Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wolfhagen mit Niederelsungen (Stadt Wolfhagen, Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

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bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
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bulletZur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Wolfhagen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Bereits im Mittelalter gab es vermutlich eine kleine jüdische Gemeinde am Ort, die allerdings in den Herbsttagen des Jahres 1235 im Zusammenhang mit einer Judenverfolgung vernichtet wurde. Dabei kamen 18 Menschen ums Leben.   
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten drei jüdische Familien in Wolfhagen, die jedoch auf Befehl des Landgrafen Philipp aus der Stadt vertrieben wurden. Landgraf Moritz erlaubte 1592 einem Juden die Niederlassung in der Stadt. 1621 und 1656 waren zwei jüdische Familien, um 1700 und 1728 drei "Schutzjuden" (mit ihren Familien) in Wolfhagen. 1740 wurden 40 jüdische Einwohner gezählt, 1788 59. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 174 jüdische Einwohner (6,3 % von insgesamt 2.761 Einwohnern), 1849 236 (7,4 % von 3.199), 1861 258 (8,4 % von 3.058), 1871 234 (5,9 % von 2.866), 1885 173 (6,4 % von 2.717), 1887 194, 1888 190, 1886 106 (in 31 Familien), 1898 112 (von insgesamt 2932 Einwohnern; in 29 Haushaltungen), 1899 101 (von insgesamt 2932 Einwohnern; in 24 Haushaltungen), 1905 99 (3,9 % von 2.559). Um 1860 waren etwa 40 Wohnhäuser in jüdischem Besitz, die alle im Zentrum der Stadt lagen. Damals gab es bereits eine größere Zahl von Handlungen und Läden, die im Besitz jüdischer Familien waren. Auch gab es inzwischen mehrere jüdische Handwerksmeister in der Stadt (sechs Metzger, drei Schlosser, zwei Schuhmacher, ein Lohgerber, ein Buchbinder, ein Drechsler, drei Färber und ein Leineweber).   
     
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen Christen und Juden in der Stadt angespannt. Im Bericht über die Synagogeneinweihung 1859 (s.u.) wurde vom Berichterstatter angemerkt, dass in Wolfhagen der "judengehässige Geiste... so handgreiflich aus allen Fenstern schaut und in der entschiedenen Ablehnung von jederlei Teilnahme seitens der Stadtbehörden und Geistlichkeit seinen vollsten Ausdruck gefunden (habe)". 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Elementarschule/öffentliche israelitische Volksschule bis 1933, Gebäude Gerichtsstraße 3), ein rituelles Bad (unter dem Schulhaus) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Zeitweise war sogar ein zweiter Lehrer und Hilfsvorbeter angestellt (siehe unten Ausschreibung von 1865). Bereits um 1720 wurde ein Lehrer und Vorbeter der Gemeinde genannt. Um 1865/66 war Lehrer S. Tannenbaum. 1868-69 wurden 31 Schüler von Lehrer Abraham Gutkind unterrichtet, der damals als Privatlehrer in Wolfhagen neben Lehrer Tannenbaum genannt wird (Quelle). Sein Nachfolger war ab 1873 Lehrer Abraham Flörsheim, der 1913 sein 40-jähriges Ortsjubiläum feiern konnte (siehe Berichte unten; Flörsheim verstarb 1925 in Kassel). Flörsheim hatte um 1895 27 Kinder an der Volksschule der Gemeinde zu unterrichten, um 1896 25 Kinder, 1899 16 Kinder. Dazu unterrichtete Lehrer Flörsheim um 1897 6 Kinder in Landau. Ihm folgte 1919 Lehrer Hermann Katzenstein (bis zur Auflösung der Schule am 1. Januar 1934; die Lehrerwohnung war im Schulgebäude Gerichtsstraße 3). Als Synagogendiener wird 1898 B. Alexander genannt.
Von 1846 bis 1849 betrieb der u.a. über seine spätere Wirksamkeit an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt bedeutende Lehrer Israel Meyer Japhet (1808-1892) ein Erziehungsinstitut in Wolfhagen (weitere Informationen s.u.).  
   
Die Gemeinde gehörte mit den anderen Gemeinden des damaligen Kreises Wolfhagen zum Provinzialrabbinat Kassel.   
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1873 Salomon Rosenmeyer und J. Lieberg, um 1887 die Herren M. Wertheim und A. Samuel, um 1895/1898 M. Wertheim und J. Speyer (in Ofenberg), 1899 W. Möllerich und J. Speyer (Ofenberg).
 
An jüdischen Vereinen bestanden: ein Verein Hachnassath hallah (Brautausstattungsverein, gegründet um 1850 durch Lehrer Japhet, siehe unten; um 1888/1899 unter Vorsitz von M. Wertheim), ein Israelitischer Frauenverein (um 1888/1895 unter Vorsitz der Frau/1899 der Witwe von M. Rosenmeyer), ein Israelitischer Armenverein zur Abwehr der Hausbettelei (1888 unter Leitung von L. Reichart Sohn, um 1895 M. Reichart II), der Verein Chewrat schlischi (1888 unter Leitung von W. Bloch, 1895/1899 unter Leitung von M. Wertheim) und der Verein Chewrat bachurim (gegründet um 1850 durch Lehrer Japhet, siehe unten; um 1888/1895 unter Leitung von M. Wertheim, 1899 A. Kron). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Gutheim (geb. 11.7.1894 in Wolfhagen, gef. 16.6.1915), Julius Katzenberg (geb. 2.3.1886 in Wolfhagen, gef. 16.2.1915) und Simon Moses (geb. 26.3.1898 in Breslau, gef. 25.7.1918).   
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch 71 Personen gehörten (2,6 % von insgesamt 2.768 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Salomon Kron und Moritz Möllerich. Als Lehrer war der bereits genannte Hermann Katzenstein tätig. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule noch 12 Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden die Chevre Hachnosath-Kallah (Brautausstattungs-Verein; gegründet 1855, 1924/32 unter Leitung von Salomon Kron mit 1932 14 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Brautausstattung), die Chewrat HaSchlischi (gegründet 1833, 1924/32 unter Leitung von Josef Möllerich; Zweck und Arbeitgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), die Chewras Noschim (Israelitischer Frauenverein, 1924 unter Leitung von Frau Rosa Katzenberg, 1932 unter Leitung von Frau Winterberg; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege und Bestattungswesen) und die Chevre Bachurim (gegründet 1811; 1924/32 unter Leitung von Salomon Kron mit 1932 7 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen). Im Schuljahr 1931/32 hatte die Israelitische Volksschule noch 10 Kinder. Lehrer war weiterhin Hermann Katzenstein. 1932 war Gemeindevorsteher wie schon einige Jahre zuvor Salomon Kron.         
  
Bereits im Herbst/Winter 1923/24 kam es auf Grund von Verleumdungen gegen jüdische Einwohner zu Ausschreitungen gegen jüdische Familien und dem Boykott ihrer Gewerbebetriebe (siehe Bericht unten).  
 
1933 lebten noch 74 jüdische Personen in Wolfhagen (2,5 % von insgesamt 3.020 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien in andere Städte weggezogen (bis 1939 55 Personen, insbesondere nach Kassel) beziehungsweise ausgewandert (1934 sechs Personen nach Paraguay, je zwei Personen nach Palästina/Israel und nach Holland). Drei Personen sind in Wolfhagen verstorben. Zu bestialischen Szenen kam es beim Novemberpogrom 1938. SS-Leute in Zivil waren von der Zentrale des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra in Arolsen mit Autos nach Wolfhagen gekommen. Sie (und auch zahlreiche Personen aus Wolfhagen) drangen zunächst in die jüdische Schule und in das Haus der Familie Kron ein und versuchten, beide Gebäude mit Brandbomben in Flammen zu setzen. Aus der jüdischen Schule wurde ein Klavier aus dem zweiten Stock auf die Straße geworfen. Im Verlauf der Ausschreitungen wurden weitere Häuser jüdischer Familien zerstört (u.a. das Schuhwarenhaus A. Kann in der Mittelstraße) und schließlich die Synagoge und das Haus der Familie Winterberg in der Mittelstraße in Brand gesetzt. Fast alle der jüdischen Männer wurden verhaftet und über Kassel in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis Juli 1939 hatten die meisten der jüdischen Einwohner Wolfhagen verlassen. 
                     
Von den in Wolfhagen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mathilde Baum geb. Winterberg (1870), Bertha Behrens geb. Wertheim (1868), Elisabeth Bergmann (1906), Leopold Bergmann (1902), Moses Block (1862), Martha Born geb. Wertheim (1881), Ida Cohn geb. Winterberg (1875), Julius Flörsheim (1883), Caroline Frank geb. Reichard (1894), Ida Gottschalk (1875), Rosa Grüneberg (1876), Alfred Gutheim (1902), Frieda Gutheim (1886), Berta Heilbrun geb. Speyer-Ofenberg (1879), Hermann Hiersteiner (1892), Rosa Hiersteiner geb. Höxter (1885), Ursel Hiersteiner (1929), Ida Hirsch geb. Alexander (1873), Louise Joseph geb. Reichhardt (1883), Bertha Kann geb. Kander (1895), Siegmund Kann (1889), Lina Katz geb. Reichhardt (1882, vgl. Kennkarte unten), Franziska Katzenberg (1858), Helene Kleeblatt (1866), Moritz Kleeblatt (1892), Salomon Kron (1869), Albert Kron (1866), Gustav Kron (1878), Berta Lehmann geb. Wertheim (1864), Sophie Marum geb. Rosenmeyer (1870), Paula Mayer geb. Katzenberg (1882), Max Meyerhoff (1873), Joseph Möllerich (1885), Moses Möllerich (1876), Meta Nachmann geb. Rosenmeyer (1875), Selma Pels geb. Speyer (1880), Leopold Reichhardt (1884), Klara Reichhardt (1875), Otto Reichhardt (1878), Julius Rosenmeyer (1871), Alfred Rosenstein (1935), Erich Rosenstein (1932), Herbert Rosenstein (1937), Horst Rosenstein (1931), Walter J. Rosenstein (1911), Mathilde Seckendorf geb. Wertheim (1874), Albert Speyer (1881), Emil Speyer (1884), Julius Speyer-Kleeberg (1859), Heinrich (Heinz) Speyer-Ofenberg (1913), Alma Wertheim geb. Katzenberg (1889), Anna Wertheimer geb. Reichhardt (1876), Cissy Wulff geb. Wertheim (1867).
    
Am "Platz der Freiheit" wurde vor einigen Jahren ein Gedenkstein für alle vor dem 2. Weltkrieg in Wolfhagen ansässigen jüdischen Familien errichtet (siehe Foto unten). 
   
Aus der jüdischen Gemeinde lebte in Berlin bis zu seinem Tod 2016 Lutz Kann (Jahrgang 1922, Sohn von Siegmund Kann und Bertha geb. Kander), der Anfang 2013 (wie auch der gleichfalls der jüdischen Gemeinde Wolfgangen entstammende Ralph Möllerich [Ralph Mollerick, USA], siehe Bericht in lokalo24.de) zum Ehrenbürger der Stadt Wolfhagen ernannt worden ist. Er war mehrfach in Wolfhagen, u.a. zu den Gedenkveranstaltungen zum 9. November 1938. Am Haus der Familie Kann in der Mittelstraße 6 wurde im November 2012 eine Gedenktafel angebracht. 
Links die Traueranzeige der Stadt Wolfhagen zum Tod von Lutz Kann am 19. November 2016 in Berlin.   
 
In der Mittelstraße 30 erinnert eine Tafel an die jüdische Familie Winterberg, deren ehemaliges Wohnhaus am 9. November 1938 von Nationalsozialisten durch Brandstiftung zerstört wurde. 
   
Im Mai 2021 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass in einem Neubaugebiet in Wolfhagen zwei Straßen nach den früheren jüdischen Einwohnern
Lutz Kann und Ralp Möllerich (Mollerick) benannt werden.
Ralph M. ist 2021 91 Jahre alt und lebt in Florida. Lutz Kann ist vor einigen Jahren verstorben.       
    
Von den in Niederelsungen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Eichholz (1892), Isidor Eichholz (1890), Rosel Eichholz (1925), Ida Katz geb. Möllerich (1888), Mathilde Katzenberg geb. Möllerich (1892), Minna Löwenstein geb. Eichholz (1862), Minna Markus geb. Möllerich (1890), Max Möllerich (1896), Moritz Möllerich (1886), Willi Möllerich (1893), Simon Möllerich (1853).           
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Allgemeine Beiträge  
  
Erinnerungen an die mittelalterliche Geschichte in Wolfhagen und die Judenverfolgung 1235 (aus einem Artikel von 1888)    

Aus einem Artikel von Moritz Stern über: "Die Blutbeschuldigung zu Fulda und ihre Folgen" in "Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" 1888 S. 195: "...der Vorfall erregte damals in Deutschland großes Aufsehen in Lauda und Bischofsheim waren im Januar desselben Jahres mehrere Juden unter der Anklage, einen Christen ermordet zu haben, hingerichtet worden. Im Oktober oder November hatte eine Verfolgung der Juden in Wolfhagen bei Kassel stattgefunden. Erst im Anfang Dezember war dasselbe Schicksal, wie einige Wochen später in Fulda, 18 Juden in Wolfisheim bei Straßburg zuteil geworden. Gegen die ganze Judenschaft Deutschlands wurde nunmehr der Verdacht des rituellen Christenmordes laut. 
Anmerkung: Über Lauda und Bischofsheim siehe Grätz Geschichte der Juden VII² S. 99 Note 4 und Carmoly, 'Israelitischer Volkslehrer', hrsg. von L. Stein Jg. VII (Frankfurt 1857) S. 18. Für Wolfhagen gibt das Nürnberger Memorbuch (Revue des études juives IV, 9/10) den Monat Marcheschwan an. Dieser währte damals vom 15. Oktober bis zum 12. November."      
 
Aus einem Artikel in "Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" 1889  S. 98: "Zehn in den Schriften von Zunz und Steinschneider bereits notierte hebräische Klagelieder liegen durch A. Berliner in dem Sammelbande Kobez al Jad (Berlin) 1887, 29 S., nunmehr im vollständigen Abdrucke vor. Nach Deutschland gehören: 1) Menachem ben Jakob von Worms über Vorfall in Boppard, Ellul 1179, unter namentlicher Hervorhebung des erschlagenen R. Juda; 8) Mordechai b. Elieser über Verbrennung des Uri Ben Joel halevi 1216; 9) Salomo b. Abraham über Verfolgung zu Erfurt 1221; 4) Klagelied über Verfolgung zu Wolfhagen (16 Personen) und Fulda (1235);..." 

