Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Neustadt / Hessen (Kreis Marburg-Biedenkopf)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
  
In Neustadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1941. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals lassen sich Juden 1513 nachweisen: in Neustädter Rechnungen werden "Seyzcind (Süßkind) und Simon, der Jud" genannt. 1630/31 liest man von den beiden Juden Menlein (Menle/Mendel) und Bernhard (Benes). 1646 werden sieben "Schutzjuden" (mit Familien) in der Stadt genannt, 1650/51 sechs Familien (Abraham, Menle, Jonas, Jakob, Bernhard und Davids Witwe). Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sind es fünf Familien (1700; 1710: von 33 jüdischen Einwohnern waren 5 Männer, 5 Frauen, 2 Witwen, 11 Söhne und 10 Töchter), seit der Mitte des 18. Jahrhunderts und bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bleibt die Zahl der jüdischen Familien in der Stadt konstant bei sieben bis acht Familien (1783: von 45 jüdischen Einwohnern waren es 6 Männer, 6 Frauen, 4 Witwe, 18 Söhne und 11 Töchter). Zur jüdischen Gemeinde Neustadt gehörte als Filialgemeinde Momberg mit eigenem Betsaal. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 24 jüdische Familien, 1827 82 jüdische Einwohner (4,9 % von insgesamt 1.660 Einwohner), 1861 90 (4,5 % von 3.011), 1871 126 (6,5 % von 1.946), 1885 160 (7,5 % von 2.130), 1895 134 (6,6 % von 2.038), 1905 108 (5,2 % von 2.066). Die jüdischen Familien lebten von den Einkommen der Haushaltsvorsteher als Viehhändler, Makler und Kaufleute. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten jüdische Gewerbetreibende mehrere Läden und Handelsgeschäfte in der Stadt.     
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule (Jüdische Volksschule, bis 1901 im Gebäude der alten Synagoge; später im Obergeschoss der neuen Synagoge), ein rituelles Bad (1825 im Haus des Markus Bachrach, Haus Nr. 72, seit 1887 im Untergeschoss der neuen Synagoge, seit 1905 unweit der Synagoge) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer (Elementarlehrer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdische Elementarschule bestand seit etwa 1830. Erste Lehrer waren Süsel Goldschmidt, Abraham Stern aus Zeckendorf (ab 1820/21 in Neustadt bis zu seinem Tod 1831), Jakob Rosenhaupt (1832-1835; aus Rotenburg a.d. Fulda), Joseph Luhs (1835-1839; aus Eschwege), Wolf Plaut (1839 bis zu seinem Tod 1874). Zwischen 1866 und 1873 waren jeweils zwischen 19 und 26 Kinder zu unterrichten. Seit 1874 war Moritz (Moses) Marcus Lehrer in der Gemeinde (zuvor in Halsdorf, blieb in Neustadt bis zu seinem Ruhestand 1913). Unter ihm war die Blüte der jüdischen Volksschule in Neustadt mit 1883 51 schulpflichtigen jüdischen Kinder (1893 39, 1902 16, 1903 19, 1914 11). 1913 erfolgt ein nächster Lehrerwechsel. Damals kam als Nachfolger von Lehrer Marcus sein Kollege Adolf Wertheim aus Volkmarsen (zuvor in Zimmersrode, wo 1913 die Volksschule aufgelöst worden war). Seit 1919 war Leopold Weil Lehrer in Neustadt, der nach dem verlorenen Krieg seine Heimat im Elsass (Regisheim bei Gebweiler) hatte verlassen müssen. 1921 hatte er noch 21, 1928-1930 nur noch insgesamt 11 Kinder zu unterrichten. 
   
Um 1924 wurden 101 jüdische Personen in der Stadt gezählt. 1932 waren die Gemeindevorsteher Salli Levy (1. Vors.; nach dem Bericht unten im Zusammenhang mit der Synagogenrenovierung 1932 war er damals bereits fast 10 Jahre Gemeindeältester) und S. Alexander (Momberg). Als Lehrer war Leopold Weil tätig, der gleichfalls im Bericht zur Synagogenrenovierung 1932 genannt wird (s.u.). Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er an der jüdischen Volksschule der Gemeinde 12 Kinder. 
  
