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Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)
In Schmalkalden bestand eine jüdische Gemeinde bereits im
Mittelalter. Im Zusammenhang mit den Verfolgungen 1298 und während
der Pestzeit 1349 wurden auch hier Juden ermordet. So sind 1349 18
Juden wegen Brunnenvergiftung erschlagen und an der Stelle begraben worden, die als
"Judentelle" in Erinnerung blieb. 1360 wird Salman von Schmalkalden in
Erfurt genannt. In Schmalkalden selbst lebten Juden wieder seit 1375.
Auch 1414 und 1444 werden jüdische Einwohner genannt. 1435 kam es
möglicherweise zu einer Verfolgung. 1499 erhielt der jüdische Arzt Adam
vom hessischen Landgrafen Wilhelm II. von Hessen einen Schutzbrief. Adam
behandelte den Landgrafen und "seine Diener".
Auch um 1600 lebten Juden in der Stadt. Zwischen
1604 und 1613 wurde der alte jüdische Friedhof
angelegt. 1611 kam es zum Zuzug einiger jüdischer Familien aus
Hessen, unter ihnen der wohlhabende Isaak Schmuel. Um 1630 bemühten sich der
Stadtrat und die Bürgerschaft ohne Erfolg, die jüdischen Einwohner zum
christlichen Glauben zu bekehren. 1653 brannten vier jüdische Häuser in der
Pfaffengasse ab. 1695 werden erstmals jüdische Händler
aus Schmalkalden auf der Leipziger Messe genannt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden noch bedeutende
jüdische Gelehrte in der Stadt genannt: bis zu seinem Tod in den 1840er-Jahren
wirkte in Schmalkalden der Talmudist Chaim Schweich; 40 Jahre lang war Lehrer in
der Stadt Rabbi Meyer Eckmann.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1827 81 jüdische Einwohner (1,7 % von insgesamt 4.770), 1861 90 (1,7
% von 5.344), 1871 99 (1,7 % von 5.790), 1878 "nahezu 25
Haushaltungen" (Bericht von 1878 s.u.), 1885 111 (1,6 % von 6.729), 1895
115 (1,5 % von 7.888), 1905 120 (1,3 % von 9.529).
An Einrichtungen hatte die Gemeinde ein Synagoge, eine jüdische
Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen eigenen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern werden in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts genannt: Salomon Aschenbrand (bis 1874), A. Simon
(1893). Bei anstehenden Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder
ausgeschrieben (siehe Ausschreibungstexte unten). Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk Fulda.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier
Louis Cohn (geb. 8.8.1890 in Schmalkalden, gef. 25.10.1917), Gefreiter Ludwig
Cohn (geb. 24.11.1892 in Schmalkalden, gef. 18.8.1915), Eugen Eckmann (geb.
12.6.1875 in Schmalkalden, gef. 5.9.1918), Julius Müller (geb. 12.10.1887 in
Wernshausen, gest. 6.10.1917 in Gefangenschaft) und Hugo Stiebel (geb. 5.1.1891
in Schmalkalden, gef. 2.7.1916).
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 100 Personen gehörten (1 % von
insgesamt etwa 10.000 Einwohnern) bildeten den
Synagogenvorstand Meinhold Stiebel, H. Heilbrunn und Hugo Rosenthal. Die damals sieben
schulpflichtigen Kinder der Gemeinde erhielten Religionsunterricht durch den
Lehrer Moritz Levinstein aus Themar. 1932 war 1.
Vorsitzender Emil Hahn, 2. Vorsitzender Julius Heilbronn. Im Bereich der Wohlfahrtspflege der Gemeinde
war der 1926 gegründete "Wohltätigkeitsfonds der Synagogengemeinde"
tätig. Ziel der Arbeit war die Unterstützung Hilfsbedürftiger.
1933 lebten noch 80 jüdische Personen in Schmalkalden (0,7 % von
10.737). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts ist ein großer Teil von ihnen ins Ausland emigriert
oder in andere Städte in Deutschland verzogen. Im Adressbuch der Stadt 1936
werden noch 20 jüdische Familien genannt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde
durch SS- und SA-Leute die Synagoge zerstört (s.u.) sowie gegen jüdische
Geschäfte und Wohnungen vorgegangen. Unter anderem wurden im Kaufhaus des
Emanuel Eckmann alle Schaufenster eingeschlagen. Die jüdischen Einwohner wurden
zum Polizeiamt beziehungsweise ins Gefängnis der Stadt verbracht. 1939 lebten
noch 33 jüdische Personen in der Stadt.
Die letzten in der Stadt lebenden Juden wurden 1942 bis 1944 in
Vernichtungslager deportiert.
Von den
in Schmalkalden geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Blüth (1882), Siegfried Blüth
(1885), Paul
Brandes (1886), Akwin Eckmann (1873), Emma (Erna) Eckmann geb. Sulzbacher (1878),
Hugo Eckmann (1874), Julius Eckmann (1869), Therese Eckmann geb. Kaiser (1866), Paula Falk geb. Rosenthal
(1895), Ella Flörsheim geb. Stiebel (1880), Helene Goldschmidt geb. Müller
(1890), Irene Gumprich geb. Gunz (1872), Emil Hahn (), Ida Herrmann geb. Blüth
(1862), Max Höxter (1876), Frieda Hofmann geb. Plaut (1885), Amalie Jacob geb.
Meyberg (1873), Karl Jacob (1877), Moritz Jacob (1872), Rosa Jacob geb. Sacki (1882), Rudolf
Jacob (1912), Luise Löwenstein (1861), Ida Meier geb. Ganz (1877), Julius Meier
(1902), Walter Meier (1911), Hildegard Müller (1914), Ludwig Pappenheim (1887),
Änne Prinz geb. Meier (1913), Hugo Rosenthal (1864), Rosa Rosenthal (1866),
Sara Rosenthal geb. Eichenbaum (1867), Hedwig Schlesinger geb. Sulzbacher
(1880), Hertha Schönfeld geb. Wolfermann (1892), Clara (Cläre) Stiebel geb.
Döllefels (1893),
Ferdinand Stiebel (1885), Gertrud(e) Stiebel (1892), Herbert Stiebel (1921), Meinhold Stiebel
(1883), Paula Valk geb. Rosenthal (1895), Isaak Vogel (1874), Rosalie (Renate) Wahlhaus geb. Nussbaum
(1900), Paula Weinberg geb.
