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Sinzig (Kreis Ahrweiler)
Jüdische Geschichte / die Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Sinzig bestand bereits im Mittelalter
eine relativ große jüdische Gemeinde. Spätestens in der ersten Hälfte
des 13. Jahrhunderts haben sich Juden in der Stadt niedergelassen, von denen
auch einige namentlich genannt werden: um 1236 Aleidis, Tochter des Samuel von
Sinzig, 1237 Guda von Sinzig, Witwe des Samuel, 1238-39 Gottschalk, Sohn des
Samuel Levi von Sinzig usw. Nach dem Reichssteuerverzeichnis von 1242
zahlten die Juden damals den relativ hohen Betrag von 25 Mark Silber (die
Wormser Gemeinde zahlte im Vergleich dazu den Betrag von 130 Mark Silber; dies
spricht von der Größe der Gemeinde in Sinzig). Mit großer
Rücksichtslosigkeit wurden in den folgenden Jahrzehnten immer wieder
Sondersteuern von der Gemeinde eingezogen beziehungsweise erpresst. Auf Grund
von starken Spannungen zwischen Christen und Juden, ausgelöst durch einen aus
Augsburg stammenden Proselyten Abraham, der in Sinzig das Judentum predigte,
dabei auch ein Kruzifix zerbrach und dafür zum Tod verurteilt wurde, kam es am
1. Mai 1265 zu einem furchtbaren Judenpogrom. Bei diesem wurden 61 Männer,
Frauen und Kinder am Freitagabend in der Synagoge verbrannt, unter ihnen zwei
Rabbiner, drei Lehrer und weitere drei Gelehrte. Die Zahl der Gelehrten bezeugt
das Vorhandensein einer bedeutenden jüdischen Gemeinde in der Stadt. Beim
nächsten Pogrom (sogenanntes "Werner-Pogrom) 1287 wurden 46 Juden
in der Stadt ermordet. Die überlebenden Juden wurden gezwungen, Sinzig zu
verlassen. Nach einigen Jahren konnten sich 12 jüdische Familien wieder in der
Stadt niederlassen, bis bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 die
Gemeinde vernichtet wurde. Erst 1395/98 werden wieder Juden in der
Stadt genannt. Seit 1433 ist von einer Judengasse (Joden gasse bzw.
juedengasse) in der Stadt die Rede.
Auch im 15. Jahrhundert lebten Juden in
Sinzig (1409 mindestens jüdische Familien). Im 16./17. Jahrhundert schweigen
die Quellen weitgehend.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 18. Jahrhundert zurück.
1782 werden fünf jüdische Familien mit zusammen 23 Personen in Sinzig
gezählt. 1808/17 waren es 27 Personen. Bis zur zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts nahm die Zahl noch zu. Die höchsten Zahlen jüdischer Einwohner
werden 1858 mit 73 bzw. 1895 mit 75 jüdischen Einwohnern erreicht.
Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung wieder zurück.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im Synagogenbezirk Sinzig
(meist mit Remagen, Niederbreisig und den anderen Orten) ein Lehrer
(Religionslehrer, zeitweise Elementarlehrer) angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ludwig Bähr (geb.
14.6.1882 in Ruchheim, gef. 26.9.1914) und Ernst Friesen (geb. 24.2.1894 in
Sinzig, gef. 21.3.1915). Außerdem ist gefallen: aus Sinzig Siegmund Wolff (geb.
5.12.1885 in Sinzig, vor 1914 in Koblenz wohnhaft, gef. 23.3.1917), aus
Bodendorf Adolf Friedsam (geb. 17.8.1883 in Bodendorf, vor 1914 in Neuß
wohnhaft, gef. 18.12.1916).
Um 1925
bildeten Sinzig und Remagen den gemeinsamen Synagogenbezirk Sinzig-Remagen. Zum
Verband gehörten auch die an den folgenden Orten lebenden jüdischen Einwohner:
Westum, Löhndorf, Bodendorf, Oberwinter, Niederbreisig,
Brohl und Oberbreisig.
Damals gehörten noch 39 jüdische Einwohner der Stadt zur jüdischen
Gemeinde. Die Vorsteher waren aus Sinzig Carl Hirsch, Salomon Salomon.
Vorsitzender der Repräsentanz war Abraham Meyer. Die damals vier
schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten Religionsunterricht durch Lehrer
David Würzburger aus Linz am Rhein.
