Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hoof mit Breitenbach, Elmshagen und Elgershausen (Gemeinde Schauenburg, Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
  
In Hoof bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Von der Ortsherrschaft, der Freiherrenfamilie von Dalwigk, wurden in den drei Orten jüdische Familien gegen Zahlung der geforderten Schutzgelder aufgenommen. In Hoof (mit Breitenbach) bestand sich im 19. Jahrhundert die stärkste jüdische Gemeinde im Landkreis Kassel.  
  
In Breitenbach betrug der Anteil jüdischer Familien 1653 11,8 Prozent. 1744 lebten hier acht jüdische Familien, in Hoof sieben, in Elmshagen zwei.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Hoof 1823 26 jüdische Familien mit 128 Personen, 1861 172 jüdische Einwohner (16,5 % von insgesamt 1.041 Einwohnern), 1871 136 (13,5 % von 1.006), 1885 161 (13,6 % von 1.181), 1895 162 (13,2 % von 1.224), 1905 137 (9,9 % von 1.387); in Breitenbach 1823 10 Familien mit 34 Personen; 1861 54 jüdische Einwohner, 1905 31; in Elmshagen 1823 zwei Familien mit 11 Personen, 1861 14 jüdische Einwohner. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Schule mit Lehrerwohnung befand sich wie auch das rituelle Bad im Synagogengebäude. Die Israelitische Volksschule wurde 1827 eröffnet; erster Lehrer war Abraham Goldschmidt aus Nesselröden (geb. 1806, gest. 1886; siehe Bericht zu seinem Tod unten). Nachfolger Goldschmidts war seit 1881 Meier Rothschild aus Waltersbrück - er trat 1924 in den Ruhestand (siehe Bericht unten; 1887/90 hatte er 53 bis 56 Kinder zu unterrichten; 1902 noch 38); ihm folgte Menko Schirling (siehe unten). Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises Kassel zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Wolfried Heiser (geb. 8.5.1878 in Hoof, gest. 15.8.1917 in Gefangenschaft), Isidor Japhet (geb. 15.12.1889 in Hoof-Breitenbach, gef. 20.7.1918), Julius Speier (geb. 8.7.1883 in Hoof, gef. 24.3.1916)  und Siegmund Wallach (geb. 26.8.1895 in Hoof-Breitenbach, gef. 18.10.1918). Außerdem sind gefallen: David Goldschmidt (geb. 5.8.1884 in Hoof, vor 1914 in Gleiwitz wohnhaft, gef. 15.12.1917) und Emil Wallach (geb. 12.2.1889 in Breitenbach, vor 1914 wohnhaft in Schlitz, gef. 25.2.1916). 1927 wurde eine Gedenktafel in der Synagoge für die Gefallenen und die Kriegsteilnehmer enthüllt (die Tafel ist heute im "Museum für dörfliches Leben" in Hoof). Die Namen stehen auch auf dem Ehrenmal des Hoofer Kirchhofes.       
  
Um 1924, als in Hoof noch 106 jüdische Personen gezählt wurden (7,0 % von insgesamt 1.504 Einwohnern, dazu 19 Personen in Breitenbach und vier in Elgershausen), waren die Vorsteher der Gemeinde Harry Wertheim und S. Goldschmidt. Als Lehrer war bis 1924 der bereits genannte Meier Rothschild tätig, als Schochet Heimann Kaiser und Josef Gumpert. An der Israelitischen Volksschule erhielten 15 Kinder Unterricht. Der Religionsunterricht für die Kinder der höheren Schulen wurde durch Lehrer Siegmund Jäckel aus Kassel erteilt. An jüdischen Vereinen habe es den Wohltätigkeitsverein Chewra Gemilus Chessed, Humanität (gegründet 1852, 1924 unter Leitung von Harry Wertheim mit 10 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Josef Gumpert; Zwecke und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen) und den Jüdischen Frauenverein (gegründet, 1932 unter Leitung der Frau von Felix Goldschmidt; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen). 1932 waren die Gemeindevorsteher Harry Wertheim (1. Vors. und Schatzmeister) und Gustav Gumpert (2. Vors.; Bericht zu seiner Wahl siehe unten). Als Lehrer war inzwischen der bereits genannte Menko Schirling in der Gemeinde tätig (geb. 1876, gest. 1936; war zunächst von 1895 an Lehrer in Rauschenberg, bis die dortige Schule 1925 geschlossen wurde). Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er an der Israelitischen Volksschule 13 Kinder.         

