Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bacharach (Kreis Mainz-Bingen) mit Niederheimbach (VG Rhein-Nahe, Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der mittelalterlichen Geschichte     
Aus der Geschichte des 19./20. Jahrhunderts     
Zur Geschichte der Synagoge   
Besondere Erinnerungen an die jüdische Geschichte der Stadt (Heines Rabbi von Bacharach, Wernerkapelle)
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Bacharach bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebten Juden in der Stadt. Vor den Verfolgungen des zweiten Kreuzzuges flüchteten nach einem Bericht des Ephraim ben Jakob 1146 drei Juden mit ihren Familien in die Burg Stahleck, wurden jedoch von Kreuzrittern erschlagen, als sie die Burg zur Ausübung ihrer Geschäfte verließen. Bei den Ermordeten handelte es sich um den Gelehrten Alexander ben Mose, Abraham ben Samuel und Kalonymos ben Mordechai. 

Seit Ende des 13. Jahrhunderts kam es zu weiteren Judenverfolgungen und -Pogromen in der Stadt. So wurden auf Grund einer angeblichen Ritualmordbeschuldigung am 19. April 1283 (7. Tag des Passahfestes 5043) 26 Juden in der Stadt ermordet, darunter zwei Talmudschüler sowie Joseph, Sohn des Rabbiners David, ein Schreiber und ein Junge, dessen Vater wenige Jahre zuvor in Lorch bei einem Pogrom ermordet worden war. Andere Juden waren aus der Stadt geflohen und kehrten wohl erst einige Jahre später nach Bacharach zurück: 1316 lassen sich jüdische Einwohner in der Stadt wieder nachweisen. Bei den Judenverfolgungen im Sommer 1337 und während der Pestzeit 1348/49 wurde wiederum jüdisches Leben in der Stadt ausgelöscht. 1365 werden wieder drei Juden in der Stadt aufgenommen. bis zur Verfolgung der Juden aus der Kurplatz 1390 werden mehrere Juden in der Stadt genannt, die aus anderen Städten zugezogen waren (1367 je ein Mann aus Worms, Fritzlar, Heidelberg und eine Witwe aus Ahrweiler, 1371 ein Mann aus Fulda, 1378 einer aus Sobernheim).   

Da unter den 1283 erschlagenen Juden Talmudschüler, ein Schreiber (= Sofer, Torarollenschreiber) und der Sohn eines Rabbiners waren, ist anzunehmen, dass es bereits im 13. Jahrhundert ein lebendiges jüdisches Gemeindeleben in der Stadt gegeben hat. Eine "Judenschule" (Synagoge, s.u.) wird jedoch erst 1406/1407 genannt, war jedoch sicher bereits im 12./13. Jahrhundert vorhanden. 

Im 15. Jahrhundert konnten wieder einige jüdische Familien in der Stadt leben. Andere Juden, die sich nach Bacharach nannten, begegnen u.a. in Köln, Oppenheim, Frankfurt am Main, Ingelheim, Göttingen, Burgau. In Quellen des 15. Jahrhunderts wird mehrfach eine "Judengasse" genannt. Unter dem Schutz der Pfalzgrafen konnten auch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts einige wenige jüdische Familien in der Stadt leben (Schutzbriefe von 1511 und 1514). 

Auch im 17./18. Jahrhunderts lassen sich immer wieder einzelne jüdische Personen/Familien feststellen. So werden 1674 Juden in der Stadt genannt, gleichfalls 1775. 1793 lebten vier Juden (vermutlich mit ihren Familien) in Bacharach. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 16, 1858 62, 1895 35 jüdische Einwohner. Auch die im benachbarten Steeg lebenden Juden gehörten zur Gemeinde in Bacharach (1807 fünf, 1858 elf, 1895 neun). 

Gleichfalls gehörten die in Niederheimbach lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Bacharach (1924 13 jüdische Einwohner, 1932 11). Mitte des 19. Jahrhunderts war bereits eine Familie Kohlmann in Niederheimbach. Ihr Haus befand sich neben dem Pfarrhaus. Als dieses am 21. September 1873 abgebrannt ist, wurde das Haus der Kohlmanns so schwer beschädigt, dass es von Grund auf neu gebaut werden musste. Anfang der 1930er Jahre waren es die folgenden drei Familien: Jakob und Sarah Kohlmann mit den Kindern Paula, Friedel und Kurt (Kuhweg 10). Paula und Friedel konnten 1936 nach Amerika emigrieren. Die Eltern und der Bruder Kurt blieben zurück und wurden nach der Deportation ermordet. Max und Sophie Kohlmann (Rheinstraße 58) mit ihren Kindern, die vermutlich alle emigrieren konnten. Ehepaar Bernhard und Rose Weiß, die mit Jakob und Sarah Kohlmann 1941 von Oberheimbach deportiert wurden.   

Zur Gründung einer jüdischen Gemeinde in Bacharach kam es in den 1860er-Jahren. An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein Friedhof

Um 1924, als noch 34 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (2,1 % von insgesamt etwa 1.600 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Karl Eichberg und Moritz Sommer. Damals gehörten auch in in Niederheimbach (13 Personen, 1932 11 Personen) und Oberheimbach (3 Personen, 1932 2 Personen) lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde. 1932 wird als Vorsteher der Gemeinde weiterhin Karl Eichberg genannt. Jüdischen Religionsunterricht erhielten im Schuljahr 1931/32 sechs Kinder.  

