Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Raboldshausen mit Mühlbach (Gemeinde Neuenstein (Hessen), Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
   
In Raboldshausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1927.   
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 48 jüdische Einwohner, 1835 70, 1861 92, 1893 17 Steuerpflichtige (Haushaltsvorsteher) und 20 Kinder. Zur jüdischen Gemeinde Raboldshausen gehörten auch die in Mühlbach lebenden jüdischen Personen (1835 16 jüdische Einwohner, 1842 24, 1861 27, 1893 6 Steuerzahler, d.h. Haushaltsvorstände). Nach 1866 sind die jüdischen Familien aus den beiden Orten verzogen; u.a. mehrere Familien Goldschmidt nach Bad Hersfeld.    
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule und ein rituelles Bad. Bei der Schule handelte es sich im 19. Jahrhundert um eine jüdische Elementarschule. Sie hatte 1893 noch 20 schulpflichtige Kinder. Nach 1895 wurde der Unterricht noch von 12, 1898 nur noch von sechs Kindern besucht. 1900 gab es keine schulpflichtigen jüdischen Kinder mehr in der Gemeinde. Die Schule wurde endgültig aufgelöst. An Lehrern sind bekannt: um 1865 L. Elsasser (Quelle), von 1876 bis 1880 Siegmund Rosenbaum, der danach nach Zierenberg wechselte (siehe unten Bericht zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum), Jacob Stein, der um 1891 in Raboldshausen tätig war (siehe Anzeigen unten). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Oberaula beigesetzt. Die Gemeinde gehörte innerhalb des damaligen Kreises Homberg zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel. 
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Hermann Goldschmidt (geb. 7.11.1876 in Raboldshausen, vor 1914 in Hersfeld wohnhaft, gef. Juli 1918), Hermann Goldschmidt (geb. 11.7.1891 in Raboldshausen, vor 1914 in Gelsenkirchen wohnhaft, gef. 19.2.1918), Willy Goldschmidt (geb. 25.12.1886 in Raboldshausen, vor 1914 in Gelsenkirchen wohnhaft, gest. an der Kriegsverletzung am 4.2.1919), Louis Goldschmidt (geb. 15.12.1887 in Raboldshausen, vor 1914 in Paderborn wohnhaft, gef. 26.8.1914) und Sgt. Leo Müller (geb. 14.3.1886 in Raboldshausen, vor 1914 in Hersfeld wohnhaft, gef. 27.8.1918).         
  
Um 1924, als nur noch fünf Personen zur jüdischen Gemeinde Raboldshausen-Mühlbach gehörten, war der letzten Gemeindevorsteher Daniel Nußbaum. Er starb 1928, was die Auflösung der jüdischen Gemeinde zur Folge hatte (siehe Bericht unten). 1927 wurde die Gemeinde Raboldshausen der Gemeinde in Homberg (Efze) zugeteilt. 1930 verzog mit Karoline Rosenblatt geb. Möller das letzte jüdische Einwohnerin von Raboldshausen nach Kassel (siehe Mitteilungen unten).   
     
Von den in Raboldshausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Blatt geb. Stein (1890), Louis Goldschmidt (1878), Minna Goldschmidt (1885), Selma Josephi geb. Stein (1889), Emma Levi geb. Goldschmidt (1875), Fanny Löwenberg geb. Goldschmdt (1855), Jakob Neugarten (1882), Rosa Neugarten geb. Katz (1867), Friedericke (Rickchen) Schwabe geb. Möller (1855), Dina Goldina Strauß geb. Möller (1880), Julius Isidor Wallach (1877). 
  
Aus Mühlbach sind umgekommen: Berta Apt geb. Rosenberg (1884), Rosa Elburg geb. Rosenberg (1888), Joseph Goldschmidt (1878), Joseph Goldschmidt (18782), Siegmund Goldschmidt (1879), Meta Hirschberg geb. Goldschmidt (1891), Klara Hohenwarter geb. Rosenberg (1897), Henriette Löwenstein geb. Rosenberg (1881), Goldine Löwenstern geb. Goldschmidt (1873), Fanny Sauer geb. Goldschmidt (1871), Berta Sternlicht geb. Goldschmidt (1875).  
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet

Ausschreibungen der Stelle wurden in jüdischen Periodika des 19. Jahrhunderts noch nicht gefunden. 

