Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg 

  
Krautheim (Hohenlohe-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge    
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur    

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)  
    
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurmainzischen Stadt Krautheim bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Bei der Judenverfolgung durch die Banden des Ritters Rindfleischs wurden am 26. Juli 1298 19 Juden in der Stadt erschlagen. Auch während der Armleder-Verfolgung 1336 wurden hier Juden ermordet. Bei der Verfolgung während der Pestzeit gab es offensichtlich keine Juden mehr in der Stadt.    
  
Vom 15. Jahrhundert an waren (bis 1940) vermutlich kontinuierlich Juden in der Stadt ansässig. 1636 lebten sechs jüdische Familien in der Stadt. Im 18. Jahrhundert schwankte die Zahl zwischen 23 (1730) und 63 (1791; 14 Prozent der Gesamtbevölkerung). 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 57 jüdische Einwohner (7,8 % von insgesamt 727 Einwohnern), 1841 Höchstzahl von 87, 1875 85 (11,1 % von insgesamt 764), 1900 46 (5,9 % von 774), 1910 36 (4,5 % von 795).  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad (1910 abgebrochen) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Seit 1827 gehörte die Krautheimer Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Merchingen.   
 
Um 1924, als noch 26 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (3,6 % von 714 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Willy Müller, Hermann Blum und L.S. Munk. Es gab damals nur ein schulpflichtiges Kind in der Gemeinde, das seinen Religionsunterricht durch Lehrer Metzger in Hohebach erhielt. 1932 waren erster Gemeindevorsteher weiterhin Willy Müller. Auch im Schuljahr 1932/33 erhielt nur ein jüdisches Kind Religionsunterricht. Dafür kam regelmäßig Lehrer Bravmann aus Merchingen nach Krautheim. 
   
Bis kurz nach 1933 spielten die Juden im wirtschaftlichen Leben der Stadt eine nicht geringe Rolle. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Holz- und Baumaterialienhandlung Hermann Blum (Götzstraße 27), Viehhandlung und Metzgerei Max Metzger (Hintere Gasse 10), Gemischtwarengeschäft Lazarus Munk (König-Albrecht-Straße 4), Viehhandlung und Metzgerei Willy Müller (König-Albrecht-Straße 22), Hausrat- und Eisenwarenhandlung Samuel Rothschild (König-Albrecht-Straße 16), Manufakturwarengeschäft Salomon und Alfred Seldner (Rathausgasse 1).
 
1933 wurden 28 jüdische Einwohner gezählt (3,7 % von 762). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sowie der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen zwischen 1937 und 1940 fast alle jüdischen Einwohner Krautheim: Adolf Metzger emigrierte mit seiner Familie 1937 in die USA, 1938 folgten Alfred Müller und Rena Munk, die übrigen Angehörigen der Familie Munk und die Eheleute Uffenheim folgten im Januar 1940, die Familie Seldner erst im April 1940. Zurück blieb nur Rosa Müller, die 1941 zu ihrem Sohn in die USA auswandern konnte. Von den jüdischen Geschäfte in der Stadt hatten alle bis Dezember 1938 schließen oder in nichtjüdische Hand übergehen müssen.
 
