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Markt Giebelstadt (Kreis
Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Überblick:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Giebelstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1941.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1757
stellte der Lehrer in Aub beziehungsweise in Fürth Arje ben Mosche
Baiersdorf ein Memorbuch für Giebelstadt fertig.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden auf insgesamt 20
Matrikelstellen in Giebelstadt 20
Matrikeln die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit bereits neuem
Familiennamen): Seligmann Mayer, Nathan Krämer, Löb Feiffer, Seligmann Kahn, Samuel
Bloch, Wolf Kuhn, Moses Straus, Mayer Kuhn, Salomon Groß, Baruch Groß,
Seligmann Mayer, Hirsch Mayer, Marx Groß, Seligmann Krämer, Menlein Pfeiffer,
Raphael Schmitt, Löb Kuhn, Abraham Rosenbusch und Aron Sommer. Nicht in die
Matrikel wurden aufgenommen Mendlein (Menke) Sommer (Viktors Witwe) und Löb
Pfeifer.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner
wie folgt:
1814 103 jüdische Einwohner (17,3 % von insgesamt 597), 1867 72 (10,2 % von
706), 1880 58 (7,5 % von 774), 1900 48 (6,3 % von 765), 1910 42 (5,1 % von 824).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter wirkte. An Namen
sind bekannt: um 1871 Lehrer Stein.
Im Krieg 1870/71 starb aus der jüdischen Gemeinde Hirsch Neumann (siehe
Bericht unten). Im Ersten Weltkrieg fiel
Siegbert Heinemann
(geb. 20.4.1895 in Höchberg, gef. 2.10.1917). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die
Gefallenen der Weltkriege aus Giebelstadt im Friedhof des Ortes an der
Flugplatzstraße. Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Benjamin Schloß (geb.
28.9.1889 in Giebelstadt, vor 1914 in Mönchsroth wohnhaft, gef.
22.9.1914).
Die jüdischen Einwohner waren bis 1933 in das Gemeindeleben
völlig integriert. Sie waren Mitglieder in den örtlichen Vereinen und der
Feuerwehr und wirkten auch bei den Florian-Geyer-Festspielen mit
(Freilichtspiele in Giebelstadt seit 1925). Um 1930 war Samson Heinemann
Gemeindeschreiber und -kassier. Jüdischen Einwohnern gehörten mehrere für das
wirtschaftliche Leben des Dorfes wichtige Gewerbebetriebe: Eisenwarenhandel der
Familie Solinger, Viehhandlunge3n Otto Mannheimer und Max Pfeuffer sowie
Schnitt-, Kolonial- und Gemischtwarengeschäfte.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 48 Personen
gehörten (in 10 Familien, 6,85 % von insgesamt ca. 700 Einwohnern), waren die Vorsteher
der Gemeinde Max Pfeuffer und Rudolf Schmidt. Den Religionsunterricht der damals
vier (1932: drei) schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilte Lehrer Julius
Bravmann aus Gaukönigshofen. Die jüdische Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat Kitzingen (ab 1937 Distriktsrabbiner Würzburg). 1932 waren
die Vorsteher weiterhin Max Pfeuffer (1. Vors.) und Rudolf Schmidt
(Schatzmeister). Damals gab es 44 jüdische Gemeindeglieder (von 810
Einwohnern).
1933 lebten noch 38 jüdische Personen am Ort. Infolge des einsetzenden
wirtschaftlichen Boykotts verarmten die jüdischen Familien, sodass im April
1937 ein Drittel der Gemeindemitglieder unterstützungsbedürftig war. Beim Novemberpogrom
1938 wurden Wohnungen der jüdischen Familien von SS- und SA-Männern aus
dem benachbarten Goßmannsdorf am Main überfallen. Der Hausrat einer der
Wohnungen wurde zerstört.
In einem Lebensmittelgeschäft wurden die Waren vernichtet. Ein jüdischer
Einwohner wurde schwer verprügelt, ein anderer festgenommen, ein dritter auf
einem Lastauto zur Schau durch die Nachbarorte gefahren. Bis 1941 konnten
16 der jüdischen Einwohner emigrieren (sechs nach Palästina, auch der
Gemeindevorsteher Max Pfeiffer war vom örtlichen NS-Funktionär. einem
ehemaligen Schulkameraden zur Auswanderung gedrängt worden; fünf nach
Argentinien, vier in die USA, einer in die Schweiz), neun sind nach Würzburg
verzogen, zwei in andere deutsche Städte. Am 21. März 1942 wurden die letzten
fünf jüdischen Einwohner über Kitzingen und Würzburg nach Izbica bei Lublin
deportiert.
