Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Momberg (Stadt Neustadt/Hessen, Kreis Marburg-Biedenkopf)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
In Momberg bestand eine jüdische Gemeinde (Filialgemeinde zu Neustadt) bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1690 gab es noch keine Juden am Ort. 1731 wird ein jüdische Einwohner genannt, seit 1733 zwei (vermutlich mit Familien); 1747 werden insgesamt 13 jüdische Einwohner am Ort gezählt (vermutlich in zwei oder drei Familien). 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 49 jüdische Einwohner, 1861 49 (in neun Familien; 6,5 % von insgesamt 753 Einwohnern), 1905 48. 1858 wurden als Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Familien am Ort festgestellt: Spezereihandel und Metzgerei (1 Familie), Metzgerei, Tuch- und Nothandel (1 Familie), Nothandel (1 Familie).  

An eigenen Einrichtungen in Momberg bestand seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.) sowie - zumindest Anfang des 19. Jahrhunderts - ein rituelles Bad (1825 im Haus von Michael Spier). Ansonsten wurden die Einrichtungen in Neustadt mitbenutzt (Schule, rituelles Bad, Friedhof). Der jüdische Lehrer von Neustadt unterrichtete auch die Kinder der Gemeinde Momberg. 
 
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Isaak Blumenfeld (geb. 24.9.1893 in Momberg, gef. 8.1.1915), Moritz Blumenfeld (geb. 16.3.1887, gef. 12.12.1914; vgl. zu den beiden Genannten den Bericht unten) sowie Moritz Moses Blumenfeld (geb. 28.9.1887 in Momberg, gef. 21.6.1916). Außerdem sind gefallen: Moritz Spier (geb. 25.10.1880 in Momberg, vor 1914 in Einbeck wohnhaft, gef. 9.7.1917) und Jakob Weinstein (geb. 26.6.1878 in Momberg, vor 1914 in Felsberg-Gensungen wohnhaft, gef. 23.9.1914) .    
 
1925 wurden 34 jüdische Einwohner in Momberg gezählt (3,8 % von insgesamt 895 Einwohnern). 1932 war S. Alexander aus Momberg 2. Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Neustadt.   
   
1933 lebten noch 31 jüdische Personen (in sieben Familien) am Ort. In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (12 Personen in die USA, eine Familie nach Südafrika). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). Die letzten elf jüdischen Personen wurden 1941/42 aus Momberg deportiert.  
  
Von den in Momberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Blumenfeld (1911), Hugo Blumenfeld (1882), Ida S. Blumenfeld geb. Stern (1878), Julius Blumenfeld (1885), Julius Blumenfeld (1910), Kurt Blumenfeld (1921), Dina Heldenmuth geb. Blumenfeld (1871), Karoline Höxter geb. Blumenfeld (1857), Fanny Katzenstein geb. Bickardt (1868), Ludwig Lion (1909), Lina Nathan geb. Spier (1892). Franziska Oppenheim geb. Blumenfeld (1870), Pauline Pohly geb. Reizkin (1914), Günter Rosenberg (1925), Karoline Sommer geb. Spier (1874), Isaak Spier (1875), Johanna Spier geb. Rothschild (1878), Manfred Spier (1925), Sida Spier geb. Blumenfeld (1896), Siegfried Spier (1887), Nanny Stern geb. Blumenfeld (1878), Emma Wetterhahn geb. Blumenfeld (1892).      
 
Ruth Lion geb. Spier (geb. 1909 in Momberg) musste mit ihrem Ehemann Ludwig Lion (geb. 1909) 1941 die Deportation in das Ghetto Riga antreten. Sie überlebte. Auf dem Friedhof von Momberg ließ sie einen Gedenkstein für zehn deportierte frühere jüdische Einwohner Mombergs aufstellen (oben kursiv markiert). 
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Einige Berichte, in denen Momberg (als Filialgemeinde) genannt ist, stehen in der Seite zu Neustadt.
     
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Spendensammlungen in der Gemeinde (1871)

Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig Spendensammlungen für unterschiedliche Zwecke durchgeführt. Die Ergebnisse wurden immer wieder in jüdischen Periodika bekannt gegeben. Da Momberg eine Filialgemeinde zu Neustadt war, wurden gewöhnlich von beiden Gemeinden zusammen die Ergebnisse bekannt gegeben.