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: etwa 35 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.     
       
Von den in Bacharach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Ernestine Bär geb. Sommer (1866), Ludwig Baum (1865), Antonie Herzberg (1862), Emma Keller (), Karl Keller (1889), Willi Keller (), Friederike Michel geb. Mayer (1861), Hans Philipp (1911), Rosa Platz geb. Keller (1886), Bertha Rosenberg geb. Sommer (1858), Adolf Sommer (1867), Ferdinand Sommer (1863), Bertha Wolff (1873), Siegmund Sommer (1864), Albert Wolf (1881), Jenny Wolff (1873), Bertha Wolff (1873).  

Zur Erinnerung an die jüdische Geschichte befindet sich in Bacharach eine Gedenktafel rechts neben dem Kranentor in der Langstraße.  
  
Aus Unterheimbach sind umgekommen: Emilie Kohlmann geb. Mayer (1890), Jakob Kohlmann (1882), Kurt Kohlmann (1923), Max Kohlmann (1886), Regina Kohlmann geb. Levy (1881), Siegmund Kohlmann (1885), Max Weiss (1912), Rosa Weiss (). 
    
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Aus der mittelalterlichen Geschichte   
Artikel von Rabbiner Dr. A. Lewin (1933) über 
"Die Gottschalke von Bacharach und Kreuznach. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Frankfurt um das Jahr 1400"

Bad Kreuznach GblIsrGFrf 071933.jpg (445116 Byte) Bad Kreuznach GblIsrGFrf 071933b.jpg (498964 Byte) Nachstehend wird nur die Einführung und 
der Teil zu Gotschalk von Bacharach aus dem Beitrag 
A. Lewin zitiert; der Teil zu Gottschalk von Kreuznach
wird unter Kreuznach wiedergegeben.

