Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sterbfritz (Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
     
In Sterbfritz bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts genannt. Erstmals werden 1665 Juden am Ort genannt.   
 
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1835 121 jüdische Einwohner, 1861 150 (15,6 % von insgesamt 963), 1871 157 (12,0 % von 1.305), 1885 169 (15,7 % von 1.077), 1895 138 (13,8 % von 998), 1905 134 (11,1 % von 1.211).   
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Elementar-/Volksschule sowie ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt (jüdischer Elementarlehrer), der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. 1868-1869 hatte die Schule 31 beziehungsweise 29 Kinder unter dem damaligen Lehrer Markus Luss (Luhs; geb. nach Angaben von Horst Hecker [Stadtarchiv Frankenberg vom 30.6.2017] am 20. Februar 1839 als Sohn des Lehrers Aron Luhs/Luss in Gemünden (Wohra)), war seit 1873 Lehrer in Sterbfritz). 1887 besuchten 45 Kinder die Schule (Lehrer Luss selbst hatte zehn Kinder). 1898 besuchten 23 Schüler aus Sterbfritz, fünf aus Vollmerz die Schule. Nach dem Tod von Lehrer Markus Luss 1901 wurde sein Nachfolger Samuel Neuhaus. Dieser unterrichtete 1902 19 Schüler. Er war bis zu seinem Tod 1921 Lehrer in der Gemeinde (Bericht s.u.). Nachfolger von Neuhaus wurde Moritz Mannsbach. 
  
Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Altengronau beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Hanau.  
 
Im Ersten Weltkrieg starben fünf jüdische Sterbfritzer für ihr Vaterland: Emil Goldschmidt (geb. 29.11.1891 in Sterbfritz, vermisst seit 6.8.1916), Emanuel Schuster (geb. 18.9.1891 in Sterbfritz, gef. 26.9.1914), Josef Schuster (geb. 11.4.1884 in Sterbfritz, gef. 3.2.1915), Karl Schuster (geb. 25.6.1897 in Sterbfritz, gef. 20.8.1917) und David Strauß (geb. 31.5.1897 in Sterbfritz, gef. 7.3.1918). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal vor der evangelischen Kirche des Ortes.   
  
Um 1924, als noch 98 jüdische Einwohner gezählt wurden (8,1 % von 1.202), waren die Vorsteher der Gemeinde S. Dessauer und M. Birk. Als Lehrer war inzwischen der schon genannte Moritz Mannsbach angestellt. Er unterrichtete an der jüdischen Volksschule und erteilte dazu zwei Kindern an öffentlichen Schulen den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden die Chewra Kadischa (Bestattungs- und Wohltätigkeitsverein, 1924/32 unter Leitung von S. Dessauer, 1924 28 Mitglieder, 1932 27 Mitglieder), der Verein Gemilluth Chassodim (Verein zur Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker, 1932 unter Leitung von S. Klein) sowie der Israelitische Frauenverein (gegründet ca. 1900, 1924 unter Leitung von Frau Toni Schuster und Frau Ritla Birk, 1924 19 Mitglieder, 1932 24 Mitglieder). 1932 bildeten weiterhin M. Birk (1. Vors.) und S. Dessauer (2. Vors. und Schriftführer) den Gemeindevorstand. Lehrer Mannsbach unterrichtete weiterhin an der jüdischen Volksschule. 
Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es um 1930 sieben Viehhändler, zwei Pferdehändler, einen Gemüsehändler. Mehrere waren Kaufleute und betrieben Einzelhandelsgeschäfte. Es gab zwei jüdische Bäcker, Michael Schuster betrieb ein Café in Sterbfritz. Juda Schuster hatte im Nebenerwerb eine Landwirtschaft. Moses Schuster war Metzger.
  
1933 lebten noch 92 jüdische Personen in Sterbfritz. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Es emigrierten in die USA 17 Personen, eine nach Italien, 1 nach der Schweiz, zehn nach Südamerika (sechs nach Argentinien, vier nach Brasilien). Andere verzogen innerhalb Deutschlands, die meisten nach Frankfurt, um von dort aus die Auswanderung zu betreiben. Sechs Personen starben zwischen 1933 und 1942 in Sterbfritz.  Zum 1. Januar 1934 war die jüdische Elementarschule aufgelöst worden. Sie war damals noch die einzige jüdische Schule im Altkreis Schlüchtern gewesen. 1939 waren noch 21 jüdische Personen am Ort (1,8 % von 1.185). Die letzten 12 jüdischen Einwohner wurden im Mai und August 1942 deportiert
.  
  
Von den in Sterbfritz geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Adler geb. Birk (1869), Paulina Adler geb. Schuster (1872), Josef Baer (1869), Lina Bauer geb. Strauss (1882), Abraham Birk (1862), Michael Birk (1872), Moses Birk (1868), Samuel Birk (1871), Abraham Goldschmidt (1866), Amalie (Mali) Goldschmidt geb. Goldschmidt (1871), David Goldschmidt (1896), Emanuel Goldschmidt (1867), Josef Goldschmidt (1876), Lion Goldschmidt (1884), Malka Goldschmidt (1884), Malchen Goldschmidt geb. Heidelberger (1881), Merla (Marli) Goldschmidt (1871), Sara Goldschmidt geb. Bravmann (1873), Fanny Hamburger geb. Goldschmidt (1869), Elsa Hecht geb. Baer (1895), Gitta Hecht geb. Goldschmidt (1890), Jakob Hecht (1884), Lazarus Hecht (1875), Lina Hecht geb. Goldschmidt (1871), Lothar Hecht (1923), Ludwig Hecht (1923), Mayer Max Hecht (1881), Meier Hecht (1885), Sophie Hecht (1926), Steffi Hecht (1927), Emma Heinemann geb. Schuster (1879), Ernestine Holzinger geb. Schuster (1867), Elka Jakob geb. Schuster (1868), Hannchen Kahn geb. Goldschmidt (1873), Hermine Kaufmann geb. Dessauer (1897), Dora (Dorchen) Luhs (1876), Aron Marx (1881), Betty Marx geb. Weichsel (1881), Markus Marx (1883), Rosa Marx geb. Goldschmidt (1870), Jenny Nachmann geb. Birk (1899), Johanna Nussbaum geb. Goldschmidt (1882), Natahlie Nussbaum geb. Goldschmidt (1873), Gitta Oppenheimer geb. Goldschmidt (1858), Adelheid Rosenberg geb. Goldschmidt (1869), Josephine Salomon geb. Marx (1902), Berta Schuster (1921), Hannchen Schuster geb. Marx (1869), Julius Schuster (1874), Margot Schuster (1922), Theresa (Rosa) Schuster geb. Steinfeld (1892), Irma Sommer geb. Goldschmidt (1902), Auguste Stein geb. Schuster (1880), Johanna Strauss (1894), Meier Strauss (1890), Minna Weis geb. Schuster (1882).   
  
