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Rauschenberg (Kreis
Marburg-Biedenkopf)
mit Betziesdorf (Stadt Kirchhain), Bürgeln und Schönstadt (Gemeinde Cölbe)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Rauschenberg bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18.
Jahrhunderts zurück, wenngleich erst im 19. Jahrhundert eine selbständige
jüdische Gemeinde entstand. 1604 gab es drei "Schutzjuden" in
der Stadt, 1660 16 jüdische Einwohner. Nach einer Verordnung von 1681
sollten nicht mehr als zwei jüdische Familien in der Stadt aufgenommen
werden. Im 18. Jahrhundert waren drei bis vier jüdische Familien in
Rauschenberg (1723 und 1744 je vier Familien mit ca. 14 Personen, 1776 drei).
In Betziesdorf wird erstmals 1736 ein
jüdischer Einwohner namens Zillio Kosinitz genannt; in Bürgeln
und Schönstadt sollen schon zuvor Juden
gelebt haben (vermutlich bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg, um 1660).
1737/47 werden zwei jüdische Familien in Bürgeln erwähnt, eine (vermutlich
Jud Löber) mit vier Personen auf der adeligen Seite des Ortes, eine mit zwei
Personen (Frau und Sohn) auf der herrschaftlichen Seite. Jud Löber bewohnte
1737 das damalige Haus Nr. 59 am Ort, das später an Löw (Lieb) Lazarus kam,
bevor es 1844 Isaak Wertheim I übernahm. 1757 gab es einen Streit zwischen der
Metzgerzunft in Marburg mit den als Schlachter tätigen Jude Löw Lazarus in
Bürgeln und Moses Katz aus Betziesdorf, da diese angeblich ihr Fleisch zu
billig verkaufen würden.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1810 jüdische Einwohner (1,3 % von insgesamt 1.178 Einwohnern),
1812 22, 1819 36 (3,0 % von 1.210), 1835 34, 1858 42, 1861 66 (4,4 % von 1.498),
1871 50 (3,9 % von 1.298), 1885 48 (4,0 % von 1.201), 1894 60 (in 13 Familien), 1895 73 (in
14 Familien, 6,7 % von 1.089),
1905 78 (7,5 % von 1.047). Zur Gemeinde gehörten bis um 1885 auch die in den
Orten Betziesdorf, Schönstadt und Bürgeln lebenden jüdischen
Einwohnern. Danach bildeten die drei Orte für einige Jahre eine "Synagogengemeinschaft
Betziesdorf, Schönstadt und Bürgeln" (siehe unten Mitteilung zum Tod von
Jakob Wertheim 1907).
In Bürgeln gab es 1856/57 vier "israelitische
Handelsleute", 1898 drei jüdische Haushaltungen (bei damals insgesamt 499
Einwohnern). In Schönstadt gehörten die jüdischen Einwohner den jüdischen
Familien Heching und Metzger an.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule
(von 1873 bis 1925 eine Israelitische Elementarschule/Volksschule), ein rituelles Bad
und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Religionslehrer / Lehrer angestellt, der meist zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
Von 1839 an war Lehrer Aron Luß (Luhs) in der Gemeinde tätig (zuvor
Lehrer in Gemünden an der Wohra). Er konnte nach 37 Jahren
in Rauschenberg 1876 sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern (siehe Bericht
unten). Um 1888/93 unterrichtete Lehrer Manasse Blumenthal aus
Halsdorf vertretungsweise in Rauschenberg.
(Unklar ist, wieso 1895 im "Statistischen Jahrbuch" als Lehrer in
Rauschenberg J. Bergel genannt; er unterrichtete an der Schule der
Gemeinde 16 Kinder). Vermutlich als (provisorischer) Nachfolger von Lehrer
Manasse Blumenthal wird in "Der Israelit" vom 27. September 1894 S.
1448 (Neujahrsgruß) und vom 26. November 1894 Lehrer Heizmann (Chajim) Rosenblatt
in Rauschenberg genannt. Das "Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen
Gemeindebundes" 1896 S. 45 gibt auch für Schönstadt mit Betziesdorf und Bürgeln an:
"Religionsunterricht erteilt Rosenblatt (Lehrer) in Rauschenberg".
Rosenblatt war allerdings nicht der für den Unterricht an der israelitischen
Elementarschule erwünschte Kandidat, da er nur als Religionslehrer unterrichten
konnte. Daher wurde zum 1. Mai 1895 der damals 19-jährige Menko Schirling
(geb. 1876, gest. 1936) eingestellt. Dieser war bis 1925 jüdischer
Elementarlehrer in Rauschenberg (1897 17 Kinder, 1898 16); auch er unterrichtete
gleichzeitig in Schönstadt mit Betziesdorf und Bürgeln. Nach Auflösung der Elementarschule wurde er
nach Hoof versetzt. Die Gemeinde gehörte zum Provinzialrabbinat Oberhessen mit
Sitz in Marburg.
Von jüdischen Vereinen werden genannt: ein Wohltätigkeitsverein
(Gemilus Chesed, 1898 unter Vorsitz von S. Stiefel, M. K. Stiefel, M. Plaut und Lehrer M.
Schirling, 1905 S. Stiefel).
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1888 M. Plaut, um 1894/97
M. S. Plaut.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Katten (geb.
4. oder 12.8.1897 in Rauschenberg, Sohn von Emanuel Katten, vor 1914 in Geestemünde wohnhaft,
eingezogen am 6.11.1916, gefallen am
30.9.1918, war noch mit dem Eisernen Kreuz (EK II) ausgezeichnet worden;
siehe in
"Israelitisches Familienblatt" vom 12. September 1918 S. 4 sowie in "Der Schild"
vom 4.1.1929). Aus Schönstadt ist gefallen: Isidor Metzger (Sohn von
Aron Metzger, geb. 10.8.1896 in Schönstadt, wohnhaft in Bürgeln, gefallen
22.4.1915). Mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille wurde für seinen
Kriegseinsatz ausgezeichnet: Wehrmann Isaak Katz-Stiefel in Rauschenberg,
im Reserve-Infanterieregiment Nr. 83 (in "Israelitisches Familienblatt" vom
6. Mai 1915 S. 3); der Eiserne Kreuz (EK II) erhielten für ihren
Kriegseinsatz: Isak Plaut in Rauschenberg, Gefreiter im
Infanterieregiment 233 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 18. Januar
1917 S. 4) sowie Musketier Daniel Stern aus Betziesdorf (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 28. Juni 1917 S. 3).
Um 1924, als etwa 60 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (5 %
von insgesamt etwa 1.200 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Isaac Plaut.
Als Lehrer war weiterhin der bereits genannte Menko Schirling tätig. Er erteilte
fünf schulpflichtigen jüdischen Kindern den Unterricht. An jüdischen Vereinen
gab es weiterhin den Wohltätigkeitsverein Gemilus Chessed (beziehungsweise Chewro;
1924 unter Leitung von Michael Plaut mit 15 Mitglieder, 1932 unter Leitung von
Arthur Katten) sowie den Israelitischen Frauenverein (1932 Vorsitzende Bertha
Stiefel). 1932 war Gemeindevorsteher Isaak Plaut II, Schriftführer war
Isidor Stiefel. Im Schuljahr 1931/32 erhielten drei Kinder aus der Gemeinde
Religionsunterricht.
Seit 1919 war mit Dr. Julius Oppenheimer ein jüdischer Arzt in Rauschenberg
tätig. Er war ein mit EK I und II ausgezeichneter Weltkriegsteilnehmer. In
Rauschenberg wurde er in den Stadtrat gewählt. Bereits 1926 starb er (in
Marburg beigesetzt).
