Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"  
Zur Übersicht: "Synagogen im Rhein-Lahn-Kreis"   
    

Lahnstein, Ortsteile Ober- und Niederlahnstein sowie Friedrichssegen
mit Braubach und Kamp-Bornhofen (VG Braubach, Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
     
In dem 1324 zur Stadt erhobenen Oberlahnstein bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Ende des 12. Jahrhunderts sollen hier Juden gelebt haben. In den "Wundern des Mathias" wird von der Heilung eines Knaben durch einen Juden aus Lahnstein berichtet. Ein in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts (auf jeden Fall vor 1266) zu datierendes Gutachten des Koblenzer Rabbiners Chajim b. Jechiel Chefez Sahab erwähnt einige in Sachsen gefangenen Juden aus Lahnstein. Am 22. September 1287 wurden in Lahnstein sechs Juden auf Grund der angeblichen Ermordung des "guten Werner" in Oberwesel ermordet (vgl. Werner-Kapelle in Bacharach). Unter den Ermordeten war der gelehrte Vorbeter Joseph sowie ein Aaron, Sohn eines Rabbiners Joel. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts blühte das jüdische Gemeindeleben wieder auf, doch wurde die Gemeinde im Zusammenhang mit der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 vernichtet.
 
Seit 1367 werden wieder Juden in der Stadt genannt. In den folgenden Jahrzehnten dürften jedoch nicht mehr als jeweils etwa fünf jüdische Familien in der Stadt gewesen sein. Sie lebten überwiegend vom Geldhandel. Die Oberlahnsteiner Juden waren aus verschiedenen Orten, darunter Siegburg (1413), Lechenich (1420), Koblenz und Worms zugewandert. Auch verzogen Oberlahnsteiner Juden wieder von hier, unter anderem nach Frankfurt (1402), Bingen (1428) und Koblenz (vor 1530). Unter den jüdischen Geldhändlern war ein Jude Vivus vermutlich der bedeutendste; er wird gegen Ende des 14. Jahrhunderts mehrfach genannt. Jüdischer Haus- und Grundbesitz war in diesem Zeitraum nicht unüblich. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im Mittelalter in Andernach beigesetzt (1423 genannt). 1509/10 wurden die Juden aus Oberlahnstein vertrieben.
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Seit 1662 werden wieder Juden in Oberlahnstein genannt. Ihre Zahl blieb zunächst klein. 1693 und 1694 werden die Juden Aaron Löw und Zacharias genannt. 1708 waren drei, 1718 vier jüdische Familien am Ort, die vom Handel mit Vieh und Kramwaren lebten. 1737 wird ein jüdische Petschierstecher genannt (Anfertiger von Siegeln). Erst im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner etwas stärker zu, wobei es in der Mitte des Jahrhunderts in Niederlahnstein mehr jüdische Einwohner gab: in Oberlahnstein: 1842 36 jüdische Einwohner (8 steuerpflichtig), 1866 41,1871 46, 1885 64 (1,1 % von insgesamt 5.833 Einwohnern), 1890 77, 1895 63 (0,9 % von insgesamt 7.035), 1905 49 (0,6 % von insgesamt 9.487); in Niederlahnstein 1842 55 jüdische Einwohner (14 steuerpflichtig), 1905 nur noch acht. Auch die in Braubach (siehe unten) und Osterspai lebenden jüdischen Personen wurden bereits im 19. Jahrhundert der Gemeinde in Oberlahnstein zugeteilt. 

Zur jüdischen Geschichte in Braubach: In der von 1283 bis 1479 den Grafen von Katzenelnbogen gehörenden Stadt Braubach lebten Juden bereits im Mittelalter. Die erste Nachricht handelt von einer Verfolgung: am 19. August 1287 wurden zwei junge jüdische Männer aus Braubach, Eleasar und Mose ha-Lewi anlässlich der Beschuldigung gegen die Juden von Oberwesel, den "guten Werner" umgebracht zu haben, ermordet. Ob es damals zur Bildung einer jüdischen Gemeinde kam, ist unsicher. Vermutlich war die Zahl der Juden in der Stadt zu gering. Von der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 waren auch die Juden in Braubach betroffen. 1372 wird Jakob von Braubach in Köln aufgenommen; er war möglicherweise ein Überlebender der Verfolgung. 1382 wird Jud Vivis (Rynes) Jacobs Sohn von Jülich in Braubach genannt. 1393 gab es mindestens zwei jüdische Männer am Ort, die Geldhändler waren. Vivis erhielt für mindestens zweimal 6 Jahre einen Schutzbrief; er ist 1397 nach Koblenz verzogen, dann nach Oberlahnstein.   
Seit dem 16. Jahrhundert sind wiederum jüdische Einwohner genannt: 1565 waren es zwei Familien. 
Die in der Stadt lebenden jüdischen Einwohner wurden 1844 der Gemeinde in Frücht, 1852 der Gemeinde in Oberlahnstein zugeteilt. 1842 wurden 17 jüdische Einwohner am Ort gezählt, 1925 nur noch 4. Ob es zu irgendeiner Zeit einen Betsaal am Ort gab, ist nicht bekannt. 
Wichtigstes Zeugnis der jüdischen Geschichte am Ort ist der jüdische Friedhof der Gemeinde.      

