Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heubach (Gemeinde Kalbach, Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit des Fördervereins Landsynagoge Heubach e.V.: www.synagoge-heubach.de

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
      
In Heubach bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1935/38. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1702 wird ein jüdischer Viehhändler namens Feistelmann genannt. Eine Gemeinde mit den zur Abhaltung von Gottesdiensten notwendigen Zehnzahl religionsmündiger jüdischer Männer dürfte seit Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein.

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1835 65 jüdische Einwohner, 1861 97 (13,0 % von insgesamt 747 Einwohnern), 1871 88 (12,5 % von 705), 1885 86 (10,7 % von 806), 1905 70 (10,1 % von 696). Jüdische Wohnhäuser am Ort waren Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts u.a. die Gebäude mit den heutigen Anschriften Frankenstr. 2 (Familie Benedikt Adler), Friedensstraße 4 (Familie Mordechai Goldschmidt), 5 (Familie Markus Adler), 13 (Familie Simon Goldschmidt), 20 (Familie Moses Adler III), Kirchweg 5 und 7 (Familie Moses Adler II), Oberzeller Str. 2 (Familie Goldschmidt), Rathausgasse 1 (Familie Leopold Kahn), 2 (Familie Lazarus Stern), 4 (Familien Meier und Moses Goldschmidt).

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (bis 1923) und ein rituelles Bad (im Untergeschoss des Synagogengebäudes). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war bis 1923 ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Im 19. Jahrhundert gab es zeitweise einen gemeinsamen Religionslehrer für Heubach und die Nachbargemeinde Uttrichshausen. Unter den Lehrern sind noch bekannt:  David Albrecht (um 1885/87) und Jakob Rothschild (mindestens seit 1895 bis zur Zurruhesetzung 1921). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Altengronau beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Hanau.
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Jakob Adler (geb. 3.2.1884 in Heubach, gef. 21.4.1917, beigesetzt Kriegsgräberstätte Sissonne/Frankreich).

Um 1924, als noch 40 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (5 % von insgesamt etwa 800 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde der Viehhändler Simon Goldschmidt. Auch 1932 und bis zur Auflösung der Gemeinde 1937 war er noch als Gemeindevorsteher tätig. Am Ort wurde er als "Judenbürgermeister" bezeichnet; bereits sein Vater und Großvater hatten die Stellung inne. In Heubach war auch auch Mitglied des Kriegervereins, möglicherweise war er zeitweise auch Mitglied der Gemeindevertretung.

1933 lebten noch 31 jüdische Personen in Heubach (4,8 % von insgesamt 652 Einwohnern).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 waren noch 15 jüdische Personen am Ort. Bereits einige Jahre zuvor waren auch die beiden noch in Oberzell noch lebenden jüdischen Familien der Gemeinde in Heubach zugeteilt worden. 1937/37 wurde die jüdische Gemeinde Heubach aufgelöst. Unter den letzten, die aus Heubach emigrieren konnten, war Emil Goldschmidt, der im März 1940 den Ort verließ. 

Von den in Heubach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" sowie dem Gedenkbuch Heubach nach www.synagoge-heubach.de): David Adler (1878), Hermann Adler (1875), Karoline (Helene) Adler geb. Mansbach (1876), Rosa Adler geb. Goldschmidt (1894), Simon Adler (1882), Aron Albrecht (1885), Nathan Albrecht (1887), Regina Bergmann geb. Goldschmidt (1895), Rosa Blum geb. Rothschild (1895), Regina Blumhof geb. Goldschmidt (1860), Paula Dessauer geb. Adler (1893), Mathilde Fuchs geb. Adler (1886), Abraham (Aron) Goldschmidt (1884), Abraham Goldschmidt (1892), Adolf Goldschmidt (1890), Benjamina Goldschmidt geb. Strauß (1874), Hermann Goldschmidt (1878), Jenny Goldschmidt (1904), Nathan Goldschmidt (1868), Regine Goldschmidt geb. Strauß (1866), Salomon Goldschmidt (1867), Selma Goldschmidt geb. Guttmann (1880), Simon Goldschmidt (1870), Simon Goldschmidt (1876, Gemeindevorsteher), Simon Goldschmidt (1880), Rosa Hanauer geb. Goldschmidt (1874), Rosa Heilbrunn geb. Goldschmidt (1890), Ruda (Rita) Italie geb. Adler (1912), Hanna Kahn geb. Adler (1880), Amalia (Malchen) Klebe geb. Adler (1879), Sophie Knoth geb. Goldschmidt (1877), Berta Mosheim geb. Kahn (1907), Hannchen Nussbaum geb. Goldschmidt (1873), Jettchen Rosenzweig geb. Adler (1882), Sofie Rothschild geb. Adler (1885), Marie (Maria Anna) Salomon (1915), Jette Seelig geb. Adler (1860), Jeanette Stern (1867), Regina Stern geb. Grünebaum (1878), Sophie Jette Kahn geb. Stern (1874), Zerline Stern (1869).     
     