1933 wurden noch 41 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der
zunehmenden Entrechtung und der wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen verließ
ein großer Teil von ihnen die Stadt in den folgenden Jahren. Nach dem Novemberpogrom
1938 lebten in Sinzig und Bodendorf noch 19 jüdische Personen. 1942 wurden
die letzten jüdischen Einwohner deportiert.
Von den in Sinzig geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Cilla (Zibora) Caspary
geb. Hartmann (1880), Olga Daniel (geb. ?), Jakob Faber (geb. ?), Bernhard
Gottschalk (), Erich
Gottschalk (1926), Franziska Gottschalk geb. Baer (1892), Rosalia Gottschalk (),
Erwin Hein (geb. ?),
Rosa Hein geb. Salomon (1890), Julius Hirsch (1877), Lina Hirsch (1864), Max
Hirsch (1866), Pesel Itzinger (1876), Julius Joseph (geb. ?),
Zila Kaspary (1879), Selma Kohn geb. Meyer (1888), Lena Levy (geb. ?), Leopold Albert Liebmann
(1891), Dora
Liebmann geb. Faber (1902), Heinz Liebmann (), Dina Meyer geb. Hartmann
(1873), Isaak Meyer (1878), Julius Meyer (1910 oder 1912), Karl Meyer (1930), Mathilde Meyer geb. Meyer
(1891), Joseph Salomon (1886), Klara Salomon
(1887), Leopold Salomon (geb. ?), Mathilde Schmitz geb. Wolff (1896), Johanna
Schwartz geb. Hirsch (1880), Jeanette Schweizer geb. Moises (1865), Frieda Wolff
(1892), Gottfried Wolff (1854), Karoline Wolff geb. Meyer (1857), Max Wolff (), Rosa Wolff
(1888), Salomon Wolff (1855(), Samuel Gottschalk Wolff (1863).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Religionslehrerstelle 1884 / 1886 / 1892 / 1901 / 1907 / 1908
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14, Februar 1884:
"Ein seminaristisch gebildeter Religionslehrer wird von der
Synagogengemeinde Sinzig per 1. April gesucht.
Gehalt 900-1.000 Mark.
Sinzig am Rhein, im Februar 1884. Der Vorsitzende des
Vorstands." |
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| 1886 als gemeinsame
Stelle der Gemeinden Sinzig, Remagen und Niederbreisig |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1886:
"Ein seminaristisch gebildeter Religionslehrer wird von dem Synagogenbezirk
Sinzig (einschließlich die Gemeinden Remagen und Niederbreisig)
per Frühjahr 1887 zu engagieren gesucht. Gehalt 1.000 Mark.
Sinzig, 26. November 1886. Der Vorsitzende des Vorstands: Samuel
Hirsch." |
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| 1892 Ausschreibung für
den "Synagogenbezirk Sinzig" (gemeint: dieselben Gemeinden
wie oben 1886) |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1892: "Die
Stelle eines Religionslehrers für den Synagogen-Bezirk Sinzig, verbunden
mit einem Gehalt von Mark 1.000 wird mit dem 1. Februar vakant.
Sinzig, 3. Januar 1892. Der Vorsitzende des Vorstands. Samuel
Hirsch." |
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| 1901 Ausschreibung für
den "Synagogenbezirk Sinzig" |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1901:
"Für den Synagogenbezirk Sinzig wird per 1. Mai, ein
Lehrer
gesucht. Offerten mit Zeugnis-Abschriften erbittet
A. Hirsch, Vorsteher, Sinzig am
Rhein." |
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| Im Mai 1901 wurde die Ausschreibung
verändert und nun ein Elementarlehrer
gesucht: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901:
"Für den Synagogenbezirk Sinzig wird per sofort ein geprüfter
Elementarlehrer
gesucht. Gehalt Mark 1.000. Offerten mit Zeugnisabschrift
erbittet
der Vorsitzende des Vorstandes: A. Hirsch, Sinzig am
Rhein." |
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| 1908 als gemeinsame
Stelle der Gemeinden Ahrweiler, Remagen, Sinzig und Niederzissen |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1907:
"Die Religionslehrer- und Kantorstelle in Ahrweiler ist per 1. Mai
1908 zu besetzen.
Der Lehrer ist verpflichtet, den Religionsunterricht in den
Nachbargemeinden Remagen, Sinzig und
Niederzissen mitzuerteilen.
Schochet mit Kaboloh orthodoxer Rabbiner bevorzugt. Gehalt Mark 1.200.-
sowie Reisespesen, Nebenverdienste.
