Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Breitenbach am Herzberg (Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen       
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Breitenbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1610 Juden am Ort genannt (Jud Herz). 1622 waren es vier Juden (vermutlich mit ihren Familien). 1683 wird "Jud Michel" in Breitenbach genannt. 1744 gab es bereits acht jüdische Familien am Ort, doch ging bis 1776 ihre Zahl wieder auf fünf Familien zurück. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 24 jüdische Einwohner, 1861 54 (5,5 % von insgesamt 983 Einwohnern), 1871 47 (5,5 % von 851), 1885 55 (6,9 % von 802), 1895 75 (9,7 % von 776), 1905 80 (10,3 % von 774).
  
Nach einer Ortsbeschreibung 1842 waren die damals sechs jüdischen Familien mit 34 Personen überwiegend "völlig  verarmt". Sie lebten vom sogenannten Nothandel, einer Art Trödelhandel mit gebrauchten Textilien, Hausrat, Kleintierfellen, Lumpen und anderen Waren. Drei der Familien lebten immerhin im eigenen Haus, wenn auch in sehr beengten Verhältnissen, die anderen lebten zur Miete. Nach 1840 sind mehrere jüdische Familien aus anderen Orten zugezogen, sodass die Zahl der jüdischen Einwohner in Breitenbach gestiegen ist. Unter den Zugezogenen war die Familie des Salomon Wertheim. Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die Breitenbacher jüdischen Familie zumindest teilweise zu bescheidenem Wohlstand.    
  
An Einrichtungen bestanden ein Betraum/Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (1898-1931 Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad (in einem Anbau zum Synagogengebäude, siehe unten) und ein Friedhof. Zur Schule: Im 19. Jahrhundert war zunächst nur eine Religionsschule beziehungsweise eine jüdische Privatschule vorhanden (vgl. unten den Bericht von 1876 über den Privatlehrer D. König). Nachdem es 1890 19 jüdische Schulkinder am Ort gab, beantragten die Familien die Einrichtung einer Israelitischen Volksschule. Sie wurde ab Mai 1898 genehmigt und 1901 von 27 Kindern besucht. In den 1920-er Jahren ging die Zahl der jüdischen Kinder jedoch von etwa 20 auf unter 10 Kinder zurück. An der Israelitischen Volksschule war seit 1898 ein Elementarlehrer angestellt (siehe erstmalige Ausschreibung der Stelle unten). Unter den Lehrern sind bekannt: 1906/07 Julius Flörsheim (geb. 1883), der ab 1. Mai 1905 in Breitenbach als Vertretungslehrer unterrichtete und am 1. April 1907 nach Vöhl wechselte, 1911/12 Lehrer Sally Katzenstein, um 1924 Lehrer Sally Wiesenfelder (später in Eschwege tätig), dann Berthold Katz aus Rhina, der 1931 auf Veranlassung von Rabbiner Dr. M. Cahn (Fulda) nach Burghaun versetzt wurde (1935 nach Wüstensachsen, 1938 nach Rhina).    
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.  
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Hirsch Jacob (geb. 23.12.1888 in Breitenbach, gef. 27.5.1917), Leopold Roth (geb. 27.12.1879 in Niederohmen, gef. 26.3.1917) und Ferdinand Wertheim (geb. 11.10.1895 in Breitenbach, gef. 29.12.1916). Außerdem sind gefallen: Julius Wertheim (geb. 12.3.1888 in Breitenbach, vor 1914 in Kassel wohnhaft, gef. 2.10.1916) und Sigmund Jacob (geb. 20.8.1891 in Breitenbach, vor 1914 in Windecken wohnhaft, gef. 5.3.1915) und Emil Wallach (geb. 12.2.1889 in Breitenbach, vor 1914 in Schlitz wohnhaft, gef. 25.2.1916).      
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch 85 Personen gehörten (9,5 % von  insgesamt 891 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moses Wertheim und Heinemann Wertheim. Als Lehrer war der bereits genannte Sally Wiesenfelder tätig. Er unterrichtete an der israelitischen Volksschule noch 18 Kinder. 1932 war Gemeindevorsteher Sally Wertheim. Als Kantor und Schochet wird S. Stern genannt. Als Lehrer war bis dahin der bereits genannte Berthold Katz am Ort, der an der Israelitischen Volksschule noch acht Kinder unterrichtete und nun nach Burghaun versetzt worden war. An jüdischen Vereinen bestanden: der Israelitische Männerverein (gegründet 1912; 1932 unter Vorsitz von Sigmund Wertheimer mit 10 Mitgliedern; Zweck und Arbeitgebiet: Unterstützung Ortsansässiger) und der Israelitische Frauenverein (gegründet 1926; 1932 unter Leitung von Johanna Roth mit 14 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Bestattungswesen).     
 
