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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Östringen (Landkreis Karlsruhe)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift
Speyer gehörenden Östringen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer
Auflösung am 1. April 1937. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück.
Nach einer Liste von 1721 (GLA Karlsruhe Bestand 153/158
Bevölkerungsstatistik Amt Kislau, Hinweis von Josef Seitz, Maulbronn) gab
es damals folgende fünf jüdischen Haushaltsvorstände in Östringen: Borg
Jud (geboren im Hochstift Speyer mit Frau, 1 Sohn, 1 Knecht, 1 Magd und seit 27
Jahren in Östringen), Gumpele Jud (geboren im Hochstift Speyer mit Frau,
3 Töchter, 1 Magd und seit 60 Jahren in Östringen), Jeof Jud (geboren
im Hochstift Speyer mit Frau, 1 Knecht, 1 Magd und seit 42 Jahren in
Östringen), Jochela Jud (geboren im Hochstift Speyer mit Frau, 2
Söhnen, 4 Töchter und seit 18 Jahren in Östringen) sowie Löw Jud
(geboren im Hochstift Speyer mit Frau, 1 Sohn, 1 Magd und seit 6 Jahren in
Östringen).
1725 waren die Östringer Juden eines Ritualmordes angeklagt,
doch stellte sich der christliche Mörder des vierjährigen Mädchens nach
einiger Zeit den Behörden (siehe Bericht unten). 1729 gehörten zu den
am Ort lebenden fünf Familien insgesamt 29 Personen. Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich zunächst auf die
"Judengasse" (1934 in Marschackerstraße umbenannt). 1785 waren sieben
jüdische Familien am Ort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1825 54 jüdische Einwohner (3,0 % der Gesamtbevölkerung); 1864
Höchstzahl mit 110
Personen, 1871 99, 1875 96 (4,0 %), 1900 67 (2,9 % von insgesamt 2.984
Einwohnern), 1910 33 (von 3.424 Einwohnern).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad (im Gebäude der alten Synagoge, aus der
nach dem Bau der neuen Synagoge die Schule mit Lehrerwohnung wurde). Die Toten
der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Obergrombach,
nach 1878 teilweise auch in Mingolsheim
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk
Bruchsal
zugewiesen.
Die jüdischen Familien lebten ursprünglich vom Handel, hauptsächlich
mit Vieh. Seit etwa 1900 gab es vier von jüdischen Unternehmern gegründete
Zigarrenfabriken.
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
in jüdischem Besitz sind bekannt: Viehhandlung Louis Falk (Keltergasse 14/16), Viehhandlung Adam Mayer
(Leiberg II/6), Zigarrenfabrik Marx & Schloß, Inh. Sigmund Marx und Moritz Schloß/Heidelberg
(Georgstraße 14), Zigarrenfabrik Fa. S. Merzbacher & Co./Stuttgart (Hauptstraße
68), Schuhwarengeschäft (vorm. Mazzenbäckerei) Karoline Strauß (Hauptstraße
110), Zigarrenfabrik Ludwig Wolf (Hauptstraße 114), Zigarrenfabrik Mayer Wolf
(Hauptstraße 135, abgebrochen), Zigarrenfabrik Wolf-Wolf (Hauptstraße 142).
1933 wurden noch zehn jüdische Einwohner in Östringen gezählt. Die
nationalsozialistische Machtergreifung war auch in Östringen sofort
wahrnehmbar. Am 1. April 1933 (Boykotttag) standen SA-Posten vor den jüdischen
Geschäften. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Entrechtung und der Repressalien verzogen die jüdischen Einwohner bis auf
Amalie und Ludwig Wolf in den Folgen Jahren aus Östringen oder wanderten aus.
Die beiden Genannten wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert und 1942 in
Auschwitz ermordet. Sophie Wolf, die nach Mannheim verzogen war, wurde
gleichfalls nach Gurs verschleppt und später ebenfalls ermordet.
