Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Stift Odenheim gehörenden gleichnamigen Ort bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 1. April 1937 (s.u. CV-Zeitung 1.4.1937). Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1629 Jud Joseph genannt, er war Mitbegründer des jüdischen Friedhofes in Oberöwisheim. In den Vogtgerichtsprotokollen von 1670 und 1673 werden bereits mehrere jüdische Familien am Ort genannt (Angaben nach Klaus Meyer, Esens): 1670 sieben Familien: Isaac Schultheiß (gemeint der "Judenschultheiß" bzw. Vorsteher der jüdischen Gemeinde), Schmuel, Koppel, Nathan, Jost, Seeligmann, Joseph Meyer, 1673 acht Familien: Isaac Schultheiß Sel (Sel vermutlich Abkürzung für gestorben), Schmuel, Koppel, Nathan, Joseph, Mayer, Roth Judt, Seeligmann. 1683 waren es wieder sieben Familien. 1691 werden in Hilsbach zwei aus Odenheim geflüchtete Juden genannt.  
  
Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1701 neun Familien, 1720 12 Familien, 1731 57 jüdische Einwohner, 1733 61, 1746 35, 1762 zehn jüdische Familien, 1788 36 jüdische Einwohner, 1802 neun jüdische Familien. Die zehn im Jahre 1737 genannten jüdischen Familien besaßen zusammen neun ganze und zwei halbe Häuser, dazu 22,5 Ruten Krautgärten, 5 Ruten Wiesen und Grasgärten, 1 Viertel Wiesen und 1 Viertel Ackerfläche. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 75 jüdische Einwohner (4,3 % von 1.759 Einwohnern), um 1864 höchste Zahl jüdischer Einwohner mit 156 Personen, 1871 125, 1875 106 (4,7 % von insgesamt 2.241), 1887 87, 1891 78, 1900 72, 1910 61 jüdische Einwohner (2,4 % von 2.530).  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal beziehungsweise eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (in der 'Judenschule', dem späteren Lehrerzimmer der Volksschule des Ortes) sowie ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im bereits genannten jüdischen Friedhof in Oberöwisheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Im Ortssippenbuch Odenheim (s. Lit.= werden für die Zeit der ersten Hälfte/Mitte des 19. Jahrhundert die folgenden Lehrer / Vorsänger genannt (nach Angaben von Klaus Meyer, Esens; in alphabetischer, nicht chronologischer Reihenfolge!): 
1. Abraham Koppel Brand, geb. um 1795, gest. 14.10.1867, verh. mit Rebekka Bruchsaler aus Odenheim
2. Hajum (Heinrich) Brand, Religionslehrer u. Vorsänger (1851) in Bauerbach, geb. 21.01.1824, verh. mit Beßle (Babette) Basinger, geb. in Bauerbach
3. [beim Tod der Witwe angegeben:] Mendel Durlacher,  verh. vor 1853 in Odenheim mit Regine Zimmern, gest. 26.11.1853 als Witwe
4. David Keller, Lehrer u. Vorsänger (1845 - 1849) in Odenheim, verh. mit Karoline Freund
5. Ascher Koch, Vorsänger und Religionslehrer (1850 - 1855), verh. mit Sarah Sophie Weil
6. Baruch Meier, Lehrer und Vorsänger,  geb. ca. 1755, gest. 26.06.1835 1. verh. mit Jette Deuchel, 2. verh. mit Magdalena Rothschild.    
  
Bereits im 18. Jahrhundert wird ein Rabbiner am Ort genannt: 1712 tritt Rabbiner Faist sein Amt an, das er auch 1740 noch inne hatte. Um 1810 wird Rabbiner Abraham Ellinger genannt. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bruchsal zugeteilt.  
  
Die jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt zunächst vor allem als Viehhändler. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es Zigarrenfabriken jüdischer Unternehmer am Ort, mehrere Metzgereien und andere Läden / Geschäfte / Handlungen, aber auch einen Schuhmacher und einen jüdischen Wirt (Schwanenwirt).  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Hermann (Harry) Freund (geb. 14.7.1893 in Odenheim, gef. 20.1.1915). 
 
Um 1924, als noch etwa 40 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,6 % von insgesamt etwa 2.500 Einwohner), waren die Gemeindevorsteher Albert Freund, Isidor Odenheimer und Adolf Flegenheimer. Damals gab es in der Gemeinde noch ein schulpflichtiges jüdisches Kind, das seinen Religionsunterricht durch Lehrer Moritz David (Untergrombach) erhielt. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Albert Freund (1. Vors.) und Isidor Odenheimer (2. Vors.). Als Schochet war in der Gemeinde Elias Schocmann tätig. Zur jüdischen Gemeinde Odenheim gehörten inzwischen (seit der Auflösung der dortigen Gemeinde 1921) die noch in Menzingen lebenden jüdischen Personen (1932 noch 6). An jüdischen Vereinen bestand insbesondere der Wohltätigkeitsverein Chefro. Im Schuljahr 1931/32 gab es zwei schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde, die Religionsunterricht erhielten.    
  
Um 1933 gehörten jüdischen Familien noch die folgenden Gewerbebetriebe: der Schuh- und Kohlenhandel Siegmund/Helene Brandt, die Zigarrenfabrik Adolf Flegenheimer, das Manufakturwarengeschäft Isidor und Julius Odenheimer, das Textil- und Manufakturwarengeschäft Fritz Levy und die Geschirrhandlung Leopold Mannheimer.
  
1933 lebten noch 20 jüdische Personen in Odenheim. Alsbald waren sie Ziel von Aktionen von Mitgliedern der NSDAP. Zwischen 1935 und 1937 mussten alle jüdischen