     
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Siegmund Rosenbaum (Lehrer in Raboldshausen von 1876-1880)  
Siegmund Rosenbaum stammt aus Baumbach (bei Rotenburg/Fulda, geb. 1857; er war von 1876 bis 1880 Lehrer in Raboldshausen)     

Zierenberg Israelit 12081926.jpg (71294 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1926: "Zierenberg, 1. August (1926). Am heutigen Tage sind es 50 Jahre, seitdem der hiesige Lehrer S. Rosenbaum sein Lehramt angetreten hat. Nachdem er 4 Jahre in Raboldshausen gewirkt hatte, kam er hierher. Es war nicht zuletzt sein Verdienst, dass hier eine neue Synagoge und eine Schule erbaut wurde. Als am 1. Oktober 1922 die Schule aufgelöst wurde, ward Rosenbaum in den Ruhestand versetzt. Er blieb dann weiter als Religionslehrer, Vorsänger und Schochet hier tätig. Rosenbaum erfreute sich immer in seiner Gemeinde, bei der vorgesetzten Behörde und bei seinen jüdischen und christlichen Kollegen allgemeiner Wertschätzung. Da der Jubilar zurzeit kränklich ist, musste eine Feier seines Jubiläums unterbleiben. Wir wünschen ihm gute Gesundheit bis 120 Jahre."

     
Zur Erinnerung an den 1926 verstorbenen Lehrer Siegmund Rosenbaum (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 4. November 1927: "Dem Andenken Siegmund Rosenbaums! 
Zum ersten Male jährt sich der Todestag des Lehrers Siegmund Rosenbaum in Zierenberg. Es drängt mich, dem einstigen Freund und Kollegen zu seinem Jahrzeitstage einige Worte des Gedenkens zu sprechen: Rosenbaum war am 5. Juni 1857 in Baumbach (Kreis Rotenburg a.d. Fulda) geboren. Er besuchte drei Jahre die Lehrerbildungsanstalt in Kassel und trat mit 19 Jahren in den öffentlichen Volksschuldienst in Raboldshausen (Kreis Homberg), wo er vier Jahre amtierte. Alsdann wurde ihm die israelitische Lehrer- und Vorsängerstelle in Zierenberg übertragen. Dort hat er 46 Jahre zum Segen der Gemeinde, der Schule, der Stadt und des Judentums überhaupt gewirkt, 42 Jahre davon als Volksschullehrer. Als 1922 die öffentliche Schule ein Opfer des Abbaues wurde, blieb Rosenbaum weiter als Religionslehrer und Kultusbeamter in Zierenberg. Während des Krieges war Rosenbaum als Wanderlehrer im Kreise Hofgeismar und Wolfhagen tätig. Auch übte er in verschiedenen Orten die Schächtfunktion aus. 
Zwischen Gemeinden und ihm herrschte stets ein inniges, friedliches Verhältnis. 
Im Vereinsleben stand Rosenbaum auch stets in der vordersten Front. In den Versammlungen der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens und der 'Freien Vereinigung' hat er durch Vorträge und regeste Beteiligung an den Diskussionen recht belehrend gewirkt. Auch großes Vertrauen genoss Rosenbaum bei seinen christlichen Amtsbrüdern und wahr jahrelang mit ihm Vorstand. 
Bei der schlichten Feier des 50-jährigen Amtsjubiläums kurz vor seinem Tode kam die Wertschätzung und Verehrung, deren sich Rosenbaum auch bei der vorgesetzten Behörde erfreute, zum Ausdruck. 
Einige Wochen später erlöste der Tod den nimmermüden, stets arbeitsamen 'Sämann' von seinem qualvollen Leiden. 
Groß war die Beteiligung bei der Beerdigung am Erew Schabbos Lech l'cho. Alle, die ihm die letzte Ehre erwiesen, trennten sich damals in dem Gedanken: Einer der Besten war aus unserer Mitte allzu früh genommen. Secher zaddik low'rocho (die Erinnerung an den Gerechten ist zum Segen). H. Löwenstein, Meimbressen."        

 
Anzeige des Lehrers Jacob Stein (1891)  

Raboldshausen Israelit 20051891.jpg (62524 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1891: "Für einen kräftigen Metzgergesellen, der die Metzgerei und Wurstlerei in dem größten Geschäfte einer Großstadt erlernt und daselbst schon 1 Jahr als Geselle tätig ist, wird anderweitige Stelle gesucht. Reflektiert wird jedoch nur auf eine Stelle, wo dem jungen Manne Gelegenheit geboren ist, den Einkauf der Schlachttiere zu erlernen. Offerten sind zu richten an 
Lehrer Jacob Stein, Raboldshausen, Regierungsbezirk Kassel." 

