Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wolfhagen mit Niederelsungen (Stadt Wolfhagen, Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Wolfhagen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Bereits im Mittelalter gab es vermutlich eine kleine jüdische Gemeinde am Ort, die allerdings in den Herbsttagen des Jahres 1235 im Zusammenhang mit einer Judenverfolgung vernichtet wurde. Dabei kamen 18 Menschen ums Leben.   
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten drei jüdische Familien in Wolfhagen, die jedoch auf Befehl des Landgrafen Philipp aus der Stadt vertrieben wurden. Landgraf Moritz erlaubte 1592 einem Juden die Niederlassung in der Stadt. 1621 und 1656 waren zwei jüdische Familien, um 1700 und 1728 drei "Schutzjuden" (mit ihren Familien) in Wolfhagen. 1740 wurden 40 jüdische Einwohner gezählt, 1788 59. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 174 jüdische Einwohner (6,3 % von insgesamt 2.761 Einwohnern), 1849 236 (7,4 % von 3.199), 1861 258 (8,4 % von 3.058), 1871 234 (5,9 % von 2.866), 1885 173 (6,4 % von 2.717), 1905 99 (3,9 % von 2.559). Um 1860 waren etwa 40 Wohnhäuser in jüdischem Besitz, die alle im Zentrum der Stadt lagen. Damals gab es bereits eine größere Zahl von Handlungen und Läden, die im Besitz jüdischer Familien waren. Auch gab es inzwischen mehrere jüdische Handwerksmeister in der Stadt (sechs Metzger, drei Schlosser, zwei Schuhmacher, ein Lohgerber, ein Buchbinder, ein Drechsler, drei Färber und ein Leineweber).   
     
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen Christen und Juden in der Stadt angespannt. Im Bericht über die Synagogeneinweihung 1859 (s.u.) wurde vom Berichterstatter angemerkt, dass in Wolfhagen der "judengehässige Geiste... so handgreiflich aus allen Fenstern schaut und in der entschiedenen Ablehnung von jederlei Teilnahme seitens der Stadtbehörden und Geistlichkeit seinen vollsten Ausdruck gefunden (habe)". 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Elementarschule/öffentliche israelitische Volksschule bis 1933), ein rituelles Bad (unter dem Schulhaus) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Zeitweise war sogar ein zweiter Lehrer und Hilfsvorbeter angestellt (siehe unten Ausschreibung von 1865). Bereits um 1720 wurde ein Lehrer und Vorbeter der Gemeinde genannt.  1868-69 wurden 31 Schüler vom damaligen Lehrer Abraham Gutkind unterrichtet (er wird bereits 1865 als Privatlehrer in Wolfhagen neben Lehrer S. Tannenbaum genannt, Quelle). Sein Nachfolger war ab 1873 Lehrer Abraham Flörsheim, der 1913 sein 40-jähriges Ortsjubiläum feiern konnte (siehe Berichte unten; Flörsheim verstarb 1925 in Kassel). Ihm folgte 1919 Lehrer Hermann Katzenstein (bis zur Auflösung der Schule am 1. Januar 1934). Die Gemeinde gehörte mit den anderen Gemeinden des damaligen Kreises Wolfhagen zum Provinzialrabbinat Kassel.   
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Gutheim (geb. 11.7.1894 in Wolfhagen, gef. 16.6.1915), Julius Katzenberg (geb. 2.3.1886 in Wolfhagen, gef. 16.2.1915) und Simon Moses (geb. 26.3.1898 in Breslau, gef. 25.7.1918).   
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch 71 Personen gehörten (2,6 % von insgesamt 2.768 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Salomon Kron und Moritz Möllerich. Als Lehrer war der bereits genannte Hermann Katzenstein tätig. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule noch 12 Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden die Chevre Hachnosath-Kallah (Brautausstattungs-Verein; gegründet 1855, 1924/32 unter Leitung von Salomon Kron mit 1932 14 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Brautausstattung), die Chewrat HaSchlischi (gegründet 1833, 1924/32 unter Leitung von Josef Möllerich; Zweck und Arbeitgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), die Chewras Noschim (Israelitischer Frauenverein, 1924 unter Leitung von Frau Rosa Katzenberg, 1932 unter Leitung von Frau Winterberg; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege und Bestattungswesen) und die Chevre Bachurim (gegründet 1811; 1924/32 unter Leitung von Salomon Kron mit 1932 7 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen). Im Schuljahr 1931/32 hatte die Israelitische Volksschule noch 10 Kinder. Lehrer war weiterhin Hermann Katzenstein. 1932 war Gemeindevorsteher wie schon einige Jahre zuvor Salomon Kron.         
  
Bereits im Herbst/Winter 1923/24 kam es auf Grund von Verleumdungen gegen jüdische Einwohner zu Ausschreitungen gegen jüdische Familien und dem Boykott ihrer Gewerbebetriebe (siehe Bericht unten).  
 
1933 lebten noch 74 jüdische Personen in Wolfhagen (2,5 % von insgesamt 3.020 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien in andere Städte weggezogen (bis 1939 55 Personen, insbesondere nach Kassel) beziehungsweise ausgewandert (1934 sechs Personen nach Paraguay, je zwei Personen nach Palästina/Israel und nach Holland). Drei Personen sind in Wolfhagen verstorben. Zu bestialischen Szenen kam es beim Novemberpogrom 1938. SS-Leute in Zivil waren von der Zentrale des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra in Arolsen mit Autos nach Wolfhagen gekommen. Sie (und vermutlich auch einheimische Nationalsozialisten) drangen zunächst in die jüdische Schule und in das Haus der Familie Kron ein und versuchten, beide Gebäude mit Brandbomben in Flammen zu setzen. Aus der jüdischen Schule wurde ein Klavier aus dem zweiten Stock auf die Straße geworfen. Im Verlauf der Ausschreitungen zerstörten sie weitere Häuser jüdischer Familien und setzten schließlich die Synagoge und das Haus der Familie Winterberg in der Mittelstraße in Brand. Fast alle der jüdischen Männer wurden verhaftet und über Kassel in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis Juli 1939 hatten die meisten der jüdischen Einwohner Wolfhagen verlassen. 
                     
