Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lispenhausen (Stadt Rotenburg an der Fulda, Landkreis Hersfeld-Rotenburg)
 Jüdische Geschichte 

Übersicht:  

Zur jüdischen Geschichte in Lispenhausen 
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Lispenhausen    
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Lispenhausen           
     
In Lispenhausen lebten im 18./19. Jahrhundert mehrere jüdische Familien. Sie gehörten zur Synagogengemeinde in Rotenburg, unterhielten jedoch offenbar einen eigenen Betraum in Lispenhausen. Erstmals wird 1712 in Rotenburger Amtsrechnungen mit Jacob Mayer ein Lispenhäuser Jude genannt. Er hatte 6 Taler Schutzgeld und 1 Taler 6 Albus Feder(lappen)geld zu bezahlen. 1734 leben in Lispenhausen fünf jüdische Familien, hundert Jahre später waren es zehn Familien: Döllefeld (2), Fackenheim (2), Flörsheim (2), Rothschild, Wertheim (3). 
 
Aus der Familie Flörsheim ist der Stammvater Wolf (auch Samuel) Flörsheim bekannt, dessen um 1777 in Lispenhausen geborene Tochter Schreinchen (Schönchen, Dina) nach Heinebach heiratete (Quelle: Nachkommen von Juda... Kaiser in Heinebach). 
  
Knothe berichtet in seiner Chronik (siehe Lit.), dass sich Mitte des 19. Jahrhunderts die "Trieselmanns Mühle" in Lispenhausen im Besitz der jüdischen Familie Wertheim befand und sie daher auch die "Wertheims Mühle" genannt wurde. In dem an der rechten Torseite angrenzenden Raum habe sich damals die Synagoge (beziehungsweise ein Betraum) für die in Lispenhausen ansässigen jüdischen Familien befinden. Wahrscheinlich war auch die "Jakobsmühle" im Besitz der Familie Wertheim, da man Mitte des 18. Jahrhunderts von einer "oberen" und einer "unteren Wertheims Mühle" sprach. Aus der Familie Wertheim entstammte Hugo Wertheim (geb. 1854 in Lispenhausen, gest. 1919 in Australien), der 1875 nach Melbourne/Australien auswanderte, wo er 1909 die Klavierfabrik Wertheim begründete, die in den folgenden Jahrzehnten an die 20.000 Klaviere baute (siehe Informationen bei  http://www.hassia-judaica.de/lebenswege.html)        

Neben der Familie Wertheim gab es in Lispenhausen auch eine (beziehungsweise zwei) jüdische Familie(n) Fackenheim. Ein Zweig der Fackenheims ist Mitte des 19. Jahrhunderts von Lispenhausen nach Bebra übergesiedelt, wo sie 1869 eine koschere Gaststätte einrichteten. Zur Familie gehörten u.a. Wolf Fackenheim (ca. 1826 - 1876) und sein Sohn Isidor Fackenheim (geb. 1851, gest. 1934). 
   
Von den Nachkommen der Familie Fackenheim ist Avital Ben Chorin geb. Fackenheim zu nennen, Frau von Schalom Ben Chorin (Wikipedia-Artikel), eine Urenkelin des aus Lispenhausen stammenden Lehrers / Rabbiners Michael Fackenheim (geb. 27. September 1828 in Lispenhausen als Sohn von Michael Fackenheim [geb. ca. 1795 in Lispenhausen] und der Emilie Merle geb. Rosengarten, war seit 1848 verheiratet mit Marianne geb. Israel; Kinder: Emilie geb. 1851, Julius geb. 1863, Carl geb. 1872, Anna, geb. ?; Michael Fackenheim war u.a. in Halsdorf und Dillich als Lehrer tätig, ab 1861 Rabbiner in Mühlhausen; er starb am 28. März 1896; der Sohn Julius Fackenheim war seit 1887 als Sanitätsrat Dr. med. Julius Fackenheim in Eisenbach tätig; sein Sohn Alfred Fackenheim heiratete Hertha geb. Oppenheim, die Eltern von Avital (Erika) geb. Fackenheim).    
  
