|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"
Zur Übersicht "Synagogen im Kreis Marburg-Biedenkopf"
Rauischholzhausen mit
Wittelsberg (beide Gemeinde
Ebsdorfergrund, Kreis Marburg-Biedenkopf)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Rauischholzhausen (früher: Holzhausen) bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18.
Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1690 (nach anderen Angaben
bereits 1553) eine jüdische Person in Rauischholzhausen genannt, die von dem
Grundherren des Dorfes Rau von Holzhausen, aufgenommen wurde. Dabei handelte es
sich um Joseph aus Mainz-Kastel, der in Amöneburg
aufgenommen wurde und sich dann aber in Rauischholzhausen niederließ. 1721
werden die Familien des Salomon, Jacob, Seligmann und Feist genannt. 1744 gab es
sechs jüdische Familien am Ort (des Mayer Juda, Feist Israel, David Liebmann,
Susmann Levi, Aaron Salomon und Russel Levi), 1749 fünf jüdische Familien mit
zusammen 22 Personen (5,2 % von insgesamt 419 Einwohnern). Von diesen besaß
Aaron Salomon ein eigenes Haus.
Unter den jüdischen Familien in Rauischholzhausen hatten die Familien Rülf und Bachenheimer
sephardische Wurzeln.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1835 57 jüdische Einwohner (8,9 % von insgesamt 638 Einwohnern),
1855 76 (14,2 % von 635), 1861 78 (11,9 % von 654), 1885 62 (10,1 % von 615),
1895 52 (8,3 % von 621), 1905 45 (7,0 % von 642). 1858 werden folgende
jüdische Haushaltsvorsteher genannt (in Klammer ihr Gewerbe): Juda Rülf
(Viehhändler), Hirsch Schaumberg (Viehhändler, Spezerei- und Eisenhandel),
Jakob Bachenheimer (Vieh- und Spezereiwarenhandel, Metzger), Isaac Rülf
(Schächter, Händler), Susmann Stern (Viehhändler), Meier Bachenheimer
(erlaubter Nothandel), Susmann Bachenheimer (Nothandel), Hirsch Bachenheimer
(Nothandel), Mendel Bachenheimer (Viehhändler), Susmann Bachenheimer II
(Nothandel), Salomon Stein (erlaubter Nothandel), Heinemann Bachenheimer
(Viehhändler), Juda Plaut (Metzger), Feist Stern (Nothandel) sowie Hirsch Hahn
(Lehrer).
Zur jüdischen Gemeinde Rauischholzhausen gehörten auch die im 2 km westlich
gelegenen Wittelsberg lebenden jüdischen
Personen. 1744 wohnte hier die Familie des David Salomon, auf den vermutlich die
spätere Familie Baum zurückgeht. Neben der Familie Baum gab es seit dem 1.
Drittel des 19. Jahrhunderts auch eine Familie Spier am Ort. 1835 wurden 17
jüdische Einwohner gezählt, 1861 21, 1905 18.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Israelitische Elementarschule für die jüdischen Kinder aus Rauischholzhausen,
Wittelsberg und Roßdorf, ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1844 wird als Lehrer Hirsch Wolf
Hahn genannt; er starb 1870 in Rauischholzhausen (siehe Bericht zu seinem Tod
unten; 1868 hatte er 26 Kinder zu unterrichten). Sein Nachfolger war Victor
Bachenheimer (1871-1872). Ab 1881 war Lehrer Jacob Rothschild an der Schule; er
unterrichtete zunächst 31 Kinder (17 Jungen, 14 Mädchen). Lehrer Rothschild
unterrichtete bis zu seiner Pensionierung 1918; er starb im April 1921. Seit
1918 unterrichteten auswärtige Lehrer die jüdischen Kinder in Religion,
zuletzt Salomon Pfifferling aus Marburg (1941 deportiert). Die Gemeinde gehörte
zum Provinzialrabbinat in Marburg.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde: aus Rauischholzhausen Moritz
Oppenheimer (geb. 12.5.1888 in Holzhausen, gef. 25.6.1916), Leopold Reiß (geb.
6.7.1884 in Holzhausen, gef. 28.4.1918), Jakob Isidor Rülf (geb. 11.7.1898 in
Holzhausen, gef. 17.6.1917), Moses Rülf (geb. 13.12.1874 in Holzhausen, gef.
28.5.1917), Julius Thalheimer (geb. 15.1.1887 in Holzhausen, gef. 16.8.1915);
aus Wittelsberg: Hermann Baum (geb. 10.6.1893 in Wittelsberg, gef.