1933 lebten noch etwa 120 jüdische Personen am Ort.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (u.a. in die USA, Argentinien und in die Niederlande). Die Israelitische Volksschule wurde Anfang 1934 aufgelöst; gleichzeitig trat Lehrer Menko Schirling in den Ruhestand (gestorben 1936 und als einer der letzten im jüdischen Friedhof beigesetzt). Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 liegen (zumindest dem Webmaster) keine Berichte vor.   
    
Von den in Hoof geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"), ergänzt durch Angaben aus dem Buch "Ölzweig und Eichbaum" s.Lit.: Betty Apt geb. Gumpert (1876), Meta Minna Bachrach geb. Speier (1895), Mathilde Benedik geb. Heiser (1876), Bertha Benedik geb. Heiser(1885), Dina Blumenfeld geb. Heiser (1888), Franziska Bondi geb. Kaiser (1899), Ilse Cohen geb. Schirling (1907), Rebecka Cohen geb. Wallach (1880), Regina Eichenwald geb. Goldschmidt (1871), Felix J. Goldschmidt (1880), Frieda Goldschmidt geb. Rosenbach (1888), Siegmund Goldschmidt (1899), Johanna Goldschmidt geb. Rosenbach (1888), Marlit Goldschmidt (1928), Ruth Goldschmidt (1922), Siegbert Goldschmidt (1910), Siegmund Goldschmidt (1890), Siegmund Goldschmidt (1899), Julie Groß geb. Kaiser (1883), Jettchen Gumbert geb. Blumenthal (1878), Josef Gumbert (1873), Sellma Gumbert (1884), Berthold Gumpert (1902), Betti Gumpert (1876), Gustav Gumpert (1864), Ida Gumpert geb. Strauß (1901), Irma Gumpert geb. Goldschmidt (1914), Meinhard Gumpert (1908), Moritz Gumpert (1902), Rosa Gumpert geb. Bacharach (1865), Selma Gumpert (1893), Joseph Hattenbach (1877), Siegfried Hattenbach (1879), Else Heiser geb. Dorfzaun (1888), Emma Heiser geb. Wertheim (1884), Johanna Heiser geb. Gumpert (1898), Louis Heiser (1882), Siegbert Heiser (1912), Theodor Heiser (1879), Dina Herz geb. Rosenbach (1880), Berta Kaiser geb. Neuhaus (1870), Franziska Kaiser (1899), Joseph Kaiser (1869), Leo Kaiser (1909), Siegfried Kaiser (1882), Emma Kaschmann geb. Speier (1896), Moritz Kaschmann (1895), Johanna Levy geb. Gumpert (1878), Paula Lilienthal geb. Kaiser (1901), Selma Löb geb. Gumbert (1884), Emma Oberdorff geb. Mondschein (1861), Elfriede Petrakowski (1922), Henriette (Jettchen) Petrakowski geb. Rosenbach (1891), Beate Rosenbach (1926), Berta Rosenbach geb. Bacharach (1900), Berta Rosenbach geb. Stahl (1891), Emma Rosenbach (1877), Feist Rosenbach (1856), Gustav Rosenbach I (1890), Gustav Rosenbach II (1890), Jettchen (Jetty) Rosenbach (1859), Lina Rosenbach geb. Rosenbach (1892), Max Rosenbach (1885), Ruth Rosenbach (1923), Toni Rosenbach (1889), Erna Rosenbaum geb. Wertheim (1907), Berta Rothschild geb. Hattenbach (1886), Agathe Schirling (1911), Frieda Schirling geb. Stern (1881), Brunhilde Speier (1922), Liselotte Speier (1924), Max Speier (1897), Olga Speier geb. Wertheim (1900), Sali Speier (1867), Selma Speier geb. Gumbert (1893), Simon Speier (1888), Hermine Stahl geb. Gumbert (1872), Daniel Stern (1862), Jettchen Stern geb. Goldschmidt (1877), Gerda Wallach geb. Gumpert (1900), Leopold Wallach (1893), Meier Wallach (1896), David Wertheim (1930), Erna Wertheim (1907), Heinz Wertheim (1931), Ida Wertheim geb. Lissauer (1868), Johanna (Hanna) Wertheim geb. Kaiser (1905), Joseph Heinz Wertheim (1931), Julius Wertheim (1894), Ludwig Wertheim (1937), Olga Wertheim (1900), Rolf Wertheim (1930), Ruth Wertheim (1935), Sally Wertheim (1933), Zilla Wertheim (1939), Kusel Karl Westheimer (1881), Lina Westheimer geb. Rosenbach (1882).     
  
