Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

 
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
zur Übersicht "Synagogen im Schwalm-Eder-Kreis"  
    

Frielendorf mit Ortsteil Siebertshausen (Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Frielendorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Ein erster Nachweis für einen jüdischen Einwohner am Ort liegt aus dem Jahr 1587 vor, wonach 'Jakob der Jude' zu Frielendorf sich auf Grund eines Schutzbriefes von Landgraf Wilhelm IV. (Hessen-Kassel) in Frielendorf niederlassen konnte. Weitere Belege für Juden in Frielendorf gibt es erst wieder aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg (seit 1668): namentlich genannt werden seit 1673 der Jude Bonus zu Frielendorf, seit 1681 David zu Frielendorf, seit 1694 Moses. 1710 wird Jacob Hechst (Höxter) als Hausbesitzer in Frielendorf erwähnt. 1744 gab es drei jüdische Familien am Ort: Ephraim Höxter (handelte mit Kurz- und Ellenwaren), Jacob Höxter und Jacob Levi (beide handelten mit Vieh).    
   
Von einer kleinen jüdischen Gemeinde kann man seit Mitte des 18. Jahrhunderts sprechen: 1749 bestanden die drei genannten jüdischen Familien aus insgesamt 22 Personen, zu denen noch sieben Knechte und Mägde gehörten. Frielendorf entwickelte sich damals, unter anderem durch die vier durchgeführten Jahrmärkte, zu einem attraktiven Marktflecken, der verkehrsgünstig zwischen Homberg und Ziegenhain lag. 1787 wurden Moses Joseph und Salomo Levi mit Schutzbriefen am Ort aufgenommen (aus Freudenthal), 1797 Abraham Gutkind. 
      
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 14 jüdische Familien, 1835 64 jüdische Einwohner, 1840 105 (in 14 Familien), 1858 112 (in 20 Familien), 1861 128 (18,9 % von insgesamt 676 Einwohnern), 1871 120 (15,2 % von 789), 1885 137 (14,9 % von 917), 1895 129 (13,1 % von 984), 1905 144 (12,5 % von 1.156), 1910 135 (11,1 % von 1.220). Zur jüdischen Gemeinde Frielendorf gehörten auch die in Siebertshausen lebenden jüdischen Familien (1835 8 jüdische Einwohner, 1861 12). Ende der 1920er-Jahre wurden - nach Auflösung der dortigen Gemeinde - auch die in Großropperhausen noch lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Frielendorf zugeteilt (1932 noch 11 jüdische Einwohner). 
   
Als Berufe der jüdischen Familienvorsteher werden in den 1830er Jahren genannt: Pferdehändler (drei, davon einer mit Ackerbau), Viehhändler (zwei, einer davon zugleich Metzger), Krämer (drei), Färber (einer), Nothandel (einer). In einer Liste von 1879 werden die folgenden Steuerpflichtigen der jüdischen Familien genannt: aus Frielendorf: Hirsch Moses, Meier Meierhof, Seligmann Rothschild, Wolf Plaut, Marius Moses, Elias Blum, Mendel Levi, Leiser Plaut, Isaac Blum, Meier Blum, Abraham Plaut, David Plaut I, Moses Levi, Hirsch Höxter, Isaac Höxter, Witwe M. Moses, Joseph Bachrach, Jacob Bachrach I, Noa Bachrach, Moses Gutkind, Abraham Gutkind, Joseph Höxter, Witwe Beschen Gutkind, Ruben Moses, Moses E. Moses, David Plaut II, Sußmann Moses, Herrmann Stern, aus Siebertshausen: Wolf Leiser Wolf und Herz Meierhof.   
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Konfessionsschule/Volksschule seit 1843, nach dem 1. Januar 1924 bis zur Auflösung 1933 nur noch Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof.  Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Erster Lehrer an der Israelitischen Elementarschule war Hirsch Rothschild (von 1843 bis 1847, danach in Oberaula), gefolgt von Markus Lion (von 1848 bis 1894; Bericht zu seiner Zurruhesetzung 1894 siehe unten) und seinem Sohn Hugo Lion (1895 bis 1923; Bericht zu seinem Tod 1925 siehe unten). In ihrer Zeit waren zu unterrichten: 1858 30 Schüler, 1867 32, 1877 26, 1888 29, 1893 32, 1901 25, 1908 40, 1910 45 Schüler. Nach dem Tod von Hugo Lion waren als Lehrer in Frielendorf noch Lehrer Siegfried Wetzler (1926 bis 1929) und Lehrer Max Guttmann aus Breslau (1929 bis 1933) tätig (siehe Berichte unten). Die jüdische Schule war seit 1858 in einem in diesem Jahr erworbenen Gebäude an der Hauptstraße 6 eingerichtet; hinter diesem Haus wurde (Ende des 19. Jahrhunderts?) ein weiteres Gebäude zum Unterricht der Kinder erstellt.  
  
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.    
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Siegfried Moses (geb. 30.10.1894 in Frielendorf, gef. 5.12.1916), Max Gutkind (geb. 8.10.1895 in Frielendorf, gef. 9.10.1917), Unteroffizier Julius Plaut (geb. 28.5.1881 in Frielendorf, vor 1914 in Düsseldorf wohnhaft, gef. 28.10.1916) und Josef Bachrach (geb. 1.4.1894 in Frielendorf, gef. 1.6.1918). Auf dem Gedenkstein im jüdischen Friedhof finden sich ihre Namen. Die jüdischen Einwohner waren im Leben des Ortes weitestgehend integriert. Viele waren Mitglieder in Frielendorfer Vereinen (Kriegerverein, Turn- und Sportverein Germania, Radfahrverein, Freiwillige Feuerwehr usw.). Auch in die Ortsgemeindevertretung wurden jüdische Personen entsandt: von 1895 bis 1925 Moses Moses I, danach Bernhard Plaut bis 1933 oder 1934.     
   
Um 1924, als zur Gemeinde 109 Personen gehörten (7,5 % von insgesamt 1.448 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Moses Moses I und Jacob Gutkind. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet 1848; 1924 35 Mitglieder; 1932 Vors. Moses Moses II mit 23 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung ortsansässiger Hilfsbedürftiger; Bericht zum 80-jährigen Bestehen 1928 siehe unten), die Chewra Talmud Thora (Talmud-Thora-Verein; 1924 unter Vorsitz von Jacob Gutkind mit 40 Mitgliedern; 1932 unter Leitung von Norbert Wolff) sowie den Jüdischen Frauenverein (gegründet 1902; 1924 unter Leitung von Jeanette Moses mit 45 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Jettchen Plaut mit 26 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege, Unterstützung Bedürftiger und Bestattungswesen). 1932 waren die Gemeindevorsteher: Isaac Moses (1. Vors.), Moses Moses II (2. Vors.) sowie (als Schriftführer und Schatzmeister) Gerson Moses. Im Schuljahr 1931/32 gab es noch sechs schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde, die durch den bereits genannten Lehrer Max Guttmann unterrichtet wurden.       
  