14.10.1917), Theodor Baum (geb. 17.7.1891 in Wittelsberg, gef. 19.11.1914), Siegfried
Rülf (geb. 9.11.1899 in Wittelsberg, gef. 26.6.1918).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 29 Personen gehörten (4,3 % von insgesamt
682 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Juda Rülf und David Stern. Der
Religionsunterricht von fünf Kindern der Gemeinde, die höhere Schulen
besuchten, wurde durch Rabbiner Dr. Cohn in Marburg erteilt. Damals
gehörten 15 jüdische Personen aus Wittelsberg zur jüdischen Gemeinde in
Rauischholzhausen. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Juda
Rülf (1. Vors.) und David Stern (Schriftführer). Den Religionsunterricht der
damals vier schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde erteilte der bereits
genannte Lehrer Salomon Pfifferling (Marburg). Aus Wittelsberg gehörten noch
acht Personen zur Gemeinde.
1933 lebten noch 18 jüdische Personen in Rauischholzhausen. In
den folgenden Jahren sind einige Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom
1938 kam es auch in Rauischholzhausen zu Ausschreitungen, die sich
möglicherweise gegen die Synagoge, aber auch gegen die noch am Ort lebenden
jüdischen Personen richteten. So wurde am Haus von Hermann Mendel die Haustüre
durch Axthiebe beschädigt und zwei Fenster zerstört. Am 10. November 1938
wurden Julius Spieth, Simon Frenkel und Hermann Mendel festgenommen. 1939/42
waren noch sieben jüdische Einwohner am Ort (Hermann Mendel, Sara Mendel,
Bertha Rülf, Louis Rölf, Abraham Spier, Jenny Spier, Hedwig Stern). Zu ihnen
kamen 1942 die noch in Schweinsberg und
Mardorf lebenden Juden, sodass diese Orte in der NS-Sprache nun
"judenfrei" waren. Am 6. September 1942 wurden insgesamt 18 jüdische
Personen aus Rauischholzhausen in das Ghetto Theresienstadt
deportiert.
Von den in Rauischholzhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Simon Frenkel (1882),
Johanna (Hannchen) Horwitz geb. Bachenheimer (1869), Klara Maas (1921), Hermann
Mendel (1878), Bertha Rülf geb. Kanter (1872), Louis Rülf (1902), Abraham
Spier (1881), Jenny Spier geb. Wertheim (1890), Paula Stern geb. Rosenbaum
(1874).
Aus Wittelsberg sind umgekommen: Elieser Baum (1863), Rosa Rothschild
geb. Rülf (1878; nach A. Schneider s.Lit. S. 360 hieß sie Rosa Schaumburg
geb. Rülf).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1876
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1877: "Die
Erledigung der nachverzeichneten israelitischen Lehrer- und
Vorsängerstellen im Kreise Kirchhain, Regierungsbezirk Kassel, als:
1) zu Halsdorf, kompetenzmäßiges Diensteinkommen 870 Mark.
2) Holzhausen, kompetenzmäßiges Diensteinkommen 915 Mark.
3) Schweinsberg, kompetenzmäßiges Diensteinkommen 870 Mark, wird
hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, dass geeignete Bewerber um die
eine oder andere Stelle ihre mit den erforderlichen Prüfungs- und
Führungszeugnisse zu versehende Meldungsgesuche innerhalb sechs Wochen
bei unterfertiger Behörde einreichen mögen. Marburg, den 27. Dezember
1876. Königliches israelitisches Vorsteheramt. Dr. Munk." |
Fragen des Miteinanders zwischen jüdischer und
christlicher Konfessionsschule
(1844)
Anmerkung:
der nachfolgende Abschnitt bezieht sich eindeutig auf Rauischholzhausen bei
Marburg unter Lehrer Hirsch Wolf Hahn, auch wenn die Namen nur abgekürzt, aber
doch identifizierbar wiedergegeben worden sind.
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1844: "Marburg, 25. August (1844). Die Didaskalia enthält von hier aus
folgenden Artikel: ‚Kindlein, liebet euch untereinander! Das ist das
Alte und das Neue Testament und ist zu lesen im Herzen aller Menschen. Wie
glücklich müsste die Welt sein, wenn dieser Satz die allgemeine Religion
des Lebens wäre! Handlungen der reinen Menschenliebe sind aber leider
noch so selten in unserer frommen Welt, dass es dem Menschenfreunde eine
wahre Erquickung ist, wenn ihm unversehens da eine solche aufstößt, wo
er sie am wenigstens vermutete. –
In dem Dorfe H-z-h-n (= Holzhausen = Rauischholzhausen) bei M-b-g (=
Marburg) ist seit mehreren Monaten der christliche Schullehrer erkrankt.