Aus Breitenbach sind umgekommen: Ida Biermann geb. Levi (1912), Betty Felsenthal geb. Kugelmann (1875), Frieda Felsenthal geb. Kugelmann (1879), Hilda Heiser (1876), Isaak Heiser (1868), Isidor (Isaak) Heiser (1884), Sara Heuser (1880), Ilse Jacob (1923), Sara Kaiser geb. Heiser (1880), Selma Katz geb. Levi (1888), Jenny Levi geb. Wertheim (1897), Settchen Löwenstern geb. Japhet (1850), Hans Louis Reuter (1883), Friedel Roth (1913), Meta Martha Stern geb. Heuser (1880), Salomon Stern (1879), Herbert Wertheim (1912), Hermann Wertheim (1872), Hilda Wolff geb. Heuser (1876).      
Hinweis: die Liste zu Breitenbach kann Fehler enthalten, da es immer wieder zu Verwechslungen mit Breitenbach am Herzberg kommt.  
    
Aus Elmshagen und Elgershausen werden in den genannten Listen keine Personen aufgeführt.    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Zum Tod von Lehrer Abraham Goldschmidt (1886, 56 Jahre Lehrer in Hoof und Breitenbach) 
Abraham Goldschmidt ist 1806 in Nesselröden geboren. Er hatte die jüdische Lehrerbildungsanstalt in Kassel besucht. Er war erster Lehrer der 1827 in Hoof eröffneten Israelitischen Elementarschule. 1877 konnte er sein 50-jähriges Ortsjubiläum feiern. 1881 trat er in den Ruhestand; 1886 starb er im Alter von 79 Jahren.

Hoof-Breidenbach Israelit 22031886.jpg (88873 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1886: "Niedenstein (Niederhessen). In unserer Nachbargemeinde Hoof-Breitenbach starb Herr Lehrer Abraham Goldschmidt, ein von seinen zahlreichen Schülern und den Gemeindegliedern hoch geehrter Mann. 56 Jahre wirkte er daselbst als Lehrer, Vorbeter und Schochet und hatte sich als solcher die volle Zufriedenheit seiner Gemeinde und der hohen Behörden erworben. Dies zeigte sein im Jahre 1877 gefeiertes 50-jähriges Dienstjubiläum, das sich damals zu einem wahrhaft großartigen Fest gestaltet. Zu seinem Leichenbegängnisse waren seine vielen Freunde aus der Nähe und der Ferne herbeigeeilt. viele Christen aus dem Orte und die christlichen Lehrer wohnten demselben bei. Herr Landrabbiner Dr. Prager aus Kassel hielt die tief durchdachte und warm empfundene Leichenrede, und ein Schüler des Verstorbenen rühmte dankend seines Lehrers segensreiche Tätigkeit. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

      
Lehrer Meier Rothschild tritt in den Ruhestand (1924) 
Meier Rotschild stammte aus Waltersbrück

Hoof Israelit 25121924.jpg (20138 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1924: "Hoof (Kreis Kassel), 10. Dezember (1924), Herr Lehrer Meier Rothschild, der seit 1881 in reichem Segen dahier, seiner ersten und einzigen Stelle, gewirkt, ist am 1. November in den Ruhestand getreten."     