1933 lebten noch 58 jüdische Personen in Frielendorf (4,1 % von insgesamt 1.409 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind alle von ihnen Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (28 nach Frankfurt, zehn nach Kassel) beziehungsweise ausgewandert (neun in die USA, sieben nach Palästina, sieben nach Argentinien, vier nach Holland je eine Person nach Paris und Südafrika). Am 1. Oktober 1938 wurden noch 14 jüdische Einwohner gezählt: Hugo Plaut und Franziska Plaut geb. Levi; Jakob Goldschmidt und Jettchen Goldschmidt geb. Plaut, Abraham Moses, Jonathan Moses, Rosa Moses geb. Herz, eine weitere Person Moses, Paula Levi, Meta Plaut geb. Seelig, Johanna Isenberg, Berta Meierhof, Lea Goldschmidt, Jette Krauß geb. Frydmann. Alle von ihnen sind in den Monaten nach dem Novemberpogrom 1938, bei dem es auch in Frielendorf zu Ausschreibung kam (s.u.), aus dem Ort verzogen. 
   
Von den in Frielendorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Joseph Bachrach (1858), Noa Bachrach (1897), Salomon Bachrach (1863), Grete Beck geb. Kann (1915), Else Blum (1904), Emma Blum geb. Meierhof (1874), Frieda Bodenheimer geb. Gutkind (1883), Lea Goldschmidt geb. Plaut (1874), Lina Goldschmidt geb. Plaut (1872), Rosa Herrmann geb. Moses (1890), Robert Höxter (1875), Sally Höxter (1883), Ida Kahn geb. Moses (1883), Julius Kann (1905), Meta Kann (1901), Grete Katz geb. Wolff (1911), Günter Katz (1929), Frieda Kauders geb. Levi (1884), Käthe Kaufmann geb. Plaut (1888), Louis Levi (1882), Hedwig Levy (1886), Paula Levy (1877), Fanny Linz geb. Plaut (1892), Sara Lorsch geb. Moses (1861), Abraham Meierhof (1886), Berta Meierhof (1879), Abraham Moses (1850), Alisze (Alica) Moses (1930), Amalie (Mali) Moses (1904), Emil Moses (1901), Emma Moses geb. Gutkind (1870), Emmy Moses geb. Plaut (1893), Gerda Moses geb. Rose (1909), Gerson Moses (1859), Hermann Moses (1884), Lea Moses geb. Plaut (1868), Moritz Moses (1881), Rosa (Rose) Moses geb. Herz (1909), Sara Moses (1855), Siegfried Moses (1900), Sara Rosa Neuberger geb. Plaut (1873), Johanna Nußbaum geb. Gutkind (1888), Meta Plaut geb. Seelig (1887), Ludwig Plaut (1907), Helene Sichel geb. Meierhof (1877), Ella Stern geb. Bachrach (1860), Erna Stiefel geb. Moses (1902), Minna Strauss geb. Plaut (1878), Willi Wolff (1897), Sophie Wolffs geb. Gutkind (1890).         
   
Aus Siebertshausen werden in den genannten Listen keine Personen genannt.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1924 / 1925   

Frielendorf Israelit 07021924.jpg (47861 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1924: "Die Lehrerstelle an der israelitischen Volksschule in Frielendorf, mit welcher das Amt des Vorbeters und des Schächters verbunden, ist zum 1. April dieses Jahres neu zu besetzen. 
Streng gesetzestreue Bewerber mit Kabbolaus (Zertifikaten) von orthodoxen Rabbinern wollen ihre Gesuche mit Zeugnissen baldmöglichst an uns einsenden. Israelitisches Vorsteheramt in Marburg. i.A. Provinzial-Rabbiner Dr. N. Cohn."   
   
Frielendorf Israelit 06081925.jpg (47251 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1925: "In der Gemeinde Frielendorf (Bezirk Kassel) ist, da der bisherige Lehrer Lion plötzlich verstorben, die Stelle als Religionslehrer, Vorbeter und Schochet möglichst sofort, oder auch am 1. September 1925 wieder zu besetzen. Der Anzustellende findet eine schöne Wohnung nebst Garten und einen neuen Schulsaal vor. Streng religiöse Bewerber wollen ihre Bewerbungen mit Zeugnissen an den Unterzeichneten einsenden. 
Moses, Gemeindeältester."   

    
Lehrer Markus Lion tritt in den Ruhestand (1894) 

Frielendorf Israelit 21051894.JPG (167916 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1894: "Aus dem Regierungsbezirk Kassel, 12. Mai (1894). Am 1. Januar dieses Jahres ist der Lehrer Markus Lion zu Frielendorf, Kreis Ziegenhain, nach mehr als 50 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Er wirkte nacheinander in den Orten Cobenhausen (gemeint Bobenhausen?), Lohrhaupten, Crainfeld und Wächtersbach. Trotz der wenigen Jahre, die er hier (sc. in den genannten Orten) war, hatte er sich großer Anerkennung zu erfreuen, was Zuschriften und andere Aufmerksamkeiten von dort nach einem halben Jahrhundert seiner Abwesenheit zur Genüge beweisen. Im März 1848 kam Lion an die oben genannte Elementarschule zu Frielendorf, woselbst er bis Anfang dieses Jahres ununterbrochen segensreich gewirkt hat. Neben seinen jüdischen Schülern sind es auch zahlreiche christliche, selbst entfernter wohnende, die ihm eine gute Vorbildung und das Streben nach größerer Vervollkommnung verdanken. - Durch seine großen Fähigkeiten und seine sehr reiche Erfahrung, jedem mit Rat und Tat zur Hilfe bereit, hat er sich mit großer Beliebtheit zu erfreuen. Am meisten redet hierfür die Dankbarkeit seiner Zöglinge diesseits und jenseits des Ozeans im allgemeinen, die Feier seiner 25-jährigen Amtstätigkeit in Frielendorf, sowie das in seltenem Maße so vorhandene ehrerbietige Begegnen der Gemeinde im besonderen. Anerkennt werden von dieser namentlich auch seine hervorragenden Leistungen auf religiösem Gebiet durch Vorbild und Belehrung. In letzterer Hinsicht verdienen vorab die originellen und gediegenen sabbatlichen Vorträge hervorgehoben zu werden, die wahrhaft Stunden der Erbauung und Belehrung bieten, und noch bis heute übt er diese liebgewonnene Funktion. Die Geistesfrische, die aus seinen Vorträgen spricht, lässt den 77-jährigen Greis nicht erkennen. Man begreift aus alledem, dass hier die 'Chawer' (?, unklar oder verschrieben) an einen allseitig geeigneten Mann gekommen ist. Möge nun sein Alter noch lange blühen und die Früchte seiner Aussaat mit Genugtuung noch lange von ihm geschaut werden."   