1933 lebten noch acht jüdische Familien mit etwa 40 jüdische Personen
in der Stadt. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (letzteres gelang 27
Personen). Sieben jüdische Einwohner wurden deportiert und ermordet: Isaak
Katz-Stiefel, Bertha Katz-Stiefel, Anna Katz-Stiefel, Moses Plaut, Regina Plaut,
Sally Stiefel und Ella Stiefel (unklar: Ella Stiefels Name findet sich weder
im Gedenkbuch noch bei Yad Vashem).
In Bürgeln lebten die Familie Wertheim (Viehhändler Isidor Wertheim und
Berta geb. Katz mit den Kindern Erich und Irmgard/Irma) sowie Familie Heß
(Albert Heß und Berta geb. Wertheim mit den Kindern Julius, Erna, Fritz und
Martin; die Eltern von Berta waren Jacob Wertheim und Nanny geb. Katz). Beide
Familien konnten in die USA emigrieren.
Von den in Rauschenberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna
Bachenheimer (1888), Ilse Cohen geb. Schirling (1907), Lina Ehrenfeld geb. Plaut
(1881), Frieda Heching (1894), Hermann Heching (1897), Jettchl Josefine Hecht
geb. Plaut (1897), Bertha Kahn geb. Stiefel (1878), Isaak Katz
(1883), Anna Katz-Stiefel (1921), Bertha Katz-Stiefel geb. Isenberg (1890),
Berta Oppenheimer geb. Plaut (1879), Helene Pfälzer geb. Plaut (1896), Adolf
Plaut (1876), Moses Plaut (1863), Regina Plaut geb. Katten (1866), Johanna Schaumberg (1879), Agathe Schirling (1911)*,
Emma Simon geb. Bachenheimer (1891), Paula Steinfeld geb. Ketten (1890),
Anni Stiefel (1921), Sally Stiefel (1896), Lina Wechsler geb. Plaut
(1893).
(Anmerkung: Agathe Schirling steht auch auf der virtuellen Gedenktafel: http://www.joodsmonument.nl/person-519487-nl.html)
Aus Bürgeln sind umgekommen: Frieda Gunzenhäuser geb. Wertheim (1884),
Betty (Betti) Katz geb. Wertheim (1888), Jettchen Marx geb. Wertheim (1873),
Frieda (Friederike) Wertheim (1877).
Aus Betziesdorf sind umgekommen: Emilie (Emmy, Emmi, Emi) Braunsberg geb.
Stern (1892), Nanny (Nanni) Katten geb. Moses (1871), Herz Hugo Moses (1883),
Moses Stern (1860).
Aus Schönstadt sind umgekommen: Herrmann (Hermann) Heching (1883),
Hildegard Heching (1876), Hindel Julia (Julie, Giedel) Heching (1876), Joseph
(Josef) Heching (1881), Lina Heching (1873), Aron Metzger (1864).
1990 wurde an der Stadtmauer neben dem Eingang zum Friedhof in
Rauschenberg eine
allgemeine - ohne die jüdischen Opfer in besonderer Weise erwähnende -
Gedenktafel angebracht mit dem Text: "Zum Gedenken an alle Verfolgten,
Vertriebenen und Ermordeten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Zur
Mahnung für uns alle."
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1893
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1893: "Die
Religionslehrerstellen 1. in Breidenbach mit einem festen Einkommen
von 720 Mark, freier Wohnung und Feuerung, 2. in Rauschenberg mit einem
festen Einkommen von 700 Mark und freier Wohnung, 3. in Amöneburg
mit einem festen Einkommen von 600 Mark und freier Wohnung sind zu
besetzen. Bewerber wollen ihre Meldungen und Zeugnisse baldigst dem
Unterzeichneten einsenden. Marburg, 16. April 1893. Der Provinzialrabbiner
Dr. Munk." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Aron Luß (Luhs, 1864)
Artikel in "Der Israelitische Lehrer" vom 6. Oktober 1864: "Erxtof
(Erkstorf) in Kurhessen. Wenn auch der berufstreue, israelitische Lehrer
die Verdienste für sein hohes Amt nur an demjenigen. Ort, wo die ewige
Gerechtigkeit ihre Wohnung aufgeschlagen hat, einernten kann, so tut es ihm
doch wohl, wenn nach langjährigem, redlichem Streben ihm Seitens seiner
Vorgesetzten, seiner Kollegen und seiner Gemeinde die verdiente Anerkennung
für seine Mühe und Aufopferung zuteil wird.
Einen solchen freudenvollen Tag erlebte der in seinem Amte schon 39 Jahre
wirkende Lehrer Luß in Rauschenberg bei seiner Dienstjubiläumsfeier
am 1. September dieses Jahres, an welchem Tage er 25 Jahre als Lehrer an
seiner jetzigen Stelle gestanden.
Auf die Einladung des Provinzial-Rabbinen Herrn Gersfeld in
Marburg, der die Leitung dieser
Feierlichkeit in die Hand nahm, erschienen die Lehrer (4) des Kreises
Kirchhain und Lehrer Spier aus
Gemünden am gedachten Tage in Rauschenberg. Lehrer Plaut in
Neustadt (Kreis Kirchhain), der
bis jetzt unseren Konferenzen noch nicht beigewohnt, beteiligte sich auch
hier nicht; Lehrer Stern in Frankenau
hatte sich hinlänglich entschuldigt.
Kaum waren Herr Rabbiner Gersfeld und die Lehrer angekommen, als sich auch
schon die israelitische Gemeinde zu Rauschenberg, die den regsten Anteil an
der Feier nahm, in dem Hause des Jubilars versammelte. Um 12 Uhr begab sich
der Zug, den Jubilar - von den Herren Rabbinen Gersfeld und dem
Gemeinde-Ältesten geführt - an seiner Spitze in die Synagoge, wo zuerst
einige Psalmen gebetet und ein der Feier entsprechendes Lied von der
Schuljugend abgesungen wurde. Hierauf hielt Herr Rabbiner Gersfeld eine
treffliche Rede, in welcher er besonders das hohe, aber auch zugleich
schwierige Amt eines Lehrers darstellte; die wichtigen Vorzüge dieses
Berufes vor jedem anderen hervorhob, und die Eigenschaften, die ein jeder
Lehrer sich aneignen müsse, bezeichnete; zuletzt wies er nach, dass unser
Jubilar seinem Berufe stets treu nachgekommen sei, und überreichte ihm zur
Anerkennung seines Verdienstes im Namen Kurfürstlichen Vorsteher-Amtes eine
Gratifikation von 20 Talern nebst einem herrlichen Gratulationsschreiben,
dessen Inhalt der von Herrn Rabbiner Gersfeld beauftragte Herr Lehrer Lissard den Anwesenden kund tat. Letzterer (Lissard), der auch von den
Lehrern beauftragt war, dem Jubilar ein passendes Ehren-Geschenk zu
überreichen, sprach im Namen der Lehrer mit wenigen, aber warmen Worten
seine Glückwünsche aus. Aber auch die Gemeinde, bei der diese Feier den
augenscheinlichsten, tiefsten Eindruck machte, wollte nicht zurückbleiben.
