Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Großropperhausen (Gemeinde Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Großropperhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1930. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Auf Grund von judenfeindlichen Maßnahmen der Landgräfin Amalie Elisabeth (1602-1651) hatten die meisten jüdischen Familien Kassel verlassen. Die jüdische Familie Moses konnte sich in Großropperhausen niederlassen (genauer Zeitpunkt unklar; Näheres zur Geschichte der Familie siehe unten Artikel von 1928), wo sie unter der Ortsherrschaft der Familien von Urff und von Gilsa beziehungsweise (nach 1698/99) auch unter der Familie von Baumbach Aufnahme fand. 
  
Der Enkel des aus Kassel stammenden Familienvaters war der 1676 in Großropperhausen geborene Hirsch Moses. Sein ältester Sohn ließ sich in Neukirchen nieder, seine Nachkommen wanderten nach Amerika aus. Der zweite Sohn (geboren 1712) erhielt einen Schutzbrief der Ortsherrschaft für Großropperhausen erst nach dem Tod seines Vater. Dessen Enkel, Isaak Moses (geb. 1773) heiratete Bela Levi aus Frielendorf; er hatte drei Söhne und eine Tochter: Hirsch Moses, Avrom (Abraham), Ephraim und Blümchen. 
   
Zur Bildung einer selbständigen jüdischen Gemeinde in Großropperhausen kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1840 werden als steuerpflichtige Juden am Ort genannt (drei davon die bereits genannten Söhne von Isaak Moses): Hirsch Moses, Abraham Moses I, Moses Frank, Leib Moses, Joseph Kaschmann Witwe, Salomon Moses, Marum Moses, Abraham Moses, Ephraim Moses.    
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 23 jüdische Einwohner, 1861 83, 1867 82, 1895 44, 1905 44. Viele der jüdischen Einwohner, insbesondere Angehörige der Familie Moses ließen sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im aufstrebenden Marktflecken Frielendorf nieder oder verzogen in andere Orte. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (bis 1873 eine Israelitische Elementarschule, danach eine Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Folgende Lehrer unterrichteten am Ort: Löb Stern (1836-1838), Moses Kaufmann (1840-1841), Herz Spiro (1841-1842), Moses Fleischhacker (1842-1848), Elias Stern (1848-1853), Jacob Stein (1854-1856), Marcus Luhs (1857-1858/59) und Koppel Hecht (1860-1867). 
   
Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder (und damit auch der schulpflichtigen Kinder) um 1900 stark zurück zurückgegangen war, konnte sich die Gemeinde keinen eigenen Lehrer mehr leisten. Nun übernahmen auswärtige Lehrer - vor allem aus Frielendorf - den Unterricht und andere Aufgaben. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Sally Kaschmann (geb. 5.5.1895 in Großropperhausen, gef. 22.10.1918) und Wolf Willi Wertheim (geb. 22.6.1882 in Großropperhausen, gef. 12.6.1917). 
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 20 Personen gehörten, war Gemeindevorsteher M. Kaschmann. Die jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer Hugo Lion aus Frielendorf (siehe Bericht unten zu seinem Tod 1925). Ende der 1920er-Jahre wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst, eine diesbezüglich Anordnung des Regierungspräsidenten in Kassel vom 3. Oktober 1929 wurde allerdings erst am 15. Februar 1933 von Preußischen Staatsminister bestätigt. Die in Großropperhausen noch lebenden jüdischen Personen gehörten nun zur Gemeinde in Frielendorf.  

1933 lebten noch etwa 10 jüdische Personen am Ort.
In den folgenden beiden Jahren sind alle von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bei den letzten jüdischen Einwohnern handelte es sich um Meier Kaschmann (geb. 1862) mit Jettchen geb. Plaut (1867), Max Kaschmann (1904) und Gitta Kischmann (1899), alle vier sind im September 1935 nach Palästina ausgewandert; Levi Moses (1865) und Johanna geb. Wolf (1871), die beide 1934 nach Ziegenhain zogen; Rosa Moses (1904), die 1935 nach New York auswanderte, Erna Moses (1906), die sich 1934 nach Hamburg abmeldete; Albert Moses (1899) mit Gerda geb. Wertheim (1904) und Martin Moses (1931), die alle drei 1935 nach Frankfurt zogen; Martha Wertheim (geb. 1911) die 1934 nach New York auswanderte. 

