Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Niederzissen mit Kempenich, Oberzissen (VG Brohltal, Kreis Ahrweiler)
Jüdische Geschichte / Synagoge
 
 Hinweis: Die Erinnerungs- und Begegnungsstätte Ehemalige Synagoge Niederzissen hat eine eigene Website: 
www.ehem-synagoge-niederzissen.de   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Sonstiges     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte (Schwerpunkt: Sanierung der ehemaligen Synagoge seit 2010) 
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
   
In Niederzissen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück, doch könnten bereits im Mittelalter im Brohltal beziehungsweise in Niederzissen jüdische Personen gelebt haben. Erstmals werden Juden 1580 genannt. Ende des 17. Jahrhunderts finden sich mehrere Erwähnungen jüdischer Einwohner in Olbrücker Kellereirechnungen . 1752 wurden nach einer damaligen Verordnung über die Ausweisung 'überflüssiger' Juden fünf der bis dahin zehn jüdischen Familien aus Niederzissen ausgewiesen. 1763 waren sechs jüdische Familien am Ort, um 1775 nur noch zwei. Danach nahm die Zahl wieder zu.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 53 jüdische Einwohner, 1858 75, 1895 64. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörten zum Niederzissener Synagogenverband auch die in Orten der Umgebung lebenden jüdischen Personen: Oberzissen, Königsfeld, Dedenbach, Hain, Burgbrohl, Weil, Glees und Wehr. Nach der Neugliederung der Synagogenbezirke 1843 bildeten die in Königsfeld und Dedenbach lebenden jüdischen Familien einen eigenen Synagogenbezirk.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad (in einem Badehaus neben der Synagoge, 1955 abgebrochen; doch das Tauchbecken blieb erhalten) und einen Friedhof.  Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.  
   
Um 1924, als noch 18 jüdische Familien mit 73 Personen zur Gemeinde gehörten (außer Niederzissen auch die in Oberzissen, Kempenich und inzwischen auch die in Burgbrohl lebenden jüdischen Einwohner), waren die Vorsteher der Gemeinde L. Cahn (Oberzissen), Gustav Gottschalk (Niederzissen) und Hermann Teit. Zur Repräsentanz gehörten Hermann Berger, Karl Berger und Simon Eggner. 1932 war Gemeindevorsteher Simon Cahn (1. Vors.). Damals lebten noch etwa 50 jüdische Personen in Niederzissen; zur Gemeinde gehörten auch 16 in Burgbrohl und 6 in Oberzissen lebenden Personen.  
       
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: ca. 45 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Zu den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 siehe unten bei der Synagogengeschichte.  
       
Von den in Niederzissen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen auf den Gedenksteinen des Friedhofes und durch Angaben von Rudolf Menacher vom 15.1.2017): Jette Abraham geb. Kahn (1907), Arthur Berger (1914), Elisabeth Berger (1885), Esther Berger (1929), Friedrich (Fritz) Berger (1888), Helena Berger geb. Gottschalk (1896), Henriette Berger (1884). Hermann Berger (1895), Hermine Berger geb. Mayer (1891), Iwan Berger (1900), Josefine Berger geb. Eggener (1883), Julius Berger (1905, Karl Berger (1871), Karl Berger (1926, Kurt Alexander Berger (1921), Max Berger (1882), Moses Berger (1866), Ottilie (Tilly) Berger geb. Samuel (1870), Sophie Berger geb. Berger (1910), Therese Berger (1902), Wilhelmine (Mina) Berger geb. Stern (1873), Irma (Irmgard) Brünell geb. Berger (1904), Alwine Cahn geb. Vyth (1873), Gustav Cahn (1905), Klara Cahn geb. Friesem (1882), Rudolf Cahn (1924), Sigmund Cahn (1889), Antoinette Cohen geb. Berger (1880), Friedrich (Fritz) Eggener (1907, Heinrich Eggener (1868), Bertha Feit (1882), Carolina Feit (1877), Rosa Feit (1880), Klara Friesem (1908), Augustine Gottschalk (1902), Bernhard Gottschalk (1870), Bertha Gottschalk (1909), Carolina Gottschalk (1856), Gustav Gottschalk (1872), Jakob Gottschalk (1868), Karoline Gottschalk (1860), Klara Gottschalk (1915), Markus Gottschalk (1907), Minna Gottschalk geb. Kahn (1870), Moritz Gottschalk (1906), Sally Gottschalk (1901), Selma Heilbrunn geb. Berger (1910), Alfred Kahn (1914), Eva Kahn geb. Gottschalk (1883), Gustav Kahn (1905), Josef Kahn (1867), Lina Kahn (1910), Max Kahn (1901), Minna Kahn geb. Gottschalk (1877), Siegfried Kahn (1902), Frieda Lilienthal geb. Gottschalk (1899), Hedwig Lion geb. Berger (1892), Elisabeth Marx geb. Feit (1890), Selma Marx geb. Feit (1894), Julie Meyer geb. Berger (1893), Rosa Meyer geb. Berger (1892), Rosalie Pins geb. Berger (1894), Regina Simons geb. Berger (1908), Hanna Treidel (1938), Norbert Treidel (1903), Selma Treidel (1904), Else Vos geb. Berger (1899), Ida Wolff geb. Berger (1910)   
  
