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"Synagogen im Schwalm-Eder-Kreis"
Zimmersrode mit
Bischhausen, Gilsa und Römersberg (Gemeinde
Neuental, Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(zu Waltersbrück siehe eigene
Seite)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Zimmersrode bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts
zurück. Auch die in der Umgebung lebenden jüdischen Familien gehörten zur
Gemeinde Zimmersrode: in Bischhausen, Gilsa,
Römersberg und Waltersbrück.
1646 gab es sieben jüdische Haushaltungen in Zimmersrode, 1744 15 und 1776
sechs Haushaltungen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: in Zimmersrode 1835 50 jüdische Einwohner, 1861 54 (10,6 % von insgesamt 509
Einwohnern), 1871 58 (10,8 % von 447), 1885 66 (12,3 % von 534), 1895 67 (11,5 %
von 583), 1905 59 (11,3 % von 520); in Gilsa 1835 und 1861 jeweils 38
jüdische Einwohner, in Waltersbrück 1835 14, 1861 36, 1905 22 jüdische
Einwohner, in Bischhausen 1835 9, 1961 10, 1905 8 jüdische Einwohner, in
Römersberg 1835 8, 1861 9 jüdische Einwohner.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische
Elementarschule (bis 1913, danach Religionsschule; ein Schulgebäude wurde um 1850 an der
Westseite der Synagoge in der Bornstraße erbaut) und ein rituelles Bad. Die
Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Haarhausen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern
der Gemeinde sind u.a. bekannt: L. Heilbrunn (um 1865, Quelle),
Jakob Emmerich (bis 1869, danach in
Diemerode; unterrichtete 1868 insgesamt 26 Schüler - 16 Jungen und 10
Mädchen), Levi Plaut (seit 1868, unterrichtete insgesamt 46 Kinder,
davon 12 aus Dillich, je 7 aus Waltersbrück und Gilsa), Adolf Wertheim (aus Volkmarsen;
1895-1913, unterrichtete um 1900 noch ca. 30 Kinder, zuletzt nur noch sechs
Kinder), Sally Nußbaum (1913-1916, gefallen, siehe Bericht unten). Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Sally
Buchheim (geb. 22.10.1884 in Gilsa, gef. 1.9.1914), Unteroffizier Sally Nußbaum
(geb. 2.6.1892 in Mansbach, gef. 24.4.1915), Willy Schön (geb. 26.10.1892 in
Bischhausen, gef. 11.11.1916), Unteroffizier Felix Stahl (geb. 12.6.1892 in
Gilserberg, gef. 4.11.1915), Gefreiter Bernhard Stern (geb. 1.4.1887 in
Zimmersrode, gef. 21.8.1917), Moritz Stern (geb. 15.6.1895 in Zimmersrode, gef.
2.10.1918),
Seligmann (Selig) Stern (geb. 25.1.1884 in Zimmersrode, gef. 8.11.1915).
Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Siegmund Buchheim (geb. 27.6.1892 in
Gilsa, vor 1914 in Nesselröden wohnhaft, gef. 11.11.1916).
Um 1924, als 50 jüdische Personen in Zimmersrode lebten (8,6 % von 582
Einwohnern; zur Gemeinde gehörten außerdem in Bischhausen 6, Gilsa 11 und
Waltersbrück 14 Personen), waren die Vorsteher der Gemeinde Theodor Höxter und
Daniel Meier. Den Religionsunterricht der damals acht Kinder der Gemeinde wurde
durch Lehrer Jakob Höxter aus Jesberg erteilt. An jüdischen Vereinen
gab es den Israelitischen Männerverein (Männer-Chewroth; 1924 unter
Leitung von M. Höxter, 1932 unter Leitung von Max Rothschild; Zweck und
Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Durchreisender) sowie den Israelitischen
Frauenverein (Frauen-Chewroth; 1924/32 unter Leitung der Frau von Daniel
Stern, Ziel und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und
Durchreisender). 1932 war Gemeindevorsteher Max Rothschild, Schatzmeister
Sally Abraham. Im Schuljahr 1931/32 gab es acht schulpflichtige jüdische Kinder
in der Gemeinde, die ihren Unterricht nun durch Lehrer Levi Katz aus Borken
erhielten. In den Filialgemeinden lebten 1932: in Bischhausen 6, Gilsa 7 und
Waltersbrück 9 jüdische Personen.
