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Großropperhausen (Gemeinde
Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Großropperhausen bestand eine jüdische
Gemeinde bis um 1930. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18.
Jahrhunderts zurück. Auf Grund von judenfeindlichen Maßnahmen der Landgräfin
Amalie Elisabeth (1602-1651) hatten die meisten jüdischen Familien Kassel
verlassen. Die jüdische Familie Moses konnte sich in Großropperhausen
niederlassen (genauer Zeitpunkt unklar), wo sie unter der Ortsherrschaft der
Familien von Urff und von Gilsa beziehungsweise (nach 1698/99) auch unter der
Familie von Baumbach Aufnahme fand.
Der Enkel des aus Kassel
stammenden Familienvaters war der 1676 in Großropperhausen geborene Hirsch
Moses. Sein ältester Sohn ließ sich in Neukirchen
nieder, seine Nachkommen wanderten nach Amerika aus. Der zweite Sohn (geboren
1712) erhielt einen Schutzbrief der Ortsherrschaft für Großropperhausen erst
nach dem Tod seines Vater. Dessen Enkel, Isaak Moses (geb. 1773) heiratete Bela
Levi aus Frielendorf; er hatte drei
Söhne und eine Tochter: Hirsch Moses, Avrom (Abraham), Ephraim und Blümchen.
Zur Bildung einer selbständigen
jüdischen Gemeinde in Großropperhausen kam es in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts. 1840 werden als steuerpflichtige Juden am Ort genannt (drei
davon die bereits genannten Söhne von Isaak Moses): Hirsch Moses, Abraham Moses
I, Moses Frank, Leib Moses, Joseph Kaschmann Witwe, Salomon Moses, Marum Moses,
Abraham Moses, Ephraim Moses.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1835 23 jüdische Einwohner, 1861 83, 1867 82, 1895 44, 1905 44. Viele der
jüdischen Einwohner, insbesondere Angehörige der Familie Moses ließen sich
gegen Ende des 19. Jahrhunderts im aufstrebenden Marktflecken
Frielendorf nieder oder verzogen in andere Orte.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(bis 1873 eine Israelitische Elementarschule, danach eine
Religionsschule),
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
Folgende Lehrer unterrichteten am Ort: Löb Stern (1836-1838), Moses
Kaufmann (1840-1841), Herz Spiro (1841-1842), Moses Fleischhacker (1842-1848),
Elias Stern (1848-1853), Jacob Stein (1854-1856), Marcus Luhs (1857-1858/59) und
Koppel Hecht (1860-1867).
Nachdem die Zahl
der jüdischen Gemeindeglieder (und damit auch der schulpflichtigen Kinder) um
1900 stark zurück zurückgegangen war, konnte sich die Gemeinde keinen eigenen
Lehrer mehr leisten. Nun übernahmen auswärtige Lehrer - vor
allem aus Frielendorf - den Unterricht und andere Aufgaben. Die Gemeinde gehörte
zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sally Kaschmann
(geb. 5.5.1895 in Großropperhausen, gef. 22.10.1918) und Wolf Willi Wertheim
(geb. 22.6.1882 in Großropperhausen, gef. 12.6.1917).
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 20 Personen gehörten, war
Gemeindevorsteher M. Kaschmann. Die jüdischen Kinder erhielten
ihren Religionsunterricht durch Lehrer Hugo Lion aus Frielendorf (siehe Bericht unten
zu seinem Tod 1925). Ende der 1920er-Jahre wurde die jüdische Gemeinde
aufgelöst, eine diesbezüglich Anordnung des Regierungspräsidenten in Kassel
vom 3. Oktober 1929 wurde allerdings erst am 15. Februar 1933 von Preußischen
Staatsminister bestätigt. Die in Großropperhausen noch lebenden jüdischen Personen gehörten
nun zur Gemeinde in Frielendorf.
1933 lebten noch etwa 10 jüdische Personen am Ort. In
den folgenden beiden Jahren sind alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bei den letzten jüdischen
Einwohnern handelte es sich um Meier Kaschmann (geb. 1862) mit Jettchen
geb. Plaut (1867), Max Kaschmann (1904) und Gitta Kischmann (1899), alle vier
sind im September 1935 nach Palästina ausgewandert; Levi Moses (1865)
und Johanna geb. Wolf (1871), die beide 1934 nach Ziegenhain zogen; Rosa Moses
(1904), die 1935 nach New York auswanderte, Erna Moses (1906), die sich
1934 nach Hamburg abmeldete; Albert Moses (1899) mit Gerda geb. Wertheim
(1904) und Martin Moses (1931), die alle drei 1935 nach Frankfurt zogen; Martha Wertheim
(geb. 1911) die 1934 nach New York auswanderte.