Von den in Östringen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berthold Falk
(1903), Elsa Falk (1893), Hilde Falk (1893), Julius Falk (1898), Johanna Jean
geb. Wolf (1900), Rosa Levy geb. Wolf (1862), Karoline Strauss geb. Wolf (1871),
Simon Strauss (1901), Wilhelmine Weil geb. Mayer (1869), Arthur (Abraham)
Wertheimer (1871), Julius Wertheimer (1882), Max Wertheimer (1888), Salomon
Samuel Wertheimer (1868), Thea Flora Wertheimer (1883), Amalie Wolf (1890),
Ludwig Wolf (1892), Siegfried Wolf (1876), Sophie Wolf (1893).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1875 /
1890 / 1907
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1875:
"Auskündigung. Die Religionsschulstelle in Oestringen,
Amt Bruchsal, womit Vorsänger- und Schochetstelle verbunden, ist
innerhalb 4 Wochen zu besetzen. Fixum 625 Mark; Schulgeld, nicht
unbedeutende Nebenverdienste und freue Wohnung für einen Unverheirateten.
Meldungen mit legalen Zeugnisabschriften sind zu richten an das
Großherzogliche Bezirksrabbinat in Bruchsal. Bruchsal, den 13.
Juli 1875." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1890:
"Die mit freier Wohnung, einem festen Gehalte von 600 Mark und
Nebeneinnahme im Betrage von 4-500 Mark verbundene Stelle eines
Religionslehrers, Kantors und Schächters in Oestringen soll bis
spätestens zum 1. Juli wieder besetzt werden. Meldungen nebst Zeugnissen
in beglaubigter Abschrift sind baldigst zu richten an
Die Bezirkssynagoge. Rabbiner Dr. Eschelbacher,
Bruchsal." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1907:
"Die Stelle des Religionslehrers, Kantors und Schächters in Oestringen
soll möglichst sofort besetzt werden. Festes Gehalt 1.000 Mark,
garantierte Nebeneinkünfte 400 Mark nebst schöner Dienstwohnung mit
Garten. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihr Gesuch unter
Beifügung von Zeugnisabschriften an den Unterzeichneten richten.
Bruchsal, 22. September 1907. Dr. C. Eschelbacher,
Bezirksrabbiner." |
Berichte aus dem
jüdischen Gemeindeleben
"Aus alten Akten" - eine Blutbeschuldigung der
Juden in Östringen am Anfang des 18. Jahrhunderts
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember
1911: "Aus alten Akten. Eine Blutbeschuldigung deutscher Juden am
Anfang des 18. Jahrhunderts von J. Lebermann,
Darmstadt.
Von einem aufregenden Vorgange, der in seinem Verlauf den Juden in
Oestringen (wahrscheinlich Oestringen in Baden) und wahrscheinlich auch in
weiteren Kreisen hätte verhängnisvoll werden können, und bei dessen Schilderung
wie mit Flammenzeichen die Erinnerungen an die betrübenden Ereignisse
späterer Zeit (Tisza Eszlar, Affäre Hilsner, Taten des russischen
Verbandes) vor uns aufsteigen, berichtet uns ein am 26. August 1725 in
Bensheim an der Bergstraße vor dem dortigen Rat aufgenommenes Protokoll.
Dasselbe liefert aufs neue den Beweis, auf welche Weise die wahnwitzigen
Blutbeschuldigungen entstanden sind und noch entstehen. Aus den im
trockenen Amtsstil abgefassten Daten ist ersichtlich, dass ein
24-jähriger Kessel- und Pfannenflicker Hans Michael Essig von Oestringen
im Zorn ein 4jähriges Kind erschlagen und die Leiche verschleppt hatte.
Durch die Flucht des Mörders war dessen Entdeckung erschwert, und so
hatte sich, wahrscheinlich durch Einflüsse demagogischer und
judenfeindlicher Kreise aufgestachelt, die Ortsbevölkerung gegen die
dortigen Juden gewandt und dieselben des Ritualmordes verdächtigt. Einige
derselben waren bereits verhaftet und gefangen gesetzt worden.