Aus Niederzissen wurden auch Personen deportiert, die im Mai 1942 auf dem Weg in die Deportation für einige Wochen hierher aus anderen Orten gebracht worden waren. Es handelt sich um insgesamt 21 ältere Menschen, die (ohne Klara Stein, gest. 27. Juli 1942) zusammen mit den letzten Einwohnern von Niederzissen am 24. Juli 1942 nach Brohl auf die Burg Brohleck (Sammellager für den Kreis Ahrweiler) und am 27. Juli 1942 weiter in die Vernichtungslager im Osten deportiert wurden. 
So sind aus Bad Neuenahr am 19. Mai 1942 nach Niederzissen gebracht worden: Albert Amberg (1871), Sofia Blumenthal geb. Wollheim (1860), Hedwig Bluth geb. Guttmann, evangelisch getauft (1860), Emmi Kahn geb. Schürmann (1859), Friedrich Kahn (1867), Leonie Kahn geb. Fribourg (1874), Josef Freund (1869), Therese Freund geb. Boucher (1866), Leo Fultheim (1879), Rosa Fultheim geb. Simon (1889), Jenny Goldberg geb. Schiff (1888), Sally Goldberg (1872), Klara Stein geb. Weis (1868, Freitod), Berta Vos geb. Leiser (1877), Max Voss (1874), ), Ludwig Wollheim (1871). Aus Heimersheim wurden am 19. Mai 1942 nach Niederzissen verbracht: Julie Müller geb. Zilversmit (Silberschmidt; geb. 1894 in Hengelo NL, vor Heimersheim wohnhaft in Emden), Julius Müller (geb. 1881 in Nürnberg, vor Heimersheim wohnhaft in Emden); aus Sinzig wurden am 19. Mai 1942 nach Niederzissen verbracht: Helene (Lena) Levy (1867), Klara Salomon (1887), Gottfried Wolf (1854), Karoline Wolff geb. Meier (1857).       
    
Aus Oberzissen sind umgekommen: Arthur Berger (1881), Johanna (Hanne) Berger geb. Kahn (1907), Julie Berger geb. Berger (1882), Leopold Berger (1874), Johanna Cahn (1912), Leopold Mayer (1865), Regina Schwarz geb. Berger (1884), Regina Wolff geb. Meyer (1855).  
  
Aus Kempenich ist umgekommen: Josef Kempenich (1864). 
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1907
Anmerkung: aus dem 19. Jahrhundert wurde noch keine Ausschreibung gefunden. 1907 hatte Niederzissen bereits keinen eigenen Lehrer mehr. Damals wurde der Unterricht durch den Lehrer in Ahrweiler erteilt.

Niederzissen Israelit 27121907.jpg (73342 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1907: "Die Religionslehrer- und Kantorstelle in Ahrweiler ist per 1. Mai 1908 zu besetzen. Der Lehrer ist verpflichtet, den Religionsunterricht in den Nachbargemeinden Remagen, Sinzig und Niederzissen mitzuerteilen. Schochet mit Kaboloh orthodoxer Rabbiner bevorzugt. Gehalt Mark 1200.- sowie Reisespesen, Nebenverdienste. Staatlich geprüfte, unverheiratete Bewerber wollen sich unter Beifügung von Zeugnisabschriften melden bei Abraham Bär, Ahrweiler."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zur Diamantenen Hochzeit von Simon Kahn und seiner Frau (1910) 

Niederzissen FrfIsrFambl 23121910.jpg (18180 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1910:"Niederzissen bei Andernach. Das Simon Kahn'sche Ehepaar feierte die diamantene Hochzeit. Der Jubilar zählt 90, die Jubilarin 84 Jahre." 

