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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Neudenau (Landkreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurmainzischen
Stadt Neudenau bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter, die
durch die Judenverfolgungen 1298 und 1349 vernichtet wurde. Seit 1492/1508 wird
jeweils wieder ein Jude in der Stadt genannt. Möglicherweise waren im ganzen
15. und 16. Jahrhundert (zumindest vereinzelt) Juden in Neudenau. Das
mittelalterliche Wohngebiet war vermutlich die 1454 erstmals genannte
'Judengasse' (1965 in Kronengasse umbenannt).
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht auf das Ende
des 17. Jahrhunderts zurück. 1667 war es jedoch nur ein jüdisches
Einwohner (Manneß), der damals 24 Gulden "Schutzgeld" zu bezahlen
hatte. 1769 lebten 36 jüdische Personen in acht Familien in der Stadt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1806 54 jüdische Einwohner (in elf Familien, 4,5 % von insgesamt
1.195 Einwohnern), 1825 36 (3,4 % von 1.066), 1841 55, 1848 48 (3,5 % von
1.357), 1880 50 (3,7 % von 1.354), 1900 39 (3,4 % von 1.151), 1910 26 (2,1 % von
1.212). Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Vieh-, Pferde- oder
Textilwarenhandel.
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule (Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsame Besetzung der Stelle mit
Stein am Kocher, siehe die Ausschreibungstexte unten), ein rituelles Bad sowie
einen Friedhof. Das rituelle Bad lag bis 1835 im Haus des Gumbel Klein (Standort unbekannt), seither an der Siglinger
Straße (1965 abgebrochen), wo es von dem noch vorhandenen "Judenbrünnle" gespeist wurde.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe
Ausschreibungstexte unten). Bekannt ist unter den Lehrern des 19. Jahrhunderts
Wolf Strauß, der von 1836 bis zu seinem Tod 1876 in Neudenau tätig war. Die jüdische Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Mosbach.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Siegmund Haas (geb.
1.4.1898 in Neudenau, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 26.7.1918). Sein
Name steht auf dem Gefallenendenkmal des städtischen Friedhofes.
Um 1925 (12 jüdische Gemeindeglieder, 1,0 % von insgesamt 1.216
Einwohnern) waren die Vorsteher der
jüdischen Gemeinde Abraham Haas und Sigmund Weinberg, Die damals noch drei
schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten Religionsunterricht durch Lehrer
Moritz Bloch (Adelsheim). Um 1932 war Vorsteher der Gemeinde Sigmund
Weinberg.
1933 bestanden an jüdischen Geschäften noch die Pferdehandlung Leopold Haas (Kirchplatz 2),
das Textilgeschäft Heinrich Rosenberg (Neue Anlage 10) sowie das Manufakturwarengeschäft Sigmund Weinberg und Textilgeschäft Helmar Spier
(Hauptstraße 5). Bereits 1933 waren insgesamt nur noch neun jüdische Personen in der Stadt. Am 8. November
1937 wurde die
Gemeinde aufgelöst; die hier noch lebenden Juden wurden der Gemeinde Billigheim
zugeteilt. Mit Ausnahme von Mina Haas, die noch in Neudenau starb, verzogen
die jüdischen Einwohner zwischen 1935 und 1940 nach Pforzheim, Weinheim,
München und Berlin. Am Tag der Deportation der badischen Juden wohnte in
Neudenau selbst keine jüdische Person mehr. Doch wurden mehrere Neudenauer Juden von anderen
Orten aus deportiert (Ehepaar Spier mit der kleinen Tochter Ingrid von Berlin
aus).
Von den in Neudenau geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Bier geb.
Hirsch (1898), Leopold Fröhlich (1877), Klementine Landheimer geb. Haas (1896), Hedwig
Rosenberg (1879), Heinrich
(Henry) Rosenberg (1878), Karoline Rosenberg (1881), Selma Rosenberg geb. Levi (1883),
Sofie Rosenberg (1888), Wilhelm Rosenberg (1870), Helmar Spier (1906),
Ingrid Gerda Spier (1937), Irma Spier geb. Weinberg (1909), Lina Weinberg (1911), Mina Weinberg geb. Rosenberg
(1878), Sigmund Weinberg (1879).
In Neudenau geboren ist Carola Rosenberg-Blume
(1899-1987), Pionierin der Frauenbildung in den 1920er-Jahren in Stuttgart.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 /
1881
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1879:
"In der israelitischen Gemeinde Neudenau in Baden ist die
Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorbeters vakant und sofort
zu besetzen.