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1933: "Die Gottschalke von Bacharach und Kreuznach. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Frankfurt um das Jahr 1400. Von Rabbiner Dr. A. Lewin. 
Das dunkelste Jahr in der Geschichte der deutschen Juden ist das Jahr 1349. Wie ein verheerender Sturmwind kam dieses Jahr des Unheils über die jüdischen Gemeinden. Was die Pest des großen Sterbens übrig gelassen, das sollte die Pest der Verfolgungen vernichten. Klein war das Häuflein, das noch übrig blieb. Ein Gutes aber hatte die kleine Zahl die die historische Betrachtung. Der Einzelne und seine Familie treten nun stärker hervor als vor 1349. Es sind nicht mehr nur die gelehrten Vertreter der Lehre, deren persönliches Leben doch im Grunde ein typisches ist, sondern nun erscheinen auch die Handelsherren, von denen wir vorher nur ganz wenige prominente Persönlichkeiten kannten, in größerer Zahl. Und es zeigt sich, dass nicht die Wanderlust, wie man gewöhnlich annimmt, sie von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt treibt, sondern dass die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Not, die Habgier der großen und kleinen Potentaten sie zum Wandern zwingen. Eine große Familie ist es, die da an den Ufern des Rheins, der Donau, des Mains, des Neckars und der Nahe um ihre Existenz ringt. Zu ihrem Mittelpunkt wird Frankfurt, die einzige Gemeinde, in der nach 1360 mit einer bald vorübergehenden Ausnahme keine Austreibung stattfand. Damit wird sie zur Muttergemeinde der deutschen Judenheit.
Zu den Familien, die im Rhein-Main-Gebiet um diese Zeit erscheinen und deren Schicksale diese allgemeinen Beobachtungen im Einzelnen bestätigen, gehören die des Gotschalk von Bacharach und des Gotschalk von Kreuznach. Der erste, der die beiden in Zusammenhang bringt, ist Dietz, der in seinem Stammbuch der Frankfurter Juden auf Seit 18 Nr. 26 über sie sagt: ‚Bacharach I., zuerst genannt im Jahre 1391 mit Gotschalk von Bacharach, welcher vermutlich mit dem in den Jahren 1390-92 genannten Gotschalk von Oppenheim und dem 1400-1499 genannten Gotschalk von Kreuznach (lauter kurpfälzische Städte) identisch ist…’ Zwei Irrtümer sind an dieser Stelle dem Schöpfer des Stammbuches unterlaufen. Von den drei genannten Städten ist nur Bacharach pfälzisch. Oppenheim ist Reichsbesitz und nur zeitweilig an Kurpfalz verliehen worden. Kreuznach ist die Hauptstadt der vorderen Grafschaft Sponheim. Es kam auch nicht ganz, wie Stern (König Ruprecht von der Pfalz in seinen Beziehungen zu den Juden S. XII Anm. 8) behauptet, sondern nur zu einem Fünftel durch Schenkung der Elisabeth von Sponheim, der Schwiegertochter des Königs Ruprecht, an die Kurpfalz. Auch die Gleichsetzung der drei genannten Gotschalks lässt sich nicht aufrechterhalten. Es handelt sich um zwei Personen, wie nun gezeigt werden soll, über die wir sehr gut unterrichtet sind. Denn beide sind in der Geschichte der Juden keine Unbekannten.
Gotschalk von Bacharach ist der Sohn des Wormser Judenbürgers Man von Köln. Da erst 1372 wieder Juden in Köln aufgenommen werden und Man schon 1362 in Worms wohnt, so scheint er einer von denen gewesen zu sein, die 1349 mit dem Leben davon kamen. Dass er der Sohn eines Märtyrers ist, geht aus der Urkunde hervor, die er mit allen Wormser Familievätern und deren verheirateten Söhnen im Jahre 1377 unterschrieb, in der sie sich verpflichten, der Stadt Worms 20.000 Goldgulden zu leiben: Menachem Sohn des Märtyrers Simon. Noch 1380 wird er zusammen mit seinem Schwiegersohn Gotschalk genannt und dabei erwähnt, dass er daselbst Haus und Stallung besitzt. Er ist auch in Worms gestorben. Von seinen Söhnen kennen wir außer Gotschalk von Bacharach, den Fiflein, der 1369 in Straßburg aufgenommen wird, dessen Sohn Isaak wahrscheinlich der Schwiegersohn des Jäklin von Ulm wird und 1383 wie sein Schwiegervater in Nürnberg wohnt. Außerdem lernen wir 1390 einen Sohn Simon kennen, der zusammen mit Simon von Bensheim und Isaak von Kaiserslautern, dessen Frau Sara und deren Tochter Gutlin um 1400 in Frankfurt leben, erwähnt wird. 1386 treffen wir einen Bruder des Man, Isak von Monjoie, in Köln.
Nachdem wir nun die Familie des Gotschalk kennen gelernt haben, wollen wir seinen Lebensweg weiter verfolgen. Am 22. November 1362 erhält er von Gerlach von Nassau, dem Erzbischof von Mainz, für sich und seine Familie die Niederlassungserlaubnis in dessen Landen. Gegen ein jährliches Schutzgeld von 25 Gulden, an Martini zahlbar, darf er sich 6 Jahre in Bingen oder sonst wo aufhalten. Von den damals Aufgenommenen ist er der zweithöchste Steuerzahler. Die Summe ist beträchtlich, wenn man bedenkt, dass damals in Frankfurt Jakob von Miltenberg, der später mit Meister Mullyne, dem Vater des Maharil, der Stadt Frankfurt Geld lieh, als Höchstbesteuerter nur 20 Gulden Judenzins zu geben hatte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass sich Gotschalk in Sobernheim niederließ. Dort war nämlich zwei Jahre vorher ein Platz frei geworden, da Michel von Sobernheim in diesem Jahre nach Frankfurt übergesiedelt war, wo er im Hause Neu-Falkenstein (Fahrgasse 18) Wohnung bezogen