Jüdischen Familien gehörten um 1930 zwei Viehhandlungen, zwei Gemischtwarenhandlungen, eine Handlung mit Getreide, Stoffen und Schuhen. Es gab zwei Mazzenbäckereien (von Siegfried Spier und Isaak Spier; letzterer hatte daneben auch eine Eisenwarenhandlung).  
 
1933 lebten noch 89 jüdische Personen in Neustadt (3,7 % von insgesamt 2.180 Einwohnern). In 
den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 1. Januar 1934 wurde die jüdische Schule aufgelöst (war jedoch bereits vor 1933 absehbar war). Letzter jüdischer Gemeindevorsteher war Hermann Levi. Mindestens 12 jüdische Einwohner konnten in die USA emigrieren, eine Familie nach Südafrika. 1939 wurden noch 40 jüdische Einwohner gezählt (1,8 % von 2.283). 
  
Von den in Neustadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" - erstellt im Vergleich mit Übersichten zu den jüdischen Familien in Neustadt bei Schäfer s. Lit.; ohne diese Zusammenstellung ist eine Auswertung nicht möglich, da es mehrere Orte Neustadt mit jüdischen Gemeinden gab):  Willy Leopold Bachrach (1882), Else Rosa Blumenfeld geb. Drucker (1888), Hermann Blumenfeld (1880), Moses Blumenfeld (1879), Sara Blumenfeld geb. Rothschild (1885), Sitta (Zida) Hecht geb. Stern (1902), Rose (Rosa) Heß geb. Blumenfeld (1883), Abraham Kanter (1874), Emanuel Kanter (1881), Karoline Kanter geb. Weinberg (1883), Ludwig Kanter (1906), Moritz Kanter (1907), Pauline Kanter geb. Kanter (1878), Walter Kanter (1922), Sara Kapp geb. Bachrach (1875), Ferdinand Katten (1893), Sophie Katten geb. Kanter (1897), Anneliese Levi (1922), Edith Levi (1923), Frieda Levi geb. Stern (1899), Giedel Levi (1863), Hermann Levi (1881), Jettchen Levi geb. Rosenblatt (1887), Sally Friedrich Levi (1889), Samuel Levi (1875), Fanny Lilienfeld geb. Braunschweiger (1881), Fanny (Franziska) Lilienfeld geb. Levi (1868), Hans Lilienfeld (1930), Isaak Lilienfeld (1867), Max Lilienfeld (1896), Meier (Moritz) Lilienfeld (1877), Rosa (Rosel) Lilienfeld geb. Kohn (1906), Walter Lilienfeld (1935), Gerda Löwenthal geb. Kanter (1909),  Regina Rosenbaum geb. Lilienfeld (1874), Bianka Rosenthal geb. Bachrach (1883), Bertha Rülf geb. Kanter (1872), Hilde(gard) Elfriede Seelig geb. Blumenfeld (1915), Bella Sichel geb. Bachrach (1883), Johanna Sommer geb. Kanter (1883), Ludwig Stern (1906), Marion Stern (1935), Sara Stern geb. Stern (1873), Simon Stern (1870), Gerda Sternfeld geb. Levi (1914), Amalie Weiler geb. Blumenthal (1879), Bertha Weiler geb. Israel (1868), Julius (Juda) Weiler (1879), Wolf Weiler (1869), Berta Weinberg geb. Levi (1876).       
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
 
Jahresversammlung der jüdischen Lehrer Hessens in Bebra mit Erinnerung an der verstorbenen Lehrer Plaut in Neustadt (1874)    

Bebra AZJ 25081874.jpg (461049 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. August 1874: "Kassel, 10. August (1874). [Jahresversammlung der jüdischen Lehrer Hessens zu Bebra]. In dem am Kreuzungspunkt zweier Eisenbahnen günstig gelegenen Bebra fand am 12. Juli dieses Jahres die jährliche Konferenz der jüdischen Lehrer Hessens unter Leitung des Seminarlehrers Dr. Stein aus Kassel statt. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden, etwa dreißig an der Zahl, begrüßt und die Namen derjenigen, die ihre Abwesenheit entschuldigt, verlesen hatte, gedachte derselbe der seit der vorigen Jahresversammlung verstorbenen Lehrer Lewisohn - Langenselbold, Fleischhacker - Niederaula und Plaut - Neustadt. Er hob namentlich die Verdienste Lewisohns hervor, wie derselbe als tüchtiger Lehrer von anerkannter Wirksamkeit dagestanden; wie es nicht leicht eine Frage von erziehlicher oder unterrichtlichter Bedeutung gegeben, die nciht von ihm in Versammlungen und Konferenzen mitberaten worden sei; und wie sich die allgemeine Teilnahme an dem herben Geschick seiner Familie in so erhebender Weisekundgegeben. Auch auch die beiden anderen Verblichenen seien Freunde der öffentlichen Sache und Förderer der gemeinschaftlichen Bestrebungen gewesen. Die Versammlung ehrte ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen... 
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Lehrer Moritz Marcus tritt in den Ruhestand (1913) 

