Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Naumburg / Hessen mit den Stadtteilen Altendorf, Altenstädt, Elben und Heimarshausen 
sowie Riede (Gemeinde Bad Emstal) (Kreis Kassel)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Naumburg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16/18. Jahrhunderts zurück. 1503 wird erstmals eine Jude in der Stadt genannt: Jud Lewe (Löw) aus Naumburg führte damals einen Prozess vor dem Freistuhl zu Sachsenhausen. 1692 werden sechs jüdische Einwohner (mit Familien?) aufgeführt.   

Zur jüdischen Gemeinde Naumburg gehörten auch die in Altendorf, Altenstädt, Elben, Heimarshausen und Riede (heute Gemeinde Bad Emstal) lebenden jüdischen Personen: in Altendorf 1728 3 jüdische Einwohner, 1861 0; in Altenstädt 1728 5, 1861 25 jüdische Einwohner (Familien des Levi Hecht, Feist Kugelmann und Isaac Höh; nach 1883 keine jüdischen Einwohner mehr am Ort); in Elben seit 1654 (Simon Jacob) jüdische Einwohner, 1774 Seligmann Heinemann, 1861 6 jüdische Einwohner, nach 1884 keine mehr; in Heimarshausen 1774 Familie des Abraham Katz, 1861 2 jüdische Einwohner; in Riede 1861 14, 1924 4 jüdische Einwohner.
    
1804 zahlten die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände Schutzgeld an den Landesherrn: Jacob Kaiser, Aron Moses, Schaft Elias, Selig Moises, Salomon Moises, Moises Kaiser, Joseph Kanter, Isac Moises; aus Altenstädt: David Mendels Witwe, Michel Schmul. 
  
An den Freiheitskriegen 1813/14 nahmen zwei Männer aus der jüdischen Gemeinde teil: Moses Katz und Aron Rosenbaum.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 75 jüdische Einwohner (4,9 % von insgesamt 1.541 Einwohnern), 1855 81, 1861 65 (3,9 % von 1.649), 1871 67 (4,7 % von 1.430), 1885 47 (3,5 % von 1.329), 1905 53 (3,9 % von 1.376). 
   
Die jüdischen Familienvorsteher verdienten den Lebensunterhalt bis ins 19. Jahrhundert hinein fast durchweg als Händler; die meisten hatten ein eigenes Haus und etwas Garten beziehungsweise Ackerland. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Geschäfte und Handlungen in der Stadt, die im Besitz jüdischer Einwohner waren. Um 1900 gab es zwei jüdische Metzger, einen Apotheker, einen Schuhmacher, einen Pferdehändler, einen Viehhändler, mehrere Handelsleute und Kaufleute    

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule, 1890 aufgelöst, danach Religionsschule), ein rituelles Bad (um 1833 zwei private Mikwen im Haus des Gemeindeältesten Avram Josef Spittel und im Haus des Gumpert Hakelberg; 1836 neue Mikwe in einem anderen Privathaus; seit 1845 im Synagogen-/Schulgebäude) und ein Friedhof. Die Schule war von 1827 bis 1845 in gemieteten Räumen in der Stadt untergebracht. 1844/45 wurde unmittelbar neben der Synagoge und mit ihr verbunden ein Schulhaus mit Schulsaal und Lehrerwohnung erstellt. 1840 gab es 23 schulpflichtige Jungen und 17 schulpflichtige Mädchen in der Gemeinde. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). An Lehrern sind bekannt: Jacob Bamberger (ca. 1806-1814), Moses Müller (1820-1824), Lehrer Weinstein (um 1824), Emanuel Bien (1827-1857, dann mit Familie in die USA ausgewandert), Eliser Gutkind (aus Zierenberg, 1857-1866), Moses Levi (aus Ronshausen, 1866-1871, danach in Hofgeismar), Nathan Jaffa (aus Heinebach, ab 1872-1877), Simon Schön (1877-1891, letzter Elementarlehrer der Gemeinde); ab 1891 die Religionslehrer: Lehrer Heiser (1891-1884), Levi Grünstein (1894-1928(, Lehrer Katzenstein (1928-1937). Die Gemeinde gehörte innerhalb des damaligen Kreises Wolfhagen zum Provinzialrabbinat in Kassel.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Berthold Schon (geb. 16.9.1887 in Naumburg, vor 1914 in Hannover wohnhaft, gef. Februar 1917) und Unteroffizier Julius Schön (geb. 14.11.1884 in Naumburg, gef. 25.8.1918).            
    
