Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Malsch (Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Gebiet des Hochstiftes Speyer gehörenden Malsch bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 18. Jahrhundert zurück. 1740 lebten drei jüdische Familien am Ort, 1785 waren es sechs Familien. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 54 jüdische Einwohner (4,6 % von insgesamt 1.173 Einwohnern), 1836 60, 1839 66, 1864 100, 1871 95, 1875 103 (7,5 % von 1.380), 1880 116, Höchstzahl 1885 mit 123 Personen, 1890 118, 1895 114, 1900 102 (6,7 % von 1.525), 1905 88, 1910 76 (5,3 % von 1.440). Die jüdischen Familien lebten im 19. Jahrhundert überwiegend vom Handel mit Vieh, Fellen und Hopfen.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Schule und ein rituelles Bad (zu den Einrichtungen s.u. beim Abschnitt zur Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Obergrombach, nach 1878 auch in Mingolsheim und Eichtersheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). 
1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bruchsal zugewiesen. 
 
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner zurück. 1925 waren es noch 52 Personen, die zur jüdischen Gemeinde gehörten. 
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde beziehungsweise blieben vermisst: Julius Hilb (geb. 15.9.1895 in Malsch, gef. 14.2.1917), Sergeant Emil Heß (geb. 4.6.1880 in Malsch, gef. 1.11.1918), Gustav Heß, Jakob Heß.  Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal am Eingang zum Malscher Friedhof. 
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch 56 Personen gehörten (3,8 % von insgesamt 1.460 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Simon Hess VI, Jakob Lewin, Isak Hilb und Simon Hess VII. Als Religionslehrer und Schochet war Jakob Lewin tätig. Er unterrichtete damals 10 Kinder, dazu einige Kinder in umliegenden Orten (z.B. in Mingolsheim). 1932 waren die Gemeindevorsteher Simon Hess VI (1. Vors.), Simon Hess VII (2. Vors.) und Salomon Hess. 
 
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Schuhhandlung Adolf Heß (Hauptstraße 81), Bohnenhandlung Ludwig Heß (Letzenbergstraße 9), Tabakhandlung Max Heß (Hauptstraße 17), Viehhandlung Salomon Heß (Brunnengasse 1), Viehhandlung Samuel Heß (Hauptstraße 93), Viehhandlung Simon Heß (Friedhofstraße 2), Häute- und Fellhandlung Simon Heß (Mühlgasse 13), Viehhandlung Wilhelm Heß (Hauptstraße 86), Textilienhandel Isaak Hilf (Hauptstraße 88).  
 
  
1933 lebten noch 40 jüdische Personen in Malsch. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sind mehrere der jüdischen Einwohner alsbald von Malsch verzogen; 21 konnten bis Mitte 1940 auswandern. Die Händler der Gemeinde mussten bereits 1935/36 ihre Tätigkeit einstellen. Zwei Ladengeschäfte konnten sich bis 1938 halten, doch wurden beide - die Schuhhandlung von Adolf Heß und das Textiliengeschäft von Isaak Hilb - beim Novemberpogrom 1938 durch Wieslocher SA-Leute geplündert und demoliert (zur Zerstörung der Synagoge s.u.). Die letzten 14 jüdischen Einwohner des Ortes wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.  
   
Von den in Malsch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Else Apfel geb. Hess (1885), Karoline Billigheimer geb. Hess (1869), Else Gerson geb. Strauss (1897), Ernestine Gutmann geb. Hess (1858), Johanna Günzburger geb. Hess (1883), Johanna Händler geb. Bodenheimer (1888), Flora Hamburger geb. Hilb (1898), Heinrich Hamburger (1897), Adelheid Hess (1891), Adolf Hess (1883), Betty Hess geb. Loeb (1885), Erna Hess geb. Lemberger (1903), Hermann Hess (1868), Manfred Hess (1913), Richard Hess (1930), Rosa Hess (1911), Samuel Hess (1871), Simon Hess (1878), Therese Hess geb. Kaufmann (1848), Wilhelm Hess (1877), Isaak Hilb (1865), Justine Hilb geb. Buttenwieser (1863), Rosa Levi geb. Hess (1881), Sophie Maier geb. Hilb (1862), Recha Sicher geb. Hess (1888), Isaak Strauß (1894), Lilli Ullmann geb. Hess (1893).    
 
