Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ahrweiler 
(Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Kreis Ahrweiler) 
Jüdische Geschichte / Synagoge


 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet 
Aus dem jüdischen Vereinsleben  
Berichte zu einzelnen Gemeindemitgliedern  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe 
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge  
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur  

     
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Ahrweiler bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Spätestens im 13. Jahrhundert lebten Juden in der Stadt (Stadtrechte seit 1248) unter dem Schutz des Kölner Erzbischofs. Eine "Judengasse" (heute Niederhutstraße) wird bereits 1290 erwähnt. In Köln lassen sich damals mehrere Juden mit der Herkunftsbezeichnung Ahrweiler nachweisen (Joseph von Ahrweiler d.Ä. ca. 1348-1263, Joseph von Ahrweiler d.J. 1291-1322, Samuel von Ahrweiler 1318-1326). 1335 werden Juden in Ahrweiler selbst erstmals genannt. Damals wurde ihnen vom Kölner Erzbischof Walram das Recht zum Handel mit Fleisch gewährt. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurde die jüdische Gemeinde vernichtet. Seit 1367/70 lebten wieder Juden in der Stadt. Um 1400 wird ein Hof "in der Judengassen" genannt. Eine Mikwe (rituelles Bad) lässt sich an der Ahr nachweisen. Für diese zahlten die Juden einem Christen einen jährlichen Zins. Unter den Juden der Stadt gab es auch mehrere Gelehrte. Anfang des 15. Jahrhunderts wird ein Rabbiner Isaak genannt, der dem jüdischen Gericht vorstand. In dieser Zeit wirkte auch der bedeutende jüdische Toralehrer Seligmann Bing in der Stadt. Als Arzt und Dichter wird ein Baruch ben Simon genannt. Von einer Vertreibung der Juden aus Ahrweiler ist nichts bekannt.
  
Möglicherweise lebten auch im 16./17. Jahrhundert Juden in der Stadt. Doch blieb die Zahl der Juden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts relativ klein. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl zumindest so zu, dass es zur Einrichtung eines Betsaales und eines rituellen Bades gekommen ist (1773, s.u.)
  
1822 wurden 20 jüdische Einwohner gezählte, 1858 29. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl zu (1875 79, 1891 über 100). Zur Gemeinde in Ahrweiler gehörten auch die in Dernau, Lantershofen und Altenahr (Familie Schweitzer) lebenden jüdischen Personen. Nach 1900 ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung wieder langsam zurück. 
  
Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Viehhandel sowie von Handlungen für Landesprodukte (vgl. unten Anzeigen der Weinhandlungen Heymann und Gottschalk), Textilien oder Lederwaren. 
 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Hermann Heymann (geb. 1.6.1882 in Ahrweiler, vor 1914 in Siegburg wohnhaft, gef. 20.3.1916).    
   
Um 1925 wurden 54 jüdische Einwohner gezählt (0,9 % von insgesamt etwa 6.000 Einwohnern). Zum Synagogenvorstand gehörten damals die Herren Abraham Bär, Moses Heymann und Jacob Schweitzer. 1932 war jüdischer Gemeindevorsteher Willy Levi. Der Repräsentanz gehörten Louis Metzer, Isidor Levi und Jakob Schweitzer (Dernau) an. Als Lehrer der im Schuljahr 1932/33 fünf schulpflichtigen jüdischen Kinder kam regelmäßig Moses Silbermann aus Bad Neuenahr nach Ahrweiler. An jüdischen Vereinen bestanden vor allem ein jüdischer Frauen-Verein (gegründet 1896, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger) und eine "Literarische Vereinigung" (1908 gegründet). 
     
1933 wurden 31 jüdische Einwohner (in zehn Familien) gezählt. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen verließ ein großer Teil von ihnen in den folgenden Jahren die Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet (s.u.) und die noch bestehenden jüdischen Geschäfte verwüstet. Von 1933 bis 1941 hatten 18 jüdische Einwohner die Stadt verlassen, davon sind elf emigriert, sieben in andere Städte in Deutschland verzogen. Am 26./27. Juli 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner in Vernichtungslager deportiert. Eine jüdische Frau konnte mit ihrem Sohn in Ahrweiler (bzw. in Köln) versteckt überleben. 
  
Von den in Ahrweiler geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sophie Adler geb. Heymann (1882), Herbert Bär (1901), Lina Bär geb. Lissberger (1879), Karl Berger (1926), Karoline (Lina) Bukofzer geb. Levy (1878), Alfred Ermann (1891), Hilde Ermann (1922), Julia Ermann geb. Gottschalk (1897), Ruth Ermann (1927), Henriette Fraustädter geb. Lichtenstein (1870), Emilie Fried geb. Levi (1878), Gertrud Gärtner (1920), Helene Gärtner geb. Garnich (1888), Alexander Gottschalk (1901), Alfons Alfred Gottschalk (1908), Gerta Gottschalk (1923), Hildegard (Hilde) Henriette Gottschalk geb. Zimmermann (1917), Jakob Gottschalk (1901), Josefine Gottschalk geb. Levy (1870), Julia Gottschalk geb. Ermann (1897), Simon Gottschalk 1865), Klara Heinemann geb. Hirz (1881), Illi Cäcilie Heli geb. Heymann (1888), Albert Heymann (1891), Emil Heymann (Heijmann, 1889), Frieda Heymann geb. Hahn (1896), Josef Heymann (1886), Sibilla Heymann geb. Aron (1887), Hugo Hirz (1889), Johanna Hirz (1883), Levi Jakob (1927), Alfons Levy (1906), Betti (Betty) Levy (1921), Berta Levy geb. Goldschmidt (1882), Isidor Levy (1869), Marta Levy (Levi, 1911), Otto Levy (1918), Recha Levy geb. Kaufmann (1891), Wilhelm Levy (1883), Else (Elsa) Loeb geb. Heymann (1892), Rosa Mayer geb. Gottschalk (1914), Blümchen Metzger geb. Goldschmidt (1882), Ernst Metzger (1921), Hugo Metzger (1883), Max Metzger (1890), Jenny Schendel geb. Hartmann (1885), Friederike Seewald geb. Decker (1885), Rosalie Wallerstein geb. Heymann (1879), Emilie (Emilia) Wolff geb. Heymann (1879). 
   