Um 1924, als zur Gemeinde noch 40 jüdische Personen gehörten (2,7 % von insgesamt 1.468 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Siegmund Kaiser-Blüth und Isaak Wertheim (die beiden waren von 1911 bis 1925 Gemeindevorsteher). Als Lehrer und Vorbeter war der bereits genannte Levi Grünstein tätig. Er erteilte damals sieben jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es einen Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von Lehrer Grünstein). 1932 war Gemeindevorsteher Isaak Wertheim (von 1926 bis 1936 Gemeindevorsteher). Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch drei jüdische Kinder der Gemeinde durch Lehrer Katzenstein Religionsunterricht.         
 
1933 lebten noch etwa 35 jüdische Personen in Naumburg. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Letzter Gemeindevorsteher wurde 1937 Gustav Schlesinger. 1938 waren noch Angehörige der Familien Blumenkron und Diekhof (Untere Straße 23), Kaiser-Blüth (Untere Straße 24), Plaut (Untere Straße 11), Rosenstein (Roter Rain), Schlesinger (Dielenhenn-Straße 2) und Wertheim (Im Altenhagen 1) in Naumburg. Am 3. Oktober 1938 wurden die jüdischen Familien von der Ortspolizei aufgefordert, den Ort binnen vier Wochen zu verlassen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude teilweise zerstört, die (damals leerstehenden) Häuser der Familien Rosenstein und Blumenkron wurden geplündert und angezündet.  
Der letzte Gemeindevorsteher Gustav Schlesinger konnte nach Chile emigrieren; der frühere Gemeindevorsteher Siegmund Kaiser-Blüth ist mit Familie über Frankfurt nach Argentinien ausgewandert. Die letzten jüdischen Einwohner sind im November 1939 von Naumburg weggezogen (teilweise Kassel, von wo einige deportiert wurden). Unter den Umgekommenen ist der Gemeindevorsteher (bis 1937) Isaak Wertheim. Insgesamt sind fünf Familien ausgewandert: drei nach Südamerika, zwei nach Palästina/Israel.    

Naumburg Hofgeismar Museum 100.jpg (86018 Byte)Von den in Naumburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", sowie nach der Gedenktafel im Stadtmuseum Hofgeismar, Jüdische Abteilung, siehe Foto links): Bertha Blumenkron geb. Meyberg (1857), Selma Blumenkron geb. Grünberg (1892), Walter Blumenkron (1897), Edith Diekhoff (1933), Erna Eva Diekhoff  geb. Blumenkron (1890), Herbert Diekhoff (1894), Margarete Diekhoff (1930), Werner Diekhoff (1931), Johanna Gotthelf geb. Blumenkron (1896), Karoline Grünstein geb. Herz (1857), Rosa Homberg geb. Blumenkron (1887), Carl Kaiser-Blüth (1868), Julius Kaiser-Blüth (1873), Kurz Kaiser-Blüth (1903), Adolf Kander (1880), Johanna Kander geb. Levinstein (1893), Sally Lazarus (1901), Flora Levi geb. Rosenstein (1901), Elias Plaut (1879), Dora Plaut geb. Hammerschlag (1893), Siegberg Plaut (1931), Walter Plaut (1931), Ella Rosenstein geb. Levy (1904), Julius Rosenstein (1868), Jonny Rosenstein (1904), Bernhart Schlesinger (1857), Isfried Schön (1884), Ida Steinheim geb. Kaiser-Blüth (1910), Isaak Wertheim (1867). 