Plaut (1882), Berta Wolf geb. Jacob (1868), Clara Wolff geb. Cohn (1860).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen
der Stellen des Lehrers, Vorbeters und Schochet 1863 / 1874 / 1878 / 1882
/ 1892 / 1903 / 1904 / 1920 / 1921
sowie Anzeigen jüdischer Lehrer
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Juni 1863:
"Bei der israelitischen Gemeinde zu Schmalkalden in Kurhessen
ist die Religionslehrer-, Vorsänger und Schächterstelle sofort zu
besetzen. Der Jahresgehalt beträgt 200 Thaler, für Wohnung, Schullokal
und Heizung werden 20 Thaler vergütet, die Kasualien betragen circa 30
Thaler. Auch kann durch Privatunterricht das Einkommen bedeutend erhöht
werden. Geeignete Bewerber belieben ihre Meldungen nebst Zeugnissen franco
zu richten an den Vorstand." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1874:
"Baruch HaSchem ('Gott sei Dank'). Zur gefälligen Beachtung! Hiermit
erlaube ich mir, allen meinen Freunden, Bekannten und Verwandten die
Nachricht zu geben, dass ich durch Reskript Königlicher Regierung zu
Kassel vom 1. Juli diesen Jahres an nach Niederaula (Kreis Hersfeld)
versetzt bin. Alle Korrespondenzen bitte ich, mir von jenem Datum an noch
dort zu adressieren.
Schmalkalden, am 9. Juni 1874. Aschenbrand,
israelitischer Religions- und Elementarlehrer." |
| Nach der Versetzung des Lehrers Aschenbrand
wurde die Stelle noch im Sommer 1874 neu ausgeschrieben: |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1874:
"Die israelitische Gemeinde Schmalkalden, Regierungsbezirk Kassel,
sucht sofort einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Fixer Gehalt
700 Mark. Nebeneinkünfte circa 200 Mark. Meldungen sind zu richten an den
israelitischen Gemeinde-Vorstand E. Eckmann." |
| Bereits vier Jahre später war die Stelle 1878
neu zu besetzen. Damals war offenbar die Besetzung nicht einfach, da über
mehrere Monate Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit"
erschienen: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1878: "Die
israelitische Gemeinde Schmalkalden in Thüringen sucht per 1. August
diesen Jahres einen tüchtigen Religionslehrer, Vorbeter und Schochet.
Fixer Gehalt Mark 900; Nebenverdienst Mark 200. Es ist zu weiteren
Nebenverdiensten hinlänglich Gelegenheit geboten. Der Synagogenälteste: Jacob
Blüth." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1878:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochet in der
israelitischen Gemeinde zu Schmalkalden (in Thüringen); verbunden mit
Mark 900 fixem Gehalt und Mark 200 an Emolumenten ist sofort zu besetzen.
Bewerber haben ihre Gesuche nebst Zeugnissen an die unterzeichnete Stelle
zu richten. Fulda, 29. Juli 1878. Vorsteheramt der Israeliten: Löser.
vt. Tannenbaum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1882:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochet, verbunden
mit Mark 900 fixem Gehalt und circa Mark 250 Emolumenten, in der
israelitischen Gemeinde zu Schmalkalden (in Thüringen) ist sofort zu
besetzen. Bewerber haben ihre Gesuche nebst Zeugnissen an die
unterzeichnete Stelle zu richten.
Fulda, 8. Mai (1882). Vorsteheramt der Israeliten. Dr. M. Cahn. vt.
Tannenbaum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892:
"Die vakante Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle in
hiesiger Gemeinde, mit einem fixen Gehalt von Mark 1.000 und Mark 400
Nebeneinkommen ist alsbald zu besetzen. Bewerber wollen Zeugnisse an den
unterzeichneten Gemeinde-Vorstand einsenden.
Louis Plaut. Schmalkalden in Thüringen." |
| Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich
erfolgreich Lehrer A. Simon. Dieser eröffnete alsbald ein
Knaben-Pensionat für auswärtige Schüler, die das Gymnasium in
Schmalkalden besuchen wollten: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1893: "Knaben-Pensionat.
Knaben, welche das hiesige allgemeine, als sehr gut anerkannte Gymnasium
(Latein, Französisch, Griechisch oder Englisch) behufs Weiterstudium oder
Erlangung des Einjährigen-Freiwilligen Zeugnisses besuchen wollen, werden
zu jeder Zeit in meinem Pensionate gegen mäßigen Pensionspreis
aufgenommen. Gute Beaufsichtigung, sowie Religionsunterricht und
gründliche Nachhilfe in allen Gymnasialfächern gratis.
A. Simon, Lehrer, Schmalkalden (Thüringen) (Rabbinat Fulda).
Referenzen u.a.: Herr Gymnasialdirektor Homburg hier." |
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Ausschreibung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Mai 1903:
"Schmalkalden. Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt Mark
1.200 und ca. Mark 500 Schächtgebühren. Meldungen an Dr. Cahn,
Fulda." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1903:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in
der Gemeinde Schmalkalden ist sofort zu besetzen. Das Einkommen besteht
aus einem Jahresgehalt von 1.200 Mark und ungefähr 600 Mark
Nebeneinnahmen. Meldungen bebst beglaubigten Zeugnisabschriften sind
sofort an die unterzeichnete Behörde zu richten.
Fulda, 8. September. Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Cahn." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1904:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters in
der Gemeinde Schmalkalden ist zu besetzen. Das Einkommen besteht
aus einem Jahresgehalt von 1.400 Mark und ungefähr 600 Mark
Nebeneinnahmen. Meldungen nebst beglaubigten Zeugnisabschriften sind an
die unterzeichnete Behörde zu richten. Fulda, den 15. Februar 1904. Vorsteheramt
der Israeliten." |
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Meldung
über die Ausschreibung der Stelle im "Frankfurter Israelitischen
Familienblatt" vom 11. März 1904: "Schmalkalden.
Religionslehrer, Kantor und Schächter. Einkommen ca. Mark 2.000.
Meldungen an das Vorsteheramt der Israeliten in Fulda." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1920:
"In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religions-Lehrers,
Vorbeters und Schochets alsbald zu besetzen. Das Gehalt beträgt Mark
3.600.- und Nebeneinkommen. Außerdem bezahlt die Gemeinde die Beiträge
zur Ruhegehalts- und Witwenkasse. Bewerber, welche in der Lage sind, einen
eigenen Haushalt zu führen, wollen ihre Meldung bis 15. Februar
einreichen. Schmalkalden, 15. Januar 1920. Der Vorstand: Joseph
Müller." |
| Aus Anzeigen der jüdischen Gemeinde Barchfeld
erfährt man 1921, dass der Lehrer in Barchfeld mögliche Nebeneinnahmen
aus Diensten in Schmalkalden hatte: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1921:
"Gesucht per sofort Schauchet, Hilfsvorbeter und Taukeah für
Barchfeld a.d. Werra. Der betreffende Herr soll womöglich in der
benachbarten Gemeinde Schmalkalden Religionsunterricht und Schechitoh
übernehmen. Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnissen und Gehaltsansprüchen
sind zu richten an den Vorstand der Israelitischen Gemeinde in Barchfeld
an der Werra." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Für
Barchfeld an der Werra tüchtiger, zuverlässiger Schochet gesucht. 7-8000
Mark Gehalt. Fester Nebenverdienst durch Schechita und Religionsunterricht
in Schmalkalden, daher Inländer bevorzugt. Hierzu Befähigte wollen sich
mit Zeugnisabschriften und Angabe von Referenzen alsbald melden bei
Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn, Fulda." |
Todesanzeige für die Frau von
Lehrer Salomon Aschenbrand (1873)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November
1873: "Zu beachtende Todesanzeige. Am 1. dieses Monats, am Mittag
des Jom Kippur verschied selig in Gott nach vierwöchigem Krankenlager
am Nervenfieber, meine geliebte Frau, Fanny geb. Bergfeld, Mutter von 8
noch kleinen Kindern, von denen das älteste 12 1/2 Jahre, das jüngste 6
Monate alt ist.