Von seinem Gehalte, der kaum zu seiner Pflege ausreicht, kann er keinen
Stellvertreter bezahlen. Die Gemeinde will den in treuer Amtsverwaltung für
sie Erkrankten nicht der letzten Stütze berauben, kann aber auch nicht
noch einen Lehrer besolden. Also müsste die unschuldige Jugend darunter
leiden, 90-100 Kinder ohne Unterricht bleiben. Der dortige Pfarrer, ein höchst
würdiger Geistlicher, will zwar gern den Religionsunterricht übernehmen,
aber mehr zu tun, verhindern ihn seine Amtsgeschäfte. Dem
Religionsunterricht muss aber notwendig der Elementarunterricht
vorangehen, die Kinder müssen lesen, Schreiben etc. lernen. Wie ist da zu
helfen? – Es ist auch ein jüdischer Lehrer, Herr H-n (Hahn), im Orte.
Zwar hat dieser selbst ein sehr schwieriges Amt, er muss täglich sechs
Stunden unterrichten, noch dazu in zwei verschiedenen Orten, wohin er täglich
eine halbe Stunde weit gehen muss. Indes, er denkt: Mein Bruder ist krank;
so nötig mir die Erholung auch ist, ich muss ein Übrigens tun, die
Schule darf nicht verwaist bleiben. Glücklicherweise gehört der Herr
Pfarrer nicht zu denen, die es für gefährlich halten, dass ein Jude an
einer christlichen Schule unterrichte. Er kommt mit dem jüdischen Lehrer
überein, übernimmt den Unterricht in Religionslehre und Bibel, Herr H-n
erteilt täglich zwei Stunden in den übrigen Gegenständen des
Volksunterrichts, und Allen ist geholfen. Herr H-n (Hahn) fühlt sich genügend
belohnt, denn er handelt also, damit erfüllt werde das Testament der
Menschheit: ‚Kindlein, liebet euch untereinander!’ – Um aber diese
Handlung würdigen zu können, möge auch ihr Gegenbild hier seinen Platz
finden. Nicht sehr weit von diesem Orte wohnt auf einem Dorfe eine
einzelne jüdische Familie, deren Kinder drei Viertel Stunde weit zu einem
jüdischen Lehrer in die Schule gehen müssen. Die Kinder sind noch klein
und schwach, beim besten Willen können sie in Winterszeit und schlechtem
Wetter nicht in die Schule gehen. Der Vater, dem es schon sauer genug
wird, seinen Beitrag zum Gehalt des Lehrers aufzubringen, sucht um die
Erlaubnis nach, seine Kinder in die christliche Schule seines Ortes
schicken zu dürfen, damit sie hier den Elementarunterricht genießen möchten.
Nein, sagt der christliche Lehrer, Ihre Kinder gehen mich Nichts an. Die
Behörde wird angerufen, aber sie kann den christlichen Lehrer zum
Unterrichte jüdischer Kinder nicht zwingen. Nein, nein! Nicht zwingen.
– Welche Religion rühmt sich doch, das Testament der Menschheit in
ihrem Kanon zu lesen? A.S." |
Zum Tod von Lehrer Hirsch Wolf Hahn (1870)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1870: "Amöneburg
(Kurhessen). Dieser Tage starb in Holzhausen der Lehrer Hirsch Wolf
Hahn.
Derselbe, ca. 55 Jahre alt, war aus Fulda gebürtig, und wirkte mit
großem Erfolge seit 30 Jahren als Lehrer in Holzhausen. Er war ein Gelehrter,
der Nächte hindurch Gemara lernte, und als ein frommer, streng
religiöser Jehudi, als edler Charakter in der weiten Umgegend bekannt.
Der Verblichene hat ca. 30 junge Leute, die Lehrer geworden sind, bis zum
Seminar herangebildet, und waren derer auch mehrere heute von Nah und Fern
zu seiner Beerdigung herbeigeeilt. Dem Verblichenen ist seine Frau schon
vor einigen Jahren irrsinnig geworden; sie ist in einer Anstalt
untergebracht. Für die sieben unmündigen Kinder, die er hinterlässt,
wovon vier zuhause sind, ist und wird gesorgt." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Über den aus Rauischholzhausen stammenden
Seminardirigenten Dr. Jakob Stein (gest. in Kassel 1898)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1898: "Kassel, 10. Februar (1898). Am 6. dieses Monats verschied hierselbst
der Seminardirigent a.D. Dr. Jacob Stein. In ihm verlieren wir einen in
vielfacher Hinsicht ausgezeichneten Mann, der sich in den weitesten
Kreisen hohen Ansehens und großer Beliebtheit erfreut hat. Geboren 1835
in dem Dorfe Holzhausen bei Marburg, zeigte er früh lebhafte Neigung und
natürliche Anlage zum Lehrerberuf, dem der denn sein ganzes Leben treu
geblieben ist. Nachdem er zuerst in Roppershausen und Adelebsen gewirkt
hatte, kam er 1862 nach Göttingen, wo er sich neben seinem Lehramte mit
eisernem Fleiße akademischen Studien widmete, die er mit einer Arbeit über
den Koran abschloss. Von Göttingen wurde er als Lehrer an die
Jacobsonschule nach Seesen berufen, und von dort folgte er 1866 einem Rufe
nach Kassel, um die Leitung des israelitischen Seminars zu übernehmen.