    
In dem Buch von Gustav Siegel über die Geschichte der Stadt Wolfhagen wird auch über die jüdische Geschichte berichtet (1930)         

Wolfhagen Lit 120.jpg (34244 Byte)Anmerkung: es geht um das 1929 erschienene Buch von Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. Wolfhagen. Selbstverlag Magistrat. 1929 218 S. 
Antiquarisch zu beziehen über www.zvab.com.
In den unten stehenden Berichten zur 700-Jahrfeier Wolfhagens wird aus diesem Buch zitiert (vgl. dort weitere Anmerkung)     
   
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 7. Februar 1930: "Wolfhagen. In der letzten Sonntagsnummer des 'Kasseler Tageblattes' macht Herr Paul Heidelbach auf eine neue Geschichte der Stadt Wolfhagen von dem verdienstvollen hessischen Geschichtsschreiber und Obertelegraphen-Inspektor Gustav Siegel aufmerksam, die auch wir empfehlen möchten. Dem Heidelbachschen Artikel entnehmen wir, dass der Bau der Stadt Wolfhagen um das Jahr 1226 begonnen wurde. Es war die Zeit vieler Judenverfolgungen, schon einige Jahre nach ihrer Gründung war Wolfhagen der Schauplatz einer schrecklichen Metzelei gegen eine Schar von aus Frankreich vertriebener Glaubensgenossen."          

    
700-Jahrfeier der Stadt Wolfhagen - zur jüdischen Geschichte der Stadt (1931)     
Anmerkung: Der Inhalt der nächsten beiden Artikel geht zurück auf teils wörtlich zitierte Angaben in der o.g. "Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. Im Auftrage des Magistrats neu bearbeitet von Gustav Siegel. Selbstverlag des Magistrats der Stadt Wolfhagen, 1929". Deutlich wird eine - vom Verfasser seinerzeit vermutlich unbeabsichtigte - unfreundliche Darstellung in den Jahren vor der NS-Zeit, indem antijüdische Zitate aus Quellen früherer Jahrhunderte unkommentiert übernommen werden. Zu Gustav Siegel: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Siegel_(Heimatforscher).
    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. März 1931: "Zur 700-Jahrfeier der Stadt Wolfhagen. Eine interessante Stadtgeschichte. Die Stadt Wolfhagen begeht am kommenden Sonnabend das Fest ihres siebenhundertjährigen Bestehens. Die Geschichte der jüdischen Einwohner dürfte weitere Kreise interessieren und verdient, wiedergegeben zu werden. 'Zu der alten Wolfhager Bürgerschaft traten', so heißt es in dem von der Stadt herausgegebenen Buch, 'um Beginn des 16. Jahrhunderts noch Angehörige eines anderen Volkes, vereinzelte Juden. Sie wussten sich aber keine Freunde zu erwerben, machten sich vielmehr durch ihren überlegenen Geschäftsgeist und ihren ausgeprägten Erwerbssinn von Anfang an verhasst. In einer Beschwerde von Bürgermeister und Rat an den Landgrafen Moritz vom 2. März 1592 heißt es, dass nach der Reformation noch drei Juden in Wolfhagen eine Zeitlang geduldet, 'doch wegen ihres bösen Lebens und Wandels in Wucher, Verhinderung ehrlicher Zünfte und Gewerbe, Auf- und Abnehmung, auch in Lästerung unsers Erlösers und Seligmachers fortfuhren, deshalb bei Landgraf Philipp und Wilhelm verklaget und auf fürstlichen Befehl aus Stadt und Amt vertrieben' worden seien (Marburg, Judensachen 355).' 
'Als Landgraf Moritz 1592 wieder drei Juden in Hessen zuließ und einem davon die Niederlassung in Wolfhagen erlaubte, erhoben Bürgermeister und Rat sofort Beschwerde. Wie sie angaben, sei 'alles zum höchsten befremdet, solches Ungesinde wieder aufzunehmen', sie baten daher um Wiederausweisung des zugedachten Juden. In der Begründung führten sie noch an: 'dass sie dann viel weniger mit einem Juden, unser aller Erbfeind, welcher den, zu dem wir alle unser Zuflucht nehmen (sc. gemeint Jesus), zum äußersten verfolget und damit bei den Unverständigen allerhand böse Gedanken und Ärgerniss verursacht, Welcher sich des Wuchern so       
Wolfhagen JuedWZKassel 17031931a.jpg (220577 Byte)wenig schämt und scheuet, dass er sich daran allein nähret und dazu befehligt (zu) sein auswürklich darf hören lassen, damit auch oft groß Gut und Geld zusammenbringt'. (Marb., Judens. 355). Hiernach musste der für Wolfhagen zugelassene Jude dort bereits angelangt sein und seinen Handel aufgenommen haben. Dabei scheint es trotz des Einspruchs der Stadt auch geblieben zu sein, denn 1621 waren bereits zwei Judenfamilien ansässig (Lyncker, 10). Ihre Zahl nahm dann infolge der schlechten Zeitläufe fortgesetzt zu. 1720 zählten sie bereits 40 Köpfe, auch ein eigener 'Schulmeister' - er hieß Jankoff und war aus Polen - war schon vorhanden. 1788 betrug die Kopfzahl sogar 59 (Marb. Judens. 37). 1789 beantragte darum der Magistrat die Verminderung der 20 Familien starken Judenschaft in Wolfhagen auf 8-10. Ein Erfolg war ihm aber trotz der Fürsprache der Ober-Rentkammer in Kassel nicht beschieden. Es wurde ihm lediglich bedeutet, bei der Genehmigung von Aufnahmegesuchen künftig vorsichtiger zu sein und auf diese Weise die Zahl der jüdischen Familien zu vermindern (Marb., Judens. 57).    
Die rechtliche Stellung der Juden war etwas eigenartig. Sie müssten dem Landesherrn jährlich eine bestimmte Abgabe (Schutzgeld) zahlen und betrachten sich so als unter dessen Schutz stehend, daher auch der Name 'Schutzjuden'. Andererseits beanspruchten Bürgermeister und Rat in den städtischen Sachen die Gerechtigkeit über sie, suchten sie dabei aber von der Vergünstigung möglichst fernzuhalten. Das führte natürlich zu vielen Streitigkeiten.   
Am 15. Mai 1674 beschlossen sowohl der alte wie der neue Rat unter Zuziehung des Gemeindeworthalters, dass ein Bürger sein Haus, das er aus Wolfhager Gehölz erbaut habe, an einen Juden nicht verkaufen dürfe. Bei Zuwiderhandlung solle er das ihm aus dem Stadtwalde unentgeltlich überwiesene Bauholz bei Heller und Pfennig bezahlen (Lyncker, 19). Dessen ungeachtet hatten sie Juden 1687 eigene Wohnhäuser inne. Darauf fußend, suchten sie 1688 die Regierung zu bestimmen, ihnen gleiche Rechte wie den Bürgern einzuräumen. In einer langen Eingaben führen sie aus, sie würden hinsichtlich der Angaben und Lasten (oneribus) den Bürgern zwar gleichgestellt, bei allen Vergünstigungen (commoda) und Nutzungen (Bauholz, Brennholz usw.) dagegen übergangen. Demgegenüber erklärten Bürgermeister und Rat, die Nutzungen würden nicht auf die Häuser, sondern lediglich nach den Bürgerrecht verteilt, ganz gleichgültig, ob es sich dabei um Hausbesitzer handelt oder nicht. Die Juden seien aber nicht im Besitze des Bürgerrechts. Ihre Abgaben seien zudem viel zu gering festgesetzt. Die beiden ältesten Schutzjuden zahlten nicht einmal die ihrer Handlung und ihrem Kaufgewerbe entsprechenden Sätze, obwohl sie es so trieben, dass 'fast nicht eine Handlunge zu erdenken, welche sie nicht exerzieren und so stark treiben, dass ein Christ allhier in keiner Handlung vor ihnen fortkommen kann (Marb. Judens. 357). Die Entscheidung zog sich sehr lange hin, wie sie endlich ausfiel, ist unbekannt. 
Der Begräbnisplatz der Wolfhager Juden befand sich an der Liemecke, er ist noch erhalten. Die Erbauung des heutigen Schützenhauses in seiner unmittelbaren Nähe führte 1793 zu heftigen Beschwerden gegen die Stadt, die aber schließlich abgewiesen wurden. Der Totenweg zur Liemecke ging 1793 durch das Schützenberger Tor. Die Benutzung des Neuen Tores war ihnen verboten und wurde damals bei einem trotzdem unternommenen Versuche gewaltsam verhindert (Marb., Judens. 358).'  
'Unter der Fremdherrschaft erlangten die Juden zwar die bürgerliche Gleichberechtigung, büßten sie dann aber nachher zum Teil wieder ein. Dagegen blieben ihnen die neuen Zunamen, die sie auf Anordnung der westfälischen Regierung 1909 hatten annehmen müsste. Erst die kurherrische Verfassung 1931 brachte ihnen endliche Freiheit und restlose Gleichberechtigung mit den ´übrigens Bürgern.  Herbert Philippstal."   

    
Aus der jüdischen Geschichte in Wolfhagen nach der Stadtchronik von 1929 (Artikel von 1931)     

Artikel in "Jüdisch-liberale Zeitung" vom 11. März 1931: "Wolfhagen.
'Zu der alten Wolfhager Bürgerschaft traten um den Beginn des 16. Jahrhunderts noch Angehörige eines anderen Volkes, vereinzelte Juden. Sie wussten sich aber keine Freunde zu erwerben, machten sich vielmehr durch ihren überlegenen Geschäftsgeist und ihren ausgeprägten Erwerbssinn von Anfang an verhasst. In einer Beschwerde von Bürgermeister und Rat an den Landgrafen Moritz vom 2. März 1592 heißt es, dass nach der Reformation noch 3 Juden in Wolfhagen eine Zeit lang geduldet, 'doch wegen ihres bösen Lebens und Wandels in Wucher, Verhinderung ehrlicher Zünfte und Gewerbe, Auf- und Abnehmung, auch in Lästerung unseres Erlösers und Seligmachers (sc. = Jesus) fortfuhren, deshalb bei Landgraf Philipp und Wilhelm verklaget und auf fürstlichen Befehl aus Stadt und Amt vertrieben' worden seien. Als Landgraf Moritz 1592 wieder drei Juden in Hessen zuließ, und einem davon die Niederlassung in Wolfhagen erlaubte, erhoben Bürgermeister und Rat sofort Beschwerde. Wie sie angaben, sei 'alles zum höchsten befremdet, solches Ungesinde wieder aufzunehmen', sie baten daher um Wiederausweisung der zugedachten Juden. Dabei scheint es trotz des Einspruches der Stadt auch geblieben zu sein, denn 1621 waren bereits zwei Judenfamilien ansässig. Ihre Zahl nahm dann in Folge der schlechten Zeitläufte zu. 1720 zählen sie bereits 40 Köpfe, auch ein eigener 'Schulmeister' - er hieß Jankoff und war aus Polen - war schon vorhanden. 1788 betrug die Kopfzahl sogar 59. 1789 beantragte darum der Magistrat die Verminderung der 20 Familien starken Juden schafft in Wolfhagen auf 8 bis 10. Ein Erfolg war ihm aber trotz der Fürsprache der Oberrent-Kammer in Kassel nicht beschieden. Es wurde ihm lediglich bedeutet, bei der Genehmigung von Aufnahmegesuchen künftig vorsichtiger zu sein und auf diese Weise die Zahl der jüdischen Familien zu vermindern.'
'Am 15. Mai 1674 beschlossen der alte wie der neue Rat unter Zusicherung des Gemeindeworthalters, dass ein Bürger sein Haus, das er auf Wolfhager Gehölz erbaut habe, an einen Juden nicht verkaufen dürfe. Bei Zuwiderhandlung solle er das ihm aus dem Stadtwald unentgeltlich überwiesene Bauholz bei Heller und Pfennig bezahlen. Dessen ungeachtet hatten die Juden 1687 eigene Wohnhäuser inne. Darauf fußend, suchten sie 1688 die Regierung zu bestimmen, ihnen gleiche Rechte wie den Bürgern einzuräumen. In einer langen Eingabe führten sie aus, sie würden hinsichtlich der Abgaben und Lasten den Bürgern zwar gleichgestellt, bei allen Vergünstigungen (commoda) und Nutzungen (Bauholz, Brennholz usw,) dagegen übergangen. Demgegenüber erklärten Bürgermeister und Rat, die Nutznießungen würden nicht auf die Häuser, sondern lediglich nach dem Bürgerrecht verteilt, ganz gleichgültig, ob es sich dabei um Hausbesitzer handle oder nicht. Die Juden seien aber nicht im Besitz des Bürgerrechts. Ihre Abgaben seien zudem viel zu gering festgesetzt. Die beiden ältesten Schutzjuden zahlten nicht einmal die ihrer Handlung und ihrem Kaufgewerbe entsprechenden Sätze, obwohl sie es so trieben, das 'fast nicht eine Handlung zu erdenken, welches sie nicht exerzieren und so stark treiben, dass ein Christ allhier in keiner Handlung vor ihnen fortkommen kann'.
Unter der Fremdherrschaft erlangten die Juden zwar die bürgerliche Gleichberechtigung, büßten sie nachher aber zum Teil wieder ein. Dagegen blieben ihnen die neuen Zunamen, die sie auf Anordnung der westfälischen Regierung 1808 hatten nehmen müssen. Erst die kurhessische Verfassung vom Jahre 1831 brachte Ihnen endlich volle Freiheit und restlose Gleichstellung mit den übrigen Bürgern. Heute zählt die Gemeinde 65 Seelen'.
Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. Im Auftrage des Magistrats neu bearbeitet von Gustav Siegel. Selbstverlag des Magistrats der Stadt Wolfhagen, 1929."        

      
Bericht über eine Reise durch Nordhessen, u.a. durch Wolfhagen (1858)  
Anmerkung: Der Reisebericht wurde erstellt von Isaak Rosenmeyer, Oberlehrer in Homonna  https://de.wikipedia.org/wiki/Humenné.        