Auf dem rechts des Taharahauses im jüdischen Friedhof Altengronau aufgestellten Denkmal finden sich die Namen der aus Sterbfritz ermordeten Juden. Eine Aufstellung dieses Gedenksteines war zunächst an einem Standort in Sterbfritz geplant, konnte jedoch nicht verwirklicht werden; es sind nicht die Namen von Personen genannt, die in Sterbfritz geboren, dann jedoch überwiegend in anderen Orten gelebt haben:  

Altengronau Friedhof 135.jpg (105270 Byte)"Sachor - Gedenke
Dies sind die Namen der jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Sterbfritz, die in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ermordet wurden:
Abraham Birk (9.3.1862), Michael Birk (28.2.1872), Abraham Goldschmidt (31.3.1866), Amalie Goldschmidt geb. Goldschmidt (8.4.1871), Malchen Goldschmidt geb. Heidelberger (22.4.1881), Josef Goldschmidt (19.9.1876), Sara Goldschmidt geb. Bravmann (26.10.1873), Jakob Hecht (20.3.1884), Elsa Hecht geb. Baer (24.12.1895), Lothar Hecht (13.9.1923), Steffi Hecht (11.12.1927), Josef Baer (15.3.1869), Meier Hecht (27.12.1885), Gitta Hecht geb. Goldschmidt (20.7.1890), Ludwig Hecht (26.7.1923), Sophie Hecht (9.2.1926), Salomon Dessauer (20.7.1859), Max Mayer Hecht (14.8.1881), Lina Hecht geb. Goldschmidt (1.6.1871), Lazarus Hecht (15.7.1875), Georg Fries (18.7.1913), Leopold Kahn (12.5.1872), Hannchen Kahn geb. Goldschmidt (26.10.1873), Bertha Mosheim (15.9.1907), Moritz Mansbach (28.8.1881), Lea Mansbach geb. Katz (9.4.1882), Aaron Marx (19.11.1881), Betti Marx geb. Weichsel (27.10.1881), Martha Neuhaus (7.3.1907), Emma Schuster (23.9.1877), Rosa Schuster geb. Steinfeld (12.6.1891), Margot Schuster (18.10.1922).
Wir erinnern an sie und gedenken des unermesslichen Leids der Verfolgten und Ermordeten. Möge ihr Schicksal allen Lebenden eine Mahnung zu Frieden und Toleranz sein. Schalom - Frieden."  

    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet (1901)
  
Anmerkung: Die Ausschreibung erfolgte nach dem Tod von Lehrer Markus Luss.    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1901: "Die erledigte Elementarlehrer- und Vorsängerstelle bei der Synagogen-Gemeinde Sterbfritz soll wieder besetzt werden. Das Grundgehalt beträgt bei freier Wohnung Mark 1.050.-, der Einheitssatz der Alterszulage Mark 130.- . Dem Stelleninhaber wird eine Entschädigung von Mark 70.- für Heizung des Schullokals gewährt. Das Einkommen aus der Ausübung der Schächtfunktion betragt Mark 300.-  Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche mit den erforderlichen Zeugnissen versehen bis zum 31. diese Monats anher einreichen. 
Hanau, 12. August. Das Vorsteheramt der Israeliten: 
Dr. Bamberger
."     

   
Zum Tod von Lehrer Samuel Neuhaus (1921)   

Sterbfritz Israelit 14041921.jpg (40950 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1921: "Sterbfritz, 5. April (1921). Unter großer Beteiligung der gesamten Ortsbevölkerung, sowie auswärtiger Berufsgenossen und Freunde, wurde der nach kurzer, aber schwerer Krankheit im Alter von 54 Jahren hier verstorbene Lehrer Samuel Neuhaus, zur letzten Ruhe bestattet. In den nahezu 20 Jahren seiner hiesigen Amtstätigkeit hatte er viel Segen ausgestreut und viel Liebe geerntet. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben        
Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der Sabbatfreunde" in Sterbfritz (1907)     

Sterbfritz Israelit 19091907.jpg (75748 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1907: "Berlin, 18. September (1907). Der Verband der Sabbatfreunde hat seine Propagandatätigkeit sofort nach Beendigung der Ferienzeit wieder aufgenommen. So fanden am vergangenen Sonntag Versammlungen in Hersfeld und Rhina statt, die in beiden Orten zur Bildung von Ortsgruppen führten. In Hersfeld erfolgten über 60, in Rhina gegen 50 Anmeldungen als Mitglied. Das einleitende Referat in beiden Versammlungen hielt der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe, Herr Moritz A. Loeb. An gleichem Tage wurde durch Herrn Provinzialrabbiner Dr. Bamberger - Hanau in Sterbfritz eine Ortsgruppe ins Leben gerufen. Der Gesamtverband umfasst jetzt über 80 Ortsgruppen mit mehr als 4.000 Mitgliedern."  

