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Eckardroth und Romsthal (Stadt
Bad Soden-Salmünster, Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In
Eckardroth und Romsthal bestand eine jüdische
Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Geschichte dürfte in das 17.
Jahrhundert zurückgehen, da in dieser Zeit der jüdische Friedhof
des Ortes angelegt wurde. Nachweise (Geburten) liegen seit der Zeit um 1760
vor.
1757-1765 wird der Schutzjude Seligmann in Romsthal genannt, Jud Süßkind zur selben
Zeit in Eckardroth. 1813 lebten in Eckardroth 21, in Romsthal 8 jüdische
Personen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen
Einwohner zunächst kräftig zu. Es wurden gezählt: in Romsthal 1853 84 jüdische Einwohner,
1861 78 (11,9 % von insgesamt 658 Einwohnern), 1871 78 (13,3 % von 588), 1885 66
(12,6 % von 523), 1895 49 (10,4 % von 471), 1905 40 (8,8 % von 457), 1910 30;
in Eckardroth: 1853 96, 1861 54 (11,5 % von 471), 1885 39 (8,9 % von
436), 1895 37 (9,8 % von 417), 1905 16 (4,2 % von 384, 1910 7. Die
jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Vieh, Landesprodukten,
Ellenwaren und Altkleidern. Manche hausierten mit ihren Waren in der weiteren
Umgebung und besuchten die Märkte. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es unter den
Jüngeren auch handwerkliche Berufe (Schuhmacher, Schneider). Seit der Mitte des
19. Jahrhunderts gab es auch einige für das wirtschaftliche Leben der beiden
Dörfer bedeutende Läden, die jüdischen Familien gehörten (s.u. Anzeige des
Spezerei- und gemischten Warengeschäftes Hermann Weißbecker).
Prägende Gestalt des jüdischen Gemeindelebens in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts war Elias Grünstein, der 16 Jahre lang Lehrer in Romsthal
war, danach als Kaufmann tätig war und zugleich für zusammen 36 Jahre als
Vorsteher der jüdischen Gemeinde Romsthal-Eckardroth wirkte. Er übersiedelte
1887 im Alter von 79 Jahren nach Schlüchtern (siehe Bericht unten).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge in Eckardroth (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein aus dem 17. Jahrhundert stammender Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert
zeitweise ein eigener Lehrer, Vorbeter und Schochet angestellt (noch in der
Person von Elias Grünstein). Seit Ende des 19. Jahrhunderts haben sich die
jüdischen Familien in Eckardroth und Romsthal an gemeinsamen Ausschreibungen
der Stelle der Lehrers, Vorbeters und Schochet mit den Gemeinden in Salmünster
und Wächtersbach beteiligt (s.u.).
Um 1924, als noch 29 jüdische Einwohner in Romsthal und zwei in
Eckardroth gezählt wurden, waren die Vorsteher der Gemeinde Josef Kösterich
(Eckardroth) und Josef Korn (Romsthal). Das Amt des Schochet übernahm in der
Gemeinde und auch im benachbarten Salmünster Siegmünd Köstrich. Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk in Hanau. 1925/26 verließen die letzten jüdischen
Einwohner von Eckardroth den Ort. 1932 war 1. Vorsteher der Gemeinde
Josef Korn in Romsthal. Religionslehrer der damals am Ort zu
unterrichtenden acht Kinder war E. Katz aus Salmünster. Die jüdischen Familien
lebten in ärmlichen Verhältnissen.
1933 lebten noch etwa 20 jüdische Personen in Romsthal. In
den folgenden Jahren sind mehrere der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1936 wurden noch 15
jüdische Personen gezählt.
Von den in Eckardroth und Romsthal geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Ansbacher geb. Kulp (1885),
Rosa Broening geb. Kaufmann (1898), Leopold Fürth (1882), Max Fürth (1883,
umgekommen im Zwangsarbeitslager in Cosel/Oberschlesien), Hermann Grünstein
(1868), Rosa Heist geb.
Schuster (1896, umgekommen in Auschwitz), Willi Hubert (1876, umgekommen in
Theresienstadt), Bertha Korn geb. Levi (1872), Jakob Korn (1871, umgekommen in Auschwitz), Gustl Korn geb.