Artikel in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 10. Mai 1858: "Meine Reise über Galizien nach Deutschland.
Von Isaak Rosemeyer, Oberlehrer in Homonna. (IV. Schluss.)
Wir setzen unsere Streif- und Querzüge fort und erwähnen hier noch einige insbesondere niederhessische Gemeinden. Unter den Landstädten zeichnet sich Eschwege aus und leistet in der Tat der Kreisrabbiner Goldmann Vorzügliches. Im Kreise Fritzlar fungiert der Kreisrabbiner Wetzlar, welcher seinen Rabbiner Sitz in Gudensberg hat. Auffallend ist die heterogene Gesinnung der Gemeindeglieder dieses Rabbinerbezirkes. Während Fritzlar als neu verschrien ist, gilt wiederum Felsberg und insbesondere Gudensberg als orthodox und müssen sich in Niedenstein, einer kleinen, meistens von Juden bewohnten Stadt, die Männer, um sich zu rasieren, auf den Boden (= Dachboden) flüchten, so stark ist das hyperorthodoxe Gefühl der Frauen und die Herrschaft des schönen Geschlechts.
Auf unseren Wanderungen in Hessen fanden wir fast überall ein reges jüdisches Leben, vortrefflich eingerichtete israelitische Volksschulen, gut geschulte Chöre mit tüchtigen Kantoren, strebsame Lehrer und für ihren Beruf begeisterte Rabbinen. Nur hier und da, insbesondere dort, wo ungebildete Gemeindevorsteher das Ruder ergriffen haben, hat das israelitische Schulwesen Rückschritte gemacht.
Es ist Erev-Schabbat-(?)Abend und wir wiederum im Kreise der lieben Eltern. Uns zu Ehren hatten sich die Anverwandten aus Nah und Fern hier eingefunden und bald auch die Chebre-Leute (sc. Mitglieder der Chewra Kadischa, Wohltätigkeitsverein / Beerdigungsbruderschaft) der Gemeinde, und so wurde herkömmlicher Sitte gemäß dieser Abend durch Gebet zugebracht. Die Gebete wurden von den Mitgliedern der Brüderschaft in größter Ordnung vorgetragen und wird beim Anbruch des Tages vom Lehrer der Gemeinde eine entsprechende Abhandlung gesprochen.
Das Chebrewesen erfreut sich in Wolfhagen der Teilnahme sämtlicher Gemeindeglieder und verdienen die dahier von Herrn Japhet (sc. Israel Meyer Japhet, siehe unten), dermalen Lehrer in Frankfurt am Main, gestifteten Vereine, wovon der eine sich zur Aufgabe stellt, arme Jünglinge im Studium zu unterstützen (gemeint der o.g. Verein Chewrat Bachurim), der andere wiederum arme Jungfrauen ausheiratet (gemeint der o.g. Verein Hachnassath Hallah), umso mehr öffentliche Anerkennung, da durch sie schon so manches Gute gestiftet worden ist.
Meine freien Tage sind vorüber, die angenehmen Stunden in dem elterlichen Hause zu Ende, ich verlasse die Meinigen verstimmt und versetze mich, in dem ich die Strecke von Kassel bis Myslovics mit Stillschweigen übergehe auf das Schiff nach Szolnok..."      

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
    
Lehrer Israel Meyer Japhet verlegt seine Lehr- und Erziehungsanstalt von Wolfhagen nach Kassel (war von 1846 bis 1849 mit seinem Lehr- und Erziehungsinstitut in Wolfhagen; 1849)    
Anmerkung: über Israel Meyer Japhet vgl. unter anderem: https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_Meyer_Japhet https://www.laurentius-musikverlag.de/synagogale-musik/israel-meyer-japhet/;  verschiedene seiner Werke wurden auch später neu aufgelegt, u.a.:
Israel Meyer Japhet: Die Accente der heiligen Schrift. Hansebooks 2017. ISBN 9783744617468  (Nachdruck der Originalausgabe von 1896). 204s.  
Israel Mayer Japhet: Hirsch-Haggada. die Haggada für Pessach. Mit Übersetzung und Kommentar von J.M. Japhet, nach dem Forschungssystem von Samson Raphael Hirsch, erläutert von Dr. A. Michalski. Basel, Zürich: Morascha-Verlag 1996.
Genealogische Informationen: https://www.geni.com/people/Israel-Japhet-twin/6000000008796764680    

Anzeige in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 17. September 1849: "Lehr- und Erziehungsanstalt zu Kassel für israelitische Töchter.
Seit der Verlegung meiner Lehr- und Erziehungsanstalt von Wolfhagen nach hiesigen Orte habe ich mit derselben zugleich eine jüdische Töchterschule hierselbst gegründet. Indem ich dies hierdurch zur öffentlichen Kenntnis bringe, erlaube ich mir gleichzeitig beizufügen, wie die Tätigkeit der Anstalt auf die Erziehung und Beaufsichtigung ihrer Zöglinge und die sittlich-religiöse Aufführung derselben sowohl in als außer dem Hause sich erstreckt. - Vollständigen Unterricht in sämtlichen Realien, in der französischen Sprache, Zeichnen, Musik und weiblichen Handarbeiten erhalten die Pensionärinnen durch namhafte, an dem Institute wirkende Lehrer und Lehrerinnen, und zwar vom 6. bis zum 14. Jahre in einer, dem Alter des Zöglings entsprechenden Klasse der Töchterschule und vom 14. Jahre ab in der, an dieselbe sich anschließenden Fortbildungsklasse. Englisch und Italienisch werden nur auf besonderes Verlangen gelehrt. Eltern, welche dem Institute ihre Kinder zuzuführen beabsichtigen, werden ersucht, sich über das Nähere in portofreien Briefen gefälligst an mich zu wenden.
Kassel, 1. September 1849. J. M. Japhet, Vorsteher einer Lehr- und Erziehungsanstalt hierselbst."   

     
Zum Tod des Lehrers Israel Meyer Japhet (1892 in Frankfurt)    
Anmerkung: der im Text genannte Dr. Heinemann - Schwiegersohn von Israel Meyer Japhet - war Dr. Heinrich Heinemann (1844 Wildeshausen - 1898 Frankfurt), vgl. https://www.geni.com/people/Heinrich-Heinemann/6000000008799171562. Er hatte Dorothea geb. Japhet geheiratet (geb. 1849 in Wolfhagen), die bereits 1880 in Frankfurt gestorben ist.   

Artikel in "Der Israelit" vom 17. November 1892: "Frankfurt am Main, 13. November. Ein schwerer Gang war es, zu dem wir uns heute Morgen rüsteten; es galt Abschied zu nehmen von einem treuen Freunde und Genossen, von einem der edelsten, selbstlosesten und charakterlautesten Männer auf Weit und Breit, er galt dem im Lehren ergrauten und weit über das Weichbild unserer Vaterstadt hinaus bekannten und verehrten Israel M. Japhet - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -;  das Ehrengeleit auf seinem letzten Wege zu geben. Nicht nur für seinen engeren Freundeskreis, auch für entferntere Kreise war es eine erschütternde Trauerkunde, als am vergangenen Freitag sich die Nachricht verbreitete, Japhet sei gestorben; ließ auch die schwere Krankheit, die acht Tage vorher den 75-jährigen Greis plötzlich anfiel, einen schlimmen Ausgang befürchten, war man also auf einen solchen auch nicht unvorbereitet, doch fühlte jeder einen tiefgehenden Schmerz, der die Trauerkunde vernahm; war der Verstorbene doch wie bereits in voriger Nummer erwähnt, fast 40 Jahre hier als Lehrer tätig und konnte einen großen Teil der Männer und Frauen der Religionsgesellschaft seine Schüler und Schülerinnen nennen, und wer einmal den Unterricht dieses vorzüglichen Pädagogen genossen, der hatte ihn in sein Herz geschlossen, der musste mit kindlicher Anhänglichkeit ihm zugetan sein. So war er seinen Schülern ein liebevoller Erzieher, der nie die Geduld verlor, stets die Ruhe bewahrt und dessen vorzügliche pädagogische Begabung ihn befähigte, sich so in die Anschauung des Kindes zu versetzen, dass sein Unterricht auch bei Schwachbegabten schöne Erfolge erzielte. Seinen Kollegen war er ein warmherziger und lieber Freund, der gern mit seiner pädagogischen Erfahrung den jüngeren, und das waren ja fast alle, beistand, und dessen tiefes und umfassendes Wissen alle zu bewundern Gelegenheit hatten; mehr aber mussten sie bei diesem Wissen die Bescheidenheit dieses Mannes bewundern. Was Wunder, dass die Kunde von seinem Tode überall mit dem Ausdruck tiefsten Schmerzes aufgenommen wurde. Heute Morgen haben wir nun den Edlen bestattet; ein unabsehbares Gefolge geleitete die irdischen Überreste des greisen Lehrers, voran gleich hinter den nächsten Leidtragenden, Mitglieder der Familie, die obersten Klassen der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule) nebst dem ganzen Lehrerkollegium. Auf dem Friedhofe gab zuerst der Direktor der Schule, Herr Dr. M. Hirsch - sein Licht leuchte - (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mendel_Hirsch) in warm empfundenen Worten ein Lebensbild des Verstorbenen, der mit Begründung der Schule in dieselbe als Lehrer eingetreten und durch seinen Pflichteifer, seine Gewissenhaftigkeit, sein Lehrgeschick das Verdienst sich erworben zu der Entfaltung und glücklichen Entwicklung der Schule einen Hauptanteil beigetragen zu haben. Dann schilderte er auch die Verdienste des Verfassers um die Hebung des Synagogengesanges durch seine Kompositionen, die bereits in vielen Gemeinden des In- und Auslands Eingang gefunden, und so ein unsichtbares Band von Gemeinde zu Gemeinde bilden. Hierauf ergriff der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Dr. Heinemann das Wort, der tiefbewegt, mit oft von Tränen erstickter Stimme den Heimgegangenen als Familienvater schilderte; wie er die eine Sorge hatte, jede Sorge von den Seinigen zurückzuhalten, wie er bei schweren Schicksalsschlägen seinen Blick zu Gott wendend und in ihm sich aufrecht haltend, seine Fassung bei    
allem inneren Schmerz bewahrte und durch seine Ruhe seiner mit ihm leidenden Familie den Gramm und Schmerz milderte und erleichterte. Dann schilderte er die Harmonie seines ganzen Wesens, die sich in seinem Schriften und in seinen Synagogengesängen deutlich ausprägt, schilderte seine Arbeitslust und Arbeitskraft, die bis in die letzten Tage seines Lebens anhielt. So ward ihm noch die Freude zu Teil, in jüngster Zeit ein Werk zu vollenden, an dem er zehn Jahre lang mit Ausdauer und Liebe arbeitete, und an dem sein Herz hing. Es ist eine umfassende Schrift über die Akzente, die uns ungeahnte Aufschlüsse über viele dunkle Partien der Exegese geben wird. Leider war es ihm nicht gegönnt, das Werk in die Öffentlichkeit eingeführt zu sehen, doch es ist druckfertig, und es wird eine Ehrenpflicht der Familie sein, dieses letzte Werk des Heimgegangenen baldigst dem Druck zu übergeben. Hierauf sprachen dann Herr Schnerb, Dirigent des Synagogenchors, im Namen desselben einige Worte des Dankes an den Heimgegangenen, der 37 Jahre den Chor geleitet hat.
Fügen wir nun noch dem in voriger Nummer bereits kurz skizzierten Lebensgang des Verfassers die folgenden Notizen bei: Derselbe wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort, nachdem er die Schule verlassen, das von M. Büdinger geleitete Lehrerseminar, bestand in seinem 17. Jahre die Lehrerprüfung, und trat dann in die deutsche Schule zu Gudensberg als Lehrer ein und richtete auf Veranlassung Rabbis Mordechai Wetzlar - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - den Synagogenchor ein. Zugleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners und bildete sich unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach einigen Jahren gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wiederum drei Jahre nach Kassel verlegte. Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt berufen, um in die daselbst zu gründende Schule als Lehrer einzutreten. Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode. Mit der Abfassung einer hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische Tätigkeit, seinen schulgrammatisches Werk Metek sefatayim, zwei Teile, fand den Beifall der Fachgenossen und wurde, wie bereits erwähnt, in vielen Plätzen eingeführt, seine Hagada, die ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen ist, ist eingeschätztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der Pessach-Feier in den Familien beigetragen. Das in Aussicht gestellte Werk über die Akzente lässt bei der umfassenden Kenntnis des Verfassers von der hebräischen Sprache Gediegenes und Vollkommenes erwarten. Außerdem war der Verstorbene Verfasser viele wissenschaftliche Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts auszeichnet. Auch diese Blätter enthalten eine Reihe von Aufsätzen aus seiner Feder, sowie eine von ihm verfasste Komposition der Zur mischelau ochalnu."     
  
Artikel in "Der Gemeindebote" vom 18. November 1892: "Frankfurt am Main, 13. November. Am 10. dieses Monats starb dahier Herr Israel M. Japhet, Lehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule), im Alter von 74 Jahren. Seit seinem 17. Lebensjahr den Lehrerberuf ausübend, blieb er demselben bis zu seinem Tode treu. Zuerst wirkte er als Lehrer in Wolfhagen, sodann in Gudensberg in Kurhessen und endlich seit fast 40 Jahren, April 1853, in hiesiger Stadt. Bei Begründung der Schule an dieselbe berufen, widmete er derselben seine Kraft, bis ein Schlaganfall, dem er nach acht Tagen erlegen, ihn seiner Tätigkeit entriss. Sehr bekannt wurde Japhet als pädagogischer Schriftsteller und als Komponist hebräischer Melodien. Seine hebräische Lehrfibel Pi Ollalim - vor nahezu 50 Jahren zum ersten Mal aufgelegt - ist noch heute eine der besten und erlebte zahlreiche Auflagen. Eine vielleicht noch größere Verbreitung hat sein Lehrbuch der hebräischen Grammatik, Metek Sefatayim, gefunden. Seine hebräischen Gesänge, unter dem Namen Schire Jeschurun, erschienen, wurden seinerzeit von Spohr und anderen empfohlen. Außer diesen seinen bekanntesten Werken übersetzte Japhet noch den Sidur, das tägliche Gebetbuch ins Deutsche und edierte eine Ausgabe der Pessach-Haggadah mit guter Übersetzung und Erläuterung. Noch kurz vor seinem Tode vollendete er ein neues Werk über die Vorlesung aus Tora und Propheten. - Wie groß die Verehrung war, welcher sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, davon legte die überaus zahlreiche Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse Zeugnis ab. Am Grabe sprach der Direktor der Schule, Dr. M. Hirsch (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mendel_Hirsch), ferner Herr Dr. Heinemann, ein Schwiegersohn des Verstorbenen, und Herr Schnerb, sein Nachfolger als Synagogenchordirigent.  "    

    
Erinnerung an Israel Meyer Japhet (Artikel von 1929)     

Artikel in "Der Israelit" vom 19. September 1929: "(Zwei Meister der jüdischen Musik). Israel Meyer Japhet (1818-1892).
J. M. Japhet wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort, nachdem er die Schule verlassen, das von M. Büdinger geleitete Lehrerseminar, bestand in seinem 17. Jahre die Lehrerprüfung, trat dann in die deutsche Schule zu Gudensberg als Lehrer ein und richtete auf Veranlassung von Rabbi Mordechai Wetzlar (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mordechai_Wetzlar) den Synagogengesang ein. Gleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners und bildete sich unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach einigen Jahren gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wiederum drei Jahre nach Kassel verlegt.
Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt am Main berufen, um in daselbst zu gründende Schule als Lehrer einzutreten. Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode (10. November 1892). Mit der Abfassung seiner hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische Tätigkeit, sein schulgrammatisches Werk Sefat Emet, zwei Teile, fand den Beifall der Fachgenossen und wurde in vielen Plätzen eingeführt, seine Hagada ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen ist, ist ein geschätztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der Pessachfeier in den Familien beigetragen. Außerdem war Japhet Verfasser vieler wissenschaftlicher Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts auszeichnen. So groß wie sein Wissen und seine pädagogische Tätigkeit, war auch seine Bescheidenheit und die Lauterkeit seines Charakters; er genoss die ungeteilte Liebe seiner Kollegen, Schüler und aller, die ihn kannten.
Japhet veröffentlichte auch Synagogengesänge unter dem Titel 'Schire Jeschurun'. Der Generalmusikdirektor Dr. Louis Spohr (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Spohr) erachtet dieselben als 'korrekt in der Harmonie und einfach in der Modulation'. Ignaz Lachner (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Lachner) zollt Japhet 'aufrichtige Bewunderung' und empfiehlt die Gesänge als 'ganz vorzüglich'. Nach Musikdirektor Georg Goltermann (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Goltermann) zeichnen sich die Japhet'schen Kompositionen durch 'gute Stimmführung' aus. 
Am 13. November 1892 wurde Japhet unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet."  