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf für eine verarmte Familie (1891)  

Raboldshausen KS Israelit 02021891.jpg (126252 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1891: "'Heil, wer sich des Armen annimmt, am Tage des Unglücks wird ihn der Ewige retten' (Psalm 41,2). 
Nur äußerste Not zwingt uns, mit einer Bitte an unsere Mitbrüder heranzutreten. In unserer kleinen Gemeinde starb ein Mann, der sich redlich ernährte. Er hinterließ eine Witwe mit 3 armen Kindlein im Alter von 1-5 Jahren, die nun, da sie ihres Ernährers beraubt sind, nicht wissen, wovon sie ihr Leben fristen sollen. Soviel in unseren Mitteln stand, haben wir getan, um das gegenwärtige Elend zu lindern. Es bietet sich nun jetzt in einer anderen jüdischen Gemeinde eine Gelegenheit, wo die Frau durch Erwerbung eines Häuschen, mit dem Ausübung wichtiger Gemeindefunktionen verbunden ist, sich und ihre Kindlein redlich ernähren kann. Zu diesem Zwecke aber ist es nötig, dass für die Frau etwas Geld gesammelt wird, und richten wir deshalb an alle, die ein fühlendes Herz haben, die herzliche Bitte.  
Stehet uns bei, dass wir dieser Frau die Mittel bieten, sich und ihre armen Würmchen ehrenhaft ernähren zu können.  Gaben nimmt der mitunterzeichnete Lehrer Stein gern entgegen und wird öffentlich Quittung erteilt.  
Raboldshausen (Regierungsbezirk Kassel), 10. Januar 1891.
 Der Lehrer: Jacob Stein.  Die Gemeindeältesten: David Nußbaum. A. Grünbaum."    

   
 Die Gemeinde Raboldshausen wird auf drei Jahre der Gemeinde Homberg/Efze zugeteilt (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 23. Dezember 1927: "Raboldshausen. Die Gemeinde Raboldshausen wurde vorerst auf drei Jahre der Gemeinde Homberg zugeteilt."          

