Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Diemerode (Stadt Sontra, Werra-Meissner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Kennkarten aus der NS-Zeit  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Diemerode bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1664 gab es zwei jüdische Familien am Ort, 1744 waren es fünf, 1776 6 Familien.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 69 jüdische Einwohner, 1861 101 (24,4 % von insgesamt 414 Einwohnern), 1871 64 jüdische Einwohner (7,0 % von 377), 1885 37 (11,6 % von 320), 1895 52 (15,4 % von 337), 1905 43 (13,2 % von 325), 1910 27 (8,7 % von 312). Die jüdischen Familienvorsteher verdienten den Lebensunterhalt als Händler, Hausierer, Manufakturwaren- und Lebensmittelhändler. Dazu gab es einen jüdischen Schreiner am Ort. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern ist bekannt: um 1866 B. Jaffa (Quelle), seit 1869 Jakob Emmerich (zuvor in Zimmersrode). Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises Rotenburg an der Fulda zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel. 
 
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch acht jüdische Familien am Ort. In den folgenden Jahren verzogen mehrere von ihnen in andere Orte (Heinebach, Sontra, Bebra). 
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch 19 Personen gehörten (6,3 % von insgesamt 302 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Isak Löwenstein. Den Religionsunterricht der drei schulpflichtigen jüdischen Kinder am Ort erteilte Lehrer Herz Bachrach aus Reichensachsen. 1932 war Gemeindevorsteher M. Falkenstein.   

1933 lebten noch 18 Personen in vier Familien am Ort.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert; die Wohn- und Geschäftshäuser von Selma und Gustav Löwenstein, Moses Falkenstein und Joseph Sobernheim wurden gleichfalls demoliert, teilweise geplündert. Die letzten fünf Diemeröder Juden wurden am 1. Juni 1942 deportiert: Joseph Sobernheim, Rosa Sobernheim geb. Falkenstein, Richard Falkenstein, Selma und Gustav Löwenstein.   
   
Von den in Diemerode geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Frieda Amram (1899), Friedericke (Rickchen) Bloch geb. Wertheim (1868), Rosa Buchheim geb. Katz (1886), Moritz Emmerich (1874), Julia Frankenberg (1882), Rosa Glauberg geb. Wertheim (1870), Lina Kanthal geb. Wertheim (1871), Isidor Katz (1878), Jakob Katz (1889), Michael Max Katz (1877), Moritz Katz (1894), Sally Katz (1890), Settchen Katz geb. Spiegel (1863), Meta Lorch geb. Amram (1902, vgl. Kennkarte unten), Gustav Löwenstein (1890), Selma Löwenstein (1895), Willy Löwenstein (1892), Karoline Meyersohn geb. Wertheim (1883), Isaak Rothschild (1884), Pauline (Lina) Rothschild geb. Spiegel (1861), Richard Rothschild (1894), Josef Sobernheim (1899), Rosa Sobernheim geb. Rothschild (1892), Bertha Veit geb. Amram (1894).    
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     

Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde wurden in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden.  

  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Hinweis auf den aus Diemerode stammenden Lehrer Wolf Amram (gest. 1909 in Borken)    

Wolf Amram ist um 1850 (?) in Diemerode geboren. Er ließ sich zum Lehrer ausbilden und unterrichtete nach 1872 an der Israelitischen Elementarschule in Zwesten, seit 1888 in Borken, wo er 1909 gestorben ist. Er war verheiratet mit Julie geb. Lomnitz (geb. 1857 in Bischhausen). Seine Tochter Frieda (geb. 6. Oktober 1885 in Zwesten) wurde später Oberin des Kinderhauses der Weiblichen Fürsorge in Frankfurt am Main. Zeitweise wurde sie in dieser Aufgabe unterstützt von ihrer jüngeren Schwester Goldine (Dina) Hirschberg geb. Amram, die mit dem 1894 in Zwesten geborenen Lehrer Seligmann Hirschberg verheiratet war. Die Mutter Julie Amram ist 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen. Ihre Tochter Frieda wurde 1942 in Auschwitz ermordet. 
vgl. zu Frieda Amram die biographischen Anmerkungen zu ihr in www.juedische-pflegegeschichte.de.    

      

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Diemerode geboren sind
 
 Diemerode KK MZ Lorch Meta.jpg (90988 Byte)  Diemerode KK MZ Siegel Rosa.jpg (91669 Byte)  
   Meta Lorch geb. Amram (geb. 4. Mai 1902 in Diemerode) 
wohnte später in Dieburg und Frankfurt am Main. Sie 
wurde im September ab Frankfurt am Main über Berlin in die
 Tötungsstätte Raasiku bei Reval deportiert und ermordet.   
Rosa Siegel geb. Falkenstein (geb. 21. Mai 1899 in 
Diemerode), lebte später vermutlich in Dieburg, wo die 
obige Kennkarte im Januar 1939 ausgestellt wurde. 
Weitere Informationen liegen nicht vor.  
 

