Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
Zur Übersicht "Synagogen im Rhein-Lahn-Kreis"   
   

Nassau (VG Nassau) mit Dausenau (VG Bad Ems) (Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeiner Bericht über "Die Juden in Nassau" (gemeint: nassauische Herrschaftsgebiete)     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   
Hinweis: die Seite zu Nassau wurde bereits mit Hilfe von Angaben von Werner Becker (s.Lit.) erstellt, doch konnte Inhalte des Buches "Julius Israel Nassau" noch nicht eingearbeitet werden.   
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)           
    
In Nassau bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Doch gab es bereits im Mittelalter einzelne Juden in der Stadt. So wird ein Jude von Nassau im Zusammenhang mit einem Zinsgeschäft um 1368/72 in Oberlahnstein erwähnt.  
   
Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren wiederum einzelne jüdische Familien am Ort (1665 eine Familie, 1680 drei Familien). Im 18. Jahrhundert blieb es bei einer relativ kleinen Zahl jüdischer Familien (1700 fünf jüdische Familien, 1750 drei, 1800 vier). Namentlich genannt wird u.a.  1747 Jud Abraham. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1842 27 jüdische Einwohner, 1871 37, 1895 50, 1900 66, 1905 82, 1910 Höchstzahl vom 87. 
  
Im benachbarten Dausenau werden Juden erstmals 1655 genannt (Jud Meusch), der mit seiner Frau und fünf Kindern (davon vier Töchter) am Ort lebte. Nach 1671 hatte sein Sohn einen eigenen Hausstand gegründet; er verzog allerdings wenig später nach Ems. In den folgenden Jahrzehnten werden weitere jüdische Personen (mit Familien) in Dausenau erwähnt: 1687 Samuel Jud und Simon Jud, 1710 bis 1722 Jud Sabel, Hirsch Jud, Sabel Jud auf dem Baadt und Itzig Jud. Bis in die NS-Zeit lebten in der Folgezeit ständig einige jüdische Familien in Dausenau.   
Über die Geschichte der in Dausenau lebenden jüdischen Familien wird noch eine eigene Seite erstellt.     
    

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (nur Religionsschule; die jüdischen Kinder besuchten außer dem Religionsunterricht bereits seit 1716 die Nassauische Simultanschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof.  Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig ist. Im 19. Jahrhundert wurde der Unterricht teilweise noch durch auswärtige Lehrer erteilt wie aus einem Bericht zum 25jährigen Amtsjubiläum von Lehrer Emmel aus Bad Ems hervorgeht (1894). 1908 (50-jähriges Jubiläum der Synagoge, gleichfalls in einem Bericht von einer Lehrerkonferenz in Limburg in diesem Jahr) wird von Lehrer Hanauer berichtet, 1924 von Lehrer Jacob Schloß, danach (und bis zu seiner Auswanderung in der NS-Zeit) Lehrer Gustav Anger. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Bad Ems.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Samson Hanauer (geb. 19.2.1882 in Berlichingen, gef. 19.7.1918) und Max Israel (geb. 28.5.1898 in Nassau, gef. 27.3.1918).  
  
Um 1924, als 71 jüdische Einwohner in Nassau gezählt wurden, waren die Vorsteher der Gemeinde Moses Rosenthal (Gemeindevorsteher bereits seit 1904, siehe Bericht zum 25-jährigen Amtsjubiläum unten), Albert Strauß und Sally Löwenberg. Als Lehrer und Kantor war der bereits genannte Jacob Schloß in der Gemeinde tätig. Er erteilte damals acht Kindern den Religionsunterricht. Aus Dausenau gehörten 1924 10 Personen zur jüdischen Gemeinde in Nassau. 1932 waren die Gemeindevorsteher Moses Rosenthal (Bahnhofstraße 3; 1. Vors.), Sally Löwenberg (Spätestraße 3; 2. Vors.) und Albert Strauß (Kattenbrückstraße). Zur Repräsentanz gehörten drei Mitglieder der Gemeinde. Als Lehrer war inzwischen Gustav Anger tätig. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 sieben Kinder der Gemeinde in Religion. An jüdischen Vereinen gab es: den Wohltätigkeitsverein Chebroh Kadischa (gegründet 1909, 1932 unter Vorsitz von Sally Heilbronn, Grabenstraße 20, 20 Mitglieder, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung hilfsbedürftiger Durchwanderer) und die Vereinigung jüdischer Frauen Nassau und Umgebung (gegründet 1925; 1932 Vorsitzende Johanna Grünebaum; Zweck und Arbeits-Gebiet: Wohltätigkeit, 65 Mitglieder).   
   