Von den in Giebelstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Angaben bei Reiner Strätz:
Biographisches Handbuch Würzburger Juden [zu Fam. Pollack S. 442-443]): Berthold Baumann (1934), Hedwig Baumann geb.
Heinemann (1901), Leo Baumann (1906), Meta Erlanger geb. Gross (1860), Henriette
Krämer (1864), Ida (Jette) Mannheimer geb. Neumann (1878),
Sally (Sali) Mannheimer (1926), Erna Mayer geb. Schmidt (1893), Karl Günther Pollak (1926), Klara Pollak geb. Günther (1889),
Manfred Pollak (1928), Margot Pollak (1929), Selma Pollak (1887), Betty Schmidt geb.
Weinmann (1897), Rudolf Schmidt (1892), Rosa Schwarzenberger geb. Schmidt
(1889), Adolf Stern (1880), Sofie Wannbacher geb. Schmidt (1888), Flora Wilmersdörfer geb. Schmidt (1885).
Von den früheren jüdischen Einwohnern kamen nach 1945 Leopold Pollak und Otto
Mannheimer wieder zurück. Pollak verließ Giebelstadt alsbald wieder, Otto
Mannheimer blieb bis zu seinem Tod 1967 am Ort. Er wurde in Allersheim
beigesetzt (siehe Geschichte
zur Familie Mannheimer unten).
Nach 1945 lebten vorübergehend nochmals zahlreiche jüdische Personen am
Ort. Als das noch mit 1.700 jüdischen Displaced Persons (darunter 600 Kinder)
belegte DP-Camp im oberpfälzischen Vilseck im Frühjahr 1948 geschlossen werden
sollte, wurden sie ab April 1948 in ein in Giebelstadt aufgebautes DP-Camp
übergesiedelt. Das 'Jüdische Komitee Giebelstadt" unterhielt u.a. eine
Synagoge, einen
Kindergarten, einen Theatersaal, eine Berufsschule sowie eine Bibliothek. Vom
Frühjahr 1948 bis Sommer 1949 lebten in Giebelstadt knapp 1.700 jüdische
Männer, Frauen und Kinder und warteten auf die Übersiedlung nach Israel,
Kanada, Australien oder in die USA. Im Juli 1949 konnte das Lager
Giebelstadt wieder aufgelöst werden.
Zwischen 1948 und 1951 gab es in Würzburg Prozesse gegen 21 der
an den Ausschreitungen beim Novemberpogrom Beteiligten. 13 wurden zu
Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr und acht Monaten
verurteilt.
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Maier Mayer (1927 - um 1860 einige Jahre Lehrer in
Giebelstadt, seit 1866 in Schnaittach)
Artikel
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar
1927: "Personalien. In Themar, wo ihm kindliche Dankbarkeit
und Liebe ein freundliches Heim geschaffen und einen sorgenfreien,
heiteren Lebensabend bereitet hatten, verstarb am 24. November (18.
Koslew) der Nestor und Mitbegründer unseres Vereins, Maier Mayer, im
Alter von 86 Jahren und 7 Monaten. Er wurde am 22. April 1839 in Aschbach
geboren, erhielt seine Ausbildung in Höchberg und Würzburg und wurde
nach mehrjähriger Tätigkeit als Religionslehrer in Oberthulba und
Giebelstadt in die damals noch blühende Gemeinde Schnaittach berufen, wo
er nahezu ein halbes Jahrhundert in Schule und Gemeinde wirkte, bis er im
Jahre 1914 in den wohlverdienten Ruhestand trat und nach Themar
übersiedelte. Auch in dieser Gemeinde machte er sich besonders verdient,
indem er in gottbegnadeter, körperlicher und geistiger Rüstigkeit in den
Jahren 1916-1918, als sein Schwiegersohn, Lehrer Levinstein, zum
Kriegsdienste eingerufen wurde, dessen anstrengenden Dienst versah. Noch
als 86jähriges fungierte er am Rochhaschanah (Neujahr) und Jomkippur
als Scheliach Zibbur (Vorbeter). Die hohe Verehrung und Liebe, die
ihm aus allen Kreisen entgegengebracht wurde, fand noch besonderen
Ausdruck, als er im Vorjahre mit seiner Gattin unter Teilnahme der ganzen
Gemeinde, ohne Unterschied des Glaubens, der Vertreter aus seinem
vieljährigen Wirkungsorte und der Behörden - der Verband Bayerischer
Israelitischer Gemeinden sei hierbei eigens genannt - das seltene Fest der
diamantenen Hochzeit feiern konnte. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt
verlieh im anlässlich dieser Feier den Chower-Titel. Um den
Heimgegangenen trauern mit der Gattin 10 Kinder, 7 Söhne und 3 Töchter.
