Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Odenheim (Gemeinde Östringen, Landkreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Auflösung der jüdischen Gemeinde (1937)   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Stift Odenheim gehörenden gleichnamigen Ort bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 1. April 1937 (s.u. CV-Zeitung 1.4.1937). Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1691 zwei Juden am Ort genannt; 1762 waren es zehn Familien.
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 75 jüdische Einwohner (4,3 % von 1.759 Einwohnern), um 1864 höchste Zahl jüdischer Einwohner mit 156 Personen, 1871 125, 1875 106 (4,7 % von insgesamt 2.241), 1887 87, 1891 78, 1900 72, 1910 61 jüdische Einwohner (2,4 % von 2.530).   
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal beziehungsweise eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (in der 'Judenschule', dem späteren Lehrerzimmer der Volksschule des Ortes) sowie ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Oberöwisheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bruchsal zugeteilt.  
  
Die jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt zunächst vor allem als Viehhändler. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es Zigarrenfabriken jüdischer Unternehmer am Ort und mehrere Metzgereien. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Harry Freund. 
 
Um 1924, als noch etwa 40 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,6 % von insgesamt etwa 2.500 Einwohner), waren die Gemeindevorsteher Albert Freund, Isidor Odenheimer und Adolf Flegenheimer. Damals gab es in der Gemeinde noch ein schulpflichtiges jüdisches Kind, das seinen Religionsunterricht durch Lehrer Moritz David (Untergrombach) erhielt. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Albert Freund (1. Vors.) und Isidor Odenheimer (2. Vors.). Als Schochet war in der Gemeinde Elias Schocmann tätig. Zur jüdischen Gemeinde Odenheim gehörten inzwischen (seit der Auflösung der dortigen Gemeinde 1921) die noch in Menzingen lebenden jüdischen Personen (1932 noch 6). An jüdischen Vereinen bestand insbesondere der Wohltätigkeitsverein Chefro. Im Schuljahr 1931/32 gab es zwei schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde, die Religionsunterricht erhielten. 
 
Um 1933 gehörte jüdischen Familien noch die folgenden Gewerbebetriebe: der Schuh- und Kohlenhandel Siegmund/Helene Brandt, die Zigarrenfabrik Adolf Flegenheimer, das Manufakturwarengeschäft Isidor und Julius Odenheimer, das Textil- und Manufakturwarengeschäft Fritz Levy und die Geschirrhandlung Leopold Mannheimer.
  
1933 lebten noch 20 jüdische Personen in Odenheim. Alsbald waren sie Ziel von Aktionen von Mitgliedern der NSDAP. Zwischen 1935 und 1937 mussten alle jüdischen Gewerbebetriebe verkauft beziehungsweise "arisiert" werden. Die meisten der jüdischen Einwohner konnten noch emigrieren (acht in die USA, vier nach Frankreich, einer nach Argentinien), sodass beim Novemberpogrom 1938 nur noch fünf jüdische Personen am Ort waren. Die letzten vier wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die vier nach Frankreich emigrierten jüdischen Odenheimer wurden 1943/44 von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz verschleppt. Dort wurden drei ermordet, der vierte im Frühjahr 1945 im KZ Buchenwald.    
  
Von den in Odenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Augusta Auerbacher geb. Rosenfeld (1893), Bernhard Buttenwieser (1872), Sofie Erlebacher geb. Flegenheimer (1868), Moses Flegenheimer (1869), Betty Fuchs (1890), Bertha Götz geb. Mannheimer (1915), Justine Hilb geb. Buttenwieser (1863), Mina Lindauer geb. Basnizki (1887), Bernhard Mannheimer (1904), Irene Klara Mannheimer (1926), Leopold Mannheimer (1862), Max Mannheimer (1892), Regina Mannheimer geb. Emrich (1868), Flora Neuberger geb. Rabinowitz (1914), Isidor Odenheimer (1883), Josef Julius Odenheimer (1881), Sigmund Odenheimer (1886), Auguste Palm geb. Flegenheimer (1864), Mathilde Rothschild geb. Buttenwieser (1875).     
 
Weitere Erinnerungen am Ort: Ein Flurname "Moschebuckel" gegenüber dem Ortsfriedhof erinnert an einen ehemaligen Besitzer Moses Flegenheimer (19. Jahrhundert). Das noch heute bestehende Siegfriedsbrunnendenkmal in Odenheim geht auf eine Stiftung von Siegmund Odenheimer zurück.
 
 
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 / 1890 / 1893 / 1901 / 1903 / 1904 / 1909  

Odenheim Israelit 08091885.jpg (46329 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1885: "Die mit 600 Mark festem Gehalt und 300 Mark Nebeneinnahme verbundene Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Odenheim soll baldigst wiederbesetzt werden. 
Meldungen und Zeugnisse in beglaubigter Abschrift sind an die unterzeichnete Stelle zu senden. Bruchsal, den 1. September 1885. Die Bezirkssynagoge." 
 
Odenheim Israelit 08051890.jpg (50063 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1890: "Die mit einem festen Gehalte von 600 Mark und Nebeneinkommen im Betrage von 400 Mark verbundene Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Odenheim soll baldigst wieder besetzt werden. Mit derselben wird wahrscheinlich wie bisher die Erteilung des Religionsunterrichts in der Gemeinde Münzesheim verbunden sein. Meldungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift sind zu richten an die Bezirks-Synagoge in Bruchsal."
 
Odenheim Israelit 26101893.jpg (41899 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1893: "Die mit einer festen Einnahme von 600 Mark und Nebeneinnahmen in ungefähr gleichem Betrage verbundene Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in Odenheim soll baldigst wieder besetzt werden. Meldungen und Zeugnisse in Abschrift, die nicht zurückgesandt zu werden brauchen, sind zu senden an die Bezirks-Synagoge in Bruchsal."  
 