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1871: "Durch Lehrer Plaut in Neustadt inklusive Momberg, Provinz Hessen: Neustadt: Markus Bachrach 1 Thlr., Samuel Bachrach 5 Thlr., Elias Bachrach 5 Thlr., Salomon Bachrach 4 Thlr., Aron Bachrach 15 Sgr., Isaac Levi 5 Sgr., Herz Levi 2 1/2 Sgr., Sus Levi 2 1/2 Sgr., Noa Stern 2 1/2 Sgr., Elias Kanler 2 1/2 Sgr. — Momberg: Abr. Blumenfeld I  1 Thlr. 15 Sgr., A. Blumenfeld II 5 Sgr., A. Blumenfeld III 10 Sgr., J. Alexander 5 Sgr., M. A. Blumenfeld 1 Thlr. 2 Sgr.,  Isaac Blumenfeld 1 Thlr. 2 Sgr., Isaac Blumenfeld II. 5 Sgr., Isaac Spier rel. 7 Sgr., Joseph Spier 5 Sgr., zus. 20 Thlr. 16 Sgr. 6 Pf."   

    
Das Kriegerehrenmal wird unter jüdischer Beteiligung eingeweiht (1931)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 13. November 1931: "Momberg (Kreis Kirchhain). Die stattgefundene Einweihung des Kriegerehrenmales stand im Zeichen des konfessionellen Friedens, wie man ihn in dieser schweren Zeit und bei der heutigen Verhetzung selten findet. Als erster Redner gab Herr Kuratus Roßmann seiner Freude über das harmonische Zusammenleben zwischen Juden und Christen in der Gemeinde Ausdruck. Als zweiter Redner sprach Herr Rabbiner Dr. Cohn (Marburg). Als letzter sprach Lehrer Blumenfeld gegen die antisemitische Hetze. Die Worte der beiden jüdischen Redner, besonders aber die des Herrn Rabbiner Dr. Cohn, wurden von der ganzen bei dieser Feier anwesenden Bevölkerung mit großem Beifall aufgenommen."       

    
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Goldene Hochzeit von Kaufmann Joseph Spier und Sara geb. Stern (1904)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1904:  "Momberg, Kreis Kirchhain, 16. Mai (1904). Der Kaufmann Joseph Spier und dessen Ehefrau Sara geb. Stern dahier, feierten heute in seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische das Fest ihrer goldenen Gochzeit. Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg hielt in der Synagoge im Anschlusse an Psalm 92 und 129 eine wirkungsvolle Ansprache, an deren Schluss er die von Seiner Majestät dem Könige gestiftete Ehejubiläumsmedaille überreicht. Die weitere Feier fand im engsten Familienkreise statt. Das Jubelpaar, welches 80 bzw. 76 Jahre alt ist, erfreut sich in all seinen Bekanntenkreisen der größten Wertschätzung und Beliebtheit."         
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 19. Mai 1904: "Kirchhain, Main-Weser.Bahn, 17. Mai. In voller Körper- und Geistesfrische beging gestern in unserem Nachbardorfe Momberg das Josef Spier'sche Ehepaar das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten erfreuen sich noch einer äußerst seltenen Rüstigkeit; Spier steht im 80. und dessen Gattin im 75. Lebensalter. Mittags begaben sich die Festteilnehmer in einem langen Zuge, das Jubelpaar an der Spitze, dem weißgekleidete Mädchen, die Blumen auf den Weg streuten, vorangingen, in die festlich geschmückte Synagoge. Hier hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk - Marburg nach beendigtem Minchagebet, eine sehr herzlich und tief durchdachte Ansprache an das Jubelpaar und überreichte darauf die von Seiner Majestät Allerhöchst verliehene Ehejubiläumsmedaille, nebst einem Begleitschreiben aus dem Zivilkabinett. Glückwünsche, teils auf telegraphischem und teils auf brieflichem Wege trafen in großer Zahl ein."   

  
Die beiden Söhne der Familie G. Blumenfeld sind im Krieg gefallen (1915)   

Momberg Frf IsrFambl 29011915.jpg (68766 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Januar 1915: "Momberg, Kreis Kirchhain. Von einem schweren Verlust wurde die Familie G. Blumenfeld betroffen. Zwei hoffnungsvolle Söhne erlitten beide den Heldentod fürs Vaterland. Beide haben sich durch hervorragende Tapferkeit vor dem Feinde ausgezeichnet, der älteste hat einen Schwerverwundeten unter größter Lebensgefahr aus dem furchtbarsten Granatfeuer getragen. Der jüngste stand zuletzt als Lehrer in Petershagen a. Weser.  
Bei dem gestrigen Sabbatgottesdienst hielt Lehrer Wertheim aus Neustadt zu Ehren der gefallenen Helden eine herrliche Ansprache, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck ausübte."  
  
