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Frankenwinheim (VG
Gerolzhofen, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Frankenwinheim bestand eine jüdische Gemeinde bis
1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Die
jüdischen Familien wohnten vermutlich zunächst vor allem in der bis heute
sogenannten "Judengasse", wo auch die Synagoge erbaut wurde.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im Laufe des 19.
Jahrhunderts wie folgt: 1816 79 jüdische Einwohner (13,8 % von insgesamt
574), 1837 100 (18,3 % von 546), 1867 82 (14,1 % von 580), 1900 86 (13,8 % von
623), 1910 58 (10,0 % von 588). Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh und
Waren, seit der Mitte des 19. Jahrhundert betrieben sie einige für das
wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Handlungen.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Frankenwinheim auf
insgesamt 22 Matrikelstellen (einschließlich von drei Veränderungen bis
1826) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem
Familiennamen und Erwerbszweig): Abraham Hajum Traubel (Handel mit alten Kleidern
und seidenen Flecken), Jacob Banfelt (Schmusen), Haium Hirsch
(Ellenwarenhandel), Hanna, Witwe von Kallmann Roth (lebt von Almosen), Hirsch
Isaac Bamberger (Ellenwarenhandel), Joseph Hirsch (Getreide-, Vieh- und
Ellenwarenhandel), Joseph Jacob (Viehhandel), Joseph Machol Kaiser
(Schnittwarenhandel), Israel Joel Kaiser (Kleider- und Ellenwarenhandel),
Kallmann Gerst (Getreide- und Ellenwarenhandel), Leser Moses Gottlieb (Vieh- und
Ellenwarenhandel), Löw Hirsch (Vieh- und Getreidehandel), Mannes Baerlein
Baermann (Viehhandel), Samson Hirsch Baumann (Schlachten und Viehhandel), Samson
Moises Friedmann (Viehhandel und Schlachten), Sandel Isaac Freudmann
(Viehhandel, Bänder- und Schnürenhandelschaft), Schmul Wolf (Schmusen),
Schönla, Witwe von Joel Kaiser (wird von ihren beiden Söhnen ernährt), Simon
Gerst (Getreide-, Vieh- und Ellenhandel), Moses Gerst (Betrieb des Feldbaus,
seit 1818), Seligmann Bamberger (Güterbesitz, seit 1820), Löb Gottlieb
(Feldbau, seit 1826).
An Einrichtungen waren neben der Synagoge (s.u.) ein Gemeindehaus mit
einer Religionsschule vorhanden sowie ein Ritualbad, das 1910 neu erbaut wurde. Die
Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Gerolzhofen
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Von 1876 an war
über 50 Jahre lang Josef Kissinger auf dieser Stelle, ein Onkel des
späteren US-Außenministers Henry Kissinger (geb. als Heinz Alfred Kissinger
1923 in Fürth). Er war in dieser
Zeit geistiges Oberhaupt der Gemeinde (vgl. Presseartikel zu Josef Kissinger unten). Die Gemeinde
gehörte zum Bezirksrabbinat Schweinfurt.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Felix Kolb (geb.
11.7.1895 in Frankenwinheim, gef. 7.6.1917). Sein Name steht auf dem alten
Kriegerdenkmal in der Ortsmitte oberhalb des Rathauses am Kirchberg (Inschrift
kaum lesbar).
Um 1924, als 53 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (von insgesamt
etwa 500 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Siegfried Kahn.
Religionslehrer, Kantor und Schochet war weiterhin Josef Kissinger. Er
unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde damals noch zwei Kinder. Als
jüdischer Verein wird der Toralernverein Limud Tora genannt, damals geleitet
von Lehrer Kissinger. Ihm gehörten 11 Mitglieder an. Der jüdischen Gemeinde
Frankenwinheim waren inzwischen auch die in Lülsfeld noch lebenden jüdischen
Personen angeschlossen, nachdem dort die Zahl der jüdischen Einwohner stark
zurückgegangen war (1924: 17 Personen). 1932 war Vorsteher der Gemeinde Isidor
Marmelstein.
