Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Frankenwinheim (VG Gerolzhofen, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
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Weiteres zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Frankenwinheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück.
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts wie folgt: 1816 79 jüdische Einwohner (13,8 % von insgesamt 574), 1837 100 (18,3 % von 546), 1867 82 (14,1 % von 580), 1900 86 (13,8 % von 623), 1910 58 (10,0 % von 588). Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh und Waren, seit der Mitte des 19. Jahrhundert betrieben sie einige für das wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Handlungen. 
 
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Frankenwinheim auf insgesamt 22 Matrikelstellen (einschließlich von drei Veränderungen bis 1826) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Abraham Hajum Traubel (Handel mit alten Kleidern und seidenen Flecken), Jacob Banfelt (Schmusen), Haium Hirsch (Ellenwarenhandel), Hanna, Witwe von Kallmann Roth (lebt von Almosen), Hirsch Isaac Bamberger (Ellenwarenhandel), Joseph Hirsch (Getreide-, Vieh- und Ellenwarenhandel), Joseph Jacob (Viehhandel), Joseph Machol Kaiser (Schnittwarenhandel), Israel Joel Kaiser (Kleider- und Ellenwarenhandel), Kallmann Gerst (Getreide- und Ellenwarenhandel), Leser Moses Gottlieb (Vieh- und Ellenwarenhandel), Löw Hirsch (Vieh- und Getreidehandel), Mannes Baerlein Baermann (Viehhandel), Samson Hirsch Baumann (Schlachten und Viehhandel), Samson Moises Friedmann (Viehhandel und Schlachten), Sandel Isaac Freudmann (Viehhandel, Bänder- und Schnürenhandelschaft), Schmul Wolf (Schmusen), Schönla, Witwe von Joel Kaiser (wird von ihren beiden Söhnen ernährt), Simon Gerst (Getreide-, Vieh- und Ellenhandel), Moses Gerst (Betrieb des Feldbaus, seit 1818), Seligmann Bamberger (Güterbesitz, seit 1820), Löb Gottlieb (Feldbau, seit 1826).    
   
An Einrichtungen waren neben der Synagoge (s.u.) ein Gemeindehaus mit einer Religionsschule vorhanden sowie ein Ritualbad, das 1910 neu erbaut wurde. Nach dem Standort der Synagoge erhielt die "Judengasse" ihren Namen (die jüdischen Familien wohnten ansonsten im gesamten Ort verstreut). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Gerolzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Von 1876 an war über 50 Jahre lang Josef Kissinger auf dieser Stelle, ein Onkel des späteren US-Außenministers Henry Kissinger (geb. als Heinz Alfred Kissinger 1923 in Fürth). Er war in dieser Zeit geistiges Oberhaupt der Gemeinde (vgl. Presseartikel zu Josef Kissinger unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Schweinfurt
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Felix Kolb (geb. 11.7.1895 in Frankenwinheim, gef. 7.6.1917). Sein Name steht auf dem alten Kriegerdenkmal in der Ortsmitte oberhalb des Rathauses am Kirchberg (Inschrift kaum lesbar).     
   
Um 1924, als 53 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (von insgesamt etwa 500 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Siegfried Kahn. Religionslehrer, Kantor und Schochet war weiterhin Josef Kissinger. Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde damals noch zwei Kinder. Als jüdischer Verein wird der Toralernverein Limud Tora genannt, damals geleitet von Lehrer Kissinger. Ihm gehörten 11 Mitglieder an. Der jüdischen Gemeinde Frankenwinheim waren inzwischen auch die in Lülsfeld noch lebenden jüdischen Personen angeschlossen, nachdem dort die Zahl der jüdischen Einwohner stark zurückgegangen war  (1924: 17 Personen). 1932 war Vorsteher der Gemeinde Isidor Mermelstein (emigrierte 1938 mit seiner Frau Ida und den 1934 in Schweinfurt geborenen Zwillingen Egon und Lothar in die USA).
   
1933 lebten noch 54 jüdische Personen in Frankenwinheim (8,0 % der Einwohnerschaft). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung verließen in der Folgezeit viele von ihnen den Ort: bis 1938 verzogen 13 in andere Städte, sechs wanderten aus. Ende Oktober 1938 kam es zu ersten Gewalttätigkeiten gegen die jüdischen Einwohner von Frankenwinheim, da gegen ein Gemeindemitglied der Vorwurf der Brunnenvergiftung erhoben wurde. Mitglieder der Ortsgruppen der Gliederungen der NSDAP beteiligten sich an den Ausschreitungen. Beim Novemberpogrom 1938 gingen SA-Leute aus Gerolzhofen und Volkach in brutaler Weise gegen die jüdischen Einwohner des Ortes vor. Nach abscheulichen Szenen in und vor der Synagoge (s.u.) wurden alle Juden, Männer, Frauen und Kinder in das Gefängnis nach Gerolzhofen gebracht. Die Frauen und Kinder wurden am Tag darauf wieder entlassen, fünf Männer in das KZ Buchenwald verbracht. Die jüdischen Wohnungen waren inzwischen zerstört und ausgeraubt worden. Bis 1941 verließen weitere der jüdischen Einwohner den Ort, 17 konnten auswandern, sieben verzogen in andere deutsche Orte. Im April und September 1942 wurden die letzten Juden über Würzburg deportiert, 13 wurden nach Izbica bei Lublin deportiert, drei kamen in das Ghetto Theresienstadt.   
    