    
Zum Tod von Lehrer Hugo Lion (1925)   

Frielendorf Israelit 16071925.jpg (65413 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Frielendorf, 12. Juli (1925). Ein großes Leichengefolge geleitete am Donnerstag die sterblichen Überreste des 67-jährigen Lehrers a.D. Hugo Lion zur letzten Ruhe. Seit dem Tode seines Vaters im Jahre 1895, der lange Jahre an der hiesigen Volksschule gewirkt hatte, versah er die Schulstelle und gab gleichzeitig in den Nachbarorten Groß-Ropperhausen und Dillich den Religionsunterricht. Nach seiner Pensionierung am 1. April 1924 und der damit verbundenen Auflösung der hiesigen Schule wirkte er hier weiter als Religionslehrer und Kultusbeamter, bis ihn vor kurzem eine Krankheit aufs Krankenbett warf und ihn der Tod abberief." 

   
Lehrer Wetzler aus Aurich kommt nach Frielendorf (1926)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1926: "Frielendorf, 21. März (1926). Der Lehrer Wetzler in Aurich ist als Religionslehrer, Kantor und Schochet hier gewählt und von Provinzialrabbiner Dr. N. Cohn Marburg in sein Amt eingeführt worden."   

     
Lehrer Siegfried Wetzler wechselt nach Königstein im Taunus (1929)   
Anmerkung: weitere Informationen zu Lehrer Siegfried Wechsler in der Seite zu Königstein im Taunus.    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 14. Juni 1929: "Frielendorf. Herr Lehrer Wetzler wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1929 zum Lehrer an der Israelitischen Kultusgemeinde Königstein i.T. ernannt. Man sieht Herrn Wetzler hier nur ungern scheiden, da er zur größten Zufriedenheit dreieinhalb Jahre seine Kräfte in den Dienst der hiesigen Gemeinde gestellt hatte."         

    
 Lehrer Max Guttmann aus Breslau wird Nachfolger von Lehrer Wetzler (1929)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 2. August 1929: "Frielendorf. Als Nachfolger des Herrn Lehrer Wetzler übernimmt Herr Lehrer Guttmann aus Breslau am 1. August die Lehrerstelle in der Israelitischen Synagogengemeinde Frielendorf."         

      
      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben         
Judenfreundliche Gesinnung am Ort (1894)    

Frielendorf Israelit 30081894.jpg (63863 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1894: "Frielendorf, Regierungsbezirk Kassel, 29. Juli (1894). In der Mitte vorigen Monats (Juni) ließ eine hiesige christliche Bürgerfamilie einem jüdischen Schulknaben dahier ein mit Prachteinband, Goldschnitt, Namen und Widmung in Goldpressung ausgestattetes hebräisches Jahresgebetbuch Machsor mikol haSchana in 2 Bänden durch ihren Sohn, Alterskamerad von jenem, als Konfirmationsgeschenk überreichen. Der Vater derselben Familie verbürgte sich einige Monate zurück mit seinem Gesamtgrundeigentum für eine arme jüdische Witwe gerichtlich zwecks Ergebung einer Erbschaft in Amerika, die ihren, von ihr bevormundeten Kindern zugefallen ist. - Wohl auch ein Zeichen der Zeit!"  

    
Chanukkafeier des "Israelitischen Frauenvereins" (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 30. Dezember 1927: "Frielendorf (Bezirk Kassel). Der 'Israelitische Frauenverein' hatte auf den 25. Dezember die Gemeinde zu einer Chanukkafeier im hiesigen Schulsaal eingeladen, wozu sich dann auch die ganze Gemeinde einfand. Der Zuspruch war aber so stark, dass nicht alle Gäste Sitzgelegenheit bekamen. Unter sachkundiger Leitung unseres Lehrers Herrn Wetzler und unter freundlicher Mitwirkung der sehr geehrte Frau Wetzler wurden dann von seinen Schülern und Schülern der höheren Schule von Homberg und Treysa einige Chanukkaspiele und Volkstänze aufgeführt, die auch allgemeinen Anklang fanden. Besonderen Beifall fand der Vortrag des Schülers Wetzler 'Der Jomkippur Chassen'. Nach Beendigung der Vorführungen wurde gemeinschaftlich Kaffee getrunken. Dann wurde noch gespielt und geplaudert, bis die vorgerückte Stunde der Simcho (Freude) ein Ende machte. M."        

 
80-jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereines Chewra-Kadischa (1928)  

Frielendorf Israelit 10051928.jpg (87702 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1928: "Frielendorf, 1. Mai (1928). Der Tag des 80-jährigen Bestehens der Chewra-Kadischa in Frielendorf wurde am Sonntag, 22. April durch einen Festakt in den Schulräumen der Synagogengemeinde begangen. Den Auftakt zu der schönen Feier bildete der Sabbatgottesdienst, in dessen Mittelpunkt die ergreifende Festpredigt des Herrn Lehrers Wetzler stand. Der Vorsteher der Synagogengemeinde, Moses I, ernannt im Auftrage genannter Vereinigung die 6 ältesten Mitglieder zu Ehrenmitgliedern. Sonntag vormittags war gemeinsam Gang zum Friedhof (Beit HaChajim), woselbst zu Ehren der verstorbenen Mitglieder eine Trauerfeier stattfand. Zu dem nach dem Abendgottesdienst stattfindenden Festakt war Herr Provinzialrabbiner Dr. Cohn - Marburg erschienen, der tief durchdachte Worte an die Gemeinde richtete. Ein Festessen bildete den Abschluss der schön verlaufenen Feier, deren Leitung in den rührigen Händen des Lehrers Cohn lag."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Mai 1928:   
Derselbe Bericht wie im "Israelit", siehe oben. 

   
   
Zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Elias Blum aus Frielendorf (umgekommen durch einen Unglücksfall etwa 1855; Bericht von 1885)  

