Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Pforzheim (Stadtkreis Pforzheim) 
Jüdische Geschichte / Synagogen (bis 1938/40)  
  

    
Übersicht  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte/Texte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule     
Versammlung gegen den Antisemitismus (1891)  
Berichte aus dem 20. Jahrhundert  
Berichte zu einzelnen Personen und persönliche Mitteilungen   
Anzeigen 
Sonstiges   
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen bis 1938/40 
Mittelalter  
18./20. Jahrhundert (Synagogen 1813 und 1892)   
Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft 1927
Fotos  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur  
Zur Geschichte nach 1945 (weitere Seite) 

      
      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)   
    
In Pforzheim bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und in der Neuzeit bis 1938/40. Im Mittelalter werden Juden erstmals 1260 im Zusammenhang mit einem angeblichen Ritualmord und einer Judenverfolgung genannt. Die Judenverfolgung während der Pestzeit 1348 vernichtete die Gemeinde. Vom 15. bis 17. Jahrhundert waren Juden vereinzelt in der Stadt (1463 bezeugt). In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren unter den Juden in Pforzheim auch einige Ärzte. 1614 wurden die Juden vertrieben. Zu einer Wiederansiedlung kam es ab 1670.
   
Im 18./19. Jahrhundert nahm die Zahl jüdischer Einwohner in Pforzheim, auch durch Zuzug von Landgemeinden (u.a. Königsbach), zunächst langsam, dann stark zu. 1709 waren es fünf, 1784 dreizehn jüdische Familien. 
 
Zwischen 1861 und 1925 wuchs die Gemeinde um mehr als das Fünffache: Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1927 mit 1.000 Personen erreicht. 
 
Die Pforzheimer Juden lebten bis zum frühen 18. Jahrhundert vor allem vom Handel und von Handlungen. 1739 betrieben sie in der Stadt sechs offene Kramläden mit allen möglichen Waren. Im 19. Jahrhundert gab es viele jüdische Gold-, Silber-, Perlen- Schmuckwaren- und Uhrengroßhändler. Auch entstanden zahlreiche jüdische Schmuck- und Uhrenfabriken sowie andere Fabriken.  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Konfessionsschule bis 1876, danach Religionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Kantor tätig war. 
  
Karlsruhe Friedhof li151.jpg (37327 Byte)Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde:  Otto Siegmund Bloch (geb. 1880 in Pforzheim, gef. 1914), Leutnant Max Bonheim (geb. 1878 in Schwerin, gef. 1916), Unteroffizier Hugo Emsheimer (geb. 1884 in Pforzheim, gef. 1918), Hans Fuld (geb. 1896 in Pforzheim, gef. 1916), Julius Heilbrunn (geb. 1888 in Nordhausen, gef. 1915), Louis Hilb (geb. 1880 in Aufhausen, gef. 1916), Fritz Kahn (geb. 1895 in Pforzheim, gef. 1914), Bernhard Levide (geb. 1895 in Pforzheim, gef. 1914), Moritz Maier (geb. 1883 in Pforzheim, gef. 1918), Unteroffizier Julius Marx (geb. 1890 in Karlsruhe, gef. 1917), Karl Schlesinger (geb. 1881 in Pforzheim, gest. an den Kriegsverletzungen 1912), Unteroffizier Max Sternberg (geb. 1886 in Neustadtgödens, gef. 1917), Unteroffizier Fritz Sundheimer (geb. 1891 Frankfurt am Main, gef. 1918).  Außerdem sind gefallen: Gefreiter Leopold Adler (geb. 1889 in Pforzheim, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 1916),  Ludwig Metzger (geb. 1895 in Pforzheim, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 1917), Max Edmund Schorsch (geb. 1897 in Pforzheim, vor 1914 in Bruchsal wohnhaft, gef. 1917). 
Das Foto zeigt die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf Pforzheim, die sich heute im jüdischen Friedhof Haid- und Neustraße in Karlsruhe befindet.   
   
Bis zu Beginn der NS-Zeit 1933 waren in jüdischem Besitz etwa 15 Textilwarengeschäfte, sieben Schuhgeschäfte, sieben Metallwaren- und Eisenhandlungen, zwei Kaufhäuser und anderes mehr. Mehrere jüdische Ärzte und Rechtsanwälte praktizierten in der Stadt.   
   
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Pforzheim wohnhaften 770 jüdischen Personen mindestens 190 ums Leben. 29 Schicksale sind ungeklärt/unbekannt.  
Weitere Informationen siehe: Dokumentation der zwischen 1919 und 1945 in Pforzheim geborenen bzw. ansässigen jüdischen Bürgerinnen und Bürger und deren Schicksal (online zugänglich über die Website der Stadt; Autor: Gerhard Brändle). 
  
Zur neuen Gemeinde nach 1945: hier anklicken  
    
    
    
    
Berichte/Texte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
    
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers (1874)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1874: "Die Religionsschul- und Vorsängerstelle bei der israelitischen Gemeinde Pforzheim (im Großherzogtum Baden) ist durch einen musikalisch gebildeten Lehrer und Vorsänger zu besetzen. Jährlicher fester Gehalt 800 Gulden (welcher bei besonderer Tüchtigkeit des Bewerbers noch erhöht wird) bei freier Wohnung, einem erhöhten Schulgelde und Gelegenheit zu einem nicht unbedeutenden Nebenverdienste. Meldung unter Vorlage von Zeugnissen bei der Bezirkssynagoge Karlsruhe binnen vier Wochen."        

  
Werbung für die jüdische Knabenpension des Kantors Emil Bloch (1878)   

Pforzheim AZJ 20081878.jpg (68031 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. August 1878: "Pension! Knaben, welche die hiesigen Lehranstalten (Progymnasium, sechsklassige höhere Bürgerschule, Kunstgewerbeschule) besuchen, finden beim Unterzeichneten Aufnahme, gewissenhafte Pflege und Überwachung, Nachhilfe im Unterrichte, sowie jede gewünscht Unterweisung in den israelitischen Religions- und Schriftfächern. Nähere Auskunft haben die Güte zu erteilen: Herr Dr. Schneider, Direktor des Progymnasiums und der höheren Bürgerschule hier; Herr Dr. Schwarz, Stadt und Bezirksrabbiner in Karlsruhe. Kantor E. Bloch, Hauptlehrer an der höheren Bürgerschule in Pforzheim (Baden)."

 
Zum Tod des Kantors und Lehrers Elias / Emil Bloch (Lehrer in Pforzheim von 1875 bis zu seinem Tod 1893)  

Pforzheim AZJ 09061893.jpg (63794 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juni 1893: "Pforzheim, 4. Juni (1893). Am 3. dieses Monats verschied nach nur sechstägiger Krankheit in Folge einer Herzlähmung unser seit 1875 in hiesiger Gemeinde als Kantor und an der hiesigen Realschule als Lehrer wirkende Herr Emil Bloch, Reallehrer, im 59. Lebensjahre. Die israelitische Gemeinde verliert an dem Verstorbenen einen in jeder Beziehung hochachtbaren, mit großem Wissen begabten Lehrer und Kantor. Die große Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse seitens aller Konfessionen war ein beweis dafür. Sein vielseitiges Wissen, seine Verdienste als Lehrer, als Kantor etc. wurden von dem Rabbiner Herrn Dr. Sondheimer aus Heidelberg in ergreifenden Worten geschildert. Der Direktor der hiesigen Realschule Herr Stocker schilderte in beredten Worten seine guten Eigenschaften und seine eifrige Tätigkeit. Ehre seinem Andenken."  

 
Zum Tod von Kantor Emil / Elias Bloch (1893)  

Pforzheim Israelit 26061893.jpg (44753 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1893: "Pforzheim. Kaum ist unsere neue Synagoge eingeweiht, so raubt uns der Tod ganz plötzlich den Mann, der berufen war, dort ‚vor Gott zu dienen.’ Kantor Elias Bloch ist ganz plötzlich gestorben. Er war ein hervorragender Kantor mit außerordentlichen Stimmmitteln begabt, ein sehr tüchtiger Religionslehrer. Da er auch das Reallehrer-Examen bestanden hatte, wurde er gleichzeitig von der Oberschulbehörde als Reallehrer am hiesigen Realgymnasium angestellt."  