Von den in Altenahr geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Karl Schweitzer (1882 in Dernau) und Rosa Schweitzer geb. Michel (1884 in Münchholzhausen; Familie Schweitzer wohnte Roßberg 39 in Altenahr). Ihre fünf Kinder Hilde, Walther, Tilly, Gerda und Leo (geboren zwischen 1909 und 1928) konnten Deutschland rechtzeitig verlassen. Am 9. September 2016 wurden für die Familie Schweitzer am Roßberg 39 sieben "Stolpersteine" verlegt. Vgl. http://www.aw-wiki.de/index.php/Karl_Schweitzer (vgl. Foto und Namen unten).   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers
/ Vorbeters und Schochet 1892 / 1893 / 1897 / 1902 / 1904 / 1907 

Ahrweiler Israelit 14011892.jpg (55061 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1892: Religionslehrer gesucht. 
Die Synagogen-Gemeinde Ahrweiler sucht auf möglichst bald einen Religionslehrer zu engagieren. Bewerber (unverheiratet) belieben ihre Offerten mit Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit und Gehaltsansprüche einzureichen an der Vorsteher 
Fried. Wilh. Heymann."
  
Ahrweiler Israelit 19011893.jpg (28516 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1893: "Die Stelle als Religionslehrer und Kantor in hiesiger Gemeinde ist per Ende April neu zu besetzen. Nur staatlich geprüfte Lehrer wollen sich melden an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Ahrweiler".
  
Ahrweiler Israelit 05101897.jpg (34161 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1897
"Die Stelle eines Religionslehrers und Kantors ist sofort zu besetzen. Reflektant muss nicht staatlich geprüft, jedoch deutscher Staatsangehörigkeit sein. Gehalt nach Übereinkunft. Offerten erbeten an den 
Vorstand 
der Synagogengemeinde zu Ahrweiler.
"  
   
Ahrweiler Israelit 200311902.jpg (42158 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1902
"In der Synagogen-Gemeinde Ahrweiler ist die Stelle eine 
Religionslehrers und Kantors
 
zu besetzen. Gehalt 800 Mark. Nur Bewerber, die die Berechtigung zur Erteilung von Elementarunterricht haben, wollen sich melden. 
Der Vorstand."
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904
"Die Kantor- und Religionslehrerstelle 
in Bad Neuenahr ist sofort zu besetzen. Der Lehrer ist verpflichtet, den Religionsunterricht in den Nachbargemeinden Ahrweiler, Remagen und Sinzig mitzuerteilen. Gehalt 1.500 Mark sowie Nebenverdienste. Staatlich geprüfte Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse schriftlich melden bei 
Abraham Bär,
Ahrweiler."    
 
Ahrweiler Israelit 27121907.jpg (82688 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1907: "Die Religionslehrer- und Kantorstelle in Ahrweiler ist per 1. Mai 1908 zu besetzen. Der Lehrer ist verpflichtet, den Religionsunterricht in der Nachbargemeinde Remagen, Sinzig und Niederzissen mitzuerteilen. Schochet mit Kaboloh orthodoxer Rabbiner bevorzugt. Gehalt Mark 1.200.- sowie Reisespesen, Nebenverdienste. Staatliche geprüfte, unverheiratete Bewerber wollen sich unter Beifügung von Zeugnisabschriften melden bei Abraham Bär, Ahrweiler.

  
  
Aus dem jüdischen Vereinsleben 
Über die Aktivitäten der 1908 gegründeten 'Literarischen Vereinigung' (1909)   

Ahrweiler Israelit 30129109.jpg (176691 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1909: "Ahrweiler, 22. Dezember (1909). Die hiesige 'Literarische Vereinigung', die im vorigen Jahre unter dem Vorsitze des Herrn Referendar J. Kahn aus Köln ins Leben gerufen worden ist, entfaltet auch in diesem Winter unter der Leitung ders Herrn Referendar Bernhard Kahn aus Köln, der das Werk seines Bruders in entgegenkommender Weise übernommen hat, rege Tätigkeit. Zweimal wöchentlich hält sie ihre Versammlungen ab, die von Damen und Herren des hiesigen Platzes und des benachbarten Neuenahr stark besucht werden. An einem der beiden Abende beschäftigt sich die Vereinigung mit moderner Literatur, während bei der anderen Zusammenkunft der Vorsitzende vortragsweise über jüdische Welt- und Lebensanschauung spricht. Am 8. Dezember dieses Jahres veranstalteten die Mitglieder eine Chanukkafeier, deren Mittelpunkt ein Vortrag der Vorsitzenden bildete. Redner ging davon aus, dass die Gottheit nicht nur in Natur und Tora geoffenbart sei, sondern auch in der Geschichte. Hierfür liefere gerade das Chanukkafest den besten Beweis, indem entgegen aller menschlichen Berechnungsweise ein kleines Häuflein Gottgetreuer den Sieg über eine numerisch weit überlegene Anzahl Syrer davongetragen habe. Wie aber die Doppeloffenbarung Gottes in Natur und Tora in inniger gegenseitiger Ergänzung den jüdischen Menschen seine Aufgabe lehre, ebenso rede auch die Dokumentierung Gottes in der Geschichte, speziell in der Chanukkageschichte, eine deutliche Sprache zu uns. Sie verweise uns nämlich auf die Verwerflichkeit aller Assimilationsgelüste einerseits, an die Notwendigkeit der Selbstachtung andererseits. Diese Letztere könne jedoch weniger auf nationaler als vielmehr auf religiöser Grundlage ersprießen; denn nicht der nationale Stolz, sondern die Begeisterung für das göttliche Wort habe den Makkabäern den Sieg ermöglicht. - Mit einem warmen Appell, diesem Chanukkagedanken überall Geltung zu verschaffen, schloss der Redner seinen inhaltsreichen, begeisternden Vortrag. Nachher hielt die Mitglieder heitere Geselligkeit bis nach Mitternacht zusammen. Man schied voneinander in dem Bewusstsein, einen genussreichen Abend verbracht zu haben. L.A."