    
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Ausschreitungen gegen jüdische Familien (1848) 
Bezieht sich vermutlich auf dieses Breitenbach und nicht auf Breidenbach (Kreis Marburg-Biedenkopf)

Melsungen AZJ 15051848.jpg (85871 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 15. Mai 1848: "Kassel, 2. Mai. Die Exzesse gegen Personen und Eigentum in den Landständen und Dörfern, namentlich gegen Beamte und Juden, nehmen auf eine bedauerliche Weise überhand; von Hofgeismar, Melsungen, Rothenburg und Breidenbach sind Judenfamilien mit ihren geretteten Habseligkeiten hier eingetroffen; zugleich ist aber heute eine Anzahl der Exzedenten gefesselt eingebracht worden. Es ist endlich einmal Zeit, gegen diese Übeltäter, deren Absicht lediglich auf Plünderung und Raub gerichtet ist, energisch einzuschreiben und die Gesetze wieder zu Ansehen zu bringen. Vor allen Dingen sind die Aufwiegler und Verführer in Haft zu nehmen und den Gerichten zu überweisen; die öffentliche Stimme hat deren schon Mehre bezeichnet. So sollen namentlich in Rothenberg ein Advokat und ein Kaufmann, der sich in seinem Gewerbebetriebe durch die Juden beengt fühlt, die dortigen Szenen veranlasst haben. Milde und Nachsicht wäre hier ein Verbrechen gegen das Land. (O.P.A.Z.)."

   
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Zum Gedenken an Wolf Breitenbach (bzw. Wolf Breidenbach; geb. 1751 in Breitenbach, gest. 1829 in Offenbach, Artikel von 1929)  

Offenbach Israelit 28021929.jpg (332614 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Zum Gedächtnis Wolff Breidenbachs - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. (Gest. am 28. Februar 1829. In der Nacht zum Heiligen Schabbat 25. Adar zu Offenbach). Von L. Horwitz in Kassel." 
Der Artikel wurde nicht ausgeschrieben, da der Geburtsort Breitenbach nur kurz Erwähnung findet. Zum Lesen bitte Artikel anklicken. 

   
Gustav Gumpert wird zum zweiten Gemeindeältesten gewählt (1927) 

Hoof Israelit 29121927.jpg (30051 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1929: "Hoof bei Kassel, 18. Dezember (1927). Der Handelsmann Gustav Gumpert von hier wurde von den Mitgliedern der Gemeinden Hoof und Breitenbach durch Stimmenmehrheit als zweiter Gemeindeältester gewählt und vom Vorsteheramt in Kassel bestätigt."  

  
80. Geburtstag von Jeanette Gumbert (1928)

Hoof Israelit 31051928.jpg (12543 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Hoof, 20. Mai (1928). Ihren 80. Geburtstag beging Frau Jeanette Gumpert dahier in bester Gesundheit."  
   
Hoof Israelit 21061928.jpg (11392 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1928: "Hoof, 3. Juni (1928). Ihren 80. Geburtstag beging in voller Frische Frau Jeanette Gumbert dahier."  

      
75. Geburtstag von Witwe Japhet in Breitenbach (1928)   

Breitenbach Israelit 17051928.jpg (13718 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1928: "Breitenbach, 1. Mai (1928). Ihren 75. Geburtstag beging hier die Witwe Moses Japhet in größter Rüstigkeit."  

   
Harry Wertheim wird als Rechnungsführer der Gemeinde wiedergewählt (1928)  

Hoof Israelit 05071928.jpg (20937 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1928: "Hoof, 25. Juni (1928). Herr Harry Wertheim, der seit 26 Jahren das Amt eines Rechnungsprüfers der hiesigen jüdischen Gemeinde verwaltet, wurde als Rechnungsführer wiedergewählt."   

   
70. Geburtstag von Harry Wertheim als Gemeindeältester (1928)    

Hoof Israelit 30081928.jpg (22543 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1928: "Hoof bei Kassel, 27. August (1928). Herr Gemeindeältester H. Wertheim begeht morgen seinen 70. Geburtstag und sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Vorsteher und Gelderheber. Er ist körperlich und geistig noch rüstig," 

     
    
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Jeanette Wertheim aus Külsheim (1844-1921) und Bernhard Wertheim aus Breitenbach (1843-1898)    
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geburtsname von Jeanette Wertheim wird nicht mitgeteilt.      