   
Der Hauptlehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde Sommer wird zum Stadtverordneten gewählt (1911)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Juli 1911: "In Pforzheim fanden in den letzten Tagen die Wahlen für den Bürgerausschuss statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Kantor der jüdischen Gemeinde, Hauptlehrer Sommer, als Stadtverordneter in die städtischen Kollegien gewählt. Es ist erfreulich, dass man in einer solch bedeutenden Industriestadt dem Lehrerstand gebührend Rechnung trägt."       

 
Neueröffnung eines jüdischen Volksschule (1936/37)   

Pforzheim CV 01101936.jpg (61576 Byte)Artikel in der Zeitschrift des "Central-Vereins" (CV-Zeitung) vom 11. Januar 1936: "Neuerungen im Schulwesen. Nachdem schon längere Zeit an den Volksschulen, in Mannheim, Heidelberg, Bruchsal und Emmendingen die jüdischen Schüler in besonderen Klassen zum Unterricht durch jüdische Lehrer zusammengefasst worden sind, ist das gleiche Anfang September auch in Karlsruhe geschehen. Die dortige jüdische Schulabteilung zählt etwa 210 Schüler. Nach den Herbstferien folgt die Eröffnung jüdischer Schulabteilungen an den Volksschulen in Freiburg und Pforzheim. Für einige andere Gemeinden ist die Gründung jüdischer Schulklassen zu Ostern 1937 in Aussicht genommen: alsdann wird der größte Teil aller jüdischen Volksschüler in Baden in solchen Klassen erfasst sein."  

  
  
Versammlung gegen den Antisemitismus (1891)    

Pforzheim Israelit 19111891.jpg (208858 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1891: "Pforzheim, 17. November (1891). Vor einer Versammlung von etwa 450 Personen, die Herr Fabrikant Ferdinand Kiehnle mit beifällig aufgenommener Ansprache eröffnete, sprach Herr Pfarrer Gräbner gegen den Antisemitismus. Er nennt denselben den Ausdruck mittelalterlicher Unduldsamkeit und eine Geschäftsmache seiner Agitatoren. In zweistündigem Vortrag unterzog Redner die verschiedenen bisher sich selbst befehdenden Richtungen des Antisemitismus einer äußerst scharfen Kritik. Die programmatischen Forderungen desselben seien weder liberal noch national, noch überhaupt durchführbar, wie selbst die antisemitische Autorität, Heinrich von Treitschke, nachweise. Die Judenfrage sei eine Rassen- und Religionsfrage. Als erstere fehle ihr schon insofern jede Berechtigung, da heutzutage kein einziger Deutscher mit Gewissheit sich zur reinen germanischen Rasse zählen könne. Die Religion soll nicht trennend, sondern verbindend sein. Die jüdische Religion entspreche durchaus dem Gesetz der christlichen Nächstenliebe. Des Näheren sprach sich Redner aus über die Juden als Handwerker, als Träger deutscher Sprache in dem Osten des Reiches, über den Wucher und die gegenwärtig vom Antisemitismus ausgebeuteten Fallimente Berliner Bankhäuser, deren Bloßstellung von jedem anständigen Juden mit Freunden begrüßt werde, weil auf diese Weise an den Tag trete, wessen Geschäfte reell und wessen unreell sind. dass die hohe Aristokratie, die erklärte Todfeindin der Börse, doch auch im Stillen mit Papierchen arbeite, gehe aus dem Fall Wolff (Christ) und Hirschfeld hervor. Bei Besprechung der antisemitischen Presse, insbesondere der des Leipziger Fritsche, gab Redner eine Blütenlese, die an Schmutz und Rohheit allerdings das Menschenmögliche leistet. Von den Gegnern meldete sich niemand zu Wort. Mit einem begeistert aufgenommenen Appell an die Einigkeit und den Frieden des Zusammenlebens und einer Aufforderung, dem antisemitischen Treiben energischen Widerstand zu leisten, was in der Stadt Reuchlins doppelte Pflicht sei, schloss Redner mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Herr Heinrich Bloch forderte jeden auf, seine Klagen vorzubringen, die er gegen irgendeinen der hiesigen Juden vorzubringen habe und erklärte es als eine Schmacht, dass man an dem hiesigen Platz, wo doch bisher die Juden in Eintracht mit anderen Konfessionen gelebt, diese wüste Agitation getragen habe. In gleichem Sinne äußerte sich Herr Kantor Bloch, der seinem tiefsten Bedauern Ausdruck gab, dass die jüdische Religionslehre, welche vom Staate anerkannt sei, und in welche jedermann Einsicht nehmen könne, in unqualifizierbarer Weise von jungen, lernbedürftigen Menschen in den Kot gezogen werde, während ganz allein nur das gelehrt werde, was auch das Christentum als Recht und Sitte vorschreibe."

  
  
Berichte aus dem 20. Jahrhundert  
      
In Pforzheim kleben Schüler antisemitische Zettel an die Häuser (1920)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Februar 1920: "Karlsruhe. Im Landtag erwähnte Stockinger (Soz.), dass in Pforzheim Schüler, die dem Schutz- und Trutzbund angehören, antisemitische Zettel an die Häuser klebten. Ferner lag eine sozialdemokratische Interpellation über die Karlsruher Vorgänge gegen die Berufung des Direktors Meyer der Auergesellschaft in Berlin vor. 
Unterrichtsminister Hummel erwiderte, dass in einem Erlass erneut auf das Verbot der Beteiligung von Schülern an Vereinigungen jeder Art hingewiesen wurde, und dass die bedauerlichen Vorgänge an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe auf die Verhetzung durch die Rechtsparteien zurückzuführen seien; doch werde die Regierung auch in Zukunft sich nicht davon abhalten lassen, auf die Lehrstühle die Tüchtigsten zu berufen; bei Wiederholung des Karlsruher Falles würde die Regierung sofort die Hochschule schließen, um zu zeigen, dass sie der Herr im Hause ist und nicht die Studenten".       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen und persönliche Mitteilungen  
Über den Dichter Leopold Landau in Pforzheim (1894)  

Pforzheim Israelit 13081894.jpg (154535 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1894: "Neue Dichtungen. Es ist keineswegs gesagt, dass die Produkte eines Dichters nur dann von Wert sind, wenn sein Name zu den vielgenannten gehört und die Muse ihn zu ihren ‚Lieblingen’ zählt. Wir haben hier nicht die Gattung der ‚verkannten Genies’ im Auge, sondern diejenigen Poeten, die zu bescheiden und zu – unpraktisch sind, um von sich reden zu machen und doch Anspruch auf die Beachtung weiterer Kreise hätten. Zu diesen gehört auch Leopold Landau in Pforzheim, von dem jüngst wieder, in einem Bändchen vereinigt, zwei neue Dichtungen ‚Der Irrenarzt’ und ‚Der erste Prophet’ erschienen sind. Im erstgenannten Poem schildert der Verfasser das tragische Geschick eines israelitischen Arztes; im zweiten feiert er Moses als den genialen Gesetzesüberbringer und den Mann mit dem eisernen Willen, der die Sklavenketten seines Volkes gebrochen und ihm den Glauben an seinen Gott wiedergegeben hat. Landau rechnet sich zu denjenigen Autoren, ‚welche von dem Zauber unserer heiligen Schriften angezogen, forschend und träumend in denselben lustwandeln’. Darum behandelt er auch mit Vorliebe biblische Stoffe, nicht in trockener geräumter Erzählung, sondern in lebendiger Darstellung und in schöner, fast zu blumenreicher Sprache, die er in schwungvolle Verse zu kleiden versteht. Seine Dichtungen, ohne Vorurteil und ohne eigentliche Tendenz, atmen den überzeugungsfrohen Glauben an den ‚ewigen unveränderlichen Geist der Religion’, und dieser Glaube ist es auch, der ihm ein inniges Anschmiegen an seinen Gegenstand gestattet und ihn begeistert für die Legenden vergangener Jahrtausende. Dass die Schöpfungen Landaus auch mancherlei Unebenheiten aufweisen, dass einzelnen Stellen kleine, sprachliche Gebrechen anhaften und etliche Ausdrücke und Begriffe sich häufig wiederholen, die Lust am Moralisieren mitunter überwiegt und Schiller’sches Pathos und Heine’sche Reimvirtuosität nicht immer eine glückliche Mischung bilden, - diese Nachteile werden reichlich ausgeglichen durch die vorhandenen Vorzüge und die unleugbare dichterische Begabung des Autors. Auf Letzteren die verdiente Beachtung zu lenken und zum Lesen seiner bis jetzt im Selbstverlag erscheinenden Schriften anzuregen, ist der Zweck dieser Zeilen."