1933 lebten noch 54 jüdische Personen in Frankenwinheim (8,0 % der
Einwohnerschaft). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Repressalien und der Entrechtung verließen in der Folgezeit viele
von ihnen den Ort: bis 1938 verzogen 13 in andere Städte, sechs
wanderten aus. Ende Oktober 1938 kam es zu ersten Gewalttätigkeiten
gegen die jüdischen Einwohner von Frankenwinheim, da gegen ein Gemeindemitglied
der Vorwurf der Brunnenvergiftung erhoben wurde. Mitglieder der Ortsgruppen der
Gliederungen der NSDAP beteiligten sich an den Ausschreitungen. Beim Novemberpogrom
1938 gingen SA-Leute aus Gerolzhofen und Volkach in brutaler Weise gegen die
jüdischen Einwohner des Ortes vor. Nach abscheulichen Szenen in und vor der
Synagoge (s.u.) wurden alle Juden, Männer, Frauen und Kinder in das Gefängnis
nach Gerolzhofen gebracht. Die Frauen und Kinder wurden am Tag darauf wieder
entlassen, fünf Männer in das KZ Buchenwald verbracht. Die jüdischen
Wohnungen waren inzwischen zerstört und ausgeraubt worden. Bis 1941
verließen weitere der jüdischen Einwohner den Ort, 17 konnten auswandern,
sieben verzogen in andere deutsche Orte. Im April und September 1942
wurden die letzten Juden über Würzburg deportiert, 13 wurden nach Izbica bei
Lublin deportiert, drei kamen in das Ghetto Theresienstadt.
Von den in Frankenwinheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gretchen Braunold
(1887), Johanna Durmann geb. Kolb (1893), Bertha
Friedmann (1890), Gerhard Friedmann (1925), Ilse Friedmann (1922), Max
Friedmann (1886), Walter Friedmann (1928), Maria Friess (1915), Nanny Gerst
(1858), Ernestina Gildner (1872), Meta Guttmann geb. Hirsch (1891), Klara
Güthermann (1881), Hannchen Heippert geb. Gottlieb (1889), Emma Hirsch (1890), Gustav Hirsch
(1884), Isaak Hirsch (1875), Ignaz Hirsch (1871), Josef Hirsch (1869),
Simon Hirsch (1875), Willy Hirsch (1864), Samuel Kahn (1886), Jettchen Kissinger
(1888), Maier Kissinger (1885), Berta Kolb
(1892), Kathi Kolb (1908), Max Kolb (1898), Meta Kolb geb. Künstler (1902),
Regina Kolb geb. Jacob (1867), Siegbert Kolb (1932), Isbert Wolf
(1835), Betty Priskaier (1891), Fanny Rosenthal (1884), Henriette Wolf
(1900), Isbert Wolf (1935), Liebmann Wolf (1896), Selma Wolf geb. Kolb (1899).
Die kursiv markierten Personen sind auf dem Gedenkstein der Gemeinde
Frankenwinheim genannt.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Kantors und Schochets (1927)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927:
"In der hiesigen Kultusgemeinde, an die auch Lülsfeld und
hinsichtlich der Schechitoh auch Brünnau angeschlossen ist, ist durch
Pensionierung des seitherigen Stelleninhabers, die Stelle des Lehrers,
Kantors und Schochets frei und soll alsbald wieder besetzt werden.
Geeignete gesetzestreue Bewerber wollen unter Vorlage beglaubiger
Zeugnisabschriften und eines Lichtbildes sich bei dem Unterzeichneten bis
spätestens 1. Dezember melden. Der Gehalt bestimmt sich nach den
Satzungen des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. Gegebenen
falls wäre die Übernahme des Amts des Schochets in einigen
Nachbargemeinden nicht ausgeschlossen. Frankenwinheim, November
1927. Siegfried Kahn." |
Zum 25-jährigen Ortsjubiläum von Lehrer J. Kissinger (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1901: "Frankenwinheim,
im Ijar. Ein erhebendes Fest war es, das die hiesige Kultusgemeinde am
vergangenen Sabbat gefeiert, ehrend sowohl für die Gemeinde wie für den
Gefeierten selbst. Fünfundzwanzig Jahre waren es, seitdem Herr J.
