Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Felsberg mit Altenburg, Gensungen und Neuenbrunslar (Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
  
 
Bitte besuchen Sie auch die Website des Synagogue Center Felsberg: www.synagogue-center-felsberg.org   

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletÜber die Mikwe (rituelles Bad)  
bulletFotos / Darstellungen 
bulletseit 2010/11: neues jüdisches Leben in Felsberg - dazu Berichte zur Erinnerungsarbeit vor Ort     
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
   
In Felsberg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhundert zurück. Doch lebten bereits im 16. Jahrhundert einige Juden in der Stadt (1592 genannt). 1611 verzog der wohlhabende Isaak Samuel von Felsberg (auch Isaak Schmuel genannt), mit Erlaubnis des Landgrafen Moritz von Hessen nach Schmalkalden, wo er 1622 eine kleine Synagoge erbaute.  

1773 gab es neun jüdische Familien mit zusammen 26 Personen in Felsberg. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 130 jüdische Einwohner (in 21 Familien, 12,7 % von insgesamt 1.026 Einwohnern), 1861 180 (16,5 % von 1.089), 1871 168 (16,4 % von 1.026), 1885 179 (19,0 % von 943), 1895 132 (14,3 % von 924), 1905 117 (12,4 % von 941). Die jüdischen Haushaltsvorstände waren als Manufakturwaren- und Viehhändler tätig, einige als Metzger und Schuster. Auch in den umliegenden Orten lebten jüdische Personen, die zur jüdischen Gemeinde Felsberg gehörten: Altenburg (1835 33 jüdische Einwohner, um 1910 keine jüdischen Einwohner mehr), Neuenbrunslar (1835 12, siehe unten Artikel von 1884 zum Tod von Levi Speier Holstein), Gensungen (1835 8, 1861 24, 1932 35). Bekannte jüdische Familiennamen waren: Adler, Dannenberg, Goldschmidt, Hammerschlag, Hoffmann, Löwenstein, Weinstein, Deutsch, Mannsbach, Stern und Spier. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (Jüdische Elementarschule, im Haus Obergasse 6), ein rituelles Bad (hinter dem Haus Untergasse 19, um 1820 erbaut) sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An der jüdischen Elementarschule waren 1868-70 44 Kinder zu unterrichten, 1872 31, 1881 47, 1892-1900 etwa 35. Als Lehrer werden genannt: um 1865 Lehrer Lißhauer (Quelle), bis um 1900 Heinemann Neumark aus Altenburg, danach Susmann Dannenberg (aus Höringhausen, blieb bis 1925 in Felsberg, gest. 1932. vgl. Bericht). Nach ihm unterrichtete Lehrer Baruch Kleeblatt, zuletzt jedoch nur noch fünf bis sieben Kinder. Die jüdische Elementarschule wurde 1932 aufgelöst (vgl. Bericht). 
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Louis Dannenberg (geb. 5.11.1900 in Felsberg, gef. 28.9.1918), Meyer-Moritz Goldschmidt (geb. 9.12.1886 in Felsberg, gef. 1.8.1916), Karl Hammerschlag (geb. 20.11.1884 in Felsberg, gef. 9.7.1915), Jakob gen. Julius Weinstein (geb. 26.6.1878 in Momberg, gef. 23.9.1914), aus Gensungen Markus Max Weinstein (geb. 4.3.1894 in Gensungen, gef. 25.9.1916). Außerdem ist gefallen Robert (Ruben) Goldschmidt (geb. 19.12.1894 in Felsberg, vor 1914 in Abterode wohnhaft, gef. 18.11.1918). 
   
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 125 Personen gehörten (11,36 % der Gesamteinwohnerschaft von 1.100 Personen), waren die Vorsteher der Gemeinde J. Spier, Max Schloss und H. Hoffmann. Als Lehrer war noch der bereits genannte Susmann Dannenberg angestellt. Er unterrichtete an der Volksschule 11 jüdische Kinder im Religionsunterricht. Zur jüdischen Gemeinde Felsberg gehörten auch die 35 in Gensungen lebenden jüdischen Personen. Die Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk in Kassel zugeteilt. 1932 wurden 98 jüdische Einwohner in Felsberg gezählt. Vorsteher waren inzwischen J. Spier (1. Vorsteher), Siegmund Löwenstein (Gensungen) und Hermann Hoffmann (als Schriftführer). Als jüdischer Lehrer war inzwischen (seit 1928, siehe unten) der bereits genannte Baruch Kleeblatt tätig.  Er unterrichte im Religionsunterricht fünf schulpflichtige jüdische Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden eine Chewra Kadischa (Wohltätigkeitsverein, gegründet 1870, Ziele: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Lehrverträge, Wache bei Verstorbenen; Vorsitzender Robert Weinstein, 36 Mitglieder), eine Frauenchewra (Ziele: Krankenpflege, Bestattung, Unterstützung Hilfsbedürftiger, Vorsitzende Frau Mannsbach) sowie der Jüdische Jugendbund Felsberg-Gensungen.  
    
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 105 Personen = 8,6 % von insgesamt 1.220 Einwohnern) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 8. November 1938 (einen Tag früher als an den meisten anderen Orten in Deutschland) kam es zu einem Pogrom gegen die 18 noch in der Stadt lebenden jüdischen Personen. Dabei starb der schwer kranke Robert Weinstein, der aus seinem Bett gezerrt und durch die Straßen getrieben wurde, an einem Herzinfarkt. Weinstein war eines der ersten Todesopfer des Novemberpogroms in Deutschland. Bis 1939 konnten die meisten jüdischen Familien emigrieren: 12 Personen nach Palästina, 43 in die USA, 21 nach Südamerika, 2 Personen nach Prag, 1 nach London. Einige verzogen in andere Städte in Deutschland (Frankfurt, Kassel). 
Anmerkung: Hinweis auf das Verzeichnis aller jüdischen Einwohner, die seit dem Jahre 1933-1938 in der Stadt Felsberg wohnhaft waren (pdf-Datei der an den International Tracing Service vom Bürgermeisteramt Felsberg 1962 mitgeteilten Liste mit 99 Namen aus Felsberg).  
   
Von den in Felsberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Dieter Adler (1935), Hannchen Adler (1863), Jeanette (Jenny) Adler geb. Kahn (1889), Rosa Adler (1904), Siegmund Adler (1893), Selma Blumenkron geb. Grünberg (1892), Erwin Deutsch (1931), Resi Deutsch geb. Dannenberg (1906), Ruth Deutsch (1936), Franziska Friedländer geb. Stern (1867), Bertha Israel geb. Goldschmidt (1892), Jenny Katz geb. König (1877), Johanna Katz geb. Weinstein (1889), Liebmann Kugelmann (1881), Rebekka Kugelmann (1883), Bertha Köhler geb. Löwenstein (1869), Bertha Lesheim geb. Kruk (1901), Emma Leviberg (1881), Eva Löwenstein (1863), Moritz Moses Mannsbach (1881), Siegfried Mannsbach (1877), Gottschalk Marx (1884), Arthur Moses (1898), Sigismund O. Moses (1902), Henriette (Jettchen) Neustädter geb. Stern (1858), Maxilian Nussbaum (1877), Dora Plaut geb. Hammerschlag (1893), Moritz Schloss (1875), Sally Schloss (1870), Siegfried Schloss (1878), Hermann Silberberg (1864), Isaak Spier (1876), Berta Steinberg geb. Stern (1865), Hedwig Stern geb. Schloss (1867), Emma Traub geb. Weinstein (1879), Ida Vorenberg geb. Löwenstein (1861), Ida Weinstein (1910, "Stolperstein" in Hamburg, Eimsbütteler Chaussee 37, Link), Robert Weinstein (1883), Ida Wolffs geb. Dannenberg (1875).  
   
Hinweis: Die folgenden - unter "Felsberg" in der oben genannten Liste des "Gedenkbuches" (teilweise auch bei Yad Vashem) genannten - Personen können nach Angaben des Historischen Archivs der Stadt Felsberg (Auskunft vom 13. August 2009) anhand der in der Stadt Felsberg vorliegenden Geburts- und Heiratsregister nicht für Felsberg / Hessen belegt werden: Palmyra Aron geb. Salomon (1901), Johanna Jeanne Bing geb. Salomon (1903), Minna Goldmann geb. Schloss (1868), Sidenia Kahn geb. Salomon (1895), Helena Levie geb. Weingarten (1863), Sophie Meier geb. Weingarten (1870), Salomon David (1863), Lion Salomon (1869). Vermutlich handelt es sich um Personen, die in Felsberg/Saarland lebten. Die dort lebenden Juden gehörten bis 1863 zur jüdischen Gemeinde Wallerfangen, danach bis 1904 zur jüdischen Gemeinde Beaumarais, schließlich zur Gemeinde in Saarlouis.         
     
Von den in Gensungen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Cohen geb. Weinstein (1883), Julius Holstein (1880), Paula Liebmann geb. Weinstein (1896), Jettchen Lindheimer geb. Hammerschlag (1883), Siegfried Mannsbach (1877), Blümchen Speier-Holstein (1882), Mina Wolff geb. Speier-Holstein (1883). 
  
Von den in Altenburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen ist  in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Weinstein (1889).    
   
Zu einem Prozess gegen einige der am Novemberpogrom 1938 Beteiligten Personen kam es im Mai 1948 vor dem Kasseler Schwurgericht. Angeklagt waren Personen aus Felsberg und Gensungen. 
   
   
Seit 2010 ist Felsberg Sitz der liberalen jüdischen Gemeinde Emet we Shalom (siehe Berichte unten).    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Kantors (Vorbeter) 1931    

Felsberg Israelit 03091931.jpg (48199 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1931: 
"Die israelitische Schul- und Kantorstelle 
der Gemeinde Felsberg ist per 1. Oktober 1931 neu zu besetzen. Stimmlich begabte Herrn wollen sich mit Zeugnisabschriften und Bild, sowie Angabe der Gehaltsansprüche zunächst an den Gemeindeältesten J. Spier in Felsberg Bezirk Kassel wenden."  

  
Lehrer Baruch Kleeblatt wurde von Meerholz nach Felsberg versetzt (1926)
      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1926: "Felsberg, 21. März (1926). Der Lehrer B. Kleeblatt, bisher in Meerholz, ist von der Regierung zu Kassel als Lehrer und Kultusbeamter hierher versetzt worden."      

     
Die israelitische Volksschule wurde aufgelöst, Lehrer Baruch Kleeblatt nach Kassel versetzt (1931)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Juli 1931: "Felsberg. Die hiesige israelitische Volksschule ist von der Regierung aufgelöst worden. Herr Lehrer Kleeblatt ist an die Volksschule nach Kassel versetzt worden. Wie wir erfahren, stehen noch mehrere jüdische Volksschulen kurz vor der Auflösung."             

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Hässliche Auswirkungen des Antisemitismus (1911) 

Felsberg FrfIsrFambl 24111911.jpg (107490 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1911: "Kassel. In der Gegend von Felsberg, in dem durch den Abgeordneten Lattmann vertretenen Reichstagswahlkreise Kassel - Melsungen, feiert der rüdeste Antisemitismus Orgien
Das geht aus einer dem 'Kasseler Volksblatt' eingesandten Ansichtspostkarte niedrigster Sorte hervor. Die Illustration der in Felsberg verfertigten Karte zeig ein viertel Dutzend jüdischer Händler mit scheußlich karikierten Gesichtern, die einen Bauersmann unter einer Presse ausmergeln bis aufs Blut, während zwei jüdische Viehhändler mit dem letzten Stück Vieh des ausgepressten Bauern davonziehen. Diese Illustration begleiten Textverse, von denen die folgenden angeführt seien: 
'Jage jeden stets davon, 
Er heiß' Itzig oder Kohn, 
Mayer, Levy, Davidsohn, 
Mannheimer und Oppenheimer, 
Wiener, Speier, Höxter, Wolf, Hirsch und Bär 
Und dergleichen Viecher mehr! 
Und in diesem dürren Jahr, 
Wo nur wenig Regen war, 
O, ich wünsche jedenfalls: 
Es regne heißes Schweineschmalz, 
Dass die ganze kosch're Truppe  
Brat' in der verhassten Suppe.'     

   
Chanukkafeier in der Gemeinde (1927)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. Dezember 1927: "Felsberg. Am Mittwoch, den 21. dieses Monats, findet im Saale zum Ratskeller eine Chanukkafeier statt. Der Jugendbund, der die Feier veranstaltet, wird durch Theateraufführungen und Vorträge unter Leitung des Herrn Lehrer Kleeblatt die Feier vorbereiten. Anschließend daran wird der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ein Tanzvergnügen veranstalten, wozu er alle Freunde und Bekannte einladet."           
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 30. Dezember 1927: "Felsberg. Zu unserer Notiz in voriger Nummer über die Chanukkafeier wird uns noch mitgeteilt, dass die Feier von den Schulkindern unter Leitung des Herrn Lehrer Kleeblatt veranstaltet worden ist und in allen Teilen einen glänzenden Verlauf genommen hat."   

  
Generalversammlung der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1928)         

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Februar 1928: "Felsberg / Gensungen. Die diesjährige Generalversammlung der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Fronsoldaten fand am 1. Februar 1928 statt. Die Versammlung nahm einen sehr guten Verlauf. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt."            


Gemeindevortrag von Herrn Dessauer aus Kassel über "Das jüdische Lied, die jüdische Melodie" (1929)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Januar 1930:  "Felsberg. Ein vollbesetzter Saal und gespannte Aufmerksamkeit waren die Zeichen, unter denen der Vortrag 'Das jüdische Lied, die jüdische Melodie', gehalten von Herrn Dessauer (Sinai-Loge, Kassel) stand. Um 19.30 Uhr begrüßte Lehrer Kleeblatt die Versammlung. Der Vizepräsident der Loge, Herr Mosbacher - Kassel, teilte in einleitenden Worten mit, dass der Kulturausschuss der Loge es sich zur Aufgabe gemacht habe, jüdisches Wesen auf dem Lande zu vertiefen. Zugleich gedachte er des jüngst verstorbenen Gelehrten Franz Rosenzweig. Darauf sprach Herr Dessauer über das vorgenannte Thema. Besonders die Abhandlungen über das Kaddischgebet fanden großes Interesse. Frau Rosenbaum - Kassel sang unter Klavierbegleitung von Fräulein Müller - Kassel einige jüdische Lieder. Der einsetzende Beifall zwang sie zu mehreren Zugaben. Nachdem Lehrer Kleeblatt den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte. Folgten noch einige Stunden gemütlichen Beisammenseins."           