   
Privatier August Oppenheim wurde in den Synagogenrat gewählt (1907)         

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1907: "Pforzheim. Privatier August Oppenheim wurde in den Synagogenrat gewählt."       

  
Auszeichnung der Witwe von Bankier Robert Block zum 25-jährigen Jubiläum als Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins (1912)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1912: "Der Frau Bankier Robert Bloch Witwe in Pforzheim wurde aus Anlass ihres 25-jährigen Jubiläums als Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Baden die Friedrich-Luisen-Medaille verliehen".    

 
Leutnant Max Bonheim ist gefallen (1916)
  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916: "Pforzheim. Leutnant Max Bonheim, Inhaber des Mecklenburgischen Verdienstkreuzes und des Eisernen Kreuzes, ist gefallen."    

   
Das Kriegsverdienstkreuz und das Kriegshilfekreuz wird verleihen (1916)
  

Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1916: "Pforzheim. Das vom Großherzog von Baden gestiftete Kriegsverdienstkreuz erhielten hier unter anderen Oberamtsrichter Dr. Levis, Oberlehrer und Kantor David Sommer, Generalagent Julius Straus, Leiter des Reservelazaretts Siloah Arzt Dr. Hermann Netter, praktischer Arzt Dr. Wilhelm Rosenberg, Fabrikant Artur Schlesinger und sein Bruder Unteroffizier Ludwig Schlesinger, beide zurzeit in Karlsruhe.   
Das Kriegshilfekreuz wurde verliehen an Frau Bankier Henriette Bloch Witwe, Fabrikant Paul Joseph, Fabrikant Emil Zerninger, Fabrikant Artur Schlesinger."  

  
Zum Tod von Sarah Metzger geb. Fröhlich (1927)  

Pforzheim Israelit 22121927.jpg (125511 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1927: "Pforzheim, 20. Dezember (1927). Am 20. Kislew wurde hier Frau Sarah Metzger geb. Fröhlich zu Grabe getragen. Die Verewigte entstammte einer alten, angesehenen, württembergischen Familie, deren Ahnen in Rexingen sich stets für die Pflege der Tauroh (Tora) eingesetzt haben. Mit ihrem Gatten zusammen, Hermann Metzger – seligen Andenkens -, der ihr bereits 15 Jahre im Tode vorausging, lebte sie ein echt harmonisches Familienleben und war bestrebt, ihre Kinder für die jüdischen Ideale zu begeistern. Bescheidenheit, Sinn für alles Gute, Edle und Menschliche waren die hervorragendsten Züge ihres Charakters. Schwere Schicksalsschläge sollten ihrem Leben nicht erspart bleiben, doch vermochten sie alle ihre Hoffnung für die Zukunft nicht zu erschüttern. So durfte sie noch im Sommer die Nachricht von der Ankunft eines Enkels auf heiliger Erde in Jerusalem erleben. Die Beerdigung war ein beredtes Zeugnis der Beliebtheit der Verstorbenen. In der Trauerhalle entwarf Herr Kantor Sommer ein Lebensbild der Verblichenen. In schmerzbewegten Worten nahm alsdann am offenen Grabe ein Verwandter im Namen der Angehörigen Abschied von der Verewigten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Geburtsanzeige für eine Tochter von Louis Reutlinger und Else geb. Hamburger (1936)  

Pforzheim Israelit 23121936.jpg (36260 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936: "Gott sei gepriesen. Louis Reutlinger und Frau Else geb. Hamburger zeigen die glückliche Geburt einer Tochter hocherfreut an. Pforzheim 20. Dezember 1936 (+ hebräisches Datum 6. Tewet 5697). Zurzeit Privatklinik Dr. Hirsch, Karlsruhe, Karlstraße 52".

  
  
Anzeigen  
Anzeige der Goldwarenfabrik vom Emil Rothschild (1903)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1903: "Emil Rothschild.  
Telephon 1020. Pforzheim. Tel.-Adr.: Rothschild. 
Goldwarenfabrik mit elektrischem Betrieb
."      


Ausschreibung der Stelle des Schochet und Gemeindedieners (1920)      

Pforzheim Israelit 24061920.jpg (36786 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1920: "Zum 1. September dieses Jahres suchen wir einen Schochet und Gemeindediener. Bewerber wollen sich mit Zeugnisabschriften, Angaben bisheriger Tätigkeit, Familienverhältnissen und Gehaltsansprüchen an den Unterzeichneten wenden. Synagogenrat Pforzheim"

  
Zwei Geburtsanzeigen von zwei Söhnen von Louis Reutlinger und Else geb. Hamburger (1925/1929)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "Die - Gott sei gepriesen
glücklich erfolgte Geburt eines kräftigen Stammhalters zeigen hocherfreut an  
Louis Reutlinger und Frau Else geb. Hamburger.  
Pforzheim, 31. Oktober 1925 / Schabbat Lech Lecha."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1929: "Gott sei gepriesen. 
Louis Reutlinger und Frau Else geb. Hamburger 
zeigen die glückliche Geburt eines zweiten Jungen in dankbarer Freude an.  
Pforzheim Schabbat Haggadol 5689 / 20. April 1929."  

   
Geburtsanzeige eines Sohnes von Siegmund und Johanna Reutlinger geb. Hamburger (1925)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1925: "Die - Gott sei gepriesen
glückliche Geburt eines kräftigen Stammhalters zeigen in dankbarer Freude an  
Siegmund und Johanna Reutlinger geb. Hamburger. 
Pforzheim, 8. Juni 1925. Kronprinzenstraße 25."       

  
Verlobungsanzeige von Edith Rosenbaum und Prof. Simon Kassewitz sowie Geburtsanzeige ihrer Tochter Eva-Marianne (1929 / 1930)     

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 11. Januar 1929: 
"Edith Rosenbaum - Professor Simon Kassewitz  Studienrat  
Verlobte   
Kassel Moltkestraße 9  -  Pforzheim (Baden) Untere Au 45.  
Zuhause: Sonntag, 3. Februar 1929."       
 
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 25. April 1930: 
"Eva-Marianne.
Die glückliche Geburt eines gesunden Mädels zeigen hocherfreut an 
Professor Kassewitz und Frau Edith geb. Rosenbaum
.
 Pforzheim, den 24. April 1930. 
Bertholdstr. 24, z.Zt. Trudpert-Krankenhaus."      

 
Verlobungsanzeige von Helene Spira und Josef Spinat (1930)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1939: "Statt Karten  
Helene Spira   Josef Spinat.  Verlobte. 
 
Pforzheim   Frankfurt am Main.  Empfang in Frankfurt am Main, Börnestraße 27, Montag, 2. Juni 1930."      

     
    
Sonstiges  
(Dokumente aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; Anmerkungen gleichfalls von P. K. Müller)     

Ansichtskarte: Pforzheimer Marktplatz
 mit dem Kaufhaus der 
Geschwister Knopf (versandt 1908) 
  
Pforzheim Dok 13100.jpg (248656 Byte) Pforzheim Dok 13100a.jpg (139245 Byte)
Die Ansichtskarte vom Pforzheimer Marktplatz zeigt am linken Kartenrand des Kaufhaus der Geschwister Knopf; die Karte wurde am 13. Juli 1908 nach Wiesbaden verschickt. 
Bereits Anfang April 1933 berichtet der Pforzheimer Anzeiger vom Boykott jüdischer Geschäfte in Pforzheim. Schon einige Zeit vor Beginn des Boykotts am 1. April 1933 um 10 Uhr hatten sich Menschenmengen vor dem Kaufhaus Geschwister Knopf und dem Kaufhaus Landauer versammelt und sich Posten der SA vor den Eingängen der Kaufhäuser als auch anderer jüdischen Geschäfte postiert. In einer Übersicht, die vom Badischen Finanz - und Wirtschaftsministerium erteilten Genehmigungen zur "Entjudung" von Warenhäusern, Kaufhäusern usw. betreffend, als Folge der Verordnung zur Anmeldung des Vermögens von Juden vom 26. April 1938, findet sich zum Pforzheimer Kaufhaus Geschwister Knopf folgende Angabe: "Warenhaus Geschwister Knopf, Einzelinhaberin Frau Marg. Levis, geb. Knopf in Karlsruhe. Arische Erwerber - E. Laplow K.G. in Pforzheim, - erteilte Genehmigung - 19.11.1938". 
Quellen: Gerhard Brändle: Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim. 1985, S. 72-73.83.
http://de.wikipedia.org/wiki/Warenhaus_Geschwister_Knopf   http://de.wikipedia.org/wiki/Warenhäuser_Knopf    .  
   