An Einrichtungen der jüdischen Gemeinde gab es in Oberlahnstein eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (1851 12 schulpflichtige jüdische Kinder in Niederlahnstein, 1869 18 in Oberlahnstein, in Niederlahnstein nur noch ein Kind) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Kantor und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Um 1864 erteilte er auch den Kindern in Braubach und Osterspai den Unterricht, um 1900 auch denen in St. Goarshausen (vgl. den Ausschreibungstext unten; bei der Ausschreibung 1903 werden zwei Filialen genannt). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Bad Ems. Die jüdischen Familien eröffneten im 19. Jahrhundert u.a. einige Manufakturwaren- und Nahrungsmittelhandlungen am Ort. 
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde der Gefreite Carl Eichberg (geb. 16.10.1890 in Oberlahnstein, gef. 28.8.1914) und Arthur Stern (geb. 7.7.1897 in Braubach, gef. 3.5.1917).   
  
Um 1925
, als 40 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (0,4 % von etwa 10.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Adolf Landsberg, Emil Baer und Otto Eichberg. Zur jüdischen Gemeinde gehörten weiterhin auch die in Niederlahnstein (17 Personen), Braubach (4) und Kamp (4) lebenden jüdischen Einwohner. 1932 waren die Gemeindevorsteher Adolf Landsberg und Emil Baer.   

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 42 Personen in Oberlahnstein) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 lebten noch 31 jüdische Personen am Ort. Bereits 1935 wurden in jüdischen Häusern die Fenster eingeworfen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagogeneinrichtung zerstört; die jüdischen Wohnungen wurden demoliert. Daraufhin verließen viele der Ort; 1939 wurden nur noch 15 jüdische Einwohner gezählt. Anfang 1941 wurden die letzten in Oberlahnstein lebenden Juden nach Friedrichssegen (heute Stadtteil von Lahnstein) gebracht; von dort aus wurden sie über Frankfurt in Vernichtungslager deportiert (vgl. zur Geschichte weiter unten).   
  
Von den in Oberlahnstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Ackermann geb. Lorig (1911), Karoline Ackermann geb. Mandel (1875), Nathan Ackermann (1938), Siegfried Ackermann (1902), Klara (Clara) Ahronson geb. Blumenthal (1888), Barbetha Bär (1890), Emil Bär (1876), Hedwig Bär geb. Strauss (1888), Johanna Bär geb. Marx (1873), Ludwig Bär (1887), Minna Bär (1877), Else Blumenthal (1886), Emmy Eichberg geb. Diewald (1899), Josef Eichberg (1889), Ida Emmel (1867), Moritz Emmel (1868), Marie Feit siehe Marie Veith, Eugenie Goldschmidt (1866), Berta Grünebaum geb. Levy (1893), Hilde Grünebaum (1931), Adolf Heimann (1891), Betti Heimann geb. Goldschmidt (1893), Flora Heymann geb. Bär (1874), Heinrich Heimann (1889), Rega Heimann geb. Stern (1888), Gert Heyum (1928), Johanna Heyum geb. Israeli (1894), Karl Heyum (1884), Adelheid Israel geb. Gerson (1870), Ella Israel (1895), Flora Jessel (1883), Louis Jessel (1873), Albert Kahn (1875), Hilde Kahn geb. Mendel (1888), Gustav Kaufmann (1875), Helene Kaufmann geb. Brückheimer (1877), Jakob Kaufmann (1875), Mathilde Kaufmann geb. Kann (1875), Sophie Kaufmann (1902), Fanny Königsberger (1866), Rosa Lewin (1883), Frieda Michels (1884), Karl Michels (1886), Albert Neumann (1878), Josef Neumann (1873), Lora Neumann (1926), Hedwig Oppenheimer geb. Blumenthal (1885), Moritz Oppenheimer (1878), Anni D. Richter (1919), Emma Schönberg geb. Nassauer (1891), Hedwig Schönberg (1901), Julius Simons (1878), Anneliese Strauss (1936), Selma Strauss geb. Strauss (1897), Siegfried Strauss (1884), Henriette Süßkind (1890), Marie Veith geb. Oppenheimer (1889), Helene Wolff geb. Bär (1881).  
     