Von den in Wolfhagen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mathilde Baum geb. Winterberg (1870), Bertha Behrens geb. Wertheim (1868), Elisabeth Bergmann (1906), Leopold Bergmann (1902), Moses Block (1862), Martha Born geb. Wertheim (1881), Ida Cohn geb. Winterberg (1875), Julius Flörsheim (1883), Caroline Frank geb. Reichard (1894), Ida Gottschalk (1875), Rosa Grüneberg (1876), Alfred Gutheim (1902), Frieda Gutheim (1886), Berta Heilbrun geb. Speyer-Ofenberg (1879), Hermann Hiersteiner (1892), Rosa Hiersteiner geb. Höxter (1885), Ursel Hiersteiner (1929), Ida Hirsch geb. Alexander (1873), Louise Joseph geb. Reichhardt (1883), Bertha Kann geb. Kander (1895), Siegmund Kann (1889), Lina Katz geb. Reichhardt (1882, vgl. Kennkarte unten), Franziska Katzenberg (1858), Helene Kleeblatt (1866), Moritz Kleeblatt (1892), Salomon Kron (1869), Albert Kron (1866), Gustav Kron (1878), Berta Lehmann geb. Wertheim (1864), Sophie Marum geb. Rosenmeyer (1870), Paula Mayer geb. Katzenberg (1882), Max Meyerhoff (1873), Joseph Möllerich (1885), Moses Möllerich (1876), Meta Nachmann geb. Rosenmeyer (1875), Selma Pels geb. Speyer (1880), Leopold Reichhardt (1884), Klara Reichhardt (1875), Otto Reichhardt (1878), Julius Rosenmeyer (1871), Alfred Rosenstein (1935), Erich Rosenstein (1932), Herbert Rosenstein (1937), Horst Rosenstein (1931), Walter J. Rosenstein (1911), Mathilde Seckendorf geb. Wertheim (1874), Albert Speyer (1881), Emil Speyer (1884), Julius Speyer-Kleeberg (1859), Heinrich (Heinz) Speyer-Ofenberg (1913), Alma Wertheim geb. Katzenberg (1889), Anna Wertheimer geb. Reichhardt (1876), Cissy Wulff geb. Wertheim (1867).
    
Am "Platz der Freiheit" wurde vor einigen Jahren ein Gedenkstein für alle vor dem 2. Weltkrieg in Wolfhagen ansässigen jüdischen Familien errichtet (siehe Foto unten). 
   
Aus der jüdischen Gemeinde lebt in Berlin Lutz Kann (Jahrgang 1922, Sohn von Siegmund Kann und Bertha geb. Kander), der Anfang 2013 (wie auch der gleichfalls der jüdischen Gemeinde Wolfgangen entstammende Ralph Möllerich [Ralph Mollerick, USA], siehe Bericht in lokalo24.de) zum Ehrenbürger der Stadt Wolfhagen ernannt worden ist. Er war mehrfach in Wolfhagen, u.a. zu den Gedenkveranstaltungen zum 9. November 1938. Am Haus der Familie Kann in der Mittelstraße 6 wurde im November 2012 eine Gedenktafel angebracht.   
In der Mittelstraße 30 erinnert eine Tafel an die jüdische Familie Winterberg, deren ehemaliges Wohnhaus am 9. November 1938 von Nationalsozialisten durch Brandstiftung zerstört wurde.     
    
Von den in Niederelsungen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Eichholz (1892), Isidor Eichholz (1890), Rosel Eichholz (1925), Ida Katz geb. Möllerich (1888), Mathilde Katzenberg geb. Möllerich (1892), Minna Löwenstein geb. Eichholz (1862), Minna Markus geb. Möllerich (1890), Max Möllerich (1896), Moritz Möllerich (1886), Willi Möllerich (1893), Simon Möllerich (1853).           
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Allgemeine Beiträge  
  
In dem Buch von Gustav Siegel über die Geschichte der Stadt Wolfhagen wird auch über die jüdische Geschichte berichtet (1930)         

Wolfhagen Lit 120.jpg (34244 Byte) Anmerkung: es geht um das 1929 erschienene Buch von Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen. Wolfhaben. Selbstverlag Magistrat. 1929 218 S. 
Antiquarisch zu beziehen über www.zvab.com.  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 7. Februar 1930: "Wolfhagen. In der letzten Sonntagsnummer des 'Kasseler Tageblattes' macht Herr Paul Heidelbach auf eine neue Geschichte der Stadt Wolfhagen von dem verdienstvollen hessischen Geschichtsschreiber und Obertelegraphen-Inspektor Gustav Siegel aufmerksam, die auch wir empfehlen möchten. Dem Heidelbachschen Artikel entnehmen wir, dass der Bau der Stadt Wolfhagen um das Jahr 1226 begonnen wurde. Es war die Zeit vieler Judenverfolgungen, schon einige Jahre nach ihrer Gründung war Wolfhagen der Schauplatz einer schrecklichen Metzelei gegen eine Schar von aus Frankreich vertriebener Glaubensgenossen."          


700-Jahrfeier der Stadt Wolfhagen - zur jüdischen Geschichte der Stadt (1931)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. März 1931:  
Der Text muss noch abgeschrieben werden.         
Wolfhagen JuedWZKassel 17031931a.jpg (220577 Byte)   

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
   
Ein Lehrer wird für mehrere Familien, gegebenenfalls als Gemeindelehrer gesucht (1864)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1864: "Mehrere Familienväter der israelitischen Gemeinde Wolfhagens bei Hessen-Kassel, suchen einen tüchtigen Lehrer, welcher außer den herkömmlichen Elementargegenständen auch in der französischen und möglichst in der englischen Sprache Unterricht erteilen und Zeugnisse einer höheren pädagogischen Bildung vorlegen kann. Gehalt 400 Thaler. Aussicht auf Anstellung als Gemeinde-Lehrer. Franko-Anfrage. A. Lieberg."         