  
Abschiedsabend eines Ferienaufenthalts von Frankfurter jüdischen Kindern (1927)  

Sterbfritz Israelit 18081927.jpg (96353 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Sterbfritz, 25. Juli (1927). Sonntag, 24. Juli gab eine Ferienkolonie erholungsbedürftiger jüdischer Kinder aus Frankfurt am Main einen Abschiedsabend verbunden mit Theateraufführungen. - Es war für die hiesigen Bewohner ein Erlebnis, wie man es sich für ländliche Verhältnisse kaum schöner denken konnte, zumal die Einwohner in den 3 Wochen des Ferienaufenthaltes der Kinder in engem Kontakt mit diesen standen. Jeder Punkt des Programms, von den Führern Herrn Lehrer Kösterich und Fräulein Wolpe, Frankfurt am Main mit viel Kunstsinn und Liebe einstudiert, wurde mit großem Applaus von den Zuhörern aufgenommen . Es wechselten Chöre, Theaterstücke, Volkstänze und Sologesänge einander ab. Die Wünsche des Publikums waren einstimmig: der kleinen Künstlerschar und den sich für sie aufopfernden Führern möge der Landaufenthalt recht gut bekommen." 

  
Treffen des evangelischen und des jüdischen Frauenvereines (1931)     

Sterbfritz Israelit 05031931.jpg (81000 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1931: "Sterbfritz, 22. Februar. Als ein erfreuliches Zeiten angesichts der Welle des Antisemitismus verdient folgendes wohl öffentlich bekannt zu werden: Der Landwirtschaftliche evangelische Frauenverein in Sterbfritz hatte am letzten Donnerstag unter Leitung der Kochlehrerin des Kreises Schlüchtern einen Werbekursus für Seefischeverwendbarkeit auf verschiedene Art veranstaltet. Es wurde hierzu vom obigen Verein auch der jüdische Frauenverein eingeladen. Den jüdischen Teilnehmerinnen wurde eine besondere Kochstelle und alles Material zur Verfügung gestellt, um die Fische auf rituelle Art zubereiten zu können. Anschließend wurde dann ein allgemeines Fischessen veranstaltet und war es ein Vergnügen, zu sehen, wie hier alle Konfessionen einmütig zusammen waren." 
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 6. März 1931:  
Ähnlicher Bericht wie in der Zeitschrift "Der Israelit" (siehe oben) 
  

     
Juden werden nicht mehr mit dem Nachtwächter-Posten betraut (1934)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1934: "Frankfurt am Main. Die Gemeinde Sterbfritz (Kreis Schlüchtern) hat vor kurzem beschlossen, aus Sparsamkeitsgründen keine bezahlten Nachtwächter mehr zu beschäftigen, sondern jeden Haushaltungsvorstand zu verpflichten, auf Aufforderung der Gemeindebehörde eine unentgeltliche Nachtwache zu stellen. Das 'Frankfurter Volksblatt veröffentlicht aus diesem Anlass eine Meldung aus Sterbfritz, wonach auf Protest der Bürger der Ortsgruppenleiter Parteigenosse Schreiber dem Bürgermeister Anweisung erteilte, künftige keine Juden mit dem Nachtwächter-Posten zu betrauen."          

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
Zum tragischen Tod von Betti Birnbaum geb. Birk (1884)  

Rotenburg Israelit 18091884.jpg (138433 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1884: "Nekrolog. Aus Hessen. 'Bis hierher kommst du, und nicht weiter, und hier stehe es dem Trotze deiner Wogen!' diese Worte Hiobs (38,11) begriffen wir allesamt, als wir am 2. dieses Monats, dem 12. Elul (2. September 1884), tief gebeugt dem Sarge der Frau Betti Birnbaum in Rotenburg folgten. Hatte doch hier der Tod ein eben erst geknüpftes Ehebündnis, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, jählings zerrissen und zwei würdige Familien in tiefe Trauer gestürzt. Erst am verflossenen 15. Aw (5. August 1884) hatte die Verstorbene ihr Hochzeitsfest gefeiert und schon nach kaum vier Wochen wurde sie, 24 Jahre alt, den ihrigen entrissen. - Die Verstorbene war die Tochter des Herrn J. Birk in Sterbfritz. Schon seit ihrem 13. Jahre der Mutter beraubt, war sie seitdem nur bestrebt, ihrem gebeugten Vater, dessen einzige Tochter sie war, den erlittenen Verlust durch die zarteste Aufmerksamkeit und treueste Hingebung zu ersetzen. Gern verzichtete sie auf gesellschaftliche Vergnügungen und fand ihre Freude in der Sorge um des Hauses Wohl. - Groß war daher auch die Freude des Vaters, als es ihm ermöglicht war, sie an einen würdigen Mann aus frommer angesehener Familie zu verheiraten. Leider sollte jedoch dieser Herzensbund nicht lange dauern. Am 31. vorigen Monats kehrte die Verstorbene Abends von einem Spaziergange heim in ihre Wohnung. Hier überfiel sie ein Herzkrampf und nach kaum einer Stunde war sie eine Leiche. Ihr Gatte hatte am Nachmittage eine erste Geschäftsreise seit der Hochzeit angetreten und fand, herbeigerufen, seine junge Gattin im Sarge.   
Am Grabe sprach Herr Rabbiner Straus ergreifende Worte. Er hob hervor, wie die Verstorbene sich in wenigen Wochen die Hochachtung der Schwiegereltern, des Gatten, der Familie und der Bekannten erworben. - Mögen die Angehörigen darin Trost finden, dass die Entschlafene als reife Frucht in einem besseren Jenseits den Lohn ihres Erdenwirkens genießt. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. L."  

  
Zur Goldenen Hochzeit von Simon und Klara Birk (1909)  

Sterbfritz Israelit 06051909.jpg (43303 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1909: "Sterbfritz, 25. April (1909). Am hiesigen Orte war es dem Ehepaar Simon und Clara Birk vergönnt, im Kreise zahlreicher Kinder und Enkel die goldene Hochzeit zu feiern. Seine Majestät verlieh demselben die Jubiläumsmedaille. Als Beweis guten Einvernehmens beider Konfessionen am hiesigen Platze konnte die Teilnahme des Herrn Bürgermeisters und des Herrn Pfarrers an der schön verlaufenen Feier gelten."  

