Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

      
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg 

  
Menzingen (Stadt Kraichtal, Kreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)    
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts als Besitz der Freiherren von Menzingen zum Ritterkanton Kraichgau gehörenden Menzingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1921. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1546 Juden am Ort genannt. Während des Dreißigjährigen Krieges sind die Juden aus Menzingen großenteils abgewandert (sofern sie die Kriegsjahre überlebten). Nach dem Krieg kamen langsam einige Familien zurück. 1693 erlaubte die Herrschaft jedem Juden in Menzingen, je Familie zwei Stück Vieh jährlich zu schächten, später wurde die Bestimmung auf vier Stück Groß- und Kleinvieh jährlich erweitert.
   
1800 lebten 16 jüdische Familien mit zusammen 74 Personen in Menzingen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 78 jüdische Einwohner, 1832 81, 1836 89, 1938 98, höchste Zahl um 1864 mit 116, 1871 94, 1875 96, 1880 67, 1885 69, 1890 84, 1895 80, 1900 73. Seit 1900 ging die Zahl sehr schnell zurück: 1905 40 jüdische Einwohner, 1910 19, 1925 sechs, 1933 sieben, die der jüdischen Gemeinde in Odenheim zugeteilt waren).  

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Oberöwisheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. die Ausschreibungen der Stelle unten). Aus dem 19. Jahrhundert ist vor allem Lehrer Josua Liebmann zu nennen, der von 1818 bis 1868 in Menzingen als Lehrer tätig war. 1903 wird Lehrer Eisenberger genannt; möglicherweise war er der letzte Lehrer der Gemeinde. Seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Bretten
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Sergeant Felix Ledermann (geb. 25.9.1879 in Menzingen, vor 1914 in Heilbronn wohnhaft, verwundet 1.5.1918 und gest. 6.7.1918 im Feld-Lazarett 274 in Dechy; sein Grab ist auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Dourges in der Nähe von Lens [Block 1, Grab 428]; Hinweis von Christoph Zimmer, Frankfurt am Main; Ehrenbuch Heilbronn).
     
Am 7. Dezember 1921 wurde die Gemeinde aufgelöst. 
 
Bis nach 1933 gehörte ein Lebensmittel- und Manufakturwarengeschäft einer jüdischen Familie (Lebensmittel- und Manufakturwarengeschäft Josef Stiefel, Heilbronner Straße 19). Im Dezember 1938 wanderte Josef Stiefel mit seiner Familie in die USA aus, nachdem er im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 einige Tage in Dachau interniert worden war. 
     
Von den in Menzingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Frieda Bloch geb. Schlesinger (1886), Berta Ermann geb. Lindauer (1894), Dora Ermann geb. Lindauer (1889), Betty Hirsch geb. Herzog (1879), Rosa Hirsch geb. Herzog (1883), Rosalie Jakob geb. Ullmann (1860), Paula Kaufmann geb. Herzog (1888), Frieda Ledermann geb. Lindauer (1887), Albert Lindauer (1888), Klara Selma Lindauer (1894), Ida Löb (1868), Babette Nußbaum geb. Jeremias (1870), Auguste Pappenheimer geb. LIndauer (1869), Mathilde Rehbock geb. Westheimer (1872), Josef Schlessinger (1883), Ludwig Schlessinger (1885), Nathan Schlessinger (1857), Johanna Silberstein geb. Stiefel (1895), Auguste Stern geb. Lindauer (1883), Bertha Stiefel (1884), Emma Stiefel (1886), Hedwig Stiefel geb. Isenberg (1883), Meta Stiefel (1887), Josephine Wessel (1894), Frieda Westheimer (1892), Kurt Karl Westheimer (1869), Martha Wiener geb. Lindauer (1900), Flora Wormser geb. Herzog (1886).    
        
        
        
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers-/Vorbeters und Schächters 1879 / 1891 / 1893 / 1902

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1879: "Die Religionsschul-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Menzingen ist zu besetzen. Das Einkommen besteht in einem jährlichen Gehalt von fünfhundertundfünfzig Mark, einer freien Wohnung für einen Verheirateten und in den obengenannten Funktionen entfließenden Gefällen. Dasselbe kann durch 2mal wöchentliche Religionsunterrichterteilung in der Kultusgemeinde Münzesheim um mindestens ca. 180 Mark per Jahr vermehrt werden. Süddeutsche erhalten den Vorzug. 
Bretten, 17. Oktober 1879. Die Bezirks-Synagoge: L. Schleßinger, Bezirks-Rabbiner". 
   