Nach längerem Umhervagieren durch die verschiedenen Gegenden Deutschlands
hatte der flüchtige Mörder in Walldürn in Baden, von Gewissensbissen
getrieben, seine Tat gebeichtet und war dann in Bensheim an der
Bergstraße, wo er sich bei dem Bäckermeister Wendel Grün als Knecht
verdungen hatte, entdeckt worden.
In Gegenwart zweier Mitglieder des dortigen Rats sowie des Stadtschreibers
wurde der Mörder vernommen, und darüber nachstehendes Protokoll
ausgefertigt, welches als Dokument des folgenschweren, mit Gottes Hilfe
noch rechtzeitig aufgeklärten Vorgangs einiges Interesse beanspruchen
darf: 'Extractus Protocolli Sub dato Benßheim, d. 26. August 1725. Actum
in praesentia Herrn Johann Kollerer und H. Friedrich Hohmann, beide des
Raths, dann meiner Stephani Faber Stattschreibers.
Wurde ad instantiam hiesigen Schutzverwandten Itzig Liebmann, dann zweyer
Juden Joseph Möyses und Moyses Isaac, eines 14jährigen Bubens, beide von
Michelfeld, Wendel Grünens hiesigen Bürger und Beckermeisters Knecht
Hanß Michael Essig zu Oestringen vorbeschrieben, und auf nachgesetzte
interrogatoria examiniert:
1mo Wie er heiße? resp. ad 1mum: Hanß Michael Essig.
2do Wo er her er seye? ad 2dum: Von Oestringen.
3rio Wie alt er seye? ad 3tium: 24 Jahr
4to Wo er sich aufhalte und wie lang er hier seye. ad 4tum:
bay Wendel Grün und dienete er bey die 7 Wochen als Knecht.
5to Warum er von Hauß hinweggegangen? ad 5tum: Habe ein
4jähriges Kind Jacob Huberts Töchterlein mit einem eisernen Hammer
ohngefehr todt geschlagen.
6to Warum er solches gethan? resp. ad 6tum: Das Kind seye in
seiner Mutter Anne Marie Essigs Hauß bei ihnen gewesen, und als er im
Kessel- und Pfannen-Flicken auf seinem Handwerk geschaffet, habe es ihm
sein Werkzeug verschleppet, und hier und dar im Zimmer verlegt, dahero
habe er im Zorn den Hammer ergriffen und ihm einen Streich auf den Kopf
versetzet, dass selbiges sogleich für todt zu Boden gesunken.
7mo Ob er sonsten nichzts weiteres nach dem Hammerschlag mit dem
Kind verübet. ad 7timum: So balden das Kind sich in etwas erholet
und zu schreyen angefangen, habe er aus Ängsten selbiges genommen, in die
Küche getragen und eine Axt ergriffen, sofort demselben die Gurgel
entzwey gehauen.
8vo Wo er alsdann das Kind hingethan? ad 8vum: Habe es
sogleich aus dem Hauß getragen und zwischen zweyen Scheuren nehmlich des
Michael Meyers und Hans Jakob Schwarzen Scheuer niedergelegt.
9no: Wer dann zugegen gewesen, als er diese Mordtat begangen? ad
9num: Niemand und seye bereits Nacht gewesen. |
10mo:
Wo er nach diesem begangenen Totschlag hingegangen und wer ihm das
Zehrgeld mit gegeben? ad 10mum: Nach Heilbrunn in Meinung sich aldar
unterhalten zu lassen, es seye aber derselbe nicht angenommen worden,
sofort wäre er weiteres über Kirchen am Neckar, Lauterburg, Philippsburg
nachden Landau geraten, an welchem letzteren Ort er abermale Kriegsdienste
gesucht, aus Mangel der Jahren und Statur aber habe man ihn nicht annehmen
wollen, von dannen seye er über Frankfurt nach Bamberg und endlichen
wieder zurückgegangen, weil er nirgends unterkommen können, letztlicher
seye er zu Waltthüren (Walldürn) gewesen, allwo er seine Missetat
gebeichtet und seine Andacht verrichtet, und als er in seinem
Herumvagieren bei Wachhäußel (Waghäusel) einen bekannten Hirten mit
Namen Andreas Koch angetroffen, habe er ihn gewarnt, sollte sich aus dem
Staube machen, sonsten es ihm übel ergehen würde, worauf er angero zu
Wendel Grün gekommen, welcher ihn als einen Knecht gedinget, auch habe
ihm seine Mutter, als er hinweggegangen, sechs Kreuzer auf diese Reise
mitgegeben, endigte damit seine Aussage und wurde sogleich in das
Gefängnis gebracht.'