Mitte März 2014 wurden in Naumburg durch Gunter Demnig 24 "Stolpersteine" zum Gedenken an die deportierten und geflohenen jüdischen Einwohner verlegt. An sieben Stellen in der Stadt wurden diese Gedenksteine verlegt (Untere Straße 11, Untere Straße 23, Dielenhennstraße 2, Am Roten Rain, Graf-Volkwin-Straße 9, Altenhagen 1 und 7).    
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1893   

Naumburg Israelit 11101871.jpg (78098 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1871: "Die israelitische Gemeinde Naumburg bei Kassel sucht auf sogleich oder zum baldmöglichsten Antritt einen Lehrer, Vorsänger und Schochet. Fixer Gehalt 150 Thaler nebst freier Wohnung, freier Heizung im Schul- und Wohngebäude, 2 Gemeindegärten. Die Schechita ist mit 60 Thalern veranschlagt, Synagoge, Schul- und Wohngebäude bilden ein Ganzes und sind sehr vollständig und schön eingerichtet. Nebeneinkünfte ca. 30 Thaler und steht einem tüchtigen und konvenierenden Manne noch eine extra persönliche Zulage in Aussicht, und ist einem solchen auch Gelegenheit geboten, circa 100 Thaler für Privatunterricht einzunehmen. Musikalisch gebildete Lehrer mit guter Stimme erhalten den Vorzug. Reflektierende wollen sich alsbald an den Gemeindeältesten B. Kaiser-Blüthe wenden."   
    
Naumburg Israelit 22061893.jpg (54450 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1893: "Die israelitische Synagogengemeinde Naumburg, Regierungsbezirk Kassel, sucht per sofort einen Religionslehrer, der zugleich Vorbeter und Schächter sein muss. Fixes Gehalt 750 Mark nebst freier, schöner Wohnung und Garten und freiem Brand. Nebenverdienste ungefähr 400 Mark. Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse an die Unterzeichneten wenden. 
Die Gemeinde-Ältesten: Jacob Kaiser Blüth I. & II."
Anmerkung: Jacob Kaiser-Blüth I und II waren von 1875 bis 1897 Gemeindevorsteher. 

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Erste jüdischen Handwerker in Naumburg (1818)  

Naumburg Sulamith 1817 392.jpg (91592 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" Jg. 1817/18 S. 392: "Auch im Kurfürstentum Hessen zeigen sich die wohltätigsten Folgen der Zivilisierung der Israeliten. Auch in diesem Staate verfehlen die weisen und humanen Maßregeln der hohen Landesregierung, die Kultur der Israelitischen Jugend zu befördern (wie z.B. die Zulässigkeit zu zunftmäßigen Gewerben) ihren edlen Zweck nicht. - So treiben bereits seit mehreren Jahren in der Residenz Kassel und deren Gegend folgende jüdische Professionisten (welche größtenteils in dieser Stadt ihr Handwerk erlernt), teils als Meister, teils als Gesellen und Lehrbursch zunftmäßige Gewerbe, als: 1 Rothgießer, 2 Buchbinder, 2 Schneider, 1 Sattler, 2 Schuhmacher, 2 Schlosser, 1 Bordenwirker, 1 Tischler und ein Schönfärber; und nicht zunftmäßige, mehr ins Gebiet der freien Künste gehörende Gewerbe treiben: 1 Mechanikus und 1 Tapezier.   
In Naumburg (unweit Kasel) befinden sich 1 Lohgerber, 1 Schönfärber, 1 Sattler und 1 Schuhmacher. 
Kassel 1818. B."  

