Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In dem zum Ritterkanton Odenwald gehörenden und als mainzisches, zum Teil würzburgisches Lehen im Besitz unterschiedlicher Adelsfamilien befindlichen Hainstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Um 1600 waren bereits zehn bis zwölf jüdische Familien am Ort. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden in dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen den genannten unterschiedlichen Grundherrschaften aufgeteilten Ort einige aus Buchen ausgewiesene Juden aufgenommen. 
    
In der Mitte des 18. Jahrhunderts (1747) lebten im Teil des Hochstiftes Würzburg zehn, im Teil der Freiherren von Rüdt acht jüdische Familien. 1803 zählte man insgesamt 28 Familien. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 160 jüdische Einwohner (13,2 % von insgesamt 1.214 Einwohnern), Höchstzahl  um 1839 mit 249 Personen, 1860 161 jüdische Einwohner, 1875 143 (12,4 % von 1.152), 1887 135, 1900 93 (9,4 % von 992), 1910 59 (5,6 % von 1.056). Die jüdischen Familien lebten vom Handel, teilweise mit den Erzeugnissen der noch im 19. Jahrhunderten blühenden Hainstädter Leinenweberei. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (jüdische Konfessionsschule von 1820 bis 1869) und ein rituelles Bad (zunächst im Keller der alten Synagoge, seit 1840 im Haus des Abraham Kaufmann in der Hornbacher Straße 17, nicht erhalten). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Merchingen zugeteilt. Die Toten der Gemeinde wurden im Friedhof in Bödigheim beigesetzt. Im 19. Jahrhundert gab es zwei jüdische Wirtschaften, die auch Zimmer für die Unterkunft wandernder Betteljuden bereit hielten. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Albert Neuberger (geb. 18.9.1884 in Hainstadt, gef. 2.3.1915). Sein Name findet sich auf dem Kriegerehrenmal 1914-18 der Gemeinde Hainstadt sowie auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofes in Bödigheim. Vermutlich auch aus diesem Hainstadt (nicht aus dem hessischen Hainstadt) stammt der der gleichfalls gefallene Hermann Kaufmann (geb. 9.7.1885 in Hainstadt, gef. 6.6.1918).      
    
Um 1925,
als zur Gemeinde noch 43 Personen gehörten (3.9 % der Einwohnerschaft) waren Vorsteher der jüdischen Gemeinde: Josef Neuberger, Heinrich Mannheimer und Moritz Rosenbaum. Lehrer Schwarzenberger aus Bödigheim erteilte den damals noch 6 schulpflichtigen jüdischen Kindern Religionsunterricht. 1932 waren die Vorsteher Josef Neuberger und Willi Kaufmann. Moritz Rosenbaum war Schriftführer und Schatzmeister der Gemeinde. Die Vorbeterdienste übernahmen in der Synagoge Moritz Rosenbaum und Eugen Neuberger. Als Lehrer kam aus Buchen Willi Wertheimer um die im Schuljahr noch vier schulpflichtigen jüdischen Kinder zu unterrichten. 
  
1933 lebten noch 38 jüdische Personen am Ort. Im Besitz jüdischer Familien waren noch die folgenden Handels- und Gewerbebetriebe: Pferdehandlung Max Hofmann (Brunnenstraße 4 mit Scheuer und Stall in der Ziegeleistraße 1), Uhrmacher Lazarus Kaufmann (Buchener Straße 20), Landwirt Willi Kaufmann (Bürgermeister-Keller-Straße 5 mit Scheuer in der Bürgermeister-Keller-Straße 8), Zigarren- und Patentartikelhandel Julius Mannheimer (Buchener Straße 17), Viehhandlung Eugen Neuberger (Hornbacher Straße 6), Viehhandlung, Öl- und Fetthandlung Josef Neuberger (Buchener Straße 6), Manufakturwarenhandlung Fanny und Moritz Rosenbaum (Hornbacher Straße 13 und 15). Weitere Wohnhäuser in jüdischem Besitz waren: Wohnhaus Frieda Hirschberger (Buchener Straße 12), Wohnhaus Karoline Hofmann (Buchener Straße 10), Wohnhaus Heinrich Zimmern (Hornbacher Straße 6), Wohnhaus Klara Kaufmann geb. Oppenheimer (Brunnenstraße 3).    
 
