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Dernau (Kreis
Ahrweiler)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Dernau bestand eine kleine jüdische Gemeinde im
18./19. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in das 17. Jahrhundert zurück: 1690
werden die Dernauer Juden Isaac, Noe und Andres genannt. 1723 der Jude
Cursman in Dernau.
Genaue Zahlen der jüdischen Einwohner liegen aus dem
19. Jahrhundert vor: 1808 20 jüdische Einwohner, 1823 44 (darunter 12
Kinder), 1858 38, 1895 14. Namentlich werden 1813 die Juden Moses Behr, Clemens
Berg, Jak, Heumann und Jos. Berg genannt.
Als die Zahl
der Gemeindeglieder Mitte des 19. Jahrhunderts durch Aus- und Abwanderung
zurückging und Ahrweiler 1847 zum Sitz eines Synagogenbezirks wurde, schlossen sich die
Dernauer Juden der Gemeinde in Ahrweiler
an.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde von 1796 bis 1844 eine Betstube
(s.u.) sowie einen Raum für den Unterricht der Kinder (seit 1816 wird von einer
jüdischen Schule im Ort berichtet), ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Nur
kurze Zeit gab es einen jüdischen Lehrer am Ort: nach 1816 war Laurenz
Kahn zwei Jahre als Lehrer tätig; 1820 stellte der Händler Moses Baer für
seine Kinder den 29 Jahre alten David Elkan aus Wronke (Polen) als Lehrer
an.
1925/33 wurden noch
etwa 13
jüdische Einwohner gezählt. Insbesondere lebte noch die Familie des
Viehhändler Jakob Schweitzer am Ort (Bonnerstraße 8; Sohn Jacob erhielt 1939
die Ausreisegenehmigung in die USA) und die Familie Baer (Kreuzberg). Beim
Novemberpogrom 1938 wurde das Haus der Familie Bär überfallen. Die Fenster
wurden zerschlagen, Einrichtungs- und Wertgegenstände wurden auf die Straße
geworfen.
Von den in Dernau geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; die Namen der Brüder Baer
wurden ergänzt auf Grund der Angaben
von Matthias Bertram, siehe bei Links): Arthur Baer (1901), Siegfried Baer
(1904), Julia Gottschalk geb. Stolz (1870), Berta Leser geb. Schweitzer (1906),
Amelie Müller geb. Schweitzer (1875), Janette Schweizer geb. Moises (1865),
Karl Schweitzer (1882), Rosa Schweitzer geb. Michel (1884), Caroline Sonnenberg
geb. Schweitzer (1850).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Bekehrungsversuch zweier jüdischer Mädchen durch eine Lehrerin und den Pfarrer
(1869)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1869:
"Koblenz, 24. Oktober (1869). Wie weit der Bekehrungseifer führt,
erhellt wieder aus folgendem Stückchen, das uns von sonst zuverlässiger
Seite erzählt wurde. In Dernau, einem Dorfe bei Ahrweiler, besuchten die
beiden acht- und neunjährigen Töchter der Israeliten H. Bär und H. J.
Bär die dortige christliche Dorfschule und den Privatunterricht in
weiblichen Handarbeiten der Lehrerin K. Seit 3-4 Monaten hatten sich nun
die Kinder einer ganz besonderen Aufmerksamkeit dieser Lehrerin zu
erfreuen, indem diese sie etwas früher in den Unterricht kommen ließ und
ihnen christlichen Religionsunterricht erteilte. Von Zeit zu Zeit wurden
die Kinder auch unter geeigneten Vorwänden zum Ortspfarrer geschickt, den
sie bei solchen Gelegenheiten mit: 'Gelob sei J - Chr -' ansprechen
müssten. Der Herr Pfarrer nahm dann ein kleines Examen vor, nach welchem
er die Kinder, wenn er mit ihnen zufrieden war, mit Heiligenbildern
beschenkte. Unter Anderem soll ihnen auch der Pfarrer gesagt haben, dass
er wegen ihrer Taufe erst in Trier anfragen müsse, ob dieselbe schon
jetzt oder nach zurückgelegtem 14. Jahre erfolgen könne. Die Lehrerin
eröffnete den Kindern mittlerweile die Aussicht, auf den Eintritt in ein
Kloster, in welches auch sie sich zurückzuziehen gedenke. Die Sache wurde
lange geheim gehalten, endlich aber durch Gespielinnen der Mädchen
entdeckt, worauf die Eltern sie der Schule entzogen und gleichzeitig bei
der Verwaltungs- und gerichtlichen Behörde Anzeige machten. Man ist mit
Recht gespannt, zu welchem Resultat die Untersuchung führen wird, da es
sich hier um einen eklatanten Fall von Proselytenmacherei handelt. (F.J.)". |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1869 (leicht
abgekürzt zitiert): "Wiederholt zur Warnung und
Vorsicht!
Wenngleich in Nr. 44 dieses geschätzten Blattes von Koblenz aus, von der
hier vorgefallenen Proselytenmacherei mitgeteilt wurde, so finden wir uns
dennoch veranlasst, diese zu wiederholen zur Warnung und Vorsicht für
Eltern, welche ihren Töchtern bei Lehrerinnen oder Nonnen Unterricht
erteilen lassen, da die meisten dieser Individuen ihr Augenmerk darauf
richten, um diese zur Abtrünnigkeit zu verleiten.
Tatsache traf leider unsere Töchter, wovon die eine 9 Jahre und die
andere 8 Jahre alt ist. Diese Kinder erhielten von einer katholischen
Lehrerin den Elementarunterricht; denn in unserem Orte wohnen zu wenig
jüdische Personen, um einen konzessionierten Lehrer besolden zu können.