Sie ließ beim Jubilar durch den Gemeinde-Ältesten ein Geldgeschenk
überbringen, das einer reicheren Gemeinde unter gleichen Umständen Ehre
gemacht haben würde. Hierauf sprach der Jubilar mit kräftigen Worten dem
Herrn Rabbiner Gersfeld, der Gemeinde und seinen Kollegen für die ihm so
innig bewiesene Liebe und Teilnahme seinen herzlichsten Dank aus. Zum
Schlusse wurde noch ein Lied von der Schuljugend gesungen und wurden einige
Psalmen gebetet, worauf sich die Lehrer, die Gemeinde und die Schuljugend in
das Haus des Jubilars begaben, wo sie mit einem gemeinschaftlichen Mahle
bewirtet wurden. Das Mahl wurde mit herrlichen Toasten gewürzt, besonders
ist Einer, der von einem Christen, dem Verfasser 'der Urreligion des
deutschen Volkes von Mühlhausen,' ausgebracht wurde, der wohl einem jeden
jüdischen Gelehrten Ehre gemacht haben würde, hervorzuheben, den ich
deshalb auch hier anführe. Er heißt: 'Die Juden im Lande Kanaan glaubten,
dass ein Knöchelchen, Namens Luß, sich an dem Menschen befände, das niemals
vertrocknen würde. Eben dieses Knöchelchen ist gleichen Namens mit unserem
Jubilar. Ich wünsche deshalb, dass, wie dieses Knöchelchen nicht
vertrocknete, auch er noch in seinem Alter blühen, und in ungebrochener
Kraft als Vater und Lehrer wirken könne.'
Auch die Schuljugend, die ihrem lieben Lehrer Luß ein schönes Gedicht und
ein Geschenk unter herzlichen Wünschen überbrachte, ließ ihren Lehrer und
den .Herrn Rabbiner Gersfeld, der sich um die Schulen Oberhessens schon so
viele Verdienste erworben, dreimal hochleben.
Nachdem Herr Rabbiner Gersfeld sowie die Lehrer sämtliche Mitglieder, der
israelitischen Gemeinde zum Beweise der Hochschätzung für die ihrem Lehrer
Luß so tätig bewiesene Liebe und Güte mit einem Besuche beehrt hatten,
begaben sich dieselben, nach einem freudig und wohlgemut verlebten Tag um 5
Uhr Abends in ihre Heimat zurück. F. Z. Stern. " |
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Aron Luß (Luhs, 1876)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1876: "Aus Hessen. Am
26. Juni (1876) feiert der israelitische Lehrer A. Luß zu Rauschenberg
sein 50jähriges Dienstjubiläum. Es verdient dieses seltene Fest umso
mehr in diesen Blättern erwähnt zu werden, als dasselbe von den
christlichen Lehrern der Stadt und der Klasse Rauschenberg veranstaltet
und in so herrlicher Weise ausgeführt wurde, dass es als ein erfreulicher
Beweis dafür, dass, trotz Dunkelmännern, in dem braven Bürgerstande
wahre Humanität enthalten ist und das religiöse Bekenntnis eine
Ausschließung in irgendwelcher Weise nicht rechtfertigt.
Am Vorabend brachte der städtische Gesangverein ein Fackelständchen,
wobei der Rektor Mans die Verdienste des Jubilars, der nun seit 37 Jahren
in der Stadt Rauschenberg die israelitische Schuljugend in treuester Weise
und aufopferndster Weise geleitet habe, gebührend hervorhob. Am Morgen
des Festtages erschienen aus allen Gesellschaftskreisen der Stadt
Gratulanten, welche neben den herzlichsten Glückwünschen größere und
kleinere Geschenke überreichten. Gegen 10 Uhr kam der würdige
Metropolitan Ruez in Begleitung des würdigen Stadtpfarrers und Bürgermeisters
und beglückwünschten den Jubilar in besonders feierlicher und
entsprechender Weise, in welcher er besonders hervorhob, dass dieses Fest
als eine Gnade Gottes betrachtet werden müsse, indem der Jubilar im
verflossenen Winter von einer sehr hartnäckigen Krankheit heimgesucht
gewesen, der Allmächtige ihn jedoch wieder genesen hat lassen, damit er
diesen Ehrentag zur Freude aller Bekannten feiern könne.
Inzwischen hatten sich der größte Teil der israelitischen Lehrer der
ehemaligen Provinz Oberhessen eingefunden und wurde auf Veranlassung des
Lehrers Lissard zu Amöneburg ein Gottesdienst abgehalten, wobei seitens
des genannten Herrn in Anlehnung an die Worte des Wochenabschnittes 4.
Mose 18,29 die Verdiente des Jubilars gefeiert wurden. Von den zwei ältesten
Lehrern wurde der Jubilar nach Hause geführt und bald erschien der Königliche
Landrat aus Kirchhain und beglückwünschte im Namen der vorgesetzten
Schulbehörde. Der Herr Landrat führte dann den Jubilar in den Saal der Mädchen- |
schule,
der mit Blumenkränken geschmückt war, und woselbst sich an 30
christliche Lehrer und andere Festteilnehmer gesammelt hatten.
Herr Landrat Rohde beglückwünschte nochmals und erteilte nun dem ältesten
Lehrer der Stadt, Herrn Konrektor Imsen das Wort zur Festrede. In
schwungvoller Weise erwähnte dieser die Verdienste des Jubilars um
Gemeinde und Schule. Besonders hob er hervor, wie Jubilar, obgleich in
sehr beschränkten Vermögensverhältnissen, sich armer Kinder angenommen
und zu würdigen Gliedern der Gesellschaft erzogen habe. Einen speziellen
Fall wollte er nicht vergessen. Der Jubilar habe einen verwahrlosten
fremden Knaben, der von Christen und Juden gemieden wurde, zu sich
genommen und in Gemeinschaft mit seiner würdigen Gattin derart erzogen,
dass derselbe schon seit Jahren als Lehrer tätig sei. Diese einzige Tat
bezeichnete Redner als eine solche, die allein die heutige Auszeichnung
und Anerkennung verdiene. Namens der versammelten Lehrer überreichte
Redner einen prachtvollen Ruhesessel als Geschenk.
Die sehr kleine, aus nur 8 Familien bestehende israelitische Gemeinde überreichte
einen schönen silbernen Pokal mit Inschrift, die Filialgemeinde Betziesdorf 3 silberne Löffel, und die Gemeinde Gemünden, woselbst
Jubilar früher 13 Jahre tätig gewesen, ließ durch Lehrer Spier von da
ein Wertlos überreichen mit dem Wunsche, dass dasselbe sich durch einen
Gewinn tausendfach vermehren möge. Von Privatleuten, früheren Schülern
und sonstigen Freunden wurden vielerlei, teil sehr wertvolle Geschenke in
Silber, mehrere Kisten mit Wein und dergleichen überbracht.
Ein gemeinschaftliches Mahl, woran über 50 Personen teilnahmen,
vereinigte die Festgenossen bis zum Abend und wurden viele Toaste auf
seine Majestät den Kaiser, den Jubilar, hohe Behörden und die
Veranstalter des Festes ausgebracht. Möge dem Jubilar ein recht freudiger
Lebensabend beschieden sein und er die Früchte seines Wirkens zu
herrlicher Saat reifen sehen. L."
Anmerkung: es erschien ein ähnlicher Bericht in "Der Israelitische Bote" vom
27. Juli 1876:
Link |
Über den Lehrer Menko Schirling (1876-1936; Lehrer in
Rauschenberg von 1896-1925)
Silberne Hochzeit von Lehrer Menko Schirling und seiner
Frau Frieda geb. Stern (1931)
Anmerkung: Menko Schirling ist am 21. April 1876 als Sohn von Victor (Meier)
Schirling und seiner Frau Jettchen geb. Spier in Merzhausen
geboren (Personalkarte).
Er legte 1896 am Israelitischen Lehrerseminar Kassel die erste Lehrerprüfung
ab, 1900 ebd. die zweite Lehrerprüfung. Seine Frau war Frieda geb. Stern (geb.
1881 in Niederurff, umgekommen 1942 im
Ghetto Minsk). Die Kinder Ilse (Irma) Schirling (geb. 1907 in Rauschenberg,
später verh. Cohen, wohnhaft in Oldenburg, Rüstringen und Wilhelmshaven) und
Agathe Schirling (geb. 1911 in Rauschenberg,
wohnhaft in Aurich und Hoof, nach 1934 in den Niederlanden) wurden beide nach
der Deportation ermordet. Menko Schirling, der von 1896 bis 1925 in Rauschenberg
als Religionslehrer tätig war, wechselt danach nach Hoof.