 
Ausschreibung der Stelle des zweiten Lehrer / Elementarlehrer / Vorbeter (1865)    

Wolfhagen AZJ 28021865.jpg (55499 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Februar 1865: "Lehrer-Gesuch
Der unterzeichnete Vorstand sucht einen zweiten Lehrer, der in den gewöhnlichen Elementarfächern Unterricht erteilen kann und hilfsweise den gottesdienstlichen Vorsängerdienst mit übernimmt, auf 3 Jahre einstweilen provisorisch anzustellen. Gehalt 175 Taler. - 
Unverheiratete Reflektanten wollen sich alsbald bei dem unterzeichneten Vorstand melden und Zeugnisse gleichzeitig franko einsehen.
Wolfhagen in Kurhessen. Der Vorstand der israelitischen Privatschule."    

 
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Abraham Flörsheim (1913)  

Wolfhagen FrfIsrFambl 11071913.jpg (10166 Byte) Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juli 1913: "Wolfhagen. Lehrer A. Flörsheim beging sein 40-jähriges Ortsjubiläum".  

 
70. Geburtstag von Lehrer Abraham Flörsheim (1915)  

Wolfhagen Israelit 07101915.jpg (123268 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Oktober 1915: "Wolfhagen, 5. Oktober (1915). Herr Lehrer A. Flörsheim dahier, der am Schmini Azeret (= 30. September 1915) in ungewöhnlicher körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag feiern konnte, blickt in diesen Tagen auf eine von Erfolgen reich gesegnete Tätigkeit im öffentlichen Schuldienste, nachdem er vorher 1/2 Jahr als Hauslehrer tätig gewesen war. Da der größte Teil der Gemeindemitglieder - u.a. auch die beiden Gemeindeältesten - gegenwärtig im Felde steht und sich ein Sohn des Jubilars - er wirkte als Mittelschullehrer in Frankfurt am Main - in französischer Gefangenschaft in Algier befindet, wurde vorerst von einer größeren Feier abgesehen; man beschränkte sich auf persönliche Beglückwünschungen. Die 'Israelitische Lehrerkonferenz Hessens' ließ ihrem Senior durch die beiden Vorsitzenden Oppenheimer - Treysa und Rosenstein - Rotenburg zwei stimmungsvolle Gemälde überreichen; Herr Neuhaus - Fritzlar sandte namens der 'Freien Vereinigung' eine gehaltvolle Adresse. Außerdem waren noch eine größere Anzahl von schriftlichen und telegraphischen Beglückwünschungen eingegangen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Schulaufsichtsbehörde wird der verdiente Lehrer erst nach beendigtem Kriege in den Ruhestand treten."     
Anmerkung: der genannte Sohn von Abraham Flörsheim war der 1883 in Wolfhagen geborene Julius Flörsheim. Dieser war bis 1938 im städtischen Schuldienst in Frankfurt, ab 1939 Leiter der Flersheim-Sichel-Stiftung (Frankfurt). Er wurde im Oktober 1941 nach Litzmannstadt (= Lodz) deportiert und ist umgekommen.  

   
Zum Tod von Lehrer i.R. Abraham Flörsheim (1925)      

Kassel Israelit 16071925.jpg (57491 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Kassel, 12. Juli (1925). In fast vollendetem 80. Lebensjahre verschied im Krankenhause zu Frankfurt am Main der bei seinem Sohne, Oberlehrer Flörsheim, in Frankfurt zu Besuch weilende Lehrer i.R. Abraham Flörsheim. Bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Jahren wirkte er in reichem Segen an der israelitischen Volksschule in Wolfhagen seit 1873. Durch sein friedliches Wesen und seine edle Gesinnung genoss er dort die größte Achtung und Sympathie in allen Schichten der Bevölkerung. Nachdem er in den Ruhestand getreten war, lebte er in hiesiger Stadt."          

   
   
Berichte aus dem jüdschen Gemeinde- und Vereinsleben 

85-jähriges Bestehen der Frauenchewro (Frauenverein) und 25-jähriges Jubiläum von Rosa Katzenberg als erste Vorsteherin (1930)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom  5. Dezember 1930:       

  
  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Levi Möllerich in Niederelsungen (1894)     