Nach 1933 sind auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien mehrere der jüdischen Einwohner vom Ort verzogen oder sind ausgewandert. 20 Personen konnten in die USA emigrieren, 7 starben noch am Heimatort. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und demoliert (siehe unten). Die letzten sechs jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.  
   
Von den in Hainstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lina Bär geb. Lissberger (1879), Amelie Bloch geb. Israel (1874), Ella Freilich geb. Hofmann (1896), Emil Gundersheimer (1871), Frieda Hirschberger (1880), Else Hofmann (1898), Karoline Hofmann geb. Zwang (1863), Klara Hofmann (1887), Sofie Hofmann (1898), Berta Kaufmann geb. Zwaab (1882), Ida Kaufmann geb. Neuberger (1881), Karoline (Lina) Kaufmann geb. Jeremias (1866), Lazarus Kaufmann (1859), Mina (Minna) Kaufmann geb. Kaufmann (1866), Simon Kaufmann (1861), Klara Löb (1895), Rosa Johanna Löb (1897), Abraham Neuberger (1872), Frieda Rollmann (1875), Hanna Rollmann geb. Sonn (1875), Moses Rollmann (1870), Mina Sänger geb. Israel (1877), Karoline Sommer (1878), Flora Würzburger geb. Israel (1890).   
     
     
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1870 / 1909  

Hainstadt Israelit 30111870.jpg (75509 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1870: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist vakant und bis 1. Januar 1871 zu besetzen, da der bisherige Lehrer gänzlich aus dem Lehrfache tritt. Die Stelle ist verbunden mit einem jährlichen Gehalt von Gulden 265 für den Religionsunterricht, Gulden 35 für den Vorsängerdienst, dem gesetzlichen Schulgelde von 22 Schülern, freier Wohnung und den üblichen nicht unbedeutenden Nebengefällen. Rezipierte Schulkandidaten wollen sich baldigst unter Anschluss von Zeugnissen beim unterzeichneten Vorstande melden. 
Hainstadt (Großherzoglich Badisches Bezirksamt Buchen), den 22. November 1870. Feist Kaufmann".  
  
Hainstadt Israelit 21101909.jpg (62046 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1909: "Vakanz. Die mit Religionsschule, Vorbeter und Schächterdienst verbundene Lehrerstelle in Hainstadt in Baden ist per 1. Dezember dieses Jahres zu besetzen. Das Fixumgehalt beträgt Mark 900 - Filialgemeinde Walldürn Mark 100, außerdem entfallen für Nebenverdienste Mark 5-600. Geeignete Bewerber belieben sich an den Unterzeichneten zu wenden. 
Der Synagogenrat Hainstadt in Baden
."  

  
Lernen bei Lehrer Simon Schereschewski (1915) 

Hainstadt Israelit 08041915.jpg (57600 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1915: "Hainstadt, 28. März (1915). Vor kurzem wurde unseren Schülern und deren Vätern eine große Freude zuteil. Im Hause unseres Lehrers, Herrn Simon Schereschewski, wo wir regelmäßig am Schabbat unseren Schiur Mischnaot (Lernstunde zu Abschnitten aus der Mischna / Talmud) lernen, konnten wir den Schiur über den (Mischna-Traktat) Berachot (Segenssprüche) abhalten. Dass wir das Pensum nicht nur durchgenommen, sondern auch verarbeitet haben, beweisen die vielen Stellen, die geläufig und verständnisvoll vorgetragen wurden. Viele Toraworte unseres Herrn Lehrers verschönerten die Feier. Wie bei jedem Abschluss fand auch bei uns gleichzeitig die Einführung und zwar über (Talmud-Traktat) Pessachim statt."