Fixer Gehalt 600 Mark, Nebeneinkünfte ca. 300 Mark, Schulgeld Mark 2.20,
wobei jedoch in der Nachbargemeinde Stein
a. Kocher 2mal wöchentlich der Religionsunterricht zu versehen
ist.
Gefällige Anmeldungen sind zu richten an Leopold Rosenberg,
Vorsteher." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1881:
"Auskündigung einer Religionsschulstelle.
Die beiden vereinigten Religionsschulstellen bei den israelitischen
Gemeinden Neudenau und Stein, Synagogenbezirk Mosbach, mit
welchen ein fester jährlicher Gehalt von 600 Mark, ein jährliches
Schulgeld von 2 Mark 20 Pf. für jedes Schulkind, nebst freier Wohnung,
mit dem Wohnsitze in Neudenau, sowie der Vorsänger- und Schächterdienst
mit den davon abfließenden Gefällen, die sich auf ca. 300 Mark jährlich
belaufen, verbunden ist, sind am 15. Juni dieses Jahres zu besetzen.
Berechtigte und qualifizierte Bewerber um dieselben wollen sich sofort mit
ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer desfallsigen Zeugnisse und der Zeugnisse
über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel bei unterzeichneter
Stelle melden.
Mosbach am Neckar (Großherzogtum Baden), den 31. Mai 1881.
Das Großherzogliche Bezirksrabbinat: S. Weil." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Maier Ullmann
(1879)
Nachruf
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1879:
"Neudenau a.S., im Adar. 'Wenn Adar eintritt, mehre sich die
Freude' wird uns gelehrt. Leider ist uns diese Freude sehr,
sehr getrübt worden. Unsere kleine Gemeinde hat einen herben Verlust zu
beklagen. Herr Maier Ullmann ist ihr durch den Tod entrissen worden. Der
Verstorbene bekleidete geraume Zeit das Amt eines Vorstehers in hiesiger
Gemeinde mit seltener Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Das Wohl
seiner Gemeinde zu fördern, lag ihm stets am Herzen. Dabei war er von
echter Gottesfurcht beseelt. Er ruhte und rastete nicht, bis die
hiesige Gemeinde eine ihrem heiligen Zwecke angemessene Synagoge hatte.
Sein Eifer für die heilige Sache überwand und besiegte mit Gottes Hilfe
alle Hindernisse, die bei einer so kleinen Gemeinde wie die hiesige keine
geringen waren. Stets war er der erste beim Gebete und versah, als die
Gemeinde noch ohne Lehrer, das Amt eines Vorbeters. Allgemein
bekannt war seine Friedensliebe, er war ein echter, der den Frieden
liebt und dem Frieden nachjagt. Sein edler Charakter, sein Biedersinn
und seine Uneigennützigkeit erwarben ihm nicht nur die Liebe und
Anhänglichkeit seiner Gemeinde, sondern Aller, die ihn kannten und mit
ihm Umgang hatten. Sein Leichenbegängnis, zu dem Leute von Nah und Fern
herbeigekommen waren und dem auch viele Christen, insbesondere aus den
besseren Ständen, folgten, legte lautes Zeugnis davon ab, in welcher
Achtung der Verblichene in allen Kreisen gestanden. Der allgemeinen
Beliebtheit - eine Krone ist ein guter Name - deren sich der
Hingeschiedene zu erfreuen hatte, und der allgemeinen Trauer, die ob
seinem Ableben sich Aller bemächtigte, gab Herr Bezirksrabbiner Weil aus
Mosbach in ergreifender Weise am Grabe Ausdruck. Der Verblichene
hinterlässt eine trauernde Gattin und obgleich die 43jährige Ehe mit
dieser kinderlos blieb, so hat sich der Verewigte durch seine guten Werke
eine Hinterlassenschaft, ein Monument gegründet, dauerhafter als Erz
und Stein. Möge er in jenen lichten Höhen den reichlich verdienten Lohn
dafür ernten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
H." |
Zum Tod von Hannchen Rosenberg (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1921:
"Neudenau, 11. Juli (1921). Einen schweren unersetzlichen Verlust hat
die hiesige kleine israelitische Gemeinde durch das Hinscheiden der Frau
Hanchen Rosenberg erlitten, deren irdische Überreste am jüngsten
Freitag der Erde übergeben wurden. Die Dahingeschiedene, die das Alter
von 76 Jahren erreicht, gehörte zu den echten frommen Frommen und wirkte
während ihrer ganzen Lebenszeit getreu den Traditionen gemäß, die
unsere heilige Tora ihren Bekennern ans Herz legt. Gemeinsam mit ihrem vor
wenigen Jahren verstorbenen Gatten führte sie in vorbildlicher Weise ein
Haus, das in jeder Beziehung als mustergültig bezeichnet werden darf.