1933 lebten noch 58 jüdische Personen in Nassau. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Frankfurt, Berlin, Godesberg und Kirn) beziehungsweise ausgewandert. 1935 wurden noch 55 jüdische Einwohner gezählt, 1938 etwa 40. Von August 1937 bis November 1938 bestand eine jüdische Schulklasse, nachdem die Drangsalierungen jüdischer Kinder in der staatlichen Schule überhand genommen hatten. Die Schule wurde auch von Kindern aus Bad Ems besucht und hatte anfangs neun, im Sommer/Herbst 1938 nur noch vier bis fünf Schüler. Am 30. September 1938 kam es zu antijüdischen Ausschreitungen in der Stadt. Walther Rosenthal wollte sich an diesem Abend von dem Glaubensgenossen Salomon Hofmann verabschieden, weil er die Auswanderungspapiere für Amerika bekommen hatte. Er rief die Polizei zu Hilfe, weil Nationalsozialisten vor dem Haus von Hofmann randalierten. Die Polizei kam allerdings nicht zu Hilfe, sondern verhaftete Walter Rosenthal und brachte ihn nach Frankfurt, wo er noch auf dem Transport zum sofortigen Verkauf seines Nassauer Anwesens gezwungen wurde. Am 4. Oktober 1938 wurde er freigelassen und konnte nach Amerika auswandern. Nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 sind die letzten jüdischen Einwohner aus Nassau verzogen. 1939 lebte nur noch eine jüdische Person in Nassau.   
  
Von den in Nassau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): eine Recherche zu Nassau ist in den beiden Listen nicht möglich, da immer insgesamt die Ergebnisse zu "Hessen-Nassau" angegeben werden.      
    
Aus Dausenau sind umgekommen: Amalie Mayer geb. Stein (1858), Dina Stein geb. Blumenthal (1884), Julius Stein (1879).  
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Allgemeiner
Beitrag über "Die Juden in Nassau" 
(gemeint: zur Geschichte der Juden in den nassauischen Herrschaftsgebieten, genannt werden alt-nassauische Gebiete wie Nassau-Diez, Nassau-Hadamar, Nassau-Beilstein)