An seiner Bahre hielt der Schwiegersohn die Trauerrede, der älteste Sohn,
Lehrer Moses Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des
Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik zum Segen sein!
Blumenthal, Neustadt a.d.A." |
Schulamtsbewerber Justin Heinemann wechselt nach
Scheinfeld (1936)
Mitteilung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1936: "Schulamtsbewerber Justin Heinemann in Giebelstadt
wurde nach Scheinfeld
berufen." |
Aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Rückblick: Esrogim-Mangel (1810)
Anm.: bei einem Esrog (beziehungsweise Etrog) handelt es sich um eine
Zitrusfrucht, die beim Sukkotfest (Laubhüttenfest) Verwendung findet
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit": Esrogim-Mangel in alter Zeit.
In dem mir vorliegenden Memorbuch der Gemeinde Giebelstadt in Unterfranken
(hier aus dem Hebräischen übersetzt) berichtet ein Chronist: 'Zur
Erinnerung! Im Jahre 571 der kleinen Zeitrechnung (d.i. 1810) hat die
hiesige Gemeinde ihr Esrog, das einzige am Ort, für 20 Gulden rheinisch
kaufen müssen. Die beiden Gemeinden Geroldshausen und Kirchheim kauften
eines gemeinsam für zwei Karlin, ebenso Allersheim und Bütthart. Solche
Esrogim wurden in wohlfeilen Zeiten leicht für 24 Kreuzer (= 72
Reichspfennig) gekauft. Vorbeter Lämmle b. Mhhr* Benjamin'.
Was der Grund der Teuerung gewesen, wird nicht angegeben. Möglich, dass
politische Hinderungsgründe in der damaligen Napoleonischen Zeit die
Einfuhr erschwerten."
*Mhhr Abkürzung für: "unser Lehrer, der Chawer, Herr...",
Bezeichnung für einen Gelehrten. |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Soldatentod von Hirsch Neumann (1871)
Nekrolog
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1871: "Giebelstadt, 14. Mai (1871). Auch hier hat der Krieg ein Opfer gefordert,
indem der israelitische Soldat im 9. bayerischen Infanterie-Regiment, 4.
Comp., Hirsch Neumann, der an der Ruhr erkrankt nach Hause kam, seinen Strapazen
bei Wörth, bei den Gefechten vor Toul und als Vorposten vor Paris am 2.
Mai erlegen. Seiner persönlichen Beliebtheit im Ort und bei seinen
Waffengefährten gab sein Leichenbegängnis den entsprechenden Ausdruck;
denn nicht nur eine unabsehbare Menschenmenge erwies ihm die letzte Ehre,
sondern auch acht hiesige Soldaten im Waffenschmucke unter dem Kommando
eines Offiziers gaben ihm eine Ehrensalve. Die Leichenrede hielt Herr
Lehrer Stein in sehr erhebender und geistreicher Weise über Psalm 102
Vers 24. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Seligmann Neumann (1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1911:
"Giebelstadt, 1. Mai (1911). Am 23. April verschied in unserer
Gemeinde Herr Seligmann Neumann, der es verdient, auch in diesen Blättern
genannt zu werden. Er war mit all seinen anderen menschlichen
Eigenschaften auch ein treuer Anhänger der Tora und der Wahrheit.
Ihm ist es auch mit zu verdanken, dass in hiesiger Gemeinde wieder ein
neues Beit HaKnesset (Synagoge) ersteht. Mit welcher Freude sah er
die Verwirklichung dieses seines Lieblingswunsches entgegen! Leider sollte
er die Bauvollendung dieses Gotteshauses nicht mehr erleben.