Neustadt MR Frf IsrFanbl 11071913.jpg (20166 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juli 1913: "Neustadt (Kreis Kirchhain). Lehrer M. Marcus ist nach 51jähriger Tätigkeit in den Ruhestand getreten. Er erhielt aus diesem Anlass den Hohenzollernschen Hausorden."  

   
Die Schulstelle wird mit Adolf Wertheim neu besetzt (1913)  

Neustadt MR Frf IsrFambl 13061913.jpg (37725 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Juni 1913: "Neustadt (Kreis Kirchhain). Die durch Pensionierung des Lehrers M. Markus freigewordene Schulstelle an der hiesigen öffentlichen israelitischen Elementarschule wurde dem Lehrer Wertheim – Zimmersrode, übertragen. Demselben geht der Ruf eines tüchtigen Pädagogen voraus, der sich das Vertrauen seiner vorgesetzten Behörde im weitesten Maße erfreut."    

      
Zum Tod des Lehrers Adolf Wertheim (1916)   

Zimmersrode FrfIsrFambl 02061916.jpg (117648 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Juni 1916: "Neustadt (Kreis Kirchhain). Am 24. Mai ist Lehrer Adolf Wertheim, 45 Jahre alt, in der Heimat seiner Gattin in Hannoversch Münden zu Grabe getragen worden. Das große Geleite zur letzten Ruhestätte legte beredtes Zeugnis ab von der Liebe und Wertschätzung, die der Heimgegangene genoss.  
Lehrer Fabisch – Göttingen, schilderte am Grabe die Verdienste des Verstorbenen um Schule und Gemeinde, seinen Fleiß und Wohltätigkeitssinn. Lehrer Oppenheim, Treysa trauerte namens der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens um den Verlust des wackeren, pflichtgetreuen Kollegen, der mit siechem Körper sich noch im Dienste des Vaterlandes betätigte und den Unterricht der etwa 100 Kinder zählenden christlichen Schule zeitweise mit übernahm. Lehrer Neuhaus – Fritzlar widmete ihm namens der Freien Vereinigung warme Worte der Anerkennung und Lehrer Wertheim – Münden nahm in tief erschütternden Worten Abschied von dem geliebten Bruder.    
Der Verstorbene war 25 Jahre hessischer Lehrer und amtierte in Korbach, Zimmersrode und Neustadt, Kreis Kirchhain. Obgleich er in Neustadt nur 3 Jahre wirkte, hatte er sich dort einen großen Freundeskreis erworben, sowohl in jüdischen, als auch in christlichen Kreisen. Gar viele waren herbeigeeilt, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der Magistrat, die christliche Lehrerschaft und der Kriegerverein hatten Deputierte mit kostbaren Kranzspenden entsandt. T."

   
Hermann Weil, Sohn des Lehrers Leopold Weil wurde in Marburg promoviert (1928)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 11. Mai 1928: "Neustadt (Bezirk Kassel). Herr cand. phil. Hermann Weil, Sohn des Lehrers L. Weil, hier, hat in der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg sein Doktor-Examen in den Fächern Philosophie, Psychologie, Mathematik und Physikalische Chemie bestanden. Die zur Doktorprüfung vorgelegte Dissertation aus dem Gebiete der Typenpsychologie erhielt das Prädikat 'Sehr gut'. Wir gratulieren!"     