   
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorsängers und Schächters 1879 / 1882

Uttrichshausen Israelit 17091879.jpg (78907 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1879: "Bekanntmachung. Die israelitische Religionslehrerstelle zu Heubach und Uttrichshausen ist erledigt. Der Wohnsitz des Lehrers ist in Heubach und hat derselbe wöchentlich zweimal in dem 1/2 Stunde entfernten Uttrichshausen Religionsunterricht zu erteilen. Bewerber um diese Stelle wollen ihre Meldungsgesuche mit den erforderlichen Zeugnissen versehen, binnen drei Wochen bei unterzeichneter Stelle einreichen. Gehalt 600 Mark nebst freier Wohnung und 1 1/2 Klafter Holz jährlich und ansehnlichen Nebeneinkünften. 
Hanau, den 4. September 1879. Königliches israelitisches Vorsteheramt. Hamburger."
Heubach Israelit 07061882.jpg (73155 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1882: "Bekanntmachung. Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle bei der Synagogengemeinde zu Heubach, im Kreise Schlüchtern, ist erledigt und soll baldtunlichst wieder besetzt werden. Das jährliche Einkommen besteht in 800 Mark Gehalt nebst freier Wohnung im Schulhause und 5 Meter Schulholz. Das unständige Einkommen für Schächten, Privatunterricht etc. wird auf wenigstens 200 Mark jährlich veranschlagt, jedoch keine Bürgschaft hierfür geleistet. Bewerbungsgesuche sind innerhalb 14 Tagen an uns zu richten und können nur solche Bewerber berücksichtigt werden, welche für ihre Befähigung zum Lehrfache genügende amtliche Zeugnisse besitzen oder imstande sind, bei der von Königlicher Regierung in Kassel bestellten Prüfungskommission für israelitische Religionslehrer zu Hanau eine genügende Prüfung zu bestehen. Hanau, den 26. Mai 1882. 
Das israelitische Vorsteheramt. Hamburger."
Auf Grund dieser Ausschreibung wurde der Lehrer David Albrecht angestellt. 

    
Lehrer Jakob Rothschild tritt in den Ruhestand (1921) 

Heubach Israelit 10021921.jpg (48717 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1921: "Heubach v.d. Rhön, 30. Januar (1921). Nach langer segensreicher Tätigkeit an der hiesigen öffentlichen Volksschule und in der Gemeinde, tritt unser Lehrer Herr J. Rothschild in den Ruhestand. Er verlegt seinen Wohnsitz nach Zwingenberg a.d. Bergstraße. Mit Bedauern sieht die Gemeinde diesen Mann aus seinem Dienste scheiden. Herr Rothschild erfreute sich großer Beliebtheit nicht nur in jüdischen Kreisen. Möge ihm in seiner neuen Heimat ein glücklicher Lebensabend beschieden sein." 
Hinweis: Bericht zum Tod der Frau von Lehrer Jakob Rothschild (1924) auf der Seite zu Zwingenberg

 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Verlobungsanzeige von Mally Adler und Dr. Rudolf Freudenberger (1923)

Heubach Israelit 23081923.jpg (26749 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1923: "Gott sei gepriesen
Mally Adler - Dr. med. Rudolf Freudenberger
. Verlobte. 
Heubach
/ Schüchtern - Bergen - Frankfurt am Main / Thüngen. 7. Elul 5683" (= 19. August 1923).  
Hinweis: Hochzeitsanzeige und weitere Informationen auf der Seite zu Thüngen

    
Verlobungsanzeige von Selma Daube und Binyamin (Willi) Katz (1935)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1935: "Selma Daube - Binyamin (Willi) Katz
Verlobte. Königsbach/Baden - Heubach v. Rhön / Frankfurt am Main. 
Petach-Tikwa - Purim 5695."     

