Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bischhausen (Gemeinde Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis )
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In Bischhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1664 werden vier jüdische Einwohner genannt (Meyer, Salmon, Hyskia und Davidt, möglicherweise alle mit ihren Familien). 1688 war mit "Meyer Jud" vermutlich nur ein Jude beziehungsweise eine jüdische Familie in Bischhausen. 1744 werden Mencke David und Susmann David genannt. 1786 erfährt man von drei jüdischen Krämern im Ort, einem Viehhändler und dem Händler Wolff Mencke (Wolf Menke). Er wohnte mit Familie im Haus Am Graben 29, das er 1775 erbaut hatte. Die Hausinschrift ist erhalten: "Gott beware dieses Haus und alle die da gehn ein und aus / was Freunde sein geht herein zu mir / Feinte aber weichet von hier / Bauherr Wolf Menko und dessen Ehefrau Resen / den 4 Iuli 1775 Z M W VL". Das Haus, das nach mündlicher Tradition als "Judenschule" bezeichnet wurde (zeitweise Haus der jüdischen Schule? oder Haus mit einem früheren Betraum?) wurde vor 1845 erweitert und mit einer überbauten Tordurchfahrt versehen. Damals gehörte es den Brüdern Lomnitz, die hier einen Viehhandel mit Schlachterei betrieben. Seit etwa 1904/05 war das Haus nicht mehr in jüdischem Besitz.      
  
Im 19. Jahrhundert hat die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort zugenommen. Mehrfach begegnen die Familiennamen Lomnitz und Goldschmidt. Die genaue Zahl der jüdischen Einwohner ist jedoch nicht bekannt. Die jüdischen Wohlhäuser lagen verstreut im Ort.     

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule, 1908 geschlossen), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1866 war Lehrer N. Goldschmidt (Quelle), um 1868 Lehrer J. Werthan am Ort (er schreibt in diesem Jahr einen Bericht über die Aktivitäten seines Kollegen in Abterode). 1907 konnte Jacob Stein sein 25-jähriges Ortsjubiläum feiern. Er hatte zuletzt (1907/08) noch fünf Kinder zu unterrichten. Ende 1909 wurde die Schule geschlossen. 
  
Nach 1900 gab es noch sechs jüdische Familien in Bischhausen, ab 1906 noch vier, ab 1911 nur noch zwei. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Abraham Arthur Goldschmidt (geb. 9.1.1886 in Bischhausen, gef. 8.10.1917). Außerdem sind gefallen Fritz Goldschmidt (geb. 16.9.1887 in Bischhausen, vor 1914 in Hersfeld wohnhaft, gef. 29.7.1916) und Willy Schön (geb. 26.10.1892 in Bischhausen, vor 1914 in Zimmersrode wohnhaft, gef. 11.11.1916).    
 
Im Verzeichnis 1924 der jüdischen Gemeinden in Deutschland wird Bischhausen (im damaligen Kreis Eschwege) zwar noch als jüdische Gemeinde aufgeführt mit zwei jüdischen Familien und dem Vorsteher H. Goldschmidt. Doch markiert das Jahr 1924 zugleich das Ende der jüdischen Gemeinde. Damals zog nach dem Tod des Gemeindeältesten Jacob Lomnitz auch die letzte Familie dort. Danach lebten keine jüdischen Personen mehr in der Gemeinde.    
    
Von den in Bischhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; alle genannten Personen lebten spätestens nach 1924 nicht mehr in Bischhausen): Minna (Mina) Adler geb. Goldschmidt (1856), Julie Amram geb. Lomnitz (1857; Frau von Lehrer Amram in Bad Zwesten und Borken), Jakob Goldschmidt (1883), Henriette (Jettchen) Goldschmidt (1874),  Moritz Goldschmidt (1896), Moses Goldschmidt (1884), Nanni Hattendorf geb. Lomnitz (1864), Frida Katz geb. Lomnitz (1896), Jettchen (Jenny) Levi geb. Goldschmidt (1887), David Lomnitz (1871), Joseph Lomnitz (1874), Juliane (Julchen) Lomnitz (1895), Max Lomnitz (1896), Siegmund Lomnitz (1874), Wolf Lomnitz (1867), Hulda Marburger geb. Goldschmidt (1895), Sara Rothschild geb. Lomnitz (1863), Else Stein geb. Lomnitz (1902), Julius Stein (1904), Rosa Stern geb. Lomnitz (1865), Sophie Stern geb. Goldschmidt (1889).             
   
    
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
    
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Jacob Stein (1907)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1907: "Bischhausen, 31. Juli (1907). Vor kurzem waren es 25 Jahre, dass der Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Jacob Stein, in den Schuldienst eingetreten ist. Obwohl der Jubilar sich allen Ehrenbezeugungen zu entziehen suchte, ließen seine Gemeinde und die Freunde aus Nah und Fern es sich doch nicht nehmen, ihm die besten Wünsche und sinnige Aufmerksamkeiten in überaus großer Zahl zu übermitteln. Die jüdischen Kollegen der Umgegend überreichten durch Herrn Lehrer Blach - Reichensachsen einen wertvollen Becher mit entsprechender Inschrift."     

        
      

           
Zur Geschichte der Synagoge

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war ein Betraum oder eine Synagoge vorhanden. 1857 ist die Rede von einer "Israelitischen Synagogen-Gemeinde Bischhausen". Möglicherweise war ein Betraum auch in der im oberen Abschnitt beschriebenen Haus des Wolf Menke Am Graben 29. 
           
  
Adresse/Standort der Synagoge unklar  

Fotos 

Fotos des Hauses Am Graben 29 mit der Hausinschrift werden noch eingestellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.  
     

  
      
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Waldkappel  

Literatur:  

Keine Angaben bei Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971; hier nur Nennung von Bischhausen im damaligen Kreis Fritzlar. Die im dortigen Bischhausen lebenden jüdischen Einwohner gehörten zur Gemeinde in Zimmersrode.  
Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis. Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S. 77-78 u.ö.
    

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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Dezember 2011