Artikel in der Zeitschrift "Jüdischer Volkslehrer" vom 28. Januar 1916: "Heldentod israelitischer Lehrer. (Den Gefallenen ist die betreffende Nummer, mit der sie in der 'Jüdischen Volkszeitung' in der Rubrik 'Heldentod' aufgeführt sind, in Parenthese beigefügt).
... Kassel ... Von den im hiesigen israelitischen Lehrerseminar ausgebildeten Lehrern haben die nachfolgenden den Heldentod fürs Vaterland erlitten:
- H. Abraham aus Schenklengsfeld (Heldentod Nr. 376), zuletzt Lehrer in Niedenstein, Unteroffizier in einem Reserve-Regiment (Inhaber des Eisernen Kreuzes II, Kl. Nr. 71)
- I. Blumenfeld aus Momberg, zuletzt Lehrer in Petershagen in Westfalen, (Nr. 697), Gefreiter in einem Reserveregiment.
- W. (sc. B.) Rosenstock aus Eiterfeld, Lehrer in Wiesbaden (Nr. 2255)
- W. Rothschild aus Eisenach. Lehrer in Bad Driburg (Nr. 1524).
- D. Katzenstein aus Abterode, Ersatzreservist im Infanterie-Regiment Nr. 83, (Nr. 1523). Letzterer hat nach abgelegter Prüfung an der öffentlichen Volksschule zu Kassel unterrichtet. Die Anstalt hat das Andenken des jungen Helden dadurch geehrt, dass sie seine vergrößerte Photographie in dem Klassenzimmer, in welchem er zuletzt lehrte, anbringen ließ."   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Januar 1915: "Lehrer Isak Blumenfeld
aus Momberg (Kreis Kirchhain) hat auf Frankreichs Erde im blühenden Alter von 21 Jahren den Heldentod fürs Vaterland erlitten." 

  
Zum 80. Geburtstag des aus Momberg stammenden Lehrer Sally Blumenfeld (1922, seit 1861 Lehrer in Adelebsen, zuletzt Göttingen, gest. 1925) 
 
Anmerkung: Sally Blumenfeld ist am 5. April 1842 in Momberg geboren. Er war verheiratet mit Berta geb. Freudenstein (geb. 5. Juli 1833 in Adelebsen, gest. 21. Juli 1921 in Göttingen). Die beiden hatten fünf in Adelebsen geborene Kinder: Lina (geb. 1866, umgekommen 1943 im Ghetto Theresienstadt), Hedwig (geb. 1868, gest. 1902 in Adelebsen), Karl (geb. 1869, gest. 27. September 1940 in Brandenburg), Johanna (geb. 1871, Adelebsen, umgekommen 1944 im Ghetto Theresienstadt), Hugo (geb. 1873, ermordet 1942 im Vernichtungslager Treblinka). Sally Blumenfeld starb am 14. November 1925 in Göttingen. https://blankgenealogy.com/getperson.php?personID=I15563&tree=Blank1   
Siehe auch (mit Dokumenten und Fotos zur Biographie): https://blumenfeldblog.com/2024/10/17/sally-blumenfeld-and-berta-freudenstein/     