Nach 1945 kehrten nur Ludwig Hess ("Häsche Lui") und seine Frau Klara geb. Simon nach Malsch zurück (Mai 1949). Sie starben 1954 (Ludwig Hess) beziehungsweise 1960 und wurden im jüdischen Teil des Bergfriedhofes in Heidelberg beigesetzt.    
     
        
     
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1875 / 1882 / 1884 / 1887 / 1907 / 1908  

Malsch HD Israelit 22121875.jpg (70409 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1875: "Die Religionsschulstelle in Malsch, Bezirksrabbinat Bruchsal, ist zu besetzen. 600 Mark fixer Gehalt; Schulgeld, freie Wohnung, und die aus dem Vorsänger- und Schächterdienst fließenden, nicht unbedeutenden Gefälle werden zugesichert. Zur Erteilung von Privatunterricht im Elementarfache ist Zeit und Gelegenheit geboten. Qualifizierte Bewerber wollen und Beischluss ihrer Befähigungs- und Sittenzeugnisse sich direkt wenden an den Synagogenrat in Malsch bei Wiesloch. 
Das Großherzogliche Bezirksrabbinat in Bruchsal." 
   
Malsch HD Israelit 31051882.jpg (57639 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1882: "Die mit einem Gehalte von 600 Mark und Akzidenzien im Betrage von 4-500 Marke, verbundene Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Roth-Malsch, soll baldigst wieder besetzt werden. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldungen und Zeugnisse innerhalb 14 Tagen an den Unterzeichneten senden. 
Bruchsal, den 26. Mai 1882. Dr. J. Eschelbacher, Bezirksrabbiner."
 
Malsch HD Israelit 29051884.jpg (56521 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1884: "Die mit einem festen Gehalt von 700 Mark (inklusive Wohnungsentschädigung) und den üblichen Nebeneinnahmen verbundene Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in der Gemeinde Malsch bei Wiesloch soll baldigst wieder besetzt werden. 
Mit den nötigen Zeugnissen Zeugnisse versehene Meldungen sind bei unterzeichneter Stelle einzureichen. 
Bruchsal, 25. Mai 1884. Die Bezirkssynagoge."
 
Malsch HD Israelit 11081887.jpg (44523 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1887: "Die mit einem festen Gehalt von 900 Mark und nicht unbedeutenden Nebengefällen verbundene Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in der israelitischen Gemeinde in Malsch bei Wiesloch soll möglichst bis zum 15. September dieses Jahres wieder besetzt werden. Meldungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift sind baldigst an die unterzeichnete Stelle zu senden. Reisekosten für die persönliche Vorstellung werden nur dem schließlich gewählten Bewerber vergütet. 
Bruchsal, 9. August 1887. Die Bezirkssynagoge."
   
Mingolsheim Israelit 01091887.jpg (89524 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1887: "Die mit freier Wohnung, festem Gehalt von 600 Mark und Akzidenzien im Betrage von ca. 400 Mark verbundene Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in Mingolsheim soll baldigst mit einem unverheirateten Lehrer, möglichst einem badischen Schulkandidaten, besetzt werden. Meldungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift sind an die unterzeichnete Stelle zu senden. Die Bewerber um die jetzt bereits zur Besetzung gelangte Religionsschulstelle in Malsch, welche ihre Stellung auch für diejenige in Mingolsheim aufrecht zu erhalten wünschen, wollen ihre diesbezügliche Absicht baldigst hierher mitteilen. 
Bruchsal, 29. August 1887. Die Bezirkssynagoge."   
Anmerkung: bei der Lehrerbezirkskonferenz 1893 in Bruchsal wird als Referent Lehrer Traub aus Malsch genannt.  
    