Menzingen Israelit 11051891.jpg (52408 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: Die Religionsschul-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Menzingen, Amtsbezirk Bretten, ist Anfangs August dieses Jahres zu besetzen. Fixum 600 Mark, Nebeneinkommen ca. 300 Mark und freie Wohnung. Geeignete deutsche Bewerber ledigen Standes haben ihre Franko-Meldungen mit den nicht zurückgegeben werdenden getreuen Zeugnisabschriften innerhalb 3 Wochen einzusenden an die Großherzogliche Bezirks-Synagoge zu Bretten."    
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1893: Bretten. Das Religionsschul-, Vorsänger- und Schächteramt in der Israelitengemeinde zu Menzingen, Rabbinatsbezirks Bretten, mit einem jährlichen Gehalt von 600 Mark, freier Wohnung, einem Nebenverdienst von ca. 400 Mark und Vergütung für die Erteilung des Religionsunterrichts in der Filiale Münzesheim, ist wegen Stellenwechsel des bisherigen Inhabers bis zum 1. Februar, oder eventuell auch früher, mit einem tüchtigen Kultusbeamten deutschen Nationalität, der ledigen Standes, oder nur eine kleine Familie hat, wieder zu besetzen. Frankierte Meldungen mit nicht zurückgegeben werdenden Zeugnisabschriften über Studiengang etc. und Lebenslauf sind innerhalb 3 Wochen zu richten an die Bezirkssynagoge Bretten."
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1902: "Die mit Vorsänger- und Schächterdienst verbundene Religionsschulstelle hier, mit Filial für Religionsunterricht in Münzesheim wird per 1. April frei. Das Einkommen beträgt: Fixum Mark 700 und freie Wohnung, nebst circa Mark 300 Nebeneinkommen und aus der Filiale Münzesheim Mark 130. 
Menzingen, 2. März (1902). Der Synagogenrat: Ferdinand Ledermann."

 
Zum Tod von Lehrer Josua Liebmann, Lehrer in Menzingen von 1818 bis 1868 (1876)  

Menzingen Israelit 17051876.jpg (29770 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1876: "Eppingen (Baden). Vor Kurzem starb der Lehrer Josua Liebmann aus Menzingen in dem hohen Alter von 80 Jahren. Der Verstorbene hatte pflichtgetreu 50 Jahre in seinem Geburtsort und in den letzten acht Jahren in dem benachbarten Mühlheim (gemeint: Mühlbach) (an letzterem Platze unentgeltlich) als Lehrer gewirkt und stets ein religiöses Leben vollführt. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. E".
 
Josua Liebmann wurde im jüdischen Friedhof in Eppingen beigesetzt:
 
Inschrift und Übersetzung des Grabsteines für Lehrer (oben rechts versehentlich "Lehser") Josua Liebmann, gest. in Mühlbach den 5. April 1876". Quelle: Ralf Bischoff/Reinhard Hauke: Der jüdische Friedhof in Eppingen. Eine Dokumentation. 1989 (Rund um den Ottilienberg Nr. 5). S. 182.   

       
Lehrer Eisenberger wirbt für eine Pension und Restaurant in Bad Ilmenau (1903)   

Menzingen Israelit 29011903.jpg (35467 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1903: 
"Koscher  Pension und Restaurant  Koscher  
in Bad Ilmenau (Thüringen) - 
Eröffnet am 1. April 1903. Eisenberger, Lehrer zur Zeit in Menzingen (Baden)."   

  
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde        
Joseph Münzesheimer wurde Opfer eines Diebstahles (1833)      

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1833 S. 952  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Diebstahl
Dem Handelsjuden Joseph Münzesheimer von Menzingen wurden in der Nacht vom 8. auf den 9. dieses Monats mittelst Einbruchs in dessen Keller drei ganze eine in der Mitte durchschnittene und ungefähr 6 bis 10 Stücke größere und kleinere Sohlhäute im Wert von 132 fl. - und ein Hängschluss im Wert von 36 kr. entwendet. 
Der Bestohlene hat sich erboten, dem Entdecker dieses Diebstahls eine Belohnung von 111 fl. - zu geben. 
Wir bringen dies zum Zweck der Fahndung zur öffentlichen Kenntnis. 
Bretten, am 10. November 1833. Großherzoglich Badisches Bezirksamt. Ertel".    

  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen der Zigarrenfabrik Hermann Lindauer (1897 / 1900)   

Menzingen Israelit 30091897.jpg (46782 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1897: 
"Für das Comptoir meiner Zigarrenfabrik suche ich einen aufgeweckten Jungen, Sohn anständiger Eltern als 
Lehrling
Nur selbstgeschriebene Offertbriefe finden Berücksichtigung. 
Hermann Lindauer,
Menzingen bei Bruchsal (Baden)."   
   
Menzingen Israelit 31101900.jpg (40467 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1900: "Lehrling 
mit guter Schulbildung zum sofortigen Eintritt, eventuell per 1. Januar 1901 gesucht. Selbstgeschriebene Offertbriefe sind zu richten an die 
Menzinger Zigarren-Fabrik,
 
Hermann Lindauer, Menzingen, Baden."      