1930 waren unter den jüdischen Einwohnern als Gewerbetreibende eingetragen: Gebrüder Jakob (Eisenwaren, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte), Hermann Wallach (Gütervermittler), Witwe Meier Levi (Kolonialwarenhandlung), Moritz Jakob (Manufakturwaren), Hermann Levi (Manufakturwaren), Hirsch Wertheim III (Manufakturwaren), Salomon Wertheim (Manufakturwaren), Jakob Wallach (Versicherungsagent), Moses Wallach (Viehhandel), Heinemann Wertheim (Viehhandel), Hirsch Wallach (Viehhandel).     

1933 lebten noch 75 jüdische Personen in Breitenbach.
In den folgenden Jahren ist ein große Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1939 wurden nur noch neun jüdische Einwohner gezählt.  
  
Von den in Breitenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berni (Benni) Bernstein geb. Wertheim (1897), Ernestine Braunschweiger geb. Jacob (1891), Ferdinand Jacob (1929), Hirsch Jacob (1883), Ida Ilse Jacob (1923), Manfred Jacob (1926), Moritz Jacob (1894), Rosa Katz geb. Levi (1891), Friedel Levi (1921), Henriette Levi (1885), Hermann Levi (1886), Ilse Levi (1924), Jenny Levi geb. Wertheim (1897), Auguste Roth geb. Rosenblatt (1883), Friedel Roth (1913), Gretl Roth (1919), Marianna Schön geb. Wertheim (1866), Jettchen Schönthal geb. Wertheim (1893), Betty Wallach (1889), Jakob Wallach (1891), Leopold Wallach (1893), Malchen Wallach (1899), Meier Wallach (1896), Minna Fanny Wallach geb. Levi (1862), Moses Wallach (1896), Ruth Wallach (1923) Sara Ryka Wallach (1892), Fanni Wertheim geb. Goldschmidt (1862), Hannchen Eva Wertheim (1876), Siegmund (Sigmund) Wertheim (1899).       
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1898 / 1921 / 1925       

Breitenbach Israelit 20061898.jpg (69932 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1898: "Bewerber um die zu errichtende israelitische Schulstelle in Breitenbach i.H., Kreis Ziegenhain, wollen alsbald ihre Zeugnisse bei unterzeichneter Stelle einreichen. 
Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1100 Mark neben freier Wohnung, der Einheitssatz der Alterszulage 120 Mark. 
Marburg, den 15. Juni. Israelitisches Vorsteheramt: Dr. Munk."  
  
Breitenbach aH Israelit 23061921.jpg (51493 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1921: "An der israelitischen Volksschule zu Breitenbach a.H. ist zum 1. Juli dieses Jahres die Stelle eines Lehrers neu zu besetzen. Bewerber, welche gleichzeitig das Amt eines Chasen (Kantors) und Schauchet versehen müssen, wollen die beglaubigten Abschriften ihrer Zeugnisse alsbald an unseren Vorsitzenden Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. N. Cohn, einsehenden. Israelitisches Vorsteheramt Marburg."  
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1925: "Infolge Versetzung des bisherigen Inhabers ist die Stelle eines Lehrers an der israelitischen öffentlichen Volksschule in Breitenbach a.H., Kreis Ziegenhain, neu zu besetzen. Mit der Stelle ist das Amt eines Vorbeters und Schauchets verbunden. Bewerbungen mit Zeugnisabschriften und Kabbolaus von orthodoxen Rabbinern sind bis spätestens 12. September dieses Jahres an uns einzusenden. 
Israelitisches Vorsteheramt in Marburg."
   

  
Erinnerung an Lehrer Sally Katzenstein (1911/12 Lehrer in Breitenbach) 
(Quelle u.a.: Website Friedenwoche-Minden.de)    

Minden Stolperstein Katzenstein Sally 010.jpg (26360 Byte)An den früheren Breitenbacher Lehrer Sally Katzenstein und seine Frau Gietha geb. Nußbaum erinnern "Stolpersteine" in Minden vor dem Haus Wilhelmstraße 18. 
Sally Katzenstein ist 1890 in Jesberg geboren. Er war seit 1913 mit Gietha geb. Nußbaum verheiratet, die 1891 in Rhina geboren ist. Er war 1911/12 Lehrer an der israelitischen Schule in Breitenbach, danach in Lingen (Hannover), von 1921 bis 1934 Lehrer an der jüdischen Schule in Soest sowie Prediger der dortigen Gemeinde. 1935 zog die Familie nach Minden um, wo er privat Religionsunterricht erteilte und Prediger in der Mindener Synagogengemeinde war.
Minden Stolperstein Katzenstein Gietha 010.jpg (27710 Byte)Die Familie versuchte seit 1939, nach Palästina zu emigrieren, doch konnten nur die beiden Töchter des Ehepaares auswandern. 1943 wurde das Ehepaar Katzenstein in das Ghetto Theresienstadt deportiert, später nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden.   
 
