Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Großropperhausen (Gemeinde Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Großropperhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1930. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Auf Grund von judenfeindlichen Maßnahmen der Landgräfin Amalie Elisabeth (1602-1651) hatten die meisten jüdischen Familien Kassel verlassen. Die jüdische Familie Moses konnte sich in Großropperhausen niederlassen (genauer Zeitpunkt unklar), wo sie unter der Ortsherrschaft der Familien von Urff und von Gilsa beziehungsweise (nach 1698/99) auch unter der Familie von Baumbach Aufnahme fand. 
  
Der Enkel des aus Kassel stammenden Familienvaters war der 1676 in Großropperhausen geborene Hirsch Moses. Sein ältester Sohn ließ sich in Neukirchen nieder, seine Nachkommen wanderten nach Amerika aus. Der zweite Sohn (geboren 1712) erhielt einen Schutzbrief der Ortsherrschaft für Großropperhausen erst nach dem Tod seines Vater. Dessen Enkel, Isaak Moses (geb. 1773) heiratete Bela Levi aus Frielendorf; er hatte drei Söhne und eine Tochter: Hirsch Moses, Avrom (Abraham), Ephraim und Blümchen. 
   
Zur Bildung einer selbständigen jüdischen Gemeinde in Großropperhausen kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1840 werden als steuerpflichtige Juden am Ort genannt (drei davon die bereits genannten Söhne von Isaak Moses): Hirsch Moses, Abraham Moses I, Moses Frank, Leib Moses, Joseph Kaschmann Witwe, Salomon Moses, Marum Moses, Abraham Moses, Ephraim Moses.    
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 23 jüdische Einwohner, 1861 83, 1867 82, 1895 44, 1905 44. Viele der jüdischen Einwohner, insbesondere Angehörige der Familie Moses ließen sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im aufstrebenden Marktflecken Frielendorf nieder oder verzogen in andere Orte. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (bis 1873 eine Israelitische Elementarschule, danach eine Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Folgende Lehrer unterrichteten am Ort: Löb Stern (1836-1838), Moses Kaufmann (1840-1841), Herz Spiro (1841-1842), Moses Fleischhacker (1842-1848), Elias Stern (1848-1853), Jacob Stein (1854-1856), Marcus Luhs (1857-1858/59) und Koppel Hecht (1860-1867). 
   
Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder (und damit auch der schulpflichtigen Kinder) um 1900 stark zurück zurückgegangen war, konnte sich die Gemeinde keinen eigenen Lehrer mehr leisten. Nun übernahmen auswärtige Lehrer - vor allem aus Frielendorf - den Unterricht und andere Aufgaben. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sally Kaschmann (geb. 5.5.1895 in Großropperhausen, gef. 22.10.1918) und Wolf Willi Wertheim (geb. 22.6.1882 in Großropperhausen, gef. 12.6.1917). 
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 20 Personen gehörten, war Gemeindevorsteher M. Kaschmann. Die jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Hugo Lion aus Frielendorf (siehe Bericht unten zu seinem Tod 1925). Ende der 1920er-Jahre wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst, eine diesbezüglich Anordnung des Regierungspräsidenten in Kassel vom 3. Oktober 1929 wurde allerdings erst am 15. Februar 1933 von Preußischen Staatsminister bestätigt. Die in Großropperhausen noch lebenden jüdischen Personen gehörten nun zur Gemeinde in Frielendorf.  

1933 lebten noch etwa 10 jüdische Personen am Ort.
In den folgenden beiden Jahren sind alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bei den letzten jüdischen Einwohnern handelte es sich um Meier Kaschmann (geb. 1862) mit Jettchen geb. Plaut (1867), Max Kaschmann (1904) und Gitta Kischmann (1899), alle vier sind im September 1935 nach Palästina ausgewandert; Levi Moses (1865) und Johanna geb. Wolf (1871), die beide 1934 nach Ziegenhain zogen; Rosa Moses (1904), die 1935 nach New York auswanderte, Erna Moses (1906), die sich 1934 nach Hamburg abmeldete; Albert Moses (1899) mit Gerda geb. Wertheim (1904) und Martin Moses (1931), die alle drei 1935 nach Frankfurt zogen; Martha Wertheim (geb. 1911) die 1934 nach New York auswanderte. 

Bereits Ende 1935 lebten offenbar in Großropperhausen keine jüdischen Personen mehr.  
  