Staatlich geprüfte, unverheiratete Bewerber wollen sich unter Beifügung
von Zeugnisabschriften melden bei Abraham Bär, Ahrweiler." |
Lehrer Weingarten wechselt von Buchen nach Sinzig
(1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. April
1912: "Buchen-Hainstadt (Baden).
Der Israelitische Jugendverein konnte vergangenen Schabbos Rabbiner Dr.
Löwenstein - Mosbach als Redner
begrüßen. Der allverehrte Herr Rabbiner sprach über das Thema
'Jüdisch-deutsche Volkslieder.' Unser Verein hat sich in der kurzen Zeit
seines Bestehens durch die rührige Tätigkeit seines Gründer, Lehrer S.
Schereschewski - Hainstadt, günstig
entwickelt. Zu seinem größten Bedauern verliert er das Vorstandsmitglied
Lehrer Weingarten - Buchen, der mit dem
1. Mai eine Lehrerstelle in Sinzig am Rhein
antritt." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Bericht über eine Purimfeier der jüdischen Schule 1893
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1893:
"Remagen, 6. März (1893). Am Sonntag, den 5. März wurde in der
israelitischen Schule zu Sinzig die Purimfeier begangen. Jung und Alt aus
den Orten Remagen, Sinzig und Niederbreisig, ja sogar Fremde waren
herbeigeeilt, um der Theateraufführung, dargestellt von 16 Schulkindern
unter Leitung des Herrn Lehrers Mannheimer, beizuwohnen. Nachdem die Musik
einen Marsch intoniert hatte, begannen Vorstellung und Deklamationen. Nach
beendeter Vorstellung fand noch eine Verlosung statt. Alle Anwesenden
verließen das Haus mit Worten des Dankes und in dem Bewusstsein, frohe
und heitere Stunden verlebt zu haben." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftes A. Hirsch
(1905)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Lehrling.
Per Januar suche ich für mein
Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft einen Lehrling mit guter
Schulbildung.
A. Hirsch, Sinzig." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Die mittelalterliche Synagoge wird anlässlich des
grausamen Judenpogroms genannt, das am 1. Mai 1265 über die Gemeinde
hereinbrach. Damals wurde die Synagoge niedergebrannt. 61 Männer, Frauen und
Kinder fanden den Tod in den Flammen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts dürfte
wiederum eine Synagoge oder ein Betsaal eingerichtet worden sein.
Bis zum 19. Jahrhundert gibt es keine weiteren
Nachrichten über jüdische Gebets- und Gottesdiensträume. Erstmals wird in
einem Dokument von 1828 ein Betsaal genannt ("Judenschule").
Nach einem Dokument von 1842 war er "sehr mangelhaft und der Würde
einer kirchlichen Versammlung nicht entsprechend". Auf Grund von Spannungen
in der Gemeinde kam es in der Folgezeit zur Einrichtung einer zweiten Betstube
im Haus des Leo Hartmann, in dem trotz amtlichen Verbotes von 1846 bis 1856
"Privat-Andachts-Übungen" abgehalten wurde. Die
"Judenschule" wurde im März 1855 in ein neu erbautes
Privathaus in der Ausdorfer Strasse 56 1/2 verlegt. 1856 wurde eine
Betstube in einem dem Kaufmann Leo Hirsch gehörenden Teil der "Alten
Burg" (Martelsburg) eingerichtet. Hier befand sich schon seit 1850 die
jüdische Schule mit einem Raum für 30 Kinder. Trotz der Neueinrichtung eines
Betsaales plante man gleichzeitig schon den Bau einer Synagoge. Dieser
Plan konnte freilich erst nach einigen Jahren in die Tat umgesetzt werden. 1862
wurde behördlich die Durchführung einer Hauskollekte in den jüdischen
Gemeinden der Rheinprovinz genehmigt. 1865 konnte die jüdische Gemeinde
den den bislang angemieteten Teil der "Alten Burg" kaufen. Er befand
sich in einem stark baufälligen Zustand und wurde seit Herbst 1866 für
insgesamt 974 Taler zu einer Synagoge umgebaut. Davon stammten 20 Taler von
"ihrer Majestät der Königin", an die die jüdische Gemeinde ein
Bittgesuch gerichtet hatte:
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18.
Dezember 1866: "Sinzig (am Rhein), 3. Dezember (1866). Die hiesige
kleine Gemeinde beabsichtigt eine neue Synagoge zu bauen. Sie richtete
deshalb auch an Ihre Majestät die Königin, welche in Koblenz weilt, ein
Bittgesicht um eine Beisteuer, und erhielt ein Gnadengeschenk von 20
Taler. In dankbarer Anerkennung dieser königlichen Huld gestatten wir
uns, Sie um Veröffentlichung dieser Zeilen zu bitten."