Niederelsungen Israelit 2901894.jpg (228095 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1894: "Wolfhagen, 2. Januar (1894). Von einem herben Schicksalsschlag wurde die in unserem Nachbarorte Nieder-Elsungen wohnhafte, bei Juden und Christen sehr angesehene und beliebte Familie Levi Möllerich betroffen. Am gestrigen Tage sollte nämlich die Hochzeit des jüngsten Sohnes stattfinden. Aber des Psalmisten Wort: 'Vom Ewigen werden des Mannes Schritte festgestellt...' (Psalm 37,23) hat sich hier bewahrheiten sollen, der Freudentag wurde gar plötzlich in einen Tag des bittersten Leides und der tiefsten Trauer verwandelt, denn der 74-jährige geliebte Vater hauchte nach nur eintägiger Krankheit am Tage vor der Hochzeit seines Sohnes seine reine, gottergebene Seele aus. Einige Stunden vor seinem Tode ließ er sich noch das Sefer Hachajim (sc. Gebet- und Erbauungsbuch) geben und sagte in Demut und Ergebenheit die Pflichtgebete, denn von bangen Ahnungen war sein Herz bewegt. Wessen Auge könnte bei solchen herben Schicksalsschlägen frei von Tränen bleiben. Ist es doch ein frommer, vollkommener und rechter Mann in des Wortes schönster Bedeutung, der uns entrissen worden, ein Mann, der keine Kosten und Mühen gescheut, wenn es galt, etwas für Gott und seine heilige Religion zu tun. Und was er den Armen gewesen, das vermögen nur sie selbst zu schildern. Aber dafür hat sich auch an ihm des Sängers Wort erfüllt 'Siehe, also ist der Mann gesegnet, der den Ewigen fürchtet' (Psalm 128,4), indem ihm nämlich das Glück zuteil worden, mit acht Söhnen und einer Tochter, die er zu echten Jehudim erzog und die stets sein Stolz und seine Freude waren, beschenkt zu werden. Irdische Güter wurden ihm reichlich zuteil, sodass er nie mit Sorgen zu kämpfen hatte, und sein Name ist ein geehrter und geachteter bei allen, die mit ihm in Verbindung standen. Sein Haus war offen für Wohlfahrt in der weitgehendsten Weise, indem er von einer wackeren Frau im wahrsten Sinne des Wortes hierbei unterstützt wurde. -  Am Grabe ergriff in Vertretung der Herrn Rabbinern, Herr Lehrer Wertheim aus Volkmarsen das Wort, um in beredter Weise das gottgefällige Leben und Wirken der Verstorbenen zu schildern. Dass ihm dies in der besten Weise gelungen, bewies die Rührung, die alle Anwesenden bei seinen Ausführungen ergriff. Nach ihm hielt sodann sein zweitjüngster Sohn, der aus dem entfernten Gailingen (Baden), woselbst er an der dortigen Handelsschule als Sprachlehrer wirkt, herbeigeeilt war, um mit seinen sämtlich anwesenden Geschwistern den großen Verlust zu beklagen, eine tief ergreifende Rede. Er sprach mit tränenerstickter Stimme von dem schönen Familienleben seines Vaters, von seinem religiösen Wirken und gedachte der Freude seines seligen Vaters  - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - das einige Band der Liebe und Einigkeit, welches alle seine Kinder stets umschlungen. Er erwähnte, dass das (Psalmwort 133,1) Siehe, wie schön und lieblich ist's, wenn Brüder zusammenwohnen selten in einer Familie so sehr zur Geltung gelangt sei, wie bei ihnen. Sodann forderte er seine Brüder auf, sich am Grabe des geliebten Vaters im Geiste die Hand zu reichen zum feierlichen Gelöbnis auch ferner, nachdem ihnen die Krone ihrer Familie entrissen, stets einig und friedfertig weiter zu leben. Er schloss seine Rede mit der Ermahnung, das Andenken des teuren Entschlafenen dadurch zu ehren, dass sie in den Wegen desselben weiter wandeln. Kein Auge blieb bei dieser Rede tränenleer. Dasselbe beobachtete man, als am Schabbat die acht Söhne in der Synagoge vortraten, um das Kaddisch vorzutragen. - Wohl ist uns der Besten einer entrissen worden, aber oben, wo die Gerechten um Gottes Thron versammelt sind, wird auch er weilen, auf seine Familie herabblicken, sie beschützen und gro0en Lohn für seine guten Taten erhalten. 'Er macht verschwinden den Tod für immer, und es löscht Gott, der Herr die Träne von jeglichem Angesicht" (Jesaja 25,8)".        

   
Zehn Jahre vor der NS-Zeit: unschuldige jüdische Einwohner in Wolfhagen werden verleumdet und angegriffen (1924)   

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 7. Februar 1924: "Das Ende folgenschwerer Verleumdungen. 
Unschuldige jüdische Angeklagte in Wolfhagen. 
Vor der ordentlichen Strafkammer des Landgerichts Kassel fand am 30. und 31. Januar ein Prozess gegen 21 Einwohner aus Wolfhagen /Bezirk Kassel) statt, die angeklagt waren, am 22. und 23. September 1923 Mitglieder der Jungdeutschen Ordens bei einer Zusammenkunft in Wolfhagen überfallen und verprügelt zu haben. Die Anklage lautete bei achtzehn Beschuldigten auf schweren Landfriedensbruch, bei drei Beschuldigten auf Anstiftung hierzu. Die Verhandlung hat deshalb über Wolfhagen hinaus größtes Interesse für die deutsche Judenheit, weil ihr Verlauf die Verlogenheit der Judenhetze symptomatisch beleuchtete. Unter den Angeklagten befanden sich auch fünf jüdische Einwohner aus Wolfhagen
Zweien, die verurteilt wurden, war vorgeworfen (Moses Bloch [gemeint: Moses Block] und seinem, nach dem eidlichen Gutachten des Kreisarztes geistig minderwertigen Sohn Julius), durch ermutigende Zurufe ('Nur fest drauf' usw.) zu der Straftat als Rädelsführer aufgereizt zu haben. Den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, Kreisvorsteher Moritz Möllerich, Abraham Katzenstein und Samuel Klebe, hatte man zur Last gelegt, durch Geschenke (Schnaps) und Zureden zu der Straftat angestiftet zu haben. 
Seit den Vorfällen im September war ein regelrechter Boykott gegen die jüdischen Einwohner in Wolfhagen bemerkbar, der sich in nächtlichen Überfällen, im Beschmieren jüdischer Häuser mit Hakenkreuzen, Einschlagen von Fenstern, Beschädigung von Gartenzäunen und vor allem in einem ausgesprochenen Lieferungsstreik nichtjüdischer Gewerbetreibender und Landwirte zeigte. Sogar der Ausschluss des Kaufmanns Möllerich aus dem örtlichen Bürgerverein, dem er seit seiner Gründung angehörte, war wegen des durch die angebliche Anstiftung zu dem Landfriedensbruch 'bewiesenen' unwürdigen Verhaltens Möllerichs verlangt worden - und dies alles, obwohl die drei Genannten ständig ihre Unschuld beteuerten und sich niemand in den vier Monaten vor der Verhandlung gefunden hatte, der ihre Beteiligung an der Straftat aus eigener Kenntnis bestätigen konnte. In der Hauptverhandlung wurde  festgestellt, dass die Anzeige gegen Möllerich, Katzenstein und Klebe jeder Grundlage entbehrte. Der vernichtenden Kritik, die ihre Verteidiger, Rechtsanwälte Dr. Kugelmann (Kassel) und Dr. Marx (Frankfurt) an der Wahrheitsliebe der Mitglieder des Jungdeutschen Ordens Wolfhagen und Umgebung übten, schloss sich das Gericht bei der Begründung des freisprechenden Urteils an. Selbst der Staatsanwalt hatte die Freisprechung beantragt. Der Vorsitzende erklärte wörtlich:  
'Bei Möllerich, Katzenstein und Klebe ist auch nicht der Schimmer eines Beweises dafür erbracht, dass sie sich irgendwie an den Vorgängen beteiligt haben. Es ist nicht hervorgetreten, dass sie irgendwie versucht haben, die k9ommunistische Partei oder andere Leute dazu zu missbrauchen, jungen Leuten, die ihnen religiös und politisch feindlich gesinnt sind, eins auszuwischen. Es ist eine unglückselige Eigenschaft der Deutschen, dass sie verallgemeinern. Wenn irgend etwas passiert bei einem, der einer bestimmten politischen Richtung oder Konfession angehört, dann heißt es immer: die Konfession oder die Parteirichtung. So ist des geschehen, dass die Hetze ganz zu Unrecht getrieben wurde. So sind die Vorgänge gegen die Juden in Wolfhagen, die das Gericht aufs lebhafteste bedauert, psychologisch zu erklären. Der Freispruch erfolgt nicht wegen Mangels an Beweisen, sondern, wie das Gericht nochmals besonders betont, weil die Angeklagten tatsächlich unschuldig sind. Durch diese Erklärung werden sich die Verhältnisse in Wolfhagen hoffentlich wieder regeln.'  Möge dieser Freispruch Verleumdern eine Warnung sein. Die zu Unrecht Beschuldigten werden, nachdem das Gericht gesprochen hat, gegen neue Verleumdungen rücksichtslos vorgehen."    