Von den in Großropperhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Eichenberg geb. Kaschmann (1868), David Theo Frank (1902), Louis Frank (1907), Nanny Heilbrunn geb. Moses (1901), Berta Joseph geb. Moses (1895), Rebekka Katz geb. Moses (1896), Moritz Moses (1902), Bertha Simon geb. Kaschmann (1893), Simon Siegmund Wertheim (1889), Johanna Worms geb. Wertheim (1884).      
      
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Zum Tod von Lehrer Hugo Lion in Frielendorf (1925)   

Frielendorf Israelit 16071925.jpg (65413 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Frielendorf, 12. Juli (1925). Ein großes Leichengefolge geleitete am Donnerstag die sterblichen Überreste des 67jährigen Lehrers a.D. Hugo Lion zur letzten Ruhe. Seit dem Tode seines Vaters im Jahre 1895, der lange Jahre an der hiesigen Volksschule gewirkt hatte, versah er die Schulstelle und gab gleichzeitig in den Nachbarorten Groß-Ropperhausen und Dillich den Religionsunterricht. Nach seiner Pensionierung am 1. April 1924 und der damit verbundenen Auflösung der hiesigen Schule wirkte er hier weiter als Religionslehrer und Kultusbeamter, bis ihn vor kurzem eine Krankheit aufs Krankenbett warf und ihn der Tod abberief." 

     

      

     
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Um 1835 konnte eine Synagoge erbaut werden. Es handelte sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Walmdach. Der nach Osten gerichtete Betraum links des Eingangs hatte einen fast quadratischen Grundriss mit einer einseitigen Empore. Rechts im Erdgeschoss befand sich der Schulraum, darüber die Lehrerwohnung. Äußerlich gaben die Segmentbogenfenster dem Gebäude sein besonderes Aussehen.   
        
Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 ist nichts bekannt. Das Gebäude wurde vermutlich spätestens 1935 - im Zusammenhang mit dem Wegzug der letzten jüdischen Familien - an eine nichtjüdische Familie verkauft. In der Folgezeit wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut. 

Nach 1945
blieb es als Wohnhaus erhalten, befand sich jedoch längere Zeit in einem sehr vernachlässigten Zustand, bis es nach einem Besitzerwechsel Anfang der 1980er-Jahre sorgfältig restauriert wurde. Die neuen Besitzer haben dabei das Gebäude äußerlich dem früheren Zustand angeglichen.  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge     Kirchberg 16   
      

Fotos
(Quelle: Altaras s.Lit. 1988 S. 50; 1994 S. 50; 2007 S. 69.153)    

Das Synagogengebäude 
nach 1945
Grossropperhausen Synagoge 140.jpg (63490 Byte)
  Das ehemalige Synagogengebäude während
 der Restaurierungsarbeiten; Stand: Juli 1985
 
     
Grossropperhausen Synagoge 143.jpg (77075 Byte) Grossropperhausen Synagoge 141.jpg (70425 Byte) Grossropperhausen Synagoge 142.jpg (75857 Byte)
Das ehemalige Synagogengebäude nach der von 1980-1987 sorgfältig durchgeführten Restaurierung im März 1994 (Fotos von Silke Berg)
     
  Grossropperhausen Synagoge 144.jpg (89702 Byte)  
  Das Gebäude im Juni 2002  
      


   
Links und Literatur   

Links:   

Website der Gemeinde Frielendorf   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Großropperhausen 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 294-295.   
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 25.  
dies.: Neubearbeitung der genannten Bücher. 2007 S. 69.153. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 170.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 548 (im Anschluss an den Artikel zu Frielendorf).
Hartwig Bambey: Unter dem Schutz der lokalen Herrschaft - Juden in Großropperhausen. In: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Hrsg. von Hartwig Bambey, Adolf Biskamp und Bernd Lindenthal. Schwalmstadt-Treysa 1993. Band 2 S. 555-560.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Frielendorf Hesse-Nassau. Established around 1812, the community opened a synagogue in 1834 and an elementary school in 1843, growing in population to 144 (12 % of the total) in 1905. Many Jews left before the Nazi period and in nearby Grossropperhausen (Ropperhausen) the community - which numbered 83 in 1861 - had vanished by 1935. The 58 Jews remaining in Frielendorf in 1933 settled elsewhere, 19 emigrating. At least four perished in the Holocaust.
          

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. November 2011