Der Pfälzische Judenvorsteher Mordechai Mayer von Weinheim hatte am
darauf folgenden Tage in Darmstadt durch Eilboten die Nachricht von der
Ergreifung des Mörders erhalten und begab sich sofort mit dem damaligen
Judenvorsteher der Obergrafschaft Katzenelnbogen Samuel Heyum von
Darmstadt nach Bensheim, wo sie gegen entsprechende Gebühr die
Aushändigung des Protokollauszuges erlangten. Im Besitze der amtlichen
Aufklärung des Tatbestandes trafen sie dann die erforderlichen Maßnahmen
zur schleunigen Befreiung der unschuldig im Gefängnis schmachtenden
Juden." |
Auflösung
der jüdischen Gemeinde (1937)
Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitung des Central-Vereins) vom 1.
April 1937: "Baden. Der Oberrat der Israeliten Badens gibt bekannt,
dass mit Genehmigung des Staatsministeriums und des Synodalausschusses die
israelitischen Gemeinden in Oestringen, Eberstadt und Odenheim aufgelöst
und die noch verbleibenden Mitglieder anderen Gemeinden zugeteilt werden.
Die Religionsgemeinden Heidelberg und Rohrbach sind zu einer Gemeinde mit
der Bezeichnung Israelitische Religionsgemeinde Heidelberg mit Wirkung vom
1. April 1937 vereinigt worden." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod des aus Oestringen stammenden Zigarrenfabrikanten
Samuel Wolf (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1927: "Heidelberg,
25. Mai (1927). Im Alter von 60 Jahren starb hier festern nach kurzer
Krankheit Zigarrenfabrikant Samuel Wolf. Er stammte aus Oestringen
in Baden, war aber seit langen Jahren in Heidelberg ansässig und Inhaber
der Heidelberger Zigarrenfabrik Gebrüder Wolf, die er aus bescheidenen
Anfängen heraus mit rastlosem Fleiß in jahrzehntelanger Arbeit zu einem
weithin geachteten Unternehmen entwickelte. Ein lauterer Charakter und ein
schlicht bescheidenes Wesen zeichneten ihn aus. Das Vertrauen seiner
Gemeindemitglieder berief ihn in den Synagogenrat. Ebenso war er
Vorsitzender des Bikur-Cholim-Vereins und in der Verwaltung vieler
Wohlfahrtsinstitutionen. In steter Hilfsbereitschaft stellte er seine
Kraft in den Dienst der Gesamtheit und der Gemeinde. Seinen Angestellten
war er ein gütiger, hoch geschätzter väterlicher Freund. So ruft sein
Tod bei allen, die ihm persönlich nähertreten durften, aufrichtige
Teilnahme hervor. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Über Gustav Wolf (1887 - 1947)
| In Östringen ist der Maler, Grafiker und Holzschneider Gustav
Wolf geboren (1887 Östringen-1947 Northfield, Mass.), Künstler (Maler und Graphiker): 1904 Studium an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, 1916 Kunstlehrer in Schwerin, 1919 Gründung der Gemeinschaft der Pforte in Heidelberg, 1920/21
Professor an der Landeskunstschule Karlsruhe, 1938 in die USA emigriert. In Östringen (Am
Leiberg) eröffnete 1994 die Gustav-Wolf-Gallerie, die den künstlerischen
Nachlass von Wolf bewahrt. |
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Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
1794 wurde auf dem heutigen
Grundstück Saarlandstraße 12 eine Synagoge ("Judenschule") erbaut. Bis
zum Bau einer neuen Synagoge 1834 wurden hier die Gottesdienste abgehalten, danach
wohnte hier der jüdische Lehrer ("Lehrerhaus"). 1980 wurde das Gebäude im
Zusammenhang mit der Ortssanierung abgebrochen. Es stand im Bereich der heutigen
Zufahrt zur Rathausgarage.