Malsch HD Israelit 10011907.jpg (71153 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1907: "Die Stelle eines Religionsschullehrers, Kantors und Schächters in Malsch bei Wiesloch soll besetzt werden. Das feste Einkommen beträgt 785 Mark, die (nicht garantierten) Nebeneinnahmen 4-500 Mark, bei großer Dienstwohnung mit Garten. – Reisekosten werden dem Gewählten vergütet. Seminaristisch gebildete Bewerber mit deutscher Reichsangehörigkeit wollen unter Beifügung von Zeugnisabschriften bei dem Unterzeichneten sich melden. 
Bruchsal, 4. Dezember 1906.  
Dr. Eschelbacher, Bezirksrabbiner."  
 
Malsch HD Israelit 24121908.jpg (73953 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1908: "Die Stelle des Religionslehrers, Kantors und Schächters in Malsch a.W. soll baldmöglichst besetzt werden. Fixum 800 Mark. Nebeneinkünfte 500 Mark. Dazu freie Wohnung oder Wohnungsentschädigung im Betrag von 120 Mark. Unter günstigen Umständen steigt das Einkommen auf etwa 1.800 Mark. Meldungen wolle man unter Beifügung von Zeugnisabschriften an uns richten. B
ruchsal, 20. Dezember 1908. Das Bezirksrabbinat. Dr. Eschelbacher."

 
Lehrer Felix Wertheimer verlässt die Gemeinde (1909)

Malsch HD Israelit 14011909.jpg (60828 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1909: "Malsch bei Heidelberg, 12. Januar (1909). Vergangene Woche hat Herr Lehrer Felix Wertheimer unsere Gemeinde verlassen, um einem Rufe als Lehrer nach Bukarest (Rumänien) zu folgen. Das Scheiden des Herrn Wertheimer ruft allgemeines Bedauern hervor, da Herr Wertheimer sowohl in der jüdischen Gemeinde als auch unter der christlichen Einwohnerschaft sehr beliebt war. Wir verlieren in Herrn Wertheimer einen tüchtigen und umsichtigen Lehrer, der trotz seiner Jugend durch seinen mannhaften Charakter Leiter der Gemeinde nach jeder Richtung hin war. Möge es ihm vergönnt sein, seine Fähigkeiten in seinem neuen Wirkungskreise mit gleichem Erfolge zur Geltung zu bringen."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Zum Tod von Samuel Schuster (1926)  

Malsch HD Israelit 18051926.jpg (100239 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1926: "Malsch bei Wiesloch, 3. Mai (1926). Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde erlitten mit dem am 23. April erfolgten Tod von Samuel Schuster. Er war ein rechtschaffener Mann und ein äußerst guter Jehudi. Wo es galt, Gebote zu üben, stand er in vorderster Reihe und suchte alle religiösen Angelegenheiten des gesetzestreuen Judentums kräftig zu fördern. Seit seiner frühesten Jugend wirkte er stets aushilfsweise als Vorbeter wie als Baal Kore (Vorleser der Tora) in der Synagoge. Von dem Verblichenen, der im Alter von 77 Jahren kinderlos von dannen geht, bewahrheitet sich das Prophetenwort 'Ich werde ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal stiften und einen Namen, besser denn Söhne und Töchter' (Jesaja 56,5).  
Bei der Sonntag, den 25. April stattgefundenen Beerdigung folgte ein so großer Zug der Bahre, wie man ihn schon lange in hiesiger Gegend nicht gesehen hat. Auch von nichtjüdischer Seite war die Beteiligung sehr stark. Der Kriegerverein war anwesend und der Vorstand desselben widmete ihm warme Worte des Dankes. An der Bahre würdigte unser Lehrer in beredter Weise die Verdienste des Entschlafenen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Levi Herz (1925)   