1933 lebten noch 39 jüdische Personen am Ort (6,8 % von 574). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert: 14 konnten emigrieren,
andere verzogen u.a. nach Kassel und Hannover. Beim Novemberpogrom 1938 wurden
die Synagoge geschändet und verwüstet. Auch das Schulgebäude und die
Wohnungen jüdischer Familien wurden überfallen. In den Monaten nach dem Pogrom
(zwischen Dezember 1938 und April 1939) wurden die noch in Zimmersrode lebenden
jüdischen Personen nach Kassel verbracht und dort in "Judenhäuser"
zwangseingewiesen. Anfang 1939 hatten noch 13 jüdische Personen in Zimmersrode
gezählt.
Von den in Zimmersrode geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Herta (Greta)
Abraham (1928), Walter Abraham (1921), Frieda Blumenfeld geb. Stern (1896), Sara
(Klara) Hammerschlag geb. Stern (1893), Berta Hirschberg geb. Stern (1894),
Benedikt (Berthold, Benedick) Höxter (1883), Berthold Höxter (1877), Markus
Höxter (1881), Rickchen Höxter (1875), Theodor Höxter (1879), Irene Katz
(1889), Paula Katz (1888), Hildegard Lichtenberg geb. Wertheim (1906), Cilly
Lilienstein geb. Meier (1897), Hermine Meier (1898), Josef Julius Meier (1904),
Lotte Meier (1925), Marianne Meier geb. Bachrach (1867), Moses Meier (1890),
Rosa Meier geb. Michel (1892), Seligmann Siegmund Meyer (1888), Sara Michel geb.
Meier (1892), Wolf Benjamin Michel (1862), Thekla Rosenblatt (1880), Auguste
Roth geb. Rosenblatt (1883), Louis Schloss (1881), Bernhard Stern (1924), Daniel
Stern (1862), Ida Stern geb. Schirling (), Sofie Stern (1926), Theodor Stern
(1894), Amalie Stiefel geb. Rothschild (1901).
Aus Gilsa sind umgekommen: Charlotte Doiny geb. Katz (1888), Adolf Katz
(1889), Leo Katz (1918), Mathilde Katz (1924), Minna Katz (1891), Rosa Katz
(1888), Jettchen Kaufmann geb. Katz (1876), Auguste Philipp geb. Katz (1882),
Franziska Plaut geb. Buchheim (1882), Karoline Speier geb. Katz (1866).
Aus Römersberg ist umgekommen: Lina Regine Barton geb. Buxbaum
(1880).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer und der Schule
Zum Tod des Lehrers Adolf Wertheim (1916; von 1895 bis 1913 Lehrer in Zimmersrode)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Juni 1916: "Neustadt
(Kreis Kirchhain). Am 24. Mai ist Lehrer Adolf Wertheim, 45 Jahre alt, in
der Heimat seiner Gattin in Hannoversch Münden zu Grabe getragen worden.
Das große Geleite zur letzten Ruhestätte legte beredtes Zeugnis ab von
der Liebe und Wertschätzung, die der Heimgegangene genoss.
Lehrer Fabisch – Göttingen, schilderte am Grabe die Verdienste des
Verstorbenen um Schule und Gemeinde, seinen Fleiß und Wohltätigkeitssinn.
Lehrer Oppenheim, Treysa trauerte namens
der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens um den Verlust des wackeren,
pflichtgetreuen Kollegen, der mit siechem Körper sich noch im Dienste des
Vaterlandes betätigte und den Unterricht der etwa 100 Kinder zählenden
christlichen Schule zeitweise mit übernahm. Lehrer Neuhaus – Fritzlar
widmete ihm namens der Freien Vereinigung warme Worte der Anerkennung und
Lehrer Wertheim – Münden nahm in tief erschütternden Worten Abschied
von dem geliebten Bruder.
Der Verstorbene war 25 Jahre hessischer Lehrer und amtierte in Korbach, Zimmersrode
und Neustadt, Kreis Kirchhain.
Obgleich er in Neustadt nur 3 Jahre wirkte, hatte er sich dort einen großen
Freundeskreis erworben, sowohl in jüdischen, als auch in christlichen
Kreisen. Gar viele waren herbeigeeilt, ihm die letzte Ehre zu erweisen.