     
Über den Lehrer Dr. Moses Gabriel Alifeld (um 1853 Prediger und Privatlehrer in Wolfhagen, Bericht von 1865)  
Anmerkung: nach dem "Biographischen Handbuch der Rabbiner" http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=36 und dem Internetportal "Westfälische Geschichte" und handelt es sich um Dr. Moses Gabriel Alifeld, geb. um 1820 in Schlüchtern, war ein Schüler des Seckel Wormser in Michelstadt und wurde von diesem ordiniert. 1844/1848 Studium in Marburg, dann Rückkehr nach Schlüchtern, um 1853 Prediger und Privatlehrer in Wolfhagen, verheiratet um 1855 mit Sarchen geb. Rothschild Link: http://www.westfaelische-geschichte.de/per8013; später Prediger in Beverungen. November 1862 Rabbiner in Pasewalk, wurde 1866 einvernehmlich entlassen; eine Tochter von ihm war Adele Alifeld (geb. 29. Dezember 1865 in Pasewalk, umgekommen im März 1943; Stolperstein in Berlin, Nassauische Straße 30, Link: https://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/2409     

Artikel in "Der Israelit" vom 25. Januar 1865: "Aus Kurhessen, im Januar. In Nummer 49 Ihres geschätzten Blattes wurde das Benehmen des Rabbiners Alifeld in Pasewalk gerügt, welcher sich als aktives Mitglied eines Gesangvereins aufnehmen ließ, in welchem positiv christlich-konfessionelle Lieder, und zwar auch bei religiösen Akten, ausgeführt werden, und der Berichterstatter sprach seine Entrüstung darüber aus, dass ein 'Rabbiner' sich solches von einem christlichen Geistlichen verweisen lassen musste. Auch die 'Allgemeine Zeitung des Judentums' ließ sich diesen Vorfall berichten, und selbst Herr Dr. Philippson tadelt das Ungeziemende in dem Falle, dass ein Rabbiner Mitglied eines Gesangvereines ist. Herr Alifeld selbst verteidigt sich nun in der neuesten Nummer der 'Allgemeinen Zeitung des Judentums', dass er anlässlich seiner Stimme und weil ihm die Mitglieder des Gesangverein so freundlich entgegenkommen, sich bewogen gefunden habe, in diesem Verein sich aufnehmen zu lassen, und zitierte mehrere Stellen aus Talmud und Poskim, nach welchen man Chillul HaSchem zu vermeiden habe. Da Herr Alifeld behauptet, sich bei dem Grabgesang nicht beteiligt zu haben, so liegt allerdings Entschuldigung für ihn vor; und wir sind weit entfernt, die Richtigkeit dieser Behauptung in Zweifel zu ziehen. Aber rechtfertigen lässt sich das Betragen des Herrn Alifeld dennoch nicht, denn nicht als Rabbiner, sondern als Jude, durfte er nicht in einem Vereine mitwirken, in welchem Passions- und andere geistliche Lieder gesungen werden. Hier heißt es... Die Nichtbeteiligung an dem viel besprochenen Grabgesang konnte ihn, wie Herr Alifeld gesehen, nicht vor Missdeutungen und falschem Verdachte schützen, und Herr Alifeld hat das Wort des weisen Königs unbeherzigt gelassen... Dass er 'anlässlich seiner Stimme' in den Verein zu treten für angemessen fand, ist lächerlich, und lässt sich wohl von einem 20-jährigen Jünglinge, nicht aber bei einem 49-jährigen Mann mehr hören. Auch möge niemals ein anderer Chillul HaSchem geschehen, als dass ein mit schöner Stimme begabter Jude nicht Mitglied eines Gesangsvereins wird! Übrigens wollen wir allen, denen der Rabbiner hier anstößig ist, zum Trost und zu Beruhigung sagen, dass Herr Alifeld gar kein Rabbiner ist, und er sich diesen Titel selbst zugelegt hat. Herr Alifeld ist ein geborener Kurhesse - er ist aus Schlüchtern gebürtig - hätte als solcher das Rabbinatsexamen in Kassel bei dem Landrabbinat machen müssen, was aber bis jetzt noch nicht geschehen ist. Infolgedessen fand er auch in Wolfhagen nur als Privatlehrer und Prediger eine Stelle, später in den preußischen Orte Beverungen, von wo aus er in die Stellung eingetreten ist, die er gegenwärtig begleitet. La Rise."      

   
Ein Lehrer wird für mehrere Familien, gegebenenfalls als Gemeindelehrer gesucht (1864)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1864: "Mehrere Familienväter der israelitischen Gemeinde Wolfhagens bei Hessen-Kassel, suchen einen tüchtigen Lehrer, welcher außer den herkömmlichen Elementargegenständen auch in der französischen und möglichst in der englischen Sprache Unterricht erteilen und Zeugnisse einer höheren pädagogischen Bildung vorlegen kann. Gehalt 400 Thaler. Aussicht auf Anstellung als Gemeinde-Lehrer. Franko-Anfrage. A. Lieberg."         

   
Ausschreibung der Stelle des zweiten Lehrer / Elementarlehrer / Vorbeter (1865)    

Wolfhagen AZJ 28021865.jpg (55499 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Februar 1865: "Lehrer-Gesuch
Der unterzeichnete Vorstand sucht einen zweiten Lehrer, der in den gewöhnlichen Elementarfächern Unterricht erteilen kann und hilfsweise den gottesdienstlichen Vorsängerdienst mit übernimmt, auf 3 Jahre einstweilen provisorisch anzustellen. Gehalt 175 Taler. - 
Unverheiratete Reflektanten wollen sich alsbald bei dem unterzeichneten Vorstand melden und Zeugnisse gleichzeitig franko einsehen.
Wolfhagen in Kurhessen. Der Vorstand der israelitischen Privatschule."    

  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorsänger (1873)    
Anmerkung: auf diese Ausschreibung hin bewarb sich Lehrer Abraham Flörsheim.         

Anzeige in "Jüdische Volkszeitung" vom 12. Februar 1873: "Am 1. April dieses Jahres wird die hiesige Lehrer- und Vorsängerstelle vakant. Gehalt: 300 Taler Fixum und freie Wohnung. - Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Einsendung ihre Zeugnisse baldigst bei dem unterzeichneten Vorstand melden.
Wolfhagen bei Kassel, den 19. Januar 1873. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Salomon Rosenmeyer. J. Lieberg."     

    
Anzeige von Lehrer A. Flörsheim (1893)     

Anzeige in "Der Israelit" vom 5. Oktober 1893: "Haushälterin.
Ein gebildetes israelitisches Fräulein, gesetzten Alters, welches schon lange Jahre einen Haushalt selbstständig führte, prima Zeugnisse besitzt, wünscht ähnliche Stellung, am liebsten bei älterem Herrn oder Witwer. Offerten erbeten an
A. Flörsheim, Lehrer in Wolfhagen bei Kassel. "      

   
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Abraham Flörsheim (1913)  

Wolfhagen FrfIsrFambl 11071913.jpg (10166 Byte) Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juli 1913: "Wolfhagen. Lehrer A. Flörsheim beging sein 40-jähriges Ortsjubiläum".  

   
70. Geburtstag von Lehrer Abraham Flörsheim (1915)  

Wolfhagen Israelit 07101915.jpg (123268 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Oktober 1915: "Wolfhagen, 5. Oktober (1915). Herr Lehrer A. Flörsheim dahier, der am Schmini Azeret (= 30. September 1915) in ungewöhnlicher körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag feiern konnte, blickt in diesen Tagen auf eine von Erfolgen reich gesegnete Tätigkeit im öffentlichen Schuldienste, nachdem er vorher 1/2 Jahr als Hauslehrer tätig gewesen war. Da der größte Teil der Gemeindemitglieder - u.a. auch die beiden Gemeindeältesten - gegenwärtig im Felde steht und sich ein Sohn des Jubilars - er wirkte als Mittelschullehrer in Frankfurt am Main - in französischer Gefangenschaft in Algier befindet, wurde vorerst von einer größeren Feier abgesehen; man beschränkte sich auf persönliche Beglückwünschungen. Die 'Israelitische Lehrerkonferenz Hessens' ließ ihrem Senior durch die beiden Vorsitzenden Oppenheimer - Treysa und Rosenstein - Rotenburg zwei stimmungsvolle Gemälde überreichen; Herr Neuhaus - Fritzlar sandte namens der 'Freien Vereinigung' eine gehaltvolle Adresse. Außerdem waren noch eine größere Anzahl von schriftlichen und telegraphischen Beglückwünschungen eingegangen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Schulaufsichtsbehörde wird der verdiente Lehrer erst nach beendigtem Kriege in den Ruhestand treten."     
Anmerkung: der genannte Sohn von Abraham Flörsheim war der 1883 in Wolfhagen geborene Julius Flörsheim. Dieser war bis 1938 im städtischen Schuldienst in Frankfurt, ab 1939 Leiter der Flersheim-Sichel-Stiftung (Frankfurt). Er wurde im Oktober 1941 nach Litzmannstadt (= Lodz) deportiert und ist umgekommen.  

   
Zum Tod von Lehrer i.R. Abraham Flörsheim (1925)      

Kassel Israelit 16071925.jpg (57491 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Kassel, 12. Juli (1925). In fast vollendetem 80. Lebensjahre verschied im Krankenhause zu Frankfurt am Main der bei seinem Sohne, Oberlehrer Flörsheim, in Frankfurt zu Besuch weilende Lehrer i.R. Abraham Flörsheim. Bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Jahren wirkte er in reichem Segen an der israelitischen Volksschule in Wolfhagen seit 1873. Durch sein friedliches Wesen und seine edle Gesinnung genoss er dort die größte Achtung und Sympathie in allen Schichten der Bevölkerung. Nachdem er in den Ruhestand getreten war, lebte er in hiesiger Stadt."    
 
Artikel in "Jüdisch-liberale Zeitung" vom 24. Juli 1925: "Kassel. Im 80. Lebensjahr verstarb der seit seiner Zurruhesetzung hier lebende emeritierte Lehrer A. Flörsheim, einer der heute immer seltener werdenden Lehrerveteranen. 46 Jahre hat der Verstorbene in Wolfhagen, vorher auch in Korbach (Waldeck) mit großem Segen gewirkt und durch sein leutseliges und allzeit zuvorkommendes Wesen überall Freunde gefunden. Seltene körperliche und geistige Frische haben den beliebten alten Herrn bis vor kurzem ausgezeichnet. Während eines Aufenthaltes bei seinen Kindern in Frankfurt ist er im dortigen Krankenhause verstorben und daselbst auf dem israelitischen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet worden. Namens der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens, der der Verewigte als eins seiner ältesten und eifrigsten Mitglieder angehörte, gab Lehrer Ganz, Niederaula, der Trauer um den Verlust des wackeren Berufsgenossen beredten Ausdruck. " 

      
     
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
        
Ergebnis einer Kollekte in der Gemeinde (1893)          

Mitteilung in "Der Israelit" vom 9. November 1893: "Wolfhagen, Bezirk Kassel. Durch Lehrer Flörsheim, Challah-Geld von nachgenannten Frauen: Flora Reichhardt 1.50, Rika Kron 0.80, Hannchen Kann 3, Mich. Wertheim 0.50, M.Winterberg Witwe 0.50, Rosa Katzenberg 0.75, Sophie Reichhard 0.50, Rickchen Möllerich 0.75, Speier Weißenbach 0.75, Franziska Flörsheim 2, Moses Wertheim 0.50, zusammen abzüglich Porto 11.30 Mark, wovon je 1.50 Mark M'S und B'Ch."      

          
Versammlung des "Central-Vereins" (1910)    
Anmerkung: zum Central-Verein vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Central-Verein_deutscher_Staatsbürger_jüdischen_Glaubens  

Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom April 1910 S. 338: "In Wolfhagen, Bezirk Kassel, hat am 6. März für die Gemeinden des betreffenden Kreises einschließlich der benachbarten Gemeinde mein Pressen eine Central-Vereinsversammlung stattgefunden, die sehr gut besucht war, und der Vertreter der Gemeinden Breuna, Zierenberg, Volkmarsen, Naumburg und Meimbressen beiwohnten. Der in dieser Versammlung von Herrn Rechtsanwalt Dr. Katzenstein aus Kassel gehaltene Vortrag: 'Die deutschen Juden und der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' fand lebhaften Beifall. 29 Anwesende erklärten sofort ihren Beitritt zum Central-Verein, und die Vertreter der auswärtigen Gemeinden versprachen, in ihren Gemeinden für den Anschluss an den Verein zu werben und in ihren Wohnorten selbst als Vertrauensmänner wirken zu wollen."   