   
    

    
Zur Geschichte der Synagoge  
   
   
Zunächst war nach einem Bericht von 1836 ein Betsaal in einem kleinen Zimmer eines jüdischen Wohnhauses eingerichtet. Als die jüdische Gemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts größer wurde, wurde der Neubau eines Synagoge nötig. Nachdem 1840 die frühere Zehntscheuer in der Ortsmitte abgebrochen worden war, erwarb die jüdische Gemeinde das Grundstück und erbaute auf ihm ein Synagogengebäude mit Schulstube, Lehrerwohnung und rituellem Bad. Die Baupläne wurden im Frühjahr 1841 von Landbaumeister Spangenberg aus Steinau angefertigt. 1843 wurde die Synagoge fertiggestellt und eingeweiht. 

Das Synagogengebäude wurde 1937 von der politischen Gemeinde gekauft (den Kaufvertrag unterzeichnete Vorsteher Simon Goldschmidt) und entging dadurch der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938. Die Ritualien sind nach Schlüchtern verbracht worden, wo sie beim Novemberpogrom vernichtet wurden. 
   
Das Synagogengebäude wurde zum Rathaus der Gemeinde umgebaut und als solches bis 1972 verwendet. Da 1971 Heubach in die Gemeinde Uttrichshausen eingemeindet wurde, wurde das Rathaus Heubach nicht mehr gebraucht. Jahrelang blieb das Gebäude ungenutzt und wurde zunehmend baufällig, zuletzt war ein Motorradclub eingezogen. Das Grundstück war bereits vom hessischen Straßenbauamt zur Straßenerweiterung gekauft worden. Mitte der 1980er-Jahre bestand kurzzeitig der Plan, das Gebäude abzubrechen und nach Gießen zu versetzen, um dort wiederum als Synagoge verwendet  zu werden. Wenig später begannen Überlegung zu einer Renovierung und einer neuen Nutzung am Ort. Vom "Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege Probstei Johannesberg, Fulda" wurde im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen 1990 ein Gutachten erstellt, in dem Vorschläge zur Renovierung auf Grund der Untersuchungen der Bausubstanz erarbeitet wurden. 
  
Auf Grund der intensiven Bemühungen u.a. des "Fördervereins Landsynagoge Heubach e.V." konnte die ehemalige Synagoge in den Jahren 2005/06 umfassend renoviert werden. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Landkreis Fulda stellten für die insgesamt 740.000 € kostende Herrichtung des Gebäudes Zuschüsse in Höhe von je 200.000 €  zur Verfügung. Große Beiträge stellten auch das Landesamt für Denkmalpflege (100.000 €), die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (85.000 €), der Förderverein Landsynagoge Heubach (65.000 €), die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck (50.000 €), die Gemeinde Kalbach (65.000 €), die Stiftung Sparkasse Fulda (100.000 €) und der Kreisausschuss Fulda (5.000 €) zur Verfügung.  Seit der Fertigstellung des Gebäudes in Frühjahr 2006 wird die ehemalige Synagoge Heubach als kulturelle Begegnungsstätte verwendet. 
   
       
Adresse/Standort der SynagogeFriedenstr. 9
Kontaktmöglichkeit zum Förderverein:  Förderverein Landsynagoge Heubach e.V. c/o Johanna Rau, E-Mail   
          

Fotos / Pläne
(Quelle der Fotos von 1985/1990 und der Rekonstruktionszeichnungen: Altaras 1988/1994 und aus dem Archiv des Fördervereins Landsynagoge Heubach e.V.)

Haus der Betsaales 
ab 1836
Heubach Synagoge 182.jpg (75688 Byte)
In dem gegenüber der späteren Synagoge gelegenen ehemaligen jüdischen Wohnhaus 
(auf Foto linker Gebäudeteil) befand sich seit 1836 der Betsaal der Gemeinde
   
Das Synagogengebäude 
zwischen 1937 und 2005 
Heubach Synagoge 030.jpg (56457 Byte) Heubach Synagoge 044.jpg (64215 Byte)
   Foto aus der Zeit der ehemaligen Synagoge 
als Rathaus (Förderverein)
Westliche Trauseite und Nordgiebel 
(1985, Altaras)
      
Heubach Synagoge 052.jpg (74259 Byte)  Heubach Synagoge 051.jpg (87045 Byte) Heubach Synagoge 031.jpg (49530 Byte)
Östliche Traufseite des ehemaligen Synagogengebäudes (1985/90)
(Altaras)
Das Gebäude vor Beginn der 
Restaurierung (Förderverein)
         