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Die feierliche Einweihung
der Synagoge im Mitteltrakt der "Alten Burg" in den Tagen vom 13.
bis 15. Oktober 1867 nahm der Koblenzer Rabbiner Ben Israel vor. Folgende
Berichte liegen zur Einweihung vor:
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Oktober
1867: "Sinzig am Rhein. 15. September (1867). Die hiesige
Synagogenweihe war von einigen Momenten begleitet, welche in der jetzigen Zeit
und in der hiesigen Provinz nicht gewöhnlich sind, und die mit daher geeignet
scheinen, in diesem Blatte angeführt zu werden.
Wie bestimmt, wurde den 13. September Nachmittags 4 Uhr das Fest begonnen und
der Anfang durch Böllerschüsse verkündet. Der Zug, welchem sich die hiesigen
Honoratioren, die Herren Bürgermeister von hier, Remagen und Breisig, die
katholische Geistlichkeit von hier und den benachbarten Ortschaften
angeschlossen hatten, setzte sich in Bewegung und durchzog die Straßen der
Stadt, welche nach Verordnung des Bürgermeisters geschmückt waren, bis zur
neuen Synagoge. Im Vorhofe angekommen, wurde dem Herrn Bürgermeister von hier
der Schlüssel unter passenden Worten überreicht. Nachdem er denselben
empfangen, hielt er vor der im Hohe versammelten Menge eine treffliche Rede. Aus
derselben führte ich hier an. Er sprach den Wunsch aus, dass die Eintracht und
Liebe unter den verschiedenen Konfessionen eine immer befestigtere werde. Denn
der Friede des Glaubens stehe höher und sei wichtiger als der Friede in der
Politik, und hob dann noch besonders die Verdienste des hiesigen Vorstehers
hervor, die er durch die Leitung ders Synagogenbaues und des Gemeindewesens
habe. Darauf öffnete er die Türe und hinein strömte eine Menschenmenge,
welche die Synagoge kaum zu fassen vermochte. In derselben geschahen die
üblichen Zeremonien und die üblichen Gesänge wurden vom Kantor und Chor
feierlich vorgetragen. Alsdann hielt der Rabbiner Herr Ben Israel eine
Weihepredigt, welche bei der Geistlichkeit, die auch dem zweistündigen
Gottesdienste ganz beiwohnte, wie bei der ganzen Versammlung, allgemeinen
Beifall fand, worüber der hiesige Pastor dem Rabbiner noch besonders seine
Anerkennung durch ein Gemeindemitglied aussprechen ließ. |
Links: Programm der
Synagogeneinweihung in der "Ahrweiler Zeitung"; Quelle:
Beitrag von Hans Kleinpass s.Lit. |
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In der Ahrweiler Zeitung vom 21. September 1867 fand
sich folgender Bericht zur Einweihung:
"Sinzig. Die Einweihung der jüdischen Synagoge zu Sinzig, welche am
13. d. M. durch den Rabbiner Dr. Ben Israel von Koblenz in der erhabensten und würdigsten
Weise vollzogen wurde, war in Verbindung mit den weltlichen Festivitäten eine
Feier, wie eine solche noch nie in den Mauern Sinzig's begangen worden ist. - Um
4 Uhr Nachmittags versammelte sich die Gemeinde in der alten Synagoge, und
nachdem der eigens zu dieser Feier berufene ausgezeichnete Cantor Herr
Wallenstein von Krefeld mit der Gemeinde einen Psalm rezitiert hatte, hielt der
Herr Rabbiner eine ergreifende Abschiedsrede, welche die Anwesenden zu Tränen rührte,
öffnete dann die h. Lade und übergab die Tora-Rollen den zu deren Empfang designierten
Personen. Die Gemeinde verließ nun die alte Synagoge und es ordnete sich
folgender Zug: Voran Knaben und Mädchen mit Fahnen, das Musik-Corps, die
Mitglieder des Comite's, die Trägerin des Schlüssels, von zwei Mädchen
begleitet, die Träger der Tora-Rollen und der Herr Rabbiner nebst Herrn Cantor
unter einem schönen blauen Traghimmel, dann der Herr Bürgermeister Wenner mit
dem Gemeindevorstande nebst einer unübersehbaren Menge jüdischer und
christlicher Festteilnehmer. Der Zug bewegte sich nun durch das mit Maien, Girlanden
und Fahnen festlich geschmückte Sinzig zur neuen Synagoge. An der neuen
Synagoge angekommen, überreichte die Schlüsselträgerin unter passenden Worten
den Schlüssel derselben dem Herrn Bürgermeister, welcher dann in schöner