     
     
Berichte zu einzelnen Gemeindemitgliedern

Zum 70. Geburtstag von Abraham Bär 1926   

Ahrweiler Israelit 07091926.jpg (89097 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1926: "Ahrweiler. Am Heiligen Schabbat mit der Toralesung Ekew (gemeint Schabbat, 31. Juli 1926, Toralesung Ekew ist: 5. Mose 7,12-11,25) beging der weit über unsere Stadt und unseren Bezirk hinaus bekannt Herr Abraham Bär seinen 70. Geburtstag. 
In bescheidenem kleinsten Kreise wirkt er als Erhalter und Mehrer jüdischen Lebensgedankens durch vorbildliche Lebensführung und als mustergültiger Leiter und Versorger seiner Gemeinde. 
In dankbarer Erinnerung an seine frühere Mitarbeit im Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands hatte der Vorstand durch die Person des Herrn Rabbiners seine Glückwünsche mündlich übermitteln lassen. Auch die Stadtverwaltung ehrte den Jubilar durch eine prachtvolle Blumenspende und die Ansprache einer Abordnung, der sich die Geistlichkeit angeschlossen hatte. 
Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange in körperlicher Gesundheit und geistiger Rüstigkeit seine Schiurim (= Toralernstunden) zu lernen, seinem Geschäft und seinen Ehrenämter vorzustehen und seinen bewussten jüdischen Einfluss überall dort zur Geltung zu bringen, wo sein Wort und sein Rat gehört werden."  

   
Zum Tod von Moses Heymann (1930)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1930: "Ahrweiler, 24. Juni (1930). Erst 46 Jahre alt, wurde uns Moses Heymann durch den Tod entrissen und an dem Tage, an dem sein Söhnchen zwei Jahre alt war, scharte sich der große Kreis der trauernden Hinterbliebenen und die vielen treuen Freunde und Bekannte um die Bahre dieses Edlen, dort Zeugnis abzulegen, dass hier der unerbittliche Tod nicht nur der Gattin der liebevolle Gatte, den Kindern der treusorgende Vater und der greisen Mutter der überaus geliebte einzige Sohn genommen wurde, sondern auch dessen Heimgang in den Herzen aller, die ihm nahe standen, tief inniges Mitgefühl hervorgerufen hat. Eine tückische Krankheit hatte den teuren Entschlafenen ergriffen, die an seinem Marke zehrte, seine Lebenskraft schwand unaufhaltsam dahin, ein Schicksal ergreifend an diesem teuren Menschen. Wir haben um ihn gebangt und gezittert, wir haben gehofft, bald gefleht und gerungen, alles vergebens, der Tod ist Sieger geblieben. Sein Leben war reich an Arbeit und Mühe, aber auch reich an Ehren und Erfolgen. Durch die Zuverlässigkeit seines Charakters und durch seine Treue verstand er es, sein bedeutendes Geschäft zu erhalten und zu vergrößern. Wie das Elternhaus die Wurzel, so war das eigene Haus, das er sich gegründet, die Nährmutter aller seiner Erfolge. Hochgeschätzt war der Verblichene in seiner Glaubensgemeinde, ebenso auch im öffentlichen Leben, das beweist seine Berufung in die städtische Gemeindevertretung, als auch in den Vorstand der Handelskammer. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Wolf eine tief ergreifende Trauerrede, in der er zum Schlusse dem Heimgegangenen am offenen Grabe den Chower-Titel verlieh. Für die Familie sprach Herr Neuhaus, Hachenburg, innige Worte des Gedenkens und des Abschieds. Für den 'Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums des Rheinlands', dem der treue Entschlafene als Vorstandsmitglied angehörte, sprach Herr Rabbiner Dr. Wolf, Köln, ehrende Worte und Dank für treue Mitarbeit. Die Beteiligung der Stadt, der Körperschaften, des Landratsamts und der Stadtverwaltung sowie aus der Umgebung war bei dem Leichenbegängnis außerordentlich groß, ein Beweis, welch großer Beliebtheit sich der Verewigte erfreute. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe 

Anzeige der Weinhandlung Samuel Heymann (1864)  
Ahrweiler Israelit 15061864.jpg (33613 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1864: "In meiner Weinhandlung wird ein junger Mann, Israelit, als Gehilfe zur Kellerarbeit gesucht und wird demjenigen, welcher sich schon früher in diesem Fache beschäftigt hat, der Vorzug gegeben. Ahrweiler, den 1. Juni 1864. Samuel Heymann."
   
Anzeige der Weinhandlung und Branntweinbrennerei Friedrich Wilhelm Heymann (1884)  
Ahrweiler Israelit 08041884.jpg (21707 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1884: "Für meine Weinhandlung und Branntweinbrennerei, an Schabbat und Feiertag geschlossen, suche einen Commis zum baldigen Eintritt. 
Friedrich Wilhelm Heymann
in Ahrweiler."
   
Anzeige der Weingroßhandlung A. Gottschalk (1893) 
Ahrweiler Israelit 31031893.jpg (44517 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1893: "A. Gottschalk, Ahrweiler. 
Koscher
Weingroßhandlung Koscher. Eigenes Wachstum! Eigene Kelterei! Beste Bezugsquelle für 
Deutsche Rot- und Weißweine
Trester- und Hefenbranntweine. Man verlange Preiscourant."