Neben dem Gebäude der alten Synagoge wurde 1834 auf
dem heutigem Grundstück Saarlandstraße 10 eine neue Synagoge erbaut.
Zur Baugeschichte und weiteren Geschichte dieser Synagoge konnten keine Quellen
gefunden werden. Einer der wenigen Hinweise ist eine Bescheinigung vom 25. Juli
1842 für den Pflästermeister Spieler, wonach dieser in der Hintergaß beim
Israelitischen Bad (Synagoge) 30 Quadrat Ruthen 79 Fuß vorschriftsmäßig für
77 Gulden gepflastert habe. 1870 gab es offensichtlich Pläne, nochmals eine
neue Synagoge zu erstellen, da der Synagogenrat bei der bürgerlichen Gemeinde
den Antrag auf Zuweisung eines Synagogenplatzes stellt. Die Gemeinde lehnte am
14. März 1875 den Antrag ab, da es nicht Sache der Gemeinde sei, für einen
Synagogenplatz zu sorgen.
Vermutlich wurden bereits in den 1920er-Jahren keine regelmäßigen
Gottesdienste in der Östringer Synagoge gefeiert, da die Zahl der jüdischen
Einwohner zu stark zurückgegangen war (1925 noch 20 jüdische Einwohner). Die
Synagoge wurde 1936 auf behördliche Anordnung hin wegen Einsturzgefahr
abgebrochen. Seit 1988 ist eine Gedenktafel vorhanden.
Bis 1935 hieß die heutige Saarlandstraße "Synagogenstraße"
(ehemals Hintere Straße; im Volksmund "in der Juddeschul"). 1989 wurden in der
Marschackerstraße und in der Saarlandstraße Hinweisschilder auf die früheren
Bezeichnungen "Judengasse" bzw. "Synagogenstraße" angebracht.
Die Anbringung einer Gedenktafel im Mai 2005
(Quelle: www.oestringen.de)
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Auf dem Bild von der Enthüllung der
Gedenktafel (s.u.) sind von links nach rechts Pfarrer Friedrich Becker
(Evangelische Kirchengemeinde Östringen), David Seldner (Israelitische
Religionsgemeinschaft Baden), Bürgermeister Walter Muth und Pfarrer Walter
Rothermel (Katholische Kirchengemeinde Östringen) zu sehen.
In
Östringen wurde jetzt am früheren Standort der örtlichen Synagoge und des
Gemeindehauses die Gedenktafel an das jüdische Leben in der Kraichgaustadt
erneut angebracht und im Rahmen einer kleinen Feierstunde enthüllt. Im vorigen
Jahr hatte die Stadt nach Absprachen mit der Anwohnerschaft das zuvor
optisch wenig ansehnliche privateigene Terrain an der Saarlandstraße
befestigt und Stellflächen für Kraftfahrzeuge angelegt.