  
90. Geburtstag des aus Sterbfritz stammenden Lehrer i.R. Samuel Birk (1929 in Meerholz)   

Meerholz Israelit 23051929.jpg (193578 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1929: "Meerholz (Kreis Gelnhausen), 20. Mai (1929). Am vergangenen Donnerstag den 16. Mai feierte Herr Lehrer i.R. S. Birk, seinen 90. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich einer seltenen geistigen und körperlichen Rüstigkeit. Lehrer Birk ist geboren in Sterbfritz. Seine Ausbildung erhielt er an dem heute nicht mehr bestehenden Lehrerseminar in Schlüchtern. Nach Absolvierung seiner Studien wurde ihm die Stelle in Wachenbuchen bei Hanau übertragen, von wo aus er am 16. Oktober 1874 an die damalige israelitische Volksschule nach Meerholz berufen wurde. Dort versah er den Dienst als Lehrer, Vorbeter und Schochet bis 1. Oktober 1908 in vorbildlicher Weise. Seit dieser Zeit lebt Herr Birk, geehrt und geachtet von allen Mitbürgern hier, im Ruhestand.  
Die Geburtstagsfeier gestaltete sich so recht zu einem Ehrentag. In seiner Bescheidenheit hatte sich der Jubilar die von der israelitischen Gemeinde geplanten Feierlichkeiten verbeten, sodass nur eine familiäre Feier abgehalten wurde. Viele Kollegen aus Nah und Fern waren gekommen. Der Hessische Lehrerverein ließ durch seinen Vorstand telegraphisch seine Wünsche übermitteln. Neben einem Glückwunschtelegramm des Vorstandes des hessischen jüdischen Lehrervereins, hatte diesem seinem Mitglied, Lehrer (Samuel) Levi Birstein, den Auftrag erteilt, persönlich die Wünsche der jüdischen Lehrerschaft Hessens zu übermitteln. In seiner Ansprache verglich Lehrer Levi den Jubilar mit unserem Lehrer Mosche, der im hohen Alter - 'sein Auge war nicht getrübt und seine Säfte nicht geschwunden' (5. Mose 34,7) - ungebrochen an körperlichen und geistigen Kräften sein 90. Jahre vollendet hat. Selbstverständlich hatten sich die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Meerholz vollzählig eingefunden, und auch viele andere hatten persönlich oder schriftliche ihre Wünsche ausgesprochen. die israelitische Gemeinde Hanau ließ durch Herrn Lehrer Weingarten gratulieren. Es ist nicht möglich, all die Ehrungen einzeln aufzuzählen, die dem Jubilar als Nestor der Lehrerschaft Kurhessens zuteil wurden. '(Alles Gute) bis 120 Jahre."     

  
Zum Tod von Lenchen Dessauer (1930)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1930: "Sterbfritz, 7. Juli (1930). Am Rosch Chodesch Tamus (1. Tammus = 27. Juni 1930). wurde Lenchen Dessauer zu Grabe getragen. Ein biederes Weib, wie es der königliche Sänger schildert, ist mir ihr dahingegangen. Selbstlos und bescheiden hat sie gelebt. Dem Gatten eine treue stets sorgende Gehilfin, ihren Kindern eine herrliche, gute Mutter, ihren Mitmenschen eine immer hilfsbereite, beratende Schwester und den Armen, die nur allzu gern sie aufsuchten, war sie eine Trostspenderin im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nicht nur ihre offene Hand, die Art und Weise ihres Gebens, zeugten von edlem Menschentum, auch ein Stück Heimat gab sie den an ihre Tür Pochenden und somit den wahren Trost. Von der Verehrung, die die teure Verblichene in ihrem Heimatdorfe bei allen Konfessionen genoss, kündete der große Trauerzug, der ihr das letzte Geleite gab. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" vom 11. Juli 1930:    
ähnlicher Bericht wie in der Zeitschrift "Der Israelit" (siehe oben)   

  
Zum Tod der Witwe des Lehrers Samuel Neuhaus, Frau Rosa Neuhaus (1935)  

Sterbfritz Israelit 20061935.jpg (84412 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1935: "Sterbfritz, 11. Juni (1935). Am Rosch Chodesch Siwan (= 2. Juni 1935) wurde hier die Witwe des verstorbenen Lehrers Samuel Neuhaus, Frau Rosa Neuhaus, zu Grabe getragen. Alle, die sie kannten, ihre Familie und die Gemeinde verlieren in der Dahingegangenen einen Menschen, der zeitlebens erfüllt war von wahrer innerster Gottesfurcht, aufopfernder Mutter- und großer Nächstenliebe. Sie war ein Muster und Vorbild zum Guten! Die Verstorbene konnte den unersetzlichen Verlust ihres Gatten nie ganz verschmerzen. Von einem schrecklichen Krankenlager, dessen Leiden sie mit fast übermenschlicher Geduld ertragen, hat sie Gott zu sich genommen. Jetzt ruht sie in Frieden vereint mit ihrem einstigen Lebensgefährten auf dem altehrwürdigen Friedhof in Altengronau. 
Möge ihr Verdienst ihren Kindern und uns allen beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."


Zu Max Dessauer (1893-1962) 

Mit seinen Dorfgeschichten 'Aus unbeschwerter Zeit' (erschienen Frankfurt 1962) setzte der Sterbfritzer Max Dessauer dem harmonischen Zusammenleben von Christen und Juden ein literarisches Denkmal. Max Dessauer war die Flucht von Sterbfritz nach Frankreich gelungen. Während des Krieges schloss er sich der französischen Widerstandsbewegung an und lebte unter dem Namen 'Mortfric' (Sterbfritz) im Untergrund. Nach dem Krieg kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er 1962 starb. Über das Ende der jüdischen Gemeinde Sterbfritz schrieb er:
"Dann, bald nach Kriegsbeginn, wurden die im Dorf lebenden Juden nach dem Osten deportiert. Die Gendarmen holten sie aus ihren Häusern heraus und brachten sie zum Bahnhof. An der Rampe stand ein Viehwagen. Viele Männer und Frauen aus dem Dorf sahen diesen Abschied. Sie durften mit den Juden nicht einmal mehr sprechen. Manche weinten. Verstohlen drückten einige ihnen die Hände, steckten ihnen auch noch etwas zu die lange Reise, die die letzte wurde. Die Gendarmen duldeten es, wenn sie es zufällig sahen! Das war alles, was sie tun durften, denn se wurden scharf beobachtet. Mit Schlägen und Hieben empfingen die Transportbegleiter die Juden des Dorfes und stießen sie in den Waggon. Alte und Kranke, Männer, Frauen und Kinder. Das jüngste war erst vier Jahre alt."