Bereits Ende 1935 lebten in Großropperhausen offenbar keine jüdischen Personen mehr.  
  
Von den in Großropperhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Eichenberg geb. Kaschmann (1868), David Theo Frank (1902), Louis Frank (1907), Nanny Heilbrunn geb. Moses (1901), Berta Joseph geb. Moses (1895), Rebekka Katz geb. Moses (1896), Moritz Moses (1902), Bertha Simon geb. Kaschmann (1893), Simon Siegmund Wertheim (1889), Johanna Worms geb. Wertheim (1884).      
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
   
Zum Tod von Seminardirigent a.D. Dr. Jacob Stein (1898 in Kassel, war 1854 bis 1856 Lehrer in Großropperhausen)    
Anmerkung: vgl. unten im Bericht zum 85. Geburtstag der 1831 in Großropperhausen geborenen Fanny Löwenstein: "
Gern erinnert sie sich an ihre ferne Schulzeit und an ihren hochverehrten Lehrer, den späteren Seminardirektor Dr. Stein, der damals Lehrer in ihrem Geburtsorte Ropperhausen war."   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1898: "Kassel, 10. Februar (1898). Am 6. dieses Monats verschied hierselbst der Seminardirigent a. D. Dr. Jacob Stein. In ihm verlieren wir einen in vielfacher Hinsicht ausgezeichneten Mann, der sich in den weitesten Kreisen hohen Ansehens und großer Beliebtheit erfreut hat. Geboren 1835 in dem Dorfe Holzhausen bei Marburg, zeigte er früh lebhafte Neigung und natürliche Anlage zum Lehrerberuf, dem er denn auch sein ganzes Leben treu geblieben ist. Nachdem er zuerst in Ropperhausen und Adelebsen gewirkt hatte, kam er 1862 nach Göttingen, wo er sich neben seinem Lehramte mit eisernem Fleiße akademischen Studien widmete, die er mit einer Arbeit über den Koran abschloss. Von Göttingen wurde er als Lehrer an die Jacobsonschule nach Seesen berufen, und von dort folgte er 1866 einem Rufe nach Kassel, um die Leitung des israelitischen Seminars zu übernehmen. Dieses Amt hat er bis 1897 verwaltet und demnach fast ein Menschenalter im Dienste der Volksschule unserer Provinz gewirkt. Eine große Anzahl israelitischer Lehrer Hessens und der Nachbarprovinzen sind seine Schüler gewesen, die mit unbegrenzter Liebe und Verehrung an ihm hingen, da sie in ihm jederzeit ihren besten Freund und weisesten Berater fanden. Bald nach seinem Amtsantritt gab er die tatkräftige Anregung zur Gründung der israelitischen Lehrerkonferenz für Hessen und ist bis zu seinem Tode ununterbrochen ihr Vorsitzender gewesen. Überhaupt widmete er sich mit dem größten Eifer allen Bestrebungen zur Förderung der Volksschule, für die er eine Reihe Schulbücher verfasst hat, wie des Lehrerstandes, dem er mit ganzem Herzen ergeben war. Als im Jahre 1891 das 25-jährige Jubiläum seiner hiesigen Amtstätigkeit gefeiert wurde, zeigte sich in zahlreichen Kundgebungen, wie viel Liebe er gesät hatte. Denn so sehr ihn sein Amt in Anspruch nahm, so eifrig beteiligte er sich an zahlreichen humanen und gemeinnützigen Bestrebungen, jedes Amt mit der gleichen Treue und Gewissenhaftigkeit versehend. Eine lange Reihe von Jahren war er u.a. erst Armenpfleger und dann Armenrat der Stadt, für diese Tätigkeit durch seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, sein sanftes und liebevolles Wesen besonders geeignet. Ein schweres Herzleiden zwang ihn, Ostern 1897 seine Pensionierung nachzusuchen, und bei dieser Gelegenheit wurde er durch Verleihung des Roten Adlerordens ausgezeichnet. Leider sollte er sich des Ruhestandes nicht erfreuen. Seine Krankheit verschlimmerte sich unaufhaltsam und führte schließlich zu qualvollem Leiden, die er mit der großartigen Ergebung eines Dulders ohne Klagelaut ertrug. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, eine anima candida, wohin er kam, Liebe säend und Segen stiftend, eine Zierde des Lehrerstandes, der Pestalozzi der israelitischen Schule Hessens. Die große Beliebtheit, deren sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, gab sich bei der gestern Nachmittag stattgefundenen Beerdigung kund, die unter überaus zahlreichem Geleite erfolgte. Die Kinder des israelitischen Waisenhauses, denen sich die Zöglinge des hiesigen Seminars anschlossen, welch Letztere den Sarg zur Gruft trugen, eröffneten den langen Zug, in dem auch viele israelitische Lehrer aus der ganzen Provinz, frühere Schüler des Verblichenen, vertreten waren. In warmen Worten hoben bei der Feier auf dem Friedhofe zuerst Herr Landrabbiner Dr. Prager und sodann Herr Rabbiner Dr. (Benno) Jacob aus Göttingen, der Schwiegersohn des Verstorbenen, seine hohen Tugenden hervor. Möge ihm die Erde leicht sein; ein treues Andenken ist ihm in weiten Kreisen sicher."          