Von den in Krautheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Isack Hermann Blum (1867), Joseph Dukat (1870), Helene Ernwein (1894), Ernestine Goldschmidt geb. Brunner (1867), Lina Grünbaum geb. Blum (1874), Clara Hess geb. Kaffenburger (1864), Marianne (Maria) Hofmann geb. Blum (1869), Daniel Munk (1902), Hugo Munk (1901), Hannchen Rotfeld geb. Müller (1882), Hilda Rotfeld geb. Müller (1882), Simon Rothschild (1867), Sofie Strauss (1874). 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1842 / 1844 / 1846 / 1850 / 1885 / 1890 / 1894 / 1900 / 1901 / 1903     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 7. September 1842 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Merchingen. [Dienstantrag.]. Bei der israelitischen Gemeinde Krautheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher der Vorsängerdienst verbunden ist, mit dem Diensteinkommen von 125 fl. jährlich, nebst freier Wohnung, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge allda zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden.
Merchingen, den 1. September 1842. Großherzogliche Bezirkssynagoge"   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 24. Juli 1844 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Merchingen. [Dienstantrag.]. Bei der israelitischen Gemeinde Krautheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 135 fl., nebst freier Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge allda zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden.
Merchingen, den 15. Juli 1844. Großherzogliche Bezirkssynagoge."  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 4. März 1846 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Krautheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 135 fl., nebst freier Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Merchingen zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner allda, zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 12. Oktober 1850 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Krautheim, Synagogenbezirks Merchingen, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Krautheim Israelit 30071885.jpg (75677 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1885: "Auskündigung einer Religionsschulstelle. Die mit einem festen Jahresgehalte von 500 Mark, freier Wohnung, sowie dem Vorsänger- und Schächterdienst mit den davon abfließenden, auf ca. 500 Mark sich belaufenden Gefällen bei der israelitischen Gemeinde Krautheim, Synagogenbezirks Merchingen, verbundene Religionsschulestelle, ist mit dem 15. August dieses Jahres wieder zu besetzen. 
Berechtigte Bewerber, auch Nichtbadener, jedoch deutscher Nationalität, wollen ihre desfallsigen Bewerbungseingaben nebst den Zeugnissen in beglaubigten Abschriften über ihre bisherige Tätigkeit, auch ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel alsbald portofrei anher einsehen. 
Das Großherzogliche Bezirksrabbinat Mosbach in Verwaltung des Großherzoglichen Bezirksrabbinats Merchingen: 
S. Weil."
 
Krautheim Israelit 07071890.jpg (43130 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1890: "Vakanz. Die mit einem festen Gehalte von 600 Mark nebst freier Wohnung und Nebengefällen von etwa 350 Mark verbundene Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in Krautheim ist auf 15. Juli neu zu besetzen. Bewerbungen mit Zeugnisabschriften sind alsbald zu senden an das 
Bezirksrabbinat Mosbach (Baden)."
 
Krautheim Israelit 16051894.jpg (54053 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1894: "Lehrerstelle. Die Religionsschullehr-, Vorsänger- und Schächterstelle in Krautheim mit einem festen Gehalt von 600 Mark und etwa 400 Mark Nebenverdienst nebst schöner Dienstwohnung ist spätestens auf 9. August dieses Jahres anderweitig zu besetzen. Geeignete Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnisabschriften baldigst an uns wenden. 
Mosbach, 11. Mai 1894. Die Bezirks-Synagoge: Dr. Löwenstein."
  
Krautheim Israelit 13081900.jpg (53459 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1900: "Vakanz
Die mit einem festen Gehalt von Mark 600, freier Wohnung und 300 Mark Nebenverdienst verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Krautheim ist baldigst zu besetzen. Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten Gesuche sofort bei uns einreichen.  
Mosbach, 10. August (1900). 
Die Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein."     
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901: "Vakanz
Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle in Krautheim mit einem festen Gehalt von 700 Mark, freier Wohnung und etwa 200 Mark Nebengefällen ist auf 1. Juli neu zu besetzen. Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften, die nicht zurückgesandt werden, belegten Meldungen baldigst an den Unterzeichneten gelangen lassen. 
Mosbach, den 16. Mai (1901). 
Das Bezirksrabbinat:
Dr. Löwenstein."    
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1901: "Berichtigung
Die vakante Religionslehrerstelle in Krautheim trägt neben dem Fixum von 700 Mark an Nebenverdienst 300 Mark. 
Mosbach, 31. Mai. 
Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner."      
   
Krautheim Israelit 19031903.jpg (59043 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1903: "Vakanz. Die mit einem festen Gehalt von 700 Mark, freier Wohnung und Heizung nebst etwa 350 Mark Nebenverdienst verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Krautheim ist auf 1. Juni dieses Jahres neu zu besetzen. Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften versehenen Gesuche baldigst bei uns einreichen. 
Mosbach, 16. März. Die Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein."
Auf die Ausschreibung 1903 bewarb sich Lehrer J. Rabinowitz (s.u.). 