Rekonstruktionen der Grundrisse    
Heubach Synagoge 040.jpg (34258 Byte) Heubach Synagoge 041.jpg (40369 Byte) Heubach Synagoge 042.jpg (29424 Byte)
Obergeschoss mit Frauenempore 
und Lehrerwohnung
Erdgeschoss mit Betsaal der Männer,
 Schulraum und Teil der Lehrerwohnung 
Untergeschoss und Grundriss des rituellen
 Bades im Untergeschoss der Synagoge:
 1 Tauchbecken, 2 Kessel zur Aufbereitung
 zusätzlichen Wassers, 4 Brunnen, 
5 Holzröhrenleitung von einem Brunnen 
am Heubach, 6 Pumpe
   
   
       
Die ehemalige Synagoge nach der Renovierung
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2007)  
Heubach Synagoge 180.jpg (68679 Byte) Heubach Synagoge 181.jpg (89436 Byte) Heubach Synagoge 183.jpg (82239 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge von Westen Die bei der Restaurierung wiederhergestellten
 hohen Seitenfenster des Betsaals
 
   
Heubach Synagoge 185.jpg (57418 Byte) Heubach Synagoge 193.jpg (57956 Byte) Heubach Synagoge 192.jpg (46840 Byte)
Eingangstüren (links zur Lehrerwohnung /
 Schule / Frauenempore; rechts zum 
Betsaal der Männer
Blick von der Frauenempore in den Betsaal.
 Zwischen den hohen Fenstern befand 
sich der Toraschrein
Bemalung oberhalb des 
ehemaligen Toraschreines 
  
      
Heubach Synagoge 197.jpg (37562 Byte) Heubach Synagoge 195.jpg (60607 Byte) Heubach Synagoge 196.jpg (65341 Byte)
Im Bereich des Toraschreines hebräisch 
und deutsch: "Erkenne, vor wem Du stehst"
  
Frauenempore Blick in den Betsaal zur Empore; vorne ein
 Lesepult mit einem Memorbuch für die
 früheren jüdischen Einwohner Heubachs
 
     
Heubach Synagoge 191.jpg (35004 Byte) Heubach Synagoge 190.jpg (48578 Byte) Heubach Synagoge 189.jpg (53148 Byte)
Der Sternenhimmel  Bemalungen der Decke und der Wände 
aus unterschiedlichen Zeiten
Der ehemalige Schulraum 
     
     
Heubach Synagoge 188.jpg (61742 Byte) Heubach Synagoge 187.jpg (65526 Byte) Heubach Synagoge 186.jpg (49031 Byte)
Das rituelle Bad mit dem Tauchbecken  Ein Raum der ehemaligen Lehrerwohnung
   
  Heubach Synagoge 184.jpg (77534 Byte)   
  Beim Synagogengebäude: ehemalige
 jüdische Wohnhäuser
 
      

 

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte           

2007: Denkmalpreis für Heubach. Wirtschaftsminister Corts zeichnet Förderverein der Landsynagoge aus - Pressemitteilung. 

Der Förderverein Landsynagoge Heubach ist für die Erhaltung und Umgestaltung der ehemaligen Synagoge in dem Kalbacher Ortsteil mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis 2007 ausgezeichnet worden. Das Engagement des Vereins wird nicht mit einem Geldpreis belohnt, sondern ist "nur" mit der Anerkennung nebst einer Urkunde verbunden. Das tut der Freude in Kalbach keinen Abbruch: "Wir haben ja das Geld schon vorher als Förderung bekommen", sagt Pfarrerin Johanna Rau, die Vorsitzende des Fördervereins, nach der Rückkehr aus Rüdesheim. Dort hatte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts (CDU), gestern die insgesamt zehn Preisträger aus ganz Hessen vorgestellt.

Die Auszeichnung, so Corts, würdige denkmalpflegerische Leistungen, "die über das denkmalschutzrechtlich Gebotene hinausgehen und überregionale Bedeutung beanspruchen können."

