Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem seit 1433 im Besitz der Freiherren (und späteren
Grafen) von Wolfskeel
befindlichen Rottenbauer gab es eine jüdische Gemeinde vom 17. bis zum 19.
Jahrhundert. Erstmals wird 1682 ein unter dem Schutz des Freiherren Jacob
Ernst von Wolfskeel stehender Jud Joseph genannt. In den folgenden Jahrzehnten
konnten sich mehrere jüdische Familien am Ort niederlassen. Die jüdischen
Familienvorstände erwarben den Lebensunterhalt der Familien überwiegend durch
Vieh- und Kleinwarenhandel (als Hausierer). Am Ende des 18. Jahrhunderts
gab es über 20 jüdische Haushaltungen am Ort (1796 22 Haushaltungen).
Die
meist kleinen jüdischen Wohnhäuser, in denen jeweils mehrere Familien wohnten,
konzentrierten sich anfangs in der Schulzen- und in der Wolfskeelstraße,
später auch in den angrenzenden Gassen (Zehntgasse, Schmiedsgasse und Unterer
Kirchplatz). Die jüdische Gemeinde hatte jeweils einen Vorsteher: 1796
wird Samuel Behr als "Vorgänger" genannt.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Rottenbauer auf
insgesamt 17 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt
(mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Isaac Joseph Rosenheimer
(Kleinhandel, Judendeputierter), Samson Joseph Kleinhacker (Metzger), Samuel
Löw Stern (Kleinhandel), Maier Judas Bach (Kleinhandel), Salomon Jud Strauß
(Kleinhandel), Judas Männlein Reiss (Viehhandel), Simon Löw Moses Gissigheimer
(Viehhandel, gest. 1829, an seiner Stelle Nathan Kleinhacker, Metzger), Marx
Löw Bauer (Kleinhandel), David Günsburger (Kleinhandel), Lazarus Judas Schweizer
(Kleinhandel), Jacob Seligmann Ney (Kleinhandel), Hirsch Samson Steinhardt
(Viehhandel), Menka Jacob Schloß (Kleinhandel), Sara, Witwe des Moses Abraham
Maas (Kleinhandel), Isaac Moses Moas (Kleinhandel), Benjamin Samson Steinhardt
(Kleinhandel), Samuel Maier (Viehhandel). Nicht in die Liste aufgenommen wurde
die Witwe Rifka Steinhardt.
In den folgenden Jahrzehnten veränderten sich teilweise die Erwerbsbereiche.
Mehrere jüdische Familien betrieben neben dem Klein- oder Viehhandel auch eine Landwirtschaft
oder hatten einen Handwerksberuf (Marum Weiss wird 1856 als Schneidermeister
genannt, Jakob Stern als Ökonom).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde seit 1739 eine Betstube
(s.u.) sowie ein rituelles Bad (ehemals Wolfskeelstraße 8). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
zeitweise ein Lehrer angestellt, der vermutlich zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. 1796/97 wird als jüdischer Schulmeister Wolf Jonas genannt;
damals lebte auch noch die Witwe des früheren Schulmeisters in Rottenbauer. Sie
bewohnte weiterhin die Lehrerwohnung im Synagogengebäude; Wolf Jonas war in
eine andere Wohnung gezogen.
Die Toten der Gemeinde wurden in der Regel im
jüdischen Bezirksfriedhof in Allersheim
beigesetzt.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts verzogen die jüdischen Familien auf Grund
schlechter Erwerbsmöglichkeiten vom Ort (nach Fuchsstadt,
Giebelstadt, Heidingsfeld,
Reichenberg, Würzburg usw.). Während 1814 noch 74 jüdische
Einwohner gezählt wurden (in 19 Familien), waren es 1832 noch 57, 1871 nur noch
17, 1875 16.
Von den in Rottenbauer geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fanny Bach geb. Reiss (geb. 1870 in Rottenbauer,
wohnhaft in Unsleben und Reichenberg, umgekommen April 1943 in
Theresienstadt), Seligmann Bach (geb. 1865 in Rottenbauer, wohnhaft in Würzburg
umgekommen April 1943
in Theresienstadt).
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Bei der 1739 genannten "Judenschul"
handelte es sich um eine Betstube im Haus des Moses Knack. 1764 wurde
an der heutigen Schulzenstraße eine neue Synagoge mit Schulzimmer und
Lehrerwohnung erbaut.
Wie lange in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Gottesdienste in der
Synagoge abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Nach Auflösung der jüdischen
Gemeinde wurde das Synagogengebäude, das in nichtjüdischen Besitz übergegangen
war, um 1900 zu einer Scheune umgebaut und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgebrochen.
Teile des Toraschreines der Synagoge kamen in die Synagoge nach Reichenberg.
An der Stelle der früheren Synagoge wurde ein Neubau erstellt. Von der Synagoge
ist nichts mehr
vorhanden.
Adresse/Standort der Synagoge: Schulzenstraße 9
(Schwierz 1992 S. 145; nach anderen Angaben Schulzenstraße
13)
Abbildungen