Briefumschlag Louis Kuppenheim 
(1924) 
  
Pforzheim Dok 251.jpg (204708 Byte)

Der Brief von Louis Kuppenheim in Pforzheim wurde am 24. April 1923 an die Deutsche Bank Berlin verschickt. Louis Kuppenheim und Heinrich Witzenmann hatten 1854 gemeinsam eine Schmuckwarenfabrik gegründet. Louis' Sohn Albert Kuppenheim (gest. 1925) war viele Jahre Mitinhaber der Schmuckwarenfabrik (zudem seit 1919 Mitglied des Bürgerausschusses der Stadt, seit 1922 Stadtrat; im Ersten Weltkrieg EK I und II; Quelle). Die Familien Kuppenheim waren eng verbunden mit ihrer Heimatstadt Pforzheim, was ihr Engagement im kommunalen Bereich der Stadt und im Vereinsleben bestens dokumentiert; auch der Einsatz beim Militär während des Ersten Weltkrieges ist hervorzuheben. Weitere Informationen siehe über die nachstehenden Links: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Witzenmann_Gruppehttp://www.pfenz.de/wiki/Rudolf_Kuppenheim 
http://www.pforzheim.de/kultur-bildung/Geschichte/Juedische_Buerger/K/Kuppenheim,_Hugo 
http://www.pz-news.de/pforzheim_artikel,-Denkmal-Rundfahrt-zur-Kuppenheim-Villa-und-Aussegnungshalle-_arid,373381.html 
http://www.pfrv.de/cms3/editor/assets/buch_pfrv_web.pdf: Seite 20 - 23  

     

      
     
    

Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen bis 1938/40
        
   
Mittelalter

Das mittelalterliche Wohngebiet war vermutlich die (allerdings erst im 15./16. Jahrhundert genannte) "Judengasse", der westliche Teil der heutigen Barfüßergasse (2002 wurde am Straßenschild der Barfüßergasse eine Hinweistafel auf die "Judengasse" angebracht). Über Einrichtungen der mittelalterlichen Gemeinde ist nichts bekannt.  
  
  
18./20. Jahrhundert.  

Die neuzeitliche Gemeinde hatte spätestens seit 1784 einen Betsaal im Hasenmayer’schen Haus in der Barfüßergasse. Vermutlich bestand dieser Betsaal bereits 1709, da in diesem Jahr Abraham Lipmann von der Markgräflichen Regierung die Bestätigung der gewählten Gemeindevorsteher erbat. Die Wahl zeigt, dass bereits damals eine jüdische Gemeinde in Pforzheim bestand, die sicher auch einen Betsaal hatte. 
 
Für den Neubau einer Synagoge hatte die jüdische Gemeinde bereits im Jahr 1800 mit landesherrlicher Genehmigung einen Teil des Stadtgrabens in der unteren Vorstadt gekauft. Es handelte sich offensichtlich um einen begehrten Platz, da in den folgenden Jahren mehrere Interessenten bei der Stadt ihr Interesse an diesem Grundstück für den Fall bekundeten, dass die jüdische Gemeinde nicht bauen wollte. Nachdem 1808 immer noch nicht gebaut war, drängte die Stadt auf eine Entscheidung der jüdische Gemeinde. Innerhalb eines Jahres solle diese sich zum Bau entscheiden, sonst würde der Platz anderweitig vergeben. Die Gemeinde entschied sich und ließ über ihre damaligen Vorsteher Maier Bodenheimer’ Sohn und Handelsmann Hochstetter der Stadt am 26. Juli 1809 mitteilen, dass man das auf dem früheren Stadtgraben liegende Grundstück nicht mehr bebauen wolle. Man habe inzwischen die (damals schadhaft gewordene und inzwischen überflüssige) herrschaftliche Zehntscheuer gekauft und wolle diese zu einer Synagoge umbauen. Doch auch hier dauerte es bis zur Realisierung noch einige Zeit. Ende Juni 1812 bat die jüdische Gemeinde die Stadt, "einige Hindernisse", die bei dem Umbau der Zehntscheuer zu einer Synagoge noch im Wege liegen würden, zu beseitigen. Das Heumagazin solle entfernt und dafür das "Kreuzkirchlein" verwendet werden; der an die Zehntscheuer angebaute Eselstall solle abgebrochen und die unmittelbar an der Mauer liegende Dunggrube entfernt werden. Vermutlich konnte ab Herbst 1812 gebaut und die Synagoge 1813 fertiggestellt werden. Sie stand auf dem Grundstück Metzgerstraße 27 (Ecke Untere Lammgasse; heute ungefähr an der Nord-West-Ecke des Stadttheaters auf dem Waisenhausplatz). Von diesem Gebäude – es wurde nach dem Verkauf an einen Schmied im Jahre 1893 abgebrochen – ist keine Ansicht erhalten.  
 
Eines der letzten besonderen Ereignisse in der alten Synagoge war am Vorabend zu Simchas Tora 1889 (22. Oktober 1889) die Einweihung einer neuen Torarolle:  
  
Einweihung einer von Fabrikant Emanuel Joseph gestifteten Torarolle (1889)   

Pforzheim Israelit 18111889.jpg (60554 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1889: "Pforzheim. Am Vorabend zu Simchas-Tora wurde eine von Herrn Fabrikant Emanuel Joseph gestiftete Torarolle unter großer Feierlichkeit und Beteiligung der israelitischen Gemeindemitglieder eingeweiht. Herr Kantor E. Bloch hat bei dieser Gelegenheit eine der Feier entsprechende Rede gehalten, die allgemein Beifall gefunden. Die hiesige Gemeinde ist im Begriffe, ein neues Gotteshaus zu erbauen. Bereits haben die Gemeinde-Mitglieder bedeutende Spenden zu Anschaffungen für die neue Synagoge gemacht."

Im Frühjahr 1889 wurde ein Bauplatz für die neue Synagoge gekauft. Die orthodox geprägte Zeitschrift "Der Israelit" verband in ihrer Meldung die Hoffnung, dass die (liberal geprägte) Pforzheimer Gemeinde keine Orgel in der Synagoge einbauen würde. Die Grundsteinlegung war am 3. Juni 1891.  
 
Kauf eines Bauplatzes für eine neue Synagoge (1889)   

Pforzheim Israelit 29041889.jpg (17328 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1889: "In Pforzheim wurde ein Platz zum Bau einer neuen Synagoge für 25.000 Mark angekauft, hoffentlich wird uns die Orgel erspart werden."   

Grundsteinlegung für die neue Synagoge (1891)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1891: "Am 3. Juni ist in Pforzheim der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt worden. Das Gebäude, welches zugleich die Religionsschule und die Wohnung für den Kantor enthalten soll, verspricht eine Zierde für die Stadt wie für die israelitische Gemeinde zu werden."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  12. Juni 1891: "Am 3. Juni ist in Pforzheim der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt worden. Das Gebäude, welches zugleich die Religionsschule und die Wohnung für den Kantor enthalten soll, verspricht eine Zierde für die Stadt wie für die israelitische Gemeinde zu werden."       

    
1891/92
wurde die neue Synagoge auf dem Grundstück Zerrennerstraße 26/28 erbaut und am 27. Dezember 1892 feierlich eingeweiht . Der Entwurf zu der im maurisch-gotischen Stil erbauten neuen Synagoge stammte von Prof. Ludwig Levy (1854-1907) aus Karlsruhe; der Pforzheimer Architekt Klein war für die Ausführung zuständig. An der Einweihungsfeier nahmen Vertreter staatlicher und städtischer Ämter sowie Geistliche der christlichen Kirchen teil. Diese hatte am Nachmittag des 27. Dezember 1892 mit der Übergabe des Schlüssels durch Architekt Levy an Heinrich Netter, den Vorstand der Gemeinde begonnen. Der Chor sang im Inneren zu Beginn aus dem Oratorium "Samson" von Händel "Höre Jakobs Gott, o Ewiger, hör". Kantor Bloch rezitierte die Gebete unter Mitwirkung eines Doppelquartetts des Synagogenchors. Stadtrabbiner Dr. Adolf Schwarz aus Karlsruhe und die vier ältesten Gemeindeglieder brachten die Torarollen zum Toraschrein. Auch Konferenzrabbiner Dr. Hillel Sondheimer aus Heidelberg war anwesend. Die Festpredigt zum Thema "Die dreifache Bestimmung des jüdischen Gotteshauses" hielt der Rabbiner Dr. Schwarz. Im gottesdienstlichen Teil nach der Predigt folgten unter anderem noch die Fürbitten für Kaiser und Großherzog, Reich und Heimatland, Stadt und Gemeinde. Vor dem Schlussgebet des Rabbiners sang der Chor Beethovens "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". 
 
