Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"
  

Kassel (Hessen)
Jüdische Geschichte / Synagogen  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Seiten mit Texten zur jüdischen Geschichte in Kassel werden derzeit erstellt: 
 
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben im 19./20. Jahrhundert   
Berichte über die Rabbiner, die jüdischen Lehrer und weitere Kultusbeamte sowie die jüdische Schule und das Lehrerseminar  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
Zur Geschichte der Synagogen 
Mittelalter   
18. Jahrhundert  
19./20. Jahrhundert (Hauptsynagoge)  
Darstellungen / Fotos der Synagoge bis 1938 
Orthodoxe Synagoge 
Ostjüdischer Betraum   
Betsäle / Synagogen nach 1945   
Fotos der Synagogen nach 1945  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Kassel bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. 1262 wird eine "Judengasse" genannt, was auf eine jüdische Ansiedlung mindestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts schließen lässt (seit 1189 wird Kassel als Stadt bezeichnet). 1293 wird als Vorvorbesitzerin und Bewohnerin eines Hauses eine Jüdin Rechelin (Rachel) genannt. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurde die jüdische Gemeinde vernichtet. 1360 wird Jud Joseph von Kassel in Frankfurt erwähnt, vermutlich ein Überlebender der Verfolgung. Seit 1368 werden wieder Juden in Kassel genannt, 1398 bestand eine jüdische Gemeinde mit Synagoge (Judenschule).  
 
Die im 15. Jahrhundert mehrfach genannte "Judengasse" lag am Rande der Altstadt zwischen Fuldaufer und Kloster Ahnaberg. Später wohnten Juden in der Gasse "Hinter dem Judenbrunnen". 1622 fand in Kassel ein erster "Judenlandtag" der Juden Hessen-Kassels statt.  
 
Im 17. Jahrhundert wurden in der Stadt gezählt: 1605 zwei jüdische Familien, 1620 10, 1623 12 und von 1646 bis etwa 1700 drei Familien. Auf Grund der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kleinen Zahl der Juden in der Stadt war der Sitz des Landrabbinats von 1656 bis 1772 in Witzenhausen, danach in Kassel.   

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besserte sich allmählich die rechtliche Situation der jüdischen Bewohner der Stadt. Nach 1767 war es den jüdischen Familien gestattet, sich im ganzen Stadtgebiet niederzulassen. Die wenigen reicheren Hofjuden (einige Hoffaktoren, Hofbankiers, Hofjuweliere) durften nun auch Häuser kaufen, andere konnten zumindest Häuser mieten und Handel in offenen Läden betreiben. Die Zahl der jüdischen Einwohner stieg: 1726 12 Familien, 1744 18 und gegen Ende des 18. Jahrhunderts bereits 50 Familien.  
  
Nachdem Kassel 1807 Teil des von Napoleon geschaffenen Königsreiches Westfalen war, trat eine weitere Besserung der rechtlichen Lage ein, u.a. wurde 1808 das sogenannte "Schutzgeld" abgeschafft. Von 1808 bis 1813 amtierte in Kassel das Jüdische Konsistorium des Königreichs Westfalen. Präsident war Israel Jacobsohn. Das Konsistorium sollte den Gottesdienst und das Schulwesen reformieren. Nach der Niederlage Napoleons 1813 wurde die Gleichberechtigung der Juden wieder aufgehoben, dennoch blieben die Verhältnisse in Kurhessen im Vergleich zu anderen Staaten weitgehend liberal: 1816 wurden den Juden bürgerliche Rechte zuerkannt. An den Freiheitskriegen 1813-1814 hatten aus Kassel und Umgebung insgesamt 59 jüdische Männer teilgenommen, davon 11 als Kassel. Auch am Feldzug 1870-1871 nahmen Juden aus Kassel teil. einer von ihnen fiel 1870 bei Wörth. 
 
Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner durch starken Zuzug aus den Landgemeinden weiter zu: 1835 wurden 1.870 Gemeindeglieder gezählt, um 1875 etwa 3.000. Das jüdische Gemeindeleben wurde geprägt durch die Aktivitäten zahlreicher jüdischer Vereine, von denen ein großer Teil Ziele im Bereich der Wohlfahrtspflege hatte. Unter anderem bestanden: der Israelitische Krankenpflegeverein e.V. (gegründet 1773), die Gesellschaft der Humanität (gegründet 1802), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1811), der Verein für Israelitische Armenpflege (gegründet 1878), die Ferienkolonie der Sinai-Loge UOBB (gegründet 1888), die Israelitische Brüderschaft Chewras Gemiluth Chasodim (gegründet 1874), der Bikkur Cholim-Verein (gegründet 1925), der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Vereinigung  u.a.m. Es bestanden zahlreiche Stiftungen. An Anstalten und Einrichtungen gab bis in die 1930er-Jahre das Israelitische Altersheim, das Israelitische Waisenhaus und der Kinderhort des Israelitischen Frauenvereins. Die Kasseler Juden waren - über Jahrzehnte ganz selbstverständlich - auch Mitglieder in allgemeinen Vereinen wie den Turnvereinen, Karnevalsgesellschaften usw. Zu den jüdischen Friedhöfen siehe weitere Seite
 
Was die Berufsstruktur betrifft, lebten zunächst die meisten Familien bis Anfang des 19. Jahrhunderts vom Handel mit Waren aller Art. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlernten viele junge jüdische Leute einen Handwerksberuf. Um 1840 gab es 15 jüdische Bankiers in Kassel (nur 5 nichtjüdische). Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die ersten beiden jüdischen Ingenieure. Alsbald gab es jüdische Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, aber auch jüdische Hoteliers und Inhaber von Gaststätten. Zahlreiche Industriebetriebe wurden von jüdischen Unternehmern aufgebaut. Lang ist die Liste von Handels- und Gewerbebetrieben, die jüdischen Geschäftsleuten gehörten.
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus Kassel 62 jüdische Männer.
 
Nachdem 1772 der Sitz des Landrabbinats (Provinzialrabbinat) von Witzenhausen nach Kassel verlegt worden war, waren bis bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mehrere hochbedeutende Rabbiner in der Stadt tätig (u.a. Dr. Philipp Roman, Dr. Lazarus Adler, Dr. Isaak Prager, Dr. Max Doctor, Dr. Gotthilf Walter und 1936-39 noch Dr. Robert Raphael Geis; weitere Informationen zu den Rabbinern auf einer Textseite). Die jüdischen Kinder besuchten teilweise die allgemeinen Schulen am Ort, teilweise die öffentliche israelitische Elementarschule (1933 an dieser Schule: 176 Kinder).
  
1933 wurden 2301 jüdische Einwohner in Kassel gezählt. Zu ersten gewaltsamen Aktionen gegen Juden kam es bereits 1933: am 24. März 1933 wurde der Rechtsanwalt Dr. Max Plaut von Kasseler Nationalsozialisten so brutal misshandelt, dass er zehn Tage später an den inneren Verletzungen starb. Zum Boykott der jüdischen Geschäfte wurde bereits seit 1930 in der NS-Zeitung "Hessische Volkswacht" aufgerufen. Nach einer Rede von Julius Streicher in der Stadthalle in Kassel am 11. Dezember 1936 wurden die Geschäfte jüdischer Inhaber gestürmt. Bis 1938 waren die meisten jüdischen Gewerbebetriebe zur Aufgabe gezwungen worden oder "arisiert". Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet und wenig später abgebrochen (s.u.), zahlreiche jüdische Geschäfte wurden demoliert. Über 250 jüdische Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt, wo sie mehrere Wochen festgehalten wurden. In den folgenden Jahren waren die in Kassel noch lebenden Juden einer völligen Entrechtung ausgesetzt. 1940 wohnten noch 1.300 Juden in der Stadt. Durch verschiedenen Deportationen wurde zwischen Ende 1941 und Anfang 1945 Kassel weitgehend "judenfrei" gemacht. Im Gedenkbuch "Namen und Schicksale der Juden Kassels 1933-1945" sind die Namen von 1.007 ermordeten jüdischen Einwohnern aufgezählt.   
     
     
Persönlichkeiten:  

Ludwig Mond (geb. 1839 Kassel, gest. 1909 London), entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Kassel, besuchte die Polytechnische Schule in Kassel und studierte Chemie in Marburg und Heidelberg; 1862 nach England, wurde Großindustrieller in der chemischen Industrie (1873 mit J.T. Brunner Gründung der Brunner Mond Com. in Winnington, Northwich). Nach Ludwig Mond ist das "Mondgas" benannt. Der Sohn von Ludwig Mond - Sir Alfred Mond (später Lord Melchett of Langford, 1868-1930) begründete einen der größten chemischen Konzerne im UK, die Imperial Chemical Industries (ITI); Sir Alfred Mond wurde 1920 englischer Minister für Volkswohlfahrt und war seit 1928 Mitglied des britischen House of Lords. Urenkel Peter Mond (geb. 1948) war 1989-2002 Direktor von Greenpeace UK.  
Salomon Hermann Mosenthal (geb. 1821 Kassel, gest. 1877 Wien), entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Kassel; zu seiner Zeit höchst populärer Dramatiker und Librettist; verfasste Gedicht, Erzählungen, Libretti und Dramen. Seit 1842 in Wien, 1849 Ehrendoktor der Universität Marburg; erhielt 1867 Titel eines Kaiserlichen Rates und weitere hohe Auszeichnungen.  
Sara Nussbaum (geb. 1868 Merxhausen, gest. 1956 Kassel): wirkte 33 Jahre lang als Gemeindeschwester im jüdischen Altersheim und im Waisenhaus in Kassel. 1934 wurde sie verhaftet, da sie sich ablehnend gegenüber dem "Dritten Reich" geäußert habe; 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie als freiwillige Pflegerin in der Typhusabteilung todkranke Häftlinge betreute, überlebte schwerst erkrankt die KZ Zeit. Seit März 1946 wieder in Kassel; erhielt im April 1956 als erste Frau das Ehrenbürgerrecht der Stadt Kassel.  
Albrecht Rosengarten (geb. in Kassel), erlernte den Beruf des Architekten in den 1830er-Jahren beim Bauamt in Kassel, arbeitete 12 Jahre im hessischen Staatsdienst. 1839 Aufenthalt in Paris, Studium bei Labrouste, 1841 Aufenthalt in Rom. Baute drei Synagogen in Hamburg 1853-1857.  
Franz Rosenzweig (geb. 1886 Kassel, gest. 1929 Frankfurt/Main), entstammte einer jüdischen Fabrikantenfamilie in Kassel (Vater Georg Rosenzweig war aus Stadtrat in Kassel): studierte Medizin, später Geschichte an verschiedenen Universitäten; Promotion zu Hegel; Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg; seit den Kriegszeiten auch erste Veröffentlichungen (religions-philosophische Abhandlungen, besonders bekannt: "Stern der Erlösung"); seit 1921 schwer erkrankt, 1923 Rabbinerwürde; 1925-29 gemeinsam mit Martin Buber Bibelübertragung. 