Zum Tod von Lehrer Hugo Lion in Frielendorf (1925)   

Frielendorf Israelit 16071925.jpg (65413 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Frielendorf, 12. Juli (1925). Ein großes Leichengefolge geleitete am Donnerstag die sterblichen Überreste des 67jährigen Lehrers a.D. Hugo Lion zur letzten Ruhe. Seit dem Tode seines Vaters im Jahre 1895, der lange Jahre an der hiesigen Volksschule gewirkt hatte, versah er die Schulstelle und gab gleichzeitig in den Nachbarorten Groß-Ropperhausen und Dillich den Religionsunterricht. Nach seiner Pensionierung am 1. April 1924 und der damit verbundenen Auflösung der hiesigen Schule wirkte er hier weiter als Religionslehrer und Kultusbeamter, bis ihn vor kurzem eine Krankheit aufs Krankenbett warf und ihn der Tod abberief." 

     
Aus der Geschichte von Personen/Familien aus der jüdischen Gemeinde   
Über die Geschichte der Familie Moses von Groß-Ropperhausen (seit der Mitte des 17. Jahrhunderts am Ort, zugezogen von Kassel)   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. September 1928: 
"Die Zwangspredigten der Landgräfin Amalia Elisabeth von Hessen und die Familie Moses von Groß-Ropperhausen.  
Landgräfin Amalia Elisabeth von Hessen 1602-1651, eine tatkräftige, tüchtige Regentin und strenge, fromme Frau, zwang die Juden ihrer Residenz, wöchentlich auf dem alten Kasseler Rathaus christliche Predigten anzuhören, um sie zu bekehren. Die Juden sahen keinen Ausweg, diesem Zwange zu entgehen, und in ihrer Gewissensnot beschlossen sie, auszuwandern. Sämtliche Juden verließen die Residenz, um sich an anderen Orten des Landes niederzulassen. Nur die beiden Hoffaktoren oder Hofjuden und die Totengräber von Bettenhausen blieben in Kassel zurück.   
Im Jahre 1888 fand im Rittersaale des Marburger Schlosses eine Aufstellung von alten Urkunden und Schriften statt. Unter diesen befand sich ein Schriftstück folgenden Inhalts: Unter der Regierung der Landgräfin Amalia Elisabeth wanderte der Familienvater Moses mit seinen fünf Kindern von Kassel aus, um sich in Groß-Ropperhausen, im Kreise Ziegenhain, niederzulassen, woselbst ihm die adlige Familie des Ortes die Aufnahme gewährte. Die Kinder waren mit Namen angeführt: Blümchen, Leiser, Awrom usw., Namen, welche sich später immer in der Familie wiederholten. Das Schriftstück hatte eine Randbemerkung. Darin hieß es, dass König Jerome, der Bruder Napoleons, welcher als König von Westfalen in Kassel residierte, die unter der Regierung der Landgräfin Amalia Elisabeth ausgewanderten Judenfamilien, jede einzeln, auffordern ließ, wieder nach Kassel zurückzukommen, dass einige der Familien von der Aufforderung Gebrauch machten, aber nicht alle. Die Familie Moses blieb in Groß-Ropperhausen. Die Namen der anderen Familien waren nicht angeführt, ebenso wenig die Orte, wohin sie sich gewandt. Das Schriftstück stammte aus dem Hessischen Staatsarchiv in Marburg und befindet sich unter den nicht katalogisierten Einzelstücken dortselbst. 
Im Jahre 1916 besuchte ich Herrn Professor Brunner, den derzeitigen Direktor der Landesbibliothek in Kassel, um mich zu       
Grossropperhausen JuedWZKassel 28091928a.jpg (98790 Byte) erkundigen, ob etwa noch andere Schriftstücke vorhanden wären, welche sich auf die Ereignisse jener Zeit beziehen. Professor Brunner verneinte dies, indem er sagte: 'Alles Material, welches wir besessen, haben wir in das Archiv nach Marburg geschickt.' Der gleiche Bescheid wurde mir auf dem Rathause. Doch sagte Professor Brunner: 'Die Begebenheit ist historisch. In der Tat zwang die Landgräfin Amalie Elisabeth die Juden ihrer Residenz, christliche Predigten anzuhören, trotz der Warnungen ihres Schwagers, des Prinzen Hermann, worauf die Juden die Stadt verließen.'  