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. März 1922: "Lehrer S. Blumenfeld zu seinem achtzigsten Geburtstag.
Am 5. April dieses Jahres findet in Göttingen die Konferenz des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover statt. Wenn der Verein diesmal die Kollegen nach dem äußersten Süden der .Provinz einlädt, so hat das seinen besonderen Grund, legt doch an diesem Tage der Ehrenvorsitzende des Vereins. Kollege Blumenfeld - Göttingen, sein 80. Lebensjahr zurück.
Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, den äußeren Lebensgang des Jubilars zu zeichnen; nicht soll die Rede sein von dem Wirken und Schaffen Blumenfelds in der Gemeinde, der er vom Beginn bis zum Ende seiner lehramtlichen Tätigkeit seine ganze Kraft gewidmet, der Gemeinde Adelebsen, in der er länger als ein halbes Jahrhundert als Lehrer und Prediger gewirkt, deren Mitgliedern er Freund und Berater, deren Witwen und Waisen er Führer und Vater in des Wortes schönster Bedeutung gewesen. Die Würdigung dieser Tätigkeit bleibe einem Berufeneren vorbehalten. — Unser Gruß gilt dem Ehrenvorsitzenden des Vereins, dem Mann, der seit mehr als drei Jahrzehnten an der Spitze des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover steht, der bereits 1883 dem Vorstand angehörte und den Verein von 1888 bis 1908 als 1. Vorsitzender geleitet hat.
Was Blumenfeld in dem Verein und für ihn geleistet hat, das soll hier nicht geschildert werden. Wie könnte ein Zeitungsartikel eine so reich gesegnete Tätigkeit beschreiben, wie vermöchte man mit wenigen Strichen ein Bild zu skizzieren, das nur gefühlt und empfunden werden kann! Unauslöschlich ist Blumen­felds Wirken mit der Geschichte des Vereins verknüpft; unvergesslich werden jedem Teilnehmer die Vereinssitzungen sein, die Blumenfeld leitete, die er mit seinem Geiste befruchtete. Wenn Blumenfeld in der ihm angeborenen ruhigen und würdevollen Haltung, durchglüht von einem milden Feuer der Begeisterung, die Konferenzen eröffnete, dann empfanden alle: hier spricht der Führer. Ein jeder fühlte sich zu ihm hingezogen, ihm unterordneten sich alle aufs bereitwilligste, weil ein jeder wusste, dass Blumenfelds Blick stets auf das Ziel, auf die Wahrheit gerichtet war, dass alles, was er sprach, mit seiner innersten Überzeugung im Einklang stand, und jeder das Bewusstsein hatte, dass er den Weg wies, der die Gesamtheit wenn auch langsam. so doch sicher zum Ziele führte.
So wurde auch Blumenfeld der Vater des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Er war der 'Sämann jenes Samenkornes, das sich im Laufe der Jahre zu einem kraftvollen Baume entwickelte, dessen Wurzeln heute ganz Deutschland, vom äußersten Norden bis zum fernen Süden durchziehen'. Und was der Verband, besonders in den ersten Jahren seines Bestehens, geleistet hat, mag es hoch oder gering angeschlagen werden, ist mit seines ersten Vorsitzenden Namen aufs engste verknüpft. Diese Stellung war das Symbol für die Wertschätzung, die Blumenfeld in den Augen seiner Amtsbrüder im weiten Deutschen Reiche gefunden; galt und gilt er doch allen als das Ideal eines Lehrers in Israel, als Zierde und Krone des Lehrerstandes überhaupt.
Nicht zuletzt gilt unser Gruß dem treuen Freunde. Wem es vergönnt war, Blumenfeld näher zu treten, wer das Glück hatte, in dessen Hause zu verkehren, in vertrauter Unterhaltung der tiefen Gelehrsamkeit zu lauschen, die sich mit reicher Lebenserfahrung paart, die durchdringende Schärfe des Verstandes zu fühlen, die sich mit der Innigkeit des kindlichen Gemütes eint, der wird die Stunden, die er in Blumenfelds Heim verbringen durfte, zu den schönsten und unvergesslichen seines Lebens zählen.
Die Gedanken zahlreicher Schüler, Freunde und Verehrer Blumenfelds werden am 5. April in Göttingen weilen und den Wunsch teilen, den der Schreiber dieser Zeilen gelegentlich der 50. Jubelfeier des Hannoverschen Lehrervereins dessen Ehrenvorsitzenden gegenüber bereits ausgesprochen: 'Möge dem teueren Manne, der das größte Brüderpaar aller Zeiten sich zum Vorbild genommen hat, von Mose die Bescheidenheit, von Aron die Friedensliebe, ein weiterer langer, heiterer Lebensabend beschieden sein.   Katz. Nienburg-Weser". 
