Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Kassel"    
    

Niedermeiser mit Liebenau (Stadt Liebenau / Hessen, Kreis Kassel) 
und Eberschütz (Stadt Trendelburg, Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In Niedermeiser bestand eine jüdische Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Zur Gemeinde gehörten auch die in Liebenau, Eberschütz sowie zeitweise die in Sielen lebenden jüdischen Personen. Mitte des 18. Jahrhunderts werden erstmals Juden in Niedermeiser genannt: die "Schutzjuden"  Abraham Seligmann, Moses Kaz und Moses Koppel mit ihren Familien (genannt in der "Hessischen Judenspezifikation" von 1744). Nach der Steuertabelle von 1737 hatte Moses Katz ein Haus mit Garten und einem Acker, ein Pferd, 26 Kühe, 80 Schafe und 40 Enten. Auch Abraham Seligmann war relativ wohlhabend und lebte in einem eigenen Haus.    

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Niedermeiser 1835 23 jüdische Einwohner (in drei Familien Rosenberg und zwei Familien Rosenthal), 1847 58 (in sieben Familien Rosenberg, zwei Familien Rosenthal und einer Familie Katz), 1861 77 (in zehn Familien Rosenberg, zwei Familien Rosenthal und einer Familie Katz), 1905 14; in Liebenau 1835 36 jüdische Einwohner, 1861 39, 1905 17; in Eberschütz 1835 15 jüdische Einwohner, 1861 28, 1905 13.  
   
Nach 1870 verzogen die meisten jüdischen Familien aus Niedermeiser in die Städte. So zogen die Familien Joseph Rosenberg, Levin Rosenberg und Mathias Rosenberg nach Kassel, Familie Selig Rosenberg nach Witten. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zeitweise sogar eine privaten israelitische Elementarschule, an der von 1842 bis 1875 Lehrer Sandel Katz aus Guxhagen unterrichtete; er unterrichtete auch die jüdischen Kinder in Liebenau und Ostheim), ein rituelles Bad und zwei jüdische Friedhöfe (in Niedermeiser wie auch in Liebenau). Die in Eberschütz gestorbenen Personen wurden im jüdischen Friedhof in Sielen beigesetzt. In den 1920er-Jahren wurden die wenigen jüdischen Kinder in Niedermeiser und Liebenau durch den Lehrer aus Meimbressen unterrichtet. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Willy Löwenstein (geb. 7.12.1898 in Liebenau, gef. 24.4.1918) und Samuel Mathias (geb. 19.2.1884 in Liebenau, gef. 5.9.1914).          
   
Um 1925 lebte nur noch eine jüdische Familie (Rosenberg) in Niedermeiser; bis 1939 war Julius Rosenberg als letztes Mitglied der Familie am Ort. Er verzog nach Warburg in Westfalen, wo er 1942 starb und dort beigesetzt wurde. In Liebenau lebten um 1925 wie auch 1933 noch 12 jüdische Personen. Auch sie verließen bis 1939 die Stadt. 

Von den in Niedermeiser geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Rosenberg (1869), Sally Rosenberg (1864), Malchen Spier geb. Rosenberg (1861), Rosa Wihl geb. Rosenberg (1863).  
     
Eberschuetz Hofgeismar Museum 100.jpg (43368 Byte)Von den in Eberschütz geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Moritz (Moses) Blankenberg (1872), Sally Blankenberg (1866), Henriette Feist geb. Blankenberg (1861), Karoline (Lina) Goldschmidt geb. Blankenberg (1868), Kathinka (Käte) Katz (1888), Paula Katz (1896), Salomon Katz (1890), Berta Kaufmann geb. Blankenberg (1865). 
       
Liebenau Hofgeismar Museum 100.jpg (41764 Byte)Von den in Liebenau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Elise Darmstädter geb. Katzenstein (1867), Jenny Löwenstein geb. Rose (1880), Siegfried Mathias (1881), Julie Schieren geb. Judenberg (1888).  
Die beiden Fotos zeigen Ausschnitte aus der Gedenktafel im Stadtmuseum Hofgeismar

      
       
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Erinnerungen an das jüdische Leben in Niedermeiser von Louis Rosenthal (Serie von 1915)  
Die Artikel konnte noch nicht ausgeschrieben werden - zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken.    