Frankenwinheim Sod Isaak Hirsch.jpg (155869 Byte)Von den in Frankenwinheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gretchen Braunold (1887), Johanna Durmann geb. Kolb (1893), Bertha Friedmann (1890), Gerhard Friedmann (1925), Ilse Friedmann (1922), Max Friedmann (1886), Walter Friedmann (1928), Maria Friess (1915), Nanny Gerst (1858), Ernestina Gildner (1872), Meta Guttmann geb. Hirsch (1891), Klara Güthermann (1881), Hannchen Heippert geb. Gottlieb (1889), Emma Hirsch (1890), Gustav Hirsch (1884), Isaak Hirsch (1875; links Dokument aus dem Ghetto Theresienstadt über seinen Tod 1943), Ignaz Hirsch (1871), Josef Hirsch (1869), Simon Hirsch (1875), Willy Hirsch (1864), Samuel Kahn (1886), Jettchen Kissinger (1888), Maier Kissinger (1885), Berta Kolb (1892), Kathi Kolb (1908), Max Kolb (1898), Meta Kolb geb. Künstler (1902), Regina Kolb geb. Jacob (1867), Siegbert Kolb (1932), Isbert Wolf (1835), Betty Priskaier (1891), Fanny Rosenthal (1884), Henriette Wolf (1900), Isbert Wolf (1935), Liebmann Wolf (1896), Selma Wolf geb. Kolb (1899). 
Die kursiv markierten Personen werden auf dem Gedenkstein der Gemeinde Frankenwinheim genannt, die anderen Personen sind teilweise in Frankenwinheim geboren, lebten später aber an anderen Orten.   . 
     
Im September 2013 wurden in Frankenwinheim an zwei Stellen in der Schallfelder Straße zusammen elf "Stolpersteine" durch den Künstler Gunter Demnig verlegt (vgl. Fotos und Link zu einem Pressebericht unten). Die Gedenksteine erinnern an zwei jüdische Familien Frankenwinheims: an die Familie Friedmann, von der niemand den Holocaust überlebte: Max, Bertha, Ilse, Gerhard und Walter Friedmann wurden nach Krasnystaw deportiert und dort ermordet, die 80-jährige Großmutter kam im Ghetto Theresienstadt ums Leben; an die Familie Gottlieb, von der zwar fast alle noch in die USA emigrieren konnten, doch mussten sie ihren gesamten Besitz zurücklassen; die Großmutter Sabina Gottlieb kam 1942 im Ghetto Theresienstadt ums Leben.
Am 27. Mai 2014 war die zweite Verlegung von "Stolpersteinen" für Mitglieder der Familie Kolb (siehe Fotos und Bericht unten).   
       
       
       
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
       
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   

Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Kantors und Schochets (1927) 

Frankenwinheim Israelit 10111927.jpg (72497 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "In der hiesigen Kultusgemeinde, an die auch Lülsfeld und hinsichtlich der Schechitoh auch Brünnau angeschlossen ist, ist durch Pensionierung des seitherigen Stelleninhabers, die Stelle des Lehrers, Kantors und Schochets frei und soll alsbald wieder besetzt werden. Geeignete gesetzestreue Bewerber wollen unter Vorlage beglaubiger Zeugnisabschriften und eines Lichtbildes sich bei dem Unterzeichneten bis spätestens 1. Dezember melden. Der Gehalt bestimmt sich nach den Satzungen des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. Gegebenen falls wäre die Übernahme des Amts des Schochets in einigen Nachbargemeinden nicht ausgeschlossen. Frankenwinheim, November 1927. Siegfried Kahn."   

   
Zum 25-jährigen Ortsjubiläum von Lehrer Josef Kissinger (1901)
   

Frankenwinheim Israelit 09051901.jpg (157805 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1901: "Frankenwinheim, im Ijar. Ein erhebendes Fest war es, das die hiesige Kultusgemeinde am vergangenen Sabbat gefeiert, ehrend sowohl für die Gemeinde wie für den Gefeierten selbst. Fünfundzwanzig Jahre waren es, seitdem Herr J. Kissinger als Lehrer in besagter Gemeinde in segensreichster Weise wirkt, ebenso als Vorstand einer Chewrah, die es sich zur Aufgabe stellt, den Gemeindemitgliedern, sowie der heranwachsenden Jugend die Lehren und Wahrheiten unserer heiligen Religion durch Studium an der Quelle, wie Rasch, Orach chajim, Chajedom, vom Leichteren zum Schwereren fortschreitend, beizubringen, um diese allgemach zum Selbststudium zu befähigen. Herr Kultusvorstand Seligmann Hirsch würdigte in rührenden Worten die großen Verdienste des Jubilars, um die Schule und Gemeinde, und überreichte im Namen der Gemeinde als äußeres Zeichen der Anerkennung eine goldene Uhr. Der Jubilar dankte zunächst dem Allmächtigen für die große Gnade, die ihn gewürdigt, so segensreich wirken zu können, unter Zugrundlegung des Textes: 'Ich bin zu gering für all die Gnaden und für all die Treue, die du erwiesen deinem Knechte...' (1. Mose 32,11) und versprach, unter Dankesausdruck für die ihm bezeigte Ehrung, auch fernerhin seine ganze Kraft in den Dienst seiner Gemeinde stellen zu wollen. Beim Mincha-Gebete, dem auch Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt, der über Sabbat in dem nahe gelegenen Städtchen Gerolzhofen weilte, beiwohnte, hob dieser im Anschlusse an seine Predigt die Verdienste des Jubilars hervor, und dass er sich freue, wie die Kultusgemeinde ihren Lehrer liebe und achte. Bei dem zu Ehren des Jubilars veranstalteten Festbankett überreichte eine Schülerin namens der Schule ein prachtvolles Album.   Möge es dem verehrten Jubilar beschieden sein, noch lange, lange Jahre in ungeschwächter Kraft zum Segen der Schule und der Kultusgemeinde wirken zu können. um die Tora groß zu machen und zu verherrlichen. J.H. in M."   