Fortsetzung des obigen Artikels: "Am 5. April wird der ehemalige Lehrer der jüdischen Gemeinde Adelebsen (Prov. Hannover), Herr S. Blumenfeld, in Göttingen, wo er seit seinem Übertritt in den Ruhestand seinen Wohnsitz hat, sein 80. Lebensjahr vollenden. Ein Leben voll rastloser und selbstloser Arbeit und Mühe, aber auch reich an Erfolgen ist es, auf das der Jubilar mit wahrer Befriedigung zurückblicken kann. Fast 50 Jahre lang hat er in der Gemeinde Adelebsen gewirkt, und wie kaum ein anderes Beispiel ist sein Wirken geeignet, den­jenigen Recht zu geben, die den jüdischen Lehrer als den unentbehrlichen Kulturträger in den kleinen Gemeinden und die Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes als eine Lebensfrage für dar Judentum angesehen wissen wollen.
Kaum 19 Jahre alt, am 1. Februar 1861, trat der in Momberg in Kurhessen geborene, auf dem Lehrerseminar in Kassel ausgebildete junge Lehrer als Nachfolger des rühmlichst bekannten nachmaligen Kasseler Seminardirektors Stein sein Amt in Adelebsen an. Er war der geborene Lehrer. Mit seltenem Lehrgeschick und feinem pädagogischen Takt begabt, hat er seinen Schülern nicht nur mit hervorragendem Erfolge die Kenntnisse vermittelt, die zu den Aufgaben einer jüdischen Elementarschule gehören, sondern ihnen vor allem auch das gewissenhafteste Arbeiten und die ernste Pflichttreue zur Gewohnheit gemacht, die sie in ihm selber stets verkörpert vor sich sahen, und die für den Erfolg im Leben noch wichtiger sind als Kenntnisse und Fertigkeiten. Der sittliche Ernst seiner Persönlichkeit weckte in seinen Schülern den Geist der Ehrfurcht und das Autoritätsgefühl, das wir an unserer heutigen Jugend oft so schmerzlich vermissen. Wenn die Knaben seine Schule mit 9 oder 10 Jahren verließen, um auswärts auf eine höhere Lehranstalt überzugehen, so zählten sie hier meist sofort zu den besten Schülern, und selbst die weniger Begabten unter ihnen konnten in der neuen Schule jahrelang von dem Kapital an Kenntnissen und Erziehung zehren, das sie ihm verdankten.
Aber seine Lehrtätigkeit allein war es nicht, ja sie war es nicht einmal in erster Linie, was Blumenfelds Wirken in Adelebsen den Stempel aufdrückte. Er war den Erwachsenen fast noch mehr als den Kindern. Er war ein Seelsorger im tiefsten Sinne des Wortes, er war der geistige Mittelpunkt, der Führer, der Vater seiner Gemeinde. Kein jüdisches Haus, dem er nicht nahe stand, keine jüdische Familie, die sich nicht in all ihren seelischen und wirtschaftlichen Nöten und Sorgen vertrauensvoll an ihn wandte, der er nicht mit Rat und Tat hilfreich zur Seite gestanden hätte. Wenn Krankheit und Tod Kummer und Trauer in die Familien brachte, so war er der gute Geist, der stets zur Stelle war und lindernden Balsam auf die Wunden träufelte. Seine Gegenwart schon tröstete die Trauernden, beruhigte die Besorgten und Bekümmerten. Und er war in allen Sätteln gerecht. Voll durchdringender Schärfe des Verstandes und mit klarem Blick für die praktischen Forderungen des Lebens, wusste er immer Rat zu schaffen. Wenn der Ernährer in einer Familie gestorben war, so ordnete er die Verhältnisse und wies nicht selten den Weg für die Erhaltung der wirtschaftlichen Existenz. Waren Kinder verwaist, so vertrat er Vaterstelle bei ihnen. Da war ihm keine Mühe und Arbeit zu viel, und wenn es nötig war, machte er die Nacht zum Tage. Man kann sagen, dass er sich verantwortlich fühlte für das Wohlergehen jedes einzelnen Mitgliedes seiner Gemeinde.
So ist denn nicht zu verwundern, dass er nicht nur in der jüdischen Gemeinde, sondern auch bei seinen christlichen Mitbürgern ein außergewöhnliches Ansehen genoss, das weit über die Grenzen Adelebsens hinausreichte. Mit Hochachtung und Verehrung wurde und wird noch heute sein Name in allen Kreisen der Bevölkerung genannt. Als bei Gelegenheit seines 25-jährigen Dienstjubiläums und bei seinem Scheiden aus seinem Amte am 1. Oktober 1910 seine zahlreichen Schüler aus allen Himmelsrichtungen zusammenkamen, um ihm gemeinsam mit den Mitgliedern der heimatlichen Gemeinde ihre Verehrung, ihre Dankbarkeit und Liebe zu bezeugen, da war auch in der nichtjüdischen Einwohnerschaft die Anteilnahme eine allgemeine.
Nun ist die alte Generation dahingegangen, und die von der Gemeinde Adelebsen übrig Gebliebenen sind fast alle seine Schüler gewesen. Zum Teil selbst schon an der Schwelle des Greisenalters, haben sie nicht vergessen und werden sie nicht vergessen, was er ihnen gewesen ist. Sie gedenken an seinem 80. Geburtstage ihres verehrten Lehrers in alter Liebe und Treue und wünschen ihm noch eine Reihe ungetrübter, schöner Lebensjahre. Möge das erhebende Bewusstsein, dass seine Lebensarbeit, ein leuchtendes Vorbild für seine Standesgenossen, der Gemeinde, der er sie widmete, zum Segen geworden ist und dass er im Gedächtnis und in den Herzen seiner Schüler eine dauernde Stätte gefunden hat, ihn beglücken und seinen Lebensabend verschönen.  Bernhard Dannenberg."     