Von den in Niederlahnstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Josef Eichberg (1889), Clara Flatau geb. Kirchberger (1861), Ernst Goldschmidt (1883), Helene Kaufmann geb. Brücklein (1877), Sophie Kaufmann (1902), Ernst Kirchberger (1860), Otto Kirchberger (1856), Hans Levi (1901), Paul Levi (1910), Emil Mainzer (1883), Max Wünsch (1900). 
     
Aus Braubach sind umgekommen: Jenny Lebenberg geb. Stern (1900), Oskar Sommer (1875), Jakob Stern (1860), Ludwig Stern (1862).    
     
   
Hinweis zur jüdischen Geschichte im Ortsteil Friedrichssegen   

In der früheren Bergbausiedlung (Wohnanlage Tagschacht in Friedrichsfeld) wurden im Sommer 1941 24 jüdische Familien aus den Kreisen Rüdesheim, St. Goarshausen und Diez vorübergehend angesiedelt. In der rechten Häuserreihe des Tagsschachtes entstand ein Arbeitslager. Die jüdischen Bewohner waren zur Zwangsarbeit verpflichtet: die Frauen bei der Herstellung von Ziegeln im "Tonwerk", die Männer in einem Verschrottungsbetrieb im Eisenlager. Bei zwei Deportationen im folgenden Jahr 1942 wurden die jüdischen Personen aus Friedrichssegen in Konzentrations- und Vernichtungslager verbracht (erster Transport am 10. Juni 1942 mit 27 Personen; zweiter Transport am 28. August 1942 mit 23 Personen in das Ghetto Theresienstadt; Henriette Süßkind wurde bereits am 23. Mai 1942 deportiert). Der noch vorhandene Besitz der Deportierten wurde über das Finanzamt St. Goarshausen versteigert.  
Von der ehemaligen Wohnsiedlung ist nach dem Abbruch 1970 nichts mehr erhalten. 
Aus dem Lager wurden deportiert und sind umgekommen: Hedwig Ackermann geb. Lorig (1911), Karoline Ackermann geb. Mandel (1875), Nathan Ackermann (1938), Siegfried Ackermann (1902), Klara Ahronsohn geb. Blumenthal (1888), Emil Baer (1876), Hedwig Baer geb. Strauß (1888), Johanna Baer geb. Marx (1873), Ludwig Baer (1887), Minna Baer (1877), Else Blumenthal (1886), Conrad Davidso(h)n (1889), Albert Grünebaum (1895), Berta Grünebaum geb. Levy (1893), Hilde Grünebaum (1931), Roth Grünebaum (1931), Adolf Heimann (1891), Betti Heimann geb. Goldschmidt (1890 oder 1893), Heinrich Heimann (1889), Reg(ha) oder Recha Heimann geb. Stern (1888), Gert (Gerd) Heyum (1928), Johanna Heyum geb. Israel (1894), Karl Heyum (1884), Adelheid Israel geb. Gerson (1870), Ella Israel (1895), Flora Jessel (1883), Louis Jessel (1873), Albert Kahn (1874), Billa (Sibilla) Kahn geb. Wolf (182), Hilde Kahn geb. Mendel (1888), Leopold Kahn (1876), Gustav Kaufmann (1875), Helene Kaufmann geb. Brückheimer (1877), Jakob Kaufmann (1875), Mathilde Kaufmann geb. Kann (1875), Sophie Kaufmann (1902), Fanny Königsberger (1866), Paul Levi (1910), Hermann Lorig (1861), Moritz Mannheimer (1868), Betty Mannheimer (1877), Albert Neumann (1878), Josef Neumann (1873), Lora Neumann (1926), Hedwig Oppenheimer geb. Blumenthal (1885), Moritz Oppenheimer (1878), Helene Simons Geb. Baer (1888), Julius Simons (1878), Henriette Süßkind (1890), Emma Schönberg geb. Nassauer (1891), Hedwig Schönberg (1991), Anneliese Strauß (1936), Selma Strauß geb. Strauß (1897), Siegfried Strauß (1884).
Ein Mahnmal für die in Friedrichssegen untergebrachten jüdischen Personen findet sich rechts neben der evangelischen Kirche in der Erzbachstraße.   
Links:   
Seite in der Website des Bergbaumuseums Friedrichssegen  Weitere Seite ebd.    
Seite in der Website des Lahnsteiner Altertumsvereins (mit Literaturangaben)   
Seite in der Website des "Mahnmales Koblenz"           
Literatur
Elmar Ries: Friedrichssegen/Lahn: Ein Jahr Zwangsarbeit für jüdische Menschen vor ihrer Deportation im Jahre 1942. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 7. Jahrgang, Ausgabe 1/1997 Heft Nr. 13 S. 26-33. Online zugänglich (pdf-Datei).
ders.: Von der Klassenlektüre zum Mahnmal. Aktionen von Schülerinnen und Schülern der Realschule Oberlahnstein in 4 Jahren. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 7. Jahrgang, Ausgabe 1/1997 Heft Nr. 13 S. 34-42. Online zugänglich (pdf-Datei).     