Der aus Kassel ausgewanderte Familienvater Moses dürfte geboren sein etwa um die Zeit von 1600. Wie lange die Ansässigkeit der Familie in Kassel zurückreicht, lässt sich schwer ermitteln, da Eintragungen aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Kriege nicht vorhanden sind.  
In den landgräflich Hessischen Judenspezifikationen von 1700 bis 1745 ist eingetragen: Hirsch Moses von Großropperhausen als Landgräflich Hessischer Schutzjude. Hirsch Moses, geb. 1676, ist der Enkel des aus Kassel ausgewanderten Familienvaters Moses.   
Akten: Anlage Sub. Lit. A.   
Specification  Dererjenigen Juden, welchen in Ihre Königlichen Majestät in Schweden / Fürstlichen Hessischen Erb-Fürstenthumen und denselben incorporierten Landen, der Landes-Herrliche Schutz bis hierhinzu, Allergnädigst verwilliget, und die dahero an nachbenannten Orten mit ihren Familien / bis zu anderwärtiger Verordnung gedultet werden mögen.  
IV. Classe Ziegenhain  A. Ziegenhain. Ropperhausen  I Hirsch Moses.  
Cassel, den 13. Augusti 1755. 
Ihro Königl. Majestät in Schweder. Fürtl. Hess. Renth-Cammer daselbsten.  
Hirsch bittet den Landgrafen bzw. den König um Schutz für seinen zweiten Sohn Moses, geb. 1712. Das Gesuch wird abgeschlagen.   
Anlage Sub. Lit. C.  
Specification  Dererjenigen Juden / wo noch kein Capita familiae sind / denen der Schutz abgeschlagen worden / die aber bey ihrem Schutzhabenden Eltern oder Brod-Herren bis auf anderwärtige Verordnung, und so lange sie sich nicht verheiraten, der erfolgten gnädigsten Resolution gemäs, gedultet werden sollen. Städt- und Aemter.   
Grossropperhausen JuedWZKassel 28091928b.jpg (109109 Byte) Ziegenhain. Ropperhausen  Moses Hirsch daselbst.  
Bleibt bey seinem Vatter, Hirsch Moses.   
Anlage Sub. Lit. D.  
Protocollum
derjenigen Juden Sachsen, welche des Schutzes halber noch mit allergnädigsten Final Resolution zu versehen seyen, theils wegen der gnädigst erforderten näheren Berichte, theils weilen etlich ihre qualification erst neuerlich noch beygebracht haben.  Nr. 10 abgeschlagen.  
Moses Hirsch ')  des Schutz Juden Hirsch Moses 2ter Sohn, 32 Jahr alt und noch unverheuratet, sucht Schutz daselbst hin, an platz gemeldeten seines alten 68-jährigen Vaters, welcher ihm nebst dem Schutz sein sämtlich auf 800 rf. angeschlagenes Vermögen crediert; Er kann aber den aufnahms Brief von der adelichen Obrigkeit des orts, nehmlich dem Oberforstmeister von Baumbach**) nicht beibringen, auch hat sein älterer Bruder***) bereits Schutz zu Neukirchen. 
Auszug aus den Landgräflich Hessischen Juden-Specificationen von den Jahren 1700-1745.  Hessisches Staatsarchiv Marburg.  
Anmerkung: Landgraf Friedrich I. war durch Heirat mit der schwedischen Prinzessin Ulrike Eleonore König von Schweden und residierte in Stockholz. Die hessischen Erblande ließ er durch seinen Bruder und seine Minister verwalten.  
Hirschs zweiter Sohn Moses erhielt die Schutzstelle von Groß-Ropperhausen nach seines Vaters Tode. Er pflanzte die Familie fort.  
Sein Enkel war Isaak Moses von Groß-Ropperhausen, geb. 1773, vermählt mit Bela Levi von Frielendorf.  
Diese hatten drei Söhne: Hirsch Moses, Awrom Moses, Ephraim Moses, und eine Tochter Blümchen, vermählte Kaschmann.  
Hirsch Moses geb. 1803, heiratete im Jahre 1833 in das Judenhaus zu Betziesdorf bei Marburg ein. Seine Frau Sette Metzger war die Tochter des Jakob Katz-Metzger von Betziesdorf.  Die sehr alte Judenfamilie von Betziesdorf, Hintersassen der Hessen von Scholley in der Lehensherrschaft Fleckenbühl im Kreise Marburg und Schutzjuden der Landgrafen von Hessen, nach ihrer zweiten Schutzstelle auch Katz von Schönstadt genannt, nahm an 
*) Moses Hirsch soll heißen: Moses, Sohn des Hirsch. 
**) Die Familie von Baumbach besaß die Adelsherrschaft und Ortsobrigkeit zu Groß-Ropperhausen. 
***) Hirschs ältester Sohn Isaak hatte den Schutz nach Neukirchen. Seine Nachkommen sind nach Amerika ausgewandert.   Hessisches Staatsarchiv Marburg.
 