 
Vortrag von Lehrer Bacher aus Kassel vor der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1929)   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 29. November 1929: "Felsberg. (Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten). Am 24. November sprach im Auftrag des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten Herr Lehrer Bacher aus Kassel über 'Versöhnungspolitik im Judentum'. Nachdem der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Robert Weinstein, die Versammlung eröffnet hatte, begrüßte er herzlichst Kamerad Bacher, der in formvollendeter Weise über obiges Thema sprach. Die Gemeinde war fast vollzählig erschienen und nahm mit größtem Interesse die Worte des Herrn Bacher zur Kenntnis. Wir danken auch an dieser Stelle Kamerad Bacher herzlich für seinen ausgezeichneten Vortrag und hoffen, ihn recht bald wieder in unserer Gemeinde begrüßen zu können. G."           

  
Generalversammlung der Ortsgruppe Felsberg-Gensungen des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten (1930)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 7. Februar 1930: "Felsberg. Die Ortsgruppe Felsberg-Gensungen des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten hielt Sonnabend, 25. Januar, abends 8 Uhr, ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Kamerad Robert Weinstein, erstattete nach der Begrüßung Bericht über die am 12. Januar in Kassel stattgefundene Landesverbandstagung und wies besonders auf die in letzter Zeit stark einsetzende antisemitische Agitation hin. Es erwarten uns in der Abwehr noch viele Pflichten. Es entspinnt sich eine lebhafte Diskussion, ein erfreuliches Zeichen dafür, dass die Ausführungen des Vorsitzenden auf fruchtbaren Boden gefallen sind. - Nach Prüfung der Kasse wird dem Rechner Entlastung erteilt. Danach wird die Vorstandswahl vorgenommen. Durch Zuruf wird der alte Vorstand wiedergewählt: 1. Vorsitzender Kamerad Robert Weinstein, 2. Vorsitzender Kamerad Siegfried Mannsbach, Schriftführer und Kassierer Kamerad Leopold Dannenberg. Nach Schluss der Sitzung blieben die Kameraden noch einige Stunden gemütlich zusammen."           

  
Jugendtreffen der Jüdischen Jugendgemeinschaft Kassel in Felsberg (1930)         

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Juli 1930: "Jugendtreffen in Felsberg. Auf Einladung der Jüdischen Jugendgemeinschaft Kassel fand am Sonntag, den 29. Juni, ein Jugendtreffen in Felsberg statt, zu dem die jüdische Jugend der benachbarten Gemeinden eingeladen war. Leider ließ die Beteiligung zu wünschen übrig, da sich die jüdische Jugend auf dem Lande in Verkennung der augenblicklichen politischen Situation anscheinend für Sportfeste und Kreiskriegerverbandsfeste stärker interessiert. - Nach dem Besuch der Felsburg wurde um 1 Uhr mittags die Tagung vor zirka 50 Teilnehmern eröffnet. Julius Fechenbach - Kassel, der als Delegierter der jüdischen Jugendgemeinschaft Kassel in München war, gab einen wirkungsvollen Stimmungsbericht über die Tagung. Er hob die wichtigsten Beschlüsse hervor und wies auf ihre Bedeutung für die Weiterentwicklung des Verbandes hin. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Zusammenschluss innerhalb des Verbandes die Beziehungen der einzelnen Bünde untereinander festigt. Fechenbach sprach den Wunsch aus, dass auch die Felsberger Gruppe sich dem Verbande anschließen möge. - Unser Freund Heimann sprach danach über das Thema: 'Wo stehen wir?' Er kennzeichnete die augenblickliche Lage, vom politischen, wirtschaftlichen und geistig-kulturellen Standpunkte aus gesehen und gab damit die Grundlage zu den Ausführungen unseres Freundes Katz über: Was uns Not tut. Der Redner versuchte, einen Weg zu zeigen, wie auch die jüdische Jugend ihr Teil dazu beitragen kann, der momentanen Situation Herr zu werden. - Die drei Referate fanden sehr starken Beifall. Herr Lehrer Kleeblatt - Felsberg dankte den Rednern für ihre Ausführungen und unterstützte deren Wünsche betreffend einer gemeinsamen Arbeit, die von Kassel aus durch einige Mitglieder der Jugendgemeinschaft gefördert werden soll. Eine gemeinsame Kaffeetafel hielt die Teilnehmer noch lange zusammen. Den Felsberger Freunden, besonders Herrn Lehrer Kleeblatt, sei auch an dieser Stelle nochmals gedankt. Heinz Vogel."             

  
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod der Frau von J. P. Goldberg (1871)  

Felsberg Israelit 01021871.jpg (195183 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1871: "Nekrolog: 'Sehet euch um und rufet die Klagefrauen, dass sie kommen, und zu den kundigen Frauen sendet, dass sie kommen und eilends ein Klagelied über uns erheben (Jeremia 9,16-17). Eine Edle, eine Perle unter Euch, Ihr Töchter Israels, ist dahingeschieden, darum rufet die Klagefrauen und stimmet Klagelieder an, ob des herben Verlustes, der uns betroffen. 
Am 10. dieses Monats entschlief sanft zu einem besseren Leben die Ehegattin des Herrn J. P. Goldberg in Felsberg und wurde mit großer Ehre am 13. dieses Monat, am Vortag zum Schabbat Schemot (d.i. Freitag vor Schabbat mit der Toralesung Schemot, d.i. 2. Mose 1,1-6,1, das war Freitag, 13. Januar 1871) zur Ruhe bestattet.
Für die Hochachtung, welche die Verklärte überall genoss, zeugt die allgemeine, ungeteilte Teilnahme an dem so jähen Schicksalsschlage, der den tief betrübten Gatten, die trauernden Kinder betroffen. 
Die Gerichtsbehörden hatten auf einige Stunden ihre Sitzungen geschlossen, um es nciht zu versäumen, der von ihnen im Leben Hochgeschätzten die letzte Ehre zu erweisen. Eine unabsehbare Menge Leidtragender aller Stände folgte dem Zuge. 
Der ehrwürdige Herr Kreisrabbiner Wetzlar - sein Licht leuchte - zu Gudensberg hob in beredten, die Herzen tief ergreifen Worten die hohen Tugenden dieser frommen, wackeren Frau, dieser gottesfürchtigen und biederen Frau hervor, welche die Verblichene in so reichem Maße zierten. 
Der hochwürdige Redner, selbst tief ergriffen, sprach von ihr als einer Frau, deren Mitgefühl für das Leiden Anderer unbegrenzt, deren Hand dem Dürftigen immer geöffnet, deren Haus eine wahre Zufluchtsstätte aller Bedrängten war... 
Den Kranz ihrer seltenen Tugenden schmückte ganz besonders ihre so ungekünstelte und wohltuende Gastfreundschaft, die sie Jedem, ohne Unterschiede, angedeihen ließ, der unter ihrem gastlichen Dache weilte. 
Wie war doch ihr Wohl tun so ganz anders, als das, was sich mit geschäftiger Eile an die Öffentlichkeit drängt, um nur ja nicht übersehen zu werden! 
Ihrer Freunde größte war, die ungekannte Quelle der Freuden Anderer zu sein. Ihr ganzes Sein löste sich um Wohl tun und in der strengsten Pflichterfüllung einer echt jüdischen Ehefrau auf. 
Eine so ungeheuchelte Frömmigkeit und Gottergebenheit finden wir nur wieder bei jenen Geistesheldinnen unseres Volkes, deren Namen und die Geschichte aufbewahrte, und mit denen sie nun für immer vereinigt ist. 
Ihr großes Verdienst stehe uns Allen bei. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. B.N."

 
Zum Tod des langjährigen ehrenamtlichen Vorbeters Moses Weingarten I. (1879)  

Felsberg Israelit 30041879.jpg (98971 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Nachruf! Felsberg (Kurhessen). Eine Zierde unserer Gemeinde ist nicht mehr; am 4. Nissan (= 28. März 1879) hat Moses Weingarten I. in seinem 84. Lebensjahre seine edle Seele ausgehaucht. Der Verstorbene, ein für unsere heilige Religion tief begeisterter Mann, war ca. 60 Jahre lang Sch'Z (Vorbeter) unserer Gemeinde an den ehrfurchtgebietenden Tage und auch sonst oft im Jahre; rein um Gottes Lohn; noch jüngsten Schabbat Paraschat Sachor (Schabbat Sachor war 1879 am 8. März), da unser Vorbeter verhindert war, betete er vor, und riss durch seine ungeschwächte, klare Stimme die ganze Gemeinde zur Verwunderung hin. Erst einige Monate sind es her, dass er auf dringende Vorstellung seiner Angehörigen, die für seine angegriffene Gesundheit fürchtete, nicht mehr täglich, morgens, die Synagoge besuchte, aber Abends ließ er sich es nicht nehmen, von einem Enkelchen geleitet, zur Synagoge zu gehen. Und wie er ein guter Jehudi war, so war er auch ein guter Bürger seiner Vaterstadt und treuester Vater seinen Kindern und Enkeln. Wie groß die Achtung war, deren sich der Verstorbene bei Juden und Christen erfreute, davon zeugte die ungemein große Beteiligung bei seinem Begräbnisse. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zum Tod von Levi Speier Holstein aus Neuenbrunslar / Gensungen (1884)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1884: "Nachruf!  
'Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen.' (Hiob 1,21).  
Wir beklagen den Verlust eines edlen Mannes in Israel. Levi Speier Holstein aus Gensungen ist nicht mehr! Er hat am Heiligen Schabbat, 11. Adar (8. März 1884), in seinem 76. Lebensjahre seine reine Seele ausgehaucht, die er in die Hand des himmlischen Vaters empfohlen hatte.  Der Verblichene war zu Neuenbrunslar bei Kassel geboren, wo er 63 Jahre lang lebte, und ist vor 12 Jahren nach Gensungen verzogen. Mit seinem Fortzuge aus Neuenbrunslar hörte die Geschichte der dortigen jüdischen Gemeinde auf, da er dort die letzte jüdische Familie bildete, wo bis dahin 3 Jahrhunderte lang ununterbrochen Juden gewohnt haben.  
Der Verewigte war ein treuer Sohn Israels. Trotzdem derselbe von vielen körperlichen sowie anderen Leiden heimgesucht war, war doch sein ganzes Bestreben dahin gerichtet, Gott im Sinne seiner heiligen Tora zu dienen. Er bemühte sich, seine Kinder und Enkel im Geiste des orthodoxen Judentums zu erziehen. Selbst im vorgerückten Alter und bei schlechtestem Wetter versäumt er es nicht, den Gottesdienst in der Synagoge zu besuchen, wobei er jedes Mal einen Weg von 3/4 resp. 1/4 Stunde zurücklegen musste. Ebenso unterließ er nie wohltätige Aufgaben (u.a. Krankenbesuche) auszuüben, wo sie sich ihm darboten. Er war Allen, die ihn kannten, ein Tröster und Berater.  
Möge der Allbarmherzige die guten Taten die der Verblichene hienieden ausgeübt, annehmen, als hätte er die Gesetze der ganzen heiligen Tora ausgeübt und ihm ein glückseliges Leben im Jenseits gewähren.  J.J."       

  
Zum Tod von Michael König (1886)  

Felsberg Israelit 06121886.JPG (267903 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1886: "Felsberg, 29. November (1886). In jedem größeren Gemeinwesen gibt es einige hervorragend gottbegeisterte Männer, die durch ihren Eifer für die heilige Gotteslehrer, durch ihr rastloses, uneigennütziges Wirken für den Glauben der Väter den Übrigen als nachahmungswertes Beispiel voranleuchten und dem ganzen Gemeindeleben ihren reinen Stempel aufdrücken. Wenn nun solche Männer uns entrissen werden, dann entsteht ein klaffende Lücke nicht nur innerhalb der Familie, dann wird das ganze Gemeindewesen in seinen Grundfesten erschüttert, dann sind es die gebrochenen Säulen und Stützen des Glaubens, die wir in dem Tode dieses Frommen betrauern. Ein solcher Frommer war es, der uns in der Nacht des 22. Cheschwan (= 20. November 1886) genommen wurde. Im besten Mannesalter von 46 Jahren hauchte nach langem mehrwöchentlichen Leiden Herr Michael König - seligen Andenkens - in dem hessischen Städtchen Felsberg seine reine Seele aus. Ein schlichter Kaufmann, dessen Wirken zwar nicht epochemachend in die Öffentlichkeit gedrungen, gehörte er zu jenem immer kleiner werden Überrest ausgezeichneter Männer, die mit einem wahren Feuereifer für unsere höchsten Güter eintreten. Der herrliche dreifache Tugendkranz - Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit - schmückte auch sein Haupt, sein ganzes Leben war der pflichttreuesten Erfüllung der Gottesgebote gewidmet. Mit peinlichster Gewissenhaftigkeit unterwarf er sich freudig allen Satzungen, froh seiner Religion ein Opfer bringen zu können. So genoss er auf seinen häufigen mehrwöchentlichen Geschäftsreisen nur da Fleischspeisen, wo ihm durch die Anwesenheit eines orthodoxen Rabbiners Gewähr geboten wurde, dass die Schechita in gewissenhaftester Weise gehandhabt ward. Und wie liebte er die Tora und ihr Studium, wie war er von dem erhabenen Gedanken durchdrungen, dass erst sie den Menschen zu seiner Hoheit und Würde erhebt: Jeder freie Augenblick, zur frühen Morgen- und zur später Abendstunde, fand ihn hinter seinen geliebten Büchern, lehrend - in einem sabbatlich tagendem Raschi-Verein - und lernend suchte er sich durch diesen ewig sprudelnden Lebensborn zu vervollkommnen. Auch in dem Gottesdienst war er eine Stütze seiner Gemeinde, der er als langjähriger Schofarbläser freudig seine Dienste weihte. Und was hat er erst in der herrlichsten Tugend Wohltätigkeit gewirkt! Wie viele Tränen hat seine milde Hand getrocknet, wie viel Gebeugte sein Wort und seine Tat aufgerichtet! Die Armen waren seine Tischgenossen, die Bedrängten und Hilfebedürftigen seine liebsten Freunde. Wo es einer hehren Aufgabe, der Unterstützung unserer bedürftigen Brüder in Israel oder der geknechteten Glaubensgenossen in anderen Ländern galt, da fand man ihn an der ersten Stelle; er gab gern und  reichlich und veranlasste auch andere zum Geben. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich denn auch zu einer ergreifenden Trauerkundgebung. Von Nah und Fern waren sie herbeigeeilt, die den Frommen gekannt und verehrt, der Bürgermeister, die Stadtverordneten und zahlreiche christlichen Mitbürger schlossen sich dem imposanten Trauergefolge an. Herr Rabbiner Dr. Munk aus Marburg würdigte die Verdienste des Verklärten in einer tief ergreifenden Trauerrede. - Und wenn der Dahingeschiedene auch in der Blüte seiner Jahre seiner trauernden Gattin und vier unmündigen Kindern entrissen worden ist, wenn sich die Sonne seines Lebens auch mitten in ihrer Lichtbahn gesehnt; so kann man doch von ihm gleich David sagen: am Schabbat wirst du sterben, er ist am heiligen Ruhetage, dem Tage der Vollendung gestorben, jung an Jahren, aber vollendet in Tugend und Frömmigkeit. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