Vornehme Wohltätigkeit, Gastfreundschaft und Menschenliebe waren die
Eigenschaften, die ihrem Hause zur Zierde gereichten. Das
Leichenbegängnis, dem viele Freunde von Nah und Fern anwohnten und bei
welchem Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach der Verblichenen
einen wohlverdienten, ehrenden Nachruf widmete, legte Zeugnis davon ab,
welcher Beliebtheit die Dahingeschiedene in allen Kreisen sich erfreuen
dürfte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Hässlicher antijüdischer Presseartikel einer Tageszeitung vom 30. Juni 1936
zur Teilnahme von Christen an der Beerdigung von Mina Haas
(zugesandt von Helmut Gehrig, Neudenau)
Presseartikel
vom 30. Juni 1936: "Die letzte Ehre - eine Jüdin erwiesen.
Neudenau. Es gibt hier noch seltsame Leute, die hinter dem Mond zu
leben scheinen. So wurde vor einiger Zeit die Jüdein Mina Haas zu Grabe
getragen. 58 Juden und - 46 Deutsche gaben der Jüdin das letzte Geleit,
und dies, obwohl in den frühen Morgenstunden das Gerücht umging, dass
Deutsche, welche mit der Judenbeerdigung gingen, gefilmt würden! Viele
versteckten sich unter dem aufgespannten Regenschirm, um nicht erkannt zu
werden. Aus lauter Vorsicht, dass die Judenbeerdigung gefilmt werde,
vergaßen die Deutschen den Rosenkranz zu beten.
Es ist tief bedauerlich, dass Deutsche als Leidtragende den Nachfolgern
der Christusmörder die 'letzte Ehre (!) erweisen'. Sie haben seit der
Machtergreifung tatsächlich nichts hinzugelernt. Bei vielen mag es ihrer
Dummheit angerechnet werden, aber von Staats- und Gemeindebeamtenfrauen
kann verlangt werden, dass sie sich über die einfachsten
weltanschaulichen Dinge Klarheit verschaffen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Junger Mann für Manufakturwarengeschäft Rosenberg
gesucht (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1902: "Suche
für mein an Samstag und israelitischen Festtagen geschlossenes
Manufakturwarengeschäft einen tüchtigen, branchekundigen und
militärfreien jungen Mann, welcher selbständig die Bücher
führen kann und kleinere Detailreisen bei nur gut eingeführter
Kundschaft zu machen hat. Eintritt könnte eventuell sofort oder auch
später erfolgen. Den Offerten sind Zeugnisse, nebst Gehaltsansprüchen
bei freier Station beizuführen.
Gustav Rosenberg, Neudenau, Baden." |
Zur
Geschichte des Betsaales/der Synagoge
Das mittelalterliche Wohngebiet
war vermutlich die 1454 erstmals genannt "Judengasse" (1965 in Kronengasse
umbenannt; siehe Foto links). Über Einrichtungen des Mittelalters ist nichts bekannt.
Über eine Synagoge ("Judenschule") erfährt
man erst um 1780. Sie gehörte damals Gumbel Wolf, dem (jüdischen) Eigentümer
der Gaststätte "Zum Engel". Bei der Einführung der staatlichen
Feuerversicherung im Kurstaat Mainz meldete dieser zum 1. Januar 1781 "die
Judenschul hinter dem Haus" zur Feuerversicherung an. Die Einrichtung dürfte
schon einige Zeit vor 1780 in diesem Gebäude bestanden haben. 1808
erwarb die jüdische Gemeinde von Gumbel Wolf die Synagoge. Bis dahin war sie im
Brandversicherungsbuch immer unter seinem Namen eingetragen.
Nach einem Bericht des jüdischen Gemeindevorstehers Samuel
Wolff Rosenberg vom 4. August 1818 war die Synagoge inzwischen in einem
solch baufälligen Zustand, "dass der Ruin derselben ganz nahe ist und man
daher den größten Bedacht nehmen muss, um der hieraus entstehenden Gefahr
vorzubeugen". Der damalige Bürgermeister Keim bat Maurermeister Michael
Steiger und Zimmermeister Gregorius Großkinsky um ein Bauguten. Auch sie kamen
zur Feststellung, dass das Gebäude "ganz baufällig sei". Einige Felder des
Fachwerks seien bereits ausgefallen und mit Brettern zugenagelt worden, da sie "von
wegen zerfaulten Balken und Riegeln" nicht zugemauert werden könnten. Am Dach
seien "Sparren und Latten ganz vermodert". Zwei Jahre später ist von einem
"gänzlich ruinösen Zustand" die Rede, ganz abgesehen davon, dass der
Raum für die Gemeinde viel zu klein war: es sei ein "wirklicher
Vogelkeffich" (Vogelkäfig), von dem "die größte Gefahr des
Einsturzes drohe".