Das Gebäude stand jahrelang leer

Der Heubacher Förderverein war mit einer kleinen Delegation nach Rüdesheim gefahren, der sich neben aktuellen und früheren Vorstandsmitgliedern auch der Erste Beigeordnete der Gemeinde, Stefan Burkard, sowie der frühere Bürgermeister Kalbachs, Karl-Heinz Kaib, angeschlossen hatten.
Die 1843 gebaute ehemalige Synagoge in Heubach, die in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der jüdischen Gemeinde verkauft worden war, diente danach bis zur Gebietsreform als Rathaus Heubachs. Das Gebäude stand jahrelang leer, bevor es von 2003 bis 2006 saniert wurde, um darin eine kulturelle Begegnungsstätte einzurichten. An dem Projekt habe sich der Förderverein der Landsynagoge Heubach mit seiner Vorsitzenden, Johanna Rau, mit beispielhaftem Engagement beteiligt", begründet Corts die Auszeichnung.
Das Bauwerk war für insgesamt 740.000 Euro restauriert worden. "Die Verleihung des Denkmalschutzpreises unterstreicht, welche Bedeutung dieses Projekt überregional hat", unterstreicht Kalbachs Bürgermeister Dag Wehner (CDU). "Ohne das umfassende Engagement des von Rau geführten Vereins wäre das Haus möglicherweise abgerissen worden", sagt Wehner.
Der Verein freue sich über die Auszeichnung. Die Feier habe auch ein Zusammentreffen mit vielen Wegbegleitern und Förderern des Projekts ermöglicht. Das habe gezeigt, wie viele Menschen und Institutionen an der Erhaltung der Heubacher Synagoge beteiligt seien, bilanziert Rau.
Jetzt schaut der Verein nach vorne: Weil der diesjährigen "Tag des offenen Denkmals" unter dem Motto "Historische Sakralbauten" steht, freuen sich die Heubacher am 9. September auf viele Besucher.
  
2008:   
rau_johanna.jpg (108213 Byte)Internationale Ehrung für hessische Pfarrerin 
Die kurhessen-waldeckische Pfarrerin Johanna Rau wurde mit dem "Obermayer German Jewish History Award" ausgezeichnet.

F u l d a (idea) – Die kurhessen-waldeckische Pfarrerin Johanna Rau (Oberkalbach bei Fulda) hat die Landsynagoge in Kalbach-Heubach vor dem Verfall bewahrt. Dafür erhielt sie eine hohe internationale Auszeichnung - den "Obermayer German Jewish History Award" (Obermeyer-Preis für Deutsch-Jüdische Geschichte).
Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit dem Jahr 2000 an Deutsche vergeben, die sich um die jüdische Geschichte und Kultur besonders verdient gemacht haben. Der Preis wurde von dem US-amerikanischen Unternehmer Arthur Obermayer (West Newton bei Boston) gestiftet, dessen Vorfahren aus Creglingen/Tauber stammen. Der Jury gehört auch der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper (SPD), an. Die Preisträger müssen von Jüdinnen und Juden vorgeschlagen werden, die außerhalb Deutschlands leben. Als Vorsitzende eines Fördervereins hat sich die 43-jährige Theologin für die Rettung der Synagoge engagiert. Das Preisgeld kommt der Arbeit zugute, sagte sie gegenüber ideaHessen. Das Haus war von 2000 bis 2004 für 780.000 Euro denkmalgerecht saniert und zu einer kulturellen Begegnungsstätte umgebaut worden. Das Geld war von der öffentlichen Hand, der kurhessen-waldeckischen Kirche und Privatspendern zur Verfügung gestellt worden. 2006 hatte das Projekt den Hessischen Denkmalschutzpreis erhalten. Auch die Kirchengemeinde nutzt die ehemalige Synagoge für Veranstaltungen. Bereits während ihres Studiums hatte sich die Theologin in den jüdisch-christlichen Dialog eingebracht und auch ein Jahr in Jerusalem verbracht. "Das Christentum ist ohne das Judentum nicht zu denken. Den größten Teil unserer Bibel, das Alte Testament, haben wir mit den Juden gemeinsam", sagte sie zu ihrer Motivation. Seit 1998 teilt sie sich mit ihrem Ehemann, Pfarrer Hubertus Marpe, die Pfarrstelle Oberkalbach. 
Quelle: Idea vom 15. Februar 2008. Artikel  
   