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Gründung des Israelitischen Jugendvereins Hainstadt - Buchen (1911)  

Hainstadt Israelit 28121911.jpg (47995 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1911: "Hainstadt (Baden), 4. Dezember (1911). Unter Vorsitz des Herrn Benjamin Lißberger wurde am 29. November dieses Jahres ein ‚Israelitischer Jugendverein Hainstadt-Buchen’ Gegründet. Seine Begründung hat der Verein Herrn Lehrer Schereschewski zu verdanken. Der Verein bezweckt, das jüdische Wissen der jüdischen Jugend von Hainstadt-Buchen zu bereichern und ihr Interesse für das Judentum durch Vorträge und geeignete jüdische Lektüre zu wecken."
  
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1911: "Hainstadt in Baden. Israelitischer Jugendverein Hainstadt – Buchen. – Unter diesem Namen ist hier ein Jugendverein ins Leben gerufen worden, der den Zweck hat, jüdische Literatur zu pflegen und ideale Interessen des Judentums zu wecken. Um dieses zu erreichen, sind für das Winterhalbjahr neben der reichhaltigen jüdischen Leihbibliothek und jüdischen Zeitungen im Vereinslokal Vorträge und Vorlesungen vorgesehen. Die Mitgliederversammlung wählte folgenden Vorstand: Benjamin Lißberger (1. Vors.), Lehrer Schereschewski (2. Vors. Und Bibliothekar), Lehrer Weingarten – Buchen (Schriftführer), Albert Neuberger – Hainstadt (Kassierer) und Josef Neuberger (Beisitzer). 
Bei der ersten Zusammenkunft, welche Freitagabend (1. Dezember) stattfand, erschien eine stattliche Zahl der aktiven und passiven Mitglieder, sodass das große Lokal kaum die Menge fasste. Benjamin Lißberger hielt die Eröffnungsrede. Lehrer Schereschewski sprach über die Ziele und Zwecke des Vereins und gab einen klaren Überblick über die Entstehung der Jugendvereine im Deutschen Reiche. Derselbe ging von der Begründung des ‚Montefiore-Vereins’ in Frankfurt am Main aus und führte uns bis zum Delegiertentag der Jugendvereine in Berlin. Darauf las der Vorsitzende ein schönes Gedicht ‚Beruria’ von Berthold Feiwel (sc. Zionist und Dichter, lebte 1875-1937), und zum Schlusse las Lehrer Schereschewsky noch einiges in prosaischer und dichterischer Form über dasselbe Thema vor. – Der Abend fand ungeteilt Befriedigung, und alle gingen froh und vergnügt nach Hause. Ein großes Verdienst um das Zustandekommen des Vereins hat sich Frau Sophie Neuberger – Hainstadt erworben, die dem Verein ein Zimmer als Vereinslokal unentgeltlich zur Verfügung stellte."     

  
Vortragsabend des Israelitischen Jugendvereins (1912)  

Hainstadt FrfIsrFambl 26041912.jpg (63718 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. April 1912: "Buchen-Hainstadt (Baden). Der Israelitische Jugendverein konnte vergangenen Schabbos Rabbiner Dr. Löwenstein – Mosbach als Redner begrüßen. Der allverehrte Herr Rabbiner sprach über das Thema ‚Jüdischdeutsche Volkslieder’. Unser Verein hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens durch die rührige Tätigkeit seines Gründers, Lehrer S. Schereschewski – Hainstadt, günstig entwickelt. Zu seinem größten Bedauern verliert er das Vorstandsmitglied, Lehrer Weingarten – Buchen, der mit dem 1. Mai eine Lehrerstelle in Sinzig am Rhein antritt."  