Dieses Amt hat er bis 1897 verwaltet und demnach fast ein Menschenalter im
Dienste der Volksschule unserer Provinz gewirkt. Eine große Anzahl
israelitischer Lehrer Hessens und der Nachbarprovinzen sind seine Schüler
gewesen, die mit unbegrenzter Liebe und Verehrung an ihm hingen, da sie in
ihm jederzeit ihren besten Freund und weisesten Berater fanden. Bald nach
seinem Amtsantritt gab er die tatkräftige Anregung zur Gründung der
israelitischen Lehrerkonferenz für Hessen und ist bis zu seinem Tode
ununterbrochen ihr Vorsitzender gewesen. Überhaupt widmete er sich mit
dem größten Eifer allen Bestrebungen zur Förderung der Volksschule, für
die er eine Reihe Schulbücher verfasst hat, wie des Lehrerstandes, dem er
mit ganzem Herzen ergeben war. Als im Jahre 1891 das 25-jährige Jubiläum
seiner hiesigen Amtstätigkeit gefeiert wurde, zeigte sich in zahlreichen
Kundgebungen, wie viel Liebe er gesät hatte. Denn so sehr in sein Amt in
Anspruch nahm, so eifrig beteiligte er sich an zahlreichen humanen und
gemeinnützigen Bestrebungen, jedes Amt mit der gleichen Treue und
Gewissenhaftigkeit versehend. Eine lange Reihe von Jahren war er u.a. erst
Armenpfleger und dann Armenrat der Stadt, für diese Tätigkeit durch
seine Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, sein sanftes und
liebevolles Wesen besonders geeignet. Ein schweres Herzleiden zwang ihn,
Ostern 1897 seine Pensionierung nachzusuchen, und bei dieser Gelegenheit
wurde er durch Verleihung der Roten Adlerordens ausgezeichnet. Leider
sollte er sich des Ruhestandes nicht erfreuen. Seine Krankheit
verschlimmerte sich unaufhaltsam und führte schließlich zu qualvollem
Leiden, die er mit der großartigen Ergebung eines Dulders ohne Klagelaut
ertrug. Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes, eine anima candida, wohin
er kam, Liebe säend und Segen stiftend, eine Zierde des Lehrerstandes,
der Pestalozzi der israelitischen Schule Hessens. Die große Beliebtheit,
deren sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, gab sich bei der gestern
Nachmittag stattgefundenen Beerdigung kund, die unter überaus zahlreichem
Geleite erfolgte. Die Kinder des israelitischen Waisenhauses, denen sich
die Zöglinge des hiesigen Seminars anschlossen, welch Letztere den Sarg
zur Gruft trugen, eröffneten den langen Zug, in dem auch viele
israelitische Lehrer aus der ganzen Provinz, frühere Schüler des
Verblichenen, vertreten waren. In warmen Worten hoben bei der Feier auf
dem Friedhofe zuerst Herr Landrabbiner Dr. Prager und sodann Herr Rabbiner
Dr. Jacob aus Göttingen, der Schwiegersohn des Verstorbenen, seine hohen
Tugenden hervor. Möge ihm die Erde leicht sein; ein treues Andenken ist
ihm in weiten Kreisen sicher." |
Über die Familie Rülf
| Die Vorfahren der Familie waren 1492 von der
Iberischen Halbinsel vertrieben wurden und hatten sich in
Rauischholzhausen ansiedeln können. In napoleonischer Zeit hatten sie als
Familiennamen Rülf nach dem unweit ihres Hauses vorbeifließendes 'Rülfbach'
angenommen. Damals waren sie als "Ackerbürger" eingetragen und
betrieben Landwirtschaft und Viehhandel. |
Über den aus Rauischholzhausen stammenden Rabbiner Dr.
Isaak Rülf (1831-1902)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Isaak Rülf (geb. 10. Februar 1831 in Rauischholzhausen,
gest. 18. September 1902 in Bonn), war Rabbiner, Publizist und Zionist.