Teilnehmenden Freunden, Verwandten und Bekannten dies zur Nachricht, mit
Bitte um stille Teilnahme an meinem unermesslichen Verluste, und in der
sehr traurigen Lage, in welche ich leider Gottes gekommen.
Gott der Allmächtige möge ganz Israel vor solchen Schickungen
behüten.
Schmalkalden (in Thüringen), im Oktober 1873. S. Aschenbrand,
Lehrer." |
| Anmerkung: zur weiteren Geschichte der
Lehrerfamilie Aschenbrand vgl. die Seite
zu Niederaula. |
Einzelne Berichte aus dem
Gemeindeleben
Konfirmations- (Bar Mizwa-) Feier in der Synagoge (1845)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Oktober 1845:
"Aus Schmalkalden. Kann auch in einer kleinen Gemeinde, wie die
unserige, nicht viel geleistet werden, so bleiben wir doch bei dem alten
Einerlei nicht gern stehen, und wir freuen uns, wenn wir eine Gelegenheit
zum Fortschritt ergreifen können. So sind auch von unserem Lehrer Herrn
Eckmann am 13. September in hiesiger Synagoge zwei Knaben nach
zeitgemäßer Richtung konfirmiert worden, welche bewiesen, dass seine
Strebsamkeit zu religiösen Bildung und zum Fortschritt der Schuljugend
nicht zu verkennen sei. Derselbe hielt hierbei einen dem Akt angemessenen
Vortrag, der die Gemüter recht ansprach und bewegte, wofür demselben ein
öffentliches Lob zollt. Der Vorstand." |
Ein liberal gesinnter Beschneider (Mohel) sorgt für Ärger (1876)
Anmerkung: Toratreuen Juden ist es nicht erlaubt, am Schabbat zu
verreisen resp. Eisenbahn oder andere Verkehrsmittel zu benutzen.
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1876:
"Schmalkalden. Vor einigen Wochen fand dahier an einem Schabbat
eine Beschneidung (Brit Mila) statt. Der Beschneider
(Mohel), Herr Fleischermeister Walter aus Meiningen, (zugleich Besitzer
einer koscheren (?) Restauration) war, weil er am Freitag vorher
zum Reisen verhindert gewesen sein sollte, zu dieser feierlichen Handlung
Sonnabend früh mit der Eisenbahn nach Schmalkalden gereist, verrichtete
die Funktionen und reiste am Schabbat wieder ab. Es ist wohl in
Deutschland noch nie vorgekommen, dass ein Mohel in solcher Weise den Sabbat
entweiht und eine Gebot in dieser Weise übertreten hat.
(Leider gehört ein solches gewissenloses Verfahren nicht zu den
Seltenheiten. Red.)." |
Bericht über die Gemeindeverhältnisse (1878)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1878:
"Aus dem Schweinfurter Gau. Wir finden in Nr. 43 des 'Israelit' unter
'Thüringen' nichts Näheres über die Stadt und die jüdischen
Verhältnisse von Schmalkalden, und kann ich daher als echter
Schmalkälder nicht umhin noch einige Details zur Ergänzung des schönen
Elaborats nachträglich folgen zu lassen.
Die jüdische Gemeinde daselbst datiert schon von Alters her; durch die in
den letzten Jahren herrschende Freizügigkeit hat die Gemeinde einen
bedeutenden Zuwachs erhalten und dürften momentan nahezu 25 Haushaltungen
daselbst sein, die sich noch zum größten Teil zum alten Judentum
bekennen. Es befindet sich daselbst, - in der alten sogenannten
'Judengasse' gelegen - noch eine alte Synagoge, welche - dank den
energischen Bemühungen des dortigen Kreis-Vorstehers, Herrn Emanuel
Eckmann - im Jahre 1875 einer gänzlichen Reparatur unterzogen wurde. Die alten
'Ständer' wurden entfernt, an ihrer Stelle zieren jetzt neue Subsilien
das schön hergerichtete Gotteshaus, ähnliche Veränderungen wurden auch
mit den Kandelabern vorgenommen, und nun bietet das Innere einen
angenehmen Prospekt. Hier war es auch, so der selige Rabbi Meyer
Eckmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - vierzig
Jahre lang mit unermüdlichem Eifer und Fleiße für die Jugend lebte und
strebte, viele Schüler ausstellte, Gottesfurcht und Tora
lehrte, das Amt eines Seelsorgers treu und gewissenhaft verwaltete und
nach allen Richtungen tätig und rege war.
Unter den vielen vorzüglichen Anstalten heben wir die dortige Realschule
hervor, die von zahlreichen israelitischen Schülern besucht wird;
dieselben sind sonnabends vom Schreiben und anderen Hantierungen aber
dispensiert.
Auch einen schönen Friedhof besitzt die Gemeinde; außerhalb der Stadt an
einem ruhigen Plätzchen liegt er, vor dem sog. 'stillen Tor'. Hier auch
ruht ein bedeutender Talmudist, der selige Rabbi Chaim Schweich -
das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - schon über dreißig
Jahre in kühler Erde; vor drei Jahren folgte die Witwe desselben nach,
die in der größten Armut starb. Die Kreisstadt Schmalkalden bildet eine
Enklave, gehört, umgrenzt von herzoglich-sächsisch-meining'schen und
königlich-preußisch-sächsischem Gebiet, bekanntlich dem streng
orthodoxen Rabbinate Fulda an." |
Antisemitische Aktivitäten
(1911)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September
1911: "Schmalkalden. Das Reichspostamt hat dem hiesigen
Oberpostassistenten Gärtner wegen der Verbreitung antisemitischer
Flugblätter seine Missbilligung ausgesprochen." |
Berichten zu einzelnen Personem aus
der jüdischen Gemeinde
Über den Wohltäter Abraham Mandel (1863)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1863:
"Schmalkalden. Abraham Mandel, ein Israelit von Schmalkalden
gebürtig, der als ganz armer Jüngling seine Vaterstadt verließ und
später an 30 Jahre als Kaufmann im Rothschild'schen Hause in Frankfurt,
Neapel und London tätig war, hat sich in seiner Vaterstadt ein bleibendes
Denkmal errichtet. Testamentarisch hat er der Stadt ein Kapital von circa
10.000 Gulden vermacht, dessen Zinsen zur Erziehung armer verwahrloster
Kinder ohne Unterschied der Konfession verwendet werden sollen." |
Emanuel Heinemann bitte um Spenden für seinen
Sohn (1873)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Dezember 1873:
"An meine Glaubensgenossen! Edle wohltätige Männer in Israel! Ich
richte eine herzliche Bitte an Euch, um eine kleine Beisteuer zur
Anschaffung eines Bettes für meinen Sohn, der in Barchfeld
bei dem Kaufmann L. H. Leopold die Kaufmannschaft erlernt; ich bin zu arm,
solches aus eigenen Mitteln anschaffen zu können. Nur ein Beitrag von 10
Thalern wird beansprucht. Der Herr Kaufmann L. H. Leopold in Barchfeld
wird diese milden Gaben entgegennehmen.
