Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Münzesheim (Stadt Kraichtal, Kreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dem Markgrafen von Baden gehörenden und zeitweise an verschiedene Adelsfamilien verliehenen Münzesheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1937. Ihre Entstehung geht in das 16. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1530 Juden am Ort genannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg werden seit 1656 Juden genannt. 
    
Bis 1801 hatten sich 19 jüdische Familien mit rund 90 Personen hier niedergelassen. Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1825 75 jüdische Einwohner (6,9 % von insgesamt 1.085 Einwohnern), höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1839 mit 98 Personen; 1875 67 (5,8 % von 1.153), 1887 39, 1900 43 (3,9 % von 1.102), 1910 27 (2,6 % von 1.055).
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule (vorübergehend eine israelitische Konfessionsschule, dann eine Religionsschule; die Schule war im Synagogengebäude untergebracht) und ein rituelles Bad. Das Bad war im April 1860 in einem schlechten Zustand, sodass der Medizinalreferent dringend die Anlage eines neuen Bades empfahl. Darauf ließ sich die Gemeinde einen Plan und eine Kostenberechnung für ein neues Bad erstellen. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Oberöwisheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest seit 1879 gemeinsam mit Menzingen - ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (und Schochet) tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten).  Seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Bretten.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Alex Diedelsheimer (geb. 1.8.1890 in Münzesheim vor 1914 in Konstanz wohnhaft, gef. 17.8.1918) und Gefreiter Julius Durlacher (geb. 3.8.1898 in Münzesheim, gef. 4.9.1918).   
 
Um 1925, als noch 23 jüdische Einwohner gezählt wurden (1,9 % von 1.194 Einwohnern), war der Gemeindevorsteher Lippmann Durlacher. Als Vorbeter wird Abraham Diedelsheimer genannt. Zwei Kinder der Gemeinde, die höhere Schulen besuchten, erhielten ihren Religionsunterricht durch Rabbiner Dr. Grzymisch (Bruchsal). Auch 1932 war Lippmann Durlacher Gemeindevorsteher; zugleich hatte er das Amt des Schochet inne.    
   
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es einige jüdische Geschäfte am Ort. Bis nach 1933 bestand noch ein Kaufhaus, das von einem jüdischen Ehepaar geführt wurde (Kaufhaus Sally Türkheimer, Unterdorfstraße 15; Gebäude besteht nicht mehr).   
   
1933 lebten noch 17 jüdische Personen in Münzesheim. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sind mehrere von ihnen alsbald von Münzesheim verzogen oder ausgewandert. Die Gemeinde wurde am 8. November 1937 aufgelöst.
    
Von den in Münzesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Regine Baumgarten geb. Durlacher (1882), Hermann Durlacher (1893), Lippmann Durlacher (1864), Siegmund (Salomon) Durlacher (1879), Sofie Levy geb. Lieben (1859), Bertold Lieben (1870), Sophie Schweitzer geb. Stroh (1877), Max Türkheimer (1878).
        
        
        
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde         
   
   
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers in Münzesheim (1836 / 1843 / 1847 / 1848 / 1849 / 1852 / 1855)   

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 1836 S. 55 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  "Erledigte Stelle. Bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 60 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Bretten zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Bretten, den 6. Januar 1836. 
Großherzogliche Bezirks-Synagoge. Veit Flehinger, Bezirksrabbiner. L. Weisenburger, Bezirksvorsteher."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 20. September 1843 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bretten. [Dienstantrag.]. Bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 70 fl., nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zu Bretten zur Bewerbung zugelassen werden. 
Bretten, den 10. September 1843. Großherzogliche Bezirkssynagoge."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 2. Januar 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen
Bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 1 50 fl. sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden.  Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden..   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 23. Juni 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 150 fl. sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 15. Januar 1848 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen
Bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 150 fl. sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 25. Juli 1849 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 150 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim, Synagogen-Bezirks Bretten, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 16. Oktober 1852 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim, Synagogenbezirks Bretten, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 7. März 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Münzesheim, Synagogenbezirks Bretten, ist zu besetzen. 
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Bretten, sich zu melden.  
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- und Rabbinatskandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden." 