Goldschmidt (1866, umgekommen in Auschwitz), Rosa (Rosel) Korn (1924), Mina Levi geb. Rosenthal (1870,
umgekommen in Theresienstadt), Rachel Munz oder Müntz
(1894), Gitta Neumann geb. Weissbecker (1880), Karolina
Reens geb. Gundersheim (1901, umgekommen in Auschwitz), Rosa Richter geb. Korn (1890, umgekommen in Auschwitz),
Else Schmeidler geb. Korn (1908), Johanna Stern
geb. Gundersheim (1906, umgekommen im Vernichtungslager Sobibor), Jeanette Vaz
geb. Kulp (1881, umgekommen in Auschwitz), Josef Weissbecker (1876).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers 1884 / 1885 /
1894
Anmerkung: die Stelle des Religionslehrers/Vorbeters/Schächters wurde
spätestens seit 1884 gemeinsam von den Gemeinden Salmünster und
Romsthal-Eckardroth, seit 1894 auch gemeinsam mit der Gemeinde Wächtersbach
ausgeschrieben.
| 1884/1885 taten sich die
gemeinsam ausschreibenden jüdischen
Gemeinden Salmünster und
Eckardroth-Romsthal offenbar schwer mit der Neubesetzung der Lehrerstelle, da über
mehrere Monate immer wieder Anzeigen in der Zeitschrift "Der
Israelit" mit folgendem Text erschienen: |
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Anzeigen in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 17. November 1884 und vom 30. Juli 1885: "Bekanntmachung: Für die Synagogengemeinde
Salmünster und Eckardroth-Romsthal soll ein Religionslehrer und Vorsänger
gegen den Bezug eines jährlichen Gehalts von 700 Mark nebst freier Wohnung und
Heizung bestellt werden. Der Lehrer hat seinen Wohnsitz in Salmünster, wo er
auch den Vorsängerdienst zu versehen hat. Bewerber wollen ihre Gesuche mit
Abschriften der erforderlichen Zeugnisse innerhalb vier Wochen anher
einsenden.
Bemerkt wird, dass nur solche Bewerber berücksichtigt werden können welche in
Preußen ihre Prüfung bestanden haben oder bereit sind, sich einer Prüfung zu
unterziehen.
Hanau, den 12. November 1884 bzw. 28. Juli 1885. Das Vorsteheramt der Israeliten. Dr.
Koref." |
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| 1894 findet sich eine gemeinsame
Ausschreibung von Salmünster, Eckardroth-Romsthal mit Wächtersbach: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1894:
"Für die Synagogengemeinden Wächtersbach, Salmünster und
Romsthal-Eckardroth ist die Stelle eines Religionslehrers sofort zu
besetzen mit der Verpflichtung, in Wächtersbach, wo der Sitz des Lehrers
ist, den Vorsängerdienst zu versehen und die Schächtfunktionen
auszuüben. Das Gehalt beträgt jährlich 800 Mark nebst einem Einkommen
aus dem Schächterdienst von 300-400 Mark. Bewerber haben sich unter Beifügung
von Abschriften ihrer Zeugnisse bis zum 10. November laufenden Jahres an
das unterfertigte Amt zu wenden.
Hanau, 24. Oktober 1894. Das Vorsteheramt der Israeliten: Dr. Koref". |
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| 1907 findet sich eine Stellenausschreibung
von Salmünster, der neue Religionslehrer sollte auch den
Religionsunterricht in Eckardroth-Romsthal übernehmen: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1907:
"Die Synagogengemeinde Salmünster sucht einen Religionslehrer und
Vorbeter, der auch den Religionsunterricht in Eckardroth-Romsthal
übernehmen soll. Das Gehalt beträgt bei freier Wohnung für einen
ledigen Lehrer Mark 1.000. - Bewerber wollen sich unter Einsendung von
Zeugnisabschriften bei uns melden.