 
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers und Stadtverordneten Jakob Goldberg (1887)  

Felsberg Israelit 22121887.jpg (273550 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1887: "Felsberg, Bezirk Kassel.  Am 20. November dieses Jahres, dem 4. Kislew, nachmittags 5 Uhr, hat unsere Gemeinde einen unersetzlichen Verlust erlitten. 
Die Krone unseres Städtchens, unser auch in weiteren Kreisen bekannter und verehrter Vorsteher Jakob Goldberg, bis zuletzt im Vollbesitze seiner geistigen und körperlichen Kraft, wurde uns nach kaum zweitägigem Krankenlager in Folge eines Lungenschlags durch einen schmerzlosen sanften Tod, würdig eines Frommen, entrissen; - zu früh trotz des erreichten 71. Lebensjahres für seine Hinterbliebenen, denen er ein stets liebevoller, sorgsamer Gatte und Vater gewesen; zu früh für die israelitischen Gemeinde-Mitglieder, welche ihren Leiter und Ratgeber, und zu früh für alle unsere Einwohner ohne Unterschied der Konfession und des Standes, die ihren humansten und selbstlosesten Mitbürger verloren haben.
Seit 40 Jahren Vorsteher unserer Gemeinde und seit 20 Jahren Stadtverordneter, verstand er es, sich durch sein biederes, herzliches Wesen, sein freundschaftliches Entgegenkommen die Liebe und Verehrung Aller, durch gewissenhafte Pflichterfüllung und streng sittliches Verhalten das unbegrenzte Vertrauen eines Jeden zu erwerben, welcher einmal mit ihm in Berührung kam. Über Alles ging ihm jedoch die Gottesfurcht. Von Morgens, wo er seit einem halben Jahrhundert mit bewunderungswürdiger Pünktlichkeit als der Ersten Einer zum Frühgottesdienste erschien, bis Abends spät gab er uns ein Baispiel jener echten Frömmigkeit, welche sich nicht genügt, in strenger Beobachtung aller religiösen Vorschriften, sondern auch im praktischen Leben sich ihre Nutzanwendung sucht. Sein Haus war wahren Sinnes der Mittelpunkt unserer Stadt: es schied daraus getröstet, wer es gebeugt betragt, aufgeklärt, wer da kam, den trefflichen Rat des viel erfahrenen Dahingeschiedenen einzuholen und dankbar die vielen Bedürftigen, die an seine stets offene Hand appellierten. Gottergeben, den Fügungen des Allmächtigen sich unterwerfend, freudig und ohne Murren, so lebte und starb der Verblichene. Zwei Tage vor der festgesetzten in Frankfurt stattgefundenen Hochzeit eines seiner Söhne befiel ihn ein leichtes Unwohlsein, welches die Reise nicht zuließ. Lächelnd täuschte er seine Angehörigen über die Bedeutung der Krankheit, um die Festlichkeit nicht zu stören. Eine höhere Hand unterbrach sie in ungeahnter Weise. Der Hochzeitstag des Sohnes wurde der Sterbetag seines edlen Vaters. 
Hätte es dessen noch bedurft, der imposanteste Leichenzug, den Felsberg wohl gesehen, die ungezählten Beileidsbeweise, selbst aus weiter Ferne würden für die vorzüglichen Eigenschaften des teuren Entschlafenen ein beredtes Zeugnis abgeben. 
Der Stolz der Gemeinde ist dahin! Wir aber beten zum allgütigen Vater, dass Er den Geist des echten Judentums, der den Verstorbenen beseelte, unter uns fortleben und dessen gottesfürchtiges Walten uns stets gewärtig halten möge, alsdann wird zutreffen: das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.  ---r."

      
Goldene Hochzeit von Joseph Levi und Regina geb. Speier in Gensungen (1912)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. November 1912:  "Felsberg. In seltener Rüstigkeit und Geistesfrische feierten die Eheleute Joseph Levi und Frau Regina geb. Speier im nahen Gensungen die goldene Hochzeit".        


80. Geburtstag von Seligmann Leviberg, langjähriger (ehrenamtlicher) Vorbeter und Schochet (1927)  

Felsberg Israelit 23061927.jpg (25053 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Felsberg (19. Juni (1927). Seinen 80. Geburtstag beging am 21. Juni Herr Leviberg in größter Frische, der lange Jahre das Amt eines Chason (Vorbeters) und Schochet bekleidet hat. Er ist bei Juden und Nichtjuden in höchstem Maße angesehen und beliebt."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Juni 1927:  "Felsberg. Unser allverehrtes Gemeindemitglied, Herr Seligmann Leviberg, feiert am 21. dieses Monats seinen 80. Geburtstag. Herr Leviberg, der in unserer Gemeinde lange Jahre das Amt eines Chasen und Schauchet versehen hat, erfreut sich in allen Kreisen unserer Bevölkerung größter Beliebtheit. Körperlich und geistig völlig rüstig, wünschen wir ihm, dass er noch lange Jahre im Kreise seiner Kinder in vollster Gesundheit seinen Lebensabend verbringen möge."     

   
Goldene Hochzeit von Mendel Hammerschlag und Minna geb. Bleiweiß (1927)  

Felsberg Israelit 18081927.jpg (20690 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Felsberg. Die goldene Hochzeit begingen am 15. August dahier Mendel Hammerschlag und Ehefrau Minna geb. Bleiweiß in größter Rüstigkeit und Geistesfrische."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. August 1927: "Felsberg. Am 15. August feiern Herr Mendel Hammerschlag und Frau das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. Das Ehepaar, das sich noch einer verhältnismäßigen Frische und Rüstigkeit erfreut, ist hier in allen Kreisen sehr beliebt. Besonders Herrn Hammerschlag, der in den 70er-Jahren als Husar gedient hat, merkt man noch heute die militärische Haltung und Rüstigkeit an. Mögen sie noch lange im Kreise ihrer Kinder und Enkel bei Gesundheit ihren Lebensabend verbringen."      

  
Zum Tod des Viehhändlers Isidor Weinstein (1928)         

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. März 1928: "Felsberg. Dienstag, den 13. März dieses Jahres, bewegte sich ein nach Hunderten zählender Leichenzug durch unser Städtchen. An einer bösen, schleichenden Krankheit war nach kurzem Krankenlager der Viehhändler Isidor Weinstein gestorben. Von Nah und Fern waren in zahlreicher Menge seine Berufsgenossen, seine Kriegskameraden und seine Freunde und Bekannten erschienen, um ihn zu Grabe zu geleiten. Auch der Kriegerverein Felsberg, dem der Verstorbene angehörte, trat vollzählig mit der Fahne und einer Gewehrsektion an, zum letzten Geleite des Kameraden. Lehrer Kleeblatt hielt die Gedächtnisrede und zeichnete den Verstorbenen als einen guten und edlen Menschen, der überall, wo er konnte, Not und Schmerzen linderte. Nachher rief ihm noch der Vorsitzende des Kriegervereins warme Worte des Gedenkens nach. Nach Einsenkung des Sarges rollte die Ehrensalve über das Grab. Der Verstorbene hat bei dem Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 83 den Weltkrieg von Anfang bis zu Ende mitgemacht".             

     
Hermann Hoffmann wurde vom Roten Kreuz ausgezeichnet (1928)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 27. Januar 1928: "Felsberg. Herrn Hermann Hoffmann wurde das Ehrenzeichen für '10-jährige treue Dienste' vom Roten Kreuz durch Herrn Landrat Dr. Schuster - Melsungen verliehen."              

    
 Trauung von Irma Mannsbach und Emanuel Weißmann - nach langer Zeit wieder erste Trauung in der Felsberger Synagoge (1928)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 31. August 1928: "Felsberg. Am Sonntag, den 26. dieses Monats fand in der hiesigen Synagoge die Trauung des Frl. Irma Mannsbach, Tochter des Herrn Baruch Mannsbach, mit Herrn Emanuel Weißmann, Frankfurt am Main statt. Es war dies nach langen Jahren wieder das erstemal, dass eine derartige Feier im Gotteshaus stattfand. Alt und jung beider Konfessionen war herbeigeeilt, um bei der Trauung der allgemein beliebten Felsbergerin zugegen zu sein und so war die festlich geschmückte Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Herr Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, hielt die stimmungsvolle Traurede."                

 
Goldene Hochzeit von Moses Schloß und Settchen geb. Gans (1930)          

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 25. Juli 1930:  "Felsberg. Am 28. Juli (1930) begeht Herr Moses Schloß und Frau Settchen geb. Gans das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar befindet sich in vollkommen geistiger und körperlicher Frische und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit."          

     
50-jähriges Geschäftsjubiläum der Firma Victor Loewenstein in Gensungen (1930)     

Gensungen JuedWZKassel 28111930.jpg (9472 Byte)Mitteilung in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. November 1930: "Gensungen. Die weithin bekannte hiesige Firma Victor Loewenstein begeht am 29. November ihr 50-jähriges Geschäftsjubiläum."         

 
Zum Tod des aus Felsberg stammenden  Bezirksrabbiners Dr. Laser Weingarten (geb. 1863 in Felsberg, gest. 1937 in Bad Ems)  

Bad Ems Israelit 22041937.jpg (256490 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1937: "Bezirksrabbiner Dr. L. Weingarten - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. 
Bad Ems
, 14. April (1937). Am 11. April wurde hier Bezirksrabbiner i.R. Dr. Laser Weingarten unter großer Beteiligung des ganzen Rabbinatsbezirkes und vieler Freunde zur letzten Ruhe geleitet. Der Verewigte wurde 1863 in Felsberg bei Kassel geboren. Nach Absolvierung des Hildesheimer'schen Rabbinerseminars in Berlin und mehr als zweijährigem Studienaufenthalt in Russland, trat er am 1. Februar 1890 sein Amt als Bezirksrabbiner in Bad Ems an. Seine ganze Kraft und Arbeit stellt er in den Dienst der heiligen Sache. Großes leistete er in der sozialen Fürsorge.      
Im Jahre 1892 gründete er mit Gleichgesinnten das Sanatorium 'Emser Heilquelle' für kurbedürftige minderbemittelte Juden. Im Jahre 1897 gründete er das 'Israelitische Zentral-Waisen- und Mädchenheim', in welchem eine große Anzahl jüdischer Waisen unter seiner persönlichen Aufsicht zu wertvollen und brauchbaren Menschen erzogen wurden. Auch war er Mitbegründer der Eintracht-Loge in Koblenz. Eine besonders wichtige Gründung des Heimgegangenen gemeinsam mit seinem Freunde Benno Jacoby, Sayn seligen Andenkens und verschiedenen Gönnern war der Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven und Gemütskranke, der viel Leid gemildert hat und heute noch seine segensreiche Tätigkeit ausübt. Das von dem Verstorbenen gegründete Waisenhaus ist inzwischen in das Alters- und Erholungsheim für jüdische Lehrer, Kantoren und Sozialbeamte umgewandelt worden.   
Während des Weltkrieges, den drei Söhne des Verstorbenen mitmachten, stellte er sich in den Dienst der Kriegsgefangenen-Fürsorge. Außerdem übernahm er freiwillig an der Oberrealschule in Bad Ems für die ins Feld gerückten Lehrkräfte den Mathematikunterricht. Als einer der ersten wurde er daher mit dem "Verdienstkreuz für Kriegshilfe' ausgezeichnet. Wegen seines stets freundlichen, schlichten und einfachen Wesens war der Verewigte bei allen Mitmenschen geachtet und beliebt.  
Am Grabe des Heimgegangenen, der seit 1931 im Ruhestand lebte, sprach sein Amtsnachfolger, Herr Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer, Bad Ems, zu Herzen gehende Worte über das Leben und Wirken seines verewigten Kollegen. Auch für das 'Jüdische Alters- und Erholungsheim', den 'Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke', den 'Synagogenrat Hessen-Nassau' und die 'Eintracht-Loge' Koblenz entbot Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer auftragsgemäß die letzten Grüße. Herr Kultusvorsteher Dr. med. Cohn, Bad Ems, sprach für die Gemeinde Bad Ems, Herr Lehrer i.R. Levy, Höchst am Main, erwies als Vertreter des 'Jüdischen Lehrerverbandes Hessen-Nassau' dem Heimgegangenen die letzte Ehre. Für die Westerwaldgemeinden sprach Herr Lehrer Neuhaus, Hachenburg i.W.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Metzger Baruch Mannsbach sucht einen Lehrjungen (1897) 

Felsberg Israelit 23091897.jpg (37920 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. September 1897: "Suche für sofort einen kräftigen Lehrjungen aus achtbarer Familie, für meine Metzgerei und Wurstmacherei. Samstags und Feiertage streng geschlossen. 
Baruch Mannsbach, Felsberg bei Kassel." 

  
K. / J. Hoffmann sucht für sein Manufakturwaren-, Schuh- und Konfektionsgeschäft einen Lehrling (1901 / 1903)  

Felsberg Israelit 18031901.jpg (32852 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1901: "Suche per Ostern Lehrling, für mein Manufaktur-, Schuh- und Konfektionsgeschäft. Samstags und israelitische Feiertage geschlossen. 
K. Hoffmann, Felsberg bei Kassel."    
    
Felsberg Israelit 02021903.jpg (40267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1903: "Lehrling, mit guter Schulbildung, für Ostern gesucht. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
J. Hoffmann und Co., Manufakturwaren-, Schuh- und Konfektionsgeschäft. 
Felsberg bei Kassel."  

         
 Verlobungs- und Heiratsanzeige von Bella Schloß und Ludwig Heß (1926)    

Gensungen JuedWZKassel 18031927.jpg (22030 Byte)Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. März 1927: 
"Bella Schloß  Ludwig Heß 
  Verlobte   
Gensungen
    Stuttgart   
17. November 1926."     
 
Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Januar 1927: 
"Ludwig Hess - Bella Hess geb. Schloss.  
Vermählte   2. Januar 1927   Stuttgart  - Gensungen bei Kassel. 
Trauung in Gensungen am 2. Januar 1927 mittags 1 Uhr im Hause Schloss."        

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge           
   
Zunächst war ein Betsaal oder eine erste Synagoge vorhanden (1847 als "bisheriges Betlokal" bezeichnet).  

1842
stellte die jüdische Gemeinde bei den Behörden den Antrag auf Bau einer neuen Synagoge. Nach 1845 konnte gebaut, die Synagoge am 14. Oktober 1847 eingeweiht werden. Die Pläne hatte Landbaumeister Augener aus Melsungen gezeichnet. Bei der Synagoge handelte es sich um einen stattlichen Steinbau aus Gensunger Sandbausteinen in Schichtmauerwerk. Der Betsaal hatte etwa 100 Männer- und auf der Empore 80 Frauenplätze. Die Synagoge war schön ausgestattet und besaß etwa 15 Torarollen, die fast alle von ehemaligen jüdischen Einwohnern Felsbergs, welche in anderen Städten lebten und dort zu Wohlstand gekommen waren, gestiftet hatten. Über die Einweihung durch Kreisrabbiner Mordechai Wetzlar aus Gudensberg liegt ein Bericht in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vor. Beschrieben wird darin: der letzte Gottesdienst im "bisherigen Betlokal", der feierliche Umzug der Torarollen unter einem Baldachin zur neuen Synagoge, der erste Gottesdienst in der neuen Synagoge mit Einbringung der Torarollen und den dabei üblichen sieben Umzügen um das Almemor sowie dem Weihegebet und der Predigt des Kreisrabbiners:    
  
Die Einweihung der Synagoge in Felsberg (1847)   
Der Abschnitt ist teilweise abgekürzt wiedergegeben. 

Felsberg DtrZionsw 02111847.jpg (188669 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 2. November 1847: "Felsberg. Ich lege Ihnen anbei das Programm der Einweihung unserer Synagoge, welche vorigen Donnerstag unter dem Andrange einer großen Masse Menschen, aus der Nähe und Ferne und von allen Konfessionen zusammengesetzt, stattfand. Circa 500 Billette waren ausgegeben und wohl 1.000 Menschen mussten zurückgewiesen werden. Sämtliche Beamte und Honoratioren nahmen einen lebhaften Anteil an dieser Feier, die ihrem ganzen Umfange nach allen an sie gestellten Erwartungen entsprach. Das Programm lautet folgendermaßen:  
Programm
 
zu den Feierlichkeiten bei dem Auszuge 
aus dem bisherigen Betlokale und der Einweihung 
der neuen Synagoge zu Felsberg, am 4. Cheswon, 
den 14. Oktober 1847. 
1) Mittags 12 Uhr versammeln sich die männlichen Gemeindemitglieder im Männerbetlokale, die Frauen im Frauenbetlokale, woselbst die Psalmen 27, 122 und 132 vom Vorsänger und der Gemeinde rezitiert worden. Hier wird das Minchagebet, nachdem der Kreisrabbiner eine kleine Rede gehalten, vom Vorsänger vorgebetet und von der  Gemeinde leise nachgesprochen.
Anmerkung: In dieser Rede, vor Mincha gehalten, setzte derselbe die Wichtigkeit der gegenwärtigen Trennung von diesem heiligen Orte auseinander und forderte die Gemeinde auf, das Mincha-Gebet, als letztes Gebet in der alten Synagoge recht andächtig zu beten... 
2) Der Kreisrabbiner Wetzlar trägt nach Beendigung des Minchagottesdienstes, aus dem 1. Buch Chronik vom 25. Vers des 15. bis zum Ende des 16. Kapitel vor, alsdann wird das Aleinu-Gebet vom Kreisrabbiner gebetet und von der Gemeinde leise nachgesprochen; hierauf entfernt sich die Versammlung und bildet alsdann den Zug vor dem Hause, worin sich das Betlokal befindet, die Frauen und alle die, welche berechtigt sind zum Einlass in die neue Frauensynagoge, nehmen indessen ihre Plätze in derselben ein.  
Anmerkung: Bei diesem Vortrag wurde bemerkt, wie durch Chofni und Pinchas die Tora gefangen wurde, wie sie selbst zwar den Tod fanden, die Tora aber ihre Göttlichkeit selbst den Philistern zeigte, wie jeder Angriff gegen die Tora gestraft wurde... Auch in unserer Zeit ist die Tora der Gefahr ausgesetzt, in Gefangenschaft zu geraten..."       
Felsberg DtrZionsw 02111847b.jpg (328907 Byte)3. Der Kreisrabbiner nimmt die Torarollen aus der heiligen Lade und übergibt sie den von den Gemeindeältesten dazu bestimmten Gemeindemitgliedern; die Gemeinde betet: wajehi binsoa .., worauf der Kreisrabbiner am Eingang des Betlokals jehi?) laut und die Gemeinde leise nachgebetet.
4. Der Zug bildet sich nach folgender Ordnung. Die Sänger paarweise, alsdann der Baldachin (über der) Tora, dann folgen alle Männer und Jünglinge, je vier und vier. 
5) Der Kreisrabbiner und alle Toraträger verlassen das Betlokal und begeben sich unter den auf der Straße harrenden Baldachin, der Zug setzt sich in Bewegung. Am Eingange der Synagoge halten die Baldachinträger still; die Sänger bilden auf beiden Seiten des Eingangs Spalier, die Männer und alle die, welche sich diesen angeschlossen haben, begeben sich auf ihre Plätze in der Synagoge, dann die Sänger ebenfalls. Sobald jeder seine Stelle eingenommen hat, tritt der Kreisrabbiner und sämtliche Toraträger ein. Alle Anwesenden erheben sich hier von ihren Sitzen. 
6) Der Kreisrabbiner betet Mah towu, nach dessen Beendigung stellt sich derselbe und die übrigen Toraträger auf die Stufen der heiligen Lade, wo dann das Dankgebet vom Kreisrabbiner gesprochen wird.
7) Der Vorsänger rezitiert waji binsoa, die Sänger fallen ein Ki MiZion. Hierauf folgen die sieben Umzüge um das Almemor in folgender Ordnung: der Vorsänger, dann der Kreisrabbiner, nach ihnen die Gemeindeältesten und Toraträger treten paarweise die Stufen der heiligen Lade hinab, ziehen um das Almemor, doch so, dass sie dasselbe zur Linken haben und kehren dann zur heiligen Lade zurück, wo sie jedes Mal ihre vorige Stellung einnehmen. 
8) Es werden die verschiedenen Gebetsgesänge von Vorsänger und den Sängern während der sieben Umzüge um den Almemor beschrieben.      
Nach dem siebenten und letzten Umzug kehren die Toraträger nicht zu ihrer vorigen Stelle zurück, sondern bleiben in dem Raum zwischen dem Almemor und der heiligen Lage stehen und der Vorsänger rezitiert abwechselnd mit der Gemeinsame Psalm 24. Beim siebenten Vers desselben steigt der Kreisrabbiner die Stufen zur heiligen Lade hinauf und zieht den Vorgang von derselben zurück; beim neunten Vers öffnet er dieselbe und stellt nach Beendigung des Psalms die von ihm getragene Tora hinein, ebenso diejenige, die ihm jetzt der Vorsänger reicht. Hierauf übergeben die übrigen Toraträger ihre Torarollen nacheinander dem Vorsänger, dieser dem Kreisrabbinen, der sie ebenfalls in die heilige Lade stellt. - Hierauf wird dieselbe geschlossen und ein weiteres Gebet wird vom Vorsänger und der Gemeinde abwechselnd rezitiert.
9) Der Vorsänger, die Gemeindeältesten, die Toraträger begeben sich an ihre Plätze. Der Kreisrabbiner tritt hinab auf die unterste Stufe der heiligen Lade und hält das Weihegebet [die Gemeinde spricht Amen] und der Vorsänger rezitiert abwechselnd mit der Gemeinde Psalm 111.
11) Der Kreisrabbiner hält die Predigt zur Einweihung, der sich das Gebet für das Wohl der Landesobrigkeit und des Vaterlandes anschließt. 
12) Der Vorsänger beendigt (mit einem weiteren Gebet), womit die Feierlichkeit beendigt ist.
Am darauf folgenden Sabbat wurde von den zur Toralesung Gerufenen viel gespendet, von einem Einzigen dort 18 Frsdr. Ganz besonders muss der Eifer erwähnt werden, den der Herr Gemeindeälteste, welcher außerdem ganz unermüdlich alles Mögliche aufbot, dass dieser neue Bau ausgeführt wurde, überhaupt bei jeder Gelegenheit tätig ist, um die Tora in unserer Mitte stark zu machen.         

    
1903 war eine umfassende Renovierung im Innenraum nötig, nachdem ein Teil der Lehmdecke heruntergefallen war und die Inneneinrichtung auf der Empore beschädigt hatte. 

Felsberg FrfIsrFambl 18121903.jpg (47352 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1903: "Felsberg, Bezirk Kassel, 15. Dezember (1903). Die hiesige Synagoge, in welcher im Herbst ein Teil der schweren Lehmdecke über der Empore herabfiel, sodass Pulte und Sitzplätze beschädigt wurden, wird jetzt vollständig renoviert. Die etwa 180 Quadratmeter umfassende Lehmdecke, die auch an mehreren anderen Stellen gefahrdrohende Risse zeigte, ist gänzlich abgenommen und an deren Stelle eine Dielenbedeckung getreten, mit deren Fertigstellung man gegenwärtig beschäftigt ist." 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge bereits am Abend des 8. November geschändet. Das Gebäude wurde jedoch nicht zerstört und wurde nach 1945 als Turnhalle, später als Gaststätte verwendet. Über aktuelle Entwicklungen seit 2010/11 siehe Berichte unten. Es ist geplant, dass die Synagoge nach einer Restaurierung zu einem Ort der Begegnung wird, zu einem jüdischen interreligiösen Zentrum für Tagungen, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Gottesdienste.    
      
      
      
Über die Mikwe (rituelles Bad)   
    
Hessischer Denkmalschutzpreis 2005 für Ausgrabung eines Jüdischen Ritualbads in Felsberg  http://lfdh.db.rjm.de/cgi-bin/Ausgabe.pl?id=286 
Wolfgang Eitel für Einsatz bei Bergung der ehemaligen Mikwe ausgezeichnet     
   
Zu den Preisträgern gehört auch Wolfgang Eitel, der für seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz bei der Ausgrabung eines ehemaligen jüdischen Ritualbads in Felsberg (Schwalm-Eder-Kreis) mit einer Urkunde ausgezeichnet wird. Im Herbst 2003 beabsichtigte Wolfgang Eitel in seinem Garten einen Obstbaum zu pflanzen. Der Garten befindet sich hinter seinem Haus an der Untergasse nahe der ehemaligen Stadtmauer von Felsberg. Nach kurzer Zeit stieß Wolfgang Eitel auf ein großformatiges Mauerwerk mit einem nahezu quadratischen Grundriss. Als dann nach längerem Graben einige Treppenstufen zu Tage traten, informierte er die Baudenkmalpflege und die archäologische Denkmalpflege über den Fund. Es handelte sich um die Reste der ehemaligen Mikwe, dem jüdischen Tauchbad, das um 1820 an dieser Stelle erbaut worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es abgerissen; mit dem Mauerwerk wurde das Tauchbad verfüllt. In mühevoller Arbeit hat Wolfgang Eitel das Bad vom Schutt geräumt. Das erhaltene Backsteinmauerwerk wurde gesäubert und das Bad bis zur Sohle freigelegt. Auch Treppe und Mauerwerk, das in hervorragender steinmetzmäßiger Qualität erhalten ist, wurden gereinigt.    
   
   
Adresse/Standort der SynagogeRitterstraße    
   
  
Fotos  
(Quelle: sw-Fotos aus Arnsberg, Bilder S. 51; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2008)  

Ältere Aufnahmen Felsberg Synagoge 010.jpg (54788 Byte) Felsberg Schule 010.jpg (47351 Byte)
   Die Aufnahmen entstanden vermutlich in den 1960er-Jahren: links die ehemalige Synagoge, 
rechts die Schule mit Blick zur Felsburg
        
Die ehemalige Synagoge auf der
 Umschlag-Vorderseite des Buches von 
Thea Altaras 1988
(s.Lit.)
Felsberg Synagoge 030.jpg (63552 Byte) Felsberg Synagoge 031.jpg (44596 Byte)
  Rekonstruktion der Straßenfassade 
(grau), Schnitt (blau) und abgebrochener
 Tora-Schrein (gelb)
Die ehemalige 
Synagoge 1985
 
     
Die ehemalige Synagoge Felsberg Synagoge 152.jpg (82355 Byte) Felsberg Synagoge 156.jpg (74790 Byte)
   Blick auf die ehemalige Synagoge an der Ritterstraße  
    
   Felsberg Synagoge 154.jpg (61142 Byte) Felsberg Synagoge 155.jpg (89572 Byte)
   Nordseite der 
ehemaligen Synagoge
Zugemauerte hohe Rundbogenfenster 
an der Ostseite
     
Das Synagogengebäude 
von der Obergasse
Felsberg Synagoge 158.jpg (87166 Byte) Felsberg Synagoge 159.jpg (79414 Byte)
   Der Blick von Süden - von der Obergasse - zeigt u.a. ein teilweise zugemauertes Fenster  
   
Gedenktafel   Felsberg Synagoge 151.jpg (114836 Byte) Felsberg Synagoge 150.jpg (111277 Byte)
  Die Gedenktafel ist an der der ehemaligen Synagoge gegenüberliegenden Mauer angebracht. Der Text lautet: "Gegenüber steht die ehemalige Synagoge, erbaut von 1842 bis 1865, im Innern zerstört am 8. November 1938. Zur Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger, die während des Nationalsozialismus gedemütigt, entrechtet, vertrieben, verschleppt und ermordet wurden. 'Vergessen führt in die Verbannung - Erinnerung jedoch ist das Geheimnis der Erlösung.' (Jüdische Weisheit)." 
     