   
Zum 50jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Josef Kissinger (1921)  

Frankenwinheim Israelit 27101921.jpg (18001 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1921: "Frankenwinheim (Unterfranken), 26. Oktober (1921). Am 7. November feiert der in weiten Kreisen bekannte und hochgeachtete Lehrer Herr Josef Kissinger sein 50jähriges Dienstjubiläum, wovon gewiss seine zahlreichen Freunde gerne Kenntnis nehmen."
 
Frankenwinheim Israelit 01121921.jpg (88901 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1921: "Frankenwinheim, 27. November 1921: Die Feier des goldenen Dienstjubiläums des Herrn Lehrer Josef Kissinger dahier am 7. November, war ein Ehrentag nicht nur für den Jubilar selbst, sondern auch für seine Gemeinde mit den Filialen Brünnau und Lülsfeld. Ununterbrochen vom frühen Morgen bis zum späten Abend dauerten die Gratulationen seitens der Jugend und der Erwachsenen aus den drei Gemeinden und der weiteren Umgebung ohne Unterschied der Konfession. Ein ungeheurer Depeschen- und Briefverkehr, sowie die Überreichung zahlreicher und wertvoller Geschenke von hier und auswärts zeugten von der Beliebtheit des Jubilars, den der zuständige Rabbiner, Herr Dr. Stein in Schweinfurt, in einem prächtigen, lehrer-freundlichen Schreiben als einen der Bewährtesten seines Standes bezeichnete. Möge es dem verehrten Jubilar vergönnt sein, noch recht lange in seiner seltenen Körper- und Geistesfrische zum Wohle seiner Familie, seiner Gemeinden und des ganzen Judentums zu wirken. Möge aber auch in seinen Gemeinden der gute Wille und die billige Einsicht Platz greifen, ihrem verdienstvollen, langjährigen Führer durch Verabreichung eines zeitgemäßen Gehaltes einen sonnigen, sorgenlosen Lebensabend zu bereiten".   

       
Zum 50-jährigen Ortsjubiläum des Lehrers Josef Kissinger (1926)  

Frankenwinheim Israelit 29041926.jpg (85049 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1926: "Frankenwinheim, 23. April. Zu einer Kundgebung, wie sie nur vom Herzen kommen kann, gestaltete sich das 50-jährige Ortsjubiläum unseres Lehrers Herrn Josef Kissinger hier. Den Auftakt zur Feier bildete ein Festakt am Schabbat Schmini in der Synagoge. In einer trefflichen Rede schilderte Herr Vorstand Kahn das mustergültige Wirken des Jubilars als vorzüglicher Lehrer, als Fachmann im Schächten und als ausgezeichneter Chasan (Vorbeter). Besonders gerühmt wurde das seltene Gemilut Chässäd (Wohltätigkeit) des Gefeierten gegenüber den Lebenden und gegenüber den Toten. Als Beweis, wie der Jubilar die Mizwa der Gastfreundschaft übte, sei nur erwähnt, dass derselbe seit 40 Jahren ein Zimmer für Schlafgelegenheit für die Gäste stets bereit hält und sie zum Frühstück einlädt. Der Sonntag war ein Festtag für die ganze Dorfgemeinde. Der Jubilar wurde von allen Vereinen mit ihren Fahnen unter Musikbegleitung, umringt von Ehrendamen in weißer Kleidung, ins Festlokal abgeholt, das im Nu überfüllt war. In prächtigen Ansprachen des Bürgermeisters und der Vereinsvorstand und andere prominente Persönlichkeiten wurde das edle Wirken des Jubilars gefeiert. In bewegten Worten dankte der Jubilar für all die Ehre und Liebe, die ihm erwiesen wurde. Die ganze Veranstaltung war ein Kiddusch Haschem (Heiligung Gottes) in des Wortes wahrster Bedeutung. Wir rufen dem Jubilar ein "Gut Glück" zu. "(Alles Gute) bis einhundertundzwanzig Jahre".
  
Frankenwinheim Israelit 07051926.jpg (15525 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1926: "In Frankenwinheim feierte Lehrer Josef Kissinger sein 50jähriges Jubiläum als Kantor und Lehrer der Gemeinde. Wir wünschen dem hochverdienten Jubilar noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Rüstigkeit". 
  
Frankenwinheim Bayr GZ 09021927.jpg (77646 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9. Februar 1927: "Moses Hofmann (Rothenburg), J. Kissinger (Frankenwinheim), Abraham Strauß (Uffenheim) haben 7 x 7 Jahre in einer Gemeinde als Lehrer in der Schule, als Vorbeter im Gotteshaus, als Berater in ihren Gemeinden gewirkt. Hofmann und Strauß sind die ersten Lehrer in neu gegründeten Gemeinden gewesen, sie haben die Einrichtungen des Kultus und der Schule erst schaffen müssen. Ihres Wirkens und Schaffens Geschichte ist die Geschichte ihrer Gemeinden. In solchen kleinen Gemeinden 50 Jahre auszuharren, dazu bedarf es einer seltenen Treue, großer Liebe zum Berufe - und einer Resignation, die manchen Undank und manche Verkennung hinnimmt. Unsere drei Jubilare haben als Jünglinge und Männer in einem Berufe gewirkt, der Hungerlohn und Rechtlosigkeit als Entschädigung bot für Pflichttreue - und erst in späteren Jahren sahen sie Ernten reifen, zu denen sie die Saaten hoffend gestreut."
  