Odenheim Israelit 21021901.jpg (27965 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1901: "Die Religionsschulstelle Odenheim ist baldigst zu besetzen. Fixum 700 Mark. Nebeneinnahmen ca. 200-300 Mark. Bewerbungen an die Bezirkssynagoge Bruchsal: Dr. Doctor."  
 
Odenheim Israelit 29011903.jpg (48616 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1903: "Die mit Vorsänger- und Schächterdienst verbundene Religionsschulstelle in Odenheim, Gehalt 700 Mark, freie Wohnung und etwa 300 Mark Nebengefälle, ist baldigst zu besetzen. Meldungen an die Bezirkssynagoge Bruchsal: Dr. Doctor."
 
Odenheim Israelit 21091903.jpg (47019 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1903: "Die mit Vorsänger- und Schächterdienst verbundene Religionsschulstelle in Odenheim ist baldigst zu besetzen. Gehalt 7-800 Mark, Nebeneinnahmen 2-300 Mark. Pensionsberechtigung in Aussicht gestellt. Meldungen an die Bezirkssynagogen Bruchsal: Rabbiner Dr. Doctor."
 
Odenheim Israelit 04011904.jpg (58335 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1904: "Die mit dem Vorbeter- und Schächterdienst verbundene Religionsschulstelle Odenheim ist baldigst zu besetzen. Fixum 7-800 Mark. Nebeneinnahmen 3-400 Mark. Aussicht auf Pensionsberechtigung. Meldungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften an die Bezirkssynagoge Bruchsal: Dr. Doctor."
 
Odenheim FrfIsrFambl 08011904.jpg (24695 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Januar 1904: "Odenheim in Baden. Religionsschulstelle, verbunden mit Vorbeter- und Schächterdienst per bald. Fixum 7-800 Mark, Nebeneinnahmen 3-400 Mark. Meldungen zu richten an Herrn Dr. Doctor, Bruchsal."
 
Odenheim Israelit 29071909.jpg (63003 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1909: "Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Odenheim soll besetzt werden. Das feste Gehalt beträgt 900 Mark, die Nebeneinkünfte 500 Mark bei freier Wohnung. Gelegenheit zu weiterer Nebenbeschäftigung bietet sich am Orte. Meldungen mit Zeugnisabschriften wolle man an den Unterzeichneten richten. 
Bruchsal
, 21. Juli 1909. 
Dr. M. Eschelbacher,
Bezirksrabbiner."   

 
Publikation des Lehrers (?) Ch. Rabbinowicz (1909) 

Odenheim Israelit 28011909.jpg (135311 Byte)Buchvorstellung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1909: Text wird nicht ausgeschrieben, da kein direkter Bezug zur jüdischen Geschichte in Odenheim besteht. 
 

          

Auflösung der jüdischen Gemeinde (1937)

Odenheim CV-Zeitung 01041937.jpg (57055 Byte) Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitung des Central-Vereins) vom 1. April 1937: "Baden. Der Oberrat der Israeliten Badens gibt bekannt, dass mit Genehmigung des Staatsministeriums und des Synodalausschusses die israelitischen Gemeinden in Oestringen, Eberstadt und Odenheim aufgelöst und die noch verbleibenden Mitglieder anderen Gemeinden zugeteilt werden. Die Religionsgemeinden Heidelberg und Rohrbach sind zu einer Gemeinde mit der Bezeichnung Israelitische Religionsgemeinde Heidelberg mit Wirkung vom 1. April 1937 vereinigt worden."

  
     

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Bereits im 18. Jahrhundert hatten die (1762 zehn) jüdischen Familien sicher einen Betsaal eingerichtet. Im 19. Jahrhundert  konnte eine Synagoge in der ehemaligen Klosterkirche in der Klostergasse eingerichtet werden.  Über die Geschichte dieser ehemaligen Klosterkirche während der Zeit als Synagoge ist auf Grund der wenigen vorliegenden Quellen nicht mehr viel bekannt. Bereits in den 1920er-Jahren war es für die klein gewordene Gemeinde immer schwieriger, die zu den Gottesdiensten notwendige Zehnzahl der Männer zusammen zu bekommen. Nachdem die Klosterkirche spätestens nach Auflösung der jüdischen Gemeinde Anfang 1937 nicht mehr genutzt wurde, ist sie auf Grund ihres baufälligen Zustandes 1940 abgerissen worden. 

1988 wurde auf dem Grundstück Untere Klostergasse 20 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge aufgestellt.
  


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 18.11.2004)

Odenheim Synagoge 012.jpg (36788 Byte) Odenheim Synagoge 011.jpg (47838 Byte)  Odenheim Synagoge 010.jpg (42002 Byte) 
Standort der ehemaligen Synagoge Gedenkstein/-tafel für die ehemalige Synagoge in Odenheim

  
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Östringen
Heimatkundlicher Arbeitskreis Odenheim  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 221-222.
Franz Gehrig: Hilsbach. Chronik der höchstgelegenen Stadt im Kraichgau. 1979 S. 197 (zu 1691)

Heimatbuch Östringen. Geschichte einer Stadt. 1982.

Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990.

Hefte "Linsabauch" des Heimatkundlichen Arbeitskreises Odenheim: in den Heften 3.6-11.19 aus den Jahren 1986-2000 finden sich Beiträge zur Geschichte der Juden in Odenheim von Kurt Fay, Eugen Krapp, Karl Mentel, Rainer Maurer. 

Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 219-220.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  
  

   

                   
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Stand: 02. Januar 2010