Die jüdische Gemeinde hatte weder Geld noch Mühen gescheut, um ein prächtiges Synagogengebäude zu errichten zu lassen. Die nach damaligem Geldwert gewaltigen Baukosten von 200.000,- Mark finanzierte die Gemeinde aus dem Verkauf ihres im Wert in den Jahrzehnten zuvor beträchtlich gestiegenen Anwesens in der Metzgerstraße und aus Mitteln der Gemeindemitglieder, deren Zahl bis zur Jahrhundertwende auf knapp 450 angestiegen war. Die Synagoge setzte einen architektonischen Glanzpunkt der Stadt Pforzheim und fand starke überregionale Beachtung; sie diente auch als Vorbild für den Synagogenneubau in Wuppertal-Barmen. Auch eine große Orgel wurde eingebaut. Ein gemischter Synagogenchor, der spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts bestand, bereicherte die Gestaltung der Gottesdienste. Die Pforzheimer Synagoge gehörte zu den späten Vertretern des neoislamischen Synagogenstils. Charakteristisch war die zentrale Kuppel. Das Mauerwerk wies gestreifte Farbwechsel auf, wobei sich roter Sandstein mit grünen Ziegelstreifen abwechselten. Der Davidstern auf der Kuppel und die stilisierten Gebotstafeln mit den hebräischen Satzanfängen der Zehn Gebote über dem Eingang am südwestlichen Eckturm wiesen das Gebäude als Synagoge aus. Hinter der Synagoge stand ein Gemeindehaus mit Versammlungs- und Unterrichtsräumen, der Gemeindeverwaltung und mit der Dienstwohnung des Synagogendieners.
       
Die Einweihung der Synagoge am 27. Dezember 1892  

Pforzheim AZJ 13011893.jpg (184623 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1893: "Pforzheim, 2. Januar (1893). Am 27. Dezember dieses Jahres wurde die feierliche Einweihung der nach den Entwürfen des Architekten Ludwig Levy, Professor an der Baugewerkschule in Karlsruhe, neu erbauten Synagoge vollzogen. Zu derselben waren als Vertreter des großherzoglichen Kultusministeriums sowie des großherzoglichen Oberrats die Herren Ministerialrat Becherer und Regierungsrat Dr. Mayer aus Karlsruhe, sowie außerdem Herr Konferenzrabbiner Dr. Sondheimer aus Heidelberg erschienen. Als Festprediger funktionierte Herr Konferenzrabbiner Dr. Schwarz von Karlsruhe. Mehrere Nachbargemeinden, insbesondere diejenige zu Karlsruhe, waren durch Abgeordnete vertreten. Die staatlichen und städtischen Behörden beteiligten sich nahezu vollzählig an der Feier. Ferner waren die drei Abgeordneten von Stadt und Bezirk in der zweiten Kammer der Landstände anwesend. Die rege Beteiligung von Seiten aller Konfessionen, namentlich auch der evangelischen und altkatholischen Geistlichkeit, sowie ganz besonders die Mitwirkung von Sängern und Sängerinnen der beiden ersten Gesangvereine der Stadt zeigten aufs Erfreulichste, in welcher Eintracht die verschiedenen Bekenntnisse daselbst leben. – Die Feier begann um 3 ½ Uhr mit der Zeremonie der Übergabe des Schlüssels durch den Architekten Herrn Professor Levy an den Vorstand der Gemeinde, Herrn Heinrich Netter, welcher solchen an Herrn Ministerialrat Becherer als Vertreter der großherzoglichen Regierung weiter gab. Aus dessen Händen empfing denselben Herr Rabbiner Dr. Schwarz, welcher nach einer kurzen Ansprache an die Versammelten die Pforte des Tempels erschloss. Mit dem Chor aus dem Oratorium ‚Samson’ von Händel: ‚Höre Jakobs Gott, o Ewiger, hör’,’ begann die Feier im Innern des Gotteshauses. -  Demnächst rezitierte der Kantor, Herr Reallehrer Bloch, das ‚Matowu’ in hebräischer und deutscher Sprache. Hierauf folgte der Vortrag des Minchagebets durch den Kantor unter Mitwirkung eines Doppelquartetts des Synagogenchors. Während des Nachspiels zu dem alt Duett gewundnen ‚S’n scheorim rechochem’ erfolgt alsdann die feierliche Einbringung der Torarollen durch den Rabbiner und die vier ältesten Gemeindemitglieder. – Hierauf folgte die Predigt des Rabbiners Dr. Schwarz. Ausgehend von dem Mahnruf des sterbenden Patriarchen Jakob: ‚Sammelt Euch und höret, Ihr Kinder Jakobs, höret auf Israel, Eueren Vater (2. Mose 49,2) beleuchtete Redner die dreifache Bestimmung der Synagoge als Stätte der geistigen und gemütlichen Sammlung für den einzelnen Israeliten, als Sammelpunkt für das religiöse Leben der Gemeinde und darüber hinaus als die rechte Vorbereitungsschule für die Sammlung und Einigung des ganzen Menschengeschlechts. Die formvollendete und inhaltlich bedeutende Rede, welch auch des aktuellen Interesses nicht entbehrte, wird dem Vernehmen nach im Druck erscheinen. – Prächtig erschallte danach von Solo und Chor das Sulzer’sche ‚Die Lehre des Ewigen ist ohne Tadel’. Es folgte die Fürbitte für Kaiser und Großherzog, Reich und Heimatland, Stadt und Gemeinde, dann das herrliche Beethoven’sche ‚Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre’ und das Schlussgebet des Rabbiners."   
Wesentlich zurückhaltender wurde über die Einweihung der Synagoge in der Zeitschrift "Der Israelit" berichtet, wobei eine Kritik an der "Orgelsynagoge" unterblieben ist:   
Pforzheim Israelit 12011893.jpg (37724 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1893: "Pforzheim (Baden). In diesen Tagen wurde die nach den Plänen des Professors Levy in Karlsruhe mit einem Kostenaufwande von Mark 180.000 erbaute Synagoge eingeweiht. Bei der Feier waren die Regierung, die Spitzen der Staats- und städtischen Behörden, die Geistlichkeit aller Konfessionen und sonstige Körperschaften vertreten. Die Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Schwarz aus Karlsruhe."  

Über die Bedeutung eines Synagogen-Chorvereins schrieb der Vereinsvorsteher Julius Straus 1893 einen Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums".  
Artikel über "Synagogen-Chorvereine" des Vorstandes des Synagogenchores Pforzheim Julius Straus (1893)  