Kuelsheim NY Cyprus 1730.jpg (65512 Byte)   Kuelsheim NY Cyprus 1730a.jpg (135629 Byte)   Grabstein für 
"Our Beloved Mother 
Jeanette Wertheim 
 
Born in 
Külsheim Baden Germany  Nov. 22, 1844  
Died June 6, 1921 und 
"A devoted Husband and Loving Father 
Bernhard Wertheim
Born in 
Breitenbach-Kurhessen 
March 8, 1843 Died Oct. 25, 1898".    

 
     
     
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Zunächst war ein Betraum oder eine erste Synagoge vorhanden. Eine neue Synagoge und Schule wurde in einem 1830 (nach Balkeninschrift) erbauten Bauernhaus eingerichtet. 1842 stellte die jüdische Gemeinde den Antrag auf Baugenehmigung einer Erweiterung dieses Gebäude zur Vergrößerung von Synagoge und Schule. Die Ausführung des Umbaus verzögerte sich jedoch über mehrere Jahre. 1851 wurde der Antrag der jüdischen Gemeinde behördlicherseits genehmigt.  Bis Anfang 1854 wurden die Umbauten im Synagogengebäude vorgenommen. Damals war Daniel Mondschein Vorsteher der Gemeinde. 
  
Das Synagogengebäude war (ist) ein Fachwerkbau; der Betraum hatte 48 Männer- und 30 Frauenplätze. Aus der Geschichte der Synagoge liegen nur wenige Berichte vor, einer von der Einweihung neuer Ritualien 1903, einer von der Einweihung der Gefallenengedenktafel 1927:   
 
Einweihung eines neuen Parochet (Toraschreinvorhanges) (1903)  

Hoof Israelit 22011903.jpg (70592 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1903: "Hoof (Bezirk Kassel), 17. Januar (1903). Unsere Synagoge erhielt zu Schabbos Chanukoh (Schabbat am Chanukkafest = 27. Dezember 1902) ein prachtvoll ausgestattetes Parochet sowie Decken für Schulchan und Omed (die Vorlesetisch und -pult). Während dieses vom Wohltätigkeitsverein Chewra Gemilut Chasodim gespendet wurde, schenkte unser verehrtes Gemeindemitglied, Herr H. Goldschmidt, zwei äußerst elegante Thora-Mäntelchen, welche nebst ersterem aus dem Atelier des Herrn B. Grünebaum, hebräische Buchhandlung, Kassel, hervorgingen und durch feinste, eleganteste, sowie sorgfältigste Ausführung unsere vollste Zufriedenheit fanden. Moses Goldschmidt."  

   
Einweihung der Gefallenengedenktafel in der Synagoge (1927)

Hoof Israelit 10101927.jpg (80061 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1927: "Hoof bei Kassel, 25. September (1927). Am vorigen Sonntag fand unter Beteiligung der ganzen Gemeinde von hier und Breitenbach die Einweihung der Gedenktafel für die Frontsoldaten statt, die am Weltkrieg teilgenommen hatten. Zur Einleitung der Feier sang der Synagogenchor, worauf der Bildhauer Schönwald aus Breitenbach die Tafel enthüllte und der Gemeinde übergab. Eine Schülerin sprach einen Prolog, Lehrer Schirling hielt eine Rede über die Würde und Bedeutung der Tafel. Ein Gebet für die Gefallenen und dann das Kaddisch, gesprochen von der ganzen Gemeinde bildeten den Abschluss. Der Gemeindeälteste Wertheim übernahm die Tafel und dankte allen, welche zu dem guten Werk beigetragen hatten. Die in Granit gehauene Tafel ist eine Zierde für die Synagoge."   

Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 liegen keine Berichte vor.    
  
1940 wurde die ehemalige Synagoge zu einem Wohnhaus umgebaut. In den 1950er-Jahren wurde ein beträchtlicher Teil des Gebäudes (vier Gefache durch beide Geschosse mitsamt dem Dach) auf Grund der damals durchgeführten Verbreiterung der Hauptstraße abgebrochen. 
 
In den 1980er-Jahren wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Am 12. Dezember 1985 beschloss die Gemeindeverstretung einstimmig die Anbringung einer Gedenktafel, die im Sommer 1986 enthüllt wurde. Eine weitere Gedenktafel zur Erinnerung an die aus Hoof und Breitenbach deportierten und ermordeten jüdischen Personen wurde 1998 angebracht (siehe Fotos unten).  
     