Ziegenhain Israelit 27071885.JPG (245216 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1885: "In der 2. Beilage Nr. 54 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Bericht aus Pest über die Auffindung der Leichenteile des Kindes eines Bauers in Sajo-Bamos und über die in dem offiziellen berichte des Miskolezer Staatsanwaltes ausgesprochene Vermutung, dass das Kind in eine sumpfige Stelle der betreffenden Wiese geraten und dadurch umgekommen sei. Bei dem Lesen dieser Nachricht kam mir ein vor 30 Jahren stattgefundenes Ereignis in Erinnerung, welches sich einige Stunden von meinem damaligen Wohnorte zugetragen hat, und welches zeigt, wie leicht dergleichen, und das nicht bloß bei einem Kinde, sich ereignen kann. In der Provinz Hessen-Nassau, im Kreise Ziegenhain, liegt der Marktflecken Frielendorf. Ein Israelit aus diesem Orte, namens Elias Blum, ein sehr braver, angesehener Mann, Pferdehändler, kräftig gebaut und wohl in der Mitte der fünfziger Jahre stehen, ging geschäftehalber an einem Spätherbsttage nach der 3 Stunden weit entfernten Stadt Treysa. Hier wurde er geschäftlich bis zu später Nachmittagsstunde aufgehalten und trat dann den Rückweg nach Hause an. Sein Weg führte über Ziegenhain. Zwischen Treysa und Ziegenhain befindet sich ein ¾ Stunden langes Wiesental, durch welches ein Fußweg führt, der die Strecke abkürzt. Diesen Weg schlug Elias Blum ein. Es war sehr stürmisches Wetter und die Luft war trüb und feucht, sodass die herannahende Nacht frühe Dunkelheit brachte. Dieses möchte die Ursache sein, dass Blum vom Fußpfade abkam und in die Wiesen geriet. Abseits des Fußpfades haben diese Wiesen sumpfige Stellen, welche nach längerem Regen nicht passierbar sind. Ganz nahe bei der Stadt Ziegenhain geriet der unglückliche Blum an eine solche Stelle und versank mit dem ganzen Körper in dieselbe. Er möchte wohl um Hilfe gerufen haben, seine Stimme aber vom Sturm übertönt worden sein. Als E. Blum an diesem Abende und am folgenden Tage nicht nach Hause kam, bemächtigten sich begreiflicherweise Angst und Unruhe seiner Familie. Wochen-, ja monatelang wurde die ganze Gegend ausgeforscht und jedes Wässerchen durchsucht; aber vergebens. Unterdessen war der Winter eingetreten und hatte über Feld und Wiesen eine Schneedecke ausgebreitet. Als diese im Frühjahr geschwunden, der Erdboden wieder abgetrocknet war, und die Wiesenbesitzer mit der Reinigung der Wiesen begannen, fiel den Arbeitern an einer abseits liegenden sumpfigen Stelle ein dunkler, aus dem Sumpfe emporragender Gegenstand auf, der einem Menschenkopfe ähnlich sah. Möglich auch, dass diesen umflatternde Raben ihre Aufmerksamkeit auf diesen Punkte gelenkt hatten. Sie wagten sich näher, und, siehe da! Hier steckt der Körper des unglücklichen Blum bis am Kopfe im Sumpfe. Die Familie wurde benachrichtigt, der Körper glücklich herausgezogen und auf dem israelitischen Totenhofe beerdigt."   

  
Zum 96. Geburtstag der Witwe von Noa Bachrach (1915)  

Frielendorf Israelit 22041915.jpg (28293 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1915: "Frielendorf, 13. April (1915). Ihren 96. Geburtstag feierte am 18. dieses Monats die Witwe des Fleischermeisters Noa Bacharach zu Frielendorf. Die Greisin besitzt 7 Kinder, 27 Enkel und 6 Urenkel. Sie ist noch sehr rüstig und ist die älteste Einwohnerin des Kreises."   

   
75. Geburtstag von Metzgermeister Jacob Bachrach (1928)  

Frielendorf Israelit 22031928.jpg (29998 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1928: "Frielendorf, 4. März (1928). Metzgermeister Jacob Bachrach von hier, der von Juden und Nichtjuden geachtet und geehrt ist, beging seinen 75. Geburtstag. Er besitzt großes Wissen, besonders im Jüdischen. Als Lehrer Lion starb, versah er das Amt eines Schochet und Toralesers und Vortragenden in den Chawerot (Vereinen). 
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Februar 1928: "Frielendorf (Bezirk Kassel). Am 3. März begeht Herr Metzgermeister Jacob Bachrach seinen 75. Geburtstag. Geistig und körperlich frisch, wie er stets im Leben war, ist er auch heute noch, gedachtet und beliebt bei jedermann, daneben ein Mensch von tiefstem Wissen, besonders im jüdischen Schriftentum sehr bewandert. Für seine jüdische Gemeinde hat er vieles geleistet, besonders in einer Zeit, wo derselbe ohne Lehrer dastand. Unermüdlich in selbstloser Weise hat er damals das schwierige Amt eines Toravorlesers und des Schächters übernommen, ebenfalls die bestehenden Chevraus (Vereine) geleitet, und heute noch ist er noch gern bereit, zu wirken, wenn man an ihn herantritt. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange Jahre in steter Zufriedenheit zu leben."      

  
Zum Tod von Moses Levi (1928) 

Frielendorf Israelit 24051928.jpg (9321 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1928: "Frielendorf, 8. Mai (1928). Im 76. Lebensjahre verstarb hier Herr Moses Levi". 

   
70. Geburtstag von Lehrer / Inspektor (seit 1920 Leiter des Israelitischen Altersheimes in Kassel) Joseph Bacharach (geb. in Frielendorf; Artikel von 1928)  