Pforzheim AZJ 20101893.jpg (153509 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1893: "Die Synagogen-Chorvereine. Es ist eine wenig bestrittene Tatsache, dass in den Gemeinden, in welchen ein Synagogenchor wirkt, der Gottesdienst an Feierlichkeit und Erhabenheit gewinnt und der Besuch des Gotteshauses ein regerer wird. Wohl mancher, der zuerst durch den Klang der Töne angelockt wurde, der vielleicht seit seiner Kindheit der Synagoge fern geblieben war, hat bei dieser Gelegenheit erfahren, welch heilige, erhabene Handlung ein jüdischer Gottesdienst ist, und ist wieder das geworden, was er hätte immer bleiben sollen: ‚Jude’. Deshalb muss der Gesang in der Synagoge gepflegt werden; aber ohne die Schönheit und packende Wirkung der alten, jüdischen Melodien unterschützen zu wollen, muss auch dem deutschen Gesang ein breites Feld beim Gottesdienst geschaffen werden. Derselbe ist Allen verständlich, den Großen und Kleinen, Orthodoxen und freier Gesinnten, und kann deshalb den Weg zum Herzen eines Jeden finden. 
Naturgemäß wirken in der Synagoge zum größten Teile gemischte Chöre, und wird sich bei den meisten derselben ein empfindsamer Mangel dadurch bemerkbar gemacht haben, dass bis jetzt keine größere Sammlung von Liedern für gemischten Chor, speziell für den Gottesdienst in der Synagoge zu haben ist. Dagegen hat jeder derartige Verein eine Anzahl oft sehr schöner Lieder, durch Abschreiben usw. vervielfältigt, deren Anschaffung mit größeren Kosten verknüpft war und doch nicht das bietet, was eigentlich nötig wäre.
Sehr oft ist auch fehlendes Material der Grund, dass, der Ausgaben halber, ein Studieren neuer Lieder unterbleibt, Sänger und Sängerinnen dadurch die Lust zum Gesange verlieren und Chöre, die eine Zeitlang bestanden und zu den besten Hoffnungen berechtigten, sich wieder auflösten.
Das in den verschiedenen Vereinen zerstreute Material zu sammeln, Neues und Gutes dazu zu suchen, muss Aufgabe der bestehenden Chorvereine werden, um auf diese Weise die Herausgabe eines jüdisch-deutschen Liederbuches für gemischten Chor zu ermöglichen, das jeden Verein bei geringer Auslage in die Lage versetzt, sich mit einer Anzahl für Jahre hinausreichender schöner Chöre zu versehen. Der Unterzeichnete bitte daher die Herrn Kantoren, Direktoren und Vorständen der Synagogenchorvereine, sowie Alle, die sich für angeregte Sache interessieren, um Aufgabe ihrer Adressen, behufs Verständigung über weiter vorzunehmende Schritte. Mit Sängergruß. Julius Straus."

Die Synagoge diente nicht nur den Gottesdiensten der Gemeinde. 1896 kam es in der Synagoge zu einem besonderen musikalischen Ereignis: Die Synagogenchöre aus Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim und Bruchsal hatten sich am 31. Mai 1896 zu einer gemeinsamen Gesangsaufführung in der Pforzheimer Synagoge getroffen. Hofkapellmeister Langer aus Mannheim dirigierte den Gesamtchor. Zu dem Konzert waren auch die Rabbiner Dr. Appel und Dr. Sander aus Karlsruhe erschienen.    
Sehr kritisch berichtete über die orthodox-geprägte Zeitschrift "Der Israelit" wenige Tage zuvor über das Konzert; im Artikel findet sich gleichfalls eine Kritik an den von Julius Straus im Artikel von 1893 geäußerten Ansichten: 
  

Ankündigung des Konzertes in der Synagoge Pforzheim am 31. Mai 1896  

Pforzheim Israelit 28051896.jpg (85992 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1896: "Aus Baden. Sonntag den 31. Mai dieses Jahres findet in der Synagoge zu Pforzheim ein größeres Konzert statt, vorbei die Synagogenchöre Pforzheim, Karlsruhe, Mannheim und Bruchsal mitwirken. Auch habe (ich) in Erfahrung gebracht, dass nichtjüdische Sänger sich hören lassen werden. Die Synagoge in Pforzheim wird an diesem Tage von Zuhörern überfüllt sein, da der Eintrittspreis auf nur 2 Mark gestellt ist. Ganz abgesehen, von der Entweihung eines jüdischen Gotteshauses durch Veranstaltung eines Konzerts in demselben, muss auch noch konstatiert werden, dass die Pflege des Synagogengesanges, zu dessen Zweck ja eigentlich diese Konzerte abgehalten werden, die Gemeindemitglieder zu so ‚regem Synagogenbesuch’ anspornt, dass oft Freitags Abend die vorgeschriebene Zahl (Minjan) nicht komplett wird. Fragt man sich über die Ursache, dass eine solche Unsitte, die Synagoge zu Konzertzwecken zu benützen, so einwurzeln konnte, so kann man dieselbe nur darin finden, wenn man denkt ‚Und das Alles hat in Ihrem Wahn, die Orgel in der Synagoge getan’."

Positiv berichtete die liberal geprägte "Allgemeine Zeitung des Judentums" über das Konzert: 

Pforzheim AZJ 26061896.jpg (80640 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1896: "Karlsruhe, 22. Juli (1896). Am 31. Mai dieses Jahres fand in der schönen neuen Synagoge zu Pforzheim eine Gesangsaufführung der Synagogenchöre Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim und Bruchsal statt. Die Gesamtchöre, deren vier zu Aufführung gelangten, wurden von Herrn Hofkapellmeister Langer aus Mannheim, die vier Spezialchöre von den betreffenden Chordirigenten geleitet. Die Leistungen verdienen als sehr gute, zum Teil als vorzügliche bezeichnet zu werden. Unter dem anwesenden Publikum bemerkten wir als Vertreter des Oberrats Herrn Regierungsrat Dr. Mayer und Herrn Synagogenrats-Vorsteher Dr. Seeligmann aus Karlsruhe, von Rabbinern waren Herr Stadtrabbiner Dr. Appel und Herr Rabbiner Dr. Sander aus Karlsruhe erschienen. Wir können nur wünschen, dass derartigen Veranstaltungen, die zur Förderung des Synagogengesanges bedeutend beitragen, sich in jedem Jahre wiederholen. Den Mitgliedern der mitwirkenden Vereine aber gebührt für ihre nicht geringen Bemühungen aufrichtigster Dank."

Die Synagoge in Pforzheim blieb 45 Jahre Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt. Bereits früh wurde sie von Nationalsozialisten zu einem Angriffsziel: So wurden Anfang Dezember 1922 mehrere Scheiben der Vorderfront der Synagoge durch Steine eingeworfen.   
  
1930
wurde die Synagoge renoviert, wobei die üppigen Wandmalereien dem sachlicheren Zeitgeschmack entsprechend durch zurückhaltende Ornamente und wohl auch Farben ersetzt wurden.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am Morgen des 10. November von SA-Männern und anderen NSDAP-Partei-Mitgliedern in Zivil geplündert und zerstört. Am Vormittag wurden noch vor 9 Uhr die Fenster eingeschlagen, Gebetbücher, Torarollen und Kultgegenstände in den Mühlkanal geworfen. Wegen der Gefahr für die umliegenden Häuser wurde in der Synagoge nur eine "kleine Sprengladung" gezündet. Hierfür wurde der Sprengmeister des Steinbruchs Ispringen nach Pforzheim beordert. Die Verwüstungen dauerten bis in die Mittagsstunden, zahlreiche Pforzheimer Schüler des Gymnasiums und der Oberrealschule wurden Zeugen der Untaten. Ein Ersinger Unternehmer erfuhr von der Aktion gegen die Synagoge, fuhr nach Pforzheim und nahm die drei südseitigen, jeweils zweiflügeligen Eingangstüren mit sich auf seinem Lastwagen. Erst 2003 wurden die Türbeschläge bei einer Entrümpelung wieder entdeckt und der jüdischen Gemeinde übergeben.  
 
Das Synagogengebäude musste 1939 auf Kosten der jüdischen Gemeinde in Höhe von 7.000 RM abgetragen werden. Das auswärtige Abbruchunternehmen durfte das Kupferdach abmontieren und verkaufen. Das Synagogengrundstück kaufte ein Fabrikant. Die jüdische Gemeinde konnte bis zu der Deportation der Juden nach Gurs im Oktober 1940 noch ihr Gemeindehaus nutzen. 1945 wurde das Synagogengrundstück beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung übertragen. Auf Grund eines Restitutionsverfahrens wurde es dem Fabrikanten gegen Nachzahlung von 25.000 Mark zurückgegeben. 
  
Unweit des ehemaligen Synagogenstandortes wurde am 10. November 1967 ein Gedenkstein aufgestellt. Das drei Meter hohe Erinnerungsmal aus Muschelkalk wurde von Oberbürgermeister Dr. Weigelt in Anwesenheit von mehr als hundert Bürgern enthüllt. Dr. Alfred Wachsmann, Vizepräsident der Israeliten Badens, hielt eine Ansprache. 1989 wurde das Gelände um den Gedenkstein neu angelegt (seitdem "Platz der Synagoge" genannt). 
  