  
Die jüdische Gemeinde wird kleiner - am Schabbat gibt es keinen Minjan mehr (1929)    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. August 1929: "Naumburg. Mit der fortschreitenden Entvölkerung der jüdischen Gemeinden hält der religiöse Verfall gleichen Schritt - wenn er nicht gar noch rascher vonstatten geht. Bisher galt das 'Land' noch als Reservoir, das die jüdischen Stadtgemeinden speiste und das religiöse Leben neu belebte. Wenn sich aber die religiösen Verhältnisse in der bisherigen Weise weiter entwickeln, ist es damit sehr bald vorbei. Bei ein bis zwei Stunden wöchentlichem Religionsunterricht oder, was dem fast gleich ist, bei keinem Religionsunterricht, wächst die Jugend auf, indifferent gegen alles religiöse Leben. Und was im allgemeinen von der Jugend gilt, trifft hier auch beim 'Alter' zu. Obwohl die hiesige Gemeinde noch die zum gemeinsamen Gottesdienst nötige Anzahl Leute hat, gibt's selbst am Schabbos kein Minjan  mehr. Umsonst ist alle Mühe, die sich unser Synagogenältester, Herr Wertheim,, gibt. Möchten diese Zeilen dazu beitragen, dass sich jeder einzelne seiner Pflicht bewusst wird, alle privaten Differenzen nicht auf das K'hilloleben (Gemeindeleben) zu übertragen und es zu ermöglichen, dass wir wieder einen geregelten Gottesdienst bekommen. W'zidkosom aumedes load."     

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zur Beisetzung des Musketiers Appel aus Naumburg in Kassel (1847)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1847: "Kassel, 7. August (1847). Das Frankfurter Journal enthält von hier aus folgenden bittern Artikel: 'Folgender Fall erregt hier außerordentliches Aufsehen. Unter fünf Soldaten, die an einem schweren gastrischen Fieber gestorben, befand sich auch einer, der sich zur mosaischen Religion bekannte. Kaum hatten die Vorsteher der israelitischen Gemeinde Kunde davon erhalten, als sie auch alles aufboten, um die Bestattung des Leichnams nach jüdischem Ritus zu erwirken. Es ist ihnen auch gestattet worden; obgleich es gar vielen nicht einleuchten will, was die Vorsteher bewegen konnte, zu verhindern, dass der Verstorbene mit militärischen Ehren zur Erde bestattet werde. Der einfache Grund mag wohl darin zu suchen sein, dass sie nicht wissen, was sie tun, indem die hiesige israelitische Gemeinde nun schon seit fünf Jahren ohne Seelsorger, man kann nicht sagen besteht, sondern vegetiert. Wo dem Israeliten es gestattet ist, in den Reihen der vaterländischen Krieger zu stehen, da soll er im Leben und im Tode auch die gleichen Rechte genießen. So lange Einzelne das nicht begreifen, und wenn sie selbst sich Vorsteher nennen, so sind sie nicht reif zur Emanzipation mit ihren christlichen Mitbürgern oder das Blatt hat sich gewendet, die Unduldsamkeit gegen Andersglaubende herrscht bei ihnen; sie sind nicht mehr die Unterdrückten, sondern die Unterdrücker.'"  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September 1847: "Kassel, 12. August (1847). Das Frankfurter Journal enthält folgende Berichtigung des in voriger Nummer mitgeteilten Artikels: 'Der wahre Sachverhalt ist folgender: In dem vom Regimentskommando des 1. (Leib-)Infanterieregiments, welchem der Verstorbene angehörte, an den Vorstand der israelitischen Gemeinde gemachten schriftlichen Anzeige vom erfolgten Ableben des Musketiers Appel aus Naumburg, israelitischer Religion, wurde demselben zugleich eröffnet, dass in Folge höchster Ordre die Beerdigung der Soldaten israelitischen Konfession der betreffenden israelitischen Gemeinde obliege und nicht durch das Regiment zu geschehen habe usw. Hiernach musste die Beerdigung auf dem israelitischen Friedhofe von den Glaubensgenossen des Verstorbenen übernommen werden. Dem Sarge folgte aber nichtsdestoweniger der Hauptmann, der Feldwebel, mehrere Unteroffiziere und ein großer Teil der Kameraden des Verstorbenen, um demselben die letzte Ehre zu erweisen. Dieses ist die einfache und zuverlässige Darstellung jenes Vorganges."               