Schmalkalden, am 16. November 1873.
Emanuel Heinemann, Schneidermeister.
Bezugnehmend auf Obiges bestätige ich die Wahrheit dieser Angaben mit dem
Hinzuführen, dass der Lehrling Sohn sehr armer Eltern ist, und dieser
erwähnte Betrag zur Beschaffung eines Bettes dienen soll. Ich sehe den
edlen Gaben entgegen, und sobald der Betrag erreicht ist, werde ich in
diesem Blatte quittieren.
Barchfeld, den 16. November 1873.
Loeb H. Leopold, Kaufmann." |
Bitte um Unterstützung der Lehrer-Witwe Schweich (1875)
Anmerkung: bei Frau Schweich handelt es sich um die Witwe des in den
1840er-Jahren gestorbenen Talmudisten Chaim Schweich.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1875:
"Bitte! Für die 84jährige alleinstehende, in den traurigsten
Verhältnissen lebende stumpfsinnige Lehrers-Witwe Schweich in
Schmalkalden werden edle Menschenfreunde um einen Almosen dringen ersucht;
die hiesige Gemeinde ist zu mittellos, um alle Kosten für sie bestreiten
zu können.
Milde Gaben nimmt der Unterzeichnete und die Redaktion dieses Blattes gern
entgegen, und wird auch darüber quittiert.
Schmalkalden, 5. Februar 1875. E. Eckmann, Gemeinde-Vorsteher". |
Zum Tod von Reinchen Plaut (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1892:
"Schmalkalden. Einen schweren Verlust erlitt die hiesige Gemeinde.
Frau Reinchen Plaut, die treue Glaubensheldin und edle Menschenfreundin,
hauchte am Schabbat Paraschat Ki Tissa (= Schabbat mit der
Toralesung Ki Tissa, d.i. 2. Mose 30,11-34,35, das war Schabbat 19.
März 1892) ihre reine Seele aus.
Mit einem für eine Frau seltenen Wissen in unserer Literatur
ausgerüstet, durchdringen von wahrhaft jüdischem Geiste, hielt sie
strenge an unseren alten, geheiligten Satzungen fest und gab durch ihr
frommes, bescheidenes Leben ihren Angehörigen sowohl als auch ihrem
großen Freundes- und Bekanntenkreise ein glänzendes Beispiel.
Auf dem Friedhofe hielt Herr Rabbiner Dr. Cahn - sein Licht leuchte - aus
Fulda eine tiefergreifende Trauerrede, in welcher er die Verdienste der
Verblichenen hervorhob." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Lehrlingssuche des "Droguen-, Chemikalien- und
Farbwarengeschäftes" Joseph Müller
(1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1891: "Für
mein Droguen-, Chemikalien- und Farbwaren-Geschäft suche ich einen Lehrling
mit guter Schulbildung unter günstigen Bedingungen. Joseph Müller,
Schmalkalden." |
Anzeige der Vieh-Großhandlung Eisemann &
Eckmann (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1900: "Suche
möglichst sofort einen gewissenhaften jungen Mann, welcher mit
Einziehung der Gelder und Buchführung vertraut ist. Branchekenntnis nicht
erforderlich. Offerten nebst Angabe der Gehaltsansprüchen bei freier Kost
und Wohnung erbittet
Eisemann & Eckmann, Vieh-Großhandlung.
Schmalkalden in Thüringen." |
Zur Geschichte der Synagoge
1622 erbaute der wohlhabende Samuel Schmuel in einem Hof der "Judengasse" eine
Synagoge, wobei es sich um einen kleinen niedrigen Bau handelte. 1717 brannte
das Gebäude ab und wurde im folgenden Jahr neu erbaut.
1875 wurde die Synagoge unter dem Vorsteher Emanuel Eckmann gründlich
renoviert. Dabei wurden vor allem die bis dahin verwendeten "Ständer"
(Stehpulte) im Betsaal durch Bankreihen ersetzt. Auch die Beleuchtung wurde
erneuert.
1897 bestanden Pläne zum Bau einer neuen Synagoge. Da damals jedoch
keine ausreichen finanziellen Mittel vorhanden waren, wandte sich die Gemeinde
mit einem Spendenaufruf an die jüdische Öffentlichkeit. Vermutlich kamen
jedoch keine ausreichenden Spenden bei der Gemeinde ein, sodass aus den
Neubauplänen in der Folgezeit nichts geworden
ist.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1897: "Edle
Glaubensgenossen! Unsere kleine Gemeinde sieht sich gezwungen, eine
neue Synagoge zu bauen. Mangel an Raum, sowie die Bauart der jetzigen seit
mehreren Jahrhunderten bestehenden Synagoge machen eine Vergrößerung
derselben unmöglich. Da unsere Mittel durch die Anlage eines neuen
Friedhofs und Herrichtung eines rituellen Frauenbades fast erschöpft
sind, so suchen wir im Vertrauen auf Gott und, die stets bewährte
Wohltätigkeit unserer Glaubensgenossen auf diesem Wege unser Ziel zu
erreichen. Wir bitten ganz ergebenst um Beiträge, über deren Empfang,
wenn nicht extra verbeten, der unterzeichnete Vorstand öffentlich
quittieren wird. Allen Gebern im Voraus herzlichen Dank.
Schmalkalden, im März 1897: Der Vorstand: Josef Müller, Wilhelm
Cohn.
Gütige Beiträge bitten wir an den unterzeichneten Vorstand Josef
Müller, Schmalkalden zu senden.
Ich gestatte mir, meine Bitte mit der obigen zu vereinigen und auch
meinerseits den Wunsch auszusprechen, dass die Spenden zur Errichtung des Gotteshauses
recht zahlreich eingehen mögen. Fulda, im Adar II 5657. Der
Provinzial-Rabbiner: Dr. M. Cahn." |
1929/30 ließ die
jüdische Gemeinde die Synagoge im Zuge der verkehrsmäßigen Erschließung der
Judengasse gründlich umbauen. Der Provinzialrabbiner von
Fulda nahm 1930 die Wiedereinweihung vor.