     
Lehrer J. Rabinowitz verlässt Krautheim (1907)  

Krautheim FrfIsrFambl 12041907.jpg (23078 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. April 1907: "Krautheim in Baden. Am 1. April (1907) ist Herr Lehrer J. Rabinowitz nach 4-jähriger segensreicher Tätigkeit von hier geschieden, um sich in seinen Studien weiter auszubilden."   

   
  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Hohe Auszeichnung für den Gemeindevorsteher Joel Hirsch Rothschild (1863)  

Krautheim Israelit 16121863.jpg (114942 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1863: "Merchingen (Baden). Einem unserer geachtetsten Mitbürger, Herrn Joel Hirsch Rothschild, Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Krautheim und Bezirksältestem im hiesigen Synagogenbezirke, ist in Anerkennung seiner langjährigen und ersprießlichen Wirksamkeit im Dienste, vom Großherzoge die kleine goldene Zivilverdienst-Medaille verliehen worden. Es ist wohl das erste Mal, dass ein israelitischer Gemeindevorsteher eine solche Auszeichnung für die um seine israelitische Gemeinde erworbenen Verdienste empfängt. Diese Anerkennung derartiger Verdienste, von denen der Staat bisher wenig oder gar keine Notiz zu nehmen pflegte, ehrt ebenso wohl den würdigen strengreligiösen, uneigennützigen und charaktervollen Greis, dem sie zuteil geworden, wie sie dem erhabenen Spender und seiner Regierung zum Ruhme gereicht, der ohne Rücksicht auf religiöses Bekenntnis seine Untertanen mit gleicher Liebe umfasst. Wir sagen wohl nicht zu viel, wenn wir behaupten, dass die Herrn Rothschild gewordene Auszeichnung allen Israeliten Badens zur Freude gereicht, da sie dokumentiert, dass unser edler Großherzog selbst solche Verdienste zu belohnen weiß, die nur um Juden und Judentum erworben sind. - Herr Rothschild ist der älteste jüdische Vorsteher Badens; gebe ihm Gott Gesundheit und Kraft, dass er noch recht lange seiner Gemeinde vorzustehen imstande sei." 
 
Krautheim AZJ 24111863.jpg (113513 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. November 1863: "Aus Baden, im November (1863). Wenn in unserem schönen Lande da und dort ohne Unterschied der Religion sogar Richterämter vergeben werden, so spricht man hier so wenig davon als in Frankreich, Holland oder Belgien. Die vollkommene Gleichstellung ist bereits eine Tatsache und beginnt bereits in Volk einzudringen. Aber unsere humane Regierung ist noch einen Schritt weiter gegangen, indem sie unserem Großherzoge auch solche Dienste zu ehrender Auszeichnung empfiehlt, die allein dem Interesse des Judentums geleistet worden sind. So ist dieser Tage der Vorsteher der israelitischen Gemeinde Krautheim, der zugleich Bezirksältester des Bezirks Merchingen ist, Herr Joel Hirsch Rothschild, für seine langjährigen und ersprießlichen Dienste in diesen Ämtern mit der kleinen goldenen Zivil-Verdienstmedaille geschmückt worden, und Herr Staatsrat Dr. Lamay hatte den Oberamtmann Danner beauftragt, die Überreichung in feierlicher Weise geschehen zu lassen. Es wurden daher alle Beamten des Städtchens bis zum Bürgerausschuss herunter dazu entboten, auch alle Verwandten und Freunde des zu Dekorierenden und der Bezirks-Rabbiner dazu geladen. Der Eindruck der dabei gehaltenen Reden von Seiten des Oberamtmannes und des Bezirksrabbiners wirkte so ergreifend auf den greisen Dekorierten, dass er den früher zu Papier gebrachten Dank nicht selbst vorlesen konnte und einen anderen damit beauftragen musste. Abends war zu Ehren desselben eine zahlreiche Gesellschaft versammelt, so aus allen Konfessionen gemischt, wie sie dieses Städtchen noch nie beisammen gesehen. man unterhielt sich gemütlich, brachte einige passende Toaste aus und trennte sich spät in fröhlicher und gehobener Stimmung."