Kissinger als Lehrer in besagter Gemeinde in segensreichster Weise wirkt,
ebenso als Vorstand einer Chewrah, die es sich zur Aufgabe stellt, den
Gemeindemitgliedern, sowie der heranwachsenden Jugend die Lehren und
Wahrheiten unserer heiligen Religion durch Studium an der Quelle, wie
Rasch, Orach chajim, Chajedom, vom Leichteren zum Schwereren
fortschreitend, beizubringen, um diese allgemach zum Selbststudium zu
befähigen. Herr Kultusvorstand Seligmann Hirsch würdigte in rührenden
Worten die großen Verdienste des Jubilars, um die Schule und Gemeinde,
und überreichte im Namen der Gemeinde als äußeres Zeichen der
Anerkennung eine goldene Uhr. Der Jubilar dankte zunächst dem
Allmächtigen für die große Gnade, die ihn gewürdigt, so segensreich
wirken zu können, unter Zugrundlegung des Textes: 'Ich bin zu gering
für all die Gnaden und für all die Treue, die du erwiesen deinem
Knechte...' (1. Mose 32,11) und versprach, unter Dankesausdruck für
die ihm bezeigte Ehrung, auch fernerhin seine ganze Kraft in den Dienst
seiner Gemeinde stellen zu wollen. Beim Mincha-Gebete, dem auch Seiner
Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt, der über Sabbat in
dem nahe gelegenen Städtchen Gerolzhofen
weilte, beiwohnte, hob dieser im Anschlusse an seine Predigt die
Verdienste des Jubilars hervor, und dass er sich freue, wie die
Kultusgemeinde ihren Lehrer liebe und achte. Bei dem zu Ehren des Jubilars
veranstalteten Festbankett überreichte eine Schülerin namens der Schule
ein prachtvolles Album. Möge es dem verehrten Jubilar
beschieden sein, noch lange, lange Jahre in ungeschwächter Kraft zum Segen
der Schule und der Kultusgemeinde wirken zu können. um die Tora groß zu
machen und zu verherrlichen. J.H. in M." |
Zum 50jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Josef Kissinger (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1921:
"Frankenwinheim (Unterfranken), 26. Oktober (1921). Am 7. November
feiert der in weiten Kreisen bekannte und hochgeachtete Lehrer Herr Josef
Kissinger sein 50jähriges Dienstjubiläum, wovon gewiss seine zahlreichen
Freunde gerne Kenntnis nehmen."
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1921: "Frankenwinheim,
27. November 1921: Die Feier des goldenen Dienstjubiläums des Herrn
Lehrer Josef Kissinger dahier am 7. November, war ein Ehrentag nicht nur
für den Jubilar selbst, sondern auch für seine Gemeinde mit den Filialen
Bünnau und Lülsfeld. Ununterbrochen vom frühen Morgen bis
zum späten Abend dauerten die Gratulationen seitens der Jugend und der
Erwachsenen aus den drei Gemeinden und der weiteren Umgebung ohne
Unterschied der Konfession. Ein ungeheurer Depeschen- und Briefverkehr,
sowie die Überreichung zahlreicher und wertvoller Geschenke von hier und
auswärts zeugten von der Beliebtheit des Jubilars, den der zuständige
Rabbiner, Herr Dr. Stein in Schweinfurt, in einem prächtigen,
lehrer-freundlichen Schreiben als einen der Bewährtesten seines Standes
bezeichnete. Möge es dem verehrten Jubilar vergönnt sein, noch recht
lange in seiner seltenen Körper- und Geistesfrische zum Wohle seiner
Familie, seiner Gemeinden und des ganzen Judentums zu wirken. Möge aber
auch in seinen Gemeinden der gute Wille und die billige Einsicht Platz
greifen, ihrem verdienstvollen, langjährigen Führer durch Verabreichung
eines zeitgemäßen Gehaltes einen sonnigen, sorgenlosen Lebensabend zu
bereiten". |
Zum 50jährigen Ortsjubiläum des Lehrers Josef
Kissinger (1926)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1926:
"Frankenwinheim, 23. April. Zu einer Kundgebung, wie sie nur vom
Herzen kommen kann, gestaltete sich das 50jährige Ortsjubiläum unseres
Lehrers Herrn Josef Kissinger hier. Den Auftakt zur Feier bildete ein
Festakt am Schabbat Schmini in der Synagoge. In einer trefflichen
Rede schilderte Herr Vorstand Kahn das mustergültige Wirken des Jubilars
als vorzüglicher Lehrer, als Fachmann im Schächten und als
ausgezeichneter Chasan (Vorbeter). Besonders gerühmt wurde das
seltene Gemilut Chässäd (Wohltätigkeit) des Gefeierten gegenüber
den Lebenden und gegenüber den Toten. Als Beweis, wie der Jubilar die
Mizwa der Gastfreundschaft übte, sei nur erwähnt, dass