In der Pogromnacht im November 1938
wurde die Synagoge zerstört. Am 9. November 1938 marschierte gegen 23 Uhr
die Schmalkaldener SS in der Judengasse vor der Synagoge auf. Die vorwiegend jungen SS-Leute begannen,
die Synagoge zu zerstören, indem sie zunächst die gesamte Inneneinrichtung
herausrissen und auf dem Altmarkt verbrannten. Danach wurde die Synagoge in
Brand gesteckt und brannte völlig aus. Einige Tage nach der Pogromnacht wurden
von SS-Leuten die verkohlten Mauern der Synagoge gesprengt.
Auf dem Synagogengrundstück wurde später ein Wohnhaus erstellt, in dessen
Erdgeschoss eine
Autowerkstatt eingerichtet wurde. 1988 wurde an diesem Gebäude eine Gedenktafel angebracht.
Im Frühjahr 2010 wurde das Gebäude abgebrochen (vgl. Presseartikel vom
April 2010 unten).
Adresse/Standort der Synagoge: Judengasse
Fotos
(Farbfotos Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2005)
| Die "Judengasse" |
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In der Judengasse befand
sich bis 1938 auch die Synagoge |
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| Die "Pfaffengasse" |
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In der
Pfaffengasse lebten im 16. Jahrhundert Juden: 1653 brannten hier vier jüdische
Häuser ab. |
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| Haus eines früheren jüdischen Besitzers
mit Davidstern über dem Eingang |
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Das Gebäude steht
in der Steingasse 7. |
Historische Aufnahmen
(Quelle: Gegen das Vergessen s.Lit.) |
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Die alte Synagoge (vor 1929) |
Die Synagoge nach dem Umbau
1930 |
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Der Platz der Synagoge im Sommer 2005
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 14.8.2005) |
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An Stelle des mittleren
Gebäudes stand die Synagoge |
Auf der Gedenktafel von 1988 ist links
von der Menora der Grundriss der Synagoge zu sehen. |
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne
Berichte
| November 2007:
Kurt Pappenheim erinnert an die Vertreibung der
Schmalkalder Juden und spricht sich für die Verlegung von
"Stolpersteinen" aus |
Artikel von Silke Wolf aus der Zeitschrift "Freies Wort"
- Ressort Schmalkalden am 8.11.2007:
"Pogromnacht - Nazis marschieren und wir diskutieren.
Kurt Pappenheim erinnert an die Vertreibung der Schmalkalder Juden / Für
Stolpersteine auf dem Marktplatz
Schmalkalden - Kurt Pappenheim war elf Jahre alt, als in Schmalkalden in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 die Geschäfte jüdischer Bürger zerstört und die Synagoge gesprengt wurden. Alle seine jüdischen Verwandten Verwandten verließen nach der Pogromnacht Deutschland. Die Familie Pappenheim blieb in Schmalkalden, obwohl Ludwig Pappenheim, Kurts Vater, der aus einem jüdischen Elternhaus in Eschwege stammte, bereits 1934 im Konzentrationslager Neusustrum/Papenburg ermordet worden war.
Morgen jährt sich dieser unheilvolle Tag zum 69. Mal. Im Stadt- und Kreisarchiv geht es am heutigen Archivabend deshalb von 18 bis 21 Uhr um
"Jüdische Spuren in Schmalkalden". Morgen findet um 18 Uhr die Gedenkfeier in der Judengasse statt, an der Stelle, an der die Synagoge stand.
Kurt Pappenheim hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an die jüdischen Familien in Schmalkalden zu bewahren und daran zu erinnern, welche Verbrechen in der Nazizeit begangen wurden. Er tat dies in seinem Beruf als Lehrer, indem er über die jüdische Geschichte und den Holocaust vor Schülern, aber auch vor Lehrern sprach.
Immer wieder erinnern. Er sprach und spricht bis heute über seine Erinnerungen, darüber, dass ihn seine Mutter an diesem Tag aus der Schule abholte, aus Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Aber er erinnert nicht nur. Kurt Pappenheim tut noch mehr: Er hält Kontakt zu jüdischen Verwandten, die aus Schmalkalden fliehen mussten, was in der DDR nicht immer einfach war.
Ein Sohn seiner Cousine, der in München studierte, wollte die Pappenheims besuchen, bekam aber von den DDR-Behörden keine Einreiseerlaubnis. Er stellte einen Antrag, Prag besuchen zu dürfen, was ihm gewährt wurde
"und von dort aus besorgte er sich über die Botschaft eine Einreise in die
DDR", beschreibt Pappenheim ein Beispiel, welche Umwege manchmal gegangen werden mussten, damit sich die jüdischen Verwandten treffen konnten.
Kurt Pappenheim machte es sich zur Aufgabe, die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Schmalkalden aufzuarbeiten und
"nach vielen Diskussionen" gelang es ihm mit Vertretern des Stadtrates 1988 und mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde, Scharf-Katz, aus Erfurt, am 9. November 1988 die Gedenktafel am Ort der Zerstörung der Synagoge in Schmalkalden anzubringen.
Erst nach der Wiedervereinigung konnte Pappenheim den Kontakt zu mehreren ehemals in Schmalkalden wohnenden jüdischen Familien aufbauen. So zu den Familien Heilbrunn in Buenos Aires, Argentinien, Hammerschlag/Simonsohn in Chile, Jacob, Freemann und Rosenberg in den USA, Valk und Burak in Israel, Jacob in Frankreich sowie zu Familien in den Niederlanden, England und der Schweiz.
Den Mut des Vaters bewundert. Seine Verwandten, Geschwister seines Vaters, leben in Brasilien und den USA. Bis heute hält er Kontakt zu einer Cousine in Brasilien, ihr Bruder, der in den USA lebt, besuchte dieses Jahr erstmals Deutschland. Er besaß das einzige noch existierende Foto des Großvaters von Kurt Pappenheim. Deshalb hatte der Schmalkalder über dessen Schwester Kontakt zu ihm aufgenommen. Eine Kopie des Fotos hängt nun in der Wohnung des Schmalkalders, der auch erst nach der Wende das Grab seines Vaters Ludwig fand und nun regelmäßig besucht.
Er fand es auf dem jüdischen Friedhof in Leipzig und war "in einem sehr gepflegten
Zustand", als es Kurt Pappenheim zum ersten Mal sah. "Ich habe meinen Vater sehr geliebt und verehrt. Leider waren mir nur sechs Jahre gegönnt, ihn als liebevollen Vater zu erleben. Ich bewundere noch heute seine Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, seinen Einsatz für Gerechtigkeit und besonders seinen Kampf gegen die immer stärker werdende Nazibewegung im Kreis Schmalkalden und in Deutschland, seinen Mut, diesem Spuk
entgegenzutreten", sagt der 80-Jährige. Die Familie erfuhr 1947 nach einer Anfrage, dass die Urne des Vaters bei Leipzig bestattet wurde,
"doch wir fanden den Grabstein nicht, weil es mehrere jüdische Friedhöfe
gab".