Veranstaltungen in der ehemaligen Synagoge in Heubach 2009 I       
Artikel in der "Fuldaer Zeitung" (Artikel) vom 15. Januar 2009:  
KALBACH-HEUBACH "Was ist das größte Gebot?" – dieser Frage geht der Förderverein Landsynagoge Heubach bei einer Veranstaltungsreihe nach, in der eine Jüdin, ein Christ, eine Muslimin und ein Bahai zu dieser Thematik Stellung nehmen.
"Wir haben diesen Fragenkreis gewählt, weil die ehemalige Heubacher Synagoge ja als ein Ort der Begegnung und des Austauschs genutzt werden soll", erläutert die Vorsitzende des Fördervereins, Pfarrerin Johanna Rau (Heubach/Bad Wildungen). Die Auseinandersetzung mit dem "größten Gebot" der monotheistischen Religionen findet an vier Abenden im Juni und Juli statt. Wie Rau weiter erläuterte, wird sich eine weitere Veranstaltungsreihe im Mai mit dem biblischen Buch der Psalmen befassen. An vier Abenden wird der aus Heubach stammende evangelische Pfarrer Karl-Josef Gruber ("Koarbalze Karl"), der zurzeit am Marburger Bibelseminar "Auslegung des Alten Testaments" unterrichtet, in die Gedankenwelt der Psalmen einführen. Den Auftakt des Veranstaltungsprogramms für 2009 bildet ein Vortrag, in dem der Germanist und Historiker Dr. Christoph Münz am kommenden Samstag, 17. Januar, zum Thema "Im Schatten von Auschwitz – Jüdische und christliche Theologie im Angesicht des Holocaust" spricht. Der Abend versteht sich auch als Beitrag zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Dieser Tag wird in Deutschland seit 1996 als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. 
Musikalischer Abend. Am Sonntag, 25. Januar, wird unter dem Motto: "Mir lejbn ejbik – wir leben ewig!" ein musikalischer Abend geboten. Ab 19.30 Uhr gestalten Linde Weiland, die ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Fulda, und die Sänger des Freundeskreises "Jediduth" (Freundschaft) die Veranstaltung mit Legenden, Anekdoten und Liedern.
Für den Sonntag, 8. März, ist ein entwicklungspolitischer Abend geplant, in dem die Eheleute Carmen Kugele und Werner Köhler (Oberkalbach) am Beispiel ihres Einsatzes in Laos über die Arbeit des Deutschen Entwicklungsdienstes berichten. Zudem stellen sie das für Jugendliche gedachte Programm "Weltwärts" vor. Das Klarinettenensemble Windstärke 12 aus Bad Orb wird am Samstag, 2. Mai, konzertieren.
Alle Veranstaltungen finden in der Begegnungsstätte Ehemalige Landsynagoge Heubach (Friedensstraße 9, Kalbach-Heubach) statt; der Eintritt ist frei; es wird um eine Spende gebeten. Zudem sind Führungen durch das denkmalgeschützte Gebäude möglich. Terminvereinbarungen sind per E-Mail über info@synagoge-heubach.de  oder telefonisch unter (06 61) 40 23 82 möglich. Auf der Homepage sind auch Details zu den Veranstaltungen zu finden. 

   
    
Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Kalbach mit Unterseiten zur Heubach 

Website des Fördervereins Landsynagoge Heubach  

Pressemeldungen des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst vom 14. Juli 2004  und vom 6. September 2004  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Heubach 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 364-365.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 33-34.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 40-41.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1996 S. 23-24.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 436-437.
Hans Hermann Reck: Die ehemalige Landsynagoge zu Heubach. Bauforschung an einem Kulturdenkmal des mittleren 19. Jahrhunderts. Artikel in: Denkmalpflege & Kulturgeschichte Nr. 4. 2005. S. 16-22.  
Johanna Rau: Geschichte der jüdischen Gemeinde Heubach. Online zugänglich
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte) Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 € 
Zu Heubach Beitrag von Johanna Rau S. 325-333.   

Hinweis auf familiengeschichtliches Werk  

Nathan M. Reiss 

Some Jewish Families 
of Hesse and Galicia 
Second edition 2005 
http://mysite.verizon.net/vzeskyb6/  
Reiss Lit Titel 010.jpg (44676 Byte) Reiss Goldschmidt usw 010.jpg (68557 Byte)
    In diesem Werk eine Darstellung zur Geschichte der jüdischen Familien Goldschmidt, Hess und Levi-Kann in Heubach, Sterbfritz, Uttrichshausen und Züntersbach ("The GOLDSCHMIDT, HESS and LEVI-KANN Families of Heubach, Sterbfritz, Uttrichshausen, and Züntersbach" S. 143-170) ( Nachkommen bis um 2000) mit zahlreichen Abbildungen u.a.m.      

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Heubach an der Rhoen  Hesse-Nassau. The community opened a synagogue in 1835 and grew to 97 (13 % of the total in 1861). Having shrunk to 31 in 1933, it disbanded and no Jews remained after 1938. 
     

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Mai 2012