Grossropperhausen JuedWZKassel 28091928c.jpg (88755 Byte) fangs des 19. Jahrhunderts den Namen Metzger als Familiennamen an*). 
Der Sohn der Hirsch Moses und der Selle Metzger von Betziesdort war Isaak Moses von Betziesdorf, geb. 1840, vermählt mit Hanna, Tochter des Herz Bauer aus Merlau bei Gießen**). 
Der älteste Sohn des Isaak Moses, welcher nicht mehr lebt, führte wieder den Namen Hirsch (gen. Hermann) Moses. Wie ersichtlich, führen in dieser Linie die erstgeborenen Söhne immer die Namen Hirsch und Isaak.  
Der zweite Sohn Siegmund Moses lebt in San Francisco. 
Der dritte Sohn Hugo Moses lebt in Frankfurt am Main. Derselbe ist vermählt mit Jenny Posen, Tochter des Salomon Posen in Frankfurt am Main.  
Der jüngere Bruder des Isaak Moses führte den Namen Moses Moses, im Volksmund genannt: der Doppel-Moses.  
Anstatt Moses Moses kommen auch die Namen Mordche (Mordechai), Marum und Marcus Moses vor.  
Nach den alten Judensteuerlisten zählten die Moses von Großropperhausen zu den ersten Steuerzahlern des Landes***). Ein Zweig nahm in der napoleonischen Zeit den Namen Frank als Familiennamen an. Die zahlreichen Glieder, welche den Namen Moses als Familiennamen beibehielten, leben heute in verschiedenen Kleinstädten des ehemaligen Kurhessen, in Kassel, Frankfurt am Main und anderen Städten. Viele sind nach Amerika ausgewandert. Von diesen haben einige den Namen Moses in Moß umgewandelt.  
Die Familie Moses von Groß-Ropperhausen, welche eine fast lückenlose Geschichte von dreihundert Jahren nachweist, dürfte eine der ältesten Judenfamilien des ehemaligen Kurhessen und zugleich eine der ältesten Judenfamilien in Deutschland sein. Nanny Katten-Moses, Marburg a.K. Februar 1928. 
*) Jud Joel von Betziesdorf, geb. um 1660, von Scholleyscher Hintersasse: Akten der Fleckenbühlschen Lehen - Extract Lehn Brieffs de anno 1703. Hess. Staatsarchiv Marburg.  
**) Eltern der Schreiberin. 
***) Nach Dr. Leo Munk, Marburg."   