Malsch HD Israelit 23071925.jpg (137949 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1925 (der Abschnitt wird leicht abgekürzt zitiert): "Malsch bei Heidelberg, 10. Juli (1925). Allgemeine tiefe Trauer rief die schmerzliche Nachricht hervor, dass Herr Levi Herz infolge eines Auto-Unglücksfalles nach fünfwöchentlichem Leiden seine reine Seele ausgehaucht hat. Seine Gottergebenheit in gesunden wie jetzt durch Unglück getrübten Tagen war eine solche, wie man sie nur selten antrifft… Nicht aber bloß in Worten, sondern auch in der Tat, denn allenthalben wo es galt, suchte er im Verborgenen nach Möglichkeit sein Scherflein beizutragen, wozu die jetzt um ihn trauernde Gattin und die Angehörigen hilfreich mitwirkten. In seiner ganzen Krankheit hörte man nie ein Wort der Unzufriedenheit. Wie er sanft und zufrieden in seinem Leben war, … so hauchte er ruhig seine edle Seele aus… Der Entschlafene erfreute sich bei allen, die ihn kannten, ohne Unterschied der Konfession, einer großen Beliebtheit und Hochachtung, von welcher das überaus zahlreiche Totengeleite Zeugnis ablegte. Bei der Beerdigung ergriff zuerst Lehrer Lewin das Wort, um der allgemeinen Trauer und dem Verlust der Gemeinde Ausdruck zu verleihen. Alsdann schilderte der katholische Ortsgeistliche, Herr Isemann, in eingehender Rede und zu Herzen gehenden, warm empfundenen Worten das Wesen dieses seltenen Mannes. Möge Gott der schwer geprüften Familie seinen wahren Trost zuteil werden lassen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

       
    

  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich ursprünglich auf die Brunnengasse (auch "Judengasse" und "Synagogengasse" genannt). Zunächst war vermutlich ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Seit 1831 bemühte sich die Gemeinde um den Bau einer Synagoge. 1832 wurde der Bau ausgeschrieben. Die "planmäßige Erbauung" der Synagoge wurde von dem Mingolsheimer Bauunternehmer und Maurermeister Friedrich Wallburg "ersteigert". Die Bürgschaft, das heißt die Haftung für die "richtige Vollendung dieses Baues" übernahm in einem Schreiben an das Bürgermeisteramt in Mingolsheim Kronenwirt Konrad Stadtmüller. 1833/34 konnte die Synagoge erbaut werden (Standort: Brunnengasse 6, Flurstück 64). Auf dem Grundstück stand seit 1834 auch ein rituelles Bad und der damit zusammenhängende "Judenbrunnen", der von einer starken Quelle gespeist wurde. Diese war von besonderer Ergiebigkeit und in besonders trockenen Jahren oft der einzige noch funktionierende Wasserspender in Malsch.  
 
Aus der Geschichte der Synagoge wird aus dem Jahr 1891 von der feierlichen Einweihung einer Torarolle berichtet. 

Malsch HD Israelit 20051891.JPG (136142 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1891: "Malsch (Baden), 12. Mai (1891). Am Freitag, den 8. und am Schabbat Paraschat Keduschim, den 9. Mai, fand hier eine hochwichtige religiöse Feier statt. Von dem religiösen Geiste, welcher noch die ganze hiesige israelitische Gemeinde beherrscht, legt das Fest Zeugnis ab, das an oben genannten Tagen hier gefeiert wurde. Herr A. Marschall, einer der angesehensten Bürger der israelitischen Gemeinde und ein echter Jehudi im wahren Sinne des Wortes, stiftete eine neue Tora-Rolle für die hiesige Synagoge. Von nah und fern waren Gäste herbeigeströmt, um an dieser erhebenden Einweihungsfeier teilzunehmen. Unter den Klängen der Musik wurde die Torarolle aus dem Hause des Spenders abgeholt und begleitet von seiner sehr zahlreichen Menge Festgästen bewegte sich der Zug durch die mit Girlanden und Fahnen geschmückten Straßen in die festlich geschmückte Synagoge. Den Mittelpunkt des hier stattfindenden Gottesdienstes bildete die Rede unseres hoch verehrten Rabbiners Herrn Dr. Eschelbacher aus Bruchsal. Die mit Begeisterung für unsere heilige Religion gesprochenen Worte fanden begeisterten Widerhall im Herzen aller Festteilnehmer. Besonders erwähnenswert ist, dass seitens der christlichen Bevölkerung die Teilnahme an dieser Feier eine sehr große war, und legt diese Beteiligung Zeugnis von dem hier herrschenden Geiste der Einigkeit und des Friedens ab. Den Schluss des Festes bildete Samstagnacht ein Festbankett, das die Festteilnehmer zum fröhlichen Beisammensein vereinigte."    