Ansprache der jüdischen Gemeinde Glück zu dem neuen Gotteshause wünschte und
zur fortdauernden Friedlichkeit und gegenseitiger Toleranz, welche heute sich so
glänzend bewiesen, ermahnte und die Synagoge dann öffnete. Die Versammlung
trat ein, und nachdem der Herr Rabbiner die Feier mit einem Gebet eröffnet,
begann der Gesang abwechselnd zwischen dem Cantor und dem eigens zu dieser Feier
eingeübten israelitischen Chore, in hebräischen und deutschen Liedern unter
der Direktion des Lehrers Herrn Zimmermann von Sinzig mit Musikbegleitung der
berühmten Bach'schen Kapelle aus Bonn. Der Herr Rabbiner hielt nun eine
meisterhafte, mit fließender Diktion gesprochene Einweihungsrede, welchen
Worten die Anwesenden mit großer Ruhe und Erbauung lauschten, und trotzdem die
Hitze in dem überfüllten Räume drückend war und die Feier bis nach sieben
Uhr währte, wich keiner der Anwesenden von der Stelle. Am Abende desselben
Tages war Sinzig wieder sehr belebt durch die Serenaden, welche die Bach'sche Kapelle
dem Herrn Rabbiner, dem Herrn Bürgermeister Wenner und dem Herrn Pastor Stumpf
brachten."
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Bis 1938 war die Synagoge Mittelpunkt des
jüdischen Gemeindelebens in Sinzig.
Beim Novemberpogrom 1938, d.h. in der Nacht vom 9.
auf den 10. November 1938, wurden von SA-Leuten aus Bad Neuenahr und Sinzig die
Fensterscheiben der Synagoge eingeworfen. Die Inneneinrichtung (Bücher,
Torarollen, Leuchter, Mobiliar) wurde auf einen Haufen in den Hof geworfen und
angezündet. 1939 wurde das Synagogengebäude an die Stadt verkauft, die
einen NSV-Kinderhort hier einrichtete. Im Krieg wurde das Gebäude als
Soldatenquartier, später als Flüchtlings-Notunterkunft zweckentfremdet.
Nach 1945 kam das Gebäude zurück in den Besitz der jüdischen
Kultusgemeinde Koblenz, die es 1953 an die Stadt für 5.000 DM verkaufte,
die das Gebäude in den folgenden Jahren jedoch zerfallen ließ, sodass es um
1970 abgebrochen werden musste. Auf dem Grundstück wurde ein Parkplatz
angelegt. Von der Alten Burg blieb nur noch ein in Privatbesitz befindlicher
Teil erhalten, der 1998 abgebrochen wurde. Am 30. April 1992 wurde nach
jahrelangen Verhandlungen im Gemeinderat ein Gedenkstein errichtet.
Standorte der Synagogen:
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Die mittelalterliche Synagoge stand
vermutlich im Bereich der Judengasse (heutige Gudegasse) |
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Die Synagoge von 1867 war im Mitteltrakt der "Alten Burg"
(Eulengasse 33) |
Fotos:
| Historische Fotos sind der
ehemaligen Synagoge in der "Alten Burg" sind keine vorhanden,
über Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite |
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Gedenkstätte
am Grundstück der früheren Synagoge
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2007) |
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| Blick über den Parkplatz auf
dem Grundstück der "Alten Burg" / ehemaligen Synagoge |
Blick auf die Gedenkstätte an
der Rheinstraße |
Der Gedenkstein |
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| Gedenkinschrift |
Namenstafel der
aus Sinzig ermordeten Juden auf dem Boden vor dem Gedenkstein |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica I,S. 325-326; II,2 S. 766-768; III,2 S.
1372-1374. |
 | Hans-Ulrich Reiffen: Das Sinziger Synagogen-Denkmal
und seine Entstehung. Online
zugänglich. |
 | Hans Kleinpass: Die Einweihung der Sinziger Synagoge
anno 1867. Online
zugänglich. |
 | Rudolf Menacher, Hans-Ulrich Reiffen:
"Knoblauch und Weihrauch" - Juden und Christen in Sinzig
1914-1992. Bonn 1992. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 346-347 (mit zahlreichen weiteren Literaturangaben). |
 | Hans
Warnecke (Hg.): Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler. Bad
Neuenahr-Ahrweiler 1998.
|
n.e.

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