Niedermeiser FrfIsrFambl 28051915.jpg (525871 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Mai 1915: "Wenn man von Kassel aus auf der sogenannten 'Holländischen Chaussee' gen Norden wandert, so passiert man sehr bald die fränkisch-niedersächsische Sprachgrenze und erreicht nach etwa 4 Stunden das liebliche Tal der Warme. Bei dem Dörfchen Obermeiser zweigt eine Nebenstraße rechts ab, die nach dem nur 2 Kilometer entfernten Niedermeiser führt. Dort bin ich geboren, dort verlebte ich meine frühesten Jugendtage, aus denen ich nun dieses und jenes herausgreifen und schildern will.    
Man sieht das Dorf erst, wenn die Straße den langgestreckten Hügelrücken erstiegen hat, der es bis dahin den Blicken verbarg. Dann liegt es aber auch dicht vor einem mit seinen roten, von Obstbäumen umgebenen Dächern, seinem spitzen Kirchturm und den vielen Gärten. Eine weite Aussicht hat sich geöffnet. Bis zu ihrer Mündung in die Diemel schweift der Blick den Krümmungen der Warme entlang; rechts und links, in mannigfacher Abwechslung, bewaldete Hügel, vielfarbige Felder, gründe Wiesen und ganz im Hintergrunde die hellen Muschelkalkwände, die das linksseitige Gehänge des Diemeltales bilden.   
Aber ein noch weit reizvolleres Landschaftsbild zeigt sich, wenn wir uns umkehren und nach der Richtung, von wo wir gekommen sind, blicken. Da blaut im Süden das gewaltige Massiv des kahlen Dörnberges, das durch die scharf gerissenen Basaltklippen, die es flankieren, ein förmlich alpines Gepräge erhält. Daneben links verdämmern die Linie des Habichtwaldes, aus dem wie ein Riesenfinger die 596 Meter hohe Pyramide des 'Herkules' gen Himmel zeigt. Von rechts grüßen die hohen, waldigen Kuppen der Gudenberge, des Escheberges und noch näher der Malsberg, welche der Sage nach schon Karl der Große besucht haben soll. Alles in allem ein Stückchen Erde, das selbst verwöhnten Reisenden gefallen dürfte.   
Die malerischste Erhebung aber liegt da ganz nahe im Nordosten; sie heißt 'der Rosenberg', und ihr weit ins Land schauender, waldbedeckter Kegel darf als das Wahrzeichen von Niedermeiser gelten.   
Alle diese Kegel, Kuppen und Dome sind Basaltberge, die sich durch ihre kühnen, energischen Profile wesentlich von den sanft geschwungenen Linien der sedimentären Basis unterscheiden. Als feurig-flüssige Laven durchbrachen sie diese, türmten sich über sie empor und bildeten bei ihrer Erstarrung jene oft wunderbar regelmäßigen Säulenabsonderungen, wie sie so häufig in Hessen vorkommen. Viele derselben werden in Steinbrüchen ausgebeutet, aber zum Glück hat sich der Naturschutz ihrer in neuerer Zeit angenommen, sodass die schönsten Schaustücke vor der gänzlichen Vernichtung bewahrt bleiben dürfen... 
           
Niedermeiser FrfIsrFambl 28051915a.jpg (45378 Byte)   
   
Niedermeiser FrfIsrFambl 11061915.jpg (164744 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juni 1915:        
Niedermeiser FrfIsrFambl 11061915a.jpg (269506 Byte)  
Niedermeiser FrfIsrFambl 11061915b.jpg (167897 Byte)  
    
Niedermeiser FrfIsrFambl 02071915.jpg (448842 Byte) Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Juli 1915:       
Niedermeiser FrfIsrFambl 04061915.jpg (347878 Byte)  
   
Niedermeiser FrfIsrFambl 18061915.jpg (719369 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Juni 1915:          
Niedermeiser FrfIsrFambl 18061915a.jpg (204227 Byte) 
    
Niedermeiser FrfIsrFambl 09071915.jpg (232788 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. Juli 1915:          
Niedermeiser FrfIsrFambl 09071915a.jpg (166998 Byte) 
  
Niedermeiser FrfIsrFambl 16071915.jpg (124611 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Juli 1915:        
Niedermeiser FrfIsrFambl 16071915a.jpg (272530 Byte)    
Niedermeiser FrfIsrFambl 16071915b.jpg (428961 Byte) 

 
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Frau Beilchen Katz aus Eberschütz wird vermisst (1912)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Dezember 1912: "Hofgeismar. Vor etwa 14 Tagen entfernte sich die unverheiratete Beilchen Katz aus dem benachbarten Eberschütz früh morgens aus ihrer Wohnung. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Bedauernswerte, die geistig nicht ganz normal war, den Tod in der Diemel gesucht und gefunden hat, jedoch ist alles Suchen bis jetzt vergeblich gewesen."            