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge  
    
Eine mittelalterliche Synagoge lässt sich nicht nachweisen. Sicher bestand zumindest zeitweise ein Betsaal
  
Erst im 18. Jahrhundert erfährt man von der Einrichtung einer Synagoge: Am 23. Juni 1773 erwarb Kosel Abraham mit seiner Ehefrau Gedela Isaac ein Haus in der ehemaligen Judengasse (Niederhutstraße 56-58), das er "gleich nach dem Ankauf zu bequemer Haltung der Judenschule oder Synagoge" herrichten ließ. Kosel Abraham musste dazu den Keller umbauen, da nach seinen Angaben dieser Einbau der Synagoge "eine besondere Struktur und ein Gewölb" benötige.  So befand sich die Synagoge offenbar im Keller des Hauses, ebenso wie eine Mikwe (rituelles Bad), zu der Wasser vom unmittelbar vorbeifließenden Mühlenkanal hereingeleitet werden konnte. Bis heute befindet sich im Keller der Gebäude Niederhutstraße 56-58 auffällige Wandnischen, die zum Abstellen von Lampen oder auch zum Unterbringen eines Toraschreines gedient haben können. Die Räume lassen noch heute eine Unterteilung in Vorraum Bad, Betsaal und Schulstube denkbar erscheinen. Auch ein Deckengewölbe ist vorhanden, das den Betsaal markieren könnte. Diese Kellerbetstube im Haus des Kosel Abraham wurde offenbar bis nach nach 1792 genutzt. 1796 wurde im benachbarten Dernau ein Betsaal eingerichtet, den von nun an die Juden aus Ahrweiler zu Gebet und Gottesdienst besuchten. Vermutlich waren bis dahin die Juden aus Dernau zum Gebet nach Ahrweiler gekommen. Zu dieser Kellerbetstube s.u. Literatur den Beitrag von Udo Bürger (online zugänglich). 
  
Nachdem die Zahl der jüdischen Personen in Ahrweiler zugenommen hatte, richtete sie um 1844 wieder einen eigenen Betsaal in Ahrweiler ein. Dazu konnte das Obergeschoss des Privathauses in der Plätzerstraße 43 umgebaut werden. Hier fanden etwa 40 Personen Platz. Schon dieser Betsaal war offenbar ansprechend eingerichtet und gut ausgestattet. Er wurde auch von jüdischen Kurgästen in Kurbad Neuenahr besucht, wovon der noch erhaltene und von Kurgästen gespendete Toravorhang (Parochet) zeugt (s.u.), der 1881/82 gespendet wurde. In einem in der jüdischen Zeitschrift "Der Israelit" veröffentlichten Bericht erfährt man auch von der Spende einer Torarolle durch den Vorsteher der Gemeinde Friedrich Wilhelm Heymann im März 1894.   

Ahrweiler Israelit 29031894.jpg (29445 Byte)Bericht in der Zeitung "Der Israelit" vom 29. März 1894: Am Schabbat Paraschat Pikude (= 2. Adar Scheni 5654, 10. März 1894) schenkte der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde Herr Friedrich Wilhelm Heymann aus Anlass der Bar-Mizwa-Feier seines ältesten Sohnes der Synagoge eine neue, in jeder Hinsicht herrlich ausgestattete Sefer Tora (Torarolle). Dem Wunsche des Spenders entsprechend sah man von jeder äußeren öffentlichen Feier ab; indes beging man solche in würdigster und üblicher Weise in der Synagoge. Herr Lehrer und Kantor Stern sprach dem verehrten Spender in längerer Rede den Dank der Gemeinde aus.

Als 1886 das Haus des bisherigen Betsaales verkauft wurde, konnte die jüdische Gemeinde eine Verlängerung der Nutzung des Betsaales um fünf Jahre erreichen. In dieser Zeit plante man den Bau einer Synagoge in Ahrweiler. Mehrere Grundstücke standen zur Wahl. Die Gemeinde entschied sich für das 285 qm große Grundstück in der Altenbaustraße, die für 2.700 Mark erworben werden könnte. Der Neubau sollte 10.000 Mark nicht übersteigen. 1893 konnte mit dem Bau begonnen werden, für das Architekt und Bauunternehmer (Maurer- und Zimmermeister) J.N. Gronert aus Remagen die Pläne gezeichnet hatte. Am 21. Oktober 1894 konnte die Synagoge durch Rabbiner Dr. Weingarten aus Bad Ems mit einem großen Fest für die ganze Stadt eingeweiht werden. 