Link: Wikipedia-Artikel
Zum 70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Rülf
(1901)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1901: "Memel,
4. Februar (1901). (Eine biographische Skizze.) Dr. Rülf, der am 10.
dieses Monats sein siebzigstes Lebensjahr vollendet, ist ein Mann von so
hervorragender Bedeutung, dass es nicht unangebracht erscheinen dürfte,
bei dieser Gelegenheit den verehrlichen Lesern dieses Blattes,
insbesondere seinen vielen Freunden und Verehrern, eine kurze Skizze
seines Lebens zu geben.
Rülf
wurde geboren am 10. Februar 1831 in Rauisch-Holzhausen bei Marburg in
Hessen, und erhielt den ersten Unterricht in der jüdischen Dorfschule.
Nach dreijährigem Aufenthalte bei dem Kreisrabbiner Wetzler in Gudensberg
(nicht: Gudenberg) bei Kassel in Hessen, entschloss Rülf sich, zum
Lehrfache sich vorzubereiten.
Schon
nach etwa zweijährigem Studium bestand er das Lehrerexamen und wurde auch
sofort als Hilfslehrer wieder nach Gudensberg zu seinem Talmudlehrer
berufen. Von jetzt ab fing Rülf an, sich ernstlich für das rabbinische
Studium vorzubereiten. Nach abermaligem dreijährigen Aufenthalte kündigte
Rülf seine Stelle und verließ den Ort, um sich noch weiter für das
Universitätsstudium vorzubereiten. In seiner Heimat war ihm dazu der
katholische Pfarrer und der Kaplan, welch’ letzterer noch als Domherr in
Fulda lebt, behilflich. -
Nach
etwa einem Jahr bezog Rülf endlich die so nahe gelegene Universität
Marburg, studierte aber zuerst nicht als Rabbiner, sondern als Mediziner.
Fast ein Jahr hindurch hatte Rülf nur medizinische, das will sagen,
vorerst nur naturwissenschaftliche Kollegien gehört, ihm war aber schon
von früher her durch Privatlektüre die Philosophie ans Herz gewachsen,
und nach |
Rücksprache
mit seinem dortigen Professor E. Zeller, verließ er das Fach und widmete
sich von jetzt ab ausschließlich dem jüdischen theologischen Studium,
das ihm auch Gelegenheit gab, in das Studium der Religionsphilosophie
immer tiefer einzudringen.
Seinen Lebensunterhalt gewann er sich dadurch, dass er die bei der
israelitischen Gemeinde frei gewordene Lehrerstelle übernahm,
beziehungsweise eine solche Schule daselbst erst errichtete. Oster 1854
war er zur Universität gekommen. Im Dezember bestand er die Prüfung als
Rabbiner bei der dortigen Prüfungskommission, einer von der
theologischen, philologischen und philosophischen Fakultät besonders
abgezweigten Kommission für Bewerber um Rabbinerstellen im damaligen Kurfürstentum
Hessen. Er verblieb jedoch noch lehrend und lernend in Marburg bis Oktober
1859, war darauf bis April 1863 Lehrer und Prediger an einem Ort im Großherzogtum
Hessen und von da bis November 1865 Religionslehrer in
Mecklenburg-Schwerin.
Während seines Aufenthaltes in Schwerin benutzte Rülf die Gelegenheit,
um an der Landes-Universität Rostock zu promovieren. November 1865 trat
Dr. Rülf seine Stelle in Memel an, woselbst er bis zum Frühjahr des
Jahres 1898 in verschiedener gemeinnütziger Weise tätig und wirksam war.
Als im Jahre 1867 der schwere Notstand über Ostpreußen hereinbrach,
wurde Rülf gleichfalls in das Hilfskomitee als Schriftführer berufen.
Protektor aller Komitees war der damalige Kronprinz von Preußen, der
nachmalige Kaiser Friedrich.
Was indes hier in Ostpreußen bloßer Notstand, das war drüben in Westrussland
geradezu Hungersnot, welche besonders die jüdische Bevölkerung
schrecklich ergriffen hatte. Es bildete sich in Memel ein Komitee zur
Unterstützung der russischen Juden in Westrussland, an dessen Spitze Rülfs
stand. Damit war Rülf gleichsam zum Anwalte der russischen Juden
geworden, und ist es belieben bis zur Stunde, da er Memel verließ, ganz
ebenso, wie ihn das Armenwesen der Stadt Memel bis zu seinem Scheiden von
Memel beschäftigte. Diesen Bestrebungen verdankt ein großer Teil seines
Schrifttums seine Entstehung. Von seinen zahlreichen Schriften sind uns
bisher folgende bekannt geworden:
1) ‚Zur Verteidigung der Juden hier und überall.’ Mit besonderer Rücksicht
auf ihre Stellung und Beaufsichtigung in Kurhessen. Marburg. 1858.