Viele der ehemaligen Schmalkalder Juden und ihre Nachkommen hatten "große Vorbehalte, unsere Stadt zu
besuchen", weiß Pappenheim. Mittlerweile waren einige hier und seien sehr positiv überrascht gewesen von dem Empfang, der ihnen hier bereitet wurde. Kurt Pappenheim erfährt das in Gesprächen, aber auch durch Dankesworte, die er per Brief bekommt. So formulierte Grete Blum:
"Sie haben viel für das Verhältnis von Deutschen und Juden getan." Werner Simonsohn fragte in einem Brief:
"Was würden wir ohne euch in Schmalkalden tun?" Genau dieser Werner Simonsohn, der mit seiner Frau Ellen, geborene Hammerschlag, in Santiago de Chile lebt, war im Juni dieses Jahres wieder beim Ehepaar Inge und Kurt Pappenheim zu Gast.
Sie waren unter anderem im Stadt- und Kreisarchiv, um ein Schriftstück von Alon Schuster aus Israel abzugeben. Dieser war im vergangenen Jahr in Schmalkalden und suchte nach Spuren seiner jüdischen Familie. Großvater Natan war im November 1938 Synagogenältester in Schmalkalden, Alons Vater Joachim ein Schulkamerad Kurt Pappenheims. Die Simonsohns hatten ihre Kinder, die in Israel leben, besucht und das Schriftstück von dort mit nach Schmalkalden gebracht. Nach seiner Rückkehr hatte Alon Schuster die Erlebnisse seiner Reise aufgeschrieben. Freies Wort veröffentlicht sie in dieser Woche in einer kleinen Serie.
Unverständliche Diskussion. Pappenheim kämpft weiter gegen das Vergessen:
"Mein Ziel ist es, die jüdischen Opfer aus der Anonymität zu holen, ihnen wieder einen Namen zu geben. Deshalb sollen Stolpersteine auf dem sanierten Altmarkt ihren Platz
finden." Dass darüber so viel diskutiert wird, kann er nicht verstehen. "Die Nazis marschieren und wir
diskutieren", sagt er klagend. |
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| September 2008:
Stand der Diskussion um die Verlegung von
"Stolpersteinen" in Schmalkalden |
Artikel von Margit Dressel in der Zeitschrift
"Freies Wort" (www.freies-wort.de)
vom 6.9.2008:
Kleine Mahnmale - STOLPERSTEINE als Fingerzeig. Bürgerschaftliches Engagement für Erinnerung an Naziopfer / Schmalkalden forscht weiter.
Schmalkalden – Am 9. November 1938 brannte die Synagoge in der Judengasse. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden auf den Altmarkt getrieben und mussten zusehen, wie die
Ausstattung des Gotteshauses von Nazianhängern zerschlagen wurde. Sie mussten die Scherben zusammenfegen und wurden danach in Konzentrationslager deportiert. An die Pogromnacht erinnert eine Tafel am einstigen Standort der Synagoge. Auf die Ereignisse wird außerdem auf einer Informationstafel am Rathaus hingewiesen.
Nicht erst der bevorstehende 70. Jahrestag der Pogromnacht, sondern die Sanierung des Stadtbodens war Anlass für die Idee Kurt Pappenheims, den einstigen Mitbürgern sozusagen alltagstaugliche Denkmale zu setzen, die nicht nur an Jahrestagen wahrgenommen werden. Dabei dachte er an das Projekt STOLPERSTEINE des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Die Stolpersteine sind 10 mal 10 Zentimeter große Betonwürfel mit einer darauf verankerten Messingplatte. Darauf wird der Name eines NS-Opfers eingehämmert.
"Die Steine werden vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnsitz verlegt. Jeder Mensch bekommt einen
Stein", antwortete Gunter Demnig auf die Frage, ob nicht ein Stein für die gesamte jüdische Gemeinde verlegt werden könnte. Die STOLPERSTEINE sind ein Kunstprojekt, für das Gunter Demnig alle Rechte hat. Bundespräsident Horst Köhler zeichnete ihn im Jahr 2005 dafür mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.
Bisher, so teilte der Kölner Künstler mit, seien in 348 Kommunen 16 000 Steine niveaugleich im Belag von Gehwegen versenkt worden. In Thüringen hat er in Nordhausen, Bleicherode, Heiligenstadt, Gotha, Waltershausen, Friedrichroda, Suhl, Hildburghausen und Saalfeld STOLPERSTEINE eingebracht.
Das Interesse für sein Projekt sei ungebrochen und europaweit verwies Demnig auf derzeit 12 Anfragen aus dem Osten, 13 Anfragen aus dem Westen Deutschlands sowie 40 Anfragen aus Budapest.
Gunter Demnig sieht sich als "Spurenleger". Für ihn ist es wichtig, dass das Gedenken in die Lebensmitte verlegt wird. Darüber hinaus sollen die STOLPERSTEINE bürgerschaftliches Engagement und keine
"Alibiveranstaltungen" sein. Deshalb gibt es für jeden Stein einen Paten. Also einen Menschen, eine Institution oder Firma, die 95 Euro für einen solchen Stein aufbringen.
Bisher, so war von Kurt Pappenheim zu erfahren, gebe es bereits neun Patenschaften, dazu gehören das Ehepaar Reim aus Bonn, die Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke und der Vorsitzende der Thüringer Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten, Roland Hahnemann.
Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski erinnert sich, dass bereits vor anderthalb Jahren eine erste Anfrage für die Stadt an Gunter Demnig gerichtet worden war. In den neu gestalteten Altmarkt sollten STOLPERSTEINE versenkt werden. Doch aus Köln kam zunächst keine Antwort. Bürgermeister und Altstadtbeirat waren irritiert und baten die Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke zu vermitteln.
"Demnig ist kein Unternehmer, sondern Künstler", war die Lehre, die Schmalkalden ziehen musste.
Wobei die inhaltlichen Voraussetzungen für das Verlegen von STOLPERSTEINEN bereits bestanden. Kaminski verweist auf Arbeitsgruppen und Schülerarbeiten, die sich mit der NS-Vergangenheit in Schmalkalden befasst haben.
Das Stadt- und Kreisarchiv hat in Zusammenarbeit mit Kurt Pappenheim eine Liste der jüdischen Menschen zusammengetragen, die 1936 noch in Schmalkalden lebten. Einige davon seien emigriert, einige auf der Überfahrt umgekommen oder verschollen, weiß Archivleiterin Ute Simon. Sie hat sich intensiv mit dem Projekt befasst und auf der Internetseite der Stadt Würzburg ein interessantes Beispiel für die STOLPERSTEINE gefunden. Ute Simon weist allerdings auf den Erläuterungstext des Projekts hin.
Darin heißt es u. a. "das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhält". Um diesem Gesamtanspruch gerecht zu werden, müsste eine Arbeitsgruppe gegründet werden.