Ahrweiler Israelit 01111894as.jpg (166426 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1894 (überarbeitet, die hebräischen Begriffe sind teilweise erklärt): 
Ahrweiler, 26. Oktober (1894). Wenn das in diesen Tagen zu Ende gegangene Fest ausdrücklich als ein solches der Freude, als s'man simchatenu ("Zeit unserer Freude") charakterisiert ist, so fand das wehaijta ach sameach ("du sollst froh sein" 5. Mose 16,15) in unserer Gemeinde in diesem Jahre eine ganz besondere Berücksichtigung; galt es doch einer gar seltenen Feier. Am 21., 22. und 23. Oktober wurde die neu erbaute Synagoge durch eine würdige Weihefeier ihrem Zwecke übergeben. - Über den Verlauf dieser Feier, die zu einem wahren kiddusch haschem ("Heiligung des Namens" [Gottes]) sich gestaltete, möge weiteren Kreisen in Folgendem einiges mitgeteilt sein. Programmgemäß versammelten sich am Sonntag, Hoschanna Raba (= 7. Tag des Laubhüttenfestes) nachmittags 3 Uhr, die Gemeindemitglieder wie die schon zahlreich aus Nah und Fern erschienenen Festgäste im alten Bethause, wo nach Verrichtung des Mincha-Gebetes Herr Lehrer Stern ergreifende Abschiedsworte an die Gemeinde richtete. Unter Hinweis auf den am Schlussfeste stattfindenden Auszug (Bezüge auf die Umzüge in der Synagoge an diesem Festtag) legte Redner die Bedeutung der Stunde dar, die Mitglieder ermahnend, ihren opferwilligen und gottbegeisterten Sinn auch zukünftig sich zu bewahren. An dem nun folgenden Festzuge zur neuen Synagoge beteiligten sich außer den Vertretern des Stadtverordneten-Kollegiums, die Gerichtsbehörde in Person des Herrn Amtsgerichtsrat und ein großer Teil der Bevölkerung unserer Stadt. Unter den Klängen der Königlichen Pionierkapelle aus Koblenz bewegte sich der imposante Zug mit den durch Girlanden umkränzten Trägern der Torarollen zur neuen Synagoge. Hier angekommen erfolgte zunächst unter passender Ansprache die Übergabe des Schlüssels durch die Schlüsselträgerin an den stellvertretenden Bürgermeister und durch diesen an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Weingarten aus Ems, der nunmehr das neue Gotteshaus öffnete, während dessen die Musikkapelle das "Hoch tut Euch auf ihr Toren" intonierte.  
Ahrweiler Israelit 01111894bs.jpg (113586 Byte)Die Festteilnehmer begaben sich auf die Plätze und weideten ihren Blick an der ebenso einfachen, künstlerischen Ausstattung des Innern, insbesondere an den in maurischem Stile ausgeführten Malereien der Fenster und Wände. Nachdem der Kinderchor das mah towu ("Wie lieblich...") gesungen, erfolgten unter Absingen des ana die üblichen tekufot (Umgänge) und das Einheben der Torarollen unter Chorgesang wajehi etc. etc. Nunmehr trat Herr Rabbiner Dr. Weingarten vor die heilige Lade, um zunächst Baruch Ata.... (gemeint der Segensspruch: "Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns am Leben und bei Wohlsein erhalten und uns diese Zeit hat erreichen lassen") zu sprechen, dann aber in meisterhafter Rede die Bedeutung der Feier darzulegen. Wahrlich, das waren goldene Worte, wie sie nur einem von wahrer Religiosität durchdrungenen Herzen entspringen können. Und sie verfehlten ihren Zweck nicht. Kein Atemzug wurde hörbar, mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte ein jeder den hochinteressanten Ausführungen des Redners, und sämtliche Anwesenden, den verschiedensten Konfessionen angehörig, waren tief ergriffen. Anlehnen an die Bezeichnungen har (Berg, insbesondere Sinai, Zion), sadäh (Feld), beit (Haus, Tempel) schilderte Redner das Gotteshaus als die Stätte, die den Verkehr zwischen Gott und den Menschen vermittle. Die eigentliche Weihe bestehe darin, dass wir in ihm uns weihen. Ein Gotteshaus ist geweiht, wenn ein edler Mensch es betritt. - Es würde zu weit führen, an dieser Stelle auch nur einiges aus dieser herrlichen Rede zu bringen und könnte dies dem Gesamteindrucke, den sie zu machen geeignet, nur schaden. Dem nun folgenden Weihegebet und Gebet auf Kaiser und Vaterland reihte sich das Ma'ariw-Gebet mit Chorgesang an.
Der Abend vereinigte nun die Festteilnehmer, zu denen sich noch die Notabeln der Stadt Ahrweiler gesellten, zu einer solennen Versammlung im Festlokale, bei welcher Gelegenheit Toaste auf Kaiser, Stadt, Kultusgemeinde etc. etc. abwechselten mit den herrlichsten Musikpiecen oben erwähnter Kapelle.
Möge zum Schlusse an dieser Stelle all denen, die zur Verschönerung unseres Festes beigetragen, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. Weingarten, Ems und Kantor Stern unser Danke abgestattet sein."  

Die Synagoge wurde in einer Reihe mit gleich hohen Nachbarhäusern gebaut und hob sich nur durch das Baumaterial aus bräunlichem Sandstein und durch ihre Fassade von diesen ab. Bestimmend sind die drei - im damaligen Geschmack der Zeit - maurisch (neuorientalisch) gestalteten Fenster der Giebelseite zur Straßenfront (Hufeisenbögen). Der Giebel wird mit zwei Gebotstafeln gekrönt, auf denen in hebräischer Schrift die Anfangsbuchstaben der Zehn Gebote eingemeißelt sind. Hinter der Synagoge befindet sich an der Südseite ein von der Straße nicht zu sehender Anbau, der einen Unterrichtsraum beherbergte und das Treppenhaus als Zugang zur Frauenempore. Der Haupteingang für die Männer lag an der Westseite, sodass jeder beim Betreten des Gottesdienstraumes von Westen nach Osten geführt wurde. Das Gebäude hat eine Größe von 11,5 m x 9 m.  
   
Beim Novemberpogrom 1938, d.h. in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, wurde von SA-Männern die Synagoge geschändet. Das schlugen die Fenster ein, warfen die Bänke um. Ein großer Teil Inneneinrichtung wurde nach außen gebracht: Teile des Mobiliars, Teppiche, Kultgegenstände, Bücher und Schriftstücke wurden auf einen Haufen geworfen und angezündet. Die Feuerwehr wurde alarmiert, um die Nachbargebäude zu schützen. 
  
Während des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit hatte die Synagoge eine wechselvolle Geschichte: am 2. Juni 1939 kam sie per Kaufvertrag in den Besitz eines Ahrweiler Hoteliers, der das Gebäude jedoch leer stehen ließ und für die Zeit nach dem Krieg eine Nutzung plante. Beim Einmarsch der amerikanischen Besatzungstruppen im März 1945 wurde das Gebäude enteignet und zunächst verfügt, dass das durch einen Bombenangriff am 29. Januar 1945 beschädigte Dach ausgebessert, der Innenraum getüncht und Fenster wie Türen abgedichtet wurden. Amerikanische Soldaten kamen gemeinsam mit einem Militärrabbiner zu einem Gottesdienst in dem Gebäude zusammen. Nach Abzug der Amerikaner übernahmen französische Soldaten die Besatzung in der Region. Nach Abschluss des Restitutionsverfahrens wurde die ehemalige Synagoge 1955 an die Ahrweiler Raiffeisenkasse verkauft. Diese richtete in ihr ein Warenlager mit einem Verkaufsraum für Düngemittel, Feld-, Winzer- und Gartengeräte ein. 
  