Der Verblichene hatte sich infolge seines rechtlichen Handelns und seines
bescheidenen Benehmens große Beliebtheit erworben. Das zeigte sich am
besten bei seiner Beerdigung. Von nah und fern kamen Verwandte, Bekannte
und Freunde herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erzeigen.
Nicht nur seine Angehörigen, sondern auch die Gemeinde Giebelstadt wird
ihn schmerzlich vermissen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens". |
Zum Tod von Clara Pfeuffer (1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1930:
"Giebelstadt bei Würzburg, 16. März (1930). Am Heiligen Schabbat
Mischpatim, Freitag, den 21. Februar (Datierung unklar, denn Schabbat
Mischpatim war erst am 1. März 1930, Toralesung Mischpatim
ist 2. Mose 21,1 - 24,18), ging Frau Clara Pfeuffer ein zur Ruhe
des ewigen Lebens. Im 83. Lebensjahr, die älteste unserer Gemeinde,
die zweitälteste Einwohnerin des Ortes, schied sie von uns. Ein
Wahrzeichen aus der in jüdischer Beziehung wohl wirklich besseren, alten
Zeit, ein Beispiel lebender Tradition ist mir ihr dahin gegangen. In ihrer
Jugend war sie sieben Jahre im Hause des Großen in Israel, des
alten Würzburger Raw, Rabbi Seligmann Bär Bamberger - das Andenken an
den Gerechten ist zum Segen. Das im Talmud oft gespendete Lob der ...
traf vollkommen auf die Verblichene - sie ruhe in Frieden- zu - und
der heilige Geist, der von diesem Geisteshelden ausstrahlte,
beschattete das ganze Leben dieser edlen Frau. Selbstlos und bescheiden,
von tiefer Gottesfurcht getragen, kannte sie als höchste Aufgabe nur Wohltätigkeit
in des Wortes weitester Bedeutung und wenn sie den Gewinn hatte,
alle ihre Kinder zu selten braven frommen Juden heranwachsen zu
sehen, so führte sie selbst dieses immer wieder vor allem auf das
Verdienst des alten Würzburger Raw - das Andenken an den Gerechten ist
zum Segen - zurück, dessen Lebensmaximen sie stets zu verwirklichen
sich bemühte. - Wohl die gesamte Einwohnerschaft Giebelstadts, eine
große Zahl auswärtiger Freunde und Verehrer folgten der Bahre dieser wackeren
Frau - sie ruhe in Frieden - und in beredten Worten nahmen Herr
Rabbiner Dr. Wohlgemuth, Kitzingen
und Herr Lehrer Bravmann, Gaukönigshofen,
Abschied von dieser edlen Matrone.
Den Kindern, Enkeln und Urenkeln möge ihr Verdienst beistehen, in
ihrem Sinne weiter zu leben und weiter zu wirken. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
80. Geburtstag von Babette Neumann (1931)
Meldung
in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September
1931: "Israelitische Kultusgemeinde Giebelstadt. Die Witwe
Babette Neumann von hier kann am 12. September dieses Jahres ihren 80.
Geburtstag feiern." |
Zum 80. Geburtstag des langjährigen
Kultusvorstandes der Gemeinde Hirsch Schmidt (1933)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März
1933: "80. Geburtstag. Herr Hirsch Schmidt in Giebelstadt bei
Würzburg, früher langjähriger Kultusvorstand der Gemeinde Giebelstadt,
und dessen Zwillingsschwester Frau Karoline Grünebaum in Kleinwallstadt
bei Aschaffenburg konnten am Samstag, den 11. Februar 1933, gemeinsam in
voller Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag feiern." |
Zum Tod des Sohnes des Kultusvorstandes Max
Pfeuffer (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1935:
"Giebelstadt, 10. März (1935). Von einem schweren Schicksalsschlag
wurde die Familie unseres Kultusvorstandes, Max Pfeuffer, heimgesucht.