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Versandbäckerei Raphael Schuster - Anzeigen von 1890  

Sterbfritz Israelit 28041890.jpg (29209 Byte) Sterbfritz Israelit 16061890.jpg (30599 Byte) Sterbfritz Israelit 11081890.jpg (33451 Byte)
Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1890, 16. Juni 1890 und vom 11. August 1890 mit ziemlich gleich lautendem Text: "Koscher. Geröstete Zwieback, lange haltbar besonders für Kinder, Kranke und als Kaffeegebäck zu empfehlen, liefert in Postpakete à 2, 3 Mark und mehr. Raphael Schuster, Sterbfritz (Hessen-Nassau)."

   
M. L. Schuster sucht eine Lehrstelle für seinen Sohn sowie einen Reisenden für sein Geschäft (1891) 
sowie Kommis-Suche des Dielen-, Baumaterialien-, Eisen- und Manufakturwarengeschäftes M. L. Schuster (1904)    

Sterbfritz Israelit 07051891.jpg (49634 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1898: "Per 15. Mai suche ich für meinen Sohn Lehrlingsstelle in einem Manufakturwaren- oder gemischten Warengeschäft, welches Sabbat und Festtage geschlossen, mit Station im Hause. Ferner suche ich für mein gemischtes Warengeschäft per 15. Mai, einen tüchtigen Detail-Reisenden. Station im Hause. Offerten mit Gehaltsanspruch und Zeugnissen erbeten. 
M.L. Schuster
in Sterbfritz."     
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: 
"Suche für mein Dielen, Baumaterialien-, Eisen- und Manufakturwaren-Geschäft, einen Commis 
als Verkäufer und für Korrespondenz. Samstags geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
M. L. Schuster
, Sterbfritz."    
 
Sterbfritz H 125.jpg (98670 Byte)Weiteres Dokument: Rechnung von M.L. Schuster Nachf. in Sterbfritz über 300 Bieberschwänze (Dachplatten) an die Kirchenstiftungskasse Zeitlofs (1922)    
(Dokument erhalten von Joachim Weichert)          

    
Stellengesuch von Elias Goldschmidt (1892)      

Sterbfritz Israelit 17101892.jpg (17573 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1892: "Suche per sofort Arbeit als Geselle bei einem jüdischen Schuhmachermeister. 
Elias Goldschmidt,
Sterbfritz, Kreis Schlüchtern."    

    
Gesellensuche des Metzgers Michael Schuster (1897)  

Sterbfritz Israelit 16091897.jpg (29487 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1897: "Ein tüchtiger Metzgergeselle von 18-20 Jahren wird zum sofortigen Eintritt oder per 1. Oktober gesucht. 
Michael Schuster, Metzger, Sterbfritz."   

          
Bäcker Juda Schuster sucht Mitarbeiter (1898 / 1901 / 1903)    

Sterbfritz Israelit 22091898.jpg (26480 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1898: "Tüchtiger Bäckergeselle gesucht. 
Juda Schuster,
Bäckerei, Sterbfritz, Hessen."   
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901: "Ein angehender Gehilfe und ein Lehrling gesucht. Bäckerei Juda Schuster, Sterbfritz (Hessen)."     
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1903: "Einen tüchtigen Gesellen und einen Lehrling aus achtbarer Familie suche für meine Bäckerei. Juda Schuster. Sterbfritz."     

  
Commis-Suche von Joses Schuster (1900)  

Sterbfritz Israelit 07061900.jpg (34102 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1900: "Suche einen jüngeren Commis, für Detail Reisen mit guter Handschrift, per 15. Juli. Samstags und Feiertage geschlossen. 
Joses Schuster, Sterbfritz, Hessen."  

    
Jakob Hecht sucht eine Stelle (1903)  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Mai 1903: "Suche eine Stelle als Geselle in Schabbos geschlossener Sattlerei. 
Jakob Hecht
, Sterbfritz."  

    
Gesellengesuch der Bäckerei J. Strauß (1911)  

Sterbfritz FrfIsrFambl 18081911.jpg (26335 Byte)Anzeige in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. August 1911: "Junger tüchtiger Bäckergeselle sofort gesucht. J. Strauß, Sterbfritz".   

   
Hochzeitsanzeige für Eugen Weil und Manni geb. Birk  (1913) 

Sterbfritz FrfIsrFambl 11071913.jpg (42639 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Juli 1913: "Statt Karten! Wir beehren uns Freunden und Bekannten mitzuteilen, dass die Trauung unserer Kinder Manni und Eugen - so Gott will - Sonntag, 13. Juli (8. Tamus) mittags 1 1/2 Uhr in Frankfurt am Main, Loge Carl, Mozartplatz, stattfinden wird. 
Herr und Frau Josef Birk, Sterbfritz. Herr und Frau David J. Weil, Frankfurt am Main."  