  
Vorträge von Lehrer Wertheimer (1933)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1933: "Buchen in Baden, 3. Dezember (1933). in den vergangenen Wochen hielt Herr Lehrer Wertheimer in unserer Gemeinde als auch in der Nachbargemeinde Hainstadt zwei ausführliche Vorträge über 'Messianismus und messianische Gestalten' und 'Antisemitismus und Judenschicksal', welche allseitigen Beifall fanden."    

    
Gemeindeabende in den Gemeinden Buchen, Hainstadt und Hardheim (1933)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1933: "Buchen, 26. Dezember (1933). In der Zeit vom 23. bis 25. dieses Monats fanden in den Gemeinden Buchen, Hainstadt und Hardheim Veranstaltungen, sogenannte Feier- und Weihestunden statt, die alle gut besucht waren und allseitigen ungeteilten Beifall fanden. Im Mittelpunkt dieser Feiern stand ein Vortrag über 'Erez Jisrael' mit Lichtbildern von Tel Aviv und der Orangenküste, gehalten von dem die oben angeführten Kleingemeinden betreuenden Lehrer W. Wertheimer, der die zahlreich Erschienenen zur Mitarbeit am Palästinawerk aufforderte. - Ein kleines Chanukkaspiel von den Kleinen der Religionsschulen und das Stück einer Frankfurter Schriftstellerin Irma Dresdner 'Drei treffen sich vor dem Jugendheim' , von Jugendlichen aufgeführt, lösten bei der Zuhörerschaft großen Beifall aus. Eine Reihe Gedichte, darunter ein historisches 'Raschi und Gottfried von Bouillon' wurden geradezu künstlerisch vorgetragen. - Die Herren Synagogenräte der einzelnen Gemeinden sprechen Allen, die zu den glänzend verlaufenen Veranstaltungen beigetragen haben, den Dank aus mit dem Wunsche, in nicht allzu langer Zeit wieder ähnliche Abende zu veranstalten. - Eine Sammlung für Erez Jisroel brachte ein recht befriedigendes Ergebnis."   

  
Vorträge von Lehrer Schwarzenberger aus Bödigheim (1934)  

Hainstadt Hardheim JuedRundschau 30011934.jpg (10217 Byte)Mitteilung in der "Jüdischen Rundschau" vom 30. Januar 1934: "Hainstadt. Lehrer Schwarzenberger (Bödigheim) hielt hier einen Vortrag über ‚Jüdischer Geist zu Chanukkah’."   
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1934: "Hainstadt, 14. Januar (1934). In unserer Gemeinde sprach Lehrer Schwarzenberger, Bödigheim über das Thema 'Jüdischer Geist und jüdische Geschichte'. Umrahmt wurde der Vortrag von Darbietungen des Jugendbundes Mosbach unter bewährter Führung von Herrn Baracker jun. 

      
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Julius Hofmann erhält das Eiserne Kreuz (1916)  

Hainstadt FrfIsrFambl 15121916.jpg (23713 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1916: "Hainstadt (Baden). Für tapferes Verhalten gegen den Feind an der Somme erhielt Julius Hofmann, Sohn des Synagogenrats Bernhard Hofmann, das Eiserne Kreuz."  

   
Zum 70. Geburtstag des langjährigen Gemeindevorstehers Emanuel Israel (1929)  

Hainstadt Israelit 10051929.jpg (37387 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1929: "Hainstadt (Baden), 3. Mai (1929). Am 7. April beging in aller Stille Herr Emanuel Israel seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist noch einer von jener ‚alten Garde’, die in den kleinen Gemeinden leider immer seltener werden. Herr Israel wirkte auch jahrelang als Vorsteher in der Gemeinde. Möge dem Jubilar ein heiterer Lebensabend bescheiden sein. (Alles Gute) bis 120 Jahre."  