Nassau Israelit 08071920.jpg (223509 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1920: "Die Juden in Nassau. Wer alte Verordnungsblätter aufschlägt, findet manche behördliche Verfügung, durch die der jüdischen Bevölkerung Beschränkungen auferlegt werden, die uns nicht zur hart, sondern zum Teil direkt unmenschlich erscheinen. Wenn die Nassauische Polizeiordnung von 1711 zum Beispiel bestimmt: 'Juden, die bei Koppelpferden reiten, werden als reitende Juden gehalten und zahlen in solcher Qualität den Zoll. Betteljuden zahlen 1 Petermännchen, ein reitender Jude 3 Petermännchen, ein gehender Jude 2 Petermännchen', so ist das nicht nur in der Absicht geschehen, der Staatskasse Geld zuzuführen, sondern die Behörde hat damit einfach der allgemeinen Auffassung Rechnung getragen, die den Juden nicht die Freiheiten und Gerechtsame der übrigen Bevölkerung zubilligte. Dass von den Juden ein rein persönlicher, je nach seiner augenblicklichen Tätigkeit verschieden hoher Zoll erhoben wurde, bezeichnet besser wie irgendeine andere Verordnung die merkwürdige Stellung der Juden in den alt-nassauischen Gebieten.  
Die meisten Judenverordnungen lassen erkennen, dass die alten Gesetzgeber im Juden ein vollkommenes Ausbeutungsobjekt sagen. So verbot eine Verordnung von 1664 Juden, Geld an Christen auszuleihen, ohne Vorwissen des Landesherrn. Geschah es doch, so war die Schuld dem Landesherrn verfallen. Der Jude durfte nach deiner Hadamar'schen Verordnung von 1671 keinem Ehegatten in Abwesenheit des anderen Geld vorstrecken und keine Handschrift durfte bei einem Juden über drei Jahre stehen bleiben. In der Judenordnung von 1770 wurde bestimmt, dass ein aufgenommener Jude sofort in Gegenwart seiner Kinder und Hausgenossen 'mittels förmlichen Judeneides' schwören müsse, dass er dem Fürsten und seinem Hause treu untertänig sein und die Judenordnung beachten wolle. Kein Jude sollte in einer Stadt ohne 500 Reichstaler und auf dem Lande ohne 500 Gulden Vermögen aufgenommen werden. Eine ausländische in das Land heiratende Jüdin hatte in die Stadt 500 Gulden und auf das Land 300 Gulden einzubringen. Ein Judensohn, der ohne Schutzbrief heiratete, wurde mit seiner Frau ausgewiesen. Das Schutzgeld betrug: in Herborn 35 Gulden, in Diez 50 Gulden, auf dem Lande in der Grafschaft Diez und der Herrschaft Beilstein 20 Gulden, in Hadamar 24 Gulden usw.  Witwen, die sich unsträflich betrugen, behielten den Schutz. Grausam war die Bestimmung, wonach elternlosen Judenkindern, die zwar volljährig, zum Schutze jedoch 'nicht geeigenschaftet', vom Tode ihrer Eltern an der Aufenthalt im lande gegen Erlegung des ganzen Schutzgeldes noch ein Jahr lang gestattet wurde, damit sie Forderungen und Schulden verichtigen konnten, nach Ablauf dieses Jahres aber 'nach vorheriger Entrichtung des gesamten Pfennigs das Land zu räumen hatten, wenn sie nicht als Knechte unterkommen konnten. Unmündigen Judenwaisen wurde wenigstens gestattet, bis zu ihrer Großjährigkeit bei Verwandten zu wohnen.  
Nassau Israelit 08071920a.jpg (214893 Byte)Die Juden hatten das Fleisch um 2 Pfennig wohlfeiler als die Metzger zu verkaufen. Offene Läden zu halten war ihnen verboten, ebenso das Feilhalten von Spezereiwaren. Sie durften an Soldaten und Unteroffizieren ohne Einverständnis der kommandierenden Offiziere weder Geld noch Ware borgen.   
Eine Verordnung des Fürsten Christian zu Nassau-Dillenburg vom Jahre 1725 verbot den Juden, einem Christen ware aufzuschwätzen oder zu borgen, von dem sie wussten, dass er sie nicht bezahlen konnte. Neben dem Schutzgeld hatte 'sämtliche Judenschaft' jährlich zu 'unserer Kanzlei und Rentkammer' 6 Rieß vom besten Baseler oder dem gleichstehenden Schreibpapier, 'und zwar alle Frankfurter Meß 3 Rieß' zu liefern. Sogar von toten Juden wurden Abgaben erhoben, von solchen unter 18 Jahren 1 Florin, von solchen über 18 Jahren 1 Goldgulden. Kein Jude durfte ohne Erlaubnis liegende Güter kaufen oder Geld darauf leihen.  
Die Beschränkungen der Erwerbstätigkeit der Juden war sehr groß. 1654 wurde im Hamadar'schen bestimmt: Juden sollen Sonn- und Feiertags nicht ihrer Geschäfte wegen ausreiten, noch handeln, noch Schulen einfordern. Wenn sie des Marktes wegen ausreiten müssen, dann haben sie es dem Pfarrer anzuzeigen. Will ein Fremder an solchen tagen ein Pferde bei einem Juden kaufen, so hat das im Stall zu geschehen. 1655 wurde den Juden der Verkauf von Wachs, Butter usw. und der Transport dieser Waren außer Landes verboten. Am weitesten ging wohl eine Diezer Verordnung von 1616, die einfach dekretierte: 'Niemand soll mit Juden handeln oder Gemeinschaft haben bei hoher Strafe, auch soll kein Jude Kredit in der Grafschaft haben.'  
1672 wurde den Juden in den Ämtern Königstein und Nassau verboten, sich während der Predigt auf der Straße sehen zu lassen. Und 1682 erging dort das Verbot: Juden sollen nicht bei Christen im Hause wohnen, keine christliche Säugamme und kein christliches Gesind im Hause haben, auch keine christliche Hebamme, außer wenn an einem Ort nur eine jüdische Familie wohnt. 1711 wurde bestimmt: Die Juden müssen Sonn- und Festtags in ihren Feierkleidern ausgehen. Um dieselbe Zeit aber wurde den Juden die Errichtung von Synagogen untersagt und verboten, mit Christen 'sonderlich einfältigen Laien', Religionsgespräche zu führen. Dem Pfarrer gegenüber sollten sie schuldig sein, 'ihres Glaubens Antwort und Bekenntnis zu geben'. In der Synagoge und daheim sollten sie Gott für die Fürstliche Landesherrschaft bitten, 'dass derselbe sie in stetem Flor erhalte'. 
Das ist eine kleine Blütenlese aus der Fülle der Verordnungen, die das Verhältnis der Juden zu den Christen, dem Staate und den Gemeinden, sowie ihre Erwerbstätigkeit regelten." 