 
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Auswirkungen der antisemitische Hetze: Schwere Beschädigung der neuen Synagoge – Belästigungen jüdischer Mitbürger (1888)  

Neustadt KS AZJ 06091888.jpg (107831 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September 1888: "Aus Hessen, 29. August (1888). Am 19. August hat in Neustadt im Regierungsbezirk Kassel der Abgeordnete Dr. Böckel eine Wählerversammlung abgehalten und eine seiner bekannten Hetzreden darin zum Besten gegeben. Die Wählerversammlung wurde unter freiem Himmel auf dem Turnplatz der dortigen Turngemeinde abgehalten. Die Einladungen waren öffentlich angeschlagen an vielen Gebäuden. Sehr viele Frauen und ein großer Teil der Schuljugend nahmen an der politischen Versammlung teil. Am letzten Montag sind nun in der Nacht in der im vorigen Jahre neu erbauten Synagoge fast sämtliche Fenster demoliert worden. Jüdische Bürger wurden abends auf der Straße gröblich insultiert, auch tatsächlich angegriffen. Die israelitischen Bürger haben sich beschwerdeführend über die Portspolizei an die Staatsanwaltschaft in Marburg, sowie an die Regierung in Kassel gewandt."  

      
25-jähriges Bestehen des Frauenvereins Neustadt-Momberg (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 21.März 1930: "Neustadt (Bezirk Kassel). Der Frauenverein Neustadt-Momberg beging am 9. März die 25. Wiederkehr seiner Gründung. Zahlreich waren die Mitglieder des Vereins mit ihren Angehörigen der Einladung gefolgt in Erwartung genussreicher Stunden. Diese Erwartungen wurden nicht getäuscht. Der erste Teil stand im Zeichen des Religiösen. Ein von Frl. Bertel Weiler vorgetragener Prolog brachte in sinniger Weise das Werden und Wirken des Vereins zum Ausdruck. Die Vorsitzende, Frau (von) Isaak Lilienfeld, gedachte in dem Berichte über die Entwicklung des Vereins der verstorbenen Mitschwestern in ehrender Weise. Besondere Würdigung fanden die Verdienste des Gründers, Herrn Abraham Bachrach, der trotz hohen Alters in der Mitte der Tafelrunde weilte, sowie die der verstorbenen ersten Vorsitzenden, Frau Adelheid Levi. Im Mittelpunkt der ernsten Feier stand die Ansprache des Lehrers der Gemeinde, Herrn L. Weil, der in seinen Ausführungen besonders betonte, wie man durch den Zusammenschluss Vieler besser in der Lage ist, Wohlfahrt zu üben und Not zu lindern. Musikalische Darbietungen umrahmten die wohlgelungene ernste Feier. Der erhebenden religiösen Feier folgte ein von Herrn Dr. Weil geleitetes Kabarett, in welchem die Kinder der jüdischen Volksschule sowie die schulentlassene Jugend ihr Bestes gaben. Rauschender Beifall lohnte allen Mitwirkenden, und dieser Dank kam in mehrfachen Ansprachen immer wieder zum Ausdruck. Die ganze Feier nahm einen würdigen Verlauf und trug dazu bei, die Bande der Zusammengehörigkeit zu stärken und zu festigen. Möge die Chewra auch weiterhin im Sinne der Humanität und der werktätigen Menschenliebe ihre Tätigkeit ausüben."       

        
        
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
95. Geburtstag der Witwe von Herz Levi (1913)   

Neustadt MR Frf IsrFambl 22081913.jpg (75961 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. August 1913: "Neustadt (Kreis Kirchhain), 15. August (1913). Die älteste Einwohnerin der Stadt, Frau Witwe Herz Levi beging heute die Feier ihres 95. Geburtstages. Die Greisin erfreut sich noch einer seltenen körperlichen und geistigen Frische und entsinnt sich noch vieler Ereignisse, die vor bereits 80 Jahren sich zugetragen haben. Vor noch 5 Jahren hat dieselbe noch landwirtschaftliche Arbeiten verrichtet. 6 Kinder, 27 Enkel und 13 Urenkel umscharen die Mutter, Groß- und Urgroßmutter an ihrem Ehrentage. An den vielen eingelaufenen Glückwünschen war sichtlich zu sehen, welch großer Beliebtheit sich die Jubilarin, die stets einen sehr religiösen Lebenswandel führte, bei der gesamten hiesigen Einwohnerschaft, ohne Rücksicht auf die Konfession, erfreut."    
      