 
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Verlobungsanzeige von Ida Löwenstein und Herrmann Mysliborsky (1933)     

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 24. Februar 1933: 
"Ida Löwenstein - Herrmann Mysliborsky. Verlobte. 
Halle (Saale), Sternstr. 14 / Liebenau (Bez. Kassel)   -   Wiesbaden  Wörthstr. 6 I    Februar 1933."    

   
  
   
Zur Geschichte der Synagoge     
   
In Niedermeiser gab es einen Betraum bzw. eine Synagoge in einem der jüdischen Wohnhäuser. Bei dem bis heute erhaltenen Gebäude im Bruchweg handelte es sich um ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit Satteldach im Straßenzug. In diesem Gebäude befand sich - von der Straße aus gesehen - die Wohnung der jüdischen Familie rechts des Einganges (vgl. Foto unten), links des Eingangs der im Erdgeschoss der Betsaal, im oberen Geschoss die Unterrichtsräume. Der Betsaal hatte nach Angaben bei Thea Altaras (s.Lit.) unmittelbaren Zugang von der Straße und war - ähnlich dem bestehenden Eingang - über einen kleinen Treppenlauf zu erreichen. 
 
Im Garten befand sich eine "dauerhafte" Laubhütte an der Stelle, wo auch heute ein Anbau steht. Die östlich angebaute Scheune diente dem Schächter für die rituellen Schlachtungen.  
 
Wie lange in dem Gebäude Gottesdienst abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Auf Grund der stark zurückgegangenen Zahlen der jüdischen Einwohner in den Orten vermutlich nicht über die Zeit um 1900 hinaus. 1909 wurde die Gemeinde aufgelöst. Damals ist das Gebäude der ehemaligen Synagoge verkauft worden. Auch der Gebäudeteil mit dem Betsaal und dem Unterrichtsraum wurde zu Wohnzwecken umgebaut.    
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    Bruchweg 6

Fotos
(Quelle: Obere Fotozeile: aus dem Beitrag von L. Rosenthal s.u. S. 26; zweite Fotozeile: Th. Altaras 1994 s. Lit. S. 46)

Das Gebäude mit dem früheren Betsaal 
vor dem Umbau zu einem Wohnhaus
Niedermeiser Synagoge 100.jpg (73368 Byte)   
     
         
Das Gebäude mit dem früheren 
Betsaal im Mai 1989
Niedermeiser Synagoge 120.jpg (103756 Byte) Niedermeiser Synagoge 121.jpg (101685 Byte)
   Im Gebäudeteil links des Eingangs befand
 sich der Betsaal und ein Raum für den
 Unterricht der Kinder; in der angebauten
 Scheune wurde geschächtet.
Das Gebäude vom Garten aus gesehen
 (südliche Rückseite); im Bereich des 
Anbaus war einst eine 
"ständige Laubhütte".  
      
    Neue Fotos werden noch erstellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster 
der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.

  
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Liebenau/Hessen    

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Niedermeiser (interner Link)  

Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich hier ein Stammbaum der Familie Rosenberg in Niedermeiser  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Liebenau   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 382; Bd. II S. 66. 
Kein Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 46-47. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 81.85-86.  
Louis Rosenthal: Ein Sabbat in Niedermeiser. In: Vertraut werden mit Fremdem. Zeugnisse jüdischer Kultur im Stadtmuseum Hofgeismar. Hg. von Helmut Burmeister und Michael Dorhs. 2. Auflage Hofgeismar 2000. S. 19-26.  
Brigitte Beck: Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Niedermeiser. In: Das achte Licht. Beiträge zur Kultur- und Sozialgeschichte der Juden in Nordhessen. Hg. von Helmut Burmeister und Michael Dorhs. Hofgeismar 2002. S. 20-33.       

n.e.

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. April 2012