Der Magistrat, die christliche Lehrerschaft und der Kriegerverein hatten
Deputierte mit kostbaren Kranzspenden entsandt. T." |
Lehrer Wertheim unterzeichnet den Spendenaufruf zum Neubau der Synagoge in
Dillich (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1900: "Aufruf!
Die hiesige, aus acht Israeliten bestehende israelitische Gemeinde, ist in
die Notwendigkeit versetzt, ihr seitheriges altes Gotteshaus, in welchem
seit länger als 100 Jahren der Gottesdienst abgehalten worden ist, wegen
Baufälligkeit zu schließen. Seitens der polizeilichen Baubehörde ist
diese Aufforderung an uns ergangen. Ein Umbau ist daher unumgänglich, und
beziffern sich die Kosten für ganz bescheidene Anspruche, dennoch
immerhin auf 2.500 Mark. Leider ist unsere Gemeinde nicht in der Lage,
diese für uns unerschwingliche Summe aufzubringen. Wir wenden uns daher
an die große Wohltätigkeit unserer Glaubensbrüder und bitten edle
Menschenfreunde, ihr Scherflein gütigst hierzu beitragen und uns in
unserem Unternehmen unterstützen zu wollen. Der Lohn Gottes wird nicht
ausbleiben. Herr Gemeindeälteste N. H. Israel - Dillich, Herr
Lehrer Wertheim - Zimmersrode, sowie auch die Geschäftsstelle
dieses Blattes unter Nr. 5206 sind zur Entgegennahme von Gaben sowie auch
zu jeder weiteren Auskunft stets gern bereit." |
Zum Tod der Frau von Lehrer Adolf Wertheim: Lilli
Wertheim geb. Epstein (1901)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 9. Dezember 1901: "Zimmersrode, 4. Dezember (1901). Eine
wackere Frau im wahren und echten Sinne der Wortes, Frau Lilli Wertheim
geb. Epstein aus Fulda, Ehefrau des Lehrers A. Wertheim
hierselbst, ist plötzlich, in Folge eines Herzschlages, im noch nicht
vollendeten 27. Lebensjahre, am 2. Dezember aus dem Leben
geschieden.
Die Entschlafene war ihrem Gatten, mit dem sie in echter echter Ahawat
Naschim, in unverbrüchlicher Ehe verbunden gewesen, ein echtes
Biederweib. Gottergeben, von wahrer Religiosität und Frömmigkeit
erfüllt, war sie in aufopfernder, weiblicher Pflichttreue unablässig
für Gatte und Kind besorgt. Ihren seelischen Adel, von dem ihr ach so früh
gebrochenes Herz erfüllt, betätigte sie durch Wohltätigkeit
gegen Arm und Reich, gegenüber den Lebenden wie den Toten, sie
öffnete ihre Hand den Armen, sie spendete und labte gern jeden
Notleidenden. Sie war als eine echte Lehrergattin in ihrer Gemeinde
überall die Erste, wo es galt, Kranke zu pflegen, Trauernde zu trösten
und die letzten Liebesdienste zu erweisen.
Aus ihrem leider nur zu früh und für uns alle geschlossenen Auge
strahlte ein Blick voll von Menschenliebe und Frieden, mit dem sie ihren
Gatten beglückte, ihre Mutter, Geschwister und die gesamten
Familienangehörigen erfreute, und den großen Freundes- und
Bekanntenkreis ihrer nahen und fernen Umgebung an sich zu fesseln
verstand. Ihr Haus ist nun verwaist, die zarte Gatten-, Mutter- und
Kinderliebe erloschen; ihr verklärter Blick schaut jetzt aus den
himmlischen Regionen hernieder, und möge allen um sie tieftrauernden
Herzen eine Trösterin, ein Trostbalsam dem Rest der Trauernden
um Zion und Jerusalem sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens." |
Lehrer Adolf Wertheim wechselt nach Neustadt (1913)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Juni 1913: "Neustadt
(Kreis Kirchhain). Die durch Pensionierung des Lehrers M. Markus
freigewordene Schulstelle an der hiesigen öffentlichen israelitischen
Elementarschule wurde dem Lehrer Wertheim – Zimmersrode, übertragen.