hatte. Hier im kurmainzischen Sobernheim, begegnet uns Gotschalk 1363 und 1367. Sein Kompagnon ist Lemmichen. Kurz bevor seine Schutzfrist abgelaufen war, siedelt er nach Bacharach über. Er erhält zuerst für 3 Jahre, dann 1370 für 4 Jahre Aufenthaltserlaubnis. Nun muss er 30 Gulden pro Jahr bezahlen. Wie lange er hier gelebt hat, ist nicht zu ermitteln. Er scheint aber längere Zeit in dieser schönen pfälzischen Stadt am Rhein gewohnt zu haben, da er und sein Sohn David sich noch 25 Jahre später ‚von Bacharach’ nennen. Erst 1388 treffen wir ihn in Oppenheim. Doch hier ist seines Bleibens nicht lange. Schon 1390 wohnt er im Lowerhof in Frankfurt. Von diesem Hof ist heute nichts mehr erhalten. Er stand an der Stelle wo heute das Plätzchen am Roseneck liegt, mitten im ältesten Judenviertel der Stadt. Der Hof, in dem damals eine Reihe von jüdischen Familien wohnte, war Eigentum des Bartholomäusstifts, an das die Juden ihren Mietzins zu entrichten hatten. 1392 wohnt er einige Häuser daneben im Haus zum Rosenbusch am Garküchenplatz, das noch heute diesen Namen führt und nach einer christlichen Familie Rosenbusch, die es wohl erbaute, genannt ist. Neben der reichen Zorlin, der Witwe des zwischen 1380-83 verstorbenen Fifelin von Dieburg, und nach dem hoch angesehenen Süßkind von Weinheim a.d. Bergstraße, dem zweiten Mann der Zorline, die im Ansburger Hof an der Predigergasse wohnten, ist er einer der wohlhabendsten Juden Frankfurts. Das beweist die Höhe der Abgaben, die von ihnen verlangt wurden. Zorlinens, später ihres Mannes Süßkind Judensteuer betrug 60, die des Gotschalk 50 Gulden. Aber der Aufenthalt in Frankfurt brachte dem Gotschalk nicht viel Glück. Zwar stand die Stadt damals wirtschaftlich in hoher Blüte, trotzdem die Niederlage bei Kronberg mit ihren finanziellen Folgen sie außerordentlich belastete. Auch das Vermögen der Juden nahm zu, wie die Rechenbücher ausweisen. Doch schon das Jahr 1390 machte der Wohlhabenheit der Juden ein Ende. Um Ostern herum war Gotschalk nach Frankfurt gekommen, wo damals der berühmte Meir ben Baruch Halewi aus Erfurt wirkte und schon im Herbst desselben Jahres brach das Verhängnis in Gestalt des Judenschuldenerlasses König Wenzels über die Juden Frankens herein, das auch den Frankfurter Juden einen großen Teil ihres Vermögens nahm. Eine große Anzahl von Schuldurkunden, die damals die Frankfurter Juden, darunter Gotschalk von Bacharach, abgeben mussten, liegt noch heute fein säuberlich geordnet und wunderschön geschrieben im Stadtarchiv. Die gesamte Schuldenmasse betrug ungefähr 17.000 Gulden. Die 11 Schuldurkunden, die Gotschalk zurückgeben mussten, stellten einen Wert von 1000 Gulden dar, eine hohe Summe, wenn man den damaligen Kaufwert des Geldes berücksichtigt. Zwar verschwindet mit dem Jahre 1393 sein Name von der Steuerzahlerliste, aber damit ist nicht gesagt, dass er nicht mehr in Frankfurt gelebt hätte. Die Listen geben uns nie die genaue Zahl der in einer Stadt lebenden Juden an. Dieser Unsicherheitsfaktor wird in den statistischen Berechnungen meist nicht genügend berücksichtigt. Auch die Annahmen Büchers (die Bevölkerung von Frankfurt a.M. im XIV. und XV. Jahrh., Seite 564) sind sehr hypothetischer Natur. Von Gotschalk wissen wir, dass er noch mehrere Jahre in Frankfurt lebte. Noch im März 1395 schließt er, seine Frau Besselin und sein Sohn, der Frankfurter Judenbürger David, mit Siegfried Dünnebein von Lorsch, wohnhaft zu Geisenheim, einen Vergleich. Mitte dieses Jahres leiht er der Stadt 250 Gulden, die höchste Summe, die in dieser Zeit ein Frankfurter Jude als Darlehen gibt. Die Schuld wird 1398 an seinen Sohn David zurückbezahlt. Der Vater scheint also in der Zwischenzeit gestorben zu sein, da nicht anzunehmen ist, dass der alte Mann noch einmal zum Wanderstab greift. Die Stelle des Vaters nimmt seit 1393 in den Rechenbüchern der eben erwähnte Sohn David ein. An den Judensteuern erkennt man nun deutlich die Folgen der Vermögenskonfiskation vom Jahre 1390. Der Höchstbesteuerte ist immer noch Süßkind von Weinheim. Nur sind es nicht mehr 50, sondern nur mehr 24 Gulden, die Steuer des David beträgt 12 Gulden. Damit ist er immer noch keiner von den Ärmste, aber jedenfalls bei weitem nicht mehr so wohlhabend wie der Vater. Lange ist er noch nicht selbständig, da es von ihm in einer Liste vom Jahr 1390 heißt: 'had nicht' (Krakauer. Urkundenbuch S. 160, S. 395: statt Daniel ist David zu lesen). Lange hat er den Vater nicht überlebt. Bereits 1400 erscheint seine Frau Memlin, die selbständig wie die Schwiegermutter Besselin ein Geschäft betreibt, als Witwe. Ob der 1424/25 den höchsten Steuerbetrag zahlende Salomon von Bacharach mit Goschalk verwandt ist, lässt sich nicht feststellen. Es handelt sich wohl um den 1404 mit Mutter und Frau in Köln aufgenommenen Salomon von Bacharach, der 1423 Köln verlässt (Brisch, Geschichte der Juden in Köln und Umgebung II, S. 25.41).
Mit diesem Gotschalk von Bacharach (Oppenheim), dem Sohn des Wormser Judenbürgers Man von Köln, dem Bruder des Simon und Fifelin und dem Schwager des Gotschalk, darf Gotschalk von Kreuznach nicht identifiziert werden...."        