    
Der Viehhändler Abraham Blumenfeld wird vermisst und tot aufgefunden (1931)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. September 1931: "Momberg. Seit dem 25. August wird der Viehhändler Abraham Blumenfeld vermisst. Er war an diesem Tage zum Viehmarkt nach Gießen gefahren und ist dann mit dem Erlös von über 1000 Mark am gleichen Tage nach Frankfurt gefahren, um dort weitere Geschäfte zu tätigen. Trotz polizeilicher Nachforschung fehlt von hier aus jede Spur. Anscheinend ist Blumenfeld einem Verbrechen zum Opfer gefallen."      
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 11. September 1931: "Momberg. Wie wir berichteten, wurde der Viehhändler A. Blumenfeld seit dem 25. August, seit dem Viehmarkt in Gießen, vermisst. Die Polizeibehörde Wiesbaden hat den Angehörigen Blumenfelds gemeldet, dass die Leiche aus dem Rhein bei Schierstein geländet worden ist. Ob ein Unfall oder ein Verbrechen vorliegt, müssen die polizeilichen Ermittlungen ergeben. Freitod scheint nach den wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnissen ausgeschlossen. Den Angehörigen bringt man die größte Teilnahme entgegen."     

  
Familiennachrichten (1934) 
    

Mitteilungen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1934: "Momberg, 8. Oktober (1934). Herr Heinemann Blumenfeld hier feierte heute seinen 80. Geburtstag und wird am 22. dieses Monats mit seiner Frau Karoline geb. Katzenstein das Fest der Goldenen Hochzeit begehen. Alles Gute bis 120 Jahre.  
Momberg
, 9. Oktober (1934). Frau Bertha Blumenfeld geb. Alexander, begeht am 16. Oktober ihren 75. Geburtstag. Alles Gute bis 120 Jahre."    

  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
   
Werbung der Nudelfabrik Joseph Spier für koschere Nudeln (1922)  

Momberg Israelit 03081922.jpg (49449 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1922: "Koscher - Nudeln - Koscher.  
Referenz Rabbiner Dr. Cohn Marburg. Spezialität Hausmacher-Eiernudeln
Beste Bezugsquelle für Restaurations und Speiseanstalten. Wiederverkäufer gesucht. 
Nudelfabrik Joseph Spier, Momberg, Kreis Kirchhain."  

    
Rabbiner Dr. Cohn hat die Aufsicht über die Mazzenfabrik Josef Spier in Momberg (1925)  

Josbach Israelit 26021925.jpg (39030 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1925: "Zur gefälligen Kenntnisnahme! Meiner Aufsicht unterstehen auch in diesem Jahre folgende Mazzosbäckereien: 
Firma Josef Spier in Momberg, 
Firma Steinfeldt Witwe in Josbach
Firma Hilker & Schmalz in Kassel (Letztere unter Mitaufsicht des Herrn Landrabbiner Dr. Walter). 
Provinzial-Rabbiner Dr. Cohn - Marburg
."  

  
Verlobungsanzeige für Betty Poritzky und Ephraim Lipsker (1925)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1925: "Gott sei gepriesen
Betty Poritzky - Ephraim Lipsker. Verlobte.  
Karlsruhe Baden - Momberg Kreis Kirchhain". 

     
     
 Sonstiges 

Briefumschlag von Joseph Spier 
aus Momberg (1923)
   
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)
Momberg Dok 15118.jpg (173693 Byte)   

Es handelt sich um einen an Dr. Willi Wertheim, Rechtsanwalt in Marburg adressierten Briefumschlag, versandt von Joseph Spier aus Momberg am 9.1.1923. 
Der Absender Joseph Spier besaß in Momberg eine Nudelfabrik (siehe oben die Anzeige In der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1922 und vom 26. Februar 1925). Am 16. Mai feierten der Kaufmann Joseph Spier und seine Frau Sara geb. Stern ihre Goldene Hochzeit (siehe Bericht oben). Die Familie Spier zählte zu den alt eingesessenen jüdischen Familien in Momberg. Bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich im Haus von Michael Spier ein rituelles Bad (1825). Joseph Spier ist am 8. April 1824 in Momberg geboren als Sohn des Michael Spier und seiner Frau Sprinz geb. Spier. Er war verheiratet mit Sara (Sarchen) geb. Stern aus Reichensachsen. Joseph Spier war Handelsmann, Seifensieder und Bäcker. Er starb am 8. Juni 1914. Joseph Spier und seine Frau Sara liegen begraben auf dem jüdischen Friedhof in Neustadt-Hessen.
Der Briefempfänger war Dr. Willi Wertheim, geboren am 28. Januar 1892 in Hatzbach als Sohn von Meier und Juliana Wertheim. Nach einem unterbrochenem Studium wegen Kriegsteilnahme im Ersten Weltkrieg promovierte er anschließend im Studienfach Jura und eröffnete 1919 seine erste Praxis als Rechtsanwalt, ab 1925 in Gemeinschaftspraxis mit Hermann Reis. Nach dem Berufsverbot für Anwälte floh Willy Wertheim 1933 nach Frankreich. 1937 wurde ihm in Abwesenheit die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Am 21. Februar 1943 wurde er ins Sammellager Drancy bei Paris eingeliefert. Am 4. März 1943 wurde er nach Lublin / Majdanek deportiert und ermordet. 
Quellen: http://www.geschichtswerkstatt-marburg.de/projekte/werth.php 
http://elisabethschule.de/de/schule/publikationen/experiment-sonderheft.html    
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/3/sn/juf?q=neustadt+joseph+spier

     
     
   
  
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts besuchten die Momberger Juden die Synagoge in Neustadt. Eine eigene Synagoge in Momberg wurde erbaut, nachdem es um 1850 in der Synagoge in Neustadt zu eng wurde. Zunächst war 1857 in Neustadt auf Grund von Plänen des Kirchhainer Landbaumeisters eine Erweiterung der Synagoge geplant, jedoch wurde schließlich nur eine Reparatur vorgenommen, nachdem die in Momberg lebenden jüdischen Familien eine eigene Synagoge erbauen und nicht mehr zu den Gottesdiensten nach Neustadt kommen wollten. Am 19. April 1858 konnte der Momberger Gemeindeälteste Blumenfeld dem Marburger Vorsteheramt mitteilen, der Betsaal sei zur Abhaltung von Gottesdiensten soweit hergerichtet.    
  