Im Ersten Weltkrieg übernahm Schirling zeitweise den Unterricht aller
Rauschenberger Kinder in der Unterklasse an Stelle des zum Kriegsdienst
eingezogenen Lehrer Gräber. 1921 hat er in Rauschenberg sein 25-jähriges
Jubiläum als Lehrer am Ort feiern können. Er starb 1936.
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen
und Waldeck"
vom 27. Februar 1931: "Hoof. Am 7. März dieses Jahres
begeht Herr Lehrer Schirling und seine Frau, Frieda geb. Stern, das
Fest der Silbernen Hochzeit. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht
unerwähnt lassen, welch großer Beliebtheit in wenigen Jahren ihres
Hierseins sich Familie Schirling erfreut, nicht nur in jüdischen Kreisen,
sondern auch bei Nichtjuden der hiesigen Gemeinde. Herr Schirling ist
stets bestrebt, für das Wohl der Gemeinde zu sorgen. Er hat es sich
angelegen sein lassen, das religiöse Leben unserer Gemeinde zu fördern.
Stets hat er für alle Arten der Wohltätigkeit eine offene Hand. Möge
der Familie noch weiter lange Jahre alles Gute beschieden
sein." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zur Familie Heching in Schönstadt
Die meisten der aus Schönstadt in der
NS-Zeit deportierten und umgekommenen / ermordeten Personen gehörten der
Familie Hechingen an:
- Levi Heching (geb. 13. April 1852 in Rauschenberg als Sohn
von Salomon Heching und Vogel geb. Stern) war seit 1893 in
Rauschenberg verheiratet mit Regine geb. Weinberg (geb. 14. August
1860 in Breuna).
- Herrmann (Hermann) Heching (geb. 23. Mai 1883 in Schönstadt,
wohnhaft in Diez, am 27. Juli 1942
deportiert in das Ghetto Theresienstadt, am 23. Januar 1943 in das
Vernichtungslager Auschwitz, ermordet),
- Hildegard Heching (geb. 19. September 1876 in Schönstadt, wohnhaft
in Trier, 1942 deportiert nach unbekannt und umgekommen).
- Hindel Julia (Julie, Giedel) Heching (geb. 10. September 1876 in
Schönstadt, wohnhaft in Gießen und Trier, am 27. Juli 1942 deportiert in das
Ghetto Theresienstadt).
- Joseph
(Josef) Heching (geb. 21. Januar 1881 in Schönstadt, ermordet 27. Juli 1942
im Ghetto Lodz), wohnhaft in Frankfurt am Main, war verheiratet mit Selma
geb. Frank (geb. 9. Januar 1891 in
Laufenselden, 20. Oktober 1941 deportiert in das Ghetto Lodz,
umgekommen); auch der Sohn Heinz Heching (geb. 7. Juni 1922 in
Frankfurt am Main) wurde am 20. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz deportiert
und ist umgekommen.
- Lina Heching (geb. 13. Mai 1873 in Schönstadt, wohnhaft in Gießen
und Trier, umgekommen 30. Oktober 1942 in Theresienstadt),
- Aron Metzger (1864). |
Auch in Rauschenberg lebten
Angehörige der Familie(n) Heching:
- Hermann Heching (geb. 19. Dezember 1897 in Rauschenberg, vor
18. Oktober 1941 wohnhaft in Frankfurt am Main, am 19. Oktober 1941
deportiert in das Ghetto Lodz und umgekommen), war verheiratet mit Jenny
geb. Blumenkron (geb. 19. Februar in
Naumburg / Hessen, vor 18. Oktober 1941 wohnhaft in Frankfurt am Main,
am 19.Oktober 1941 deportiert in das Ghetto Lodz und umgekommen).
|
In
Bad Homburg lebten Hermann Strauß und Karoline geb. Heching:
- Hermann Strauß war mit Karoline geb. Heching verheiratet.
Die beiden hatten zwei Kinder: Sophie (geb. 15. Februar 1881 in
Homburg vor der Höhe, war seit 1908 in Homburg verheiratet mit Moritz
Spiegel, geb. 12. September 1881 in
Tauberbischofsheim) und Frida
(geb. 6. März 1883 in Homburg vor der Höhe). |
Zum Tod des langjährigen
Gemeindevorstehers Jakob Wertheim in Bürgeln (1907)
Mitteilung
in "Israelitisches Familienblatt" vom 7. November 1907: "Bürgeln.
Letzte Woche starb Herr Jakob Wertheim, der seit dem Tode seines
Vaters ununterbrochen Vorstand der Synagogengemeinschaft Betziesdorf,
Schönstadt und Bürgeln gewesen war. Frömmigkeit und Gerechtigkeitssinn
zeichneten den Verblichenen aus. Die Beisetzung erfolgte in
Kirchhain." |
Zum Tod von Moses Plaut, Lehrer an
der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt (geb. 1835
in Rauschenberg, gest. 1896 in Frankfurt)
Anmerkung: Moses Plaut ist am 5. Juni 1835 in Rauschenberg als Sohn von
Anschel Plaut und der Gütel geb. Haas geboren.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1896: "Frankfurt a. M.,
23. März. Heute ist ein um die Jugend der hiesigen
Religionsgesellschaft
verdienter edler Mann dahingegangen. Herr Moses Plaut, der 38 Jahre
lang als Lehrer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft
in treuer Hingebung gewirkt, der einen großen Teil gereifter Männer in
dieser Gemeinde seine Schüler nennen konnte, ist aus dem Leben geschieden.
Im Jahre 1835 zu Rauschenberg im ehemaligen Kurhessen geboren,
besuchte er, nachdem er die Heimatschule absolviert, das jüdische
Lehrerseminar zu Kassel. Schon dort zeichnete er sich durch seine
Strebsamkeit und guten geistigen Anlagen aus. Nach bestandenem Examen ging
er nach Frankfurt, woselbst er durch Unterricht seinen Unterhalt erwarb und
die günstigen Gelegenheiten, die diese Stadt lerneifrigen Jünglingen bot,
gut ausnützend, an seiner geistigen Aus- und Weiterbildung rüstig arbeitete.