Abterode Israelit 31051928.jpg (82921 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Kassel, 16. Mai (1928). Am Erew Schawuoth (Vortag vor dem Wochenfest = Donnerstag, 24. Mai 1928) feiert der Lehrer a.D., Joseph Bacharach, jetzt Leiter des Israelitischen Altersheims, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war 37 Jahre segensreich als Lehrer in Abterode, Kreis Eschwege, tätig und hat es verstanden, auch seinen neuen Wirkungskreis mit echt jüdischem Geist zu beleben. Durch seine tiefe Frömmigkeit, seine Liebe zur Tora, seine im Verborgenen geübte Wohltätigkeit und seine Bescheidenheit erfreut er sich auch hier in allen Kreisen der größten Wertschätzung. Immer bestrebt, zu lernen und sch weiterzubilden, nahm er bereits von Abterode aus unter den größten Schwierigkeiten allwöchentlich an den von Rabbiner Cahn - das Andenken an den Gerechten ist zu Segen - geleiteten Schiurim teil und gehört auch hier zu den ständigen Besuchern der Schiurim. Mögen ihm noch viele Jahre körperlicher und geistiger Frische im Kreise seiner Familie vergönnt sein." 
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 25. Mai 1928: "Kassel. Am 24. Mai vollendete Herr Inspektor Bachrach sein 70. Lebensjahr. Nach Absolvierung der Volksschule in seinem Geburtsort Frielendorf besuchte er das Kasseler Lehrerseminar und trat dann seine erste Lehrerstelle in Beiseförth an, um später einem Ruf nach Abterode Folge zu leisten. Dort wirkte er 37 Jahre und verstand es, sich die Liebe und Anhänglichkeit aller Gemeindemitglieder zu erwerben. Vor allem aber bei der durch die lange Dienstzeit bedingten großen Anzahl der Schüler. Sie haben ihm allzeit Verehrung und Treue gegeben und werden sie ihm bewahren. Denn Herr Bachrach versah sein Amt nicht als einen Beruf, dem er sich zufällig gewidmet hat, und der ihm eine Quelle des Erwerbes bedeutete, sondern seine ganze Wesensart führte ihn hin zu der jüdischen Jugend, die er führen, leiten und belehren wollte, auf die seine wahrhaftige Frömmigkeit er einwirken ließ, sodass er ihnen zeigte, dass es nicht das Wissen allein ist, sondern dass das Wesentliche das Tun nach dem Wissen ist. Er war kein 'Bildungsschuster', der alle Schüler nach seinem Leisten formen wollte und bei dem das 'Versohlen' ein Haupterziehungsmittel war, auch kein Donnerer, der mit der Gewalt seiner Stimme als Schultyrann sich aufspielte; er war im Sinne der heiligen Schrift Lehrer, das heißt Führer. Er konnte es sein, denn sein frommer Sinn blieb kindlich bis heute, so fühlte er die Seele des Schülers und formte sie und lehrte den Geist und machte den Stoff lebendig, den er seinen anvertrauten Kindern nahe brachte. Nur wer die Jugend liegt, nur wer selbst an sich die größten Anforderungen stellt, nur wer den Kindern gegenüber, immer sich gleichbleibend wie ein Vater mahnt, wenn es sein muss, wie ein Vater straft, und wie ein Vater verzeiht, nur wer die Innigkeit und Zusammengehörigkeit der Familie selbst so betont, dass der Familientisch und die eigene Häuslichkeit eine unantastbare heilige Erinnerung bleibt auch für die Kinder, die schon lange dem Elternhaus entwachsen sind, kann ein so vorbildlicher Erzieher sein, wie es der Jubilar gewesen ist.   
Und wenn nun sein Lebensabend einer ganz anderen Arbeit gewidmet wurde, so ist dies kein Widerspruch. Wer so die Jugend liebte, hat auch für das Alter volles Verständnis; denn alles in allem ist es ja die Hintenansetzung der eigenen Persönlichkeit und die Achtung vor dem Brudermenschen, die zu der Einhaltung des Bibelwortes 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst' führt. Nicht der beschaulichen Ruhe widmete er sich nach seiner Pensionierung im Jahre 1920, sondern er übernahm die Leitung des israelitischen Altersheimes in Kassel, die er, unterstützt durch seine tüchtige Frau, durch seine warmherzige Tochter, in mustergültiger Weise durchführt. 
Wie ihn in Abterode die Jugend liebte, so tun es heute die ihm anvertrauten Greise und Greisinnen, gegen die er sich noch manchmal wie ein Jüngling fühlen muss, ganz gewiss aber, wenn ihm der 96-jährige Herr Oppenheim, ein Insasse, der diesen Geburtstag am Sonnabend feiern wird, seine Glückwünsche darbringt. 
Unter all den vielen Ehren, die ihm heute zuteil geworden sind, wird ihm wohl das Höchste bedeuten, dass Herr Landrabbiner Dr. Walter in Anerkennung seiner tiefen Frömmigkeit und seines Talmudstudiums ihm den Chowertitel verliehen hat. Möge er ihn noch lange in geistigrer Frische und körperlicher Gesundheit tragen, seiner Familie der liebende Vater und allen ihm Anvertrauten ein Freund erhalten bleiben. 
Eugenie Wertheim."     

  
Zum Tod des Gemeindevorstehers Moses Moses I (1928)  

Frielendorf Israelit 13091928.jpg (41059 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Frielendorf, 27. August (1928). Im 65. Lebensjahr starb hier der Gemeindeälteste Moses Moses I, der dieses Amt 35 Jahre in mustergültiger Weise versehen hat und bei Juden und Nichtjuden in hohen Ehren stand. Er hat sich um die Gemeinde sehr verdient gemacht. Herr Lehrer Wetzlar hielt ihm eine warme Gedächtnisrede. Der Kriegerverein erwies ihm die letzte Ehre. Seine Seele sei eingebunden in den Bundes des Lebens."   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 7. September 1928: "Frielendorf. (Todesfall). Die hiesige Synagogengemeinde ist durch das plötzliche Hinscheiden ihres ersten Gemeindeältesten Herrn Moses Moses I. in tiefste Trauer versetzt worden. 35 Jahre hat der Verblichene dieses Amt in nicht zu überbietender, musterhafter Weise ausgeübt. Mit ganzer Seele hing er an unseres Glaubens erhabener Lehre, dessen Wesen ihm Ehrfurcht vor Gott und den Menschen war. Aus dieser Glaubenstreue heraus gab er sich mit Gewissenhaftigkeit der Verwaltung der Gemeinde hin, die durch seine würdevolle Persönlichkeit nach innen und nach außen vortrefflich vertreten wurde."   
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 24. August 1928: "Frielendorf. Am 19. August arb hier im 65. Lebensjahr nach kurzem Krankenlager, der Gemeindeälteste der Gemeinde Frielendorf, Herr Moses Moses I. Fast 35 Jahre hat der Verstorbene in ausgezeichneter Weise dieses Amt versehen. Mit größter Gewissenhaftigkeit hat er sich jederzeit in würdevollster Art der Pflichten dieses Amtes unterzogen, und zwar unablässig um das Gedeihen der Gemeinde bemüht. Am Grabe sowie im Hause sprach Herr Lehrer Wetzler auch im Namen der Gemeindeverwaltung herzliche Worte des Abschiedes für einen Mann, der sich um die Gemeinde sehr verdient gemacht hat. In bewegten Worten schilderte er die Persönlichkeit des Verstorbenen, der durch seinen Lebenswandel als Vorbild eines guten Juden und braven Menschen gelten kann. Die große Zahl der Leidtragenden zeigte, welch großer Sympathien sich der Verstorbene in allen kreisen - bei Juden und Nichtjuden - erfreute. Ebenso gab ihm der Kriegerverein, dem der Verstorbene angehörte, die letzten Ehren. Secher zadik livrocho (das Gedanken an den Gerechten ist zum Segen)!"       
 
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom  24. August 1928: "Nachruf
Die hiesige Synagogengemeinde ist durch das plötzliche Hinscheiden ihres ersten Gemeindeältesten Herrn 
Moses Moses I.
 
in tiefste Trauer versetzt worden.  
35 Jahre hat der Verblichene dieses Amt in nicht zu überbietender, musterhafter Weise ausgeübt. Mit ganzer Seele hing er an unseres Glaubens erhabener Lehre, dessen Wesen ihm Ehrfurcht vor Gott und den Menschen war. Aus dieser Glaubenstreue heraus gab es sich mit Gewissenhaftigkeit der Verwaltung unserer Gemeinde hin, die durch seine würdevolle Persönlichkeit nach innen und nach außen vortrefflich vertreten wurde. 
An seiner Bahre geloben wir, in seinem Geiste unsere Gemeinde weiterzuführen. So wird er weiterleben in unserer Mitte; das sei das schönste Zeichen des Dankes, zu dem wir uns ihm über das Grab hinaus verpflichtet fühlen.  
Frielendorf, den 19. August 1928. 
Die Synagogengemeinde Frielendorf. Moses Moses II., zweiter Gemeindeältester."    