          
          
          
Zur Geschichte der Synagoge                    
     
Bereits aus dem Jahr 1725 liegt ein Dokument vor, in dem von einer "Israelitischen Synagoge" am Ort die Rede ist. Es handelte sich um eine Privatsynagoge im Haus des Moses Wolf (Dorfstraße 10). In einem Anbau soll sich das jüdische Badehaus befunden haben.  
       
Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner zunahm, plante die jüdische Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge und eines Schulhauses. 1859 wurden erste Pläne eingereicht, die vom damaligen Landbaumeister Caesar technisch geprüft und für gut geheißen wurden. Damals wurde jedoch noch nicht gebaut.
      
1868 konnte der Gemeindeälteste Katzenstein das Haus in der Dorfstraße 55 vom Eigentümer Johannes Kayser zur Herrichtung einer Synagoge kaufen. Dieses Haus war bislang schon von der jüdischen Gemeinde gemietet gewesen. In ihm befanden sich die jüdische Schule und die Lehrerwohnung. Nun wurde in diesem Gebäude ein Betsaal mit einer dreiseitigen Empore sowie der Schulraum und die Lehrerwohnung eingebaut. Beim Synagogengebäude handelte es sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem Satteldach im Straußenstock. Die Fenster des Obergeschosses hatten Trapezbögen mit radialer Sprossenteilung (siehe Rekonstruktionszeichnung unten). 
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Einrichtung der Synagoge durch SA-Leute vollständig zerstört. Kultgegenstände hatte man zwar vor 1938 nach Rotenburg an der Fulda verbringen können, durch wurden sie dort im November 1938 zerstört.
    
Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde die ehemalige Synagoge als Unterkunft für polnische Zwangsarbeiter und kriegsgefangene Franzosen zweckentfremdet. 1951 wurde das Gebäude von der Gemeinde Diemerode gekauft und vermietet. 1958 wurde das Erdgeschoss zu einem Feuerwehr-Geräteraum umgebaut. Dabei wurde das schadhafte Fachwerk durch ein massives Mauerwerk im Erdgeschoss ersetzt. Nach einigen Jahren (um 1970?) wurde das Gebäude an eine Privatfamilie verkauft, von der die ehemalige Synagoge abgerissen wurde, Nur ein kleiner Rest blieb stehen, in dem im Vorderteil eine Garage, dahinter Stallungen eingerichtet wurden
.     
     
     
Adresse/Standort der Synagoge Stolzingerstraße 45 (ehemals Dorfstraße, Haus Nr. 55)  
  
  
Fotos /Darstellungen
(Quelle: wie angegeben)    

Plan von 1859 - nicht ausgeführt
(Kollmann/Wiegand s.Lit. S. 66)
Diemerode Synagoge 175.jpg (79505 Byte)    
  Entwurf für einen Synagogenneubau in Diemerode mit den 
Wohnräumen des Lehrers und der Synagoge (Erdgeschoss)
  
      
Rekonstruktion der Synagoge
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 72; 
2007 S. 190)  
Diemerode Synagoge 092.jpg (69945 Byte) Diemerode Synagoge 091.jpg (54022 Byte)
  Südliche Stirnseite Straßenansicht
     
Das ehemalige Synagogengebäude 
um 1958
(Quelle: Altaras wie oben) 
Diemerode Synagoge 090.jpg (87991 Byte)   
   Um 1958 wurde im Erdgeschoss ein Feuerwehrgeräteraum 
eingerichtet; dabei wurde das schadhafte Fachwerk im 
Erdgeschoss durch ein massives Mauerwerk ersetzt.
   
           
Rest des Synagogengebäudes Diemerode Synagoge 270.jpg (87659 Byte)    
   Der Rest des Synagogengebäudes - die Ecke links 
entspricht der Ecke links des Gebäudes oben. 
  
      
  aktuelle Fotos werden noch erstellt

   
    
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Sontra    
Seiten zur jüdischen Geschichte von Diemerode auch bei www.hassia-judaica.de 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Diemerode (interner Link)   

 Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Diemerode 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Diemerode sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,106   Geburtsregister der Juden von Diemerode  1751 - 1824   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900683    
HHStAW 365,107   Personenstandsregister der Juden von Diemerode  1825 - 1933: Geburtsregister 1825 - 1932, Trauregister 1831 - 1912, Sterberegister 1826 - 1933   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289773      
HHStAW 365,108   Sterberegister der Juden von Diemerode mit Angaben zur Lage der Gräber  1886 - 1927   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2573914      

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 137-138.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 72-73. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (keine weiteren Informationen) 
dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 190-191.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 235.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 420-421.   
Spuren Lit 010.jpg (37810 Byte)Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis. Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S. 78-79 u.ö. 

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   
        
Diemerode  Hesse-Nassau. Established in 1725, the Jewish community numbered 101 (25 % of the total) in 1861 and opened a new synagogue in 1868, but dwindled to 19 in 1925. The synagogue was vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938), and most Jews left by 1939; five were deported in 1942.   
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Mai 2016