Bei der Momberger Synagoge handelt es sich um ein von drei Seiten freistehendes Gebäude, unmittelbar neben einem Bauernhof, an dessen Wohnhaus angegliedert. Nach der Überlieferung am Ort wurde eine ehemalige Scheune aus dem Ebsdorfergrund abgebaut, nach Mombert gebracht und zu einer Synagoge umgebaut. Der Toraschrein war im Bereich des späteren Scheunentores (nach 1945). In der Momberger Synagoge gab es 40 Plätze für Männer, 22 für Frauen. Die Decke der Synagoge war teilweise mit einem Sternenhimmel bemalt.    
  
Vermutlich wurde die Synagoge Anfang des 20. Jahrhunderts grundlegend umgebaut, worauf einige Ungereimtheiten in der noch erhaltenen Inneneinrichtung und Veränderungen in der Bemalung hinweisen. 
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die gesamte Inneneinrichtung und alle Kultgegenstände restlos zerstört. Das gleichfalls beschädigte Synagogengebäude wurde wenig später an einen Landwirt verkauft, der das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes stark veränderte und dieses danach als Scheune verwendete. Später war das Gebäude Abstellraum (mindestens seit Anfang der 1980er-Jahre).    
   
   
Adresse/Standort der Synagoge       Burggasse 10   (früher: Haus Nr. 58) 
   
   
Fotos
(Quelle: Altaras 1988 S. 105; 2007 S. 70; Fotos von 1984 und 1999). 

Momberg Synagoge 110.jpg (45698 Byte) Momberg Synagoge 116.jpg (70756 Byte) Momberg Synagoge 113.jpg (52809 Byte)
Die ehemalige Synagoge in Momberg; im Bereich des Scheunentores (rechts) befand sich einst der Toraschrein.
        
   Momberg Synagoge 112.jpg (70940 Byte) Momberg Synagoge 111.jpg (58272 Byte)
  Wandbemalung über den Toraschrein Deckenbemalung
       
   Momberg Synagoge 114.jpg (63461 Byte) Momberg Synagoge 115.jpg (66550 Byte)
  Teil eines Wandfrieses - 
charakteristische Schablonenmalerei
Rundbogenfenster im Obergeschoss -
nur von innen zu sehen
      
  Aktuelle Fotos werden noch erstellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Besuche von Gisela Spier-Cohn aus Momberg - Schulbesuch in der Elisabethschule Marburg Lahn (Quelle: Website der Elisabethschule)  
Momberg Spier-Cohen 010.jpg (23916 Byte)Gisela Spier-Cohen wieder zu Besuch. Wie schon in den vergangenen Jahren besuchte auch dieses Jahr Gisela Spier-Cohen aus Momberg, heute wohnhaft in Toronto, die Elisabethschule und erzählte am Dienstag, 8. März 2005, vor den Schülern der Klasse 10a aus ihrem Leben.  
Als Organisatoren danken Frau Kraatz und Frau Neumann der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung, die diese Veranstaltung erst ermöglicht haben. 
Bericht der Klasse 10a: Wir sprechen in Geschichte gerade über die Zeit von 1933 bis 1945. Deshalb luden wir Frau Spier-Cohen zu uns ein. Geboren am 29.11.1929 in Momberg bei Neustadt erlebte sie als Tochter einer angesehenen jüdischen Familie die NS-Zeit. Erst durch die "Kristallnacht" wurde ihr bewusst, in welch schrecklicher Welt sie lebte. Für sie bedeutete das: Die Mazzen-Fabrik ihres Vaters wurde zerstört, die örtliche Synagoge ausgeraubt. Sie selbst durfte ein Jahr nicht zur Schule gehen. Ab 1939 musste sie in der unbekannten Großstadt Frankfurt in eine jüdische Schule gehen, musste den Judenstern tragen und wurde auf der Straße beschimpft. 1942 wurde sie mit ihrem Bruder und ihren Eltern ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort bedrückte sie besonders, dass es ihren Eltern immer schlechter ging, weil sie zu wenig zu essen bekamen. Sie selbst lebte in einer Kindergruppe, musste aber in der Landwirtschaft arbeiten. Im Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Sie folgte freiwillig ihren Eltern, weil sie versprochen hatte, sich um sie zu kümmern. Durch die Trennung von ihren Eltern und deren sofortige Vergasung unmittelbar nach der Ankunft verlor sie ihren Lebenswillen. Sie selbst wurde in ein Arbeitslager verschleppt und musste in einer Maschinenfabrik in Sachsen schuften. Dort bekam sie zu wenig zu essen: "Zu wenig zum Leben und zuviel zum Sterben". Als sie im Mai 1945 in Mauthausen befreit wurde, wog sie im Alter von 16 Jahren noch 45 Pfund. 
Die Erzählung von Frau Spier Cohen war sehr eindrucksvoll, nur "Kälte und Hunger kann man mit Worten nicht wiedergeben".
    