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
 
Lehrer Emmel aus Bad Ems wird auch von der Kultusgemeinde Nassau zu seiner 25jährigen Amtsjubiläum geehrt (1894)   

Bad Ems Israelit 05111894.JPG (121263 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1894: "Bad Ems. Den 30. September waren es 25 Jahre, dass Herr Lehrer Emmel das Amt eines Lehrers und Kantors in unserer Stadt bekleidet. Aus diesem Anlasse erschien am selben Tage eine Deputation, bestehend aus dem Bezirksrabbiner Herr Dr. Weingarten und den 13 Mitgliedern des Kultusvorstandes, beim Jubilare, um ihm die Glückwünsche der Kultusgemeinde zu überbringen. Herr Dr. Weingarten hielt eine Ansprache und überreichte eine stilvoll ausgearbeitete Adresse, die vom Schul- und Kultusvorstande gewidmet war und besonders den Pflichteifer und die Friedfertigkeit des Herrn Emmel hervorhob, während der Kultusvorstand ein ansehnliches Geschenk übergab. Tier gerührt dankte der Jubilar, anknüpfend an den Wochenabschnitt, für die ihm unerwartet zuteil gewordene Ehre. Die früheren Schüler hatten ein wertvolles Vertikow (sc. schmaler Schrank) als Zeichen dankbarer Erinnerung übermitteln lassen und die Kultusgemeinde Nassau, in der Herr Emmel den Religionsunterricht erteilt, hatte einen schönen silbernen Tafelaufsatz geschenkt. Möge es Herrn Emmel vergönnt sein, noch lange zum Wohle seiner Gemeinde zu wirken."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
25-jähriges Jubiläum von Moses Rosenthal als Vorsteher der israelitischen Gemeinde (1929)     

Mitteilung in der "CV-Zeitung" vom 24. Mai 1929: "Am 27. Mai (1929) feiert unser langjähriger Vorsitzender in Nassau, Moses Rosenthal, sein 25-jähriges Jubiläum als Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Moses Rosenthal gehört auch seit Jahren dem Synagogenrat des Regierungsbezirks Wiesbaden als Mitglied an. Wir gratulieren!"     