Innerhalb weniger Tage wurde deren jüngster hoffnungsvoller Sohn
hingerafft. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der beliebten Familie zu
und aus Nah und Fern gaben Freunde und Bekannte dem Kinde das letzte
Geleite. Am Grabe fand Herr Lehrer Kahn, Gaukönigshofen
Worte des Trostes, indem er schilderte, wie dieses Kind bereits weit über
sein Alter hinaus die ernste Lebensauffassung eines guten Jehudi zu
erkennen gab. Möge der Heilige - gepriesen sei er den Eltern und
Geschwistern seinen Trost senden. S.H." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Max Heinemann sucht eine Lehrstelle für seinen Sohn
(1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1908:
"Suche für meinen Sohn pr. Mitte Mai dieses Jahres eine Lehrstelle
in einem feinen Schneidergeschäfte, welches Samstag und Feiertage
geschlossen ist.
Max Heinemann, Giebelstadt (Bayern)." |
Verlobungsanzeige von Pauline Pfeuffer und Moritz
Katz (Giebelstadt / Gersfeld) (1911)
Die
Anzeige erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5.
Oktober 1911. |
Verlobungsanzeige von Ella Krämer und Heinrich Heinemann
(1923)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1923:
"Frau Lina Krämer, Giebelstadt bei Würzburg und Herr und Frau
Lehrer Heinemann in Berlin beehren sich, die Verlobung ihrer Kinder Ella
und Heinrich anzuzeigen.
Ella Krämer - Heinrich Heinemann - Verlobte - Giebelstadt
bei Würzburg, Berlin Schöneberg, Eberstr. 13. Chanuka
5684." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. 1799 wurde
eine erste Synagoge erstellt. Über einhundert Jahre diente sie als religiöses
Zentrum der jüdischen Gemeinde in Giebelstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts war
sie in sehr schlechtem baulichem Zustand und musste 1908 wegen Baufälligkeit
geschlossen werden.
1911 ließ die Gemeinde durch
den Zimmerermeister Johannes Roman Scheckenbach aus Giebelstadt die Pläne für eine
neue Synagoge zeichnen. Noch in diesem Jahr wurde das Gebäude erbaut. Im
Nachruf auf Seligmann Neumann, der am 23. April 1911 verstarb (siehe oben), wird
davon berichtet, dass die neue Synagoge derzeit "ersteht", aber der
Verstorbene die Bauvollendung nicht mehr erleben konnte. Vorsteher der
jüdischen Gemeinde war zur Zeit des Synagogenbaus Hirsch Schmidt.
Die Einweihung der Synagoge war am 31. August 1911 durch
Distriktsrabbiner Bamberger aus Würzburg, der gerade Vakaturvertretung des
nicht besetzten Distriktsrabbinates Kitzingen hatte. Über die Feier liegen
folgende
Berichte vor:
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1911: "Giebelstadt
(Unterfranken), 10. September. Vor einigen Tagen wurde in unserer kleinen
Gemeinde ein seltenes Fest gefeiert. Ungefähr 3 Jahre sind es her, dass
unsere Synagoge wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Mit vieler
Mühe und großen Opfern ist es uns gelungen, eine entsprechende neue
Synagoge zu bauen, welche am 31. August in würdiger Weise eingeweiht
wurde. Die politische Gemeinde nahm regen Anteil daran, indem die
Einwohner ihre Häuser beflaggte und sich sowohl beim Zuge als auch in der
Synagoge mit ihren jüdischen Mitbürgern vereinigten. Vor dem Tore der
Synagoge trug die Tochter des Vorstandes, Frl. Schmidt, einen Prolog vor
und überreichte den Synagogenschlüssel dem Bürgermeister; derselbe
hielt eine Ansprache, in der er den Opfersinn der Gemeinde lobte und
übergab den Synagogenschlüssel Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger aus
Würzburg, Verweser des Rabbinats Kitzingen. Nach den üblichen Umzügen
der Torarollen und nachdem Herr Vorstand Schmidt die Anwesenden begrüßt
