius Berney und Hannchen Berney. In der Rathausstraße 10 liegen die Steine zum
Gedenken an Jakob Hirschenberger und Lina Hirschenberger. Der städtische Bauhof übernimmt die vorbereitenden Arbeiten an den Standorten, damit der Künstler seine Steine einlassen kann – vor der letzten frei gewählten Wohnung des Opfers. Gunter Demnig fertigt einen Würfel, der mit einer Messingplatte abschließt. Darauf steht in der Regel der Schriftzug
"Hier wohnte", Name, Geburtsjahr, meist das Datum der Deportation oder des Todes. Der Pate wird nicht vermerkt. Finanziert werden die
"Stolpersteine" durch Patenschaften. Ein Stein kostet 95 Euro. "Die Aktion hat eine sehr positive Resonanz
gefunden", sagt Anna Elisabeth Hennrichs, Leiterin der Karlstadter Volkshochschule.
"Für über 40 Steine sind schon Patenschaften angemeldet." Unter dem Dach der Vhs hat sich, wie berichtet, der
"Arbeitskreis Stolpersteine" formiert, der die Aktion für Karlstadt initiierte. Der Stadtrat sprach sich einstimmig dafür aus.
Besonders beeindruckt und erfreut zeigt sie sich darüber, dass einige heutige Hausbesitzer von sich aus auf den Arbeitskreis zugegangen sind und Patenschaften übernommen haben.
"Das ist der Idealfall." Obwohl die Steine in öffentlichem Grund liegen, wollte man nicht gegen den Willen der Hausbesitzer agieren. Aber in Karlstadt und Laudenbach verlaufe die Aktion
"völlig unproblematisch". Durch die Steine werde öffentlich und sichtbar der jüdischen Opfer gedacht, sagt Georg Schnabel, Mitglied des Arbeitskreises und Betreuer des Judenfriedhofs in Laudenbach.
"Die Stadt steht zu ihrer jüdischen Geschichte." Die Steine transportierten Karlstadt als eine offene, eine weltoffene Stadt. Er wird bei der Verlegung der Steine jeweils das
"Gebet für die Opfer des Holocausts" sprechen. "Das Judentum bereicherte unsere Gesellschaft, machte sie leuchtend wie die
Steine", ergänzt Anna Elisabeth Hennrichs. Mit dieser Aktion stehe die Stadt Karlstadt dazu, dass es jüdische Opfer gab. Sie verdränge die Erinnerung nicht, sondern, im Gegenteil, sie pflege sie.
Im Herbst 2009 soll die Aktion abgeschlossen werden und alle Steine für die jüdischen Bürger in Karlstadt, Laudenbach und Wiesenfeld sollen verlegt sein. Aber auch in Karlstadt habe es Euthanasie-Opfer gegeben, sagt
Hennrichs. "Das ist Fakt, aber da müssen noch die Details recherchiert
werden." Und noch wisse man nichts über andere Opfer wie Deserteure oder Homosexuelle.
Begleitend zur ersten Stolperstein-Verlegung in Karlstadt führt die Theatergruppe des Johann-Schöner-Gymnasiums im Theater in der Gerbergasse
"Die Karlstadter Juden unter dem Hakenkreuz" auf. Die Szenenfolge wird am Donnerstag, 12. März, und am Sonntag, 15. März, jeweils um 19.30 Uhr gezeigt. |
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Links:
Die vier Stolpersteine vor dem Anwesen in der Karlstadter Hauptstraße 26
erinnern an Siegfried und Meta Bamberger sowie an Moses Strauß und Bertha
Strauß, die dort einst lebten. Foto von Michaela Moldenhauer.
Artikel von Michaela Moldenhauer in der "Mainpost" vom
19.3.2009:
KARLSTADT. Das Grauen begann vor der Haustür - Stolpersteine als Bekenntnis zu dunklem Kapitel in der Karlstadter Geschichte
Nicht erst in Treblinka oder Ausschwitz, sondern bereits vor der eigenen Haustür, im eigenen Haus, begann das unvergleichliche Grauen der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. 17 Stolpersteine erinnern nun vor den Türen der letzten freigewählten Wohnungen an die jüdischen Opfer in Karlstadt und in Laudenbach. Der Künstler Gunter Demnig ließ die Steine an acht Verlegeorten in den Boden ein.
Anna Elisabeth Hennrichs, Leiterin der Karlstadter Volkshochschule, unter deren Dach der Arbeitskreis Stolpersteine agiert, eröffnete am ersten Verlegeort in der Hauptstraße 26 den feierlichen Akt, zu dem sich etliche Teilnehmer eingefunden hatten. 1910 habe es noch 72 jüdische Bürger in der Karlstadter Kernstadt gegeben, 1939 waren es sechs, und seit 1941 gibt es keine mehr. Sie passten nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten und wurden, wie Homosexuelle, Wehrdienstverweigerer, Deserteure und viele andere, deportiert und umgebracht.
Mit der Aktion Stolperstein wolle der Künstler Gunter Demnig verhindern, dass die Opfer vergessen werden, so
Hennrichs. Über die Steine solle der Betrachter nicht mit den Füßen, sondern mit den Augen stolpern, wenn sie messing-glänzend aus dem grauen Straßenbelag hervorleuchten. Mit der Verlegung bekenne sich die Stadt Karlstadt zu einem der dunkelsten Kapitel ihrer über 800-jährigen Geschichte.