   
Zum Tod von Kreisvorsteher Meier Reichhardt (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. Januar 1927:      
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Februar 1927:         

     
Moritz Möllerich wird neuer Kreisvorsteher (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 25. März 1927:          


70. Geburtstag von Adelheid Gutheim (1928)   

Wolfhagen Israelit 13091928.jpg (12551 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1928: "Wolfhagen, 2. September (1928). Ihren 70. Geburtstag befing hier Adelheid Gutheim."    

   
Salomon Kron feiert sein 25-jähriges Jubiläum als Gemeindeältester (1930)          

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 26. September 1930:      
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Oktober 1930:        

     
     

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
 
Anzeige von Alexander Speyer-Ofenberg (1867)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. November 1867: "Annonce. Ich suche eine israelitische Dame, gesetzten Alters, welche befähigt ist, da ich 3 Meilen von der Stadt wohne, meinen Kindern, unter Errichtung eines selbstständig zu führenden Haushaltes zu Kassel, eine gute Erziehung zu geben. Neben diesem aber auch, da meine Kinder die dortigen Schulen besuchen werden, wäre es erwünscht, wenn die Dame den Kindern in ihren Schularbeiten mit an die Hand gehen könnte. 
Reflektantinnen wollen bis zum 15. Dezember dieses Jahres sich schriftlichen wenden an Alexander Speyer-Ofenberg zu Wolfhagen bei Kassel."       


Anzeige des Mode-Manufaktur-Warengeschäftes J. L. Reichhardt (1893)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. März 1873: "In meinem 
Mode-Manufaktur-Waren-Geschäft
können sofort zwei Lehrlinge, welche die nötigen Schulkenntnisse besitzen, Placement finden. - Selbstgeschriebene Offerten bitte an mich zu richten. 
Wolfhagen
in Hessen, 12. Februar 1873. J. L. Reichhardt."

 
M. Speyer-Ofenberg sucht für sein Manufaktur-, Buckskin- und Kurzwarengeschäft einen Lehrling (1878) 
Anmerkung: Auffallend ist, dass sowohl in der Anzeige von M. Speyer-Ofenberg wie auch in der Anzeige von W. Möllerich (s.u. 1891) betont wird, dass die Geschäfte an Sonn- und Festtage geschlossen haben. Sollten die beiden Geschäfte am Schabbat offen gewesen sein?   

Wolfhagen Israelit 21081878.jpg (38937 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1878: "Lehrlingsgesuch
Für mein Manufaktur-, Buckskin- und Kurzwaren-Geschäft suche einen Lehrling. Kost und Logis im Hause. Sonn- und Festtage geschlossen. M. Speyer Ofenberg, Wolfhagen bei Kassel."        

  
Verlobungsanzeige von Bertha Wertheim und Max Lehmann (1884)   

Wolfhagen Israelit 21011884.jpg (26503 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1884: "Verlobungs-Anzeige
Bertha Wertheim - Max Lehmann. 
Wolfhagen bei Kassel.  Verden (Hannover) im Januar 1884."       

  
W. Möllerich sucht für seine Kolonial-, Kurz- und Eisenwarenhandlung einen Verkäufer (1891) 

Wolfhagen Israelit 20071891.jpg (71801 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1891: "Verkäufer gesucht!  
Suche für meine Kolonial-, Kurz- und Eisenwarenhandlung, verbunden mit Frucht, Branntwein, Dielen und Farben, einen in diesen Branchen routinierten Verkäufer.   
Derselbe muss mit den Büchern vertraut sein und zuweilen kleine Landtouren unternehmen können.  
Das Geschäft ist an Sonn- und Festtagen streng geschlossen.  
Reflektanten belieben ihre Zeugnisabschriften, Photographie nebst Gehaltsansprüche, bei freier Kost und Wohnung im Hause, baldmöglichst an den Unterzeichneten zu dirigieren. 
W. Möllerich, Wolfhagen, Regierungsbezirk Kassel."      