      
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers-/Vorbeters und Schächters 1879 / 1893 / 1902 gemeinsam für Menzingen und Münzesheim

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1879: "Die Religionsschul-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Menzingen ist zu besetzen. Das Einkommen besteht in einem jährlichen Gehalt von fünfhundertundfünzig Mark, einer freien Wohnung für einen Verheirateten und in den obengenannten Funktionen entfließenden Gefällen. Dasselbe kann durch 2mal wöchentliche Religionsunterrichterteilung in der Kultusgemeinde Münzesheim um mindestens ca. 180 Mark per Jahr vermehrt werden. Süddeutsche erhalten den Vorzug. 
Bretten, 17. Oktober 1879. Die Bezirks-Synagoge: L. Schleßinger, Bezirks-Rabbiner". 
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1893: Bretten. Das Religionsschul-, Vorsänger- und Schächteramt in der Israelitengemeinde zu Menzingen, Rabbinatsbezirks Bretten, mit einem jährlichen Gehalt von 600 Mark, freier Wohnung, einem Nebenverdienst von ca. 400 Mark und Vergütung für die Erteilung des Religionsunterrichts in der Filiale Münzesheim, ist wegen Stellenwechsel des bisherigen Inhabers bis zum 1. Februar, oder eventuell auch früher, mit einem tüchtigen Kultusbeamten deutschen Nationalität, der ledigen Standes, oder nur eine kleine Familie hat, wieder zu besetzen. Frankierte Meldungen mit nicht zurückgegeben werdenden Zeugnisabschriften über Studiengang etc. und Lebenslauf sind innerhalb 3 Wochen zu richten an die Bezirkssynagoge Bretten."
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1902
"Die mit Vorsänger- und Schächterdienst verbundene 
Religionsschulstelle
 
hier, mit Filial für Religionsunterricht in Münzesheim wird per 1. April frei. Das Einkommen beträgt: Fixum Mark 700 und freie Wohnung, nebst circa Mark 300 Nebeneinkommen und aus der Filiale Münzesheim Mark 130. 
Menzingen, 2. März (1902). 
Der Synagogenrat: Ferdinand Ledermann."

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Bericht über den Schächter Maier Stroh (1894)   

Gemmingen Israelit 12111894.jpg (236734 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1894: "Bretten, 31. Oktober. Die Nr. 80/81 Ihrer Zeitung bringt einen längeren Artikel: 'Aus dem Großherzogtum Baden' und enthält hierin auch eine Auslassung betreffs zweier im diesseitigen Rabbinatssprengel fungierenden Schochtim etc., die zum allermindesten unwahr ist. 
In Gemmingen nämlich, woselbst seit geraumer Zeit die jüdischen Unterlehrer – an der Elementarschule – zugleich den Religionsunterricht erteilen, eo ipso schon von Staatswegen die Schechita nicht ausüben dürfen, versieht seit 6 ¼ Jahren der 43-jährige Kultusbürger Lehmann Frank, und in Münzesheim, da die kleine Gemeinde schon ein Vierteljahrhundert des eigenen Lehrers entbehrt, der ebenfalls noch im kräftigen Mannesalter stehende, jetzige Altvorsteher Maier Stroh, seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen den Schächterdienst. 
Beide haben seinerzeit, nachdem sie unter Leitung städtischer Gemeindeschochetim die theoretische und praktische Seite des Schächteramts erlernt, bei mir eine umfassende theoretische Prüfung, bestehend in Auffinden und Ausschleifen der Mängel in Schlachtmessern, der einschläglichen Bestimmungen in Bezug auf Schechita und Bedika etc. zur Zufriedenheit abgelegt, sowie in meiner Gegenwart 3 Stück Federvieh (worunter regelmäßig eine Taube) rituell geschächtet und auch den sonstigen Auflagen behufs nachheriger Abschlachtung einer gewissen Anzahl von Klein- und Großvieh, unter einem, vollkommen entsprochen, bevor ich die Autorisation (Kabbala) erteilte. 
Ohne noch zu fragen, wer ist denn der Unberufene, der unter der Hülle der Anonymität sich als Sachverständiger gebärdet…, erwähne ich noch in Bezug auf das ‚Nichtgutsehen' des Schochet Stroh in Münzesheim, dass derselbe, wie viele Tausend andere, kurzsichtig ist und bei Ausübung der Schechita-Bedika eine geeignete Brille trägt, und mitnichten unter den obwaltenden Umständen untauglich ist. Wird ja weder das zu handhabende Schlachtmesser (Sakin) noch das zu tötende Schlachttier und die nachher zu untersuchenden Organe von dem Funktionär einige Kilometer weit entfernt sein!
Erhielt ja auch vor einigen Jahren ein in Eppingen wohnender und ununterbrochen bis jetzt dort wohnender Privatmann von einem nahen Rabbiner einer orthodoxen Religionsgesellschaft, ohne dass ich als einzig zuständiger Rabbiner überhaupt, geschweige von Letzterem vorher irgendwie befragt, oder später benachrichtigt wurde, Kabala behufs Ausübung der Schächter
funktion, und trug und trägt derselbe weniger aus Koketterie, sondern auch aus zwingender Notwendigkeit eine Brille! Derselbe hat aber keinesfalls die praktische Erfahrung der Obenbezeichneten. Überdies dürften seine diesbezüglichen theoretischen Kenntnisse, wenn sie etwa weiter ausgedehnt werden wollten, als über das einfache Wissen in Bezug auch die Richtigstellung des Schlachtmessers und die Normen betreffs der Schechita und Bedika etc., d.h. etwa auf Begründung und Erfassung der Gemara in Cholin und der davon abzuleitenden Decisoren, auch bei ihm vergeblich gesucht werden, selbst wenn der Gottbegnadete mit einem Dutzend guter, unbewaffneter, oder brillengestärkter Augen ausgestattet wäre.     Bezirksrabbiner L. Schlessinger."     