         
Zum Tod von Sara Neuberger (1933)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1933: "Hainstadt - Mannheim, 27. Februar (1933). Am 12. Februar wurde Frau Sara Neuberger Witwe, im Alter von 76 Jahren, unter großer Beteiligung auf dem Beth Aulom (Friedhof) in Bödigheim beigesetzt. Seit dem vor 18. Jahren erfolgten Ableben ihres Gatten und dem Verluste eines hoffnungsvollen Sohnes im Kriege, wohnte sie in Mannheim bei ihrer Schwester. Am Grabe sprach Lehrer Wertheimer, Buchen, welcher in feinsinniger Weise ein Lebensbild der Heimgegangenen entwarf und Lehrer Strauß, Nördlingen, als Schwiegersohn, nahm in rührend bewegten Worten des Dankes im Auftrag der Verwandten von der wahrhaft Frommen Abschied. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge          
   
Das jüdische Wohngebiet lag nach einem Bericht von 1650 "von Alters her... auf dem Kellergarten". Demnach war der Bereich um die Kellerei das damalige jüdische Wohnviertel. Die Kellereistraße hieß früher auch "Judengasse".  
       
Um 1600 wurde eine Synagoge im sogenannten "Judenbau" eingerichtet, die bis zum Anfang des 19. Jahrhundert gottesdienstlichen Zwecken diente. In diesem Gebäude waren auch das rituelle Bad (bis 1840), die Wohnungen zweier Familien und das Schlachthaus. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der "Judenbau" allerdings als für eine Synagoge "höchst unwürdig" empfunden. Der Eingang zur Synagoge befand sich in einem "sehr traurigen Zustand". Direkt vor dem Haus war ein "übelriechender Hühnerstall". Der Rauch aus den Feuerstätten der im Erdgeschoss lebenden Familien erfüllte regelmäßig den Raum der Synagoge, "sodass man den Gottesdienst unmöglich in würdiger Weise abwarten konnte". Dabei handelten die Hausbewohner auch noch mit Häuten, die neben und über der Synagoge im oberen Stock aufgehängt waren und einen schwer zu ertragenden Gestank verbreiteten. Das Gebäude war in einem solchen Zustand, dass es nach der Neueinrichtung der Synagoge unverkäuflich war. Viermal machte die Gemeinde vergeblich einen Versuch, ihre Räumlichkeiten im alten "Judenbau" zu verkaufen. Schließlich überließ man diese dem Simon Wolf Seldner und dem Löb Schwarzmann, denen das übrige Haus gehörten. Sie mussten sich jedoch verpflichten, das im Haus befindliche rituelle Bad zu unterhalten.  
      
Der Beschluss, eine neue Synagoge zu errichten, wurde von der jüdischen Gemeinde 1814/15 getroffen. Eine aus neun Männern bestehende Kommission sollte alle beim Synagogenbau erforderlichen Anordnungen treffen und die Verwendung der Gelder überwachen. Die Finanzierung der Baukosten bereitete große Schwierigkeiten, da die aus 28 bis 30 Familien bestehende Gemeinde größtenteils in armen Verhältnissen lebte. Ein Gemeindebeschluss vom 12. August 1815 legte jedoch fest, dass jeder Hausvater zur Zahlung der entsprechenden Anteile verpflichtet war. Sollte einer der Verpflichtung nachkommen, müsse der damalige Gemeindevorsteher Bär Goldschmidt mit diesem zu Rabbiner Metz in Bödigheim gehen, um die Sache zu klären. Die Beiträge zum Synagogenbau scheinen fleißig gesammelt worden zu sein. Die ehemaligen Inhaber der Stühle in der alten Synagoge (zusammen 29) wurden je nach Vermögen in sechs Klassen eingeteilt und hatte wöchentlich vier bis vierzehn Kreuzer zu bezahlen. Die übrigen, die keinen Platz besessen hatten (zusammen 18), bezahlten außer ihren Wochengeldern noch sechs bis zwölf Gulden. Die Baukosten der neuen Synagoge, die nach der Inschrift 1819 vollendet wurde,  berechneten sich auf mehr als 3.000 Gulden. Da die Beiträge der Gemeindeglieder hierzu nicht ausreichten, erhielt die Gemeinde vom Ministerium des Innern am 20. April 1820 die Genehmigung, eine Sammlung unter den Glaubensgenossen der unteren Kreise des Herzogtums durchzuführen.   
      