   
Aus einem Reisebericht zu Bacharach - mit Bezug auf die mittelalterliche Geschichte und Heines "Rabbi von Bacharach" (1925)    

Bacharach Israelit 25061925.jpg (545798 Byte)Reisebericht über eine Dampferfahrt auf dem Rhein in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1925, daraus der Abschnitt zu Bacharach (zum gesamten Reisebericht: links anklicken, längere Ladezeit beachten): 
"...Weiter geht es hinab durch die hellgrünen Wellen, die die schönste Landschaft widerspiegeln. Bacharach steht mit großer Schrift rechts auf der Landungsbrücke. Hinter den roten Dächern ragt steil und spitz die Zinne einer alten gotischen Kirche empor. Wehmut erfasst die Seele mitten im Blühen und Leuchten und im Rauschen des grünen, in Sonnengold getauchten Stromes. Ist es nicht leises Weinen und Wimmern, sind es nicht Seufzer und letzte Todesschreie von tausend Jahren, die da hinuntergurgeln, nach dem großen Wasserbecken im Norden, das sich dann mit anderen Meeren vereinigt, und auch mit dem Meere, das fließt und fließt und nimmer austrocknet: dem Meere des jüdischen Leides?...   Bacharach! Dort hinter dem Gebüsche stand wohl das Häuschen, in dem der Rabbi mit seinem jungen Weibe am hellbeleuchteten Sedertisch saß. Und hinten lauerte der Hass und die Gier nach jüdischem Blut und Gut. Und sie fanden Eingang in das geweihte Haus zur geweihten Stunde, in der Maske der bärtigen Glaubensgenossen. Aber hinaus ging der Rabbi mit seinem Weib, um die Zeremonie des Händewaschens zu vollführen, und kam nicht wieder. 'Hinaus mein Weib. Immer weiter. Und schließe die Augen, dass du nicht siehst, nicht rechts und nicht links!...   
War das nur in Bacharach so? Und nur einmal? Überall, hinauf und hinunter, von Basel bis Straßburg und Mainz und von da bis Worms und Köln und bis in die Niederlande hinunter, überall jüdische Seufzer und Schreie, die sich mit dem rauschenden Strome vermischten, jüdischer Tränen, die in die Wellen flossen, jüdisches Blut, das das Wasser färbte... 
Der 'Rabbi von Bacharach' ist ein Fragment nur.   
Und es ist mir, als hörte ich hinter den malerischen Häusergruppen rechts und links von den ragenden alten Türmen Sturm läuten. Und von den Ruinen der alten Schlösser stürzen die Ritter und Reisigen in wildem Trabe die Höhen hinunter. Unten im Tale aber das gehetzte Wild, bärtige Männer im dreieckigen Judenhut sich auf die Brust in Sterbegebeten schlagend, Frauen im schwarzen großen Kopftuch ihre Kinder eng an die Brust geschmiegt. Hinten die heulende Meute und vorne die brausenden Wellen. Hinter der Kirche stieg Rauch auf und züngelten Flammen.... 
Und wie heute blühten die Reben, lachte die Sonne, schimmerte das Wasser, denn es war zur Sommerzeit... Die Wellen weinen und wimmern. Es ist das Weinen und das Wimmern von damals, das nie verstimmen wird..."   
Zum Text von Heines "Rabbi von Bacharach" (interner Link)  

      
Einladung des Frankfurter Vereins "Agudas Jisroel" zum einem Ausflug an den Rhein (1928)   

Bacharach Israelit 09081928.jpg (188199 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1928: "Am Rheine möchte ich...    Es ist alljährlich so, dass, wenn die Reben am Rheinufer blühen, und noch später, wenn die Beeren in der Sonne reifen, es tausend Herzen magisch nach dem Rheine, dem 'deutschen Strome' ziehet, nach seinen sagenumwobenen Schluchten und Buchten, seinen Inseln und Denkmälern, die Gottesnatur und Menschenhand am und im Flusse geschaffen haben.    
Für uns bedeutet der Rhein auch noch etwas anderes. Hüben und drüben, am rechten und am linken Ufer, waren blühende jüdische Gemeinwesen, darin stilles jüdisches Glück wohnte und auch viel Blut und Tränen flossen, da, einmal und noch einmal, die Hand des Weltenschicksals auf dem Leidenswege der Menschheit, hier wütete und sich die wehrlosen Opfer in den Judengassen suchte. 'Der Rabbi von Bacharach'. Ein Fragment! Und fragmentarisch ist alles, was wir aus jenen Zeiten der Größe und der Leiden wissen. Grabsteine ragen auf den lieblich Hängen an den Ufern, präsentieren sich dem Auge des Fahrgastes und erzählen Fragmente, erschütternde und erhebende Fragmente, viel von der Art des 'Rabbi von Bacharach'...   
Darum ist uns der Rhein nicht allein der liebe deutsche Strom, sondern auch ein heiliger Strom, Wir sollten ihn, wenn sich uns Gelegenheit bietet, hinunterfahren und neben den Reizen von Land und Wasser, die wir als Menschen und Deutsche genießen, auch eine Stunde der Weihe und stillen Nachdenkens widmen denen, die hüben und drüben einstens in kleinen Giebelhäusern ihr kleines, tiefes jüdisches Glück bargen, bis....
Die Jugendorganisation der Agudas Jisroel in Frankfurt am Main lädt zu einer Rheinfahrt für Sonntag, den 10. August ein, worüber in einer Bekanntmachung in den 'Blättern' Näheres zu finden ist. Sie hat auch voriges Jahr mit bestem Erfolge die Fahrt gemacht und will dieses Jahr in verstärktem Maße den Mitgliedern und Gästen Stunden schönen und tiefen Erlebens auf dem herrlichen Strome bei gesellschaftlichen und geistigen Attraktionen bieten. Viel, sehr viele, werden froh und dankbar die Gelegenheit ergreifen, um billiges Geld (das Ganze kostet hin und zurück einschließlich der Einsenbahnfahrt usw. Mark 5.50) den Rhein in seinen schönsten Teilen, von Mainz bis St. Goarshausen, zu sehen, und die Sprache seiner Wogen wie aus deutscher Sage und jüdischer Geschichte auf sich einwirken zu lassen.   
Die Karten zur Fahrtteilnahme müssen bis spätestens Mittwoch, den 15. August, gelöst sein und sind in allen jüdischen Buchhandlungen, sowie in der Langestraße 18, p. zu haben.  
Auf zur Rheinfahrt mit dem Dampfer der Agudas Jisroel am Sonntag, den 19. August."    