 
85-jähriges Bestehen der Frauenchewro (Frauenverein) und 25-jähriges Jubiläum von Rosa Katzenberg als erste Vorsteherin (1930)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom  5. Dezember 1930: "Wolfhagen. Am Sonntag, den 30. November, feierte die hiesige Frauenchewro ein Doppeljubiläum. Es waren 85 Jahre seit ihrer Gründung verflossen, und 25 Jahre waren es her, seit Frau Rosa Katzenberg als erste Vorsteherin den Verein führt. Im festlich geschmückten Saale fand ein Essen statt, an dem zirka 80 Personen teilnahmen. Der Sitz der Vorsitzenden war reich mit Blumen geschmückt. Nachdem Frau Katzenberg die Anwesenden, besonders die von auswärts erschienenen Gäste, aufs herzlichste begrüßt hatte, hielt Herr Lehrer Katzenstein die Festrede. Er gab zunächst einen Überblick über den geschichtlichen Werdegang des Vereins, sprach über die Aufgaben und Ziele desselben - über Gmilus Chesed (= Wohltätigkeit) - und wie der Verein in der langen Zeit seines Bestehens diese Aufgaben in der richtigen Weise ausgeführt hat. Sodann gedachte er der toten Vorsteherinnen und Mitglieder und feierte die Verdienste der Jubilarin, den Müttern und Großmüttern nachzustreben, das Erbe zu erhalten und weiter auszubauen, schloss der Vortragende seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Es folgten nunmehr einige wohlgelungene theatralische Aufführungen der Schuljugend sowie des Jugendbundes, die alle herzlichen Beifall fanden. Herr Kaufmann (Zierenberg) wünschte dem Verein noch weiteres Blühen und Gedeihen und dankte im Namen der auswärtigen Gäste für den genussreichen Abend. Herr Kreisvorsteher Möllerich dankte allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen, in wohlgelungenen Versen. Ein gemütliches Tänzchen, wozu die Kapelle Gelonka (Kassel) die Musik stellte, hielt die Teilnehmer noch lange bis nach Mitternacht zusammen."           

  
  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Levi Möllerich in Niederelsungen (1894)     

Niederelsungen Israelit 2901894.jpg (228095 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1894: "Wolfhagen, 2. Januar (1894). Von einem herben Schicksalsschlag wurde die in unserem Nachbarorte Nieder-Elsungen wohnhafte, bei Juden und Christen sehr angesehene und beliebte Familie Levi Möllerich betroffen. Am gestrigen Tage sollte nämlich die Hochzeit des jüngsten Sohnes stattfinden. Aber des Psalmisten Wort: 'Vom Ewigen werden des Mannes Schritte festgestellt...' (Psalm 37,23) hat sich hier bewahrheiten sollen, der Freudentag wurde gar plötzlich in einen Tag des bittersten Leides und der tiefsten Trauer verwandelt, denn der 74-jährige geliebte Vater hauchte nach nur eintägiger Krankheit am Tage vor der Hochzeit seines Sohnes seine reine, gottergebene Seele aus. Einige Stunden vor seinem Tode ließ er sich noch das Sefer Hachajim (sc. Gebet- und Erbauungsbuch) geben und sagte in Demut und Ergebenheit die Pflichtgebete, denn von bangen Ahnungen war sein Herz bewegt. Wessen Auge könnte bei solchen herben Schicksalsschlägen frei von Tränen bleiben. Ist es doch ein frommer, vollkommener und rechter Mann in des Wortes schönster Bedeutung, der uns entrissen worden, ein Mann, der keine Kosten und Mühen gescheut, wenn es galt, etwas für Gott und seine heilige Religion zu tun. Und was er den Armen gewesen, das vermögen nur sie selbst zu schildern. Aber dafür hat sich auch an ihm des Sängers Wort erfüllt 'Siehe, also ist der Mann gesegnet, der den Ewigen fürchtet' (Psalm 128,4), indem ihm nämlich das Glück zuteil worden, mit acht Söhnen und einer Tochter, die er zu echten Jehudim erzog und die stets sein Stolz und seine Freude waren, beschenkt zu werden. Irdische Güter wurden ihm reichlich zuteil, sodass er nie mit Sorgen zu kämpfen hatte, und sein Name ist ein geehrter und geachteter bei allen, die mit ihm in Verbindung standen. Sein Haus war offen für Wohlfahrt in der weitgehendsten Weise, indem er von einer wackeren Frau im wahrsten Sinne des Wortes hierbei unterstützt wurde. -  Am Grabe ergriff in Vertretung der Herrn Rabbinern, Herr Lehrer Wertheim aus Volkmarsen das Wort, um in beredter Weise das gottgefällige Leben und Wirken der Verstorbenen zu schildern. Dass ihm dies in der besten Weise gelungen, bewies die Rührung, die alle Anwesenden bei seinen Ausführungen ergriff. Nach ihm hielt sodann sein zweitjüngster Sohn, der aus dem entfernten Gailingen (Baden), woselbst er an der dortigen Handelsschule als Sprachlehrer wirkt, herbeigeeilt war, um mit seinen sämtlich anwesenden Geschwistern den großen Verlust zu beklagen, eine tief ergreifende Rede. Er sprach mit tränenerstickter Stimme von dem schönen Familienleben seines Vaters, von seinem religiösen Wirken und gedachte der Freude seines seligen Vaters  - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - das einige Band der Liebe und Einigkeit, welches alle seine Kinder stets umschlungen. Er erwähnte, dass das (Psalmwort 133,1) Siehe, wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder zusammenwohnen selten in einer Familie so sehr zur Geltung gelangt sei, wie bei ihnen. Sodann forderte er seine Brüder auf, sich am Grabe des geliebten Vaters im Geiste die Hand zu reichen zum feierlichen Gelöbnis auch ferner, nachdem ihnen die Krone ihrer Familie entrissen, stets einig und friedfertig weiter zu leben. Er schloss seine Rede mit der Ermahnung, das Andenken des teuren Entschlafenen dadurch zu ehren, dass sie in den Wegen desselben weiter wandeln. Kein Auge blieb bei dieser Rede tränenleer. Dasselbe beobachtete man, als am Schabbat die acht Söhne in der Synagoge vortraten, um das Kaddisch vorzutragen. - Wohl ist uns der Besten einer entrissen worden, aber oben, wo die Gerechten um Gottes Thron versammelt sind, wird auch er weilen, auf seine Familie herabblicken, sie beschützen und gro0en Lohn für seine guten Taten erhalten. 'Er macht verschwinden den Tod für immer, und es löscht Gott, der Herr die Träne von jeglichem Angesicht" (Jesaja 25,8)".        

   
Zehn Jahre vor der NS-Zeit: unschuldige jüdische Einwohner in Wolfhagen werden verleumdet und angegriffen (1924)   

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 7. Februar 1924: "Das Ende folgenschwerer Verleumdungen. 
Unschuldige jüdische Angeklagte in Wolfhagen. 
Vor der ordentlichen Strafkammer des Landgerichts Kassel fand am 30. und 31. Januar ein Prozess gegen 21 Einwohner aus Wolfhagen /Bezirk Kassel) statt, die angeklagt waren, am 22. und 23. September 1923 Mitglieder der Jungdeutschen Ordens bei einer Zusammenkunft in Wolfhagen überfallen und verprügelt zu haben. Die Anklage lautete bei achtzehn Beschuldigten auf schweren Landfriedensbruch, bei drei Beschuldigten auf Anstiftung hierzu. Die Verhandlung hat deshalb über Wolfhagen hinaus größtes Interesse für die deutsche Judenheit, weil ihr Verlauf die Verlogenheit der Judenhetze symptomatisch beleuchtete. Unter den Angeklagten befanden sich auch fünf jüdische Einwohner aus Wolfhagen
Zweien, die verurteilt wurden, war vorgeworfen (Moses Block [nicht: Moses Bloch] und seinem, nach dem eidlichen Gutachten des Kreisarztes geistig minderwertigen Sohn Julius), durch ermutigende Zurufe ('Nur fest drauf' usw.) zu der Straftat als Rädelsführer aufgereizt zu haben. Den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, Kreisvorsteher Moritz Möllerich, Abraham Katzenstein und Samuel Klebe, hatte man zur Last gelegt, durch Geschenke (Schnaps) und Zureden zu der Straftat angestiftet zu haben. 
Seit den Vorfällen im September war ein regelrechter Boykott gegen die jüdischen Einwohner in Wolfhagen bemerkbar, der sich in nächtlichen Überfällen, im Beschmieren jüdischer Häuser mit Hakenkreuzen, Einschlagen von Fenstern, Beschädigung von Gartenzäunen und vor allem in einem ausgesprochenen Lieferungsstreik nichtjüdischer Gewerbetreibender und Landwirte zeigte. Sogar der Ausschluss des Kaufmanns Möllerich aus dem örtlichen Bürgerverein, dem er seit seiner Gründung angehörte, war wegen des durch die angebliche Anstiftung zu dem Landfriedensbruch 'bewiesenen' unwürdigen Verhaltens Möllerichs verlangt worden - und dies alles, obwohl die drei Genannten ständig ihre Unschuld beteuerten und sich niemand in den vier Monaten vor der Verhandlung gefunden hatte, der ihre Beteiligung an der Straftat aus eigener Kenntnis bestätigen konnte. In der Hauptverhandlung wurde  festgestellt, dass die Anzeige gegen Möllerich, Katzenstein und Klebe jeder Grundlage entbehrte. Der vernichtenden Kritik, die ihre Verteidiger, Rechtsanwälte Dr. Kugelmann (Kassel) und Dr. Marx (Frankfurt) an der Wahrheitsliebe der Mitglieder des Jungdeutschen Ordens Wolfhagen und Umgebung übten, schloss sich das Gericht bei der Begründung des freisprechenden Urteils an. Selbst der Staatsanwalt hatte die Freisprechung beantragt. Der Vorsitzende erklärte wörtlich:  
'Bei Möllerich, Katzenstein und Klebe ist auch nicht der Schimmer eines Beweises dafür erbracht, dass sie sich irgendwie an den Vorgängen beteiligt haben. Es ist nicht hervorgetreten, dass sie irgendwie versucht haben, die kommunistische Partei oder andere Leute dazu zu missbrauchen, jungen Leuten, die ihnen religiös und politisch feindlich gesinnt sind, eins auszuwischen. Es ist eine unglückselige Eigenschaft der Deutschen, dass sie verallgemeinern. Wenn irgend etwas passiert bei einem, der einer bestimmten politischen Richtung oder Konfession angehört, dann heißt es immer: die Konfession oder die Parteirichtung. So ist des geschehen, dass die Hetze ganz zu Unrecht getrieben wurde. So sind die Vorgänge gegen die Juden in Wolfhagen, die das Gericht aufs lebhafteste bedauert, psychologisch zu erklären. Der Freispruch erfolgt nicht wegen Mangels an Beweisen, sondern, wie das Gericht nochmals besonders betont, weil die Angeklagten tatsächlich unschuldig sind. Durch diese Erklärung werden sich die Verhältnisse in Wolfhagen hoffentlich wieder regeln.'  Möge dieser Freispruch Verleumdern eine Warnung sein. Die zu Unrecht Beschuldigten werden, nachdem das Gericht gesprochen hat, gegen neue Verleumdungen rücksichtslos vorgehen."    
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 28. August 1925: "Wolfhagen. (Ein erfreulicher Freispruch). 23 jüdische Einwohner unseres Ortes waren angeklagt, vor etwa zwei Jahren Mitglieder des Jungdeutschen Ordens überfallen und verprügelt zu haben. Wegen schweren Landfriedensbruchs hatten sich 18 Bewohner und wegen Anstiftung hierzu vier weitere Mitglieder der jüdischen Gemeinde vor Gericht zu verantworten. Drei Beschuldigte wurden von der Strafkammer in Kassel freigesprochen, weil nach den Worten des Vorsitzenden in der Urteilsbegründung auch nicht der Schimmer eines Beweises in der Verhandlung erbracht worden sei. Auch bei der vierten Angeklagten, Frau Paula Giesberg, die seinerzeit wegen Krankheit nicht vor Gericht erscheinen konnte, gegen die daher erst kürzlich verhandelt wurde, stellte sich nicht der geringste Anhaltspunkt einer Schuld heraus. Vielmehr wurde vom Gericht ermittelt und betont, dass Frau Giesberg erst einige Stunden nach dem Vorfall von den Geschehnissen Kunde erhielt. Es erfolgte daher auch in diesem Falle kostenlose Freisprechung. Die Gerichtskosten hat die Staatskasse zu tragen. Rechtsanwalt Dr. Marx, Frankfurt, hatte die Verteidigung aller Angeklagten übernommen. Bei der stark antisemitischen Einstellung der hiesigen Einwohnerschaft ist der mit der Rehabilitierung alle jüdischen Angeklagten beschlossene Prozess mit großer Genugtuung zu begrüßen. "  
 
Artikel in "Der Israelit" vom 27. August 1925: "Kassel, 15. August. Wie erinnerlich, fand Ende Januar 1925 vor der Strafkammer in Kassel ein Prozess gegen 21 Einwohner aus Wolfhagen Bezirk Kassel statt, die angeklagt waren, im September 1923 Mitglieder des Jungdeutschen-Ordens überfallen und verprügelt zu haben. Die Anlage lautete damals bei 18 Beschuldigten auf schweren Landfriedensbruch, bei vier Beschuldigten auf Anstiftung hierzu. Von diesen vier Angeklagten, sämtlich Juden waren damals drei freigesprochen worden, wobei der Vorsitzende in der Urteilsbegründung ausdrücklich hervorgehoben, dass für die Schuld dieser drei jüdischen Angeklagten auch nicht der Schimmer eines Beweises in Verhandlung erbracht worden sei, und dass die Freisprechung nicht wegen Mangel an Beweisen erfolgt, sondern weil die Angeklagten tatsächlich unschuldig seien. Das Verfahren gegen die vierte Angeklagte, Frau Paula Giesberg aus Wolfhagen, Bezirk Kassel, war damals abgetrennt worden, da Frau Giesberg wegen Krankheit am Erscheinen verhindert war. Am 10. August dieses Jahres fand nunmehr die Verhandlung gegen Frau Giesberg statt, die wie bei den bereits freigesprochenen Angeklagten auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für Beteiligung an der Schlägerei ergab. Ja, es wurde festgestellt, dass Frau Giesberg überhaupt erst einige Stunden nach dem Vorfall von der ganzen Angelegenheit erfahren hatte. Die Verhandlung gegen sie endete infolgedessen ebenfalls mit Freisprechung unter Überbürdung der Kosten auf die Staatskasse. Die Verteidigung hatte wie in den früheren Prozessen Rechtsanwalt Dr. Marx Frankfurt am Main übernommen."   

       
Eisernes Kreuz für den Kriegseinsatz von Berthold Block (1914)   
Anmerkung: vgl. zu Berthold Block unten die Verlobungsanzeige von 1928.     