Eine weitere jüdische Familie am Ort (mit Haus auf dem heutigen Grundstück Am Rasen 17) war die Familie Döllefeld: Stammvater war der wohlhabende Leineweber Alexander / Sander Döllefeld (1794 Lispenhausen - 1880 in Rotenburg; verheiratet mit Jettchen geb. Rotschild aus Weiterode, diese ist gest. 1858 in Lispenhausen). Einer der Söhne von Alexander und Jettchen war der spätere Handelsmann Hirsch Döllefeld (1829-1917), der mit seiner Frau Karoline geb. Jaffa Lispenhausen nach 1861 verließ, um nach Rotenburg zu ziehen. Ihr Sohn Josef Döllefeld ist 1861 in Lispenhausen geboren (später verheiratet mit Therese geb. Strauß, die 1928 gestorben ist; Josef ist 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen, "Stolperstein" in Rotenburg Querweingasse 5A). Ein Bruder von Josef Döllefeld war Sattlermeister Isaak Döllefeld (1840-1898), der sich um 1873/74 in Bebra ansiedelte.  Zahlreiche weitere Informationen zu Familie Döllefeld bei "Hassia Judaica" über die Seite http://stolpersteine.rotenburg.hassia-judaica.de/josef_doellefeld.html.  

 
An Einrichtungen hatten die jüdischen Familien in Lispenhausen einen Betraum (oben genannt im Haus der Familie Wertheim)  Die in Lispenhausen verstorbenen jüdischen Personen wurden im jüdischen Friedhof in Rotenburg beigesetzt.    
  
Im Laufe des 19. Jahrhunderts sind einige der jüdischen Einwohner Lispenhausens ausgewandert, darunter der Schuhmacher David Wertheim (ausgewandert 1836), Theodor Wertheim (ausgewandert 1870), David Flörsheim (geb. 1863, ausgewandert 1878), Hugo Wertheim (geb. 1854, ausgewandert 1888), Lea Döllefeld (geb. 1867, ausgewandert 1893), Michael Fackenheim (geb. 1847, ausgewandert 1893). (Quelle: http://ahnenforschung.lispenhausen.de/html/liste_auswanderer.html), andere verzogen - wie oben genannt - in Städte der Umgebung.  Bis um 1900 waren alle jüdischen Familien vom Ort verzogen. 
  
Von den in Lispenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Joseph Döllefeld (geb. 1861 in Lispenhausen, im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 4. Dezember 1942 umgekommen ist), Nathan Döllefeld (geb. 1872 in Lispenhausen, später in Solingen und Hannover wohnhaft; im Dezember 1941 nach Riga deportiert, umhekommen), Elise Joschkowitz geb. Wertheim (geb. 1859 in Lispenhausen, später in Berlin wohnhaft, Frau von Adolph Joschkowitz, weitere Informationen, 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 10. Januar 1944 umgekommen ist), Johanne (Johanna, Hannchen) Wehl geb. Döllefeld (geb. 1869 in Lispenhausen, später in Hamburg wohnhaft; im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 16. September 1942 umgekommen ist).    
    
    
    
Berichte aus der jüdischen Geschichte in Lispenhausen       
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
 
Lehrer Tannenberg aus Stadtlengsfeld wird um 1817 Lehrer in Lispenhausen (Artikel von 1927; aus einem längeren Artikel über das jüdische Schulweisen Anfang des 19. Jahrhunderts)    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 7. Januar 1927: "...Große Sorge um einen Lehrer hatte man in Hoof. Damals lebten dort 20 kinderreiche Familien. Der erwählte und im Mai 1817 bestätigte Lehrer war Isaak Jakob; er hatte 'bei guten Attesten über seine Aufführung den Geburtsfehler, Preuße zu sein. Allerhöchst erhörte die Bitte sämtlicher Israeliten, beglaubigt vom Grafen Zimmermann, und ließ Jakob seines Amtes in Hoof walten, wie vorher in Heiligenstadt und Göttingen'. - So erhielten noch als Ausländer Anstellung Tannenberg aus Stadtlengsfeld in Lispenhausen, Samuel Schmul aus Margonin, Rosen in Felsberg, 'da Moses Amram im hohen Alter stand' und mehrere andere. - Bald wurde das hiesige Lehrerseminar (sc. in Kassel) gegründet und es traten viele 'Inländer' ins Amt und konnten für Religion und Vaterland erziehen. - Bemerkt sei noch, dass damals Kurhessen nur als Inland galt. (Staatsarchiv Marburg. Geh. R. Akte 7186)."                  

    
    
    
Fotos    

siehe Fotos zu den einzelnen Familien bei "Hassia Judaica": 
u.a. zu Familie Döllefeld: http://stolpersteine.rotenburg.hassia-judaica.de/josef_doellefeld.html    

     

   
    
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Rotenburg an der Fulda   
www.hassia-judaica.de   

Literatur:  

Hans Knothe: Einiges aus der Geschichte meines Heimatdorfes Lispenhausen. Langendiebach 1946. Als pdf-Datei online einsehbar
Heinrich Nuhn: Die Rotenburger Mikwe. Kultudenkmal und Zeugnis der Vielfalt jüdschen Lebens. Verlag AG Spurensuche - Rotenburg an der Fulda 2006. 
Kurzfassung als pdf-Datei.   

  
   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. September 2014