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1913: "Neustadt, Kreis Kirchhain, 22. August (1913). Die älteste Einwohnerin der hiesigen Stadt, ja vielleicht des ganzen Regierungsbezirks Kassel, Frau Witwe Herz Levi, hierselbst, beging dieser Tage die Feier ihres 95. Geburtstages. Die Greisin erfreut sich noch einer seltenen körperlichen und auch geistigen Frische und entsinnt sich noch vieler Ereignisse, die vor bereits 80 Jahren sich zugetragen. Vor noch 5 Jahren hat dieselbe sogar noch viele langwirtschaftliche Arbeiten verrichtet. 6 Kinder, 27 Enkel und 13 Urenkel umscharten die Mutter, Groß- und Urgroßmutter an ihrem Ehrentage. An vielen eingelaufenen Glückwünschen war sichtlich zu lesen, welch großer Beliebtheit sich die Jubilarin, die stets und auch heute noch einen sehr religiösen Lebenswandel führt, bei der gesamten hiesigen Einwohnerschaft ohne Rücksicht auf die Konfession erfreut. Mögen ihr auch noch weitere Jahre durch Gottes Gnade zu erleben vergönnt sein."    

       
Zum Tod des langjährigen Vorstandes der Gemeinde Meier Blumenfeld (1922)   

Neustadt HS Israelit 06041922.jpg (65003 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1922: "Neustadt (Regierungsbezirk Kassel), 14. März (1922). Am 24. Februar wurde im Alter von 72 Jahren Meier Blumenfeld unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Trotz des Eisenbahnstreiks ließen sich viele Freunde und Verehrer des Verstorbenen nicht zurückhalten, dem teuren Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. 13 Jahre lang hat er das Amt eines Vorstandes der Gemeinde pflichttreu verwaltet. Er war friedliebend und suchte die Harmonie in der Gemeinde zu fördern und zu erhalten und die alten Traditionen zu wahren. Rabbiner Dr. Kohn, Marburg, gab dem herben Verlust beredten Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
Zum Tod des aus Neustadt stammenden Adolf Bachrach (1928 in Marburg)   

Marburg Israelit 19011928.jpg (114293 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1928: "Adolf Bachrach - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Marburg, 16. Januar (1928). Unsere Gemeinde klagt um einen ihrer Besten: am vorletzten Freitag verschied nach langem, sehr schwerem und mit übermenschlicher Geduld ertragenem Leiden Adolf Bachrach im 48. Lebensjahre. Er war lange Jahre Mitinhaber der Firma A. S. Bachrach, die von seinem seligen Vater in Neustadt (Main-Weserbahn) gegründet und dann nach Marburg verlegt worden ist. Die Firma stieg unter seiner klugen und charaktervollen Mitleitung zu immer größerem Ansehen empor, und auch er selbst erfreute sich allgemeiner Wertschätzung bei Juden wie Nichtjuden infolge seines großzügigen, offenen Wesens, seiner Güte und ferner geradezu sprichwörtlichen Mildtätigkeit, mit der er so vielen Bedrängten Hilfe gebracht hat. Besonders in der schweren Kriegszeit und den darauf folgenden Jahren hat er so manche Not gestillt, wohl keiner, der bei ihm anklopfte, verließ sein Haus, ohne Unterstützung in Rat und Tat empfangen zu haben. Diesen menschlichen Tugenden entsprachen die jüdischen, bildete er doch als Jude und Mensch eine unlösliche, harmonische Einheit, eine Persönlichkeit im besten Sinne. Sein großes Geschäft war am Sabbat streng geschlossen, zu den liebsten Besitztümern, die er sein eigen nannte, gehörte die beinahe zärtlich gehütete eigene Sefer-Thora (Torarolle), die er am Simchas-Thorafeste in stolzer Freude in der Synagoge herumtrug. 'Simchas Tora, Freude an der Tora' war überhaupt ein bezeichnender Ausdruck seines Lebens, und wie konnte er diese Freude auch den Kindern vermitteln, der jungen Generation unserer Marburger Gemeinde, die er an den Torafesten besonders beschenkte."           

 
Goldene Hochzeit von Mendel Levin und Jeanette Levin geb. Alexander (1929) 

Neustadt MR Israelit 27061929.jpg (38586 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1929: "Neustadt, 9. Juni (1929). Ihre goldene Hochzeit begingen der Handelsmann Mendel Levin und Ehefrau Jeanette geb. Alexander, wobei 7 Kinder und 5 Enkel ihre Glückwünsche darbrachten. Die Israelitische Gemeinde nahm an der Feier regen Anteil. In der Festlich geschmückten Synagoge hielt Herr Rabbiner Dr. N. Cohn – Marburg eine herzliche Ansprache an das Jubelpaar."  

