Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dernau (Kreis Ahrweiler)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Dernau bestand eine kleine jüdische Gemeinde im 18./19. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in das 17. Jahrhundert zurück: 1690 werden die Dernauer Juden Isaac, Noe und Andres genannt. 1723 der Jude Cursman in Dernau. 
  
Genaue Zahlen der jüdischen Einwohner liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1808 20 jüdische Einwohner, 1823 44 (darunter 12 Kinder), 1858 38, 1895 14. Namentlich werden 1813 die Juden Moses Behr, Clemens Berg, Jak, Heumann und Jos. Berg genannt. 
  
Als die Zahl der Gemeindeglieder Mitte des 19. Jahrhunderts durch Aus- und Abwanderung zurückging und Ahrweiler 1847 zum Sitz eines Synagogenbezirks wurde, schlossen sich die Dernauer Juden der Gemeinde in Ahrweiler an. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde von 1796 bis 1844 eine Betstube (s.u.) sowie einen Raum für den Unterricht der Kinder (seit 1816 wird von einer jüdischen Schule im Ort berichtet), ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Nur kurze Zeit gab es einen jüdischen Lehrer am Ort: nach 1816 war Laurenz Kahn zwei Jahre als Lehrer tätig; 1820 stellte der Händler Moses Baer für seine Kinder den 29 Jahre alten David Elkan aus Wronke (Polen) als Lehrer an. 
      
1925/33 wurden noch etwa 13 jüdische Einwohner gezählt. Insbesondere lebte noch die Familie des Viehhändler Jakob Schweitzer am Ort (Bonnerstraße 8; Sohn Jacob erhielt 1939 die Ausreisegenehmigung in die USA) und die Familie Baer (Kreuzberg). Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Haus der Familie Bär überfallen. Die Fenster wurden zerschlagen, Einrichtungs- und Wertgegenstände wurden auf die Straße geworfen.  
         
Von den in Dernau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; die Namen der Brüder Baer wurden ergänzt auf Grund der Angaben von Matthias Bertram, siehe bei Links): Arthur Baer (1901), Siegfried Baer (1904), Julia Gottschalk geb. Stolz (1870), Berta Leser geb. Schweitzer (1906), Amelie Müller geb. Schweitzer (1875), Janette Schweizer geb. Moises (1865), Karl Schweitzer (1882), Rosa Schweitzer geb. Michel (1884), Caroline Sonnenberg geb. Schweitzer (1850).  
    

   
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Bekehrungsversuch zweier jüdischer Mädchen durch eine Lehrerin und den Pfarrer (1869)  

Dernau Israelit 03111869.jpg (147398 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1869: "Koblenz, 24. Oktober (1869). Wie weit der Bekehrungseifer führt, erhellt wieder aus folgendem Stückchen, das uns von sonst zuverlässiger Seite erzählt wurde. In Dernau, einem Dorfe bei Ahrweiler, besuchten die beiden acht- und neunjährigen Töchter der Israeliten H. Bär und H. J. Bär die dortige christliche Dorfschule und den Privatunterricht in weiblichen Handarbeiten der Lehrerin K. Seit 3-4 Monaten hatten sich nun die Kinder einer ganz besonderen Aufmerksamkeit dieser Lehrerin zu erfreuen, indem diese sie etwas früher in den Unterricht kommen ließ und ihnen christlichen Religionsunterricht erteilte. Von Zeit zu Zeit wurden die Kinder auch unter geeigneten Vorwänden zum Ortspfarrer geschickt, den sie bei solchen Gelegenheiten mit: 'Gelob sei J - Chr -' ansprechen müssten. Der Herr Pfarrer nahm dann ein kleines Examen vor, nach welchem er die Kinder, wenn er mit ihnen zufrieden war, mit Heiligenbildern beschenkte. Unter Anderem soll ihnen auch der Pfarrer gesagt haben, dass er wegen ihrer Taufe erst in Trier anfragen müsse, ob dieselbe schon jetzt oder nach zurückgelegtem 14. Jahre erfolgen könne. Die Lehrerin eröffnete den Kindern mittlerweile die Aussicht, auf den Eintritt in ein Kloster, in welches auch sie sich zurückzuziehen gedenke. Die Sache wurde lange geheim gehalten, endlich aber durch Gespielinnen der Mädchen entdeckt, worauf die Eltern sie der Schule entzogen und gleichzeitig bei der Verwaltungs- und gerichtlichen Behörde Anzeige machten. Man ist mit Recht gespannt, zu welchem Resultat die Untersuchung führen wird, da es sich hier um einen eklatanten Fall von Proselytenmacherei handelt. (F.J.)".
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1869 (leicht abgekürzt zitiert):  "Wiederholt zur Warnung und Vorsicht!  
Wenngleich in Nr. 44 dieses geschätzten Blattes von Koblenz aus, von der hier vorgefallenen Proselytenmacherei mitgeteilt wurde, so finden wir uns dennoch veranlasst, diese zu wiederholen zur Warnung und Vorsicht für Eltern, welche ihren Töchtern bei Lehrerinnen oder Nonnen Unterricht erteilen lassen, da die meisten dieser Individuen ihr Augenmerk darauf richten, um diese zur Abtrünnigkeit zu verleiten. 
Tatsache traf leider unsere Töchter, wovon die eine 9 Jahre und die andere 8 Jahre alt ist. Diese Kinder erhielten von einer katholischen Lehrerin den Elementarunterricht; denn in unserem Orte wohnen zu wenig jüdische Personen, um einen konzessionierten Lehrer besolden zu können. Außer diesen Elementarfächern erhielten diese Kinder noch von der Lehrerin Privatstunden in Handarbeiten. Bei dieser Gelegenheit lehrte die Lehrerin die Kinder katholische Gebete, Katechismus und besonders die damit verbundenen Formeln. Sie schickte nun die Kinder mit Gemüse zum hiesigen Pfarrvikar und befahl denselben, die gebräuchliche katholische Segnung auszusprechen; auch wenn sie ihm auf der Straße begegneten, dasselbe zu tun, jedoch immer nur, wenn er allein wäre. Als sie dies überbracht hatten, wurden sie zum Vikar hereingelassen. Dieser ließ sie einige Gebete aufsagen, und prüfte sie aus dem Katechismus. Auch sagte er, er würde nach Trier schreiben, um anzufragen, ob die Taufe jetzt geschehen könne, oder ob die Kinder erst 14 Jahre alt sein müssten. Er befahl den Kindern, alles dies zu verheimlichen und beschenkte sie mit Heiligen-Bildern und zwar 'ein Bild von Tobias', indem er sagte, dies wäre aus dem alten Testamente. Von der Lehrerin wurde ihnen ebenfalls unter Drohungen anbefohlen, es nur im Geheimen zu halten. Sogar sagte sie den Kindern, wenn sie krank würden, so sollten sie nach dem Vikar verlangen. Sie äußerte sich den Kindern gegenüber, sie würde bald ins Kloster gehen; auch könnten die Kinder noch ins Kloster kommen. Dies alles blieb circa 3 Monate verschwiegen, bis die Kinder es endlich einer Gespielin offenbarten, welche es uns erzählte. Als wir die Kinder nun frugen, entdeckten sie uns alles mit lautem Weinen, denn sie waren in Angst. 
Wir haben nun unsere Kinder der betreffenden Schule entzogen, und die Sache der wohllöblichen Regierung eingereicht. Hoffentlich werden wir bald die Entscheidung in diesem geschätzten Blatte mitteilen können.   
Nachträglich müssen wir bemerken, dass der liebe Leser sich sich nicht vorstellen möge, dass es den Kindern an Religionskenntnissen mangele; nein, im Gegenteil, sie würden manche ältere in dieser Beziehung übertreffen. Die Schuld liegt allein daran, dass die Kinder durch Schmeicheleien, welche diese Personen verstehen, angelockt wurden. 
Dernau bei Ahrweiler, im Monat Kislew 5630. H. Bär, B. Bär."        
 