  
Isaak Moses wird zum Gemeindevorsteher gewählt (1928)  

Frielendorf Israelit 22111928.jpg (32201 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1928: "Frielendorf, 11. November (1928). Das Israelitische Vorsteheramt in Marburg ernannte Herrn Isaak Moses dahier zum ersten Gemeindeältesten der hiesigen Gemeinde. Er wurde vom Landratsamt zu Ziegenhain am Freitag bereits verpflichtet. Die Wahl entspricht dem Einverständnis aller Mitglieder der Gemeinde."   
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. November 1928: Bericht wie oben im "Israelit"     

      
Zum Tod von Adele Wolff geb. Michels (1928)  

Frielendorf Israelit 06121928.jpg (85208 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928: "Frielendorf, 27. November (1928). Plötzlich und unerwartet im Alter von 57 Jahren hauchte am 26. Cheschwan Frau Adele Wolff geb. Michels ihre reine Seele aus. Eine echte Esches chajil (wackere Frau) ist mit der teuren Verstorbenen dahingegangen. Sie war eine treue Gattin und Weggefährtin ihres Mannes auch auf dem Wege der Wohltätigkeit, sie war eine fürsorgliche Mutter nicht nur ihren Kindern, sondern auch vielen Armen und Bedürftigen. Unser Frauenverein verliert in ihr ein treues Mitglied und seine bewährte Schriftführerin. Welcher Beliebtheit sich die Verklärte bei allen Schichten der Bevölkerung erfreute, zeigte die große Beteiligung bei der Lewajoh (Beerdigung). Herr Lehrer Wetzler sprach im Hause Worte ehrenden Gedenkens, am Grabe entwarf er in ergreifenden Worten ein Lebensbild der Verstorbenen, die aus einem Leben der Arbeit, Frömmigkeit und Güte herausgerissen wurde. Möge Gott dem schwer geprüften Gatten, seinen Kindern, wie dem Kreise seiner Angehörigen Kraft verleihen, diesen schweren Verlust ihrem Sinne gemäß in Liebe zu tragen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   
  
Frielendorf Israelit 13121928.jpg (37836 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1928: "Frielendorf, 2. Dezember (1928). Im Alter von 57 Jahren verschied hier Frau Adele Wolff geb. Michels. Gegen Arme und Bedürftige war sie äußerst wohltätig. Unser Frauenverein verliert in ihr seine bewährte Schriftführerin und eines seiner treuesten Mitglieder. Im Hause und am Grabe hielt Herr Lehrer Wetzler eine warme Gedächtnisrede. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 30. November 1928: 
Ähnlicher Bericht wie oben im "Israelit"      

     
50-jähriges Geschäftsjubiläum des Kaufhauses J. Höxter (1929 in  Homberg; 1879 in Frielendorf gegründet)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 11. Januar 1929:  "Homberg (Bezirk Kassel). Das Kaufhaus J. Höxter, Homberg, Inhaber die Herren Robert und Julius Höxter, beging am 2. Januar sein 50-jähriges Geschäftsjubiläum. Die Firma wurde von dem Seniorchef Herrn Isaac Höxter am 2. Januar 1879 in Frielendorf gegründet. Im Jahre 1901 siedelte sie nach Homberg über und erwarb das der Firma J.H. Becker gehörende Grundstück Bahnhofstraße Nr. 1 käuflich. Die von letzterer Firma innegehabten Räume wurden dabei vergrößert. Die Firma J. Höxter hat im Jahre 1927 einen abermaligen Umbau ihres Geschäftshauses durchgeführt, da die bisherigen Räume nicht mehr ausreichten. Ein das Vorder- mit dem Hinterhaus verbindender Mittelbau wurde errichtet, vier große, moderne Schaufenster mit neuzeitlicher Lichtanlage eingebaut und taghelle Verkaufsräume geschaffen. Durch diesen Umbau hat die Firma wesentlich zur Verschönerung des Stadtbildes beigetragen und zählt heute zu den führenden Geschäften am Platze."             


Zum 75. Geburtstag von Jakob Gutkind (1929)  

Frielendorf Israelit 18041929.jpg (31481 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1929: "Frielendorf, 10. April (1929). Herr Jakob Gutkind, der vor drei Jahren zu seinem Sohne nach Gensungen zog. vollendete seinen 75. Geburtstag in bester Rüstigkeit und Geistesfrische. Gutkind war lange Jahre Gemeindeältester unserer Gemeinde und Vorsitzender der hiesigen Chewra Kadischa."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. März 1929: "Aus Frielendorf. Herr Jakob Gutkind, welcher vor zirka drei Jahren zu seinen Kindern nach Gensungen verzog, vollendet dieser Tage sein 75. Lebensjahr. Gutkind war bis zu seinem Wegzuge seit Jahrzehnten der erste Gemeindeälteste unserer Gemeinde. Herr Gutkind sah die Gemeinde aus kleinsten Anfängen sich zu einer blühenden, angesehenen Gemeinde entwickeln. Seine Frömmigkeit, das Ansehen, dessen er sich in allen Kreisen erfreute, seine Energie, das Interesse, das er allen jüdischen Fragen entgegenbrachte, machten ihm eines Parnes (Gemeindevorsteher) im wahren Sinne des Wortes würdig. In selbstloser Pflichttreue waltete er seines Amtes. Als Vorsitzender der Chewrah Kaddischah (Beerdigungsbruderschaft) übte er stets in vorbildlicher Weise echte Gemilus chesed (Wohltätigkeit). Im Toravorlesen bewandert, fungierte er öfters als Bal Kaure (Toravorleser). Aber auch als Kaufmann erfreute sich Gutkind in den hiesigen Wirtschaftskreisen großen Ansehens und hoher Wertschätzung. Mögen ihm noch lange Jahre in Gesundheit und Frische beschieden sein. Ad meo wewsrim Schonoh (bis 120 Jahre).  W...r." (= Wetzler)  

    
70. Geburtstag von Gerson Moses (1929)  

Frielendorf Israelit 23051929.jpg (77207 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1929: "Frielendorf, 15. Mai (1929). In seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische feierte am 16. Mai Herr Gerson Moses seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich sowohl in jüdischen wie in christlichen Kreisen größter Achtung und Beliebtheit. Seit vielen Jahren ist er in seiner Eigenschaft als Rendant Mitglied des Vorstandes der hiesigen Israelitischen Gemeinde. Tiefinnerliche Frömmigkeit, Einfachheit und Bescheidenheit, verbunden mit seltener Herzensgüte, unbedingte Redlichkeit und Ehrlichkeit im Handel und Wandel zieren den Charakter des Jubilars. Mit großer Verehrung sehen Verwandte, Freunde und seine Gemeinde zu ihm hinauf und wünschen ihm einen weiteren frohen Lebensabend. (Alles Gute) bis 120 Jahre."
 