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Auseinandersetzung zwischen dem Toraschreiber Wolf Grünebaum aus Vollmerz und dem Toraschreiber (Sopher, Sofer) Mosche Mai in Raboldshausen, der für seine Arbeit kritisiert wird (1866)  
Anmerkung: zu Tefilin siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Tefillin    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1866: "Mainz, den 15. April. Der Sopher (= Toraschreiber), Herr Assor Mai aus Raboldshausen im Kurfürstentum Hessen, hat uns vor circa 6 Wochen 5 Zeugnisse übersandt und zwar 2 vom Herrn Landrabbiner Dr. Adler zu Kassel, eins von dem ehemaligen Provinzial-Rabbiner Gosen zu Marburg, ein solches von Dr. Levy in Gießen und eins von einem anderen Sopher, die da dessen Befähigung als Sopher Sefarim Tefilin Mesusot = Toraschreiber von Torarolle, Tefillin und Mesusot bekunden sollen; hervorgerufen wurde diese Zusendung durch einen Artikel in Nr. 17 vorigen Jahres, in welchem ein Herr Heoref die gewissenhafte und regelrechte Tätigkeit des Herrn Mai angegriffen hat. Herr Mai sandte uns zugleich eine Entgegnung, in der er behauptete, Heoref sei der an unserer Unterrichtsanstalt fungierende Lehrer Herr Grünebaum aus Vollmerz in Kurhessen. Herr Mai greift in dieser Entgegnung die Ehre des Herrn Grünebaum an, beschuldigt ihn der Unwahrheit und eigennütziger Absichten, da ein Bruder desselben ebenfalls Sopher sei (Anmerkung: Raboldshausen ist übrigens wenigstens 20 Stunden von Vollmerz entfernt, was bei den mangelhaften Verkehrswegen in jener Gegend Kurhessens um noch viel weiter erscheinen muss, so dass also von Konkurrenzneid hier gar nicht die Rede sein kann).
Da jedoch Zeugnisse nur die Befähigung, nicht aber die gewissenhafte Arbeit eines Sopher bekunden können, so ließen wir uns durch Vermittelung eines Dritten ein Paar Tefilin von Herrn Mai kommen; dieselben trafen vorigen Freitag bei uns ein, und war das Paket mit dem Siegel des Herrn Mai gesiegelt und von einem Briefe desselben begleitet, so dass unmöglich ein Zweifel darüber obwalten kann, dass diese Tefilin auch wirklich von Herrn Mai verkauft worden sind.
Wir haben diese Tefilin geöffnet und zu unserm Bedauern gefunden, dass dieselben pesulim (nicht korrekt) sind, und zwar aus folgenden Gründen:
1) Die Schrift in denselben hat nicht die gesetzmäßige Gestalt der Buchstaben; das Schluss-K hat die Gestalt eines W; das W gleicht dem J; andere sehen gar keinen Buchstaben ähnlich.
2) Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Worten fehlen häufig, sodass vielfach zwei Worte wie eines erscheinen;
3) ist in den Tefilin schäl jad (die am Arm getragenen Tefilin) in der Paraschah - Zitat 2. Mose 13, 5.11 - im Gottesnamen beim zweiten H eine Berührung (sc. der Striche des Buchstabens H), sodass dasselbe einem T gleicht.
Die Tefilin erscheinen als so leichtfertig geschrieben, dass eine sorgfältigere Prüfung sicher noch mehr Fehler ergeben würde; dieselben stehen Jedermann bei uns zur Einsicht offen.
Dass durch dieses Ergebnis das Verfahren des Herrn Grünebaum vollkommen gerechtfertigt ist, bedarf wohl weiter keiner Auseinandersetzung. Seitdem Herr Grünebaum die Arbeit des Herrn Mai öffentlich gerügt hat, ist fast ein Jahr verflossen; Herr Mai ist leider seitdem in seiner Arbeit nicht gewissenhafter, nicht sorgfältiger geworden.
Möge der Rabbiner, dem er untersteht und der ihn durch sein Zeugnis installiert oder bestätigt hat, seine Pflicht tun; es handelt sich hier um die heiligsten Angelegenheiten des Judentums, um eine der wichtigsten Obliegenheiten eines Rabbiners."          

 
Zum Tod des Toraschreibers R. Loser Blüth (lernte beim Toraschreiber R. Mosche Mai in Raboldshausen; gestorben in Stadtlengsfeld (1879)  

Raboldshausen Israelit 08011879.jpg (156562 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1879: "Stadtlengsfeld, im November (1879). Vor Kurzem starb hier ein alter, ehrwürdiger, einem großen Teil des Leserkreises dieses Blattes wohl bekannter Mann, der Toraschreiber R. Loser Blüth, im Alter von 81 Jahren. Es sei uns gestattet, demselben einen kurzen Nachruf zu widmen. Da seine Eltern frühzeitig gestorben waren, so musste er von seinem 6. bis 13. Jahre von Fremden erzogen werden. Mit seinem 13. Jahre kam er in die Lehre zu dem Sofer R. Moscheh Mai in Raboldshausen, Kreis Hersfeld. Schon als Lehrling war er überall, wo er für seinen Lehrherrn arbeitete, sehr beliebt und erwarb sich gute Zeugnisse. In seinem 21. Jahre kehrte er nach seiner Vaterstadt Lengsfeld zurück, wo er bis zu seinem Ende seinen Wohlsitz hatte. Er arbeitete unter den Rabbinen R. Isak Heß - seligen Angedenkens - Dr. M. Heß und dem jetzigen Landrabbinen Dr. Kroner. Aber nicht nur bei diesen Rabbinen und in seinem Heimatlande, sondern auch in einem großen Umkreise der Nachbarländer Hessen, Bayern und Thüringen erwarb er sich durch seine Leistungen und sein angenehmes Wesen Anerkennung und Beliebtheit. Er zeichnete sich aus durch Bescheidenheit, Religiosität, Arbeitsamkeit, Genügsamkeit und Wohltätigkeit. Diese Eigenschaften, verbunden mit selten getrübter Heiterkeit, zierten ihn bis zu seinem Tode; noch am Tage vor demselben arbeitete er. Vor mehreren Jahren erlebte er das seltene Fest der goldenen Hochzeit, bei welcher Gelegenheit er u.a. vom Großherzog von Weimer ein vollständiges Café-Service mit 12 silbernen Café-Löffeln zum Geschenk erhielt. Das Andenken dieses Gerechten wird bei seinen zahlreichen Bekannten und guten Freunden ein gesegnetes sein. Ein hier lebender Sohn führt das Geschäft seines Vaters weiter." 