    
Jacob Reichhardt II. sucht eine Haushälterin (1898)  

Wolfhagen Israelit 29091898.jpg (33119 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1898: "Suche zur Führung meines kleinen Haushalts alsbald eine israelitische Haushälterin. Offerten unter Angabe der Ansprüche bitte an mich gelangen zu lassen. 
Jacob Reichhardt II, 
Wolfhagen, Regierungsbezirk Kassel."       

      
Anzeige von Joseph Meyerhoff (1927)       

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 4. Oktober 1927:        

     
Verlobungsanzeige für Ruth Meyer und Berthold Bloch (1928)   

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. Februar 1929:         

     

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Wolfhagen geborenen 
Lina Katz geb. Reichhardt  
 Wolfhagen KK MZ Katz Lina.jpg (108691 Byte)  
   Kennkarte (Erbach 1939) für Lina Katz geb. Reichhardt (geb. 8. Oktober 1882 in Wolfhagen), wohnhaft in Michelstadt
 und Mainz; am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen    
 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge      
    
Eine erste - 1777 eingerichtete -  Synagoge (die alte "Judenschule") stand in der Schützeberger Straße 35. Sie wurde bis zur Einweihung der neuen Synagoge 1859 verwendet und wenig später abgebrochen. 1858/59 wurde eine neue Synagoge erbaut. Sie hatte eine Größe von 17 m mal 14,5 m und war in Sandstein ausgeführt. Über ihre Einweihung am 26. Oktober 1859 liegt folgender Bericht vor: 
     
Zur Einweihung der neuen Synagoge (1859)  
Anmerkung: Teils sehr kritischer Bericht eines Besuchers der Einweihungsfeier.   

Wolfhagen Israelit 14111859.jpg (120915 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1859: "Wolfhagen in Kurhessen, im Oktober (1859). Die Synagogeneinweihung zu Wolfhagen, einem Kreisstädtchen in Niederhessen, rief am 26. Oktober eine nicht geringe Anzahl Glaubensgenossen aus den angrenzenden Ortschaften zu einer herrlichen Feier in dem unter bedeutenden Geldopfern neu erbauten prachtvollen Gotteshause zusammen, und niemand mag es unbefriedigt verlassen haben, indem der Chorgesang, von sechszehn Mädchen- und fast ebenso vielen Männerstimmen unter der Leitung des Herrn Musikus Euler in Begleitung eines Orchesters ausgeführt, allein schon genügte, um das schöne Fest noch lange in Erinnerung zu erhalten, wenn man erwägt, dass eine jüdische Jugend es ist, der doch erst seit einigen Dezennien die Pflege des Kunstsinnes vergönnt wurde, Meisterwerke wie den Chor aus der Schöpfung von Haydn, das Hallelujah von Händel, Chorgesang aus Judas Maccabäus, in einer jüdischen Synagoge meisterhaft, ja bezaubernd aufzuführen. Aber auch die beiden Reden, gehalten von Herrn Dr. Adler, Landrabbiner zu Kassel, können in ihrer anschaulichen Darstellungsweise, gegriffen aus dem Synagogenleben, nicht ohne nachhaltige Belehrung geblieben sein. In der alten Synagoge mahnte der Redner 
Wolfhagen Israelit 14111859a.jpg (203190 Byte)in der Betrachtung über 'die letzte Versammlung' an die Nichtigkeit des Menschen, der dem alten Gotteshause gleich in Staub zerfalle, so der Geist aus ihm scheide, wie jenes nur Holz und Stein noch ist, nachdem der Geist den Betenden es verlassen; sodann an die Nichtigkeit des menschlichen Besitztums ohne die Tora, gleich dem alten Gotteshause, das seinen Wert nur in den Torarollen habe, den es aber verliere, so diese daraus entfernt seien. In 'der ersten Versammlung' in der neuen Synagoge wusste der Redner dem Aufruf-Ritual recht sinnige Bedeutung zu geben, indem er dasselbe für das Leben fruchtbar zu machen suchte: Wie wir dem Rufe zur Tora folgten, sollten wir draußen im Leben folgen, wenn die Pflicht uns ruft; wie wir beim Aufrufen den Segen empfingen, sollten wir draußen selbst zum Segen werden; wie wir die Tora hoch und fest hielten mit den Händen, so sollten wir sie draußen hoch und fest mit unserem Herzen halten, und ähnliche Anwendungen, wodurch der Vortrag fasslich und beherzigend wurde, ohne gerade etwas Großes und Universelles in sich zu tragen. Nur schade, dass der sonst so aufrichtige Mann sich hier an der heiligen Stätte zum Werkzeug der Schmeichelei musste brauchen lassen, wider alle innere Überzeugung zu loben, zu segnen, zu feiern da, wo er mit Rücksicht auf die Zustände der Juden Kurhessens, zumal der in Wolfhagen, zu segnen durchaus keine Ursache vorhanden ist. Heil uns Israeliten Preußens, dass unsere Gebete für Regent und Volk, für Vaterland und Vaterstadt aus dem tiefen Grunde unserer Herzen zum Himmel steigen können! - Von Staatsbehörden habe ich da den Herrn Landrat und den Herrn Steuerinspektor anwesend gesehen. Beide Männer schienen mir von dem judengehässigen Geiste frei zu sein, der dort so handgreiflich aus allen Fenstern schaut und in der entschiedenen Ablehnung von jederlei Teilnahme seitens der Stadtbehörden und Geistlichkeit seinen vollsten Ausdruck gefunden. Welcher Abstich doch gegen Beverungen, das zur Verherrlichung der dortigen Synagogen-Einweihungsfeier alle Glocken läuten ließ. - Sollten aber die Ursache dieser traurigen Spaltung auch in Euch liegen, meine jüdischen Glaubensgenossen, so lasst Euch von dieser Erscheinung aufrütteln, und strebt aus Euch heraus nach einer bessern Stellung zu ringen. 
Unangenehm hat mich ein Umstand berührt, der
Wolfhagen Israelit 14111859b.jpg (61699 Byte)dem festlichen Tone des sonst so wohlgeordneten Zuges Abbruch getan. Es war die schlaue Spekulation mit Einlasskarten für 10 Sgr. per Stück. Zwei handfeste Mitglieder vom Komitee hatten sich am Eingange des Gotteshauses aufgestellt und wie eine geharnischte Brustwehr jeden zurückgedrängt, der kein Billet aufzeigen konnte. Das war in einer reichen Gemeinde eine feine Bettelei, die unverkennbar einer erhabenen, religiösen Handlung zur Verherrlichung Gottes einen theatralischen Stempel, den Charakter eines Schauspiels aufdrücken musste."  