Mitteilung in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 18. Dezember 1914: "Wolfhagen, Bezirk Kassel. Musketier Berthold Block, im Infanterieregiment '83, Radfahrer, Befehlsempfänger beim 1. Bataillonsstab."      

     
Zum Tod von Kreisvorsteher Meier Reichhardt (1927)   
Anmerkung: Meier (auch Meyer, Mayer) Reichhardt ist am 11. Juli 1853 in Wolfhagen als Sohn von Lazarus Reichhardt und seiner Frau Rosa geboren. Über die Familie und die Verwandtschaft von Meier Reichhardt siehe als Ausgang die Angaben zu Meyer Reichhardt in geni.com mit von dort ausgehenden Links zu anderen Personen:  https://www.geni.com/people/Meyer-Reichhardt/6000000017878463315     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. Januar 1927: "Wolfhagen. Unser Kreisvorsteher Meier Reichhardt ist leider entschlafen. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der viele Jahre sich in vorbildlicher Weise dem jüdischen Gemeindewesen widmete. Von 1902 bis 1913 war er Gemeindeältester, von letzterem Jahre bis zu seinem Tode Kreisvorsteher. Er war allezeit darauf bedacht, den Frieden in den Gemeinden seines Bezirks zu erhalten. Sein versöhnliches Wesen, seine Arbeitskraft, sein Wirken und Schaffen werden ihm ein dauerndes Andenken sichern."         
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Februar 1927: "Wolfhagen. Meier Reichhardt seligen Angedenkens. Wie schon in der letzten Nummer dieser Zeitung von amtlicher Stelle gemeldet wurde, ist unser Kreisvorsteher Meier Reichhardt gestorben. Sein Tod bedeutet nicht nur für die Witwe, mit der er eine 47jährige harmonische Ehe führte, einen großen Verlust, sondern auch für die ganze Gemeinde, die um ihn trauert. 'Ein Stück Gemeinde geht mit ihm dahin', hörte man in den letzten Tagen von so vielen Wolfhagern sagen, und dieser Satz spiegelt die wahre Stimmung wider. Denn dass Meier Reichhardt für die Gemeinde und ihre Einrichtungen wirkte, dass er sich für die Erhaltung ihrer Institutionen mit Erfolg einsetzte, dass er im Gotteshaus in selbstloser Weise wirkte, das alles war ihm Herzensbedürfnis. Er war ein aufrechter, aus tiefstem Herzensgrund frommer Jehudi, der aufs genauste nach der alten Tradition lebte. Bis in seine letzten Tage war er stets erster und letzter in der Synagoge, wo er in würdiger und andächtiger Haltung verharrte. Lange Jahre war er unser Bal tokea (= Schofarbläser an den hohen Feiertagen) und mit ihm verlieren wir auch unseren letzten Levi, an denen unsere früher so große Gemeinde seit Jahrhunderten keinen Mangel hatte. Sein Leben und wirken war ein Segen; sein Andenken wird in der Gemeinde stets in Ehren gehalten werden. 'Das Andenken des Gerechten sei zum Segen'! Ktz. (= Lehrer Katzenstein)".         
 
Artikel in "Jüdisch-liberale Zeitung" vom 4. Februar 1927: "Wolfhagen. (Tod des Kreisvorstehers). Im 74. Lebensjahre starb das als Kreisvorsteher für die religiösen Interessen des Bezirks eifrig tätige Mitglied unserer Gemeinde, Meier Reichhardt. Der Heimgegangene erfreute sich in allen Kreisen der Bevölkerung großer Wertschätzung, was auch die letzten Freitag stattgefundene Beisetzung bestätigte. "  

     
Moritz Möllerich wird neuer Kreisvorsteher (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 25. März 1927: "Wolfhagen. An Stelle des verstorbenen Kreisvorstehers Meier Reichhardt wurde am Mittwoch von den Synagogenvorstehern des Kreises der seit 1912 amtierende Gemeindeälteste Moritz Möllerich aus Wolfhagen einstimmig zum Kreisvorsteher gewählt. Auch der Vater des Herrn Möllerich ist hier Gemeindeältester und Kreisvorsteher gewesen."           
  
Artikel in "Jüdisch-liberale Zeitung" vom 8. April 1927: "Wolfhagen. (Neuer Kreisvorsteher). Für den kürzlich verstorbenen Kreisvorsteher M. Reichhardt ist der seit 1912 Uhr hier an der Spitze der Gemeinde stehende Herr Moritz Möllerich von den Synagogenältesten des Kreises einstimmig zum Kreisvorsteher gewählt worden. Auch der Vater des Genannten hat das Amt des Gemeindeältesten und Kreisvorstehers begleitet."      

   
70. Geburtstag von Adelheid Gutheim (1928)   

Wolfhagen Israelit 13091928.jpg (12551 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Wolfhagen, 2. September (1928). Ihren 70. Geburtstag beging hier Adelheid Gutheim."    

   
Salomon Kron feiert sein 25-jähriges Jubiläum als Gemeindeältester (1930)     
Anmerkung: ausführlich zur Familie Salomon Kron aus Wolfhagen siehe im Buch von E. Ernst (2016) S. 170-177. Salomon Kron (geb. 9.11.1869 als Sohn von Abraham Kron und Rika geb. Dannenbaum) war verheiratet (seit 1901) mit Emma geb. Goldschmidt aus Hoof. Er war Inhaber einer Manufakturwarengeschäftes in der Mittelstraße 26. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Theodor (geb. 28. Juni 1902) und Charlotte (geb. 31. Dezember 1903, gest. 20. November 1915). Emma Kron geb. Goldschmidt starb bereits am 16. September 1927 im Krankenhaus in Kassel. Salomon Kron musste sein Geschäft 1938 aufgeben, nachdem es beim Novemberpogrom 1938 geplündert und verwüstet worden war. Er zog Ende November 1938 nach Kassel. Am 11. April 1941 wurde er in Kassel verhaftet und in das KZ Breitenau in Guxhagen gebracht. Bei der Zwangsarbeit in der Landwirtschaft starb er - auf Grund einer Herzschwäche - am 21. Juni 1941. Er wurde im jüdischen Friedhof in Kassel-Bettenhausen beigesetzt. Sein in die USA emigrierter Sohn Theodor ließ nach 1945 einen Grabstein aufstellen.           

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 26. September 1930: "Wolfhagen. Herr Salomon Kron (nicht: A. Krohn, s.u.) begeht am 1. Oktober sein 25jähriges Gemeindeältestenjubiläum. Durch seine Erfahrung und seine Tatkraft hat er sich um die Gemeinde große Verdienste erworben. Er ist sowohl bei der jüdischen als auch bei der christlichen Bevölkerung sehr geschätzt und beliebt. Wir sprechen wohl im Namen vieler, wenn wir ihm noch eine lange Reihe glücklicher Jahre im Dienst der Gemeinde wünschen."        
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Oktober 1930: Wolfhagen. Am 1. Oktober (1930). feierte Herr Salomon Kron - nicht A. Krohn, wie es in der vorigen Nummer dieses Blattes hieß - sein 25jähriges Jubiläum als Gemeindeältester. Der Jubilar ist der erste Gemeindeälteste von Wolfhagen, der ununterbrochen 25 Jahre dieses Amt bekleidete. Welcher Wertschätzung sich Herr Kron in der hiesigen Gemeinde sowie in der ganzen Stadt erfreut, kam so recht bei der Feier zum Ausdruck. Eine aus den ältesten Mitgliedern und dem Lehrer bestehende Abordnung überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde sowie einen silbernen Pokal mit Widmung. In seiner Ansprache hob Herr Lehrer Katzenstein das selbstlose und segensreiche Wirken des Jubilars für Synagoge, Gemeinde und Schule hervor. Herr Kreisvorsteher Möllerich überreichte ein Diplom des Kreisausschusses sowie ein Glückwunschschreiben des Landrats, der wegen seiner Ferien am Erscheinen verhindert war. Herr Bürgermeister Kilian gratulierte namens der Stadt und übergab im Auftrag des Magistrats eine Chronik der Stadt Wolfhagen. Auch vom Vorsteheramt der Israeliten war ein Glückwunschschreiben eingelaufen. Allen Gratulanten dankte Herr Kron für die Aufmerksamkeiten. Möchte es ihm vergönnt sein, noch recht lange sein Amt in gewohnter Weise zum Segen der Gemeinde verwalten zu können."  

     
     

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
 
Anzeige von Alexander Speyer-Ofenberg (1867)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. November 1867: "Annonce. Ich suche eine israelitische Dame, gesetzten Alters, welche befähigt ist, da ich 3 Meilen von der Stadt wohne, meinen Kindern, unter Errichtung eines selbstständig zu führenden Haushaltes zu Kassel, eine gute Erziehung zu geben. Neben diesem aber auch, da meine Kinder die dortigen Schulen besuchen werden, wäre es erwünscht, wenn die Dame den Kindern in ihren Schularbeiten mit an die Hand gehen könnte. 
Reflektantinnen wollen bis zum 15. Dezember dieses Jahres sich schriftlichen wenden an Alexander Speyer-Ofenberg zu Wolfhagen bei Kassel."       

    
Anzeige des Lohgerbers A. Lieberg (1870)     

Anzeige in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 19. April 1870: "Ein junger Mann aus achtbarer Familie, der die Lohgerberei erlernt hat und sich weiter in dieser Brosche, sowie im Ein- und Verkauf des Lehrers auszubilden wünscht, findet bei mir Engagement.
Wolfhagen bei Kassel. A. Lieberg, Lohgerber."      

       
Anzeige des Mode-Manufaktur-Warengeschäftes J. L. Reichhardt (1893)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1873: "In meinem 
Mode-Manufaktur-Waren-Geschäft
können sofort zwei Lehrlinge, welche die nötigen Schulkenntnisse besitzen, Placement finden. - Selbstgeschriebene Offerten bitte an mich zu richten. 
Wolfhagen
in Hessen, 12. Februar 1873. J. L. Reichhardt."

   
M. Speyer-Ofenberg sucht für sein Manufaktur-, Buckskin- und Kurzwarengeschäft einen Lehrling (1878) 
Anmerkung: Auffallend ist, dass sowohl in der Anzeige von M. Speyer-Ofenberg wie auch in der Anzeige von W. Möllerich (s.u. 1891) betont wird, dass die Geschäfte an Sonn- und Festtage geschlossen haben. Sollten die beiden Geschäfte am Schabbat offen gewesen sein?   

Wolfhagen Israelit 21081878.jpg (38937 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1878: "Lehrlingsgesuch
Für mein Manufaktur-, Buckskin- und Kurzwaren-Geschäft suche einen Lehrling. Kost und Logis im Hause. Sonn- und Festtage geschlossen. M. Speyer Ofenberg, Wolfhagen bei Kassel."        

     
Anzeige des Tuch- und Manufakturengeschäftes Vorenberg & Lieberg (1881)     

Anzeige in "Der Israelit" vom 23. Februar 1881: "Für unser Tuch- und Manufakturwarengeschäft suchen auf Ostern oder Probe. Sofort einen Lehrling. Sabbat und Festtage geschlossen.
Vorenberg & Lieberg in Wolfhagen, Regierungsbezirk Kassel. "       

   
Verlobungsanzeige von Bertha Wertheim und Max Lehmann (1884)    

Wolfhagen Israelit 21011884.jpg (26503 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1884: "Verlobungs-Anzeige
Bertha Wertheim - Max Lehmann. 
Wolfhagen bei Kassel.  Verden (Hannover) im Januar 1884."       

    
Anzeige des Schuhgeschäftes Moses Kann (1884)       
Anmerkung: es ist auffallend, dass an Sonn- und Feiertagen und nicht an Sabbat und Feiertagen geschlossen ist, vermutlich ein liberal gesonnener Inhaber.

Anzeige in "Der Israelit" vom 21. Juli 1884: "Ein israelitischer Schumachergehilfe, der gute Arbeit verfertigen kann, kann dauernde Beschäftigung auf sogleich bekommen, wo Sonn- und Feiertage geschlossen, im Schuhgeschäft bei
Moses Kann, Wolfhagen
, Regierungsbezirk Kassel. "     

     
W. Möllerich sucht für seine Kolonial-, Kurz- und Eisenwarenhandlung einen Verkäufer (1891) 

Wolfhagen Israelit 20071891.jpg (71801 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1891: "Verkäufer gesucht!  
Suche für meine Kolonial-, Kurz- und Eisenwarenhandlung, verbunden mit Frucht, Branntwein, Dielen und Farben, einen in diesen Branchen routinierten Verkäufer.   
Derselbe muss mit den Büchern vertraut sein und zuweilen kleine Landtouren unternehmen können.  
Das Geschäft ist an Sonn- und Festtagen streng geschlossen.  
Reflektanten belieben ihre Zeugnisabschriften, Photographie nebst Gehaltsansprüche, bei freier Kost und Wohnung im Hause, baldmöglichst an den Unterzeichneten zu dirigieren. 
W. Möllerich, Wolfhagen, Regierungsbezirk Kassel."      

      
Anzeige des Manufakturgeschäftes M. Hiersteiner (1893)       
Anmerkung: auch bei M. Hiersteiner scheint (wie oben bei Moses Kann) das Geschäft an Sonn- und Feiertagen und nicht an Sabbat und Feiertagen geschlossen zu sein.   

Anzeige in "Der Israelit" vom 31. März 1893: "Suche per bald für mein Sonn- und Feiertags geschlossenes Manufaktur-Geschäft einen Lehrling aus achtbarer Familie. Kost und Logis im Haus.
M. Hiersteiner, Wolfhagen (Regierungsbezirk Kassel)."       

     
Jacob Reichhardt II. sucht eine Haushälterin (1898)  

Wolfhagen Israelit 29091898.jpg (33119 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1898: "Suche zur Führung meines kleinen Haushalts alsbald eine israelitische Haushälterin. Offerten unter Angabe der Ansprüche bitte an mich gelangen zu lassen. 
Jacob Reichhardt II, 
Wolfhagen, Regierungsbezirk Kassel."       

      
Anzeige von Joseph Meyerhoff (1927)       

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Oktober 1927: 
"Empfehle zum Einkellern Ia gelbe Industrie-Speisekartoffeln
Für gesunde trockene Ware wird garantiert. Bestellungen erbittet 
Joseph Meyerhoff, Wolfhagen."          

     
Verlobungsanzeige für Ruth Meyer und Berthold Block (1928)   
Anmerkung: nach dem Buch von Ernst Klein 2016 S. 66ff war Berthold Block (Sohn von Moses Block) Uhrmachermeister und betrieb ein Geschäft in der Mittelgasse in Wolfhagen. 