   
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Moses Berger aus Nieder-Zissen (1841-1914)       
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Niederzissen NY Cyprus 1778.jpg (103101 Byte)   Grabstein mit Inschrift: 
"Hier ruht unser geliebter Vater 
Moses Berger
geb. 20. Mai 1841 
zu Nieder-Zissen, gest. 25. April 1914".    

   
   
   
 
Zur Geschichte der Synagoge              
   
Zunächst war eine Betstube in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Ab etwa 1685 ist in den Olbrücker Kellereirechnungen auch von einer "Synagoge" oder "Schul" die Rede. 1763 wird von den "synagoge und judenschull" im Haus der Juden Isaac gesprochen, die damals auch von den in Burgbrohl und Dedenbach lebenden Juden besucht wurde.   
Nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner stark zunahm, wurde der Bau einer Synagoge notwendig. 1838 konnte von der jüdischen Gemeinde ein Grundstück in der Mittelstraße gekauft werden, das dem damaligen Vorsteher der Gemeinde Mathias Lehmann gehörte. In der Mittelstraße (auch "Jüdgass" genannt) lebten damals auch die meisten jüdischen Einwohner. 1840 begannen die Bauarbeiten für die Synagoge. Die Einweihung wurde am 3. September 1841 durch den Oberrabbiner aus Bonn Dr. Aaron Auerbach (1810-1886) vorgenommen. Die Finanzierung gelang nur mit Hilfe von Krediten, u.a. einen Kredit von 200 Talern von jüdischen Familien in Burgbrohl.
  
Fast 100 Jahre war die Synagoge in Niederzissen Zentrum des jüdischen Lebens am Ort. Am frühen Morgen des 10. November 1938 wurde der Betsaal von einem SA-Kommando überfallen. Fünf oder sechs Männer zerschlugen die Eingangstür mit Äxten, zertrümmerten das Inventar und warfen Torarollen, Gebetbücher und Teile der Einrichtung auf die Straße. Im Laufe des Tages vollendeten ältere Volksschüler des Ortes das Zerstörungswerk. 1939 wurde das Gebäude verkauft und zu einer Schmiedewerkstatt umgebaut. Zwar wurde durch Um- und Anbauten das Erscheinungsbild stark verändert, dennoch erinnern die Ostseite mit den Rundbogenfenstern und die Rundfenster in den Giebeln noch stark an die Vergangenheit des Gebäudes als Sakralbau. 
  
Renovierung des Gebäudes (2010-2012): Nachdem das Gebäude bereits seit Anfang der 1990er-Jahre leer stand, wurden Diskussion am Ort im Blick auf die Zukunft des Gebäudes geführt. Ein Bürgerbegehren im Sommer 2009 erbrachte ein positives Resultat für den Erhalt der ehemaligen Synagoge. Mit Beschluss vom 9. November 2009 sprach sich auch der Gemeinderat Niederzissen für den Ankauf des Synagogengebäudes durch die Gemeinde aus. Im Februar 2010 erfolgte die Zusage des Landes Rheinland-Pfalz, ein Drittel der Kosten des Ankaufs durch die Stiftung des Landes Rheinland-Pfalz für Kultur zu übernehmen. 2011 wurde das Gebäude restauriert, wobei äußerlich der Zustand vor der Einrichtung der Schmiedewerkstatt hergestellt worden ist. Die Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins investierten bei der Sanierung mehr als 1500 Stunden ehrenamtlicher Leistung. Am 18. März 2012 wurde die ehemalige Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben.   
  
Im Februar 2016 wurde die restaurierte ehemalige Synagoge mit dem Sparkassen Denkmalpreis ausgezeichnet. Anfang September 2016 wurde dem 175-jährigen Bestehen der ehemaligen Synagoge Niederzissen gedacht. Dazu war zu Gast Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. 
Vgl. auch die Seite in der Website von Hans-Dieter Arntz: "Jüdische Gäste berichten über ihren Besuch anlässlich des 175-jährigen Bestehens der ehemaligen Synagoge Niederzissen". Dazu die Einleitung zu dieser Seite.     
  