2) ‚Meine Reise nach Kowno’. Memel 1869.
3) ‚Der Einheitsgedanke.’ Als Fundamentalbegriff aller Religion
und Wissenschaft, als Verständigungsbasis unter den Gebildeten aller
Konfessionen und Nationen. Memel 1880. 4) ‚Drei Tage in Jüdisch-Russland’.
Ein Kultur- und Sittenbild. Memel 1882.
5) ‚Aruchas bas-Ammi.’ ‚Heilung Israels.’
Memel 1883. 6) ‚Die
russischen Juden.’ Memel 1890. |
Andere
kleine Schriften, von welchen eine ganze Anzahl während der furchtbaren
Judenhetze in Südrussland im Jahre 1882 von Rülf in die Welt geschickt
wurden, kommen weniger in Betracht.
Von den Vorträgen Rülf’s seien hier erwähnt:
‚Schleiermacher als Religionsvirtuos’. ‚Lessing als Held der
Aufklärung.’ ‚Was wir
sollen und wollen.’ Vortrag,
gehalten bei Eröffnung des ‚Vereins für jüdische Geschichte und
Literatur’ zu Memel. ‚Zur Geschichte der Juden in Memel’ (Abgedruckt
im ersten Bericht der israelitischen Religionsschule zu Memel, 1900.).
Seiner Tätigkeit als Chef-Redakteur des ‚Memeler Dampfboot’ sei hier
nur beiläufig erwähnt. Was Rülf in dieser seiner Stellung zur Unterdrückung
und Bekämpfung des Antisemitismus betan, verdient alle Achtung und volle
Anerkennung seiner Glaubensbrüder.
Den Eck- und Schlussstein seiner schriftstellerischen Tätigkeit aber
bildet sein großes Hauptwerk über ‚Metaphysik’, ein Werk, das von
der philosophischen Welt als geradezu ‚epochemachend’ bezeichnet wird.
Schon seine Promotionsschrift 1864, ‚Qua fundamenta metaphysices prorsus
novae ponere conatus est’, ‚wie ist die Metaphysik auf neuen
Grundlagen aufzubauen?’ – deutet auf dieses große Werk hin. -
In der Hast und dem Drang aller der Anforderungen seines so ausgebreiteten
Wirkungskreises konnte bei Rülf dieser Gedanke nur sehr allmählich zum
Systeme ausreifen. Erst im Jahre 1884 ging Rülf an die Arbeit dieses
seines Hauptwerkes, und im Jahre 1888 erschienen die ersten beiden Bände
des auf fünf Bände berechneten Werkes. Das System ist in folgende Teile
gegliedert: Wissenschaft des Weltgedankens, Wissenschaft der Gedankenwelt,
Wissenschaft der Krafteinheit, Wissenschaft der Geisteseinheit,
Wissenschaft der Gotteseinheit.
Der Wunsch, seinen Lebensabend in der Nähe seiner Kinder zu verbringen,
veranlasste Dr. Rülf, noch im 68. Lebensjahre, den Wohnort zu wechseln
und von Memel nach Bonn am Rhein überzusiedeln, Seitdem ist er dort ganz
philosophischer Muße hingegeben, um sein philosophisches Hauptwerk
(Metaphysik) der Vollendung nahe zu bringen.
Möge er in ungeschwächter Kraft noch recht lange der Wissenschaft und
seinen Mitmenschen erhalten bleiben. Emil Benjamin." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit' vom 20. Mai 1891: Aufruf
zur Unterstützung jüdischer Auswanderer aus Russland von Dr. J. Rülf,
Rabbiner in Memel:
"Erneuter Hilferuf. Auf unseren Hilferuf zu Gunsten der
Unterstützung jüdischer Auswanderer aus Russland am Ende des vorigen
Jahres waren 19.687 Mark 55 Pfennig eingegangen, wovon 9.045 Mark 6
Pfennig bereits verausgabt und 433 Auswanderer bis heute (11. Mai)
unterstützt und nach überseeischen Ländern - einen anderen Weg nimmt
die Auswanderung überhaupt nicht - befördert worden sind. Jetzt aber
naht ein neuer Zufluss von Auswanderern, bestehend aus jüdischen
Handwerkern und ehemaligen Soldaten, welche ihres bisherigen
Freizügigkeits-Rechts beraubt, aus dem Innern Russlands nach der
'Judengrenze' verwiesen sind und auswandern müssen, weil sie in den
westrussischen Gouvernements keine Heimat und keine Beschäftigung finden.