Der Gedenkstein
hat nun an der Fassade des benachbarten Wohn- und Geschäftshauses Saarlandstraße
8 einen neuen Standort gefunden und gemahnt daran, die Erinnerung an Verfolgung
und Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürger dauerhaft zu bewahren. Ursprünglich
war die Tafel 1988 anlässlich des fünfzigsten Jahrestags der Reichspogromnacht
angebracht worden und wie seinerzeit sein Amtsvorgänger Helmut Kieninger setzte
sich nun auch Pfarrer Friedrich Becker von der Evangelischen Kirchengemeinde mit
Nachdruck dafür ein, "aus dem Gedenken Mut und Kraft zu schöpfen, um in
Zukunft Entwicklungen zu widerstehen, die irgendeiner Gruppe in unserem Volk das
Recht zu freier Entfaltung ihres Lebens nehmen wollen". Becker warb für
Verständigungsbereitschaft und Versöhnung über Weltanschauung und
Religionszugehörigkeit hinweg und mahnte, Intoleranz und Hass entschlossen
entgegenzutreten. Bürgermeister Walter Muth dankte dem evangelischen
Ortsgeistlichen für seinen persönlichen Einsatz zur Wiederanbringung der
Gedenktafel und stellte die Initiative mit dem Hinweis auf die kurz zuvor
erfolgte Fertigstellung des Berliner Holocaust-Denkmals in einen größeren
Kontext. "Es gibt keine Alternative zur Völkerverständigung und auch die
Weltreligionen müssen sich weiter aufeinander zu bewegen", sagte das
Stadtoberhaupt.
Bei der vom
Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde musikalisch umrahmten
Feierstunde, bei der Östringens katholischer Seelsorger Walter Rothermel den
23. Psalm "Der Herr ist mein
Hirte" zitierte, erinnerte der stellvertretende Vorsitzende des Oberrats
der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden David Seldner daran, dass in Östringen
einst Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu 110 Personen jüdischen Glaubens lebten.
Der Bau einer damals auch als "Judenschule" bezeichneten ersten
Synagoge in der heutigen Saarlandstraße ist für das Jahr 1794 belegt und bis
zum Jahre 1834, als in der unmittelbaren Nachbarschaft eine neue Synagoge
errichtet wurde, diente das Bauwerk unter anderem zur Feier von Gottesdiensten.
Nachdem es in der nachfolgenden Zeit noch als Wohnhaus des jüdischen Lehrers
genutzt wurde, kam es 1980 zum Abbruch im Rahmen der Stadtsanierung. Schon 1936
war auf behördliche Anordnung die zweite Synagoge wegen Einsturzgefahr
abgetragen worden, in der allerdings vermutlich wegen der stark rückläufigen
Zahl der in Östringen wohnenden Juden seit den 1920er-Jahren keine regelmäßigen
Gottesdienste mehr stattgefunden hatten. 1925 gab es nach zeitgenössischen
Aufzeichnungen noch 20 jüdische Einwohner in der Gemeinde und unter dem
Terrorregime der Nationalsozialisten fanden mit Amalie und Ludwig Wolf die
letzten Östringer Juden im Jahre 1942 in Auschwitz den Tod.
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Im Östringer
Heimatmuseum finden sich verschiedene Erinnerungen an die jüdische
Geschichte, u.a. aqarellierte Zeichnungen der Synagoge und des Lehrerhauses von
Friedewalt Essenpreis (1927), Werke des Malers Hugo Wolf, eine kleine
Schriftrolle aus einer Mesusa, ein Grundriss der Synagoge und ein Talith
(Gebetsmantel).
Darstellungen / Fotos
Zeichnungen der Synagoge und
Judenschule von Friedewalt Essenpreis:
Fotos nach 1945/Gegenwart:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003* bzw. 12.6.2005)
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| Hinweis am Straßenschild
"Saarlandstraße " auf frühere Bezeichnung
"Synagogenstraße"*) |
Die im Mai 2005 angebrachte
Gedenktafel für Synagoge und jüdisches Gemeindehaus/Judenschule |
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| Blick auf das
Synagogengrundstück - im Schatten an der beigen Hauswand ist die
Gedenktafel angebracht |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 223-224. |
 | Heimatbuch Östringen. Geschichte einer Stadt. 1982. |
 | Wilhelm Messmer: Juden unserer Heimat. 1986. |
 | Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 247-248. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Oestringen Baden.
Jews probably settled in the early 18th century. A synagogue was consecrated in
1834 and the Jewish population grew to a peak of 99 (4 % of the total) in 1871
as their economic position improved. Jews opened four cigarette factories and
most operated auxiliary farms. The Jewish population then dropped sharply
through emigration to the big cities, leaving ten Jews in 1933. Three left and
the rest were deported in 1940.

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