Überlegungen zu einer Restaurierung des Gebäudes gehen in die 1970er-Jahre zurück. Eine Jugendgruppe aus der Stadt, die 1976 zu Besuch in Israel war, forderte nach ihrer Rückkehr in einem Brief an die Stadtverwaltung, dass diese sich zu einer Restauration und Rekultivierung der Synagoge Gedanken machen möge. Damit wurde eine Diskussion ausgelöst, die 1977/78 zu Beschlüssen im Stadtrat führten, die Synagoge zu erhalten. Am 9. November 1978 wurde von 70 Männern und Frauen der "Bürgerverein Synagoge e.V." gegründet. Nach zähen Verhandlungen wurde der Verein 1981 Eigentümer des Synagogengebäudes. Restaurierung wurde sukzessive in den folgenden Jahren durchgeführt. Am 27. Mai 1990 konnte mit einem Festakt der Abschluss der Renovierungsarbeiten begangen werden. In den für kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Vorträge usw.) genutzten Gebäude befindet sich auch eine Dauerausstellung. Zum 100. Jahrestag der Einweihung der Synagoge war am 19. Oktober 1994 Ignatz Bubnis Redner in der Synagoge. 
  
Ahrweiler Toravorhang.gif (48816 Byte)Als besonderes Ausstellungsstück ist in einer Vitrine in der Toranische ein originaler Toravorhang (Parochet) der Synagoge vorhanden, der 1989 von einem Frankfurter Antiquitätenhändler an die Stadt Bad Neuenahr geschickt wurde. Der Toravorhang hat die Inschrift: "Dieser Vorhang wurde von den heiligen Spenden angefertigt, die für den Ewigen großzügig entgegengebracht wurden, von denjenigen, die hierher nach Ahrweiler kamen, um Genesung von ihren Leiden zu erfahren. Im Jahre 5642" (= 1881/82). Damit war der Toravorhang eine Stiftung von jüdischen Kurgästen der Stadt. Auf Grund der Jahreszahl hing er bereits in dem alten Betsaal in der Plätzerstraße. Er ist kunstvoll gestaltet unter Verwendung traditioneller Symbole (Torakrone, Löwen, Buchstaben K und T für "Keter Tora" = Torakrone). Die Geschichte des Toravorhanges nach 1938 ist nicht bekannt. Nach Angaben des Frankfurter Antiquitätenhändlers erhielt er ihn 1987 von einem "Mann aus Amerika", der sich einige Zeit in Frankfurt aufhielt.         
  

   
   
      
Standorte der Synagogen

Die mittelalterliche Synagoge (Standort unbekannt)   
Die Kellerbetstube von 1773 bis etwa 1796 in der Niederhutstraße 56-58
Der Betsaal von 1844 bis 1894 in der Plätzerstraße 43
Synagoge von 1894 in der Altenbaustraße 2

Kontakt

Bürgerverein Synagoge e.V. Bad Neuenahr - Ahrweiler  1. Vorsitzender Dr. Horst Saul, Goethestraße 52, 53474 Bad Neuenahr - Ahrweiler  Tel. 0-2641/5480   Fax 0-2641-900050   E-Mail  
Anmerkung: Die ehemalige Synagoge kann für kulturelle Veranstaltungen gemietet werden. 

  
  
Fotos / Abbildungen  
(Quellen: Landesamt s. Lit.; Warnecke s.Lit.) 
Erinnerung an die mittelalterliche/neuzeitliche Geschichte  
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Die Niederhutstraße, 1290 noch als "Judengasse" genannt. Noch im 18. Jahrhundert war hier das Zentrum jüdischen Gemeindelebens: 
im Bereich der Niederhutstraße 56-58 wurden nach 1773 ein Betsaal und ein rituelles Bad eingerichtet.
  
Die alte Synagoge (Betsaal) in der
 Plätzerstraße 43 - 1844 - 1894 
Ahrweiler Synagoge a280.jpg (88450 Byte)   
    In dem schmalen Gebäude in der 
Mitte befand sich der Betsaal 
  
     
Die von Maurer- und Zimmermeister 
J.N. Gronert (Remagen) angefertigten
 Pläne zum Bau der Synagoge 
(1893/94 erstellt) 
Ahrweiler Synagoge 030.jpg (69406 Byte) Ahrweiler Synagoge 031.jpg (63075 Byte)
Straßenfront Nordfassade
     
Die ehemalige Synagoge bis in die
 1980er-Jahren - 
Lager der Raiffeisenkasse 
Ahrweiler Synagoge 200.jpg (100882 Byte) Ahrweiler Synagoge 203.jpg (122673 Byte)
  Außenansichten aus den 1980er-Jahren 
(Quelle: links Landesamt s.Lit., rechts Warnecke s.Lit.)
   
Ahrweiler Synagoge 205.jpg (78695 Byte) Ahrweiler Synagoge 207.jpg (55672 Byte) Ahrweiler Synagoge 202.jpg (59136 Byte)
Die verschlossenen Fenster mit den charakteristischen Hufeisenbögen  Eingangsportal mit Werbung für Düngemittel
   
Ahrweiler Synagoge 209.jpg (62986 Byte) Ahrweiler Synagoge 204.jpg (77746 Byte) Ahrweiler Synagoge 206.jpg (63996 Byte)
Eckpilaster  Innenansicht: Lager 
für Düngemittel 
Die Restaurierung beginnt - 
Arbeiten an den Gebotstafeln 
  
          
Die restaurierte Synagoge nach der Restaurierung
Ahrweiler Synagoge 201.jpg (91276 Byte) Ahrweiler Synagoge 208.jpg (66274 Byte) Ahrweiler Synagoge 400.jpg (68664 Byte)
  Anfang der 1980er-Jahre: Erste Ausstellungen  
   
Die ehemalige Synagoge
 im Spätsommer 2007
 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 31.8.2007) 
Ahrweiler Synagoge 280.jpg (75420 Byte) Ahrweiler Synagoge 285.jpg (74972 Byte)
   Blick auf die Synagoge - vom gegenüberliegenden Museum der Stadt aus gesehen
   
Ahrweiler Synagoge 286.jpg (70456 Byte) Ahrweiler Synagoge 287.jpg (69712 Byte) Ahrweiler Synagoge 284.jpg (83988 Byte)
    Ehemalige Fenster über Eingangsbereich 
      
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Eingang mit Mesusa  Hinweistafel  Informationstafel des Vereins 
     