   
Hinweis: Videokassetten - Zeitzeugen-Interviews auf DVD - Fritz Bauer Institut    
- VIdeokasette zu Gisela Spier-Cohen:  Gisela Spier-Cohen. Erinnerungen an Jugend und Konzentrationslager
Gisela Spier-Cohen, geboren 1928 in Momberg (Hessen)
Interview: Gottfried Kößler, Kamera: Christof Heun
Schnitt: Bernd Zickert, Recherche: Regina Neumann
Copyright: © Gisela Spier-Cohen und Fritz Bauer Institut
Eine Produktion des Fritz Bauer Instituts in Zusammenarbeit mit dem ZMDI im HeLP, dem HeLP/Regionalstelle Marburg und dem Filmhaus Frankfurt
Frankfurt am Main 1999, VHS, 100 min (f), D
Das Video-Interview mit Gisela Spier-Cohen
liegt auch in einer für den Schulunterricht auf ca. 35 min gekürzten Fassung vor.
Bearbeitung: Klaus Heuer, Schnitt: Kristina Heun
Copyright: © Gisela Spier Cohen und Fritz Bauer Institut
Eine Produktion des Fritz Bauer Institut in Zusammenarbeit mit dem ZMDI im HeLP
Frankfurt am Main 1999/2001, VHS, 35 min (f), D.    
- Videokasette zu Ruth Lion:   Ruth Lion. Ein Leben zwischen Konzentrationslager und Dorfgemeinschaft. Interview mit Ruth Lion aus Momberg, 1998
Ruth Lion, geboren 1909 in Momberg (Hessen), erzählt vom Zusammenleben in einem Dorf mit einer großen jüdischen Minderheit vor 1933, von der Erfahrung des Antisemitismus, der Deportation nach Riga und dem Überleben im Lager, von der Rückkehr in das Dorf und ihrem Leben dort von 1945 bis 2000.
Interview 1998
Interview: Monica Kingreen und Gottfried Kößler, Kamera: Christof Heun
Schnitt: Christina Heun, Bearbeitung: Klaus Heuer
Copyright: © Ruth Lion und Fritz Bauer Institut
Eine Produktion des Fritz Bauer Instituts in Zusammenarbeit mit dem ZMDI im HeLP
und dem HeLP/Regionalstelle Marburg
Frankfurt am Main 2013 (VHS 2000), DVD, 33 min, € 5,–.

    
    
Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Stadt Neustadt / Hessen   
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Neustadt (interner Link) 
bulletWebsite http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich hier ein Stammbaum der Familie Moses in Momberg  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Neustadt (Hessen)  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Neustadt (Hessen)  sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,631   Verzeichnis jüdischer Familien in Neustadt   1759 - 1835: Verzeichnis jüdischer Familien mit Angabe von Geburtsort, Geburtsdaten und Gewerbe; enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg;      
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900007   
HHStAW 365,630   Sterberegister der Juden von Neustadt  1824 - 1875; enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900007    
HHStAW 365,628   Geburtsregister der Juden von Neustadt   1824 - 1884; enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250815               
HHStAW 365,629   Trauregister der Juden von Neustadt  1828 - 1874, enthält auch Angaben zu Personen aus Momberg    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4607225        
   
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Momberg  
Vorbemerkung wie oben.        
Zu Momberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,608   Geburtsregister der Juden von Momberg   1850 - 1874      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2573931    
HHStAW 365,609   Sterberegister der Juden von Momberg  1851 - 1873  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289985     

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 124-126 (unter Neustadt)   
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 105-106.   
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 90.
bulletdies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 70.90. 
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 159-160. 
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 518 (im Anschluss an den Abschnitt zu Neustadt). 
bulletBarbara Händler-Lachmann / Ulrich Schütt: "unbekannt verzogen" oder "weggemacht". Schicksale der Juden im alten Landkreis Marburg 1933-1945. Marburg 1992. 
bulletBarbara Händler-Lachmann / Harald Händler /Ulrich Schütt: 'Purim, Purim, ihr liebe Leut, wißt ihr was Purim bedeut?' - Jüdisches Leben im Landkreis Marburg im 20. Jahrhundert. Marburg 1995.  
bulletGisela Spier-Cohen: Weggerissen. Erinnerungen an Theresienstadt. Jonas Verlag. 2005. ISBN 10-3894453567.  
bulletKirchhain Lit 11.jpg (51572 Byte)Alfred Schneider: Die jüdischen Familien im ehemaligen Kreise Kirchhain. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen. Hrsg.: Museum Amöneburg. 2006. 

      
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