Am 20. Januar 2014 wurde in Erinnerung an die Synagoge eine Skulptur von Professor Jacobi aufgestellt ("Gedenkinstallation"). Die Skulptur hat den Davidstern zum Thema und zeigt im Zusammenspiel mit einer elektronisch gesteuerten Lichterfolge ihre Gesamtheit. Auf einer Platte ist die Abbildung der früheren Synagoge zu sehen, ein Relief trägt einen Text von Dr. Isabel Greschat (Kulturamtsleiterin Pforzheim).  
  
  
Der Betsaal der Israelitischen Religionsgesellschaft    
  
Die orthodoxe Israelitische Religionsgesellschaft "Adass Jeschurun" (Gemeinde Israel; "Jeschurun" ist ein poetischer Name für "Israel", vgl. 5. Mose 32,15 und 33,26) hatte einen eigenen Betsaal. Sie entstand aus kleinen Anfängen 1905 und konnte zunächst einen kleineren Betsaal einrichten. Mitglieder der Gemeinde waren hauptsächlich Ostjuden, die um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) vor Pogromen aus Osteuropa geflohen waren und auf eine strenge Einhaltung der Religionsgesetze achteten. 

Am 4. September 1926 konnte in der Rennfeldstraße ein neuer Betsaal eingerichtet werden. Zur Einrichtung erhielt die Gemeinde die Inneneinrichtung der nicht mehr verwendeten Synagoge in Menzingen

Menzingen Israelit 16091926.jpg (168046 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1926: "Pforzheim, 5. September (1926). Am gestrigen Schabbat Nizawim WaJelech (4. September 1926) wurde das neue Beit Haknesset (Synagoge) der hiesigen Adaß Jeschurun in Benutzung genommen und damit einem lange gefühlten Bedürfnis entsprochen, da die Räume, welche bisher den Zwecken der Gemeinde dienten, in jeder Beziehung unzulänglich waren und nur infolge der Wohnungsnot nicht aufgegeben werden konnten. Von einer größeren Feier musste aus äußeren Gründen Abstand genommen werden, und des freudigen Anlasses wurde deswegen beim Gottesdienst am Schabbat gedacht. In seiner Ansprache gab der 2. Vorsitzende, Herr S. Puder, einen geschichtlichen Überblick über die Entstehung des Minjan, welches sich aus den kleinsten Anfängen im Jahre 1905 bis zu dem jetzigen Bestande trotz der schweren Zeit des Krieges und der Nachkriegszeit entwickelt hat und nur unter Aufwendung größter Energie und erheblicher materieller Opfer für jedes Mitglied zu erhalten war. Herr Louis Reutlinger gab alsdann in längerer Rede unter Anlehnung an den Wochenabschnitt dem Geiste Ausdruck, welcher die Gründer und Erhalter des Minjan beseelte und wies auf die Pflichten hin, welche die Idee des Tora Im Derech Erez im Sinne S. R. Hirschs - das Gedenken an den Gerechten sei zum Segen - jedem Einzelnen in Lehre und Leben auferlegt, ganz besonders im Hinblick auf die Erziehung der Kinder zu wissenden Juden. Herr J. Goldberg schloss die Reihe der Redner mit geistvollen Zitaten aus Midrasch und Gemara.
Die Adaß Jeschurun verfügt jetzt über eine schöne und würdige Synagoge mit 60 Männer- und 50 Frauenplätzen, welche bereits alle vergeben sind. Der Badische Oberrat der Israeliten hat durch den Synagogenrat in dankenswerter Weise eine sehr schöne Inneneinrichtung, welche früher der leider eingegangenen Gemeinde Menzingen bei Bruchsal gehörte, nebst einer herrlichen Sefer Tora (Torarolle) zur Verfügung gestellt und damit das vorhandene Inventar ergänzt. Es ist zu wünschen, dass die Adaß Jeschurun, welche das traditionell gesinnte Element in der Pforzheimer, von jeher neologen Gemeinde darstellt, den vielen und schweren Aufgaben, welche ihrer warten, mit Gottes Hilfe gerecht werden kann. 

 Am 10. November 1938 wurde auch dieser Betsaal geplündert und zerstört. Die Torarollen wurden später auf einem Misthaufen gefunden.     
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos: 

Fotos der Synagoge Pforzheim 
um 1895

(Quelle: Ziwes s. Lit. S. 56)

Pforzheim Synagoge 001.jpg (72951 Byte) Pforzheim Synagoge 002.jpg (97023 Byte)
  Außenansicht der nach Plänen des
 Architekten Ludwig Levy erstellten
 Synagoge  
Innenansicht mit Blick 
zum Toraschrein
   
           
Die Pforzheimer Synagoge als beliebtes Ansichtskartenmotiv   
Pforzheim Synagoge 006.jpg (91898 Byte) Pforzheim Synagoge 715.jpg (66981 Byte) Pforzheim Synagoge 716.jpg (68931 Byte) Pforzheim Synagoge s195.jpg (310081 Byte)
    Quelle der Ansichtskarten oben: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries 
   

Pforzheim Synagoge 004.jpg (49733 Byte)

Pforzheim Synagoge 007.jpg (67464 Byte) Pforzheim Synagoge 020.jpg (45598 Byte)
          
Die Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht 1938:
(Quelle: Stadtarchiv Pforzheim) 
Bitte warten; Bild wird geladen! Pforzheim Synagoge 071.jpg (76110 Byte) Pforzheim Synagoge 070.jpg (85091 Byte)
Der abgeknickte Davidstern 
der Kuppel  
Blick zur Frauen- und Orgelempore. 
Die Orgel ist völlig zerstört 
Auf diesem Foto ist von der Orgel 
nicht mehr viel geblieben 

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:   

Das Denkmal am Synagogenplatz: 
(Fotos um 1985: Hahn) 

 
Pforzheim Synagoge 003.jpg (75776 Byte)   Pforzheim Synagoge 100.jpg (74646 Byte)   Pforzheim Synagoge 101.jpg (70231 Byte) 
     
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.8.2004)  
  

Pforzheim Synagoge 213.jpg (79276 Byte)

Pforzheim Synagoge 211.jpg (60464 Byte)   Pforzheim Synagoge 212.jpg (59529 Byte)
Blick zum "Platz der Synagoge" 
mit Gedenkstein (in der Mitte)
  Gedenkstein für die ehemalige Synagoge
  
   
   Pforzheim Synagoge 210.jpg (35083 Byte)  
  Hinweisschild  
     
Türbeschläge aus der alten Synagoge
(Quelle: Israelitische Kultusgemeinde
 Pforzheim)
  Die Türbeschläge stammen von den drei südseitigen, jeweils zweiflügligen Eingangstüren der alten Synagoge. Es handelt sich nur um einen Teil des ursprünglichen Bestandes. Über den Verbleib der hölzernen Türflügel ist nichts bekannt; sie müssen wohl als verloren gelten
     
Denkmal zur Erinnerung an die Deportation nach Gurs
(Fotos: Inge Laidig, Keltern, 2007)
Pforzheim Denkmal 151.jpg (73897 Byte) Pforzheim Denkmal 152.jpg (61563 Byte)
Text der Hinweistafel: "Auf Gleisen unweit dieser Stelle begann am 22. Oktober 1940 für 186 jüdische Pforzheimerinnen und Pforzheimer der Transport in das südfranzösische Lager Gurs, den 'Wartesaal des Todes'; neun weitere wurden aus anderen Orten verschleppt. In Gurs und anderen französischen Lagern starben 45 der Deportierten an Unterernährung, wegen fehlender ärztlicher Hilfe und aus Verzweiflung. Ab 1942 wurden 95 von ihnen in den Vernichtungslagern des Ostens ermordet, allein 78 in Auschwitz. Durch die Hilfe christlicher und jüdischer Organisationen sowie der Résistance überlebten 55 der aus Pforzheim nach Gurs Deportierten in Frankreich oder fanden Asyl im Ausland."
 
   Pforzheim Denkmal 150.jpg (50416 Byte) Pforzheim Denkmal 153.jpg (52110 Byte)
     

    
    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2009: Gedenken zum 71. Jahrestag des Novemberpogroms 1938  
Artikel von Olaf Lorch-Gerstenmaier in der "Pforzheimer Zeitung" vom 10. November 2009 (Artikel): 
"Brennende Synagoge vor 71 Jahren: Zivilcourage am Boden
PFORZHEIM.
Mehr als 300 Menschen – darunter auch Schüler aus den umliegenden Gymnasien – haben am Montag am 71. Jahrestag der Reichspogromnacht der Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung der Juden gedacht..."  
     