Dernau Israelit 11051870.jpg (113799 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1870: "Dernau, bei Ahrweiler. Den geehrten Lesern dieses geschätzten Blattes erlauben wir uns das Resultat des in Nr. 47 vorigen Jahreganges angeführten Bekehrungsversuches mitzuteilen. 
Nachdem wir zweimal unsern Bericht an die königliche Regierung ergeben hatten lassen, erhielten wir zur Dezision, 'dass das Verhalten der Lehrerin unsern Töchtern gegenüber gemissbilligt worden ist, und der Lehrerin die entsprechenden Vorhaltungen unter Hinweisung auf das Publicandum des Herrn Ober-Präsidenten vom 13. September 1824, wonach israelitische Kinder wider Willen ihrer Eltern nicht angehalten werden dürfen, am christlichen Religionsunterricht oder an religiösen Erbauungen teilzunehmen, gemacht worden sind.'
Auffallend ist es, dass trotz dieses Gesetzes es noch christliche Schulen gibt, in welchen die Lehrer, die israelitischen Kinder in der Geschichte des Neuen Testamentes lesen lassen; so habe ich selbst in zwei kleinen Landstädtchen, nicht sehr entfernt von hier, mit Eltern gesprochen, welche mir erzählten, dass dies noch jüngst mit ihren Kindern vorgekommen sei. Möchten doch die Eltern, respektive Vorsteher der Synagogen-Gemeinden sich hierfür verwenden und energisch gegen solche Behandlung auftreten, damit nicht die Kinder Israels von ihrem Gott weglaufen!"  

  
    

Zur Geschichte der Synagoge

 Im 18. Jahrhundert besuchten die Dernauer Juden die Gottesdienste in Ahrweiler, wo in einem Haus in der Niederhutstraße eine Betstube eingerichtet war. Seit 1796 war eine eigene Betstube in Dernau vorhanden. Sie konnte im Haus der Familie Heymann eingerichtet werden. Bis 1843/44 besuchten auch die Ahrweiler Juden und diejenigen aus Lantershofen die Betstube in Dernau. Nach der Einrichtung eines neuen Betsaales in Ahrweiler 1844 verlor die Dernauer Betstube ihre Bedeutung. Nun besuchten die Dernauer Juden den Betsaal in Ahrweiler. Das Haus mit der Betstube wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verkauft.
   

Adresse/Standort der SynagogeIm ehemaligen Haus der Familie Heymann in der Hauptstraße (früher Teichgasse), rechts gegenüber dem Matthias-Heiligenhäuschen; der Betsaal war im ersten Stock zur Straße hin.
    

Fotos/Abbildungen   

Die Betstube in Dernau
(Quelle: Website von Mathias Bertram
mit freundlicher Genehmigung von 
M. Bertram eingestellt)
Dernau Betstube 140.jpg (78616 Byte)
  Die Betstube war im Ersten Stock des Hauses der Familie Heymann eingerichtet. 

    
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Dernau   
Seite zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dernau auf einer privaten Website von Matthias Bertram  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Dernau (interner Link)    

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 135 (mit weiteren Literaturangaben).
Sebastian Wolfgang Schmitz: Zur Geschichte der Juden in Dernau an der Ahr. Mayschoß 2001.

            

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Januar 2012