Lehrer Sally Katzenstein wechselt von Breitenbach nach Lingen (1912)  
Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. August 1912: Lehrer S. Katzenstein in Breitenbach ist nach Lingen (Hannover) berufen worden".  

   
Lehrer Berthold Katz wechselt von Breitenbach nach Burghaun (1931)   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. Dezember 1931: "Burghaun. Die Regierung hat Herrn Lehrer Katz von Breitenbach a.H. zum 1. Dezember hierher versetzt. Die Gemeinde ist erfreut, dass unser unvergesslicher Lehrer Berlinger seligen Andenkens einen tüchtigen und frommen Nachfolger erhalten hat. Möge auch dem neuen Führer der Gemeinde ein ebenso segensvolles Wirken wie seinem Vorgänger beschieden sein."             

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
 
Spendenaufruf für den schwer erkrankten Privatlehrer D. König (1876) 

Breitenbach aH Israelit 06091876.jpg (71646 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1876: "Edle Glaubensgenossen!  In Nr. 36 des 'Israelit' erließen wir vor zwei Jahren einen Aufruf für den Privatlehrer D. König dahier, der schon 8 Jahre am Knochenfraß am rechten Oberschenkel leidet, aber trotz zweimaliger Operation in Marburg unheilbar ist. Wenn auch damals milde Gaben eingegangen sind, für die wir nochmals danken, so sehen wir uns doch genötigt, edle Herzen um Unterstützung für D. König zu bitten.   
Breitenbach am Herzberg, den 28. August 1876. Es sagt im Voraus schon seinen Dank  
Der Vorstand H. Wertheim II.  S. Apt.  H. Kalb.  M. Wertheim."   

 
Spendenaufruf für den durch einen Brand schwer geschädigte Familie David Wertheim (1893)  

Breitenbach aH Israelit 24081893.jpg (88923 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1893: "Dringende Bitte! Hab' und Gut hat am 9. August der Handelsmann David Wertheim aus Breitenbach a.H. durch ein plötzlich ausgebrochenes Feuer vollständig eingebüßt. 
Die Not der ohnehin in äußerst dürftigen Verhältnissen lebenden Familie, die aus Vater, Mutter und 4 kleinen Kindern besteht, ist sehr drückend und wird dadurch noch vergrößert, dass der Betroffene nichts versichert hatte. Schleunige Hilfe ist dringend geboten.  
Im Vertrauen auf die so oft bewährte Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen wird an dieselben die ergebene Bitte gerichtet, dass auch in diesem, der Unterstützung so sehr bedürftigen Falle ein jeder  sein Scherflein dazu beitrage, um die Not der schwer Heimgesuchten lindern zu helfen.
Gaben werden von Salomon Levy zu Rhina entgegengenommen und weiterbefördert."  

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
 
Über den Bankier und Hoffaktor Wolf Breidenbach (1750 in Breitenbach am Herzberg, gest. 1829 in Offenbach am Main)   
Erinnerung zu seinem 100. Geburtstag; vgl. Wikipedia-Artikel "Wolf Breidenbach". Weitere Artikel aus jüdischen Periodika siehe eine Seite zu Offenbach.              

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. Februar 1929: 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken
              


Zur Goldenen Hochzeit von Isak Kalb und Frau (1915)  

Breitenbach Israelit 12051915.jpg (21569 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1915: "Breitenbach am Herzberg, 5. Mai (1915). In körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische begingen die Eheleute Isak Kalb und Frau im Alter von 75 beziehungsweise 74 Jahren das Fest der Goldenen Hochzeit."   

  
76. Geburtstag von Viehhändler Hirsch Wallach (1928)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. Juni 1928: "Breitenbach am Herzberg. Am 21. Juni begeht der Viehhändler Hirsch Wallach seinen 76. Geburtstag in äußerst körperlicher Frische. Der Geburtstagsfeiernde pflegt auch heute noch die Interessen der Gemeinde; ihm ist es zu verdanken gewesen, dass er ca. 30 Jahre die hiesige israelitische staatliche Volksschule, die auch heute noch besteht, gegründet wurde. Möge auch dem Geburtstagskind im Kreise seiner Angehörigen noch manche frohe Stunde beschieden sein."               

 
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von M. Jacob (1902)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1902: 
"Für meinen Sohn suche zu Ostern eine 
Lehrstelle
in einem Mehl- und Fruchtgeschäft. Samstags geschlossen. 
M. Jacob
, Breitenbach bei Hersfeld."        