     
Weitere Fotos 
(Fotos: Hans-Dieter Arntz, 
Euskirchen, 2009) 
Ahrweiler Synagoge 290.jpg (76048 Byte) Ahrweiler Synagoge 291.jpg (70988 Byte)
   Fenster zur Straßenseite
(Nordseite) 
Blick auf die ehemalige Synagoge 
von Nordwest 
      
   Ahrweiler Synagoge 292.jpg (73644 Byte) Ahrweiler Synagoge 293.jpg (72956 Byte)
   Westliche Seite - Eingangsbereich 
      

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

April 2012: In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden die ersten "Stolpersteine" verlegt   
Artikel von Frieder Bluhm in der "Rhein-Zeitung" (RZ Ahrweiler) vom 19. April 2012: "Namen in Messing erinnern an Naziopfer. 
Bad Neuenahr-Ahrweiler.
In Bad Neuenahr-Ahrweiler liegen jetzt die ersten Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Sie erinnern an die in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Mitbürger..."  
Link zum Artikel     
 
Oktober 2014: Das 120-jährige Bestehen der Synagoge wird gefeiert   
Artikel im "General-Anzeiger" vom 21. Oktober 2014: "Synagoge in Ahrweiler. Die Einweihung fand vor 120 Jahren statt
AHRWEILER.
Einen Betraum hatte die jüdische Gemeinde in Ahrweiler nachweislich schon 1773 - und zwar in einem Kellergewölbe an der Niederhutstraße, das zum Haus von Kosel Abraham gehörte..."    
Link zum Artikel   
Artikel von Andrea Simons im "General-Anzeiger" vom 26. Oktober 2014: 
"'Klezmer Tunes' feiern den 120. Geburtstag der Ahrweiler Synagoge. Weltreise mit Hochzeitsmusik
AHRWEILER.
Eine jüdische Gemeinde gibt es in Ahrweiler längst nicht mehr, wohl aber eine jüdische Synagoge. Deren 120-jähriges Bestehen war Anlass für ein Konzert in dem ehemaligen Gotteshaus, das der heute 115 Mitglieder zählende Bürgerverein Synagoge 1981 erwarb und bis 1990 restaurierte.
Zum Jahrestag der Synagogen-Einweihung gab es ein Klezmer-Konzert..."   
Link zum Artikel     
 
März 2015: Weitere zehn Stolpersteine wurden verlegt  
Artikel im "Generalanzeiger" vom 7. März 2015 (ga): "Gedenken in Ahrweiler. Die letzten Stolpersteine sind verlegt
AHRWEILER. In Ahrweiler erinnern jetzt zehn weitere Stolpersteine an verfolgte jüdische Mitbürger, die in Zeiten der Nazi-Herrschaft ermordet worden sind. Diese Nachverlegung fand ausnahmsweise nicht im Beisein von Gunter Demnig statt.
Der Künstler hatte bei der öffentlichen Aktion am 12. November 2014 nicht alle 30 für Ahrweiler geplanten Steine einsetzen können. Stattdessen erlaubte Demnig der Stadt, die verbliebenen Gedenktafeln aus Messing selbst anzubringen.
Die jetzt verlegten Stolpersteine erinnern an: Sophie Adler, geb. Heymann in der Niederhutstraße 61, Karolina und Herbert Bär in der Ahrhutstraße 43, Johann Hirz in der Ahrhutstraße 18 und Familie Alfried und Julia Ermann mit ihren Kindern Hilde und Ruth, der Mutter von Julia Ermann, Carolina Gottschalk und ihrer Schwester Josephina vor dem Haus Auf der Rausch 12..."      
Link zum Artikel     
 
September 2016: Für die Familie Schweitzer werden in Altenahr "Stolpersteine" verlegt   
Altenahr Stolpersteine 201601.jpg (315374 Byte)Foto links (von Bernd Schreiner, Dernau): Stolpersteine für Karl Schweitzer (1882) und Rosa Schweitzer geb. Michel (1884), die in Riga ermordet wurden sowie für weitere Familienmitglieder, die noch aus Deutschland fliehen konnten: Leo Schweitzer (1909), Gerda Schweitzer verh. Cahn (1913), Tilly Schweitzer, verh. Kindermann (1915), Hilde Schweitzer verh. Brendle (1924), Walther Schweitzer (1928).    
Vgl. Link zum Artikel "Aus einem anderen Lande" in der Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler Nr. 38/2016  
 
September 2016: Zum Tod von Rudolf Adler und Herta Exiner    
Ahrweiler PA 39 2016.jpg (271519 Byte) Artikel im Mittelahr Bote Nr. 39/2016: "Gedenken an Rudolf Adler und Herta Exiner".   
Anmerkung: Rudolf Adler (geb. 1920) war ein Sohn von Sally Adler und Sophie geb. Heymann. Für seine Mutter liegt vor dem Haus in der Niederhutstraße 61 ein Stolperstein.
Herta Exiner (geb. 1916) war eine Tochter von Daniel Marcks und Berta geb. Heymann. 
Weitere Informationen zur Geschichte der Ahrweiler Heymann Familien im Buch von Matthias Bertram: "in einem anderen Lande." Geschichte, Leben und Lebenswege von Juden im Rheinland. 
ISBN 978-3-95631-333-2.     

 
  
Links und Literatur        

Links:        

Website der Stadt Bad Neuenahr - Ahrweiler  
Website des Bürgervereins Synagoge Ahrweiler     
Informationsseite zur Gedenkstätte Ehemalige Synagoge Ahrweiler (Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz) 
Website des Heimatvereins Alt-Ahrweiler e.V. mit Informationsseite zum Bürgerverein Synagoge e.V. Bad Neuenahr-Ahrweiler  
Pressemeldung: "Bundespräsident ehrt Altsuperintendent Hans Warnecke" (Warnecke erhielt im September 2004 für sein Eintreten um den Erhalt der Ahrweiler Synagoge den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland)   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Ahrweiler (interner Link)     
Portal "Jüdisches Leben im Kreis Ahrweiler"http://www.aw-wiki.de/index.php/Portal_"Zeugnisse_jüdischen_Lebens"   
In der Website von Hans-Dieter Arntz: Hildegard Ginzler: Die Jüdische Bibliothek in der ehemaligen Ahrweiler Synagoge. Mit einer Einleitung von Hans-Dieter Arntz.     