Die ehemalige jüdische Schule    
Felsberg Schule 152.jpg (91431 Byte) Felsberg Schule 151.jpg (92820 Byte) Felsberg Schule 150.jpg (93905 Byte)
Die 1826-1931 bestehende jüdische Schule wurde in dem 1653 erbauten Patrizierhaus Obergasse 6 untergebracht.

  
  
  
Seit 2010/2011: neues jüdisches Leben in Felsberg - Bemühungen um die Restaurierung der ehemaligen Synagoge - dazu Berichte zur Erinnerungsarbeit vor Ort  
  
Die 1995 in Kassel gegründete liberale jüdische Gemeinde Emet weSchalom hatte von 2001 bis 2010 ihren Gemeindesitz in Gudensberg. Im November 2010 wurde der Sitz nach Felsberg verlegt. In Felsberg wurde ein Gemeinderaum bezogen, der auch als Betraum verwendet wird. Angestrebt wird eine Restaurierung und neue Nutzung des Synagogengebäudes in Felsberg. Derzeit werden Gottesdienste an unterschiedlichen Orten, nicht nur in Felsberg, sondern auch bei einzelnen Mitgliedern (teilweise auch in Kassel) abgehalten.   
   
Das erste in Felsberg von der Gemeinde gefeierte jüdische Fest war das Chanukka-Fest im Dezember 2010. Im folgenden Jahr 2011 konnte erstmals der Seder-Abend zum Pessach-Fest in Felsberg gefeiert werden. Zur Einrichtung eines Betsaales erhielt die Gemeinde einen Tora-Schrein (Aron haKodesch) von der jüdischen Gemeinde Hameln. Im August 2011 konnten zwei Torarollen nach Felsberg gebracht werden, davon wurde eine aus der Temple-Israel-Gemeinde Dayton in Ohio der Gemeinde geschenkt, eine weitere ist eine Dauerleihgabe des Doms in Fritzlar (restauriert 2011 in Israel). 

  
Kontakt zur Gemeinde: Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom e.V. Nordhessen  
Postfach 1112   34583 Felsberg   Tel. 05603/6701  Fax 05603-9112433   E-Mail       
Website der Gemeinde:   www.emetweschalom.de  
  
Kontakt zum "Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg" (Vorsitzender: Christopher Willing) 
Tel.: 05662/930749 Fax: 6256;  E-Mail: info@synagoge-center-felsberg.org   Website:  www.synagogue-center-felsberg.org     
     

August 2011: Zwei Torarollen stehen für den Gottesdienst zur Verfügung 
Artikel vom 5. August 2011 von "bmn" in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de, Artikel): 
"Zwei Torah-Rollen für neue Synagoge der Gemeinde Emet we Shalom
Felsberg. Die neue Synagoge der Liberalen jüdischen Gemeinde Emet we Shalom, Wahrheit und Frieden, ist klein. Dennoch ist sie der zentrale Ort für die nordhessenweit 20 Mitglieder. Am Sonntag werden zwei Torah-Rollen feierlich in die Synagoge eingeführt.
Eine Rolle ist ein Geschenk aus Dayton (Ohio, USA) von der Dachorganisation der progressiven jüdischen Gemeinden. Dafür stand die hiesige Gemeinde zehn Jahre auf der Warteliste. Die zweite Rolle ist eine Dauerleihgabe des Fritzlarer Doms. Von ihr zu erfahren, war eher Zufall. Deborah Tal Rüttger vom hiesigen Vorstand gibt beider Vokshochschule unter anderem Hebräisch-Kurse. Eine ihrer Schülerinnen hatte von der Torah-Rolle erfahren. Sie sprachen mit Herrn Conrad von den Prämonstratensern. 'Es dauerte lange, bis eine Entscheidung gefallen war', berichtet Tal-Rüttger..."    
Außerdem hatte die Rolle einen Wasserschaden und Passagen waren nicht gut lesbar. Damit war die Rolle nicht mehr koscher und
 
August 2011: Die ehemalige Synagoge soll als Synagoge und Museum wiederbelebt werden      
Artikel vom 8. August 2011 von Manfred Schaake in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de, Artikel): 
"Jüdische Liberale Gemeinde plant Begegnungsstätte und Museum in Felsberg. Synagoge wieder beleben
Felsberg.
Die jüdische liberale Gemeinde Emet we Shalom - Wahrheit und Frieden - möchte die ehemalige Synagoge in Felsberg als Synagoge und Museum nutzen. Das wurde während eines feierlichen Gottesdienstes bekannt, in der zwei Torah-Rollen übergeben wurden. Wie berichtet, befindet sich die neue Synagoge in einem Privathaus..."    
 
November 2012: Die künftige Nutzung der ehemaligen Synagoge als Synagoge und Dokumentationszentrum ist weiterhin geplant    
Artikel von Manfred Schaake  in der "Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen" (hna.de) vom 13. November 2012: "Verein in Felsberg will Gebäude erwerben – Dokumentationszentrum mit Museum geplant. Jüdisches Leben in der Synagoge
Felsberg. Die ehemalige Synagoge an der Ritterstraße in Felsberg soll wieder Synagoge und ein Dokumentationszentrum werden. Das ist das Ziel eines bereits 20 Mitglieder zählenden Vereins, der am Sonntag im Mehrgenerationenhaus Felsberg gegründet worden ist.
Rettung der Synagoge Felsberg – das ist laut Satzung der Name des Vereins. Initiator ist Christopher Willing aus Gensungen. Der Diplom-Ingenieur für Tief- und Wasserbau ist Vorstandsmitglied der jüdischen liberalen Gemeinde Emet we Shalom – Wahrheit und Frieden – Nordhessen. Der Verein hat den Zweck, so heißt es in der Satzung, 'das Gebäude und Grundstück der ehemaligen Synagoge Felsberg zu erwerben, denkmalgerecht zu sanieren und ihren Original-Zustand wieder herzustellen'. Im Eingangsbereich soll ein Museum entstehen, das das jüdische Leben in Nordhessen über die Jahrhunderte dokumentiert. 'Unser Ziel ist, den Ankauf in den nächsten zwei Jahren zu realisieren', sagt Willing. Seit vielen Jahren wird die Synagoge gastronomisch genutzt. Für die Wiederbelebung möchte der Verein Fördergeld und Spenden einwerben. In der Satzung hat der Verein diese Ziele formuliert: Förderung des interreligiösen Kennenlernens und der Toleranz durch Veranstaltungen, besonders für die Jugend - Verbreitung von Wissen über die jüdische Religion und die jüdischen Traditionen - Aufrechterhaltung und Förderung des gegenseitigen Interesses und des Dialogs zwischen Juden und Nichtjuden sowie aller Religionen. -  Veranstaltung von kulturellen Seminaren.
Vorträge und Lernkreise. Geplant sind öffentliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen und Lernkreise, die sich mit dem interreligiösen Dialog und dem Judentum befassen. Die Mitglieder haben laut Satzung die Möglichkeit, an jüdischen Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen in der Synagoge teilzunehmen. An jüdischen Feiertagen kann die Synagoge von der örtlichen jüdischen Gemeinde genutzt werden und so eine Brücke zwischen früher und heute schlagen, wie Willing formulierte. 'Der Verein ist selbstlos tätig', heißt es in der Satzung, 'er verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke'.
Erster Vereinsvorsitzender ist Christopher Willing, sein Stellvertreter Thomas Bruinier, Kassenwart Burckhard Tosberg. Fünf Beisitzer sollen noch berufen werden. Kassenprüfer sind Gitta Hentschker-Kranixfeld und Uwe Lengen. Kontakt: Christopher Willing, E-Mail (wiotec[et]gmx.de)." 
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Mai 2014: Pläne für ein Jüdisches Kulturzentrum in Felsberg   
Artikel in der hna.de vom 28. Mai 2014: "Vision für Leerstand. Pläne für Jüdisches Kulturzentrum: Hentschker-Haus soll Gästehaus werden 
Felsberg.
Ein eigens zu diesem Zweck gegründeter Verein will in Felsberg ein Nordhessisches Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur aufbauen. Ein Teil des Projekts: Das leerstehende Hentschker-Haus soll zum Gästehaus für die Besucher des Zentrums umgebaut werden. Dafür werden Helfer gesucht..."   
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August 2014: Der "Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg" möchte das Synagogengebäude kaufen    
Artikel in der hna.de (Lokalausgabe) vom 15. August 2014: "Verein will Synagoge in der Felsberger Altstadt kaufen: Benefizveranstaltungen geplant
Felsberg
. Bis zum Jahresende will der vor zwei Jahren gegründete 'Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg" das Gebäude in der Felsberger Altstadt kaufen. Das sagte der Initiator und Vorsitzende des Vereins, Christopher Willing, im HNA-Gespräch.
Die ehemalige Synagoge an der Ritterstraße soll wieder Synagoge sowie ein Dokumentations- und Begegnungszentrum werden. Das ist das Ziel des mittlerweile 30 Mitglieder zählenden Vereins. Wie Christopher Willing erklärte, ist Marion Karmann, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Mittleres Fuldatal, im ständigen Kontakt mit dem Ministerium, das Fördergeld vergibt. Es gebe positive Signale. Somit sollten 60 bis 70 Prozent der Summe für den Ankauf gesichert sein, sagte Willing..."  
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Juni 2015: Erste "Stolpersteine" werden in Felsberg verlegt
Anmerkung: es wurden am 15. Juni 2015 drei "Stolpersteine" verlegt: in der Obergasse 29 für Isaak Kruck (1866), Siegmund Kruck (1912), Malchen Kruck geb. Mansbach (geb. 1878 in Niedenstein). Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Felsberg (unvollständig)
Artikel von Judith Féaux de Lacroix in der hna.de (Lokalausgabe) vom 16. Juni 2015: "Nach langen Diskussionen: Erste Stolpersteine in Felsberg verlegt
Felsberg/Melsungen
. In Felsberg wurden jetzt die ersten Stolpersteine verlegt - dank engagierter Schülerinnen von der Melsunger Radko-Stöckl-Schule.
Malchen Kruck soll nicht vergessen werden. Die Felsberger Jüdin wurde 1941 in das Ghetto von Riga deportiert und später ermordet. Vor ihrem früheren Wohnhaus an der Obergasse liegt jetzt ein Stolperstein, der an Malchen Kruck erinnert. Zwei weitere Steine vor dem Haus tragen die Namen von Isaak und Siegmund Kruck. Es sind die ersten Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig in Felsberg verlegt hat. Zu verdanken ist das Schülerinnen der Melsunger Radko-Stöckl-Schule: Sie haben nicht nur Geld für die Stolpersteine gesammelt, sondern auch die Felsberger von ihrer Idee überzeugt - was viel Geduld erforderte. Die Mädchen mussten lange auf eine positive Antwort warten. 'Danke, dass ihr diesen langen Atem gehabt habt', sagte Felsbergs Stadtverordnetenvorsteher Stefan Umbach. 'Ich hätte nie gedacht, dass dieses Thema für so große Diskussionen in Felsberg sorgt', sagte Steffi Hoffmann vom Bund Deutscher Pfadfinder. Sie sei froh, dass die Steine verlegt werden konnten: 'Ihr habt Malchen Kruck nach Hause geholt, sie wieder sichtbar gemacht', lobte sie das Engagement der Schülerinnen.
Weitere Steine sollen folgen. Davon beeindruckt zeigte sich auch ein Filmteam aus Korea, das eine Dokumentation über die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland drehte: Die Koreaner befragten die Mädchen vor der Kamera über ihr Projekt. 'Wir wünschen uns, dass weitere Stolpersteine in Felsberg verlegt werden', sagte Lara Liebetrau (19) aus Spangenberg, 'wir übergeben dieses Projekt an die Drei-Burgen-Schule.' Deren Schüler haben bereits erste Ideen, wo weitere Stolpersteine in Felsberg einen Platz finden können - etwa vor der Eisdiele an der Untergasse, sagte Schulleiter Dr. Dieter Vaupel. 'Unser Ziel ist, im Frühjahr 2016 den nächsten Stein zu verlegen.' Bis in Felsberg so viele Stolpersteine liegen wie in Melsungen, wird es aber noch lange dauern: Dort wurde am Montag der 43. Stolperstein verlegt - vorerst der letzte. Zum Einsetzen der Steine waren viele Besucher gekommen. In Felsberg war auch die 79-jährige Margrete Wendel dabei, sie wohnt bis heute in ihrem Elternhaus an der Obergasse. Gleich nebenan lebte früher Malchen Kruck, für die jetzt einer der Stolpersteine verlegt wurde. 'Meine Cousine hat mir erzählt, dass sie, meine Mutter und ich Malchen Kruck in Kassel besucht haben, wo sie in einem Keller eingesperrt war', berichtet Wendel. Sie selbst sei damals aber erst zwei oder drei Jahre alt gewesen und könne sich nicht mehr daran erinnern. Es sei eine furchtbare Zeit gewesen, als die Juden aus Felsberg vertrieben und ermordet wurden. Sie hoffe nur, dass sich so etwas nie mehr wiederhole, sagte Wendel. Auch dazu können die Stolpersteine in Felsberg beitragen: Sie sorgen dafür, dass Menschen wie Malchen Kruck und ihr Schicksal nicht vergessen werden."  
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August 2016: Die Umbauarbeiten des Synagogengebäudes haben begonnen  
Artikel von Manfred Schaake in der hna.de (Lokalausgabe) vom 5. August 2016: "Einst Pizzeria, bald Synagoge: Gebäude in Felsberg wird wieder Gotteshaus. 
Felsberg
. Jahrzehntelang ein Gasthaus, zuletzt eine Pizzeria, bald Synagoge: Das Gebäude an der Ritterstraße wird derzeit hergerichtet.
Sie spachteln, streichen Decken und Wände, entmörteln defekte Fliesenreihen, installieren Lampen. Die Mitglieder des 2012 gegründeten Vereins zur Rettung der Felsberger Synagoge sind auch gute Handwerker. Sie richten das Gebäude an der Ritterstraße her, das jahrzehntelang als Gasthaus genutzt worden war, zuletzt bis 2013 als Pizzeria. Dank der Initiative des Vereins wird die ehemalige Synagoge nun wieder Gotteshaus. Am Freitag, 9. September, wird in dem Gebäude erstmals wieder Gottesdienst gefeiert - ein Shabat-Gottesdienst mit Annette Willing ab 18 Uhr.
Das hat Christopher Willing in einem Gespräch mit der HNA angekündigt. Der Diplom-Ingenieur für Tief- und Wasserbau ist Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge und Vorsitzender der jüdischen liberalen Gemeinde Emet we Shalom - Wahrheit und Frieden - Nordhessen. Willing kämpft seit Jahren für das Ziel, die ehemalige Synagoge wieder zu dem zu machen, was sie mal war. Die Stadt Felsberg hat das Gebäude gekauft, der Verein hat es auf 66 Jahre gepachtet. Die Synagoge wird nach den Worten Willings wieder Synagoge und ein Dokumentationszentrum für jüdisches Leben. Sie werde auch eine Begegnungsstätte für Juden, Christen und Muslime. Die Evangelische Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger ist von Anfang an Mitglied. Zurzeit hat der Verein 45 Mitglieder. Der Verein will auch das Robert-Weinstein-Haus an der Obergasse sanieren, um es künftig für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können. Geplant ist auch ein Jugendgästehaus und eine Künstlerresidenz. Die Künstler sollen einige Wochen in Felsberg leben und mit interreligiösem Bezug arbeiten. Der SPD-Mann und stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Robert Weinstein war am 8. November Opfer des Judenpogroms in Felsberg. Die Nazis hatten ihn auf die Straße getrieben, wo er starb. An diesem Abend zerstörten sie auch das Innere der Synagoge. Das Inventar verbrannten sie zur Wintersonnenwende im Dezember auf der Burgwiese, so ist es überliefert. Die Gesamtkosten für das Projekt Synagoge Felsberg werden auf 625 000 Euro geschätzt. 'Wir haben bereits 260 000 Euro Fördergeld vom Land Hessen', freut sich Christopher Willing. Auch die Hessische Denkmalpflege habe Geld in Aussicht gestellt. Über 40 000 Euro seien bisher gespendet worden. Willing ist optimistisch: 'Wir gehen davon aus, dass wir das fehlende Geld in den nächsten drei Jahren einwerben.'"
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Oktober 2016: Ausstellung zum Thema "Deutsch und Jüdisch" in Felsberg    
Artikel von 8. Oktober 2016: "Ausstellung jüdisches Leben in Felsberg. 
FELSBERG | NEW YORK
. Das renommierte Leo Baeck-Institut New York hat eine Ausstellung zum Thema 'Deutsch und Jüdisch' erstellt, die auch in Felsberg gezeigt wird. Sie macht deutlich, wie selbstverständlich jüdisches Leben in der Zeit vor 1933 in Deutschland gewesen ist. Dokumente, Porträts und Gegenstände bringen die gesellschaftlichen Verflechtungen der Menschen in ihrer Zeit zum Ausdruck, ebenso welche Impulse von ihnen ausgingen. 
'Wir sind sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, diese bedeutende Ausstellung in die Synagoge nach Felsberg zu holen', so der Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde, Christopher Willing. 'Außer in Felsberg wird sie nur noch in Frankfurt, Erfurt und Bremerhaven zu sehen sein', so Willing weiter. Diese Ausstellung 'Deutsch und Jüdisch' und die zwei begleitenden Vorträge setzen die Reihe von kulturellen Veranstaltungen fort, die in der Synagoge Felsberg durchgeführt werden.
Die Eröffnung der Ausstellung findet mit einem Fachvortrag am 14. Oktober um 17 Uhr in den Räumen der Synagoge In Felsberg, Ritterstraße 3 statt.
Bis zum 27.10.16 sind die Räume geöffnet: Wochenende 11-18 Uhr, Dienstag bis Freitag von 15-18 Uhr, montags geschlossen. (pm)"    
  