Josef Kissinger war auch im bürgerlichen Leben von Frankenwinheim völlig integriert: so war er von 1881 bis 1929 Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr, vgl. Link zu einer Seite der Freiwilligen Feuerwehr in Frankenwinheim.  

   
82. Geburtstag von Lehrer Josef Kissinger im November 1934 

Frankenwinheim BayrGZ 15111934.JPG (39400 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1934: "Frankenwinheim (Unterfranken). Dieser Tage (8. Marcheschwan = 17. Oktober 1934) beging Herr Lehrer Josef Kissinger, der länger als ein halbes Jahrhundert hier amtierte, seinen 82. Geburtstag in verhältnismäßig recht günstiger körperlicher und geistiger Verfassung." 
 
 
Grabsteine für Ida Kissinger geb. Grünfeld
 (29.11.1851-7.7.1929; rechts) und 
 Oberlehrer Josef Kissinger
 (28.10.1852-14.1.1939) sowie 
Maier Kissinger
(15.12.1885-14.12.1938) 
im jüdischen Friedhof Gerolzhofen  
(Fotos von Stefan Polster)  
Kissinger_Josef_002a.jpg (473318 Byte) Kissinger_Ida__001a.jpg (415839 Byte)

 
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Dokument zur Beschneidung von Moritz Marschütz (1836)    

Rechts: Mohelbuch des Oscher Blumenthal von Altenschönbach: die 5. Eintragung von oben bezieht sich auf Moritz (Mosche) Marschütz aus Frankenwinheim, durchgeführt am Sonntag, 3. Aw 5596 = 17. Juli 1836; Marschütz war später Lehrer u.a. in Burghaslach 
(Quelle: Kopie aus dem Mohelbuch, Identifizierung von Salomon Moyal-Bloch - Zürich, Hinweis darauf erhalten von Avraham Malthete)
Frankenwinheim Dok 010.jpg (126016 Byte) Frankenwinheim Dok 010a.jpg (19792 Byte) 
Der Ortsname "Frankenwinheim" 
im Dokument links
     

Der oben genannte Moritz Marschütz war (freundlicher Hinweis von Salomon Moyal-Bloch, Zürich) Vater von Carl und Heinrich Marschütz, die die Hercules-Werke in Nürnberg gründeten: siehe Beitrag "Carl Marschütz und die Hercules-Werke" bei www.nuernberginfos.de 

      
Zum Tod von Bela Wolf geb. Forchheimer (1889)  

Frankenwinheim Israelit 04041889.JPG (225042 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1889: "Frankenwinheim, im Adar II. - Es ist keine Freudenbotschaft, von der ich Ihnen heute zu berichten habe. Ein biederes Weib, eine jener edlen Frauengestalten, von tiefinnerster Religiosität durchdringen, wie sie, ach, immer seltener, immer weniger werden, hat ihre reine Seele ausgehaucht im hohen Alter von 79 Jahren, um einzugehen in jene lichten Gefilde des Jenseits, zu genießen von dem hohen Gute, das nur den Frommen und Gottesfürchtigen aufbewahrt ist. 
Bela Wolf - der Friede sei mir ihr - Frau des vor 27 Jahren verstorbenen Feibel Wolf - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen, ehemaligen Buchbinders und Schochet (Schächter) in Heßdorf, ist nicht mehr. Am 13. Adar I wurde sie unter großer Teilnahme trotz des großen Schnees und der dabei herrschenden Kälte zur ewigen Ruhe bestattet. Die edle Verblichene - der Friede sei mit ihr - , eine geborene Forchheimer aus Adelsberg bei Gemünden, war eine Eschet chajal (tüchtige Frau) im wahren Sinne des Wortes. Bei all den schweren Prüfungen, die sie nun überstanden, bei all den harten Schlägen des Schicksals, die sie erlebt und erlitten, bei all den blutenden Wunden, die ihrem edlen Herzen geschlagen, sie blieb fest und unerschütterlich in ihrem Gottvertrauen bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens.
Von ihr kann man mit vielem Rechte sagen: mit ihr stirbt eine Fülle von Weisheit aus, die doch nichts anderes ist als Gottesfurcht und Frömmigkeit. Vom großen Unglücke des Witwenstandes in seiner ganzen Schwere getroffen, wo ihr durch den Tod ihres Gatten ihr Stab und ihre Stütze entrissen, hatte sie, obwohl selbst 12 Jahre hindurch leidend und bettlägerig, für ihre verwaisten Kinder gelebt und gesorgt, und für deren Erhaltung und Erziehung ihren Nacken gebeugt, sie hat gekämpft und gerungen - und gesiegt. 
Fünf ihrer guterzogenen, herangewachsenen Söhne sah sie durch den Tod scheiden, mit blutendem und gebrochenem Herzen sah sie besonders einen dieser durch Tora ausgezeichneten Sohn, Ephraim Wolf - das Gedenken an den Gerecht ist zum Segen - Lehrer in Fischach, in bestem Mannesalter von sich losgetrennt, mit den Worten Hiobs sich tröstend: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Bei all diesen schweren Schicksalsschlägen ertrug sie ihr eigenes Leiden mit größter Geduld, mit Ergebung in Gottes heiligen Willen. Sie war eine große Freundin der Tora und der sich ihr Beschäftigenden, mit freudig strahlendem Auge lauscht sie auf jedes Wort unserer heiligen Tora und erzog auch alle ihre Kinder im Sinne und Geiste unserer heiligen Tora. Selbst nicht mit irdischen Gütern gesegnet, unterstützte sie nach Kräften Arme und Notleidende, war leutselig und zuvorkommend gegen jeden Menschen ohne Unterschied. Sie hat gelebt für die drei Säulen, worauf die sittliche Welt besteht: auf Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit.
Sie hatte das Glück, dass ihre Kinder - sie mögen leben - ihr mit der zärtlichsten Liebe zugetan, sie auf das Würdigste pflegten und ihr die Beschwerden des Alters und ihrer Leiden möglichst erleichterten. 
Möge sie nun ernten Heil, Lohn und Seligkeit im ewigen leben, möge sie sich ergötzen im glückseligen Zustande ihres eigenen Geistes, vereint mit den verklärten Frommen aller Zeiten; möge der Allgütige den Hinterbliebenen lindernden Balsam auf die geschlagene Wunde senden Amen, so möge es Gottes Wille sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Verlobungsanzeige von Sofie Strauss und Max Friedmann (1908)  