Bereits Ende 1935 lebten offenbar in Großropperhausen keine jüdischen
Personen mehr.
Von den in Großropperhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Eichenberg geb.
Kaschmann (1868), David Theo Frank (1902), Louis Frank (1907), Nanny Heilbrunn
geb. Moses (1901), Berta Joseph geb. Moses (1895), Rebekka Katz geb. Moses
(1896), Moritz Moses (1902), Bertha Simon geb. Kaschmann (1893), Simon Siegmund
Wertheim (1889), Johanna Worms geb. Wertheim (1884).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Hugo Lion in Frielendorf (1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925:
"Frielendorf, 12. Juli (1925). Ein großes Leichengefolge geleitete
am Donnerstag die sterblichen Überreste des 67jährigen Lehrers a.D. Hugo
Lion zur letzten Ruhe. Seit dem Tode seines Vaters im Jahre 1895, der
lange Jahre an der hiesigen Volksschule gewirkt hatte, versah er die
Schulstelle und gab gleichzeitig in den Nachbarorten Groß-Ropperhausen
und Dillich den Religionsunterricht. Nach seiner Pensionierung am 1. April
1924 und der damit verbundenen Auflösung der hiesigen Schule wirkte er
hier weiter als Religionslehrer und Kultusbeamter, bis ihn vor kurzem eine
Krankheit aufs Krankenbett warf und ihn der Tod abberief." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der
jüdischen Häuser vorhanden. Um 1835 konnte eine Synagoge erbaut werden. Es
handelte sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Walmdach. Der nach Osten
gerichtete Betraum links des Eingangs hatte einen fast quadratischen Grundriss
mit einer einseitigen Empore. Rechts im Erdgeschoss befand sich der Schulraum,
darüber die Lehrerwohnung. Äußerlich gaben die Segmentbogenfenster dem
Gebäude sein besonderes Aussehen.
Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 ist
nichts bekannt. Das Gebäude wurde vermutlich spätestens 1935 - im Zusammenhang
mit dem Wegzug der letzten jüdischen Familien - an eine nichtjüdische
Familie verkauft. In der Folgezeit wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut.
Nach 1945 blieb
es als Wohnhaus erhalten, befand sich jedoch längere Zeit in einem sehr
vernachlässigten Zustand, bis es nach einem Besitzerwechsel Anfang der
1980er-Jahre sorgfältig restauriert wurde. Die neuen Besitzer haben dabei das
Gebäude äußerlich dem früheren Zustand angeglichen.
Adresse/Standort der Synagoge: Kirchberg
16
Fotos
(Quelle: Altaras s.Lit. 1988 S. 50; 1994 S. 50; 2007 S.
69.153)
Das Synagogengebäude
nach
1945 |
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Das ehemalige
Synagogengebäude während
der Restaurierungsarbeiten; Stand: Juli 1985 |
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| Das ehemalige
Synagogengebäude nach der von 1980-1987 sorgfältig durchgeführten
Restaurierung im März 1994 (Fotos von Silke Berg) |
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Das Gebäude im Juni 2002 |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 294-295. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 25. |
 | dies.: Neubearbeitung der genannten Bücher. 2007 S.
69.153. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 170. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 548 (im Anschluss an den Artikel zu
Frielendorf). |
 | Hartwig Bambey: Unter dem Schutz der lokalen
Herrschaft - Juden in Großropperhausen. In: Heimatvertriebene Nachbarn.
Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Hrsg. von Hartwig Bambey,
Adolf Biskamp und Bernd Lindenthal. Schwalmstadt-Treysa 1993. Band
2 S. 555-560. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Frielendorf
Hesse-Nassau. Established around 1812, the community opened a synagogue in 1834
and an elementary school in 1843, growing in population to 144 (12 % of the
total) in 1905. Many Jews left before the Nazi period and in nearby Grossropperhausen
(Ropperhausen) the community - which numbered 83 in 1861 - had vanished by 1935.
The 58 Jews remaining in Frielendorf in 1933 settled elsewhere, 19 emigrating.
At least four perished in the Holocaust.

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