Zum Tod des letzten Gemeindevorstehers Daniel Nußbaum (1927) 

Raboldshausen Israelit 01091927.jpg (40713 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1927: "Raboldshausen (Kreis Homberg), 13. August (1927). Am Tischa beAw verstarb hier Daniel Nußbaum, der letzte Baal HaBajit unserer früheren Gemeinde. Damit steht leider die Auflösung unserer Gemeinde bevor. Auf Wunsch der dort noch befindlichen Juden ist die Gemeinde der Synagogengemeinde Hersfeld beigetreten. Herr Dr. Cahn - Fulda - sein Licht leuchte - hielt am Grabe eine erhebende Gedächtnisrede."

   
Unter denen, die nach Bad Hersfeld verzogen sind: Abraham Möller (zu seinem 75. Geburtstag 1929)
Anmerkung: Abraham Möller war Ehrenmitglied des Kriegervereins in Hersfeld; er hatte die Färberei erlernt und war später - nach Militärdienstzeit beim Infanterieregiment 80 in Bad Homburg - nach Hersfeld gezogen. Müller starb 1932.

Hersfeld Israelit 04071929.jpg (13071 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1929: "Hersfeld, 24. Juni. Seinen 75. Geburtstag beging heute Herr Abraham Möller, früher Raboldshausen".

     
Mit Karoline Rosenblatt geb. Möller verlässt die letzte jüdische Einwohnerin Raboldshausen (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 30. Mai 1930: "Hersfeld. Das letzte jüdische Mitglied der ehemaligen Synagogengemeinde Raboldshausen-Mühlbach, Frau Witwe Karoline Rosenblatt geb. Möller, hat den Ort verlassen und ist in das jüdische Altersheim Kassel übergesiedelt."           

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge     
         
   
Über die Synagoge in Raboldshausen liegen dem Webmaster noch keine Informationen vor. Hinweise bitte an die Adresse des Webmasters (siehe Eingangsseite).   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge    unbekannt   
     
    
Fotos  

Es sind noch keine Fotos zur jüdischen Geschichte am Ort vorhanden; über Hinweise 
oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
 Adresse siehe Eingangsseite
 
     

 
 
Links und Literatur   

Links:   

bulletWebsite der Gemeinde Neuenstein (Hessen) 
bulletWebsite http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Goldschmidt in Raboldshausen (unter Forschungen Eckhard Preuschhof)   
bulletBarbara Greve: unter http://jinh.lima-city.de/index-gene.htm  finden sich Stammbäume und Familiengeschichten:  
Nachkommen des WOLF BENJAMIN MÖLLER aus Raboldshausen, Hessen
Nachkommen des ABRAHAM SPEYER aus Raboldshausen, Hessen
Nachkommen des VOGEL GRÜNBAUM aus Raboldshausen, Hessen.     

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Raboldshausen 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern (wenige darüber hinaus) einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Raboldshausen ist vorhanden:    
J 386 Bü. 490  Raboldshausen  Trauregister/Eheschließungen 1826 - 1852 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446709     
  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Raboldshausen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,902   Geburtsregister der Juden von Raboldshausen  1825 - 1850; enthält auch Angaben zu Personen aus Mühlbach  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1675016        
HHStAW 365,701   Sterberegister der Juden von Raboldshausen  1826 - 1881; enthält auch Angaben zu Personen aus Mühlbach    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v290084      
HHStAW 365,700   Geburtsregister der Juden von Raboldshausen  1828 -  1879; enthält auch Angaben zu Personen aus Mühlbach     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732266       

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 86: innerhalb des Abschnittes zu Borken finden sich die Zahlen zu den in Raboldshausen und Mühlbach lebenden jüdischen Personen; innerhalb des Abschnittes zu Oberaula Bd. II S. 149 finden sich Angaben zur jüdischen Schule in Raboldshausen.   
bulletKeine Abschnitte bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.  
bulletKein Abschnitt im Buch Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995.  
bulletKein Abschnit in Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch).  

     
      n.e.   

                   
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Stand: 31. Januar 2026