Hanau, den 1. Dezember 1907. Das Vorsteheramt der Israeliten." |
Lehrer Siegfried Wechsler aus Wächtersbach erteilt auch den Unterricht in
Romsthal (1934)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1934: "Wächtersbach,
15. Januar (1934). Als Nachfolger des nach Bremen berufenen Religionslehrers
Rosemann ist zur Erteilung des jüdischen Unterrichts in den Gemeinden
Wächtersbach, Bad
Orb, Salmünster und Romstal Herr Lehrer Siegfried Wechsler
aus Hamburg bestellt worden." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ferienkolonie der Israelitischen Volksschule Frankfurt am
Main in Wahlert bei Romsthal (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August
1929:
Artikel noch nicht ausgeschrieben; bei
Interesse bitte Textabbildungen anklicken. |
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Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Rabbi Elias Grünstein (1890, 36 Jahre lang
Vorsteher der Gemeinde Romsthal-Eckardroth)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1890:
"Schlüchtern, 14. März (1890). Am 4. diesen Monats wurden die
sterblichen Reste eines ehrwürdigen Mitgliedes unserer Gemeinde zu Grabe
getragen. Rabbi Elias Grünstein, der erst vor 3 Jahren mit seinem
Schwiegersohn aus Romsthal hierher übersiedelte, war in seiner Jugend 16
Jahre lang Lehrer in Romsthal und ist später zum Geschäftstande
übergetreten. 36 Jahre lang war er Vorsteher der Gemeinde
Romsthal-Eckardroth und widmete sich unter allen Verhältnissen dem
Torastudium bis in sein hohes Alter von 82 Jahren So lange es seine
Kräfte erlaubten, war er ein eifriger Förderer der Armen des Landes
Israel und stets bestrebt zu Tora und Gottesdienst anzueifern.
Rührend war es anzusehen, wie der alte Mann, dem das Augenlicht nur noch
mangelhaft zu Gebote stand, stets einer der frühesten Andächtigen in
unserer Synagog3e war. Sein Bestreben war es stets, auch seine Kinder und
Enkel nach den Vorschriften des heiligen Religionsgesetzes zu erziehen,
und zeigte sich die allgemeine Verehrung des Verlebten in der zahlreichen
Beteiligung bei dem Leichenbegängnis aus der Nähe und Ferne. Möge das
Beispiel des anspruchslosen, wahrhaft frommen Mannes aneifernd auch nach
seinem Hinscheiden wirken. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens. M.S." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Spezerei- und gemischten Warengeschäftes Hermann
Weißbecker (1875)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875:
"Für mein Spezerei- und gemischtes Warengeschäft suche zum
sofortigen Eintritt einen braven, wohlerzogenen Jungen von ordentlichen
Eltern als Lehrling.
Sabbat- und Feiertage streng geschlossen. Hermann Weißbecker.
Romsthal bei Salmünster, Provinz Hessen." |
Anzeige von J. Wolf, Romsthal zum Laubhüttenfest (Sukkot) (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israellit" vom 6. September 1928: "Wer
reist über Sukkoth zur Erholung?
dem ist Gelegenheit geboten, in streng religiösem Hause mit Sukkoh in
kleiner jüdischer Gemeinde Unterkunft zu finden. Ia Verpflegung und hübsche
Wohnung in prachtvoller Gegend.
Anfragen an H. Wolf. Romsthal bei Salmünster." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge (Betraum) der jüdischen Gemeinde
Romsthal-Eckardroth mit etwa 50 Sitzplätzen befand sich in einem kleinen
Gebäude in Eckardroth; das Haus wurde 1936 verkauft. Es
handelte sich um ein kleines Gebäude neben dem jüdischen Friedhof. Vermutlich
wurde das Gebäude bereits in den 1920er-Jahren verkauft, nachdem in Eckardroth
selbst keine jüdischen Personen mehr lebten. Vor oder zu Beginn des Zweiten
Weltkrieges wurde das Gebäude abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Beim jüdischen
Friedhof
Fotos
| Fotos / Darstellungen sind
nicht vorhanden; über Hinweise freut sich der Webmaster von
"Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 2 S. 231-232 (Romsthal/Eckardroth). |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 200. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 579-580. |
 | Georg-Wilhelm Hanna: Geschichte der Juden in Bad
Soden-Salmünster. Erstveröffentlichung in: Bergwinkel-Bote 40 1989 S.
39-47. Online
zugänglich. (von hier auch die Abbildung des Stempels der
jüdischen Gemeinde oben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Romsthal-Eckardroth
(now part of Bad Soden-Salmuenster) Hesse-Nassau. With a membership
drawn from two adjoining villages, the community had a synagogue in Eckardroth
and a combined population of 162 in 1861. Most of the 24 Jews who remained in
1933 left before Worldwar II.

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