"Die Stadt als solche steht hinter der Aktion", sagte Karlstadts Bürgermeister Paul
Kruck. Die Verlegung werde von vielen begleitet. Die Stadt blende dieses dunkle Kapitel nicht aus.
"Auch das gehört zur Aufarbeitung der Geschichte." Nachdem Gunter Demnig die Steine in die vom Karlstadter Bauhof vorbereiteten Löcher eingelassen hatte, verlasen die Paten der Stolpersteine in kurzen Worten die biografischen Daten der Opfer. Die ersten vier Steine in der Hauptstraße 26 wurden zum Gedenken an Moses Strauß, Bertha Strauß, Siegfried Bamberger und Meta Bamberger verlegt. Axel von Erffa hat mit seiner Frau Susanne die Patenschaften für die Familie Bamberger übernommen:
"Siegfried Bamberger wurde am 22. Mai 1896 in Wiesenfeld geboren. Er war mit Meta Strauß, geboren am 11. Februar 1909 in Rieneck, der Tochter von Moses und Bertha Strauß, verheiratet. Als er am 30. August 1937 in dies Haus seiner Schwiegereltern einzog, gab er als Beruf Privatier an. Nachdem sie das Haus nach dem November-Pogrom 1938 verkauft hatten, zogen Siegfried und Meta Bamberger nach Würzburg. Von dort wurden sie nach Riga deportiert und am 27. November 1941
ermordet." Georg Schnabel, im Arbeitskreis und Betreuer des jüdischen Friedhofs in Laudenbach, sprach das
"Gebet für die Opfer der Shoa, der Massenvernichtung. Nach jüdischem Brauch legte er als Zeichen der Ehrerbietung je einen kleinen Stein auf die im Pflaster liegenden Mahnmale. Teilnehmer schmückten die Steine mit Blumen. Alexander
Streib, Leiter der Karlstadter Musikschule, und Tochter Franziska untermalten an Klavier und Klarinette mit Klezmer-Klängen den Auftakt der Verlegung in der Hauptstraße.
Am Kirchplatz 7 erinnert nun ein Stein an Israel Rosenbaum, in der Ringstraße 18 an Jda Freudenberger, im Laudenbacher Weg 22 an Paula Bermann.
In Laudenbach wurde die Verlegung ebenfalls mit der kleinen Ansprache von Anna Elisabeth Hennrichs und musikalischer Begleitung von Karlheinz Haase auf der Geige eingeleitet. Auch hier nahmen etliche Bürger teil. In Laudenbach gab der Künstler Demnig einen kleinen Abriss über sein Leben und Werk. Er sprach von der Zustimmung, auf die er mit seiner Aktion stößt, aber auch von Ablehnung, die bislang in drei Morddrohungen gipfelte.
Im Brunngrabenweg 8 liegen nun Steine für Isaak Adler und Jeanette Adler. Im Brunngrabenweg 4 wohnten Lothar Frank, Rosa Frank, Wolf Frank und Karl Frank. Die Steine an der Mühlecke 5 erinnern an Julius Berney und Hannchen
Berney. In der Rathausstraße 10 liegen die Steine zum Gedenken an Jakob Hirschenberger und Lina
Hirschenberger. Die Paten sind: katholische Kirche St. Andreas, evangelische Kirche St. Johannis, Axel von
Erffa, Susanne von Erffa, der Historische Verein, Gustav Eichler, das Furnierwerk Kohl, Dagmar
Kretzinger, Peter Kretzinger, Karl-Heinz Stumpf, Marliese Stumpf, die Laienspielgruppe Laudenbach, die Theatergruppe des Johann-Schöner-Gymnasiums, Georg Schnabel und Marlene Schnabel.
Im Herbst sollen weitere Steine verlegt werden. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern.
Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988. S. 83-84. |
 | Michael Trüger: Der jüdische Friedhof Laudenbach/Unterfranken. In: Der
Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jg. 1998 13.Jg. Nr.
77 vom September 1998 S. 30. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in
Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 346-347.
|
 | Werner Zapotetzky: Jüdische Spuren in Laudenbach: Informationen für Lehrer /
zusammengestellt vom Stadtarchiv Karlstadt.
Karlstadt 1997. |
 | Alfons Breitenbach: Laudenbach am Main : ein Ortsportrait. 750
Jahre Laudenbach. Laudenbach: Gemeinde, 1999. |
 | Leonhard Scherg: Jüdisches
Leben im Main-Spessart-Kreis. Reihe: Orte, Schauplätze, Spuren. Verlag
Medien und Dialog. Haigerloch 2000 (mit weiterer Literatur). |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Laudenbach. The Jewish community was founded
in the first half of the 17th century. With many other communties in the
Wuerzburg region it was under the aegis of the chief rabbinate at Heidingsfeld
until the early 19th century. A synagogue war in existence in 1736 and a
cemetery known from the 17th century served numerous other communities. The
Jewish population was 179 in 1816 (total 892) and 79 in 1933. In 1933-40, 21
Jews emigrated (12 to Palestine and nine to the U.S.) and 40 left for other
German cities (half to Wuerzburg). Jewish homes were vandalized during the
Sudentenland crisis (September 1938) and on Kristallnacht (9-10 November 1938),
when the synagogue was also wrecked. Eleven Jews were deported to Izbica in the
Lublin district (Poland) on 25 April 1942 and the last two to the Theresienstadt
ghetto on 10 Sept. 1942.

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