     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1874 / 1900 / 1901 / 1903      

Oberlahnstein AZJ 07021874.jpg (33063 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Februar 1874: "Die gemeinschaftliche Lehrer- und Vorbeterstelle der israelitischen Gemeinden Ober- und Niederlahnstein (Rheinprovinz), mit einem Gehalte von 172 Thalern pro Jahr, ist vakant. Reflektierende belieben sich zu wenden an 
B. Gutenberg, Kultusvorsteher, Nieder-Lahnstein." 
   
Oberlahnstein Israelit 29101900.jpg (54756 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1900: "Die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle zu Oberlahnstein ist sofort zu besetzen. Fixes Gehalt 800 Mark, Einnahmen für Schächten etwa 200 Mark. Auch in Gelegenheit geboten durch Privatstunden sich einen schönen Nebenverdienst zu erwerben und den Religionsunterricht in St. Goarshausen gegen eine Vergütung von 210 Mark zu erteilen. Nur seminaristisch gebildete Lehrer werden berücksichtigt. Bewerbungen sind zu richten an Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Weingarten, Rabbiner in Ems".     
    
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1901: "Die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schochets in Oberlahnstein, verbunden mit St. Goarshausen als Filiale, ist zu besetzen. Gehalt 1.100 Mark. Für sprachenkundigen Lehrer ist lohnender Nebenverdienst geboten; außerdem ist der Anschluss einer zweiten Filialgemeinde sehr wahrscheinlich. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Zeugnisabschriften einsenden an 
Vorsteher Elias Landsberg
, Oberlahnstein."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1903: "Infolge Versetzung des gegenwärtigen Lehrers, soll die hiesige Religionslehrer- und Kantorstelle 
baldmöglichst besetzt werden. Das fixe Gehalt beträgt 1.000 Mark, und zwei Filialstellen bringen noch 300 Mark. Falls der betreffende Lehrer die Schächtfunktion auszuüben und Privatunterricht in den Gymnasialfächern zu erteilen vermag, ist ihm Gelegenheit zu reichlichem Nebenverdienst geboten. 
E. Landsberg
, Kultusvorsteher zu Oberlahnstein."      

     
Verbesserungen für den Ruhegehalt des Lehrers (1908)
    

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. September 1908: "Oberlahnstein. Dem Beispiele der meisten Gemeinden im ehemaligen Herzogtum Nassau folgend, kaufte nunmehr auch unsere Kultusgemeinde die hiesige jüdische Lehrerstelle in die Ruhegehaltskasse der Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Wiesbaden ein. - Diese erfreuliche Tatsache ist auch von den Gemeinden Herborn und Langenschwalbach zu berichten. - Vivat sequentes!"   

           
Lehrer S. Schloß unterhält eine Knabenpensionat (1908)

Oberlahnstein Israelit 31121908.jpg (34502 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1908: 
"Schüler
die das hiesige Real- und Vollgymnasium besuchen wollten, erhalten in meinem Hause (streng orthodox) vorzügliche Pension, sowie gewissenhafte Beaufsichtigung, auf Wunsch auch Nachhilfestunden. 
Lehrer S. Schloß, Oberlahnstein am Rhein.
 