November 2010: Gedenken zum 72. Jahrestag des Novemberpogroms 1938   
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 12. November 2010 (Artikel): 
"OB Hager: Weg des Dritten Reichs führte in den Abgrund
Pforzheim.
Der Historiker Uri Kaufmann und Oberbürgermeister Gert Hager haben an die brennenden Synagogen in der Pogromnacht vor 72 Jahren erinnert und aufgerufen, die Lehren aus den Geschehnissen zu ziehen..."       
    
Juli bis September 2011: Ausstellung "Jüdisches Leben in Pforzheim" in der Galerie Pforzheim 
(Bleichstraße 81: Öffnungszeiten siehe auf der Website der Stadt Pforzheim: Seite zur Galerie Pforzheim)     
Zum Lesen der Presseartikel: bitte Textabbildungen anklicken   
Pforzheim PA PK 01072011a.jpg (173055 Byte) Pforzheim PA PZ 01072011.jpg (178060 Byte) Pforzheim PA PZ 04072011a.jpg (141065 Byte)
Oben: Artikel im "Pforzheimer Kurier" 
vom 1. Juli 2011 von Susanne Roth: 
Alle Facetten eingefangen. Ausstellung 
zum jüdischen Leben in Pforzheim"  
  
Artikel in der "Pforzheimer Zeitung" 
vom 1. Juli 2011 von Olaf Lorch-Gerstenmaier:
 "Bestandteil der Stadtgeschichte. Vom
 Mittelalter bis zur neuen Synagoge: Ausstellung:
 Jüdisches Leben in Pforzheim" in der Galerie.
Oben: Artikel in der "Pforzheimer Zeitung" 
vom 4. Juli 2011 von Olaf Lorch-Gerstenmaier:
 "Zu Gast in der Stadt: der Historiker 
Uri Kaufmann. 'Im Zentrum spiegelt sich 
die Krise wider'".

 

März 2012: Neue Broschüren zur jüdischen Geschichte in Pforzheim  
Artikel von Olaf Lorch-Gerstenmaier in der "Pforzheimer Zeitung" vom 9. März 2012: "Jüdisches Leben dokumentiert. Eine Auswahl der wichtigsten Exponate der letztjährigen Ausstellung 'Jüdisches Leben in Pforzheim' ist in zwei Broschüren zusammengefasst worden, die druckfrisch auf den Markt und auf Anfrage in die Schulen kommt...."   
Link zum Artikel       
 
September 2013: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in Pforzheim  
Artikel in der "Pforzheimer Zeitung" vom 6. September 2013: "'Stolpersteine' erinnern an Opfer des Nazi-Regimes
Pforzheim. Die Pforzheimer Initiative 'Stolpersteine' haben am Freitag 18 weitere Steine durch den Initiator dieser mittlerweile europaweiten Aktion, Gunter Demnig (Köln) verlegen lassen. Als er im Jahr 1993 sein Projekt startete, wollte er vor allem in der jüngeren Generation ein neues Bewusstsein schaffen für einen versöhnlicheren Umgang mit der Last der Vergangenheit."  
Link zum Artikel     
Zu den "Stolpersteinen" in Pforzheim siehe den Artikel "Stolpersteine" im Stadtwiki Pforzheim    
 
Januar 2014: Installation für das Volksbank Foyer zum Gedenken an die Synagoge   
Artikel von Sandra Pfäfflin in der "Pforzheimer Zeitung" vom 17. Januar 2014: "Professor Peter Jacobi: Installation für das Volksbank-Foyer
Wie gelingt es, historische Fakten in moderne Kunst umzusetzen? Wie umgehen mit einem dramatischen Ereignis, wie der Zerstörung der Pforzheimer Synagoge bei der Reichspogromnacht?
'Mit Respekt und Würde', sagt Professor Peter Jacobi, der die nicht ganz leichte Aufgabe übernommen hat, mit einer Installation im unteren Foyer des Volksbankhauses an die im Jahr 1892 an dieser Stelle errichtete und am 10. November 1938 zerstörte Synagoge zu erinnern. Doch nicht nur rückwärtsgewandt sollte der Blick sein, sondern auch die Gegenwart bejahend, in der es wieder ein reges jüdisches Leben und eine vitale Gemeinde in Pforzheim gibt..." 
Link zum Artikel       
Artikel in der "Siebenbürgischen Zeitung" vom 29. Januar 2014: "Gedenkinstallation von Peter Jacobi in Pforzheim erinnert an zerstörte Synagoge..." 
Link zum Artikel    

 
   

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Pforzheim  
Dokumentation der zwischen 1919 und 1945 in Pforzheim geborenen bzw. ansässigen jüdischen Bürgerinnen und Bürger und deren Schicksal (online zugänglich über die Website der Stadt; Autor: Gerhard Brändle; Stand Oktober 2010). 
Website der Israelitischen Kultusgemeinde Pforzheim  
Stolpersteine in Pforzheim (Artikel im Stadtwiki Pforzheim-Enz)  
Kurze Infoseite zur Jüdischen Geschichte/Synagoge Pforzheims bei jgm-net.de 
Website der Löblichen Singergesellschaft     

Literatur:   

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 231-237. 
Germania Judaica II,2 S. 645f; III,2 S. 1106-1107.  
Gerhard Brändle: Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim. Pforzheim 1985. 
ders.: Jüdische Gotteshäuser in Pforzheim. Pforzheim 1990. 
ders.: Jüdisches Pforzheim. Einladung zur Spurensuche. Haigerloch 2001. 
Monika Preuß: Der jüdische Friedhof auf der Schanz in Pforzheim. Pforzheim 1994. 
Franz-Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 56-59. 
kultnews-einzelansicht-d7.jpg (32271 Byte)Jüdisches Leben in Pforzheim - Dokumentation. Zwei Broschüren (der Ergänzungsteil mit Unterrichtsmaterialien). Erschienen 2012. 
Vorstellung der Broschüre in der Website der Stadt Pforzheim

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zur Synagoge in Pfprzheim: S. 109-14. 

        
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Pforzheim  Baden.  The 13th century Jewish community was victimized in a blood libel in 1267, with Jews tortured on the rack and hanged. The Jews also suffered in the Black Death persecutions of 1348-49. 
Few Jews were present in Pforzheim until the 17th century. In 1614, they were expelled together with all the Jews of Baden-Durlach and only began to settle again in 1670. After the destruction of the city by the French in 1689 (in the Nine Years War) Jews were invited back under a letter of protection to helb rebuild it. In the late 1760s, Jews were among the founders of the gold and jewelry industry that brought prosperity to the city. However, all through the 19th century the Jews were subjected to local agitation aimed at curtailing their economic activity. 
In the early 19th century, a number of special taxes and disabilities were discontinued and Jews were permitted to purchase farm land. Toward the end of the 19th century most of the Jews were well off, owning banks and department stores as well as factories. A new synagogue was built in 1892, equipped with an organ and choir in keeping with the comumnity's Reform and assimilationist tendencies. By 1910 the community had grown to 766 (total 69,066) and by 1927 to a peak of 1,000. After Worldwar I, community life expanded, with the Zionists becoming active. An Adass Jeshurun congregation of 20 families was formed by Orthodox Jews of East European origin, with a separate synagogue erected in 1926. From the 1920s on, antisemitism became rampant. At the outset of the Nazi era, the Jewish population was 770. Persecution and the ecconomic boycott were soon intensified. In March 1933, 18 Jewish families of Polish origin were expelled from the public service and in 1935 a number of Jews were arrested for "racial defilement". The remaining East European Jews were expelled on 28 October 1938 and on Kristallnacht (9-10 November 1938), Jews were beaten, Jewish stores were looted, and the synagogue was set on fire. Twenty-three Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Of the 514 Jews allowed to emigrate, 175 went to the United States, 102 to Palestine, and 87 to Latin America. On 22 October 1940, 183 were deported to the Gurs concentration camp where 20 died; 50 persished in Auschwitz and 66 in otter camps; 46 survived the Holocaust. The 51 Jews remaining in Pforzheim were deported mainly to Izbica (Poland) and to the Theresienstadt ghetto; 17 survived. 
   
The community formed after the war numbered 120 in 1976. 
      
       

                   
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Stand: 03. November 2014