         
Über den "Landesverrat" von Viehhändlern aus Nassau und Miehlen - eine antisemitische Verleumdung (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 17. Juli 1924: "Bekanntmachung. 
In der Privatklagesache
des 1. Sally Landau in Nassau a.d. Lahn, 2. Sally Heilbronn in Nassau a.d. Lahn, 3. Salomon Hofmann in Nassau a.d. Lahn, 4. Emil Strauß in Miehlen im Taunus, Privatkläger, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Martin Marx in Frankfurt am Main gegen H. Weinschenk in Frankfurt am Main, 2. Richard Hecht in Frankfurt am Main, beide verantwortliche Redakteure der 'Frankfurter Nachrichten' in Frankfurt am Main, wurde in der öffentlichen Sitzung des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 27. Juni 1924 folgender 
Vergleich
 
geschlossen: 
1. Die Privatbeklagten erklären: am 25. August und 7. September 1923 veröffentlichten wir auf Grund von amtlichen Informationen der Frankfurter Eisenbahndirektion Notizen über die angebliche Verprügelung von vier Viehhändlern auf dem Bahnhof Eschhofen. Die Viehhändler Sally Landau, Sally Heilbronn, Salomon Hofmann aus Nassau an der Lahn und Strauss aus Miehlen im Taunus sollten angeblich wegen Benützung der Regiezüge verprügelt worden, nach Limburg zurückgelaufen sein und die französische Besatzungsbehörde mobil gemacht haben. Daraufhin sollten angeblich gegen den Ort Eschhofen Sanktionen verhängt worden sein. Da sich ergeben hat, dass die Eisenbahndirektion offenbar nicht in der Lage ist, den Beweis der Wahrheit für diese Behauptungen zu erbringen, bedauern wir, damals den amtlichen Mitteilungen über diese Angelegenheit Raum gegeben zu haben, und erklären, dass sich keinerlei Anhaltspunkte dafür erheben haben, dass die Behauptungen der Eisenbahndirektion zutreffend sind.  
2. Der Vergleich wird in der für amtliche Bekanntmachungen üblichen Weise innerhalb 14 Tagen auf Kosten der Privatbeklagten in den Frankfurter Nachrichten und in der 'C.V.-Zeitung' veröffentlicht. 
3. Die Privatbeklagten übernehmen die Kosten der beiden Verfahren. 
4. Die Privatkläger ziehen Privatklage und Strafantrag zurück. Als Vertreter der Privatkläger gebe ich dies auf Grund der im Vergleich ausgesprochenen Befugnis hiermit öffentlich bekannt.  
Frankfurt
am Main, 4. Juli 1925. Marx, Rechtsanwalt."   
  