hatte, hielt Herr Rabbiner Bamberger die Einweihungsrede, die zu Herzen
aller Anwesenden ging. Vom Gotteshause aus bewegte sich die ganze
Festversammlung unter Musikbegleitung in ein Gasthaus zur geselligen
Unterhaltung. Alle Anwesende, worunter viele Fremde aus nah und fern sich
befanden, waren sehr befriedigt von der außerordentlich gelungenen
Feier." |
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Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September
1911: "Giebelstadt (Unterfranken). Vor einigen Tagen wurde in
unserer kleinen Gemeinde die neue Synagoge eingeweiht. Die politische
Gemeinde nahm regen Anteil an diesem Feste, indem die Einwohner ihre
Häuser beflaggten und sich sowohl beim Zuge als auch in der Synagoge mit
ihren israelitischen Mitbürgern vereinigten. Der Festzug bewegte sich vom
Hause des Kultusvorstandes, H. Schmidt, mit Vorantritt der Musik zur
Synagoge. Dort angelangt, trug die Tochter des Vorstandes ein Gedicht vor
und überreichte den Synagogenschlüssel dem Bürgermeister, der nach
einer Ansprache den Schlüssel dem Distriktsrabbiner Bamberger -
Würzburg, Verweser des Rabbinats Kitzingen,
übergab. Dieser erwiderte dem Herrn Bürgermeister in entsprechender Rede
und überreichte den Schlüssel dem Vorstande. Nach dem Einzuge wurde
Ma-Towu gesungen und die Umzüge mit den Tora-Rollen vorgenommen. Nachdem
Vorstand Schmidt die Anwesenden in längerer Ansprache begrüßt hatte,
bestieg Rabbiner Bamberger die Kanzel und hielt die Einweihungsrede, die
sich darüber verbreitete, welche Namen unsere Stammväter den geheiligten
Städten beilegten, nämlich Berg, Feld und Haus, als Symbol für die
Synagoge. Sie sei stets ein Berg zur Erhebung zur Gottesfurcht und
Gotteserkenntnis, ein Feld zur Aussaat von Liebe zu Gott und dem
Nebenmenschen und ein Haus, in dem man sich jederzeit heimisch und
glücklich fühlen solle. Die Rede schloss mit dem Königsgebet und einem
Segen für die Gemeinde und die Behörden. Nach Absingung eines Psalms
(150.) war die Feier beendigt. Von da aus bewegte sich die ganze
Festversammlung unter Musikbegleitung in ein Gasthause zur geselligen
Unterhaltung. Alle Anwesenden, darunter viele Fremde, waren sehr
befriedigt von der außerordentlich gelungenen Feier." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Angehörige der NSDAP und der
SA demoliert und geschändet. Die Ritualien wurden vernichtet. Das Gebäude
blieb jedoch erhalten, wurde jedoch im Sommer 1939 abgebrochen, nachdem es
vorher mit dem dazugehörigen Grundstück vom Vorgänger des jetzigen Besitzers
gekauft worden ist. An Stelle der Synagoge, von der nichts mehr erhalten ist,
wurde ein Wohnhaus erbaut. Eine Gedenktafel im Treppenhaus des Rathauses
erinnert an die jüdische Gemeinde und die Synagoge mit dem (nicht ganz
korrekten) Text: "Im Gemeindebereich bestand bis 1941 eine jüdische
Gemeinde. Die 1799 erbaute Synagoge wurde 1938 geschändet und 1944 abgebrochen.
Der Markt GIEBELSTADT gedenkt seiner ehemaligen jüdischen Kultusgemeinde.
Die 1948/49 kurzzeitig wieder entstandene Jüdische Kultusgemeinde (DP-Camp)
richtete eine Synagoge in einem früher von der Mennonitengemeinde
genützten Bethaus ein. Nach Wegzug der DPs aus Giebelstadt kam dieses Gebäude
in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde und wurde später zu einem bis
heute bestehenden Wohnhaus umgebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Synagoge bis
1938: Mergentheimer Straße 20; Synagoge 1945-1948:
Mergentheimer Straße 31.
Pläne / Fotos
(Quelle für die Pläne: Storck-Pfitzer s.Lit. S. 62).