      
Verlobungsanzeige von Gerda Gumpert und Meier Wallach (1929) 
Anmerkung: Gerda Wallach geb. Gumpert (geb. 1900) und ihr Mann Meier Wallach (geb. 1896 in Breitenbach am Herberg) wurden von Kassel im Dezember 1941 nach Riga deportiert; sie sind beide 1944 im KZ Stutthof umgekommen.   

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 22. März 1929: 
"Statt Karten  Gerda Gumpert   Meier Wallach   Verlobte   
Hoof (Bezirk Kassel)  Breitenbach (am Herzberg)  März 1929."                   

    
    
  
  
Zur Geschichte der Synagoge         
   
1861 wird von einem Betraum berichtet, den die jüdische Gemeinde angemietet hatte. 1892 befand sich der Betraum in einem zweigeschossigen Fachwerkbau (ehemaliges Bauernhaus mit Stall und Scheune) am Ortsrand in der heutigen Straße "Zum Herzberg". Besitzer des Hauses war Geisel Wallach, der der jüdischen Gemeinde seine "obere Stube" als Betsaal für jährlich 24 Mark vermietet hatte. Nachdem der jüdischen Gemeinde 1898 die Einrichtung einer Israelitischen Elementarschule genehmigt worden war, verkaufte Geisel Wallach 1898 sein ganzes Haus an die jüdische Gemeinde, die hier nun in einem Teil der unteren Räumlichkeiten die Schule einrichtete, während die oberen Räume weiterhin als Betsaal (Synagoge) genutzt wurden. Der andere Teil des Doppelgebäudes wurde an eine christliche Familie vermietet. 
 
In einem Anbau an das Synagogengebäude wurde das rituelle Bad eingerichtet. Durch einen (heute noch erhaltenen) Einlaufstein wurde aus dem Mühlbach, dessen Quelle sich in unmittelbarer Nähe befand, bei Bedarf fließendes Wasser direkt in das Tauchbecken geleitet.  
 
Wie lange nach 1933 in dem Betraum Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Über Vorkommnisse beim Novemberpogrom 1938 ist gleichfalls nichts bekannt. Am 4. August 1939 ging das Gebäude in nichtjüdischen Privatbesitz über. Nach 1945 kam das Gebäude in den Besitz der Jüdischen Vermögensverwaltung (JRSO), die es Mitte der 1950er-Jahre wiederum verkaufte. Nach mehrfachem Besitzerwechsel im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist das Gebäude weiterhin in Privatbesitz und wird als Wohnhaus verwendet.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge            Zum Herzberg 4      
     
     
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2009)    

  Historische Fotos liegen nicht vor; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der 
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
     
Das ehemalige jüdische Gemeindezentrum
 mit Betsaal (Synagoge), Schule 
und rituellem Bad
Breitenbach aH Synagoge 173.jpg (89168 Byte) Breitenbach aH Synagoge 172.jpg (73052 Byte)
  Das Gebäude des ehemaligen jüdischen Gemeindezentrums von zwei Seiten
     
  Breitenbach aH Synagoge 170.jpg (110691 Byte) Breitenbach aH Synagoge 171.jpg (101105 Byte)
  Der Anbau für das rituelle Bad (Mikwe)

    

        
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Breitenbach am Herzberg  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Breitenbach am Herzberg (interner Link)         
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Breitenbach am Herzberg 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Breitenbach am Herzberg 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Breitenbach am Herzberg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,85    Geburtsregister der Juden von Breitenbach am Herzberg  1838 - 1906   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1674998           
HHStAW 365,87    Sterberegister der Juden von Breitenbach am Herzberg  1839 - 1906   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732245    
HHStAW 365,86    Trauregister der Juden von Breitenbach am Herzberg  1841 - 1906  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4971243     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 92-93. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S.38-39.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 42 (keine weiteren Informationen).
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 58.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 403-404.    
Barbara Greve: Jüdisches Leben in den Dörfern Breitenbach, Hausen und Ottrau in landgräflicher und kurfürstlicher Zeit. In: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Hrsg. von Hartwig Bambey, Adolf Biskamp und Bernd Lindenthal. Schwalmstadt-Treysa 1993. Bd. II S. 683-706. 
dies.: Baruch Jacob, Schutzjud. Mosaiksteine aus dem Alltag einer jüdischen Hausiererfamilie um 1800. In: Schwälmer Jahrbuch (1999), S. 17-29. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Breitenbach am Herzberg, Hesse-Nassau. Jews lived in Breitenbach from the mid-18th century, numbering 80 (10 % of the total) in 1905 and 75 in 1933. Not one remained after 1939.   
  
  
See also the English Translation of the article "Breitenbach am Herzberg" from Pinkas ha-kehilot Germanyah (translated by Marion H. Bernstein)   
http://www.jewishgen.org/yizkor/Pinkas_germany/ger3_00403.html   
   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Juli 2017