Die Bürgerinitiative stehe den STOLPERSTEINEN positiv gegenüber, betonte Fraktionsvorsitzender Peter Hammen. Er könne allerdings nicht nachvollziehen, warum es so lange dauere, bis das Projekt hier begonnen werde. Allerdings
"wenn wir den halben Altmarkt damit pflastern, nimmt das keiner mehr wahr."
Zustimmung habe das Projekt auch von der SPD-Fraktion, erklärte Vorsitzender Peter Handy.
"Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wird sehr lebhaft
betrieben", berichtet er von vielen Schülerarbeiten. Handy versicherte die Mitwirkung des Schmalkaldischen Geschichtsvereins.
Für die CDU-Fraktion sagte Hans-Werner Spieß, er halte es für sinnvoll, dass sich die heutigen Bürger und insbesondere die Jugendlichen in der Geschichte der Stadt auskennen. Mit dem Verlust der jüdischen Mitbürger während des Naziregimes habe es auch einen Verlust an Kultur der Stadt gegeben. Mit den STOLPERSTEINEN bleibe das Gewissen wach.
"Wir beraten das Projekt am 10. September in der Fraktion", teilte Magadalene Saal für die Linke mit. Dabei verwies sie auf die umfangreichen Vorarbeiten, die von Kurt Pappenheim geleistet wurden.
Bis zum 70. Jahrestag der Pogromnacht, da ist sich Thomas Kaminski sicher, könnten keine Steine verlegt werden. Gunter Demnig habe in seiner Planung ein Jahr Vorlauf. Die Stadt habe deshalb die Initiatoren Kurt Pappenheim und Ulrich Beck gebeten, sich weiter um das Projekt zu kümmern.
Zunächst sollten, so Kaminski, drei Steine verlegt werden. Gleichzeitig solle eine Initiative gestartet werden, d. h.
"mit den drei Steinen ist das Projekt für uns nicht erledigt". STOLPERSTEINE haben nur einen Zweck, so der Bürgermeister,
"wenn ich wirklich über ein menschliches Schicksal stolpere". In diesem Sinne sei weniger sogar mehr. |
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| November 2009: Die
ersten "Steine des Gedenkens" (nicht die traditionellen
"Stolpersteine"!) werden in Schmalkalden verlegt |
Foto
links: Vor der Verlegung: Peter Handy (2. v. l.) mit Bürgermeister Thomas Kaminski (r.) und anderen Projektbeteiligten.
Artikel in der Zeitschrift "Freies Wort" vom 5. November 2009:
"Steine des Gedenkens - 'Damit sie nicht verlorengehen'
Schmalkalden will die Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger bewahren.
Schmalkalden - Groß ist die jüdische Gemeinde in Schmalkalden nie gewesen, aber es hat sie gegeben. Es haben Frauen, Männer und
Kinder jüdischen Glaubens in der Stadt gelebt, geliebt und gearbeitet. "Fast alle", sagt Peter Handy, "haben ein schreckliches Schicksal erlitten" - sie sind während der NS-Zeit verfolgt, gequält, deportiert, ermordet worden. Vergessen sollen sie nicht werden, erklärt der Vorsitzende des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde. Am 9. November, am Jahrestag der Reichspogromnacht 1938, werden die ersten "Steine des Gedenkens" in der Stadt gesetzt. Sie sind sichtbare kleine Erinnerungen an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger und ihre Namen - "damit sie nicht verlorengehen", sagt Peter Handy.
Angeschoben hat das Projekt, vor Längerem schon, der Schmalkalder Kurt Pappenheim, dessen Vater Ludwig 1934 im KZ ermordet wurde, erzählt Peter Handy. Kurt Pappenheim, der unermüdliche Mahner und Aufklärer über die Nazi-Zeit, habe eine Beteiligung am Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig vorgeschlagen - in vielen Städten in Deutschland sind dessen "Stolpersteine" verlegt worden. Viele Tausend der kleinen Betonwürfel mit Messingplatte sind inzwischen vor den letzten frei gewählten Wohnorten von NS-Opfern - nicht nur der Juden, auch der anderen von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen - in den Boden gesenkt worden. Ebenerdig - stolpern sollen nur Auge und Verstand.
Kritische Stimmen hat es in den vergangenen Jahren häufig gegeben - mitnichten nur von Menschen, die zur Gruppe der Leugner, Ewiggestrigen oder Schlussstrichzieher gehören. Auch innerhalb der jüdischen Gemeinden in Deutschland waren nicht alle mit einer Form der Erinnerung einverstanden, die auch den Gedanken an Namen, die mit Füßen getreten werden, zulässt.
In Schmalkalden, sagt Peter Handy, habe es keine offen bekundete Ablehnung gegen die Steine gegeben, "gar nicht". Allerdings sei man sich mit Gunter Demnig nicht einig geworden. Der Bürgermeister habe den Kontakt mit dem Stolpersteine-Künstler gesucht, der aber "hat Bedingungen gestellt" - die Stadt Schmalkalden solle sich zunächst mehr mit ihrer Geschichte befassen. "Ein ärgerlicher Vorwurf", befindet Peter Handy, "wir waren
stocksauer. "Das Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen der diversen Ausstellungen, der Schülerprojekte, der Veranstaltungen habe die Vorstellung, "dass das Setzen dieser Steine hier unkompliziert ist", beendet. Nach einem zweiten erfolglosen Kontakt mit Gunter Demnig habe der Beirat für die Stadtgestaltung entschieden, Form und Gestaltung der Erinnerung an die Schmalkalder Juden in die Hände des Vereins für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde zu legen. Fördergeld war bereits beantragt, Spender waren geworben worden - "also haben wir einen eigenen Weg suchen müssen". Gefunden habe man die "Steine des Gedenkens", die aus Waren/Müritz in Mecklenburg-Vorpommern kommen. Es handle sich um eine andere Variante der Idee, erklärt Peter Handy, "ein anderes Format, einen anderen Text, eine andere Gestaltung". Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit Gunter Demnig habe man klären können, dass mit der Verlegung der Steine keine Urheberrechte verletzt würden.
"Und wir gehen auch davon aus, dass wir niemanden verletzen oder in seinen Rechten beschädigen", sagt Peter Handy. Man habe in der Alternativ-Variante "den einfachsten Weg gesehen", das Projekt zu verwirklichen. Die "Steine des Gedenkens" seien, mit Unterstützung des Stadtrats, des Altstadtbeirats und der Ausschüsse, längst bestellt gewesen, als ein Brief des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten beim Geschichtsverein eingegangen sei. Die Botschaft: Man unterstütze Gunter Demnigs Stolpersteine und halte die Alternative für "politisch und moralisch nicht gut". Eine Botschaft, die Peter Handy mit einem Seufzen kommentiert: "Wir wollen niemandem wehtun", sagt er. Aber es müsse doch "um die Sache gehen, nicht um die Form".