Unter diesen Umständen war der Neubau einer Synagoge
dringend geboten. Freilich waren die erforderlichen finanziellen Mittel der
Gemeinde nicht vorhanden. Der größte Teil der Familien war damals völlig
verarmt und lebte vom sogenannten Nothandel (Handel mit Trödel), sodass es
keine Aussichten gab, das Geld für eine neue Synagoge zu beschaffen. Der
Neudenauer Stadtrat sah zwei Möglichkeiten: entweder ein Haus kaufen und
dasselbe zu einer Synagoge umbauen, was auf 1.200 Gulden geschätzt wurde oder
eine neue Synagoge bauen, für die man etwa 2.000 Gulden veranschlagte.
Gemeindevorsteher Rosenberg schickte 1819/20 mehrere Briefe an die zuständigen
Behörden mit der Bitte, eine Kollekte bei den jüdischen Gemeinden des Landes
veranstalten zu dürfen, was jedoch auf Grund der fehlenden Eigenmittel der
Gemeinde nicht genehmigt wurde. Es gelang immerhin, für 661 Gulden von
Ratsdiener Joseph Mayer und Johannes Herrmann ein Haus zu kaufen, dessen Grundstück
sich für einen Synagogenbau geeignet hätte (heutiges Grundstück Neue Anlage
20). Auch die Behörden taten ihr Möglichstes, mussten aber darauf hinweisen,
dass für fehlende Eigenmittel auch kein anderer öffentlicher Fond einspringen
würde. Selbst der Oberrat der Israeliten konnte keine Unterstützung gewähren
und wies mit Schreiben vom 13. April 1820 darauf hin: "Die Baukosten für
eine Synagoge sind wie alle anderen örtlichen kirchlichen Bedürfnisse bloß
allein von der Gemeinde zu tragen". In Neudenau hatte man immer noch
gehofft, dass es eine Lösung geben könnte. Inzwischen hatte sogar Baumeister
Storf aus Billigheim Pläne für das neu erworbene Grundstück ausgearbeitet.
Die Kosten für die neue Synagoge würden nach seiner Schätzung auf 1.238
Gulden kommen. Es half alles nichts: auf Grund der schlechten Finanzlage der jüdischen
Gemeinde der Neubau einer Synagoge damals nicht verwirklicht werden.
So musste die bisherige Synagoge nochmals notdürftig
hergerichtet werden. Am 1. Mai 1820 alarmierte der damalige Engelwirt
Ludwig Kreutter, dem das Nutzungsrecht des Erdgeschosses unter dem Betsaal
zustand, dass die vordere Wand so "gewichen" sei, "dass das Fußgebälk kaum
mehr auf den Mauerlatten aufsitze". Dieser gefährliche Zustand führte schon
Tags darauf zu einem vom Amt Mosbach ausgesprochenen Versammlungsverbot in der
Synagoge. Weitere Akten liegen aus diesem Jahr nicht mehr vor. Irgendwie
scheinen es die Neudenauer Juden kurz darauf fertig gebracht zu haben, die
baulichen Mängel so zu beseitigen, dass nochmals 50 Jahre in der alten Synagoge
Gottesdienste gefeiert wurden.
Aus den Versicherungsbüchern der Stadt geht Näheres zum Inventar
des Betsaales hervor. Zwischen 1854 und 1880 waren vier Torarollen auf
Pergament vorhanden, fünf sonstige "kirchliche Requisiten und Ornate", womit
der Toraschmuck gemeint sein wird. Weiter ist von den Betstühlen und sonstigem
Schreinerwerk, von messingenen Leuchtern und "verschiedenen Kirchenbüchern" die
Rede.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts waren die jüdischen Familien
Neudenaus zu ausreichendem Vermögen gekommen zu sein, sodass sie um 1870 an die
gründliche Instandsetzung ihrer Synagoge denken konnten. Am 8. November 1874
bat der Synagogenrat den Gemeinderat um Unterstützung bei der Finanzierung. Die
jüdische Gemeinde habe auf Grund des baufälligen Zustandes der Synagoge
schnell handeln und die Renovation durchführen müssen, "wenn uns... der
morsche alte Bau nicht während des Gottesdienstes über den Köpfen
zusammenfallen soll". Der Gemeinderat schlug einen Beitrag von 50 Mark vor, der
am folgenden Tag durch den Bürgerausschuss einstimmig auf 85,71 Mark erhöht
wurde. Am 29. Januar 1875 wurde die renovierte Synagoge von Rabbiner Weil
aus Mosbach eingeweiht. Bürgermeister Geißler,
der ganze Gemeinderat, Pfarrverwalter Christophl und der Pfarrverwalter Götz
von Herbolzheim waren bei der Feier anwesend, wobei der Chronist der Neudenauer
Gemeinde festhielt, dass der Rabbiner "eine schöne Predigt" gehalten haben
soll.