Referenz: Seiner Ehrwürdigen Rabbiner Dr. Weingarten, Bad Ems."  

    
    

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  

Goldene Hochzeit von Julius Michels und Eva geb. Reinhold (1925) 

Oberlahnstein Israelit 16071925.jpg (85421 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Oberlahnstein, 8. Juli (1925). Am 6. Juli feierten die Eheleute Julius Michels und Frau Eva geb. Reinhold im Alter von 77 beziehungsweise 75 Jahren bei voller körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Von der großen Beliebtheit des Jubelpaares bekam man sofort beim Betreten der Stadt einen Begriff: fast sämtliche Häuser prangten im Flaggenschmuck und die Häuser der Straße, durch welche der Festzug seinen Weg bis zur Synagoge nahm, waren mit Blumen und Girlanden herrlich geziert. Die Synagoge war von sämtlichen Bürgern dicht gefüllt; auch der Magistrat hatte einen Vertreter entsandt. In seiner Weiherede hob Herr Bezirksrabbiner Dr. Weingarten aus Bad Ems vor allem das vorbildliche Einvernehmen zwischen allen Konfessionen hervor und betonte besonders die Beliebtheit und Verehrung, deren sich das Jubelpaar in allen Kreisen der Bürgerschaft erfreue."   

  
Über Hugo Wolfgang Rheinhold (1853-1920)  

Rheinhold 01.jpg (28191 Byte)Hugo Wolfgang Rheinhold (geb. 1853 in Oberlahnstein, gest. 1920 in Berlin), Bildhauer und Künstler. Zuerst nach Amerika ausgewandert. Nach Rückkehr eröffnet er in Hamburg ein Handelsgeschäft. Erst 1887 begann er - nach dem frühen Tod seiner Frau - ein Kunststudium in Berlin. Seine beiden Werke "Am Wege" und "Die Kämpfer" fielen bei der Großen Kunstausstellung Berlin 1895 auf. Eines seiner bekanntesten Werke ist der "philosophische Affe". Rheinhold gehörte fast 20 Jahre dem "Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" an.  

Internetseite zu Hugo Rheinhold mit zahlreichen Links (von hier auch das Foto links)
Kurzer Artikel in der Jewish Encyclopedia zu Hugo Rheinhold 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge               
    
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Nach der Verfolgung in der Pestzeit wird 1349 der "Judenschulhof" genannt, den der Amtmann zu Lahneck vom Mainzer Erzbischof als Lehen erhielt. Die Ermordung des Vorbeters Joseph 1287 ist ein Hinweis darauf, dass bereits im 13. Jahrhundert ein Betsaal oder eine Synagoge vorhanden war. Auch die vom Ende des 14. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts in Oberlahnstein lebenden Juden werden einen Betsaal eingerichtet haben, zu dem jedoch keine Informationen vorliegen.            
    
Vermutlich wurde im 18. Jahrhundert ein Betsaal für die in Ober- und Niederlahnstein lebenden jüdischen Familien eingerichtet. Eine Synagoge wurde in Oberlahnstein 1852 erbaut und am 20. November 1852 feierlich durch den Emser Bezirksrabbiner Dr. Hochstädter "unter Chorgesang und Predigten" eingeweiht. Dies geht aus einem einige Monate später in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienenen Bericht hervor:   

Oberlahnstein AZJ 21031853.JPG (103705 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1853:  "Aus dem Herzogtum Nassau, im Februar (1853). Wir verspüren in unserm Lande - Gott sei Dank - noch Nichts von jener heillosen Ausschließungssucht, wie sie sich in so manchen großen und kleinen Staaten unseres weiten Vaterlandes gegen unsere Glaubensgenossenschaft wieder geltend macht. Zum Beweise brauche ich nur anzuführen, dass erst vor einigen Tagen der israelitische Kultusvorsteher Herr Moses Kirchberger von Niederlahnstein im Rabbinatsbezirk Ems zum Geschworenen für die gegenwärtige Sitzung der Assisen erwähnt und ernannt wurde. Auch in unserm kirchlichen Leben, welches bekanntlich seit 1842 und 1843 durch die Bestrebungen unseres Bezirksrabbiner Dr. Höchstädter seitens einer hohen Landesregierung geregelt wurde, zeigt sich wieder der ruhige Fortschritt zum Guten und Bessern. Und sind es namentlich auch kleinere Gemeinden, welche gerne Opfer bringen, um neue Synagogen zu bauen und mit deren Erbauung auch die gottesdienstliche Ordnung zeitgemäß herzustellen. So hatte die nur aus 7 Familien bestehende Gemeinde Oberlahnstein erst im vorigen Jahre eine neue Synagoge erbaut, welche am 20. November (sc. 1852) von unserm Bezirksrabbiner Dr. Höchstädter unter Chorgesang und Predigten zur geistigen Erbauung aller Anwesenden eingeweiht wurde."