Hinweis: weitere Personen siehe Wikipedia-Artikel "Jüdische Gemeinde Kassel".     

  
Nach 1945 (Informationen aus dem Wikipedia-Artikel "Jüdische Gemeinde Kassel"): Nach 1945 gründeten etwa 300 jüdische Überlebende des Holocausts, etwa 80 % von ihnen Flüchtlinge aus dem Osten (Displaced Persons), eine neue jüdische Gemeinde. Ein großer Teil von ihnen wanderte zwar 1948/50 nach Israel oder nach Amerika aus, dennoch blieb eine Gemeinde bestehen, die 1965 88 Mitglieder zählte, darunter zwölf Kinder. Seit den 1990er-Jahren erfuhr die Gemeinde starken Zuwachs aus den ehemaligen GUS-Ländern, so dass im Jahre 2006 wieder etwa 1.300 jüdische Personen zur Gemeinde in Kassel gehörten. Auf Grund von Abwanderung junger Menschen in größere Städte und der Überalterung der Gemeinde schrumpfte die Zahl der Gemeindemitglieder auf zuletzt 880 Mitglieder im Jahr 2013.    
  
  
  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Links zu den 
Seiten mit Texten zur jüdischen Geschichte in Kassel (werden derzeit erstellt):   
   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben im 19./20. Jahrhundert   
Berichte über die Rabbiner, die jüdischen Lehrer und weitere Kultusbeamte sowie die jüdische Schule und das Lehrerseminar  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
      
      
      
Zur Geschichte der Synagogen                     
    
Mittelalter 
   
Eine erste Synagoge ("Judenschule") wird 1398 genannt. Sie stand in der alten Judengasse, die am Rande der Altstadt zwischen Fuldaufer und Kloster Ahnaberg verlief. In ihrer Nähe lag auch der mittelalterliche jüdische Friedhof (zwischen Kloster Ahnaberg und Fuldamühle). 
   
   
18. Jahrhundert   
  
1754 wurde die erste neuzeitliche Synagoge in Kassel erbaut. Es handelte sich damals noch um eine Gebäude, das wie ein Wohnhaus aussah und hinter einem anderen Haus versteckt lag. 1775 konnte ein Grundstück für eine neue Synagoge erworben werden.           

Toraschmuck, ehemals in 
der alten Synagoge Kassel
(Abbildungen und Beschreibungen in: 
Rudolf Hallo: Jüdische Kunst aus Hessen 
und Nassau. Berlin 1933)
Kassel RHallo Tafel 1.jpg (120744 Byte) Kassel RHallo S 2 Nr 1.jpg (229963 Byte)
    Toravorhang (Höhe 245 cm, Breit 150 cm) aus der Kasseler Synagoge, um 1930 im Hessischen Landesmuseum; um 1730 entstanden. Unter der von zwei Löwen gehaltenen Krone der Tora ein Spiegel von blauer venezianischer Seide, flankiert von prächtigen gewundenen Säulen, die Henkelvasen auf ihren Kapitellen tragen. Im Spiegel neben Ornamentfeldern mehrfach das gestickte Bild eines Pelikans mit seiner Brut. Nach der (nachtäglich eingesetzten) Inschrift wurde der Vorgang durch Frau Blume Kassel bei der Bar-Mizwah-Feier ihres Sohnes Elieser 1744 gestiftet bzw. erneuert. 
      
  Kassel RHallo Tafel 4a.jpg (284680 Byte) Kassel RHallo Tafel 2b.jpg (143661 Byte)
  Tora-Mantel aus der Synagoge Kassel (ausschnittsweise abgebildet), 
um 1930 im Hessischen Landesmuseum
 (Seide, bestickt; aus der Zeit des 
Landgrafen Karl - 1670-1730); unter 
breiten Ornamentsstreifen zwei
 gegeneinandergekehrte Löwen.
Toravorhang (Höhe 235 cm, Breite 175 cm) 
aus der Kasseler Synagoge, um 1930 im
 Hessischen Landesmuseum. 1758 entstanden
 (Inschrift: Bula, Gattin des Abraham Hirtz Katz
 1758). Farben: schwefelgelb, in pastellartigen
 Farben großblumig gemustert, 
Spiegel wasserblau 

    
Die Synagogenplätze in der Kasseler Synagoge am Ende des 18. Jahrhunderts (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Oktober 1927:  "Die Synagogenplätze in der alten Kasseler Synagoge. Aus einer alten Rechnung von L. Horwitz. Wenn man vor dem Feste mit den Gemeindemitgliedern zusammenkommt, hört man manches Wort über die Plätze, die eingelöst werden müssen. Viele suchen einen und wollen gern zahlen, wenn sie ihn nur bekämen; andere wollen wieder auch im Platz das Erbe ihrer Väter antreten und sind verstimmt, wenn im Bureau auf die geltende Bestimmung aufmerksam gemacht wird, dass es nicht geht. Andere klagen wieder über die hohen Preise und denken nicht, dass die Verwaltung eine Einnahmequelle ausnützen muss, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden. Diese verschiedenen Meinungen könnten noch vermehrt werden, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass für die meisten eine Erbpacht besteht. 
Wie sah es nun vor 135 Jahren (= 1792) in Kassel aus? Die Synagoge in der Brüderstraße hatte in der Männerabteilung 65 Sitze und gegen 50 in dem Frauenraum; die ersten brachten 193 Thaler, 14 alb., 3 Heller, die letzten 107 Thaler, 24 alb. und 4 Heller ein. Je 10 Thaler zahlten Salomon Marburg und Michel Geismar. Löb Gans, Jakob Witzenhausen, Sußmann Marburg, Feist Morsche kopnnten für je 6 Thaler den Platz benutzten. Abraham Detmold und Samuel Halle befriedigten für 2 Thaler ihr religiöser Bedürfnis. Für einen Thaler waren nur 3 Sitze abgegeben; für 5 Thaler, 5 aln. und 4 Heller erstand Salomon Pinhas seinen Platz. In der Frauenabteilung war nur ein Platz für 10 Thaler; er gehörte der Frau des Rabbi Baruch, Hofagenten Baruch Holländer; sonst schwankten die Preise von 1 - 6 Thaler. Zwei 'Hinterstätten' kosteten nur je 21 alb. und 4 Heller. Jona Busek und Nathan Mionden erstanden ihn. - Ob die Plätze versteigert wurden, lässt sich wohl annehmen, aber bisher nicht beweisen."        

 
Nicht verwirklichter Synagogenbau:       

Kassel Synagoge 022.jpg (62488 Byte)Architekt Heinrich Christoph Jussow zeichnete 1781 Pläne für einen Neubau (Abbildung links). Er wollte ein Synagogengebäude mit einem Portalvorbau mit einem dreieckigen Giebel errichten. Der Betsaal selbst sollte von einer mächtigen Kuppel gekrönt sein. Seitlich waren Gebäude für die jüdische Schule und die Gemeindeverwaltung geplant. Der Plan Jussows wurde jedoch nicht verwirklicht. Es blieb bei der alten Synagoge, die in den folgenden Jahren freilich von der Größe und dem Bauzustand her immer weniger den Ansprüchen der jüdischen Gemeinde entsprach.   

        
        
19./20. Jahrhundert  
 
  
1827
musste die alte Synagoge aus baupolizeilichen Gründen geschlossen werden, weil ihr Einsturz befürchtet wurde. In den folgenden Jahren wurden die Gottesdienste "in mehreren Filialsynagögchen, engen, dumpfen Zimmern" gefeiert (s.u. im Bericht in der Allgemeinen Zeitung des Judentums vom 13. Juni 1837). Vermutlich hatten mehrere der jüdischen Familien in ihren Wohnungen Zimmer zu Betstuben hergerichtet und zu Gebet und Gottesdienst jeweils andere Familien eingeladen. Ein öffentliches Betlokal war in diesen Jahren in der jüdischen Schule ("Israelitische Schulanstalt") vorhanden, doch reichte dieses auch nur für einen kleinen Teil der Gemeinde aus. Dies brachte den Gemeindevorstand dazu, im folgenden Jahr 1828 einen Neubau zu beschließen. Vom Landgrafen wurde ein zwar bevorzugtes Grundstück zum Bau vorgeschlagen, das von der jüdischen Gemeinde jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, dass der Weg dorthin für viele der Gemeindeglieder am Sabbat zu weit wäre. Auch andere Gründe könnten eine Rolle gespielt haben: die jüdischen Einwohner fühlten sich möglicherweise an dem auffälligen Standort der Synagoge nicht sicher genug oder sie wollten nicht den Stil übernehmen, den der Hofarchitekt für einen solchen Bauplatz vorgesehen hatte. Von der Regierung wurde daraufhin ein anderes Grundstück an der Ecke Untere Königstraße und Bremerstraße angeboten, das vom jüdischen Gemeindevorstand akzeptiert wurde. Man bat zunächst den Oberlandbaumeister August Schuchardt um Erstellung eines Planes. Schuchardt erstellte zwischen 1830 und 1832 mehrere Entwürfe, die jedoch in der jüdischen Gemeinde nicht auf Akzeptanz stießen. Der Leiter des Kasseler Bauamts Conrad Bromeis, der bis 1831 auch Hofarchitekt war, zeichnete hierauf einen eigenen Entwurf. Die unterschiedlichen Entwürfe riefen eine lebhafte Diskussion zur Frage hervor, in welchem Stil eigentlich eine Synagoge gebaut werden sollte. Umstritten war vor allem eine "ägyptische" Architektur, zu der die Gegner meinten, dass Juden in einer aufgeklärten Zeit mit der Architektur nicht an dunkle Zeiten ihrer Geschichte (gemeint die Zeit der Unterdrückung in Ägypten) erinnert werden sollten. Die jüdische Gemeinde selbst wollte keinen orientalischen oder ägyptischen Entwurf und wies darauf hin, dass ihre Geschichte im wesentlichen von der westlichen Kultur geprägt sei. Auch der Landgraf mischte sich ein und bat 1834 seinen Hofarchitekten Julius Eugen Ruhl um einen neuen Entwurf, doch auch dieser fand nicht das Wohlgefallen der Gemeinde. 

Kassel Synagoge 013.jpg (102112 Byte) Kassel Synagoge 010.jpg (55550 Byte)
Entwurf für die Synagoge in Kassel 
von Architekt Bromeis (1833)
Entwurf für die Synagoge in Kassel 
von Architekt Ruhl (1834)
   
Kassel Synagoge 011.jpg (42189 Byte) Kassel Synagoge 012.jpg (57083 Byte)
Weiterer Entwurf für die Synagoge in Kassel von Architekt Ruhl (1834) mit Querschnitt   

   
Im Verlaufe der Diskussion wurde deutlich, dass die Gemeinde einen Entwurf ihres eigenen Gemeindegliedes, des Architekten Albrecht Rosengarten bevorzugte, der selbst bei Schuchardt gelernt hatte. Er entwarf eine Emporenbasilika mit Tonnengewölbe und einer Vorhalle im Westen. Die Fassade im Eingangsbereich sollte von zwei Treppentürmen eingerahmt sein. Äußerlich wirkte das Gebäude mit dem prägenden Rundbogenstil als neuromanisch. Rosengartens Stil entsprach den Vorstellungen der Gemeinde. Die von ihm entworfene Synagoge sah nicht fremdartig aus, auch wenn sie keinem anderen Gebäude in Kassel gleich sah.    