Frankenwinheim Israelit 02041908.jpg (30604 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1908: "Statt Karten. Sofie Strauss - Max Friedmann. Verlobte. Bad Brückenau - Frankenwinheim." 

   
Heiratsanzeige von Norbert Guggenheim und Fanni geb. Kissinger (1929) 

Frankenwinheim Israelit 03051929.jpg (33208 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1929: "Statt Karten. 
Norbert Guggenheim - Fanni Guggenheim geb. Kissinger.
 
Vermählte. Gailingen - Frankenwinheim
Trauung: 7. Mai, Schweinfurt, Restaurant Seelig, 1 Uhr nachmittags."

    
    
Weiteres zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Fotos einzelner jüdischer Gemeindeglieder (erhalten von Stefan Polster)      

Frankenwinheim Hilde Hirsch 010.jpg (39189 Byte) Frankenwinheim Berta Friedmann 010.jpg (52462 Byte) Frankenwinheim Ilse Friedmann 010.jpg (49108 Byte)
Hilde Hirsch (war mit Isaak Hirsch verheiratet,
 s.u.; sie starb vermutlich bereits 1937 und
 wurde auf dem jüdischen Friedhof in
 Gerolzhofen
beigesetzt; Inschrift nicht lesbar
)  
Berta Friedmann geb. Kaufmann (geb. 1890
 in Laudenbach, umgekommen nach 
Deportation 1942 nach Krasnystaw)  
 
Ilse Friedmann (geb. 1922 in Frankenwinheim,
 umgekommen nach Deportation 1942 
nach Krasnystaw)  
     
Frankenwinheim Isaak Hirsch 010.jpg (48123 Byte) Frankenwinheim Max Friedmann 010.jpg (40954 Byte) Frankenwinheim Max Kolb 010.jpg (62048 Byte)
Isaak Hirsch (geb. 1875 in Frankenwinheim;
 umgekommen am 24. Februar 1943 im
 Ghetto Theresienstadt)  
Max Friedmann (geb. 1886 in Frankenwinheim,
 umgekommen nach Deportation 1942 
nach Krasnystaw)  
Max Kolb (geb. 1898 in Frankenwinheim,
 umgekommen nach Deportation 1942 
nach Krasnystaw)   
     
  Frankenwinheim Klasse 1936 010.jpg (150891 Byte)  
Klassenfoto von 1936: jüdische SchülerInnen waren: 1. Reihe 5. von rechts mit weißem Hemd:
 Werner Gottlieb; 1. Reihe 4. von rechts: Gerhard Friedmann; 3. Reihe 2. von rechts: 
Klara Niedermann. Es müssten die Jahrgänge 1923 bis 1935 abgebildet sein.  
 

 

April 2012: Werner Gottlieb wird Ehrenbürger in Frankenwinheim    
Frankenwinheim wernergottlieb-11.jpg (47145 Byte) Aus der Website der Gemeinde Frankenwinheim www.frankenwinheim.de: Zur Biographie von Werner Gottlieb
Werner Gottlieb wurde am 12. September 1925 als Erstes von zwei Kindern in Frankenwinheim geboren. Seine Eltern Max und Jenny Gottlieb bewohnten das ehemalige Anwesen Haus Nr. 86, heute Schallfelder Straße 21. An seiner Stelle steht heute das Feuerwehrhaus. Neben dem Viehhandel bewirtschaftete die Familie einen kleinen Bauernhof. Werner und seine Schwester Vera Gottlieb besuchten wie alle Kinder in Frankenwinheim, unabhängig von der Glaubensrichtung, die Dorfschule, in der jetzt das Rathaus untergebracht ist. Nur während des Religionsunterrichtes wurde die Klasse getrennt unterrichtet, es gab katholischen und hebräischen Religionsunterricht. Die Lehrer waren damals Emil Auer und der Rabbiner Isidor Mermelstein.
Am 27. September 1937 verließ Werner Gottlieb mit seinen Eltern und seiner Schwester Vera Frankenwinheim und emigrierte nach New York, USA. Seine Großmutter Sabina verblieb auf eigenen Wunsch in Frankenwinheim und ist am 5. Dezember 1942 in Theresienstadt umgekommen. 2012 lebt Werner Gottlieb zusammen mit seiner Frau Shirley in San Francisco. Die beiden haben drei Kinder Leonhard, Debbie und David sowie 5 Enkel. In den letzten 25 Jahren besuchte Werner Gottlieb fünfmal Frankenwinheim, begleitet wurde er bei seinem jetzigen Besuch von seiner Enkelin Elspeth Looks aus Israel
Fotos von der Verleihung der
 Ehrenbürgerwürde am 1. April
 2012 in Frankenwinheim 
(Fotos: Stefan Polster)  
Frankenwinheim wernergottlieb-05.jpg (55765 Byte) Frankenwinheim wernergottlieb-22.jpg (65696 Byte) Frankenwinheim wernergottlieb-50.jpg (52828 Byte)