       
70. Geburtstag von Lehrer i.R. Josef Kaschmann (1931 in Netra, geb. 1861 vermutlich in Großropperhausen)     
Anmerkung: die in der Liste der NS-Opfer genannten Frauen Karoline Eichenberg geb. Kaschmann (geb. 1868) und Bertha Simon geb. Kaschmann (geb. 1893) waren vermutlich enge Verwandte zu Josef Kaschmann.   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 19. Juni 1931: "Netra. J. Kaschmann, Netra, Lehrer i.R., feiert am 29. Juni dieses Jahres seinen 70. Geburtstag. Zu Rapperhausen (sc. vermutlich Großropperhausen), Kreis Ziegenhain, am 29. Juni 1861 geboren, besuchte er von 1880 bis 1883 das israelitische Lehrerseminar zu Kassel. Seine Lehrertätigkeit begann am 1. Juni 1883 mit seiner Anstellung als Religionslehrer in Hebenshausen. Schon nach einem Jahr wurde er an die Volksschule nach Bischhausen berufen, an welcher er acht Jahre wirkte. 1892 erfolgte seine Versetzung von dort nach Ungedanken, als Nachfolger von Lehrer Markus Kaufmann. In dieser Stelle verblieb er bis zu ihrer Auflösung, welche im Jahre 1900 erfolgte. Am 1. Mai 1900 war er Inhaber der israelitischen Lehrerstelle zu Netra geworden. Nach einer 24-jährigen Tätigkeit in der genannten Gemeinde erfolgte am 1. Juni 1924 seine Pensionierung. Seine körperliche und geistige Rüstigkeit befähigen ihn, auch ferner für das Wohl seiner Gemeinde tätig zu sein, sodass er seit seiner Ruhestellung den Vorsängerdienst wie seither versieht und den Religionsunterricht erteilt."       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
85. Geburtstag von Fanny Löwenstein (1929, geb. 1831 in Großropperhausen)   
Anmerkung: der Geburtsname wird nicht mitgeteilt.     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. März 1929:  "Fritzlar. Am kommenden Freitag, den 22. dieses Monats, begeht Frau Fanny Löwenstein Witwe, im Kreise ihrer Lieben, die dankbar zu ihr emporschauen, ihren 85. Geburtstag. In körperlicher und selten geistiger Frische hat sie unter Gottes Beistand diesen Jubeltag erreicht. Mit regem Interesse verfolgt sie die Ereignisse des Tages in engerer und weiterer Heimat. Mit seltenen Geistesgaben ausgestattet, nimmt sie Stellung zu allen Fragen der Gegenwart. Gern erinnert sie sich an ihre ferne Schulzeit und an ihren hochverehrten Lehrer, den späteren Seminardirektor Dr. Stein, der damals Lehrer in ihrem Geburtsorte Ropperhausen war. Besonders ist sie bewandert im jüdischen Wissen. Hingebungsvoll vertritt sie die Interessen des jüdischen Frauenvereins, dessen Vorsitzende sie schon seit langen Jahren ist. Wenn sie in einer Sitzung desselben das Wort ergreift, so weiß sie immer in sachlicher Weise mit recht viel Wärme für die Sache, die sie vertritt, einzutreten. Frieden zu hegen und zu pflegen ist ihr Herzensbedürfnis. Regen Anteil nimmt sie an Freud und Leid aller. So nimmt es uns nicht wunder, dass sie sich allgemeiner Hochachtung erfreut. Möge es ihr vergönnt sein, ihr Wiegenfest noch recht oft in Gesundheit und Zufriedenheit zu begehen. Ad meo weesrim Schonoh (...bis 120 Jahre)."      

        
        
  
      
Zur Geschichte der Synagoge          
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Um 1835 konnte eine Synagoge erbaut werden. Es handelte sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Walmdach. Der nach Osten gerichtete Betraum links des Eingangs hatte einen fast quadratischen Grundriss mit einer einseitigen Empore. Rechts im Erdgeschoss befand sich der Schulraum, darüber die Lehrerwohnung. Äußerlich gaben die Segmentbogenfenster dem Gebäude sein besonderes Aussehen.   
        
Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 ist nichts bekannt. Das Gebäude wurde vermutlich spätestens 1935 - im Zusammenhang mit dem Wegzug der letzten jüdischen Familien - an eine nichtjüdische Familie verkauft. In der Folgezeit wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut. 

Nach 1945
blieb es als Wohnhaus erhalten, befand sich jedoch längere Zeit in einem sehr vernachlässigten Zustand, bis es nach einem Besitzerwechsel Anfang der 1980er-Jahre sorgfältig restauriert wurde. Die neuen Besitzer haben dabei das Gebäude äußerlich dem früheren Zustand angeglichen. 
     
    
Adresse/Standort der Synagoge     Kirchberg 16 
    
    
Fotos
(Quelle: Altaras s.Lit. 1988 S. 50; 1994 S. 50; 2007 S. 69.153)    

Das Synagogengebäude 
nach 1945
Grossropperhausen Synagoge 140.jpg (63490 Byte)   
  Das ehemalige Synagogengebäude während
 der Restaurierungsarbeiten; Stand: Juli 1985 
  
        
Grossropperhausen Synagoge 143.jpg (77075 Byte) Grossropperhausen Synagoge 141.jpg (70425 Byte) Grossropperhausen Synagoge 142.jpg (75857 Byte)
Das ehemalige Synagogengebäude nach der von 1980-1987 sorgfältig durchgeführten Restaurierung im März 1994 (Fotos von Silke Berg)
     
  Grossropperhausen Synagoge 144.jpg (89702 Byte)  
  Das Gebäude im Juni 2002  
      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Juli 2012: Auch in Großropperhausen sollten "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel in der Hessischen Allgemeinen (hna.de, Lokalausgabe) vom 20. Juli 2012 (ras): "Gunter Demnig berichtete über sein Projekt Stolpersteine
Steine der Erinnerung.
Gunter Demnig, Künstler und Initiator des Projekts Stolpersteine, sprach kürzlich in Großropperhausen. Eingeladen hatte ihn die Initiative 'Runder Tisch Großropperhausen – Toleranz fördern, Kompetenz stärken'...
Die Stolpersteine sollen als langfristiges Projekt nach einer Vorbereitungsphase auch in Großropperhausen installiert werden, um die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit lebendig zu halten. Im Projekt Runder Tisch arbeiten Jugendliche und Erwachsene zusammen..." 
Link zum Artikel     
 
 

       

       
Links und Literatur   

Links:   

Website der Gemeinde Frielendorf   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Großropperhausen 
Barbara Greve: unter http://jinh.lima-city.de/index-gene.htm  finden sich Stammbäume und Familiengeschichten: 
Nachkommen des JOSEPH MOSES KASCHMANN aus Ropperhausen, Hessen
Nachkommen der Familie FRANK aus Ropperhausen/Großropperhausen, Hessen
Descendants of HIRSCH MOSES from Ropperhausen/Großropperhausen, Hessen.    

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Großropperhausen  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Großropperhausen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,731   Trauregister der Juden von Großropperhausen  1834 - 1901  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4101085      
HHStAW 365,730   Geburtsregister der Juden von Großropperhausen  1849 - 1917   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230097  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 294-295.   
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 25.  
dies.: Neubearbeitung der genannten Bücher. 2007 S. 69.153. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 170.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 548 (im Anschluss an den Artikel zu Frielendorf).
Hartwig Bambey: Unter dem Schutz der lokalen Herrschaft - Juden in Großropperhausen. In: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Hrsg. von Hartwig Bambey, Adolf Biskamp und Bernd Lindenthal. Schwalmstadt-Treysa 1993. Band 2 S. 555-560. 
Barbara Greve: Zwischen Schutzbrief und Staatsbürgerschaft: Juden in (Groß)Ropperhausen: 1600 bis 1816. In: Schwälmer Jahrbuch (2015) S. 65-74. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Frielendorf Hesse-Nassau. Established around 1812, the community opened a synagogue in 1834 and an elementary school in 1843, growing in population to 144 (12 % of the total) in 1905. Many Jews left before the Nazi period and in nearby Grossropperhausen (Ropperhausen) the community - which numbered 83 in 1861 - had vanished by 1935. The 58 Jews remaining in Frielendorf in 1933 settled elsewhere, 19 emigrating. At least four perished in the Holocaust.  
    
     

                   
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Stand: 27. Juli 2017