Oktober 2016: Sanierung des Robert-Weinstein-Hauses beginnt 
Artikel von Christine Thiery in "hna.de" vom 25. Oktober 2016: "Bald Gäste im Fachwerk. Sanierung des Robert-Weinstein-Hauses soll noch in diesem Jahr beginnen
Felsberg.
Im November soll es endlich losgehen. Dann wird das Robert-Weinstein-Haus in Felsbergs Obergasse saniert. Das Haus soll komplett entkernt und neu aufgebaut werden. Die Bauzeit wird zweieinhalb Jahre betragen. Der Startschuss wird sehnlichst erwartet. Der Verein zur Rettung der Synagoge will dort in Gedenken an den jüdischen Kaufmann, der am 9. November 1938 dem Pogrom zum Opfer fiel, ein Kulturzentrum schaffen. Eine Künstlerresidenz, ein Veranstaltungsraum sowie ein Jugendgästehaus sollen dort entstehen.
Teil der Synagoge. Die Sanierung des Hauses ist vor der Wiederherstellung der Synagoge Teil des Gesamtkonzeptes des Vereins, sagte deren Vorsitzender Christopher Willing. Zunächst wird das Haus entkernt, die Decke im ersten Obergeschoss wird heraus genommen, sagte der Architekt, Ulrich Hernmarck aus Fuldatal. Dafür muss zunächst die Statik gesichert werden. Eine Stahlbetonbodenplatte wird eingezogen. Balken müssen saniert werden. Im Untergeschoss wird der über zwei Geschosse gehende Veranstaltungsraum mit nach oben offenen Balken entstehen. Dort können Lesungen, Veranstaltungen und Workshops gehalten werden. Der residierende Künstler kann dort arbeiten. Daher gibt es dann auf dieser Ebene auch Toiletten sowie eine kleine Teeküche. Im Obergeschoss soll die kleine Wohnung für die Künstler gebaut werden und es sollen Mehrbettzimmer für Jugendliche entstehen, die während der Workshops dort übernachten können. Die Grundfläche des Hauses beträgt 90 Quadratmeter. Zuletzt werde die Fassade erneuert, sagte Hernmarck. Auch er rechnet mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren. Der nicht sichtbare seitliche und hintere Teil soll gedämmt und mit Holzschindeln versehen werden, im vorderen Bereich wird das Fachwerk erhalten, die Gefache neu verputzt. Das werde eine völlig neue Optik geben, sagte der Architekt.
Veranstaltungsraum. Das Haus sei wichtig für das Konzept zur Wiederherstellung der Synagoge, sagte Willing. Wenn die Synagoge in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzt wird, sollen dort übergangsweise die Veranstaltungen stattfinden, so Willing. Anschließend wird es eine Kombination von Veranstaltungen dort geben." 
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Mai 2017: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in Felsberg 
Anmerkung: es wurden "Stolpersteine" verlegt:  in der Quergasse 4 für Emma Weinstein geb. Speier (1883), Siegward Weinstein (1914), Max Weinstein (1920), Ida Weinstein (1910); dazu Stolpersteine für die Familie Adler (siehe im Text); vgl. Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Felsberg (unvollständig) 
Artikel von Dieter Vaupel in seknews.de vom 11. Mai 2017: "Stolpersteine erinnern an Schicksale. Künstler Gunter Demnig am 24. Mai zur nächsten Aktion in Felsberg
Felsberg.
Während der Zeit des Nationalsozialismus litten die Felsberger Juden immer stärker unter antisemitischen Repressionen. 1933 hatte die Felsberger jüdische Gemeinde etwa 100 Mitglieder, stellte damit fast neun Prozent der Einwohner. Ende 1939 zählte Felsberg keine jüdischen Bewohner mehr. Die jahrhundertelange Geschichte der Felsberger Juden war damit beendet. Diskriminierungen, Misshandlungen und Ausgrenzungen hatten viele Menschen jüdischen Glaubens zu Flucht und Auswanderung gezwungen. Am Ende stand für die, die nicht mehr rechtzeitig fliehen konnten, der Tod in den NS-Vernichtungslagern. Nachdem vor zwei Jahren die ersten Stolpersteine in Felsberg zur Erinnerung an Malchen, Isaak und Siegmund Kruk verlegt wurden, wird die Aktion nun fortgeführt. Die Initiative zur Verlegung der ersten Steine hatten Schülerinnen der Radko-Stöckl-Schule gemeinsam mit ihrer Lehrerin Ulla Suck-Sartoris, unterstützt durch die Leiterin des Felsberger Mädchentreffs, Steffi Hoffmann, ergriffen. Bei der Verlegung vor dem Haus in der Obergasse versprach der damalige Schulleiter der Drei-Burgen-Schule, Dr. Dieter Vaupel, diese Aktion mit Schülern der Felsberger Gesamtschule fortzuführen. Nach Abschluss der Vorbereitungsarbeiten ist es nun soweit: Am 24. Mai ab 9.00 Uhr sollen vier weitere Stolpersteine vor dem Haus in der Quergasse 2 für die Familie Weinstein verlegt werden und drei vor dem Haus in der Untergasse 2, der heutigen Eisdiele, in dem ehemals die Familie Adler lebte. Der Künstler Gunter Demnig, der mit diesem Projekt europaweit aktiv ist, wird nicht nur die Stolpersteine selbst mit Unterstützung des städtischen Bauhofs verlegen, sondern auch noch am Abend des 23. Mai um 19.30 Uhr zu einem Vortrag in der Synagoge – 'Stolpersteine – Spuren und Wege' – zur Verfügung stehen. Schüler der 9. und 10. Klassen der Drei-Burgen-Schule setzen sich zur Zeit intensiv mit der Judenverfolgung in Felsberg und dem Schicksal der Familien Weinstein und Adler auseinander. Auch Schüler der Fuldatalschule Melsungen beschäftigten sich mit dem damaligen und heutigen jüdischen Leben in Felsberg. Unterstützt wird die geplante Aktion durch die städtischen Gremien sowie durch Bürgermeister Volker Steinmetz. Am Morgen des 24. Mai werden Schülervertreter der DBS zunächst gemeinsam mit dem neuen Schulleiter Karl-Werner Reinbold begrüßen und in die Thematik einführen. Dann steht das Schicksal der einzelnen Familienmitglieder, für die die Steine verlegt werden, im Mittelpunkt. Schüler erinnern an jeden Einzelnen. Zu der Verlegeaktion und zum Vortrag Demnigs am Vorabend sind alle Interessierten eingeladen. Der Eintritt ist frei, eingehende Spenden sollen für die nächsten Stolpersteine verwandt werden. Die Stolpersteine, die jetzt verlegt werden, wurden durch die Drei-Burgen-Schule, die Fuldatalschule Melsungen und die Initiative Stolpersteine Spangenberg finanziert, der Vortag von Demnig ist durch Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung ermöglicht worden.
Familie Weinstein – auseinandergerissen. Die Familie Weinstein wurde während der Zeit des Nationalsozialismus völlig auseinandergerissen. Schon Ende der 20-er Jahre hatte die Familie schwere Schicksalsschläge zu ertragen, nach 1933 endete ihre Zeit in Felsberg schließlich in einer absoluten Katastrophe. Vater Isidor Weinstein, ein Bruder Robert Weinsteins, der beim Novemberpogrom 1938 ums Leben kam, starb bereits im Jahr 1928 als 49-Jähriger. Im gleichen Jahr starb auch seine damals gerade 16-jährige Tochter Johanna. Mutter Emma Weinstein, geb. Speier, stammte aus Züschen. Bei der Geburt ihres ersten Kindes Ida (*1910) war sie 27 Jahre alt, Vater Isidor zwei Jahre älter. Im Laufe der nächsten acht Jahre bekam Ida noch drei Geschwister: Johanna (*1912), Siegward (*1914) und den Nachkömmling Max (*1920). Beginnend mit dem Jahr 1933 ging der Weg der Familie in unterschiedliche Richtungen. Ida zog bereits 1933 nach Hamburg, kehrte dann aber nach kurzer Zeit wieder nach Felsberg zurück und verließ den Ort endgültig Richtung Leipzig. Von dort aus wurde sie 1941 nach Riga deportiert, wo ihr Lebensweg endete. Der jüngste Sohn der Familie, Max, zog in die Niederlande, wo er als Landarbeiter lebte, in der Hoffnung den Verfolgungsmaßnahmen zu entgehen. Doch 1943 wurde er zunächst in das Konzentrationslager Herzogenbusch eingewiesen und am 31. März 1944 in Auschwitz ermordet. Siegward wanderte 1936 nach Buenos Aires aus. Er hatte noch rechtzeitig erkannt, dass es in Deutschland für Juden gefährlich wurde. Seine Geschwister hätte er gerne nach Argentinien nachgeholt, er stand mit ihnen in Briefkontakt. Aber beide lehnten ab. Nur seine Mutter Emma wagte den Schritt nach Argentinien. Ende 1939 verließ Emma Weinstein als letzte der ehemals sechsköpfigen Familie Felsberg und folgte ihrem Sohn nach Buenos Aires.
Die Familie Adler – ausgelöscht. Drei Generationen, Hannchen Adler (*1863), ihre Tochter Rosa (*1904) und deren Sohn Dieter (*1935), wurden durch die Nationalsozialisten ermordet. Hannchen war mit Daniel Adler verheiratet, lebte aber in den 1930er Jahren allein. Tochter Rosa war nicht verheiratet. Wer der Vater von Rosas 1935 geborenem Sohn Dieter war, ließ sich nicht ermitteln. Für die beiden ohne Ehemann in Felsberg lebenden Frauen mit dem unehelich geborenen Dieter war es in der damaligen Zeit sicher nicht einfach zu überleben. Zu ihrer jüdischen Herkunft kamen weitere Erschwernisse und fehlende soziale Akzeptanz. Damit waren sie in dieser Zeit doppelt stigmatisiert. Hannchen, Rosa und Dieter Adler hielten es trotz der immer schwieriger werdenden Bedingungen lange in Felsberg aus. Sie gehörte zu den 18 Juden, die in Felsberg noch die schlimmen Übergriffe des 8. Novembers 1938 ertragen mussten. Schließlich flohen sie 1939 in die größere Anonymität Kassels. Ende 1941 wurde Rosa mit ihrem Sohn Dieter nach Riga deportiert. Die damals bereits 78-jährige Großmutter blieb zunächst allein zurück, bevor auch sie in die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten geriet und 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Am Ende wurde die komplette Familie, drei Generationen, ausgelöscht. Hannchens Spuren verlieren sich im Vernich-tungslager Treblinka, Dieter starb vermutlich in Riga und seine Mutter Rosa wurde von dort noch weiter in das KZ Stutthof verschleppt, wo sie als verschollen gilt."
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Juni 2018: Weitere Schritte auf dem Weg zur Sanierung des Synagogengebäudes  
Artikel in der hna.de vom 26. Juni 2018: "Nazis zerstörten 1938 das Innere des Gebäudes. Synagoge in Felsberg: Vor Sanierung kommen die Prüfer. Synagoge in Felsberg soll saniert werden.
Felsberg
. Die Fördergeld-Bescheide des Landes liegen bis 2020 vor. Um möglichst viel eigenes Geld einzuwerben, soll der ursprüngliche Zeitplan der Sanierung gestreckt werden. Für die geplante Sanierung der alten Synagoge in Felsberg liegen Fördergeld-Bescheide des Landes Hessen bis zum Jahr 2022 vor. Danach wird das Projekt mit 361.200 Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau unterstützt, wenn sich der Verein zur Rettung der Synagoge mit 165.600 Euro beteiligt. Das erklärte Bürgermeister Volker Steinmetz vor Mitgliedern des Fördervereins. Der hat sich zum Ziel gesetzt, das am 8. November 1938 von den Nazis im Innern zerstörte Gebäude 'denkmalgerecht wieder herzustellen und daraus eine erkennbare Synagoge zu machen'. So formulierte es der wiedergewählte Vorsitzende des Fördervereins Christopher Willing. Bürgermeister Steinmetz sprach im Zusammenhang mit den Förderbescheiden von verbindlichen Zusagen. Man brauche die verbindliche Partnerschaft des Vereins, um das Projekt zu verwirklichen. Steinmetz: 'Wir wollen die Synagoge wieder mit Leben füllen. Wir wollen Offenheit und Wertschätzung gegenüber anderen Religionen.'
Erstes Etappenziel ist nach den Worten des Bürgermeisters eine sogenannte baufachliche Prüfung. Der Auftrag für die Architektenleistung dazu könne erteilt werden, wenn die Stadt vom Verein die verbindliche Zusage habe, dass er sich mit 9000 Euro beteilige. Die Freigabe der 9000 Euro beschloss die Jahreshauptversammlung mehrheitlich. 3000 Euro zahlt die Stadt, 18.000 Euro sind Fördergeld.
Von der Prüfung erwartet man Antworten:
1. Wie ist der Zustand des Gesamtgebäudes?
2. Was kostet das Beseitigen erkennbarer Schäden?
3. Was ist förderfähig im Rahmen des Stadtumbau-Programms?
Danach werde das Projekt neu bewertet, sagt Steinmetz. Zehn Prozent der Gesamtausgabe übernehme die Stadt. Die Stadt erwarte, dass der Verein den Anteil von 165.000 Euro übernehme. Weil derzeit noch eigenes Geld fehlt, sollen bereits zugesagte Zuschüsse später in Anspruch genommen werden als bisher geplant, sagte Christopher Willing gegenüber der HNA. Der Vorstand des Vereins werde mit dem Land Hessen und der Regionalentwicklungsgesellschaft Mittleres Fuldatal mit dem Ziel verhandeln, bereits vorgesehenes Fördergeld später abzurufen, ohne darauf verzichten zu müssen. Ziel sei, mehr Zeit zu haben, eigenes Geld einzuwerben. 'Erwecken Sie die alte Synagoge Felsberg zu einem Ort der Begegnung der Religionen.' Unter dieser Überschrift steht das Projekt. Das war 2013 einmal mit 600.000 Euro veranschlagt. 'Die genauen Kosten wissen wir erst nach der baufachlichen Prüfung', sagt Willing. Man sei mit zwei Großspendern im Gespräch. Rund 100.000 Euro stünden für dieses Jahr in Aussicht. Willing: 'Ich gehe davon aus, dass wir das Geld im Spätsommer haben werden.' Um die Chance zu nutzen, möglichst viel eigenes Geld einzuwerben, soll der ursprüngliche Zeitplan auf über 2022 hinaus gestreckt werden. Wichtigstes Ziel sei, dass kein Fördergeld verfalle.
Ein Ort der Begegnung. Die Felsberger Synagoge soll ein Ort der Begegnung werden. Dies sei – so der Förderverein – ein jüdisches interreligiöses Zentrum für Tagungen, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Gottesdienste. Erbaut wurde die Synagoge von 1842 bis 1864. Im Innern wurde sie am 8. November 1938 zerstört. Nach dem letzten Weltkrieg wollte der TSV Eintracht 1863 das Gebäude kaufen und als Turnraum nutzen. Die Eintracht hatte aber nicht genug Geld. Geturnt wurde damals auf dem Saal des Gasthauses Lichau an der Untergasse. Das Gebäude gehörte dann einer Brauerei und war bis zum Kauf durch die Stadt Privateigentum. Eine Bronzetafel an der Mauer gegenüber erinnert an die jüdischen Mitbürger, 'die während des Nationalsozialismus gedemütigt, entrechtet, vertrieben, verschleppt und ermordet wurden.' Felsberg war eine der größten jüdischen Gemeinden in der Region. Der jüdische Friedhof mit Gedenkstein an der Annastraße befindet sich in einem gepflegten Zustand. "   
 