    
    
Weitere Dokumente 
Aus der Familie von Ferdinand Schlessinger (geb. 1875 in Menzingen, später in Tiengen verheiratet)    

Menzingen Schlesinger 10.jpg (83691 Byte) Menzingen Schlesinger 12.jpg (145804 Byte) Menzingen Schlesinger 11.jpg (160624 Byte) Menzingen Schlesinger 13.jpg (144264 Byte)
 Der am 25. Oktober 1939 in Waldshut ausgestellte Pass von Ferdinand Schlesinger und Jenny geb. Levi. Der Pferdehändler Ferdinand Schlesinger ist am 16. Februar 1875 in Menzingen geboren und wohnte später in Tiengen (weitere Informationen dort; gest. 1950 in Israel). 

  
    
    
    

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge       
   
Die heutige Mittelstraße hieß früher "Judengasse", möglicherweise ein Hinweis auf das frühere Wohngebiet der jüdischen Familien. 
    
Eine Synagoge wurde 1787 erbaut. 

Nachdem die Gemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts größer geworden war, wurden um 1840 Überlegungen zur Vergrößerung der Synagoge angestellt. Man bat hierzu Maurermeister Leonhard Vogt aus Gochsheim um ein Gutachten, das am 21. Januar 1843 bei Bezirksamt Bretten einging. Vogt hatte überprüft, ob ein zweiter Stock auf das einstockig ausgeführte bisherige Synagogengebäude aufgebaut werden könnte und kam zum Ergebnis, dass die Umfassungsmauern keinen zweiten Stock tragen könnten. Den Vorschlag der Gemeinde, in diesem Fall eine neue Synagoge in dem benachbarten Garten des Isak Wertheimer zu bauen, hielt er für ungeeignet, da auf diesem Grundstück wegen seiner niedrigen Lage eine starke Fundamentierung erstellt werden müsse. Der Garten gegenüber wäre geeigneter zum Bau einer Synagoge. Auf Grund dieses Gutachtens beschloss die Gemeinde, den Neubau einer Synagoge "vier bis fünf Jahre" hinauszuschieben, um in dieser Zeit ihren Baufond aufstocken zu können. Das Bezirksamt Bretten, das grundsätzlich "von der Vergrößerung der Synagoge zu Menzingen überzeugt" war, hielt die Überlegungen von Maurermeister Vogt für "zweckmäßig". Am 11. Dezember 1842 konnte der Synagogenrat dem Bezirksamt mitteilen, dass von den im Baufond zu einem Neubau mindestens erforderlichen 1.100 Gulden inzwischen 950 angesammelt seien. Man hatte damals Kosten von 2.500 bis 2.800 Gulden für einen Neubau hochgerechnet. Insgesamt freilich sah die jüdische Gemeinde selbst den Neubau noch nicht für so dringend an, da in der Synagoge noch "so viel Platz (sei), dass man sie noch einige Jahre erhalten kann, ohne dass der Gottesdienst darunter leidet oder gestört wird" (Brief vom 24. Januar 1843 an das Bezirksamt). Zwölf Jahre später (1855) war eine neue Situation gegeben. Damals waren bereits mehrere Familien aus Menzingen abgewandert. Man hielt es für wahrscheinlich, dass noch andere Familien folgen würde und kam zum Beschluss, "dass unsere jetzige Synagoge, wenn die beantragte Renovation zur Ausführung kommt, noch ein ganzes Jahrhundert unserem Bedürfnis entspricht" (Bericht des Synagogenvorstandes vom 1. Juli 1855). Dem war offenbar doch nicht so. Ende der 1860er-Jahre führten neue Überlegungen in der Gemeinde, über die noch keine Dokumente in den Archiven gefunden werden konnten, dazu, dass der Synagogenneubau ausgeführt und die neue Synagoge am 22. Dezember 1871 eingeweiht werden konnte. Darüber berichtet ein kurzer Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit". 
 
Einweihung der Synagoge (1872)        

Menzingen Israelit 08011872.jpg (23531 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1872: "In Menzingen wurde am 22. vorigen Monats die neuerbaute Synagoge durch Herrn Bezirks-Rabbiner Schleßinger in Bruchsal eingeweiht. Die Einweihungsrede erfreute sich allseitigen Beifalls."

Knapp 50 Jahre später - 1921 - wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst, da die meisten Familien inzwischen abgewandert waren. Nach der Auflösung wurde das Synagogengebäude an die politische Gemeinde verkauft, die darin eine Gewerbe- und Industrieschule einrichtete; später kamen einige Klassen der Volksschule hinzu.  
  
Das Synagogeninventar blieb für die nächsten Jahre erhalten und fand Verwendung in der Ausstattung der 1926 eingeweihten Synagoge der orthodox-jüdischen Gemeinde Adaß Jeschurun in Pforzheim.  
  