Die Einrichtung der Synagoge war bei die Renovierung großenteils
erneuert worden. Im Fahrnisverzeichnis der Feuerversicherung werden neben den
vier Torarollen nun genannt: ein von rotem Samt mit Gold gestickter doppelter
Vorhang vor dem Torarschrein, sonstige Feiertags- und Werktagsornate,
verschiedene hebräische Schriften und Kirchenbücher, verschiedene Kronleuchter
mit 24 Lichtern, messingene Leuchter mit je sechs Arm, ein neu gefertigter
Toraschrein mit neuer Verzierung, neun Stück neue Subsellien (Bänke) oder
Betstühle, zwei Stück Kandelaber vorne an der Lade, sechs neue kleine Leuchter,
ein neuer Lesepult, eine neue große Bank und eine Opferbüchse. Der Gesamtwert
wurde mit 2.538 Mark angegeben.
Die Synagoge diente den immer weniger werdenden jüdischen Familien der Stadt
als Gotteshaus bis in die 1930er-Jahre. 1925 wurde offensichtlich noch
elektrisches Licht eingerichtet. Spätestens 1937 wurde die Synagoge
geschlossen. Beim Novemberpogrom 1938 werden im Zusammenhang mit der
ehemaligen Synagoge in Neudenau keine besonderen Vorkommnisse berichtet.
1950
erwarb Engelwirt Martin Lang das ganze Gebäude; bis dahin gehörte - wie schon
150 Jahre zuvor - dem Engelwirt nur das Erdgeschoss, in dem sich Stallungen
befanden. Da das Dach inzwischen sehr schadhaft war, wurde es abgebrochen,
ebenso der erste Stock mit dem Betsaal. 1980 wurden die Stallungen zu einem bis
heute bestehenden Getränkelager umgebaut. Vom ehemaligen Synagogengebäude ist
nur noch ein Teil der Umfassungsmauern des Erdgeschosses erhalten (Standort
Grundstück 245 in der Gasse hinter Haus Hauptstraße 5).
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Plan:
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Plan der Altstadt von Neudenau; auf
Grundstück Nr. 245 ist die ehemalige
Synagoge eingetragen (rote Markierung) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Reste (Untergeschoss) der ehemaligen Synagoge |
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Fotos 2004
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.5.2004) |
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| Reste (Untergeschoss) der ehemaligen Synagoge,
rechts Rückseite |
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Ehemalige jüdische Häuser
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 11.5.2004) |
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Pferdehandlung Leopold Haas
(Kirchplatz 2) |
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| Hauptstraße 6 |
Manufakturwarengeschäft
Sigmund Weinberg und Textilgeschäft
Helmar Spier (Hauptstraße 5) |
Manufakturwarengeschäft
Gustav Rosenberg
(Neue Anlage 10) |
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Erinnerungen im Josefine-Weihrauch-
Museum der Stadt
(Volkskundliche Sammlungen) |
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Im Museum wird zum einen an
die
Geschichte der jüdischen Gemeinde
erinnert, zum anderen an
Carola
Rosenberg-Blume |
Kleiderbügel aus dem
Manufakturwarengeschäft
Gustav Rosenberg |
Erinnerungen an
Carola
Rosenberg-Blume |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 213-214. |
 | Germania Judaica III,2 S. 941. |
 | Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in
Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 177-181. |
 | Fridolin Mayer: Geschichte der Stadt Neudenau an der Jagst. 1937. |
 | Josefine Weihrauch/Heiner Heimberger: Neudenauer Überlieferungen.
Hg. von Peter Assion. Neudenau 1979. S. 88.
|
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 411-412. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Neudenau. Baden. Jews
are mentioned from the mid-13th century and were victims of the Rindfleisch
massacres of 1298 and the Black Death persecutions of 1348-49. In the 15th
century, the community dwindled and was only revived in the 18th century.
Throughout the 19th century the Jews maintained a population of around 40-50
(3-4 % of the total). A small synagogue was erected in 1875. Of the ten Jews
present in the Nazi era, nine left for other German cities; all were
subsequently deported, six perishing in Auschwitz in 1942-43.

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