Demselben geht der Ruf eines tüchtigen Pädagogen voraus, der sich das
Vertrauen seiner vorgesetzten Behörde im weitesten Maße erfreut." |
Die Schule muss wegen Schülermangels geschlossen
werden (1913)
Mitteilung
aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1913:
"Die jüdische Schule zu Zimmersrode, eine der ältesten in
Kurhessen, ist durch den Minister wegen Schülermangels aufgehoben
worden." |
Zum Soldatentod des Lehrers Salli Nußbaum
(1915)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1915: "Salli Nussbaum
– seligen Andenkens.
Mansbach, 4. Juni. Wieder hat der Krieg eine
schmerzliche Lücke in der Lehrerwelt gerissen. Herr Salli Nussbaum ist
nicht mehr. Eine feindliche Kugel hat ihn, der voll glühender
Begeisterung für das Vaterland in das Feld zog, tödlich getroffen. Im blühenden
Alter von 23 Jahren ist der Brave seinen Eltern und Geschwistern, seiner
ihm in Liebe ergebenen Gemeinde und seinen zahlreichen Freunden, die ihn
ob seiner Tugenden schätzen, entrissen worden. Sein Heimgang weckt Gefühle
der Trauer und des Schmerzes bei allen, die ihn kannten. Nussbaum war in
Mansbach am 2. Juni 1892 als Sohn des Synagogenältesten Jacob Nussbaum
geboren. Nachdem er von dem Lehrerseminar zu Köln, von der mündlichen Prüfung
befreit, abgegangen war, übernahm er, nach kurzer Vertretungsstelle das
Lehreramt in Zimmersrode. Mit seinem Infanterie-Regiment 167, bei dem er 1
Jahr gedient hatte, zog er mutig und voll Gottvertrauen in den Kampf, wo
er sich als ein Held erwies. Für seine Tapferkeit wurde ihm das Eiserne
Kreuz verliehen. Verwundet kehrte er in die Heimat zurück. Nach erfolgter
Heilung zog er wieder ins Feld und wurde wegen wiederholt bewiesener
Tapferkeit zum Unteroffizier befördert. Leider sollten wir ihn nicht
wieder sehen; ein Grabeshügel bei St. Julien wölbt sich über seine
entseelte Hülle. Seine Seele sein
eingebunden im Bund des Lebens." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spendenaufruf für die schwer pflegebedürftige Witwe
Stern (1882)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1882: "Dringende
Bitte! Seit ca. 13 Jahren ist Frau Witwe Stern von hier kontrakt und
zwar in einer solchen Weise, dass sie Pflege und Bedienung wie ein kleines
Kind bedarf. Frau Stern ist verwitwet und ihre letzten und einzigen
Stützen, ein Sohn und eine Tochter, wurden ihr durch die unerbittliche
Gewalt des Todes entrissen, sie befindet sich deshalb ganz in fremden
Händen. Da dieselbe zudem auch noch alles Vermögens entblößt ist, so
fristet dieselbe ein wahrhaft trauriges Dasein. Die Unterzeichneten wenden
sich deshalb mit der dringenden Bitte an alle wohltätigen Menschenherzen,
die wahrhaft arme Frau nach Kräften zu unterstützen. Milde Gaben wolle
man gefälligst an einen der Unterzeichneten senden.
Zimmersrode, den 25. Januar 1882. Simson Meier.
Der evangelische Pfarrer: Stübinger.
L. Plaut, Lehrer.
Wir sind gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern. Die
Expedition des Israelit." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der
Gemeinde
Goldene Hochzeit von Ehepaar Schloß
(1896)
Artikel in
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Mai 1896: "Aus Kurhessen,
15. Mai (1896). Das Schloss’sche Ehepaar zu Zimmersrode feierte letzten
Mittwoch das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Selbstverständlich waren
die Kinder des Jubelpaares, deren Familienangehörige, viele Freunde und Gönner
erschienen, um ihre Glück- und Segenswünsche zu überbringen. Die
Synagoge war von Juden und Christen bis auf den letzten Platz besetzt. Die
Festpredigt hielt Herr Lehrer Wertheim zu Zimmersrode. Derselbe erntete für
seine wohl durchdachte, äußerst sinnreiche Rede großen Beifall. Als
Text legte derselbe seiner Rede die Schriftstelle aus dem 3. Buch Moses
Kap. 25, Verse 10 und 11 zugrunde: ‚Und ihr sollt heiligen das 50.