     
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 

Lehrlingssuchen der Kolonialwaren-, Butterhandlung Engros und Manufakturwaren Elias Bachrach (1901 / 1904)  

Neustadt KS Israelit 25031901.jpg (36951 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1901: "Gesucht  
Lehrling, in meine Kolonialwaren-, Butter-Handlung Engros, Manufakturwaren. Samstags streng geschlossen. 
Elias Bachrach,  
Neustadt, Regierungsbezirk Kassel."   
  
Neustadt MR Israelit 22021904.jpg (26996 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1904: "Gesucht ein Lehrling
Eintritt nach Ostern; Schabbos geschlossen. Elias Bachrach, Neustadt (Mainweserbahn)."   

    
Anzeige des Manufaktur- und Mehlgeschäftes A. S. Bachrach (1888)   

Neustadt KS Israelit 21011884.jpg (38680 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1884: "Für mein Manufakturwaren- und Mehlgeschäft en gros & en detail suche ich zum baldigen Eintritt einen tüchtigen Commis, welcher mit der Buchführung vertraut ist und schöne Handschrift schreibt. 
A. S. Bachrach
, Neustadt Regierungsbezirk Kassel."      

    
Hochzeitsanzeige von Samuel Reich und Bertel geb. Lilienstein (1929)   

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. November 1929: 
Samuel Reich   -   Bertel Reich geb. Lilienstern   Vermählte.  
Kassel  Kasernenstraße 5   -  Neustadt Kreis Kirchhain  
Trauung: Neustadt, 24. November 1929."    

      
      
   
    
Zur Geschichte der Synagoge     
   
Bereits im 18. Jahrhundert war ein Betraum beziehungsweise eine Synagoge zunächst in einem jüdischen Privathaus vorhanden. Die Protokolle des Kommissariates der Stadt berichten 1733 von einem Streit zwischen zwei jüdischen Einwohner, der sich in der Synagoge zugetragen hat. 1752 war vor dem Kommissariat die Frage zu klären, ob die Plätze in der Synagoge (damals waren dies Standplätze an Stehpulten) erblich seien oder nicht. Meyer Daniel sagte damals aus, er sei jetzt 50 Jahre alt und zeit seines Lebens in Neustadt "zur Schule" (Synagoge) gegangen. Es sei immer üblich gewesen, dass der Sohn den Platz seines verstorbenen Vaters eingenommen habe. Der Betraum befand sich nach den Berichten von 1752 im Haus des Gerson Moyses, 1773 in demselben Haus, das inzwischen Jakob Moyses gehörte. 
 
1773 stand in der Bogenstrasse eine Scheune zum Verkauf an, an deren Erwerb kein Bürger Interesse gezeigt hatte. Mit behördlicher Genehmigung konnte daher die jüdische Gemeinde die Scheune kaufen und zur Synagoge mit Schulraum, Lehrerwohnung und einer Unterkunft für durchreisende Juden umbauen. Der Umbau wurde vermutlich noch 1773 oder kurz danach vorgenommen. Die Synagoge in der Bogenstraße wird 1874/75 als zweistöckiges Wohnhaus mit Synagoge in den Ausmaßen 7,8 auf 5,5 m beschrieben (damalige Haus-Nr. 34 1/2). Das Gebäude blieb auch nach dem Neubau einer Synagoge an der Marburger Straße im Besitz der israelitischen Gemeinde (bis 1901).  
 
Bereits 1857 war die bisherige Synagoge zu klein. 1857 war zunächst auf Grund von Plänen des Kirchhainer Landbaumeisters eine Erweiterung geplant, jedoch wurde nur eine Reparatur vorgenommen, da sich die in Momberg lebenden jüdischen Familien eine eigene Synagoge bauen und nicht mehr zu den Gottesdiensten nach Neustadt kommen wollten. 1884 wurde erneut über den Neubau einer Synagoge mit Schulzimmer und Lehrerwohnung nachgedacht, da die alte Synagoge baufällig geworden war und nicht mehr für alle Gemeindeglieder Platz bot. Eine Genehmigung der Behörden zum Neubau erfolgte im August 1885. Die Pläne hatte Architekt Baumbach erstellt.   
         