   
 
Weitere Dokumente   
Rechnung der Manufaktur-, Eisen- & Spezerei-Waren, Porzellan- & Glaswaren, Dielen- & Lattenhandlung Juda Marx (1886)  

Sterbfritz Dok Juda Marx 01.jpg (218203 Byte)Die Rechnung der "Manufactur-, Eisen- & Spezerei-Waaren, Porzellan- & Glaswaaren, Dielen- & Lattenhandlung von Juda Marx in Sterbfritz datiert vom 1. Februar 1886.
Juda (Juedel) Marx wurde am 23. Januar 1839 in Sterbfritz geboren. Er starb am 20. Februar 1927 in Sterbfritz und wurde begraben auf dem jüdischen Friedhof in Altengronau
Juda Marx war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Hannchen (Johannette) geb. Tannenbaum, geb. 1839 in Harmuthsachsen, gestorben am 27. Oktober 1869 in Sterbfritz.
Hannchen Marx, geboren am 21. Oktober 1869 in Sterbfritz war ein Kind aus dieser ersten Ehe. Sie ist am 14. Februar 1944 im Ghetto Theresienstadt umgekommen. Sie war verheiratet mit Salomon Schuster, geb. 1. April in Romsthal. Er ist am 9. Oktober 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen.
In zweiter Ehe war Juda Marx verheiratet mit Schanette (Jeanette) geb. Hecht. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor: Minna Marx, geb. 10. September 1872 in Sterbfritz, Lena Marx, geb. 15. Dezember 1873 in Sterbfritz, verheiratet mit Joseph Reichsheimer, Joseph Marx, geb. 1875, gestorben 8. Oktober 1901 in Sterbfritz, Malchen (Amalie) Marx, geb. 15. Dezember 1876 in Sterbfritz, gestorben am 3. Februar 1951 in New York, verheiratet mit Nathan Zimmermann, geb. 7. September 1873 in Ober-Seemen, gestorben am 24. November in New York, Betti Marx, geb. 28. April 1876, gestorben am 20. September 1926 in Seligenstadt, verheiratet mit Josef Lilien, geb. 20. Juni 1874 in Seligenstadt, gestorben am 31. August 1948 in New York, Aron Marx, geb. 19. November 1881, am 12. November 1943 im Ghetto Theresienstadt umgekommen, Shmuel Marx, geb. 1884, gestorben am 25. August 1885 in Sterbfritz, begraben im jüdischen Friedhof in Altengronau, Max Marx.
Quellen: https://www.geni.com/people/Juedel-Marx/6000000006374298052 
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/280/mode/base/setmode/base/pageSize/50/sn/juf?q=Altengronau&fq%5B%5D=sprache%3Ahebr%C3%A4isch%2C+deutsch 
http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/mode/grid/setmode/grid/current/137/page/5/sort/score+asc/pageSize/30/sn/juf?q=Altengronau 

    

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Sterbfritz 
geborenen Emil Straus
 
 Sterbfritz KK MZ Straus Emil.jpg (90559 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Emil Straus (geb. 29. Dezember 1856 in Sterbfritz), Rentner     

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge  
      
Thea Altaras (1988 S. 160) vermutet, dass das in der Mittelgasse stehende Synagogengebäude aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts stammte. Es handelte sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit Satteldach und Zwerchhaus, an dessen Hälfte ein quadratischer Anbau angelehnt war, vermutlich das Schulhaus (vgl. Foto unten). Im Bereich des Toraschreines gab es hohe Fenster, möglicherweise ursprünglich auch an den Seitenwänden.  
   
Offenbar gab es schon relativ früh (kurz nach 1840) in der Synagoge in Sterbfritz durch den dortigen Vorbeter deutsche Predigten. Mehrere Jahre lang wurde in der Zeitschrift "Der Israelit" mit einer deutschen Musterpredigt, "vorgetragen in der Synagoge Sterbfritz" geworben:  
      
Veröffentlichung einer Predigt aus der Synagoge Sterbfritz 1842/1844   

Sterbfritz Israelit19Jh 30011842.jpg (60768 Byte)  Sterbfritz Israelit19Jh 24111844.jpg (73798 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 30. Januar 1842 und vom 24. November 1844: "Bekanntmachung - Bei F. Schuster in Hersfeld und Homberg ist erschienen und durch all Buchhandlungen zu beziehen: Hause, B., Drei Predigten, vorgetragen in den Synagogen zu Sterbfritz und Oberaula.... Immer mehr kommt die deutsche Predigte in den Synagogen in Aufnahme und wird gewiss dazu beitragen, mehr Licht in dieselben zu bringen. Darum ist's verdienstlich, wenn gute deutsche Predigten von jüdischen Religionslehrern gedruckt werden, damit dieselben auch die häusliche Erbauung befördern und beleben. Obige Predigten sind in vielen Rezensionen sehr gerühmt worden; in denselben herrscht die reine Moral, die über allen Sekten erhaben steht."  

Zu den besonderen Ereignissen in der Geschichte jeder Synagoge gehörte es, wenn eine neue Torarolle einzuweihen war, was gewöhnlich als Fest des ganzen Dorfes mit einer großen Prozession zelebriert wurde. Auch in Sterbfritz wurde im im März 1900 ein solches Ereignis festlich begangen, wenngleich noch kein Bericht hierzu, nur eine Liste mit Spenden anlässlich dieses Ereignisses gefunden werden konnte.    
       
Einweihung der Torarolle 1900  

Sterbfritz Israelit 15031900.jpg (88265 Byte)Im Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1900 werden Personen genannt, die anlässlich der Einweihung der Torarolle gespendet haben. 

Nach dem Ersten Weltkrieg plante die jüdische Gemeinde den Neubau einer Synagoge in Sterbfritz. Doch ist dieser Plan nicht mehr ausgeführt worden.
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute im Inneren verwüstet. Danach wurde das Gebäude als Abstellraum verwendet und nach 1961 abgebrochen. Das Grundstück wurde mit einem Einfamilienhaus neu bebaut.
    
  
Adresse/Standort der SynagogeGrundstück Mittelgasse 9 
  
  
Fotos   
(Schwarzweißfoto aus: Arnsberg, Bilder S. 190 mit Quelle: Frankfurter Rundschau 1961, Foto Hattemer; neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2007) 

Aufnahme aus den 
1960er-Jahren
Sterbfritz Synagoge 010.jpg (58803 Byte) 
   Die ehemalige Synagoge - 1961 als Abstellraum verwendet; am Ostgiebel (links) sind noch 
die hohen Fenster des Betsaales im Bereich des Toraschreines zu erkennen; im Anbau rechts 
befand sich vermutlich die jüdische Schule. 
   