    
Pferdehändler Adolf Kander übernimmt das Amt des Gemeinderechners (1928)   
Anmerkung: statt "Kanter" ist "Kander" zu lesen.      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. April 1928: "Naumburg. Herr Pferdehändler Adolf Kander hat das Amt des Gemeinderechners ehrenamtlich übernommen."    

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeigen des Manufakturwarengeschäftes B. Kaiser Blüth Sohn (1901 / 1902)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1901: "Für mein Manufakturwarengeschäft, Samstags und Feiertage streng geschlossen, suche per sofort eventuell per 1. August, einen tüchtigen, angehenden 
Commis
 
für Lager und Comptoir; ferner einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen unter günstigen Bedingungen. Kost und Logis im Hause. 
B. Kaiser Blüth Sohn,
Naumburg, Regierungsbezirk Kassel."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1902: "Per sofort oder per 1. Dezember suche einen tüchtigen jüngeren Commis f
ür mein Samstags und Feiertage streng geschlossenes Manufakturwarengeschäfte. Station im Hause. 
B. Kaiser Blüth Sohn. Naumburg, Regierungsbezirk Kassel."   

    
Anzeige von Siegfried Appel (1903)  

Naumburg Israelit 26111903.jpg (42102 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1903: "Für einen kleinen Haushalt Dienstmädchen vorhanden, suche per sofort zuverlässige tüchtige 
Person
 
zur Führung des Haushalts. Offerten mit Gehaltsansprüchen per Monat erbitte sofort 
Siegfried , Naumburg, Bezirk Kassel."  

    
    
 
   
Zur Geschichte der Synagoge                
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Von 1793 bis 1795 wurde eine Synagoge erbaut; als Bauherr wird Salomon Moises genannt. Das Gebäude umfasste einen Betsaal mit Empore und eine kleine Wohnung für den Lehrer der Gemeinde. Da das rituelle Bad sich in einem jüdischen Privathaus und die Schule in gemieteten Räumen in der Stadt befanden, bemühte sich der jüdische Lehrer Emanuel Bien seit Januar 1833 darum, dass auf dem Grundstück neben der Synagoge ein jüdische Gemeindehaus mit rituellem Bad, Schulhaus und Lehrerwohnung erstellt werden könnte. Dieser Anbau konnte jedoch erst 1844/45 erbaut werden. Für die Planung und Ausführung des Baus war Landbaumeister Schnackenberg aus Hofgeismar verantwortlich. Nach Abschluss der Bauarbeiten befanden sich in dem Anbau ein großer Schulsaal sowie für den Lehrer eine Wohnstube, eine Schlafkammer und ein Dachkämmerchen; im bisherigen Gebäude waren weiterhin weitere Wohnräumlichkeiten des Lehrers. Im Betsaal gab es nach einem Inventarverzeichnis von 1857 zehn Bänke (Stände) mit Platz für 40 Männer, auf der Empore sechs Bänke mit 27 Plätzen für die Frauen. Dazu noch zusätzliche Sitzplätze für Gäste und die Jugendlichen der Gemeinde. Der Synagogensaal verfügte über eine reiche und festliche Ausschmückung mit vielen Lampen und Leuchtern aus Messing.   
  
Auf Grund der zurückgehenden Zahl der jüdischen Einwohner am Ort gab es bereits Ende der 1920er-Jahre kein geregeltes gottesdienstliches Leben mehr. Im August 1929 wird geschrieben (siehe Bericht oben): "Obwohl die hiesige Gemeinde (sc. Naumburg) noch die zum gemeinsamen Gottesdienst nötige Anzahl Leute hat, gibt's selbst am Schabbos kein Minjan (sc. die für einen Gottesdienst notwendige Zahl von zehn Männern) mehr".      
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude (am 11. November 1938) teilweise zerstört. Beteiligt waren an der Aktion auswärtige SA-Leute wie auch einheimische Personen. Die zweistöckige Anbau des Betsaal, der in den Garten / Hofteil ragte, wurde zum Einsturz gebracht und noch in derselben Nacht völlig abgebrochen. Eine Brandfackel wurde in das Gebäude geworfen. Wieviel Schaden sie zusätzlich angerichtet hat, ist nicht bekannt.  
  