 Pläne zum Bau der neuen Synagoge 
von Albrecht Rosengarten 
(Quelle: "Abbildungen zur Allgemeinen Bauzeitung" 1840; eingescannt und zugeschickt von Wilfried Schöpf; in der "Allgemeinen Bauzeitung" 1840 S. 205ff veröffentlichte Albrecht Rosengarten selbst einen Beitrag: "Die neue Synagoge in Cassel") 
Kassel Synagoge G121.jpg (112041 Byte) Kassel Synagoge G123.jpg (115182 Byte)
Blatt CCCL: Querdurchschnitt - 
Vorderansicht
Blatt CCCLII: Querdurchschnitt -
Innenansicht Altar 
     
Kassel Synagoge G120.jpg (95058 Byte) Kassel Synagoge G122.jpg (126868 Byte) Kassel Synagoge G124.jpg (134314 Byte)
Blatt CCCXLIX: 
Grundrisse 
Blatt CCCLI: Längsdurchschnitt - 
Seitenansicht
Blatt CCCLIII Längsdurchschnitt - 
Innenansicht Seite
      
     
  Kassel Synagoge 720a.jpg (196407 Byte)  
  Die von Architekt A. Rosengarten geplante und
 erbaute Synagoge - Ansicht von Nordwesten
 
  die Abbildung oben in höherer Auflösung   
     

Als die Beschlüsse zum Neubau der Synagoge nach den Plänen von Architekt Albrecht Rosengarten gefasst worden waren und mit dem Bau begonnen war, erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" im Juni 1837 folgender Bericht:  

Kassel AZJ 13061837.JPG (252669 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juni 1837: "(Aus Kassel, Mai 1837). Bei ihrem regen Interesse für Menschenveredlung und intellektuelle und moralische Fortschritte unserer Glaubensgenossen insbesondere, dürften Ihnen werter Herr Redakteur, einige unsere geistlichen Angelegenheiten betreffende Nachrichten nicht gleichgültig sein.
Wie Sie vielleicht wissen werden, haben wir schon seit einem Dezennium keine Synagoge, und die Gemeinde verteilt sich in mehrere Filialsynagögchen, enge, dumpfe Zimmer, in denen man - wo möglich - über die Außenwelt sich durchaus erheben muss, wenn man in Andacht beten will. Aber der Grund zur neuen Synagoge ist bereits gelegt und wir sehen ihrer baldigen Vollendung mit inniger Sehnsucht entgegen. Unter mehreren der Regierung vorgelegten Rissen ist dem des Herrn Rosengarten, eines der Baukunst sich widmenden talentvollen jungen Israeliten, der Vorzug gegeben worden. In einer schönen, ruhigen Gegend der Stadt wird sie, einfach groß, sich frei erheben und schon durch äußere Formen die geistige Bedeutung kund tun. Der Kostenanschlag beläuft sich auf 40,000 Taler und liefert den erfreulichen Beweis, dass unsere, schon außerdem mit bedeutenden Abgaben belastete, Gemeinde trotz des zwanzigjährigen Mangels eines Landrabbinen den religiösen Sinn bewahrt hat. Unter vielen um den Synagogenbau besorgten Männern verdient ganz vorzüglich Herr M. Weill, einer unserer Gemeindevorsteher, der diese Angelegenheit mit Einsicht und Eifer betrieben hat, die dankbarste Anerkennung.
Mit der Einweihung der neuen Synagoge wird - zu dieser Hoffnung berechtigt uns der neue Landrabbiner, Herr Dr. Romann, eine neue Synagogenordnung beginnen. Es hat sich leider viel Unweisen in unsern Gottesdienst geschlichen, und es ist Zeit, demselben die unserer Zeit entsprossenen Ansichten weise berücksichtigend, ein baldiges Ende zu machen. 
Die innern Wahrheiten unserer Religion sind, wie das Wesen Gottes, auf das hinzuweisen ihre Hauptaufgabe ist, ewig unwandelbar; die Form aber, unter welcher sie dem Volke versinnlicht ans Herz gelegt werden sollen, muss sich stets dessen fortschreitender Geisteskultur anpassen und nach Zeit und Bedürfnissen sich verjüngen. Leider halten viele unserer Glaubensgenossen verjährte Formen für selbständige Wahrheiten, und zur Herstellung besserer Formen, in denen sich die heiligen Wahrheiten unserer Religion verklärt darstellen, bedarf es daher eines mit gediegener Frömmigkeit und energischem Geistes begabten Führers, den wir an Herrn Dr. Romann gefunden zu haben glauben. Dr. Romann ist ein edler Israelit und nicht bloß in jüdisch-theologischen Wissenschaften von großer Bedeutung und in allen seinem Stande nötigen Doktrinen tiefgelehrt, sondern auch voll jugendlichen, frommen Eifers für die Veredlung unserer Glaubensgenossen und voll seltener Geistesenergie. Seit einem Jahre erst in unserer Mitte, genießt er doch schon im vollsten Maße die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde. 
Sein Freund, Herr Dr. Enoch aus Hamburg, ein seiner würdiger junger Mann, welcher jüdische Theologie mit bedeutendem Erfolge studiert und in allen dem Berufe eines Geistlichen unentbehrlichen Wissenschaften sich vervollkommnet hat, gab uns neulich im Betlokale der israelitischen Schulanstalt einen herrlichen Beweis seines Predigertalents. Dieser eben so sanfte und bescheidene, als gelehrte und einsichtsvolle junge Mann berechtigt zu den schönsten Hoffnungen, und es ist zu wünschen, dass er recht bald als Seelsorger einer seinem geistigen Werte entsprechenden Gemeinde den Wirkungskreis finden möge, der seinem edeln Charakter, seinem frommen Streben und seinen gediegenen Kenntnissen gebührt.

Als der Bau weitgehend fertig gestellt war, erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Januar 1839 ein Bericht, dem viele Details zur Architektur der neuen Synagoge entnommen werden können:  

Kassel AZJ 05011839.JPG (405578 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Januar 1839: "Kassel, 1. November (1838). Neue Synagoge. Land-Rabbinat. Gemeinde-Anstalten. Wenn man die Schiller’sche Sentenz: „den Staat und die Frau für die besten zu halten, welche am wenigsten von sich sprechen machen,' auch auf die israelitischen Angelegenheiten hiesigen Landes anzuwenden geneigt sein möchte; so könnten wir Beteiligten uns schon über die öffentliche Meinung hierüber vollkommen beruhigen. Indessen dürfte es doch manchen Leser dieser Blätter befremden, wenn er aus aller Herren Landen die interessantesten Nachrichten, aber so höchst selten Etwas aus und von Kurhessen findet. Aber auch uns, die wir bei aller Bescheidenheit menschlicher Weise doch unsern Egoismus hegen, will solche Schweigsamkeit nicht mehr recht behagen, zumal wir mehr als einen Grund haben, über Förderung und Gedeihen manches gemeinnützigen Guten bei uns, ein öffentliches Wort mitreden zu dürfen. – Zuvörderst denn von unserer herrlichen neuen Synagoge, von welcher sich das Sprichwort: „Gut Werk will Zeit haben' so recht eigentlich bewährt. Denn nachdem es wirklich gar lange gedauert, bis unsere hiesigen Gemeindeverhältnisse zu solcher wichtigen Unternehmung völlig reif waren: sehen wir uns nunmehr auch für die Zögerung hinlänglich entschädigt. Unsere neue Synagoge also ist, was den äußern Ausbau angehet, ganz vollendet und die weiteren, inneren Arbeiten schreiten rasch vorwärts, sodass wir im nächsten Sommer, so Gott will, die Einweihung unfehlbar erwarten dürfen. Ein stattliches Gebäude! von 130’ Länge und 72’ Breite, ganz aus Stein und im byzantinischen Stil, in dem untern Ausgange der Königstraße und von allen Seiten lichtvoll gesehen, wird dasselbe von Fremden und Einheimischen als eine Zierde, nicht nur dieses Stadtteils, sondern unserer schönen Stadt überhaupt allgemein anerkannt. – Die westliche Giebel- und Hauptfassade mit drei bogenförmigen Eingängen, einem Haupt- und zwei Seiteneingängen zu den Frauengallerien – einem großen Portalfenster über dem Haupteingange; die pfeilerartigen Lisenen aus Quadern von bräunlichem Sandstein, welche in der Front und nach den Seiten hin in Zwischenräumen von je 20’, in Risalits mit doppelten Gesimsen und gefälligen Zwischenverzierungen (sodass sich an den vier Seiten des Gebäudes turmartige, in rechteckigen Plattformen ausgehende Pilaster darstellen) aufstrebend, zwischen welchen, an der gedachte Fassade, oberhalb jenes Portalfensters die stumpfwinklige Giebelfront sich erhebt, an deren Spitze die heilige Bestimmung des Gebäudes durch den, mit vergoldeten Zahlen, die Gesetztafeln vorstellenden Stein in sinniger Einfachheit angedeutet ist: alles dies macht den wohltuendsten Eindruck. Nicht minder zeigen sich auch die Seitenfassaden eines Gotteshauses würdig. Die vierseitigen Pfeiler-Risalits, zwischen welchen das blinkende Schieferdach über dem verzierten Dachgesimse in mäßiger Schräge sich hinzieht; die fortlaufende Lisenen-Reihe mit den fortgesetzten Gesimsen, zwischen denen die bogenförmigen Fenster in ihren Fassungen – vollenden das Gepräge des Ganzen zum schönsten Ausdruck des Einfachen und Edlen. Im Innern tragen auf beiden Seiten je drei vierseitige Pfeiler mit abgestumpften Ecken die Frauengallerie. Der Raum vom Eingange aus, die kleine Vorhalle abgerechnet, beträgt bis zur großen Nische für die heilige Lade 90’, im Ganzen 115’ im Lichte. Die Deckverzierungen sind noch unvollendet. Die innern Einrichtungen in Beziehung auf die Ökonomie der Räume bei Anbringung der Kanzel, der Stände etc. beraten und leiten gemeinschaftlich mit dem Architekten und den Gemeindeältesten, Herr Landrabbiner Dr. Romann und Herr Dr. Pinhas; wie denn der allgemein anerkannte Kunstsinn und Geschmack des Letztern, bereits auch bei den früheren Arbeiten manche Anwendung gefunden hat, und darf man über diese Angelegenheit einem befriedigenden Resultate entgegensehen.
Und nun auch dem Verdienste seine Krone. Den Plan, so wie alle weitern Zeichnungen des Baues verdanken wir unserm Glaubensgenossen und Mitbürger, dem talentreichen Architekten Albrecht Rosengarten, welcher dann auch, in administrativ-technischer Beziehung unter der Oberleitung des Herrn Ober-Baurats Schuchard hierselbst, die Arbeiten des Baues durchgehend und nach allen Details hin, mit beharrlichstem Eifer geleitet hat und noch fortwährend leitet. Mit Vergnügen bemerken wir hierbei, dass von Seiten der hiesigen Akademie für bildende Künste, mittelst Genehmigung der hohen Staatsregierung, diesem jungen Manne, welcher bereits seit längerer Zeit als Bau-Eleve ernannt war und fungierte, in diesem Jahre die, für angehende Künstler gewöhnliche, Summe (von 750 Thalern) zum Behufe mehrjähriger Ausbildungsreisen verwilligt worden ist: gewiss die sprechendsten Beweise von Würdigung seines ausgezeichneten Talents und bekundeten Fleißes.
Um die Entstehung dieser unserer Synagoge haben sich die derzeitigen Gemeindeältesten als da sind: die Herren Salomon Büding, Joseph Werthauer und Moses Weill, in jedem Betrachte unsterbliches Verdienst erworben; besonders ist es der unermüdlichen Tätigkeit des Letztern gelungen, den ersten Anfang des Baues zu veranlassen und ins Werk zu setzen. Aber gemeinschaftlich teilen die genannten Männer das große Verdienst, im Einverständnisse mit dem Herrn Kreisvorsteher Levisohn, viele Schwierigkeiten und Hemmnisse beseitigt und uneigennützigster Weise mit dem wärmsten Eifer das heilige Geschäft so weit gefördert zu haben, wie sie noch fortwährend die weitere Vollendung zu erzielen sorgfältig bemüht sind. Und wohl dürfen sie, denen Gottes Freundlichkeit so huldvoll zugewendet war, sich ihres gelungenen Werkes freuen und von ihren Mühen segensreichen Erfolg um so mehr erwarten, als sämtliche Gemeindeglieder, Alt und Jung, ihnen den unzweideutigsten Beifall zollen und von innigem Danke gegen sie erfüllt sind. – Und was endlich die Hauptsache aller Sachen, die würdige Seele des schönen Körpers, nämlich die Organisation des Gottesdienstes im neuen Tempel, betrifft, so dürfen wir uns bei dem frommsinnigen Walten unsers allgemein geachteten Herrn Landrabbinen, hierüber den besten Hoffnungen hingeben; vorausgesetzt freilich dass die Erwartungen und Wünsche nicht überspannt, d.h. nicht zu unbedingt reformatorisch, sondern bedächtig und bescheiden die Lokal-Verhältnisse berücksichtigend, auch nicht auf momentane Effektmacherei, sondern auf innere solide Religiosität nach angestimmten Formen und Bräuchen, gegründet seien.