1909 konnte das 50-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Zuvor war das Gebäude "gänzlich renoviert" worden: 
     
50-jähriges Jubiläum der Synagoge (1909) 

Wolfhagen Israelit 04111909s.jpg (40822 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1909: "Wolfhagen, 24. Oktober (1909). Die Synagogengemeinde feierte am verflossenen Sonntag das 50-jährige Jubiläum des Bestehens ihrer Synagoge. Es hatten sich zu dieser Feier auch eine große Anzahl auswärtige Gäste, meist geborene Wolfhager, eingefunden. In der gänzlich renovierten und schön geschmückten Synagoge fand unter Anwesenheit der Vertreter der Regierung aus Kassel ein Festgottesdienst statt."   

Im Juli 1926 wurde eine Gedenktafel für die drei Gefallenen der jüdischen Gemeinde (siehe oben) in der Synagoge eingeweiht.       
      
Einweihung der Gefallenengedenktafel in der Synagoge (1926)  

Wolfhagen Israelit 22071926.jpg (85051 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1926: "Wolfhagen, 15. Juli (1926). Die hiesige Gemeinde hat in der Synagoge für ihre im Weltkriege gefallenen Heldensöhne eine Gedenktafel anbringen lassen, die am Sonntag feierlich eingeweiht wurde. Nach dem Minchohgebet leitete Herr Klebe, der Vorsitzende der Kreisgruppe des Reichsbundes jüdischer Fronsoldaten die Gedenkfeier ein und übergab die Tafel der Obhut der Gemeinde. Herr Gemeindeältester Möllerich übernahm die Tafel mit Dank. An der Hand der Tafelinschrift: 'Wie sind die Helden gefallen', hielt Herr Lehrer Katzenstein, hier, in warmen Worten die Weiherede. Dann sprach Herr Lehrer Bacher aus Kassel über Leben und Sterben der Gefallenen anschließend an das Prophetenwort: 'Auf der Warte stand ich immerfort am Tage, und auf einem Posten weilte ich alle Nächte.' Die eindrucksvolle Feier schloss mit dem hebräischen Seelengedächtnisgebet und dem von den Mitgliedern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gemeinsam gesprochenen Kadisch".     

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch die in der Stadt wütenden SS-Leute aus Arolsen niedergebrannt. Die Brandruine wurde später abgebrochen. 
  
Auf Grund einer Initiative einiger Bürgerinnen und Bürger wurde im Frühjahr 1993 ein kleiner Gedenkstein am Synagogengrundstück errichtet. Die Inschrift lautete: "Hier stand die Synagoge von Wolfhagen, gebaut 1859, niedergebrannt 10.11.1938". Nach der Neubebauung des Synagogengrundstückes wurde 1998 durch den Heimat- und Geschichtsverein eine neue Gedenktafel angebracht mit dem Text: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde von 1859 bis 1938. Durch Brandstiftung in der Pogromnacht vom 10.11.1938 wurde sie zerstört. 1998 Heimat- und Geschichtsverein".    
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:      Mittelstraße  
  
  
Fotos   
(Quelle: historisches Foto - Außenansicht Arnsberg  Bilder S. 207; Innenansicht: Foto des Landesamtes für Denkmalpflege, 1928; publiziert: Außen- und Innenansicht bei Harold Hammer-Schenk s. Lit.; Innenansicht auch in: "Vertraut werden mit Fremdem". 2000 S. 35 s. Lit. bei Hofgeismar)
neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum Juni 2008)    

Die Synagoge in Wolfhagen  Wolfhagen Synagoge 100.jpg (118612 Byte) Wolfhagen Synagoge 102.jpg (89170 Byte) 
     1859 erbaut - 1938 niedergebrannt    Innenansicht - Blick zum Toraschrein  
       

 Das Synagogengrundstück im Juni 2008 

 
Wolfhagen Synagoge 152.jpg (78603 Byte) Wolfhagen Synagoge 151.jpg (82408 Byte) Wolfhagen Synagoge 150.jpg (98505 Byte)
Das an Stelle der Synagoge erbaute Wohn- und Geschäftshaus mit der Gedenktafel 
(auf rechtem Foto links an der Hausecke erkennbar)
Die Gedenktafel
  
     
Die ehemalige jüdische Schule 
Gerichtstraße 3
Wolfhagen Schule 151.jpg (84381 Byte) Wolfhagen Schule 152.jpg (85923 Byte)
     
        
Das rituelle Bad in Wolfhagen von 1833
 
(Rekonstruktionszeichnungen von 
Thea Altaras (Quelle: s.Lit.)  
Wolfhagen Mikwe 110.jpg (58514 Byte) Wolfhagen Mikwe 111.jpg (39272 Byte)
  Isometrische Darstellung  Grundriss der Anlage 
      