Außer diesen Elementarfächern erhielten diese Kinder noch von der
Lehrerin Privatstunden in Handarbeiten. Bei dieser Gelegenheit lehrte die
Lehrerin die Kinder katholische Gebete, Katechismus und besonders die
damit verbundenen Formeln. Sie schickte nun die Kinder mit Gemüse zum
hiesigen Pfarrvikar und befahl denselben, die gebräuchliche katholische
Segnung auszusprechen; auch wenn sie ihm auf der Straße begegneten,
dasselbe zu tun, jedoch immer nur, wenn er allein wäre. Als sie dies
überbracht hatten, wurden sie zum Vikar hereingelassen. Dieser ließ sie
einige Gebete aufsagen, und prüfte sie aus dem Katechismus. Auch sagte
er, er würde nach Trier schreiben, um anzufragen, ob die Taufe jetzt
geschehen könne, oder ob die Kinder erst 14 Jahre alt sein müssten. Er
befahl den Kindern, alles dies zu verheimlichen und beschenkte sie mit
Heiligen-Bildern und zwar 'ein Bild von Tobias', indem er sagte, dies
wäre aus dem alten Testamente. Von der Lehrerin wurde ihnen ebenfalls
unter Drohungen anbefohlen, es nur im Geheimen zu halten. Sogar sagte sie
den Kindern, wenn sie krank würden, so sollten sie nach dem Vikar
verlangen. Sie äußerte sich den Kindern gegenüber, sie würde bald ins
Kloster gehen; auch könnten die Kinder noch ins Kloster kommen. Dies
alles blieb circa 3 Monate verschwiegen, bis die Kinder es endlich einer
Gespielin offenbarten, welche es uns erzählte. Als wir die Kinder nun
frugen, entdeckten sie uns alles mit lautem Weinen, denn sie waren in
Angst.
Wir haben nun unsere Kinder der betreffenden Schule entzogen, und die
Sache der wohllöblichen Regierung eingereicht. Hoffentlich werden wir
bald die Entscheidung in diesem geschätzten Blatte mitteilen
können.
Nachträglich müssen wir bemerken, dass der liebe Leser sich sich nicht
vorstellen möge, dass es den Kindern an Religionskenntnissen mangele;
nein, im Gegenteil, sie würden manche ältere in dieser Beziehung
übertreffen. Die Schuld liegt allein daran, dass die Kinder durch
Schmeicheleien, welche diese Personen verstehen, angelockt wurden.
Dernau bei Ahrweiler, im Monat Kislew 5630. H. Bär, B.
Bär." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1870:
"Dernau, bei Ahrweiler. Den geehrten Lesern dieses geschätzten
Blattes erlauben wir uns das Resultat des in Nr. 47 vorigen Jahreganges
angeführten Bekehrungsversuches mitzuteilen.
Nachdem wir zweimal unsern Bericht an die königliche Regierung ergeben
hatten lassen, erhielten wir zur Dezision, 'dass das Verhalten der
Lehrerin unsern Töchtern gegenüber gemissbilligt worden ist, und der
Lehrerin die entsprechenden Vorhaltungen unter Hinweisung auf das
Publicandum des Herrn Ober-Präsidenten vom 13. September 1824, wonach
israelitische Kinder wider Willen ihrer Eltern nicht angehalten werden
dürfen, am christlichen Religionsunterricht oder an religiösen Erbauungen
teilzunehmen, gemacht worden sind.'
Auffallend ist es, dass trotz dieses Gesetzes es noch christliche Schulen
gibt, in welchen die Lehrer, die israelitischen Kinder in der Geschichte
des Neuen Testamentes lesen lassen; so habe ich selbst in zwei kleinen
Landstädtchen, nicht sehr entfernt von hier, mit Eltern gesprochen,
welche mir erzählten, dass dies noch jüngst mit ihren Kindern
vorgekommen sei. Möchten doch die Eltern, respektive Vorsteher der
Synagogen-Gemeinden sich hierfür verwenden und energisch gegen solche
Behandlung auftreten, damit nicht die Kinder Israels von ihrem Gott
weglaufen!" |
Zur Geschichte der Synagoge
Im 18. Jahrhundert besuchten die Dernauer Juden die
Gottesdienste in Ahrweiler, wo in einem
Haus in der Niederhutstraße eine Betstube eingerichtet war. Seit 1796
war eine eigene Betstube in Dernau vorhanden. Sie konnte im Haus der Familie
Heymann eingerichtet werden. Bis 1843/44 besuchten auch die Ahrweiler Juden und
diejenigen aus Lantershofen die Betstube in Dernau. Nach der Einrichtung eines
neuen Betsaales in Ahrweiler 1844 verlor die Dernauer Betstube ihre Bedeutung.
Nun besuchten die Dernauer Juden den Betsaal in Ahrweiler. Das Haus mit der
Betstube wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verkauft.
Adresse/Standort der Synagoge: Im ehemaligen Haus
der Familie Heymann in der Hauptstraße (früher Teichgasse), rechts gegenüber
dem Matthias-Heiligenhäuschen; der Betsaal war im ersten Stock zur Straße hin.
Fotos/Abbildungen
Die Betstube in Dernau
(Quelle:
Website von Mathias Bertram;
mit freundlicher Genehmigung von
M. Bertram eingestellt) |
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Die Betstube war im Ersten
Stock des Hauses der Familie Heymann eingerichtet. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 135 (mit weiteren Literaturangaben). |
 | Sebastian Wolfgang Schmitz: Zur Geschichte der Juden
in Dernau an der Ahr. Mayschoß 2001. |

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