Arm, elend, ausgezogen und ausgezogen langen sie hier an und in wenigen
Wochen wird unsere Kasse erschöpft sein. Große Geldbeiträge sind
notwendig und darum bitten wir wiederholt und ganz besonders die
Glaubensgenossen, uns mit den Mitteln zur Unterstützung der
Unglücklichen zu versehen. Wir sind fest überzeugt, dass ein jeder, der
menschlich denkt und fühlt, verlangtermaßen unser Unterstützungswerk
fördern wird. Die Beiträge entgegenzunehmen ist ermächtigt durch das
ständige Hilfskomitee für die Notstände russischer Israeliten.
Dr. J. Rülf, Rabbiner. Memel, im Mai 1891.
Auch die Expedition dieses Blattes ist gerne bereit, Gaben in Empfang zu
nehmen und an den oben Unterzeichneten zu
senden."
|
Hinweis auf eine Publikation von Dr. J. Rülf (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1891:
"Soeben erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Entstehung und Bedeutung des Antisemitismus in Hessen
von Dr. J. Rülf. - Preis 20 Pfg. -
Diese Aufsätze, welche bei ihrem ersten Erscheinen im 'Israelit und
Jeschurun' durch ihre so gründliche Widerlegung der antisemitischen
Unwahrheiten allenthalben berechtigtes Aufsehen hervorriefen, dürften
sich in Oberhessen, wo die Erregung gegen die jüdische Bevölkerung
leider noch immer eine sehr große ist, zur Massenverbreitung besonders
eignen. Bei Partiebezug bedeutender Rabatt.
Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei A.-G.,
Mainz". |
Zum tragischen Unfalltod des Rabbiners Dr. J. Rülf in
Bonn (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1902:
"Bonn, 19. September (1902). Auf traurige Art kam gestern Abend der
Rabbiner Herr Dr. J. Rülf ums Leben, indem er auf einer Radfahrt vor der
Stadt auf einem abschüssigen Wege unter die Räder eines Fuhrwerks geriet
und schwere Verletzungen erlitt, die bald darauf seinen Tod zur Folge
hatten. Rülf stand im 72. Lebensjahre. In einem hessischen Bauerndorfe zu
Holzhausen (statt Golzhausen) geboren, war er ohne geordnete
Schulbildung bis zum 12. Lebensjahre aufgewachsen. Da fielen ihm
Schiller's Werke in die Hände, und damit ging ihm eine bis dahin
ungekannte Welt auf. Mit eisernem Fleiße begann er zu studieren, sodass
er mit 19 Jahren als wohlbestallter Dorfschulmeister sich dem Unterrichte
anderer widmen konnte. Er ruhte aber nicht eher, bis er die nötigen
Vorkenntnisse besaß, um als Studierender der Philosophie und der
biblischen Wissenschaft die Universität Marburg beziehen zu können. In
Rostock erwarb er sich den Doktorhut der Philosophie, und dann wirkte er
zunächst als Rabbiner in Schwerin. Sein eigentliches Arbeitsfeld sollte
ihm aber in Memel, auf der Vorwarte des Deutschen Reiches, erstehen; dort
entwickelte er eine gesegnete und vielseitige Tätigkeit. Zur Stärkung
des Deutschtums schuf er mit gleichgesinnten Freunden das Memeler 'Dampfboot',
ein Tageblatt, dessen Redaktion er viele Jahre hindurch selber leitete,
ohne sein Seelsorgeamt zu vernachlässigen. Wir sehr er für die leibliche
Wohlfahrt seiner Gemeinde und anderer Notleidenden sorgte, das zeigte sich
am schönsten, als damals in Folge von Missernten jener große Notstand
über Ostpreußen hereinbrach. Dass er den vielen Juden, die aus Russland
ausgetrieben wurden, ein treuer Berater und Helfer war, das lag schon in
seinem Amte begründet und werden sich die älteren Leser des 'Israelit'
seiner großen und häufigen Sammlungen zu Gunsten seiner bedrängten
Glaubensgenossen noch gut erinnern können. Nebenher schuf sich Rülf
durch seine wissenschaftliche Forschung einen geachteten Namen. Seit
einigen Jahren lebte er hier im 'Ruhestande', aber noch bis in die letzten
Tage schaffte er rührig, um seinem Gebäude der Metaphysik in einem Werke
über 'Wissenschaft der Gotteseinheit' das Schlussglied einzufügen. Ein
Sohn Rülf's hat sich nach längerer ärztlicher Praxis vor zwei Jahren
als Privatdozent in der hiesigen philosophischen Fakultät niedergelassen,
ein anderer ist Rabbiner von Braunschweig und ein dritter hat als Dr. ing.
promoviert und sich als Patentanwalt in Frankfurt
niedergelassen.