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge  
  
Die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert erbaute Synagoge wurde 1910 umfassend renoviert (in Klinker aufgestockt). Es handelt sich ursprünglich um einen zweigeschossigen Walmdachbau.  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurden am Morgen des 10. November alle Juden aus Frankenwinheim und Lülsfeld in der Synagogen zusammengetrieben. Die Frauen mussten - in Gebetmäntel und Sterbegewänder gehüllt - die Möbel und Ritualien auf die Straße tragen und dort anzünden. Alle Gemeindemitglieder mussten sich um die Feuerstelle aufstellen und dem Brand zusehen. Es kam zu Verwüstungen und Gewalttaten unter Beteiligung zahlreicher Jugendlicher des Ortes. Etwa 200 weitere Dorfbewohner sowie die Polizei sahen dem Treiben zu. 
Zu den Vorgängen beim Novemberpogrom 1938 in Frankenwinheim vgl. auch den Vortrag von Stephan Oettermann in Gerolzhofen im November 2009.   
  
1950 fanden vor dem Landgericht zwei Prozesse gegen 27 Teilnehmer am Novemberpogrom 1938 in Frankenwinheim statt. Sechs erhielten Gefängnisstrafen von neun Monaten bis zu einem Jahr und neun Monaten. 
 
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut.  
  
Im November 1999 wurde von der Gemeinde Frankenwinheim ein Gedenkstein für die ehemaligen jüdischen Frankenwinheimer vor dem Rathaus aufgestellt. Die Gedenkrede hielt der Vorsitzende der israelitischen Gemeinde Würzburg Dr. Joseph Schuster. 
  
  
Adresse/Standort der SynagogeJudengasse 6      
   
   
Fotos
(Historische Innenaufnahme oben links von Theodor Harburger, aufgenommen am 16. September 1931; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. 1998 Bd. 2 S. 204)   

Frankenwinheim Synagoge 100.jpg (48914 Byte) Frankenwinheim Plan um 1930.jpg (474517 Byte) Frankenwinheim JKissinger.jpg (10938 Byte)
Historische Innenaufnahme der Synagoge 
von 1929 mit dem Blick zum Toraschrein
  
    
Plan von Frankenwinheim mit Eintragung
 der jüdischen Wohnhäuser / Anwesen 
um 1930 (Plan erhalten von Stefan Polster)  
  
Der jüdische Lehrer Joseph Kissinger
 (1852-1939) und seine Frau Ida geb. Grünfeld
 (1851-1929). Quelle: Website der Family Kissinger 
(Website ist seit 2009 gelöscht) 
   
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach, bei www.synagogen.info
Frankenwinheim Synagoge 200.jpg (55292 Byte) Frankenwinheim Synagoge 2014o.jpg (601745 Byte) Frankenwinheim Synagoge 201.jpg (55116 Byte)
 Das Foto der ehemaligen Synagoge rechts wurde
 von Stefan Polster zur Verfügung gestellt. Es 
wurde anlässlich des Besuches von 
Egon Mermelstein erstellt (Juli 2014, s.u. )   
Die ehemalige Synagoge, zu einem
 Wohnhaus umgebaut, Foto rechts 
in hoher Auflösung 
    
Gedenktafel zwischen der "Mariensäule"
 und der ehemaligen Synagoge 
 
     
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Der Gedenkstein für die ermordeten Juden aus Frankenwinheim vor dem Rathaus 
(Quelle: www.frankenwinheim.de
  
Das Gebäude des 1987 abgebrochenen
 rituellen Bades (Mikwe, Aufnahme von 
1982; Quelle: www.frankenwinheim.de
     
 Erinnerung an einem früheren
 jüdischen Haus in Frankenwinheim 
(Nebengebäude zum nicht mehr bestehenden 
Haus Nr. 69, heute im Bereich des 
Anwesens Kornbrunnen 9; 
Fotos: Stefan Polster) )    
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    Spur einer Mesusa am Hauseingang   Reste eines Mesusa an einem Türpfosten
      
        
Verlegung von "Stolpersteinen" am 12. September 2013 in Frankenwinheim 
(Fotos: Stefan Polster, weitere Fotos bei frankenwinheim.de)  
 
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Gunther Demnig bei der Verlegung     
     
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"Stolpersteine" für Angehörige 
der Familie Gottlieb 
"Stolpersteine" für Angehörige 
der Familie Friedmann 
 
     
Verlegung von weiteren sechs "Stolpersteinen" am 27. Mai 2014 in Frankenwinheim
(Fotos: Stefan Polster, auch eingestellt bei www.frankenwinheim.de)   
  Der Pressebericht unten in der "Main-Post" 
vom 30. Mai 2014
   