   Wolfhagen Mikwe 113.jpg (56495 Byte) Wolfhagen Mikwe 114.jpg (59807 Byte)
    Längsschnitt B-B 
(oben eingetragen im Grundriss) 
Grundriss A-A 
(oben eingetragen im Grundriss) 
      
 Erinnerung im 
"Regionalmuseum Wolfhagen"
(Quelle)  
  Die hebräisch geschriebene Inschrift (möglicherweise Hausinschrift) datiert auf den 
30. August 1786; mit Zitat aus Psalm 85,12 in der 2. und 3. Zeile ('Treue sprosst aus 
der Erde und Heil schaut vom Himmel hernieder')  
   
Gedenkstein am "Platz der Freiheit" mit
 den Namen der früheren jüdischen
 Familien in Wolfhagen
(Foto im Juni 2014
 erhalten von Gary Buchheim,
 Springfield/USA, Urenkel von Moses Block)  
Wolfhagen Gedenkstein 100.jpg (297187 Byte)
   

      
      
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte          

November 2011: Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938: siehe Bericht und Fotos in der Website der Stadt Wolfhagen    
  
November 2012: Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938: siehe Bericht und Fotos in der Website der Stadt Wolfhagen
Weiterer Bericht in der Website der SPD Wolfhagen.     
 
November 2014: Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938 
Artikel in hna.de vom 10. November 2014: "Musik und Gedichte- Gedenkfeier der Stadt Wolfhagen zur Pogromnacht
Wolfhagen.
Die Stadt Wolfhagen gedachte am Sonntagabend der Opfer und der schrecklichen Ereignisse während der sogenannten Reichspogromnacht. In der Nacht auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland durch die Nationalsozialisten zahlreiche Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnhäuser zerstört..."  
Link zum Artikel   

     
      
Links und Literatur

Links:     

Website der Stadt Wolfhagen 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Wolfhagen (interner Link)    
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich hier ein Stammbaum der Familie Möllerich in Wolfhagen und der Familie Möllerich in Niederelsungen  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Wolfhagen (Synagoge, Schule, Lehrer Katzenstein u.a.) 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Wolfhagen 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Wolfhagen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,867 Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Wolfhagen, aufgenommen im Juli 1938 durch Baruch Wormser aus Grebenstein, wohnhaft in Kassel, Laufzeit: 1712-1723, 1795-1935 (1938)
Enthält: Bericht zur Geschichte des jüdischen Friedhofs mit Situationsplan, hebräische und deutsche Grabinschriften mit Angaben zur Grablage  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719793     
HHStAW, 365, 860 Trauregister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1851    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250857     
HHStAW, 365, 857 Geburtsregister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1852  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031411        
HHStAW, 365, 862 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1825 - 1852    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126696       
HHStAW, 365, 866 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1829 - 1936   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5493971       
HHStAW, 365, 858 Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1837 - 1874  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030596       
HHStAW, 365, 861 Trauregister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1898    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2379172     
HHStAW, 365, 859 Geburtsregister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1909  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4607237       
HHStAW, 365, 863 Sterberegister der Juden von Wolfhagen 1853 - 1918    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924765    
HHStAW, 365, 868 Heiratsurkunden jüdischer Eheleute aus Wolfhagen und Abterode (3 Blatt) 1889 - 1892: Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Salomon Kleeblatt aus Röhrenfurth und Helene geb. Alexander aus Wolfhagen 1892, Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Heinemann Loewenstein aus Iserlohn in Westfalen und Bertha geb. Weilbrunn aus Abterode 1889  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245495     
HHStAW, 365, 864 Alphabetisches Namensverzeichnis von Juden aus Wolfhagen 1900 - 1900 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250826     
HHStAW, 365, 865 Alphabetisches Namensverzeichnis von Juden aus Wolfhagen 1900 - 1900 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250827      
   
Zu Niederelsungen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,663   Geburtsregister der Juden von Niederelsungen  1853 - 1872   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2083528     
HHStAW 365,666   Abschrift der Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Niederelsungen   1853 - 1874: Jüdisches Geburtsregister  1853 - 1872, jüdisches Trauregister  1855 - 1874, jüdisches Sterberegister  1854 - 1872  
 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3031399    
HHStAW 365,665   Sterberegister der Juden von Niederelsungen   1854 - 1872    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782884                 
HHStAW 365,664   Trauregister der Juden von Niederelsungen  1855 - 1874    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782883      

Literatur:  

Germania Judaica Band I S. 486.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 416-418. 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 207.   
Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 2 1981 Abb. 136-137.  
Thea Altaras: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 47.      
Neuauflage der beiden Bände 2007² S. 144-145. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 87-88.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 461-463. 
Ernst Klein: Verschwundene Nachbarn - Verdrängte Geschichte. Begleitbuch zur Dauerausstellung "Deutsch-jüdisches Leben in unserer Region im Lauf der Jahrhunderte" in der Geschichtswerkstatt Rückblende, Kasseler Straße 6 in Volkmarsen. ISBN 978-3-924259-11  17.50 €.   

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wolfhagen  Hesse-Nassau. After the slaying of 18 Jews in 1235, no community was organized until the 17th century. Members opened a religious school in 1788 and dedicated a new synagogue in 1859. The community numbered 258 (8 % of the total) in 1861 and was affiliated with the rabbinate of Kassel. Since Jews handled most of the town's commerce, Nazi propaganda was able to foster latent antisemitism in the 1920s. On Kristallnacht (9-10 November 1938), townspeople helped SS troops from Arolsen destroy the synagogue and loot Jewish property. The burgomaster, dissociating himself from the 'vandalism', saw to it that stolen cash and valuables were returned to their owners. By November 1939, however, the remaining 70 jews had left. Eleven emigrated and about 30 perished in the Holocaust.  
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. Mai 2016