Frielendorf Israelit 20061929.jpg (61928 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1929: "Frielendorf, 16. Mai (1929). Seinen 70. Geburtstag begeht heute in seltener geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit Herr Gerson Moses. Er erfreut sich sowohl in jüdischen wie in christlichen Kreisen größter Achtung und Beliebtheit. Seit vielen Jahren ist er als Rendant Mitglied im Vorstand der hiesigen Jüdischen Gemeinde. Größte Frömmigkeit, Einfachheit und Bescheidenheit, verbunden mit seltener Herzensgüte, größte Redlichkeit und Ehrlichkeit im Handel und Wandel zieren den Charakter des Jubilars. Mit großer Verehrung sehen Verwandte und Freunde unserer Gemeinde zu ihm hinaus."   
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 10. Mai 1929:  
Ähnlicher Bericht wie oben im "Israelit".   

     
Zum Tod von Bernhard Moses (geboren in Frielendorf, gest. 1930 in Kassel)    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. März 1930:  "Todesfall. Kurz vor Vollendung seines 77. Jahres verstarb der in weiten Kreisen der Bevölkerung bekannte und beliebte Herr Bernhard Moses. Der Verblichene, der in Frielendorf geboren wurde, war über ein halbes Jahrhundert in den Mauern unserer Stadt (sc. Kassel) ansässig und hat früher in seinem feinen Maßgeschäft zahlreiche Mitglieder unserer Gemeinde als Kunden gehabt. In der Nachkriegszeit war Herr Moses als Vertreter tätig. Seine Vertretung übernimmt seine Tochter, die sie im Sinne des Verstorbenen weiterführen wird."

  
70. Geburtstag von Moses Moses II. (1930)    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. August 1930:  "Frielendorf. In seltener körperlicher und geistiger Frische begeht am 29. dieses Monats Herr Moses Moses II in Frielendorf seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar steht seit Jahren als Gemeindeältester im Dienste der Gemeinde und widmet ihr seine Kräfte. Tiefe Religiosität, verbunden mit Gerechtigkeits- und Barmherzigkeitssinn, zeichnet ihn vor allem aus. Kein Armer zieht an seinem Hause vorüber, ohne eine Gabe zu erhalten. Auch bei seinen christlichen Mitbürgern und Geschäftskollegen genießt der Jubilar großes Ansehen. Möge er weitere Jahrzehnte zum Wohle der Gemeinde und des Judentums seine Kräfte widmen können. S."       

 
 70. Geburtstag des aus Frielendorf stammenden Lehrers Levi Plaut (1931)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 5. Juni 1931: "70. Geburtstag des emeritierten Lehrers Plaut. Am 11. dieses Monats kann Lehrer i.R. Levy Plaut auf 70 Lebensjahre zurückblicken. Wenngleich er diesen Tag infolge seines leidenden Zustandes im engsten Familienkreis verbringen will, sei doch in der Öffentlichkeit seiner Wertschätzung gedacht. Gehört er doch zu den Veteranen des Lehrerstandes, der nur in seinem Heimatlande amtierte. Aus Frielendorf stammend, bestand er am hiesigen Seminar (sc. Kassel) im Frühjahr 1881 die erste und zwei Jahre später die zweite Prüfung. Mit besten Zeugnissen versehen, übertrag ihm die Regierung die Schulstelle in Zimmersrode; damals waren dort 54 jüdische Kinder aus dem Orte und den umliegenden Dörfern zu unterrichten, für einen jungen Menschen eine schwere Aufgabe. Noch heute gedenken viele ehemaligen Schüler ihres Lehrers in Verehrung und Dankbarkeit. Mit aller Kraft arbeitete Plaut an der ihm anvertrauten Jugend, und seine Erfolge wurden von der Schulaufsichtsbehörde wie vom Provinzialrabbiner Dr. Munk seligen Andenkens vollauf anerkannt, zumal er durch Lehre und Leben auch in religiöser Hinsicht der Jugend das beste Vorbild war und bis heute darin sich treu blieb. Die Behörden bezeigten ihm daher vielfaches Wohlwollen. Sein Verhältnis zu seinen Kollegen und Gemeinden war immer ein gutes auch noch als Lehrer in Witzenhausen und Frankenberg. Gar zeitig waren Plauts körperliche Kräfte verbraucht. Wochenlang lag er schwer krank in der Marburger Klinik, nur sein Gottvertrauen und der feste Willen zur Gesundung ließen ihn genesen. Der Heroismus versagte aber, und so musste er schon 1914 in den Ruhestand treten. Die Segnungen seiner emsigen Arbeit konnte er in seinem hiesigen Ruhesitz (sc. Kassel) nicht genießen. Wiederum traten Leiden ein, und Heilung fand er nur für kurze Zeit. So lange es sein Zustand ermöglichte, fand er hier Beschäftigung. Während der Kriegsjahre unterrichtete Plaut an der Luisenschule und wiederholt auch an unserer Volksschule, stets bereit, zu helfen. Die ihm gebührende Anerkennung war ihm nie versagt. - Plauts Familienleben ist ein musterhaftes; seine Frau, geb. Stahl, ist eine wahre Heldin an Hingebung und Pflege, und sie trug viel dazu bei, den 70. Geburtstag ihres Mannes zu begehen. Möge unserem lieben Mitbürger noch ein langes, recht gesundes Leben besieden sein zur Freude seiner Familie, seiner guten Kinder und vieler Freunde. Wir rufen ihm zu: 'Chasak - sei stark.' L. Horwitz."                    

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Pferdehändler Abraham Gutkind (1897) 

Frielendorf Israelit 05101897.jpg (46267 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1897: "Einen kräftigen Knaben, im Alter von 15-16 Jahren, suche für mein Vieh- und Pferdegeschäft bis spätestens 15. Oktober. Waisenknaben, gut beleumundet und aus religiöser Familie, sind bevorzugt. Bewerbung nebst Zeugnissen und dergleichen sind zu richten an 
Abraham Gutkind, Pferdehändler, 
Frielendorf in Hessen."   

    
Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen von Sussmann Moses und Elly geb. Goldner (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. Mai 1930: 
"Wir haben uns verlobt   
Elly Goldner  Sußmann Moses  
Gersfeld Rhön - Frielendorf Bezirk Kassel".    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 19. Dezember 1930:  
"Sussmann Moses  Elly Moses geb. Goldner   
Vermählte   
Frielendorf / Gersfeld, den 25. Dezember 1930."       

    
    
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Joseph Bloom (Blum, 1843-1881, aus Frielendorf)  
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Frielendorf New York Salem 1822.jpg (77607 Byte)    Grabstein für 
"my dear beloved husband, 
Joseph Bloom  
Born in Frielendorf  
Sept. 7th 1843  
died April 27th 1881".  

      
      
 
    
Zur Geschichte der Synagoge      
    
Zunächst war ein Betsaal in einem jüdischen Wohnhaus vorhanden: im 19. Jahrhundert wurden (seit 1829 genannt) zuletzt Teile des Wohnhauses von Elias Blum genutzt, bis die jüdische Gemeinde im Jahr 1843 die Hälfte eines großen, um 1800 erbauten Scheunengebäudes erwerben konnte, und zur Synagoge umbaute. Das Gebäude hatte eine Grundrissfläche von 7,25 x 9,80 m und war nach dem Umbau zur Synagoge aufgeteilt in einen Vorraum, von dem eine Treppe zu der einseitigen Empore aufstieg und den ebenerdigen Synagogenraum. 
 