November 2018: Das Robert-Weinstein-Haus soll gerettet werden   
Artikel von Manfred Schaake in "hna.de" vom 24. November 2018: "Verein soll noch dieses Jahr gegründet werden. Rettung des Robert-Weinstein-Hauses in Felsberg: Auch Muslime machen mit
Der neue Felsberger Verein wird Trialog-Kulturverein Robert Weinstein heißen. Darüber war man sich in einer zweiten Versammlung einig. Auch die Muslime in Felsberg werden nach Angaben des Vorstandes der Islamischen Gemeinschaft Milli-Görüs den Verein unterstützen. Die offizielle Vereinsgründung mit Vorstandswahlen wird noch in diesem Jahr stattfinden. Das kündigte der Vorsitzende des Vereins zur Rettung der Synagoge, Christopher Willing, an. Für Vorstandsämter habe er mehrere konkrete Zusagen. Der Verein zur Rettung der Synagoge hatte sich - wie berichtet – dafür entschieden, sich von dem Robert-Weinstein-Haus an der Obergasse zu trennen, das ihm die Familie Hentschker geschenkt hatte. Der Felsberger Jude Robert Weinstein war am 8. November 1938 nach der Zerstörung der Inneneinrichtung der Synagoge durch die Nationalsozialisten umgebracht worden. Das Weinstein-Haus soll dem neuen Verein übertragen werden. Dessen Ziele sind: • Förderung von Kunst und Kultur, • die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, • die Förderung internationaler Gesinnung und Begegnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens. Verwirklicht wird der Satzungszweck – so heißt es – 'insbesondere durch Renovierung eines Fachwerkhauses und Erhaltung, durch Kulturveranstaltungen, Seminare, Workshops und Reisen'. Erstes Ziel sei, für die Renovierung Fördergeld einzuwerben, sagte Willing. Die Idee sei, dass Muslime, Christen und Juden Hausrecht haben und es gemeinsam nutzen. 'Die Idee ist gut, passt in die Zeit und setzt ein wichtiges, notwendiges Zeichen nach außen.' Das erklärte Murat Cetinkaya. Der Architekt ist im Vorstand der Islamischen Gemeinschaft Milli-Görüs, Ortsverein Felsberg – ein eingetragener Verein. Die Felsberger Muslime haben gemeinsam mit dem Architekten in Gensungen aus einem alten Gebäudekomplex ein islamisches Kulturzentrum geschaffen. Cetinkaya will das Ziel unterstützen, dass ein Muslim in den Vorstand des neuen Trialog-Kulturvereins kommt. 'Die Zusammenarbeit, die seit Jahrzehnten praktiziert wird, ist mir eine Herzenssache', sagte Cetinkaya. Bereits zur Feier '700 Jahre Stadtrechte Felsberg' 1986 hatte es in der Felsberger Nikolaikirche einen ökumenischen Gottesdienst mit muslimischer Beteiligung gegeben. 'Der gesamte Vorstand der muslimischen Gemeinde hat schon hier am Tisch gesessen', betonte Christopher Willing in der Synagoge. Zum Vorhaben Renovierung Weinstein-Haus als Ort kultureller Begegnungen sagte er: 'Wenn es uns gelingt, dieses Haus aufzustellen, haben wir bundesweit Öffentlichkeit.'" 
Link zum Artikel   
 
Mai 2019: Weitere acht "Stolpersteine" werden in Felsberg für Mitglieder der Familie Dannenberg/Deutsch verlegt  
Vgl. Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Felsberg (unvollständig)
Artikel von Christine Thiery in "hna.de" vom 4. Mai 2019: "Gedenken an Holocaustopfer. Stolpersteine werden in Felsberg verlegt
Felsberg
– In Felsberg werden heute um elf Uhr Stolpersteine verlegt, im Gedenken an diejenigen, die den Holocaust nicht überlebt haben: Die Geschwister Erwin und Ruth Deutsch aus Felsberg wurden im Jahr 1941 mit ihrer Mutter Resi Deutsch nach Riga deportiert und starben dort. Weil sie Juden waren. Am Samstag werden für sie und fünf weitere Mitglieder ihrer Familie an der Untergasse 25 Stolpersteine verlegt. Zehn Kilometer musste die damals 35-jährige Mutter mit ihren beiden sechs- und elfjährigen Kindern bei Temperaturen um Minus 40 Grad zu Fuß in Riga vom Bahnhof bis zum Lager zurücklegen. Dass sie bereits dabei ums Leben kamen, sei sehr wahrscheinlich, sagt Dr. Dieter Vaupel, der die Geschichte der jüdischen Familie Dannenberg/Deutsch recherchiert hat. Von den 1000 Juden, die nach Riga deportiert wurden, haben nur 137 den Holocaust überlebt. Nach der Deportation habe sich die Spur der drei Felsberger verloren. Resi, Ruth und Erwin Deutsch waren die einzigen von acht noch lebenden Juden der Familie während dieser Zeit, die nicht flüchten konnten. Alle anderen entkamen den Nazis. Die beiden Kinder lebten bis zum Pogrom in dem Haus an der Untergasse 25 in Felsberg, nahe des heutigen Robert-Weinstein-Platzes. Während der Pogromnacht waren alle 18 damals in Felsberg lebenden Juden in dem Haus untergebracht. Sie erlebten auch den Tod von Robert Weinstein mit, der während der Ausschreitungen gegen die Juden in dieser Nacht in Felsberg auf der Straße starb. 'Der Leichnam wurde einfach zwischen die Juden geworfen, sie mussten dies aushalten', sagt Vaupel. Nach dieser Nacht sei nichts mehr wie vorher gewesen für die Felsberger Juden und die Familie Dannenberg/Deutsch. Die junge Mutter Resi Deutsch floh mit ihren Kindern und ihrer Mutter Ida Dannenberg nach Kassel. Ida Dannenberg hatte schwere psychische Schäden davon getragen. Sie zitterte ständig, weiß Vaupel aus seinen Recherchen. 'Sie leidet an starker Schlaflosigkeit, schreckt nachts auf und ruft um Hilfe. Man kann sie bei Tag und Nacht nicht alleine lassen. Beruhigungsmittel haben keine Wirkung', heißt es in den Aufzeichnungen eines Arztes. Sie hatte noch eine Einreisegenehmigung mit der Unterstützung einer jüdischen Hilfsorganisation für sich erhalten und flüchtete 1940 nach Brasilien. Ihrer Tochter und den beiden Enkeln konnte sie nicht mehr helfen. Alle Bemühungen, Resi Deutsch und die beiden Kinder nach Brasilien zu holen und zu retten, waren vergebens. 1941 wurde die kleine Familie in ein Judenhaus nach Kassel gebracht und später nach Riga deportiert. Acht Stolpersteine werden für Mitglieder der Familie Dannenberg/Deutsch gelegt. Dem Holocaust zum Opfer fielen Erwin und Ruth Deutsch, elf und sechs Jahre alt und ihre Mutter Resi. Geflüchtet waren die Oma Ida Dannenberg, Onkel Bruno Dannenberg, die Tanten Elli und Ilse-Judith Dannenberg und ihr Vater Moritz Deutsch. In Brasilien waren Ida, Bruno und Elli, Ilse-Judith war in Israel. Moritz Deutsch war seit 1935 in England, dann in den USA. Die Verlegung der Steine mache bewusst, welche Schicksale die Juden erlitten hätten, sagte Bürgermeister Volker Steinmetz. 'Viele Menschen sind vergessen. Wenn man ihre Geschichten wieder aufdeckt, schafft dies emotionale Betroffenheit. Die Menschen werden durch die Steine sichtbar', sagt Vaupel. Deshalb hat er auch ein Buch zur Familie Dannenberg/Deutsch geschrieben (ISBN: 978-3748519069). An die Schicksale der acht Felsberger Juden sollen nun die acht Stolpersteine erinnern. Die öffentliche Veranstaltung wird von der Fuldatal-Schule Melsungen, der Drei-Burgen-Schule Felsberg und der Stadt unterstützt. Der Förderverein der Drei-Burgen-Schule und eine Spende der Sparkasse Hessen-Thüringen über 750 Euro sichern die Finanzierung."  
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September 2019: Das Synagogengebäude soll in den Originalzustand umgebaut werden  
Artikel von Linett Hanert in der hna.de vom 2. September 2019: "Spenden für Synagoge. Bald wieder Gotteshaus: Umbau der Felsberger Synagoge soll vorangehen
Die Felsberger Synagoge soll in den Originalzustand umgebaut werden. Die Idee der Rekonstruktion ist es, ein Gotteshaus für die jüdisch-liberale Gemeinde zu schaffen.