Eine Hinweistafel ist am Gebäude angebracht (siehe Foto unten). 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge      Graf-Volkwin-Straße 9 (ehemalige Gerichtsstraße)   
   
   
Fotos
(Quelle:  neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.6.2008)  

    Historische Fotos der ehemaligen Synagoge sind noch nicht vorhanden; über Zusendungen oder Hinweise freut sich der 
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.  
     
      
Naumburg Synagoge 152.jpg (94409 Byte) Naumburg Synagoge 151.jpg (87890 Byte) Naumburg Synagoge 150.jpg (109078 Byte)
Blick auf das Vordergebäude der ehemaligen
 Synagoge (Giebel zur Straße, in dem sich 
Teile der Lehrerwohnung befanden) und das 
der ehemaligen jüdischen Schule (links davon;
 mit ehemaligen Schulraum und Teilen der
 Lehrerwohnung) 
Blick auf den erhaltenen Teil der 
ehemaligen Synagoge von der Hofseite. 
Im Hofbereich stand der ehemalige 
Betsaal mit Empore, der 1938 
zerstört wurde.  
Inschrift: "Baudenkmal. Gedenke. 
Von 1503 bis 1938 haben Juden in 
Naumburg gelebt. Von 1795 bis 1938 
war dies die Synagoge."  
  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Dezember 2013: Im April 2014 sollen "Stolpersteine" in Naumburg verlegt werden     
Artikel von Norbert Müller in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de) vom 26. Dezember 2013: "Erinnerung wach halten. 24 Stolpersteine zum Gedenken an Naumburger Juden werden verlegt
Naumburg. Für jeden Juden, der seinen letzten freiwilligen Wohnsitz in Naumburg hatte und von den Nazis umgebracht wurde einen Stolperstein, darauf hatte sich der Freundeskreis um Karin Albrecht und Christa Meuser nach einer Stadtführung im Oktober 2011 durch Naumburg festgelegt.
Sie wollten etwas dafür tun, dass die Entrechteten, Geschundenen, Ermordeten in ihrem Heimatort in Erinnerung bleiben. Die Naumburger Gruppe, zu der gut drei Dutzend Leute gehören, entschied sich dafür, sich dem Projekt des Künstlers Gunter Demnig anzuschließen. Der Kölner hat mittlerweile in fast 900 Orten Pflastersteine, so genannte Stolpersteine, vor den Häusern platziert, in denen die Juden zuletzt freiwillig wohnten. In die Messingoberfläche eingraviert sind Name und Geburtsdatum sowie Tag der Deportation und – wenn bekannt – das Vernichtungslager.
Seit der Stadtführung haben Albrecht, Meuser und Co. viel recherchiert, ihr Projekt im Magistrat vorgestellt, die Hauseigentümer informiert, vor deren Immobilien in der Altstadt auf städtischen Grund die Steine eingelassen werden sollen, kurz, alles getan, damit die Steine – 20 ergaben die Nachforschungen – verlegt werden konnten. 
Demnig bekam die Daten für die Steine und wies in der Antwort darauf hin, dass auch jene einen Stein bekommen sollten, denen die Flucht gelang, die den Holocaust überlebten. 'Man will, dass die Familien symbolisch wieder zusammengeführt werden', sagt Christa Meuser. 'Da sind wir ein bisschen in Druck geraten', ergänzt Karin Albrecht, schließlich stand mit dem 17. März 2014 der Starttermin für das Pflastern schon fest.
Die beiden Frauen mussten nachlegen und nach Überlebenden forschen. Aus 20 Steinen wurden nun 24, die an sieben Stellen in Naumburg verlegt werden. 'Das ganze hat und schon viel Herzblut gekostet. Und auch Adrenalin', sagt die in Altendorf lebende Karin Albrecht. Wohl auch, weil bei all der breiten Unterstützung von Stadt bis Geschichtsverein einer der sieben Hauseigentümer noch immer bockig gegen das Projekt ist. Verhindern wird er es nicht können, die Erinnerungssteine werden auf öffentlichem Grund gesetzt – fest mit schnell bindendem Beton verankert."  
Link zum Artikel        
 