1857 war das Synagogengebäude in schlechtem baulichen Zustand, sodass der Baumeister Sallmann aus Ziegenhain einen Neubau empfahl. Die Gemeinde überlegte sich den Bau einer neuen Synagoge, doch wurde dies nicht ausgeführt. 
   
Bis 1937 wurden Gottesdienste in der Synagoge abgehalten. Danach stand das Gebäude leer. Die rituellen Gegenstände wurden nach Kassel verbracht, wo sie beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurden. Beim Novemberpogrom 1938 war die Synagoge und zumindest ein jüdisches Wohnhaus (von Levi Meierhof) Ziel von Ausschreitungen am Ort. Das Synagogengebäude wurde vermutlich bereits am 8. November 1938 - wie in anderen kurhessischen Orten auch - demoliert.    
 
Kurze Zeit nach der Demolierung der Synagoge wurde das Gebäude an einen benachbarten Handwerksbetrieb verkauft und von diesem 1939 zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Bis zur Gegenwart wird das Gebäude als Ladengeschäft mit einer Wohnung im 1. Stock genutzt. 
 
Am 9. November 1988 wurde eine Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Synagoge angebracht mit dem Text: "Dieser Gebäudeteil diente der jüdischen Gemeinde Frielendorf seit 1835 als Synagoge. Während der Terror-Herrschaft des Nazi-Regimes 1933-45 wurden alle Juden aus Frielendorf vertrieben, die Synagogen-Gemeinde aufgelöst und die Synagoge am 9. November 1938 geschändet."  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge  Hauptstraße 34 (ehemals Steinweg Nr. 75 1/2)      
   
   
Fotos   

Historisches Foto 
(rechts Ausschnittvergrößerung; 
Quelle: H. Bambey s. Lit. S. 501-502) 
Frielendorf Synagoge 105.jpg (70837 Byte) Frielendorf Synagoge 110.jpg (74403 Byte)
  Blick auf das Synagogengebäude. Vor dem Gebäude befand sich ein kleiner Vorgarten 
mit einem eisernen Zaun; rechts und links der mit verschlungenen Ellipsen 
verzierten Eingangstür waren zwei hohe Sprossenfenster
    
Pläne zur Lage und dem Gebäude 
der Synagoge (1857)
(Quelle: H. Bambey s. Lit. S. 502)
Frielendorf Synagoge 111.jpg (80071 Byte) Frielendorf Synagoge 112.jpg (138126 Byte)
    "Situationsplan von der Umgebung 
der Synagoge zu Frielendorf"
Grundrisszeichnung und Ansicht der Synagoge;
 u.a. ist links die einseitige Empore erkennbar
       
 Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
im Februar 1985
(Quelle: Altaras 1988 S. 50)
Frielendorf Synagoge 141.jpg (54683 Byte) Frielendorf Synagoge 140.jpg (92009 Byte)
   Beim großen Gebäude handelt es sich um das Wohnhaus des um 1800 erstellten Bauernhofes, 
zu dem die Scheune gehörte, deren eine Hälfte 1843 zur Synagoge umgebaut wurde.  
        
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
im Juli 2002
(Quelle: Altaras 2007 S. 151)
Frielendorf Synagoge 143.jpg (66094 Byte) Frielendorf Synagoge 142.jpg (72608 Byte)
       
        
  Neue Fotos werden bei Gelegenheit erstellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster 
der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite
     

    
    
Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Frielendorf 
Website "Juden in Nordhessen"  http://jinh.lima-city.de/index.htm  unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Plaut in Frielendorf (unter Forschungen Christoph Kuehn)   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Frielendorf 
Barbara Greve: unter http://jinh.lima-city.de/index-gene.htm finden sich Stammbäume und Familiengeschichten:  
Descendants of GERSON MOSES from Frielendorf, Hesse
Descendants of EPHRAIM MOSES from Frielendorf, Hesse. 

Quellen / Genealogische Listen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Frielendorf 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Frielendorf sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,189   Geburtsregister der Juden von Frielendorf  1790 - 1866   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245107    
HHStAW 365,195   Register der jüdischen Familienvorstände und ihrer Söhne von Frielendorf  1792 - 1846    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3500079    
HHStAW 365,190   Geburts- und Familienregister der Juden von Frielendorf  1808 - 1852      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3500079                
HHStAW 365,194   Sterberegister der Juden von Frielendorf  1824 - 1866  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924717     
HHStAW 365,193   Trauregister der Juden von Frielendorf  1827 - 1846     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v825433     
HHStAW 365,192   Trauregister der Juden von Frielendorf  1828 - 1908     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924716       
HHStAW 365,191   Geburtsregister der Juden von Frielendorf  1849 - 1933   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2083521      
HHStAW 365,166   Sterberegister der Juden von Frielendorf  1849 - 1937   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245108      

Hans Isenberg (Wehretal) hat aus den obigen Mikroverfilmungen der Synagogenbücher ehemaliger jüdischer Gemeinden in Hessen Listen zu Frielendorf erstellt, die einsehbar sind (pdf-Dateien): 
Grundliste 1817: Jüdische Einwohner in Frielendorf  
Grundliste 1828: Jüdische Einwohner in Frielendorf     
Geburtenliste 1: 19. Jahrhundert     -  Geburtenliste 2: Mitte 19. Jahrhundert bis 1933   
Trauregister 1828 - 1908     
Sterberegister bis 1935 

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der Juden von Siebertshausen   
Vorbemerkung wie oben:            
Zu Siebertshausen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,775  Geburtsregister der Juden von Siebertshausen 1849 - 1877    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319779       
HHStAW 365,776  Sterberegister der Juden von Siebertshausen  1861 - 1878   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030591      

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 213-215. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 50-51. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 49.  
dies.: Neubearbeitung der genannten Bücher. 2007 S. 150-151. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 170 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 547-548.   
Hartwig Bambey: Unter "Schutz", integriert, vertrieben, vernichtet und vergessen. Zur Geschichte der Juden in Frielendorf. In: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Hrsg. von Hartwig Bambey, Adolf Biskamp und Bernd Lindenthal. Schwalmstadt-Treysa 1993. Band 2 S. 489-553. In diesem Beitrag wird auch weitere Literatur zur Geschichte der Juden in Frielendorf genannt.  

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Frielendorf Hesse-Nassau. Established around 1812, the community opened a synagogue in 1834 and an elementary school in 1843, growing in population to 144 (12 % of the total) in 1905. Many Jews left before the Nazi period and in nearby Grossropperhausen (Ropperhausen) the community - which numbered 83 in 1861 - had vanished by 1935. The 58 Jews remaining in Frielendorf in 1933 settled elsewhere, 19 emigrating. At least four perished in the Holocaust.  
    
      

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge 

                          

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Juli 2017