Eine unmittelbare Fortsetzung des obigen Berichtes vom 5. Januar 1839 erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" dieser Teil enthält zahlreiche Informationen zum damaligen jüdischen Gemeindeleben:   

Kassel AZJ 16031839.JPG (372588 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1839: "Die großartige Freigebigkeit, mit welcher der Herr Baron Anselm von Rothschild zu Frankfurt seine Teilnahme an Gemeinwohl und religiösen Zwecken zu betätigen gewohnt ist, hat sich auch bei unserm Synagogenbau aufs Glänzendste bewährt. Herr Baron v.R. hat den hiesigen Gemeindeältesten eine Spende von 300 Louisd’or für die neue Synagoge zukommen lassen, welche reiche Gabe willig angenommen, und wofür wie sich von selbst versteht, dem edlen Geber freundlicher Dank gezollt wurde. Die Summe wird zum Besten des Heiligtums zweckmäßigst verwendet werden.
Was unsere übrigens, Gemeinde- und Provinzialangelegenheiten betrifft, so sind dieselben seit einer Reihe von Jahren in geregeltem Zustande. Das durch die Staatsregierung bestellte israelitische Vorsteheramt der Provinz Niederhessen, eine der Provinzial-Regierung untergeordnete Administrativ-Behörde, führte Aufsicht und beschließt, in wöchentlichen regelmäßigen Sitzungen, über die körperschaftlichen Verhältnisse besonders hinsichtlich des Kultus- und Schulwesens. Gegenwärtige Mitglieder: Herr Landrabb. Dr. Romann, Herr Dr. Oinhas, welcher zugleich das Sekretariat führt und die Geschäfte leitet; die Herren S. R. Goldschmidt, G.J. Rieberg, L. Mansbach, J. Rothschild, Obergerichtsanwalt Alsberg, J. Flescher, und H. Traue, als Expedient. Ein beigeordneter herrschaftlicher Kommissar (gegenwärtige Herr Regierungsrat Schröder) ist nicht selten in den Sitzungen gegenwärtig. Reine Gesinnung bezeichnet durchgehends die Tätigkeit dieses Instituts. Die Beschlüsse unterliegen der Bestätigung durch die Regierung, erleiden jedoch selten ein reformatorisches Erkenntnis. – Die Aufsicht über den Religionsunterricht in den israelitischen Schulen der Provinzen Niederhessen und Fulda führt der Landrabbine, und macht zu diesem Behufe von Zeit zu Zeit die erforderlichen Visitationsreisen. Für die übrigen Lehrgegenstände sind die Kreismetropolitane zur Beaufsichtigung kommitiert. – Eine Prüfungskommission ist zur Prüfung israelitischer Schulamts-Kandidaten bestellt, - bestehend gegenwärtig: aus den Herren Landrabbinen Dr. Romann, Oberlehrer Dr. Büdinger und J. Lessong zweiten Lehrer an der israelitischen Schul- und Schullehrerbildungs-Anstalt. Herr Schulrat Bogt wohnt den Prüfungen als herrschaftlicher Kommissar und Schulreferent bei. Die Lehrer werden von dem Provinzialbezirksamt in den Gemeinden bestellt und erhalten von der Regierung Anstellungsdekrete. – Auf gleiche Weise ist auch die Organisation in den übrigen Provinzen des Kurstaates, und beaufsichtigt den Religionsunterricht in den israelitischen Schulen der Provinz Oberhessen, der Provinzialrabbine Herr M. Gesen, sowie in der Provinz Hanau der dortige Provinzialrabbine Herr Felsenstein dieser Funktion obliegt.
Dass von den Arbeiten des Landrabbinats - Synagogen-, Trauungs-, Leichenordnung und dergleichen - noch keine, wie allgemein erwartet wird, zur Öffentlichkeit gelangt ist, soll dem Vernehmen nach seinen Grund darin haben, dass unsere hohe Staatsregierung, in weiser Vorsorge die Wichtigkeit des Gegenstandes erwägend und die praktische Anwendung im Auge habend, die Entwürfe jeder Verordnungen vorher noch einer sorgfältigen Prüfung zu unterwerfen und mehrseitig begutachten zu lassen für notwendig hält.
An gesellschaftlichen Wohltätigkeits-Vereinen hat die hiesige Gemeinde keinen Mangel. Einer der ältesten derselben ist der für Krankenpflege und Totenbestattung, derzeitiger Vorstand: Herr J. Bensa, Herr J. Traube, zugleich Inspektor des jüdischen Krankenhauses und Herr A. Reunert. Nächst diesem besteht seit 1802, gestiftet durch den praktischen Arzt Dr. S.A. Liffmann seligen Angedenkens, die Gesellschaft der Humanität Chewrat Poalei Zedek, zeitiger Vorstand: Herr S.R. Goldschmidt Direktor, die Herren Friedemann und Ph. Goldschmidt Vorsteher, Herr Ph. Feidel Sekretär, Herr Abr. Honnet Kassierer, hierzu noch fünf Deputierten; die Herren A. Reunert, R. Goldschmidt, S. Rosenstein, H. Katzenstein und S. Leviseur. Hauptzwecke dieses Vereins sind: tätige Annahme der unbemittelten israelitischen Schuljugend beider Geschlechter, Unterstützung und Beförderung israelitischer Handwerker und Künstler, wozu noch mancherlei andere wohltätige Zwecke kommen, und ist die Wirksamkeit dieses zahlreichen Vereins (den der Herr ferner segnen wolle!) von den gedeihlichsten Folgen. Zeitiger Vorstand: die Damen B. Hornstein und H. Drucker unter Assistenz des Herrn L. Wallach; endlich der (1818 durch Amalie Weil) gestiftete Schwesternbund, welcher sich der lehrbedürftigen unbemittelten weiblichen Jugend annimmt, und dieselbe in den nötigen Schulkenntnissen und weiblichen Arbeiten unterrichten lässt. Zeitiger Vorstand: Madame Jule Goldschmidt Direktorin und Fräulein S. Philippssohn für Verwaltung der Kasse. – Sämtliche Vereine sind aufs Beste administriert, wovon und von der herrschenden guten Gesinnungen in denselben überhaupt schon hinlänglich der Umstand zeugt, dass dieselben Vorstände gewöhnlich während einer Reihe von Jahren hindurch immer wieder gewählt werden. So ist Herr G. bereits im 13. Jahre Direktor der Ges. d. Hum., nachdem während gleichen Zeitraums Herr Dr. P. das Direktorat mit seltener Widmung geführt und sich überhaupt um das Emporkommen dieses Vereins bleibendes Verdienst erworben hat; seit noch längerer Zeit besorgt mit pünktlichen Emsigkeit Herr F. das Sekretariat; gleiches gilt von den Vorstehern und den übrigen Kommissional-Beamten; und so verhält es sich auch bei den übrigen Vereinen.
So durchdringt unsere Angelegenheiten nach alle Richtungen würdige Strebsamkeit und ein Geist loyalen Sinnes gibt sich kund, wodurch manches Gute erzielt wird: es ist der Geist der Unnützigkeit und der Eintracht.