März 2014: Zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Naumburg  
Artikel von Sascha Hoffmann in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de) vom 17. März 2014: "Stolpern mit dem Herzen: 24 gravierte Steine erinnern an Naumburger Juden- 
Naumburg. Gut 70 Jahre nachdem er in Auschwitz starb, wird ihm an dem Ort gedacht, an dem er bis zu seinem unfreiwilligen Auszug im Jahr 1938 gelebt hat. 'Hier wohnte Elias Plaut', steht auf einem kleinen, messingfarbenen Pflasterstein. 'Jahrgang 1879, deportiert 1941, ermordet 2.11.1943.'..."  
Link zum Artikel    
Artikel in der "Hessischen Allgemeinen" (hna.de) vom 26. März 2014: "Abschluss zum Gedenken an die jüdischen Opfer Naumburgs mit Lutz Kann
Naumburg. Zum Abschluss der Veranstaltungen anlässlich der Verlegung der Stolpersteine für die von Naumburg aus deportierten und größtenteils ermordeten Bewohner jüdischen Glaubens, organisierte die verantwortliche Initiative einen weiteren Rundgang mit anschließender Gedenkveranstaltung..."  
Link zum Artikel    

   

   
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Naumburg (Hessen)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Naumburg (interner Link)    
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Naumburg 

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Naumburg mit umliegenden Orten  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Elben und Altenstädt sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,153  Abschrift der Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Elben: Jüdisches Geburtsregister 1854 - 1868, Jüdisches Trauregister 1861 - 1865, Jüdisches Sterberegister 1853 - 1882; enthält auch: Altenstädt 
 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4801164        
  
Zu Naumburg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,607   Geburtsregister der Juden von Naumburg  1823 - 1852; enthält auch Angaben zu Personen aus Altenstädt, Elben und Martinhagen     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1510961     
HHStAW 365,605   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Naumburg  1825 - 1883: enthält Abschriften des Geburtsregisters 1825 - 1883, des Trauregisters 1826 - 1877 und des Sterberegisters 1826 - 1883, enthält auch Angaben zu Personen aus Altenstädt, Elben und Martinhagen    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4449187      
HHStAW 365,603   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhof in Naumburg, aufgenommen im April und Mai 1941 durch Jacob Frankenberg und Aron Hahn aus Kassel  1832 - 1933; enthält eine kurze Beschreibung des Friedhofs mit Situationsplan https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289986                       
HHStAW 365,604   Geburtsregister der Juden von Naumburg  1854 - 1883    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126658      
 
Zu Riede sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,710  Abschrift der Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Riede von 1937: jüdisches Geburtsregister 1827 - 1894, jüdisches Trauregister 1829 - 1885, jüdisches Sterberegister 1828 - 1887; enthält auch Angaben zu Heimarshausen   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v131328         

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 112-114.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 (kein Artikel zu Naumburg).  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 45-46.  
dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 138-140.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 82-83.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 512-513.   
Naumburg Lit 010.jpg (57496 Byte)Volker Knöppel und der Magistrat der Stadt Naumburg (Hrsg.): "...da war ich zu Hause". Synagogengemeinde Naumburg 1503-1938. Gemeinschaftsausgabe des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde e.V. - Zweigverein Naumburg und des Geschichtsverein Naumburg: "Die Geschichte unserer Heimat" Band 29.  Hofgeismar/Naumburg 1998.

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Naumburg Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community dedicated a synagogue in 1795 and together with members in three local villages numbered 147 in 1847, but dwindled to 40 in 1925. The 30 Jews living there in October 1938 received notice to leave and only two families remained on Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was destroyed. By September 1929 they had also left. Few emigrated, most settling in Frankfurt and Kassel.  
    
      

                   
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Stand: 22. Mai 2016