Er stand noch in einem sehr frühen jugendlichen Alter, als er zum Lehrer an
der seit einigen Jahren bestehenden 'Unterrichtsanstalt' der israelitischen
Religionsgesellschaft ernannt wurde. Der Jüngling arbeitete aber wie ein
ernster, gereifter Mann, und dieser Ernst ist der Grundzug seines Lebens
geblieben. Er wusste die kleinen Herzen sich rasch zu gewinnen, die Kinder
sahen in Liebe zu ihm hinauf, und Liebe und Hochachtung brachten ihm die
Eltern der Kleinen entgegen. Und so ging es unentwegt bis zu seinem
Lebensende. Ungeheuchelte Frömmigkeit, peinlichste Pflichttreue, eine ernste
Auffassung des Lebens, ohne aber der geselligen Heiterkeit ihr Recht zu
verkümmern, zeichneten ihn sein Leben hindurch aus. Nie hörte er auf, an
seiner Weiterbildung zu arbeiten, und wusste täglich bei seinen
Berufspflichten Zeit für das Studium der Tora zu finden. Seit den letzten
Wochen traten die Anzeichen eines schweren inneren Leidens hervor, so dass
der Arzt dem nunmehr Dahingegangenen die größte Schonung anempfehlen musste
und die Verwaltung der Schule sich in seinem Interesse mit der Frage seiner
Pensionierung zu beschäftigen hatte. Er wusste dies wohl, ohne aber die
Schwere seines Leidens zu ahnen, wenn er auch Beschwerden fühlte. Aber diese
Beschwerden konnten ihn nur im äußersten Falle veranlassen, seinen
Unterricht zu versäumen und noch heute Vormittag begab er sich trotz
Abmahnung seines Arztes zur Schule und erfüllte die Pflichten seines ihm so
lieb gewordenen Berufs. Am Nachmittag raffte ihn ein Herzschlag dahin. So
lässt sich auf ihn wörtlich anwenden: (hebräisch und deutsch:), er
arbeitete, er harrte im Dienste seiner Pflicht bis zu seinem Lebensabend
aus, bis der Tod seinem Arbeiten ein Ziel setzte. Einen pflichttreuen Lehrer
hat die Schule verloren, seine kleinen Schüler betrauern in ihm den
liebevollen und milden Erzieher, die Kollegen verlieren in ihm einen Freund
und nicht wenige verschämte Arme einen Wohltäter und Fürsprecher. Schwer
gebeugt steht die trostlose Gattin, die in ihm, mit dem sie so unendlich
glücklich gelebt, alles verliert, an seiner Bahre. Möge Gott sie trösten,
und möge sie in dem Bewusstsein ihren Trost finden, dass in demselben Maße,
wie er sie beglückt, sie auch ihn beglückt und seine Lebenstage heiter
gestaltet hat." |
|
Anmerkung: ein weiterer
Bericht zum Tod von Moses Plaut siehe Seite der Israelitischen
Religionsgesellschaft Frankfurt |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen aus der jüdischen Gemeinde
- 1905: Mitteilung in
"Rechenschafts-Bericht" des Vereins Achawa 1905 S. 12: Spendensammlung
für den Lehrerhilfsverein "Achawa" durch L. Plaut anlässlich der Hochzeit
von M. Plaut, Frielendorf mit
Jettchen geb. Stiefel aus Rauschenberg.
Anmerkung: es ging um die Hochzeit von Moses Plaut (geb. 21. Dezember
1875) und Jettchen Katz-Stiefel (am 19. August 1880 in Rauschenberg
geborene Tochter von Samuel Katz-Stiefel und Röschen geb. Katzenstein) am
22. Juli 1903; Moses Plaut ist am 15. Dezember 1934 gestorben. Die
beiden hatten sechs Kinder: Walter (1906), Ludwig (1907 - ermordet Riga
1943), Leopold (1908 - 1982 Ca/USA), Heinz Chaim (1908 - 1982 Kiryat Chaim,
Israel), Rosie (1916, verh. Ottenheimer - 1961 Troy NY, USA), Fritz Zvi
(1918 - 1985 Ramat Gan, Israel). |
| - 1918: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 5. September 1918 S. 5: Diamantene
Hochzeit von Metzgermeister Mendel Plaut und Betty geb. Marx.
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| - 1929 Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 7. März 1929 S. 5: 70. Geburtstag am
9. März 1929 von Sarah Stiefel geb. Plaut in Rauschenberg.
|
| - 1929: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 8. Mai 1929 S. 5: 82.
Geburtstag am 14. Mai 1929 von Michael Katz Stiefel in Rauschenberg. |
| - 1930: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 8. Mai 1930 S. 6: 83.
Geburtstag am 14. Mai 1930 von Michael Katz Stiefel in Rauschenberg.
|
- 1930: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 5. Juni 1930 S. 6: Verlobung von
Ilse Plaut in Kirchhain, früher
Rauschenberg mit Isi Katzenstein, Frankenau /Hessen.
Anmerkung: Ilse Plaut war die am 3. April 1903 geborene Tochter von Gustav
Plaut und der Johanna geb. Levi. Sie starb am 18. November 1994. Wenige
Wochen später wurde die Hochzeit der beiden mitgeteilt (in: "Israelitisches
Familienblatt" vom 4. September 1930 S. 6).
|
| - 1930: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 1. Oktober 1930 S. 6: 70.
Geburtstag von Moses Stern in
Betziesdorf am 11. Oktober 1930. |
| - 1931: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 26. März 1931 S. 6: gestorben ist
Sarah Stiefel geb. Plaut in Rauschenberg im Alter von 73 Jahren.
|
| - 1931: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 7. Mai 1931 S. 6: 84. Geburtstag
am 14. Mai 1931 von Michael Katz Stiefel in Rauschenberg.
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| - 1931: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 5. November 1931 S. 6: Verlobung von
Bertel Kadden in Kirchheim mit Julius Stern in
Betziesberg.
|
| - 1931: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 3. Dezember 1931 S. 6: Verlobung
von Gertrud Rosenbaum in Großen-Linden
mit Moritz Plaut aus Rauschenberg, Bezirk Kassel. |
| - 1936: Mitteilung in "Der
Israelit" vom 11. Juni 1936 S. 16 unter "Familiennachrichten": "Verlobung
von Karla Cohen, Emden, Neuestraße 22 mit
Ludwig Schloß, Rauschenberg, zur Zeit
Aurich". |
| - 1938: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 13. Januar 1938 S. 15:
"Rauschenberg (Krs. Marburg). Isidor Stiefel wandert mit Familie aus. Er
war langjähriger Vorsteher der Gemeinde. — Die Abwanderung der
Gemeindemitglieder hält an. Es ist mit der Auflösung der Gemeinde zu
rechnen." |
| - 1938: Mitteilung in
"Israelitisches Familienblatt" vom 17. März 1938 S. 16: "Rauschenberg
(Krs. Marburg). Frau Berta Stiefel, die frühere Vorsteherin des
hiesigen Jüdischen Frauenvereins, ist im 82. Lebensjahr in Kassel
gestorben." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Moses Stern in Betziesdorf (1908)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: "Für meine Tochter
16 Jahre alt, kräftig,
suche Stelle in gutem Hause, wo sie Gelegenheit hat, Haushalt und
Geschäft zu erlernen.
Offerten an Moses Stern, Betziesdorf bei Kirchhain. " |
Anzeige zum Soldatentod von Isidor Metzger (aus
Schönstadt, 1915)
Anmerkung: Isidor Metzger (geb. 1896 in Schönstadt) war der einzige Sohn von
Aron Metzger (geb. 12. Dezember 1864 in Schönstadt), war verheiratet mit
Fanny geb. Blumenfeld (geb. 28. November 1869 in
Momberg) und ab 1926 als Rentner in
Bad Hersfeld wohnhaft, ab August 1939 in
Köln-Ehrenfeld, von hier aus deportiert am 15. Juni 1942 in das Ghetto
Theresienstadt und am 16. Oktober 1942 ebd. umgekommen. Das Ehepaar Aron und
Fanny Metzger hatten eine Tochter Johanna (geb. 21. Februar 1893 in
Schönstadt), die den Hersfelder Altwarenhändler Julius Stern heiratete.
Julius und Johanna Stern, die eine 1921 geborene Tochter Irmgard hatten, konnten
1938 nach New York emigrieren. Irmgard war eine verheiratete Herz.
Aron Metzger war sehr großzügig. In jüdischen Periodika findet sich über mehrere
Jahrzehnte regelmäßig sein Name in Spendenlisten für unterschiedliche Zwecke.
Für Aron und Fanny Metzger wurden am 29. März 2011 "Stolpersteine" vor dem Haus
Markt 4 in Bad Hersfeld verlegt.
Anzeige
im Israelitisches Familienblatt" vom 6. Mai 1915: "Am 23. April fiel in den
Kämpfen fürs Vaterland unser einziger, hoffnungsvoller, lieber Sohn und
Bruder
Isidor Metzger
Kriegsfreiwilliger im Reservejägerbataillon 24
im noch nicht vollendeten 19. Lebensjahre.