    
Aus der Geschichte des 19./20. Jahrhunderts 
Zum Tod des Arztes Dr. Abraham Wolff (1839)

Bacharach AZJ 25041839.jpg (82147 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. April 1839: "Bacharach, 24. März (1839). Unsere Stadt und Umgegend hat einen herben Verlust erlitten. Heute Morgen entschlummerte an den Folgen einer kurzen, aber sehr schmerzlichen Krankheit Herr Abraham Wolff, med. Dr., königlicher Physikus des Kreises St. Goar und Distrikts-Arzt dahier. Als Arzt und Mensch gleich ausgezeichnet, hat er sich während seines hiesigen zwei und dreißigjährigen, segensreichen Wirkens, die ungeteilte Hochachtung und Liebe Aller erworben. Zum Lohne seiner Bemühung für die Einführung und fernere Ausbildung der Vaccination (sc. Impfung) in hiesiger Gegend wurde ihm schon von er kaiserlich französischen die goldene und von der jetzigen Regierung die silberne Medaille erteilt. In statistischer Beziehung ist es wohl nicht unwichtig, zu bemerken, dass Herr Wolff der einzige Israelit war, der in der preußischen Monarchie eine Kreisphysikats-Stelle bekleidete."

     
  
   

Zur Geschichte der Synagoge

Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Schon im 12./13. Jahrhundert war eine solche sicher vorhanden, wenngleich erst Anfang des 15. Jahrhunderts in Quellen von der "Juden schole" (Judenschule) berichtet wird (1406/1407). Sie lag nach einer Beschreibung von 1407 gegenüber dem Haus eines Ritters von Katzenelnbogen, das an die Badstube stieß. Zur Zeit dieser Erwähnung der Judenschule war sie - nach der Vertreibung der Juden aus der Stadt 1390 - bereits in christlichen Privatbesitz gekommen. 
   
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde wiederum ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge eingerichtet. 

Adresse/Standort der SynagogeBlücherstraße (hinter dem Hotel "Gelber Hof", Blücherstraße 26 - "an der Seite die Treppe hoch").
  
   

Besondere Erinnerungen an die jüdische Geschichte der Stadt:

Heinrich Heine verfasste den fragmentarisch gebliebenen Roman "Der Rabbi von Bacharach". Der Dichter schrieb daran seit 1822/23, vermutlich als eine Reaktion auf die 1819 wieder ausgebrochenen Judenverfolgungen. Es ist nicht bekannt, warum Heine die Arbeit an dem 1840 als Fragment erschienenen Roman eingestellt hat. 
Zum Text von Heinrich Heines "Rabbi von Bacharach" (interner Link) 
In der Wernerkapelle in Bacharach wurde jahrhundertelang die Legende vom jüdischen Ritualmord inszeniert, was immer neu den Hass auf Juden schürte. Inzwischen ist die Ruine der Wernerkapelle Mahnmal zu einem geschwisterlichen Umgangs der Religionen. So ist seit dem Abschluss der Restaurierungsmaßnahmen 1996 eine Tafel mit einem Gebet Papst Johannes' XXIII. an der Wernerkapelle angebracht ("Wir erkennen heute, dass viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so dass wir die Schönheit deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht nicht mehr die Züge unseres gestorbenen Bruders wiedererkennen. Wir erkennen, dass ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, dass wir dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wussten nicht, was wir taten").
Weite Beachtung fand die Installation eines "Roten Fensters" in der Wernerkapelle von 2007 bis 2010 (siehe unten).    
Wikipedia-Artikel zum "Werner von Oberwesel"  
Seiten der Realschule von Oberwesel zur Wernerkapelle  
Seite zum Roten Fenster der Wernerkapelle  

  

Fotos  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2007)  

  Die mittelalterliche "Judengasse", jetzt Rosenstraße     
Bacharach Stadt 184.jpg (84855 Byte) Bacharach Stadt 182.jpg (113675 Byte) Bacharach Stadt 183.jpg (96844 Byte)
Straßenschild "Rosenstraße" Ziehbrunnen in der Rosenstraße Blick in die ehemalige "Judengasse"
           
Haus einer mittelalterlichen Synagoge
 in Bacharach-Steeg
Bacharach Steeg 183.jpg (90401 Byte) Bacharach Steeg 180.jpg (76809 Byte)
    Das Haus der ehemaligen Synagoge wurde davor auch als Zehnthaus genutzt. Das jetzige Fachwerk ist von einer Erweiterung des Gebäudes von 1585. Das Gebäude wurde 1994 umfassend renoviert.
      Bacharach Steeg 182.jpg (87652 Byte) Bacharach Steeg 181.jpg (95514 Byte)
              