Um die restliche Bausumme erbringen zu können, beschloss eine Gemeindeversammlung 1820, dass die Plätze der neuen Synagoge sowohl für Männer wie für Frauen versteigert würden. Unter 50 Gulden sollte kein Platz abgegeben werden. Bis zur völligen Bezahlung blieb der Platz Eigentum der Gemeinde. Niemand durfte seinen Platz in den ersten fünf Jahren weiterverkaufen. Wer sich keinen besonderen Platz kaufte, zahlte für die Benützung eines angewiesenen Platzes jährlich zwei Gulden Miete.  

Beim Novemberpogrom wurden die Fenster der Synagoge von auswärtigen SA-Leuten eingeschlagen, die Inneneinrichtung und die Vortüren demoliert. Am Gebäude selbst entstand kein größerer Schaden. Dennoch wurde die ehemalige Synagoge später abgebrochen und an ihrer Stelle ein Wohnhaus erbaut (Grundstück Buchener Straße 15). 
      
An Stelle der alten Synagoge (des "Judenbaus") in der Hornbacher Strasse 6-8 wurde in den 1840er-Jahren ein Neubau erstellt.  
    
   
 
   
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003)
Hainstadt Synagoge 150.jpg (46220 Byte) Hainstadt Synagoge 151.jpg (55200 Byte)
   Von der 1819 erbauten und 1938 
zerstörten Synagoge ist nichts mehr
 vorhanden; an ihrer Stelle steht dieses
 Wohnhaus (Buchener Straße 15)
Die Umgebung des ehemaligen Synagogengrundstückes
  
  
     
Fotos vom Nachfolgegebäude zum "Judenbau" in der Hornbacher Str. 6-8 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.5.2004)
Hainstadt Synagoge 280.jpg (46821 Byte) Hainstadt Synagoge 281.jpg (41182 Byte)
   Grundstein mit "Händedruck" und Inschrift von 1845
   
Hainstadt Synagoge 282.jpg (53735 Byte) Hainstadt Synagoge 283.jpg (51803 Byte) Hainstadt Synagoge 284.jpg (57310 Byte)
Verschiedene Ansichten des an Stelle des Judenbaus in den 1840er-Jahren errichteten Gebäudes


   
  
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Buchen          
Archivalien zur jüdischen Geschichte Hainstadt in Leo Baeck Institut New York (Digibaeck - online zugängliche Archivalien)     

Literatur:

Ambrosius Götzelmann: Das geschichtliche Leben eines ostfränkischen Dorfes. Hainstadt im Bauland 725-1925. Würzburg 1925².
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 118-119.
Elmar Weiss: Der Gerechte lebt durch seine Treue (Veröffentlichungen des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte … im tauberfränkischen Raum Band 3) 1996.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 320-321.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  

     
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hainstadt Baden.  Jews were present in the 16th century and the small community grew with the addition of refugees from Buchen in the 17th century. A synagogue was built in 1819 and a Jewish elementary school was opened around the end of the 1820s. Over half the Jews were cattle traders and Jews also pioneered the local cloth industry. The Jewish population reached a peak of 249 in 1842, subsequently declining steadily through emigration and the exodus to the big cities. In 1933, 38 remained (total 1,084). By early 1938, six had left and in the course of the year another 12 fled. Seven more emigrated after Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was vandalized. The last six were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940.
     
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 25. März 2013