Schönstadt, den 3. Mai 1915.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Aron Metzger." |
Hochzeitsanzeige von Gerti Plaut
und Sally Sennhoff (1925)
Anmerkung: Sally Lennhoff sollte nicht mit dem bekannteren Sally Simon
Lennhoff (1871 Plettenberg - 1943 Ghetto Theresienstadt) verwechelt werden, der
mit Ida geb. Rosenblatt verheiratet war
https://de.wikipedia.org/wiki/Sally_Lennhoff. Der in der Anzeige genannte
Sally Lennhoff ist am 13. oder 16. Juni 1892 in Plettenberg geboren als Sohn vom
Moses Lennhoff in Eiringhausen, Ortsteil von Plettenberg). Er heiratete am 14.
Februar 1926 Gerti (Gerty/Gertrud) geb. Plaut aus Rauschenberg. Die beiden
hatten zwei Kinder. Marion (geb. 1928) und Günther Jack (1930). Sally Lennhoff
war Inhaber einer Metzgerei in Eiringhausen, zuletzt - nach erzwungener Aufgabe
der Metzgerei - wird er als Fabrikarbeiter genannt.
https://www.plettenberg.de/news/news-detailansicht/erinnerung-an-die-reichspogromnacht-vom-9-november-1938-in-plettenberg
Das Paar konnte in die USA emigrieren. Gerti Lennhoff verstarb im Juli 1984 in
Flushing, Queens NY, Sally (Sol) Lennhoff verstarb in Brooklyn NY am 12.
September 1987.
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins"):
"Sally Lennhoff - Gerti Lennhoff geb. Plaut
Vermählte
Plettenberg II Westfalen -
Rauschenberg Hessen
Trauung den 14. Februar 1926, Pension Levy, Gießen". |
Verlobungsanzeige von Tilde Plaut
und Siegmund Katzenstein (1927)
Anmerkung: Siegmund (Samson) Katzenstein ist am 28. April 1896 in
Frankenau geboren als Sohn von Manus (Menachem Moritz) Katzenstein (1865-1931)
und der Jeanette geb. Müller (1867- ). Nach der Heirat mit Tilde (Clotilde,
Gittel) geb. Plaut (geb. 6. Oktober 1905 als Tochter von Michael Plaut
(1872-1961) und der Ida geb. Baumblatt (1871-1937) 1928 lebten sie zunächst in
Frankenau, ab Oktober 1935 in Kirchhain.
Siegmund starb 1961 in New Jersey, seine Frau Tilde (Clotilde Gittel) 7. April
1984 in New York NY..
Genealogische Informationen - Einstieg über:
https://www.geni.com/people/Samson-Katzenstein/6000000008153625229 .
Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 15. September 1927: "Tilde Plaut
- Siegmund Katzenstein
Verlobte
Rauschenberg (Hessen) -
Frankenau (Bezirk Kassel)
September 1927." |
Anzeigen der Metzgereien J. Plaut I
und M. A. Plaut in Rauschenberg (1928 / 1929)
Anmerkung: bis 1931 inserierte J. Plaut I (bzw. Isack Plaut I in Rauschenberg
[Hessen] Telephon 225) regelmäßig in verschiedenen Periodika. M.A. Plaut, der
auch bereits seit mindestens 1911 in jüdischen Periodika inserierte, hat 1929
seine Metzgerei nach Kirchhain verlegt.
In mehreren Anzeigen in "Israelitisches Familienblatt" 1928/29 wiesen die beiden
Metzgermeister zusätzlich darauf hin: "Die Schechita steht unter Aufsicht Seiner
Ehrwürden Rabbiner Dr. Cohn, Marburg".
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 5. Januar 1928: "Streng
Koscher Streng
Ia Hausmacherwurst Pfund 1.80 Ia Zervelatwurst Pfund
2.00 Ia Rauchfleisch Pfund 2.00
Dauerware.
Gegen Nachnahme. Verpackung frei
J. Plaut I Rauschenberg, Hessen.
Koscher Streng Koscher
Ia Hausmacherwurst á Pfund Mk. 1.80 Ia
Zervelatwurst á Pfund Mk. 2.- Ia Rauchfleisch
á Pfund Mk. 2 —
M. A. PLAUT Rauschenberg, Hessen Fernruf 308." |
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Anzeige
in "Israelitisches Familienblatt" vom 27. Dezember 1929: "Koscher
Streng - Streng Koscher
Qualitätsware
Zervelat- und Hausmacherwurst Rauch- und
Pökelfleisch
sowie alle anderen Aufschnittwaren und frisches Rind-, Kalb- und
Hammelfleisch
M.A. Plaut Kirchhain
(Bezirk Kassel (vormals Rauschenberg)." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser
vorhanden. Eine Synagoge wurde Mitte des 19. Jahrhunderts (um 1858) erbaut. 1910
war ein Synagogenneubau bzw. zumindest ein -umbau geplant. Eine Kollekte wurde
dazu bereits in Oberhessen durchgeführt. Die Synagoge ist damals renoviert worden.
Über Vorgänge beim Novemberpogrom 1938
ist nichts bekannt. Ende 1938 wurde das Synagogengebäude mit dem Grundstück
von der jüdischen Gemeinde - vertreten durch den Handelsmann Seligmann
Bachenheimer und den Händler Isaak Stiefel - an einen nichtjüdischen
Privatmann für RM 400 verkauft. Der Verkauf wurde durch den Kasseler
Regierungspräsidenten genehmigt. Der Kaufpreis sollte an die jüdische
Bezirksgemeinde in Marburg zur Verwendung für jüdische Wohlfahrtszwecke und
Förderung der Auswanderung der Juden zu zahlen sein. Am Ende des Krieges waren
in der Synagoge französische Kriegsgefangene untergebracht.
Nach 1945 wohnte von Ende 1945 bis Ende 1953 eine Flüchtlingsfamilie im
Synagogengebäude. Schon damals erinnerte nichts mehr im Inneren an die
frühere Synagoge. 1953 kam das Gebäude und das Grundstück an die Hessische
Treuhandverwaltung. Von dieser wurde es zum Preis von DM 1900 an einen
örtlichen Landwirt verkauft, der das Gebäude Ende 1953 abreißen ließ. Ende
1972 wurden auf dem Grundstück drei Garagen errichtet, die noch vorhandenen
Kellerräume des Synagogengebäudes mussten wegen "Baufälligkeit"
1988 verfüllt werden. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist am Standort der
früheren Synagoge nicht
vorhanden.
Adresse/Standort der Synagoge: Rosengasse
Fotos
(Neuere Fotos des Synagogengrundstückes von der Rosengasse: Hahn, Aufnahmedatum 25.3.2008)
Die Synagoge um
1930
(Quelle Universität Kassel, Bibliographische
Daten) |
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Das Gebäude der Synagoge ist das
zweite Gebäude von links (Giebel zur Straße, an der Stelle heute
Garagen, siehe Foto unten rechts)
(frdl. Hinweis von Willi Wolf, Rauschenberg; das Foto ist auch
publiziert in der "Gassenschrift", s.Lit.)
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Das Synagogengrundstück
im
März 2008 |
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Die Synagoge stand
auf dem Grundstück mit den heutigen drei Garagen |
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Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
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Januar 2016:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Bürgeln geplant
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Artikel
von Götz Schaub in der "Oberhessischen Presse" vom 29. Januar
2016:
"Gegen das Vergessen. Paten für 13 Stolpersteine gesucht
Auch mehr als 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges kommen noch
traurige Nachrichten ans Tageslicht: Nicht alle jüdischen Mitbürger aus
Bürgeln entkamen dem Nazi-Regime.