Limburg Israelit 17071924.jpg (214513 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1924: "Ein misslungener Verleumdungsfeldzug. Der 'Landesverrat' der Limburger Viehhändler. Am 25. August und 7. September vorigen Jahres brachten die 'Frankfurter Nachrichten' unter der Überschrift 'Unwürdiges Verhalten' und 'Französische Vergeltungsmaßnahmen' größere Notizen, nach denen vier jüdische Viehhändler, Sally Landau, Sally Heilbronn, Salomon Hofmann aus Nassau an der Lahn und Emil Strauß aus Miehlen im Taunus wegen Benutzung des Regiezuges auf der Strecke nach Limburg am Bahnhof Eschhofen wegen ihres undeutschen Verhaltens verprügelt worden und darauf nach Limburg zurückgelaufen seien, um die französische Besatzungsbehörde mobil zu machen. Das Verhalten dieser vier Viehhändler habe angeblich zur Besetzung des Lahntales geführt. Diese Pressenotiz, deren Unrichtigkeit für jeden, der die Viehhändler und die Verhältnisse kannte, auf der Hand lag, hatte sich wie ein Lauffeuer durch beinahe sämtliche deutsche Zeitungen verbreitet und war insbesondere von den völkischen Zeitungen in gehässigster Weise gegen die 'jüdischen Landesverräter' ausgeschlachtet worden. Den Viehhändlern selbst waren Drohbriefe aller Art zugegangen, sodass sie in ständiger Beunruhigung lebten. Die Aufnahme der pressegesetzlichen Berichtigung, die sofort in die Wege geleitet worden war, haben die 'Frankfurter Nachrichten' ohne Angabe von Gründen abgelehnt; einer ihrer Redakteure ist deshalb auch verurteilt worden. In dem gegen die beiden verantwortlichen Redakteure Hecht und Weinschenk angestrengten Prozess hat sich auch nicht der Schatten eines Beweises für die Behauptungen der Zeitung ergeben. Die Angeklagten mussten vor dem Amtsgericht Frankfurt zugeben, dass sie die fragliche Notiz auf Grund einer Information der Frankfurter Eisenbahndirektion gebracht hätten, dass aber weder die Eisenbahndirektion in der Lage ist, den Beweis der Wahrheit für ihren Inhalt zu erbringen, noch dass sie selbst irgendwelche Anhaltspunkte hätten, die die Information der Eisenbahndirektion bestätigen würden. Die Redakteure haben die Erklärung unter dem Ausdruck des Bedauerns abgegeben, die Kosten der beiden gegen die erhobenen Privatklagen übernommen und sich mit der Veröffentlichung des Vergleiches in zwei Zeitungen einverstanden erklärt."    

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  

Anzeige der koscheren Restauration von J. Mayfeld (1872)  

Nassau Israelit 03071872.jpg (25570 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1872: 
"Bad Nassau a.d. Lahn: Koscher Restauration. J. Mayfeld."

    
Lehrlingssuche des Glas- und Porzellanwaren-Engros-Geschäfts B. Rosenthal (1901)   

Nassau Israelit 11031901.jpg (43284 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1901: 
"Für mein Glas- und Porzellanwaren-Engros-Geschäft suche per bald oder später einen 
Lehrling
 
mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause. 
B. Rosenthal, Nassau an der Lahn."  

      
Spendenaufruf für eine verarmte jüdische Familie (1876)  
Anmerkung: es geht aus dem Artikel nicht hervor, in welchem Ort die Familie lebte (von Dornholzhausen aus gesehen: "in hiesiger Gegend"). Unterzeichnet hat der damalige evangelische Pfarrer von Dornholzhausen - Christian Bauer. In Dornholzhausen gab es jedoch keine jüdischen Familien.   

Dornholzhausen Israelit 17051876.jpg (189762 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1876: "Bitte. Ein schwer bedrängter israelitischer Familienvater in hiesiger Gegend, welcher aus Rücksicht auf seine Familie wie sein Geschäft nicht öffentlich genannt sein möchte, lässt durch die Unterzeichneten seine Glaubensgenossen um gütige Unterstützung in seiner großen Not inständigst bitten. Derselbe muss nämlich seit drei Jahren seine geisteskranke Frau in einer Irrenheilanstalt verpflegen lassen, hat eine Familie von 7 unmündigen Kindern zu versorgen und hat dabei vor nun bald drei Jahren einen Beinbruch erlitten, wodurch ihm neben Stockung seines Geschäfts eine neue Kostenlast erwuchs. Nachdem er sich unter so harten Schlägen bisher redlich, obgleich schwer, durchgekämpft hat, sieht er sich doch jetzt genötigt, um der Gefahr gänzlicher Verarmung zu entgehen, mildtätige Hilfe in Ansprach zu nehmen. Bei seiner Frau ist nämlich ein Stadium zur Genesung eingetreten, wo sie Gewissensbedrängnis empfindet, dass sie in der Anstalt nicht in Allem nach den Vorschriften ihrer Religion, zumal hinsichtlich der Speisen, leben kann. Daher möchte der Mann, der ein streng religiöses Leben mit den Seinigen führt, die Frau in eine jüdische Heilanstalt bringen, wo sie den Vorschriften ihres Gesetzes gemäß leben könnte und wodurch zugleich auf eine rasche und sichere Heilung zu hoffen wäre. Aber die hierzu erforderlichen bedeutenden Kosten würde er, ohne den letzten Rest seines geringen Vermögens opfern und mit seinen Kindern verarmen zu müssen, bei all seinem ehrlichen Fleiße nicht aufbringen können. So sieht er sich denn genötigt, auf diesem ihm so ungewohnten Wege die Mittel zur vollständigen Heilung seiner Frau, deren baldige Genesung und Heimkehr im Interesse der zahlreichen Familie dringen zu wünschen ist, zu suchen.   
Wer von seinen Glaubensgenossen diesem ebenso durchaus würdigen als bedürftigen Manne eine freundliche Unterstützung will zukommen lassen, belieb dieselbe an die Redaktion respektive Expedition dieses Blattes, in welchem öffentlich quittiert wird, zu senden.  
Dornholzhausen bei Nassau, 25. April 1876,  
Bauer
, ev. Pfarrer.  Aron Friedberg, Kultusvorsteher.  Samuel Strauß, Stiftungsvorsteher.  David Strauß, Vorsteher."    