1894 wurde neben dem Synagogengrundstück ein angrenzendes Wohnhaus zur jüdischen Schule mit Lehrerwohnung umgebaut (Flurstück 63, Brunnengasse 4). Das Gebäude wurde 1960 abgebrochen.  

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von einem SA-Rollkommando aus Wiesloch zusammengeschlagen und angezündet. 1939 wurde die Synagoge abgebrochen. Das Grundstück wurde im gleichen Jahr von der politischen Gemeinde erworben. Am Synagogenplatz wurde im November 1993 ein Gedenkstein mit Hinweistafel aufgestellt.    
  
Der "Judenbrunnen" wurde 1952 abgebaut, die Quelle für die Wasserversorgung der Gemeinde gefasst. 
     

    

Fotos 
Historische Fotos / Plan: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, 
eventuelle Hinweise bitte an den Webmaster,
 E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite 

Malsch HD Plan 01.jpg (141473 Byte)

    Malsch: Ausschnitt aus einem Lageplan von 1900, farbig markiert: Flurstück 64: Synagogengrundstück mit beistehendem Frauenbad, früher Brunnengasse 6 sowie Flurstück 63: Wohnhaus mit 1/2 gewölbtem Keller und Schulsaal (Judenschule), früher Brunnengasse 4; gelb markiert jüdische Wohnhäuser


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto von 1962:
(Quelle: Hundsnurscher /Taddey 
s. Lit. Abb. 132) 
Malsch HD Judenschule 01.jpg (102647 Byte)  
  Jüdische Schule (nicht: Synagoge)
 in Malsch 
 
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn) 
Malsch HD Synagoge 150.jpg (37206 Byte) Malsch HD Synagoge 152.jpg (48208 Byte)
  Die Brunnengasse, frühere 
"Judengasse" in Malsch 
Auf diesem Grundstück standen 
Synagoge und jüdische Schule 
     
  Malsch HD Synagoge 153.jpg (59507 Byte) Malsch HD Synagoge 151.jpg (76822 Byte)
  Gedenkstein für die ehemalige Synagoge  Hinweistafel 

   
    

Links und Literatur 

Links: 

Website der Gemeinde Malsch (Rhein-Neckar-Kreis) (hier anklicken)  

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 184-185. 
Heimatbuch "1200 Jahre Malsch. Menschen – Schicksale – Ereignisse, die Geschichte einer Gemeinde". 1983. S. 261. 
Messmer Lit 01.jpg (55898 Byte)Willy Messmer: Juden unserer Heimat. Die Geschichte der Juden aus den Orten Mingolsheim, Langenbrücken und Malsch. Bad Schönborn 1986. 
Das Buch ist als book-on-demand weiterhin erhältlich: http://www.epubli.de/shop/autor/Willy-Messmer/3501     
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Malsch bei Wiesloch  Baden. The first Jews settled in the late 17th century. A synagogue was erected in the 1830s and the Jewish population grew up to 103 in 1875 (total 1,380) with Jews opening textile and cigarette factories and enjoying economic stability. In 1933, 39 Jews remained. Under the Nazis, severe persecution commenced immediately and most Jewish businesses had to be liquidated by 1935-36. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized along with Jewish homes and stores. Twenty-one Jews emigrated in 1937-39; five moved to other German cities. The last 15 were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 while another four were sent to the camps from other places. Five of the deportees survived the Holocaust. 
     

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Februar 2012