Anlässlich eines neuen Sammelbandes, der sich mit Deportationen von Juden
aus dem heutigen Landkreis Marburg-Biedenkopf während der Zeit der Nazis in
Deutschland beschäftigt, hat Hans Junker aus Bürgeln die Schicksale
jüdischer Einwohner von Bürgeln näher untersucht. Dabei stieß er auf eine
traurige Neuigkeit: 'Bisher dachte man in Bürgeln, dass alle Mitbürger
jüdischen Glaubens es geschafft haben, sich durch rechtzeitige Flucht ins
Ausland den Nazis zu entziehen.' Das ist aber nicht der Fall. Vier Frauen,
die in Bürgeln lebten oder von dort stammten, wurden 1942 nach
Theresienstadt deportiert. Drei von ihnen, Frieda Wertheim (Jahrgang 1877),
Frieda Gunzenhäuser (1884) und Jettchen Marx (1873) wurden im selben Jahr im
Vernichtungslager Treblinka ermordet. Betty Katz (1888) wurde im damals von
Nazis besetzten Polen ermordet. In erster Linie ihrer soll nun in Bürgeln in
Form von 'Stolpersteinen' gedacht werden. Darüber hinaus soll aber auch
jener jüdischen Mitbürger mit eigenen Stolpersteinen gedacht werden, denen
die Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen war. Einer von diesen war Isidor
Wertheim, der in der Ohmtalstraße mit seiner Familie lebte und es nach den
Worten von Hans Junker nicht wirklich glauben konnte in ernsthafter Gefahr
zu schweben. War er doch im Ersten Weltkrieg Soldat gewesen und hatte für
seine Tapferkeit an der Ostfront in Russland das Eiserne Kreuz verliehen
bekommen. Auch Albert Hess, der in der gleichen Straße in unmittelbarer
Nachbarschaft lebte, kämpfte im Ersten Weltkrieg und hatte dabei ein Bein
eingebüßt.
Soldaten-Vita schützte nicht vor Verfolgung. 'Isidor Wertheim musste
die Erfahrung machen, dass er keineswegs sicher war. Nach der Pogromnacht
1938 wurde er in das KZ Buchenwald verschleppt und dort schwer misshandelt.'
Er hatte dann das Glück, mit Frau und Kind nach England fliehen zu können.
Erich Wertheim, Jahrgang 1922 floh in die USA, wie auch Hess mit Ehefrau
Berta und den Kindern Martin, Erna und Fritz. Allein schon die deutschen
Namen der Kinder zeigen auf, dass die Bürgelner Juden sich hier sehr
heimisch fühlten, Teil der Dorfgesellschaft waren. Irmgard, die Tochter von
Isidor und Berta Wertheim, lebt heute auch in den USA, und zwar in
Baltimore. 'Sie kann sich noch an Vorgänge in Bürgeln aus ihrer Kindheit
erinnern', sagt Junker. So wurden vor den Häusern der jüdischen Mitbürger
anitjüdische Parolen geschrien oder Lieder angestimmt. Sehr gut, so Junker,
kann sie sich noch an das Lied 'Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann
geht's nochmal so gut' erinnern und an die furchtbare Angst, die sie als
damalig Elfjährige gehabt hatte.
Ortsbeirat unterstützt das Projekt in Bürgeln. Den ermordeten und
geflohenen damaligen Mitbürgern möchten die Bürgelner am 3. Mai
Stolpersteine widmen, die dann von Gunter Demnig verlegt werden, dessen
Projekt 'Stolpersteine' in ganz Deutschland und auch im Ausland bekannt ist.
Verlegt werden sollen sie vor den Häusern, in denen sie damals wohnten. Der
Ortsbeirat unterstützt diese Idee ausdrücklich, sagt Ortsvorsteher Jörg
Block. Auch Cölbes Bürgermeister Volker Carle findet die Idee
unterstützenswert. 'Gerade in der Zeit, in der wir immer weniger auf
Zeitzeugen zurückgreifen können, ist es wichtig, dass wir uns erinnern, was
hier während der NS-Zeit passiert ist', so Carle. Stolpersteine seien eine
gute Sache, die Erinnerung an die Schicksale jener Menschen lebendig zu
halten. Junker setzt nun darauf, dass sich für die Finanzierung der
Stolpersteine noch Paten finden. Die Kosten für den Stolperstein von Isidor
Wertheim übernimmt bereits der Gesangverein Bürgeln.
Wer eine Spende geben möchte, kann sich bei Hans Junker unter Telefon
06427/2249 oder per Mail unter
junker.hans@gmx.de melden."
Link zum Artikel |
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Mai 2016:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Bürgeln |
Artikel von Götz Schaub in der
"Oberhessischen Presse" vom 4. Mai 2016: "13 Stolpersteine gegen das
Vergessen. Über Spenden finanziert wurden gestern in Bürgeln bei
strömenden Regen vom bekannten Kölner Bildhauer Gunter Demnig Stolpersteine
verlegt, die an die Schicksale jüdischer Mitbürger erinnern sollen.
Bürgeln. Es waren Menschen wie du und ich. Einheimische, in diesem Fall
Bürgelner. Deutsche. Deutsche jüdischen Glaubens. Letzteres wurde ihnen, für
sie selbst wohl völlig überraschend, in ihrer eigenen Heimat nach der
Machtergreifung der Nazis zum mitunter tödlichen Verhängnis. Plötzlich war
das bekannte, geliebte Leben ausgelöscht. Mitmenschlichkeit wurde von Angst,
aber möglicherweise auch von neuen Überzeugungen, ausgeschaltet. 'Ich kann
heute aus einer geschützten Position heraus nicht sagen, man hätte dagegen
aufstehen müssen. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn ich damals
gelebt und gesehen hätte, was die anderen tun, immer mit dem Bewusstsein
selbst Opfer zu werden, weil man Juden geholfen hat', sagte Cölbes
Bürgermeister Volker Carle ganz ehrlich heraus.
Zeichen gegen das Vergessen setzen. Doch mit dem Wissen von heute
sollte klar sein, dass sich so etwas nie mehr wiederholen dürfe, so Carle
weiter. Deshalb gelte es, Zeichen zu setzen gegen das Vergessen jener
Schicksale von Menschen, die einst Nachbarn und Freunde waren, fester
Bestandteil einer Dorfgemeinschaft, sagte zudem Bürgelns Ortsvorsteher Jörg
Block entschieden. Er kündigte an, dass auch im Bürgerhaus eine Gedenktafel
aufgestellt wird, die mehr Informationen zu den einst in Bürgeln heimischen
jüdischen Familien transportieren soll. Carle und Block dankten Hans Junker,
der die Geschichte jüdischer Familien aus Bürgeln aufgearbeitet hat und
schließlich auch die Idee für die Stolpersteine entwickelte. Die Gemeinde
Cölbe, das Parlament und – ganz wichtig – der Ortsbeirat von Bürgeln
sicherten ihm dabei jegliche Unterstützung zu.
Gunter Demnig bringt 13 Stolpersteine mit. Und so war gestern der
Tag, an dem den jüdischen Mitbürgern, die vor den Nazis geflohen oder gar
getötet wurden, ein ganz besonderes Denkmal gesetzt wurde. Insgesamt 13
Stolpersteine vor den drei Häusern, in denen sie lebten. Die jetzigen
Bewohner der Häuser zeigten sich ebenfalls mit der Aktion einverstanden. Und
so verrichtete der Künstler Gunter Demnig einmal mehr im Landkreis
Marburg-Biedenkopf, aber zum ersten Mal in Bürgeln sein Werk und baute
gestern Vormittag die Stolpersteine ohne Verzögerung, also bei strömenden
Regen im Gehweg ein. Und die Bürger, die gekommen waren, harrten ob des
Regens aus und ließen sich auch tropfnass von Hans Junker und Ernst Fehler
Einblicke in das Leben der jüdischen Familien aus Bürgeln geben. Es war
nicht so, dass sie niemand mehr gekannt hätte. Unter den Gästen war
beispielsweise Anna Busch, eine gute Freundin von Irmgard Wertheim, die 1939
mit ihren Eltern nach England floh und heute in Baltimore in den USA lebt.