  
Adresse/Standort der SynagogeMittelstraße (alte Anschrift: Schmidsberg)       
   
   
Fotos    

Historische Aufnahmen
(Quelle: Landesamt S. 293 
und Warnecke s.Lit. S. 121)
Niederzissen Mittelgasse 010.jpg (77319 Byte) Niederzissen Synagoge 015.jpg (81285 Byte)
  Alte Ansicht der Mittelstraße: zur 
Synagoge führte ein Tor zwischen den
 beiden Fachwerkhäusern in der Mitte 
des Bildes; beide Fachwerkhäuser sind
 inzwischen abgebrochen, sodass das
 Synagogengebäude frei steht.
Zur Schmiede umgebautes
 Synagogengebäude um 1940 
 
 
      
Das Synagogengebäude 
im Spätsommer 2007 
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2007)
Niederzissen Synagoge 190.jpg (65664 Byte) Niederzissen Synagoge 191.jpg (65759 Byte)
     
     
Das Synagogengebäude 
nach der Restaurierung 
(Quelle: Wikipedia-Artikel) 
Niederzissen_Synagoge_02.JPG (63734 Byte)  
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

Februar 2010: Unterstützung aus Landesmitteln zum Ankauf der ehemaligen Synagoge durch die Gemeinde   
Artikel in der "Main-Spitze" vom 5. Februar 2010 (Artikel): "Land unterstützt Ankauf von ehemaliger Synagoge. 
Niederzissen/Mainz
(dpa/lrs) - Das Land Rheinland-Pfalz will die Gemeinde Niederzissen (Kreis Ahrweiler) beim Kauf einer ehemaligen Synagoge unterstützen. Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur übernehme ein Drittel des Kaufpreises von rund 35.000 Euro, teilte das Kulturministerium am Freitag in Mainz mit. Die Erhaltung der Synagoge sei wichtig für die Wissenschaft und fördere das geschichtliche Bewusstsein. Die Gemeinde plane in dem Gebäude eine Begegnungs- und Erinnerungsstätte für die jüdische Geschichte der Region einzurichten. Die Synagoge war 1844 eingeweiht worden, in der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Besitzer gezwungen, das Anwesen zu verkaufen. Nach einer Nutzung als Schmiede stand es zuletzt leer." 
   
Oktober 2010: Eine Genisa wurde in der ehemaligen Synagoge entdeckt  
Artikel in der "Rhein-Zeitung" vom 7. Oktober 2010 (Artikel): "Kulturschätze in der ehemaligen Synagoge Niederzissen entdeckt
Niederzissen
- Zu einer spannenden Exkursion in die Vergangenheit von Niederzissen und seiner bis 1939 existierenden jüdischen Gemeinde entwickelt sich die Renovierung der ehemaligen Synagoge in der Mittelstraße. Zeugnisse des einstigen Gemeindelebens tauchen auf.
Bei Aufräumarbeiten auf dem Speicher der ehemaligen Synagoge in Niederzissen wurde eine unversehrte Genisa entdeckt. Das ist normalerweise ein vermauerter Hohlraum zur Aufbewahrung ausgedienter jüdischer Schriften. Zum Einmauern hatten die Niederzissener Juden wohl keine Zeit mehr und versteckten deshalb alles auf dem Dachboden und dort in Nischen, Deckenwölbungen sowie in Hohlräumen zwischen den Deckenbalken. Unter den jetzt wiederentdeckten Schätzen sind nicht nur Handschriften und Bücher, sondern auch liturgische Tücher, Säckchen mit Gebetsriemen, Thoramäntel und Beschneidungswindeln."   (Artikel gekürzt
    
Dezember 2010: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Sanierung der ehemaligen Synagoge    
Artikel in der "Rhein-Zeitung" (Lokalteil Bad Neuenahr) vom 17. Dezember 2010 (Artikel): "70.000 Euro fürs "Haus der Kultur" in Niederzissen
Niederzissen - Für die Dachsanierung und weitere Wiederherstellung der ehemaligen Synagoge in Niederzissen erhielt Ortsbürgermeister Richard Keuler einen Fördervertrag über 70.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Die ehemalige Synagoge ist somit eines von über 100 Projekten, die die private Stiftung in Bonn bisher allein in Rheinland-Pfalz dank privater Spenden und Mitteln der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, fördern konnte. Richard Keuler, der den Kultur- und Heimatverein Niederzissen vertritt, kann mit weiteren Mitteln für das Projekt aus dem Dorferneuerungsprogramm des Landes und durch das Landesamt für Denkmalpflege rechnen..." 
    