Literatur:    

Germania Judaica II,1 S. 3-4; III,1 S. 5-7.
Udo Bürger: Eine aufschlussreiche Akte zu einer früheren Ahrweiler Synagoge  Beitrag online zugänglich 
ders.; Zum Erziehungswesen der Juden in Kreis Ahrweiler und zu den Synagogenverhältnissen allgemein. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 6. Jahrgang, Ausgabe 2/96, Heft Nr. 12 S. 16-33.  
Beitrag online zugänglich (pdf-Datei)       
Ahrweiler Buch 030.jpg (46044 Byte)Hans Warnecke: Die Ahrweiler Synagoge. Ein Beispiel jüdisch-deutscher Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Bonn 1983.
ders. Die ehemalige Synagoge in Ahrweiler  Beitrag online zugänglich 
ders.: Zum Standort der Ahrweiler Synagoge   Beitrag online zugänglich
ders.: Der Schleier über dem Vorhang. Der Thora-Vorhang in der Ahrweiler Synagoge.  Beitrag online zugänglich  
Kreis Ahrweiler Bu01.jpg (30887 Byte)ders. (Hg.): Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1998.
"Synagoge Ahrweiler im Zeichen der Versöhnung und der Völkerverständigung": Beitrag online zugänglich  
Leonhard Janta: "Man konnte uns aus der Heimat vertreiben, aber man konnte die Heimat nicht aus uns vertreiben". Erinnerungen ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen aus Bad Neuenahr und Ahrweiler. Online zugänglich 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 91-94 (mit zahlreichen weiteren Literaturangaben). 
Vorankündigung - Neuerscheinung (Juli 2015): Matthias Bertram: "....in einem anderen Lande". Geschichte, Leben und Lebenswege von Juden im Rheinland. Verlag Shaker Media GmbH Aachen 2015. ISBN 978-3-95631-333-2 
A 5, 412 S. ca. 300 Abb. und Tabellen. Vertrieb über den Verlag. Preis 23,90 €.   http://www.shaker-media.eu/de/    Weitere Informationen zum Buch auch unter www.ahr-eifel-rhein.de    
Dernau Lit 0102.jpg (27011 Byte)Im o.g. Buch geht es nicht nur um jüdische Genealogie, sondern auch um Lebensgeschichten von Juden aus dem rheinischen Raum (Ahrtal, Rhein-Sieg, Erft, Bonn, Köln, Trier, Koblenz, etc.) wie zum Beispiel:
1. Zu den Anfängen der Dernauer/Ahrweiler Synagogengemeinde im 18. Jahrhundert und dem damit zusammenhängenden Schulwesen.
2. Geschichte von Illa Heli geb. Heymann aus Ahrweiler, die von Siegburg aus ihre Kinder in Sicherheit bringen konnte, bevor sie mit ihrem Mann Max abtransportiert wurde.
3. Geschichte von Malchen Heymann und ihrem Mann Jonas Adler, der als Religionslehrer u.a. in Ahrweiler und Neuenahr arbeitete und lebte, bevor Ihnen Flucht nach Palästina gelang; incl. eines sehr emotionalen Gedichtes, welches Ihre Gefühle beim Abreisen aus Deutschland wiedergibt.
4. Geschichte von Moritz Heymann, Sohn des Friedrich Wilhelm Heymann aus Ahrweiler/Dernau), der sich mit Frau und jüngster Tochter durch eine Flucht um die halbe Welt (Siegburg, Moskau, Tokio, San Francisco, Panama, Brasilien, Argentinien) noch geradeso retten konnte.
5. Geschichte des Leo Schweitzer aus Altenahr/Dernau, der sich mit seiner Frau auf einem der letzten Schiffe im Aug. 1939 nach Venezuela retten konnte.
6. Geschichte der Hilde Mayer aus Dernau, die nicht entkommen konnte; ins KZ nach Buchenwald kam obwohl sie mit einem Christen verheiratet war. Sie überlebte das KZ, kam bis 1948 in das DP Camp Deggendorf und reiste dann nach Amerika aus.
7. Die traurige Geschichte von Ernst –Joseph Heymann, Sohn von Moses Heymann aus der Niederhut, der 1948 als 20- jähriger der Auftrag erhielt, zusammen mit 34 Kollegen, die jüdische Gemeinde in der Altstadt von Jerusalem zu verteidigen; oder
8. Die Geschichte von Lotte Heymann (Schwester von Ernst-Josef), letzte jüdische Schülerin vom Kalvarienberg, die als Biochemikerin am Weizmann Institut in Israel und in Amerika forschte und sehr früh in Israel an Krebs starb.
9. Geschichte aus dem Reisetagebuch des Isaac Löwenstein (von 1820), in welchem Landschaft und das Leben der Bewohner zwischen Bonn und Sinzig ein wenig geschildert werden.
Eingebunden in das Buch sind eine ganze Reihe von lokalen geschichtlichen Ereignissen (Napoleonische Zeit, jüdischer Friedhof, Ahrhochwasser 1804, Nationalsozialismus in der Region und Entnazifizierung, Restitution, etc.)      

      

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ahrweiler  Rhineland. Jews were already present in the 13th century and continued to live in Ahrweiler under the protection of the Archbishop of Cologne. The Jewish population never exceeded a few dozen, reaching a peak of 82 (total  4,346) in 1885. A cemetery was opened in 1867 and a synagogue was completed in 1894. The ten families (31 Jews) in the town in 1933 earned their livelihoods as cattle traders and shopkeepers (textiles and leather goods). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was partially burned, Jewish stores were vandalized, and Jewish men were sent to concentration camps. By 1941, 18 Jews had left the town, 11 emigrating and seven moving to other places in Germany. Six Jews were deported to the east on 28 April 1942 and six more on 26-27 July. Thirteen Jews are known to have perished in the Holocaust. 
   
     

                   
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Stand: 30. September 2016