Am 9. November werden die ersten drei "Steine des Gedenkens" vor dem Haus Altmarkt 3 verlegt. Sie tragen die Namen von Sara und Hugo Rosenthal und deren Tochter Paula, verheiratete Valk (siehe oben). Thomas Kaminski, Bürgermeister in Schmalkalden, werde über das Leben und Arbeiten der jüdischen Bürger in der Stadt, auch über die ermordete Familie Rosenthal-Valk, sprechen, das Gedenken am Jahrestag der Reichspogromnacht gelte allen Opfern der nationalsozialistischen Diktatur.
In einem Jahr, am 9. November 2010 sollen die nächsten Steine gesetzt werden - in der Mohrengasse und auf der Salzbrücke, entsprechend dem Fortgang der Stadtbodensanierung. 41 Namen von Schmalkalder Juden, die eine Widmung bekommen sollen, habe man bisher zusammengetragen, sagt Peter Handy.
Der Geschichtsverein hofft, dass sich weitere Spender finden, die sich an dem Projekt beteiligten - 130 Euro kostet ein "Stein des Gedenkens". Und vor allem suche man noch Paten, die bereit sind, ein paar Mal im Jahr die Steine zu säubern, erklärt Peter Handy - "schön wäre, wenn sich Schüler darum kümmern würden". Und eine weitere Generation dafür sorgte, dass die ermordeten Schmalkalder nicht vergessen werden." |
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| April 2010:
Nach dem Abbruch des "Lückenbaus" auf
dem Synagogengrundstück - wie geschieht künftig die
Erinnerung? |
Foto
links: Die ehemalige jüdische Synagoge in der Judengasse. Das Gotteshaus wurde in der Pogromnacht des Jahres 1938 gesprengt. Foto: privat.
Artikel in der Zeitung "Freies Wort" vom April 2010 (Artikel,
lou): "Ehemalige Synagoge:
Angemessener Rahmen im Plan - Lückenbau in der Judengasse ist abgerissen worden / Wie mit dem Andenken umgehen?
Schmalkalden - Einmal im Jahr warf ein Beamer das Bild der einstigen Synagoge auf die weiße Wand der ehemaligen Autowerkstatt in der Judengasse. Bei den jährlichen Gedenkfeiern für die Opfer der Pogromnacht erinnerte lediglich noch eine Tafel an die damaligen Geschehnisse. Denn die wenigsten Menschen, die heute in Schmalkalden leben, kennen das jüdische Gotteshaus aus eigenem Erleben. Jetzt ist der Lückenbau abgerissen worden und es stellt sich die Frage, wie mit dem Andenken an die jüdischen Mitbürger umgegangen werden soll. In der Nacht des 9. November 1938 wurden ihre Geschäfte zerschlagen. Auf dem Altmarkt mussten sie die Scherben zusammentragen und wurden dann in Vernichtungslager abtransportiert. Ihr erst neu gebautes jüdisches Gotteshaus wurde gesprengt.
Martin Johannes kann sich an das Gartentor erinnern. Links und rechts Grün, führte ein kleiner Weg zum Eingang der Synagoge. Die Mitte des Gebäudes teilte eine Glasgestaltung als "Quelle des Lichts". Außerdem, so weiß der praktizierende Christ, seien alle Synagogen mit einem Bibelspruch gewidmet. Wie zum Beispiel mit alttestamentarischen Versen wie "öffnet die Tore der Gerechtigkeit" oder "wisse vor wem du stehst".
Foto
links von foto-af.de: Eine große Lücke ist von der ehemaligen Werkstatt in der Judengasse übriggeblieben.
Mit der Abrissgenehmigung für das ehemalige Opel-Autohaus in der Judengasse und der Baugenehmigung für das Parkhaus in der Kothersgasse haben die Investoren den Auftrag bekommen, die Lücke in der Judengasse zu bebauen. Architekt Falko Kümpel hat das Konzept eines Wohn- und Geschäftshauses an den Investor geschickt. Dabei soll auch ein kleiner Innenhof entstehen.
Vor dem Abriss sei die Gedenktafel für die Opfer der Reichspogromnacht entfernt und sichergestellt worden, sagt der Architekt. Bisher sei die Rede davon, dass die Tafel aufgearbeitet werde und einen "anständigen Standort" bekomme. "Es ist angedacht, betreutes Wohnen oder eine Tagespflege in das Haus zu bringen, also nicht nur Kommerz", sieht Falko Kümpel einen angemessenen Rahmen. Wichtig wäre den Bauherren auch die Meinung der Jüdischen Gemeinde in Thüringen.
Deren Vorsitzender, Wolfgang Nossen, sagte, er habe vor einigen Monaten bereits mit Bürgermeister Thomas Kaminski über dieses Thema gesprochen. Dieser könne sich eine würdigere Gedenkstätte vorstellen. Auf keinen Fall sollte eine solche Gedenkstätte ohne die Mitwirkung der Jüdischen Landesgemeinde gestaltet werden, brachte Wolfgang Nossen zum Ausdruck. Kurt Pappenheim ist froh, durch den Neubau einen Ort zu bekommen, an dem viele Menschen der Stadt der Zerstörung der Synagoge und der Schoah gedenken können. Er kann sich vorstellen, dass die Fotos der Synagoge vor und nach der Zerstörung gegenübergestellt werden.
Bürgermeister Thomas Kaminski teilte auf Anfrage mit, dass diese Frage noch nicht in den Ausschüssen der Stadt diskutiert worden sei. Wenn bei der Gestaltung der Innenstadt Geschichte und Geschmack
aufeinander träfen, dann ist der Altstadtbeirat gefragt, dem Vertreter der Kirche und Künstler angehören. Der Beirat, so versicherte Kaminski, sei für Vorschläge offen und werde darüber diskutieren und schließlich dem Stadtrat einen Vorschlag machen. Sechs bis neun Monate seien dafür noch Zeit. lou." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 747; III,2 S. 1326-1327. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 594-595. |
 | Jüdische Landesgemeinde Thüringens (Hg.): Die Novemberpogrome.
Gegen das Vergessen. Eisenach - Gotha - Schmalkalden. Spuren jüdischen
Lebens. 1988. |
 | Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen - geschützt und
gejagt. Bd. 4: Kurt Pappenheim: Die jüdische Gemeinde Schmalkalden und ihr Ende im
Holocaust. Suhl 1999. |
 | Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in
Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Thüringen. Berlin 1992. S. 284-285.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schmalkalden
Hesse-Nassau. Accused of poisoning wells, 18 Jews were murdered in Schmalkalden
during the Black Death persecutions of 1348-49. The later community, dating from
1622, numbered 120 (1 % of the total) in 1905. By Kristallnacht (9-10
November 1938), when the synagogue was destroyed, half of the remaining 80 Jews
had left. The last survivors were deported. 80 Jews had left. The last survivors
were deported to the east in 1942-44.

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