Anna Busch und Irmgard Wertheim stehen freundschaftlich in Kontakt, sahen
sich mehrfach wieder, etwa als Irmgard Wertheim zwischen 1988 und 1998
dreimal Bürgeln besuchte. Irmgard Wertheim sendete per Brief Grüße, die
verlesen wurden. Neben Spendern und Paten der Stolpersteine waren auch Dekan
Hermann Köhler, Pfarrer Dr. Alexander Prieur und Pfarrerin Berit Hartmann
sowie Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, anwesend.
Letzterer betete in Gedenken den Kaddisch, das jüdische Totengebet.
Gedenken an die Familien Wertheim und Hess. Die Stolpersteine
erinnern vor der Marburger Landstraße 34 an Frieda Wertheim, Jahrgang 1877,
die 1942 in Treblinka ermordet wurde. Vor der Ohmtalstraße 3 an Betty
Wertheim, die 1942 in Polen ermordet wurde, Frieda Wertheim, Jahrgang 1884,
die 1942 in Treblinka ermordet wurde, sowie an Irmgard, Isidor und Berta
Wertheim, die nach England flohen, und Erich Wertheim, der in die USA floh.
Vor der Ohmtalstraße 7 liegen Steine für Albert, Erna, Fritz, Berta und
Martin Hess, die in die USA flohen, sowie für Jettchen Wertheim, die 1942 in
Treblinka von den Nazis ermordet wurde."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
| Hinweis
auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde
Rauschenberg |
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs
(innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus
hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar:
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41
Zu Rauschenberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur
Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):
HHStAW 365,693 Geburtsregister der Juden von
Rauschenberg 1770 - 1876; enthält auch Angaben zu Personen
aus Betziesdorf, Bürgeln und Schönstadt https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732267
HHStAW 365,695 Trauregister der Juden von Rauschenberg
1827 - 1877; enthält auch Angaben zu Personen aus Betziesdorf, Bürgeln
und Schönstadt; https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3926572
HHStAW 365,699 Trauregister der Juden von Rauschenberg
1827 - 1922; enthält auch Angaben zu Personen aus Betziesdorf, Bürgeln
und Schönstadt; darin auch eine Spendenliste über die Einzahlung an die
Gemeindemitglieder in den Fonds zum Bau einer Synagoge zu Rauschenberg
1910-1922 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v290085
HHStAW 365,697 Sterberegister der Juden von Rauschenberg 1828
- 1877; enthält auch Angaben zu Personen aus Betziesdorf, Bürgeln und
Schönstadt https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5493930
HHStAW 365,698 Sterberegister der Juden von Rauschenberg
1828 - 1914, enthält auch Angaben zu Personen aus Betziesdorf, Bürgeln
und Schönstadt; enthält auch eine Notiz zum Tod des jüdischen Arztes
Dr. Julius Oppenheim aus Marburg, Stadtrat in Rauschenberg und Ritter des
eisernen Kreuzes erster und zweiter Klasse 1926; Hinweise zum Wegzug
jüdischer Familien aus der Gemeinde Rauschenberg, 1923 - 1935; enthält
auch Dokumente zur Versetzung von Lehrer Schirling, der 30 Jahre in
Raschenberg tätig war, nach Hoof, um 1925 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4449189
HHStAW 365,694 Geburtsregister der Juden von
Rauschenberg 1862 - 1876, enthält auch Angaben zu Personen aus
Betziesdorf, Bürgeln und Schönstadt https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3553837
HHStAW 365,696 Sterberegister der Juden von Rauschenberg
1864 - 1874, enthält auch Angaben zu Personen aus Betziesdorf, Bürgeln
und Schönstadt https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900009
|
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 208-209. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 106. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 90 (keine weiteren
Informationen). |
 | Barbara Händler-Lachmann / Ulrich Schütt:
"unbekannt verzogen" oder "weggemacht". Schicksale der
Juden im alten Landkreis Marburg 1933-1945. Marburg 1992. |
 | Barbara Händler-Lachmann / Harald Händler
/Ulrich Schütt: 'Purim, Purim, ihr liebe Leut, wißt ihr was Purim
bedeut?' - Jüdisches Leben im Landkreis Marburg im 20. Jahrhundert. Marburg
1995. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 160. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 573. |
 | Alfred Schneider: Die jüdischen Familien im
ehemaligen Kreise Kirchhain. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der
jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreises Marburg-Biedenkopf
in Hessen. Hrsg.: Museum Amöneburg. 2006. |
 | Gassenschrift: Straßen, Häuser und Menschen in der
Kernstadt. Band 2 von Rauschenberger Stadtschriften zur Geschichte und
Kultur. 70 S. Rauschenberg 2014 (hrsg. von der Rauschenberger
Geschichtswerkstatt; Verkehrsbüro der Stadt Rauschenberg). Presseartikel. |
 | Heinrich Heimrich: Bürgeln - ein historisches
Ohmtaldorf. Chronik in Karten, Bildern und Schriften. Online eingestellt
in: www.buergeln.de/unser-dorf/chronik-heimrich.html
Der Abschnitt Jüdische
Mitbewohner aus Bürgeln aus der genannten Chronik ist auch eingestellt
als pdf-Datei. |
 | Willi Wolf: "Jüdische Bürger" in
Rauschenberg - Rückblicke bis 1900. In: Rauschenberger Stadtschriften zur
Geschichte und Kultur Bd. 3. Hrsg. vom Magistrat der Stadt Rauschenberg.
Geschichtswerkstatt des Arbeitskreises "Wir alle in Rauschenberg"
Rauschenberg 2017. Online
zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). |
 |
Beitrag
über die Familie Plaut: Elisabeth S. Plaut: The Plaut Family. Tracing
the Legacy. Edited by Jonathan V. Plaut
When Elizabeth S. Plaut began tracing her husband’s family roots forty
years ago, she had no idea how this undertaking would change her life and
turn her into a serious genealogist. A trained researcher, she corresponded
with hundreds of people around the world to glean information about the
various branches of the family; scoured cemetery files, archives, and other
available sources; and maintained copious files brimming over with her notes
and charts. Beginning with her quest to find the roots of her husband’s
branch of the family from Willingshausen, Germany -many years before
genealogy became popular - Elizabeth Plaut discovered families in dozens of
small villages in Germany. She tracked the relationships between more than
11,000 people and separated the branches according to the many cities where
the families originated. Impressive in its scope and in Elizabeth Plaut’s
meticulous commitment to detail, The Plaut Family: Tracing the Legacy will
be of immense value to all those interested in knowing more about their
roots. 7" x 10" 420 pp. softcover $45.00. Vgl.
http://www.avotaynu.com/books/Plaut.htm.
Family Trees Organized by German Town of Ancestry: Bodenteich, Bovenden,
Falkenberg, Frankershausen, Frielendorf, Geisa, Gudensberg, Guxhagen,
Melsungen, Obervorschuetz, Ottrau, Rauschenberg, Reichensachsen,
Rotenburg, Schmalkalden, Wehrda, Willingshausen.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Rauschenberg
Hesse-Nassau. Established around 1810, the community opened a synagogue in 1858,
and numbered 78 (7 % of the total) in 1905. It was affiliated with the Marburg
rabbinate. Of the 31 Jews living there in 1933, 22 emigrated to the United
States.

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