Dafür gibt es nun weitere finanzielle Möglichkeiten, erklärt Christopher Willing, Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge. Die Investitionskosten wurden von den beauftragten Architektenbüros Biskamp (Willingshausen) und Hernmarck (Hann. Münden) mit 900 000 Euro veranschlagt. 'Wobei es sich bei dem Bau um einen dynamischen Prozess handelt, deswegen könnten die Kosten noch etwas steigen', erklärt Willing. Die eine Million Euro Grenze werde wohl überschritten. 400 000 Euro werden vom Land Hessen gefördert. Der Rest von einer halben Million soll nun durch Spenden eingeholt werden. Dafür hat der Verein Ludwig Georg Braun, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Pharma- und Medizinunternehmens B.Braun Melsungen, als Unterstützer gewinnen können, erklärt Willing. Zehn weitere Betriebe sollen sich noch anschließen. Fünf Unternehmen haben bereits sicher zugesagt. Eines davon ist der Felsberger Baustoffhandel Blecher GmbH & Co KG. Zusätzlich sind durch andere Fördermittelgeber 300 000 Euro in Aussicht gestellt worden. Derzeit laufe eine baufachliche Prüfung. Wenn diese abgeschlossen ist, könne der Bauauftrag erteilt werden. 'Wir rechnen damit, dass wir Anfang nächsten Jahres mit den Bauarbeiten beginnen können', sagt Willing,
Das Bauvorhaben. Für den Umbau in den Originalzustand werden aus den kleinen Räumen im Erdgeschoss, die jahrelang als Gaststätte genutzt wurden, ein großer Raum, erklärt Willing. Etwa 120 Menschen werden dann darin Platz haben. Derzeit besteht das Gebäude noch aus drei Etage. Zwei Wohnungen befinden sich im oberen Gebäudeteil, die vermietet werden. Auch diese werden zurückgebaut. Der entstandene Raum werde dann bis zur Decke etwa sieben Meter hoch sein. An der Decke soll ein Sternenhimmel entstehen. 'Wir wissen nicht, wie das Original aussah, deshalb haben wir uns für einen Sternenhimmel entschieden', sagt Willing. Dasselbe gelte auch für die Säulen. Neben der Galerie wird in der oberen Etage ein Männer-WC und ein Serverraum entstehen. In der unteren Etage wird eine Sanitäranlage für Frauen und eine kleine Teeküche eingerichtet, erklärt Willing. Die Original-Fassade werde nur rund um die Rundbogenfenster rekonstruiert. Der Rest der Außenfassade werde verputzt.
Die Synagoge. Die Idee der Rekonstruktion sei es, ein Gotteshaus für die aktive jüdisch-liberale Gemeinde zu schaffen. Zudem wolle der Verein damit den Trialog zwischen Muslimen, Juden und Christen verstärken und in der Synagoge die 900-jährige Geschichte der Juden in Nordhessen vermitteln. 'Mit der rekonstruierten Synagoge entsteht ein Schmuckstück für Felsbergs historische Altstadt', sagt Willing. 'Die Felsberger Synagoge ist ein Schatz in Nordhessen. Millionen Menschen fahren nach Prag, um die jüdische Kultur kennenzulernen', sagt Willing. Dabei könnten sie diese auch in Felsberg kennenlernen, sagt Willing.  Die Rekonstruktion der Synagoge sei ein Leuchtturmprojekt in ganz Hessen, sagt Willing. Neben den Spenden, versucht der Verein auch finanzielle Mittel aus Veranstaltungen zu gewinnen. Es gab beispielsweise ein Theaterstück mit Ido Netanjahu, dem Bruder des israelischen Staatspräsidenten. Seit der Wiedereinweihung der Synagoge 2016 gab es mehr als 50 Gottesdienste."  
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Januar 2020: An die Familie Weinstein sollen "Stolpersteine" erinnern 
Artikel in der hna.de vom 10. Januar 2020: "Für sie ging es noch gut aus: Schicksal der jüdischen Familie aus Felsberg dokumentiert
Felsberg – Diskriminierungen, Verfolgung, antijüdische Gesetze und Boykotte zwangen Juden während der NS-Zeit zur Flucht. Auch die jüdische Familie Weinstein aus Felsberg musste fliehen.
Im Frühjahr sollen Stolpersteine für die Familie in Felsberg verlegt werden. Der Heimathistoriker Dr. Dieter Vaupel befasst sich seit einiger Zeit mit dem Schicksal der Familie Weinstein. Zur Stolpersteinverlegung will er eine Broschüre über das Schicksal der Familie veröffentlichen. Vaupel hat bereits ein Buch über den Felsberger Widerstandskämpfer Egbert Hayessen veröffentlicht.
Max und Betty Weinstein haben die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und konnten bis zu den Novemberpogromen 1938 das Land verlassen, erzählt Heimathistoriker Dieter Vaupel. Mit dem Urenkel von Max und Betty Weinstein, Amir Moretzki aus Israel, hat Vaupel Kontakt aufgenommen. Max und Betty Weinstein lebten in der Untergasse 19 in Felsberg. Im Jahr 1935 flüchteten sie gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter Rosi vor dem antisemitischen Klima nach Palästina. Rosi war die Großmutter von Amir Moretzki. In Felsberg habe schon viel früher als in anderen Städten Deutschlands eine aggressive und antisemitische Stimmung geherrscht, erklärt Vaupel. '1933 war eine antisemitische Postkarte aus Felsberg mit einem Gedicht im Umlauf', erklärt er. Bereits ein Jahr später seien Fensterscheiben von jüdischen Geschäftsleuten zertrümmert worden. Schilder mit der Aufschrift ‘Kauft nicht bei Juden, sie sind euer Unglück' der NSDAP-Ortsgruppe hingen aus, erklärt Vaupel. Dokumente, die das belegen, hat er archiviert. 'Selbst bei den damaligen Nationalsozialisten in Nordhessen stieß das Vorpreschen der Felsberger Ortsgruppe auf wenig Zustimmung.'
Die Staatspolizei habe das Vorgehen der Ortsgruppe genau beobachtet, sagt Vaupel. Das könne dadurch belegt werden, dass die Stadt Felsberg 1935 eine eigene Judenordnung verabschiedete. Diese habe Juden erheblich diskriminiert. Die Judenordnung wurde dann allerdings zurückgezogen, da sie die Befugnisse der städtischen Gremien überstieg, erklärt Vaupel. Für die Familie Weinstein war das Leben in Felsberg kaum noch möglich. Max Weinstein war genau wie sein Vater als Viehhändler in Felsberg tätig. Nachdem die Nürnberger Rassengesetze verabschiedet wurden, haben sich die Finanzbehörden an dem Vermögen der Familie bereichert, sagt Vaupel. Für die Ausreise bezahlte die Familie 800 Reichsmark pro Person. Das durchschnittliche Jahreseinkommen lag damals bei rund 1900 Reichsmark. 'Für die Familie war es der einzige Ausweg', sagt Vaupel. Mit dem Schiff ging es am 10. Dezember 1935 über Österreich und Italien nach Palästina. Laut den Dokumenten kamen sie am 16. Dezember im Hafen von Jaffa an. Das Schicksal der Familie sei ein glückliches, sagt Vaupel. 'Die ganze Familie hat überlebt.' Amir Moretzki möchte den 80. Geburtstag seiner Mutter im Mai zum Anlass nehmen, um vor dem Haus seiner Großmutter Rosi Weinstein, der Untergasse 19, Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegen zu lassen. Gunter Demnig habe in einem Gespräch schon eine Zusage gegeben, erklärt Vaupel. Auch der jetzige Hauseigentümer sei einverstanden mit dem Vorhaben von Moretzki."
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Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Stadt Felsberg    
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Felsberg (interner Link)    
bulletWikipedia-Artikel "Jüdische Liberale Gemeinde Emet weSchalom Nordhessen"  
bulletWikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Felsberg  
bulletWebsite http://jinh.lima-city.de/index.htm (Projekt "Juden in Nordhessen"): unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Appel aus Felsberg sowie ein Stammbaum der Familie Hamerschlag in Gensungen     
bulletWebportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Felsberg 

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Felsberg mit Altenburg und Neuenbrunslar   
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Felsberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,167  Geburtsregister der Juden von Felsberg  1852 - 1865; enthält auch Altenburg und Gensungen   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782865         
HHStAW 365,168  Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Felsberg, aufgenommen am 5. September 1938  1866 - 1936; enthält hebräische und deutsche Grabinschriften; enthält auch Altenburg und Gensungen, dann auch Hinweis auf den am 20. Oktober 1884 verstorbenen Gründer des jüdischen Friedhofs Josef Plaut Stern   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2573917         
Zu Altenburg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,42  Duplikat des Geburtsregisters der jüdischen Gemeinde in Altenburg  1854 - 1865  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1247188      
Zu Neuenbrunslar sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,639  Geburtsregister der Juden von Neuenbrunslar  1853 - 1859  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v131327      
  
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Falkenberg 
Zu Falkenberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,165  Geburtsregister der Juden von Falkenberg  1825 - 1884; enthält auch Angaben zu Felsberg und Hebel  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289747       
HHStAW 365,164  Geburtsregister der Juden von Falkenberg  1825 - 1883, 1914 - 1919 (1938); enthält auch Angaben zu Felsberg und Hebel, dazu auch einen Hinweis auf den Flächengehalt des jüdischen Friedhofs in Falkenberg von rund 5500 qm und die Grundfläche der Synagoge von etwa 63 qm, 1938    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2083512        
HHStAW 365,160  Sterberegister der Juden von Falkenberg  1825 - 1883, 1930 - 1933; enthält auch Angaben zu Felsberg und Hebel   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900684    
HHStAW 365,161  Sterberegister der Juden von Falkenberg  1825 - 1884, 1930 - 1933; enthält auch Angaben zu Felsberg und Hebel   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230088   
HHStAW 365,163  Trauregister der Juden von Falkenberg  1832 - 1883, 1913; enthält auch Angaben zu Felsberg und Hebel   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3500074    
HHStAW 365,162  Trauregister der Juden von Falkenberg  1832-1883, 1930-1938; enthält Jüdisches Trauregister, 1832-1883 und 1930-1931; enthält auch Angaben aus Felsberg und Hebel; darin auch: Abgabe von jüdischen Personenstandsregistern, Mobiliar und Kultgegenständen, darunter Torarollen und Torawimpel aus der Synagoge in Falkenberg an das Vorsteheramt der Juden in Kassel, 1936-1938; enthält weiter Vermerke zur Auswanderung einzelner Juden aus Falkenberg nach China, Argentinien und Nordamerika, 1937-1938; enthält weiter Eintragungen des Gemeindeältesten Meier Goldschmidt zum Umbau der etwa 200 Jahre alten Synagoge 1939 und zur Renovierung des Schulhauses (mit Lehrerwohnung), des Badehauses und der Synagoge in Falkenberg, 1930  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782864      
HHSTAW 365,159  Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Falkenberg, aufgenommen von Curt Wolf aus Eschwege und D. Goldschmidt aus Frankershausen) im September 1938:  1850 - 1933, enthält hebräische und deutsche Grabinschriften    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289793          
  
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Gensungen 
Zu Gensungen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,352   Geburtsregister der Juden von Gensungen  1858 - 1865   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4607219     
HHStAW 365,353   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs der Kultusgemeinde Gensungen, aufgenommen durch Curt Wolf aus Eschwege und D. Goldschmidt aus Frankershausen am 5. September 1938   Laufzeit 1866 - 1936; enthält hebräische und deutsche Grabinschriften; enthält auch Angaben zu Personen aus Felsberg und Altenburg   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719775     

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 174-176. 
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 51. 
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 48-50.
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 169-170. 
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 541-543. 
bulletWolfgang Prinz und Deborah Tal-Ruttger: Die jüdische Gemeinde in Felsberg. 700 Jahre Stadt Felsberg. 1286-1986. Felsberg 1986 S. 84-94.  
bulletFelsberg Lit 201611.jpg (18846 Byte)Kurt Schilde: Frühe Novemberpogrome 1938 und die Ermordung Robert Weinsteins. 80 S., Broschur, 6 Abb.. ISBN: 978-3-95565-169-5. 9,90 €. 
Reihe: Gegen Verdrängen und Vergessen Bd. 12. Erschienen 2016 im Verlag Hentrich & Hentrich. Der Verlag für jüdische Kultur und Zeitgeschichte. Link zur Verlagsseite.    
Zum Inhalt: wenige Stunden nach den Schüssen des jungen Juden Herschel Grynszpan am Morgen des 7. November 1938 in der deutschen Botschaft in Paris auf den Diplomaten Ernst vom Rath begannen in Nordhessen antijüdische Pogrome. In Kassel und anschließend in zahlreichen nordhessischen Dörfern und Städten fanden Ausschreitungen statt. Am 8. November 1938 trieb in Felsberg eine von Einheimischen gebildete Menschenmenge den Juden Robert Weinstein (1883–1938) durch die Stadt und in den Tod. Er ist das erste Todesopfer der Pogrome im November 1938. Die Ereignisse dienten nach dem Tod von Ernst vom Rath am 9. November dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels zur Auslösung der unmittelbar darauf beginnenden reichsweiten Pogrome. Der Band beruht auf den nach 1945 durchgeführten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die zu zwei Strafprozessen führten, und beinhaltet eine biographische Skizze von Robert Weinstein. 
bullet Dieter Vaupel: Flucht oder Vernichtung. Stolpersteine zur Erinnerung an die Felsberger Familie Dannenberg/Deutsch.  2019. ISBN 978-374-851-9096.
Zum Inhalt: Das Buch stellt die Schicksale von Ida Dannenberg, Bruno Dannenberg, Elli Dannenberg, Ilse Judith Dannenberg, Resi Deutsch, geb. Dannenberg, Moritz Deutsch, Erwin Deutsch und Ruth Deutsch vor. Sie alle hatten lange Jahre in Felsberg in der Untergasse ihr Zuhause. Doch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das Klima für sie und alle anderen Juden des Ortes immer unerträglicher. Missachtung, Ausgrenzung und Hass schlugen ihnen entgegen, auch von ehemaligen Nachbarn. Der Höhepunkt waren die Geschehnisse des Novemberpogroms 1938. Bis dahin hatten bereits vier Mitglieder der Familie die lebensrettende Flucht ins Ausland ergriffen. Ida Dannenberg, ihre Tochter Resi und ihre beiden Enkelkinder Erwin und Ruth mussten nach dem Pogrom Felsberg in Richtung Kassel verlassen. Von dort gelang Ida Danneberg noch die Flucht nach Südamerika. Alle Versuche, Resi mit ihren Kindern nachzuholen, scheiterten. So deportierte man die Drei im Dezember 1941 gemeinsam mit rund tausend nordhessischen Juden von Kassel nach Riga, wo sie ermordet wurden. Der erste Teil des Buches ist dokumentarisch angelegt, der zweite Teil erzählt aus dem Blickwinkel von Ida Dannenberg die Ereignisse, die sich in ihrem Haus in der Nacht vom 8. auf den 9. November abgespielt haben. Zur Erinnerung an die Familie Dannenberg/ Deutsch werden vor ihrem ehemaligen Wohnhaus am 4. Mai 2019 acht Stolpersteine durch den Künstler Gunther Demnig verlegt. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Felsberg  Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community built a synagogue in 1847 and numbered 179 (19 % of the total) in 1885. During the Weimar Republic, Jews were elected in the town council and a branch of the Jewish War Veterans Association was established. The community, affiliated with the rabbinate of Kassel, also had members in nearby Gensingen and Altenburg. Jewish businesses were steadily 'Aryanized' after the Nazis came to power and 88 of the 105 Jews left, 67 emigrating (over half to the United States). SA men vandalized the synagogue two days before Kristallnacht (9-10 November 1938) and by May 1939 no Jews remained. 
   
     

                   
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Stand: 17. April 2020