Rülf, der, wie wir sagen, in junger Jahren ein eifriger Assimilant war,
flüchtete sich in seinem Alter, als er bei dem viel umworbenen
Germanentum keine Gegenliebe fand, in den Zionismus, dem er in seiner
schwärmerischen Art mit Begeisterung anhing. Die Zionistische Bewegung
verliert in ihm einen ihrer hervorragendsten und geistvollsten Vertreter. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Über den aus Rauischholzhausen stammenden Rabbiner
Gutmann Rülf
Anmerkung: Gutmann Rülf (geb. 3. Dezember 1851 in Rauischholzhausen
als Sohn von Rabbiner Dr. Isaak Rülf,
gest. 17. Dezember 1915 in Braunschweig) war von 1884 bis 1915 Landesrabbiner
des Herzogtums Braunschweig.
| Link: Wikipedia-Artikel
zu Gutmann Rülf |
| |
Anmerkung: ein Sohn von Gutmann Rülf war Schlomo
(Salomon) Friedrich Rülf (geb. 13. Mai 1896 in Braunschweig, gest.
13. August 1976 in Vevey), siehe Wikipedia-Artikel
zu Schlomo Rülf.
Zum Gedenken an seine Verdienste wurde die
Friedrich-Schlomo-Rülf-Medaille benannt, die die Christlich-Jüdische
Arbeitsgemeinschaft des Saalandes (CJAS) vergibt. |
| |
Über den aus Rauischholzhausen stammenden Moses Rülf
Anmerkung: Moses Rülf (Bruder von Gutmann Rülf, geb. 1855 in
Rauischholzhausen, gest. 1934), war Religionslehrer und Gemeindesekretär in
Nürnberg.
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Karl Baum in Wittelsberg (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1902: "Ein
Sattler- und Tapeziergehilfe sucht Stellung.
Karl Baum, Wittelsberg, Kreis
Marburg." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen
Häuser vorhanden. 1849 erwarb die jüdische Gemeinde von Juda Plaut ein
Scheunengebäude, um es als Synagoge mit Schule, Lehrerwohnung und
rituellem Bad umzubauen. Zunächst hatte die Gemeinde große Pläne und wollte
das Gebäude zweigeschossig ausbauen. Diese Pläne wurden nicht realisiert, da
nach dem Brandkataster des Dorfes (ab 1874) das Synagogengebäude (mit der
Haus-Nummer 22) nur einstöckig war. Es war 12 m lang und 6 m breit. Nach einer
anderen Quelle wurde die Synagoge erst 1872 eingerichtet; demnach hat man
wohl nach dem Erwerb des Synagogengebäudes 1849 nicht so schnell bauen
können.
In den 1920er-Jahren wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die Gefallenen
des Krieges aus Rauischholzhausen und Wittelsberg angebracht.
Vermutlich konnten bereits um 1930 nicht mehr regelmäßig Gottesdienstes
abgehalten werden, da die Zahl der Gemeindeglieder stark zurückgegangen war.
Über das Ende der Synagoge liegen verschiedene Berichte vor. Nach einem
Bericht wurde das Gebäude wurde das Gebäude bereits 1935 abgebrochen,
nach anderen Berichten stand es noch beim Novemberpogrom 1938 und wurde damals
"innen und außen" beschädigt.
Spätestens 1941 bestand die Synagoge nicht mehr, da am 28. Juli 1941 eine
Löschung im Kataster der Gemeinde eingetragen ist.
Adresse/Standort der Synagoge: Mittelsdorf
(Angabe 1932)
Fotos
| Es sind keine
Fotos / Darstellungen der ehemaligen Synagoge vorhanden; über Hinweise
oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia
Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
|
| |
|
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 204-208. |
 | Keine Artikel in den Publikationen von Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 und dies.: Neubearbeitung der
beiden Bücher. 2007. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 148. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 439-440. |
 | Alfred Schneider: Die jüdischen Familien im
ehemaligen Kreise Kirchhain. Beiträge zur Geschichte und Genealogie der
jüdischen Familien im Ostteil des heutigen Landkreises Marburg-Biedenkopf
in Hessen. Hrsg.: Museum Amöneburg. 2006. S. 336-360.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Holzhausen (Rausch-Holzhausen)
Hesse-Nassau. Although Jews lived there in 1553, the community was established
much later, numbering 78 (12 % of the total) in 1861. Yitzhak Ruelf (1831-1902),
rabbi of Memel and a pioneer German Zionist, belonged to a local Jewish family.
Under Nazi pressure the community disposed of its synagogue before Kristallnacht
(9-10 November 1938). The last nine Jews were deported to the Theresienstadt
ghetto in 1942. .

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
diese Links sind noch nicht aktiviert
|