Bis 1938 blieb die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens für die in Ober- und Niederlahnstein lebenden jüdischen Personen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des Gebäudes zerstört.  
  
Nach 1945 wurde die Synagoge zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht angebracht.   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeHochstraße 65       
    
    

Fotos 
(Historische Aufnahme in: Landesamt s. Lit. S. 224; die neuen Fotos: Hahn, Aufnahmedatum im August 2006)  

Historische Aufnahme  Oberlahnstein Synagoge 010.jpg (44954 Byte)
  Die offene Durchfahrt zum Hinterhof der Synagoge mit Aufschrift "Synagoge"
   
   
Das ehemalige Synagogengebäude 
als Wohnhaus
  
Oberlahnstein Synagoge 100.jpg (60040 Byte) Oberlahnstein Synagoge 101.jpg (69218 Byte) Oberlahnstein Synagoge 102.jpg (66380 Byte)
Blick auf das ehemalige 
Synagogengebäude 
Die offene Durchfahrt und 
der Eingang heute 
Seitenansicht mit Blick auf die Stuckpilaster mit
 schlichten Kapitellen aus der Zeit vor 1938. 
     
Die erhaltene Inschrift am Eingang 
(Fotos: Hans G. Kuhn, 
Lahnsteiner Altertumsverein
Oberlahnstein Synagoge 201.jpg (59741 Byte) Oberlahnstein Synagoge 200.jpg (78345 Byte)
  Inschrift aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte ziehen durch es hinein". 
Die Inschrift steht auf der Tür, die vom Hof zum Treppenhaus führt. Die Inschrift ist auf 
der dem Treppenhaus abgewandten Seite angebracht.  Das Foto links in hoher Auflösung.  
     

      
        

Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Lahnstein 
Website des Lahnsteiner Altertumsverein e.V.   
http://juden-lahnstein.de   
Informationsseite zur jüdischen Geschichte in Lahnstein bei www.rhein-lahn-info.de  
Seite zum jüdischen Friedhof in Oberlahnstein  
Seite zum jüdischen Friedhof in Braubach  

Literatur:  

Germania Judaica I,151; II,616; III,2, 1047-1051.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 2 S. 151-153.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 357-359. 
Hubertus Seibert: "Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung". Acht Jahrhunderte jüdisches Leben in Lahnstein. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 10. Jahrgang Ausgabe 2/2000 Heft Nr. 19. S. 5-21. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt, 13 MB).  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 224-225 (mit weiteren Literaturangaben). 
Hildburg-Helene Thill: Noch nicht einmal alle Grabsteine sind geblieben. Juden aus Braubach. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach.  3. Jahrgang. Ausgabe 1/1993, Heft Nr. 4. S. 42-45. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt, 6,1 MB).  
Lahnstein Lit 201501.jpg (80403 Byte)Neuerscheinung in 2015:  Hans G. Kuhn / Hubertus Seibert: Was geblieben ist. Spuren jüdischen Lebens in Lahnstein. Mit einem Geleitwort von Dr. Joachim Hahn, Plochingen, Alemannia Judaica.  Schriftenreihe des Lahnsteiner Altertumsvereins 1880 e.V. Band 2. Lahnstein: Imprimatur Verlag Rudolf Kring. 2015. ISBN 978-3-9816078-8-8.  http://juden-lahnstein.de      

         
          


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Oberlahnstein (now part of Lahnstein) Hesse-Nassau. Jews living there in medieval times fell victim to a blood libel in 1287 and the Black Death persecutions of 1348-49. Established around 1700, the modern community opened a synagogue and numbered 64 (1 % of the total) in 1885. During the Weimar Republic it was affiliated with the rabbinate of Bad Ems and had members in Braubach, Kamp, and Niederlahnstein. As a result of the Nazi boycott, 22 Jews left before the Kristallnacht pogroms (9-10 November 1938); at least 44 Jews from the area perished in the Holocaust.  
   
                

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

            

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Januar 2016