     
Adresse/Standort der Synagoge            Korbacher Straße 336     
     
     
Fotos
(Quelle: Pläne aus Altaras 1988 S. 19 und 2007 S. 27;  sw-Foto aus Arnsberg Bilder S. 99; neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2008)

Skizze des Synagogen- und 
Schulgebäudes vor 
dem Teilabbruch
Hoof Synagoge 139.jpg (82707 Byte)  
   Markiert ist der Bereich, der in den
 1950er-Jahren abgebrochen wurde
 
     
Pläne mit Markierung des in den
 1950er-Jahren abgebrochenen
 Gebäudesteiles
Hoof Synagoge 137.jpg (73860 Byte) Hoof Synagoge 138.jpg (53002 Byte)
   Das Synagogen- und Schulgebäude 
im Bereich des Erdgeschosses
Das Synagogen- und Schulgebäude 
im Bereich des ersten Stockes
       
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
in den 1960er-Jahren
Hoof Synagoge 100.jpg (133200 Byte)   
  Das ehemalige Synagogen- und Schulgebäude   
        
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge
2008 
Hoof Synagoge 156.jpg (73712 Byte) Hoof Synagoge 155.jpg (80039 Byte)
Blick auf das ehemalige (in den 1950er-Jahren zur Straßenverbereiterung teilweise
 abgebrochene) Synagogen- und Schulgebäude, heute als Wohnhaus verwendet.
     
Hoof Synagoge 150.jpg (69428 Byte) Hoof Synagoge 152.jpg (97092 Byte) Hoof Synagoge 153.jpg (82131 Byte)
Blick von der vorbeiführenden Straße auf den Südgiebel, an der sich auch die Gedenk- 
und Hinweistafel befinden, links unten die Gedenktafel mit der Inschrift "Wenn man 
die Toten vergisst, tötet man sie noch einmal. Talmud. Zum Gedenken an die unter
 nationalsozialistischer Gewaltherrschaft vertriebenen und getöteten Mitbürger 
jüdischen Glaubens aus den Schauenburger Dörfern. Ihr Schicksal bedeutet uns stete
 Mahnung und Verpflichtung zu Frieden und Toleranz. Die Bürger Schauenburgs 1998". 
Im Hintergrund rechts der Ostgiebel der ehemaligen Synagoge.
Hinweistafel mit Inschrift: "Zum 
mahnenden Gedenken - dieses Haus
 diente den Juden in Hoof und Umgebung 
als Synagoge."   
 
  
    
    
     
Fotos des ehemaligen Gasthofes der
 jüdischen Familie Meinhardt Gumpert
(Fotos erhalten 2/2011 vom Enkel von 
Meinhardt Gumbert: Mario Gumbert Isaias,
 Sohn von Erich Gumbert, der nach
 Argentinien emigrieren konnte)
Hoof Gasthaus Gumbert 121.jpg (234083 Byte) Hoof Gasthaus Gumbert 120.jpg (115882 Byte)
 Der Familienname Gumpert wurde in Argentinien Gumbert geschrieben Historische Postkarte von Hoof mit einer
 Ansicht der Gastwirtschaft von Meinhardt
 Gumpert und dem Saal der Gastwirtschaft
Im Gasthof von Meinhardt Gumpert - links im
 Hintergrund Meinhardt Gumpert mit seiner
 Frau Julie geb. Oppenheim
     
Meinhardt Gumpert mit 
seiner Frau Julie geb. Oppenheim
   
Hoof Gumbert 018a.jpg (41860 Byte)Hoof Gumbert 018b.jpg (48023 Byte) Hoof Gumbert 018.jpg (30507 Byte)Hoof Gumbert 018c.jpg (53946 Byte)
  Die Fotos von Meinhardt und Julie Gumpert wurden im Oktober 1935 
von Foto Bethke in Kassel erstellt   
      
 Fotos des Gebäudes des 
ehemaligen Gasthofes Gumpert 
1974 / 2011 
Hoof Gasthaus Gumbert 122.jpg (59884 Byte)    Hoof Fam Gumbert 010.jpg (11484 Byte)
           