Das Synagogeninventar kommt nach Pforzheim (1926)     

Menzingen Israelit 16091926.jpg (168046 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1926: "Pforzheim, 5. September (1926). Am gestrigen Schabbat Nizawim WaJelech (4. September 1926) wurde das neue Beit Haknesset (Synagoge) der hiesigen Adaß Jeschurun in Benutzung genommen und damit einem lange gefühlten Bedürfnis entsprochen, da die Räume, welche bisher den Zwecken der Gemeinde dienten, in jeder Beziehung unzulänglich waren und nur infolge der Wohnungsnot nicht aufgegeben werden konnten. Von einer größeren Feier musste aus äußeren Gründen Abstand genommen werden, und des freudigen Anlasses wurde deswegen beim Gottesdienst am Schabbat gedacht. In seiner Ansprache gab der 2. Vorsitzende, Herr S. Puder, einen geschichtlichen Überblick über die Entstehung des Minjan, welches sich aus den kleinsten Anfängen im Jahre 1905 bis zu dem jetzigen Bestande trotz der schweren Zeit des Krieges und der Nachkriegszeit entwickelt hat und nur unter Aufwendung größter Energie und erheblicher materieller Opfer für jedes Mitglied zu erhalten war. Herr Louis Reutlinger gab alsdann in längerer Rede unter Anlehnung an den Wochenabschnitt dem Geiste Ausdruck, welcher die Gründer und Erhalter des Minjan beseelte und wies auf die Pflichten hin, welche die Idee des Tora Im Derech Erez im Sinne S. R. Hirschs - das Gedenken an den Gerechten sei zum Segen - jedem Einzelnen in Lehre und Leben auferlegt, ganz besonders im Hinblick auf die Erziehung der Kinder zu wissenden Juden. Herr J. Goldberg schloss die Reihe der Redner mit geistvollen Zitaten aus Midrasch und Gemara.
Die Adaß Jeschurun verfügt jetzt über eine schöne und würdige Synagoge mit 60 Männer- und 50 Frauenplätzen, welche bereits alle vergeben sind. Der Badische Oberrat der Israeliten hat durch den Synagogenrat in dankenswerter Weise eine sehr schöne Inneneinrichtung, welche früher der leider eingegangenen Gemeinde Menzingen bei Bruchsal gehörte, nebst einer herrlichen Sefer Tora (Torarolle) zur Verfügung gestellt und damit das vorhandene Inventar ergänzt. Es ist zu wünschen, dass die Adaß Jeschurun, welche das traditionell gesinnte Element in der Pforzheimer, von jeher neologen Gemeinde darstellt, den vielen und schweren Aufgaben, welche ihrer warten, mit Gottes Hilfe gerecht werden kann. 

Das ehemalige Synagogengebäude ist als Wohnhaus erhalten (Standort Mittelstraße 6).
    
    
 
  
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite  

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965:
(Quelle: G. Bienwald, 
Menzingen s. Lit. S. 55)
Menzingen Synagoge 001.jpg (113467 Byte)     
     Ehemalige Synagoge in Menzingen,
 Mittelstraße 6
   
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.9.2003)
Menzingen Synagoge 154.jpg (37568 Byte) Menzingen Synagoge 156.jpg (44139 Byte)
  Das Synagogengebäude von Westen. Eingangsbereich
     
   Menzingen Synagoge 150.jpg (84747 Byte) Menzingen Synagoge 151.jpg (104901 Byte)
   Ostwand der ehemaligen Synagoge. Das Rundfenster über dem früheren 
Toraschrein ist erhalten 
   
Menzingen Synagoge 152.jpg (65474 Byte) Menzingen Synagoge 153.jpg (56178 Byte) Menzingen Synagoge 155.jpg (69021 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge von Süden bzw. Südwesten. Die durch den 
Einzug einer Zwischendecke unterbrochenen früheren hohen Rundbogenfenster 
sind noch erkennbar.
Anbau an die 
ehemalige Synagoge.  
   
   

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Kraichtal 
Nachkommen von Sissel Lindauer (gest. 1849), Stammvater einer jüdischen Familie in Menzingen  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 222-223.
Otto Becher: Zur Geschichte der Juden in Menzingen. in: Bruhrain und Kraichgau. Bruchsaler Geschichtsblätter. Nr. 1/2 1928 S. 1-4.
Günter Bienwald: Menzingen. Ein Gang durch seine 1200 Jahre Geschichte. 1970. S. 52-56 ("Vom Leben der Juden in der Dorfgemeinschaft").
Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990. 
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    

      
  
 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Menzingen  Baden. Jews were present in the 16th century and numbered 96 (total 1,555) in 1875. The last family emigrated to the United States around the end of 1938. 
   

 

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

            

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. Januar 2013