Am 8. September 1887 konnte die neue Synagoge an der Marburger Straße eingeweiht werden. Sie hatte Platz für 119 Personen. Aus der Synagogengeschichte sind einige Berichte erhalten: vom 25jährigen Jubiläum der Synagoge 1912, von der Renovierung und Wiedereinweihung 1932 sowie von einem nationalsozialistischen Anschlag 1935, der damals noch als unerwünschte Einzelaktion bestraft wurde. 

25-jähriges Jubiläum der Synagoge (1912) 

Neustadt MR AZJ 19071912.jpg (41615 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Juli 1912: "In Neustadt (Regierungsbezirk Kassel) werden in nächster Zeit zwei Feste gefeiert werden: Am 25. Juli das 25jährige Jubiläum der Synagoge, bei welchem Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk – Marburg die Festrede halten wird, und im September das 50jährige Dienstjubiläum des Herrn Lehrers Markus, der hier seit dem Jahre 1873 amtiert und in seiner Gemeinde sowohl wie auch besonders in nichtjüdischen Kreisen in hohem Ansehen steht." 
 
Neustadt HS FrfIsrFambl 26071912.jpg (21806 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1912: "Neustadt (Regierungsbezirk Kassel). Am 25. Juli steht unsere Synagoge 25 Jahre, und im September feiert unser Lehrer Markus sein 50-jähriges Amtsjubiläum."     
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. August 1912: "Neustadt in Hessen. Die hiesigen Juden begingen am 26., 27. und 28. Juli das 
25-jährige Jubiläum ihrer Synagoge.
 
Zu dieser Feier hatten sich auch eine große Anzahl auswärtiger Gäste eingefunden. In der ganz renovierten und geschmückten Synagoge wurde Freitag Nachmittag ein Festgottesdienst abgehalten, bei dem Provinzialrabbiner Dr. Munk - Marburg die Festpredigt hielt und Lehrer Markus der Gründer in einer Ansprache gedachte. Nach einem Zug durch die in Festesschmuck prangende Stadt fand im Saale des 'Deutschen Haus' ein Kommers statt. Samstag Morgen sprach Lehrer Markus noch aus Anlass eines von einem Gemeindemitglied gestifteten Ner-Tomid. Mit Konzert und Tanz fanden die Festlichkeiten ihren Abschluss."      

  
1932 gründliche Renovierung der Synagoge. Neueinweihung am 18. September 1932  

Neustadt MR Israelit 29091932.jpg (109860 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1932: "Neustadt (Kreis Kirchhain), 20. September (1932). Am 18. September wurde unsere renovierte Synagoge im Beisein der Gemeindeangehörigen und vieler geladener Gäste dem Gottesdienste übergeben. Nach einleitender Liturgie durch Herrn Lehrer Weil ergriff Herr Provinzialrabbiner Dr. Cohn, Marburg, das Wort zu einer Weiherede. Dann sprachen Bürgermeister a.D. Dr. Grün, Kirchhain, als Vertreter der Kreisverwaltung, Beigeordneter Reppler, Neustadt, der besonders auf die Tätigkeit des Gemeindeältesten Salli Levi, der in seiner fast 10jährigen Amtstätigkeit, neben der Synagogenrenovierung, den Bau einer Leichenhalle nebst Wirtschaftsraum für die Volksschule, die Instandsetzung des Friedhofs durchgeführt hat, ohne die Gemeinde zu belasten. Herr Bürgermeister Dr. Bicker, Neustadt, sprach, als Vertreter der Stadt, der jüdischen Gemeinde die besten Glückwünsche aus. Herr Gemeindeältester Salli Levi betonte in der Schlussansprache die Freigebigkeit der Gemeindemitglieder und sprach allen Teilnehmern der Feier seinen Dank aus. Mit dem Vortrag eines Liedes durch Herrn Lehrer Weil schloss die eindrucksvolle Feier in der prächtig hergerichteten Synagoge."