derselbe seit 40 Jahren ein Zimmer für Schlafgelegenheit für die Gäste
stets bereit hält und sie zum Frühstück einlädt. Der Sonntag war ein
Festtag für die ganze Dorfgemeinde. Der Jubilar wurde von allen Vereinen
mit ihren Fahnen unter Musikbegleitung, umringt von Ehrendamen in weißer
Kleidung, ins Festlokal abgeholt, das im Nu überfüllt war. In
prächtigen Ansprachen des Bürgermeisters und der Vereinsvorstand und
andere prominente Persönlichkeiten wurde das edle Wirken des Jubilars
gefeiert. In bewegten Worten dankte der Jubilar für all die Ehre und
Liebe, die ihm erwiesen wurde. Die ganze Veranstaltung war ein Kiddusch
Haschem (Heiligung Gottes) in des Wortes wahrster Bedeutung. Wir rufen
dem Jubilar ein "Gut Glück" zu. "(Alles Gute) bis
einhundertundzwanzig Jahre". |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1926:
"In Frankenwinheim feierte Lehrer Josef Kissinger sein 50jähriges
Jubiläum als Kantor und Lehrer der Gemeinde. Wir wünschen dem
hochverdienten Jubilar noch viele Jahre in körperlicher und geistiger
Rüstigkeit". |
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Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9.
Februar 1927: "Moses Hofmann (Rothenburg),
J. Kissinger (Frankenwinheim), Abraham Strauß (Uffenheim)
haben 7 x 7 Jahre in einer Gemeinde als Lehrer in der Schule, als Vorbeter
im Gotteshaus, als Berater in ihren Gemeinden gewirkt. Hofmann und Strauß
sind die ersten Lehrer in neu gegründeten Gemeinden gewesen, sie haben
die Einrichtungen des Kultus und der Schule erst schaffen müssen. Ihres
Wirkens und Schaffens Geschichte ist die Geschichte ihrer Gemeinden. In
solchen kleinen Gemeinden 50 Jahre auszuharren, dazu bedarf es einer
seltenen Treue, großer Liebe zum Berufe - und einer Resignation, die
manchen Undank und manche Verkennung hinnimmt. Unsere drei Jubilare haben
als Jünglinge und Männer in einem Berufe gewirkt, der Hungerlohn und
Rechtlosigkeit als Entschädigung bot für Pflichttreue - und erst in
späteren Jahren sahen sie Ernten reifen, zu denen sie die Saaten hoffend
gestreut." |
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| Josef Kissinger war auch im bürgerlichen
Leben von Frankenwinheim völlig integriert: so war er von 1881 bis 1929
Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr, vgl. Link
zu einer Seite der Freiwilligen Feuerwehr in Frankenwinheim. |
82. Geburtstag von Lehrer Josef Kissinger im November
1934
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
November 1934: "Frankenwinheim (Unterfranken). Dieser Tage (8.
Marcheschwan = 17. Oktober 1934) beging Herr Lehrer Josef Kissinger, der länger als ein
halbes Jahrhundert hier amtierte, seinen 82. Geburtstag in
verhältnismäßig recht günstiger körperlicher und geistiger
Verfassung." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Dokument zur Beschneidung von Moritz Marschütz
(1836)
Rechts: Mohelbuch des Oscher
Blumenthal von Altenschönbach:
die 5. Eintragung von oben bezieht sich auf Moritz (Mosche) Marschütz aus
Frankenwinheim, durchgeführt am Sonntag, 3. Aw 5596 = 17. Juli
1836; Marschütz war später Lehrer u.a. in Burghaslach
(Quelle: Kopie aus dem Mohelbuch, Identifizierung von Salomon Moyal-Bloch
- Zürich, Hinweis darauf erhalten von Avraham Malthete) |
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Der Ortsname "Frankenwinheim"
im Dokument links |
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Der oben genannte Moritz Marschütz war
(freundlicher Hinweis von Salomon Moyal-Bloch, Zürich) Vater von Carl und
Heinrich Marschütz, die die Hercules-Werke in Nürnberg gründeten: siehe
Beitrag "Carl
Marschütz und die Hercules-Werke" bei www.nuernberginfos.de |
Zum Tod von Bela Wolf geb. Forchheimer (1889)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1889:
"Frankenwinheim, im Adar II. - Es ist keine Freudenbotschaft,
von der ich Ihnen heute zu berichten habe. Ein biederes Weib, eine jener
edlen Frauengestalten, von tiefinnerster Religiosität durchdringen, wie
sie, ach, immer seltener, immer weniger werden, hat ihre reine Seele
ausgehaucht im hohen Alter von 79 Jahren, um einzugehen in jene lichten
Gefilde des Jenseits, zu genießen von dem hohen Gute, das nur den Frommen
und Gottesfürchtigen aufbewahrt ist.