Jahre; ein Jubelfest soll das 50. Jahr sein!’ Im Laufe des Tages liefen
viele Glückwunschtelegramme, zahlreiche Geschenke und Glückwunschschreiben
ein, ebenso ein Allerhöchstes Kabinettsschreiben des Kaisers, welches
durch den Bürgermeister Köhler nebst der Ehejubiläumsmedaille dem
Jubelpaare überreicht wurde und folgenden Wortlaut hat: ‚Berlin, 12.
Mai 1896. Seine Majestät der Kaiser und König haben vernommen, dass Sie
mit Ihrer Ehegattin nach 50-jähriger Ehe am 13. mai dieses Jahres die
goldene Hochzeit fern werden. Zur Erinnerung an dieses frohe Ereignis, zu
dem Seine Majestät dem Jubelpaare die besten Glückwünsche aussprechen
lassen, verleiben Allerhöchstdieselben Ihnen die beifolgende Ehejubiläums-Medaille,
mit dem Wunsche, dass es Ihnen und Ihrer Gattin vergönnt sein möge,
unter Gottes gnädigem Beistande in treuer Gemeinschaft miteinander sich
noch recht lange eines glücklichen und zufriedenen Lebensabends zu
erfreuen. Der Geheime Kabinettsrat, in Vertretung gez. Stumm’. Die
Medaille ist in einem reizenden Etui, welches mit dem verschlungenen
Monogramm W.A. und der Krone geziert ist. Herr Schloss steht im 76. und
dessen Gattin im 74. Lebensjahre, und erfreuen sich beide noch körperlicher
und geistiger Rüstigkeit. Möchte ihnen noch ein heiterer Lebensabend
beschieden sein." |
70. Geburtstag von Kaufmann Gerson Rothschild
(1925)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925: "Zimmersrode, 10.
Mai (1925). Seinen 70. Geburtstag beging Herr Kaufmann Gerson Rothschild
dahier in bester Gesundheit." |
Der Kriegsveteran Moses Höxter erhält
eine Auszeichnung (1927)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1927: "Zimmersrode, 29.
Mai (1927). Bei dem hier stattgehabten Kreiskriegerverbandsfest erhielt
auch Herr Moses Höxter, Veteran von 1866 und 1870/71, der älteste
hiesige Einwohner, für seine langjährige Zugehörigkeit zum Preußischen
Landeskriegerverband einen Orden und wurde mit den zwei anderen Veteranen
in einem Wagen zum Festplatz gefahren". |
70. Geburtstag von Johanna Rothschild geb. Katzenstein
in Waltersbrück (1928)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Zimmersrode, 13. Mai. Im nahen Waltersbrück
beging heute Frau Johanna Rothschild geb. Katzenstein ihren 70.
Geburtstag." |
Zum Tod von Simon Katz (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1928: "Zimmersrode,
17. Dezember (1928). Unter großer Beteiligung wurde am Donnerstag Simon
Katz dahier zu Grabe geleitet. Der Verstorbene stammte aus dem nahen Gilsa
und war 40 Jahre, seitdem er hierher verzogen, Vorsitzender der
israelitischen Wohltätigkeitsvereins. Auch bekleidete er lange Jahre das
Amt des israelitischen Rechnungsprüfers. Seine Seele sei eingebunden
in den Bund des Lebens." |
Zur Geschichte der Synagoge
Über die Geschichte der Synagoge ist nur wenig bekannt. Um
1850 ließ die Gemeinde an der Westseite der Synagoge eine Schule
anbauten.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
geschändet und wenig später (1940) abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Bornstraße
(ehemalige Judengasse)
Fotos
| Es sind noch keine
Fotos zur ehemaligen Synagoge vorhanden; über Zusendungen freut sich der Webmaster der
"Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Straßenschild an der
Bornstraße
(ehemalige "Judengasse")
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2010) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 446-448. |
 | Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 179. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 552-553. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Zimmersrode
(now part of Neuental) Hesse-Nassau. Established around 1646, this
regional community had an ancient Jewish cemetery and numbered 67 (11 % of the
total) in 1895. It was affiliated with the rabbinate of Kassel. The Jewish
population declined to 39 in 1933 and by 1941 no Jews remained; at least 12
perished in the Holocaust.

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