      
In Argentinien beigesetzt: 
Meinhardt Gumpert (Gumbert) und
 seine Frau Julie geb. Oppenheim 
Hoof Gumbert 085.jpg (219729 Byte)
  Grabstein links für Julie Gumbert geb. Oppenheim (geb. 1883 in Bebra, gest. in Argentinien), rechts für Meinhard Gumbert (geb. 1879 in Hoof, nach Argentinien emigriert und dort verstorben; Friedhof der Colonia Avidgor, Entre Rios)
     
Selma Gumbert, Tochter von 
Meinhardt Gumbert und 
Julie geb. Oppenheim 
Hoof Selma Gumbert 120.jpg (29201 Byte) 
   Selma Gumpert (geb. 1. Juli 1912 in Hoof, gest. 2002 in Argentinien), ist 1929 nach Soest
 verzogen,  wo sie bis 1931 lebte. Im Dezember 1935 heiratete sie in Reichensachsen  
Siegfried (Fritz) Plaut (geb. 1911 in Witten). Beide sind im Dezember 1935 
nach Argentinien emigriert, wo Siegfried Plaut am 12. Juli 1988 starb. 
        
Aus dem Album von Erich Gumbert, 
Sohn von Meinhardt Gumbert und 
Julie geb. Oppenheim
Hoof Gumbert 080.jpg (118578 Byte) Hoof Gumbert 080a.jpg (143384 Byte)
Familienausflug zum Herkules in Kassel 
        
  Hoof Gumbert 081.jpg (78628 Byte) Hoof Gumbert 081a.jpg (120003 Byte)
   Auf dem Foto steht Erich Gumbert vermutlich im Hintergrund.  
          
Hoof Gumbert 083.jpg (49521 Byte) Hoof Gumbert 084.jpg (104182 Byte) Hoof Gumbert 082.jpg (92169 Byte)
Fotos von Erich Gumbert: geb. 30.6.1915 in Hoof, nach Argentinien emigriert, war verheiratet mit Amalita geb. Kofmann; 
er starb 2007 in Argentinien; sie starb 2008 ebd.
        
Reisepass von Erich Gumbert 
(1935) 
Hoof Dok 1015a.jpg (108247 Byte) Hoof Dok 1015.jpg (229673 Byte)
  Der Reisepass für Erich Gumbert wurde am 29. Oktober 1935 auf dem 
Landratsamt in Kassel ausgestellt. 
     

     
     
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Schauenburg   
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" finden sich hier die Stammbäume der Familien Gumbert (vgl. unten bei der Literatur) und Katzenberg in Hoof sowie Javed (Japhet) in Breitenbach     
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Hoof  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 401-403.   
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 99.   
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 18-19.43-44.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 44.   
dies.: Neubearbeitung der genannten Bücher 2007 S. 26-27.136-137.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 84-85.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 441-442.  
Genealogische Informationen zu Familie Gumbert (erhalten von Mario Gumbert Isaias): "The descendants of Itzig Gumbert from Hoof" (compiled and edited by Hans-Peter Klein, Melsungen, Juni 2010) (pdf-Datei). 
Schauenburg Lit 120.jpg (67037 Byte)Ölzweig und Eichenbaum. Von der Verwurzelung der Schauenburger Juden. Eine Dokumentation des Geschichtsvereins Schauenburg e.V.   
Zu erhalten beim Geschichtsverein Schauenburg - Vorsitzender Manfred Bollerhey, Mühlwiesenstr. 22  34270 Schauenburg. Tel. 05601-2115  
E-Mail: m.bollerhey[et]t-online.de   

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hoof  Hesse-Nassau. The Jews of Breitenbach, Elmshagen and Hoof established one community in the 18th century. Wolf Breidenbach (1751-1829), who grew up there, was a famous champion of Jewish emancipation. This rural community became the largest in Kassel, enlarging its synagogue in 1854 and numbering 172 (over 6 % of the total) in 1861. By 1925 it had declined to 106 (7 %). Most Jews emigrated after 1933 and the fate of those who remain is uncertain.  
  
    

                   
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Stand: 19. Oktober 2013