Bela Wolf - der Friede sei mir ihr - Frau des vor 27 Jahren
verstorbenen Feibel Wolf - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen,
ehemaligen Buchbinders und Schochet (Schächter) in Heßdorf, ist
nicht mehr. Am 13. Adar I wurde sie unter großer Teilnahme trotz
des großen Schnees und der dabei herrschenden Kälte zur ewigen Ruhe bestattet.
Die edle Verblichene - der Friede sei mit ihr - , eine geborene
Forchheimer aus Adelsberg bei Gemünden, war eine Eschet chajal (tüchtige
Frau) im wahren Sinne des Wortes. Bei all den schweren Prüfungen, die sie
nun überstanden, bei all den harten Schlägen des Schicksals, die sie
erlebt und erlitten, bei all den blutenden Wunden, die ihrem edlen Herzen
geschlagen, sie blieb fest und unerschütterlich in ihrem Gottvertrauen
bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens.
Von ihr kann man mit vielem Rechte sagen: mit ihr stirbt eine Fülle von
Weisheit aus, die doch nichts anderes ist als Gottesfurcht und
Frömmigkeit. Vom großen Unglücke des Witwenstandes in seiner ganzen Schwere
getroffen, wo ihr durch den Tod ihres Gatten ihr Stab und ihre Stütze
entrissen, hatte sie, obwohl selbst 12 Jahre hindurch leidend und
bettlägerig, für ihre verwaisten Kinder gelebt und gesorgt, und für
deren Erhaltung und Erziehung ihren Nacken gebeugt, sie hat gekämpft und
gerungen - und gesiegt.
Fünf ihrer guterzogenen, herangewachsenen Söhne sah sie durch den Tod
scheiden, mit blutendem und gebrochenem Herzen sah sie besonders einen
dieser durch Tora ausgezeichneten Sohn, Ephraim Wolf - das Gedenken an den
Gerecht ist zum Segen - Lehrer in Fischach, in bestem Mannesalter von sich
losgetrennt, mit den Worten Hiobs sich tröstend: Der Herr hat's gegeben,
der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Bei all diesen
schweren Schicksalsschlägen ertrug sie ihr eigenes Leiden mit größter
Geduld, mit Ergebung in Gottes heiligen Willen. Sie war eine große
Freundin der Tora und der sich ihr Beschäftigenden, mit freudig
strahlendem Auge lauscht sie auf jedes Wort unserer heiligen Tora und
erzog auch alle ihre Kinder im Sinne und Geiste unserer heiligen Tora.
Selbst nicht mit irdischen Gütern gesegnet, unterstützte sie nach
Kräften Arme und Notleidende, war leutselig und zuvorkommend gegen jeden
Menschen ohne Unterschied. Sie hat gelebt für die drei Säulen, worauf
die sittliche Welt besteht: auf Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit.
Sie hatte das Glück, dass ihre Kinder - sie mögen leben - ihr mit
der zärtlichsten Liebe zugetan, sie auf das Würdigste pflegten und ihr
die Beschwerden des Alters und ihrer Leiden möglichst
erleichterten.
Möge sie nun ernten Heil, Lohn und Seligkeit im ewigen leben, möge sie
sich ergötzen im glückseligen Zustande ihres eigenen Geistes, vereint
mit den verklärten Frommen aller Zeiten; möge der Allgütige den
Hinterbliebenen lindernden Balsam auf die geschlagene Wunde senden Amen,
so möge es Gottes Wille sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Verlobungsanzeige von Sofie Strauss und Max Friedmann
(1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1908: "Statt
Karten. Sofie Strauss - Max Friedmann. Verlobte. Bad
Brückenau - Frankenwinheim." |
Heiratsanzeige von Norbert Guggenheim und Fanni geb. Kissinger (1929)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1929: "Statt
Karten.
Norbert Guggenheim - Fanni Guggenheim geb. Kissinger.