Januar 2011: Bau- und Denkmal-Genehmigung für die ehemalige Synagoge überreicht    
Artikel in den Pressemitteilungen des Kreises Ahrweiler vom 21. Januar 2011 (Quelle): 
Bau- und Denkmal-Genehmigung für Synagoge überreicht
In Niederzissen steht das älteste noch erhaltene jüdische Gebetshaus im Kreis Ahrweiler
Dem Umbau der ehemaligen Synagoge in Niederzissen zu einer Erinnerungs- und Begegnungsstätte steht nichts mehr im Wege. Landrat Dr. Jürgen Pföhler hat die Baugenehmigung und die denkmalrechtliche Genehmigung der Kreisverwaltung Ahrweiler überreicht. Ortsbürgermeister Richard Keuler nahm die Unterlagen des Kreisbauamts im Beisein von Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell entgegen..." 
  
März 2012: Eröffnung der ehemaligen Synagoge als kulturelles Zentrum 
Berichte mit Fotos in der Website der Gemeinde Niederzissen 
Ausführlich auch die Berichte im Portal "Jüdisches Leben im Kreis Ahrweiler" (Link siehe unten)       
 
Februar 2016: Die restaurierte ehemalige Synagoge erhält den Sparkassen Denkmalpreis  
Artikel in "Blick aktuell" vom 26. Februar 2016: "Ausstellung des Sparkassen Denkmalpreises in Ahrweiler. Mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet. Niederzissens vorbildlich restaurierte ehemalige Synagoge gehört zu den ausgezeichneten Objekten..."  
Link zum Artikel     

    
     

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Niederzissen  
Website der VG Brohltal 
Website der Erinnerungs- und Begegnungsstätte Ehemalige Synagoge Niederzissen  
Über die Synagoge von Niederzissen in "monumente Online"    
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Niederzissen (interner Link)   
Wikipedia-Artikel  http://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_(Niederzissen)   
Portal "Jüdisches Leben im Kreis Ahrweiler" mit Seite zur Synagoge in Niederzissen http://www.aw-wiki.de/index.php/Synagoge_Niederzissen  

Literatur:  

Kreis Ahrweiler Bu01.jpg (30887 Byte)Hans Warnecke (Hg.): Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1998.
Udo Bürger: Zum Erziehungswesen der Juden in Kreis Ahrweiler und zu den Synagogenverhältnissen allgemein. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 6. Jahrgang, Ausgabe 2/96, Heft Nr. 12 S. 16-33.  
Beitrag online zugänglich (pdf-Datei)       
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 292-293 (mit weiteren Literaturangaben).  
Falk Wiesemann (Hrsg.): Zeugnisse jüdischen Lebens in Niederzissen. Genisa-Funde in der ehemaligen Synagoge. Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V. Niederzissen 2012. ISBN 978-3-00039493-5. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Niederzissen   Rhineland. Jews are first mentioned in 1752. In 1808, the Jewish population was 53 and an organized community existed by 1830, reaching a peak population of 89 in 1854. Niederzissen became the seat of a regional congregation in 1863 with a number of attached communites (Oberzissen, Burgbrohl, Glees, Niederweiler, Wehr, Kempenich). A synagogue and school operating out of a private home was completed in 1844. The community was Orthodox. In the Weimar period, most Jews were merchants, dealing mainly in livestock. In 1925, the Jewish population was 73 (total 1.258). By 1935, only two small butcher shops, a shoe store, and a few Jewish cattle traders were active. The synagogue was wrecked on Kristallnacht (9-10 November 1938). Nine Jews emigrated in January-February 1939 and 44 remained in early 1942. Ten were deported in July 1942 along with 26 Jews, mostly women, brought to the town from Bad Neuenahr for forced labor. In all, 29 local Jews perished in the Holocaust.  
     
      

                   
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Stand: 27. Januar 2017