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. Februar 1929:   
"Ruth Meyer - Berthold Block  Verlobte. 
Soest in Westfalen   Februar 1929    Wolfhagen  
Zu Hause Sonntag, den 3. März".         

     

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Wolfhagen geborenen 
Lina Katz geb. Reichhardt  
 Wolfhagen KK MZ Katz Lina.jpg (108691 Byte)  
   Kennkarte (Erbach 1939) für Lina Katz geb. Reichhardt (geb. 8. Oktober 1882 in Wolfhagen), wohnhaft in Michelstadt
 und Mainz; am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen  
Zur Geschichte der Tochter Doris Katz siehe die in der Literaturliste genannten Beiträge.  
 

   
    
 
   
Zur Geschichte der Synagoge      
    
Eine erste - 1777 eingerichtete -  Synagoge (die alte "Judenschule") stand in der Schützeberger Straße 35. Sie wurde bis zur Einweihung der neuen Synagoge 1859 verwendet und wenig später abgebrochen. 1858/59 wurde eine neue Synagoge erbaut. Dazu erwarb die jüdische Gemeinde ein 6,72 ar großes Grundstück von der Tochter des 1852 verstorbenen Stadtkämmerers Johannes Winter. Die neue Synagoge hatte eine Größe von 17,70 m mal 14,35 m und war in Sandstein ausgeführt. Über ihre Einweihung am 26. Oktober 1859 liegt folgender Bericht vor: 
     
Zur Einweihung der neuen Synagoge (1859)  
Anmerkung: Teils sehr kritischer Bericht eines Besuchers der Einweihungsfeier.   

Wolfhagen Israelit 14111859.jpg (120915 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1859: "Wolfhagen in Kurhessen, im Oktober (1859). Die Synagogeneinweihung zu Wolfhagen, einem Kreisstädtchen in Niederhessen, rief am 26. Oktober eine nicht geringe Anzahl Glaubensgenossen aus den angrenzenden Ortschaften zu einer herrlichen Feier in dem unter bedeutenden Geldopfern neu erbauten prachtvollen Gotteshause zusammen, und niemand mag es unbefriedigt verlassen haben, indem der Chorgesang, von sechszehn Mädchen- und fast ebenso vielen Männerstimmen unter der Leitung des Herrn Musikus Euler in Begleitung eines Orchesters ausgeführt, allein schon genügte, um das schöne Fest noch lange in Erinnerung zu erhalten, wenn man erwägt, dass eine jüdische Jugend es ist, der doch erst seit einigen Dezennien die Pflege des Kunstsinnes vergönnt wurde, Meisterwerke wie den Chor aus der Schöpfung von Haydn, das Hallelujah von Händel, Chorgesang aus Judas Maccabäus, in einer jüdischen Synagoge meisterhaft, ja bezaubernd aufzuführen. Aber auch die beiden Reden, gehalten von Herrn Dr. Adler, Landrabbiner zu Kassel, können in ihrer anschaulichen Darstellungsweise, gegriffen aus dem Synagogenleben, nicht ohne nachhaltige Belehrung geblieben sein. In der alten Synagoge mahnte der Redner 
Wolfhagen Israelit 14111859a.jpg (203190 Byte)in der Betrachtung über 'die letzte Versammlung' an die Nichtigkeit des Menschen, der dem alten Gotteshause gleich in Staub zerfalle, so der Geist aus ihm scheide, wie jenes nur Holz und Stein noch ist, nachdem der Geist den Betenden es verlassen; sodann an die Nichtigkeit des menschlichen Besitztums ohne die Tora, gleich dem alten Gotteshause, das seinen Wert nur in den Torarollen habe, den es aber verliere, so diese daraus entfernt seien. In 'der ersten Versammlung' in der neuen Synagoge wusste der Redner dem Aufruf-Ritual recht sinnige Bedeutung zu geben, indem er dasselbe für das Leben fruchtbar zu machen suchte: Wie wir dem Rufe zur Tora folgten, sollten wir draußen im Leben folgen, wenn die Pflicht uns ruft; wie wir beim Aufrufen den Segen empfingen, sollten wir draußen selbst zum Segen werden; wie wir die Tora hoch und fest hielten mit den Händen, so sollten wir sie draußen hoch und fest mit unserem Herzen halten, und ähnliche Anwendungen, wodurch der Vortrag fasslich und beherzigend wurde, ohne gerade etwas Großes und Universelles in sich zu tragen. Nur schade, dass der sonst so aufrichtige Mann sich hier an der heiligen Stätte zum Werkzeug der Schmeichelei musste brauchen lassen, wider alle innere Überzeugung zu loben, zu segnen, zu feiern da, wo er mit Rücksicht auf die Zustände der Juden Kurhessens, zumal der in Wolfhagen, zu segnen durchaus keine Ursache vorhanden ist. Heil uns Israeliten Preußens, dass unsere Gebete für Regent und Volk, für Vaterland und Vaterstadt aus dem tiefen Grunde unserer Herzen zum Himmel steigen können! - Von Staatsbehörden habe ich da den Herrn Landrat und den Herrn Steuerinspektor anwesend gesehen. Beide Männer schienen mir von dem judengehässigen Geiste frei zu sein, der dort so handgreiflich aus allen Fenstern schaut und in der entschiedenen Ablehnung von jederlei Teilnahme seitens der Stadtbehörden und Geistlichkeit seinen vollsten Ausdruck gefunden. Welcher Abstich doch gegen Beverungen, das zur Verherrlichung der dortigen Synagogen-Einweihungsfeier alle Glocken läuten ließ. - Sollten aber die Ursache dieser traurigen Spaltung auch in Euch liegen, meine jüdischen Glaubensgenossen, so lasst Euch von dieser Erscheinung aufrütteln, und strebt aus Euch heraus nach einer bessern Stellung zu ringen. 
Unangenehm hat mich ein Umstand berührt, der 
Wolfhagen Israelit 14111859b.jpg (61699 Byte)dem festlichen Tone des sonst so wohlgeordneten Zuges Abbruch getan. Es war die schlaue Spekulation mit Einlasskarten für 10 Sgr. per Stück. Zwei handfeste Mitglieder vom Komitee hatten sich am Eingange des Gotteshauses aufgestellt und wie eine geharnischte Brustwehr jeden zurückgedrängt, der kein Billet aufzeigen konnte. Das war in einer reichen Gemeinde eine feine Bettelei, die unverkennbar einer erhabenen, religiösen Handlung zur Verherrlichung Gottes einen theatralischen Stempel, den Charakter eines Schauspiels aufdrücken musste."  
 
Wolfhagen Einweihung Synagoge Titel.jpg (82906 Byte)Erhalten ist zur Einweihung auch die Festschrift: Die letzte Versammlung im alten und die erste Versammlung im neuen Gotteshause. Zwei Vorträge vor und zur Einweihung der neuen Synagoge zu Wolfhagen am 28. Tischri (26. Oktober 1859) gehalten von Dr. L. Adler, Kurfürstlich Hessischer Landrabbine. (Auf besonderes Verlangen des Gemeinde-Vorstandes herausgegeben). Kassel 1859. Online eingestellt (pdf-Datei; Archiv E. Klein).   
 
Mitteilung in "Hebräische Bibliographie" vom Juli-August 1860 S. 65: "Adler, L. Die letzte Versammlung im alten und die erste Versammlung im neuen Gotteshause, zwei Vorträge vor und zur Einweihung der neuen Synagoge zu Wolfhagen, 28. Tischri 5620 (26. Oktober 1859). 8. Cassel, Dr. von Gebr. Gotthelf [1859] (22.S.)."     

1909 konnte das 50-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Zuvor war das Gebäude "gänzlich renoviert" worden: 
     
50-jähriges Jubiläum der Synagoge (1909) 

Wolfhagen Israelit 04111909s.jpg (40822 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1909: "Wolfhagen, 24. Oktober (1909). Die Synagogengemeinde feierte am verflossenen Sonntag das 50-jährige Jubiläum des Bestehens ihrer Synagoge. Es hatten sich zu dieser Feier auch eine große Anzahl auswärtige Gäste, meist geborene Wolfhager, eingefunden. In der gänzlich renovierten und schön geschmückten Synagoge fand unter Anwesenheit der Vertreter der Regierung aus Kassel ein Festgottesdienst statt."   

Im Juli 1926 wurde eine Gedenktafel für die drei Gefallenen der jüdischen Gemeinde (siehe oben) in der Synagoge eingeweiht.       
      
Einweihung der Gefallenengedenktafel in der Synagoge (1926)  

Wolfhagen Israelit 22071926.jpg (85051 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1926: "Wolfhagen, 15. Juli (1926). Die hiesige Gemeinde hat in der Synagoge für ihre im Weltkriege gefallenen Heldensöhne eine Gedenktafel anbringen lassen, die am Sonntag feierlich eingeweiht wurde. Nach dem Minchohgebet leitete Herr Klebe, der Vorsitzende der Kreisgruppe des Reichsbundes jüdischer Fronsoldaten die Gedenkfeier ein und übergab die Tafel der Obhut der Gemeinde. Herr Gemeindeältester Möllerich übernahm die Tafel mit Dank. An der Hand der Tafelinschrift: 'Wie sind die Helden gefallen', hielt Herr Lehrer Katzenstein, hier, in warmen Worten die Weiherede. Dann sprach Herr Lehrer Bacher aus Kassel über Leben und Sterben der Gefallenen anschließend an das Prophetenwort: 'Auf der Warte stand ich immerfort am Tage, und auf einem Posten weilte ich alle Nächte.' Die eindrucksvolle Feier schloss mit dem hebräischen Seelengedächtnisgebet und dem von den Mitgliedern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gemeinsam gesprochenen Kadisch".     

In der NS-Zeit wurde es für die jüdische Gemeinde zunehmend schwierig, Gottesdienste in der Synagoge abzuhalten. Durch die Zerstörung der Fenster und Teilen der Inneneinrichtung des Gebäudes mussten die Gottesdienste bereits kurz nach 1933 in das jüdische Schulgebäude Gerichtsstraße 3 verlegt werden; hier befanden sich dann auch alle rituellen Gegenstände. Zum 1. November 1938 wurde das Grundstück der Synagoge mit dem Gebäude an den unmittelbaren Nachbarn Metzgermeister Waßmuth (Mittelstraße 17) verkauft. Ein Kaufvertrag von 6.000.- RM für das Grundstück und 600.- RM für die Inneneinrichtung (ohne die 1926 eingeweihte Gefallenengedenktafel, die Gebotstafeln und Leuchtergehänge) wurde notariell vereinbart (datiert auf den 27. Oktober 1938 zwischen Kaufmann Salomon Kron von der israelitischen Gemeinde und Metzgermeister Waßmuth und seiner Frau). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge trotz des erfolgten Besitzerwechsels durch die SS-Leute aus Arolsen unter Beteiligung Wolfhagener Bürger (und Bürgerinnen) zerstört und niedergebrannt (vgl. oben). Die Brandruine wurde später abgebrochen, noch brauchbare Sandsteine wurden abgefahren, um damit eine geplante Schule am "Rosengarten" zu bauen. Auf Grund der Zerstörung des Gebäudes und des zu beseitigenden Brandschuttes wurde der Verkaufswert des Grundstückes reduziert, sodass Metzgermeister Waßmuth 1939 nur 2.000.- RM zu bezahlen hatte. Beim Restitutionsverfahren 1949 waren auf Grund der Vereinbarung mit der JRSO (Jewish Restitution Successor Organization) durch Metzgermeister Waßmuth 3.000.- RM für das Grundstück nachzuzahlen.  
Das zu den Gottesdiensten in der jüdischen Schule gebrachte Synagogeninventar (Torarollen und weitere rituelle Gegenstände und Bücher) wurde beim Novemberpogrom 1938 aus den Fenstern des Schulhauses auf die Straße geworfen und dort angezündet. 
  
Verkauf der Synagoge (1938)    

Niederhessische Zeitung 10111938.jpg (185100 Byte)Mitteilung in der "Niederhessischen Zeitung" vom 10. November 1938 (rechte Spalte): "Wolfhagen... Die hiesige Synagoge ging durch Kauf in den Besitz des Metzgermeisters Ludwig Waßmuth über". 
Anmerkung: die Mitteilung bezog sich auf den zum 1. November 1938 vollzogenen Verkauf des Gebäudes.   

Das Synagogengrundstück blieb bis 1957 unbebaut. 1964 bis 1976 entstand hier ein Neubau des "Konsum" (Coop). Auf Grund einer Initiative einiger Bürgerinnen und Bürger wurde im Frühjahr 1993 ein kleiner Gedenkstein am Synagogengrundstück errichtet. Die Inschrift lautete: "Hier stand die Synagoge von Wolfhagen, gebaut 1859, niedergebrannt 10.11.1938". Nach der Neubebauung des Synagogengrundstückes wurde 1998 durch den Heimat- und Geschichtsverein eine neue Gedenktafel angebracht mit dem Text: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde von 1859 bis 1938. Durch Brandstiftung in der Pogromnacht vom 10.11.1938 wurde sie zerstört. 1998 Heimat- und Geschichtsverein".    
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:      Mittelstraße 15    (in der NS-Zeit hieß die Mittelstraße "Adolf-Hitler-Straße")  
  
  
Fotos   
(Quelle: historisches Foto - Außenansicht Arnsberg  Bilder S. 207; Innenansicht: Foto des Landesamtes für Denkmalpflege, 1928; publiziert: Außen- und Innenansicht bei Harold Hammer-Schenk s. Lit.; Innenansicht auch in: "Vertraut werden mit Fremdem". 2000 S. 35 s. Lit. bei Hofgeismar); neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum Juni 2008)    

Die Synagoge in Wolfhagen  Wolfhagen Synagoge 100.jpg (118612 Byte) Wolfhagen Synagoge Zeichnung 1986.jpg (176443 Byte) Wolfhagen Synagoge 102.jpg (89170 Byte) 
     1859 erbaut - 1938 niedergebrannt; 
rechts Zeichnung von Wilhelm Winter 1986  
 Innenansicht - Blick zum Toraschrein 
links und rechts ist die Frauenempore erkennbar  
       

 Das Synagogengrundstück im Juni 2008 

 
Wolfhagen Synagoge 152.jpg (78603 Byte) Wolfhagen Synagoge 151.jpg (82408 Byte) Wolfhagen Synagoge 150.jpg (98505 Byte)
Das an Stelle der Synagoge erbaute Wohn- und Geschäftshaus mit der Gedenktafel 
(auf rechtem Foto links an der Hausecke erkennbar)
Die Gedenktafel
  
     
Die ehemalige jüdische Schule 
Gerichtstraße 3
Wolfhagen Schule 151.jpg (84381 Byte) Wolfhagen Schule 152.jpg (85923 Byte)
     
        
Das rituelle Bad in Wolfhagen von 1833
 
(Rekonstruktionszeichnungen von 
Thea Altaras (Quelle: s.Lit.)  
Wolfhagen Mikwe 110.jpg (58514 Byte) Wolfhagen Mikwe 111.jpg (39272 Byte)
  Isometrische Darstellung  Grundriss der Anlage 
      
   Wolfhagen Mikwe 113.jpg (56495 Byte) Wolfhagen Mikwe 114.jpg (59807 Byte)
    Längsschnitt B-B 
(oben eingetragen im Grundriss) 
Grundriss A-A 
(oben eingetragen im Grundriss) 
      
 Erinnerung im 
"Regionalmuseum Wolfhagen"
(Quelle)  
  Die hebräisch geschriebene Inschrift (möglicherweise Hausinschrift) datiert auf den 
30. August 1786; mit Zitat aus Psalm 85,12 in der 2. und 3. Zeile ('Treue sprosst aus 
der Erde und Heil schaut vom Himmel hernieder')  
   
Gedenkstein am "Platz der Freiheit" mit
 den Namen der früheren jüdischen
 Familien in Wolfhagen
(Foto im Juni 2014
 erhalten von Gary Buchheim,
 Springfield/USA, Urenkel von Moses Block)  
Wolfhagen Gedenkstein 100.jpg (297187 Byte)
   

      
      
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte          

November 2011: Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938: siehe Bericht und Fotos in der Website der Stadt Wolfhagen    
  
November 2012: Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938: siehe Bericht und Fotos in der Website der Stadt Wolfhagen
Weiterer Bericht in der Website der SPD Wolfhagen.     
 