Vermählte. Gailingen - Frankenwinheim.
Trauung: 7. Mai, Schweinfurt, Restaurant Seelig, 1 Uhr nachmittags." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert erbaute Synagoge wurde 1910 umfassend
renoviert (in Klinker aufgestockt). Es handelt sich ursprünglich um einen
zweigeschossigen Walmdachbau.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden am Morgen des 10. November alle Juden aus
Frankenwinheim und Lülsfeld in der Synagogen zusammengetrieben. Die Frauen
mussten - in Gebetmäntel und Sterbegewänder gehüllt - die Möbel und
Ritualien auf die Straße tragen und dort anzünden. Alle Gemeindemitglieder
mussten sich um die Feuerstelle aufstellen und dem Brand zusehen. Es kam zu
Verwüstungen und Gewalttaten unter Beteiligung zahlreicher Jugendlicher des
Ortes. Etwa 200 weitere Dorfbewohner sowie die Polizei sahen dem Treiben
zu.
Zu den Vorgängen beim Novemberpogrom 1938 in Frankenwinheim vgl. auch den Vortrag
von Stephan Oettermann in Gerolzhofen im November 2009.
1950 fanden vor dem Landgericht zwei Prozesse gegen 27 Teilnehmer am
Novemberpogrom 1938 in Frankenwinheim statt. Sechs erhielten Gefängnisstrafen
von neun Monaten bis zu einem Jahr und neun Monaten.
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde zu einem bis heute erhaltenen
Wohnhaus umgebaut.
Im November 1999 wurde von der Gemeinde Frankenwinheim ein Gedenkstein
für die ehemaligen jüdischen Frankenwinheimer vor dem Rathaus aufgestellt. Die
Gedenkrede hielt der Vorsitzende der israelitischen Gemeinde Würzburg Dr.
Joseph Schuster.
Adresse/Standort der Synagoge: Judengasse 6
Fotos
(Historische Innenaufnahme von Theodor
Harburger, aufgenommen am 16. September 1931; Quelle: Central Archives for the
History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
1998 Bd. 2 S. 204)
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Historische Innenaufnahme der
Synagoge von 1929 mit dem Blick zum Toraschrein
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Der jüdische Lehrer Joseph
Kissinger
(1852-1937) und seine Frau Ida (1852-?)
Quelle: Website der Family Kissinger
(obiges
Foto) |
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Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach, bei www.synagogen.info) |
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Die ehemalige Synagoge, zu
einem
Wohnhaus umgebaut |
Gedenktafel zwischen der
"Mariensäule"
und der ehemaligen Synagoge. |
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Der Gedenkstein für die
ermordeten Juden aus Frankenwinheim vor dem Rathaus
(Quelle: www.frankenwinheim.de)
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Das Gebäude des 1987
abgebrochenen
rituellen
Bades (Mikwe, Aufnahme von
1982; Quelle: www.frankenwinheim.de) |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| April 2012:
Auch in Frankenwinheim sollen
"Stolpersteine" verlegt werden |
Artikel in der "Main-Post" vom 25.
April 2012: "Frankenwinheim. Stolpersteine erinnern an NS-Opfer.
Rat stimmt Projekt zu..."
Link
zum Artikel |
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| April 2012:
Artikel in einer israelischen Zeitung zum
Holocaust-Gedenktag |
Artikel von Elka Looks in haaretz.com vom
19. April 2012: "An ode to Frankenwinheim on Holocaust memorial
Day. On the dav we grapple with a tragedy that today seems
unfathomable; we have repented, we have learned, we have said 'never again',
but the pople of Frankenwinheim have repaired..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 291-293. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 52-53. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 537-539.
|
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 131.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Frankenwinheim Lower
Franconia. Jews are known from the second half of the 18th century and numbered
100 in 1837 (total 546) with a synagogue and public school. In 1933, 54 Jews
remained. Anti-Jewish riots broke out in October 1938 in a well-poisoning libel
and on Kristallnacht (9-10 November 1938). Jewish women were forced to
burn the religious articles taken out of the synagogue. Jewish homes were also
destroyed and valuables stolen. Five men were imprisoned in the Buchenwald
concentration camp. Twenty-two Jews emigrated in 1938-41 and 20 left for other
German cities in 1935-1940. Of the remaining Jews, 13 were deported to Izbica in
the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 24 April 1942.

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