Am 8. August 1839 konnte die Synagoge schließlich eingeweiht werden, worüber die "Allgemeine Zeitung des Judentums" in der Weise berichtete, dass mehrere allgemeine Tageszeitungen zitiert wurden:    

Kassel AZJ 07091839a.JPG (166672 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September 1839: "Kassel, 15. August. Über die bereits vollführte Einweihung der neuen Synagoge, über deren Bau wir bereits einen Bericht gegeben, geben die öffentlichen Blätter folgende nähere Mitteilungen.
(L.A.Z. vom 9. August). Gestern fand hier die Feier der Einweihung des vor kurzem vollendeten neuen Synagogengebäudes zu einer gottesdienstlichen Bestimmung statt. Die Kosten sowohl des Baues als der inneren Ausschmückung desselben wurden von den Gliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde bestritten, welche die zu diesem Behuf erforderliche Summe durch Aktion, die sie unter sich verteilten, zusammenbrachten. Herr Baron von Rothschild in Frankfurt, dankbar eingedenk, wie der Grund von dem Vermögen seines Hauses zuerst von seinem Vater während seines Wohnsitzes in Kassel und späterhin durch Geschäfte mit dem verewigten Kurfürsten Wilhelm I. gelegt ward, hatte unaufgefordert eine freiwillige Gabe von 300 Louisd’or zu diesem Zwecke dargebracht. Das Ganze wurde durch einen jungen israelitischen Architekten, Rosengarten, der durch den Bau mehrerer ausgezeichneter Privathäuser bereits Proben seiner Geschicklichkeit und seines geläuterten Geschmackes in die Baukunst abgelegt hatte, ausgeführt, und zwar auf eine Weise, dass das jetzige jüdische Bethaus mit Recht den schönsten Bauwerken, welche Kassel aufzuweisen hat und unter denen noch immer das Museum Fridericianum auf dem Friedrichsplatze die erste Stelle einnimmt, angereiht wird. Über die Wahl des Baustils für das fragliche, gegenwärtig unserer Stadt zur Zierde gereichende Gebäude vermochte man lange nicht sich zu einigen; denn wenn schön über die Frage, welcher Stil für die christlichen Tempel der angemessenste sein dürfte, manchmal von den Baukünstlern hin und her gestritten worden ist, so sind bei der Errichtung jüdischer Gotteshäuser öfter noch verschiedene Meinungen an den Tag gebracht worden. Diejenigen, welche in den heutigen deutschen Israeliten noch immer Morgenländer sehen und sehen wollen, waren folgerecht für einen morgenländischen Baustil, und der Hofbaudirektor Ruhl hatte geglaubt, mit Hinblick auf die Geschichte des jüdischen Volkes, den ägyptischen in Vorschlag bringen zu müssen. Gleichwohl haben sich die eigentümlichen Bauweisen bei   
Kassel AZJ 07091839b1.jpg (246306 Byte)allen Völkern nicht sowohl aus der Nationalität als aus klimatischen Einflüssen hervorgebildet, und ein völlig orientalischer Baustil kann den Bedürfnissen in Europa nicht entsprechen. In dem vom Herrn Rosengarten aufgeführten Gebäude zeigt sich der byzantinische Geschmack vorwaltend. Er hat aus Gründen der Basilikenform vor jeder andern bei der Lösung seiner Aufgabe den Vorzug gegeben; denn wenn schon die älteste christliche Baukunst keinen Anstand nahm, sich der römischen eng anzuschließen und römische Form und Benennung für christliche Kirchen zu benutzen, so lässt der Stil römischer Basiliken sich bei Synagogen auch aus rationellen Beweggründen in Anwendung bringen. Basiliken waren bekanntlich bei den alten Römern große Gebäude, bestimmt zu öffentlichen Versammlungen und Geschäften, und da die Juden einen wirklichen Tempel mit Opferdienst nicht außer Jerusalem haben können, so sind ihre jetzigen Synagogen, weit entfernt, Tempel vorstellen zu sollen, nichts weiter als Versammlungsorte zu gemeinsamer Andacht und Belehrung, darum auch häufig mit dem Namen von Judenschulen bezeichnet, und deshalb, wenn auch in höherer und edlerer Beziehung den Zwecken einer römischen Basilika entsprechend. Die Wahl eines ägyptischen Baustils konnte bei unsern Israeliten um so weniger Beifall und Bestimmung finden, als es geschienen hatte, sie sollten damit stets an ihre Sklaverei im alten Ägypten erinnert werden. Die neue Synagoge bildet ein dem Auge gefälliges Oblongum, durch mäßige turmartige Vorsprünge, in denen die Treppen zu den Emporbühnen angebracht sind, unterbrochen. Diese einfache Grundform lässt die Bestimmung des ganzen Gebäudes schon von weitem deutlich hervortreten. Unwillkürlich gibt zugleich der Anblick einem Jeden die Vorstellung, dass der Architekt von der Idee eines Gotteshauses geleitet war. Allgemein wird anerkannt, dass dies ein großer Vorzug ist, den die neue Synagoge vor dem vor einigen Jahren hier aufgeführten Ständepalais voraus hat; denn niemand, der vor dieser großen Steinmasse steht, ist im Stande zu erraten, zu welchem Zwecke das Gebäude errichtet ward; es erscheint im Äußern für keinen weniger als für den einer landständischen Versammlung ausersehen und viel mehr einer alten Ritterburg als einem Ständehaus zu gleichen. Die neue Synagoge trägt den Stempel vollkommener Ruhe und Einfachheit. Auch die innere Ausschmückung lässt nichts zu wünschen übrig. Sie verrät den geläuterten Geschmack moderner Kunst und erinnert doch zugleich an den Orient. Weiß ist die Grundfarbe in der Bekleidung der Räume, und das matte Blau ist dem Auge gefällig. Goldene Ornamente dienen zur weitern Verzierung. Werke der Architektur pflegen vor andern Werken der Kunst einer vielfältigen Kritik zu unterliegen; um so auffallender erscheint es, dass dieses Bauwerk noch keinen Tadler gefunden; allgemein stimmt man darin überein, dass es dem Künstler zur größten Ehre anzurechnen sei. Was ihm an reifer Erfahrung abging, das fand er in dem unterstützenden Rat und Beistande des Oberbaurates Schuchardt, welchem die obere technische Leitung übertragen war. Dem zu so großen Hoffnungen berechtigenden jungen Architekten ist die Unterstützung der hiesigen Kunstakademie zu Reisen ins Ausland zu Teil geworden. Doch ich vergesse,   
Kassel AZJ 07091839b2.jpg (246489 Byte)indem ich mich über dieses neue Bauwerk und den Künstler, der es zur Ausführung brachte, ausspreche, den eigentlichen Zweck meines Schreibens, über die Feierlichkeiten, womit die Einweihung des Gotteshauses begleitet war, zu berichten. Es hatten sich eine Menge fremder Israeliten, besonders aus der Umgegend, hier eingefunden, um dieser Feierlichkeit beizuwohnen, die um halb 2 Uhr Nachmittags begann. Es waren über 1000 Eintrittsbillets ausgeteilt worden, von denen jede der hiesigen israelitischen Familien nur drei hatte bekommen können, weil die übrigen verwendet worden waren, um auch eine große Zahl hiesiger christlicher Einwohner an der Festfeier teilnehmen zu lassen. Einladen waren die vornehmsten Staatsbeamten vom Zivil und Militär, sämtliche Minister, die Chefs der Dikasterien und Landeskollegien, die Mitglieder des diplomatischen Corps, die Geistlichkeit der verschiedenen christlichen Konfessionen, die Munizipalität der Stadt Kassel und andere Notabilitäten, welche auch zum großen Teil dieser Einladung entsprochen hatten. Es waren so viele Einlasskarten ausgegeben worden, als nur immerhin der innere Raum des einzuweihenden Gebäudes gestattete; aber man hätte wohl doppelt so viele ausgeben müssen, um die Nachfrage zu befriedigen. Eine Deputation aus der Mitte der hiesigen Judenschaft hatte sich einige Tage zuvor nach Wilhelmshöhe begeben, um bei dem Kurprinzen-Regenten eine Audienz zu begehren und denselben anzugehen, die bevorstehende Einweihung der neuen Synagoge mit seiner Gegenwart zu beehren, und da diese Deputation nicht vorgelassen worden war, so war diese Bitte in einer schriftlichen Einladung dem Prinzen vorgetragen worden, welcher jedoch nicht entsprochen ward. Das Schiff des Hauses war ungeachtet seiner Geräumigkeit doch ganz angefüllt, die Emporebühnen waren von dem andern Geschlechte der israelitischen Glaubensgenossen besetzt. Unter den zahlreichen anwesenden Beamten bemerkte man bloß die Militärpersonen in ihren Uniformen, da den Zivilstaatsdienern untersagt worden war, in Uniform zu erscheinen. Auch waren dieselben angewiesen worden, nicht in corpore, sondern nur einzeln der Feier beizuwohnen. Diese ganze kirchliche Festlichkeit, welche gegen zwei Stunden dauerte, ging in der vollkommensten Ordnung und mit dem größten Anstande vor sich. Da den Künstlern von der Hofkapelle nicht gestattet war, das Chor mit ihren Instrumenten zu accompagnieren, und auch den Musikern des Militärs die Erlaubnis versagt worden war, dasselbe zu unterstützen, so war man darauf beschränkt, die Musiker der hiesigen Bürgergarde zu Hilfe zu nehmen, sodass freilich die Instrumentalmusik unvollkommen ausfiel. Der Gottesdienst wurde durch ein vom Chor angestimmtes Eintrittsgebet eröffnet. Bei dem Schlusse desselben begaben sich der Landrabbine, die anwesenden Rabbinen nebst andern Beamten und Mitgliedern der hiesigen Gemeinde in das zur Rechten des Tabernakels befindliche Zimmer, um die Torarollen abzuholen und in die heilige Lade zu bringen. Bei ihrer Rückkehr erhob sich die ganze Gemeinde. Der Synagogendiener öffnete das Tabernakel, der Landrabbine legte die Gesetzrollen ein und der Synagogendiener schloss die heilige Lade. Hierauf sprach der Landrabbine das Dankgebet und die Gemeinde: Amen. Dann stimmte der Vorsänger und der Chor,
Kassel AZJ 07091839c.jpg (298272 Byte)an den sich die Gemeinde anschloss, abwechselnd den Psalm 15 an. Nachdem dies statt gehabt, öffnete der Synagogendiener wieder die heilige Lade, der Landrabbine nahm die darin befindlichen Torarollen heraus und übergab sie den zu dem Ende an das Tabernakel getretenen Rabbinen und Vorstehern, die letzte Tora selbst im Arme behaltend. Während der Vorsänger alsdann einen Hymnus anstimmte, der vom Chor erwidert ward, geschahen die feierlichen Umgänge der Toraträger, welche nachher sämtlich dem Landrabbinen ihre Torarollen zur Einsetzung in die heilige Lage übergaben, welche darauf wieder verschlossen wurde. Nach Beendigung dieser Zeremonie wurde von dem Vorleser bald mit dem Chore, bald mit der Gemeinde der 24. Psalm und einige andere Lieder gesungen. Der Landrabbine, aus dem Würzburgischen nach Kassel berufen und das Vertrauen seiner Gemeinde in einem hohen Grade genießend, betrat hierauf die Kanzel und hielt in deutscher Sprache, viva voce, ohne abzulesen, eine schöne eindringliche Weihrede, die von der Art war, dass sie in jeder christlichen Kirche hätte gehalten werden können (Anm. der Redaktion: ein sehr zweideutiges Lob) und nur zu lang war, um die Aufmerksamkeit hinlänglich bis zum Ende ununterbrochen fesseln zu können. Als er seine Rede beendigt, stimmte der Chor, da "Herr Gott, dich loben wir" und darauf wiederum mehrere Psalmen mit der Gemeinde zusammen an. Zuletzt sprach der Landrabbine vor dem Tabernakel das Gebet für den Landesherrn, und die Feierlichkeit ward mit einem vom Chor angestimmten Hallelujah beendigt. Heute Abend findet der erste ordentliche Gottesdienst in der neuen Synagoge statt, deren Bau auch der hiesigen israelitischen Gemeinde zur hohen Ehre gereicht, da sie keine Opfer gescheut, um den Gott ihrer Väter in edeln Räumen anbeten zu können. Auch von Seiten der christlichen Einwohner unserer Stadt sprach sich die herzliche Teilnahme an diesem religiösen Fest ihrer durch die Verfassungsurkunde seit dem Jahr 1831 in bürgerlichen und politischen Rechten und Freiheiten ihnen völlig gleichgestellten israelitischen Mitbrüder auf eine unzweideutige Weise aus.
(Augsburger Allgemeine Zeitung). Heute beschäftigt uns übrigens auch ein religiöser Gegenstand von ganz friedlicher Art, nämlich die Einweihung "des neuen Bethauses" der israelitischen Gemeinde, das man seiner äußeren Erscheinung nach wohl richtiger einen Tempel nennen würde, denn die Idee eines Tempels des Herrn ist hier dem freilich gegen sonst wesentlich veränderten Bedürfnisse einer einzelnen Gemeinde auf eine geistvolle Weise angepasst und in allen Einzelheiten eben so einfach als großartig durchgeführt. Auch hat es die seltene Probe eines wahren Kunstwerks bestanden, dass es bei Kennern und Nichtkennern eine gleiche Befriedigung hervorruft. Der Baumeister ist ein junger Architekt israelitischen Glaubens, namens Rosengarten, der fast allen einen Bauten einen gewissen Stempel höherer Vollendung aufzudrücken weiß, und dessen Talent die schönsten Hoffnungen erregt. Zu seiner ferneren Ausbildung hat ihm die Staatsregierung ein Reisestipendium bewilligt, um in Paris, wo er gegenwärtig weilt, und in Italien noch einige Jahre nur der Kunst zu leben. Die Einweihungszeremonie war anspruchslos und feierlich. Sämtliche Minister, die Geistlichkeit der christlichen Konfessionen und eine Menge Staatsbeamten waren anwesend, und wenn auch die sehr angemessene Rede des Landrabbinen, als ein rein deistischer Vortrag (Anmerkung der Redaktion: hier spricht sich die obige Ansicht von der Einweihungspredigt des Herrn Dr. Romann deutlicher aus. Allerdings muss überall, dem Charakter des Judentums gemäß, wo die Lehre von Gott zur Aussprache kommt, sich eine scheinbar deistische Ansicht, nur auf Grundlage der Offenbarung, kundgeben. Allein gibt es keine weitern speziell israelitische Momente, die in solcher Predigt sich kund geben mussten, und waren diese gar nicht ausgeführt?)  dem Christen etwas auffallend sein musste, so drängte sich doch auch zugleich der Gedanke auf, dass der Glaube an Einen Gott, in seiner ganzen Bedeutung aufgefasst, ein starkes religiöses Band ist, das alle Bewohner unsers Weltteils umschlingt.
(Schwäbischer Merkur). Bei der am 8. stattgefundenen feierlichen Einweihung der neuen israelitischen Synagoge sah man die Männer, abweichend von der alten Sitte, mit unbedecktem Haupte dem Gottesdienst beiwohnen. Nur einige Altgläubige hatten sich mit einer kleinen Mütze bedeckt (Anmerkung der Redaktion: war dies wirklich an dem, was wir gern wissen möchten, oder schien dies nur wegen der Menge anwesender Christen?)   