   
Ein Anschlag auf die Synagoge wird bestraft (1935) 

Neustadt MR AZJ 28111935.jpg (99269 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. November 1935: "Drei Monate Gefängnis wegen Beschädigung einer Synagoge. Marburg, 25. November (1935). Mitte August besuchten zwei junge Leute einen Bekannten in Neustadt. Nach Genuss von alkoholischen Getränken verübten die beiden Sachbeschädigungen durch Steinwürfe an der Synagoge. Die beiden wurden festgestellt, leugneten zunächst, gaben dann aber die ihnen zur Last gelegten Sachbeschädigungen zu. Gegen das Urteil des Schöffengerichts, das sie an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von je zwei Monaten zu je 300 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, da ihr das Strafmaß als zu gering erschien: Der Vertreter der Staatsanwaltschaft führte u.a. aus, dass bei den verschiedensten Veranstaltungen der letzten Zeit immer wieder darauf hingewiesen worden sei, dass die Regierung die Art des Kampfes gegen das Judentum bestimme und Einzelaktionen zu unterbleiben hätten. Obwohl den Angeklagten dies bekannt sei, hätten sie sich in grober Disziplinlosigkeit zum Schaden von Staat und Bewegung darüber hinweggesetzt. Die Große Strafkammer erkannte auf je drei Monate Gefängnis."

Bis 1938 war die Synagoge in Neustadt Mittelpunkt der jüdischen Gemeindelebens. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Die Bänke wurden aus der oberen Etage aus de Fenstern gestürzt, Bücher und Vorhänge angezündet sowie das Mobiliar zerschlagen. Am 13. Februar 1939 ging das Synagogengrundstück mit dem Gebäude in den Besitz der Stadt über. Die noch verwertbaren Bauteile wurden verkauft. Nach dem Abbruch der Synagoge wurde das abgeräumte Grundstück in zwei Parzellen aufgeteilt, die an zwei Neustädter Bürger verkauft wurden. 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   Marburger Str. 14         
    
    
Fotos 

Die 1887 erbaute 
Synagoge Neustadt
Neustadt Synagoge 040.jpg (91134 Byte)  
   Federzeichnung von W. Sohn, Neustadt
 (Quelle: Schneider s.Lit. S. 122) 
  

    
    
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Neustadt / Hessen   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Neustadt (interner Link)  
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" finden sich hier die Stammbäume der Familien Kanter und Moyses (letzterer innerhalb der Forschung Christoph Kuehn)        
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Neustadt  

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Neustadt (Hessen)  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Neustadt (Hessen)  sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,631   Verzeichnis jüdischer Familien in Neustadt   1759 - 1835: Verzeichnis jüdischer Familien mit Angabe von Geburtsort, Geburtsdaten und Gewerbe; enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg;      
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900007   
HHStAW 365,630   Sterberegister der Juden von Neustadt  1824 - 1875; enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900007    
HHStAW 365,628   Geburtsregister der Juden von Neustadt   1824 - 1884; enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250815               
HHStAW 365,629   Trauregister der Juden von Neustadt  1828 - 1874, enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4607225        

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 124-126.
Keine Artikel (da nichts von der Synagoge erhalten) bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.
Dankward Sieburg: Synagoge und Schule zu  Neustadt. Jahrbuch 1989 des Kreises Marburg-Biedenkopf. Marburg 1989. 
ders.: Die Judengemeinde zu Neustadt. Beiträge zu ihrer Geschichte. Ermittlungen eines Wahlpflichtkurses der Gesamtschule Neustadt, bearbeitet und vorgelegt von Dankward Sieburg, Neustadt 1990.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel . 1995 S. 159-160.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 516-518.
Barbara Händler-Lachmann / Ulrich Schütt: "unbekannt verzogen" oder "weggemacht". Schicksale der Juden im alten Landkreis Marburg 1933-1945. Marburg 1992. 
Barbara Händler-Lachmann / Harald Händler /Ulrich Schütt: 'Purim, Purim, ihr liebe Leut, wißt ihr was Purim bedeut?' - Jüdisches Leben im Landkreis Marburg im 20. Jahrhundert. Marburg 1995.  
Kirchhain Lit 11.jpg (51572 Byte)Alfred Schneider: Die jüdischen Familien im ehemaligen Kreise Kirchhain. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen. Hrsg.: Museum Amöneburg. 2006. 

       
          


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Neustadt Nesse-Nassau. Jews living there from 1646, established a community numbering 160 (7 % of the total) in 1885, and dedicated a new synagogue in 1887. After Worldwar I, branches of the Central Union (C.V.) and Jewish War Veterans Association were active. Affiliated with the rabbinate of Marburg,. the community numbered 101 (4 %) in 1925 and 89 in 1933. Nazis destroyed the synagogue and looted Jewish homes in a three-day Kristallnacht pogrom (8-10 November 1938). At least 28 perished in the Holocaust; 43 emigrated. 
  
   

                   
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Stand: 20. Mai 2016