Gefallenendenkmal und 
Gedenktafel für die jüdische Gemeinde 
bei der Kirche
Sterbfritz Ort 04.jpg (100577 Byte) Sterbfritz Denkmal 190.jpg (111595 Byte)    Sterbfritz Ort 03.jpg (116024 Byte) 
   Auf dem Gefallenendenkmal stehen (siehe die Fotos rechts) die Namen der jüdischen Gefallenen 
des Ersten Weltkrieges: Emil Goldschmidt und David Strauß (Tafel rechts), Emanuel Schuster,
 Josef Schuster und Karl Schuster (Tafel links).
   
Sterbfritz Ort 05.jpg (86967 Byte) Sterbfritz Ort 01.jpg (123131 Byte) Sterbfritz Ort 02.jpg (129616 Byte)

Gedenktafel bei der evangelischen Kirche mit dem Text: "Der jüdischen Gemeinde Sterbfritz zum Gedenken. Über 300 Jahre waren die Sterbfritzer Juden tief in ihrem Heimatdorf verwurzelt und liebten ihr deutsches Vaterland. Fünf jüdische Männer aus Sterbfritz starben als Soldaten im Ersten Weltkrieg.
Nach 1933 machten die Nationalsozialisten aus geachteten und respektierten jüdischen Nachbarn verachtete Bürger zweiter Klasse. Am 10. November 1938 schändeten Nazis aus Sterbfritz und Umgebung das Gotteshaus der Sterbfritzer Juden, misshandelten jüdische Menschen und zerstörten ihr Eigentum. 
Unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung und Gewalt verließen viele Sterbfritzer Juden ihre Heimat. Nicht allen gelang es, ins Ausland zu fliehen und ihr Leben zu retten. 1942 wurden die letzten Sterbfritzer Juden verschleppt und in Konzentrationslagern ermordet.
1933 lebten 93 Bürger jüdischen Glaubens in Sterbfritz. 32 von ihnen - Männer, Frauen und Kinder - fielen dem nationalsozialistischen Massenmord zum Opfer. Möge das Leid der Verfolgten und ermordeten eine Mahnung für die Lebenden sein!
Gott wird den Tod verschlingen auf ewig und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufgeben die Schmach seines Volkes in allen Landen, denn Gott hat es gesagt (Jesaja 35,8)."  

     
  Zur Geschichte eines ehemaligen  jüdischen Hauses: 
das Haus Brückenauer Straße 38 
(
um 1910/15 im Besitz von Seligmann Klein - in den 1920er-Jahren Familie Schuster 
  - seit 1938 Familie Kaspar Merx - ca. 1988 letzter Besitzerwechsel; 
Fotos erhalten von Joachim Weichert)  
  
Sterbfritz H 122.jpg (88662 Byte) Sterbfritz H 120.jpg (43431 Byte) Sterbfritz H 126.jpg (56049 Byte)
 Das Gebäude ca. 1910/15 - damals im 
Besitz von Seligmann (Seli) Klein; in den
 1920er-Jahren wurde das Gebäude 
aufgestockt und nach links erweitert 
Seit 1938 war das Gebäude im Besitz 
von Kaspar und Angelika Merx (am Fenster: 
A. Merx und J. Müller) 
nach 1938: Textil- & Schuhwarengeschäft 
von Kaspar Merx jr. 
  
     
     
Sterbfritz H 121.jpg (50036 Byte) Sterbfritz H 123.jpg (84709 Byte) Sterbfritz H 124.jpg (86871 Byte)
Das Gebäude in den 1960er-Jahren 
mit Vorbau: Schaufenster für den Laden 
Um 1980: Umbau des Gebäudes: Erneuerung
 der rechten Gebäudehälfte 
Originale Haustür, die bereits auf dem 
Foto von 1910/15 zu sehen ist  
        
Zeitlofs Ort 212.jpg (74023 Byte) Zeitlofs Ort 211.jpg (61332 Byte) Zeitlofs Ort 213.jpg (72079 Byte)
Das Haus  Brückenauer Straße Anfang 2012 (Fotos: Joachim Weichert)  
     

  
    
Links und Literatur   

Links:   