  
   
Darstellungen / Fotos der Synagoge vor 1938:   
(Quelle: die Fotos sind mehrfach veröffentlicht u.a. bei Rudolf Hallo: Kasseler Synagogengeschichte. Synagogen und Friedhöfe 1932 Foto-Anhang; Harold Hammer-Schenk s. Lit. Abb. 80-86; Krinsky Lit. Abb. 164-165; Schwarz s.Lit. Abb. 212-214, hier teilweise farbige Abb.; Eschwege Abb. 98; Arnsberg s. Lit. Bilder - Dokumente)   

    Die Synagoge in Kassel 
vor 1938  
Kassel Synagoge 024.jpg (105803 Byte) Kassel Synagoge 103.jpg (65482 Byte)
    Ansicht von 
Südwesten
Gedenktafel für die Gefallenen 
des Ersten Weltkrieges  
         
Kassel Synagoge 940.jpg (134296 Byte) Kassel Synagoge 941.jpg (137730 Byte) Kassel Synagoge 023.jpg (79303 Byte)
Inneres der Synagoge 
(ursprüngliche Gestaltung)
Inneres der Synagoge (um 1885; 
1889/90 wurden die Kronleuchter 
durch Gasbeleuchtung ersetzt)
Inneres der Synagoge 
(um 1930?)
     

Die Synagoge in Kassel war in den folgenden Jahren Vorbild für viele andere Synagogenbauten in Deutschland (z.B. Mannheim). 
     
     
Texte aus der Geschichte der Hauptsynagoge   
Geplante Erweiterung der Synagoge (1889)
      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Februar 1889: "Kassel, 23. Januar (1889). Die hiesige Synagoge, ein schönes, monumentales Gebäude, soll einer bedeutenden baulichen Erweiterung unterzogen werden. Es wurde aus diesem Anlass eine 'Siebenzehner-Komission' aus der Mitte der israelitischen Gemeinde gewählt, der die Prüfung der eingegangenen Projekte und die Entscheidung darüber oblag, welches davon zur Ausführung zu bringen ist. Die Kommission ist bereits schlüssig geworden und hat einstimmig das von dem Architekt W. Böttner ausgearbeitet Projekt angenommen. Es lagen außerdem noch zwei Konkurrenzarbeiten vor, die jedoch nach diesem Beschluss der Baukommission nicht weiter in Betracht kommen."          
 
Kassel Israelit 11021889n.jpg (74250 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1889: 
derselbe Text wie oben in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"  

  
Verkauf von Kronleuchtern der Synagoge (1889)    

Kassel Israelit 07111889sn.jpg (91980 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1889: "Wegen Einrichtung von Gasanlage sollen folgende in hiesiger Synagoge befindlichen Beleuchtungsgegenstände und zwar  
1 Kronleuchter, 2,38 m im Durchmesser haltend, eingerichtet für 40 Kerzen,  
2 desgl. à 2 Meter im Durchmesser haltend, eingerichtet für je 24 Kerzen, 
16 desgl. à 0,75 Mtr. im Durchmesser haltend, eingerichtet für je 6 Kerzen, 
aus freier Hand verkauft werden. Die Kronleuchter, welche goldbronciert und gut erhalten sind, können, nach vorherigen Anmeldung bei dem Gemeindeältesten Herrn Carl Plaut, besichtigt werden, an den auch Kaufangebote zu richten sind. 
Kassel, den 31. Oktober 1889. Die Gemeinde-Ältesten."           
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. November 1889:  
Dieselbe Anzeige erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"     

  
75-jähriges Bestehen der Synagoge (1914)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. August 1914: "Kassel, 31. Juli (1914). Am 8. August kann unsere Synagogengemeinde das 75-jährige Bestehen ihres Gotteshauses in der Unteren Königsstraße festlich begehen. An diesem Tage fand im Jahre 1839 die Einweihung des neuen Bethauses statt, zu dem der Architekt Albrecht Rosengarten den Entwurf geliefert hatte; auch die Leitung des Baues, dessen Ausführung mit Unterbrechung etwa zwölf Jahre währte, lag in seinen Händen. Für das Baugrundstück, den Wolffschen, später Neuberschen Garten, waren 7.250 Taler bezahlt worden. Die Kosten des Baues, die anfangs auf 30.700 Taler veranschlagt waren, sich später aber auf 42.743 Taler erhöhten, waren größtenteils durch opferwillige Gaben jüdischer Familien aufgebracht worden; auch christliche Familien lieferten namhafte Beiträge. Von auswärtigen Israeliten waren ebenfalls beträchtliche Spenden eingegangen; so steuerte unter anderen der bekannte Finanzier Meyer Anselm Rothschuld in Frankfurt am Main 300 Louisdors bei. Beachtenswert erscheint, dass zahlreiche Familien der Kasseler Israeliten sich anfangs wegen der allzu großen Schuldenlast gegen einen Synagogenneubau sträubten, wie man andererseits einen vom Kurfürsten angebotenen, in der Schützenstraße gelegenen Bauplatz wegen der ungünstigen Lage abgelehnt hatte. Auch vorher war häufig der Plan zum Neubau eines Gotteshauses erwogen, aber nicht zur Ausführung gebracht worden. Mit der durch Zuzug auswärtiger Familien zunehmenden Zahl der hiesigen Israeliten ergab sich die Notwendigkeit der Errichtung eines Filialgottesdienstes in einem dem Verwaltungsgebäude der Synagogengemeinde angegliederten Betsaale; auch wurde vor etwa sieben Jahren die Hauptsynagoge einer umfassenden Renovierung und einem Neubau im Innern unterzogen, durch den mehr Raum gewonnen werden konnte."         
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. April 1914: "Kassel. Die Synagoge in der Unteren Königsstraße konnte am 8. August auf ihr 75-jähriges Bestehen zurückblicken"        

       
Die Gemeinde stimmt für einen gemischten Chor in der Synagoge (1926)       

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 22. Januar 1926: "Kassel. (Abstimmung über den gemischten Chor). Die Abstimmung über den gemischten Chor hat, wie nicht anders zu erwarten war, mit einer fast vollständigen Erklärung der Besucher der Synagoge Untere Königstraße für den Chor geendigt. 758 Gemeindemitglieder wünschten den Chor, nur 69 Mitglieder erklärten sich dagegen."       

   
Zur Geschichte der Synagogen in Kassel (1926)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 19. November 1926:     
Kassel JuedWZKassel 19111926a.jpg (149470 Byte)  

 
Einladung an die Kinder der Gemeinde zur Beteiligung am Chorgesang - Hinweis auf Schließung eines Teiles der Frauenempore (1928)   

Anzeigen in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. August 1928:     

  
Neue Orgel in der Hauptsynagoge (1928)        

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 14. September 1928: "Kassel. (Neue Orgel in der Hauptsynagoge). Die seit langer Zeit erwogene Absicht, die unbrauchbar gewordene Orgel in der Hauptsynagoge durch ein neues Instrument zu ersetzen, ist - nachdem die ansehnlichen Kosten vom Vorstand bewilligt worden waren - nun in die Tat umgesetzt worden. Am Neujahrsfeste wird nach langer Pause der Gottesdienst wieder in der üblichen Weise mit Orgelbegleitung stattfinden können."       
 