Pressebericht von Stefan Polster: "Zweite Verlegung von Stolpersteinen. Landrat Töpper würdigt Erinnerungsarbeit in Frankenwinheim
Bürgermeister Herbert Fröhlich konnte zur zweiten Stolpersteinverlegung in Frankenwinheim zwei neunte Klassen vom Gymnasium in Gerolzhofen, viele Dorfbewohner, Gäste und den Aktionskünstler Gunter Demnig begrüßen. 
Die Schüler waren am Morgen von Gerolzhofen nach Frankenwinheim gelaufen um im Rahmen des Geschichtsunterrichtes bei der Verlegung dabei zu sein. Landrat Florian Töpper freute sich, dass in seinem Landkreis und besonders in Frankenwinheim aktiv Erinnerungsarbeit geleistet wird. Die Anwesenheit der Schüler bei dieser Aktion lobte er besonders schließlich müsse eine Geschichtsexkursion nicht immer zu weit entfernten Zielen führen.
Möglich wurde die Stolpersteinverlegung für die Familie Kolb durch die Spende der Stolpersteinpaten und durch die Bereitschaft der heutigen Hausbesitzerin Anna Kratschmer. Zwei Paten und zwei Schüler trugen die Lebensläufe der jüdischen Familie Kolb vor. Sie wurden allesamt in Konzentrationslagern ermordet. Gemeinderätin Bettina Roth las auch vor, wie eine Deportation damals durchgeführt wurde. Das Ganze wurde von der Gestapo Evakuierung genannt und von den Vorschriften zum Kofferpacken über Vermögensaufstellungen bis hin zu Anweisungen wie das Haus zu hinterlassen ist, löste die detaillierte Schilderung Betroffenheit aus. Die Familie Kolb wurde nur zwei Tage vor der Abholung informiert. Hunde, Katzen und andere Haustiere durften natürlich nicht mitgenommen werden, gutes Schuhwerk wurde empfohlen und sogar für einen Vorrat an Verpflegung gab es Vorschriften. 
Betroffen lauschten die Frankenwinheimer am Dienstag solch entwürdigenden Details. Die Familie Kolb wurde nur zwei Tage vor ihrer Abholung informiert. Das Ganze gipfelte darin, dass man die Evakuierungsnummer an Kleidung und Gepäck anbringen musste: 'So wurden diese Menschen zu Nummern', resümierte Roth, 'mit den Stolpersteinen bringt man ihre Namen wieder dahin zurück, wo die Menschen mitten unter uns gelebt hatten.'"  
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Gunter Demnig in Frankenwinheim  Die zu verlegenden "Stolpersteine"  Interessierte Zuschauer in der Rosenbergstraße
           
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      Gunter Demnig bei der Verlegung   
           
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Landrat Florian Töpper       Schüler tragen die Lebensläufe vor 
           
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      Die für die Familie Kolb verlegten "Stolpersteine"      

       

 Begräbnisstätten der Juden aus Frankenwinheim: der jüdische Friedhof in Gerolzhofen   

 
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 Oben und unten: Grabstätten der Familie Gottlieb aus Frankenwinheim vor und nach der Renovierung 
(Fotos erhalten von Eva-Maria Bräuer im Mai 2012) 
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

April 2012: Auch in Frankenwinheim sollen "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel in der "Main-Post" vom 25. April 2012: "Frankenwinheim. Stolpersteine erinnern an NS-Opfer. Rat stimmt Projekt zu..." 
Link zum Artikel     
 
April 2012: Artikel in einer israelischen Zeitung zum Holocaust-Gedenktag 
Artikel von Elka Looks in haaretz.com vom 19. April 2012: "An ode to Frankenwinheim on Holocaust memorial Day. On the dav we grapple with a tragedy that today seems unfathomable; we have repented, we have learned, we have said 'never again', but the pople of Frankenwinheim have repaired..."  
Link zum Artikel    
  
September 2013: In Frankenwinheim werden elf "Stolpersteine" verlegt  
Artikel in der "Main-Post" vom 10. September 2013: "FRANKENWINHEIM - Stolpersteine gegen das Vergessen - Verlegung in Frankenwinheim
Der Aktionskünstler Gunter Demnig wird am Donnerstag, 12. September, in Frankenwinheim an zwei Stellen Stolpersteine verlegen. Die Gemeinde bekennt sich mit dieser Aktion zu ihrer jüdischen Vergangenheit. Sie hat bereits mehrmals Rückgrat bewiesen, zuletzt mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Werner Gottlieb, der 1937 mit seinen Eltern und seiner Schwester in die USA flüchten konnte...
Elf Steine für Frankenwinheim... In Frankenwinheim sollen am Donnerstag insgesamt elf Steine für die Familien Friedmann und Gottlieb verlegt werden. Die Verlegung erfolgt auf öffentlichem Grund und wurde vom Gemeinderat genehmigt. Zu der Aktion sind alle Bürger eingeladen. Treffpunkt ist um 17 Uhr an der Bushaltestelle vor dem Rathaus."  
Link zum Artikel    
Fotos von der Verlegung der "Stolpersteine" in der Website der Gemeinde Frankenwinheim.   
 
November 2013: Erinnerung an die Pogromnacht 1938  
Link zu einer Fotoseite bei frankenwinheim.de  
 
Mai 2014: Ortsrundgang: "von der Wiege bis zur Bahre - Jüdische Bürger in Frankenwinheim" 
vgl. Fotos dieses Rundganges: Link zu einer Fotoseite bei frankenwinheim.de    
 