Website der Gemeinde Sinntal 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Sterbfritz 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 298-299.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 190.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 160.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 138.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 226-227. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 589. 
Sterbfritz Dessauer Lit010.jpg (22829 Byte)Max Dessauer: Aus unbeschwerter Zeit - Geschichten um die Juden aus meinem Dorf. Vorwort von Carlo Schmid. Verlag Frankfurter Bücher. Frankfurt 1962. 183 S. 
Max Dessauer ist es zu verdanken, dass von der jüdische Tradition in Sterbfritz neben dem dunkelsten Kapitel auch freundlichere Bilder überliefert sind. In seinem Buch aus unbeschwerter Zeit“ schildert der 1962 Verstorbene Geschichten und Episoden aus einer Zeit, in der Christen und Juden an der Kinzigquelle ein gut nachbarliches, häufiger gar freundschaftliches Miteinander pflegten.
Die Erinnerungen Dessauers vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Landjudentum, das in Hessen und speziell im Bergwinkel einen vergleichsweise überdurchschnittlichen Bevölkerungsanteil stellte. Zur Blütezeit 1885 waren in Sterbfritz immerhin 15 Prozent der etwas mehr als 1000 Bewohner jüdischen Glaubens. Der Anfang des 19. Jahrhunderts gebauten Synagoge war sogar eine eigene einklassige Elementarschule angegliedert. Obgleich Juden und Christen auf dem Land im Glauben stark traditionsgeprägt waren, „gab es im Alltag viele Bindungen, die konfessionelle Unterschiede aufhoben“, schrieb Dessauer. Nicht zuletzt auch die Armut, das kärgliche Dorfleben, verband beide Bevölkerungsgruppen. So fanden sich Juden in der Gemeindevertretung, politischen oder geselliger. Vereinsvorständen bis hin zur Feuerwehr. Ein Ort der Geselligkeit war das jüdische Café Schuster, in dem auf einem Grammophon alte Platten liefen und später das erste Radio im Dorf angeschaltet wurde. Juden und Christen spielten hier Karten. sonntags wurde getanzt.. 
Sterbfritz Unsere Heimat.jpg (19562 Byte) Thomas Müller: Max Dessauer (1893-1962): Ein Sterbfritzer Jude, sein Leben und seine Erinnerung an die 'unbeschwerte Zeit'. In: Unsere Heimat. Mitteilungen des Heimat- und Geschichtsvereins Bergwinkel e.V. Heft 14 1998.
 Beiträge zur Geschichte jüdischer Sterbfritzer. Hrsg.: Heimat- und Geschichtsverein Bergwinkel e.V. S. 1-110.   
Basierend auf einem Buch vom Max Dessauer (1893-1962) haben sich Monica Kingreen und Thomas Müller auf die jüdischen Spuren in Sterbfritz begeben. Ihre Forschungsarbeit ist vom Heimat- und Geschichtsverein Bergwinkel in der Broschüre "Beiträge zur Geschichte jüdischer Sterbfritzer" dokumentiert.
Auf 100 Seiten zeichnet der am Grimmelshausen-Gymnasium beschäftigte Referendar Thomas Müller (34) den Lebensweg Max Dessauers nach, der Kindheit und Jugend in Sterbfritz verbrachte, im ersten Weltkrieg schwer am Arm verwundet wurde, während der Weimarer Republik als Kaufmann in Fulda und Offenbach arbeitete und 1936 vor den Nazis nach Frankreich floh. Dort gelang es ihm nicht nur, mit Frau und Tochter unterzutauchen, sondern über Kontakte zu Widerstandsgruppen auch vielen verfolgten Juden zu helfen. Mitte der 50iger Jahre war Dessauer maßgeblich am Aufbau eines Altenwohnheims bei Paris für Überlebende des Völkermordes beteiligt. Dabei knüpfte er Kontakte zu namhaften deutschen Politikern, darunter Carlo Schmidt, der ihn drei Jahre nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1961 mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnete.  
Monica Kingreen: Lazarus Hecht aus Sterbfritz – ein jüdischer Hausierer, in: ebd. S. 111-119. 
Das Schicksal des kleinen treuherzigen, im gesamten Kreis Schlüchtern bekannten Hausierers Lazarus Hecht zeichnet die Nidderauer Geschichtsforscherin und Autorin Monica Kingreen noch einmal gesondert nach. Sie bezeichnet Hecht, der sich mit einem kleinen Bauchladen mehr schlecht als recht über Wasser hielt als „prägnante und typische Gestalt des hessisch-jüdischen Landlebens“. Gebückt zog er über die Dörfer, verkaufte Nähnadeln und Fliegenfänger und wurde vor allem als Nachrichtenübermittler geschätzt. Die Nazis verboten ihm sein Gewerbe und bald darauf den Kontakt mit jeglichen Bauern. Fast ein Jahr musste er mit dem Judenstern durch Sterbfritz gehen, ehe er am 30. Mai 1942 über Schlüchtern nach Theresienstadt und drei Wochen später nach Treblinka verschleppt wurde. Am 29. September 1942, unmittelbar nach seiner Ankunft, wurde der liebenswürdige Hausierer, 67 Jahre alt, vergast. Lazarus Hecht ist einer von 58 Namen in einer gesonderten Auflistung Monika Kingreens. Darin skizziert sie das Leben aller bekannten Juden aus Sterbfritz, die im Rassenwahn ermordet wurden. 
dies.: Die Namen der ermordeten jüdischen Sterbfritzer. In: ebd. (wie Beitrag Thomas Müller) S. 120-126. 
Sterbfritz Las Vegas Lit.jpg (6893 Byte)Henry D. Schuster: Von Sterbfritz nach Las Vegas. CoCon-Verlag 2011. ISBN 978-3-937774-83-1  213 S. 115 Abb.
Der heute (2011) 85-jährige Henry Schuster beschreibt in seinem Buch, wie aus dem am 18. März 1926 in der Schlüchterner Straße 24 in Sterbfritz geborenen Heinz der amerikanische Staatsbürger Henry wurde.
Die Familie Schuster gehörte zu den angesehensten der Gemeinde. Der Vater betrieb ein gut eingeführtes Textilgeschäft mit angeschlossenem Versandhandel, die Mutter hielt als umsichtige Hausfrau die Familie zusammen. Sie lebten in Eintracht mit ihren christlichen Nachbarn. Doch 1933 war eine glückliche Kindheit zu Ende. Heinz wurde die Zielscheibe von Verachtung, Spott und roher Gewalt, gerade auch in der Schule. Er konnte mit einem Transport jüdischer Kinder und Jugendlicher in die USA in Sicherheit gebracht werden. Seine Mutter und seine Schwester Margot wurden umgebracht, die andere Schwester überlebt das KZ Bergen-Belsen.  

   
   
Hinweis auf ein familiengeschichtliches Werk     

Nathan M. Reiss 

Some Jewish Families 
of Hesse and Galicia 
Second edition 2005 
http://mysite.verizon.net/vzeskyb6/  
Reiss Lit Titel 010.jpg (44676 Byte) Reiss Goldschmidt usw 010.jpg (68557 Byte)
   In diesem Werk eine Darstellung zur Geschichte der jüdischen Familien Goldschmidt, Hess und Levi-Kann in Heubach, Sterbfritz, Uttrichshausen und Züntersbach ("The GOLDSCHMIDT, HESS and LEVI-KANN Families of Heubach, Sterbfritz, Uttrichshausen, and Züntersbach" S. 143-170) ( Nachkommen bis um 2000) mit zahlreichen Abbildungen u.a.m.      

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sterbfritz (now part of Sinntal)  Hesse-Nassau. The community, numbering 169 (16 % of the total) in 1885 was affiliated with the rabbinate of Hanau. After Worldwar I it had members in Oberzell, but only five pupils attended its community school. More than half of the 92 Jews who remained in 1933 left before Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue's interior was destroyed; 28 emigrated and at least 15 perished in the Holocaust. 
       
         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Juni 2017