Kassel JuedWZK 21091928a.jpg (146181 Byte)Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 21. September 1928:     

   
Zum 90-jährigen Bestehen der Kasseler Synagoge (1929)    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 13. September 1929:    

 
Gottesdienstzeiten im Juni 1938  

Kassel JuedGBl Kassel 24061938.jpg (33749 Byte)Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 24. Juni 1938: "Gottesdienst der Israelitischen Gemeinde.  
Freitag abend, den 24. Juni  19.30 Uhr    
Sonnabend morgen, 25. Juni  8.00 Uhr   
Neumondsweihe   
Nach dem Hauptgottesdienst Oneg Schabbath   
Sonnabend nachmittag 16.00 Uhr   Sabbath-Ausgang   21.38 Uhr   
An Wochentagen (nur Synagoge Rosenstraße)  morgens  6.30 Uhr  abends 19.30 Uhr  
Freitag abend, den 1. Juli  19.30 Uhr."        

  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge bereits am 7. November 1938 von Nationalsozialisten geschändet. In den Abendstunden dieses Tages drangen etwa 30 Mann in die Synagoge ein, schleppten Torarollen und andere Ritualien sowie Teile der Inneneinrichtung auf den Vorplatz und zündeten sie an. Hunderte von Schaulustigen beobachteten das Geschehen, zum Teil mit Beifall und Geschrei. Auch das Gemeindezentrum der jüdisch-orthodoxen Gemeinde in der Großen Rosenstraße 22 wurde verwüstet, die Inneneinrichtung vollkommen zerstört. Am 11. November 1938 beschloss die Stadtverwaltung den Abriss der Synagoge, um einer angeblichen Parkplatznot zu begegnen. 

Am Platz der ehemaligen Synagoge ist eine Gedenktafel angebracht mit dem Text: "Hier stand die im Jahre 1839 fertiggestellte Synagoge der Kasseler Jüdischen Gemeinde, der im Mai 1933 2301 Mitglieder angehörten. Viele waren bereits geflohen, als am 7. November 1938 Aktivisten der NSDAP in die Synagoge eindrangen und den Thora-Schrein aufbrachen, Gebetrollen und Kultgegenstände in Brand steckten. Die Stadtverwaltung ließ das unversehrt gebliebene Bauwerk kurz danach 'abtragen', um dort einen Parkplatz zu errichten. Die Gemeinde wurde zerschlagen". 
    
   
Adresse/Standort der Synagoge 1839-1938: Untere Königstraße 84 
   
  
  
Orthodoxe Synagoge 

1896 beantragte der Sprecher der orthodoxen Gemeindeglieder, der Bankier Manus Elias aus Gudensberg, die Errichtung einer zweiten Synagoge für die toratreuen Juden der Gemeinde. Diese Synagoge wurde in der Großen Rosenstraße 22 erbaut, im Jahre 1898 eingeweiht. Sie hatte etwa 200 Sitzplätze. In dieser Synagoge wurde der Gottesdienst nach traditionellem Ritus abgehalten. Der Vorbeter- beziehungsweise Vorsängerdienst wurde von den Vorsängern, die auch in der Hauptsynagoge Untere Königstraße tätig waren, versehen. Ab 1924 hatte die Synagoge in der Großen Rosenstraße einen eigenen Vorsänger. 1927 wurde die Synagoge umfassend renoviert.     
  
Eine Synagoge für orthodoxe Gemeindeglieder soll gebaut werden (1898)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1898): "Die jüdische Gemeinde zu Kassel lässt für diejenigen Gemeindemitglieder, welche an dem Orgelgottesdienst aus religiösen Bedenken nicht teilnehmen, ein größeres Gotteshaus bauen, das unter Verwaltung der Gemeinde stehen wird."            

     
Callmann Plaut ließ für die orthodoxe Synagoge eine Torarolle schreiben (1898)       

Kassel Israelit 29091898.jpg (41056 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1898: "Kassel. Anlässlich der am hiesigen Platze der Vollendung sich nahenden Synagoge strengerer Richtung ließ Herr Callmann Plaut ein Sefer (Torarolle) schreiben und wurde dasselbe heute in seiner mit Blumen und Guirlanden reich geschmückten Wohnung fertig geschrieben. Die hierzu eingeladenen Gäste erschienen zahlreich und hielt Herr Landrabbiner Dr. Prager eine wohlgelungene Rede. Nachdem man alsdann Minchah und Maarif gebetet hatte, blieb die Gesellschaft noch bei Wein und Speise gemütlich zusammen."         

   
Einweihung der restaurierten Synagoge in der Rosenstraße (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. September 1927:    


Aufruf zu Sachspenden für die renovierte Synagoge (1927)    

Kassel JuedWZK 16091927sa.jpg (43230 Byte)Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. September 1927:     

  
Adresse/Standort der orthodoxen Synagoge
: Große Rosenstraße 22     
  
  
Ostjüdischer Betraum  
 
In einem Gebäude an der Ecke Untere Königstraße / Bremer Straße befand sich der Betraum der aus osteuropäischen Ländern zugezogenen Gemeindemitgliedern. Er hatte 60 Plätze für Männer, 40 für Frauen.      
       
Verkauf der Synagogenplätze zu den Hohen Feiertagen im ostjüdischen Betraum (1930)       

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. September 1930:  
"Ostjüdisches Minjan, Untere Königstraße 80/82
Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass am Sonntag, den 14. September, um 9 Uhr vormittags die Plätze im Ostjüdischen Minjan verkauft werden. 
Der Vorstand."    

       
       
       
Betsäle / Synagogen nach 1945    

Erste Gottesdienste nach Kriegsende wurden im Lager des Displaced Persons (Lager Hasenecke) abgehalten. Nachdem absehbar war, dass in Kassel eine kleine jüdische Gemeinde bestehen bleibt, wurde 1952/53 ein Betsaal in der Heubnerstraße eingerichtet, der für 12 Jahre ausreichte. Anfang der 1960er-Jahre plante man den Bau eines Gemeindezentrums mit einer Synagoge. 1964 konnte mit dem Bau begonnen werden.  
      
Kassel Programm 1965.jpg (49083 Byte)Am 12. Dezember 1965 (18. Kislew 5726) wurde ein neues jüdisches Gemeindezentrum mit einer Synagoge in der Bremer Straße eingeweiht. Die Einweihung nahm Landesrabbiner Dr. I. E.  Lichtigfeld vorgenommen. Im Gemeindesaal wurde Platz für 100 Personen geschaffen. Im Untergeschoss wurden Geschäfts- und Gästezimmer eingerichtet. 
       
Mit der steigenden Zahl von Gemeindemitgliedern reichte in den 1990er-Jahren die Synagoge von 1965 nicht mehr aus. Eine neue Synagoge wurde geplant. Sie wurde nach Plänen des Frankfurter Architekten Alfred Jacobi auf einem Grundstück an der Bremer Straße unweit des alten Synagogengrundstückes in der Unteren Königstraße erbaut. Für die neue Synagoge sind äußerlich eine geschwungene Fassade und große, weiß verputzte und gebeizte Holzwände charakteristisch. Eine neue Synagoge konnte am 28. Mai 2000 eingeweiht werden. 
        
Die neue Synagoge ist das Gemeinschaftswerk vieler Menschen und Institutionen. Auf Initiative der Jüdischen Gemeinde Kassel-Nordhessen wurde die Erweiterung, die später ein Neubau wurde, seit Jahren in der Kasseler Öffentlichkeit diskutiert. Von Anfang an engagierte sich die Hessische Landesregierung außerordentlich für die Realisierung des Projekts. Insgesamt stellte sie für den Neubau einen Betrag von 1,6 Millionen DM (0,8 Millionen €) zur Verfügung. Auch die Stadt Kassel engagierte sich finanziell für den Ausbau und überzeugte mit ihrem Beispiel auch die nordhessischen Landkreise, die sich ebenfalls an der Finanzierung beteiligten. Weitere Beträge kamen durch eine breit angelegte Spendensammlung in Nordhessen, für die sich viele bekannte Persönlichkeiten stark machten, durch private Spenden, die Evangelische Landeskirche und das Katholische Bistum Fulda sowie nicht zuletzt durch den Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen zusammen. (Quelle für diesen Absatz).  
   
   
Fotos der Synagogen nach 1945  

Die Synagoge von 1965 
Kassel Synagoge 105.jpg (51564 Byte) Kassel Syn 1965 04rp.jpg (30365 Byte) Kassel Syn 1965 03rp.jpg (29545 Byte)
Neue Synagoge in Kassel (1965; Quelle
 Arnsberg Bilder - Dokumente S. 107)
Eingangsbereich
Quelle: Regierungspräsidium Kassel
  
Im Betsaal 
Quelle: Regierungspräsidium Kassel  
          
     
Die Synagoge von 2000  Diese und weitere Fotos aus der nicht mehr bestehenden Website www.govorenko.com
Kassel 20000528ig47.jpg (46443 Byte) Kassel pre-20000528ig48.jpg (36264 Byte) Kassel pre-20000528ig18.jpg (37701 Byte)
Außenaufnahme    Einbringung der Torarollen 
     
Kassel_Synagoge01.jpg (66976 Byte) Kassel_Synagoge02.jpg (61850 Byte) Kassel_Synagoge03.jpg (58122 Byte)
Außenaufnahme  Zugangsbereich  Innenaufnahme  
 Fotos oben aus der Website des Zentralrates der Juden in Deutschland - Seite zu Kassel (Fotos: Ulrich Knufinke)   
     

  
  

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Juni 2012: "Stolpersteine": Verein in Kassel gegründet    
Artikel in der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (hna.de) vom 17. Juni 2012: "'Stolpersteine': Verein in Kassel gegründet. 
Kassel.
In Kassel ist der Verein 'Stolpersteine in Kassel_ gegründet worden, der die Arbeit der schon zuvor bestehenden Stolperstein-Initiative weiterführen will. Bereits im November 2011 haben die Kasseler Stadtverordneten einstimmig beschlossen, das Kunst- und Gedenkprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig zu unterstützen und den Magistrat aufgefordert, dabei umfassende Hilfe zu leisten..."  
Link zum Artikel  
Anmerkung: am 3. April 2013 wurden an acht Verlegestellen erste "Stolpersteine in Kassel verlegt. Weitere "Stikpersteine" wurden am 3. November 2013 verlegt.  
Kontakt zum Verein unter stolpersteine-in-kassel@arcor.de  
 