   
   
   

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
             
    
Eine Synagoge wurde 1726 errichtet. Vor dem Bau gab es Widerstand im Ort, da man den weiteren Zuzug von Juden verhindern wollte. Es sollten nicht mehr als acht jüdische Familien im Dorf ansässig sein. Nach einigem Hin und Her wurde dann von der markgräflichen Verwaltung Baden/Durlach die Baugenehmigung erteilt. Die Synagoge, ein abzüglich des Fundaments nur aus Holz gefertigter Bau, wurde von Handwerkern aus Bretten erstellt. Das Bauholz, dessen Entnahme aus dem Münzesheimer Gemeindewald verweigert wurde, ist aus Brettener Waldungen angeliefert worden. Im 19. Jahrhundert war im Synagogengebäude auch die jüdische Schule untergebracht (Religionsschule).  
    
Am 22. Februar 1938 wurde die Synagoge nach Auflösung der Gemeinde verkauft und vom neuen Besitzer abgebrochen. An derselben Stelle wurde ein Wohnhaus erbaut (Unterdorfstraße 31).
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite 


Foto nach 1945/Gegenwart:

Foto um 1985:
(Foto: Hahn)  
Muenzesheim Synagoge 010.jpg (57778 Byte)
   Die ehemalige Synagoge stand an der Stelle des Hauses an der rechten 
Seite der Häuserreihe (hinter dem Verkehrsschild) 
     
Foto 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 15.9.2003) 
Muenzesheim Synagoge 151.jpg (39065 Byte) Muenzesheim Synagoge 150.jpg (36107 Byte)
  Ähnlicher Blickwinkel wie oben 
(aus kürzerer Distanz) 
Das Gebäude Unterdorfstraße 31 
aus der entgegengesetzten Perspektive 
     

    
   

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Kraichtal  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 207-208. 
Karl Wilhelm Kübler: Münzesheim im Wandel der Zeiten. 1966. S. 77-78. ("Die Juden in der Dorfgemeinschaft")  
Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 406-407.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.   

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Muenzesheim  Baden. Jews were present from the 17th century, reaching a peak population of 90 in 1801 but living in straitened economic circumstances. In 1933, 17 Jews remained. By 1938, five had emigrated to the United States and one to Holland. The synagogue, built in 1750, was sold in 1937 and the rest of the community was variously dispersed.   
  
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Juli 2013