     
Das "Rote Fenster" in der Wernerkapelle (2007-2010)   
Bacharach Wernerkapelle 186.jpg (81840 Byte) Bacharach Wernerkapelle 180.jpg (89604 Byte) Bacharach Wernerkapelle 182.jpg (65032 Byte)
       Ansichten des "Roten Fensters" in der Wernerkapelle     Ausschnitte von Heinrich Heines Erzählung
 "Der Rabbi von Bacharach"
 
     
Bacharach Wernerkapelle 183.jpg (83378 Byte) Bacharach Wernerkapelle 181.jpg (79414 Byte) Bacharach Wernerkapelle 185.jpg (88759 Byte)
   Weitere Ansichten des "Roten Fensters"        Erläuterungen mit Zitat des 
Textes im Fenster
   
     
      Bacharach Wernerkapelle 184.jpg (47473 Byte)     
         Offenbar notwendige Sicherung der Kunstinstallation durch Kameras     
     
Das "Rote Fenster" war in Bacharach nicht unumstritten. Eine Gruppe, die die Anbringung des Fensters nicht akzeptieren kann, sah in dem "Roten Fenster" eine "Verhunzung" der Wernerkapelle; das  Fenster war für drei Jahre genehmigt. Es wurde mit Ablauf der Genehmigungsfrist am Pfingstmontag, 24. Mai 2010 ausgebaut.   
Bacharach Wernerkapelle 188.jpg (79448 Byte) Bacharach Wernerkapelle 187.jpg (92104 Byte) Bacharach Wernerkapelle 189.jpg (123237 Byte)
 Plakate kritischen Inhalts am Aufgang von der Stadt zur Wernerkapelle  
      
   
Gedenktafel für die ehemals 
in Bacharach lebenden Juden
in der Langstraße rechts 
neben dem Kranentor
Bacharach Stadt 181.jpg (89612 Byte) Bacharach Stadt 180.jpg (75449 Byte)
"Meine Stimme zu ihm - ich schreie, ich flehe, du, höre mein Gebet. Der Feind verfolgt meine Seele, duckt zur Erde mein Leben. Seit mich in Finsternisse wie Urzeittote. Du zu dir hin berge ich mich. Ein Hafenlied Davids. Zum Gedenken der Juden in Bacharach."

     
  

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

September 2009: Bibel von Max Kohlmann (ehemals Niederheimbach) an das Ortsmuseum übergeben   
Niederheimbach PA 200901.jpg (18595 Byte)Foto links: Ortsbürgermeister Heinz Wagner, Günter Langenbeck, Karin Wolff geb. Landenbeck und Beigeordneter Norbert Enkelmann (v.l.) bei der Übergabe der jüdischen Bibel (Foto: privat).  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 19. September 2009 (Artikel): 
"In Leder und mit Bronzerelief. 
NIEDERHEIMBACH - ORTSGESCHICHTE Jüdische Bibel für künftiges Dorfmuseum in Niederheimbach übergeben. 

(red). In einer kleinen Feierstunde übergaben Günter Langenbeck und Karin Wolff, geborene Langenbeck, der Ortsgemeinde eine etwa 150 Jahre alte Bibel in hebräischer Schrift in Leder gebunden, mit Bronzerelief auf dem Deckel. Viele Anmerkungen und Übersetzungen in altdeutscher Schrift deuten auf eine häufige Nutzung hin. 
Erhalten hat sie der Großvater mütterlicherseits der beiden, Ernst Heilmann Senior, Niederheimbacher Ehrenbürger und Schöpfer des ersten Märchenhains in Deutschland. Sie gehörte der Familienüberlieferung nach dem früheren Niederheimbacher Bürger jüdischen Glaubens, Max Kohlmann, in Niederheimbach bekannt als der "Jude-Max".
Eine Zeitzeugin erinnert sich, dass sein Sohn im Krieg für Deutschland gefallen war. Max Kohlmann war vertraut mit dem genannten Großvater von Günter Langenbeck, Karin Wolff und Helly Grimm, beide geborene Heilmann, Ernst Heilmann senior, der ihn mit allem Nötigen, auch mit Nachrichten versorgte. Kurz vor seiner "Abreise" übergab Max Kohlmann Ernst Heilmann senior seine Bibel mit den Worten: "Heilmann, hebt die Bibel für mich auf, bis ich wiederkomme. Wenn ich nicht wiederkomme, gehört sie euch." Er kam nicht wieder. 
Seitdem war die Bibel in Familienbesitz, lag bis zum Tod des Ernst Heilmann sen. in seinem Arbeitspavillon im Märchenhain aus. Ausgewählte Gäste durften sie anschauen oder auch eine Widmung hineinschreiben. 
Die Bibel wurde von Familie Heilmann stets in Ehren gehalten. Erika Heilmann ließ sie sogar vor elf Jahren neu einbinden, da der Ledereinband doch sehr brüchig geworden war und auseinander zu fallen drohte. Kurz vor dem Tod der Tante in diesem Jahr verschwand die Bibel, wurde aber glücklicherweise wieder zurückgegeben. 
Vor einiger Zeit lasen die Enkelkinder des Ernst Heilmann sen. in der Zeitung von der Absicht der Ortsgemeinde Niederheimbach, drei Stolpersteine für ehemalige jüdische Mitbürger verlegen zu lassen. Da beschlossen sie, die Bibel des Max Kohlmann der Gemeinde für das künftige Dorfmuseum zu übergeben - als Erinnerung und immer währende Mahnung."
  