    
    
    

Zur Geschichte der Synagoge   
         
     
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 1845 wird berichtet, dass Babeth Levinger den Michael Bär aus Wiesbaden heiratete und dies - wie üblich - an drei der Hochzeit vorausgehenden Samstagen "in der Synagoge in Nassau proclamiert" wurde. Dieser Betraum befand sich im Eckhaus Spätestraße / Judengässchen.    
    
Um 1850 reichte der Betraum für die größer werdende Gemeinde nicht mehr aus. 1856 stellte die Kultusgemeinde den Antrag, eine neue Synagoge erbauen zu dürfen. Zunächst wurde er behördlicherseits abgelehnt. 1857 wurde ein erneuter Antrag genehmigt. Man konnte ein für den Bau geeignetes Grundstück, das Anwesen des Moses Isidor für 1.340 Gulden erwerben, auf dem sich noch ein Teil des ehemaligen mittelalterlichen Spitals befand. Dieses wurde nun mit Hilfe den Krediten, an denen die Familien noch viele Jahre zu tragen hatten, umgebaut. Die nach einem zeitgenössischen Bericht "kleine, aber geschmackvolle Synagoge" konnte am 20. September 1858 feierlich eingeweiht werden.
Nach den Unterlagen von Werner Becker war die Einweihung am 30. September 1857.      
   
Festlich begangenen wurde in den folgenden Jahren jeweils die Einweihung neuer Torarollen 1883, 1912 und 1929. 1901 wurde das Dach erneuert, 1904 der Innenraum vergrößert und neu gestaltet. 1882 konnte man das 25-jährige Jubiläum der Synagoge feiern; 1908 folgte das 50-jährige Jubiläum, worüber auch im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" berichtet wurde:  
    
Renovierung zum 50-jährigen Bestehen der Synagoge (1908) 

Nassau FrfIsrFambl 18091908.jpg (38077 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. September 1908: "Bad Nassau. Renovierung der Synagoge. Die hiesige Synagoge wurde kürzlich, anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens, einer gründlichen Renovierung unterzogen. Herr Lehrer Hanauer hielt bei dem Festgottesdienst eine diesbezügliche Ansprache. Abends fand ein Festball statt."    

1929 wurde im Innenraum eine Gedenktafel für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet. Die Reste des Gebäudes wurden bei Bombenangriffen im Frühjahr 1945 zerstört. Die Ruine der Synagoge wurde beseitigt. 
   