Bericht über den Ortsrundgang von Stefan Polster: "Die Rituale der jüdischen Bevölkerung 
Über 50 interessierte Teilnehmer konnten Claudia Göllner, Evamaria Bräuer und Stefan Polster anlässlich der Ausstellung Landjudentum in Unterfranken beim Dorfrundgang in Frankenwinheim begrüßen. An fünf ehemaligen jüdischen Anwesen spürte man dem Brauchtum und den Ritualen der jüdischen Bevölkerung nach, ließ dabei Zeitzeugen zu Wort kommen und stellte die letzten jüdischen Bewohner in dem jeweiligen Haus aus der Zeit um 1930 vor.
Frankenwinheim war eine Gemeinde mit einem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil. 1870 waren von 546 Dorfbewohnern 100 mit jüdischem Glauben somit 18 Prozent. In den Folgejahren ging die Anzahl zurück. Im Jahr 1910 lebten noch 58 Juden in Frankenwinheim bei insgesamt 588 Bewohnern. An jüdischen Einrichtungen gab es die Synagoge mit Mikwe und als reinen jüdischen Verein den Toralernverein 'Limud Tora'.
Es wurden die ehemaligen Anwesen der Familien Kolb, Friedmann, Hirsch und Niedermann sowie die Synagoge besucht. Dabei behandelte man Feste wie das Purim, dies erinnert an die Errettung des jüdischen Volkes in der persischen Diaspora. Kinder verkleiden sich hierbei ähnlich unserem Karneval. Anschaulich wurde eine Messusa erläutert, die Schriftkapsel die im rechten Türpfosten am Hauseingang angebracht war, teilweise auch an weiteren Türpfosten im Haus. In der Schriftkapsel befindet sich ein Stück Pergament, auf dem zwei Abschnitte aus dem 5. Buch Moses geschrieben sind, das ist der sogenannte Haussegen.
Man beschäftigte sich mit der Bar-Mizwa beziehungsweise Bat-Mizwa, damit wird die Religionsmündigkeit bezeichnet, die bei Jungen mit 13 Jahren und bei Mädchen mit zwölf Jahren gefeiert wird. Vor allem für die junge Generation waren auch Berufe wie Ellenwarenhändler oder die Tätigkeit eines Schmusers interessant. Der Schmuser konnte von seinem Beruf nicht alleine leben, in der Regel waren das Hausierer, die viel in der Gegend herum kamen. Dadurch wussten sie, wo ein heiratsfähiger Mann oder ein hübsches Mädchen wohnten, und brachten diese zusammen.
Am ehemaligen Haus des Metzgers Niedermann erklärte Evamaria Bräuer das Schächten der Tiere und andere Ernährungsvorschriften der Juden. Aber nicht nur die Nahrung, auch die Kleidung frommer Juden soll koscher sein, das heißt, sie darf nur aus einem Material, zum Beispiel nur aus Baumwolle, bestehen und keine künstlichen Fasern und Farben aufweisen.
An der Synagoge ging man näher auf den Rabbiner Josef Kissinger ein, übrigens ein Onkel des späteren amerikanischen Außenministers Henry Kissinger. Josef Kissinger war über 50 Jahre Rabbiner, Schächter und Vorbeter in Frankenwinheim. Dabei würdigte nicht nur die jüdische Bevölkerung sein Wirken, sondern die gesamte Dorfgemeinschaft nahm am Fest zu seinem Jubiläum teil. Ein gelebtes 'Mitten unter uns', dies zeigt sich auch dadurch, dass Josef Kissinger 48 Jahre als Schriftführer in der Freiwilligen Feuerwehr Frankenwinheim tätig war. Aus einer Dankesrede für Josef Kissinger ist der schöne Satz überliefert: 'Möge aber auch in seinen Gemeinden (er war zuständig auch für die Filialen Brünnau und Lülsfeld) der gute Wille und die billige Einsicht Platz greifen, ihrem verdienstvollen, langjährigen Religionsführer durch Verabreichung eines zeitgemäßen Gehaltes einen sonnigen, sorglosen Lebensabend zu bereiten.'
Natürlich durften Erläuterungen zur Mikwe, dem Tauchbad, nicht fehlen. Diese konnte nur noch auf einem Bilddokument bewundert werden..."         
 
August 2014: Egon Mermelstein auf den Spuren seiner Kindheit   
Artikel von Stefan Polster in der "Main-Post" vom 8. August 2014: "FRANKENWINHEIM. Überraschender Besuch aus USA
Egon Mermelstein auf der Spur seiner Kindheit. 

Für einige Stunden weilte ein ehemaliger jüdischer Bewohner in Frankenwinheim. Egon Mermelstein wurde 1934 in Schweinfurt geboren. Seine Eltern Isidor und Ida Mermelstein wohnten von 1932 bis 1937 in Frankenwinheim..."  
Link zum Artikel    
 
EgonMermelstein_FRW__001a.jpg (280585 Byte)  EgonMermelstein_FRW__003a.jpg (136763 Byte)
77 Jahre, nachdem seine Familie Frankenwinheim verlassen hatte, besuchte
 Egon Mermelstein seine historischen Wurzeln. Im Synagogengebäude
 wohnte Familie Mermelstein von 1932 bis 1937. Im Bild Martha Sendner,
 Egon Mermelstein, Anna Kratschmer, Mathias und Annette Spies 
Egon Mermelstein besuchte Frankenwinheim. Er lebte bis 1937 
mit seinem Zwillingsbruder und den Eltern in der Synagoge, 
bevor die Familie 1938 in die USA emigrierte. 
(beide Fotos von Stefan Polster) 
  

   
    

Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Frankenwinheim  (Webmaster Elmar Walter) - hier auch:  
Abschnitt zur Judengasse / jüdische Geschichte in Frankenwinheim auf einer von Heinz Köpl gestalteten Seite  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 291-293.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 52-53.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 537-539. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 131.     

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Frankenwinheim  Lower Franconia. Jews are known from the second half of the 18th century and numbered 100 in 1837 (total 546) with a synagogue and public school. In 1933, 54 Jews remained. Anti-Jewish riots broke out in October 1938 in a well-poisoning libel and on Kristallnacht (9-10 November 1938). Jewish women were forced to burn the religious articles taken out of the synagogue. Jewish homes were also destroyed and valuables stolen. Five men were imprisoned in the Buchenwald concentration camp. Twenty-two Jews emigrated in 1938-41 and 20 left for other German cities in 1935-1940. Of the remaining Jews, 13 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 24 April 1942.   
      
        

                   
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Stand: 11. August 2014