November 2014: Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938 
Artikel in hna.de vom 10. November 2014: "Musik und Gedichte- Gedenkfeier der Stadt Wolfhagen zur Pogromnacht
Wolfhagen.
Die Stadt Wolfhagen gedachte am Sonntagabend der Opfer und der schrecklichen Ereignisse während der sogenannten Reichspogromnacht. In der Nacht auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland durch die Nationalsozialisten zahlreiche Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnhäuser zerstört..."  
Link zum Artikel   
 
Dezember 2015: Eine Torarolle aus Wolfhagen bleibt in der Marburger Synagoge erhalten 
Artikel in hna.de vom 3. Dezember 2015: "Ersatz in der Synagoge: Kostbare Wolfhager Thora wird nicht begraben
Marburg/Wolfhagen.
Die Thora der Wolfhager jüdischen Gemeinde überstand die Nazi-Zeit in der Marburger Uni. Nach dem Krieg fand sie einen neuen Platz in der dortigen Synagoge. Jetzt wurde sie durch eine neue ersetzt. Für die Jüdische Gemeinde Marburgs hat das Ereignis historischen Charakter: Laut singend, tanzend und klatschend haben mehr als 200 Marburger eine neue Thora in die Synagoge gebracht. Das kostbare Buch ersetzt eine rund 170 Jahre alte Thora, die ursprünglich zu der heute nicht mehr existierenden jüdischen Gemeinde von Wolfhagen gehörte. 'In Wolfhagen gibt es aber keine jüdischen Mitbürger mehr, denen man die alte Thora geben könnte' sagte Ernst Klein, Vorsitzender des Arbeitskreises Rückblende - Gegen das Vergessen aus Volkmarsen.
'In Wolfhagen gibt es aber keine jüdischen Mitbürger mehr, denen man die alte Thora geben könnte.' Das kostbare Buch aus Wolfhagen hat die NS-Zeit mit viel Glück überlebt: Unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Recherche wurde es gemeinsam mit rund 30 Thorarollen aus ganz Deutschland in der Religionskundlichen Sammlung der Marburger Universität untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die wertvollen Exemplare an die Gemeinde der Displaced Persons in Marburg und von dort aus in die ganze Welt. Die Wolfhager Thora gehörte zu den drei hebräischen Bibeln, die in Marburg blieben. Ernst Klein weiß von jüdischen Zeitzeugen, dass im November 1938 während der Pogromnacht auch sakrale Gegenstände verschwunden seien. Laut Zeitzeugen sei die Wolfhager Thora später von einem amerikanischen Soldaten mitgenommen worden, der sie an die Marburger jüdische Gemeinde übergeben habe. Sicher sei auf jeden Fall, dass die Thora tatsächlich aus Wolfhagen stamme.
Am Friedhof entdeckt. Als der Israeli Amnon Orbach, der heute 85 Jahre alte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, vor über 30 Jahren nach Marburg kam, war er der einzige Jude in der Stadt. Die Liebe zu einer deutschen Lehrerin hatte ihn nach Marburg verschlagen. Doch ein Leben ohne Judentum konnte er sich nicht vorstellen. Deshalb suchte er nach Artefakten der einst großen jüdischen Gemeinde Marburgs. Und er entdeckte drei Thorarollen in einem Haus am jüdischen Friedhof. Zuordnen lässt sich nur die Thora aus Wolfhagen.
Nicht mehr koscher. Längst ist sie an mehreren Stellen gerissen und geflickt und an manchen Ecken kaum noch lesbar. Damit ist sie schon lange nicht mehr koscher. Doch Amnon Orbach will sie nicht - wie im jüdischen Ritus üblich - auf dem Friedhof begraben. Die alte Thora, die so viel erlebt hat, ist ihm ans Herz gewachsen. Und seine Stellvertreterin Monika Bunk ergänzt: 'Eine Rolle, die es geschafft hat, den Holocaust zu überstehen, wollen wir nicht begraben.' Jetzt steht sie im Thoraschrank in der Marburger Synagoge." 
Link zum Artikel  

     
    

Links und Literatur

Links:     

bulletWebsite der Stadt Wolfhagen 
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Wolfhagen (interner Link)    
bulletWebsite http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich hier ein Stammbaum der Familie Möllerich in Wolfhagen und der Familie Möllerich in Niederelsungen  
bulletWebportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Wolfhagen (Synagoge, Schule, Lehrer Katzenstein u.a.) 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Wolfhagen 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Wolfhagen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,867 Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Wolfhagen, aufgenommen im Juli 1938 durch Baruch Wormser aus Grebenstein, wohnhaft in Kassel, Laufzeit: 1712-1723, 1795-1935 (1938)
Enthält: Bericht zur Geschichte des jüdischen Friedhofs mit Situationsplan, hebräische und deutsche Grabinschriften mit Angaben zur Grablage  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719793     
HHStAW, 365, 860 Trauregister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1851    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250857     
HHStAW, 365, 857 Geburtsregister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1852  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031411        
HHStAW, 365, 862 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1852    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126696       
HHStAW, 365, 866 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1829 - 1936   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5493971       
HHStAW, 365, 858 Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1837 - 1874  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030596       
HHStAW, 365, 861 Trauregister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1898    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2379172     
HHStAW, 365, 859 Geburtsregister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1909  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4607237       
HHStAW, 365, 863 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1918    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924765    
HHStAW, 365, 868 Heiratsurkunden jüdischer Eheleute aus Wolfhagen und Abterode (3 Blatt) 1889 - 1892: Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Salomon Kleeblatt aus Röhrenfurth und Helene geb. Alexander aus Wolfhagen 1892, Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Heinemann Loewenstein aus Iserlohn in Westfalen und Bertha geb. Weilbrunn aus Abterode 1889  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245495     
HHStAW, 365, 864 Alphabetisches Namensverzeichnis von Juden aus Wolfhagen 1900 - 1900 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250826     
HHStAW, 365, 865 Alphabetisches Namensverzeichnis von Juden aus Wolfhagen 1900 - 1900 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250827      
   
Zu Niederelsungen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,663   Geburtsregister der Juden von Niederelsungen  1853 - 1872   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2083528     
HHStAW 365,666   Abschrift der Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Niederelsungen   1853 - 1874: Jüdisches Geburtsregister  1853 - 1872, jüdisches Trauregister  1855 - 1874, jüdisches Sterberegister  1854 - 1872  
 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031399    
HHStAW 365,665   Sterberegister der Juden von Niederelsungen   1854 - 1872    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782884                 
HHStAW 365,664   Trauregister der Juden von Niederelsungen  1855 - 1874    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782883      

Literatur:  

bulletUmfassende Literaturhinweise siehe bei Michael Dorhs [Zsst.]: Bibliographie zur Kultur und Sozialgeschichte der Jüdinnen und Juden im Bereich der alten Landkreise Hofgeismar, Kassel, Wolfhagen und in der Stadt Kassel. Ausführliche Zusammenstellung. 194 S. pdf-Datei https://www.hofgeismar.de/museum-hofgeismar/download/biblio-verbrannte-geschichte-web.pdf?cid=bcv.   
bulletGermania Judaica Band I S. 486.
bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 416-418. 
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 207.   
bulletHarold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 2 1981 Abb. 136-137.  
bulletThea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 47.      
Neuauflage der beiden Bände 2007² S. 144-145. 
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 87-88.  
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 461-463. 
bulletErnst Klein: Verschwundene Nachbarn - Verdrängte Geschichte. Begleitbuch zur Dauerausstellung "Deutsch-jüdisches Leben in unserer Region im Lauf der Jahrhunderte" in der Geschichtswerkstatt Rückblende, Kasseler Straße 6 in Volkmarsen. ISBN 978-3-924259-11  17.50 €.   
bulletLit EKlein 2016 Lebenswege.jpg (109345 Byte)ders.: "aber es ist besser als Butterbrot in D.". Lebenswege jüdischer Kinder, Frauen und Männer aus Deutschland. Hrsg. Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. Volkmarsen 2016. ISBN 978-3-981334-41-8. 
Dazu Artikel in der "Waldeckischen Landeszeitung" vom 29. November 2016 (Link zum Artikel): "Neues Buch fasst Biografien von Überlebenden des Naziunrechts zusammen. Unfassbare Lebensgeschichten
Volkmarsen. Der seit drei Jahrzehnten engagierte Geschichtsforscher Ernst Klein hat ein neues Buch über die Lebenswege jüdischer Kinder, Frauen und Männer aus Vöhl, Volkmarsen und Kassel veröffentlicht. Das 250 Seiten starke Werk enthält 40 Biografien von ehemals Verfolgten, mit denen Ernst Klein im Laufe seiner Recherchen für den Verein Rückblende - Gegen das Vergessen' Kontakt aufgenommen hat. Sie erzählten ihm ihre Lebensgeschichte und er hielt sie fest - für die nächste Generation. 'Ich habe in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass sich unsere jüngere deutsche Geschichte am besten an junge Leute weitergeben lässt, wenn man die historischen Details an Personen und Orte festmachen kann.
Deshalb habe ich die Lebensgeschichten, die man mir erzählt hat, aufgeschrieben.' Illustre Förderer Mit Familienfotos und Landkarten versehen, auf denen die unterschiedlichen Fluchtwege nachzuvollziehen sind, ist das neue Buch eine wertvolle Lektüre nicht nur für Schüler. Der ungewöhnliche Titel 'aber es ist besser als Butterbrot in D.' entstammt einem Briefzitat von Ilse Lichtenstein. Sie war unmittelbar nach den Novemberpogromen 1938 nach Holland geflohen. In einem Brief schrieb sie ihrer Großmutter über die Lage und vermied es seitdem den Ländernamen Deutschland zu verwenden. Ernst Kleins Buchveröffentlichung wurde vom Auswärtigen Amt und der deutsch-jüdischen Gesellschaft finanziert. Anstelle eines Honorars erbat sich Klein eine genügend große Anzahl von Exemplaren, um sie an Schulen in der Region zu verschenken. Eines der Vorworte stammt von dem israelischen Politiker Moshe Meron, der sich seinerzeit auch für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Staat Israel und Deutschland einsetzte. Ernst Klein wird am kommenden Sonntag, 4. Dezember, um 16 Uhr in den Räumen der Geschichtswerkstatt im Haus Dr. Bock an der Kasseler Straße aus seinem Buch lesen.
Das Buch wird gegen Spenden abgegeben. Die Einnahmen sind für ein Museumsprojekt bestimmt. Wer sich für das Buch interessiert, sollte sich per Mail an Ernst Klein wenden: ErnstWKlein@web.de.
"     
bulletMichelstadt IMG_20150621_0001.jpg (71093 Byte)Brigitte Diersch: 'Und dann war sie weg...'. Das kurze Leben der Doris Katz. In: "gelurt". Jahrbuch für Kultur und Geschichte 2010. Hg. von Kreisarchiv des Odenwaldkreises. Erbach 2009. S. 197-217. Online zugänglich: https://archive.is/LmKf4  
Hinweis: Der Beitrag erschien auch als erweiterter Sonderdruck: "...wir schaufeln ein Grab in den Lüften..." Das kurze Leben der Doris Katz (2. November 1924 - 5. März 1943) Hessen - Holland - Sobibór. Erbach 2010 70 S. (siehe Abbildung links).
dies.: Doris Katz und ihre Familie auf der Flucht vor dem Holocaust, In: "gelurt". Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte 2020. Erbach/Odenwald 2019 S. 39-52. Online zugänglich (pdf-Datei). 
Anmerkung: die Mutter von Doris Katz - Lina geb. Reichhardt - stammt aus Wolfhagen (Tochter von Jakob Reichhardt und Sophie geb. Stern). Der ältere Bruder von Lina war Otto Reichhardt (geb. 1878 in Wolfhagen) lebte seit 1910 in Michelstadt.    
English: Brigitte Diersch: Doris Katz and her Family between November-Pogrom 1938 and Emigration or Deportation. Translation into English by the autor. December 2019. Supplement to: Das kurze Leben der Doris Katz. Erbach 2010. Eingestellt als pdf-Datei.     Vgl. auch  https://www.dokin.nl/deceased_children/doris-katz-born-2-nov-1924/.    

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wolfhagen  Hesse-Nassau. After the slaying of 18 Jews in 1235, no community was organized until the 17th century. Members opened a religious school in 1788 and dedicated a new synagogue in 1859. The community numbered 258 (8 % of the total) in 1861 and was affiliated with the rabbinate of Kassel. Since Jews handled most of the town's commerce, Nazi propaganda was able to foster latent antisemitism in the 1920s. On Kristallnacht (9-10 November 1938), townspeople helped SS troops from Arolsen destroy the synagogue and loot Jewish property. The burgomaster, dissociating himself from the 'vandalism', saw to it that stolen cash and valuables were returned to their owners. By November 1939, however, the remaining 70 jews had left. Eleven emigrated and about 30 perished in the Holocaust.  
     
      

                   
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Stand: 30. Juni 2020