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge       
     
Über mittelalterliche Einrichtungen ist nichts bekannt. Ein Betsaal oder eine Synagoge waren jedoch sicher vorhanden. Hinweis darauf ist zum einen eine im Wolfson-Museum in Jerusalem aufbewahrte Tora-Rolle aus dem 13. Jahrhundert, die ursprünglich aus Krautheim stammt. Zum anderen wurde bei der Verfolgung am 26. Juli 1298 auch der Rabbiner Eljakim ben Eleasar ermordet. So kann man für das 13. Jahrhundert von einer nicht unbedeutenden Gemeinde in Krautheim ausgehen.
  
Inwieweit vom 14. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts die Zahl der Juden in der Stadt zur Einrichtung einer Synagoge beziehungsweise eines Betsaales groß genug war, ist nicht bekannt. Erst seit etwa 1770 erfährt man von einer damals bestehenden "Judenschule" (Synagoge) in der Stadt. Neben dieser "Judenschule" wurde 1860 eine neue Synagoge errichtet. Über die Geschichte dieser Gebäude ist allerdings so gut wie nichts bekannt; Bauakten konnten nicht gefunden werden.
  
Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 blieben die alte "Judenschule" und das Synagogengebäude unzerstört. Beide Gebäude wurden 1940 zum Preis von 800 Mark von der Stadt Krautheim gekauft und für Schulräume und Wohnungen verwendet. Später gingen die Gebäude in den Besitz der Volksbank über. 1975 sind die ehemalige Synagoge und die "Judenschule" abgebrochen worden. Das Gelände (Brunnengasse 5-7) wurde wenige Jahre später mit Stallungen eines landwirtschaftlichen Betriebes neu überbaut; möglicherweise sind Mauern der Synagoge in das Nachfolgegebäude integriert worden (vgl. Fotos unten).   
   
   
   
Fotos 
Historische Fotos, vermutlich beide einige Jahre vor dem Abriss in den 1960er-Jahren: 
(Quelle: links aus Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 118; rechts aus N. Bar-Giora Bamberger, Die jüdischen Friedhöfe im Hohenlohekreis. S.19)   

Krautheim Synagoge 001.jpg (78855 Byte) Krautheim Synagoge 005.jpg (77517 Byte)
Die Synagoge in Krautheim  


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos Ende 1983:
(Fotos: Hahn) 
Krautheim Synagoge 011.jpg (57910 Byte) Krautheim Synagoge 010.jpg (42989 Byte)
   Der Synagogenstandort Ende 1983. Die
 Außenmauer der ehemaligen Synagoge 
könnte in die weißverputzte Mauer des
 Gebäudes rechts aufgegangen sein (vergleiche
 mit dem historischen Foto oben)
Dasselbe Gebäude, von der anderen
 Richtung gesehen. 
 
 
      
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 22.9.2003) 
Krautheim Synagoge 151.jpg (42728 Byte) Krautheim Synagoge 150.jpg (42854 Byte)
   Neue Fotos in ähnlicher Perspektive wie oben - es sind nur wenige Veränderungen feststellbar  

   
    

Links und Literatur 

Links:

Website der Stadt Krautheim  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Krautheim (interner Link)  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 169-170. 
Germania Judaica III,1 S. 676. 
Jürgen Hermann Rauser: Krautheimer Heimatbuch. 1986. S. 86-87. 
Auszug aus der Stadtchronik von Krautheim (o. Verf., mschr.). 
E. Sternad: Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Krautheim, Typoskript. 1995. (Typoskriptensammlung des Kreisarchivs des Hohenlohekreises). 
L. Rosenthal: Zur Geschichte der Juden im Gebiet der ehem. Grafschaft Hanau. 1963. S.170-171 (Stammbaum der Familie Grünebaum bis 1600).  
Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe im Hohenlohekreis. 2002.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.     

       
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Krautheim  Baden.  The 13th century community was wiped out in the Rindfleisch massacres of 1298 when 19 Jews were murdered. The revived community was then destroyed in the Armleder massacres of 1336-1339. The Jewish settlement was reestablished in the late 14th century and existed continuously until the Nazi era. It reached a population of 85 in 1875 (total 764), dropping to 28 in 1933. By 1938 all Jewish businesses had been liquidated. By 1940, 19 had left for the United States and five to other German cities. In Januar 1941, the Jewish inmates of the local mental institution were put to death.  
   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge 

            

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. Juli 2013