| Die von
Johannes Roman Scheckenbach gezeichneten Baupläne von 1911 |
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| Ansicht von der Straße |
Schnitt durch das Gebäude |
Östliche Giebelansicht |
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| Grundriss des Erdgeschosses |
Grundriss von der Empore |
Situationsplan |
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| Der Plan
Scheckenbachs ist im Original koloriert (Quelle: www.synagogen.info) |
Nach den Plänen gezeichnete
Darstellung der ehemaligen Synagoge mit dem Lehrerhaus/Schule |
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Aus der Geschichte der
Familie Mannheimer
(vgl. Reiner Strätz: Biographisches Handbuch
Würzburger Juden 1900-1945 1. Teil 1989 S. 371 und 2. Teil S. 421)
Grabsteine im jüdischen Friedhof in
Allersheim erinnern an die Geschichte der Familie
(Fotos: Detlef Ernst Rosenow, Karlsruhe)
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| Grabstein für David
Mannheimer (Vater von Otto Mannheimer) geb. 27. Januar 1872 in
Bütthardt, gest. 29. Juli 1933 in Giebelstadt |
Grabstein für Otto
Mannheimer, geb. 1. September 1899 in Giebelstadt, gest. 21. November
1967 mit Gedenkinschrift für Sohn Sally Mannheimer, geb. 21. Mai
1926 in Giebelstadt, gest. 31. März 1945 bei der Bombardierung von
Würzburg-Unterdürrbach |
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Otto Mannheimer (Grabstein rechts)
ist am 1. September 1899 in Giebelstadt geboren. Seine Eltern waren der
Viehhändler David Mannheimer, Viehhändler in Giebelstadt (geboren 1872
in Bütthardt, Grabstein links) und Ida (Jette) geb. Neumann (geboren 1878
in Giebelstadt). Otto Mannheimer besuchte 1911 bis 1914 die Oberrealschule
in Würzburg; 1918 war er Kriegsteilnehmer an der Westfront. Später
arbeitete er als Viehhändler in Giebelstadt. Otto Mannheimer war seit 1924
verheiratet mit der aus einer katholischen Familie stammenden Regina
(Dina) geb. Zorn (geb. 16. September 1900 in Rothenburg ob der
Tauber). Regina trat bei der Heirat zur jüdischen Religion über und
führte einen streng rituellen Haushalt. Das Ehepaar hatte vier Kinder:
Siegfried (geb. 1923), Ruth (geb. 1924), Sally
(1926) und Ludwig (1928).
Seine Viehhandlung musste Otto Mannheimer 1937 aufgeben. Er zog
nach Würzburg und fand noch Arbeit als Pferdeknecht in der Fa. S.
Kleemann & Söhne. Die Familie wohnte seit Januar 1938 in Würzburg,
Domerschulstraße 25. Der Sohn Siegfried emigrierte mit der
Jugend-Alija im August 1938 nach Palästina (nannte sich seitdem S. Oded),
die Tochter Ruth konnte im Juni 1939 nach Schweden auswandern. Otto
Mannheimer selbst emigrierte, nachdem er nach dem Novemberpogrom 1938 zwei
Monate im KZ Buchenwald festgehalten worden war, im August 1939 nach
Brüssel. Zurück blieben in Würzburg seine Mutter Ida geb. Neumann, die
Frau Ruth und die beiden Söhne Sally und Ludwig. Die vier bemühten sich
vergeblich um eine Ausreise nach Belgien. Sally Mannheimer hatte ab 1941
Zwangsarbeit in Würzburg zu leisten, eine Ausreise nach Schweden wurde
ihm und seinem Bruder Ludwig im März 1942 trotz Genehmigung der
Gesandtschaft verweigert. Die Mutter von Otto Mannheimer - Ida (Jette)
geb. Neumann - wurde am 23. September 1942 in das Ghetto
Theresienstadt und von hier im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und
ermordet. Sally Mannheimer kam Ende März 1945 bei der
Bombardierung von Würzburg-Unterdürrbach ums Leben. Ludwig
Mannheimer hat überlebt und konnte nach Schweden auswandern.
Nach 1945 lebte das Ehepaar Otto und Regina Mannheimer wieder in
Giebelstadt. Otto Mannheimer starb am 21. November 1967 in Würzburg und
wurde auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim beigesetzt; Regina
Mannheimer starb am 16. September 1977 in Würzburg. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Giebelstadt Lower
Franconia. A community is known from the mid-18th century and a synagogue was
consecrated in 1799. The Jewish population reached 103 in 1814 (total 597) and
declined steadily thereafter to 38 in 1933. Twenty-four Jews left in 1933-38, 16
of them emigrating from Germany. On Kristallnacht (9-10 November 1938),
the synagogue and Jewish homes were wrecked by the SA and SS. The last five Jews
were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25
April 1942.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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