Im Stadtarchiv werden ein Grundrissplan und der Schlüssel der Synagoge aufbewahrt.   
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:      im Obertal, abseits von der Straße    
   
   
Fotos   

Fotos oder Darstellungen der Synagoge sind noch nicht vorhanden; über Zusendungen oder Hinweise 
freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
 
     
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2009: In Nassau sollen "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel in www.wir-im-nassauer-land.de vom 24. November 2009 (Artikel): "CDU will mit "Stolpersteinen" an Nassauer Juden erinnern
Die Nassauer CDU-Stadtratsfraktion will die Erinnerung an die während der NS-Zeit in Nassau verfolgten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Mitbürger wachhalten. In einem Antrag zur nächsten Stadtratssitzung am Donnerstag, 3. Dezember, 18.30 Uhr, in der Stadthalle beantragt die Union, die Initiative 'Stolpersteine' zu unterstützen. Die Idee dazu entstand während der literarisch-musikalischen Gedenkfeier zum 9./10. November 1938 (Pogromnacht) in der evangelischen Johanniskirche..."   
  
November 2010: Verlegung der "Stolpersteine" noch im Dezember 2010  
Artikel in www.wir-im-nassauer-land.de vom 30. November 2010 (Artikel): "Aktion 'Stolpersteine' noch vor Weihnachten
Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird am Dienstag, 14. Dezember, die Stolpersteine verlegen, die an die aus Nassau vertriebenen und später ermordeten jüdischen Mitbürger erinnern. Vor den Häusern, in denen sie gewohnt haben, werden Pflastersteine eingelassen, die mit einer Metallplatte überzogen wurden, auf denen die Namen und Lebensdaten der Betroffenen eingraviert sind..."   
     
Dezember 2010: In Nassau wurden "Stolpersteine" verlegt   
Artikel (nur online-Version) in der "Rhein-Lahn-Zeitung" vom 14. Dezember 2010 (Artikel): 
"Ein Stein für jedes Menschenleben
Nassau
- Seit Dienstag erinnern in Nassau 19 sogenannte Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an jüdische Bürger der Stadt, die in den 1930er-Jahren vertrieben und später in Konzentrationslagern ermordet wurden..."   
Eine Bilderstrecke von der Gedenkstunde und der Verlegung der Stolpersteine findet sich unter http://www.rhein-zeitung.de/fotos/fotos-rhein-lahn-zeitung-lahnstein_mmid,4969.html."    
  
  

    
     

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Nassau  
Website der Gemeinde Dausenau  (innerhalb der Website der VG Bad Ems)     
Seite zur Geschichte der Juden in Nassau bei www.rhein-lahn-info.de: Seite zu Nassau   
Artikel aus www.rhein-lahn-info.de (Pressedienst) vom 13. November 2002: "Ich sah aus wir Ihr, aber ich hatte einen Fehler...." - Zeitzeugnis Ellen Cohen berichtet vor Nassauer Schülern über ihre schlimmen Kindheitserlebnisse (pdf-Datei).   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 100-101.
Waltraud Becker-Hammerstein / Werner Becker: Israelitische Cultusgemeinde Nassau-Dausenau. In: Rhein-Lahn-Kreis. Heimatjahrbuch 1999 S. 29-41.
Nassau Lit 010.jpg (8884 Byte)dies.: Julius Israel Nassau. Juden in einer ländlichen Kleinstadt im 19. und 20. Jahrhundert. Bad Honnef. Verlag Karl Heinrich Bock. 2002. 303 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen).  
Kurt Bruchhäuser: Jüdische Familien in Dausenau an der Lahn. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 10. Jahrgang, Ausgabe 1/2000, Heft Nr. 18. S. 28-41. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 279-280 (mit weiteren Literaturangaben). 

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Nassau  Hesse-Nassau. Established in 1856, the community dedicated a synagogue in 1882 and numbered 65 (4 % of the total) in 1885. The community was affiliated with the rabbinate of Bad Ems. The synagogue was vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938). All 66 Jews registered there after 1933 left by August 1939. Fourteen emigrated while 20 perished in the Holocaust.      
      
       

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                         

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Januar 2016