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"Synagogen im Werra-Meißner-Kreis"
Bischhausen (Gemeinde
Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis )
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Bischhausen bestand eine jüdische
Gemeinde bis um 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.
1664 werden vier jüdische Einwohner genannt (Meyer, Salmon, Hyskia und
Davidt, möglicherweise alle mit ihren Familien). 1688 war mit
"Meyer Jud" vermutlich nur ein Jude beziehungsweise eine jüdische
Familie in Bischhausen. 1744 werden Mencke David und Susmann David
genannt. 1786 erfährt man von drei jüdischen Krämern im Ort, einem
Viehhändler und dem Händler Wolff Mencke (Wolf Menke). Er wohnte mit
Familie im Haus Am Graben 29, das er 1775 erbaut hatte. Die Hausinschrift
ist erhalten: "Gott beware dieses Haus und alle die da gehn ein und aus
/ was Freunde sein geht herein zu mir / Feinte aber weichet von hier / Bauherr
Wolf Menko und dessen Ehefrau Resen / den 4 Iuli 1775 Z M W VL". Das
Haus, das nach mündlicher Tradition als "Judenschule" bezeichnet
wurde (zeitweise Haus der jüdischen Schule? oder Haus mit einem früheren
Betraum?) wurde vor 1845 erweitert und mit einer überbauten Tordurchfahrt
versehen. Damals gehörte es den Brüdern Lomnitz, die hier einen Viehhandel mit
Schlachterei betrieben. Seit etwa 1904/05 war das Haus nicht mehr in jüdischem
Besitz.
Im 19. Jahrhundert hat die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort
zugenommen. Mehrfach begegnen die Familiennamen Lomnitz und Goldschmidt. Die
genaue Zahl der jüdischen Einwohner ist jedoch nicht bekannt. Die jüdischen
Wohlhäuser lagen verstreut im Ort.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(Religionsschule, 1908 geschlossen), ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1866 war
Lehrer N. Goldschmidt (Quelle),
um 1868 Lehrer J. Werthan am Ort (er schreibt in diesem Jahr einen Bericht über die
Aktivitäten seines Kollegen in Abterode). 1907 konnte Jacob
Stein sein 25-jähriges Ortsjubiläum feiern. Er hatte zuletzt (1907/08) noch
fünf Kinder zu unterrichten. Ende 1909 wurde die Schule geschlossen.
Nach 1900 gab es noch sechs jüdische Familien in Bischhausen, ab 1906 noch
vier, ab 1911 nur noch zwei.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Abraham
Arthur Goldschmidt (geb. 9.1.1886 in Bischhausen, gef. 8.10.1917). Außerdem
sind gefallen Fritz Goldschmidt (geb. 16.9.1887 in Bischhausen, vor 1914 in
Hersfeld wohnhaft, gef. 29.7.1916) und Willy Schön (geb. 26.10.1892 in
Bischhausen, vor 1914 in Zimmersrode wohnhaft, gef. 11.11.1916).
Im Verzeichnis 1924 der jüdischen Gemeinden in Deutschland wird Bischhausen (im damaligen Kreis Eschwege)
zwar noch
als jüdische Gemeinde aufgeführt mit zwei jüdischen Familien und dem
Vorsteher H. Goldschmidt. Doch markiert das Jahr 1924 zugleich das Ende der
jüdischen Gemeinde. Damals zog nach dem Tod des Gemeindeältesten Jacob Lomnitz
auch die letzte Familie dort. Danach lebten keine jüdischen Personen mehr in
der Gemeinde.
Von den in Bischhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; alle genannten Personen
lebten spätestens nach 1924 nicht mehr in Bischhausen): Minna (Mina) Adler
geb. Goldschmidt (1856), Julie Amram geb. Lomnitz (1857; Frau von Lehrer
Amram in Bad Zwesten und Borken), Jakob Goldschmidt
(1883), Henriette (Jettchen) Goldschmidt (1874), Moritz Goldschmidt
(1896), Moses Goldschmidt (1884), Nanni Hattendorf geb. Lomnitz (1864), Frida
Katz geb. Lomnitz (1896), Jettchen (Jenny) Levi geb. Goldschmidt (1887), David
Lomnitz (1871), Joseph Lomnitz (1874), Juliane (Julchen) Lomnitz (1895), Max
Lomnitz (1896), Siegmund Lomnitz (1874), Wolf Lomnitz (1867), Hulda Marburger
geb. Goldschmidt (1895), Sara Rothschild geb. Lomnitz (1863), Else Stein geb.
Lomnitz (1902), Julius Stein (1904), Rosa Stern geb. Lomnitz (1865), Sophie
Stern geb. Goldschmidt
(1889).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Jacob Stein (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1907: "Bischhausen,
31. Juli (1907). Vor kurzem waren es 25 Jahre, dass der Lehrer der
hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Jacob Stein, in den Schuldienst
eingetreten ist. Obwohl der Jubilar sich allen Ehrenbezeugungen zu
entziehen suchte, ließen seine Gemeinde und die Freunde aus Nah und Fern
es sich doch nicht nehmen, ihm die besten Wünsche und sinnige
Aufmerksamkeiten in überaus großer Zahl zu übermitteln. Die jüdischen
Kollegen der Umgegend überreichten durch Herrn Lehrer Blach -
Reichensachsen einen wertvollen Becher mit entsprechender
Inschrift." |
Zur Geschichte der Synagoge
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war ein Betraum
oder eine Synagoge vorhanden. 1857 ist die Rede von einer "Israelitischen
Synagogen-Gemeinde Bischhausen". Möglicherweise war ein Betraum auch in
der im oberen Abschnitt beschriebenen Haus des Wolf Menke Am Graben 29.
Adresse/Standort der Synagoge: unklar
Fotos
| Fotos des Hauses
Am Graben 29 mit der Hausinschrift werden noch eingestellt; über
Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica";
Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Keine Angaben bei Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971; hier nur Nennung von
Bischhausen im damaligen Kreis Fritzlar. Die im dortigen Bischhausen lebenden
jüdischen Einwohner gehörten zur Gemeinde in Zimmersrode. |
 | Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer
Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis.
Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S.
77-78 u.ö.
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n.e.

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