September/Oktober 2014: Weitere "Stolpersteine" werden in Kassel verlegt  
Artikel von Christina Hein in der hna.de vom 4. September 2014: "21 weitere Stolpersteine in Kassel
Kassel.
An elf Orten in der Stadt werden am heutigen Donnerstag, 4. September, in Kassel die nächsten Stolpersteine verlegt. Bei der Aktion des Künstlers Gunter Demnig soll an die Opfer der NS-Zeit erinnert werden.,,,"  
Link zum Artikel    
Informationen über die Stolpersteine in Kassel und Verlegeorte  http://kassel.de/stadt/geschichte/stolpersteine/   
Die nächste Verlege-Aktion fand am 14. Oktober 2014 statt."  
Artikel von in  der hna.de vom 13. Oktober 2014: "Familienvater nahm sich das Leben
Neue Stolpersteine am 14. Oktober: Familie Tisch emigrierte nach Südafrika. 
Kassel. 'Diese Stolpersteine stehen für Schicksale von sechs Menschen aus drei Generationen. Sie sind vor den Nazischergen aus Kassel geflohen - in die Freiheit und in den Tod', sagt Jochen Boczkowski vom Vorstand des Vereins Stolpersteine in Kassel. Er hat das Gedenkblatt für die jüdische Familie verfasst..." 
Link zum Artikel    

   
   
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Kassel   
Artikel über die neue jüdische Gemeinde in Kassel: Irina Leytus: Altes und neues jüdisches Leben. Gemeinde Kassel will Kontakt zu ihrer nicht-jüdischen Umgebung. Artikel vom 28.1.2005. 
Gedenkstätte Breitenau  
Publikation: "Orte der Erinnerung und Mahnung - Kassel 1933-1945. Ein Wegweiser". Hrsg. vom Stadtarchiv und Stadtmuseum der Stadt Kassel. 2008.  
Online zugänglich (pdf-Datei)  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit zahlreichen Fotos zur jüdischen Geschichte in Kassel  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister des 19. Jahrhunderts der jüdischen Gemeinde Kassel 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Kassel sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,492   Ausweisung jüdischer Familien aus Kassel und anderen Gemeinden der Landgrafschaft Hessen-Kassel  1744 - 1744; enthält ein tabellarisches Verzeichnis der ausgewiesenen Familien mit Daten zur früheren Aufnahme in den landesherrlichen Schutz     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319770     
HHStAW 365,495   Trauregister der Juden von Kassel  1808 - 1808    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1510957     
HHStAW 365,479   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Kassel  1808 - 1808     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250811              
HHStAW 365,491   Verzeichnis jüdischer Familien in Kassel und deren Abgaben  1808 - 1813: enthält u.a. eine Übersicht über die Familienhäupter und deren Kinder mit Angaben der Geburtsdaten; Verfügungen der Präfaktur des Departements Fulda zur Annahme jüdischer Familiennamen und zur statistischen Erfassung aller Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kassel, zum Teil auf Französisch; Gesuch des Juden Ludwig Cannot um Verminderung seines Beitrages zur Kultussteuer; Einziehen der jüdischen Vermögenssteuer; Gesuch des Loeb Gerson Solling um Verminderung seines Beitrages zur Kultussteuer; enthält auch Angaben zu Bettenhausen  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782877          
HHStAW 365,496   Trauregister der Juden von Kassel  1809 - 1809        https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245111      
HHStAW 365,480   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Kassel  1809 - 1809  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230101    
HHStAW 365,481   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Kassel  1810 - 1810   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245110     
HHStAW 365,485   Trauregister der Juden von Kassel  1810 - 1810    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732260     
HHStAW 365,486   Trauregister der Juden von Kassel  1810 - 1811    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030584      
HHStAW 365,482   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Kassel  1811 - 1811  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4971258   
HHStAW 365,483   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Kassel  1812 - 1812  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5494591      
HHStAW 365,487   Trauregister der Juden von Kassel  1812 - 1812 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732261      
HHStAW 365,484   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Kassel  1813 - 1813  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v825439     
HHStAW 365,488   Trauregister der Juden von Kassel  1813 - 1813  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245112     
HHStAW 365,493   Geburtsregister der Juden von Kassel  1824 - 1839; enthält auch Angaben zu Bettenhausen   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732259    
HHStAW 365,490   Sterberegister der Juden von Kassel  1824 - 1846; enthält auch Angaben zu Bettenhausen  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1510958     
HHStAW 365,489   Trauregister der Juden von Kassel  1825 - 1846   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3271672     
HHStAW 365,500   Geburtsregister der Juden von Kasel  1840 - 1857; enthält auch Angaben zu Bettenhausen  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289946     
HHStAW 365,502   Sterberegister der Juden von Kassel  1847 - 1881: enthält Sterberegister mit Auflistung der Todesursache bzw. Krankheiten und der behandelnden Ärzte; enthält auch Angaben zu Bettenhausen 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732262   
HHStAW 365,501   Trauregister der Juden von Kassel (2 Teile)  1847 - 1886: Teil 1 1847 - 1869, Teil 2 1869 - 1886; enthält auch Angaben zu Bettenhausen https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3926567     
HHStAW 365,494   Geburtsregister der Juden von Kassel (2 Teile)  1857 - 1884: Teil 1  1857 - 1869, Teil 2 1869 - 1884; enthält auch Angaben zu Bettenhausen  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719780     
HHStAW 365,899   Unleserliche Reproduktion https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3553831       

 Literatur (unvollständige Auswahl):  

Germania Judaica II,1 S. 390; II,1 S. 605-607. 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. 
Rudolf Hallo: Geschichte der Jüdischen Gemeinde Kassel.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.  
Helmut Eschwege: Die Synagoge in der deutschen Geschichte. Wiesbaden 1980.
Carol Herselle Krinsky: Europas Synagogen. Architektur, Geschichte und Bedeutung. 1988 S. 306-310 u.ö.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch)   
Dietfried Krause-Vilmar: Zur Vertreibung und Vernichtung der deutsch-jüdischen Bevölkerung Nordhessens. Online zugänglich.  
Monica Kingreen: Die gewaltsame Verschleppung der Juden aus den Dörfern und Städten des Regierungsbezirks Kassel in den Jahren 1941 und 1942, in: Helmut Burmeister und Michael Dorhs (Hrsg.): Das achte Licht. Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in Nordhessen. Hofgeismar 2002, S. 223-242. 
Monica Kingreen: Die Deportation aus Kassel am 9. Dezember 1941. In: Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, bearbeitet von Wolfgang Scheffler und Diana Schulle. Herausgegeben vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, dem Riga Komitee der deutschen Städte, dem Centrum Judaicum und dem Haus der Wannsee-Konferenz. München 2003, S. 657-659.   

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kassel  Hesse-Nassau. Kassel already had a Jewish quarter (Judengasse) in 1262. Most of the Jews perished in the Black Death persecutions of 1348-49. Until the early 17th century, no Jewish community existed, although financiers such as Jud Michel were occasional residents. Jews hat to worship privately in the Goldschmidt family home from 1650 to 1716, when a synagogue was opened. A larger synagogue was dedicated in 1755 and Kassel replaced Witzenhausen as the seat of Hesse-Kassel’s rabbinate in 1772. Mayer Amschel Rothschild, founder of the banking dynasty, was the landgrave’s trusted advisor and helped to protect his interests during the short-lived Kingdom of Westphalia (1807-13). Most other Jews welcomed the arrival of Jerome Bonaparte, who granted them full civil rights, and the number of Jewish families grew from 55 to 203 (1806-12). Established in Kassel, with Israel Jacobson and R. Loeb Mayer Berliner at its head, the Westphalian Jewish consistory (1808-13) 'modernized' religious education, published the first German Jewish periodical (Sulamith), and introduced changes in synagogue worship anticipating those of Reform Judaism. Once the landgrave returned (as Elector William I), Jewish emancipation was annulled and the consistory abolished. Religious radicals who objected to Samuel Levi Josaphat’s election as communal rabbi in 1818 nevertheless chose a Reform rabbi as his successor in 1836. Lazarus Levi Adler held office for over 30 years (1852-83) and presided at the rabbinical conference held in Kassel (1868). When he agreed to the installation of an organ in the synagogue in 1860, Orthodox Jews formed a separate congregation and eventually dedicated a synagogue of their own in 1898, without seceding from the main community. To safeguard its educational and economic progress, the community opened new Jewish schools and developed technical and vocational training schemes. By 1850 most Jews were self-supporting. After Kassel became part of Prussia (1866), the civil liberties of the Jews were restored, enabling them to play a major role in commerce and industry. Numbering 827 (3 % of the total) in 1827, the community grew to 2,675 (2 %) in 1910. Eminent Jews born there included the playwright Salomon Hermann Mosenthal (1821-77), whose three older brothers created the South African mohair industry. Israel Beer Josaphat, the rabbi’s converted son, moved to London and, as Baron Paul Julius von Reuter (1816-99), founded the great Reuters news agency. The chemist Ludwig Mond (1838-1909) also emigrated to Britain, establishing the firm which his son, Alfred Mond (Lord Melchett), transformed into ICI (Imperial Chemical Industries). Franz Rosenzweig (1886-1929), whose father was likewise an industrialist, gained renown as a Bible translator, theologian (The Star of Redemption, 1921), and organizer of the Freies Juedisches Lehrhaus ('Free Jewish House of Learning') in Frankfurt (1920). Rebuilt and enlarged (1890-1907), the main synagogue accommodated 730 worshippers. After World war I, Jewish refugees from the east (Ostjuden) augmented the community, which unified its welfare organizations in 1925 in order to assist the victims of inflation. A local Jewish weekly appeared (1924-33), and branches of the Central Union (C.V.), Jewish War Veterans Association, Zionist Organization, Agudat Israel, and various youth (including sports) movements were established. The German Zionist Organization’s 18th conference took place in Kassel in 1922, and the Union of German Rabbis also assembled there under the chairmanship of R. Leo Baeck (1873-1956). Rudolf Hallo (1896-1933), the art historian, was curator of the State Museum’s Jewish art department from 1927.   
         
Although Philipp Scheidemann, the Social-Democratic burgomaster (1920-25), endeavoured the curb anti-Semitism, the Nazis gained support in Kassel. Their leader, Roland Freisler, became notorious as head of the 'People’s Court' in Berlin and two Jewish lawyers who had clashed with him were tortured by the SA after Hitler came to power in 1933. Of the 2,301 Jews registered in 1933, 1,207 had left (372 emigrating) by 1936. On 7 November 1938 Nazis set fire to the main synagogue, but firemen extinguished the blaze. Two days later, the Liberal synagogue was burned down and the Orthodox synagogue’s interior was largely destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938). Communal records (such as Memorbuch dating from 1720) escaped damage, but valuable books and hundreds of homes were looted; 300 Jews (including the Rabbi, Robert Geiss) were sent to the Buchenwald concentration camp and over 560 left (mostly emigrating to the United States) in 1939. The rest were eventually deported: 470 to the Riga ghetto in 1941, 99 to the Majdanek concentration camp in 1942, and 323 to the Theresienstadt ghetto in 1942. Most of them perished there. The post-war Jewish community of (East European) Holocaust survivors opened a modern synagogue center and numbered 106 in 1970. 
      
    
  
 

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                  

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. Mai 2016