Juni 2010: Zum Ausbau des "Roten Fensters"     
Bacharach Fenster PA 040.jpg (44066 Byte)Foto (privat): Die Glasinstallation 'Das Fenster' an der Wernerkapelle Bacharach in der Morgensonne.    
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 17. Mai 2010 (Artikel): "Ein Fenster der Toleranz
BACHARACH - WERNERKAPELLE Ausbaufest am Pfingstmontag

(red). Am Pfingstmontag, 24. Mai, wird die Glasinstallation 'Das Fenster' in der Wernerkapelle Bacharach ausgebaut. Das rote Fenster mit Ausschnitten aus Heinrich Heines Erzählung 'Der Rabbi von Bacharach' machte die Ruine für drei Jahre zu einem Ort der Begegnung, um über Toleranz nachzudenken und sich auszutauschen. 
Besucher sind eingeladen, ab 14 Uhr den Ausbau des Fensters zu verfolgen. Bereits um 10.30 Uhr findet ein ökumenischer Gottesdienst in der Ruine Wernerkapelle statt. Bei Regen findet das Fest in der Wernerkapelle unter Schirmen statt, der Gottesdienst in St. Peter. Der Eintritt ist frei.
Während des Festes bekommen Förderer jeweils 'ihre' Glasscheibe aus dem Fenster persönlich vom Künstler Karl-Martin Hartmann überreicht. Freunden des Kunstprojekts und der begleitenden Vortragsreihe 'Das Forum 2008-2009' wird erstmals das Buch 'Toleranz der Augen' präsentiert. Mitglieder der Frankfurter Kapelle umrahmen die Veranstaltung mit Musikstücken aus Klassik bis Jazz. Und nicht zuletzt wollen auch die exzellenten Weine aus Bacharach verköstigt werden. 
Das Kunstprojekt lebte und lebt nach wie vor von Spenden. Eine Möglichkeit, ein Andenken an die temporäre Verwandlung der Wernerkapelle zu erwerben und gleichzeitig das Projekt mit einer Spende zu unterstützen, bietet das Buch 'Toleranz der Augen'. Der hochwertig ausgestattete Band dokumentiert die Glasinstallation und vereint alle Vorträge der Veranstaltungsreihe 'Das Forum 2008-2009'. Daneben liefert er einen Überblick zur Geschichte der Wernerkapelle. Das Buch kann während des Festes für 35 Euro erworben werden."  
 
  

 

 

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bacharach 
Seite des Geschichtsvereines Bacharach  
Seite des Verschönerungsvereines Bacharach  

Literatur:    

Germania Judaica Band I S. 17; Band II,1 S. 44-45; Band III,1 S. 69-72.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 83 (mit weiteren Literaturangaben).
Zu Niederheimbach:  Heinz Scheibe: Niederheimbach und die Zeit unserer Vorfahren. Niederheimbach 2001/2008  Online zugänglich (pdf-Datei) 
Bacharach Fenster Lit010.jpg (34335 Byte)Der Bauverein Wernerkapelle Bacharach e.V. hat über die Vortragsreihe, die das Kunstprojekt des "Roten Fensters" über 2 Jahre begleitet hat, das Buch "Toleranz vor Augen" herausgegeben:    
Frieder Schwitzgebel: Toleranz vor Augen. Hrsg. vom Bauverein Wernerkapelle Bacharach e.V. 2010.  ISBN 978-3-935647-49-6.  35.- €.
Bestellmöglichkeit über E-Mail   Weitere Informationen   
Mit Beiträgen von GERHART BAUM, ehemaliger Bundesminister des Innern, HEIDEMARIE WIECZOREK-ZEUL, ehemalige Bundesministerin 
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, WINFRIED HASSEMER; ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts,
NECLA KELEK, Soziologin und Frauenrechtlerin, LEO TREPP, letzter noch lebender Rabbiner, der den Holocaust überlebte, BERND KORTLÄNDER, stellvertretender Direktor des Heinrich – Heine-Instituts Düsseldorf, ELMAR SALMANN OSB, Professor an der Gregoriana in Rom, MICHA BRUMLIK, Direktor des Instituts für Erziehungswissenschaften an der Universität Frankfurt.

     
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bacharach  Rhineland. Three local Jewish families found shelter in the nearby Stahleck fortress in 1146 during disturbances accompanying the Second crusade. The heads of the families were later murdered. In 1283, 26 Jews were slaughtered in the aftermath of the Mainz blood libel and Jews were again attacked in the Armleder (1337) and Black Death (1348-49) persecutions. Jewish life continued into the modern era. The community numbered 72 (total 1.601) in 1858 and 38 in 1933. Five Jews perished in the Holocaust.      
           

   

                   
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Stand: 05. Juli 2010